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Full text of "Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Mathematisch-Naturwissenschaftliche Classe"

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I 



SITZUNGSBERICHTE 



DER KAISERLICHEN 



UiMMlE DER WISSEKSdUJlfTEK. 



MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSF, 



FÜNF UND FÜNFZIGSTER BAND. 



WIEN. 

AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 

IN COMMISSION BEI KARL GEROLD 'S SOHN, BUCHHÄNDLER DER KAIS. AKADEMIE 
DER WISSENSCHAFTEN. 

1867. 



SITZUNGSBERICHTE 



DER 



MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN 

CLASSE 



DER KAISERLICHEN 



AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



LV. BAND. I. ABTHEILUNG. 

Jahrgang 1867. — Heft I bis V. 
(ltit 66 Cafein ttnb 2 IfolfarljttittetL) 



WIEN 

AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDltüCKKUEI. 

IN COMMISSION BEI KARL GEROLD'S SOHN, BUCHHÄNDLER DER KAIS. AKADEMIE 
DER WISSENSCHAFTEN. 

1867. 



■J(Ä. 



INHALT. 



Seite 

I* Sitzung vom 3. Jänner 1867: Übersicht 3 

v. Zepharovich, Nachtrag zu meinen krystallographischen 

Mittheilungen im 43. und 52. Bande dieser Berichte . 7 

Steindachner , Über einige Fische aus dem Fitzroy-Flusse bei 
Rockhampton in Ost- Australien. (Mit 1 Tafel und 

2 Holzschnitten.) 9 

Renss, Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wie- 

liczka in Galizien. (Mit 8 Tafeln.) 17 

Lipsky , Beiträge zur Kenntniss des feineren Baues des Darm- 

canals. (Mit 2 Tafeln.) 183 

II. Sitzung vom 10. Jänner 1867: Übersicht 193 

III. Sitzung vom 17. Jänner 1867: Übersicht 196 

Unger , Botanische Streifzüge auf dem Gebiete der Cultur- 

geschichte. VIII 198 

IV. Sitzung vom 31. Jänner 1867: Übersicht W&XS^ 

V. Sitzung vom 7. Februar 1867: Übersicht 367 U} 

Reuss , Über einige Bryozoen aus dem deutschen Unteroligo- 

cän. (Mit 3 Tafeln.) 216 

Freih. v. Ettingshausen, Die Kreideflora von Niederschoena in 
Sachsen, ein Beitrag zur Kenntniss der ältesten Dioo- 

tyledonengewächse. (Mit 3 Tafeln.) 235 

Steindachner, Herpetologische Notizen. (Mit 4 Tafeln.) . . 263 

VI. Sitzung vom 14. Februar 1867: Übersicht 275 

Reuss, Über einige Crustaceenreste aus der alpinen Trias 

Österreichs. (Mit 1 Tafel.) . . 277 

VII. Sitzung vom 28. Februar 1867: Übersicht 285 

Tschermak, Quarzführende Plagioklasgesteine 287 

Graber, Zur Entwicklungsgeschichte und Beproductions- 

fähigkeit der Orthopteren. (Mit 4 Tafeln.) ..... 317 
Boue, Über eine neu entdeckte Höhle im tertiären Conglo- 

merate in Gainfahrn 325 

VIII. Sitzung vom 14. März 1867: Übersicht 329 

Karr er , Zur Foraminiferenfauna in Österreich. (Mit 3 Tafeln 

und einer Übersichtstabelle.) 331 

Jelinek , Über die Stürme des November und December 1866. 

(Mit 4 Tafeln.) 396 



VI 

Seite 

IX. Sitaung vom 2t. März 1867: Übersicht 401 

lioitr . Beiirfige zur Erleichterung einer geographischen Auf- 
nahme der europäischen Türkei. (Mit 2 Tafeln.) . . . 403 
Tkchertnak, Pie kobaltführcnden Arsenkiese Glaukodot und 

Danait 447 

Fitzinger, Versuch einer natürlichen Anordnung der Nage- 

thiere (Modetitia) 1 453 

Frcih. v. Ettingshausen, Die fossile Flora des Tertiär-Beckens 

von Bilin. III. Theil . 516 

Steindachner, Ichthyologische Notizen (IV.) (Mit 6 Tafeln). 517 

X. Sitzung vom 4. April 1867: Übersicht 537 

Kner, Über Orthacanthus Dechenii Goldf. oder Xenacanthns 

Dechenii Beyr; (Mit 10 Tafeln.) 540 

Steindachner , Über einige neue und seltene Meeresfische aus 

China 585 

Langer, Über das Lymphgefäßsystem des Frosches. (Mit 3 

Tafeln.) 593 

— Lionardo da Vinci, der erste Darsteller der richtigen 

Lage des menschlichen Beckens 637 

Unger, Kreidepflanzen aus Österreich. (Mit 2 Tafeln.) . . . 642 
v. Biesiadecki , Untersuchungen über die Gallen- und Lymph- 
gefäße derMenschenleber in pathologischen Zuständen. 
(Mit 1 Tafel.) 655 

XI. Sitzung vom 11. April 1867: Übersieht 667 

XII. Sitzung vom 25. April 1867: Übersicht 669 

Schwarz, Über eine Methode doppelter Färbung mikroskopi- 
scher Objecte, und ihre Anwendung zur Untersuchung 
der Musculatur des Darmtraktes der Milz, Lymph- 
drüsen und anderer Organe. (Mit 5 Tafeln.) .... 671 

XIII. Sitzung vom 9. Mai 1867: Übersicht 695 

XIV. Sitzung vom 16. Mai 1867: Übersicht ... 698 

Steindachner, Ichthyologische Notizen (V). (Mit 3 Tafeln.) 701 
Kner, Nachtrag zu den fossilen Fischen von Raibl. (Mit 1 

Tafel.) 718 

XV. Sitzung vom 23. Mai 1867: Übersicht 723 

Bericht über die Concurrenzschrift für den am 28. December 
1865 ausgeschriebenen Preis aus dein Gebiete der 
Mineralogie , 726 

— über die Concurrenzschrift für den am 30. Mai 1864 aus- 

geschriebenen Preis aus dem Gebiete der Geologie . 728 



SITZUNGSBERICHTE 



DEIi 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 



LV. BAND. 

ERSTE ABTHEILUNG. 



Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik, 
Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie. 



Sitzb. d. mathem -naturw. Cl. LV. Bd. f. Abth. 



I. SITZUNG VOM 3. JANNER 1867, 



Der Secretär legt folgende Einlaufe vor: 

Eine Concurrenzschrift für die am 28. Decemher 1865 ausge- 
schriebene Preisaufgabe aus dem Gebiete der Mineralogie, mit dem 
Motto : „Nunquam otiosus". 

Eine Bewerbungsschrift für die am 30. Mai 1864 ausgeschrie- 
bene Preisfrage aus der Geologie, mit dem Motto : 

„Nie war Natur und ihr lebendiges Fließen 
Auf Tag und Nacht und Stunden angewiesen; 
Sie bildet regelnd jegliche Gestalt, 
Und selbst im Großen ist es nicht Gewalt." 

Göthe. 

Ein Dankschreiben des Herrn Prof. Dr. Fr. Rochleder für die 
ihm gewährte Subvention von 300 fl. 

Ein Dankschreiben des Herrn Prof. Dr. R. Maly in Olmütz für 
die ihm bewilligte Subvention von 250 fl. 

Eine Abhandlung: „Über Quercitrin" nebst einer für den An- 
zeiger bestimmten vorläufigen Notiz von Herrn Prof. Dr. Fr. Röch- 
le d e r. 

„Mittheilungen aus dem chemischen Laboratorium in Innsbruck" 
von Herrn Prof. Dr. H. H 1 a s i w e t z. 

Einen „Nachtrag zu den krystallographischen Mittheilungen im 
43. und 52. Bande der Sitzungsberichte" von Herrn Prof. Dr. V. 
Ritter v. Zepharovichin Prag. 

Eine Abhandlung: „Über das Verhalten von Zink und Zinkoxyd" 
von Herrn A. Siersch, Magister der Pharmacie und Stipendisten 
für Chemie an der k. k. Universität zu Leinberg. 

Endlich eine Abhandlung: „Zur Entwickelungsgeschicbte und 
Reproductionsfähigkeit der Orthopteren" von Herrn Vitus Grab er, 
stud. phil. zu Innsbruck". 

Herr Prof. Dr. R. Kner legt eine Abhandlung: „Über die als 
Xenacanthus Dechenli Beyr. bekannte fossile Fischgattung" vor. 

1* 



\ 

Derselbe überreicht ferner eine Abhandlung: „Über einige 
Fische aus dem Fitzroy-Flusse bei Rockhampton in Ost-Australien", 
von Herrn Dr. Fr. S t ein d a ebner. 

Herr Prof. Dr. J. Redtenb acher übergibt die „Chemische 
Analyse des Mineralwassers in Mödling bei Wien" von Herrn Dr. 
Ed. Schwarz. 

Herr Dr. S. Stricker legt eine Abhandlung des Herrn Dr. A. 
Lipsky aus Kiew vor, betitelt: „Beiträge zur Kenntniß des feineren 
Baues des Darmkanals". 

Herr F. Unf erdinger legt folgende vier Abhandlungen vor: 

1. „Die Summe der harmonischen und Arcustangens-Beihe mit 
alternirenden Zeichengruppen". 

2. „Über einige mit dem Laplace'schen verwandte bestimmte 

Integrale". 

1 1 1 

3. Die Grenze des Ausdruckes — — — -] -f- • • • + 



m+1 ' m+2 ' ' 2m 

für m = oo". 

1 1 1 

4. „Beweis der Divergenz der unendlichen Reihe 1- 1- - — . . 

1 1 1 s { 2s 2 3s 3 

wenn 5n = 1 + - + _ + . ..+_«. 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Akademie der Wissenschaften, König]. Preuss., zu Berlin: Monats- 
bericht. August 1866. Berlin; 8«. 

— — König!» Bayer. , zu München: Sitzungsberichte. 1866. I. 
Heft 4; 1866. II. Heft 1. München; 8<>. 

— Königl. gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt: Jahrbücher. 
Neue Folge. Heft IV— V. Erfurt, 1866; 8». 

Annalen der Chemie u. Pharmacie von Wo hl er, Lieb ig u. 

Kopp. N. R. BandLXIV. Heft 1—2. Leipzig & Heidelberg, 

1866; 8«. 
Annales des mines. VI e Serie. Tome IX., l rc Livraison de 1866. 

Paris; 8<>. 
Apotheker-Verein, allgem. österr. : Zeitschrift. 4. Jahrg. 

1866, Nr. 24; 5. Jahrg. 1867. Nr. 1. Wien; 8<>. 
Astronomische Nachrichten. Nr. 1620- 1621. Altona, 1866; 4°. 
Breslau, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften. 1865/6. 

4" & 8". 



Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences. Tome 
LXIII. Nrs. 23—24. Paris, 1866; 4<>- 

Cosmos. 2 e Serie. XV e Annee, 4 e Volume, 24 e — 26 e . Livraisons. 

Paris, 1866; So- 
Gesellschaft, österr., für Meteorologie: Zeitschrift. I. Band. 
Wien, 1866; 8<>. 

Gewerbe-Verein, n. - ö. : Wochenschrift. XXVII. Jahrg. Nr. 5 1 
bis 53. Wien, 1866; 8°. 

Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer von Vor- 
werk. Band XXVI, Heft 3— 4. Speyer, 1866; 8». 

Jahrbücher der k. k. Central-Anstalt für Meteorologie und Erd- 
magnetismus. Von C. Jelinek und C. Fritsch. Neue Folge, 
I. Band. Jahrgang 1864. (der ganzen Reihe IX. Band.) Wien, 
1866; 4o. 

Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie von H. Will. 
Für 1865. 2. Heft. Giessen, 1866; 8<>. 

Land- und forstwirthschaftl. Zeitung. XVI. Jahrg. Nr. 36. Wien, 
1866; 4o. 

Lese verein, Akademischer, an der k. k. Universität in Wien: 
V. Jahresbericht. 1865—66. Wien; 80. 

Marburg, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften. 1865/6. 
4o & 80. 

Mittli eilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Jahrg. 
1866. XI. Heft. Gotha; 4°. 

Moniteur scientifique. 240 e Livraison. Tome VHP, Anne'e 1866. 
Paris; 4o. 

Prym, Friedrich, Zur Theorie der Functionen in einer zweiblättri- 
gen Fläche. (Denkschr. der Schweiz. Naturf. Ges. 22. Bd.) 
Zürich, 1866; 4°. 

Reader. Nrs. 207—209, Vol. VII. London, 1866; Folio. 

Reichsforstverein, österr. : Monatsschrift für Forstwesen. XVI. 
Band, Jahrg. 1866. October-Heft. Wien; 80. 

So ei et e des Sciences naturelles de Neuchatel: Bulletin. Tome VII. 
2 e Cahier. Neuchatel, 1866; 80. 
— Linneenne de Bordeaux: Actes. Tome XXV. (3 a Serie: Tome 
V.) Paris & Bordeaux, 1864; gr. 80. 

Society, The Chemical: Journal. Ser. 2, Vol. IV. July-Septemher 
1866. London; 80. 



6 

Verein, naturhist-medizinischer, zu Heidelberg: Verhandlungen. 
Band IV. 3; 80. 

Wiener medizin. Wochenschrift. XVI. Jahrg. 1860. Nr. 101—104. 
XVII. Jahrg. L867. Nr. 1. Wien; 4<>. 

Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts- Gesellschaft. 
XV. Jahrg. Nr. 30. Gratz, 1806; 4«. 

W ü r z 1) u r g , Universität : Akademische Gelegenheitsschriften. 
1865/6. 4o cV 80. 

Zeitschrift für Chemie etc. von Beil st ein, Fittig und Hüh- 
ner. IX. Jahrg. Neue Folge. II. Band. 18.— 23. Heft. Leipzig, 
1860; So- 



Zepharovich. Nachtrag- zu meinen krystallogr. Mittheilungen etc. 



Nachtrag zu meinen krystaUo graphischen Mittheilungen im 
43. und 32. Bande dieser Berichte. 

Von dem c. M. V. Ritter v. Zepharovich. 

Zweifach aineisensaures Rupferoxyd (43. Band, 1861, S. 548). 
Die yon K. v. Hauer aufgestellte Formel: CuO .2C 3 H0 3 + 4HO 

gründet sich nur auf die Ermittlung eines Bestandteiles , des 
Kupferoxydes, welches mit 26*7 Proc. bestimmt wurde. Eine voll- 
ständigere Analyse zur Nachweisung der wohl ungewöhnlichen For- 
mel des Salzes war daher wünschenswerth ; Prof. Th. Wertheim 
hatte, auf meine Bitte, eine solche begonnen und mir darüber Fol- 
gendes mitgetheilt: „In 0-1844 Grm. der Krystalle wurden 0*0690 
Kupferoxyd gefunden, hieraus ergibt sich das Atomgewicht des Salzes 
= 106*26 und es stellt sich mithin als eine Unmöglichkeit dar, daß 
dasselbe 2 Äquivalente Ameisensäure auf 1 Äquivalent Kupferoxyd 
enthalte. Nimmt man in dem Salze auf 1 Äquivalent Kupferoxyd, 
1 Äquivalent Ameisensäure an, so würde der gefundene Kupfergehalt 
am besten mit der Formel CuO . C 2 H0 3 -f- 3 HO stimmen; diese For- 
mel verlangt nämlich 38*28 Proc. Kupferoxyd, während nach dem 
obigen Versuche 37*42 Proc. gefunden wurden." 

Die mit dem Reste meines geringen Vorrathes von Kryställchen 
vorgenommene Wasserbestimmung ist leider mißlungen, daher die 
Formel des Salzes — in welchem Wertheim eine ansehnlich 
größere Menge Kupferoxyd als v. Hauer fand — noch immer frag- 
lich. Wiederholte Versuche die gemessenen Krystalle wieder darzu- 
stellen, führten zu keinem Resultate; ich erhielt unter verschiedenen 
Umständen stets die von Heußer untersuchten Krystalle des 
CuO.C 3 H0 3 + 4HO. 



g \. y. o |> li ;i r o i i c h. Nachtrag tu meinen krysiallogr. MHtheilungen etc. 

kohlensaures Kali-Natron, KO. C0 3 + Na(). CO, + 12110 und 
Santoiiin. C 80 H 18 O e (82. Hand, 186ö, S. 237 und 248) Krystalle der 
beiden Substanzen wurden — ich hatte dies übersehen — bereits 
früher gemessen, und zwar erstere durch Marignac (Ann. d. min. 
[8] 12. Band, 1857, S. 57), letztere durch v. Lang (diese Ber. 
31. Band, 1888, S. 118). Die Ergehnisse dieser Messungen und der 
meinigen sind in befriedigender Übereinstimmung. 



St einda clm er. Über einige Fische aus dem Fitzroy-Flusse etc. 



Über einige Fische aus dem Fitzroy- Flusse bei Rockhampton 
in Ost- Australien. 

Von Dr. Franz Steindaciiner, 

Assistenten am k. k. zoologischen Museum. 

(Mit 1 Tafel und 2 Holzschnitten.) 

1. Art Aiubassis Agassizii nov. spec. 
D. 1 + 7| i/ 8 ; A. i/ 8 ; L. lat. c. 25—26; L. tr. 13i/ 2 . 

Char. Kopflänge 3mal, Körperhöhe c. 2 1 / 2 mal, zweiter Stachel der 
ersten Dorsale Spinal in der Körperlänge ohne Schwanzflosse 
enthalten. Von den drei Stacheln der Anale ist der zweite am 
stärksten, der dritte am längsten; letzterer gleicht ferner dem 
Stachel der zweiten Dorsale an Länge, ist aber kürzer als der 
zweite oder selbst der dritte Stachel der ersten Dorsale. Der 
Vordeckel trägt am hinteren und unteren freien Rande, so wie 
zunächst dem Winkel der Präopercularleiste zahlreiche, deutlich 
sichtbare Zähnchen; das Interoperculum ist zunächst dem hin- 
tern Ende des untern Randes, der Präorbitalknochen endlich 
am ganzen freien Rande gezähnt. 

Die Mundspalte erhebt sich in schiefer Richtung nach vorne 
und oben und ist von geringer Länge; die Schnauze ist nur 
halb so lang wie das Auge, dessen Durchmesser sich zur Kopf- 
länge (ohne den häutigen dreieckigen Anhang des Kiemen- 
deckels) wie l:2s/ 5 verhält. Unter den Augen liegen zwei 
Reihen von Schuppen auf den Wangen. Die Stirnbreite beträgt 
etwas mehr als 2 / 3 der Augenlänge. Die Profillinie des Kopfes 
erhebt sich in gerader Linie ziemlich steil bis zur ersten Dor- 
sale, deren liegender Stachel unter den Schuppen verborgen 
ist. Eine Reihe kleiner Schuppen liegt längs der Basis der bei- 
den Rückenflossen und der Anale; die Spitzen der zwei läng- 
sten, ersten Gliederstrahlen der Ventrale erreichen zurückgelegt 
nahezu die Basis des ersten Analstachcls. Die bräunliche Grund- 



( () Steindac h n e r. 

färbe des Körpers wird gegen den Bauch heller; die Schuppen 
sind am hintern Rande etwas dunkler gefärbt als in der Mitte 
und im vordem Theile. Eine silbergraue Längsbinde mit einem 
schwärzlichen Längsstriche in der Mitte zieht vom obern Ende 
des Kiemendeckels zur Schwanzflosse. Eine breite, von schwärz- 
lichen Pünktchen gebildete Binde liegt auf der Ventrale hinter 
dem Stachelstrahle; auch die Flossenhaut der beiden Rücken- 
flossen und der Anale ist zunächst den Strahlenenden schwärz- 
lich punktirt. 

2. Art Apogon australis nov. spec. 
D. 7|«/ 9 ; A. y 8 ; L. lat. 24—25 (absq. sq. in p. caud.); L. tr. 13. 

In der Zeichnung des Körpers erinnert diese Art an Apogon 
lineatus T. Schleg., da über die Seiten des Körpers 8 — 9 schwarze 
Querstreifen herabziehen, welche circa in halber Körperhöhe von 
einer bleifarbigen Längsbinde gekreuzt werden , doch unterscheidet 
sie sich von letzterwähnter Art aus Japan durch die viel bedeutendere 
Höhe der kurzen, gedrungeneren Körpergestalt, so wie der ersten 
Rückenflosse. 

Char. Die Kopflänge ist circa 2s/ 4 mal, die größte Körperhöhe 2mal 
in der Körperlänge ohne Caudale enthalten. Nur der freie Rand 
des Vordeckels ist gezähnt , die Vordeckelleiste aber zahnlos, 
hiedurch nähert sich diese Art bereits den Apogo?iichtys-Avten. 
Die Mundspalte ist lang, von sehr geringer Breite und schief 
nach vorne und oben gestellt. Das Auge gleicht an Länge einem 
Drittel des Kopfes oder der Breite des Kiemendeckels (ohne den 
häutigen Anhang). Der Präorbitalknochen ist am untern Rande 
deutlich gezähnt; nur zwei Schuppenreihen liegen auf den 
Wangen zwischen dem Auge und der Vordeckelleiste. Die Profil- 
linie des Kopfes erhebt sich in steiler Richtung (viel steiler als 
bei A. lineatus) bis zum Beginne der ersten Dorsale und ist 
nur in der Augengegend schwach eingedrückt. Von den sieben 
Stacheln der ersten Dorsale ist der zweite am längsten und 
stärksten und circa 2 / 3 der größten Leibeshöhe gleich; der erste 
Stachel derselben Flosse ist etwas länger als der letzte, aber 
kürzer als der vorletzte. Zunächst dem hintern, schwach con- 
vexen Rande der ersten Dorsale liegt eine ziemlich breite 
schwarze Binde. Auch die zweite Dorsale, welche nicht die 



Über einige Fische aus dem Fitzroy-Flusse bei Rockhampton etc. j 1 

Höhe der ersten Rückenflosse erreicht und die Anale sind zu- 
nächst dem freien Rande der Strahlen etwas dunkler gefärbt als 
im übrigen Theile. 

Der zweite und dritte Analstachel gleichen sich an Länge 
und Stärke, sind aber kürzer als der zweite Stachelstrahl der 
ersten Dorsale und circa 2mal in der Körperhöhe enthalten. 
Die Schwanzflosse ist hinten eingebuchtet und an den Winkeln 
abgerundet. Der hintere Rand jeder Rumpfschuppe ist dunkel- 
braun gesäumt; die Grundfarbe des Körpers ist ein helles Braun, 
die Bauchseite ist silberfarben. 

3. Art Apogonichthys Gillii nov. spec. 
Taf. I, Fig. \. 

Char. Kopflänge gleich */ 3 , Körperhöhe a/ 7 — s/ 17 der Totallänge; 
Mundspalte sehr lang, schief nach oben und vorne gerichtet; 
Augendiameter gleich der Schnauzenlänge; Caudale abgerundet; 
Dorsale mit sechs Stacheln, von denen der erste am kürzesten, 
der zweite am höchsten und stärksten ist. Anale am untern 
Rande abgerundet, mit acht Gliederstrahlen; zweite Dorsale 
eben so hoch wie die Anale, mit neun Gliederstrahlen. Körper- 
färbung bräunlich mit Silberreflex; die beiden Dorsalen, die 
Anale und Caudale sehr fein schwarz punktirt und zwar am 
dichtesten zunächst dem freien Rande der Strahlen; Ventrale im 
mittleren Theile schwärzlich, an den Rändern weißlich. Kurze, 
schwärzliche Binden laufen strahlenförmig vom Augenrande aus; 
unter diesen zieht die oberste, welche am längsten und zugleich 
am schärfsten ausgeprägt ist, vom hintern Augenrande über 
den obern Kiemendeckelrand bis zum Beginne der Seitenlinie, 
welche 27 — 28 Schuppen durchbohrt; Rumpf mit breiten, 
Querbinden - ähnlichen großen Flecken von dunkelbrauner 
Färbung. 

Gatt. Lepidoblennius nov. gen. 

Char. Körpergestalt wie bei Blennhis; Rückenflossen 2, deutlich 
von einander geschieden; die erste mit zahlreichen, bieg- 
samen Stacheln, die zweite Dorsale wie die Anale von ein- 
fachen gegliederten Strahlen gebildet, stachellos; nur der letzte 
Strahl der zweiten Dorsale und der Anale ist zuweilen gespal- 



I 2 S t e i n il ;i c h n e r, 

ten; Pectorale sehr stark entwickelt, mit einfachen dicken 
Gliederstrahlen in der untern Hälfte der Flosse; Ventrale 
jugulär mit zwei dicken und einem dünneren einfachen Glieder- 
strahle; Kiemenöffnung mit sechs Kiemenstrahlen; deutlich ent- 
wickelte Pseudohranchien; eine Binde zahlreicher, feiner Zähn- 
chen im Zwischen- und Unterkiefer und einer Außenreihe dicht 
an einander gestellter, viel längerer, etwas gebogener Zähn- 
chen; Rumpf deutlich beschuppt; Schuppen cycloid. 

4. Art Lcpidoblcnnins haplodactylus n. spec. 
Taf. I, Fig. 2, 3. 

Char. Kopflänge circa */ 7 , Körperlänge 2 / 15 der Totallänge; Stirn- 
profil steil zum vordem Mundrande abfallend, Kopf mäßig com- 
primirt, Stirnbreite gleich halber Augenlänge; ein kleines, 
gefranstes Tentakel am vordem Nasenloche; Pectorale lang, 
fächerförmig gestaltet mit fünf bis sechs einfachen, sehr dicken 
Strahlen in der untern Hälfte, circa 4mal in der Totallänge 
enthalten. Die drei ersten Stachelstrahlen der langen ersten 
Dorsale stehen weiter von einander entfernt als die übrigen und 
bilden eine Art Vorflosse, welche unmittelbar hinter dem Hinter- 
haupte beginnt. Die Höhe dieser drei ersten Stacheln ist so wie 
die der Dorsalstrahlen überhaupt bei Männchen viel bedeutender 
als bei den Weibchen; die zweite Dorsale ist bei Weibchen 
wie es scheint höher als die erste, bei Männchen dagegen min- 
der hoch. Die Anale wird mit Ausnahme der drei bis vier letz- 
ten verbundenen Strahlen von fast vollkommen isolirt stehenden, 
einfachen, sehr dicken ungegliederten Strahlen (Taf. 1, Fig. 3) 
gebildet, da die Flossenhaut von der hintern Spitze jedes Anhef- 
tungsstrahles zur Basis des darauffolgenden Strahles zieht; nur 
bei den drei bis vier letzten Analstrahlen reicht die Flossenhaut 
weiter hinab, der letzte Analstrahl ist außerdem getheilt. Die 
Randstrahlen der Caudale. welche am hintern Rande schwach 
abgerundet ist, sind einfach, die übrigen getheilt. 

Der Rumpf ist vollständig mit kleinen Schuppen bedeckt; 
die Seitenlinie durchbohrt circa .62 Schuppen, von denen die 
vordersten durch ihre Größe sich von den benachbarten aus- 
zeichnen. Sämmtliche Flossen mit Ausnahme der Ventrale sind 
mit mehreren regelmäßigen Reihen abwechselnd heller und 



Über einige Fische aus dem Fitzroy-Flusse bei Rockiiampton etc. 1 3 

dunkler Fleckchen geziert, welche auf der Pectorale und 
Caudale in querer, auf der Anale in horizontaler, auf den 
beiden Rückenflossen endlich in schiefer Richtung laufen und 
bei alten Individuen minder lebhaft gefärbt sind als bei jungen 
Exemplaren. 

Fünf schwarze, mehr oder minder scharf ausgeprägte, 
große rundliche Flecken liegen im obersten Höhen drittel der 
Rumpfseiten; zahlreiche, schwach gebogene Streifen von ähn- 
licher Färbung nehmen die beiden übrigen Höhendrittel des 
Rumpfes ein; zunächst unter der Seitenlinie liegen grosse, weiße, 
rundliche Flecken, welche bei manchen Exemplaren aber nur 
schwach ausgeprägt sind, über der Seitenlinie endlich viel zahl- 
reichere, gleichfalls reinweiße Punkte. Ein schwarzer Fleck 
auf der grauschwarzen Flossenhaut der Vorflosse zwischen dem 
zweiten und dritten Stachel der ersten Dorsale. 

D. 17/11—12, A. 19; P. 14—15; V. 3; L. lat. c. 02. 
5. Art Eleotris lineolatus nov. spec. 

Char. Kopf breit, sehr stark deprimirt, auf der Oberseite ganz flach; 
Kopflänge etwas mehr als 3mal, Caudale und Pectorale (von 
ovaler Gestalt) circa 5s/ 5 mal in der Totallänge; Körperhöhe 
fast 2mal , größte Kopfbreite zwischen den Deckelstücken 
iy 4 mal in der Kopflänge enthalten. Keine Gaumen- oder Vomer- 
zähne; Unterkiefer stark vorstehend; Stirnbreite gleich der 
Schnauzenlänge oder zweiAugendiameteru. Oberseite des Kopfes 
mit Ausnahme der Schnauze mit kleinen Schuppen besetzt; 
Schuppen auf den Wangen kleiner als die übrigen Schuppen 
des Kopfes; 62 Schuppen längs der Seitenlinie mit Ausschluß 
der Schuppen auf der Schwanzflosse. Rückenseite dunkelbraun, 
gegen den Rauch heller; Schuppen der Körperseiten mit einem 
schwärzlichen Fleck in der Mitte, wodurch zahlreiche Längs- 
linien in der Richtung der Schuppenreihen sich bilden. Rauch- 
flossen einfarbig, hell gelbbraun, zweite Dorsale und Caudale 
undeutlich gefleckt. 

D. 6/i/ 9 ; A. i/ 8 ; L. lat. 62. 

Ein großes Exemplar von fast 10 Zoll Länge. 



1 4 S t c i n «1 :i e li n e r. 

Gatt. Neosilurus nov. gen. 

Char. Korpergestalt gestreckt, stark comprimirt; Schnauze nasen- 
formig die kleine, unterständige, bogenförmig gekrümmte 
Mundspalte überragend; Kieferzähne klein, konisch, in geringer 
Zahl; Zähne am Vomer, keine auf den Gaumenbeinen; jederseits 
ein Nasen-, ein Eck- und zwei Unterkieferbarteln; Dorsale von 
einem Knochenstrahl und mehreren Gliederstrahlen gebildet, 
mit kurzer Basis- keine Fettflosse; Anale sehr lang, mit der 
Caudale verschmolzen; Pectorale mit einem Knochenstrahl; 
Ventrale nur von biegsamen Strahlen gebildet und vor dem 
Beginne der Dorsale eingelenkt; Porus pectoralis vorhanden; 
Kopfhaut weich und zart, ohne Granulirungen. 

6. Art Neosilurus Hyrtlii nov. spec. 
Taf. I, Fig. 4, S. 

Char. Kopflänge nahezu 5i/ 2 mal, Körperhöhe ö 3 / 5 mal in der Total - 
Hinge, Augendiameter 2mal in der Schnauzenlänge enthalten. 
Kopfbreite etwas mehr als l2/ 3 mal, Höhe der Dorsale iy 5 mal in 
der Kopflänge. Dorsal- und Pectoralstachel am hinteren Rande 
gezähnt, doch mit einer dicken Haut umgeben, so daß dieZähne- 
lung erst nach Hinwegnahme der letzteren sichtbar wird. Pecto- 
rale etwas langer als die Dorsale; Ventrale 5 / 8 der Pectorallänge 
gleich. Die größte Breite des Rumpfes steht der Hälfte der Körper- 
höhe etwas nach; der Rumpf nimmt gegen die Schwanzspitze 
rasch an Höhe und zugleich an Breite ab. Die Mundspalte ist 
klein, bogenförmig gerundet, unterständig, (s. Taf. I, Fig. 5) und 
wird von der konischen Schnauze weit überragt. Zähne sind so- 
wohl in den Kiefern als auch am Vomer vorhanden , konisch und 
liegen im Zwischen- und Unterkiefer zwischen Papillen fast ganz 
verborgen. Gaumenzähne fehlen. Die Barteln sind mäßig lang; die 
längsten, äußeren Unterkieferbarteln reichen zurückgelegt über 
das Auge hinaus, doch nicht bis zum hintern Kopfende; die 
Spitze der zurückgelegten Nasenbarteln erreichen die Mitte des 
Auges. Der Kiemendeckel ist gestreift, der Occipitalfortsatz sehr 
schmal und lang. Die Rückenseite zeigt eine dunkelviolette Fär- 
bung, welche gegen die Bauchseite ins Silbergraue übergeht, 
doch überall sehr zart violett punktirt ist. Die Seiten des Kopfes 



Über einige Fische aus dem Fitzroy-Flusse bei Rockhampton etc. 



15 



sind silbergrau mit stahlblauem Schimmer, die unpaarigen 
Flossen bräunlich, die Ventrale ist schmutzig gelblich. 

Seitenlinie etwas über halber Höhe des Körpers hinlaufend; 
System der Kopfcanäle stark entwickelt. 

D. 1/4; V. 12; P. 1/10; C. et A. c. 106— HO. (A. c. 80—82.) 



7. Art Anguilla Reinhardtii nov. spec. 

In der Körpergestalt hat diese Art viele Ähnlichkeit mit Ang. 
Äucklandii, doch ist die Schnauze stärker zugespitzt, länger und 
schmäler (siehe Fig. a), die Zahnbinden in den Kiefern sind schmäler, 
die Vomerbinde (s. Fig. b) aber ist breiter 
als bei letztgenannter Art. Die Kopflänge, 
bis zur Kiemenspalte gerechnet ist circa 
6i/ 3 mal in der Totallänge, die größte 
Körperhöhe 2mal in der Kopflänge enthal- 
ten. Der Augendiameter gleicht der Hälfte 
der Stirnbreite oder s/ 7 der Schnauzen- 
länge, die größte Kopfbreite kommt nahe- 
zu der halben Kopflänge gleich. Die Mund- 
winkel fallen um die Länge eines Auges 
hinter den hintern Augenrand. Die Anale 
beginnt ziemlich weit hinter der Dorsale, 
nämlich um die Länge des Kopfes zwi- 
schen dem obern Ende der Kiemenspalte 
und der hintern Nasenöffnung. Der Körper 
ist sehr dunkel rothbraun, die Unterseite 
des Kopfes und der Bauch schmutzig- 
fleischfarben; die Porenmündungen der 
Seitenlinie bilden gelbe Punkte. Außer- 
dem ist der ganze Körper mit Ausnahme 
der Bauchseite mit zahlreichen länglichen 
oder runden, kleinen Flecken von schwar- 
zer Färbung übersäet. Die freien Bänder 
der Caudale, Dorsale und Anale sind weiß- 
lich gesäumt. Beschuppung wie bei Ang. 
Äucklandii. 

Totallänge des beschriebenen Exemplares 21 </>". 

Entfernung der Dorsale von der Spitze des Unterkiefers 7" 3" 





1 () Steindftchuer. Ober einige Fische ;:ns dem Fit«roy-Flusse etc. 

Entfernung der Anale von der Spitze des Unterkiefers 9" 11'" 
Kopffänge 3 4 vV" 
Kopfhöhe L" 0'" 

Länge des ovalen Auges nahezu 4'" 
Schnauzenlänge nicht ganz 8"'. 

8. Art Strabo nigrofasciatus Kn. Steind. 
{Nematocentris splendida Peters.) 

Bei Männchen sind die letzten Strahlen der zweiten Dorsale und 
der Anale, ferner die Ventralen und die mittleren Strahlen der ersten 
Dorsale nicht unbedeutend länger als hei Weibchen. Bei Exemplaren 
von 3" T" in der Totallänge beträgt die Körperhöhe 14t/ a /// , die 
Kopflänge 9 '". Über die basale Hälfte der zweiten Rückenflosse und 
der Anale laufen 2 — 3 Reihen dunkel purpurroter Flecken, der 
übrige Theil eben dieser Flossen , so wie die ganze erste Dorsale 
zeigt hell carminrothe, sehr schmale Querstreifen. Die Spitzen beider 
Dorsalen und der äußere Strahl der Ventrale sind schwärzlich violett, 
die vier inneren Strahlen der Ventrale und die ganze Schwanzflosse 
schmutzig rothviolett. Unter der silbergrau eingefaßten schwärzlichen 
oder nur einfarbig silbergrauen Längsbinde, welche über die fünfte 
Längsschuppenreihe des Rumpfes zieht, liegen häufig noch bei 
älteren Exemplaren schmälere und zugleich schwächer vortretende 
schwarzgraue Längsbinden (zwischen je zwei aufeinander folgenden 
Längsschuppenreihen), welche in der vorderen Längenhälfte des 
Rumpfes sich zuweilen in runde Flecken auflösen. Der mittlere Theil 
dei* in der untern Kürperhälfte liegenden Schuppen zeigt lebhaften 
Silberglanz oder einen Stich ins Rosenrothe. Stirne und Schnauze 
sind schuppenlos, zwischen dem Auge und der ungezähnten Vorder- 
leiste liegt eine Reihe von Schuppen, ebenso an der Basis der Anale." 

1. D. 1/4—5; 2. D. 1/10—11; A. 1/18; V. 1/5; P. 1/12; 
L. lat. 32—33; L. transv. 12%— 13%. 



Stein (La tlmer Fische ans ieriL Fit&roy Flusse. 

3 co. 



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Sifenngst.ler k.Aknd.d .AV. malft/natTirw.CLLF. Bl LAMh-1867, 



Reuss. Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung' von Wieliczka etc. 1 i 



Die fossile Fauna der Stein sahablag erung von Wieliczka 

in Galizien. 

Monographisch dargestellt 
von dem w. M. Prof. Dr. A. E. Reuss. 

(Mit 8 lithographirteu Tafeln.) 
(Vorgelegt in der Sitzung am 16. November 1866.) 

A. Allgemeine Betrachtungen, 

Lange Zeit hindurch haben über die Entstehungsweise der Stein- 
salzablagerungen sehr irrige Ansichten geherrscht, indem man, ver- 
führt durch die auffallenden Unregelmäßigkeiten der Lagerungsver- 
hältnisse, den fast allgemein beobachteten Mangel organischer Reste 
und durch das Vorkommen des Chlornatriums in vulcanischen 
Regionen, nicht zögerte, die allgemein anerkannten plutonischen 
Theorien auch auf dieses Gebiet zu übertragen. Noch im Jahre i848 
konnte Karsten 1 ) die Ansicht aussprechen, daß die plutonische 
Bildungsweise des Anhydrites und Steinsalzes in hohem Grade wahr- 
scheinlich sei. Während er diese Entstehung für die alpinen Stein- 
salzlager als unzweifelhaft aufrecht hielt, war er doch gezwungen, 
für jene am Nordrande der Karpathen, welche sich als Verstei- 
nerungen führend erwiesen hatten, trotz ihrer Übereinstimmung in 
vielen der übrigen Verhältnisse eine abweichende Bildungsart, d. h. 
die sedimentäre zuzugestehen. Nur allmälig brachen sich hier, wie 
in anderen geologischen Gebieten richtigere genetische Ansichten 
die Bahn und vorzüglich Dr. Gust. Bischof gebührt das Verdienst, 
durch die in seinem an Thatsachen überaus reichen Lehrbuche der 
chemischen und physikalischen Geologie niedergelegten Erfahrungen 
die Rückkehr zu den alten Irrthümern fernerhin unmöglich gemacht 
zu haben. 

Insbesondere sind es zwei Steinsalzablagerungen, welche durch 
die Erscheinungen, die sie darbieten, wenngleich in sehr verschie- 



i) Karsten's Archiv 1848. Bd. 22, Hft. 2, p. 554. 
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Abth. 



1 o I! e u S s. 

denen Richtungen, am meisten dazu beitrugen, das Dunkel aufzuhellen, 
das so lange über der Genese der Steinsalzablagerungen schwebte. 
Es sind jene von Stassfurth bei Magdeburg und von Wieliczka in 

(lali/.ien. Ersteres lehrt uns die allmülige gesetzliche und vollständige 
Reihenfolge der Ablagerungen in einer abgeschlossenen Meeressalze 
führenden Wasseransammlung, vom Gypse an bis zu den salzigen 
Absätzen der nach dem llerauskrystallisiren des Chlornatriums übrig- 
gebliebenen Mutterlauge hinauf, kennen, so wie auch den Verlauf 
und die Art der in den schon gebildeten Schichten durch ununter- 
brochene chemische Processe bewirkten Um- und Neubildungen. 
Dagegen gibt uns das Steinsalzlager von Wieliczka sehr erwünschten 
und erschöpfenden Aufschluß über die ursprüngliche Quelle, aus 
welcher das Steinsalz und die begleitenden Salze abzuleiten sind. 
Die in dem Steinsalze selbst und in den sie begleitenden salzhaltigen 
Thonen in Millionen begrabenen organischen Reste, welche bei wei- 
tem vorwiegend Meeresthieren angehören, lassen keinen Zweifel 
darüber übrig, daß die Salze einst in ferner Zeit in demselben Meere 
gelöst sein mußten, welches für längere oder kürzere Zeit den Wohn- 
ort der fossilen Thiere bildete. Das genauere Studium dieser Petre- 
facten gestattet uns ferner, nicht nur im Allgemeinen die geologische 
Periode, sondern selbst jenen engeren Abschnitt derselben zu be- 
stimmen, in welchem die Thiere gelebt haben und ihre Leichen in 
der sich bildende;! salzigen Ablagerung eingeschlossen worden sind. 
Diese Verhältnisse ertheilen dem Steinsalzlager von Wieliczka in der 
genannten Beziehung den Vorrang vor allen anderen, in denen es 
bisher noch nicht gelungen war, Versteinerungen aufzufinden, und 
sein Studium gewinnt dadurch eine hervorragende Bedeutung. 

Das Auftreten von Versteinerungen, selbst von größeren Dimen- 
sionen, mitten im mehr weniger reinen Steinsalze, hat schon früh- 
zeitig Aufmerksamkeit erregen und die Naturforscher zu weiteren 
Untersuchungen anregen müssen. Einzelne Pflanzenreste waren es, 
deren zuerst Erwähnung geschah. So beschreibt schon Graf Stern- 
berg die Frucht eines Wallnußbaumes (Juglans salinarum Stbg.) i) 
aus dem Wieliczkaer Steinsalze. Das Vorkommen zahlreicher 
Coniferenzapfen und anderer Früchte habe ich mehrfach ange- 
deutet -j. Am ü. Mai 1847 legte Göppert der Breslauer Gesell- 

i) Grat Sternberg . Versuch einer Flora der Vorwelt, 1. 4. pag. 40. 

z ) Neuss in Haidinger's gesammelten naturwiss. Abhandl. II. 1. pag. 16. 



Die fossile Fauna der Sleinsalzabiagerung von Wieliczka in Galizien. 19 

schaft für vaterländische Cultur mehrere Arten von Pflanzenresten 
ebendaher vor (nebst zwei Arten von Juglcuis zweierlei Zapfen von 
Coniferen und fossiles Holz von dreierlei Art) *). Eine ausführliche 
Monographie sämtlicher dort aufgefundener Pflanzenreste hat end- 
lich U nger 2 ) geliefert und darin 15 Species (10 Arten von Früch- 
ten und 5 Arten bituminisirten Holzes) beschrieben. 

Der im Salze und Salzthone vorkommenden fossilen Thierreste 
gedenkt schon 1842 Hrdina in seiner Geschichte der Wieliczkaer 
Saline 3 ), wenn er sie gleich irriger Weise durchaus von Süßwasser- 
thieren ableitet. Etwas ausführlicher bespricht sie zuerstPhilippi*). 
Ein Theil derselben ist der Gattung nach, nur wenige werden der 
Species nach bestimmt; doch sind auch diese Bestimmungen sehr 
unzuverlässig und größtenteils irrig, woran ohne Zweifel die geringe 
Menge und der schlechte Erhaltungszustand des untersuchten Mate- 
riales die Schuld trägt. Die 14 namhaft gemachten Foraminiferen- 
species werden zum Theile irriger Weise mit den von Römer be- 
schriebenen Formen identificirt, was bei der ungenügenden Charac- 
terisirung der letzteren und der noch in der Wiege liegenden Kennt- 
niß der Foraminiferen überhaupt nicht sehr befremden kann. Über- 
dies wurden noch 6 Arten von Bryozoen, Stacheln von Echinus, eine 
kleine stielrunde Serpula, 7 Species von Bivalven, 8 Arten von 
Gasteropoden und endlich 3 Species von Cytherina angeführt. 

Im Jahre 1848 habe ich eine gründlichere Untersuchung der 
fossilen Fauna von Wieliczka begonnen, wozu der damalige Salinen- 
director, Gubernialrath Russegger, reichliches und in bestimmten 
Tiefenhorizonten gesammeltes Material lieferte, welches mir durch 
Vermittlung der k. k. geologischen Keichsanstalt zukam. Leider 
wurden diese Aufsammlungen nicht vollständig durchgeführt und so 
blieb auch meine Untersuchung im Drange anderer Arbeiten unvoll- 
endet liegen. Nicht geringen Antheil an dieser Unterbrechung hatte 
jedoch auch die damals noch sehr unvollständige, aber zum Behüte 
der Vergleichung unentbehrliche Kenntniß der fossilen Mollusken des 



*) Übersicht der Arbeiten und Veränder. der schles. Gesellsch. für Vaterland. Cultur 
1847, p. 73. 

2 ) Denkschr. der k. Akad. der Wissensch. I, pag. 311 —322. Taf. 20. 

3 ) J. M. Hrdina, Gesch. d. Wieliczkaer Saline mit einer geognost. Beschr. u. s. w. 
Wien, 1842, pag. 103, 106. 

*) Leonh. u. Bronns Jahrb. 1843. Hft. 5, p. 5ü8. 

2* 



2 K e n 8 3. 

Wiener Beckens. Diesem Mangel wurde seither durch das der baldi- 
gen Vollendung entgegensehende treffliche Werk des Herrn Üirectors 
Dr. Hörn es großenteils abgeholfen. 

Doch wurde auch schon damals der große Reichthum der Wie- 
liczkaer Fauna klar. Denn trotz der noch nicht vollendeten und auf 
ein spärlicheres Material beschränkten Untersuchung, vermochte ich 
schon 1848 die große Zahl von beiläufig 230 Thierspecies aus dem 
Salzlager von Wieliczka anzuführen, unter welchen sich 153 Arten 
von Foraminiferen — darunter etwa 52 neue — befanden *). Wenn 
nun gleich manche der damals aufgenommenen Species sich bei 
genauerer Prüfung nicht vollkommen stichhaltig gezeigt haben , so 
sind dagegen durch die Untersuchung reichlicheren Materiales 2) 
wieder nicht wenige früher nicht beobachtete hinzugekommen, so 
daß eine bedeutende Vermehrung der Artenzahl eingetreten und 
die fossile Fauna von Wieliczka zu einer ungeahnten Fülle ange- 
wachsen ist. 

Es würde dies noch in weit höherem Grade der Fall sein, wenn 
die Untersuchung der Petrefacten von Wieliczka nicht mit so bedeu- 
tenden Schwierigkeiten verknüpft wäre und die Bestimmung der- 
selben nicht selten der erforderlichen Sicherheit ermangelte oder 
selbst ganz unmöglich wäre. Besonders die im Steinsalze selbst ein- 
gebetteten Fossilreste befinden sich in der Begel in einem sehr man- 
gelhaften Erhaltungszustande. Mit Ausnahme der sehr kleinen Indi- 
viduen haben sie nur winzige Bruchstücke hinterlassen und sind über- 
dies oft durch fortgesetzte Einwirkung der concentrirten Salzlösung 
vielfach angefressen und unkenntlich geworden. Auch im Salzthone 



!) Sitzb. d. k. Akad. der Wissensch. 1848, pag. 173. — Berichte über die Mittheil. 
von Freunden d. Naturwissensch. in Wien. Bd. 3. 1848, pag. 419. — G. Bischof, 
Lehrb. der ehem. u. physical. Geol. 1. Aufl. II. 3, pag. 1671; 2, Aufl. IL p. 15, 16. 
Ein Theil der neuen Foraminiferenspecies wurde schon im ersten Bande der Denk- 
schriften der k. k. Akad. d. Wissensch. in Wien, p. 365—388. Taf. 46 — 51 bekannt 
gemacht. 

2 ) Ich ergreife hier die Gelegenheit, meinem hochverehrten Freunde Herrn Director 
Dr. Hörn es meinen Dank auszusprechen für die vielseitige Unterstützung und 
Förderung, die er meiner Arbeit zu Theil werden ließ; so wie auch dem Salinen- 
Director in Wieliczka Herrn Freiherrn v. Geramb, dessen Liberalität hauptsäch- 
lich die weitere Ausdehnung meiner Arbeit ermöglichte, und Herrn Markscheider 
Ott in Wieliczka, der mit besonderem Eifer sich die Aufsammlung von Petrefacten 
angelegen sein ließ. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung- von Wieliczka in Galizien. 2 1 

findet man gewöhnlich nur die dickschaligeren Arten besser erhalten; 
von den übrigen trifft man ebenfalls nur größere oder kleinere 
Trümmer an. Ein hauptsächliches Hinderniß stellt aber die Be- 
schaffenheit der Schalen selbst, welche im Salze oder in den das- 
selbe begleitenden Thonen zur Ablagerung gelangten , einer genauen 
Bestimmung entgegen. Wie noch später erörtert werden soll, be- 
sitzen die Versteinerungen von Wieliczka, mit sehr wenigen Aus- 
nahmen, sehr kleine Dimensionen, sind oft von wahrhaft zwerghaftem 
Wüchse. Der bei weitem größte Theil der Mollusken hat seine Exi- 
stenz nicht so lange fortgesetzt, als zur vollständigen Ausbildung 
seiner Schalen erforderlich gewesen wäre. In den meisten Fällen hat 
man es mit winzigen unausgebildeten Brutexemplaren zu thun, 
deren Bestimmung um so mißlicher ist, als man bisher den Jugend- 
zuständen der Molluskenschalen nur eine geringe Aufmerksamkeit 
zuzuwenden gewöhnt war, so daß es an dem zur gewissenhaften 
Vergleichung unentbehrlichen Materiale nicht selten fehlte. Diese 
Verhältnisse mögen entschuldigen, wenn manche der gemachten Be- 
stimmungen den wünschenswerthen Grad von Schärfe entbehren. 

Diese in der letzten Zeit vorgenommenen wiederholten Unter- 
suchungen haben die Zahl der mit Sicherheit oder doch mit der 
größten Wahrscheinlichkeit bestimmten fossilen Thierspecies des 
Steins alzlagers von Wieliczka bis auf 274 gesteigert. Ohne Zweifel 
aber ist seine Fauna eine weit reichere, denn abgesehen davon, daß 
ihre Kenntniß überhaupt noch keineswegs als abgeschlossen zu be- 
trachten ist und die Untersuchung beinahe jeder Sendung neuen 
Materiales immer wieder neue Thierformen zum Vorschein brachte, 
mußte auch eine beträchtliche Anzahl der gefundenen Fossilreste bei 
Seite gelegt werden, ohne zu ihrer vollständigen systematischen 
Kenntniß gelangt zu sein. Bei manchen derselben konnte nur die 
Gattung, welcher sie angehören, ermittelt werden ; eine weit größere 
Anzahl aber entzog sich durch den überaus mangelhaften Erhaltungs- 
zustand der bisher gefundenen Reste jeder klareren Erkenntniß. 

Am zahlreichsten und zugleich am vollständigsten erhalten sind 
die Foraminiferen. Sie bilden 60 Pct. der gesamten mir bekannten 
Fauna von Wieliczka und sind in manchen Salzthonen, besonders 
solchen, die keine Ausscheidungen von Gyps und keine zu reich- 
lichen Sanubeimengungen enthalten, in ungemeiner Menge zusammen- 
gehäuft. Die sehr gute Erhaltung ihrer Schalen beweist, daß ihre 



•>•> 



ll e u s s. 



Bedeckung durch den kalkig-thonigen Schlamm rasch, ohne vorher- 
gegangene langwierige Abrollung, eingetreten sei. 

Ebenso wohl erhaltene Schalen bieten die Ostracoden dar — 
10 Pct. der Gesamtzahl — , welche durch ihre kleinen Dimensionen 
den verändernden Einflüssen ebenfalls leichter entgingen, als Thiere 
von größerem Umfange. Nur findet man ihre beiden Klappen ge- 
wöhnlich von einander gesondert. 

Am meisten entstellt durch chemische und mechanische Ein- 
flüsse sind die Bryozoen, deren zarte und zerbrechliche Colonieen nur 
sehr kleine, oft völlig unkenntliche Bruchstücke hinterlassen haben. 
Daher beträgt die Zahl der bestimmten Formen auch nur 8*4 Pct. 
der Gesamtsumme der Wieliczkaer Versteinerungen. 

Auch die etwas größeren Bivalven und Gasteropoden unterlagen 
sehr leicht der Zertrümmerung, hesonders wenn sie dünnschalig 
waren und die Schalen im Verlaufe der Zeit durch Calcination an 
Festigkeit verloren hatten. Erstere bilden 9 5, letztere 15 Pct. der 
gesamten Zahl der Petrefacten. 

DieAnthozoen haben nur eine verhältnißmässig große Species — 
die größte der Wieliczkaer Versteinerungen — geliefert. Die Ptero- 
poden zählen drei sehr kleine Formen; die Decapoden sind bisher 
nur in einer braehyuren Species von sehr beschränkten Dimensionen 
aufgetreten. Auf dieselbe Zahl beschränken sich die Reste der Cirri- 
pedier. Die vorgefundenen Reste von Eehiniden, Anneliden und 
Fischen, letztere meist auf sehr vereinzelte und kleine Haifischzähne 
eingeschränkt, sind entweder zu sehr zertrümmert oder characteristi- 
scher Merkmale entbehrende Theile, so daß jeder Versuch ihrer 
genaueren Bestimmung vergeblich war. 

Ich lasse nun das Verzeichniß aller von mir in der Salzabla- 
gerung von Wieliczka bisher beobachteten fossilen Thierreste folgen. 
Aus demselben wird sich am leichtesten das geologische Niveau er- 
geben , welchem dieses Salzlager angehört. Zu diesem Behufe sind 
die für die vorzunehmende Vergleichuug wichtigsten anderweitigen 
Fundorte der angeführten Versteinerungen, theils im Wiener Becken, 
theils außerhalb desselben, in die tabellarische Übersicht aufge- 
nommen worden. Man findet darin den Schlier von Oitnang; die 
Sande von Grund, Grußbach und Pötzleinsdorf; ferner als Repräsen- 
tanten der Tegelstufe des Wiener Beckens den Tegel von Baden und 
Möllersdorf, von Vöslau, von Grinzing und von Rudelsdorf in Böhmen, 



Die fossile Fauna der Steiusalzablagerung von Wieliezka in Galizien. £0 

letztere den höheren Schichten angehörig und sich in mancher Be- 
ziehung dem Leithakalk anschließend. Der petrefactenreiche Tegel 
von Lapugy in Siebenbürgen scheint dagegen dem tieferen und 
höheren Niveau des Tegel zugleich zu entsprechen, daher die ganze 
Tegelreihe zu repräsentiren. Es wäre jedoch möglich, daß derselbe 
sich in der Folge in mehrere übereinander liegende Schichten mit 
etwas abweichenden Faunen trennen ließe. 

Von den Fundorten des Leithakalkes und der seinem unteren 
Theile angehörigen Tegel sind besonders Gainfahrn und Nußdorf 
bei Wien, Niederleis in Österreich, Steinabrunn in Mähren und 
Eisenstadt in Ungarn in der tabellarischen Zusammenstellung hervor- 
gehoben. Sämtliche eben genannte Localitäten gehören dem marinen 
Schichtencomplexe an. Seine Glieder bilden in paläontologischer Be- 
ziehung eine fortlaufende Beihe und sind nirgend durch eine scharfe 
Grenze geschieden. Nur allmälig stellt sich im Verlaufe derselben 
eine Umwandlung ihrer Fauna ein. 

Über dieser marinen Gruppe folgen erst die brakischen 
Cerithienschichten, von deren Fundorten nur Kostel in der Tabelle 
berücksichtigt worden ist. 

Die übrigen Rubriken umfassen endlich noch das Unter-, Mittel- 
und Oberoligocän, die Miocänschichten anderer Länder außerhalb 
Österreich, das Pliocän und zuletzt jene Species, welche noch in den 
heutigen Meeren lebend gefunden werden. 

Endlich ist zum Behufe schärferer Beurtheilung noch ersicht- 
lich gemacht worden, welche Species im Salzthone, welche im Stein- 
salze selbst und welche in beiden zugleich gefunden worden sind. 
Übrigens darf nicht verschwiegen werden, daß manche aus den bis- 
herigen Beobachtungen, welche in der nachstehenden Tabelle großen- 
teils ihren Ausdruck gefunden haben, gezogenen Schlüsse, wenn- 
gleich nicht der Hauptsache nach, in der Folge noch mancherlei 
Änderungen erfahren werden, indem die weitere Fortsetzung der 
schwierigen Untersuchung ohne Zweifel in den Beobachtungsresul- 
taten allerlei Modifikationen herbeiführen wird i). 



*) In der Tabelle bezeichnet cc das sehr häufige, c das häufige Vorkommen , nr = 
nicht selteu, /• = selten, rr = sehr selten. Durch ein einfaches Kreuz (-+-) wird 
das Vorkommen in der betreffenden Schichte überhaupt, durch das doppelte Kreuz 
(*r""h) aDer das häufige Vorkommen in derselben angedeutet. 



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1 


Haplophragmüim crassum R s s. . . 




r. 














2 


Clamdina communis d'O r b 


C. 








+ + 


+ + 


+ 


4- 




3 


Plecanium abbreviatum d'Orb. sp. 


SC. 


nr. 


- 


i- 




+ 


+ 


++ 


_u 


4 


„ „ var. subangulata d'Orb. . 


rr. 












+ 




+ 


4- 





„ gramen d'Orb. sp 


rr. 


rr. 










+ + 




+ 




6 


„ Mariae d'O r b. sp 


c. 


e. 










+ + 


j 


++ 




7 


„ „ var. inermis Rss 


sc 


rr. 










+ 




. 




8 


„ depevditum d'Orb. sp 


rr. 


rr. 










+ 




++ 




9 


„ spinulosum Rss 


rr. 












. 








10 


„ serratnm Rss 


nr. 


rr. 










. 










11 


„ laevigatum d'Orb. sp 


rr. 












. 










12 


„ nussdorfense d'Orb. sp. . . . 


rr. 












. 










13 


„ pala Cz i z. sp 


rr. 


rr. 










+ 


4- 






+ 


14 


Cornuspira rugulosa Rss 


rr. 






















lä 


„ plicata Cziz. sp 


rr. 












+ 










16 


„ foliacea Phil, sp 


rr. 






















17 


Biloculina amphiconica Rss. . . . 


r. 


rr. 


















+ 


18 


„ simplex d'O r b 


rr. 


rr. 










+ 




+ 


+ 


19 


„ lunula d'O r b 


r. 


rr. 










+ + 




+ 


T- 


20 


„ clypeala d'Orb 


rr. 












+ + 






+ 


21 


„ bulloides d'Orb 


rr. 


rr. 










+ 










22 


„ ventruosa Rss 


rr. 






















23 


„ globulas Born 


rr. 














. 








24 


„ larvata Rss 


rr. 














. 








2o 


„ contraria d'O r b 


r. 


rr. 










+ + 




- 


- 


t 


26 


Spiroloculina excavata d'O r b. . . . 


rr. 


rr. 










+ + 




- 


- 




27 


„ badenensis d'Orb 


. 


1*!'. 










+ 








4- 


28 


„ tenaissima Rss 


c. 












. 










29 


Triloculina tricarinata d'Orb. . . . 


rr. 






















30 


„ gibba d'Orb 


rr. 


rr. 










+ 


4- 






+ 


31 


„ enoplostoma Rss. var. laevigata 
Born 


rr. 






















32 


„ var. grammostoma Rss. . . . 


rr. 




















. 


33 


„ inflata d'Orb 


rr. 


rr. 










, 










34 


„ inornata d'Orb 


rr. 


rr. 










. 








4- 


35 


„ ocnlina d'Orb 




rr. 










+ 








+ 


36 


„ consobrina d'O r b 


rr. 


rr. 












+ 






t 


37 


Quinqueloculina Haidingeri d'Orb. . 


nr. 


nr. 






4 


" 


+ 




+ 


+ 


+ 


38 


„ pauperata d'O rb 


nr. 


r. 


















. 


39 


„ Hauer ina d'O rb 


rr. 


rr. 










t 








t 


40 


„ tenuis Cziz 


rr. 












+ 








+ 


41 


., Ungerana d'Orb 


nr. 


rr. 


4 








+ + 








T 


42 


„ plicalula Rss 




rr. 










. 








"T 


43 


,, Mayerana d'O rb 


rr 


rr. 










. 








+ 


44 


„ Aknerana d'Orb 


r. 


r. 










+ 


+ 


++ 


+ 


4S 


„ Xriangularis d'Orb 


c. 


c. 














■f-r 




46 


» pygmaea Rss 


rr. 












. 


+ 






47 


„ regulär in Rss 


rr. 


• 










' | 








4- 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung' von Wieliczka in Galizien. 



25 



+ + 



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+ 



+ 



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+ 



+ 



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+ 



+ 
+ 

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+ 
+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



1 
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ii 
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41 
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43 
44 
45 
46 
47 



26 



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1 


Qtiinqueloculhia obliqua 11 ss. . . . 


IT. 












+ 


2 


„ suturalis Rss 


rr. 










. 




• + 


3 


„ Boueana d'O r b 




rr. 
















4 


„ conlorta d'O r b 


rr. 


rr. 
















5 


„ Schreibersi d'Or b 




rr. 








+ + 








6 


„ Josephina d'O rb 


. 


rr. 








+ 




+ 


. 


7 


„ jfbe tfa R s s 


rr. 


rr. 


+ 


+ 




+ + 




+ + + 




8 


Peneroplis austriaca d'Orb. sp. . . 


IT. 


. 








+ 








9 


„ Haueri d'O rb. sp 




IT. 


















10 


Vertebralina sulcata Rss 


rr. 


rr. 








. 


+ 






11 


Alveolina melo F. et M. sp 




e. 














+ 


12 


Acicularia miocaenica Rss 




IT. 








i- 










13 


Lagena globosa Mont 


rr. 




















14 


„ clavata d'Orb. var. acicularis 
Rss • ... 


rr. 










+ 










15 


„ Haiding eri Cziz. sp 


rr. 










+ 








. 


16 


„ tenuis Born 


rr. 




















17 


„ geomelrica Rss 


rr. 




















18 


Fissurina carinata Rss 


rr. 


, 


















19 


„ laevigata Rss 


rr. 


. 














_i_ 


20 


„ apiculata Rss 


rr. 


. 


















21 


Nodosaria rudis d'Orb 


rr. 










+ 










22 


j, long iscata d'O vb 


rr. 


. 








+ 


-1 








23 


„ irregularis d'O r b 


rr. 










+ 


H 


"T 




24 


„ Adolphina d'Orb 


c. 


. 






4- 


+ + 


H 








25 


„ siphonostoma Rss 


rr. 


. 


















26 


„ consobrina d'Orb 


rr. 


. 








+ 




+ 




27 


„ elegans d'O rb 


nr 


. 






f 


+ + 


4 


- + 




28 


„ Boueana d'Orb 


rr. 










+ 


4 


- + 




29 


„ bifurcata d'Orb 


rr. 


. 






+ 


+ 


4 






30 


Glandulina laevigata d'O r b. ... 


nr. 








+ 


+ + 




+ + H 




31 


„ obtusissima Rss 


rr. 


. 
















32 


„ aequalis R s s 


, 


rr. 


















33 


„ discreta Rss 


rr. 












4 








34 


Rhabdogonium minutum Rss. . . . 


c. 


. 


















35 


Flabellina incras&ata R ss 




rr. 










. 








36 


Amphimorphina Hauerana N e u g e b. 


rr. 


. 










-t 








37 


Cristellaria calcar Rs s. sp .var. calcar 






















d'Orb 


rr. 


rr. 






+ 


+ 


4 


- + • 




38 


„ rostrata Rss 


rr. 


















39 


„ Russeggeri Rss 


rr. 












. 






40 


„ inornata d'Orb. sp 


rr. 




+ + 




+ + 


T 






41 


„ simplex d'Orb. sp 


IT. 




+ 




+ 


. 


+ H 




42 


Pullenia bulloides d'Orb. sp. . . . 




c. 






+ 


4 


- -h 4 




43 


„ cornprcssiuscula Rss. var. gwzVa- 
queloba Rss 


rr. 
















44 


„ „ \ar. quadriloba R ss. . . . 


rr. 


. 








. 


• -i 




45 


Polyinorphina gibba d'Orb 


nr. 


nr. 








+ 


• 


-f 







Die fossile Fauna der Steinsafcablasrerung von Wieliczka in Galizipn. 



27 



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53 MB 



+ 



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+ 



+ 



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9 

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+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



1 
2 

3 

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45 



28 



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1 


Polymorphina aequalis d'Orb. . . . 




rr. 












+ 


2 


„ inaequalis Rss. . . 










. 


rr. 








. 








4- 


3 


„ dcpa uperala R ss. . . 










IT. 










• 










4 


„ sororia Rss 










rr. 


rr. 


















ä 


„ leprosa Rss. . . . . 










rr. 


. 


















6 


„ problema d'Orb. . . 










rr. 


rr. 






+ 


+ 








4- 


7 


„ oblonga d'Orb. . . 










rr. 


. 






, 












8 


„ foveolata Rss. . . . 










. 


rr. 








. 










9 


„ Zeuschneri Rss. . . 










nr. 


nr. 


















10 


„ semiteeta Rss. . . . 










. 


rr. 








. 










11 


„ ovata d'Orb 










rr. 


, 








. 










12 


Sphaeroidina austriaca d'Or 


). 








c. 


, 






+ 


+ 


+ 


+ + 


+ 


13 


Uvigerina pygmaea d'O r b. 










sc. 


rr. 






+ + 


+ + 


+ 


+ + 


+ 


14 


„ semiornata d'Orb. 










rr. 










, 








15 


„ urnula d'Orb. . . . 










c. 


. 








+ 


. 




4- 


16 


„ asper ula C z i z. . . . 










c. 


rr. 








+ 


+ 






17 


Bulimina pyrula d'Orb. 










rr. 


rr. 








+ 


. 


+ + 


4-'r 


18 


„ ovata d'Orb. . . 










rr. 


rr. 






+ 


+ 


. 


. 


4-4- 


19 


„ lenera Rss 










r. 














, 


, 


20 


„ pitpoides d'Orb. . . 










rr. 


rr. 






+ 


+ 


+ 


4-4- 


+ 


21 


„ elongata d'Orb. . . 










c. 


r. 








. 


+ 


+ 


+ + 


22 


„ aculeata d'Orb. . . 










nr. 










+ 


, 




~T 


23 


„ Buchana d'Orb. . . 










c. 


c. 








+ 


, 


+ 


4- + 


24 


Virgulina Sehr eiber sana Czi 


z. 








sc. 


r. 








+ 


+ 




4- 


25 


Chüostomella ovoidea Rss. 










rr. 










, 






+ + 


26 


Allomorphina trigona Rss. 










nr. 










H" 


+ 


+ 


4- 


27 


Cassidulina punctata Rss. 










rr. 


. 








. 


+ 




4- 


28 


„ oblonga Rss. ... 










rr. 


. 


H 








+ 




4- 


29 


Bolivina antiqua d Orb. 










sc. 










+'+ 


+ 




. 


30 


Textilaria carinata d'Orb. . 










c. 


, 








4-4- 


+- + 


+- + 


4- 


31 


„ Bronniana d'Orb. 










rr. 










. 


. 




, 


32 


„ pectinata Rss 










c. 


. 


-1 






4- 


. 




4- 


33 


Glubigerina bulloides d'Orb. 










c. 


rr. 






+ 


4- 


+ 


-M- 


4- 


34 


„ triloba Rss 










rr. 


rr. 






4- 


4-4 


+ + 


+ + 


4-4- 


35 


Orbulina universa d'Orb. . . 










rr. 








+ 


+ + 


. 


+ 


+ 


36 


Truncatulina lobatula Walk. 


sp 








sc. 


. 








. 




+ 


+ 4- 


157 


„ Ungerana d'Orb. sp. 










c. 


. 








4-4- 


+ + 


+ + 


+ 


38 


„ Dutemplei d'O r b. sp. 










nr. 


nr. 






+ 


+ + 


+ 


4- + 


4- 


39 


„ Haidingeri d'Orb. sp. 










rr. 


. 


H 










4- 


4- 


40 


Discorbina planorbis d'Orb. s 


p- 








c. 


sc. 










+ 




4-4- 


41 


„ stellata Rss 










rr. 


















42 


„ squamula Rss. . . . 










rr. 


. 
















43 


„ obtusa d'Orb. sp. . . . 










rr. 










+ 






+ 


44 


„ platyomphala Rss. . . 










. 


rr. 










. 




. 


45 


„ complanata d'Orb. sp. . 












rr. 








+ 


+ 


+ 


+ + 


46 


„ cryptomphala Rss. . . 










rr. 


. 


4 












4- 


47 


„ arcuata Rss 










c. 












+ 






4S 


Pulvinulina Baueri d'Orb, sjj 


. , 








rr. 


• 








++ , 


-r 






4- 



Die fossile Fauna der Steinsalzablageruno' von Wieliczla in Galizien. 



29 



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+ 

4- 

+ 



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+ 
+ 

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+ 



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+ 



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+ 



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+ 
++ 

4- 

+ 



+ 



+ 



+ + 



+ + 
+ 

+ 
+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



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48 



30 



Heus s. 















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- 


1 


Pu Ivimdina eordiformis Costa sp. . 


IT. 
















2 


,, Boueana d'Orb. sp 




nr. 










+ 






+ 


3 


„ Kalembergensis d'O r b. sp 










IT. 
















4 


„ nana Rss 








r. 


. 












. 


+ 


5 


„ Partschana d'Orb. sp. 










c. 


. 








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- 


+ 




6 


Rolalia Beecarii L. sp. . . 












nr. 








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h 




+ 


7 


„ Soldanii d'O r b. . . 










rr. 


, 






-h 


+ - 


h 


+ 


-f 


8 


Nonionina Soldanii d'O r b. 










c. 


nr. 








+ " 


h 


+ + 


+ T 


9 


„ perf&rata d'O r b. . . 










rr. 


















10 


„ communis d'Orb. . . 










rr. 


rr. 








+ 




+ + 


r 


11 


Polystomella crispa Lam. . 










c. 


e. 






+ 


+ 




+ 


+ a 


12 


„ Ficht eliana d'Orb. . 










rr. 


rr. 










h 


. 


+ 4 


13 


Amphistegina Hauerina d'Orb. 








rr. 








+ 


+ 




+ 


+ T 


14 


Heterostegina costata d'Orb. 










rr. 








4- 




+ 


+ T 


15 


Caryopliyllia salinaria Rss. . 










nr. 
















16 


Spatangus sp 








r. 


r. 








. 












17 


Serpula sp 










rr. 




















18 


Canda granulifera Rss. sp. . 








rr. 






















19 


Salicornaria marginata G o 1 d f . 


s l 


>. 




rr. 


c. 




















20 


„ rhombifera G o 1 d f. sp. 








rr. 


rr. 




















21 


Cellaria Michelini Rss. . . . 










rr. 




















22 


Lepralia Heckeli Rss. . . 












IT. 
















+ 


23 


Cellepovaria globularis B r. 












rr. 








+ 








+ 


24 


Eschara undvlata R ss. . . 












nr. 


















25 


., polymorpha Rss. . . 












rr. 




















26 


„ Grotriani Rss.. . . 












rr. 




















27 


Hemieschara geminipora Rss 












IT. 




















28 


Flustrellaria texturata Rss. 












rr. 




















29 


Vinciilaria tetragona G o 1 d f. 


S F 










rr. 




















30 


Crisia Hörnesi Rss. . . . 










rr. 


nr. 








+ 












31 


„ Edwardsi Rss. < . 










rr. 


c. 








+ 












32 


Haueri Rss 












rr. 




















33 


Berenicea subseriata Rss.? 












rr. 




















34 


Tubulipora congesta Rss. . 












rr. 




















35 


Entaluphora pulchella Rss. 












rr. 




















36 


Hornera verrucosa Rss. 












nr. 




















37 


Crisina pertusa Rs s. s p. . 












nr. 




















38 


Heteropora stellulata R s s. 












rr. 




















39 


y , globulvs Rss. . . 












rr. 




















40 


„ radiata Busk. sp. 












IT. 




















41 


Ccriopora sp 












rr. 




















42 


Cultellus papyraceus Rss. . 










cc. 






















43 


Curbula gibba Ol. sp. . . 










r. 


rr. 






4- 


+ + H 




i 




"T" 


44 


„ carinata D u j. . . . 












rr. 






+ 


H 








. 


45 


Ervilia pusilla Phil. . . . 










c. 


c. 






-f- 


• H 










46 


„ yodolica E i c h w. . . 










c. 


c. 


















47 


? Tellina donacina Lam. 












rr. 






-t- 






+ 




48 


? Venus multilamella Lam. 










• 


rr. 


- 




+ 


+ -i 




_ 




4 





Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung- von Wieliczka in Galizien. 



31 



+ 

+ 
+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ + 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ + 

+ 



+ + 

+ 
+ 

+ 

+ 

+ + 
-I- 



+ 



+ 

4- 

+ 

+ 

+ 
+ 

+ 



+ 



+ 4 

+ 



+ 



+ 



+ 



+ 






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4- 



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45 
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47 
48 
49 



? Venus marginata Hö rn. . 
Circe minima M o n t. sp. . 
Cardin m papillosum P o I i. 
Lucina exigua E i c h vt. . . 

„ dentata Bast. . . . 
? Erycina ambigua Ny s t. . 

„ austriaca Hörn. . . 
Spaniodon nitidus Rs s. 
Solenomya Doderleini May. 
Cardita scalaris S o \v. . . 
Astarte triangularis M o n t. sp 
Nucula nucleus L. sp. . . 
Leda fragilis Chemn. sp. 
Limopsis anomala E i c h w. 
Area sp. äff. lacteae L. . . 
Modiola Hörnesi R s s. . . 
Pecten denudatus R s s. . . 

„ scabridus E i c h w. . 

„ Eichwaldi R s s. . . 
Ostrea navicularis B r o c h. 

Ostrea sp 

Cleodora spina R s s. . . . 

„ subulata Q. G. ? . . 
Spirialis valvatina R s s. 
Denlalium tetragonum Brch. 

„ entalis L 

„ ineurvum Ren. . . . 
Serpulorbis intortus Lam. sp 
Caecam glabrum M o n t. sp. 

„ trachea Mont. sp. . 
Rissoa Moulinsi d'Orb.j . . 

„ zetlandica Mont. sp. 

„ veliscensis S c h w t z. 

„ conica Seh wtz. . . 
Slcenea simplex Rss. . . . 
Bithynia Frauenfeldi Hörn. 

„ curia Rss 

„ immutata Frfl d. sp. 
Nematura Sehwartzi F r f e 1 d 
Eulima f liger a Rss. . . . 
Odontostoma plicatum Mont. sp. 
Turbonilla gracilis Brch sp 

„ turricula E i c h w. sp. 

„ pusilla Ph iJ. sp. . . 

„ pygmaea Grat. sp. . 

„ brevis Rss 

„ impressa Rss. . . . 

„ subumbüicata Grat. sp. 

„ obscura Rss 



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Die fossile Fauna der Steinsalzablag'eruogr von Wieliczka in Galizien. 



33 



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9 
10 
11 
12 
13 
14 
15 
16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 
25 
26 
27 
28 
29 
30 
31 
32 
33 
34 
35 
36 
37 

38 

39 

40 

41 

42 

43 

44 

45 

46 

47 

48 

49 



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Turbonilla aberrans R s s 


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2 


Aciaeon pinguis d'Orb. . 












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3 


Ringicula buccinea ßroli. $ 


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4 


Bulla conulus D e s h. . . 












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5 


„ truncata Adams . 














rr. 








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„ miliaris B i c h. . . 












rr. 


rr. 














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Philine punctata A d a m s 












rr. 












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8 


Planorbis Reussi Hörn. 














rr. 
















9 


Trochus patulus B r o c h. 












rr. 








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10 


„ GerambiRss. . . 














rr. 
















11 


.. angulatus Eich w. 












rr. 


rr. 
















12 


Natica helicina Brch. . 












rr. 


rr. 


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13 


„ Josephinia Risse? 












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rr. 






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14 


Cerithivm seabrum Ol. sp. 












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nr. 










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15 


„ Schwartzi Hörn. . 














nr. 










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16 


Murex sp 














rr. 


















17 


Conus fuscocingulatus ß r o 


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n. 








rr. 












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18 


Bairdia arcuata v. M. sp. 












r. 


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19 


„ unguiculus Rss. . 












rr. 
















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20 


„ lueida Rss. . . . 












rr. 






















21 


„ crystallina Rss. . 












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22 


„ neglecta Rss. . . 












rr. 


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23 


„ gracilis Rss. . . 












r. 






















24 


„ trichospora Rss. . 












rr. 




















+ 


25 


Cytheridea seminulum Rss 












rr. 






















26 


Cythere salinaria Rss. . 












r. 


. 




















27 


„ Philip pii Rss. . . 














nr. 




















28 


„ Kostelensia Rss. . 














nr. 


















+ 


29 


„ angulata Rss. . . 












. 


nr. 


















+ 


30 


„ galeata Rss. sp. . 












rr. 




















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31 


„ o;;«c« Rss. ... 














r. 




















32 


„ hastata Rss. . . . 












r. 




















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33 


„ clathrata Rss. . . 












rr. 






















34 


„ canaliculata Rss.. 












nr. 




















+ 


35 


„ däedalea Rss. . . 












rr. 




















. 


36 


,, cur ine IIa Rss. . . . 












c. 


rr. 








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+ 


37 


„ denuduta Rss. . . 












rr. 






















38 


„ plicalula Rss. sp. 












rr. 




















+ 


39 


„ verrucosa Rss. 












rr. 




















+ 


40 


„ Edwardsi Rom. sp. . 














rr. 


















+ 


41 


„ coronata Rom. . . 












rr. 










+ 










+ 


42 


„ bitnberculata Rss. 












rr. 






















43 


„ triquetra Rss. . . . 












. 


rr. 




















44 


„ asperrima Rss. 












rr. 










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45 


„ coelacantha Rss. . 












nr. 






















46 


Poecilasma miocaenica Rss 












nr. 




















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47 


Microdium nodulosum Rss 












rr. 






















48 


Gadus sp 












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I'ie fossile I'V.nia der St insalzablaeeruns' von Wieliczka in Gali/ie:i 



33 



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1 
2 
3 

4 
5 
6 
7 
8 
9 

10 
11 
12 
13 
14 
15 
16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 
25 
26 
27 
28 
29 
30 
3! 
32 
33 
34 
35 
36 
37 
38 
39 
40 
41 
42 
43 
44 
45 
46 
47 



3(5 



H e u S s. 



Daß die Salzablagerung von Wieliczka in Galizien sieh von den 
alpinen Salzstöcken durch ein weit jüngeres Alter unterscheide und 
der tertiären Periode angehöre, ist schon lange erkannt und ausge- 
sprochen worden. Ich habe überdies schon im Jahre 1848 die Ver- 
muthung geäußert . daß diesclhe dem österreichischen Leithakalke 
zu parallelisiren sei. Doch fehlte es bisher immer noch an einer 
festen paläontologischen Begründung des geologischen Niveau's, in 
welches das Steinsalz von Wieliczka innerhalb des Complexes der 
Tertiärschichten zu versetzen ist. Jetzt aber, da eine reichere Fülle 
sicher bestimmter Versteinerungen darin nachgewiesen worden ist, 
dürfte es weniger gewagt erscheinen, sich diesem Versuche mit 
Hoffnung auf den gewünschten Erfolg zuzuwenden. 

Ein flüchtiger Blick auf die voranstehende Tabelle lehrt, daß 
das Salzlager von Wieliczka in Beziehung auf seine Fossilreste die 
größte Übereinstimmung mit den miocänen Schichten des Wiener 
Beckens darbietet und daher in Betreff seines Alters ohne Zweifel in 
dieselbe Abtheilung der Tertiärperiode zu versetzen ist. Man über- 
zeugt sich davon leicht durch einen Blick auf nachfolgende Zusammen- 
stellung. 

Bei Wieliczka *) wurden bisher beobachtet: 





Zahl 
der Species 
im Ganzen 


Nach 

Abrechnung 
der Wieliczka 

eigenthümli- 
chen Species 


Zahl der im 

Wien. Becken 

beobachteten 

Species 


Procent- 
Zahl 


Foraminiferen .... 

Anthozoen 

Bryozoen 

Conchiferen .... 

Pteropoden 

Gasteropoden .... 

Ostracoden 

Cirripeden 

Decapoden 


ISO 

1 

23 

26 

3 

41 

28 

1 

1 


128 

22 

25 

2 
31 
20 

1 


114 

18 
22 

31 
19 


75 

78 
84 

75 

68 




274 


229 


204 


76 



!) In den Sammlungen findet man oft im körnigen Steinsalze, ja selbst in schönen 
Drusen klarer Salzhexaeder zahlreiche 1 — 1,4 ;// lange, rothbraune wohlerhaltene 
Käfer eingeschlossen, deren schon Rendschmidt Erwähnung thut (Leonh. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung- von Wieliczka in Galizien. o7 

Unter diesen 274 Arten müssen bisher 45 als dem Salzlager 
von Wieliczka eigenthümlicli betrachtet werden. 

Von den 229 Arten der Wieliczkaer Versteinerungen, welche 
schon früher anderwärts beobachtet worden sind, kommen daher 204 
auch in den Miocänschichten des Wiener Beckens vor. Wieliczka 
hat mithin 76 Pct. seiner Fossilreste mit den letzteren gemeinschaft- 
lich, ja ihre Zahl dürfte sich in der Folge noch etwas erhöhen, — 
ein offenbarer Beweis der großen Übereinstimmung beider in Bezie- 
hung auf ihre Bildungsperiode. 

Es fragt sich nun, welchem Gliede der ausgedehnten Schichten- 
reihe des Wiener Beckens die Steinsalzablagerung von Wieliczka 
vorzugsweise gleichzustellen sei. Diese schärfere Altersbestimmung 
kann nur durch eine genauere Prüfung und Vergieichung der darin 
gefundenen Fossilreste erlangt werden. Doch darf in dieser Bezie- 
hung nicht allen Abtheilungen derselben ein gleicher Werth zuerkannt 
werden. 

Meine Untersuchungen über die fossilen F o r a m i n i f e r e n haben 
dargethan, daß eine nicht geringe Anzahl der miocänen Species bis in 
das Oligocän, besonders in das daran überaus reiche Mitteloligocän 
hinabreicht. Eine noch beträchtlichere Anzahl sehen wir durch alle 
Glieder desMiocän bis in dasPliocän aufsteigen; ja selbst die heutigen 
Meere beherbergen nicht wenige lebende Arten, die auf keine Weise 
von miocänen Formen unterschieden werden können. 

Bichten wir unsere Aufmerksamkeit speciell auf die miocänen 
Bildungen des Wiener Beckens, so treten uns, abgesehen von dem 
einem anderen Niveau angehörigen thonigen Schlier (z. B. von Ott- 
nang), vorzugsweise drei verschiedene Schichtenfacies entgegen: der 
Tegel, die Sande und der Leithakalk mit seinen mergeligen tegel- 
artigen Zwischenbildungen. Es ist leicht zu begreifen, daß die Sande 



Jahrb. für Mineralogie 1839, p. 630). Schilling unterzog sie einer näheren 
Untersuchung und bestimmte sie als Ptinus salinus Schill. (Übers, der Arbeiten 
und Veränderungen der schles. Gesellseh. für vaterl. Cultur 1844, p. 175.). Nach 
Herrn Directors L. Redtenbacher gefälliger Mittheilung sind sie eine Varietät 
des Pt. crenatus Paykull. Sie liegen stets im regenerirten Steinsalze, welches 
durch Herabtropfen von Salzlösung entsteht und sind keineswegs als Versteinerun- 
gen zu betrachten, sondern gehören der jetzigen Schöpfung an. Offenbar wurden 
sie zufällig von außen in die Steinsalzgruben eingeschleppt, wo sie sich zahlreich 
vermehren und in Menge leben. Durch Zufall gerathen sie nun auch in das sich 
neu bildende Steinsalz und werden von demselben umselilossen. 



38 Reuss. 

in den meisten Fällen nur eine sehr beschränkte Zahl von Foramini- 
leren umschließen können, da die sie sehr leicht durchdringenden, 
stets Kohlensäure führenden Meteorwasser diese winzigen Kalkschalen 
selbst, wo sie ursprünglich in reicherem Masse vorhanden waren, 
rasch aufzulösen und hinwegzuführen vermochten. Es bleiben daher 
nur die Klagen des Tegels und des Leithakalkes übrig 1 , welche eine 
größere Fülle von Foraminiferen darbieten können. Und auch in der 
letztgenannten enthalten die Testen Leithakalke und Leithakalk-Con- 
glomerate entweder keine Foraminiferenschalen oder nur vereinzelte 
undeutliche Spuren derselben, da sie durch die Kristallisation des 
kohlensauren Kalkes größtenteils verschwinden oder doch unkennt- 
lich werden mussten. Daher finden wir sie nur in den mergeligen 
Schichten, die den unteren Theil der Leithakalkgruppe bilden und 
auch oft dem festen Leithakalke eingelagert erscheinen (Tegel des 
Leithakalkes), in größerer Menge und in wohlerhaltenem Zustande 
aufbewahrt. 

Beide diese Etagen aber — Tegel und Leithakalk — haben 
die vorwiegende Anzahl der Foraminiferen gemeinschaftlich, und ihr 
Unterschied liegt weniger in der Verschiedenheit der einzelnen in 
ihnen eingebetteten Species, als vielmehr in der abweichenden quan- 
titativen Entwicklung, zu welcher die Arten in dem einen oder dem 
anderen Gliede gelangt sind. Auf diese Weise sehen wir vom Badener 
Tegel an durch den oberen Tegel (von Vöslau, Grinzing, Rudelsdorf 
u. s. w.) bis zum Leithakalk eine allmälige Umwandlung der 
Foraminiferenfauna eintreten, ohne daß sich irgendwo eine scharfe 
Grenze ziehen ließe. Man muß, um Irrthümer möglichst zu vermei- 
den, bei Beurtheilung des Alters nicht die einzelnen Species, sondern 
vielmehr die Gesamtphysiognomie der Foraminiferenfauna in das 
Auge fassen. 

Von den 1 14 Foraminiferenspecies von Wieliczka, welche auch 
aus dem Wiener Becken bekannt sind, kommen 76 — mithin 66 
Pet. — im Tegel und Leithakalk zugleich vor. Ausschließlich im 
Leithakalk sind bisher 11 Arten, nur im Tegel 26 Arten angetroffen 
worden. Im Allgemeinen würde daher Wieliczka mit dem Tegel 101 
Arten — 90 Pct. — , mit dem Leithakalk 8o Arten — 76 Pct. — 
gemeinschaftlich besitzen. Bei flüchtiger Betrachtung würden diese 
Zahlenverhältniße unbedingt für die Übereinstimmung des Salzlagers 
mit dem Tegel geltend gemacht werden können. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. o 9 

Erwägt man dagegen, daß unter den dem Tegel und Leithakalke 
gemeinschaftlichen Species acht nur bis in den oberen Tegel herab- 
steigen ; daß eine nicht unbeträchtliche Anzahl derselben im Leitha- 
kalke oder doch im oberen Tegel ihren hauptsächlichen Sitz hat, 
im Badener Tegel aber nur in geringer Individuenzahl auftritt; daß 
endlich yon den bisher nur in dem Tegel des Wiener Beckens beob- 
achteten 26 Arten 13 ausschließlich dem oberen Tegel, dagegen 
nur 5 dem unteren Tegel angehören, so dürfte der Schluß gerecht- 
fertigt erscheinen, daß die Foraminiferenfauna der Steinsalzablage- 
rung von Wieliczka mit jener der unteren Schichten des Leithakalkes 
und des oberen Tegels die größte Analogie verralhe. Von der im 
Allgemeinen weit ärmeren Fauna des Schliers weicht sie in manchen 
nicht unwesentlichen Zügen ab. 

Erwähnt muß übrigens noch werden, daß von den Wieüczkaer 
Foraminiferen 7 Arten bis in das Unteroligocän, 31 Arten bis in das 
Mitteloligocän, 8 nur bis in das Oberoligocän herabsteigen. 6 Spe- 
cies sind mir sogar bisher nur aus dem Septarienthon bekannt gewor- 
den. Doch unterliegt es kaum einem Zweifel, daß sie in der Folge 
auch in miocänen Schichten des Wiener Beckens und anderer Gegen- 
den werden gefunden werden. Ebenso ist es vorauszusetzen, daß die 
Zahl der bisher auch lebend beobachteten Arten (29) eine beträcht- 
liche Zunahme erfahren wird, wenn fortgesetzte Untersuchungen 
unsere Kenntniß der Foraminiferenfauna der europäischen Meere 
werden vervollständigt haben. 

Die fossilen Reste der Anthozoen haben sich bisher nur auf 
eine einzige Species beschränkt, die den Einzeln-Korallen und zwar 
den Caryophylliden angehört. Merkwürdig ist es, daß sie nur im 
körnigen, bisweilen sehr klaren Steinsalze eingewachsen gefunden 
wird. Im Salzthone ist noch keine Spur davon wahrgenommen wor- 
den. Es mag sein, daß die während der offenbar langwährenden 
Concentrationsdauer der Salzlösung bis zu beträchtlicher Größe 
herangewachsenen Caryophyllien bei beginnender Krystallisation des 
Salzes theilweise die Centralpunkte bildeten, um welche der Ansatz 
des Salzes besonders leicht und rasch von Statten ging. 

Die Bryozoen von Wieliczka sind zum größten Theile (18 
Species = 80 Pct.) mit solchen des Wiener Beckens identisch. Von 
ihnen liegt die vorwiegende Mehrzahl — 14 Species — im Leithakalk, 
drei zugleich im Tegel und Leithakalk und nur eine Art (Lepralia 



40 R e u s s. 

Heckeli Wss.) wurde bisher ausschließlich im Tegel beobachtet. Zu 
einer Parallelisirung der Schichten dürften aber hier die Bryozoen 
sich iiin so weniger eignen, als jene des Wiener Beckens heinahe 
durchgehends dem Leithakalk angehören. Es ist dies auch leicht zu 
erklären, indem der Leithakalk als eine an der Meeresküste, dem 
Hauptsitze der Bryozoen, entstandene Bildung zu betrachten ist. Nur 
selten und vereinzelt, entweder Molluskenschalen üherrindend oder 
zufällig eingeschwemmt, trifft man sie im Tegel, dessen Bildung in 
weiterer Entfernung von den Küstenlinien, im offenem Meere vor sich 
gegangen ist. Das ziemlich häufige Vorkommen der Bryozoen im 
Steinsalzlager von Wieliczka wird höchstens den Schluß gestatten, 
daß dasselbe seine Entstehung ebenfalls in der Nähe der Meeresküste 
gefunden hat. Übrigens wurde schon an anderen Orten mehrmals 
Erwähnung gethan, daß die Bryozoen zur Bestimmung des relativen 
Alters der verschiedenen Tertiäretagen eine weniger geeignete An- 
wendung finden, weil eine beträchtliche Zahl durch mehrere dersel- 
ben ihre Existenz ungefährdet fortgesetzt hat und daher ihnen ge- 
meinschaftlich ist. 

Einen geringen Anspruch auf Bedeutung in der vorerwähnten 
Richtung können auch die Ostracoden erheben. Auch sie scheinen 
sich dem Wechsel der Verhältniße sehr leicht aecommodirt zu haben 
und reichen daher oft durch mehrere Abschnitte der Tertiärperiode 
hindurch. Im Wiener Becken findet man sie in großer Anzahl, vor- 
zugsweise in manchem Tegel zusammengehäuft, und besonders die 
Arten der Gattung Bairdia gehören in der Mehrzahl und in der größ- 
ten Individuenfülle demselben an. Die Cytheren liegen theils im 
oberen Tegel, theils in den Tegel schichten des Leithakalkes. Im 
festen Leithakalke sind ihre kleinen Schalen aus dem bei dem Fora- 
miniferen geltend gemachten Grunde nicht erhalten. Übrigens schei- 
nen sie, gleich den lebenden Ostracoden, den vorwiegend thonigen 
Schlammgrund des Tegels zum Wohnsitze vorgezogen zuhaben. Von 
den 1 9 Arten , welche Wieliczka mit dem Wiener Becken gemein- 
schaftlich besitzt, hat der Leithakalk ausschließlich nur zwei, der 
Tegel aber neun geliefert. Ebenso viele Arten sind in beiden zugleich 
beobachtet worden. 

Eine viel größere Wichtigkeit für die Parallelisirung der salz- 
führenden Schichten von Wieliczka erlangen die Conchiferen und 
Gasteropoden schon dadurch, daß in Folge der gründlichen Bearbei- 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung- von Wieliczka in Gaüzien. 41 

tung, die diese Thierclassen , selbst in ihren kleinsten Formen, für 
das Wiener Becken gefunden haben, eine sorgfältige und detaillirte 
Yergleichung ermöglicht wird. 

Von den 26 Bivalven von Wieliczka, die ich bisher zu be- 
stimmen vermochte, kommen 22 auch im Wiener Becken vor; doch 
ist es wahrscheinlich, daß auch Pecten scabridusEichw., P. Eich- 
ivaldi Rss. und Spaniodon nitidus Rss. in der Folge darin noch 
werden nachgewiesen werden. Ervilia podolica Eichw. gehört den 
Cerithienschichten an, in welchen sie an verschiedenen Localitäten 
in Menge zusammengehäuft erscheint. Drei Arten {Erycina ambigua 
Nyst. , E. austriaca Hörn, und Modiola Hörnest Rss.) sind vor- 
zugsweise im Sande von Grußbach, Grund und Pötzleinsdorf zu 
Hause. Pecten denudatus Rss. und Solenomya Doderleini Mey. 
characterisiren durch ihr massenhaftes Auftreten insbesondere den 
Schlier von Ottnang, während sie, namentlich die letztgenannte, bei 
Wieliczka, so wie in den übrigen Schichten des Wiener Beckens, nur 
sehr vereinzelt auftreten. Die bei weitem größere Anzahl der Wie- 
liczkaer Bivalven hat ihr Hauptlager in den höheren Schichten des 
Wiener Beckens. Nur eine Species {Ästarte triangularis Mont. 
sp.) ist bisher nur aus dem Leithakalk bekannt. Zwölf Arten sind 
dem Tegel und Leithakalk gemeinschaftlich. Vier Arten {Teilina 
donacinaL., Venus marginata Hörn., Erycina ambigua Nyst. 
und austriaca Hörn.) sind vorzugsweise im Tegel und Sand zu 
Hause, doch erheben sie sich auch bis in die oberen Tegelschich- 
ten. Mehrere Arten erreichen, was die Individuenzahl betrifft, im 
Leithakalk den Höhenpunkt der Entwicklung. 

Faßt man endlich die einzelnen Localitäten des Vorkommens in 
das Auge, so überzeugt man sich, daß von den 21 im Wiener Becken 
überhaupt vorgefundenen Arten die beträchtliche Anzahl von 12 Arten 
in den Schichten des Leithakalkes von Steinabrunn in Mähren beob- 
achtet worden ist. Der Sand von Grund und Grußbach hat IT, 
jener von Pötzleinsdorf ebenfalls 10 Species dargeboten, während im 
Badener Tegel nur 7 Species angetroffen worden sind. 

Zu noch bestimmteren Resultaten führt die specielle Betrachtung 
der Gaste ropoden, deren Vorkommen Wieliczka mit den Schichten 
des Wiener Beckens theilt. Ihre Zahl beläuft sich auf 31. Jedoch 
müssen einige derselben bei der Vergieichung zuvor ausgeschieden 
werden. So z. B. BUhynia immutata Frfld., die in dem brakischen 



42 Renas. 

Tegel des Raaber Bahnhofes und von Mauer beobachtet wurde, und 
Planorbis Reussi Hörn., welche nur der Süßwasserkalk des Eich- 
kogels zwischen Mödling und Gumpoldskirchen geliefert hat. Beide 
können in der Wieliczkaer Fauna nur als eingeschwemmte Fremd- 
linge angesehen werden. Es bleiben daher zur Vergleichung 29 Arten 
übrig. Von diesen ist nur eine — Trochns angnlatus Eichw. — 
ausschließlich in dem Leithakalke des Wiener Beckens, eine andere 

— Actaeon finguis d'Orb. — in diesem und in dem Sande von 
Grund und Grußbach angetroffen worden. Fünf Species hat bisher 
nur der Tegel und zwar eine derselben ausschließlich der obere 
Tegel dargeboten. Dagegen liegen 22 Arten zugleich im Tegel und 
Leithakalk, so daß mithin die Gesamtzahl der im Leithakalk ge- 
sammelten Species 24 beträgt. Von diesen hat der schon früher 
erwähnte Fundort — Steinabrunn in Mähren — 23 geliefert. 

Die einzige Cirripedienspecies — Poecilasma miocaenica Rss. 

— ist bisher nur aus dem Leithakalke von Podjarkow in Galizien 
bekannt gewesen *)> während die kleine Krabbe, bis jetzt auf 
Wieliczka heschränkt, nicht zur Vergleichung dienen kann. 

Faßt man nun diese in Betreff der einzelnen Thierclassen 
erhaltenen Resultate, so weit sie überhaupt mit einander vergleichbar 
sind, zusammen, so gelangt man, wenn dieselben gleich noch manches 
zu wünschen übrig lassen, doch zu dem Resultate, daß die Steinsalz- 
ahlagerung von Wieliczka in paläontologischer Beziehung die größte 
Analogie mit den jüngeren marinen Miocänschichten des Wiener 
Beckens verräth. Am sichersten kann sie jenen Schichten gleichge- 
stellt werden, welche in das Niveau der dem Leithakalke angehörigen 
Tegellagen und des obern Tegels gehören. Denn es läßt sich eine 
sehr große Übereinstimmung ihrer Fauna mit jener des Leithakalkes 
von Steinabrunn und anderer Localitäten von gleichem Alter nicht 
verkennen, während sie jener der tieferen Schichten des Wiener 
Beckens bei weitem ferner steht. 

Mit dem Schlier von Ottnang hat Wieliczka zwar zwei auf- 
fallende Formen gemeinschaftlich, nämlich Solenomya Boderleini 
May., die in den jüngeren Schichten des Wiener Beckens nur sehr 
selten auftritt, und den im letzteren bisher noch nicht beobachteten 



') Erst im Vei laufe meiner Aibeit habe ich sie auch in den gypsführenden Schichten 
der Umgehung von Troppau angetroffen. 



Pecten denudutus Rss., weicht aber in anderen Beziehungen viel- 
fach davon ab. Es dürfte daher die von Hemi Prof. Suess 1 ) aus- 
gesprochene Vermuthung, daß die Salzablagerungen Galiziens und 
die lange Reihe von Salzquellen, welche die Karpathen hegleitet, dem 
Schlier zufallen möchten, kaum gerechtfertigt sein. 

Koch weit entfernter ist die Ähnlichkeit mit den Cerithienschieh- 
ten, welche nur durch das Auftreten einiger, sonst die genannten 
Schichten characterisirenden Petrefacten angedeutet wird. Freilich 
wird die Flora des benachbarten Swoszowice von 0. Heer der Flora 
von Tokay und Szagadat gleichgestellt, also gerade in jene sarmatische 
Schichtengruppe versetzt, während die Flora von Wieliczka der 
helvetischen Stufe angehören soll 2 ). Es fehlt jedoch bisher die 
Bestätigung jener Ansicht durch fossile Thierreste. Es liegt bisher 
eine einzige Pectenschale vor, deren schon Zeus ebner 3 ) Erwäh- 
nung thut. Er zieht sie irriger Weise zu P. Lilll P lisch. = P. sca- 
bridus Eichw. Denn sie unterscheidet sich von der im Salzthone 
von Wieliczka häufig vorkommenden Species auffallend und gehört 
offenbar in die Gruppe des P. polymorphus Br. und adspersus 
Lamk. Eine nähere Bestimmung ist jedoch nicht zulässig, da die 
Schale nur mit ihrer Innenseite frei liegt , an der Außenseite aber 
mit dem festen schwefelhaltigen Gebirgsgesteine untrennbar zusam- 
menhängt. Die von Zeus ebner ebenfalls erwähnten, mit Schwefel 
gefüllten Schneckenschalen, die angeblich der Gattung Natica ange- 
hört haben sollen, waren schon zu Zeuschner's Zeit verloren 
gegangen. 

Die den gesamten Nordrand der Karpathen begleitenden, aber 
auch anderwärts verbreiteten Ölschiefer dagegen, für welche Schim- 
per den Namen Amphisylensehiefer in Vorschlag bringt, gehören 
einem weit älteren Niveau an. Sie zeigen sehr zahlreiche und bedeu- 
tende Lagerungsstörungen und liefern Petroleum und Ozokerit in 
beträchtlicher Menge. Überdies sind sie durch häufige Fischreste, 
sowie durch Einschlüsse von Menilitopalen characterisirt, weßhalb 



!) E. Suess Untersuchungen über den Charakter der österreichischen Tertrar- 
ablagerungen I. p. 63. Aus den Sitzb. der k Akad. d. Wissensch. Bd. 54. I. Abth. 

2 ) 0. Heer Untersuchungen über das Klima und die Vegetationsverhällnisse des 
Tertiärlandes 1860, p. 98, 99. 

3 ) Geognostische Beschreibung des Schwefellagers von Swoszowice bei Krakau in 
Haidinger's gesammelten nalurw. Abhdlg. III. 1, p. 171). 



4 4 R e u s s. 

man sie auch von jeher in der Menilitschiefergruppe zusammenfaßte. 
Nach neueren Untersuchungen dürften sie wohl in das Mitteloligocän 
zu stellen sein »). 

Herr Markscheider Ott in Wieliczka sendete von Bogusice, 
eine Viertelstunde nördlich von Wieliczka, Bruchstücke eines grohen 
kalkigen Sandsteines ein, welcher neben zahlreichen kleinen Kalk- 
concretionen und Geschieben auch größere Geschiebe von Quarz und 
Schiefern fährt und dadurch stellenweise conglomeratartig wird. 
Auch Petrefacten liegen nicht selten darin, aber meistens nur in Frag- 
menten. Es ließen sich darunter Pecten flabelUformis Brocchi, 
Steinkerne von Pectunculus (wahrscheinlich von P. pilosvs L.) und 
ungefaltete Deckelschalen einer Auster erkennen ließen. Die erst- 
genannte Versteinerung macht es höchst wahrscheinlich, daß das 
Gestein dem wahren Leithakalke angehört und daher den salzführen- 
den Schichten von Wieliczka aufgelagert ist. 

Bei genauerer Betrachtung der tabellarischen Zusammenstellung 
der Versteinerungen von Wieliczka drängt sich noch eine andere 
Frage auf, nämlich, welche Versteinerungen im Salzthone und welche 
im Steinsalze eingebettet vorkommen; ob eine wesentliche Verschie- 
denheit zwischen beiden obwalte, und durch welche Verhältniße diese 
etwa herbeigeführt werde. Daß eine solche bedeutendere Verschie- 
denheit nicht Statt haben könne, geht schon aus den Lagerungsver- 
hältnissen des Steinsalzes hervor. Denn dasselbe bildet , nach 
mancherlei unwesentlichen Characteren mit verschiedenen Namen 
bezeichnet, bald mehr weniger unregelmäßige Schichten, welche mit 
eben solchen Lagen von Salzthon, Gyps und Anhydrit wechseln, bald 
größere und kleinere Nester und völlig regellose trümmerartige 
Massen, welche in den bisweilen sandigen Thon eingebettet sind. 
Nirgend läßt sich eine regelmäßige Beihenfolge nachweisen. Der 
durch das Auflösen des Salzes erhaltene Rückstand liefert auch überall 
dieselben Petrefactenspecies, wenn man von den sehr seltenen, stets 
vereinzelten Vorkommnissen absieht. 

Zu denselben Beobachtungen bietet der Salzthon Gelegenheit. 
Ich habe reichliches Material untersucht, welches von 10 zu 10 



1) Fr. Posepny im Jahrb. der k.k. geol. Reichsanstalt 1865, Bd. 15, pag. 351. ff. — 
Prof. ti. Sueß Untersuchungen über den Char. d. österr, Tertiärablagerungen I, 
pag. o2, 04 ff. In den Sitzb. d. k. Akad. d. Wissensch. Bd. 54. — Sandberger, 
im Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. 1866. XVI. Verbdlgen. p. 24. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablngeruno- von Wieliczka in Galizien. 



45 



Klaftern Tiefe ausgehoben war, und überall habe ich eine sehr große 
Übereinstimmung in der Foraminiferenfauna , die wegen ihrer allge- 
meineren Verbreitung allein zu Rathe gezogen werden konnte , ge- 
funden. Die in den einzelnen Schlämmproben wahrgenommenen 
Abweichungen beschränkten sich auf solche, wie man ihnen überall 
in unmittelbar aneinander grenzenden Schichten einer Ablagerung 
oder selbst in verschiedenen Regionen derselben Schichte begegnet. 
Nirgend gab sich eine bestimmte , der Schichtenfolge entsprechende 
Aufeinanderfolge der Fossilreste zu erkennen, so daß man in paläon- 
tologischer Beziehung sich genöthigt sieht, die Steinsalzablagerung 
von Wieliczka als ein zusammenhängendes untrennbares Ganzes zu 
betrachten. 

Die Vertheilung der Petrefacten im Salzthone und Steinsalze, 
wie sie sich bisher herausgestellt hat, ergibt sich aus nachstehender 
Übersicht. 





Im Salzthon 
allein 


Im Steinsalz 
allein 


In Leiden 
zugleich 


Foraminiferen 

Anthozoen 

Bryozoen 

Bivalven 

Pteiopoden 

Gasteropodon 

Ostraeoden 

Cirripeden ....... 

Deeapoden 


82 

1 

7 

13 
21 

1 


21 
1 

18 

11 
3 

15 
6 


47 

4 

8 

13 
1 
1 




125 


75 


74 



Die Vergleichung der im Salzthon und im Steinsalz eingeschlos- 
senen Versteinerungen lehrt vor Allem, daß die letzteren in der Regel 
viel schlechter erhalten, mehr abgerieben und zertrümmert sind. Die 
Ursache liegt am Tage. Die im Salzthone enthaltenen organischen 
Reste wurden rasch von dem kalkigen Thonschlamm, welcher sich 
aus dem Wasser, in dem er suspendirt war, mehr weniger schnell 
niederschlug, eingehüllt und vor weiterer Zerstörung geschützt. 
Dagegen mußte ein längerer Zeitraum vergehen, bis das Meeres- 
wasser einen so hohen Grad der Concentration erreichte, daß das 
Steinsalz aus demselben herauszukrystallisiren vermochte. Während 



4(5 Itena«. 

dieser Zeit wurden die laugst abgestorbenen organischen Wesen in 
den mehr weniger stürmisch bewegten Wässern vielfach hin und her 
geworfen und dabei abgerollt, zertrümmert und die zarteren ohne 
Zweifel gänzlich zerrieben. Dadurch wird es erklärt, daß die vor- 
wiegende Menge besonders der sein* zerbrechlichen Foraminiferen 
und Ostracoden im Salzthone gefunden wird. Im Steinsalz sind nur 
die stärkern Widersland leistenden lrieselschaligen oder mit compac- 
ter porzellanartiger Schale versehenen erhalten, so wie jene, welche 
überhaupt eine dickere, dem kugeligen sich mehr nähernde Schale 
besitzen. Ebenso trifft man im Steinsalz nur kleine dickschaligere 
Gasteropoden und Bivalven, letztere besonders mit beiden vereinigten 
Klappen , wodurch in den meisten Fällen die Untersuchung des 
S'.'hloßes vereitelt wird. Von den übrigen sind im Salze fast stets 
nur unbestimmbare Trümmer vorhanden. Aus dem Salzthone aber, 
in welchem sie öfters noch im Zusammenhange liegen, lassen sieh 
die vereinzelten, durch Calcination sehr zerbrechlich gewordenen 
Schalen nur sehr selten vollständig auslösen. Übrigens ist hei den im 
Steinsalze eingebetteten Fossilresten die chemische Einwirkung der 
concentrirten Salzlösung auf die Schalensubstanz nicht außer Acht 
zu lassen, denn man findet dieselbe nicht selten an der Oberfläche 
rauh , glanzlos, angefressen, ja seihst tief erodirt, durchlöchert und 
auf mannigfache Weise unkenntlich gemacht. 

Daß die Bryozoenreste vorwiegend dem Steinsalze angehören 
und nur sehr vereinzelt im Salzthone vorkommen, mag mit der schon 
früher hervorgehobenen Erscheinung im Zusammenhange stehen, daß 
die Beste dieser Thierclasse überhaupt in den kalkig-thonigen Tegel- 
ablagerungen nur eine seltene Erscheinung sind. — 

Abgesehen von der Bestimmung des relativen Alters, gewährt 
die Petrefactenführung des Steinsalzlagers von Wieliczka, wie schon 
früher angedeutet wurde, noch den unschätzbaren Vortheil, daß sie 
uns einen vollkommen sicheren Aufschluß über seine Entstehung und 
dadurch zugleich über die Bildung der Steinsalzablagerungen über- 
haupt bietet. Die Gegenwart zahlreicher, zum Theil sehr wohlerhal- 
tener Beste von Meerestbieren wird nur durch die Voraussetzung 
erklärlich, daß das Salz samt den begleitenden Mineralsubstanzen 
in dem Meerwasser gelöst war und aus diesem, gleich den organischen 
Besten, abgesetzt worden ist. Es erscheint daher als das nach dem 
Verdunsten des Wassers übriggebliebene Residuum. Eine andere 



Die f'osöüe Fauna der Steinsalzablagerang von Wieliezka in Galizien. 4 l 

Erklärungsweise wird durch das Dasein der fossilen Reste geradezu 
ausgeschlossen. Es wird dies auch von allen neueren Geologen un- 
bedingt anerkannt. 

Daß eine Steinsalzbildung im offenen Meere nicht zu Stande 
kommen könne, unterliegt keinem Zweifel, da in demselben niemals 
eine solche Concentration der Salzlösung eintreten kann, daß das 
Herauskrystallisiren des Salzes ermöglicht würde. Dieselbe kann nur 
in einem abgeschlossenen kleineren Meeresbecken erfolgen , in 
welchem der Zutritt neuen Wassers ganz oder doch zeitweilig auf- 
gehoben wird und mithin die Verdunstung des wässerigen Lösungs- 
mittels ein beträchtliches Übergewicht über die neue Zufuhr erlangt. 
Auffallende Beispiele dieses Vorganges liefern uns die zahlreichen 
größeren und kleineren Salzseen, deren Verhältniße durch oftmalige 
Schilderungen zu bekannt sind, als daß sie hier einer wiederholten 
Erörterung bedürften *). 

Inwiefern die Lage von Wieliezka in der Meeresenge, welche, 
zwischen den Jurakalken des Krakauer Gebietes im Norden und den 
Karpathen im Süden eingeschlossen, das österreichisch- mährisch- 
sehlesische Tertiärmeer mit dem galizisch-polnischen verband, einen 
besonderen Einfluß auf die Salzbildung ausübte, muß ich unentschie- 
den lassen. Ganz ohne Einfluß dürfte dieser Umstand kaum gewesen 
sein, wenn man gleich den aus den eigenthümiiehen Verhältnißen 
z. B. des mittelländischen Meeres und dem im Meere mit der Tiefe 
zunehmenden Salzgehalte vom Lyell u. a. gezogenen Schlüßen nicht 
beistimmen kann. 

Die Bildung solcher abgesperrten Merresbecken kann entweder 
durch längs den Meeresküsten erfolgte partielle Hebungen oder 
durch Vorlagerung von Sandbarren u. dgi. hervorgebracht werden. 
Auch in unserem Falle haben ohne Zweifel solche Agentien gewirkt, 
denn das Steinsalzlager von Wieliezka liegt gleich den übrigen Salz- 
ablagerungen am Nordrande der Karpathen längs der Küste des 
Tertiärmeeres, welches einst die Ebene von Galizien und eines Thei- 
les des angrenzenden Polens überfluthete und dessen Uferrrand durch 
den Verlauf der Karpathen klar angedeutet wird. 



l ) Man findet solche Schilderungen unter anderen in G. Bischofs Lehrbuch de r 
chemischen und physikalischen Geologie. 1. Auflage. I. Cap. 5. B; II. Cap. 18, 
pag. 49—77, sowie in Fr. Mohr's Geschichte der Erde 1860, p. 32—43. 



4cS II (' II s s. 

Diese Absehließung kann aber keine vollständige oder doch 
keine ohne Unterbrechung andauernde gewesen sein, denn sonst 
müßte man, um die Entstehung eines Salzlagers von der Mächtigkeit 
desWieliczkaer zu erklären, ein Meer von beispielloser Tiefe vorraus- 
setzen, — eine Annahme, die sich, insbesondere in der Nachbar- 
schaft der Meeresküste, nicht rechtfertigen ließe. Die absperrenden 
Dämme dürften sich vielmehr zu einer Höhe erhoben haben, welche 
die Überfluthung zur Zeit hoher und stürmischer Meeresfluthen wenig- 
stens theilweise gestattete, oder es mußten doch einzelne Canäle vor- 
handen sein, durch welche der zeitweilige Eintritt des Meeres in das 
Becken ermöglicht wurde. Dadurch geschah die Zufuhr immer neuen 
Salzmateriales und das Anwachsen der Salzablagerung schritt allmälig 
fort. Diese Zunahme fand darin kein Hinderniß, daß das neu einströ- 
mende Meereswasser jedesmal einen Theil des schon gebildeten 
Salzniederschlages wieder auflösen mußte. Das Gelöste kam in der 
Folge bei fortschreitender Verdunstung, vermehrt durch die Menge 
des neu hinzugekommenen Salzes, doch wieder zum Absätze. 

Es ist leicht einzusehen , daß diese Vorgänge sich oftmals 
wiederholen mußten, um endlich im Laufe der Zeit eine mächtige 
Salzablagerung aufzuhauen. Die gegen diese Vorstellung der „ab- 
und zulaufenden Meere" erhobenen Bedenken t) vermögen ihre Rich- 
tigkeit wenigstens in der hier bezeichneten Richtung nicht zu er- 
schüttern, denn das Steinsalzlager von Wieliczka gibt uns unwider- 
legliche Beweise dafür an die Hand. 

Schon das Vorhandensein von organischen Resten in sehr ver- 
schiedenem Niveau der Ablagerung setzt eine Wiederholung der 
Wasserzufuhr außer Zweifel. In einer so cencentrirten Salzlösung, 
wie sie zum Herauskrystallisiren des Salzes erfordert wird, konnte 
das organische Leben offenbar nicht gedeihen. Eine allmälige Abla- 
gerung von Thierversteinerungen, deren zum Theil e wohlerhaltener 
Zustand auf einen raschen Absatz hindeutet, kann also nur darin 
seine Erklärung finden, daß mit dem Wasser zugleich stets neue das- 
selbe bewohnende Thiere dem abgeschlossenen Becken zugeführt 
wurden, um dort in kurzer Frist abzusterben und theils im Schlamme 
abgelagert, theils erst später vom krystallisirenden Salze umschlossen 
zu werden. 



') Volger, das Steinsalzgebirge von Lüneburg. 1865, pag. 14. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 49 

Der Wechsel von Salzthon mit Lagen bald reineren, bald un- 
reineren Salzes bietet uns einen zweiten Beweis für die ausgespro- 
chene Ansicht. Jedes neue Eindringen der muthmaßlich stürmisch 
aufgeregten Meeresfluthen brachte zugleich eine beträchtliche Menge 
suspendirter Schlammtheile mit sich, welche sich auf mechanischem 
Wege absetzten, ehe es zur chemischen Ausscheidung des Salzes 
kommen konnte. Nur die feinsten Theilchen blieben noch durch län- 
gere Zeit im Wasser suspendirt und wurden von dem krystallisiren- 
den Salze umschlossen. Daß in späterer Zeit, nach vollendeter Ab- 
lagerung der Schichten, innerhalb derselben durch die ohne Unter- 
laß eindringenden Gewässer neue Lösungen und Absätze von man- 
cherlei Substanzen stattfinden und dadurch Regenerationen der Salz- 
masse, Veränderungen in der Mächtigkeit und Lage der Schichten, 
Krümmungen, Hebungen und Senkungen derselben herbeigeführt 
werden mußten, ist von selbst verständlich. Auch die Imprägnation 
der abgelagerten Thone mit Salz und ihre Umbildung zu Salzthonen 
ist in diese spätere Periode zu versetzen. Durch die Combination 
wenngleich langsam, doch ununterbrochen wirkender Agentien kam 
allmälig eine sehr wesentliche Änderung der räumlichen und qua- 
litativen Verhältnisse und endlich die jetzige Unregelmäßigkeit der 
Lagerungsverhältnisse des Steinsalzlagers zu Stande. Auch die zer- 
stückte trümmerartige Beschaffenheit des Grünsalzes von Wieliczka 
dürfte viel eher durch solche Vorgänge, besonders durch eine spätere 
theilweise Wiederauflösung der schon gebildeten Salze zu erklären 
sein, als durch eine consecutive mechanische Zertrümmerung des Salz- 
lagers, worauf schon Schafhäutl im Allgemeinen hingedeutet hat. 

Aber in eine umfassendere und tiefer eingehende Prüfung der 
einzelnen zum Theile höchst merkwürdigen geognostischen Verhält- 
nisse von Wieliczka einzugehen, ist hier weder am geeigneten Platze, 
noch ohne vorausgehende länger fortgesetzte sorgfältige Localunter- 
suchungen durchführbar. 

Auch die oftmalige Wiederkehr von Anhäufungen von Gyps oder 
von Anhydrit, in welchen der erstere sich theilweise umgewandelt hat, 
findet in den angegebenen Verhältnissen ihre Erklärung. Da bei fort- 
schreitender Concentration des Meerwassers sich jedesmal der 
schwefelsaure Kalk zuerst ablagern mußte, ist bei Wiederholung des 
Concentrationsprocesses auch der wiederholte Absatz von Gyps eine 
unerläßliche Thatsache. Freilich wird ein nicht unbeträchtlicher 

Sitzb. d. matbem.-nafurw. Cl. LV. Bd. I. Abth. 4 



S R e 11 s s. 

Theil desjetzl vorhandenen Gypses dem am Ende jeder Ablagerungs- 
periode und in noch späterer Zeit eintretenden Austausche der leich- 
ter löslichen Salze der Ablagerung gegen das ohne Unterlaß zuge- 
fuhrte Kalksulfat seinen Ursprung verdanken, — ein Vorgang, der 
bei allen Salzablagerungen eintritt und auf den besonders Volger*) 
aufmerksam gemacht hat. Zur Bildung eines anhydritischen Hutes ? <) 
d. h. zum Absätze von beträchtlicheren Gyps- und Anhydritmassen 
über der Steinsalzablagerung ist es bei Wieliczka ebenso wenig 
gekommen, als bei den übrigen Salzstöcken Galiziens und bei jenen 
Siebenbürgens. Das Fehlen derselben, so wie grosser Mengen von 
Sulfaten und Chloriden, wie wir diese in so ausgezeichneter Ent- 
wicklung im Hangenden des Steinsalzes von Staßfurth beobachten, 
liefert den klaren Beweis, daß bei Wieliczka die nach dem Heraus- 
krvstallisiren des Natriumchlorids zurückgebliebene Mutterlauge nicht 
ebenfalls der Verdunstung unterlegen ist. Selbst das Steinsalz von 
Wieliczka hat sich durch die vorgenommenen Analysen als sehr arm 
an Salzen der Mutterlauge erwiesen. Es liegt mithin der Schluß 
nahe, daß, ehe noch der Verdunstungsproceß vollständig beendet 
und nachdem das abgelagerte Steinsalz durch abgelagerte Thon- 
schichten vor der Wiederauflösung geschützt war, die Mutterlauge 
durch einen neuen stärkeren Meereseinbruch oder durch süsses 
Wasser verdünnt, nach irgend einer Bichtung ihren Abfluß gefunden 
habe. 

Es wurde schon früher angedeutet, daß die Gypsschichten ver- 
steinerungsleer sind und auch der Salzthon, wo er reicher an Gyps 
erscheint, keine oder nur sehr sparsame und kleine organische Beste 
führt. Offenbar hat der Gypsabsatz stattgefunden, ehe noch das 
Meerwasser eine dem organischen Leben durchaus verderbliche Zu- 
nahme des Salzgehaltes erfahren hatte. 

Dieser deletere Einfluß gibt sich auf mehrfache Weise zu er- 
kennen. Die organischen W T esen, welche durch jeden neuen Meeres- 
ausbruch in die abgeschlossene Bucht zugleich mit suspendirten 
unorganischen Theilchen eingeführt wurden, konnten ihr Leben nur 
so lange fristen, als der Salzgehalt des Wassers nicht zu sehr gestei- 
gert wurde. Sobald die Concentration der Salzlösung einen zu hohen 



1) L. c. P . n. 

2 ) V olger 1. c. p. 13 ff. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablag-erung von Wieliczka in Galizien. 51 

Grad erreicht hatte , mußten sie rasch absterben und in den zugleich 
sich niederschlagenden Schlamm- und Sandtheilchen begraben oder 
später von dem krystallisirenden Steinsalze umschlossen werden. Daher 
finden wir die Reste der Mollusken, welche gegen die Einwirkung 
des Salzes am empfindlichsten waren, nur an sehr vereinzelten 
Stellen im Salzthone liegen, aber da in sehr großer Individuenzahl 
zusammengehäuft. Eine viel weitere und gleichmäßigere Verbreitung 
genießen die Foraminiferen und Ostracoden, Avelche den erhöhten 
Salzgehalt des Wassers viel länger ertragen zu haben scheinen und 
daher erst später und mehr allmälig seinem verderblichen Ein- 
flüsse unterlagen. Es wird dadurch das Vorhandensein von Fossilresten 
dieser Thierclassen in beinahe allen Salzthonen, sowie in dem mei- 
sten Steinsalze, mit Ausnahme des erst später durch Regeneration 
gebildeten, erklärt. 

Ein anderer Einfluß der concentrirten Salzlösung gibt sich in 
der Beschaffenheit der meisten beobachteten Petrefacten zu erken- 
nen. Die eben erwähnte größere Accommodationsfähigkeit der Fora- 
miniferen und Ostracoden läßt schon von vorne herein erwarten, 
daß ihre Entwicklung und ihrWachsthum auch unter den herrschen- 
den abnormen Verhältnissen mehr normal gewesen sein werde. Und 
wirklich zeigen die gefundenen fossilen Reste derselben keine bemer- 
kenswerthe Abweichung in Größe und Form von den gleichen Arten 
aus den Schichten anderer Localitäten, welche sich voraussichtlich 
in Meeren von normalem Salzgehalte gebildet haben. Auch die Bryo- 
zoen scheinen von der regelmäßigen Entwicklung kaum abzuweichen. 
Wenigstens zeigen die kleinen abgeriebenen Bruchstücke, welche 
das Steinsalz von Wieliczka umschließt, durchaus normale Größen- 
und Formverhältnisse. 

Desto deutlicher treten die Spuren eines störenden Einflusses 
an den gefundenen Conchiferen und Gasteropoden hervor. Schon 
früher wurde die beinahe durchgängige Kleinheit der durch Aus- 
waschen aus dem Salzthone und Steinsalze gewonnenen Schalen als 
ein sehr auffallendes Merkmal hervorgehoben. Bisweilen kommt auch 
noch eine verhältnißmäßig größere Dünne derselben hinzu , obwohl 
dieses Kennzeichen bei weitem weniger in die Augen fällt. Die 
Erklärung unterliegt keiner Schwierigkeit. Man hat es theilweise mit 
junger Brut zu thun, welche, plötzlich in ein dem Leben feindliches 
Medium versetzt, sich nicht nur nicht weiter zu entwickeln ver- 

4* 



52 R e u s s. 

mochte, sondern rasch abstarb. Oder wo das Absterben nicht so- 
gleich erfolgte, trat doch kein gedeihliches Waehsthum ein; die 
Individuen entwickelten sich nur langsam und unvollkommen, bis sie 
endlich docli auch unterlagen. Ähnliche Wirkungen treten bekannt- 
lich auch bei sehr vielen Mollusken ein, wenn sie in ein sehr aus- 
gesüßtes Gewässer, das des dem Leben und Gedeihen angemessenen 
Salzgehaltes entbehrt, versetzt werden. Jedoch scheint die Einwir- 
kung nicht auf alle Arten gleich intensiv gewesen zu sein, denn die 
Schalen mancher, z. B. von Nucula nucleus stehen an Größe den in 
den tertiären Schichten anderer Gegenden vorkommenden nicht nach. 
Einzelne normal gebildete Schalen dürften endlich von Individuen 
abstammen, welche schon in entwickeltem Zustande aus dem nach- 
barlichen Meere in das salzige Becken versetzt worden sind. 

Unter den zahlreichen Versteinerungen, welche offenbar rein 
marinen Ursprungs sind, werden im Salzlager von Wieliczka auch 
einige Arten angetroffen, von denen dieser Ausspruch nicht gilt, die 
daher auf complicirtere Verhältnisse hindeuten. Vor allen ist Planor- 
bls Reussi Hörn, zu erwähnen, der bisher nur im Süßwasserkalke 
vom Eichkogel bei Wien bekannt gewesen war und gleich anderen 
Planorbis-Arten nur im süßen Wasser gelebt haben kann. Sein Auf- 
treten im Salzlager von Wieliczka setzt nothwendig voraus, daß ein 
Zufluß von süßem Wasser in das salzige Becken stattgefunden haben 
muß, in welchem die Ablagerung der salzführenden Schichten vor 
sich ging. 

Noch viel bestimmter wird dies dargethan durch die Gegenwart 
zahlreicher Pflanzenreste , welche stellenweise in Menge zusammen- 
gehäuft im Spizasalze eingeschlossen vorkommen. Der Salzthon ent- 
hält nur seltene und unbedeutende Spuren davon (von bituminisirtem 
Holze). 

Unger beschreibt in der schon früher genannten Monographie 
der fossilen Flora von Wieliczka zwei Arten von Coniferenzapfen 
(Pinites, Steinhauera), eben so viele Arten von Coniferenholz (Peuce, 
Taxoxylon), je zwei Species von Früchten von Castanea und Quer- 
cus, drei Species von Wallnüssen, eine Art von Birkenholz (Betuli- 
nium) und zwei Arten von Buchenholz (Fegonium) , zu welchen 
noch eine sehr seltene Hülsenfrucht hinzukommt, die die größte 
Verwandtschaft mit C«mVFrüchten besitzt. Es sind dies durch- 
gehends ausgezeichnete Landpflanzen, welche also auf dem Fest- 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. ö3 

lande in der Nachbarschaft der Küste vegetirt haben müssen. Sie 
deuten zugleich auf eine Baumvegetation hin, welche mit der nord- 
amerikanischen die größte Analogie verräth. 

Aus der Beschaffenheit der fossilen Reste schließt Unger 1 ), 
daß dieselben im frischen Zustande in das salzhaltige Wasser gelangt 
sind, daß sie, noch ehe sie gänzlich vom Salze durchdrungen waren, 
von der krystallinischen Salzmasse umschlossen und erst später im 
Verlaufe langer Zeit in Braunkohlensubstanz umgebildet wurden. Es 
stimmt dies sehr wohl mit der Raschheit überein, mit welcher Salz- 
massen aus vollkommen gesättigten Lösungen herauszukrystallisiren 
vermögen, besonders wenn fremde Körper vorhanden sind, welche, 
die Oberfläche vermehrend, dem anschießenden Salze zur Unterlage 
dienen. 

Auch an Arten fehlt es in der Fauna von Wieliczka nicht, die 
ihren Wohnsitz in brakischen Wässern zu haben pflegen , wie die 
Bythinia-Avten, Nematura und muthmaßlich manche derOstracoden. 
Sie lebten wahrscheinlich an der Einmündung eines Süßwasser- 
laufes in das salzige Becken oder in benachbarten Ansammlungen 
süßen Wassers, welche nur durch eine unvollständige und vorüber- 
gehende Communication mit dem letzteren verbunden waren. Bythi- 
nia immatata Frfld. sp. soll jetzt noch in gesalzenen Pfützen bei 
Odessa, so wie an den Küsten des caspischen Meeres leben. 

Interessant ist das Vorkommen einiger Molluskenspecies in 
Wieliczka, welche anderwärts die Cerithienschichten oder, wie sie 
Prof. S u e s s 2 ) neuerlichst zu benennen geneigt ist , die sarmatische 
Schichtenstufe characterisiren helfen. Es sind Bythinia Frauenfeldi 
Hörn. sp. und Er vilia podolica Ei chw. Sie müssen offenbar bei 
Wieliczka schon zu Ende der Periode der marinen Miocänschichten 
gelebt haben, ehe sie in dem nachbarlichen Volhynien undPodolien und 
im Wiener Becken in den Cerithienschichten auftraten. Sie gehören 
daher, wie manche andere in diesem Schichtencomplexe vorkommende 
Conchylien, demselben nicht ausschließlich an, sondern reichen in 
die älteren Schichten der marinen Stufe herab, wie dies wenig- 
stens in Betreff der Bythinia Frauenfeldi auch schon anderwärts 
beobachtet worden ist. 



1) L. c. I. p. 315. 

2 ) Über die Bedeutung der sogenannten brakiscben Stufe oder der Ceritliienscbichten 
pag. 15. In den Sitzuugsber. d. k. Akad. d. Wissensch, Bd. 54. 



S 4 Reus s. 

So erwünscht nun die Aufschlüsse sind, welche sich aus den von 
mir vorgenommenen Untersuchungen in Betreff des relativen Alters 
des Wieliczkaer Steinsalzlagers ergehen, so bleibt docb selbst in 
paläontologischer Beziehung, auf welche ich mich hier allein be- 
schränken mußte, noch manche dunkle Stelle aufzuhellen, noch 
mancher Zweifel zu lösen. Es werden dazu noch umfassendere For- 
schungen erfordert, welche nicht nur die in den Bergbauen selbst 
wahrnehmbaren Verhältnisse, sondern auch den geognostischen Bau 
der angrenzenden Gebietstheile zum Gegenstande haben. 

Einen interessanten Aufschluß in letzterer Beziehung hat die 
jüngste Zeit gebracht. Schon lange ist das Vorkommen von Gyps- 
lagern bei Kathrein in N. von Troppau *) in den sich in den Thälern 
der Oppa, Oder und Weichsel ausbreitenden Tertiärschichten be- 
kannt, und man war immer geneigt, dieselben mit den salzführenden 
Schichten von Wieliczka in ein gleiches Niveau zu versetzen. Es 
fehlte aber bisher an paläontologischen Beweisen dafür. Erst die 
neueste Zeit hat auch diese an die Hand gegeben. Auf den Feldern 
von Kathrein wurde ein neuer Versuchbau auf Gyps eingeleitet, und 
zu diesem Zwecke wurde ein Schurfschacht bis zu 15 Klaftern abge- 
teuft und dann noch 7 2' tief gebohrt. In größere Tiefe wurde die 
Bohrung nicht fortgesetzt, da man bis dahin kein zweites Gypslager 
angefahren hatte. Nach einer gefälligen Mittheilung des Herrn Gym- 
nasialprofessors. Em. Urban wurde nachstehende Schichtenreihe 
durchsunken : 

Dammerde — ° 2' — " 

Lehm 2 1 — 

Sand — 5 — 

Schotter 4 — — 

Blauer Letten 1 — — 

Mergel — 4 — 

Gyps 6 — - 

Schwarzer Tegel — — 4 

Muschelführender Kalkstein ... — — i/ a 

SchAvarzer Tegel — — 4 

Muschelführender Kalkstein ... — — 4 

15° 2' VV 7 



1 ) Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanstalt iblii. II. 2, pag. 160. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung- von Wieliczka in Galizien. 55 

Darunter folgt wieder schwarzer Tegel, in welchem noch 7 2' 
tief ohne Unterbrechung gebohrt wurde. Da kein zweites Gypslager 
erreicht wurde , stand man von der Fortführung des Baues ab. Die 
Schichten sind sämtlich unter 8 gegen Süden geneigt. 

Von den an Versteinerungen reichen kalkigen Zwischenschichten 
hat Herr Prof. Urban Proben eingesendet. Die dickeren Schichten 
stellen einen etwas mergeligen, licht aschgrauen Kalkstein dar, der 
mit zahllosen Schalen von Modiola Hörnest Rss. erfüllt ist, welchen 
nur sehr vereinzelte Schalen anderer Arten eingestreut sind. Das 
ganze Gestein gewinnt dadurch ein conglomeratartiges Ansehen. Die 
dünneren Schichten bestehen aus einem festeren graulichweißen 
dichten, ebenfalls etwas mergeligen Kalkstein und sind auf der 
einen Seite vollkommen ebenflächig, Avährend sie auf der andern 
Fläche dicht gedrängte, meist in dichten Eisenkies umgewandelte 
Petrefacten enthalten. Ich beobachtete nebst der schon erwähn- 
ten M. Hörnesi Rss. noch Pecten scabridus Eichw. , Ervilia 
pusilla Phil., dasselbe feingerippte kleine Cardiam, welches 
auch wenngleich immer in schlechtem Erhaltungszustande im 
Wieliczkaer Salzthone liegt, Brut einer Auster und endlich die 
auch bei Wieliczka häufigen Scutalklappen von Poecilasma mio- 
caenica Rss. 

Überdies liegen darin zahlreiche Foraminiferen , meistens von 
sehr kleinen Dimensionen, wie Cornuspira äff. Reussi Born., Bilo- 
culina ventruosa Rss., B. amphiconica Rss., B. bulloides d'Orb. 
nebst var. truncata und gracilis Rss., Quinqueloculina pauperata 
d'Orb., Q. Aknerana d'Orb., Q. Ungerana d'Orb., Q. suturalis 
Rss., Dentalina Adolphina d'Orb., Glandulina laevigata d'Orb. 
und aequalis Rss., Cristellaria inornata d'Orb., Pnllenia bulloides 
d'Orb. sp., Polymorphina depauperata Rss., P. ovata d'Orb., 
P. problema d'O r b., P. spirata n. sp., Sphaeroidina austriaca d'O r b., 
Bulimina elongata d'Orb., B. Buchana d'Orb., Uvigerina asperula 
Cziz., Truncatulinas])., Puloinulina Partschana d'Orb. sp., Nonio- 
nina Soldanii d'Orb. und Polystomella Fichteliana d'Orb. 

Die Mergelkalke von Kathrein haben daher nicht nur fast sämt- 
liche Versteinerungen mit Wieliczka gemeinschaftlich, sondern auch 
in ihren relativen Zahlenverhältnissen, besonders in dem schaaren- 
weisen Auftreten von Modiola Hörnesi gibt sich die größte Über- 
einstimmung zu erkennen. Man darf daraus wohl schließen, daß 



5 () Rens s. 

beide Schichtengruppen demselben geologischen Niveau angehö- 
ren •). Es wird in der Folge gewiß gelingen, diese Identität noch 
an anderen Punkten der Tertiärschichten westlich von Wieliczka 
nachzuweisen. 

Viel deutlicher lassen sich die salzführendeh Schichten nach 
Osten am Nord- und Südrande der Karpathen verfolgen, da sie ihre 
Gegenwart an vielen Punkten durch das Vorhandensein von Stein- 
salzlagern und Salzquellen verrathen. Jedoch war es bisher nicht 
möglich, in denselben, gleichwie in den übrigen Salzlagern anderer 
Formationen, organische Reste unzweifelhaft nachzuweisen und da- 
durch auf paläontologischem Wege ihr Alter festzustellen, so groß 
die Aufmerksamkeit auch sein mochte, die man diesem Gegenstande 
schenkte. Alle bisher in dieser Richtung gemachten Angaben ent- 
behren die wünschenswerthe Sicherheit. 

Die im Steinsalze von Ischl und von Olezkaja Saschtschita in 
Algier angetroffenen fossilen Hölzer sind leider keiner genaueren 
Untersuchung und Bestimmung unterzogen worden. 

Marcel de Serres und Joly 3 ) wollen in dem rothen und 
graulichen, ja selbst in dem farblosen Steinsalze von Cardona in 
Spanien zahlreiche Infusorien gefunden haben. Sie leiten selbst die 
Färbung des Salzes von der Gegenwart der Monas Duvalii Joly 
ab, derselben Species, welche, anfänglich weiß, später grün und im 
Alter purpurfarbig werdend, noch jetzt die Salzsümpfe von Montpellier 
roth färbt. Diese Ansicht hat aber, selbst wenn man die Gegenwart 
von Infusorien im Steinsalze zugibt, wenig Wahrscheinlichkeit, da es 
kaum glaublich ist, daß dieselbe Species, welche wir in den Salz- 
sümpfen der Jetztzeit beobachten, unter ähnlichen Verhältnissen schon 
in ferner Vorzeit massenhaft gelebt habe und uns in erkennbarem 
Zustande erhalten worden sei. Es bleibt immer noch die Vermuthung 
übrig, daß die Infusorien erst später in die Gesteinmasse hinein- 
gelangt seien oder daß man es mit regenerirtem Steinsalze zu thun 
gehabt habe. 



!) Das sich im lieferen Niveau des Baues ansammelnde Wasser soll nach den erhal- 
tenen Mittheilungen etwas salzig gewesen sein, was auf einen wenn auch geringen 
Salzgehalt der durchfahrenen Schichten hinweisen würde. 

z ) L'institut 1842, pag. 267. -- Leon h. u. Bronn's Jahrb. f. Mineral. 1841, 
pag. 2«.'}. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. ö7 

Dasselbe gilt von den Infusorien und Diatomaceen, welche 
Schafhäutl *) in dem rothen Steinsalze und Salzthone der Alpen 
beobachtet zu haben angibt. 

Ich vermochte weder in dem rothen alpinen, noch in dem tertiä- 
ren ein organisches Pigment nachzuweisen. Überall blieb nach dem 
Auflösen des Salzes neben anderen zufälligen Beimengungen eine 
mehr weniger beträchtliche Menge rothen Eisenoxydes zurück, nicht 
in regelmäßigen krystallinischen Blättchen und Schuppen, wie wir 
sie im rothen Kieserite u. s. w. von Staßfurth finden, sondern in voll- 
kommen formlosem Zustande. Das Eisen konnte sowohl vor dem 
Löthrohre als auch auf nassem Wege mit Sicherheit nachgewiesen 
werden. Das Pigment des rothen Steinsalzes finden wir demnach in 
demselben rothen Eisenocher wieder, welcher auch den rothen Gyps 
und Anhydrit, die rothen Mergel und Sandsteine verschiedener For- 
mationen u. s. w. färbt. 

Dadurch verliert auch die Angabe Schaf haut Ts, der das in 
dem Salzthone des Salzkammergutes gefundene Schvvefeleisen von 
Infusorien ableitet, ihren Halt. Die feingeschlämmte Salzthonmasse 
soll unter dem Mikroskope aus Überresten von Infusorien zusammen- 
gesetzt erscheinen, die theils zu Gaillonella, theils zu Monas gehö- 
ren. Die Resultate meiner Untersuchungen stehen mit diesen An- 
sichten nicht im Einklänge. Das Schwefeleisen im Salzthone hat 
offenbar denselben Ursprung, wie der in anderen sedimentären 
Schichten gefundene Eisenkies. Organische Reste konnte ich nir- 
gends wahrnehmen. 

Ebenfalls problematisch ist noch die Gegenwart organischer 
Einschlüsse im rothgefärbten Carnallit mancher Steinsalzablagerung. 
Zuerst will Göbel solche in Carnallitknollen des Steinsalzes von 
Maman im südlichen Aderbeitjan (Persien) gefunden haben. Derselbe 
hinterließ bei dem Auflösen in Wasser ein beinahe gleiches Volumen 
einer rothen schleimigen Masse, in welcher Göbel mittelst des 
Mikroskopes nebst zahllosen feinen Nadeln und dunkeln runden und 
hexagonalen Körperchen auch Pilzzellen und Diatomeenpanzer erkannt 
haben will. Er hielt diese Knollen deshalb fürSpongien. Dasselbe Ge- 
webe nebst Coscinodiscusschalen beobachtete Göbel später auch im 
Carnallit von Staßfurth. Auch G. Rose, Kindt, Karsten und 



') Ann. d. Chem. u. Pharm. Bd. -il, 1844, p. 263. 



i)8 R <> U 8 s. 

Schimper glaubten darin vegetabilische Zellen zu erkennen, die sie 
aber bald von einer bolzartigen Pflanze, vielleicht einer Cycadee, bald 
von einem Sphagnum, bald von einer Oseillarie ableiteten. 

Wegen dieser divergenten Ansiebten wiederholte Prof. Colin in 
Breslau die Untersuchung. Auch er erhielt durch Auflösen des Car- 
nallits schleimige Kliimpchen, deren Hauptmasse durch sehr zarte 
und lange rötbliche bis farblose Fäden gebildet wird, welche sich an 
den Enden verdünnen. Wegen der ausnehmenden Feinheit und des 
großen Aschengehaltes derselben zögert jedoch Colin, sich für ihre 
organische Natur zu entscheiden. Im bejahenden Falle ständen sie 
jedoch den Fäden der Algengattung J-Jygrogrocis am nächsten, welche 
salzreicbe Mineralquellen und verschiedene, selbst jedem anderen 
organischen Leben absolut tödtliche Lösungen bewohnt. Er würde 
sie dann mit dem Namen H. Bischofi bezeichnen *). 

Mit der größten Wahrscheinlichkeit dagegen konnte man erwar- 
ten, organische Fossilreste in den Steinsalzablagerungen von Sieben- 
bürgen, welche mit jenen am Nordrande der Karpathen einen beinahe 
zusammenhängenden Zug bilden, sowie in jenen der Marmarosch am 
südlichen Abfalle der Karpathen aufzufinden. Doch waren alle bis in 
die neueste Zeit von mir in dieser Beziehung angestellten Unter- 
suchungen erfolglos. Erst jetzt, als mir durch die Güte des Herrn 
Montan-ExpectantenFr. Pose pny reicheres Material zu Gebote stand, 
glückte es mir, im siebenbürgischen Salze Versteinerungen, wenn auch 
in sehr geringer Anzahl, nachzuweisen. Am reichlichsten fand ich sie in 
einem unreinen grauen Steinsalze der Thordaer Saline, welches aus den 
oberen Teufen stammte. Der nach dem Auflösen des Salzes zurück- 
bleibende sehr spärliche und feine Rückstand enthält nebst einzelnen 
Sandkörnchen und Bröckehen grauen Thones, Trümmer von kleinen 
Muschelschalen, die ihrer Sculptur nach von einem feingerippten 
Cardium abstammen dürften, sowie sehr seltene und kleine Gehäuse 
von Gasteropoden, Fragmente von Spatangus - Stacheln , welche 
mit jenen aus dem Salze von W T ieliczka vollkommen übereinstimmen, 
und endlich Foraminiferen. Von den gefundenen drei fragmentären 
Schneckengehäusen gehört eines der Turbonilla pusilla Phil. an. 
Von den fünf Exemplaren von Foraminiferen lassen sich zwei als 



*) Dreiundvierzig-ster Jahresbericht der schlesisch. Gesellsch. für vaterl. Cultur 1866, 
p. 54—56. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. ö" 

Polystomella crispa Lam„ drei als Truncatulina Dutemplei d'Orb. 
sp. bestimmen. 

Auch in einer der von Herrn Posepny gefälligst eingesandten 
Proben aus dem Salzlager von Maros-Ujvar *) babe ich kleine Fossil- 
reste, wenngleich in sehr geringer Menge, entdeckt, und zwar in einem 
wenig verunreinigten, schwach graulichweißen körnigen Steinsalze, 
welches aus der V. Grube, 60 Klaftern unter Tages, stammt. Der 
nach der Lösung zurückbleibende Rückstand lieferte nebst unbestimm- 
baren kleinen Fragmenten einer dünnschaligen glatten Bivalve und 
der Spitze des Gehäuses eines Gerithium (vielleicht C. scabrmn Ol.) 
eine geringe Anzahl wohlerhaltener Foraminiferen. Es waren drei 
Schalen von Globigerina triloba Rss. und zwei von Gl. bulloides 
d'Orb. Die bisher im siebenbürgischen Salze nachgewiesenen Petre- 
facten sind mithin durchgehends Species, welche auch im Salze von 
Wieliczka vorkommen. Wenn es nun in Folge dieser Beobachtungen 
schon bei flüchtiger Betrachtung keinem Zweifel unterliegen kann, 
daß die Steinsalzlager der neogenen Tertiärformation angehören, 
wird es dadurch überdieß höchst wahrscheinlich gemacht, daß sie 
mit der Salzablagerung von Wieliczka im Alter vollkommen überein- 
stimmten, daher mit dieser in das gleiche geologische Niveau gestellt 
werden müßen. Es findet dadurch eine längst gehegte und auch 
schon mehrfach ausgesprochene Ansicht 3 ), welche schon durch das 
Auftreten des Salzes mitten in neogenen Tertiärgebilden höchst 
wahrscheinlich gemacht wurde, zum ersten Male ihre volle Bestäti- 
gung. Denn bisher boten weder die sehr verwirrten und wenig auf- 
geschlossenen Lagerungsverhältnisse einen sicheren Aufschluß, noch 
standen zur Bestätigung der gehegten Vermuthungen Petrefacten zu 
Gebote. Das als Einschluß im Salze von Vizakna und Thorda s ) beob- 
achtete bituminöse Holz hatte in dieser Beziehung keinen Werth. Es 



*) Eine Probe unreinen, mitGyps undMergelmasse gemischten Salzes aus der V.Grube 
von Maros-Ujvar hinterließ nach der Auflösung zahlreiche, kaum 0'5'" große 
rundum ausgebildete Krystalle gelblichen Calcites, theils einfache R., theils Durch- 
kreuzungszwillinge desselben, während eine andere zahllose winzige, aber regel- 

( P P P 

mäßig entwickelte Gypsnadeln I— • ooP . 00X00 und — . ooP 

V 2 2 2 

lieferte. 

2 ) Fr. v. Hauer u. Dr. Stäche, Geologie Siebenbürgens, pag. 102 ff. 

3 ) Fr. v. Hauer u. Dr. Stäche 1. c. pag. 107. 



. ocpco 



60 Reu ss. 

ist übrigens zu hoffen, daß jetzt nach gegebenem ersten Anstoße 
sieb, gleichwie in Wieliczka, unsere Kenntniß der organischen Reste 
des siebenbürgischen Steinsalzes bald in erfreulicher Weise erwei- 
tern wird. 

Bei Maros-Ujvar war man im Schurfschachte Nr. 7 in einer 
Tiefe von 3>/ 2 Klaftern in dem über der Palla *) liegenden Schotter auf 
einen Block kalkigen Conglomerates gestossen, welches in graulich- 
gelbem bröcklichem Kalkcäment neben kleinen Kalksteingeschieben 
viele meist zerbrochene Schalen von Conchiferen und Gasteropoden 
umschloß. Der Species nach bestimmbar waren: Corbula carinata 
Duj. und C. gibba Ol., Ervilia pusilla VhU. (die häufigste der 
Versteinerungen), Isocardia cor L., Avicula phalaenacea Lam. 
(Brut?), Bulla truncata Adams, Bullina Lajonkaireana Bast., 
Serpidorbis intortus Lam. sp., Natica helicina Brch., Trochus 
patulus B r c h. , T. turricula E i c h w. , T. fanulum G m e 1. , T. (Mo- 
nodonta) angulatus Eichw. , Delphinida rotellaeformis Grat?, 
Turritella Archimedis Brongn., Buccinum coloratum Eichw. und 
Cerithium pictum Bast. Nebstdem beobachtete ich nicht näher be- 
stimmbare Arten von Vermilia, Cardium, Venus, Pecten u. s. w. Alle 
diese fossilen Reste lassen das Gestein als dem Leithakalke angehörig 
erkennen. 

Erst nach Beendigung der vorstehenden Untersuchungen erhielt 
ich, durch gefälligeVermittlung der k. k. geolog. Reichsanstalt und durch 
die Güte des Herrn k. k. Bergrathes Göttmann in Marmaros-Szi- 
geth, reichliche Proben Salzthones von drei Salinen in der Marmaros, 
von Sugatag, Slatina und Ronaszek, zur Untersuchung. Auch lieferte 
der Schlämmrückstand bei sorgfältiger Prüfung organische Reste, 
wenngleich in sehr geringer Zahl. Am reichlichsten traf ich sie im 
Salzthone von Sugatag. Derselbe enthielt Bruchstücke eines glatten 
Pecten, der ohne Zweifel mit P. denudatus Rss. identisch ist, Stein- 
kerne einer kleinen Bithynia, welche wohl auf!?, enrta Rss. bezo- 
gen werden möchten, und endlich Foraminiferen : Biloculina amphi- 
conica Rss., B. bidloides d'Orb. var. truncata Rss. und var. trun- 
cata gracilis Rss.; Quinqueloculina Aknerana d' Orb. , Bulimina 
Buchana d'Orb. und elongata d'Orb. 



1 ) Fr. v. II nu er u. Dr. Stäche, Geologie Siebenbürgens, pag. 108. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 6 1 

Die Salzthone von Slatina haben nur vereinzelte Forminiferen 
dargeboten und zwar Globigerina bulloides d'Orb., Nonionina Boue- 
ana d'Orb. und Glandulina laevigata d'Orb., nebst sehr seltenen 
Schalen von Cythere hastata Rss. In den Salzmergeln von Ronä- 
szek !) fand ichDicotyledonenblätter, Rruchstücke des schon mehrfach 
erwähnten glatten Pecten, Globigerina bulloides d'Orb., Gl, triloba 
Rss., Bulimina Buchana d'Orb., Glandulina laevigata d'Orb., 
Polystomella Fichteliana d'Orb. und Biloculina bulloides d'Orb., 
sämtlich, wie im Salzthone gewöhnlich, von sehr kleinen Dimensionen. 
Häufig liegen darin überdies in Schwefelkies verwandelte Kerne einer 
Spirialis, die ich von£p. ve?itricosa So wby. 3 ) nicht zu unterscheiden 
vermag, welche schon von Philippi fossil in den Tertiärschichten 
Siciliens beobachtet worden ist. 

Alle diese Petrefacten kommen auch im Steinsalzlager von 
Wieliczka vor und gehören theilweise zu den für dasselbe characte- 
ristischen Formen. Trotz ihrer beschränkten Anzahl genügen sie zum 
Beweise, daß auch den Salzablagerungen der Marmarosch ein glei- 
ches Alter mit jenen von Wieliczka zuerkannt werden müsse. 

Es ist ferner im hohen Grade wahrscheinlich, daß auch die Stein- 
salzlager der Wallachei demselben geologischen Horizonte angehören 
werden. Jedoch gelang es mir bisher nicht, das zu einer umfassen- 
deren Untersuchung nöthige Material zu erlangen. 

Erwägt man die von Hamilton, Tschichatscheff und 
Loftus bei ihren Untersuchungen in Kleinasien und längs der 
türkisch-persischen Grenze gewonnenen Resultate etwas genauer, so 

!) Nach den die erhaltene Sendung- begleitenden schriftlichen Bemerkungen beob- 
achtet man in der Saline von Ronaszek vom Tage aus nachstehende Aufeinander- 
folge von Gesteinen: 

Letten 1—1 i/ 3 ° 

Salzthon 18 

Unreine Salzschichte 11 

Weißes Salz 1 

Reines graues Salz 5 

mit Sand vermengtes Salz 4 

in einer Ausdehnung von 3 Länge und 3 Breite. Diesem ist die untersuchte 
Probe vom Francisci-Schachte entnommen. 
3 ) Souleyet revue zoolog. 1840, p. 236; Voyage de la Bonite II, pag. 216. T. 13, 
Fig. 11 — 16. — Rang et Souleyet hist. nat. des moll. pteropodes, pag. 63. 
T. 14. Fig. 13 — 18. — Scaea stenogyra Philippi enum. moll. Sicil. II, p. 164. 
T. 25. Fig. 20. 



()•»< lt e II 8 S. 

daß die Schichten ihrer gyps führenden Reihe demselben geologischen 
Horizonte angehören mögen. Mit Gewißheit läßt sich dies aber von de» 
gyps- und salzführenden rothenMergeln im russischen Armenien behaup- 
ten, welche nachAbich's Untersuchungen mit dem Supranunmiuliten- 
kalke, der nach seinen Versteinerungen dem Leithakalke entsprechen 
dürfte, im innigsten Zusammenhange stehen. Und so sind wir in den 
Stand gesetzt, Schichten vom Niveau des Wieliczkaer Steinsalzlagers, 
überall mehr oder weniger Gyps und Salz führend, von Schlesien 
in Westen südostwärts über die Grenze unseres Welttheils bis nach 
Persien und an den Kaukasus zu verfolgen. 

Wir erhalten dadurch, um mit Ab ich ') zu sprechen, einen 
Überblick über den außerordentlichen geographischen Umfang, auf 
welchem innerhalb der miocänen Periode und zumal gegen das Ende 
derselben die Bedingungen für die Bildung einer Gyps und Steinsalz 
einschließenden sandigen Formation vorgeherrscht haben» 



B. Specielle Aufzählung der beobachteten Fossilreste. 

1. Mit kieseliger Schale. 
a) Iiituolidea* 

Haplophragmium Bss. 

I. H. crassum Bss. (Taf. 1, Fig. 1, 2). 

Bisher sind mir von dieser Species nur die Nonioninen-Formen 
bekannt geworden, welche gleich dem H. latidorsatum Born, sp., 
H. Jeffreysi Will. sp. und anderen Arten dieser Unterabtheilung von 
Lituola einer großen Nonionina täuschend ähnlich sehen, aber in 
der kieseligen Beschaffenheit der Schale davon abweichen. 

Das bis 2t Millim. große, sehr rauhe Gehäuse ist beinahe kreis- 
rund, dick, mit breitem rundem Bücken und engem, aber deutlichem 
Nabel. Es besteht aus 5 — 6 geraden dreieckigen gewölbten Kammern, 
die durch ziemlich tiefe Natheinschnürungen gesondert werden. 
Die Septalfläche der letzten Kammer ist niedrig, halbmondförmig, 



1 ) Abich, Über das Steinsalz und seine geologische Stellung im russischen Arme- 
nien. Petersburg, 1857, pag. 23 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieüczka in Galizien. 6 ö 

gewölbt. Die Mündung eine halbmondförmige Spalte, die den vor- 
letzten Umgang beinahe in seiner ganzen Ausdehnung umfaßt. 

Das ähnliche H. latidorsatum Born. sp. *) aus dem Septarien- 
thon hat einen noch breiteren, fast flachen Rücken, einen undeut- 
lichen Nabel, flache Kammern, sehr seichte Nathfurchen und eine 
höhere beinahe vierseitige Septalfläche der letzten Kammer. 

Noniojüna Jeffreysi Will. 2 ) ist viel stärker zusammengedrückt, 
hat zahlreichere Kammern, gebogene Näthe und eine hohe Septal- 
fläche. 

Unsere Species liegt nicht häufig im Steinsalze. 

b) Uvellidea. 

Clavulina d'Orb. 

1. Cl. commnnis d' Orb. 
Orbigny Foram. foss. du bassin tert. de Vienne pag. 196. Taf. 12, Fig. 1. 

Das obere Ende ist bei Orbigny unrichtig gezeichnet, es ist 
beinahe gerade abgestutzt, nur wenig gewölbt, und an wohlerhalte- 
nen Exemplaren bildet die centrale kleine rundliche Mündung eine 
kurze und dünne röhrige Verlängerung, die wegen ihrer Dünnwan- 
digkeit in den meisten Fällen abgebrochen ist. 

Gemein im Salzthon. Häufig im miocänen Tegel von Grußbach, 
Baden und Vöslau, sowie im Leithakalk von Nußdorf. Erscheint sehr 
selten auch im Mitteloligocän und reicht durch das Pliocän bis in die 
jetzige Schöpfung. 

Plecanium Rss. 
1. PI. abbreviatuin d'Orb. sp. 
Textilaria abbreviata d'Orb. For. foss. du bass. tert. de Vienne pag. 249. 

Taf. 15, Fig. 7 — 12. — Textilaria subimgulata d'Orb. 1. c. pag. 247. 

Taf. 15, Fig. 1—3. 

Sie ist ziemlich gemein im Steinsalze und Salzthone, besonders 
die kurze Varietät. Im Wiener Becken findet sie sich im Tegel von 
Baden, Grinzing und Vöslau (hier besonders häufig), im Leithakalk 
von Nußdorf u. s. w., überdies im Schlier von Ottnang. 

Textilaria subangulata d'Orb. halte ich von PL abbreviatum 
nicht für verschieden, denn die Höhe des Gehäuses und der letzten 



j ) Bornemann die mikroskop. Fauna des Septarienthones von Hermsdorf bei Berlin 

pag. 35. Taf. 5, Fig. 4. 
2 ) Willi amson on the rec . foraminifeia of great Britain pag. 34. Flg. 7?. 73. 



() 4 R e u s s. 

Kammern ist grossem Wechsel unterworfen. Mit zunehmender Höhe 
pflegt das Gehäuse am unteren Ende spitziger zu werden. Auch ist 
die Öffnung bei PL abbreuiatum keineswegs immer eine hinge Quer- 
spalte und bei PL subangulatum halbrund, wie Orbigny dieselbe 
abbildet; es findet darin vielmehr eine große Abwechslung statt und 
im Allgemeinen nimmt mit der Dicke des Gehäuses die Länge der 
Mündungsspalte zu. Bei PL subangulatum pflegt sie überhaupt nicht 
so kurz zu sein, wie wir sie bei Orbigny dargestellt finden. 

Auch Textilaria Partschi Cziz. *) ist sehr ähnlich, und ich 
halte sie nur für eine Form von PL abbreviatum mit queren Nähten 
und gerundeten Seitenrändern. Solche Formen kommen sehr selten 
auch in Wieliczka vor. 

2. PI. gramen d' Orb. sp. 

Textilaria gramen d'Orb. I. c. pag. 248. Taf. 15, Fig. 4—6. 

Sehr selten im Salzthon und Steinsalz. Im Wiener Becken im 
Tegel und Leithakalk. 

3. PL Mariae d'Orb. sp. (Taf. 1, Fig. 5-7). 
Textilaria Mariae d'Orb. 1. c. pag. 246. Taf. 14, Fig. 29-31. 

Gemein im Salzthon und Steinsalz, so wie im Tegel (Baden, 
Vöslau u. a.), selten im Leithakalk. 

Die Orbigny'sche Abbildung passt nur auf einzelne sehr sel- 
tene Individuen; in den meisten Fällen ist das Gehäuse nicht so dick* 
die einzelnen Kammern sind weniger gewölbt, die Stacheln von sehr 
wechselnder Länge und meistens nicht so gerade auswärts gekehrt, 
wie in der Orbigny'schen Abbildung, sondern der Richtung der 
Kammern selbst folgend. Sehr oft werden die Stacheln äußerst kurz 
oder fehlen auch ganz. Die Gehäuse besitzen in letzterem Falle 
zwar scharfe, aber ganz oder doch theilweise unbewehrte Seiten- 
ränder. Solche Exemplare, welche ebenso häufig vorkommen, wie 
bewehrte, stellen die Textilaria articulata d'Orb. (1. c. p. 250. 
Taf. 15, Fig. 16 — 18) dar, welche also nur als var. inermis des PI. 
Mariae aufzufassen ist. Dieser Abänderung gehören auch die abge- 
bildeten Individuen an. 



] ) Czizek, Beitrag z. Kenntn. der foss. Foraminiferen des Wiener Beckens. Wien 
1847, pag. 12. Taf. 13, Fig. 22—24. (Im zweiten Bande v. Hai dinge r's ge- 
samm. naturwiss. Abhdlg.) 



Die fossile Fauna der Steinsalzablag-erung- von Wieliezka in Galizien. 65 

Bisweilen wird das Gehäuse sehr lang und schmal und man 
zählt in jeder Längsreihe 11 — 12 niedrige Kammern, die, selbst 
nicht gewölbt, nur durch lineare, wenngleich in der Regel sehr deut- 
liche Nahtfurchen gesondert werden. Doch verwischen sich diese 
bisweilen auch an kürzeren Exemplaren. 

4. PI. deperditum d'Orb. sp. 

Textilaria deperdita d' Orb. 1. c. pag. 244. Taf. 14, Fig. 23-25. 

Sehr selten imSalzthon und Steinsalz. Im oberen Tegel (Vöslau) 
und im Leithakalk. 

5. PI. spinulosum Rss. (Taf. 1, Fig. 3). 

Unter den zahlreichen Formen von Plecanium kommen solche 
vor, welche sich nach den bisherigen Erfahrungen weder mit PI. 
Mariae d'Orb., noch mit PI. serrätum Rss. vereinigen lassen. Sie 
sind durchgehends kleiner, bald mehr in die Länge gezogen und 
schmäler, bald kürzer und breiter, oben stumpf zugespitzt, nach 
unten sich viel langsamer zuspitzend, aber nicht in eine scharfe Spitze 
auslaufend, wie bei Textilaria acuta Rss., in der Mitte der Seiten- 
flächen am dicksten und stumpf gekielt, gegen die Ränder sich zu- 
schärfend. Jederseits 7 — 8 sehr niedrige etwas schräge Kammern; 
nur die letzten erreichen eine etwas bedeutendere Höhe. Am Aussen- 
rande krümmen sie sich etwas nach abwärts und endigen in einen 
feinen abwärts gerichteten Dorn, der jedoch oftmals sehr klein wird 
und bisweilen ganz verkümmert. Die Nähte stellen sehr schmale und 
seichte, etwas schräge und gebogene Furchen dar, die sich mitunter 
völlig verwischen. Die Mündung eine ziemlich kurze Querspalte. Die 
Rauhigkeiten der Schalenoberfläche sind sehr fein. 

Textilaria pectinata Rss. unterscheidet sich durch das keil- 
förmige, am oberen Ende beinahe abgestutzte Gehäuse und die noch 
niedrigeren geraden fast queren Kammern, die in gerade auswärts 
gerichtete Dornen endigen. 

Bei PI. Mariae kann nur die var. inermis in Vergleich gezogen 
werden. Diese besitzt aber höhere Kammern, tiefere schrägere Nähte; 
auch fehlen ihr die sehr feinen abwärts gerichteten dornigen Spitzen. 
Überdies ist ihr Gehäuse länger. Jedoch schließen sich die Formen 
des PL spinulosum mit verkümmerten Dornen an manche kleine 
Formen des PL Mariae nahe an, ohne daß ich jedoch bisher un- 
zweifelhafte Übergänge hätte auffinden können. 

Die Species ist nur selten im Salzthone vorgekommen. 

Sitzb d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Abth. 5 



() (J 1» e u s s. 

<>. IM. serratum Rss. (Taf. 1, Fig. 4). 

Breit-keilförmig, unten zugespitzt, oben abgestutzt, an den 
Seitenrändern stark zusammengedrückt und grob sägezähnig, so daß 
neben dem sieb allmälig erhebenden, flach gerundeten Rücken eine 
Bache breite Längsfurche berahläuft. Die zahlreichen Kammern sind 
niedrig, viel breiter als hoch, wenig schräge, bisweilen schwach 
gebogen, durch deutliche aber sehr schmale Nahtfurchen gesondert. 
Jede Kammer endet am äußeren Rande in einen bald größeren, bald 
kleineren, spitzigen oder stumpfen, gewöhnlich etwas herabgekrümm- 
ten Sägezahn. Die letzten Kammern oben abgestutzt, beinahe flach. 
Die Mündung eine in einer starken Depression liegende Querspalte. 
Die Schalenoberfläche ist mit feinen Rauhigkeiten besetzt. 

Nicht gar selten im Salzthon und Steinsalz. 

7. PI. laeyigatam d'Orb. sp. 

Textilaria laevigata d'Orb. 1. c. pag. 243. Taf. 14, Fig. 14-16. 

Sie ist meistens stärker zusammengedrückt als in der d'Or- 
bisrnv'sehen Abbildung und wenigstens im unteren Theile des 
Gehäuses scharfrandig. Bisweilen findet dies aber in der gesamten 
Ausdehnung des Seitenrandes statt. Sie steht offenbar dem PL Mariae 
rar. inermis sehr nahe. 

Sie wurde nur sehr selten im Salzthon gefunden. Im Wiener 
Becken kommt sie vorzugsweise im Leithakalke vor, 

8. PI. nussdorfense d'Orb. sp. 

Textilaria nussdorfensis d'Orb. 1. c. pag. 243. Taf. 14, Fig. 17 — 19. 

Sie liegt nur selten im Salzthone, im Wiener Becken eben so 
selten im Leithakalke. Gewöhnlich erscheint sie weniger zusammen- 
gedrückt, als Orbig ny sie darstellt. Die fast queren ungleichen 
Kammern, das unregelmässige, am oberen Ende beinahe abgestutzte, 
am unteren stumpfe Gehäuse unterscheiden die Species von PL lue- 
vigatum d'Orb. 

9. PI. pala Cziz. sp. 

Textilaria pala Cziz. Beiträge z. Kennte, der foss. Foraminif. d. Wiener 
Beckens, pag. 12. Taf. 13, Fig. 25 — 29 im zweiten Bande von Haidin- 
ger's gesamm. naturw. Abhdlg. 

Zeichnet sich durch das breite, fast keilförmige, oben abge- 
stutzte, unten kurz zugespitzte Gehäuse aus. Jedoch pflegt es nicht 
immer so stark zusammengedrückt zu sein, als Czizek es abbildet. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung- von Wielic/ka in Galizien. 67 

Immer ist es aber an den Seitenrändern gekantet. Die Kammern sind 
sehr niedrig, im inneren Theile quer, im «äusseren sanft herabgebogen, 
die Näthe sehr schmal und seicht. Die Schalenoberfläche rauh. 

Sehr selten im Salzthon und Steinsalz. Auch im Tegel und 
Leithakalke des Wiener Beckens tritt sie nur selten auf. 

2. Foraminiferen mit kalkiger porenloser Schale. 
a) Miliolidea. 
a) Cornuspiridea. 
Cornuspira M. Schult ze. 

1. C. rugulosa Rss. 

Reuss in d. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissenseh. Bd. 18, pag. 22. 
Taf. 1, Fig. 1. 

Sehr selten im Salzthone. Ebenso selten in den Thonen von 
Landwehrhagen bei Minden, welche neben einzelnen dem Septarien- 
thone eigenthümlichen Formen eine größere Anzahl von miocänen 
Arten führen. 

2. C. plicata Cziz. sp. 

Opercidina plicata Czizek in Haidinger 's gesamm. naturvviss. Abhdlg. II. 
pag. 146. Taf. 13, Fig. 12, 13. 

Sehr selten im Salzthon. Im Wiener Becken im Tegel. 

3. C. foliacea Phil. sp. 

Reuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissenseh, Bd. 25, pag. 121. 
Taf. 1, Fig. 8, 9. — Spirillina foliacea Willi amson on the rec. foram. 
of great Brit. pag. 91. Taf. 7, Fig. 199, 200. 

Sehr selten im Salzthone, sowohl die regelmäßige, als die helm- 
förmige Varietät (var. cassis). Sie reicht einerseits bis in das Unter- 
oligocän hinab, anderseits bis in die lebende Schöpfung herauf. 

ß) Miliolidea genuina. 
Biloculina d'Orb. 

1. B. amphiconica Rss. (Tal. 1, Fig. 8). 
Reuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissenseh. I. pag. 382. Taf. 49, 
Fig. 5. — B. ringens carmataW ill iamson I.e. pag. 19_, Fig. 172 — 174. 

Der peripherische Rand ist gewöhnlich sehr stark comprimirt, 
so daß er beinahe geflügelt erscheint. Am untern Ende des Gehäuses 
zeigt dieser Saum bisweilen eine kurze Spitze oder einige kleine 
Kerben. Die Mündung stellt eine enge lange Querspalte ohne Zahn dar. 

5* 



(>S n e u s s. 

Von diesen typischen Formen findet ein allmäliger Übergang in 
regelmäßig stark gewölbte Formen mit scharfwinkligem, aber nicht 
geflügeltem Rande Statt, deren Mündung ebenfalls eine lange enge, 
an den Enden aber umgebogene Querspalte bildet, wodurch ein sehr 
breiter aber kurzer Zahn entsteht. Der die vorletzte Kammer um- 
fassende Randsaum der letzten Kammer ist sehr schmal und im ganzen 
Umfange gleichbreit. Diese Formen, die ich früher mit dem Namen 
B. platystoma bezeichnete, nähern sich der B. lunula d'Orb. , von 
welcher sie sich jedoch durch den schmäleren Randsaum, die engere 
Mundspalte und den kürzeren aber breiteren Zahn unterscheiden, 
ich habe eine solche Form T. 1, Fig. 8 abgebildet. 

B. amphiconica, welche im Septarientlion, so wie im mioeänen 
Tegel des Wiener Beckens selten gefunden wird und noch in den 
heutigen Meeren der gemäßigten Zone lebt, kömmt selten im Salz- 
thone und Steinsalze von Wieliczka vor. Auch fand ich sie in den 
gypsführenden Mergeln von Kathrein in Norden von Troppau und in 
den Salzthonen von Sugatag in der Marmaros. 

2. B. simplex d'Orb. 

d'Orbigny 1. c. pag. 264. Taf. 13, Fig. 25—27. 

Sehr selten im Salzthon und Steinsalz. Im Tegel und Leitha- 
kalk des Wiener Beckens. 

3. B. lunula d'Orb. 

d'Orbigny 1. c. pag. 264. Taf. IS, Fig. 22-24. 

Selten im Salzthon und Steinsalz. Im Tegel und seltener im 
Leithakalk des Wiener Beckens. 

4. B. clypeata d'Orb. 

d'Orbigny 1. c. pag. 263. Taf. IS, Fig. 19-21. 

Sehr selten im Salzthon. Im Tegel und Leithakalk des Wiener 
Beckens. 

5. B bulloides d'Orb. (Taf. 2, Fig. 1, 2). 

d'Orbigny in ann. des sc. nat. 1826. Tableau method. des cephalop. 
pag. 133. Nr. 1. Taf. 16, Fig. 1—4. — Modeies IV. Nr. 90. — B. inor- 
nata d'Orb. Foram. foss. du bass. tert. de Vienne. pag. 266. Taf. 16, 
Fig. 7—9. — B. ringens typica Williamson 1. e. pag. 79. Fig. 169 — 
171. — B. peruviana d'Orb. voy. dans l'Amer. meridionale. Foramini- 
feres. pag. 69. Taf. 9, Fig. 1—3. 

Gehört in die Gruppe der B. ringensham., die durch den schma- 
len nicht gekielten, sondern mehr weniger gerundeten Umschlagssaum 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 69 

der letzten Kammer cliaracterisirt ist. Das stark gewölbte kugelige 
Gehäuse ist bald kreisrund, bald etwas verlängert und dann gewöhn- 
lich unten etwas breiter, eiförmig. Die tief eingesenkte Nath bildet 
eine regelmäßige Bogenlinie. Die vorletzte Kammer ist am unteren 
Ende bald regelmäßig gerundet, bald beinahe abgestutzt (var. trun- 
cata). Das untere Ende der letzten Kammer verlängert sich bis- 
weilen in 1 — 3 kleine Zähne (var. dentata). Die Mündung ist rund 
oder etwas quer-elliptisch, der Zahn bald sehr klein, einfach, bald 
am Ende deutlich zweispaltig. Dieser Umstand kann daher keinen 
Speciesunterschied bedingen und B. bulloides und B. inornata, 
welche sich eben nur durch die Form des Zahnes unterscheiden 
sollen, können nicht als gesonderte Species betrachtet werden. An 
manchen wohl erhaltenen Exemplaren beobachtet man einige gegen 
das untere Ende ausstrahlende Streifen. 

B. 'peruviana d' Orb. von den Küsten von Peru unterscheidet 
sich von B. inornata gar nicht. 

B. subsphaerica d' Orb. von den Küsten von Cuba und Jamaica 
(Foraminiferes de File de Cuba pag. 162, T. 8, Fig. 26, 27) weicht 
nur durch den an den Seiten etwas vortretenden Umschlag der vor- 
letzten Kammer und durch den nicht zweispaltigen, sondern r-förmi- 
gen Zahn ab. 

B. bulloides findet sich sehr selten im Salzthon und Steinsalz. 
Auch im Tegel und Leithakalk des Wiener Beckens kömmt sie nur 
selten vor. Sie lebt noch jetzt in gemäßigten und wärmeren Meeren. 
Ziemlich häufig liegt sie samt ihren Varietäten in den gypsführenden 
Mergeln von Kathrein bei Troppau, sehr selten dagegen im Salzthon 
von Sugatag und von Slatina in der Marmaros. 

6. B. ventruosa Rss. (Taf. 1, Fig. 9). 

Sie nähert sich schon einigermaßen dem Typus der B. con- 
traria d' Orb., indem sie seitlich stärker zusammengedrückt ist, als 
von vorne nach hinten. Daher erscheint sie in der Vorderansicht 
eiförmig, in der Seitenansicht beinahe schief-kreisförmig. Beide 
sichtbare Kammern sind sehr bauchig, die vorletzte aber in viel 
kleinerem Umfange sichtbar als die letzte. Die gebogene Nath ist 
sehr fein. Hinter derselben verläuft auf der letzten Kammer ein 
stärker gebogener seichter furchenartiger Eindruck. Die letzte 
Kammer zei^t am Mündun»sende einen halbrunden Ausschnitt, der 



MF R e u s s. 

aber durch die weil hinabgebogene vorletzte Kammer bis «auf eine 
enge Spulte verschlossen wird. 

Sehr sollen im Salzthon und in den gypsfiihrenden Mergeln von 
Kathrein bei Troppau. 

7. B. globulus Born. 

Reu ss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissenseh. Bd. 25, pag. 6. 

Eine mitteloligocäne Species, die sehr selten auch im Salzthon 
gefunden wird. 

8. B. larvata Rss. (Taf. 2, Fig. 3). 

Eine sehr kleine Species von eigentümlichem Ansehen. Die 
letzte Kammer ist groß, sehr breit-elliptisch, dem kreisförmigen sich 
nähernd, gewölbt, mit scharfem breit umgeschlagenem Saum. Die 
vorletzte Kammer dagegen ist sehr klein und tritt nur als ein ver- 
kehrt-lanzettförmiger, unten stark verschmälerter, gewölbter Wulst 
in der Mitte der Vorderseite der letzten Kammer hervor, so daß sie 
den sehr breiten ebenen Randsaum frei läßt. Am Mündungsende zieht 
sich der Rand der vorletzten Kammer weit in die Höhe und verengert 
daher lippenartig die Mündung zu einer kurzen engen Querspalte. 

Sehr selten im Salzthone. 

9. B. contraria d'Orb. (Taf. 1, Fig. 10). 
d'Orb. L c. pag. 266. Taf. 16, Fig. 4-6. 

Die Species ist stets an der starken seitlichen Compression des 
Gehäuses, dem halbrunden Zahn und der dadurch bedingten halb- 
mondförmigen Mündung zu erkennen. Der Umriß des Gehäuses ist 
aber einem sehr großen Wechsel unterworfen. Bisweilen breitet sich 
dasselbe in querer Richtung aus, so daß diese Dimension fast doppelt 
so groß wird als die verticale (yar. paradoxa — Taf. 1, Fig. 10). — 
Von dieser abnormen Form kann man alle möglichen Zwischenstufen 
zur typischen Form mit fast kreisrunder Seitenansicht beobachten. 

Sie findet sich selten im Salzthon nnd Steinsalz. Im Tegel (bei 
Raden häufig) und im Sand von Pötzleinsdorf. 

Spiroloculina d'Orb. 

1. Sp. excavata d'Orb. 
d'Orbigny I. c. pag. 271. Taf. 16, Fig. 19-21. 

Sehr seilen im Salzthon und Steinsalz. Im Tegel und Leitha- 
kalk des Wiener Reckens. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablag , erung , von Wieliczka in Galizien. 4 1 

2. Sp. badenensis d' Orb. 
d'Orbigny 1. c. pag. 270. Taf. 16, Fig. 13—15. 

Sehr selten im Steinsalz. Im Tegel und Leithakalk. 

3. Sp. tenuissima Rss. (Taf. 1, Fig. 11). 

Diese sehr kleine Species ist der Sp. canaliculata d'Orb. 
(1. c. pag. 269, Taf. 16, Fig. 10—12) ähnlich, weicht aber durch 
den regelmäßiger elliptischen Umriß, die beinahe gleichen stumpf 
zugespitzten beiden Enden des sehr dünnen Gehäuses und die ge- 
rundeten, nicht längsgefurchten Seitenränder ab. Man zählt jeder- 
seits drei schmale mit einer engen aber ziemlich tiefen Längsfurche 
gezierte und durch lineare Nathfurchen gesonderte Kammern. Die 
lineare Mittelkammer ragt gewölbt hervor. Die kleine rundliche 
Mündung ist zahnlos. Häufig im Salzthon. 

Triloculina d'Orb. 

1. Tr. tricarinata d'Orb. (Taf. 2, Fig. 4). 

d'Orbigny in ann. des. sc. nat. 1826. pag. 133. no. 7. — Modeies no. 94. 

Sie zeichnet sich durch ihre Gestalt vor allen andern Trilocu- 
linen-Arten aus. In der Seitenansicht ist sie breit-elliptisch, an bei- 
den Enden stumpf zugespitzt, fast regelmäßig dreikantig, mit scharfen 
dünnen Randkanten und beinahe gleichen, von oben nach unten ge- 
wölbten, von einer Seite zur andern ausgeschweiften Seitenflächen. 
Die Mittelkammer tritt in großer Ausdehnung sichtbar hervor; die 
Seitenkammern dagegen bilden nur einen schmalen Saum. Ihre 
Flächen sind rinnenartig seicht ausgehöhlt, mit feinen unregelmäßi- 
gen queren Anwachsstreifen. Die Näthe linear. Die Mündung klein, 
quer-länglich mit an der Spitze abgestutztem und ausgebreitetem 
Zahn. 

Orbigny stellt an dem Modelle seiner B. tricarinata aus dem 
rothen Meere zwar einen einfachen dicken Zahn dar. Da aber alle 
anderen Kennzeichen vollkommen übereinstimmen und die erwähnte 
Form des Zahnes auch durch Verletzung desselben entstanden sein 
kann, so glaube ich doch die sehr seltenen fossilen Exemplare aus 
dem Salzthone mit der lebenden Species vereinigen zu müssen. Im 
Wiener Becken ist dieselbe bisher noch nicht beobachtet worden. 

2. Tr. gibba d'Orb. 

d'Orbigny 1. c. pag. 274. Taf. 16, Fig. 22-24. — Tr. austriaca d'Orb. 
]. c. pag. 275. Taf. 16, Fig. 23-27. 



7 2 I» 8 ll 8 S. 

Ober die Zusammengehörigkeil beider Orbigny'scher Species 
wurden schon an einem anderen Orte die erforderlichen Gründe bei- 
gebracht. (Reuß in d. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wiss. Bd. SO, 
pag. 16, Taf. 1, Fig. 4). 

Sehr selten im Salzthon und Steinsalz. Überdies im Tegel 
und Leithakalk (sehr häufig bei Steinabrunn), oberoligocän und 
lebend. 

3. Tr. enoplostoma Rss. 

Reu ss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissenseh. Bd. 25. Die Foraminif., 
Anthoz. u. Bryoz. d. deutsch. Septarienthones pag. 7. 

a) var. laevigata. 
Bornemann 1. c. pag. 46. Taf. 8, Fig. o. 

Sehr vereinzelt kommen auch Formen vor, welche mit der Bor- 
ne mann 'sehen Tr. laevigata völlig übereinstimmen. Nur ist der 
klappenartige Zahn nicht halbrund, sondern gerundet-dreieckig, wie 
ihn Bornemann bei seiner Biloculina globidas (1. c. T. 8, Fig. 3) 
abbildet. Jedoch ist dies ein variabler Character, indem bei Tr. eno- 
plostoma die Form und Größe des Zahnes überhaupt einem sehr 
großen Wechsel unterworfen ist. 

Daß Tr. laevigata Born, von Tr. enoplostoma Rss. nicht 
scharf getrennt werden kann, habe ich schon an einem anderen Orte 
dargethan. (Reuß die For., Anthoz. u. Bryoz. d. deutsch. Septarien- 
thones pag. 7, 8). 

Sehr selten im Salzthone von Wieliczka. 

,3) var. grammostoma Rss. (Taf. 2, Fig. ö). 

In den wesentlichsten Merkmalen kömmt sie mit der typischen 
mitteloligocänen Species überein. Jedoch ist sie viel größer und bei- 
nahe kugelig. Die Mündungsspalte ist sehr verlängert und sichel- 
förmig, der Zahn auf eine sehr schmale Lippe reducirt. In letzter 
Beziehung nähert sie sich der var. valvularis Born, aus dem Sep- 
tarienthone. Diese unterscheidenden Merkmale scheinen mir jedoch 
nicht bedeutend genug, um zur Aufstellung einer gesonderten Spe- 
cies zu berechtigen. Ich betrachte daher die jedenfalls sehr ausge- 
zeichnete, im Salzthone nur sehr selten vorkommende Form als bloße 
Varietät der Tr. enoplostoma. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablag-erung von Wieliczka in Galizien. ( o 

4. Tr. inflata d'Orb. 

d'Orbigny]. c. pag. 278. Taf. 17, Fig. 13-15. 

Sie gehört vorzugsweise dem Leithakalke an und tritt nur selten 
im Tegel auf. Sehr selten erscheint sie im Salzthon und im Stein- 
salz von Wieliczka. 

5. Tr. inornata d'Orb. 

d'Orbigny Lc. pag. 279. Taf. 17, Fig. 16—18. 

Vorzugsweise im Leithakalke, selten im Tegel. Ebenso selten 
im Steinsalz und Salzthon von Wieliczka. 

Tr. decipiens Rss. (Denkschr. d. k. Akad. d. Wiss. I, pag. 382, 
Taf. 49, Fig. 8) aus dem Tegel von Grinzing ist damit identisch. In 
Fig. a und b, 1. c. ist das obere Ende viel zu breit abgestutzt, was 
eine viel größere Mündung voraussetzen würde. 

6. Tr. ocnlina d'Orb. 
d'Orbigny 1. c. pag. 277. Taf. 17, Fig. 7-9. 

Sehr selten im Steinsalz. Der peripherische Rand ist nicht 
immer so scharf gekielt, wie ihn die Orbigny'sche Abbildung dar- 
stellt. Im Wiener Becken liegt sie im Tegel (Baden, Grinzing). 

7. Tr. consobrina d'Orb. 

d'Orbigny 1. c. pag. 277. Taf. 17, Fig. 10-12. 

Sehr selten im Steinsalz und Salzthon. Selten im Tegel des 
Wiener Beckens, häufiger im Leithakalk. 

Tr. nitens Rss. (Denkschr. d. k. Akad. d. Wiss. I, pag. 383, 
Taf. 49, Fig. 10) dürfte wohl auch hierher zu rechnen sein, denn nicht 
bei allen Exemplaren kann ich den am freien Ende ausgebreiteten 
Zahn wahrnehmen. Er ist bisweilen einfach, lamellar. Die Gestalt 
des oberen Endes der letzten Kammer ist wandelbar, bald abgestutzt, 
wie bei der typischen Form von Tr. consobrina , bald zur kurzen 
dicken Röhre verlängert. 

Auch Tr. nitens findet man sehr selten im Salzthon. 

üuinqueloculina d'Orb. 
1. d. Haidingeri d'Orb. 
d'O rbigny 1. c. pag. 289. Taf. 18, Fig. 13— 15. 

Diese dem Tegel des Wiener Beckens zukommende Art habe 
ich nicht selten im Salzthon und Steinsalz von Wieliczka gefunden. 



74 R e ii s s. 

2. Q. panperata d'Orb. 

d'Orbigny I. e. pag. 286. Taf. 17, Fig. 22—24. 

Nicht sollen im Salzthon, selten im Steinsalz. Im Leithakalk 
von Nußdorf und in den gypsführenden Mergeln von Kathrein bei 
Troppau. 

3. d. Haucrina d'Orb. 

d'Orbigny 1. c. pag. 286. Taf. 17, Fig. 25—27. 

Sehr selten im Salzthon und Steinsalz. Sowohl im Tegel , als 
auch im Leithakalk des Wiener Beckens. 

4. d. tenuis Cziz. 

Reu ss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. I. pag. 385. Taf. 50, 
Fig. 8. 

Sehr selten im Salzthon. Im Tegel des Wiener Beckens. Über- 
dies im Mitteloligocän. 

5. d- Ingerana d'Orb. 

d'Orbigny 1. e. pag. 291. Taf. 18. Fig. 22—24. 

Nicht selten im Salzthon , sehr selten im Steinsalz. Im Schlier 
von Ottnang, im Tegel und Leithakalk des Wiener Beckens, im gyps- 
führenden Mergel von Kathrein bei Troppau. 

6. Cfc. plicatula Bss. (Taf. 3, Fig. 2). 

Diese kleine Species wird von den übrigen zahlreichen Quin- 
queloculina-AHen leicht durch ihre Sculpturverhältnisse unterschie- 
den. Sie ist in der Seitenansicht breit-oval, stark zusammengedrückt, 
oben schief abgestutzt, unten breit gerundet, an den Bändern scharf 
und schwach gekerbt. Die Seitenflächen der Kammern sind wenig 
gewölbt und ganz oder doch in ihren äußeren zwei Drittheilen mit 
feinen radialen Furchen verziert, durch welche die Bänder fein ge- 
kerbt werden. Die Mediankammern sind nur in geringem Umfange 
sichtbar, die Näthe deutlich vertieft. Die Mündung ist klein, halb- 
rund, großenteils durch einen einfachen Zahn ausgefüllt. 

Die Species kömmt nur selten im Steinsalz vor. Überdies liegt 
sie im Tegel von Grinzing und Avurde von Herrn Karr er neuerlichst 
auch im Tegel von Holubica in Galizien gefunden. 

7. d. Mayerana d'Orb. 

Orbigny 1. c. pag. 287. Taf. 18, Fig. 1—3. 
Sehr selten im Salzthon und Steinsalz. Häufig im Leithakalk, 
selten im oberen Tegel. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliezka in Galizien. 75 

8. Q. Aknerana d'Orb. 

d'Orbigny I. c. pag. 290. Taf. 18, Fig. 16— 2i. 

Selten im Salzthon und Steinsalz. Häufig im Tegel und Leitha- 
kalk des Wiener Beckens, selten im gypsführenden Mergel von 
Kathrein bei Troppau und im Salzthon von Sugatag in der Marmaros. 
Ebenso im Ober- und Mittel oligocän. 

9. Q. triangularis d'Orb. 

d'Orbigny 1. c. pag. 288. Taf. 18, Fig. 7—9. 

Häufig im Salzthon und Steinsalz. Im Tegel und Leithakalk, im 
Ober- und Mitteloligocän, pliocän und lebend. 

Bisweilen ist der Rückenrand der Seitenkammern ganz oder 
wenigstens in seinem mittleren Theile durch eine schmale Fläche 
abgestutzt. 

10. Q. pygmaea Rss. 

Reuss in d. Denkschi*, d. kais. Akad. d. Wissensch. I. pag. 384. Taf. SO, 
Fig. 3. 

Sehr selten im Salzthon, so wie im Tegel von Lapugy in Sieben- 
bürgen und im Leithakalke von Kostel in Mähren. 

11. Q. regularis Rss. 

Reuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. pag. 384. Taf. bO, Fig. 1. 

Sehr selten im Salzthone, so wie im Tegel von Grinzing bei 
Wien. 

12. Q. obliqna Rss. (Taf. 2, Fig. 6, 7.) 

Die sehr kleine Species zeichnet sich durch ihr in verschie- 
denem Grade schiefes, mitunter beinahe quer-ovales Gehäuse vor 
allen anderen Arten der Gattung aus. Dasselbe ist zusammengedrückt, 
seitlich nur wenig gewölbt, an den Rändern abgerundet. Die Kammern 
werden durch meistens seichte Näthe geschieden und besitzen eine 
sehr ungleiche Gestalt. Die Seitenkammern sind stark gebogen, die 
letzte bildet am Rande oft einen abgerundeten, beinahe rechten Winkel 
und verdünnt sich nach oben bedeutend, bisweilen so stark, daß sie 
in ihrer oberen Hallte sich in einen röhrenförmigen Schnabel ver- 
wandelt. Die centralen Kammern sind in ziemlich weitem Umfange 
sichtbar, treten aber nur mit sehr schwacher Wölbung hervor. Die 
Mündung stellt eine enge, etwas gebogene zahnlose Querspalte dar. 
Die Schalenoberfläche ist glatt, glänzend. 

Sehr selten im Salzthon und im Tegel von Grinzing bei Wien. 



?() Reuss. 

13. (I. suturalis Rss. (Taf. 3, Fig. 1). 

Ron ss in d. Denkschr, d. kais. Akad. d. Wissensch. I. pag. 381). Taf. 50, 
Fig. 9. 

Sehr selten im Salzthon von Wieliczka und im Tegel von Grinzing. 
Da die citirte Abbildung theilweise unrichtig ist, so wird hier 
nochmals eine treuere geboten. 

14. <l. Boucana d'Orb. 

d'Orbigny 1. c. pag. 293. Taf. 19, Fig. 7—9. 

Sehr selten im Steinsalz. Im Leithakalk des Wiener Beckens. 

15. Q. contorta d'Orb. 

d'Orbigny I. c. pag. 298. Taf. 20, Fig. 4— 6. 

Sehr selten im Salzthon und Steinsalz. Im Leithakalk des Wiener 
Beckens. 

16. d. Josephina d'Orb. 

d'Orbigny 1. c. pag. 297. Taf. 19, Fig. 25—27. 

Sehr selten im Steinsalz. Im Tegel und Leithakalk des Wiener 
Beckens. 

17. Q. Schreibersi d'Orb. 
d'Orbigny ]. c. pag. 296. Taf. 19, Fig. 22—24. 

Sie wurde sehr selten in dem Spizasalze (2. Gruppe, Hori- 
zont s) gefunden. Im Wiener Becken liegt sie häufiger im Tegel 
(Baden, Möllersdorf, — Ödenburg u. s. w.), als im Leithakalk 
(Steinabrunn). 

18. ft. fseda Bss. 

Reuss in d. DtMikschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. I. pag. 384. Taf. 50. 
Fig. 5, 6. 

Sehr selten im Steinsalz und Salzthon. Häufig im Tegel, selten 
im Leithakalk des Wiener Beckens. 

Q. asperula Seg. *) weicht nur durch größere Dicke ab und 
ist vielleicht damit identisch. Auch Spiroloculina caclata Costa s ) 
dürfte hierher gehören. 



1 j Seguenz» prime ricerche intorno ai rhizopodi foss. delle argille pleistoeeniche 

dei dintorni di Catania 1862 pag-. 36. Taf. 2, Fig. 6. 
z ) Costa foramiiiiferi foss. della marna blu del Vaticano. pag. 126. Taf. 1, Fig. 14. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 7 7 

b) Peneropiiclea. 

Peneroplis Montf. 

1. P. austriaca d'Orb. sp. 

Spirolina austriaca d'Orb. 1. c. pag. 127. Taf. 7, Fig. 7—9. — Dendritina 
elegans d'Orb. I. c. pag. 135. Taf. 7, Fig. 5 — 6. 

Sehr selten im Salzthon. Selten im Tegel und Leithakalk des 
Wiener Beckens. 

Die Species scheint sehr wandelbar zu sein und bei weitem 
nicht immer mit der Orbigny'schen Abbildung in allen Merkmalen 
übereinzustimmen. Vor Allem sind die spiralen Kammern nicht immer 
glatt, sondern oft alle oder doch die jüngeren der Länge nach ge- 
streift gleich den den gerade gestreckten Theil des Gehäuses bil- 
denden Kammern. Auch ist ihre Zahl keineswegs immer auf acht 
beschränkt, sondern steigt an manchen Exemplaren bis auf 12 — 13. 
Endlich erscheint der Rücken des Spiraltheiles bald gerundet, bald 
in verschiedenem Grade winklig. Selbst den geraden Theil des Ge- 
häuses findet man bisweilen etwas zusammengedrückt. 

Die Mündung ist in ihrer Form sehr veränderlich, bald un- 
regelmäßig ästig, bald viereckig, bald länglich, wie sie Orbigny 
bei Dendritina elegans abbildet. Stets aber bleibt der Nabel 
weit geöffnet, so daß man darin die älteren Windungen deutlich 
wahrnimmt. 

Aus allen diesen Verhältnissen geht deutlich hervor, daß ein- 
zelne Exemplare der Spirolina austriaca mit Dendritina elegans 
völlig übereinstimmen, und es erscheint die Ansicht gerechtfertigt, 
daß diese nur den spiralen Anfangstheil — die Dendritinenform — 
von Spirolina austriaca darstellen. Daß übrigens Peneroplis, Spiro- 
lina und Dendritina nur als verschiedene Formen desselben Gat- 
tungstypus aufzufassen sind, haben Ca rpenter, Jones und Parker 
mit unwiderleglichen Gründen dargethan *). 

2. P. Hauen d' Orb. sp. 

Dendritina Mauert d'Orb. 1. e. pag. 134. Taf. 7, Fig. 1, 2. 

Sehr selten im Steinsalz und im Leithakalk des Wiener Beckens. 



*) Ca rpenter, Jones and Parker, Introduction to the study of the foraminifera. 
1862. pag. 84 ff. 



i o R e u s s. 

Vertebralina d'Orb. 
1. Y. Silicats Rss. 

Articulina sulcata Rss. in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. I. pag. 
383. Taf. 49, Fig. 13-17. 

Sehr selten im Salzthon und Steinsalz, ziemlich häufig im Tegel 
von Lapugy in Siebenbürgen. 

<?) Orbituliiiidea. 

Alveolina d'Orb. 

I. A. melo F. et M. sp. 

d'Orbigny 1. c. pag. 147. Taf. 7, Fig. 15, 16. 

Häufig im Steinsalz. Ebenso im Leithakalk und oberen Tegel, 
selten im Sand von Pötzleinsdorf. 

d) Daciyloporidea. 

Acicularia d'Arch. 
I. A. iniocaenica Rss. 

Reu ss in d. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. ßd. 43. pag. 9. 
Fig. d — 8. — Eschara acicirfaris Reuss die Polyparien d. Wiener 
Tertiärbeckens, pag. 67. Taf. 8, Fig. 18. 

Die in diese Gattung gehörigen eigenthümlichen Körper wurden 
zuerst von d'Archiac unterschieden und mit dem Namen Acicularia 
belegt. Er beschrieb die A. pavantina aus den Eucänschichten des 
Pariser Beckens !), deren später auch Michelin 2 ) gedachte. Die 
Stellung, welche diesen kleinen Fossilresten im zoologischen Systeme 
zukömmt, ist sehr lange zweifelhaft geblieben. Von d'Archiac 
und Michelin wurden sie den Bryozoen beigezählt und von mir in 
die Nähe von Eschara gestellt. Orbigny war der erste, welcher 
dieselben zu den Foraminiferen versetzte , aber auf wenig passende 
Weise mit Ovulites verband. Ihm folgte Pictet und später in Be- 
ziehung auf ihre Einreihung unter die Foraminiferen auch R. Jones, 
Parker und Carpenter. Letzterer lieferte zuerst in der Introduc- 
tion to the study of foraminifera (pag. 137 ff. Taf. 11, Fig. 27—32) 
eine genauere Darstellung des inneren Baues von Acicularia, woraus 
hervorgeht, daß dieselbe der Familie der Dactyloporideen angehört. 
Ich habe bei wiederholter Untersuchung diese Ansicht bestätigt 
gefunden, 



') Me'rn. de Ja soc. ge'of. de France V. pag-. 386. Taf. Tt, Fig. 8. 
2 ) leonographie zoophyt. pag*. 176. Taf. 46, Fig\ 14. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung - von Wieliczka in Galizien. / 9 

Die im Steinsalze von Wieliczka (sehr selten), im Leithakalk 
von Kostel (ziemlich häufig) und Nußdorf, sowie im Tegel von Möl- 
lersdorf vorkommenden Formen werden characterisirt durch ihre 
starke Compression , die abgestutzten, beinahe gekanteten Seiten- 
ränder, das nicht ausgeschnittene, ebenfalls abgestutzte obere Ende 
und die weniger zahlreichen runden Mündungen. Durch diese Merk- 
male unterscheiden sie sich von den eocänen Formen — der A. pa- 
vantina d' Ar eh. — und von der hohlen cylindrischen A. cylin- 
droides m. 

3. Foraminiferen mit poröser Kalkschale. 
a) Rhabdoidea. 
a) Lagenidea. 
Lagena Walk. 

1. L. globosa Montagu. 

Reu ss die Foram. -Familie der Lagenideen in d. Sitzungsber. d. kais. Akad. 
d. Wissensch. Bd. 46. pag. 318. Taf. 1, Fig. 1—3. — Parker and 
Jones on some foram. from the North Atlantic and Arctic Oceans n 
the philosoph. transaci 1865. pag. 348. Fig. 10 a, b. 
Sehr selten im Salzthon. Geht durch die gesamten Tertiär- 
schichten bis in die obere Kreide hinab und bis in die heutige 
Schöpfung herauf. 

2. I. clavata d' Orb. var. acicularis Rss. 

Reuss 1. c. Bd. 46. pag. 320. Taf. 1, Flg. 13, 14. — Amphorina acuminata 
Seguenza dei terr. terz. del distretto di Messina e dei foram. mono- 
talami ecc. 1862. pag. 51. Taf. 1, Fig. 35. — Amphorina cylindracea 
Seg. 1. c. pag. 51. Taf. 1, Fig. 36. — Amphorina gracillima Seg. I. c. 
pag. 51. Taf. 1, Fig. 37. — Amphorina distorta Seg. 1. c. pag. 52. 
Taf. 1, Fig. 38. 

Sehr selten im Salzthon. In den Tertiärschichten von Messina, 
im Crag von Antwerpen u. a. 0. Die typische Form der L. clavata 
im Tegel von Baden, postplioeän und lebend. 

3. I. Haidingeri Cziz. sp. 

Reuss 1. c. Bd. 46. pag. 326. Taf. 3, Fig. 41. 

Sehr selten im Salzthon und im Tegel des Wiener Beckens. 

4. I. tenuis Born. 

Reuss 1. e. Bd. 46. pag. 325. Taf. 3, Fig. 30—39. 

Eine flaschenförmige, am unteren Ende schwach abgestutzte 
Form, im Umrisse sehr ähnlich der 1. c. T. 3, Fig. 38 gegebenen 



80 Reu ss. 

Abbildung, aber mit sehr feinen und entfernten kurzen Längsstreifen, 
die kaum über das untere Drittheil des Gehäuses hinaufreichen, 

linde! sich sein- seilen im Salzthone von Wieliezka. Überdies im 
Oligocän, Miocän, Pliocän und lebend. 

5. Ii. geoinetrica Rss. 

Reu ss J. e. Bd. 46. pag. 334. Taf. 5, Fig. 74. — Ovulina ornata Seguen- 
za I. e. pag. 42. Taf. 1, Fig. 12. — Parker and Jo nes 1. c. pag. 355. 
Taf. 16, Fig. 11; Taf. 13, Fig. 40, 41. 

Sein* selten im Salzthon. In den Tertiärschichten von Scoppo, 
S. Filippo und Rometta bei Messina und lebend. Bisweilen wird das 
hexagonale Netzwerk unregelmäßig, indem die Maschen sich abrunden 
oder verzerren. (Parker and Jones 1. c. T. 13, Fig. 40, 41.) 

Fissurina Rss. 

1. F. carinata Rss. 

Reu ss 1. e. Bd. 46. pag. 338. Taf. 6, Fig. 83; Taf. 7, Fig. 86. 
Sehr selten im Salzthon. Überdies im Mitteloligocän. 

2. F. laevigata Rss. 

Reu ss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. I. pag. 366. Taf. 46, 
Fig. 1. 

Sehr selten im Salzthon und im obern Tegel des Wiener Beckens. 

3. F. apiculata Rss. 

Reuss in d. Sifzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 46, pag. 339. 
Taf. 6, Fig. 85. 

Sehr selten im Salzthon. 

|3) Nodosaridea. 
Nodosaria Lam. 

1. N. rudis d'Orb. 

d'Orbignyl. e. pag. 33. Taf. 1, Fig. 17-19. 

Seltene Bruchstücke im Salzthon. Im Tegel des Wiener Beckens; 
sehr selten im Septarienthon. 

2. ü. longiscata d'Orb. 
d'Orbigny I. c. pag. 32, Taf. 1, Fig. 10—12. 

Sehr seltene Bruchstücke im Salzthon. Im Tegel des Wiener 
Beckens. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. ö 1 

N. capillaris Neu geb. *) und N. exilis Neu geb. 2 ) dürften 
kaum davon verschieden sein. 

3. N. irregnlaris d'Orb. 

d'Orbigny 1. e. pag. 32. Taf. \, Fig. 13, 14. 

Sehr seltene Bruchstücke im Salzthon. Im Tegel und Leithakalk 
des Wiener Beckens. 

N. gracilis Neu geb. 3 ) steht ihr sehr nahe, wenn sie nicht 
damit identisch ist. 

4. N. Adolphina d'Orb. 

Dentalina Adolphina d'Orb. 1. e. pag. 81. Taf. 2, Fig. 18-20. 

Sie wechselt in Betreff der Einschnürung der Kammern be- 
trächtlich. Oft sind die älteren Kammern nur durch wenig tiefe Ein- 
schnürungen gesondert; in anderen Fällen sind dieselben wieder sehr 
tief, die Kammern selbst kugelig, die oberen sogar durch kurze 
Röhren mit einander zusammenhängend. Die Kammern tragen in ihrer 
unteren Hälfte bald nur eine einfache, bald eine doppelte Reihe von 
spitzigen Höckerchen. 

Die Species ist im Salzthone sehr gemein , so wie im Tegel des 
Wiener Beckens. Im Leithakalke tritt sie nur selten auf, und zwar in 
der tieferen Bryozoenzone desselben. Ich fand sie neuerlich auch in 
dem gypsführenden Mergel von Kathrein bei Troppau. 

5. N. siphonostoma Rss. (Taf. 3, Fig. 3). 

Das aus beiläufig vier Kammern bestehende Gehäuse ist nur 
schwach gebogen. Die ersten drei Kammern liegen in fast gerader 
Linie über einander, von der nur die Längsaxe der letzten Kammer 
etwas abweicht. Überdies sind die Kammern sehr ungleich; die erste 
ist kugelig mit am unteren Ende aufgesetztem kurzem Centralstachel. 
Die folgenden zwei werden durch seichte Näthe abgegrenzt und sind 
beinahe eben so hoch als breit und mäßig gewölbt. Die letzte, welche 
durch eine breite und tiefe Nahteinschnürung gesondert wird, erreicht 
an Länge beinahe das gesamte übrige Gehäuse. Eiförmig von Ge- 
stalt, verlängert sie sich am oberen Ende in einen langen glatten 



!) Neugeboren in d. Verhdlgen u. Mittheilungen des siebenbürgischen Vereines f. 
Naturwiss. 1852. pag. 50. Taf. 1, Fig. 22—24. 

2 ) Neugeboren 1. c. pag. 51. Taf. 1, Fig. 25, 26. 

3 ) Neugeboren I. c. pag. 51. Taf. 1, Fig. 27 — 29. 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Abth. 6 



82 



w e u s s. 



röhrigen Schnabel. An der Basis der Kammern ragen einzelne ab- 
wärts gerichtete Spitzen hervor, ähnlich jenen der N. Adolphina 
d'Orb. Nach oben laufen diese gewöhnlich in zarte erhabene Längs- 
streifen ans, die sieh bis zur Hälfte oder seihst bis zum oberen Dritt- 
theil der Kammern fortsetzen. 
Sehr seilen im Salzthon. 

6. N. consobrina d'Orb. 

Dentalina consobrina d'Orb. 1. c. pag. 46. Taf. 2, Fig. 1 — 3. — Nodosaria 
consobrina d'Orb. Reuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. 
Bd. 25, pag. 16. Taf, 2, Fig. 12, 13. 

Im Salzthone habe ich nur seltene Bruchstücke derselben ge- 
funden. Dagegen ist sie im Tegel des Wiener Beckens ziemlich weit 
verbreitet. Noch häufiger und in mannigfaltigeren Formen tritt sie im 
Mitteloligocän auf. 

7. N. elegans d'Orb. 

Dentalina elegans d'Orb. I. c. pag. 45. Taf. 1, Fig. 52—56. 

Nicht selten im Salzthon. Beinahe überall im Tegel, weniger 
verbreitet im Leithakalk des Wiener Beckens. 

8. N. Boneana d'Orb. 

Dentalina Boueana d'Orb. ]. c. pag. 47. Taf. 2, Fig. 4 — 6. 

Sehr selten im Salzthon. Im Tegel und Leithakalk des Wiener 
Beckens. 

9. N. bifarcata d'Orb. 

Dentalina bifurcata d'Orb. 1. c. pag. 56. Taf. 2, Fig. 38, 39. — Reuss in 
d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. I. pag. 367. Taf. 46, Fig. 10. 

Sehr seltene Bruchstücke im Salzthon. Im Tegel und Leitha- 
kalk des Wiener Beckens, im Ober- und Mitteloligocän, 

7) Glandulinidea. 

Glandulina d'Orb. 

1. Gl. laevigata d'Orb. 
d'Orbigny 1. c. pag. 29. Taf. 1, Fig. 4, 5. — Reuss in d. Denkschr. d. 
kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 25, pag. 20. 

Sie ist häufig im Salzthon, aber, wie überall, wechselt sie sehr 
in der Gestalt. Typische, der Orbigny 'sehen Abbildung entspre- 
chende Formen kommen nur vereinzelt vor. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 83 

In ihrer Gesellschaft findet man : 
«) Die var. elliptica Rss. (Gl. elliptica Rss. in den Sitzungsher. 
d. kais. Akad. d. Wissensch. Rd. 48, pag. 47, Taf. 3, Fig. 
29—31). 
J3) Die var. i?iflata Rom. (Borne mann, die mikroskopische 
Fauna des Septarienthones von Hermsdorf. pag. 16, Taf. 1, 
Fig. 6, 7.) 
7) Die var. elongata Rom. (I. c. pag. 17, Taf. 1, Fig. 9). 
Von diesen ist die erste Varietät die häufigste, die dritte die 
seltenste. Auch an Formen, welche sich an Gl. strobilus Rss. 1) 
anschließen, fehlt es im Salzthone nicht. Überhaupt dürfte diese 
wohl auch in den weiten Formenkreis von GL laevigata gehören. 
Auch im gypsführenden Mergel von Kathrein bei Troppau fand ich 
Gl. laevigata mit ihren Abänderungen nicht gar selten. 

2. Crl. obtosissima Rss. 

Reu ss in d. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 48, pag. 66. 
Taf. 8, Fig. 92, 93. 

Diese mitteloligocäne Species kommt auch, wenngleich sehr 
selten im Salzthon vor. 

3. Gl. aequalis Rss. (Taf. 3, Fig. 4). 

Reuss in d. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 48, pag. 48. 
Taf. 3, Fig. 28. 

An dem langgezogen-elliptischen oder beinahe walzenförmigen 
und an beiden Enden gleichmäßig abgerundeten Gehäuse unter- 
scheidet man nur 3 — 4 Kammern , von denen die letzte ein Drittheil 
oder höchstens die Hälfte der Gesamtlänge des Gehäuses einnimmt. 
In der 1. c. pag. 48 gegebenen Reschreibung wird die Länge der- 
selben zu hoch angeschlagen (auf mehr als die Hälfte oder selbst 
auf zwei Drittheile des Gehäuses). Die Näthe sind nur bei stärkerer 
Vergrößerung und intensivem Lichte als undeutliche durchscheinende 
Linien erkennbar. Die runde Mündung scheint ungestrahlt zu sein. 

Von Gl. discreta Rss. unterscheidet sich die Species durch 
das sehr stumpfe Gehäuse. Während Gl. discreta gleichsam das 
Endglied der typischen Laevigata-Reihe ist, bildet G. aequalis dage- 
gen das Endglied der Elliptica-Reihe. 



1) Reuss in d. Denkschr. d. k. Akad. d. Wissensch. Bd. 23, pag. 20. Taf. 2, Fig. 24. 



S \ R e n s s. 

Sio ßndei sich sehr selten im Steinsalz, sowie in dem gyps- 
führenden Mergel von Kathrein bei Troppau und im mitteloligocänen 
Septarienthon. 

4. Gl. discreta Rss. 

Reuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. I. pag. 366. Taf. 46. 
Fig. 3. 

Sehr seilen im Salzthon; doch sind die oberen Kammern noch 
weniger convex und daher die Näthe noch seichter, als an dem 
abgebildeten Exemplare aus dem Tegel von Lapugy in Siebenbürgen. 
Überhaupt scheint in dieser Beziehung ein großer Wechsel Statt zu 
finden. Neugeboren bildet von Lapugy Exemplare mit sehr starken 
Natheinsehnürungen unter dem Namen GL elegans *) und Gl. 
Reussi 2 ) ab. Besonders bei ersterer stellt das Anfangsstück eine 
deutliche Gl. laevigata d'Orb. dar, und es wäre daher möglich, 
daß GL discreta Rss. nichts als eine GL laevigata wäre, aufweiche 
sich bei weiterer Fortbildung mehrere bald nur schwach gesonderte, 
bald durch tiefe Natheinsehnürungen getrennte Kammern aufgesetzt 
haben. 

o) Frondicularidea. 

Rhabdogonium Rss. 

1. Rh. minuium Rss. (Taf. 5, Fig. 4, 5). 

Bei dieser in ihren Umrissen sehr wandelbaren Species lassen 
sich zweierlei Hauptformen unterscheiden. Die eine ist in der Regel 
größer, in der Seitenansicht verkehrt eiförmig, oben breiter als unten, 
nicht selten beträchtlich verlängert, oft unregelmässig verbogen. Die 
Schalenoberfläche pflegt überdieß mit größeren Rauhigkeiten besetzt 
zu sein. 

Andere Gehäuse sind dagegen mehr weniger regelmäßig oval, 
an beiden Enden etwas verschmälert, überhaupt regelmäßiger gebil- 
det und mit ebenerer Oberfläche. In allen Fällen sind aber die drei 
Seitenkanten dünn, flügelartig, die Seitenflächen ausgehöhlt. Die 
Begrenzung der einzelnen in gerader Linie über einander liegenden 
Kammern wird nur stellenweise durch sehr seichte, quere, kaum 
gebogene Furchen angedeutet. Die terminale runde Mündung ist 



i) Denkschr. d. k. Akad. d. Wissensch. XII. pag, 69. Taf. 1, Fig. 5. 
2 ) 1. c. pag- 69. Taf. 1, Fig. 6. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagcrung- von Wieliezka in Galizien. 85 

klein, oft undeutlich. Von ihr gehen an den am oheren Ende breiteren 
Exemplaren drei feine kurze Furchen aus, welche auf dem oheren 
dickeren Theile der Kanten verlaufen. 

In ihrer Physiognomie ähnelt die Species, welche ich häufig im 
Salzthone gefunden habe, sehr der Tritaxia tricarinata Rss. aus 
der oberen Kreide. (Rss. iu d. Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wissen- 
schaften Bd. 40, pag. 228. Taf. 12, Fig. 1, 2). 

Flabellina d'Orb. 

1. Fl. incrassata Rss. (Taf. 3, Fig. S). 

Das verlängert- ovale Gehäuse zieht sich oben zur kurzen Spitze 
zusammen, während es, sich nach unten nur wenig verschmälernd, 
dort in schiefer Rundung endigt. In der Mitte ziemlich dick, ver- 
dünnt es sich gegen die Ränder hin etwas. Diese selbst sind 
nicht abgestutzt, sondern winklig gerundet. Die beiden Seitenflächen 
zeigen eine etwas ungleiche Wölbung. Der spirale Anfangstheil des 
Gehäuses ist klein; der gerade Theil besteht aus 6 — 7 reitenden, in 
nicht sehr spitzigem Winkel gebrochenen, sehr niedrigen Kammern. 
Dieselben werden durch etwas unregelmäßige scharfe runzelartige 
Leisten geschieden, die sich hin und wieder durch Anastomosen mit 
einander verbinden. 

Sehr selten im Steinsalz. 

Amphimorphina Neugeb. 
1. A. Haaerana Neugeb. 
Neugeboren in d. Verhdlg. u. Mittheilg. des siebenbürg. Vereins f. Natur- 
wissenseh. 1850. I. pag. 125-127. Taf. 3. Fig. 13—16. — Denkschr. 
d. kais. Akad. d. Wissensch. in Wien. XII. pag. 97. 

Dieser Mischtypus, welcher die Charactere der Gattungen 
Frondicularia und Nodosaria in sich vereinigt, wurde zuerst von 
Neugeboren im Tegel von Lapugy in Siebenbürgen entdeckt. 
Später habe ich die Species im Tegel von Sebranitz, Hausbrunn und 
Jaromeritz in Mähren nachgewiesen. Karr er fand sie vor Kurzem 
im Tegel des Leithakalkes bei einer Brunnengrabung zunächst Möd- 
ling bei Wien. Im Salzthone bei Wieliezka kömmt sie nur in ver- 
einzelten Bruchstücken vor. 



o(> Renas, 

b) Gristellaridea. 

Cristellaria Lam. 

1. Cr. calcar L. var. calcar d'Orb. 

Reu ss in den Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissenscb. Bd. 25, pag. 29. — 
Robulina calcar d'Orb. ]. c. pag. 99, Taf. 4. Fig. 18—20. — Robulina 
echinata d'Orb. 1. e. pag, 100. Taf. 4, Fig, 21, 22. 
Sehr selten im Salzthon und Steinsalz , jedoch nur die unge- 
strafte Form (Rob. calcar d'Orb.). Überdies lebend, pliocän, miocän 
und oberoligocän. 

2. Cr. rostrata Rss. (Taf. 3, Fig. 6). 

Das dünne, sehr stark zusammengedrückte Gehäuse fällt schon 
bei flüchtiger Betrachtung durch seine yerlängert-eiförmige Gestalt 
auf. Denn der regelmäßig gerundete spirale Theil verlängert sich 
oben in einen langen spitz-dreieckigen Schnabel. Die 10 — 12 wenig 
gebogenen Kammern sind sehr niedrig, mit Ausnahme der letzten, 
welche, in verticaler Richtung sich beträchtlich ausdehnend, den 
erwähnten Schnabel bildet. Die nicht vertieften Näthe werden äußer- 
lich nur durch dunkle Linien angedeutet. Die Septalfläche der letzten 
Kammer ist sehr hoch und schmal, linear mit parallelen Seiten- 
rändern, fast flach, im obern Theile von der engen senkrechten 
Mündungsspalte durchbrochen. 

Sehr selten im Salzthon. 

3. Cr. Rnsseggeri Rss. (Taf. 3, Fig. 7). 

Auch hier ist das stark zusammengedrückte, vollkommen involute 
Gehäuse verlängert-einförmig, unten gerundet, oben zugespitzt, am 
peripherischen Rande scharf gekielt. 6 — 7 dreieckige etwas gebogene 
flache Kammern, deren Näthe nur durch schwach vertiefte Linien 
angedeutet werden. Die letzte Kammer ist verhältnißmässig groß. 
Ihre Septalfläche ist linear, etwas ausgehöhlt. Die Mündung rundlich, 
ungestrahlt. 

Sehr selten im Salzthon. 

4. Cr. inornata d'Orb. sp. 

Reuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissenscb. Bd. '25, pag. 28. — Ro- 
bulina inornata d'Orb. I. c. pag. 102. Taf. 4. Fig. 25, 26. — Robulina 
austriaca d'Orb. I. c. pag. 103. Taf. 5, Fig. 1, 2. — Robulina inter- 
media d'Orb. ]. c. pag. 104. Taf. 5, Fig, 3, 4. 

Eine sehr wandelbare Form, indem die Zahl der Kammern, die 
Wölbung des Gehäuses, die Größe der Nabelscheibe und endlich die 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 87 

Beschaffenheit des Rückenrandes, der bald einfach scharfwinklig, 
bald gekielt oder selbst schmal geflügelt ist, dem größten Wechsel 
unterliegt. Man kann vollständige Übergänge zwischen den drei 
Orbigny'schen Species nachweisen. Über ihre Zusammengehörig- 
keit habe ich mich übrigens schon früher an einem anderen Orte 
ausgesprochen (1. c. pag. 28). 

Übrigens scheint Cr. inornata auch mit Cr. cultrata Montf. 
sp. durch Übergänge zusammenzuhängen. Denn man beobachtet die 
allmälige Größenzunahme des Gehäuses und das schrittweise Her- 
vorbilden des Flügelsaumes am Rande. Das allmälige Eintreten des 
Zerschnittenseins dieses Randsaumes bahnt selbst eine Verbindung 
mit Cr. calcar d' Orb. sp. an. 

Sehr selten im Salzthon. Häufig im Tegel , seltener im Leitha- 
kalk des Wiener Beckens. Überdieß im gypsführenden Mergel von 
Kathrein bei Troppau, sowie im Ober- und Mitteloligocän. 

5. Cr. simplex d'Orb. sp. 
Reu ss in den Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissenseh. Bd. 25, pag. 27. — 
Robulina simplex d'Orb. 1. c. pag. 103. Taf. 4, Fig. 27, 28. - Robu- 
lina incompta Rss. Zeitschr. d. deutsch, geolog. Ges. 1851. pag. 70. 
Taf. 4, Fig. 28. 

Sehr selten im Salzthon. Im Tegel und Leithakalk des Wiener 
Beckens, im mitteloligocänen Septarienthon. 

Pullenia P. et Jon. 

1. P. buHoides d'Orb. sp. 

Nonionina bulloides d'Orb. 1. c. pag. 107. Taf. 5. Fig. 9, 10. 

Gemein im Steinsalz. Überdieß im Unter- und Mitteloligocän, 
im Tegel und Leithakalk des Wiener Beckens (besonders häufig in 
den höheren Tegelschichten), im gypsführenden Mergel von Kathrein 
bei Troppau, im Pliocän und lebend in den heutigen Meeren. 

2. P. compressiuscula Rss. 

Reuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 25, pag. 34. 

a) var. quinqneloba. 

Nonionina quinqueloba Rss. in d. Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 1851. 
pag. 71. Taf, 5, Fig. 31. 
Sehr selten im Salzthon. Ziemlich verbreitet im Septarienthon. 

(3) var. quadriloba. (Taf. 3, Fig, 8). 

Ebenfalls sehr selten im Salzthon, im Tegel von Grinzing und 
im mitteloligocänen Septarienthon. 



S S Heus s. 

Nonionina quatemaria Rss. *) bietet so wenig bedeutende 
Abweichungen dar, daß sie wohl auch hierher gehören dürfte. 

c) l'olyniorpliiiüflca. 

Polymorphina d'Orb. 

1. P. gibba d'Orb. 

Globulina gibba d'Orb, 1. c. pag. 227, Taf. 13, Fig. 13, 14. — Globulina 
globosax. M.Römer in Leonli. u. Bronn's Jahrb. 1838. pag. 386. 
Taf. 3, Fig. 33. — Globulina lubulosa d'Orb. 1. c. pag. 228. Taf. 13, 
Fig. 15, 16. (Monströse Aulostomellenform). 

Nicht selten im Salzthon und Steinsalz. Auch an Aulostomellen- 
formen mit verzweigter röhriger Mündung fehlt es nicht. Im Tegel 
und Leithakalk des Wiener Beckens, plioeän und lebend. Hierher 
gehörige Formen treten schon im Eocän , Unter-, Mittel- und Ober- 
Oligocän auf. 

2. P. aequalis d'Orb. 

Globulina aequalis d'Orb. I. c. pag. 227. Taf. 13, Fig. 11, 12. 

Sie soll sich von der vorigen Species durch das zusammen- 
gedrückte Gehäuse und die nackte Mündung unterscheiden. Aber man 
findet auch zusammengedrückte Formen mit gestrahlter Mündung 
und die Compression des Gehäuses selbst wechselt ungemein, so 
daß sich keine scharfe Grenze ziehen läßt. Es dürfte sich daher P. 
aequalis von P. gibba kaum trennen lassen. Sie ist im Steinsalze 
sehr selten. Innerhalb des Wiener Beckens begegnet man ihr im 
Tegel und Leithakalk. Auch im Ober- und Mitteloligocän trifft man 
sie selten. 

3. P. inaequalis Bss. 

Globulina inaequalis Reuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. 
1. pag. 377. Taf. 48, Fig. 9. 

Das Gehäuse ist gewöhnlich weniger zusammengedrückt und 
mehr ungleichseitig, als in der citirten Abbildung. Bisweilen tritt 
äußerlich noch eine vierte Kammer sichtbar hervor, wodurch das 
Gehäuse noch unsymmetrischer wird. Übrigens steht die Species 
manchen anderen Polymorphina - Arten sehr nahe, so daß sie 
leicht nur eine Form einer derselben darstellen könnte. Wiederholte 



!) Reuss, Foraminiferen und Entomostraceeu des Kreideinergeis von Lemberg in 
Hai diu g er 's gesamm. naturwiss. Abhdl. IV. pag. 18. Taf. 2, Fig. 13. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung- von Wieliczka in Galizien. 89 

Untersuchung zahlreicherer Exemplare wird darüber ein helleres 
Licht verbreiten. 

Sehr selten im Steinsalz. Im oberen Tegel und Leithakalk, 
oberoligocän, pliocän und lebend; überall selten. 

4. P. depauperataRss. (Taf. 3, Fig. 9). 

In der Gestalt des Gehäuses nähert sie sich der P. foveolata 
Rss. , nur ist sie breiter oval und stärker zusammengedrückt, an den 
Seitenrändern zugerundet. Die Kammern stehen zweizeilig, in einer 
Längsreihe drei, in der anderen nur zwei, alle durch sehr undeutlich 
durchscheinende lineare Näthe gesondert. Die Mündung ist gestrahlt, 
die Schalenoberfläche glatt, glasig glänzend. 

Sehr selten im Salzthon und im gypsführenden Mergel von 
Kathrein bei Troppau. 

5. P. sororia Rss. 

Reu ss in d. Süzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 48, pag. 57. 

Taf. 7, Fig. 72 — 74. — Reuss les foraminiferes du Crag d'Anvers, 

extr. des bulletins de l'Acad. de Belg. pag. 17. Taf. 2, Fig. 25—29. — 

Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 25, pag. 36. 

Sehr selten im Salzthon und Steinsalz, meistens kurze dicke 

Formen, wie 1. c. Taf. 2, Fig. 29. Häufig mitteloligocän und pliocän, 

selten oberoligocän. 

6. P. leprosa Rss. (Taf. 4, Fig. 3). 

Ziemlich groß, unvollkommen kugelig, unten breit- und schief- 
gerundet, oben sehr stumpf zugespitzt. Die Oberfläche der Schale 
ist mit kleinen, flachen, sehr ungleichen und unregelmäßigen Er- 
habenheiten bedeckt, welche stellenweise in unregelmäßigen Längs- 
reihen stehen. Die Mittelkammer tritt, besonders auf einer Seite, nur 
in geringem Umfange sichtbar hervor. Die nicht vertieften Näthe sind 
undeutlich. Die runde Mündung wird von einem kurzen Strahlen- 
kranze umgeben. 

Sehr selten im Salzthone. 

7. P. probleuia d'Orb. 

Reuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 25, pag. 38. — 

Guttulina problema d'Orb. 1. c. pag. 224. Taf. 12, Fig. 26—28. — 

Guttulina austriaca d'Orb. 1. c. pag. 223. Taf. 12, Fig. 23-25. — 

Guttulina communis d'Orb. 1. c. pag. 228. Taf. 13, Fig. 6—8. 

Sehr selten im Salzthon und im Steinsalz, sowohl die typische 

Form, als auch die durch weiteres Auseinandertreten der Kammern 



DO Reuss. 

in der Richtung der Längsaxe daraus hervorgehende Gutt. austriaca. 
Auch Gutt Plancii d'Orb. *) von den Küsten Patagoniens gehört in 
diesen Formenkreis. 

Übrigens steigt P. probt ema mit ihren verschiedenen Formen- 
abänderungen bis in das Unleroligocän hinab und reicht bis in die 
heutige Schöpfung herauf. Im Wiener Becken liegt sie im Tegel und 
Leithakalk. Sehr selten findet man sie auch in den gypsführenden 
Mergeln von Kathrein bei Troppau. 

8. P. oblonga d'Orb. 

d'Orbigny 1. c. pag, 232. Taf. 12, Fig. 29—31. 

Sehr selten im Salzthon. Im Leithakalk des Wiener Beckens. 

9. P. foveolata Bss. (Taf. 4, Fig. 2). 

Das beinahe regelmäßig elliptische, wenig seitlich zusammen- 
gedrückte Gehäuse zeichnet sich durch die an beiden Enden beinahe 
gleichmäßige Rundung aus. Am obern ist ein kaum merkbares 
Höckerchen aufgesetzt, das die gestrahlte Mündung trägt. Die nur 
durch undeutlich durchscheinende gebogene Nathlinien gesonderten 
Kammern stehen zweizeilig, je 3 — 4 in einer Reihe. Die Oberfläche 
der Schale ist mit gedrängten feinen seichten unregelmäßigen Grüb- 
chen bedeckt. 

Sehr selten im Steinsalz. 

10. P. Zeuschneri Rss. (Taf. 4, Fig. 1). 

Mehr weniger eiförmig oder elliptisch und an den Seitenrändern 
gerundet, ist sie in Hinsicht auf Wölbung der Seitenflächen und auf 
Begrenzung der einzelnen Kammern ungleichseitig. Beide Enden 
sind mehr weniger stumpf. Die in ihren Umrissen sehr wandelbaren 
Kammern stehen in zwei Längsreihen alternirend, je 2 — 5 in jeder 
derselben. Im oberen Theile des Gehäuses stehen sie bisweilen direct 
neben einander, im unteren Theile dagegen erscheint die Compres- 
sionsebene nicht selten gedreht. Die Kammern werden durch ziem- 
lich tiefe, fast quere oder nur wenig schräge gebogene Näthe 
abgegrenzt. Die letzten zwei Kammern sind gewöhnlich doppelt so 
hoch als die vorhergehenden und, besonders die letzte, auch gewölb- 
ter. Die Mündung ist gestrahlt. 



1 J d'Orbigny, Voy. dans l'Amerique int'ridion. pag. 60. Taf. 1, Fig. 5. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablag-erung von Wieliczka in Galizien. 91 

Die in der Orbigny 'sehen Abbildung zu wenig gewölbt 
erscheinende P. ovata d' Orb. (1. c. Taf. 13, Fig. 1, 2) weicht 
durch die beträchtlichere Wölbung der Seitenflächen und die kaum 
vertieften sehr schrägen Näthe auffallend auf. 

Nicht gar selten im Salzthon und Steinsalz. 

11. P. semiteeta Rss. (Taf. 3, Fig. 10). 

Sie ist im Umrisse ebenfalls der P. ovata d 1 Orb. sehr ähnlich, 
aber durch die sehr ungleichseitige Entwicklung der letzten Kammer 
davon sehr abweichend. Sie ist eiförmig, oben stumpf zugespitzt, am 
untern Ende gerundet, in verschiedenem Grade zusammengedrückt, 
auf beiden Seiten ungleich gewölbt mit gerundeten Seitenrändern. 
Die sehr schrägen, etwas gebogenen Kammern stehen alternirend in 
zwei Längsreihen; aber abwechselnd sind auf jeder Seite nur die 
Kammern der einen Reihe sichtbar, während jene der anderen durch 
die bis zum unteren Ende des Gehäuses herabreichende letzte Kam- 
mer dieser Reihe verdeckt werden. Die älteren Kammern sind nur 
durch lineare Näthe geschieden, nur die letzten Näthe vertiefen sich 
etwas mehr und in Folge dessen treten die Kammern mit schwacher 
Wölbung hervor. Die Schalenoberfläche ist glatt, die runde Mündung 
gestrahlt. 

Sehr selten im Steinsalz. 

12. P. ovata d'Orb. 

d' Orbigny I. c. pag. 233. Taf. 13, Fig. 1-3. 

Sehr selten im Salzthon. Im Leithakalk des Wiener Beckens 
und im gypsführenden Mergel von Kathrein bei Troppau. 

Sphaeroidina d'Orb. 
1. Sp. austriaca d 1 Orb. 

d'Orbigny 1. c. pag. 284. Taf. 20, Fig. 19— 21. — Reuss in d. Denkschr. 
d. kais. Akad. d. Wissensch. I. pag. 387. Taf. 51, Fig. 3—19. — Sex- 
loculina Haueri C z i z e k in Haidinger's gesamm. naturvviss. Abhdlg. 
II. pag. 149, 150. Taf. 13, Fig. 35—38. 

Gemein im Salzthon. Auch hier kommen, wenngleich viel 
seltener als bei der Sph. variabilis Rss. des Septarienthones, niedrig 
konische Formen vor, die dadurch entstehen, daß sich die Kammern 
nicht, wie gewöhnlich, kugelig zusammenballen, sondern nach einer 
regelmäßigeren etwas offenen Spirallinie aneinander reihen. Sie 
können als var. conica bezeichnet werden (Reuss in d. Denkschr. 



92 Reuss. 

d. k. Akad. d. Wissenseh. Bd. 25, pag. 40. — Sitzungsber. d. k. 
Akad. (I. Wissenseh. Bd. 48, pag. 58. Tai'. 7, Fig. 80.) 

Spk. austriaca findet sich häufig im Tegel und Leithakalk des 
Wiener Beckens, sehr selten im gypsführenden Mergel von Kathrein 
bei Troppau und im Oberoligocän. 

Uvigerina <TOrb. 

1. l\ pygmaea d'Orb, 

d'Orbigny 1. c. pag. 190. Taf. ii, Fig. 25, 26. - Williamsonl. c. p. 66, 
Fig. 138, 139. 

Ziemlich häufig im Salzthon, sehr selten im Steinsalz. Sehr 
selten im Oberoligocän, gemein im Miocän (im Tegel und Leitha- 
kalk des Wiener Beckens), im Pliocän und lebend in den heutigen 
Meeren. 

Uvigerina striata Costa *) ist wohl nicht davon verschieden, 
denn Originalexemplare, die ich Herrn Seguenza verdanke, zeigen 
nicht blos feine Streifen, sondern wahre Längsrippen. 

2. V, seiuiornata d'Orb. 
d'Orbigny 1. c. pag. 189. Taf. 11 Fig. 23, 24. 

Sehr selten im Salzthon. Selten im Leithakalk des Wiener 
Beckens. 

Sie dürfte kaum von der vorigen scharf zu trennen sein, denn 
auch bei Formen, die offenbar zu U. pygmaea gehören, sind nicht 
selten die jüngeren Kammern rippenlos. Schon Soldani bildet 
Taf. 126, Fig. xx, yy , zz dergleichen Exemplare ab. Das stärkere 
oder schwächere Hervortreten der Längsrippen, so wie die mehr 
oder weniger bauchige Wölbung des Gehäuses sind graduelle und 
sehr veränderliche Merkmale. 

3. I. urnula d'Orb. 

d'Orbigny 1. c. pag. 189. Taf. 11, Fig. 21, 22. 

Eine sehr wandelbare Species. Die Schalenoberfläche ist bald 
ganz glatt, bald nur auf den ältesten Kammern mit mehr weniger 
deutlichen Längsrippen verziert. Ob sie von der glatten lebenden 
U. nodosa d'Orb. 2) wirklich verschieden sei, vermag ich jetzt nicht 
zu entscheiden. 



1) Paläontologin del regno di Napoli II. pag-, 270. Taf. 15, Fig. 2. A, C. 
z ) Ann. d. scieiices nat. 1S46. Tabl. method. pag. 103. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 93 

Sie wird im Salztlione "häufig gefunden. Im Leithakalk und vor- 
zugsweise im Tegel des Wiener Beckens. 

4. I. asperola Cziz. (Taf. 4, Fig. 6-9). 
Czizek in Haidinger 's gesamm. naturwiss. Ahhdlg. IL i. pag. 146. 
Taf. 13, Fig. 14, 13. — Uvigerina Orbignyana Czizek 1. c. pag. 147. 
Taf. 13, Fig. 16,17. 

Beide von Czizek aufgestellte Species gehören offenbar zu- 
sammen, denn man vermag die allmäligen Übergänge nachzuweisen 
von der blossen Rauhigkeit der Schalenoberfläche bis zum Auftreten 
ziemlich langer unregelmäßiger Stachelspitzen. Ebenso findet in ihrer 
Anordnung die größte Verschiedenheit Statt. Bald stehen die Rauhig- 
keiten ganz regellos zerstreut, mehr weniger dicht aneinander gedrängt, 
bald findet man sie wieder in mehr weniger deutliche Längsreihen 
geordnet. Nicht selten fließen diese in deutliche aber unregelmäßige 
schmale Rippchen zusammen. Bisweilen sieht man diese verschie- 
denen Modifikationen an einem und demselben Exemplare vereinigt, 
indem der ältere Theil des Gehäuses zerstreute, der jüngere aber an 
den letzten Kammern reihenweise stehende Stacheln zeigt. Auch die 
Größe und Gedrängtheit der Spitzen ist großem Wechsel unter- 
worfen. (So sind die Nußdorfer Exemplare mit zahlreichen dickeren 
Spitzen besetzt, beinahe höckerig). Übrigens bietet das Gehäuse 
dieselben Modifikationen der Gestalt dar, wie die übrigen Uvigerinen- 
Arten, indem dasselbe bald dünner und schlanker, bald kürzer und 
bauchiger erscheint. 

U. aculeata d'Orb. *) kenne ich nicht aus eigener Anschauung. 
Auch hat sie keiner der Wiener Paläontologen bei Nußdorf wieder 
gefunden. In der von Orbigny selbst herrührenden Originalsamm- 
lung von Wiener Foraminiferen liegen unter diesem Namen Exem- 
plare von U. asperula, welche von Orbigny trotz der Häufigkeit 
ihres Vorkommens nirgend beschrieben oder abgebildet wurde. Es 
erregt dies den Verdacht, daß die Orbigny "sehe Abbildung auf 
einem schlecht erhaltenen und unrichtig abgebildeten Exemplare von 
U. asperula beruht, um so mehr, als an der Abbildung ohnedieß die 
für Uvigerina characteristische röhrenförmige Mündung fehlt. Es ist 
daher sehr zweifelhaft, ob U. aculeata d'Orb. als Species wirklich 
existirt. 



*) Orbigny 1. c. pag. 191. Taf. 11, Fig. 27, 28. 



94 Heuss. 

U. asperula ist im Salzthone sehr gemein, im Steinsalz selten. 
Sie liegt überdieß im Tegel und Leithakalk des Wiener Beckens und 
sehr selten im gypsführenden Mergel von Kathrein bei Troppau. 

Bulimina d'Orb. 

1. B. pyrula d'Orb. 

d'Orbigny ]. c. pag. 184, Taf. 11, Fig. 9, 10. 

Viel verbreiteter im Tegel , als im Leithakalk des Wiener 
Beckens. 

Nicht selten sind die älteren Kammern in weiterem Umfange 
sichtbar, als an dem von Orbig ny abgebildeten Exemplare. 

2. B. ovata d'Orb. 

d'Orbigny]. c. pag, 185. Taf. 11, Fig. 13, 14. 

Sehr selten im Salzthon und Steinsalz. Im Tegel und Leithakalk. 

3. B. tenera Rss. (Taf. 4, Fig. 11, 12). 

Eine äußerst kleine , gewöhnlich schwarz gefärbte Species, die 
in Beziehung auf ihre Form zwischen B. ovula d'Orb. *) und B. 
pyrula d'Orb. einerseits und B. squamigera d'Orb. 2 ) anderseits 
mitten inne steht. Das Gehäuse ist schlank eiförmig, selten bauchi- 
ger, am unteren Ende oft mit einer kurzen Spitze versehen. Die 
ersten der 3 — 4 wenig deutlichen Umgänge sind sehr klein, der 
letzte dagegen ist sehr groß und nimmt 6 — 7 Achttheile der Ge- 
samtlänge des Gehäuses ein. Nur im Falle, daß die primordialen 
Umgänge in Gestalt einer Spitze etwas stärker vorgeschoben sind, 
bildet der letzte nur etwa vier Fünftheile des Gehäuses. Nur die 
letzten Kammern sind sehr schwach gewölbt, durch sehr schmale 
Nathfurchen gesondert und decken sich schuppenartig; bei den 
übrigen sehr kleinen Kammern erscheinen die Nathlinien sehr undeut- 
lich. Die Öffnung stellt eine sehr kleine kommaförmige Spalte dar. 

Man findet die Species nur selten im Salzthon. 

4. B. pnpoides d'Orb. 

d'Orbigny 1. c. pag. 185. Taf. 11, Fig. 11, 12. 

Sehr selten im Salzthon und Steinsalz. Häufig im Tegel, selten 
im Leithakalk des Wiener Beckens. 



*) Orbigny Voyage dans T Amerique merid. Foraminif. pag. 51. Taf. 1, Fig. 10, 11, 
2 J Foraminiferes des lies Canaries. pag. 137. Taf. 1, Fig. 22 — 24. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka iu Galizien. 95 

5. B. elongata d'Orb. 

d'Orbigny 1. c. pag. 187. Taf. 11, Fig. 19, 20. 

Häufig im Salzthon, selten im Steinsalz. Im Tegel und Leitha- 
kalk des Wiener Beckens, im gypsführenden Mergel von Kathrein 
bei Troppau und im Salzthon von Sugatag in der Marmaros. 

6. B. aculeata d'Orb, 

Soldani testaceograph. microseop. Taf. 127, Fig. I; Taf. 130, Fig. vv; Taf. 

131, Fig. xx. — d'Orbigny ann. des scienc. nah 1826. pag. 103. 

nro. 7. — Reu ss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. I. pag. 

374. Taf. 47, Fig. 13. — B. pupoides var. spimdosa Williamson I. c. 

pag. 62. Fig. 128. — ß. spinosa Seguenza prime ricerche intorno 

ai rhizopodi fossili delle argille pleistoceniche dei dintorni di Catania 

1862. pag. 23. Taf. 1, Fig. 8. 
Es ist wahrscheinlich, daß B. aculeata nur eine mit Stacheln 
bewehrte Form der B. elongata sei, denn in den übrigen Kennzeichen 
stimmen beide mit einander überein. Die Bewehrung selbst ist sehr 
wandelbar. Zuweilen sind die Stacheln zahlreich und ziemlich lang; 
von da ab lassen sich alle Zwischenstufen bis zum Verkümmern und 
völligen Verschwinden derselben verfolgen. Die bewehrten Formen 
scheinen in der Regel kleiner zu bleiben; nur selten stößt man auf 
Exemplare, die so lang und groß sind, wie viele der wehrlosen 
B. elongata. 

Man findet B. aculeata nicht selten im Salzthon. Sie liegt auch 
im Tegel des Wiener Beckens, im Pliocän und lebt jetzt auch noch 
in den gemäßigten Meeren. 

7. B. Buchana d'Orb. (Taf. 4, Fig. 10). 
d'Orbigny 1. c. pag. 186. Taf. 11, Fig. 15-18. 

Gemein im Salzthon und Steinsalz. In ersterem wird sie bis einen 
Millim. groß; dann ragen auch die Rippen stärker hervor und der 
untere Rand der Kammern erscheint mit einer Reihe kleiner Dornen 
fransenartig umsäumt. Überhaupt wechselt das Gehäuse in Größe 
und Form beträchtlich. Größere Individuen zeigen oft 7 — 8 Spiral- 
umgänge i) und sind oben bauchig, am untern Ende ziemlich scharf 
zugespitzt, während sehr viele kleinere Exemplare unten stumpf 
endigen. Auch in der Sculptur nimmt man Verschiedenheiten wahr, 
indem die Spitzen über den untern Kammerrand bald beträchtlich 
vorragen, bald wieder nur schwache Kerben darstellen. 



*) Orbigny gibt irriger Weise nur fünf Umgänge an, was nur von jüngeren Exem- 
plaren gilt. Ich habe daher ein ausgewachsenes Exemplar abgebildet. 



!>(> Reuss. 

/>. inflata Seg. *) scheint ebenfalls nur eine kurze bauchige 
Form von /y. Buchana mit längeren Rippenspitzen zu sein. 

/>. Buchana ist im Tegel und im Leithakalke des Wiener 
Beckens zu Hause. Sie liegt auch im gypsführenden Mergel von 
Kathrein bei Troppau, so wie im Salzthone von Sugatag und Slatina 
in der Marmaros. 

Virgulina <TOrb. 

I. V. Schreibersana Cziz. (Taf, 4. Fig. 4, 5). 

Czizek in Hai ding er 's gesamm. naturvviss. Abhandl. II. 1. pag. 147. Taf. 
13, Fig. 18 — 21. — Bulimina pupoides var. compvessa W i 1 1 i a m s o n 
I. c. pag. 63. Fig. 131. — Bulimina marginata var. attenuata P. et 
Jones distrihut. of some foraminif. from the coast of Norway pag. 2i. 
Taf. 2, Fig. 35. - Polymorphina apula Costa 1. e. pag. 286. Taf. 18, 
Fig. 17. 

Kommt selten im Steinsalz, häufig im Salzthon vor und in diesem 
in besonders großen Exemplaren. Im unteren Theile derselben sind 
die Kammern gewöhnlich spiral gestellt; erst in den zwei oberen 
Drittheilen des Gehäuses ordnen sie sich in zwei alternirende Längs- 
reihen, die aber nicht gerade und regelmäßig sind, sondern immer 
noch eine Neigung zur Spiralen Drehung verrathen. 

Polymorphina longissima Costa. 2 ) deren Abbildung keine 
Beschreibung beigegeben ist, ist offenbar nur auf ausgewachsene, 
vorwiegend zweizeilige Formen von Virg. Schreibersana gegründet. 
Auch Polymorphina innormalis Costa 3 ), gleich der vorigen ohne 
Beschreibung, dürfte hieher gehören und eine spirale Jugendform 
darstellen. 

V. Schreibersana findet sich überdieß im Tegel des Wiener 
Beckens, im Pliocän und lebt in den heutigen Meeren. 

d) Cryptostegia. 

Chilostomella Bss. 
1. Ch. ovoidea Bss. 

Reuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. I. pag. 380. Taf. 48. 
Fig. 12. 
Sehr selten im Salzthon und in den höheren Tegelschichten. 



*) Seguenza prime ricerche int. ai rliizopodi foss. delle argille pleistocen. etc. 

1862. pag;. 2ö. Taf. 1, Fig. 10. 
2 J I. c. IL Taf. 13, Fig. 22, 23. 
3 ) 1. c. II. Taf. 13, Fig. 28 — 30. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 97 

Allomorphina Rss. 
1. A. trigona Rss. 

Reuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. I. pag. 380. Taf. 48, 
Fig. 14. 

Ziemlich häufig im Salzthon. Im Tegel des Wiener Beckens 
und sehr selten im oligocänen Septarienthon. 

A. macrostoma Karr. 1 ) ist nur eine kleinere und convexere 
Form von A. trigona mit etwas größerer Mündung — , durchgehends 
Merkmale, die nur graduell sind und Übergänge in die typische Form 
wahrnehmen lassen. Je kleiner die Exemplare , desto gewölbter 
pflegen sie zu sein und desto größer ist im Yerhältniß die Mündung. 

e) Cassidulinidea. 

Cassidulina dOrb. 

1. C. punctata Rss. 

Reuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. I. pag. 376. Taf. 48, 
Fig. 4. 

Sehr selten im Salzthon und im jüngeren Tegel des Wiener 
Beckens. 

2. C. oblonga Rss. 

Reuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. I. pag. 376. Taf. 48, 
Fig. 5, 6. 

Sehr selten in Gesellschaft der vorigen Species und im Schlier 
von Ottnang. — Sie unterscheidet sich von der übrigens sehr ähn- 
lichen C. crassa d' Orb. 2 ) durch größere Wölbung der Schale und 
die einfache, nicht winklig gebrochene Mündungsspalte. Dagegen 
scheint sie mit der lebenden C. obtusa Will, s) vollkommen über- 
einzustimmen. 

f) Textilaridea. 

Bolivina d'Orb. 

1, B. antiqua d' Orb. 
d'Orbigny 1. c. pag. 240. Taf. 14, Fig. 11— 13. 

Gemein im Salzthon, aber nicht verbreitet, nur an einzelnen 
Stellen vorkommend. Im Tegel des Wiener Beckens, sehr selten im 
Septarienthon. 



!) Karr er, Über das Auftreten der Foraminiferen in dem marinen Tegel des Wiener 
Beckens; in d. Sitzungsb. d. k. Akad. d. Wissensch. Bd. 44, pag-. 24, Taf. 2, Fig. S. 

2 ) Orbigny, Voy. dans f Amer. merid. Foraminif. pag. 59. Taf. 7, Fig. 18 — 20. 

3) Willi amson I. c. pag. 69. Fig. 143. 144. 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Abth. 7 



9S Heus s. 

Textilaria Defr. 

1. T. carlnata d'Orb. 

d* Orbigny I. e. pag. 247. Taf. 14, Fig. 32—34. — Ileus sin d. Denkschr. 
(1. kais. Akad. d. Wissenseh. Bd. 25, pag. 41. — T. lacera Rss. Zeit- 
schrift (1. deutsch, geol. Ges. 1851. pag. 84. Taf. 6, Fig. 52, 53. — 
T. attenuata Rss. in d. Zeifschr. d. deutseh. geol. Ges. 1851. pag. 84, 
85, Taf. 6, Fig. 54. — Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. 
Bd. 48, pag. 59. Taf. 1, Fig. 87. 

So sehr die extremen Formen der var. attenuata durch das 
lange und schmale Gehäuse und die ungesäumten Seitenränder von 
den kurzen breiten, am Rande zerschnitten geflügelten Formen der 
T. carinata d'Orh. abweichen mögen, so werden beide doch durch 
zahlreiche Mittelformen so innig verknüpft, daß an eine scharfe 
Sonderung nicht gedacht werden kann, wie dies schon früher aus- 
gesprochen wurde. Ebenso wurde schon auf die nahe Verwandtschaft 
der schmalen Formen mit T. praelonga Rss. aus der oberen Kreide 
hingewiesen. 

Die Species, welche in typischer Form und als var. attenuata 
häufig im Salzthon angetroffen wird, reicht aus der jetzigen Schöp- 
fung bis in das Unteroligocän hinab. 

2. T. Bronniana d'Orb. 

d'Orhigny 1. c. pag. 244. Taf. 14, Fig. 20-22. 

Sehr selten im Salzthon. Im Leithakalk des Wiener Reckens 
und im Oberoligocän. 

3. T. pectinata Rss. (Taf. 3, Fig. 11). 

Reu ss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch I. pag. 381. Taf. 49, 

Fig. 2, 3. 

Gemein im Salzthon. Jedoch sind die Kammern nicht ganz so 
quer, wie in der citirten Abbildung. Auch endigt nicht immer jede 
Kammer nach aussen in einen Stachel. Überdies wechseln die fast 
stets stark zugespitzten Stacheln ungemein in der Größe. 

Die Species findet sich überdies im Tegel des Wiener Reckens, 
im Schlier von Ottnang und im mitteloligocänen Septarienthon. 

g) CÄlofoigerinidea. 

Globigerina d'Orb. 
1. Gl. bulloides d'Orb. 
Orbigny 1. c. pag. 163. Taf. 9, Fig. 4 — 6. — Orbigny Foraminiferes des 
iles Canaries, pag. 132. Taf. 2, Fig. 1—3. — Costa 1. c. II. pag. 246- 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 99 

Taf. 21, Fig. 1, 2. — WiUiamson 1. c. pag. K6. Fig. 116—118. — 
Parker and Jones on some foraminifera from the coast of Norway 
pag. 19. Taf. 11, Fig. 11, 12. On ann. of nat. hist. 2* ser. Vol. XIX.) 
Häufig im Salzthon, sehr selten im Steinsalz. Oberdieß häu- 
fig lebend, pliocän, miocän (im Tegel und Leithakalk des Wiener 
Beckens); sehr selten im gyps führenden Mergel von Kathrein bei 
Troppau, im Steinsalz von Maros Ujvar in Siebenbürgen, so wie im 
Mitteloligocän. 

Gl concinna Rss. i) und Gl diplostoma Rss. 2) sind nichts 
als Formen der sehr wandelbaren Gl bulloides, an welcher nicht 
immer nur die letzte Kammer nach aussen mündet, sondern oft zwei 
oder selbst drei Kammern deutliche Mündungen tragen. 

2. Gl. triloba Rss. 

Reuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. I. pag. 374. Taf. 47, 
Fig. 11. — Costa 1. 0. II. pag. 245. Taf. 21, Fig. 4. 

Sehr selten im Salzthon und Steinsalz von Wieliczka und im 
Steinsalz von Maros Ujvar in Siebenbürgen. Im Tegel und Leithakalk 
des Wiener Beckens, ober-, mittel- und unteroligocän. 

Orbulina d'Orb. 

1. 0. universa d'Orb. 
d'Orb igny 1. c. pag. 22. Taf.l, Fig. 5. - Foraminif. de l'ile de Cuba pag. 3. 
Taf 1, Fig. 1. — Foraminif. des lies Canaries pag. 122. Taf. 1. Fig. 1. 
— WiUiamson 1. c. pag. 2, Fig. 4. — Carpenter introduct. to the 
study of the foraminif. pag. 176. Taf. 12, Fig. 8. 

Sehr selten im Salzthon. Lebend, pliocän, miocän (im Tegel 
und Leithakalk des Wiener Beckens), sehr selten mitteloligocän. 

Truncatulina (d'Orb.) 

I. Tr. lobatula Walk. sp. 
d'Orbigny 1. c. pag. 168. Taf. 9, Fig. 18—23. — Parker and Jones 
descr. of some foraminifera from the coast of Norway pag. 21. Taf. 10. 
Fig. 17 — 21. — Anomalina austriaca d'Orbigny 1. c. pag. 172. Taf. 
10, Fig. 4—9. 

Anomalina austriaca d'Orb. unterscheidet sich von Tr. loba- 
tula nur durch die etwas gewölbte Spiralseite, sowie dadurch, daß 
auch auf der Nabelseite die Kammern etwas aus einander zu treten 



Reuss in d. Denkschr. d. k. Akad. d. Wissensch. I. pag-. 373. Taf. 47, Fig. 8. 
2 ) Reuss I. c. pag. 373. Taf. 47, Fig. 9, 10; Taf. 48, Fig. 1. 

7 * 



-.-• 



100 Reuss. 

beginnen und daher im Nabel ein kleiner Theil der inneren Umgänge 
sichtbar zu werden beginnt. Es läßt sich aber eine lange Reihe 
unmittelbarer Übergangsformen nachweisen, da die angegebenen 
Unterschiede nur graduell sind. Auch im Salzthon, wo die Species 
überhaupt nicht selten ist, kommen solche Formen, wenngleich nur 
vereinzelt, vor. 

Häufig ist die Species in den heutigen Meeren, im Pliocän und 
Miocän (im Tegel und Leithakalk des Wiener Beckens). Sehr selten 
begegnet man ihr auch im Oberoligocän. 

2. Tr. Ungcrana d'Orb. 

Rotalia Ungeriana d' Orbigny I. c. pag. 157. Taf. 8, Fig. 16—18. 

Kleinere jüngere Exemplare besitzen meistens nur 7 Kammern. 
Die Spiralseite ist in der Orbigny 'sehen Abbildung nicht ganz 
richtig dargestellt; die Kammernäthe nehmen einen mehr schrägen 
und gebogenen Verlauf. 

Die Species ist häufig im Salzthon, im Tegel und Leithakalk des 
Wiener Beckens; sie wird überdieß im Septarienthon angetroffen. 

3. Tr. Dutemplei d'Orb. sp. 

Rolalina Dutemplei d' Orbigny 1. c. pag. 157. Taf. 8, Fig. 19—21. — 
Rotalia conoidea Czizek 1. c. II. 1. pag. 145. Taf. 13, Fig. 4 — 6. 

Sie ist einem beträchtlichen Wechsel in der Größe, der Wölbung 
der Nabelseite und dem Hervortreten des centralen Buckels der Spiral- 
seite unterworfen. Auch die Zahl der Kammern ist veränderlich und 
erhebt sich bisweilen bis zu 9 — 10. 

Rot. conoidea Cziz. ist nichts als eine größere, auf der Nabel- 
seite höher conische, an dem Umfangsrande scharf, beinahe senkrecht 
abgeschnittene Abänderung von Tr. Dutemplei (var. conoidea). 

Die Species erscheint nicht selten im Salzthon und Steinsalz 
von Wieliczka, sehr selten im Steinsalz von Thorda in Siebenbürgen. 
Überdies ist sie häufig im Tegel und Leithakalk des Wiener Beckens, 
nicht selten im Septarienthon, sehr selten im Oberoligocän. 

4. Tr. Haidingeri d'Orb. sp. 

Rotalia Haidingeri d' Orbigny ]. c. pag. 154. Taf. 8. Fig. 7—9. 

Sehr selten im Salzthon. Im Tegel und Leithakalk des Wiener 
Beckens, im Schlier von Ottnang. 






Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 101 

Discorbina Park, et Jon. 

1. D. planorbis d'Orb. sp. 

Asterigerina planorbis d' Orbigny 1. e. pag. 20S. Taf. 11, Fig. 1 — 3. 
Häufig im Salzthon und Steinsalz. Im höheren Tegel und Leitha- 
kalk des Wiener Beckens, sehr selten im Oligocän yom Ober- bis in 
das Unteroligocän hinab. 

2. D. stellata Rss. (Taf. 5, Fig. 1). 

Die sehr kleine Species ist der vorigen Species sehr verwandt, 
aber durch einige Merkmale davon verschieden. Das Gehäuse ist auf 
der Spiralseite niedrig konisch, auf der entgegengesetzten flach. Auf 
der ersteren unterscheidet man drei rasch an Breite zunehmende 
Umgänge, deren letzter nur fünf Kammern zählt, welche auf der 
Spiralseite sehr schwach bogenförmig, am äusseren Rande scharf 
gekielt und sehr fein punktirt sind, sich schuppenförmig decken und 
nur durch zarte durchscheinende Nathlinien begrenzt werden. Auf 
der Nabelseite erscheinen sie breit-dreieckig und etwas gröber porös. 
In der Mitte dieser Fläche bilden accessorische Zellen einen regel- 
mäßigen fünfstrahligen, an der Oberfläche sehr zart gekörnten Stern, 
dessen Arme in den Grenzen zweier anstossender Kammern liegen. 
Die Mündung befindet sich auf der Unterseite des Gehäuses am Rande 
der letzten Kammer zunächst der Nabelgegeml und bildet eine halb- 
mondförmige, in der Mitte etwas eingebogene Spalte. 

Sehr selten im Salzthon. 

3. D. squamnla Rss. (Taf. S, Fig. 2). 

Ebenfalls eine sehr kleine, der Gruppe derD.jrfcuwrbis angehö- 
rige Species. Von dieser und derZ). stellata weicht sie hauptsächlich 
durch den Mangel der accessorischen Kammern auf der Nabelseite 
des Gehäuses ab. Dasselbe ist sehr niedrig konisch, fast schuppen- 
förmig mit schmalem scharfem Randsaume. Drei deutliche Umgänge, 
der letzte mit fünf Kammern, welche auf der Spiralseite bogenförmig, 
auf der Nabelseite etwas schief dreiseitig sind. Auf der ersten sind 
die Näthe fein linear, auf der letzteren deutlicher, schwach vertieft. 
In der Mitte der Nabelseite bemerkt man eine kleine, sehr seichte 
nabel artige Depression. Die Mündung — eine halbmondförmige 
Spalte — liegt auf der Unterseite des Gehäuses und ist in der Mitte 
gewöhnlich verengert, bisweilen beinahe unterbrochen. 

Sehr selten im Salzthon. 



102 1! <> «i S s. 

4. I). oMusa d'Orb. sp. 

Rosalina obtusa d'Orbigny I. c. pag. 179. Taf. 11, Fig. 4—6. 

Sein* selten im Salzthon. Im Tegel und Leithakalk des Wiener 
Beckens. Sehr vereinzelt im Oberoligocän, häufiger in den ohercn 
Nummulitenschichten von Oberburg in Steiermark» 

5. 0. platyoinphala Rss. (Taf. 4, Fig. 13). 

Sie ist in mancher Beziehung der D. (Rosalina) crenata 
Rss. i) aus dem Cyprinenthon von Düppelberg in Schleswig-Holstein 
ähnlich, unterscheidet sich jedoch wesentlich davon. Das beinahe 
kreisförmige Gehäuse ist auf der Spiralseite stark, aber gleichmäßig 
gewölbt, in der Mitte der sehr wenig gewölbten Nabelseite aber zu 
einem weiten und tiefen Nabel eingesenkt, dessen Grund mit kleinen 
Körnern besetzt ist. Auf der Spiral seite sind drei Umgänge sichtbar, 
welche nur durch undeutliche Näthe gesondert werden. Im letzten 
Umgange zählt man 7 — 8 Kammern, die auf der Spiralseite eben 
und bogenförmig, auf der Nabelseite dagegen schwach gewölbt und 
von geraden sehr seichten Näthen begrenzt sind. Die Spiralseite 
des Gehäuses ist deutlich porös. Auf der Nabelseite der Kammern 
beobachtet man sehr zarte radiale Fältchen, die fein gekörnt erschei- 
nen. In den Zwischenfurchen derselben stehen etwas größere Poren, 
die daher eine reihenweise Anordnung zeigen. 

Sehr selten im Steinsalze. 

6. D. complanata d' Orb. sp. 

Rosalina complanata d'Orbigny I. c. pag. 17o. Taf. 10, Fig. 13 — lö. 
Sehr selten im Steinsalz, gewöhnlich mit flacher Spiralseite und 
weniger gewölbter letzter Kammer. 

Im Tegel und Leithakalk des Wiener Beckens. 

7. D. cryptomphala Rss. 

Rotalina cryptomphala Reuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. 
I. pag. 371. Taf. 47, Fig. 2. 

Sehr selten im Salzthon, im höheren Tegel und Leithakalk des 
Wiener Beckens, im Schlier von Ottnang. 

8. D. arcoata Rss. 

Rosalina arcuata Reuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. I. 
pag. 372. Taf. 47, Fig. 4. 
Gemein im Salzthon. Im Tegel von Lapugy in Siebenbürgen. 



Sitziingsher. d. k. Akad. d. Wissensch. Bd. 18. pag. 243. Taf. 5, Fig\ 57. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliezka in Galizien. 1 U ü 

Pulvinulina Park, et Jon. 

1. P. Haueri d' Orb. sp. 

Rotalina Haueri d'Orbigny 1. c. pag. 15i. Taf. 7, Fig. 22—24. 

Sehr selten im Salztkon. Im Tegel und Leitliakalk des Wiener 
Beckens. Sehr selten im Oberoligocän. 

2. P. cordifonnis Costa sp. (Taf. o, Fig. 3.) 
Valvulina cordiformis Costa J. c. II. pag. 266. Taf. 21, Fig. 10. 

Eine von den übrigen Pulvinulina- Arten sehr abweichende 
Form, welche in die Gruppe der P. Brongniarti , Haueri u. s. w. 
gehört, sich aber am meisten der lebenden Rotalia deformis d* Orb. ±) 
von den Küsten von Cuba, Martinique und St. Helena nähert. 

Das sehr kleine, stark niedergedrückte Gehäuse hat Ähnlichkeit 
mit manchen Cristellarien , von denen es sich jedoch durch seine 
Ungleichseitigkeit gleich unterscheidet. Es ist im Umrisse oval, mit 
gerundetem Rückenrande und zeigt zwei Spiralumgänge, deren erster 
sehr klein ist, der zweite aber sehr rasch an Breite anwächst, so daß 
das Gehäuse dadurch sehr schief und unsymmetrisch wird. Der letzte 
Umgang besteht aus 7 — 8 Kammern, von denen die ältesten sehr 
klein sind. Die letzte wird auffallend lang, indem sie sich bis zu dem 
sehr excentrischen Ausgangspunkt der Spira herabzieht. Die Spiral- 
seite des Gehäuses ist nur sehr wenig gewölbt; die Nabelseite bietet 
einen sehr excentrischen flachen Nabel dar. 

Sehr selten im Salzthon. In den miocänen Tertiärschichten 
von Lequile. 

3. P. Boueana d'Orb. sp. 

Rotalina Boueana d'Orbigny 1. c. pag. 152. Taf. 7, Fig. 25—27. — Rota- 
lina concamerata Williamson 1. c. pag. 52. Taf. 4, Fig. 101, 102. 

Nicht selten im Salzthon. Im Tegel und Leitliakalk des Wiener 
Beckens, sehr selten im Ober- und Mitteloligocän. Lebend in den 
heutigen Meeren, 

4. P. Ralembergensis dOrb. sp. 

Rotalina Kalembergensis d'Orbigny 1. c. pag. 151. Taf. 7, Fig. 19 — 21. 
Sehr selten im Steinsalz. Im Leitliakalk des Wiener Beckens 
und sehr vereinzelt im Oberoligocän. 



Orbigny, Foraminiferes de l*ile de Cuba. pag. 75. Taf. 4, Fig. 9 — 11. 



104 R e u s s. 

5. P. nana B s s. 

Rotaiina nana Keuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wisscnsch. I. pag. 37. 
Taf. 46, Fig. 23. 

Selten im Salzthon und im oberen Tegel des Wiener Beckens 
(Grinzing). 

6. P. Partschiana d'Orb. sp. 

Rotaiina Partschiana d'Orbigny 1. c. pag. 153. Taf. 7, Fig. 28 — 30; 
Taf. 8, Fig. i-3. 

Gemein im Salzthon. Im Tegel und Leithakalk des Wiener 
Beckens und im gypsführenden Mergel von Kathrein bei Troppau. 
Verbreitet im Septarienthon. 

hj Rotalidea. 
Rotalia (Lam.) Park, et Jon. 
1. R. Beccarii L. sp. 

Willi a ms on 1. c. pag. 48. Taf. 4, Fig. 90—92. — Rosalina viennensis 
d'Orbigny 1. c. pag. 177. Taf. 10, Fig. 22—24. — Rosalina Parkin- 
soniana d'Orb. Foraminif. de l'ile de Cuba pag. 99. Taf, 4, Fig. 25-27. 
— Turbinulina tortuosa Fischer sp. Orbigny in ann. des sc. nat. 
1826. pag. 109. n° 40; Modeies n° 74. — Rosalina Beccarii d'Orb. 
Foraminif. de l'ile de Cuba. pag. 100. — Turbinulina corallinarum 
d'Orbigny in ann. de sc. nat. 1826. pag. 109. n° 48; Modeies n° 75. — 
Rosalina Amaliae Costa 1. c. II. pag. 258. Taf. 21, Fig. 12. — Rosa- 
lina radiata Costa 1. c. II. pag. 259. Taf. 21, Fig. 13. — Rosalina 
Mackayi Karr er, Die Foraminif. d. tert. Grünsandes der Orakei-Bay in 
Auckland in d. Paläontol. v. Neuseeland pag. 82. Taf. 16, Fig. 14. 
Die Species wechselt in der Wölbung des Gehäuses ungemein. 
Daher dürfte auch Rotaiina inflata Seguenza in litt, hierher ge- 
hören. Besonders veränderlich ist aber die Beschaffenheit der Kam- 
mernäthe auf der Nabelseite. Von denselben zweigen sich bald in 
ihrer ganzen Längenerstreckung Querfurchen ab. bald nur in ihrem 
innern Theile; bald bedecken diese Querfurchen die gesamte Unter- 
seite der Kammern, welche dadurch gestreift erscheint (Rosal. radiata 
Costa, R. corallinarum d'Orb. u. a.), bald sind sie nur auf die 
Nachbarschaft der Näthe selbst beschränkt, bisweilen so kurz, daß 
die Nathränder dadurch nur gekerbt erscheinen. An schlechter er- 
haltenen fossilen Exemplaren treten diese Verhältnisse weniger deut- 
lich hervor. 

Nicht selten im Steinsalz. Gemein im Leithakalk, weniger ver- 
breitet im Tegel des Wiener Beckens; häufig pliocän und lebend in 
den heutigen Meeren. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 105 

2. R. Soldanii d'Orb. 
d'Orbigny 1. c. pag. 155. Taf. 8, Fig. 10-12. 

Sehr selten im Salzthon. Im Tegel und Leithakalk des Wiener 
Beckens. 

i) Polystomellidea. 

Nonionina d'Orb. 

1. N. Soldanii d'Orb. 
Orbigny 1. c. pag. 109. Taf. 5, Fig. 15, 16. — Costa I. c. II. pag. 205. 
Taf. 17, Fig. 11. — N. falx Czizek in Haidinger's gesamm. natur- 
wiss. Abhdlg. II. 1. pag. 142. Taf. 12, Fig. 30, 31. 

Gemein im Salzthon, nicht selten im Steinsalz. Verbreitet im 
Tegel und Leithakalk, im Pliocän und lebend in den heutigen Meeren. 
Selten auch im gypsführenden Mergel von Kathrein bei Troppau. 
Überdieß im Ober- und Mitteloligocän. 

N. falx Cziz. ist vollkommen identisch mit der Orbigny- 
schen Species, deren Mündung von Orbigny nicht richtig beschrie- 
ben und abgebildet erscheint. Da nun Czizek die Beschaffenheit 
der Mündung richtig erkannte und dieselbe mit Orbigny 's Angabe 
nicht übereinstimmend fand, so glaubte er eine neue Species vor 
sich zu haben. Eine genauere Untersuchung zahlreicher Schalen von 
den verschiedensten Fundorten zeigt jedoch, daß die Mündung von 
N. Soldanii sich nicht auf die Rückengegend des vorangehenden 
Umganges beschränkt, keine „courte Ouvertüre en croissant", sondern 
eine lange, fast halbkreisförmige Spalte bildet, deren Seitenflügel 
sich weit an den Seitentheilen des vorletzten Umganges, denselben 
umfassend, herabziehen. In der Beschaffenheit des Nabels findet kein 
constanter irgend erheblicher Unterschied Statt. An großen Exem- 
plaren sind die letzten Kammern nicht selten durch tiefe, sehr schmale 
Nathfurchen abgegrenzt. 

Nonionina polystoma Costa *) ist wohl nichts als eine N. Sol- 
danii, deren Mündung durch feine Zwischenbrücken in eine Reihe 
von Mündungsporen zerschnitten ist, also den Polystomellencharacter 
an sich trägt. Denn man kann die Mündung der Nonioninen durch 
Zusammenfliessen einer Reihe von Porenmündungen in eine einzige 
Spalte entstanden denken oder umgekehrt. Auch an Wiener Exem- 
plaren beobachtet man in der Mündungsspalte bisweilen einzelne 
schmale Querbrücken. 



l ) 1. c. II. pag. 210. Taf. 14, Fig. 10. 



106 Ron ss. 

2. N. perforata d'Orb. 

d'Orbigny I. c. pag. 110. Taf. 5, Fig. IC — 18. 

Solu- selten im Salzthon. Im Leithakalk des Wiener Beckens. 
Vereinzelt im Oberoligocän. 

N. punctata d'Orb. i) halte icli für nicht verschieden. Im 
Umriß des Gehäuses, in der Zahl und Gestalt der Kammern findet 
vollkommene Übereinstimmung Statt. An N. perforata sind die die 
Sehale durchsetzenden Poren keineswegs so groß und wenig zahl- 
reich, wie die Abbildung d'Orbigny's darstellt, sondern dieselbe 
stimmt vielmehr auch darin mit N. punctata überein. Ich habe mich 
davon auch an Orbigny 'sehen Originalexemplaren überzeugt. 

3. N. communis d' Orb. 

d'Orbigny L e. pag. 106. Taf. S, Fig. 7, 8. — N. Boueana d'Orbigny 
1. c. pag. 108. Taf. 5, Fig. H, 12. 

Über die Zusammengehörigkeit beider Species, die durch zahl- 
reiche Mittelformen verbunden werden, habe ich das Nöthige schon 
an einem anderen Orte beigebracht 2 ). 

Die Art, welche den älteren Namen: N. communis führen muß, 
kömmt nur selten im Salzthon und Steinsalz vor. Dagegen ist sie im 
Tegel und Leithakalk des Wiener Beckens verbreitet, so wie im 
Pliocän und lebend in den heutigen Meeren. 

Polystomella La in. 

1. P. crispa Lam. 

d'Orbigny 1. c. pag. 125. Taf. 6, Fig. 9—14. 

Häufig im Salzthon und Steinsalz von Wieliczka, sehr selten im 
Steinsalz von Thorda in Siebenbürgen. Verbreitet im Miocän (im 
Tegel und besonders im Leithakalk des Wiener Beckens), im Pliocän 
und in den heutigen Meeren. Sehr selten im Mitteloligocän. 

2. P. Fichteliana d'Orb. 

d'Orbigny 1. c. pag. 125. Taf. 6, Fig, 7, 8. 

Sehr selten im Salzthon und Steinsalz. Im Tegel und Leitha- 
kalk des Wiener Beckens, so wie sehr selten im gypsführenden Mer- 
gel von Kathrein bei Troppau. 



1) I. c. pag. 11. Taf. 5, Fig. 21, 22. 

z ) Sitzuugsber. d. k. Akad. d. Wissensch. Bd. 42, pag. 357; Bd. 60 3 pag. 45. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablag-erung von Wieliczka in Galizien. 107 

k) Nummulitiilea. 

Amphistegina d'Orb. 

1. 1. Hauerina d'Orb. 
d'Orbigny 1. c. pag. 267. Taf. 12. Fig. 3— S. 

Sehr selten im Salzthon. In ungeheuerer Menge zusammen- 
gehäuft im Leithakalk, besonders in der höheren Amphisteginenzone 
desselben, selten im Tegel (häufiger noch im oberen Tegel) des 
Wiener Beckens. 

Heterostegina d'Orb. 
1. H. costata d'Orb. 
d'Orbigny 1. c. pag. 212. Taf. 12, Fig. lo-16. 

Sehr selten im Steinsalz. Häufig im Leithakalk und oberen 
Tegel, selten im unteren Tegel des Wiener Beckens. 



II. AMTHOSOE^f. 
Ich habe bisher nur eine Species von Anthozoen aus dem stein- 
salzführenden Gebilde von Wieliczka kennen gelernt. Sie gehört der 
Familie der Turbinoliden aus der Abtheilung der Anthozoen mit un- 
durchbohrten Wandungen an, und zwar der Gruppe der Caryopbyl- 
liden. Nie habe ich sie im Salzthone gefunden, sondern stets im festen 
körnigen, bisweilen fast durchsichtigen Spizasalze. So häufig sie 
darin auftritt, so gelang es mir doch nie, ein wohl erhalten es Exem- 
plar anzutreffen. Sie waren sämtlich verdrückt, woran wohl die 
während desKrystallisirens der Salzmasse stattfindenden Bewegungen 
grossentheils die Schuld tragen dürften. 

Caryophyllia Stokes. 
1. ('. salinaria Rss. (Taf. 5, Fig. 6—9.) 
Cyathina salinaria Reuss d. foss. Polyp, d. Wiener Beckens in Haidin- 
ger's gesanim. naturwiss. Ablidlg. II. pag. 15. Taf. 2. Fig. 1 — 4. 

Sie liegt im Spizasalze der Kammer Hrdina in einer Tiefe von 
etwa 97 Klaftern in Begleitung von Coniferenzapfen , kleinen Mol- 
lusken und zahlreichen Foraminiferen. Ihr Inneres ist mit Steinsalz 
erfüllt, welches durch sein Krystallisiren die zerbrechlichen Septal- 
lamellen stets zertrümmert und vielfach verschoben hat. Bei dem 
gänzlichen Mangel wohlerhaltener Sternzellen führte mich nur die 
Untersuchung mehrerer Verticalschnitte zur endlichen Feststellung 
der Gattung. 



1 S Rens s. 

Das größte beobachtete Exemplar besitzt 4 Zoll Länge bei etwa 
1-2Ö — l!i Zoll Dicke am oberen Ende. Das kalkige Gerüste ist ver- 
längert kreisel-keulenförmig, oft verbogen, im unteren Tlieile walzig, 
im oberen gewöhnlich sehr breit-elliptisch im Querschnitte. Eine 
größere Verschiedenheit der Queraxen bildet sich nur als Folge 
mechanischer Compression hervor. Die Schale verschmälert sich nach 
unten nur sehr allmälig oder sie zieht sich am unteren Ende des 
oberen Drittheils oder in wenig tieferem Niveau rasch etwas zu- 
sammen, so daß vom Körper gleichsam ein mehr weniger langer, 
sich nur langsam verdünnender Stiel sich abgrenzt. Stets aber war 
das untere Ende mit einer ziemlich breiten Fläche aufgewachsen. 

Die sehr breit-elliptische Sternzelle ist ziemlich tief. An er- 
wachsenen Exemplaren zählt man gewöhnlich 72 Septallamellen, - — 
5 Cyclen, von denen jedoch der letzte nur zur Hälfte entwickelt er- 
scheint. Von den Lamellen reichen 18 — die ersten zwei Cyclen und 
die Hälfte des dritten — , gleichmäßig entwickelt, bis zur Sternaxe. 
Zwischen zwei derselben liegen beinahe stets je drei kleinere, deren 
mittlere bis über die Mitte der Sternhöhlung hineinreichen, die beiden 
seitlichen aber sehr dünn und kurz sind. Auf den Seitenflächen zeigen 
sie durchgehends ungleiche feine bogenförmige, gegen die Axe herab- 
gebogene Linien, welche dem oberen bogenförmigen freien Rande 
der Lamellen parallel laufen. Die darauf vorhandenen Höckerchen 
sind aber sehr klein und flach, regellos zerstreut und stehen sehr 
weit von einander ab. 

Vor den Radiallamellen mittlerer Größe — also vor der Hälfte 
des dritten und des vierten Cyclus — stehen breite dünne, oben 
bogenförmige Kronenblättchen, gewöhnlich 18 an der Zahl, deren 
Seitenflächen in ihrer Beschaffenheit mit jenen der Septallamellen 
übereinstimmen. Im unteren Theile wird ihre Abgrenzung von diesen 
durch einzelne in einer Verticalreihe stehende kleine runde Löcher 
angedeutet; im oberen sind sie durch einen tiefen Einschnitt davon 
getrennt. 

Die Axe der Sternzelle besteht, wie man sich an in senkrechter 
Richtung zerbrochenen Exemplaren überzeugt, aus ziemlich dicken 
unregelmäßig gewundenen Säulchen, die durch ebenso regellose 
Trabekeln untereinander und mit dem Septalapparate zusammen- 
hängen. Daher zeigen Querschnitte, die durch den unteren Theil des 
Gehäuses gelegt sind, eine anscheinend grob-spongiöse Axe. Die Zahl 



Die fossile Fauna der Steinsalzablag-erung' von Wieliczlca in Galizien. 109 

der vorhandenen Columellarsäulchen bin ich jedoch wegen des sehr 
unvollkommenen Erhaltungszustandes der Sternzellen nicht im Stande 
anzugeben. 

Die Beschaffenheit der Außenwand wechselt an verschiedenen 
Exemplaren sehr. Doch stets ist der untere Theil derselben ganz 
glatt. Im oberen Theile beobachtet man bisweilen 18 scharfrückige 
dachförmig abschüssige, ziemlich hohe, weit von einander abstehende 
Längsrippen, welche je drei viel" flachere und stumpfere Rippen 
zwischen sich aufnehmen, die nicht selten eine Reihe unregelmäßiger 
kleiner Körner tragen. In den Zwischenrinnen dieser letztgenannten 
Rippen läuft noch je ein erhabener Streifen herab. Nach abwärts 
verflachen sich sämtliche Rippen allmählig und verschwinden end- 
lich ganz. 

Oft sind jedoch die scharfen Rippen nur auf einen kleinen, dem 
Sternrande zunächst gelegenen Theil der Wandung beschränkt. Im 
tieferen Theile treten nur 18 flache Rippchen hervor, deren breite 
seichte Zwischenrinnen nur senkrechte Streifen darbieten. Zuweilen 
sind diese Rippen etwas knotig. 



III. ECHIXODERUIEX. 

Die im Steinsalze und Salzthone gefundenen Echinodermenreste 
beschränken sich auf Bruchstücke von Stacheln, die ich hier nur kurz 
namhaft machen will, ohne den Versuch zu wagen, sie bestimmten 
Gattungen oder gar Arten zuweisen zu wollen, — ein Versuch , der 
bei dem Abgange aller anderen characteristischen Theile und bei dem 
sehr fragmentären Vorkommen der Stacheln selbst sehr gewagt wäre 
und zu keinem sicheren Resultate führen könnte. 

Am häufigsten sind Fragmente von Stacheln, die mit den von 
Eichwald *) dem Spatangus Desmaresti v. M. zugewiesenen 
Stacheln von Zukowce übereinstimmen mögen. Einem Spatangus 
dürften sie wohl angehören, um so mehr, als in ihrer Gesellschaft 
auch ein Schalenstück der Unterseite, 7 Millim. breit und 4*5 Millim. 
lang, mit größeren und kleineren Warzen und reihenweise stehenden 
sehr feinen Körnchen besetzt, gefunden wurde. Über die Identität 
der polnischen Reste mit dem obereocänen Sp. Desmaresti von 



*) Eichv/ald, Lethaea rossica III, pag. 46. T. 3, Fig. 3. 



HO 



R e 11 s 



Osnabrück 1 ) hat aber schon Desor 8 ) seinen Zweifel ausge- 
sprochen. 

Die Stacheln sind dünn und nehmen nach oben nur sehr langsam 
an Dicke ab. Bei dem Mangel eines vollständigen Exemplares läßt 
sich über ihre Totallänge kein Ausspruch thun. Ihre Oberfläche ist 
mit Längsrippen bedeckt, die durch doppelt schmälere Furchen ge- 
schieden werden. An nicht sehr abgeriebenen Exemplaren beobachtet 
man, daß diese Längsrippen sein' fein und seicht gekerbt sind. Der 
deutlich vorspringende Kragen ist schärfer gekerbt. Der unter dem- 
selben befindliche, kurze cylindrische Basalttheil des Stachels er- 
scheint, bei schwacher Vergrößerung untersucht, glatt, unter dem 
Mikroskop aber fein und unregelmäßig gekörnt. 

Viel seltener begegnet man Bruchstücken anderer Stacheln, die 
aber noch mangelhafter sind, als jene der vorigen Species, indem 
ihnen das Gelenksende stets fehlt. Sie sind auch dünner und schlan- 
ker, verschmälern sich nach oben nur wenig und endigen dort stumpf. 
Stets sind sie schwach zusammengedrückt, so daß ihr Querschnitt 
eine breite Ellipse darstellt. Die Oberfläche ist mit vertieften Längs- 
streifen bedeckt, wodurch sie in aneinander gedrängte Rippen mit 
ebenem Rücken getheilt wird, die zahlreicher und feiner sind als bei 
der vorigen Species. Von einer Körnung derselben ist nichts wahr- 
zunehmen. 

Von einer dritten Art von Stacheln liegen nur wenige Bruch- 
stücke vor. Sie sind sehr klein und schlank, in ihrer gesamten 
Länge gleich dick, fein längsgestreift und schwach gekrümmt. Der 
Kragen ragt an ihnen scharf hervor. 

Endlich liegt noch ein Basalbruchstück vor, das einer vierten 
Species angehören dürfte. Der Kragen bildet daran eine sehr starke 
und scharfe, etwas schräg kreisförmige Hervorragung. Der übrige 
Theil ist sehr dünn, gerade, cylindrisch und zart längsgefurcht. 



IV. ANNEHLIÖEN. 

Die gefundenen Fossilreste aus dieser Thierclasse beschränken 
sich auf Fragmente einer stielrunden, regellos zusammengeknäuelten, 
schwach ringförmig gestreiften Serpula, welche mit der S. gordialis 



i ) Goldfuss, Petrefucta Germaniae I. pag. Iö3. T. 47, Fig. 
z ) l) esor, Synopsis des echinides foss. pag. 421. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerllng■ ron Wieliczka in Galizien. 111 

Schloth. sp. Ähnlichkeit besitzt. Eine genauere Bestimmung ist 
nicht durchführbar. Die seltenen Bruchstücke wurden aus dem Stein- 
salze ausgewaschen. 



V. BRYOZOEM. 

A. Chilostomata. 

1. Articulata. 

a) Cellulariclea. 

Canda Lam. 

1. C. granulifera Rss. sp. 

d'Orbigny paleontoL frans. Terr. cretac. V. pag. 332. — Bactridium 
granuliferum Rss. d. foss. Polyp, d. Wiener Tertiärbeckens pag. 06. 
Taf. 9, Fig. 6. — Bicellaria granulifera Rss. in d. Zeitschr. d. deutsch, 
geol. Ges. 1851. pag. 16a. 

Im Salzthone von Wieliczka fand ich nur einzelne Bruchstücke 
dieser schönen Species. Sie bildet zarte zusammengedrückte gabel- 
ästige Stämmchen, an denen die oval-rhomboidalen, im untern Theile 
nur wenig zusammengezogenen Zellen in zwei alternirenden Längs- 
reihen stehen und auf beiden Seiten der Stämmchen durch schmale 
aber deutliche Furchen gesondert werden. Die auf der Vorderseite 
liegenden Mündungen sind groß, elliptisch, am unteren Ende bis- 
weilen abgestutzt, von einem breiten etwas erhabenen, nach innen 
abschüssigen Rande umgeben. Sein unterer Theil verbreitert sich bis- 
weilen und stutzt dann die Mündung mehr oder weniger deutlich ab. 
Am obern äußeren Ende des Randes sitzt eine große körnige Hervor- 
ragung, welche zur Bildung eines winkligen Vorsprunges Veranlassung 
gibt. Andere kleine Körner (2 — 3) beobachtet man auf der oberen 
und inneren Seite des Randes. 

Auf der Rückenseite der Stämmchen sitzt im oberen äußeren 
Winkel jeder Zelle ein conischer Vibracularhöcker, der an der Spitze 
von einer länglichen Öffnung durchbohrt ist. 

Die Schalenoberfläche läßt bei starker Vergrößerung zarte 
Körnchen und Poren erkennen. 

Ich fand diese Species bisher bei Nußdorf, Enzersdorf , Steina- 
brunn, Kostel, Grossing, Eisenstadt, Mörbisch, Rust, also durch- 
gehends im Leithakalk; überdieß in gleichem Niveau bei Miechowitz 
in Oberschlesien, so wie auch bei Castellarquato. 



112 R e u s s. 

h) Nalicornaritlca« 

Salicornaria Cuv. 

1. S. marginata Gold f. sp. 

Reu ss in d. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 50. Zur Fauna 
des deutschen Oberoligocäns II. pag. 16. Taf. 14, Fig. 9. — Glauco- 
nome marginata Goldfuss Pefref. Germ. I. pag. 100. Taf. 36, Fig. 5. 
— Vincularia Reussi et V. submarginata d' Orb. Paleont. franc. Terr. 
cretac. V. pag. 60. 

Diese von S. crassa Busk ans dem englischen Crag kaum ver- 
schiedene Species findet man im Steinsalz in sehr zahlreichen Bruch- 
stücken. Im Salzthon kömmt sie nur selten vor. In den Miocän- 
schichten des österreichischen Terticärbeckens, besonders in den 
bryozoenreichen Schichten des Leithakalkes ist sie weit verbreitet 
(Nußdorf, Enzersdorf, Eisenstadt, Niederleis, Mörbisch, Steina- 
brunn u. s. w.). Überdies bei Castellarquato , bei Miechowitz in 
Oberschlesien, auf der Insel Rhodus; seltener im Ober- und Mittel- 
oligocän. 

2. S. rhombifera Goldf. sp. 

Reuss in d. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 50. II. pag. 15. 
Taf. 14, Fig. 7. 8, 40. — Glauconome rhombifera Goldfuss petref. 
Germ. 1. pag. 100. Taf. 36, Fig. 6. — Vincularia rhombifera d 'Or- 
big ny, Prodr. d. paleont. strafigr. II. pag. 396. no. 1159. — Eich- 
wald Leth. ross. III. pag. 36. Taf. 2, Fig. 27. 

Seltener als die vorige Art. Auch verbreitet im österreichischen 
Miocänbecken, bei Zukowce in Polen, bei Castellarquato, auf der 
Insel Rhodus, im Ober- und Mitteloligocän. 

Cellaria Ell. et Soll. 

1. C. Michelini Rss. 

Reuss d. Polyp, d. Wiener Tertiärbeck. pag. 61. Taf. 8, Fig. 1, 2. — 
Stoliczka, Foss. Bryoz. aus d. tert. Grünsandst. d. Orakei-Bucht bei 
Auckland. pag. 146. — C. fragilis Michelin, Iconogr. zoopliyt. pag. 
175. Taf. 46, Fig. 21. non Defrance. — Vincularia Michelini d' Or- 
bigny, Paleont. franc. Terr. cret. V. pag. 59. 

Diese Species stimmt wahrscheinlich mit der lebenden C. cereoi- 
des Ell. et Sol. *) überein, deren Namen sie, sobald die Identität 
mit völliger Sicherheit nachgewiesen sein wird, führen muß. 



i) Corall. 1787, pag. 26. Fig. b B. C. D. E. 



Die fossile Fauna der Steinsalz ablagerung von Wieliczka in Galizien. j 1 3 

An den jüngeren Stämmchen ist die Mündung röhrenförmig vor- 
gezogen und nach außen gebogen, an den älteren dagegen nur von 
einem ringförmigen Rande umgeben. Dadurch verliert die von Busk., 
der den alten wohlbegründeten Gattungsnamen Cellaria ganz besei- 
tigt, vorgenommene Trennung in Onchopora und Tubucellaria allen 
Halt. Unterhalb der Mündung steht am oberen Theile des Zellen- 
bauches fast stets eine größere Nebenpore. 

Die Species ist im österreichischen Tertiärbecken weit ver- 
breitet. Man findet sie bei Nußdorf, Eisenstadt, Rust, Mörbisch, 
Koste!, Garschenthal, Wurzing, St. Nikolai, Großing u. s. w. , also 
überall im Leithakalk; ferner bei Asti, Castellarquato, Pisa u. dgl., 
sehr selten im Unteroligocän. Im Steinsalze von Wieliczka habe ich 
nur sehr vereinzelte Bruchstücke angetroffen. 

2, Inarticulata. 
a) Incrustantia. 
a) Membraniporidea, 
Lepralia John st. 

1. L. Heckeli Rss. 

Cellepora Heckeli Reuss I. c. pag. 85. Taf. 10, Fig. 10. — Reptoporellina 
Heckeli d' Orbigny paleont. franp. Terr. cretac. V. pag. 447. 
Seltene kleine abgeriebene Bruchstücke im Steinsalz. Im oberen 
Tegel des Wiener Beckens (Grinzing). 

|3) Celleporidea. 
Celleporaria Lamx. 

1. C. globularis Bronn. 
Cellepora globularis Bron n. Ital. Reise II. pag. 654. — Lethaea geognost. 
dritte Aufl. III. pag. 265. Taf. 35, Fig. 15. — Reuss 1. c. pag. 76. 
Taf. 9, Fig. 11—14. — Stoliczka 1, c. pag. 140. Taf. 20, Fig. 6. — 
Reptocelleporaria globularis d' Orbigny Paleont. franf. Terr. cret. V. 
pag. 422. 

Kleine Knollen im Steinsalze. Überall im Tegel und Leithakalk 
des Wiener Beckens verbreitet. Häufig mioeän, plioeän und lebend. 
Selbst im unteren Oligocän. 

Unter dem Namen C. globularis sind ohne Zweifel verschiedene 
Species zusammengefaßt und eine sorgfältige Revision ist unerläßlich. 
Vor Allem müssen die von mir 1. c. T. 9, Fig. 15 abgebildeten ästi- 
gen Formen davon geschieden werden. Der schlechte Erhaltungs- 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Abth. 8 



114 Reuss. 

zustand der stets abgeriebenen Wieliezkaer Exemplare erlaubt es 
jedoch nicht, zu bestimmen, welcher Art sie mit Gewißheit ange- 
hören, leb habe sie daher noch mit obigem bisher allgemein ge- 
brauchten Namen bezeichnet. In eine schärfere Sichtung werde 
ich an einem anderen Orte einzugehen Gelegenheit finden. 

b) Dendroideae. 

a) Escharidea. 
Eschara Ray. 

1. E. undulata Rss. 

Reuss 1. c. pag. 68. Taf. 8, Fig. 24. 

Nicht selten im Steinsalze. Im Leithakalke (Eisenstadt, Nuß- 
dorf, Kostel u. s. w.). 

2. E. polymorpha Rss. 

Reuss in d. Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 25, pag. 66. Taf. 

8, Fig. 8—10. 

Die vorliegenden kleinen Bruchstücke aus dem Steinsalze stimmen 
vollkommen mit der 1. c. Taf. 8, Fig. 9 dargestellten mitteloligocänen 
Form überein. Andere Formen finden sich im mioeänen Leithakalke 
verschiedener Localitäten nicht selten. Es ist wahrscheinlich , daß 
auch E. polystomella Rss. *)> die aber nicht vollkommen treu abge- 
bildet ist, in den Formenkreis dieser ohnedieß sehr vielgestaltigen 
Species gehört. 

3. E. Grotriani Rss. 

Reuss in d. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. SO, pag. 43. 
Taf. 12, Fig. 3. — Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 25, 
pag. 66. Taf. 6, Fig. 1. 

Aus dem Steinsalz wurde ein wohlerhaltenes Bruchstück ausge- 
waschen. Die Species kömmt häufig im MitteloJigocän von Söllingen, 
sehr selten im Oberoligocän vor. Im Miocän war sie bisher noch nicht 
beobachtet worden. 

Hemieschara (Hemeschara Busk. pars.) 

In meiner 1847 publicirten Beschreibung der fossilen Poly- 
parien des Wiener Tertiärbeckens habe ich unter dem Defrance'- 
schen Gattungsnamen Vaginipora mehrere von einander sehr ab- 



') Reuss d. Polyp, d. Wien. Tertiärbeckens pag. 70. T. 8. Fig. 27, 28. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 1 1 O 

weichende Bryozoenreste vereinigt. Dieser Vorgang kann schon deß- 
halb nicht gebilligt werden , weil VaginiporaD efr. eine völlig un- 
klare und unhaltbare Sippe ist. Meiner Ansicht nach wird man die- 
selbe ebenfalls der Gattung Hemieschara beizählen müssen, da der 
innere Cylinder mit dem äußeren gar nicht zusammenhängt und in 
keiner näheren Beziehung steht, sondern eben nur zufällig darin 
steckt. Es ist jedenfalls am gerathensten , von der Defrance'schen 
Gattung, die auf zwei nur zufällig nebeneinander befindliche fossile 
Körper gegründet ist, für die Zukunft ganz abzusehen. 

Aber abgesehen davon, sind die von mir 1. c. unter Vaginipora 
vereinigten fossilen Beste von sehr verschiedener Natur. So ist z. B. 
V. polystigma Bss. !) ohne allen Zweifel identisch mit dem in den 
oligocänen, besonders in den oberoligocänen Schichten Deutschlands 
so verbreiteten Myriozoum punctatum Phil. sp. 2 ). 

V. texturata, geminipora und fissurellaR ss. dagegen gehören 
in jene Gruppe von Arten, die Busk unter dem allgemeinen Namen 
Hemeschara zusammenfaßt. 

Aber auch in Beziehung auf diese herrscht in den bisherigen 
bryozologischen Schriften eine heillose Unordnung, die nur durch 
eine wiederholte genaue Untersuchung der zahlreichen fossilen und 
der weit spärlicheren lebenden Arten ihre genügende Lösung finden 
kann. Eine sehr große Anzahl der schönsten Formen hat Orbigny 
in seiner Paleontologie fran^aise (Terr. cretac.J beschrieben , die- 
selben aber zugleich in eine Menge wenig scharf geschiedener Gat- 
tungen zersplittert, welche nicht beibehalten werden können. 

Im Allgemeinen kommen alle diese Körper darin überein, daß 
sie einschichtige Zellenausbreitungen darstellen, welche aber nicht 
mit ihrer ganzen Bückenseite auf anderen Körpern aufgewachsen, 
daher nicht incrustirend sind, sondern, nur mit ihrer Basis angeheftet 
mit dem übrigen Theile sich frei erheben, entweder blättrig -lappige 
oder baumförmig-ästige Formen bildend. Besonders bei den letzten 
laufen die Blätter oft kreisförmig in sich selbst zurück und stellen 
dann hohle Cylinder dar, welche sich nicht selten baumförmig ver- 
zweigen. Dergleichen sind Semieschara cylindrica und arbörea 



!) L. c. pag. 73. Taf. 9, Fig. 2. 

z ) Reuss in den Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch. Bd. 50. II. pag. 50. 
Taf. 9, Fig. 2. 

8' 



116 H e 11 s s. 

d'Orb. •) u. a. m. Zu ihnen dürfte, auch Siphonella v. Hag. 8 ) 
zu rechnen sein. 

Die Hemiescharen sind daher gleichsam als freie in die Höhe 
wachsende Lepralien und Membraniporen oder als einschichtige 
Escharen und Hitlustren anzusehen und verhalten sich zu diesen 
gerade so, wie Diasfopora zu den incrustirenden Bcrenicea - Arten 
einerseits und den zweischichtigen Mesenteriporen anderseits. Seihst 
die zu hohlen Röhren zusammengerollten Arten finden in der gleich- 
artig gebildeten Diasfopora Lamourouxi, Waltoni u. a. ihre Wieder- 
holung. 

So klar im Ganzen die Stellung und Bedeutung von Hemieschara 
ist, so groß werden dagegen die Schwierigkeiten, welche sich erhe- 
ben, wenn man in eine schärfere Gruppirung der so vielgestaltigen 
hierher gehörigen Formen eingehen will. Es sind dieselben, welche 
bisher eine allen Anforderungen genügende Unterabtheilung der 
Gattung Eschara vereitelt haben. Deßhalb kann auch die der Zer- 
splitterung der Escharen entsprechende Eintheilung der Hemiescharen, 
wie sie d' Orbigny gibt, nicht gebilligt werden. Seine Gattungen 
Semieschara (1. c. V. pag. 364), Semiescharella (1. c. pag. 462), 
Semiescharellina (1. c. pag. 449), Semiescharinella (1. c. pag. 427), 
Semiescharipora (1. c. pag. 479), Semiporina (1. c. pag. 439), 
Flastrellaria (1. c. pag. 513), Semiflustrella (1. c. pag. 563) und 
Semiflustrina (1. c. pag. 576) können, da sie größtenteils auf 
unwesentlichen Unterscheidungsmerkmalen beruhen und nicht scharf 
von einander geschieden sind, nicht beibehalten werden. 

Stoliczkas) scheint, wiewohl er bei der Unterabtheilung der 
Escharen beinahe ganz den Orbigny 'sehen Grundsätzen huldigt, 
dies doch bei Hemieschara nicht zu thun. Er unterscheidet nämlich 
in dieser Gattung nach dem Vorgange von B usk 4 ) nur zwei Gruppen, 
deren eine der Gattung Membranipora , die andere der Gattung Le- 
pralia unter den incrustirenden chilostomen Bryozoen entspricht. 
Erstere besitzt Zellen, die im größten Theile ihres Umfanges geöffnet 
und mit einem erhabenen Rande eingefaßt sind (Membraniporen- 



1) L. c T. 710. Fig. 1-3 und 4, 5. 

2 ) v. Hagenow, Die Bryozoen d. Maastrichter Kreidebildung, pag. 83. 

3 ) Foss. Bryoz. aus d. tert. Grünsandst. d. Orakei-Bai b. Auckland pag. 127. 

4 ) The Crag Polyzoa in Paleontograph. Soc. f. 1857, pag. 77. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 117 

Zellen), während die Zellen der anderen convex und bis auf die 
Mündung durch eine Kalkwand geschlossen sind (Lepralien-Zellen). 
Es ist dies auch die einzige naturgemäß durchführbare Eintheilung. 

In Betreff der Benennung dieser zwei Abtheilungen aber scheint 
Stoliczka weniger consequent zu verfahren. Er betrachtet Semie- 
scharipora d 1 Orb. , welche durchgehends Formen mit krugförmigen 
Lepralienzellen umfaßt, als synonym mit Hemeschara Busk, was 
schon aus dem Grunde nicht gelten kann, weil Busk darunter 
sämtliche freiwachsende einschichtige blättrigästige Formen versteht 
ohne Unterschied der Zellenbeschaffenheit. Will man aber jede 
dieser beiden Gruppen als gesonderte Gattungen mit eigenen Namen 
belegen, so kann Escharipora d' Orb. wieder nicht als Bezeichnung 
für die Gruppe mit krugförmigen Zellen gewählt werden, da auch die 
Orbigny'schen Sippen Semiporina und selbst Semieschara einzelne 
derselben umfassen. Stoliczka zählt aber zu Escharipora Arten, 
die gemäß seiner eigenen Diagnose nicht dazu, ja überhaupt nicht 
zu Semieschara gerechnet werden können. Beide von ihm aus den 
Tertiärschichten der Orakei-Bucht bei Auckland beschriebenen Arten 
(£. porosa und marginata Stol. *) haben eine dicke poröse fiücken- 
wand, wie z. B. Crisina, Hornera u. a. , was sich mit den Charac- 
teren von Semieschara nicht verträgt. 

Noch weniger kann Semieschara d' Orb. als generische Bezeich- 
nung für die Arten mit Membraniporenzellen gelten, da auch Finstre l- 
laria, Semiflustrella, Semiflustrina u.. s. w. hieher gehörige Formen 
umfassen. Man müßte daher, um eine solche Bezeichnung annehmbar 
zu machen, den Orbigny'sehen Namen Begriffe von ganz anderem 
Umfange unterlegen und eine völlige Änderung der Diagnosen vor- 
nehmen, was aber wieder eine Quelle weiterer Verwirrung werden 
kann. Es bleibt jedoch der Consequenz wegen nichts anderes übrig, 
da man bei entgegengesetztem Verfahren auch Membranipora und 
Lepralia zu vereinigen genöthigt wäre. Ich bezeichne dalier, um 
nicht die Synonymie mit neuen Namen zu belasten , die Gruppe mit 
krugförmigen Zellen mit dem Gattungsnamen Hemieschara, während 
ich die Formen mit weit geöffneten Zellen — entsprechend der 
Gattung Membranipora — unter Flnstrellaria zusammenfaße, deren 
Umfang daher erweitert werden muß. 



L. c. pag. 128, 129. T. 19, Fig. 10—14. 



118 R e u 8 s. 

I. H. gcnünipora Rss. 

Vaginipora geminipora Reuss I.e. pag. 74. Taf. 9, Fig. 3, 4. — Semipo- 
porina geminipora d'Orbigny Pal. frang. Ten*, oret. V. pag. 440. 

Sie bildet gabelästige, bohle, cylindrische Stämmchen bis zu 
3 — 4"' Dicke. Die wenig gewölbten, mitunter ganz flachen, durch 
schmale seichte Furchen geschiedenen Zellen stehen in ziemlich 
regelmäßigen schrägen Reihen. Bisweilen werden sie jedoch sehr 
unregelmäßig. Am obern Ende steht die ziemlich große, runde, am 
Unterrande sich in eine Spalte verlängernde Öffnung, in deren Um- 
gebung die Zelle am gewölbtesten zu sein pflegt. Bald die rechte, 
bald die linke Seite der hinteren Zellen hälfte breitet sich in einen 
kleinen gerundeten Lappen aus, der eine kleine rundliche Avicular- 
pore trägt. An wohlerhaltenen Exemplaren sieht man sowohl diese, 
als die Mündung mit einem dünnen scharfen Rande umgeben. 

Doch fehlt an manchen Zellen der Seitenlappen samt den 
Nebenporen gänzlich. Die Oberfläche der Zellenwand ist von feinen 
regellos gestellten Poren durchstochen. 

In diesen Merkmalen stimmt unsere Species mit den generischen 
Characteren von Hemieschara vollkommen überein. Sie besitzt aber 
ein Merkmal, das an keiner der sämtlichen beschriebenen Arten hervor- 
gehoben wird. Auf der Rückenseite der Zellenschichte beobachtet 
man nämlich nicht nur, gleichwie bei allen Hemiescharen, die durch 
schmale Furchen angedeuteten Grenzlinien der einzelnen Zellen, 
sondern die glatte ebene Rückenwand jeder Zelle trägt noch beiläufig 
in der Mitte eine ziemlich große rundliche oder elliptische, von einem 
etwas verdickten Rande umgebene Öffnung, durch welche mithin das 
Zelleninnere mit der gemeinschaftlichen Centralhühlung des Stämm- 
chens c ommunicirt. In wiefern dieser besondere Bau etwa mit dem 
Hervorsprießen und dem Aufbau neuer Zellen in Zusammenhang zu 
bringen sei, müssen weitere Beobachtungen lehren. Denn es ist kaum 
wahrscheinlich, daß dasselbe, wie Orbigny 1. c. pag. 365 bei 
Semieschara lamellosa beschreibt, vermittelst einer vorgeschobenen 
eigenthümlichen Germinalplatte geschehe. Diese Annahme wird schon 
dadurch sehr unwahrscheinlich gemacht, daß die einzelnen Zellen 
sich leicht von einander trennen lassen: nicht nur der Länge, sondern 
auch der Quere nach. Auch ist dieselbe zur Erklärung des Fort- 
wachsens der Colonie durch Ansatz neuer Zellen überflüßig, da bei 
Hemieschara \ 9 gleichwie bei Lepralia, Biflustra , Eschara u. s. w. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 119 

an jeder Zelle deutliche Sprossencanäle wahrgenommen werden, 
durch welche dieselbe mit den Nachbarzellen in Verbindung steht, 
gewöhnlich je ein Canal für jede der umgebenden Zellen. 

Man findet die Species im Steinsalz nur in sehr seltenen, 
meistens sehr abgeriebenen kleinen Bruchstücken. Übrigens trifft 
man sie im Leithakalk von Eisenstadt, Mörbisch, Nußdorf und 
Grossing, sowie von Miechowitz in Oberschlesien. 

Flustrellaria (d'Orb.) 
I. Fl. texturata Rss. sp. 

d' Orbigny Paleontol. franp. Terr. cretac. V. pag. 51 5. — Vaginipora 
texturata Reuss. 1. c. pag. 73. Taf. 9, Fig. 1. 

Diese Species gehört in die zweite Gruppe der Hemiescharen 
in weitestem Sinne , welche der Gattung Membranipora unter den 
incrustirenden chilostomen Bryozoen entspricht und daher durch 
umrandete, in weitem Umfange geöffnete Zellen characterisirt wird. 
Auf die Gegenwart oder Abwesenheit der Avicular- oder Vibracular- 
poren wird dabei keine Rücksicht genommen. Es wird daher der 
Gattung Flustrellaria hier ein viel weiterer Umfang beigelegt, als von 
Orbigny, der nur die Formen ohne alle accessorische Poren darin 
zusammenfaßt, während er die mit verschiedenartigen Nebenporen 
versehenen Arten den Gattungen Semiflustrella und Semiflustrina 
zutheilt. Bei der Wandelbarkeit der letztgenannten Merkmale selbst 
innerhalb einer und derselben Zellencolonie ist es nicht möglich, die 
genannten Sippen scharf zu sondern. Ich fasse sie daher sämtlich 
in der Gattung Flustrellaria zusammen. 

Die in Rede stehende Species bildet hohle, gewöhnlich cylin- 
drische Röhren von verschiedenem, aber 3 — 4 Millim. nicht über- 
steigendem Durchmesser. Dieselben lassen auf der Aussenseite 8 — 20 
regelmäßig alternirende Längsreihen von Zellen wahrnehmen, die 
sich nach oben hin durch Einsetzen neuer vermehren. Die Zellen 
sind länglich hexagonal und durch sehr zarte Furchen von einander 
abgegrenzt. Den größten Theil ihres Umfanges nimmt eine große 
centrale, mehr weniger lang elliptische Mündung ein. Der schmälere, 
die Mündungen trennende Rand ist nach innen hin abschüssig. 

Die innere Fläche der Cylinder (die Rückenfläche der Zellen) 
läßt feine aber deutliche Furchen, die Abgrenzungen der einzelnen 
Zellen, wahrnehmen, ist aber im ganzen Umfange geschlossen. Die 



120 n e u 3 s. 

eigenthümlichen Öffnungen, die bei Hemiesckara geminipora Bss. in 
der Hinterwand der Zollen vorhanden sind, fehlen ihnen. Zuweilen 
sind die röhrenförmigen Zellencolonien zusammengedrückt, seihst 
so stark, daß die centrale Höhlung verschwindet und zwei mit dem 
Rücken sich berührende Zellenschichten wahrnehmbar werden. 
Solche Partien tragen die Charactcre einer Biflustra an sich. Immer 
findet dies aber nur an einzelnen Stellen besonders der jüngeren 
Zweige Statt, wie wir dies auch an den überhaupt analoge Form- 
entwicklung zeigenden Diastoporen beobachten. 

5. Vincularidea. 

Vmcularia De fr. 

1. V. tetragona Goldf. sp. 
Glanconome tetragona Goldfuss I. pag. 100. Taf. 36, Fig. 7. 

Die Goldfuss'sche Species wurde schon von Blainville *) 
und später von Orbigny '*) mit V. fragilis Defr. aus dem eocänen 
Grobkalk von Grignon und Parnes für identisch erklärt. Aber ich 
halte diese Identität keineswegs für erwiesen. Die Abbildungen von 
V. fragilis 3 ) sind zu wenig genau, als daß man daraus mit Bestimmt- 
heit zu erkennen vermöchte, welche Species Defrance ursprünglich 
mit dem Namen V. fragilis bezeichnen wollte. Blainville deutet 
sogar an, daß dieselbe nur auf einer abgelösten einzelnen Zelienreihe 
einer Flustra? beruhen könne, da er in Defrance's Sammlung ein 
zweireihiges Exemplar sah. Dies würde sich nur durch Untersuchung 
der Originalexemplare entscheiden lassen. Bei Grignon und Par- 
nes kommen zwar nicht selten Bruchstücke einer vierkantigen Vin- 
cularia vor, die sich aber in manchen Details von der Goldfuss' 
sehen Species aus den Tertiärschichten von Osnabrück unterscheidet. 
Da aber die Wieliczkaer Fragmente damit vollkommen übereinstim- 
men, so halte ich mich für berechtigt, für dieselben denGo ldfuss'- 
schen Namen beizubehalten. 

Die Stämmchen sind schlank, im Querschnitte quadratisch, so 
daß auf jeder Seitenfläche nur eine Längsreihe von Zellen steht, 
wobei die benachbarten Reihen mit einander regelmäßig alterniren. 



i ) Manuel d : actinologie pag-. 454. . 
2 ) Prodrome de pale'ont. strat. II. pag. 396. Nr. 1156. 

*>) Dict. des sc. riat. Vol. 58. pag. 214; Atlas zoophytol. T. 45, Fig. 3 und daraus in 
BJainville I. c. T. 67, Fig. 3. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung- von Wieliczka in Galizien. 121 

Die einzelnen Zellen sind liexagonal und werden durch feine Quer- 
furchen geschieden. Sie werden rings von einem hreiten, nach innen 
abschüssigen erhabenen Rande umgeben, der ein elliptisches oder 
gerundet-hexagonales eingedrücktes Feld — den oberen Zellen- 
bauch — umschließt. Das obere Drittheil derselben nimmt die halb- 
runde, unten abgestutzte Mündung ein. Die Beschaffenheit der 
Zellenoberfläche läßt sich an den abgerollten Bruchstücken nicht 
erkennen. 

B. Cyclo st omata. 

1. Articulata. 

a) Crisidea. 

Crisia Lamx. 

1. Cr. Hörnesi R s s. 

Reussl. c. pag. 54. Taf. 7, Fig. 21. — Dcnksch. d. kais. Akad. d. Wiss. 
Bd. 25, pag. 75. Taf. 11, Fig. 12. 

In der Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft 18ol , 
pag. 170 habe ich diese Species irriger Weise mit Cr. Edwardsi 
Rss. vereinigt. Beide sind durch deutliche Merkmale gesondert, wie 
dies schon an einem anderen Orte auseinandergesetzt wurde. Auf 
der Rückenseite der Stämmchen scheinen bei starker Vergrößerung 
die Grenzlinien der beiden Zellenreihen durch. 

Die Species findet sich nicht gar selten im Steinsalz, sehr selten 
im Salzthon. An einzelnen Stämmchen beobachtete ich auch hier 
die eigenthümlichen Zellen , die ich als Coelophyma glabrum *) 
beschrieben habe. Wiewohl von Orbigny als Eierbläschen betrach- 
tet und von Stoliczka 2 ) für heteromorphe Zellenbildungen ange- 
sehen, sind sie bisher doch noch immer räthselhaft. Auch ich habe 
sie bisher hauptsächlich nur bei cyclostomen Bryozoen aus den 
Gattungen Hörnern, Tubijpora, Idmonea, Crisina, Crisia, selten an 
chilostomen Bryozoen (an Retepora) angetroffen. An den Crisien 
sitzen sie bald an der Vorder-, bald an der Hinterseite der Stämm- 
chen. Nie münden sie nach außen, aber auch nach innen mit den 
Zellen der die Unterlage bildenden Bryozoe konnte ich in keinem Falle 
eine Communication entdecken. Auch zeigen die Coelophymen ver- 
schiedener Bryozoen dieselbe Beschaffenheit. 



!) Reuss, Polyp, d. Wiener Tertiärbeckens pag. 99. Taf. 11, Fig. 28. 
2 ) Verhandlungen der zool.-hot. Ges. 1862. pag. 101 — 104. 



1 2 2 R e u s s. 

Cr. Hörnest ist allgemein verbreitet im Leithakalk (Eisenstadt, 
Rust, Mörbisch, Kostel, Enzersdorf, Stein abrunn , Freibichl, Krois- 
bach, S. Nicolai, Grossing u. s. w.), sehr selten im Tegel von Baden. 
Bei Casteir arquato. Vereinzelt im Mitteloligocän. 

2. Cr. Edwardsi Rss. 

Reu ss 1. c. pag. 53. Taf. 7, Fig. 20. — Denkschr. d. kais. Akad. d. 
Wissensch. Bd. 25, pag. 191. Taf. 11, Fig. 16. 

Überall in Gesellschaft der vorigen Art. Im Steinsalze häufig. 

3. Cr. Haueri Rss. 

Reuss ]. c. pag. 54. Taf. 7, Fig. 22—24. — Sitzungsber. d. kais. Akad. d. 
Wissensch. Bd. 50. II. pag. 54. Taf. 15, Fig. 6—8. — Crisia gracilis 
Römer, Polyp, d. norddeutsch. Tertiärgeb. in d. Paläontograph. IX. 
pag. 221. Taf. 37, Fig. 3. 

Diese der lebenden Cr. eburnea sehr verwandte Species findet 
sieh im Steinsalze nur sehr selten. Überdies im Leithakalke von 
Nußdorf, Enzersdorf, Steinabrunn, Großing, ferner in den Sub- 
apeninenschichten von Castell'arquato, sehr selten im Ober- und 
Mitteloligocän. 

2. Inarticulata. 
1. Diastoporidea. 

Berenicea Lamx. 

I. B. subseriata Rss.? 

Es liegen aus dem Steinsalze nur sehr seltene kleine Bruch- 
stücke einer Species vor, die zwar mit keiner der bekannten über- 
einzustimmen scheint, die sich aber in zu fragmentärem Zustande 
befindet, um eine genaue Bestimmung zu gestatten. Die Zellen der 
dünnen einschichtigen Ausbreitungen sind lang, halbcylindrisch und 
erheben sich mit ihrem vordem Drittheil oder selbst mit der Hälfte 
ihrer Länge in schräger Richtung bedeutend über ihre Umgebung. 
Im älteren Theile der Ausbreitung sind sie nahezu reihenweise 
geordnet und decken sich theilweise dachziegelförmig. Weiter nach 
aussen aber erscheinen sie regellos zerstreut und einzelne derselben 
zeichnen sich durch ihre Länge aus. Besonders ist dies der Fall mit 
jenen, welche in die Zwischenrinnen der vorgenannten Zellenreihen 
zu liegen kommen. Die Mündungen sind rundlich oder breit -oval. 
Auf der Oberfläche der Zellenwand nimmt man Spuren von feiner 
ungleicher querer Anwachsstreifung wahr. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 123 

Will man. die Species vorläufig mit einem Namen bezeichnen, 
so würde der das auffallendste Merkmal, die zum Theile reihenweise 
Gruppirung der Röhrenzellen ausdrückende Name: B. subseriata 
am bezeichnendsten sein. 

2. Tubuliporidae. 

Tubulipora Lamk. 
1. T. congesta Rss. 

Reuss I. c. pag. 49. Taf. 7, Fig. 1 — 3. — Berenicea congesta d'Orbigny 
Paleontol. frar.j. Terr. cret. V. pag. 862. 

Ich stelle diese Species, die nur in kleinen Fragmenten im 
Steinsalze vorgekommen ist, nur vorläufig und mit Zweifel zur Gattung 
Tubulipora, von welcher sie sich durch ihren Habitus unterscheidet. 
Mit Berenicea, zu welcher sie rbigny zieht, vereinige ich sie nicht, 
weil sie durch die Gestalt und Anordnung ihrer Zellen davon wesent- 
lich abweicht. 

Sie bildet in der Regel kleine flache oder wenig gewölbte 
incrustirende Colonien von unregelmäßigem Umriß , die von einem 
excentrischen Punkte ausgehend, nicht blos vorwiegend nach einer 
Seite hin, sondern nach allen Seiten hin fortwachsen. Bisweilen, 
wahrscheinlich durch die Art der Unterlage bedingt, erhebt sich die 
Colonie in stärkerer Wölbung und nimmt die Gestalt eines kleinen 
Knollens an. Auf der Oberfläche stehen die runden, verhältnißmäßig 
großen Mündungen bald entfernt von einander, bald gruppenweise 
zusammengedrängt. Da wo sie sich berühren, wird ihr Umriß zu- 
weilen etwas polygonal. In den meisten Fällen besitzen sie eine ganz 
regellose Stellung; nur mitunter glaubt man unregelmäßige gekrümmte 
und vielfach unterbrochene Reihen wahrzunehmen. Meistens zeigen 
sie nur eine nicht sehr hohe ringförmige Umrandung; doch verlängern 
sie sich stellenweise zur kurzen Röhre. Die Zwischenräume der 
Zellen lassen keine Spur von Streifung und nur höchst selten eine 
undeutliche Begrenzung der Zellen durch Linien wahrnehmen. 

In der Physiognomie stimmt unsere Species einigermaßen mit 
Proboscina überein; nur verzweigen sich die viel kleineren Colonien 
nie ästig. Ebenso verräth sich in der Gestalt und Anordnung der 
Mündungen eine Ähnlichkeit mit manchen Formen von Entalophora, 
von welcher sie sich aber durch ihre incrustirenden Zellenstöcke 
unterscheidet. 



1 2 4 11 e U 8 8. 

Die Species findet sich im Leithakalk von Nußilorf, Mörbisch, 
Eisenstadt, Rust, Enzersdorf, Koste], Freibiehl, Garschenthal , sowie 
von Miechowitz in Oberschlesien. 

Entalophora Lamx. 
1. E. pulchella Rss. 

Oricopora pulchella R e u s s I. c. pag. 40. Taf. 0, Fig. 10. — Entalophora 
pulchella Reu ss in d. Denksehr. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 25. 
pag. 78. Taf. 9, Fig. o. — Entalophora clavula Reuss in d. Denksehr. 
d. kais. Akad. d. Wissenseh. Bd. 25, pag. 78. Taf. 9, Fig. 3, 4. (non 
Reuss Polyp- d. Wiener Tertiärbeck. pag. 41, Taf. 6, Fig. 11.) 

Im Steinsalze von Wieliczka liegen nur seltene kleine Bruch- 
stücke dieser veränderlichen Species. Die schlanken Stämmchen 
zeigen nicht selten die Mündungen in ziemlich regelmäßigen Spiral- 
reihen angeordnet; doch beinahe ebenso oft wird ihre Stellung mehr 
weniger regellos. Stets aber zeichnen sich die Zellen durch ihre 
Länge und Schlankheit aus. 

An den freien Enden verdicken sich die Äste kolbenförmig; die 
Mündungen rücken näher an einander und stehen zunächst dem 
oberen Ende beinahe dicht gedrängt. Ein solches Endstück eines 
Zweiges wurde in den Denksehr. d. k. Akad. d. Wissensch. abge- 
bildet, jedoch irriger V\ eise mit der sehr abweichenden E. clavula 
Rss. *) identificirt. 

Man findet die Species häufig im Leithakalk von Eisenstadt, 
Koste! , Großing, Mörbisch u. s. w. , ferner von Miechowitz in 
Oberschlesien, sowie bei Castell'arquato und im mitteloligocänen 
Septarienthon. 

3. Idmoneidae. 

Hornera Lamx. 

1. H. verrucosa Rss. 

Reuss, Polyp, d. Wien. Tertiärbeck. pag. 43. Taf. 6, Fig 22. (icon mal. 
eines abgeriebenen älteren Fragmentes.) — Reuss in d. Zeitschr. d. 
deutseh. geol. Ges. 1851. pag. 173. Taf. 9, Fig. 11. — Reuss in d. 
Denksehr. d. kais. Akad. d. Wissenseh. ßd. 25, pag. 197. Taf. 9, Fig. 
11. (jüngerer Zweig.) — Hornera hippolithus (L> e f r.) Reuss die 
Polyp, d. Wiener Tertiärbeck. pag. 43. Taf. 6, Fig. 23, 24. (z. größten 
Till.). — Reuss, Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 1851. pag. 173. — 
Filisparsa verrucosa d' rb ig n y, Paleont. franc. Terr. cret. V. pag. 816. 



i ) Reuss, Polyp, d. Wiener TertiärLeckens, pag. 41. Taf. 6, Fig-. 11. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 125 

Die im Steinsalze ziemlich häufig vorkommenden kleinen Bruch- 
stücke sind größtenteils so schlecht erhalten, daß sie eben nur die 
Gattung erkennen lassen. An der Vorderseite sind die Röhrenzellen 
gewöhnlich auf weite Strecken durch Abreibung geöffnet und auch 
die Rückenseite ist so tief abgerieben , daß sie keine Poren, sondern 
nur die Grenzlinien der Zellenröhren darbietet. Nur an einzelnen 
Bruchstücken sind die Speciescharactere noch besser erhalten und 
lassen erkennen, daß dieselben der in den österreichischen Tertiär- 
schichten verbreiteten Species angehören, welche ich früher mit dem 
Namen : H. hippolithus bezeichnet hatte. 

Was nun diese Species betrifft, so sollte man, wie d'Archiac *) 
richtig bemerkt, nach der Zahl der gegeb nen Abbildungen wohl 
meinen, daß sie genau bekannt sein müsse. Dies ist aber keineswegs 
der Fall. Die vorliegenden Abbildungen weichen so sehr von einander 
ab, daß man glauben möchte, es liegen ihnen sehr verschiedene Spe- 
cies zu Grunde, wenn nicht der sehr wechselnde Erhaltungszustand 
und die verschiedenen Altersstufen der abgebildeten Exemplare wenig- 
stens theilweise zur Erklärung dieser Differenzen genügten. Nicht zu 
rechtfertigen ist aber der Vorgang Orbigny's, der H. hippolithus 
Defr. von den Homeren ganz ausscheidet und zu seiner Gattung 
Filisparsa bringt, die durch eine völlig porenlose Epithek auf der 
Rückenseite characterisirt wird 3 ). Die Beschreibung Anderer und 
die eigene Untersuchung von Originalexemplaren von Grignon 
widersprechen dieser Ansicht vollkommen. Auch Hornera verrucosa 
Rss., bei welcher die feinen Poren der Rückenseite früher übersehen 
wurden, wird von Orbigny zur Gattung Filisparsa gebracht, wäh- 
rend sie nach meinen genauen Untersuchungen eine Hornera ist. 

Die früher von mir als H. hippolithus beschriebene Species 
steht derselben ohne Zweifel nahe, näher als der H. striataM. E dw. 3 ), 
von welcher sie sich schon durch die Beschaffenheit der Rückenseite 
der Stämmchen unterscheidet. Nach meiner Untersuchung gehört sie 
größtenteils der H. verrucosa Rss. an, welche in ihren verschie- 
denen Alterszuständen eine sehr verschiedene Physiognomie besitzt. 
Die älteren Abbildungen derselben sind unvollständig und mehr 



!) Me'm. de la soc. geol. de Fr. 2. Ser. III. 2, p. 408. 

2 ) Paleontol. franc. Terr. cret. V, p. 816. 

3 ) M. Ed ward's in Ann. d. sc. nat. IX. pag. 21. T. 11, Fig. 1. — ßusk the Crag 
Polyzoa. pag. 103. T. 15, Fig. 3. 



126 



R e ii s s. 



weniger unrichtig. Die in den Denkschr. d. k. Akad. d. Wiss. Bd. 25, 
Taf. 9, Fig. 9 gegebene Zeichnung stellt einen jugendlichen Zweig 
richtig dar. An alleren Zweigen werden die auf der Vorder- und 
Rückseite befindlichen Längsfurchen zahlreicher, weniger regelmäßig, 
öfters unterbrochen und gegen die Basis der Stämmchen hin seichter. 
Die ringförmig umrandeten Mündungen bleiben zwar immer verein- 
zelt, werden aber zahlreicher und verrathen stellenweise eine An- 
näherung zur Anordnung in Querreihen. Unterhalb und oberhalb 
jeder Mündung steht eine Nebenpore, die an älteren Zweigen ge- 
wöhnlich größer wird, als die Abbildung sie darstellt. Auch bemerkt 
man unterhalb der ersteren Pore nicht selten in derselben Längsreihe 
je nach der Länge der betreffenden Furche noch 1 — 2 kleinere Poren. 

Die Rückenseite ist mit Längsrippchen bedeckt, die an jüngeren 
Zweigen ziemlich regelmäßig, breit und hoch, beinahe scharfrückig 
sind, an älteren Stämmchen aber flacher, rundrückig, unregelmäßiger, 
kürzer werden und vielfach anastomosiren. Sie sind mit feinen spitzi- 
gen Körnern bedeckt, die aber an abgeriebenen Exemplaren ganz 
oder th eil weise verschwinden. Die Zwischenfurchen der Rippen zei- 
gen feine entfernte spaltförmige Poren. 

H. verrucosa findet sich häufig bei Nußdorf, Kroisdorf, Mör- 
bisch, Koste!, Großing, Steinabrunn, Enzersdorf u. s. w. ; so wie bei 
Miecbowitz in Oberschlesien. 

Crisina dOrb. 

1. Cr. pertasa Rss. sp. 

d'Orbigny Paleont. franp. Terr. cret. V. pag. 914. — Idmonea pertusa 
Reu ss Polyp, d. Wiener Terliärbeck. pag. 45. Taf. 6, Fig. 28. 

Verhältnismäßig breite, von vorne nach hinten zusammenge- 
drückte Stämmchen, die deshalb einen quer- elliptischen Querschnitt 
zeigen. Die Rückenseite pflegt etwas gewölbter zu sein als die Vor- 
derseite. Die Aste spalten sich unter stumpfem Winkel gabelförmig 
und sind nicht selten etwas nach rückwärts gekrümmt. Die Rücken- 
seite ist mit gedrängten regellos gestalteten , durch schmale scharf- 
rückige Zwischenwände gesonderten polygonalen Grübchen bedeckt, 
welche am Grunde von eckigen Poren durchstochen erscheinen. Auf 
der Vorderseite erheben sich an wohi erhaltenen Exemplaren die Mün- 
dungen in stark vorragenden kammartigen Querreihen, die, mit ihrem 
hinteren Ende sich etwas herabbiegend und zugleich etwas niedriger 



Die fossile Fauna der Steinsalzablag-erung- von Wieliczka in Galizien. 127 

werdend, bis an die Grenzen der Rückenfläche der Stämmclien 
reichen, denn zur Entwicklung von deutlich ausgesprochenen Seiten- 
flächen kömmt es nicht. Die vorderen Enden der Mündungsreihen 
sind durch eine ziemlich breite tiefe Medianrinne geschieden. 

Die mit ihren Rändern kettenartig verwachsenen Mündungen 
sind rundlich-vierseitig, gewöhnlich etwas in die Quere verlängert. 
An abgeriebenen Exemplaren verschwindet die Hervorragung der 
Mündungsreihen theilweise oder ganz und die Mündungen selbst 
nehmen eine in verticaler Richtung etwas in die Länge gezogene 
Form an. In der vordem Medianrinne, sowie in den Zwischenräumen 
der einzelnen Mündungsreihen ist keine Spur von Poren wahrzu- 
nehmen. Höchstens verrathen sich hin und wieder die zarten Grenz- 
linien der Röhrenzellen. 

Die Species ist im Steinsalze ziemlich gemein. Überdies kömmt 
sie im Leithakalke vieler Localitäten häufig vor. (Nußdorf, Eisen- 
stadt, Mörbisch, Kostel, Enzersdorf, Garschenthal , Großing, Kaien- 
berg und andere; Miechowitz in Oberschlesien). 

4. Cerioporidae. 

Heteropora Riain v. 
1. H. stellulata Rss. 

Reu ss foss. Polyp, d. Wiener Tertiiirbeck. pag. 33. Taf. ö, Fig. 21—22. — 
Multicrescis stellulata d'Orbigny, Paleont. franc. Terr. cret. V. pag. 
1075. 

Sie ist von sehr veränderlicher Gestalt, bald flach convexe 
scharfrandige Scheibchen bildend, bald sich höher erhebend zu 
knöpf-, pilz-, oder kurz und dick walzenförmigen Knollen mit senkrecht 
abfallendeu Seiten und gewölbtem oberen Ende. Dasselbe ist nur 
bisweilen und in geringem Umfange deprimirt. Die gesamte Ober- 
fläche erscheint von zweierlei Mündungen bedeckt. Eine Art der- 
selben ist größer als die anderen, rundlich oder elliptisch und von 
einem vorragenden Rande umgeben, der bei den im erhabensten Theile 
der Colonie gelegenen am höchsten ist, so daß diese warzenförmig 
vorragen. An den tiefer gelegenen Mündungen nimmt die Umrandung 
allmälig an Höhe ab. Was ihre Stellung betrifft, so sind sie ge- 
wöhnlich regellos zerstreut; nur bisweilen läßt sich eine Annäherung 
an eine reihenweise Anordnung in radialer Richtung nicht verkennen. 

Die Zwischenräume dieser größeren Mündungen sind von klei- 
neren accessorischen Poren erfüllt, die meistens weniger regelmäßig 



I '28 R e ii s S. 

gestaltet sind. Sie zeigen in der Regel eine ziemlich symmetrische 
Anordnung, indem jede größere Mündung von einem Kranze von 
o — G kleineren Poren eingefaßt erscheint. Diese besitzen nur eine 
sehr schwache Umrandung und auf den schmaleren Zwischenrändern 
verlauf! eine feine Grenzfurche. 

Auf dem Querhruche knopfförmiger Colonieen erkennt man, daß 
sie aus mehreren übereinander gelagerten Schichten bestehen, mit 
deren Zahl auch die Erhebung des Zellenstockes zunimmt, da jede 
Schichte in der Mitte dicker ist als an der Peripherie. 

Die Species scheint nur sehr selten im Steinsalze von Wieliczka 
vorzukommen. Häufiger tritt sie im Leithakalke von Kostel, Mörbisch, 
Eisenstadt, Neustift u. a., im Sande von Satschan in Mähren, endlich 
bei Miechowitz in Oberschlesien auf. 

2. H. globulus Rss. 

Ceriopora globulus Reuss, die foss. Polyp, d. Wiener Tertiärbeck. pag. 33. 
Taf. 5, Fig. 7. — Reptomulticava globulus d'Orbigny, Paleont. franc. 
Terr. cret. V. pag. 1035. — Chaetetes pygmaeus Reuss I. c. pag. 30. 
Taf. o, Fig. 6. 

Sehr kleine, bis 3 Millim. im Durchmesser haltende, mitunter 
beinahe regelmäßige Kügelchen, die in der Jugend ein aufgewach- 
senes Kugelsegment darstellen, später sich mit neuen Zellenschichten 
umgeben und sich zur vollkommenen Kugel umbilden, welche keine 
Spur von Anheftung mehr wahrnehmen läßt. Die Oberfläche ist mit 
ungleichen polygonalen, durch bald breitere, bald schmälere Zwischen- 
wände geschiedenen schüsseiförmigen Grübchen bedeckt, in deren 
Boden die kleinen ungleichen eckigen Zellenmündungen einge- 
senkt sind. 

Am Querbruche des Zellenstockes überzeugt man sich, daß der- 
selbe aus sich concentrisch umschließenden ungleichen Schichten 
feiner Röhrenzellen besteht. Ebenso nimmt man an Verticalschnitten 
der Zellenröhren gedrängte Querscheidewände wahr. Diese gaben 
die Veranlassung, daß die Species früher von mir irriger Weise der 
Gattung Chaetetes untergeordnet wurde. Es ist aber das Auftreten 
von bald gedrängteren, bald entfernteren Querdissepimenten eine bei 
den Heteroporen allgemein verbreitete Eigenschaft. 

Die Species kömmt sehr vereinzelt im Steinsalze vor, viel häu- 
figer dagegen im Leithakalk von Nußdorf, Mörbisch , Koste!, sowie 
von Miechowitz in Oberschlesien. 



Die fossile Fauua der Sfceinsalzablag-erung' von Wieliczka in Galizien. 1/^9 

3. H. radiata Busk. sp, 
Heteroporella radiata Busk the Crag Polyzoa pag. 127. Taf. 19, Fig. 2 in 
the Paleontogr, Soc. for 1859. 

Die vorliegende Species gehört der Busk'sehen Gattung Hete- 
roporella an, die sich von der frei in die Höhe wachsenden mehr 
weniger ästigen Heteropora nur durch ihre incrustirenden Zellen- 
colonien unterscheidet. Ich kann in diesem Merkmale , welches so 
viele Mittelstufen der Entwicklung darbietet, keinen wesentlichen 
Gattungsunterschied sehen. Es würde sonst zweifelhaft bleiben, wohin 
man manche der knolligen Formen zu rechnen habe, welche sich 
durch mehrfache Überlagerung aus einfachen Incrustationen hervor- 
bilden und im ausgewachsenen Zustande zu ästig-knolligen Gestalten 
heranwachsen, die den unmittelbaren Übergang in die ästigen Formen 
darstellen. Wollte man die in Rede stehende generische Sonderling 
vornehmen, so müßte man aus Gründen der Consequenz ebenfalls 
die knolligen Formen von Celleporaria von den frei-ästigen trennen, 
was Busk nicht thut. Ich betrachte daher beide auch nur als Unter- 
abtheilungen einer und derselben Gattung. 

Im Steinsalze findet man meistens nur Bruchstücke der ein- 
schichtigen dünnen, unregelmäßig scheibenförmigen incrustirenden 
Zellencolonien. Sie zeigen ein sehr wechselndes Ansehen. Einzelne 
stimmen mit der Abbildung von Busk (1. c. Taf. 19, Fig. 2) voll- 
kommen überein. Die größeren runden oder breit-elliptischen Mün- 
dungen stehen , wenn gleich zerstreut, doch in deutlichen radialen 
Reihen. Die sie trennenden Zwischenräume tragen sehr ungleiche, 
durch sehr verschiedentlich dicke und an wohlerhaltenen Exemplaren 
scharfrückige Wände gesonderte polygonale Grübchen, deren Größe 
und Umriß nicht nur an verschiedenen Exemplaren, sondern auch an 
verschiedenen Stellen derselben Colonie großem Wechsel unter- 
worfen ist. Auf ihrem Grunde stehen kleine rundliche Poren. 

An anderen Exemplaren sind die größeren Mündungen regellos 
zerstreut, bald einander mehr genähert, bald weiter von einander ab- 
stehend. Auch ihre Größe wechselt nicht unbeträchtlich. 

Man trifft diese vielgestaltige Species nicht selten im Leitha- 
kalke des österreichischen Tertiärbeckens. 

Ceriopora Gldf. 

Der Rückstand nach Auflösung des Steinsalzes hat einzelne Trüm- 
mer einer nicht näher bestimmbaren knolligen Ceriopora-Avt geliefert. 



Sitzb. d. mathera.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Abth. 9 



130 Heu ss. 

VI. 4 OM HIB ■ Kl \. 

1. Dimyaria. 
a) Solenacea Lamk. 

CultellUS Seh um. 

1. C. papyraceus Rss. (Täf. 6, Fig. 1.) 

Ich habe von dieser im Salzthone in sein* zahlreichen Exem- 
plaren vorkommenden Muschel, die man oft in beiden nebeneinander 
liegenden Klappen findet, zwar nicht die Schloßzähne, die jedenfalls 
sehr klein sein müssen, beobachtet; aber die übrigen Merkmale 
stimmen so gut, daß über die Zugehörigkeit zu der oben genannten 
Gattung kaum ein Zweifel obwalten dürfte. 

Die Schale ist beinahe durchsichtig, papierdünn und so zer- 
brechlich, daß man keine ganze Klappe , besonders im isolirten Zu- 
stande, zu gewinnen im Stande ist. Sie ist gerade, stark verlängert, 
etwas mehr als noch einmal so lang als hoch. Die größten Exemplare 
messen 22 Millim. in der Länge bei 10 Millim. Höhe. Im Mittel ver- 
halten sich Länge und Höhe, wie 10 : 4*7. 

Die Klappen sind an beiden Enden zugerundet, bilden jedoch 
an dem hinteren Ende einen flacheren Bogen. Zugleich ist dasselbe 
etwas höher als das vordere. Der Mantelrand ist nur wenig gebogen. 
Der sehr kleine, kaum vorragende Wirbel liegt weit nach vorne, am 
hintern Ende der ersten Viertheils der gesamten'Schalenlänge (5 :20). 

Die Oberfläche der Schale bedecken gedrängte deutliche, aber 
ungleiche concentrische Streifen. An den Steinkernen vermag man 
keine Spur der bei der großen Schalendünne offenbar sehr seichten 
und undeutlichen Muskeleindrücke wahrzunehmen. Dagegen glaubt 
man an einzelnen Steinkernen einen schwachen furchenartigen, vom 
Wirbel in senkrechter Richtung herablaufenden Eindruck, welcher 
einer im Innern der Schale befindlichen schwachen rippenartigen 
Verdickung seine Entstehung verdanken würde, gleichwie bei Siliqua 
Meg., zu entdecken. In den meisten Fällen beobachtet man jedoch 
diese Erscheinung nicht. 

Die Species steht dem C. tenuis Phil. sp. *) aus dem eng- 
lischen Crag und den jungtertiären Schichten Siciliens nahe, so wie 
der lebenden Pharella javanica Lam. sp. 2 ). 

1) Wood Crag Mollusca II. pag. 258. T. 25, Fig. 2. 

2 ) Adams the genera of rec. Mollusca, pag. 343. T. 93, Fig. 1. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 131 
b) Iflyacea Lamk. 

Corbula Brug. 

1. C. gibba Ol. sp. *). 

Hörn es die foss. Mollusk. d. Tertiiirbeck. v. Wien. II. pag. 34. Taf. 3, 
Fig. 7. 

Ziemlich selten im Salzthon, sehr selten im Steinsalz. — Im 
Tegel von Baden, Grinzing, Vöslau, im Leithakalk von Nußdorf, 
Steinabrunn, Niederleis u. s. w. Lebend in den heutigen Meeren. 

2. C. carinata D u j. 

Hörn es I. c. II. pag. 36. Taf. 3, Fig. 8 a—e. 

Es wurden nur sehr seltene Schalen aus dem Steinsalze aus- 
gewaschen. Im Wiener Becken findet man die Species vorzugsweise 
im Leithakalk und in dem ihm untergeordneten Tegel (Steinabrunn, 
Gainfahrn, Enzesfeld. Mattersdorf u. a.), so wie im Sand von 
Grund und Niederkreuzstätten. 

c) Mesodesmidae Gray. 

Ervilia Turt. 

1. E. posilla Phil. 

Hörn es 1. c. II. pag. 75. Taf. 3, Fig. 13 a—g. 

Häufig, aber fast stets zertrümmert im Salzthon und Steinsalz. — 
Im Sand von Grund, im Leithakalk von Steinabrunn, Niederleis, im 
Sand von Pötzleinsdorf u. a. 

2. E. podolica Eichw. 

Hernes 1. c. II. pag. 73, Taf. 3, Fig. 12 a—e. 

Die Species ist characteristisch für die Cerithienschichten. Im 
Salzthon und Steinsalz scheint sie häufig vorzukommen , aber stets 
zerbrochen. 

d) Tellinidea Desh. 

Teilina L. 

1. ?T. donacina L. 

Hörne s I. c. II. pag. 86. Taf. 8, Fig. 9. 

Aus dem Steinsalz liegt ein kleines Exemplar mit beiden ge- 
schlossenen Klappen vor, das in den äusseren Characteren mit der 



*) Bei den in den Schichten des Wiener Beckens vorkommenden Molluskenarten habe 
ich der Raumersparniß wegen meistens nur die schöne Monographie von Director 
Dr. Hörn es citirt. Dort ist die weitere Synonymie, so wie die Aufzählung zahl- 
reicherer Fundorte nachzusehen. 

9* 



I 3 2 K e u $ s. 

genannten Species wohl übereinstimmt. Da aber das Schloß nicht 
untersucht werden kann, bleibt die Bestimmung immerhin unsicher. 
Die Species ist im Wiener Becken bekannt aus dem Sande von 
Grund, dem oberen Tegel von Vöslau und Kienberg, aus dem Sande 
von Pötzleinsdorf. Übrigens pliocän und lebend. 

e) Conchae Lamk. 

Venus L. 

1. ?Y. multilamella Lamk. 
Hörnes 1. c. II. pag. 130. Taf. 15, Fig. 2, 3. 

Es liegen sehr kleine Exemplare aus dem Steinsalze vor, die 
wohl unzweifelhaft dieser Species angehören dürften. Im Wiener 
Becken liegt sie im untern und obern Tegel, besonders in letzterem 
(Grinzing, Gainfahrn, Enzesfeld, Vöslau, Baden, Möllersdorf, Szobb), 
im Sand von Grund, Grußbach u. s. w. 

2. V. marginata Hörn. 

Hörnes 1. c. IL pag. 138. Taf. 15, Fig, 11. 

Eine wohlerhaltene Klappe wurde aus dem Steinsalz ausge- 
waschen. Die Species ist bekannt aus dem Sand von Grund und 
Grußbach, aus dem Tegel von Vöslau, Ritzing, Lapugy, Buitur, 
Olesko , aus dem Sand von Pötzleinsdorf und von Niederkreuz- 
stätten u. s. w. 

Circe Seh um. 

1. C. minima Moni sp. 
Hörnes 1. c. IL pag. 158. Taf. 19, Fig. 5 a—d. 

Das Steinsalz hat nur seltene Bruchstücke, aber mit wohl- 
erhaltenem Schloße geliefert. Die Species liegt übrigens im Sande 
von Grund; im Tegel von Baden, Vöslau, Ritzing u. a. ; im 
Leithakalk von Steinabrunn, Nikolsburg, Niederleis u.s. f. ; im Sande 
von Pötzleinsdorf; sie findet sich im Pliocän und lebt noch jetzt in 
den Meeren der gemäßigten Zone. 

f) Cardiacea Lamk. 

Cardium L. 
1. C. papillosum Poli. 
Hörnes 1. c. IL pag. 191. Taf. 30, Fig. 8. 

Es liegen kleine Brutexemplare aus dem Salzthone vor. Gewöhn- 
lich gewinnt man sie sowohl aus diesem , als aus dem Steinsalze nur 
in Bruchstücken. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung- von Wieliczka in Galizien. 133 

Im Wiener Becken findet man die Species vorzugsweise im 
Leithakalk (Steinabrunn, Niederleis , Gainfahrn u. s. w.) , so wie im 
Sande von Grund , Pötzleinsdorf u. a. , und im oberen Tegel 
(Vöslau). Überdies ist sie in den Miocänschichten anderer Länder 
weit verbreitet und lebt noch in den heutigen Meeren. 

2. C. sp. 

Das Steinsalz hat noch Bruchstücke der sehr kleiner Schalen, 
einer anderen Species angehörig, geliefert. Auch hier hat man es 
nur mit junger Brut zu thun. Vom Wirbel strahlen 16 schmale ziem- 
lich hohe Bippen aus, zwischen welche sich bald je 1 — 2 kürzere 
einschieben, die aber rasch eine gleiche Breite mit den primären er- 
reichen. Bei stärkerer Vergrößerung überzeugt man sich, daß die 
Bippchen mit schuppenartigen Stacheln besetzt sind. Eine genauere 
Bestimmung der Species kann nicht vorgenommen werden; doch ist 
es sicher, daß dieselbe mit keiner der bisher aus dem Wiener Becken 
bekannten Arten übereinstimmt. 

g) Liiicimdea Desh. 

Lucina Brug. 

1. L. exigua Eichw. 

Hörnesl. c. II. pag. 243. Taf. 33, Fig. 12. 

Sehr kleine und etwas zerbrochene, aber unzweifelhaft hierher 
gehörige Schalen wurden aus dem Steinsalze ausgewaschen. 

Die Species findet sich vorzugsweise im Tegel des Leithakalkes 
(Steinabrunn, Nikolsburg, Niederleis u. a.), seltener im Sand 
von Grund und Grußbach, in jenem von Pötzleinsdorf u. s. w. 

2. I. deniata Bast. 

Hörn es I.e. II. pag. 238. Taf. 33, Fig. 9. 

Die sehr seltenen Schalen aus dem Steinsalz gehören zu den 
schmälern Formen dieser Species und stimmen vollkommen mit Exem- 
plaren von Ebersdorf überein. Der Sinus am hinteren Schalenende 
ist sehr deutlich ausgesprochen. Viel häufiger habe ich aus dem 
Steinsalze meist in Schwefeleisen umgewandelte Steinkerne aus- 
gewaschen, die aber auch wohl kenntlich sind. 

Im Wiener Becken kömmt die Species am häufigsten im Tegel 
des Leithakalkes vor (Steinabrunn, Kienberg, Gainfahrn, Nußdorf 
u. a.), seltener bei Grund, im Tegel von Baden, Möllersdorf, Vöslau 
u. s. w im Sand von Pötzleinsdorf. 



I ;> 4 Reu 3 s. 

h) Erycinidea Desb. 
Erycina Lamk. 

1. ?K. ambigoa Nyst. 

Hör n es I. c. II. pag. 251. Taf. 34, Fig. 7. 

Sehr selten aus dem Steinsalze ausgewaschen. Die Bestimmung 
ist jedoch nicht vollkommen sicher, da an den stets geschlossenen 
Klappen das Schloß» nicht untersucht werden konnte. Die äußerlichen 
Merkmale stimmen vollkommen üherein. 

Irn Wiener Becken wurde die Species bisher nur selten bei 
Grund, Bitzing und im Sande von Pötzleinsdorf gefunden. 

2. E. austriaca Hörn. 

Hörn es 1. e. IL pag. 252. Taf. 34, Fig. 8. 

Sehr selten im Steinsalze. Die sehr kleinen Schalen stimmen 
mit den größeren Wiener Exemplaren überein; nur tritt die Band- 
grube stärker hervor, so daß sie den Schloßrand überragt. 

Im Wiener Becken ist sie ebenfalls vorzugsweise in den Sand- 
schichten (Grund, Pötzleinsdorf u. a.) zu Hause. 

Spaniodon nov. gen. 

Im Salzthone und Steinsalze findet man eine kleine Muschel, 
die sich bei keiner der zahlreichen bisher aufgestellten Conchiferen- 
Gattungen unterbringen läßt. Am nächsten schließt sie sich an die 
Eryciniden an , weicht aber doch von allen im Bereiche derselben 
unterschiedenen Sippen durch ihren Schloßbau wesentlich ab. Das 
beinahe mittelständige Schloß zeigt in beiden Klappen eine kleine 
dreieckige Grube zur Aufnahme eines inneren Bandes. Vor demselben 
liegt ein zusammengedrückter mäßig langer, dem Schloßrande parallel 
verlaufender Seitenzahn. In der rechten Klappe wird er vom Schloß- 
rande durch eine etwas weitere tiefe Grube, welche den Zahn der 
linken Klappe aufnimmt, geschieden, während an dieser zwischen dem 
Zahne und dem Schloßrande nur eine weit schmälere Fuivhe liegt, 
die, sich noch verschmälernd, dann auf dem Klappenrande weiter ab- 
wärts fortsetzt. Der Zahn der rechten Klappe kömmt daher bei ge- 
schloßenen Schalen an die innere Seite des Zahnes der linken Klappe 
zu liegen. Dieser wird dadurch gewöhnlich verdünnt, zuweilen be- 
trächtlich , ja selbst in solchem Maße, daß er in der Mitte entzwei- 
geschnitten erscheint. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung* von Wieliczka in Galizien. 1 Oö 

Die beiden Muskeleindrücke sind ziemlich groß und gleich 
gestaltet, der Manteleindruck ohne Bucht. 

1. Sp. nitidus Rss. (Taf. 8, Fig. 3). 

Die größten der bei Wieliczka vorkommenden Schalen messen 
3 Millim. in der Höhe und sind beinahe durchgehends sehr dünn, 
glasig glänzend und durchscheinend. Das Gehäuse ist gleichklappig, 
nicht klaffend. Die Klappen sind beinahe gleich, rundlich-dreiseitig. 
Nur vor dem Wirbel , wo sie eine sehr seichte elliptische Lunula 
zeigen, sind sie schwach eingebogen. Der mittelständige kleine, 
etwas nach vorne übergebogene Winkel ragt über die Kreislinie des 
Umrisses vor. 

Die seichten Muskeleindrücke, so wie der Pallealeindruck, sind 
an der glänzenden Schale besonders jüngerer dünnschaliger Indivi- 
duen nur schwierig wahrzunehmen. Nur an einzelnen kreideweiß 
gewordenen Schalen erkennt man sie etwas deutlicher. Die Schalen- 
oberfläche ist glatt, blos mit gedrängten, sehr zarten ungleichen con- 
centrischen Anwachslinien bedeckt. 

Die Muschel findet sich nur selten und in sehr kleinen Exem- 
plaren sowohl im Steinsalze als auch im Salzthone. Der vorwiegende 
Theil derselben sind Jugendexemplare, an denen das Schloß nicht 
vollkommen ausgebildet erscheint. 

Das k. k. Hof-Mineraliencabinet bewahrt zahlreiche grössere 
Exemplare von Saucats und Merignac bei Bordeaux, so wie seltene 
von Szobb in Ungarn, von Kostej im Banat und von Bujtur in 
Siebenbürgen. Im Wiener Becken wurde die Species bisher nur im 
oberen Tegel von Grinzing spärlich nachgewiesen, und zwar durch 
Herrn Auinger, der sich um die Aulsammlung der kleinen Gastro- 
poden und Bivalven der österreichischen Tertiärschichten überhaupt 
sehr große Verdienste erworben hat. 

Derselbe Zweischaler wurde von Herrn Letocha in dem unter 
dem Leithakalke Ostgaliziens liegenden Sande von Holubica südlich 
von Brody ausgelesen und als zwischen Cifce und Lutetia stehend 
betrachtet *)• Auch in einer lehmartigen Schichte bei dem ersten 
Hause von Holubica kömmt er vor, welche, nach den enthaltenen 
Foraminüeien zu schließen, dem Leithakalke zu parallelisiren ist, 



*) Jahrb. d. geol. Reichsanstalt XV. 186S. pag. 280. 



136 Reu ss. 

aber, wie die Beobachtung lehrt, sich noch im Liegenden des vor- 
erwähnten Muschelsandes befindet. 

i) Solenomyadea Gray. 
Solenomya Lamk. 
1/S. Doderleini May. 

Hörn es I. c. IL pag. 257. Taf. 34, Fig. 10. 

Sie scheint, nur sehr selten im Salzthon vorzukommen. Es 
wurde bisher ein einziges Exemplar von Herrn Markscheider Ott in 
Wieliczka aufgefunden und von Herrn Freiherrn v. Geramb an das 
k. k. Hof-Mineraliencabinet gefälligst eingesendet. 

Im Wiener Becken ist die Muschel ebenfalls sehr selten, und 
zwar im Tegel von Vöslau, bei Grußbach, Perchtoldsdorf u. s. w., 
häufig dagegen im Schlier von Ottnang. 

k) Carditae Desh. 

Cardita Brug. 
1. C. scalaris Sow. 
Hörn es 1. c. II. pag. 279. Taf. 36, Fig. 12. 

Sehr kleine Exemplare liefert das Steinsalz nicht selten. 

Im Wiener Becken ist die Species im Tegel des Leithakalkes 
häufig (Steinahrunn, Nikolsburg, Niederleis, Nußdorf u. s. w.), doch 
findet sie sich auch im unteren und oberen Tegel (Baden, Möllersdorf, 
Soos, Grinzing u. s. w.), im Sande von Grund, Grußbach u. ctgl. 

Astarte Sow. 

1. A. triangulär!* Moni sp. 
H ömes I. c. II. pag. 282. Taf. 37, Fig. 1 a—d. 

Ein sehr kleines abgeriebenes Exemplar und mehrere Fragmente 
mit erhaltenem Schlosse liegen aus dem Steinsalze vor. 

Diese noch lebend vorkommende Species findet sich häufig im 
Leithakalk von Steinahrunn. 

I) jVuculiclea d'Orb. 
NllCUla Lamk. 
1. N. nuclcus L. sp. 

Hörn es I. c. II. pag. 297. Taf. 38, Fig. 2 a—g. 

Sie ist eine der im Salzthone am häufigsten vorkommenden 
Species und in Folge der dickeren Schale zugleich am besten erhal- 
ten. Man findet Schalen in allen Altersstadien und nicht selten sind 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 137 

beide Klappen noch fest mit einander verbunden. Stets verlaufen 
sehr feine, entfernte radiale Streifen über die Oberfläche, welche von 
ungleichen Anwachsstreifen und überdies von dicht gedrängten sehr 
zarten und regelmäßigen concentrischen Linien durchkreuzt werden. 
Die in den heutigen gemäßigten Meeren noch häufig lebende 
Species ist im Sande von Grund, im Leithakalk von Steinabrunn, 
Nikolsburg, Gainfahrn, Niederleis u. s. w. , im Sande von Pötz- 
leinsdorf u. s. w. sehr verbreitet. 

Leda Schum. 

I. L. fragilis Cheran. sp. 
Hörn es i. c. II. pag. 307. Taf. 38, Fig. 8. 

Im Salzthon nicht selten. Im Wiener Becken ist sie im unteren 
und oberen Tegel und in den Tegelzwischenlagen des Leithakalkes 
weit verbreitet und lebt noch in den heutigen Meeren. 

m) Arcacea Lamk. 

Limopsis Sassi. 
1. I. anomala Eichw. 
Hörn es 1. e, II. pag. 312. Taf. 39, Fig. 2, 3. 

Ein sehr kleines aber deutliches Jugendexemplar aus dem 
Steinsalz. Ganz junge Brut, welche ebenfalls hieher gehören dürfte, 
ist im Salzthon und Steinsalz keine seltene Erscheinung. 

Im Wiener Becken kömmt sie im Tegel und Leithakalk nicht 
selten vor. 

Area L. 

1. A. sp. 

Aus dem Steinsalze liegen mehrere Bruchstücke junger Brut 
welche vielleicht der A. lactea L. angehören dürfte, vor. 

2. Monomyaria. 
n) Mytilacea Lamk. 

Mytilus L. 

a) Modiola Lamk. 

1. M. Hörnesi Rss. (Taf. 6, Fig. 2—4.) 

Diese Species wurde vom Herrn Director des Hof-Mineralien- 
cabinetes Dr. Hörn es wenngleich selten, doch vollkommen überein- 
stimmend auch bei Grund im Wiener Becken gefunden. Ich belege 
sie daher mit seinem Namen. Im Wieliczkaer Salzthon ist sie un- 



I t) 8 '* (> u s s. 

zweifelhaft die häufigste aller Species, stellenweise zu Hunderten 
zusammengehäuft, aber wegen der ungemeinen Dünne der Schale 
meistens mannigfach verbogen oder zerbrochen. Viel seltener wird 
die Muschel aus dem Steinsalz ausgewaschen und zwar stets in sehr 
kleinen Exemplaren. Dagegen sind die Schalen aus dem Salzthon 
fast durchgehends etwas größer als jene von Grund. Die größten 
Exemplare meßen 11*5 Millim. in der Höhe. Ebenso häufig und zu 
Hunderten dicht zusammengedrängt liegt sie in den mergeligen 
Kalken der gypslührenden Schichten von Kathrein in N. von Troppau, 
woher sie mir Herr Gymnasialprofessor Em. Urban mittheilte. 

Die Species ähnelt in der Form der Modiola phaseolina Phil, i), 
deren Schloßrand jedoch gezähnelt ist. Ihr Umriß wechselt je nach 
dem verschiedenen Altersstadium beträchtlich. Kleine Exemplare 
sind etwas schief- eiförmig und wenig gewölbt. In der Mitte oder 
noch etwas vor derselben ist ihre Höhe am größten. Sie vermindert 
sich gegen das hintere Ende nur wenig, so daß dieses breitgerundet 
erscheint. 

Das vordere Ende der Schale ragt als ein sehr kleiner gerun- 
deter Lappen kaum über den kleinen spitzigen übergebogenen 
Wirbel vor. Diesem zunächst bildet der Schalenrücken einen stumpfen 
gerundeten Kiel, der aber nach rückwärts sich allmälig verflacht. 
Der vor diesem Kiele liegende Schalentheil ist kaum eingedrückt und 
daher erscheint der untere Schalenrand beinahe gerade, nicht ein- 
gebogen. Der kurze Schloßrand ist gerade und stößt mit dem 
Hinterrande in einem deutlichen, aber stark abgerundeten Winkel 
zusammen. 

Sehr abweichend in mancher Beziehung sind die größeren, mehr 
erwachsenen Individuen gebildet. Sie nehmen dann im Umriße eine 
große Ähnlichkeit mit M. subangulata Desh. 2) an. Die Schale 
wird im Verhältnisse zu ihrer Höhe etwas länger, was hauptsächlich 
dadurch hevorgebracht wird, daß bei unveränderter Bildung des 
hinteren Schalentheiles das vordere Ende in Gestalt eines zugerun- 
deten Lappens mehr über den Wirbel hervortritt. Zugleich nimmt 



1) Philippi enum. moll. Sicil. II. pag. 51. T. 15, Fig. U. — Wood Crag moll. FI. 

pag. 5Ü. T. 8, Fig. 4. 
2 J Deshayes descr. des aniin. sans vert. decouv. dans le bass. de Paris. H. p. 25. 

T. 75, Fig. 21. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 139 

die Axe der Schale eine gegen die Schloßlinie mehr schräge Rich- 
tung an. Der Wirbel selbst wird breiter, erhebt sich in einen 
stärkeren vorwärtsgerichteten Kiel ; der Schalenrücken steigt winklig 
zu höherer Wölbung empor und dieser Kiel läßt sich weiter gegen 
das hintere Schalenende verfolgen. Vor dem Kiele erscheint die 
Schale vom Wirbel bis gegen den unteren Rand seicht niedergedrückt 
und letzterer daher an dieser Stelle schwach eingebogen. Der Winkel 
zwischen dem kurzen geraden Schloßrande und dem Hinterrande 
rundet sich noch mehr ab und wird ganz undeutlich. Die dünne 
Schale ist auf ihrer Oberfläche nur mit sehr feinen und ungleichen 
Anwachslinien bedeckt. Der Schalenrand ist auf der Innenseite nicht 
gekerbt. 

o) Pectinidea Lamk. 

Pecten Brug. 

1. P. denudatus Rss. (Taf. 7, Fig. 1). 

Diese Species dürfte im Salzthone keineswegs selten sein, wird 
aber in Folge ihrer ungemeinen Zerbrechlichkeit nur in kleinen 
Bruchstücken gefunden, aus denen sich jedoch die gesamte Schale 
combiniren läßt, um so mehr, als es bisweilen gelingt, Abdrücke 
größerer Schalentheile aus dem Thone zu gewinnen. Hauptsächlich 
wird aber die Bestimmung dadurch erleichtert, daß dieselbe Species 
sich in sehr zahlreichen wohlerhaltenen Exemplaren im Schlier von 
Ottnang wiederfindet. In den Tertiärschichten des Wiener Beckens 
selbst ist sie bisher noch nicht beobachtet worden. 

Sie gehört in die Gruppe der dünnschaligen glatten Species, 
die auch auf der Innern Schalenfläche keine Spur von Rippen wahr- 
nehmen lassen. Die Schale ist im Umriße sehr breit-eiförmig, 
beinahe kreisrund und sehr wenig gewölbt, verlängert sich jedoch 
öfter etwas. Am stärksten ist die Wölbung noch zunächst dem 
Wirbel. Der Schalenrücken wird von den Ohren durch eine schmale, 
aber deutliche trepp enförmig abgesetzte Furche abgegrenzt. Die 
dadurch bezeichneten vorderen Seitenränder sind nur sehr wenig 
eingebogen, fast gerade und verhältnißmässig kurz. An einem 
29 Mi Hirn, hohen und 28 Miliim. breiten Exemplare messen sie je 
14Millim. in der Länge und stoßen mit dem übrigen Schalenrande, der 
einen ununterbrochenen Bogen bildet, in einem gerundeten, wenig 
stumpfen Winkel zusammen. 



140 Heu ss, 

Der Wirbel selbst bildet einen rechten oder nur wenig stumpfen 
Winkel. 

Die Ohren sind verhältnismässig klein, das rechte vordere ist 
in einen gerundeten Lappen vorgezogen und an der Basis mit einem 
seichten Byssusaussehnitt versehen. Die Ohren der linken Klappe 
sind stumpfwinkelig, alle mit dem Seitenrande parallelen feinen 
ungleichen Anwachslinien versehen. Nach innen neben dem Flügel- 
absatze verläuft auf beiden Seiten des Wirbels eine seichte Depres- 
sion nach rückwärts, die aber noch vor der Mitte der Schalenhöhe 
verschwindet. 

Die Oberfläche der dünnen Schale ist glatt und nur mit feinen 
ungleichen Anwachslinien bedeckt. Nur bei starker Vergrößerung 
glaubt man auf dem äusseren Theile der Schale Spuren sehr zarter 
Radiallinien wahrzunehmen. Die Innenseite der Schale erscheint voll- 
kommen glatt. 

Sehr ähnlich ist P. Gerardi Nyst aus dem Crag von Suf- 
folk und Antwerpen. Aber die stets fast kreisförmigen Exemplare 
entbehren der bei P. denudatus erwähnten seichten, zu beiden Sei- 
ten des Wirbels herablaufenden Depression und sind deutlicher und 
gleichmässiger concentrisch gestreift. Überdies zeigen mir vorlie- 
gende Exemplare von Suffolk bei stärkerer Vergrößerung äusserst 
gedrängte und feine, aber deutlich erkennbare Radiallinien auf der 
ganzen Schalenoberfläche, welche dem P. denudatus fehlen. Auf 
dem rechten Ohre bemerkt man einige niedrige Radialrippchen 5 von 
denen bei P. denndatus nur Spuren an der Basis des Ohres wahr- 
zunehmen sind. Auf diese constanten Unterschiede gestützt, glaube 
ich die Wieliczkaer Species von P. Gerardi trennen zu müssen. 

Dagegen scheint sie mit einem unbenannten Pecten aus den 
Tertiärschichten von Zabrze in Oberschlesien, welches das k. k. Hof- 
Mineraliencabinet Herrn Prof. F. Römer verdankt, vollkommen 
übereinzustimmen; jedoch ist der Erhaltungszustand des Letzteren 
nicht so vollständig, um die Identificirung mit völliger Sicherheit vor- 
nehmen zu können. 

2. P. scabridns Eichw. (Taf. 6, Fig. 5-7.) 
Eichwald Leth. ross. III. pag. 63. pro parte. Taf. 8, Fig. 4-6. — 
Pecten Malvuiae Üubois de Montpereux conchiliologie foss. des 
forroat. WoJh. Pod. pag. 71. Taf. 8, Fig. 3. — Pecten flavus Dub. d. 
M ontper. 1. c. pag. 72. Taf. 8, Fig. 7. — Pecten Ulli Pu seh Polens 
Palaontol pag. 40. Taf. 5, Fig. 5. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 141 

Diese sehr veränderliche Species ist eine der im Salzthone am 
meisten verbreiteten Versteinerungen. Schon von P lisch wird sie 
als characteristisch für denselben hervorgehoben, jedoch nicht genü- 
gend beschrieben. Man findet sie in demselben gewöhnlich trupp- 
weise vereinigt. Ihr Umriß ist stets fast kreisförmig, indem Höhe 
und Länge einander beinahe gleichkommen. Die größten vorliegen- 
den Exemplare sind 26 — 28 Millim. hoch. Beide Klappen sind bei- 
nahe gleich gewölbt. Das hintere Ohr ist klein, fast rechtwinkelig, 
das vordere bedeutend größer, an der rechten Klappe an der Basis 
stark ausgeschnitten zum Durchgange des Byssus. Sämtliche 
Ohren zeigen entfernte flache Radialrippchen, die von gedrängten 
starken und ungleichen Anwachsstreifen durchsetzt werden. 

Die Sculpturverhältnisse des Schalenrückens zeigen auffallende 
Verschiedenheiten, so dass man die Extreme leicht für gesonderte 
Species zu halten geneigt sein könnte. Der Übergang zwischen den- 
selben wird aber durch zahlreiche Zwischenformen vermittelt. 

Bei manchen Exemplaren strahlen unmittelbar vom Wirbel 
14 — 16 schmale niedrige, aber scharfe Rippen aus, die im weiteren 
Verlaufe sich nicht nur beträchtlich erhöhen und dicker werden, 
sondern auch in 2 — 4 ([gewöhnlich in 3) Rippen spalten, die bald 
dicht an einander liegen, bald sich von einander mehr weniger ent- 
fernen, so dass dadurch schon dem flüchtigen Blicke auffallende 
Rippenbündel entstehen. In die ziemlich breiten Zwischenrinnen der- 
selben schieben sich aber überdies je 1 — 2, ja im untersten Theile 
der Schale bisweilen drei Zwischenrippen ein, welche an Höhe und 
Breite sehr wechseln, aber stets einfach bleiben. Über Rippen und 
Zwischenrinnen verlaufen mehr weniger gedrängt stehende concen- 
trische Streifen, welche in den letzteren sich stets etwas lamellös 
erheben und auf dem Rücken der Rippen bald ebenfalls schuppig 
emporsteigen, bald wieder nur als erhabene Streifen schwach vor- 
ragen. In den Zwischenfurchen der Radialrippen beobachtet man über- 
dies noch sehr feine erhabene Längslinien, die im mittleren Schalen- 
theile den Rippen paralell verlaufen, auf den Seiten der Klappen aber 
eine mehr schräg auswärts gewendete Richtung annehmen. Ebenso 
vermag man zwischen den ungleichen queren Anwachsstreifen sehr 
gedrängte und zarte derselben Richtung folgende Linien zu erkennen. 

An anderen Exemplaren stehen die Rippen größtenteils in 
deutliche Büschel gruppirt, welche durch breitere Zwischenfurchen 



142 Reu ss. 

gesondert werden. Diese Formen gehen allmälig in die früher 
beschriebenen über, indem die Radialrippen sieh immer mehr nähern 
und ihre Bündel daher weniger deutlich hervortreten. Über Rippen 
und Zwischenfurchen verlaufen in sehr kleinen, fast regelmässigen 
Abständen erhabene etwas blättrige Streifen. Auf den Seitentheilen 
der Klappen treten sie etwas deutlicher blättrig hervor. Von den 
Längsstreifen vermochte ich jedoch keine Spur zu entdecken. 

An der größten Zahl der vorliegenden Exemplare endlich verflacht 
sich der Rücken der Radialrippen und dieselben spalten sich erst in der 
zweiten Hälfte oder im untersten Drittheile der Schalenlänge büschel- 
förmig. Über Rippen und Zwischenfurchen verlaufen keine blättrigen 
Anwachsstreifen, sondern dicht gedrängte ungleiche Anwachslinien, 
bald mehr, bald weniger deutlich ausgesprochen. Radialstreifen feh- 
len selten gänzlich, bisweilen sind sie sehr scharf ausgeprägt. 

Die eben beschriebenen Schalen stimmen vollkommen mit man- 
chen der in den Neogenschichten Galiziens und Polens vorkommen- 
den Formen von P. scabridus Eichw. , welche Eichwald in seiner 
Lethaea rossica III, pag. 63 ff. beschreibt und Taf. 4, Fig. 4 und 6 
abbildet. Ebenso sind sie offenbar mit Dubois de Montpereux's 
P. Malvinae (1. c. Taf. 8, Fig. 2) und P. flavus (1. c. Taf. 8, Fig. 7) 
identisch. Ob die als Jugendform betrachteten und Taf. 8, Fig 3 abge- 
bildeten Exemplare mit einfachen, kaum eine Spur von Gabelung 
darbietenden Rippen wirklich hieher gehören, müßte erst die verglei- 
chende Untersuchung zahlreicher Exemplare entscheiden. 

In keinem Falle aber könnte, wenn die Abbildung treu ist, P. alter- 
nans Dub. mit abwechselnd dickeren und feineren Rippen wegen 
der sehr abweichend gebildeten Ohren damit verbunden werden. 
Ebenso wenig können die sehr abweichend gestalteten und verzierten 
P. gloria maris Dub. und P. serratus (Nilss.) Dub., fälschlich 
mit einer Kreidespecies identificirt, nach Eichwald's Vorgange, in 
den Formenkreis von P. scabridus Eichw. aufgenommen werden. 

Überhaupt hat Eichwald den Umfang seines P. scabridus viel 
zuweit gefaßt und es müssen nicht nur die früher namhaft gemachten 
Formen ausgeschieden werden, sondern auch die von Eichwald 1. c. 
Taf. 4, Fig. 5 abgebildeten Formen können darin ihren Platz nicht 
finden. Abgesehen von dem völlig abweichenden Umriß der Klappen und 
Ohren, passt die größere Zahl der Rippen nicht für eine Jugendform, 
da in diesem Falle ihre Zahl bei fortschreitendem Wachsthume sich 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung' von Wieliczka in Galizien. 143 

verringern müßte, statt, wie gewöhnlich, zuzunehmen. Ich glaube 
daher P. scabridus Eichw. auf jene Formen von nahezu kreisrun- 
dem Umrisse, welche sich durch büschelförmig gruppirte Radialrip- 
pen und die schon früher bezeichneten Sculpturverhältnisse auszeich- 
nen, beschränken zu sollen. Sie bieten immer noch eine große 
Mannigfaltigkeit dar in Beziehung auf die Zahl der Rippen und ihre 
Anordnung zu Bündeln in bald mehr, bald weniger auffälliger Weise, 
so wie auf die Beschaffenheit der Anwachsstreifen, welche sich bald 
auf einfache erhabene Linien beschränken, bald zu schwach-lamel- 
lösen Erhöhungen sich ausbilden. 

Neuerlichst hat Herr Gymnasialprofessor Em. Urban in Troppau 
dieselbe Species von Kathrein in N. von Troppau mitgetheilt. wo sie 
in den Mergeln und Kalken der dortigen Gypsformation ziemlich 
häufig vorkömmt. 

3. P. Eichwaldi Rss. (Taf. 6, Fig. 8.) 
?P. scabridus Eichw. pro parte Leth. ross. III. Taf. 4, Fig. 6 (non 
Fig. *, 5.) 

Eichwald faßt unter P. scabridus neben den characteristi- 
schen Formen mit büschelförmig gruppirten Rippen auch solche mit 
einzelnen gleichmäßigen Rippen zusammen, indem er letztere für 
Jugendformen ansieht. Dieser Anschauungsweise widerspricht schon 
der Umstand, dass einerseits an sehr kleinen offenbar jugendlichen 
Exemplaren des P. scabridus die bündeiförmige Anordnung der Rip- 
pen schon mehr weniger deutlich hervortritt, dass dagegen anderseits 
Schalen mit einzeln stehenden Rippen den Durchmesser der größten 
unzweifelhaft vollkommen erwachsenen Exemplare des typischen 
P. scabridus erreichen. Ich bin daher der Ansicht, die Formen mit ver- 
einzelten Rippen, welche auch noch andere Unterscheidungsmerkmale 
darbieten, von P. scabridus trennen und als gesonderte Species fest- 
halten zu müßen. 

Das am besten erhaltene vorliegende Exemplar ist 18 Millim. 
hoch und in seinem breitesten Theile, der fast gerade in die Mitte 
der Schalenhöhe fällt, ebenso breit. Über die Schale laufen 21—22 
gerade breite Radialrippen mit breitem flach gewölbtem Rücken, die 
durch schmälere tiefe Zwischenfurchen geschieden werden. Mit Aus- 
nahme der den Seitenrändern näher gelegenen sind sie gleich breit 
und hoch. 



144 Reu sä. 

Rippen und Furchen werden von sein* zarten Anwachslinien 
durchsetzt, die zunächst dem unteren Schalenrande schwach blättrig 
werden. Von der Erhebung zu Schuppen, welche man an verschiede- 
nen Varietäten des P. scabridus beobachtet, ist hier keine Spur 
wahrzunehmen. Durch diese Glätte der Rippen und Zwischenfurchen 
unterscheidet sich unsere Species auch von P. scabrellus Lamk *). 

Die Ohren sind ungleich; das hintere sehr klein, fast recht- 
winkelig; das vordere viel größer, an der Basis etwas eingebogen. 
Nebst einigen sehr flachen radialen Rippchen tragen beide gedrängte 
zarte Anwachslinien. 

Ich habe die beschriebene Species nur sehr selten im Salzthone 
(zweite Gruppe, Horizont E) angetroffen. 

Spondylus L. 

Das Steinsalz hat ein Fragment einer kleinen Schale geliefert, 
an welchem die Gegenwart des Schlosses wohl die Gattung erken- 
nen lässt, ohne dass jedoch eine Bestimmung der Species möglich 
wäre. Offenbar hat es aber einer radialgerippten Species angehört. 

p) Ostreacea Lamk. 

Ostrea Lamk. 

1. 0. navicularis Brocchi. 
Bourguet mem. pour servir ä l'hist. nat. des petrifications Tal. 18, Fig. 
104. — Brocchi conchiliol. foss. subapenn. II. pag. 565. — G o 1 d f u s s 
petref. Germ. II. pag. 31. Taf. 86, Fig. 2. — Gryphaea navicularis 
Bronn Ital. Tertiärgeb. 1831. pag. 123. — Podopsis gryphaeoidcs 
Lamarck hist. des anim. s. vert. VI. pag. 195. 

Ein Exemplar im Salzthone theilte neuerlichst Herr Mark- 
scheider Ott in Wieliczka gefälligst mit. Die Species ist übrigens 
bekannt aus dem Tegel von Baden und Möllersdorf bei Wien, von 
Ödenburg in Ungarn, aus dem Leithakalk von Steinabrunn. 

Aus dem Steinsalz liegen einige höchstens 4 Millim. hohe 
Schalen junger Brut vor, die keine nähere Bestimmung gestatten. 
Sie sind flach, aussen concentrisch gestreift, mit innen gekerbtem 
Seitenrande. 

Aus dem Salzthone wurde ein einziges Exemplar von derselben 
Beschaffenheit, aber 15 Millim. hoch, ausgewaschen. 



1) Gold f. Petref. German. II. pag. 62. T. 95, Fig. 5. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 145 

VII. GASTEROPOIMEM. 

1. Pteropoda Cuv. 
Cleodora Per. et Les. 

a) Creseis Ran g. 

1. fl. spina Rss. (Taf. 6, Fig. 9.) 

Das Gehäuse ist sehr klein, lang und dünn conisch und ver- 
schmälert sich nach unten sehr langsam zur scharfen Spitze. Ohen 
ist es abgestutzt und in seiner ganzen Weite geöffnet. Die scharf- 
randige Mündung kreisrund. Unterhalb der Mitte zeigen alle vor- 
liegenden Exemplare eine sehr seichte Einschnürung, unter welcher 
das Gehäuse sich wieder schwach verdickt, um sich dann erst zuzu- 
spitzen. Ungleiche zarte Anwachsringe bedecken die Oberfläche der 
Sehale, wie man bei stärkerer Vergrößerung wahrnimmt. 

Die Species ähnelt am meisten der Cl. acicula Rang i). Ob 
sie mit dieser in allen Meeren gemeinen Species identisch sei, muss 
ich wegen Mangels von Originalexemplaren der letzteren unentschie- 
den lassen. 

Die Spitze am Mündungsrande, welche bei Styliola Les. 
gewöhnlich vorhanden ist, fehlt bei unserer Species. Ob die oben 
bemerkte schwache Einschnürung der Schale mit dem Vorhandensein 
einer inneren Scheidewand in Verbindung stehe, wie selbe die Gat- 
tung Triptera Q. et G. 2 ) besitzt, konnte ich bei der geringen 
Anzahl der sehr kleinen Exemplare nicht mit Sicherheit entscheiden. 
Jedoch ist es wenig wahrscheinlich. 

2. Cl. subnlata Q. G.? (Taf. 6, Fig. 10.) 

Rang et Souleyet hist. nat. des. moll. pterop. pag. oö. Taf. 6, Fig. 6. 

Die vorliegenden Exemplare sind nicht vollständig genug erhal- 
ten, um eine sichere Bestimmung zu gestatten. Die sehr kleinen 
Gehäuse sind dünn, conisch, unten scharf zugespitzt, im Querschnitte 
kreisrund. Die runde Mündung ist überall etwas beschädigt; sie ist 
jedoch schief und läßt Spuren eines in der Mitte der Oberlippe 
sitzenden spitzigen Zahnes wahrnehmen. Die Identität mit der in allen 
Meeren verbreiteten lebenden Cl. subnlata bleibt daher zweifelhaft. 



*) R an g et S oul ey et hist. nat. des moll. pterop. pag. 36. Taf. 6, Fig. 5 — 7. 

2 ) Adams the gen. of rec. moll. T. pag. 53. Taf. 6, Fig. 6. — Rang et Soul e- 

ye.t 1. c. Taf. 4; Taf. 14. Fig. 1 — 6. 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Abth. 10 



140 II (MISS. 

Spirialis Eyd. et Soul. 

1. Sp. vahatina Rss. (Taf. 6, Fig. 11.) 

Valvatina umbilicata Bornemann die microscop. Fauna des Septarienthones 
v. Hermsdorf. 1856. pag. 15, Taf. 1, Fig. 5. 

Diese kleine Species, welche nicht gar selten im Steinsalze vor- 
kömmt, wurde schon früher von Bornemann auch im mitteloligocänen 
Septarienthon von Hermsdorf aufgefunden und den Foraminiferen 
beigezählt. Ich habe sie seither in denselben Schichten an mehreren 
anderen Orten zu beobachten Gelegenheit gehabt. 

Das Gewinde der sehr dünnen linksgewundenen Schalen, die 
eine Länge von höchstens 1,3 Millim. erreichen, erhebt sich in 
schwacher stumpfer Wölbung nur wenig. An den größten Exempla- 
ren zählte ich nur vier Umgänge, jedoch war der Mündungsrand nir- 
gends vollständig. Die Windungen sind gerundet. Die Unterseite des 
Gehäuses ist von einem sehr engen Nabelloch durchbohrt; die Mün- 
dung halbrund, nach abwärts etwas ausgezogen. 

Von der ebenfalls im fossilen Zustande beobachteten Sp. ventri- 
cosa Soul. *) unterscheidet sie sich durch die viel weniger hohe 
letzte Windung und das noch weniger erhabene Gewinde. 

Ähnlich ist auch Atlanta rotundata d'Orb. 2 ). Aber unsere 
Species besitzt vier (nicht drei) Windungen, deren letzte nicht so 
breit ist. Die Mündung ist höher, am untern Ende weniger gerundet, 
an der Spindelseite etwas mehr vorgezogen. In letzterer Beziehung 
stimmt sie mehr mit Atlanta trochidiformis d'Orb. 3 ) überein. Von 
beiden weicht sie aber durch den engeren Nabel ab. Am meisten 
dürfte sie der Atl. Lesueurii d'Orb. *) verwandt sein. 

Limacina hospes Rolle aus dem Oberoligocän von Sternberg 
dürfte von unserer Species kaum verschieden sein. (Sitzb. d. k. Akad. 
d. Wiss. Bd. 44. pag. 205. Taf. I, Fig. 1.) 



!) d'Orbigny voy dans l'Amer. meridion. Mollusques pag. 175, Taf. 12, Fig. 

20—24. 
Ä ) Souleyet revue zoolog. 1840, pag. 236. — Voyage de Ja Bonite II. pag. 216, 

Taf. 13, Fig. 11 — 16. — Rang et Souleyet hist. nat. des moll. pterop. pag. 

63, Taf. 14, Fig. 13 — 18. — Scaea stenoyyra Philippi enum. moll. Sicil. IL 

pag. 164, Taf. 25, Fig. 20. — Adams I. c. I. pag. 59, Taf. 7, Fig. 4. 

3 ) 1. c. pag. 177, Taf. 12, Fig. 29—31. 

4 ) |. c. pag. 177, Taf. 20, Fig. 12 — 15. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczkn in Ualizien. j 47 

2. Cirrhobranchiata Blainv. 
a) öentallelea Gray. 

Dentaüum L. 
1. D. tetragonum Brcch. 
H örnes 1. c. I. pag. 635. Taf. 50, Fig. 34. 

Sehr selten im Steinsalz und Salzthon. Im Teael von Baden bei 
Wien und von Lapngy in Siebenbürgen. 



'Ö' 



2. D. entalis L. 

Hörn es I. c. I. pag. 658. Taf. 50, Fig. 38. 

Sehr seltene Bruchstücke im Steinsalz. 

Verbreitet im Miocän und Pliocän und lebend. Im Wiener 
Becken wurde sie bisher nur im Tegel von Baden gefunden. 

3. D. incurvum Ren. 

Hörn es I. c. I. pag. 659. Taf. 50, Fig. 39. 

Sehr selten, ein Exemplar aus dem Steinsalz, zwei aus dem 
Salzthon. Im Wiener Becken im Tegel von Baden, im Leithakalk 
von Nußdorf und Steinabrunn, besonders häufig an letztgenanntem 
Orte. Überdies lebend, pliocän, miocän, oberoligocän (Bünde, 
Freden). 

5. Tubulibranchiata Cuv. 
b) Turfoispirata Desh. 

Serpulorbis Sassi. 
1. S. intortns Lam. sp. 
Vermetus intortns Lam. Hörn es 1. e. I. pag. 484. Taf. 46, Fig. 16. 

Herr von Geramb sandte ein in rauchgrauem körnigem Stein- 
salze eingewachsenes Exemplar ein. Im Wiener Becken hauptsächlich 
in den Tegeln des Leithakalkes (Nußdorf, Nikolsburg, Gainfahren, 
Steinabrunn u. s. w.), im oberen Tegel von Grinzing, Rudelsdorf 
u. a. Überdies verbreitet im Miocän und Pliocän und lebend in den 
jetzigen Meeren. 

Caecum Flem. 
1. C. glabrum Munt. sp. 
Wood a monograph of the Crag Mollusca I. pag. 117. Taf. 20, Fig. 6. — 
Reuss in d. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 39, pag. 265. 

Selten im Steinsalz, Im Tegel von Rudelsdorf in Böhmen, im 
Crag von Sutton und lebend. 

10' 



148 Reuss, 

8. C. trachea Moni. sp. 

Hörn es 1. c, 1. pag. 400. Taf. 46, Fig. ii). 

Selten im Steinsalz. Im Leithakalk von Steinabrunn, im oberen 
Tegel von Rudelsdorf. Überdies häufig pliocän und lebend. 

4. Pectinibraiicliiata Ciiv. 
a) liissoidea F o r b. et H a n. 

Rissoa Freminv. 

a) Alvania Risso *)• 

Das Steinsalz und der Salzthon von Wieliczka haben vier Arten 
von Alvania geliefert, von welchen zwei entschieden bekannten Arten 
angehören, die beiden anderen mit den schon bestehenden so wenig 
übereinstimmende Merkmale aufweisen, daß sie als neue Arten 
betrachtet werden müssen. 

Die beiden bekannten Arten sind: Alvania Moulinsii d'Orb. 
und zetlandica M o n t. ; die beiden neuen erhalten die Namen: A. Velis- 
censis und conica, 

Mit Ausnahme der A. Velisce?isis sind von den übrigen Arten 
nur wenige wohlerhaltene Exemplare ausgeschlämmt worden und der 
größte Theil der ziemlich zahlreich gefundenen Individuen sind 
Jugendexemplare, welche noch so wenig in der Entwicklung fort- 
geschritten sind, daß die Bestimmung der Art, welcher sie angehören, 
völlig zweifelhaft bleibt. 

Ihre Schalen zeigen den Schmelz und den Glanz recenter Con- 
chilien, und wäre ihr fossiler Ursprung nicht mit Sicherheit bekannt, 
so würde man sie jedenfalls eher jetzt lebenden, als tertiären Mollus- 
ken zuschreiben. 

1. A. loulinsii d'Orb. 
1838. Rissoa decussata Grateloup Conch. foss. in Act. Linn. Vol. X. pag. 
204. Taf. 5, Fig. 49. - 1840. R. decussata Grat, atlas conch. foss. 
de l'Adour Taf. 4, Fig. '49 „var. c". — 1852. R. Moulinsii d'Orbigny 
prodr. de pal. strat. III. pag. 28, nro. 365. — 1856. R. Moulinsii Hör- 
n es 1. c. I. pag. 570. Taf. 48, Fig. 14. 



!) Herr Schwär tz v. Mohrenstern, der Verfasser der schönen Monographien von 
Pdssoina und Rissoa hat die Gefälligkeit gehabt, die Bestimmung- und Beschreibung 
der Arten zu übernehmen. Ich lasse daher seine Mittheilungen unverändert folgen. 
Auch die Abbildungen der zwei neuen Arten verdanke ich seiner Güte. 



Die fossile Fauna der Steinsalzabiag-erung- von Wieliczka in Galizien. 14r9 

Im Steinsalz und Salzthon. Überdies in den Tertiärablagerungen 
von Bordeaux, Merignac, Lapugy, Buitur, Baden, Niederleis, Steina- 
brunn. 

Diese Art ist zwar in zahlreichen Jugendexemplaren, aber lei- 
der nicht in vollkommen ausgewachsenem Zustande aufgefunden wor- 
den. Aus der Vergleichung mit Jugendexemplaren von verschiedenen 
anderen Localitäten stellt sich jedoch die Identität mit ziemlicher 
Sicherheit heraus. 

2. A. zetlandica Mont. sp. 

? 1811 Turbo zetlandicus Adams trans. Linn. Soc. Vol. XI. pag. 194. Taf. 
13, Fig. 3. — ?1827. Cyclostrema zetlandicus Fleming brit. anim. 
pag, 312. — 1842. Rissoa zetlandica S. Wood Catal. - 1843. Morris 
Catal. of. brit. foss. pag. 161. — 1843. Rissoa cyclostomata Recluz 
rev. zool. Cuvier Soc. pag. 104. — 1844. ? Cyclostrema zetlandica 
Thorpe brit. mar. conch. pag. 158. — 1844. Cingula scalariformis 
M etcalfe brit. mar. conch. pag. 42. Fig. 89. — 1844. Rissoa zetlandica 
Brown 111. conch. of. Gr. Brit. pag. 11. Taf. 9, Fig. 79. — 1848. 
Rissoa zetlandica Wood Paleont. Soc. pag. 101. Taf. 11. Fig. 7. — 
1853. Rissoa zetlandica F orb es andHanley brit. moll. III. pag. 78. 
Taf. 80, Fig. 1, 2. — 1854. R. zetlandica Morris Catal. of. brit. foss. 
2d edit. pag. 277. — 1856. R. zetlandica Hörn es 1. c. I. pag. 566. 
Taf. 48, Fig. 11. 

Im Salzthon von Wieliczka. Recent an den Küsten von Eng- 
land und Schottland, im Kattegat und an der Westküste von Frank- 
reich. Fossil bei Pontlevoi, im Tegel von Lapugy, im Leithakalk von 
Steinabrunn und nach Wood im Crag von Sutton. 

Diese Art ist leicht an der untersten Spiralfurche der letzten 
Windung zu erkennen, welche, bedeutend erweitert und ausgehöhlt, 
halsbandartig die Mündung umgibt. 

3. A. Yeliscensis v. Schwtz. (Taf. 7, Fig. 2.) 

Testet tenui, ovato ~ elongata 9 apice parum obtusa; siitara 
profunde depressa; anfractibus quinque convexissimis , primis 
duobus embryonalibus laevibus, ceteris per costas longitudinales et 
transversas anguste et acriter clathratis ; costis longitudinalibus 
in anfractu ultimo 26 — 28 , subobliquis, ad partem anticam obso- 
letis; striis spiralibus elevatis 9 ; apertura ovali, angido super iorc 
rotundato, labro in ferne produeto , extus per varicem cingulis 
excurrentibus ornatum incrassato, intus luevi; labio anguste refle- 
.1*0, fissuram umbilicalem parvam operiente. 



150 Heu ss. 

Schale dünn, oval, verlängert, mit conischem nicht sehr zuge- 
spitztem Gewinde, welches 4 — 5 sehr bauchige Windungen trägt, die 
durch eine tief eingedrückte Natli getrennt werden. Die beiden ersten 
Windungen sind glatt, die übrigen fein, aber sehr scharf gegittert. 
Auf der letzten Windung zählt man 20 — 28 beinahe gerade stehende 
Längsrippen, welche bis über die Hälfte der Windung herabreichen. 
Sie bilden mit den ersten 4 — 9 erhabenen Spiralstreifen ein regel- 
mässiges Gitter, dessen Kreuzungsstellen als feine Knötchen erschei- 
nen. Diese gitterförmige Sculptur ist im oberen Theile der Windung 
am schärfsten und verliert sich nach unten zu allmälig. Auf der 
unteren Hälfte der sehr gerundeten letzten Windung sind die Spiral- 
linien einfach und werden durch keine Längsfalten gekreuzt. 

Die Mündung ist oval, geradestehend, im oberen Winkel zuge- 
rundet, innen glatt, ohne Zähne. Der äußere Mundsaum ist etwas 
geschweift und vorgeneigt und trägt aussen einen scharf begrenzten 
Wulst, auf welchem die auslaufenden Enden der Spirallinien noch 
deutlich sichtbar sind. Die Spindellippe steht gerade, ist wenig, aber 
gleichförmig umgeschlagen und bedeckt theilweise einen durch den 
letzten scharfen Spiralstreifen gebildeten Nabelritz. 

Höhe: 3 Millim. ; Breite: 1-6 Millim. 

Diese Art ist in mehreren schönen vollkommen ausgebildeten 
Exemplaren aufgefunden worden, welche ganz das Aussehen recenter 
Conchylien besitzen. Sie sind noch durchscheinend und zeigen den 
eigenthümlichen Glanz und Schmelz, wie jene, 

Die Species läßt sich mit keiner der bisher bekannten sowohl 
fossilen als lebenden Alvanien verbinden und bildet daher eine neue 
Art, welche an der vollkommen ovalen Mündung, den sehr gerundeten 
Windungen und der feinen aber scharfen Gitterung leicht von den 
übrigen Alvanien zu unterscheiden ist. 

4. A. conica v. Schwtz. (Taf. 7, Fig. 3.) 

Testa parva, solida, ovuto- conica ; spira turbinata ', brevi, 
acuta; sutura filiformi anguste excavata; unfructibus quatuor 
modice convexis, primis duobus embryonalibus luevibus, cueteris 
leviter costatis, costis ad medium partem evunescentibus, in infera 
nullis; striis spiralibus 10, tenulbas, versus busin prominentibus; 
uperturu purum obliqua, ovata, angulo super iore obtusuto; labro 
antice resupinuto, extus vurice luevi incrussutu, intus lue vi. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 1 51 

Schale klein, ziemlieh stark, eiförmig-conisch, mit kreiseiförmi- 
gem schnell abnehmendem zugespitztem Gewinde und fein aus- 
gehöhlter fadenartiger Nath. Sie besteht aus vier gewölbten Win- 
dungen, von welchen die beiden ersten glatt, die anderen schwach 
längsgerippt und undeutlich spiral gestreift sind. Die letzte Windung, 
welche 16 — 18 flache fast geradstehende Längsfalten trägt, ist im 
Verhältnisse zu den übrigen Windungen sehr groß, denn sie beträgt 
mehr als die Hälfte der ganzen Schalenlänge. Sie ist nur an der 
oberen Hälfte mit Längsfalten versehen, zwischen welchen zarte 
Spiralstreifen sichtbar sind. An der unteren Hälfte sind nur entfernte 
Spiralstreifen sichtbar. Diese letzten, deren man zehn auf der unteren 
Windung zählt, stehen oben zwischen den Rippen am dichtesten und 
erweitern ihre Zwischenräume in dem Maße, als sie tiefer nach 
unten stehen. Die Mündung ist eiförmig, etwas gegen die Spindel 
geneigt, im oberen Winkel etwas zugerundet, gegen den äußersten 
Rand etwas erweitert und innen glatt. Die äußere Lippe ist unten 
etwas zurücktretend und außen durch einen glatten Wulst verdickt. 
Die Innenlippe schmal umgeschlagen, fest an der Spindelwand an- 
liegend. 

Die Schale mißt nur 2 Millim. in der Höhe auf 1-2 Millim. 
Rreite. 

Obgleich diese Art in der Gestalt manche Ähnlichkeit mit anderen 
Alvanien besitzt, so kann sie doch keiner der bekannten Arten zuge- 
wiesen werden, da sie, wenngleich sehr klein, doch alle Merkmale 
einer vollkommen ausgewachsenen Schnecke an sich trägt und daher 
sich kaum erwarten läßt, daß sie bei weiter fortschreitender Ent- 
wicklung zu einer der schon bestehenden Arten auswachsen dürfte. 
Wäre die Innenseite der Aussenlippe gezähnt, so käme sie offenbar 
in die Nähe der Alv. Mouli?isi d'Orb. zu stehen oder könnte als 
eine Abart derselben betrachtet werden. Mit der glatten Mündung 
hat sie aber bis jetzt noch keine ähnlichen Stammesgenossen, denen 
man sie zugesellen könnte. Man sieht sich daher genöthigt, sie für 
eine neue Species anzuerkennen. 

Skenea Flem. 

1. Sk. simplex Rss. (Tat. 8, Fig. 2). 

Das äußerst kleine Gehäuse ist tellerförmig niedergedrückt, 
ei ner Planorbis-Schale ähnlich. Auf der flachen, in der Mitte schwach 



1 1)2 R (Mi ss. 

vertieften Spiralseite erkennt man drei gerundete, durch tiefe Furchen 
gesonderte schmale Umgänge. Ihr Rücken ist gerundet, ohne jeden 
Kiel und dadurch unterscheidet sich die Art hauptsächlich von der 
schon früher von mir heschriehenen Sk. carinella Rss. aus dem 
miocänen Tegel von Rudelsdorf *)• 

Die Unterseite der Schale hietet einen tiefen Nabel dar. Die 
Mündung (ist rund, nur nach innen durch den anliegenden vorletzten 
Umgang wenig modificirt. Der Mundsaum einfach, zusammenhängend, 
die Schalenoberfläche mit zarten ungleichen Anwachsstreifen bedeckt. 

Sehr selten im Steinsalze. 

b) Peristomia Lamk. 

Bithynia Gray. 

Ich folge hier dem Vorgange von Deshayes, welcher, den 
untergeordneten Werth des concentrischen und spiralen Baues des 
Deckels bei gleicher Organisation des Thieres erkennend und sich 
besonders auf das combinirte Vorkommen beider Structurarten 
stützend, Hydrobia, Amnicola, Nematura u. a. wieder in der 
Gattung Bithynia zusammenfaßt. Ich schlage diesen Weg um so 
lieber ein, als bei den fossilen Arten gewöhnlich das wesentliche 
Unterscheidungsmerkmal, der Deckel, nicht zu Gebote steht. Dieser 
Umstand macht oft selbst die Unterscheidung der mit kalkigem Deckel 
versehenen Bithynien von den hornig-deckeligen Paludinen sehr 
mißlich. 

1. ß. Frauenfeldi Hörn. sp. 
Rissoa elongata Eichw. Leth. ross. III. pag. 272. Taf. 10, Fig. 15. (non 
Philippi.) « — Paludina Fraite?ifeldiUömes 1. c. pag. 582. Taf. 47, 
Fig. 18. 

Die Exemplare aus dem Steinsalze stimmen mit jenen aus dem 
Wiener Becken überein. Ich vermag wenigstens keinen irgend be- 
deutenderen Unterschied aufzufinden. Die Species ist der B. pusilla 
Desh. 2 ) ähnlich, unterscheidet sich aber von ihr durch das sich 
regelmäßiger zuspitzende Gewinde, den breiteren letzten Umgang, 



l) R e« ss in ä. Sifzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 39, pag. 266. Taf. 5, 

Fig. 10. 
% ) Deshayes descr. des anim. sans vertebr. decouv. dans le bass. tert. de Paris, II. 

l>a#. .'512. — Paludina pusilla B a s f. Deshayes coq. foss. des env. de Paris II. i»ag. 

134. Taf. 16, Fig. 3, 4. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 153 

die breitere Mündung und den viel stärkeren Umschlag des Spindel - 
randes derselben, welcher den Nabel theilweise verdeckt. Im Wiener 
Becken liegt die Species vorzugsweise in den oberen Cerithien- 
schichten (Nußdorf, Sechshaus, Hauskirchen u. s. w.), im Tegel von 
Rudelsdorf, im Sand von Pötzleinsdorf u. a. 

2. B. curtaRss. (Taf. 8, Fig. 1). 

Die im Salzthone, besonders aber im Steinsalze nicht selten vor- 
kommende Species stimmt im Umrisse sehr mit B. helicella A. Br. *) 
überein, ohne jedoch damit identisch zu sein. Auch mit Paludina 
Partschi Frauenf. 2 ) verräth sie große Analogie. 

Die Schale ist kurz und bauchig kreiseiförmig, mit stumpfem 
Gewinde, das aus vier gewölbten, durch tiefe Näthe gesonderten 
Umgängen besteht, von denen der letzte bauchige die Hälfte des 
ganzen Gewindes einnimmt. Die Mündung ist beinahe rund, nur 
wenig durch die anliegende vorletzte Mündung modificirt. Der Mund- 
saum zusammenhängend, im äußeren Theile ziemlich stark verdickt, 
im inneren einen sehr schmalen Umschlag bildend. Auf der Innen- 
seite des Mundsaumes ausgewachsener Exemplare beobachtet man 
einen verdickten Ring, der dem Deckel, dessen Beschaffenheit jedoch 
unbekannt ist, ohne Zweifel zum Stützpunkte diente. Es ist nur ein 
sehr schwacher Nabelritz vorhanden. Die Schalenoberfläche zeigt 
dem bewaffneten Auge schwache ungleiche Anwachsstreifen. 

Die größten Exemplare messen etwa 2 Millim. in der Höhe bei 
1 -25 Millim. Breite. 

B. Partschi Fr fld. sp. weicht davon ab durch die noch mehr 
kugelige Gestalt, den weiteren Nabel und den nicht verdickten Mund- 
saum, so wie überhaupt durch die dünnere Schale. 

3. B. immutata Frfld. sp. 

Paludina immutata Frfld. in Hörn es I. c. I. pag. 587. Taf. 47, Fig. 23. — 
Paludina pusilla Eichw. Leth. ross. III. pag. 283. Taf. 10, Fig. 33. 
(non ßrongn. et Bast.) — Amnicola immutata Frauenfeld in d. 
Verhdlgen d. k. k. zoo!. bot. Ges. in Wien. 1864. XIV. pag. 615. 

Selten im Steinsalz. Im Wiener Becken im brakischen Tegel 
des Raaber Bahnhofes und von Mauer. Von Eich wähl wird sie 



*) Deshayes descr. des anim. s. vert. decouv. dans le bass. tert. de Paris II. paj 

498. Taf. 33, Fig. 34—36. 
2 ) Hörnes 1. c. I. pag. Ö88. Taf. 47, Fig. 24. 



154 Reuss. 

lobend an den Küsten des schwarzen und caspischen Meeres und in 

salzigen Tümpeln der Umgegend von Odessa angegeben. 

ß) Nematura Benson. 

4. B. Schwartzi Frfld. sp. 
Paludina Schwartzi Frauenfeld In Hörne s 1. c. I. pag. 589. Taf. 47, 
Fig. 25. — Nematura Schwartzi Frauenfeld in d. Verhdlg. der k. k. 
zool.-bot. Ges. in Wien 1864. XIV. pag. 645. 

Ein sehr schön erhaltenes Exemplar, durch Schlämmen des 
Spizasalzes gewonnen, wurde von Herrn k. k. Markscheider Ott ein- 
gesendet. 

Im Wiener Becken ist sie bisher nur im Tegel von Vöslau auf- 
gefunden worden. 

c) Pyramidellidae Desh. 

Eulima Risso. 

1. E. filigera Rss. (Taf. 7, Fig. 4). 

Die sehr kleine Species, von welcher mir leider nur ein nicht 
ganz vollständiges Exemplar aus dem Salzthon vorliegt, weicht etwas 
von den typischen Arten der Gattung ab. Das glänzend glatte, spitzige, 
nach abwärts aber sich ziemlich rasch verdickende und daher im 
Verhältniß zur Länge ziemlich dicke Gehäuse besitzt acht Umgänge, 
die etwas gewölbt sind. Sie liegen deshalb nicht durchaus in einer 
Ebene, sondern werden durch etwas mehr als gewöhnlich einge- 
drückte Näthe von einander gesondert. Über die letzten zwei Um- 
gänge verläuft etwa am unteren Ende ihres obersten Drittheiles ein 
sehr feiner fadenförmiger Spiralkiel, gleich einem aufgelegten Faden. 
Auf dem letzten Umgange bemerkt man einige schwache gebogene 
Mundwülste, wie sie bei Eulima-Arten häufig vorkommen. 

Die Mündung ist klein, eiförmig, unten gerundet, oben zuge- 
spitzt. Der äußere Mundsaum ist an dem vorliegenden Exemplare 
verbrochen. Da sich aber hart daneben ein Mundwulst befindet, so 
überzeugt man sich leicht, daß der Mundsaum in der Mitte etwas 
bogenförmig vorgezogen ist, wenn auch nicht in so hohem Grade, 
wie dies bei manchen anderen Eulima-Arten Statt findet. 

Der innere Mundsaum ist sehr schmal; die kurze gerade Spindel 
geht in regelmäßiger Biegung in den untern Rand der Mündung 
über. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung- von Wieliczka in Galizien. 1 Öö 

ödontostoma Flem. 

1. 0. plicatum Mont. sp. 
Hörn es 1. c. I. pag. 496. Taf. 43, Fig. 26. 

Selten im Steinsalz, so wie im Salzthone, aus welchem nur un- 
ausgebildete Jugendexemplare vorliegen. 

Im Tegel von Baden , im Leithakalk von Nußdorf und Steina- 
brunn. Bei Castellarquato , im englischen Crag, im Oberoligocän von 
Freden und Luithorst, endlich noch lebend in den jetzigen Meeren. 

Turbonilla Risso. 

Ich nehme diese Gattung hier in dem schärfer begrenzten Um- 
fange, welchen Deshayes *) derselben zuletzt gegeben hat. Sie 
umfaßt alle Arten mit spitzigem thurmförmigem Gehäuse, zahlreichen 
Umgängen , deren letzter selbst nur eine geringe Höhe erreicht, mit 
linksgewundenem embryonärem Nucleus, kleiner ovaler etwas vier- 
seitiger Mündung, unterbrochenem Mundsaum und gerader Spindel, 
die durch ihre Drehung eine mehr weniger deutliche schräge Falte 
hervorbringt. In diesem Sinne genommen umschließt sie eine nicht 
geringe Anzahl der zu Chemnitzia d' Orb. gezählten Arten. Diese 
Gattung, welche in der ursprünglichen Bedeutung gänzlich mit Tur- 
bonilla zusammenfällt, ist in der späteren Umstaltung völlig unhaltbar, 
indem sie sehr verschiedenartige Elemente, ja selbst eine große An- 
zahl von Arten enthält, die wegen des Mangels des embryonären 
Nucleus gar nicht zu der Familie der Pyramidellideen gerechnet 
werden können. Es ist daher am gerathensten, dieselbe mit Des- 
hayes ganz zu verlassen und in ihre Elemente aufzulösen. Die 
Arten mit Nucleus und mehr weniger deutlicher Spindelfalte müssen 
in den Bereich der Gattung Turbonilla gezogen werden. Diese bietet 
demnach eine weite Formenreihe dar von der in hohem Grade ent- 
wickelten Spindelfalte an bis zum beinahe völligen Verschwinden 
derselben und schließt sich durch zahlreiche Mittelformen einerseits 
an Ödontostoma Flem. und Pyramidella Lamk., anderseits an die 
faltenlose Aciculina Desh. an. 

Die zahlreichen fossilen Turbo?iilla-Avten lassen sich am ein- 
fachsten nach der Beschaffenheit ihrer Sculptur in zwei Gruppen 
sondern, deren eine die Arten mit längsgefalteter, die andere jene 
mit glatter ungerippter Schale umfaßt. 



*) Descr. des anim. s. vert. desouv. dans le bass. tert. de Paris II. pag. 503. 



1!)() , Reu ss. 

a) Mit gefalteter Schale. 

1. T. grarilis Brcch. sp. 

Hörn es I. c. I. pag. 498. Taf. 43, Fig. 28. 

Nebst sehr seltenen Bruchstücken liegt auch ein vollständiges 
sehr schlankes Jugendexemplar aus dem Salzthone vor. 

Die T. (Chemnitzia) Reassi Eörn. sp. ist sehr ähnlich, unter- 
scheidet sich aber durch das sich rascher verdickende Gehäuse, den 
Nabelritz, die ganz geraden Rippen, die verschwindend kleine Spindel- 
lalte und die weniger gerade Columella. 

T. gracilis findet sich im Wiener Becken im Tegel von Baden 
und Jaromeric, im Leithakalk von Nußdorf und Steinabrunn, im Sande 
von Grund, so wie in jenem von Pötzleinsdorf. 

2. T. turricula Eichw. sp. 
Hörn es 1. c. I. pag. 501. Taf. 43, Fig. 31. 

Sehr seltene Bruchstücke kleiner Exemplare aus dem Steinsalze, 
welche die characteristischen drei bis vier Spiralstreifen an der Basis 
der Umgänge nicht darbieten. Jedoch fehlen diese auch an den 
Schalen von Grinzing und Niederleis. Von T. pusilla Phil, unter- 
scheidet sich die Species leicht durch den Mangel der an der Basis 
der Umgänge hart an der Nath liegenden Einschnürung. Die Um- 
gänge schließen dicht aneinander. 

Im Wiener Becken, im Leithakalk von Steinabrunn und Nieder- 
leis, im oberen Tegel von Grinzing, im Sande von Immendorf. 

3. T. pusilla Phil. sp. 

Hörn es 1. c. I. pag. 500. Taf. 43, Fig. 30. 

Von dieser Species hat der Salzthon zahlreiche, das Steinsalz 
seltenere Schalen kleiner Exemplare, so wie Bruchstücke derselben 
geliefert. Sie unterscheiden sich theilweise etwas von den typischen 
Exemplaren aus dem Tegel von Baden und aus dem Leithakalk von 
Steinabrunn und Enzesfeld. Die Zahl der Längsrippchen ist bedeu- 
tend größer, diese selbst sind feiner. Auf der letzten Windung ver- 
wischen sie sich nicht selten ganz, so daß die Schale daselbst nur 
gestreift erscheint. 

Die Mündung ist oft etwas breiter und oben weniger zugespitzt, 
der Nabelritz bisweilen deutlicher ausgesprochen. Aber diese Kenn- 
zeichen variiren selbst wieder. Bei Vergleichung zahlreicher Exem- 
plare von T. pusilla von den verschiedensten Fundorten habe ich 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagemng von Wieliczka in Galizien, l 57 

ebenfalls einzelne beobachtet, deren letzter Umgang mit viel zahl- 
reicheren und feineren Rippen besetzt war. Bei der Übereinstimmung 
aller wesentlicher Kennzeichen kann man jedoch solche Formen nur 
für Varietäten ansehen. 

Anfänglich glaubte ich auch darin eine Verschiedenheit der 
Wieliczkaer Exemplare zu erblicken, daß dieselben, unter dem Mikro- 
skope betrachtet, sehr zarte Querlinien auf den Rippchen und in 
deren Zwichenrinnen wahrnehmen lassen. Bei genauer Untersuchung 
beobachtete ich aber auch in den Zwischenfurchen von Exemplaren 
des Wiener Beckens Spuren dieser Sculptur. 

4. T. pygiuaea Grat. sp. 
H5rn.es 1. c. I. pag. 502. Taf. 43, Fig. 32. 

Sehr seltene kleine Jugendexemplare mit 15 — IGLängsrippchen. 
Der Salzthon hat auch ein vollkommen ausgewachsenes Exemplar 
mit 19 Rippen geliefert. Im Wiener Becken wurde sie nur selten im 
Tegel von Baden und im Tegel des Leithakalkes von Steinabrunn 
gefunden. 

5. T. brevis Rss. (Taf. 7, Fig. 9). 

Diese kleine Species, die nicht gar selten im Salzthone von 
Wieliczka vorkömmt, weicht von den typischen Turboni IIa- Arten 
weit ab, steht aber doch in manchen Beziehungen der T. pygmaea 
Grat. sp. sehr nahe. Sie damit zu vereinigen, gestatten aber manche 
unterscheidende Merkmale nicht. Vor Allem ist sie nie so langgestreckt, 
immer viel kürzer, als T. pygmaea, nicht gleich dieser zweimal so 
hoch als dick. Nebst den sehr kleinen glatten Embryonalwindungen, 
die sich ganz so verhalten, wie bei der Grateloup'schen Species, 
zählt man stets nur drei jüngere Umgänge, deren letzter beträchtlich 
höher ist, als die übrigen zusammengenommen. Alle sind gewölbt, 
durch tiefe Näthe gesondert und zeigen an der Basis den für T. pyg- 
maea characteristischen treppenförmigen Absatz. 

Die Mündung ist ebenfalls sehr analog gebaut, etwas schief- 
eiförmig, unten gerundet, oben verschmälert. Der dünne äußere 
Mundsaum ist bogenförmig. Die ebenfalls dünne und etwas gebogene 
Spindel bildet einen schmalen losgelösten Umschlag, so daß der 
Mundsaum oftmals zusammenhängend erscheint, wie dies aber auch 
manche Schalen von T. pygmaea darbieten. Im oberen Theile trägt 



I ,) i> R e u s s. 

die Spinde] eine schwach angedeutete schräge Falte, viel schwächer 
als hei der mehrfach genannten Grateloup 'sehen Species. 

Die Oberfläche der Schale ist mit scharfen feinen Längsrippchen 
bedeckt, die am oberen Rande der Umgänge in Gestalt spitziger 
Höcker vorragen. Sie sind viel zahlreicher als bei T. pygmaea 
(25 — 26, bei letzterer nur 14 — 15) und zugleich feiner. Sie wer- 
den von regelmäßigen zarten Querfurchen durchkreuzt, die beson- 
ders deutlich in den Zwischenfurchen der Rippen auftreten. 

6. T. impressaRss. (Taf. 7, Fig. 8). 

Das aus acht bis neun Umgängen bestehende glänzend glatte 
Gehäuse ist sehr schlank. Die glatten Embryonalwindungen bilden 
einen stark entwickelten helmförmigen Nucleus. Die übrigen Win- 
dungen, deren Höhe etwa zwei Drittheile der Breite beträgt, sind 
gewölbt und durch tief eingedrückte Näthe gesondert. Jede trägt 
12 — 14 sehr wenig gebogene Längsfältchen, die aber nur im oberen 
Theile schärfer hervortreten, nach abwärts sich verflachen und ge- 
wöhnlich schon oberhalb der nächst unteren Nath beinahe ganz ver- 
schwinden. Von Querlinien ist selbst unter dem Mikroskope keine 
Spur zu entdecken. An den älteren Umgängen , welche zunächst auf 
die Embryonalwindungen folgen, sind die Falten am stärksten aus- 
gesprochen. Auf den letzten Umgängen verflachen sie sich und ver- 
schwinden auf dem letzten Umgange oft beinahe ganz, indem sie in 
sehr ungleiche Anwachsstreifen übergehen. 

Die kleine Mündung ist eiförmig-vierseitig, unten zugerundet, 
mit beinahe parallelen Seitenrändern. Die Spindel gerade, mit einer 
schwachen Spur einer gedrehten Falte. 

Am nächsten verwandt ist T~ minima Hörn. sp. *), welche aber 
ein weit kleineres, dünneres pfriemenförmiges Gehäuse und einen 
verhältnißmäßig viel höheren letzten Umgang besitzt. Auch ist die 
Oberfläche ihrer Schale großenteils ganz glatt oder läßt nur Spuren 
von Fältchen wahrnehmen. Bei starker Vergrößerung sieht man sehr 
feine Spirallinien die feinen unregelmäßigen Anwachsstreifen durch- 
kreuzen. 

Selten im Steinsalz und Salzthon. 



') Chemnitzia minima Börnes 1. c I. pag. 542. Tut'. 43, Fig. 22. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung- von Wieliczka in Galizien. 159 

(3) Mit glatter ungerippter Schale. 

7. T. subombilicata Grat. sp. 

Hörn es 1. c. I. pag. 500. Taf. 43, Fig. 29. - Eulima (Melania) acicula 
Philippi enum. moll. Sicil. I. pag. 158, Taf. 9, Fig. 6; II. pag. 135. 
Meistens sehr kleine Exemplare kommen nicht gar selten im 
Steinsalz vor. 

Im Wiener Becken findet man die Species nur selten im Tegel 
von Baden, im Leithakalke von Steinabrunn, Nußdorf, Enzesfeld. 

8. T. obscura Rss. (Taf. 7, Fig. 5— 7). 

Mir liegen von dieser Species ziemlich zahlreiche aus dem Salz- 
thone ausgewaschene Fragmente vor, die sich wechselseitig ergänzen 
und daher ein vollständiges Bild der Schale zu entwerfen gestatten. 
Längere Zeit war ich geneigt, die Species mit T. subumbilicata 
Grat. sp. zu vereinigen; die genauere Untersuchung hat aber 
mancherlei Unterschiede kennen gelehrt. 

Die Zahl der Umgänge des nur sehr langsam an Dicke zuneh- 
menden Gehäuses muß bedeutend sein, denn ich fand Fragmente, an 
denen ich trotz dem Mangel des oberen und unteren Endes doch 
sieben Windungen zählte. Diese sind nicht flach, sondern ziemlich 
stark gewölbt, durch breite und tiefe Näthe geschieden, etwa zwei 
Drittel so hoch als breit. Sie schließen daher nicht, gleich wie bei 
T. subumbilicata, dicht aneinander. Die Mündung ist eiförmig-vier- 
seitig mit parallelen Seitenrändern. Der äußere Mundsaum scharf, 
der innere kaum umgeschlagen und daher keinen Nabelritz bildend. 
Die Spindel gerade, sehr schwach gedreht, nur eine sehr schwache 
und schräge, bisweilen kaum merkbare Falte bildend. Die glasig 
glänzende Schalenoberfläche läßt nur sehr feine ungleiche Anwachs- 
streifen erkennen. 

Die beschriebene Species nähert sich einigermaßen der Gattung 
Aciculina Desh., welche aber ein noch höheres Gewinde mit zahl- 
reicheren Umgängen und eine gerade Spindel ohne jede Spur einer 
Falte besitzt. 

Auch der Gattung Actis Lov. steht unsere Species sehr nahe. 
Manche Aclis-Avten sind ohnedies nichts als glatte Turbonillen mi 
obsoleter Spindelfalte oder ganz ohne dieselbe. 

9. T. aberrans Rss. (Taf. 7, Fig. 10). 

Die sehr kleine Species unterscheidet sich schon bei flüchtiger 
Betrachtung Yon allen übrigen Turbonilla- Arten durch die viel 



1 ()() R oii ss. 

schräger aufsteigenden Nathe. Das Gehäuse ist sehr dünn und 
schlank, mit siehen bis acht Umgängen. Die ersten zwei bis drei 
bilden einen ziemlich großen linksgewundenen helmartigen Nueleus, 
dessen Axe mit der Länersaxe des übrigen Gehäuses einen rechten 
Winkel bildet. Die Windungen werden durch tiefe canalförmige 
Näthe gesondert und sind ziemlich hoch. Der letzte Umgang samt 
der Mündung nimmt beinahe die halbe Gesamtlänge des Ge- 
häuses ein. 

Die Mündung ist gegen die Längsaxe des Gehäuses etwas schief 
gerichtet, eiförmig, unten abgerundet, oben etwas verschmälert. Der 
äußere Mundsaum scharf und dünn, der innere im unteren Theile 
sehr schwach umgeschlagen. Die gekrümmte Spindel ohne Falte. 
Die sehr dünne glatte durchscheinende Schale zeigt nur unter dem 
Mikroskope zarte Anwachsstreifen. 

Die beschriebene Species ist sehr analog der T. areta Desh. *) 
aus dem Pariser Becken, jedoch vermag ich nicht, eine Spur von 
Spindelfalte daran zu entdecken. Man könnte daher wohl geneigt 
sein, dieselbe der Gattung Aciculma Desh., deren Vorkommen frei- 
lich bisher auf die Eocänschichten des Pariser Beckens beschränkt 
ist, zuzurechnen. 

Die Species ist bisher nur sehr selten im Salzthon angetroffen 
worden. 

d) Tornatellidae Desh. 

Actaeon Montf. 

1. A. {unguis d'Orb. 
Hörnes 1. c. I. pag. 506. Taf. 46, Fig. 21. 

Der Salzthon hat kleine unvollständige, offenbar von junger 
Brut abstammende Schalen geliefert. — Durch die gedrängten 
regelmäßigen, tiefen, am Grunde mit Grübchen versehenen Spiral- 
furchen, welche die gesamte Oberfläche des letzten Umganges 
bedecken, geben sie sich als der oben genannten Art angehörig zu 
erkennen. 

Im Wiener Becken ist sie im Sande von Grund und im Leitha- 
kalke von Steinabrunn aufgefunden worden. 



J ) Oeshayes descr. des anim. s. vert. decouv. dans le bass. tert. de Paris II. pag. 
S74. Taf. 20, Fig. 28 — 30; Taf. 21, Fig. 5, 6. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 161 

Ringicula Desh. 

1. R. büccinea Brcch. sp. 

Hörnes 1. c. I. pag. 86, Taf. 9, Fig. 3, 4. 

Nicht gar selten und sehr wohl erhalten im Salzthon. Der letzte 
Umgang ist bald fein und regelmäßig quergestreift, bald glatt, nur 
mit den gewöhnlichen Anwachsstreifen versehen. 

Im Wiener Becken findet sich die Species vorzüglich im Tegel 
von Baden und Möllersdorf, selten im obern Tegel von Vöslau, im 
Leithakalk von Steinabrunn , Enzesfeld, Gainfahrn, im Sand von 
Pötzleinsdorf u. s. w. Übrigens miocän, pliocän und lebend. 

e) Bullacea Lamk. 
Bulla Brug. 

1. ß. conulus Desh. 

Deshayes descr. des coq. foss. des envir. de Paris. II. pag, 41. Taf. 5, 
Fig. 34—36. - Hörnes 1. c. I. pag. 620. Taf. SO, Fig. 4. 

Sehr selten im Steinsalz und Salzthon. Im Tegel von Baden, im 
Leithakalk von Steinabrunn und Gainfahrn, im Sand von Pötzleins- 
dorf. Lebend. 

2. B. trnncata Adams. 
Hörnes 1. c. I. pag. 621. Taf. SO, Fig. 5. 

Sehr selten im Steinsalz. Selten im Tegel von Baden und im 
Leithakalk von Steinabrunn. Pliocän, lebend. 

3. B. miliaris Brcch. 

Hörnes 1. c. I. pag. 619. Taf. SO, Fig. 2,3. 

Selten im Steinsalz und Salzthon. Im obern Tegel von Grinzing 
und im Leithakalk von Steinabrunn. 

Philine Ascan. 

1. Ph. punctata Adams. (Taf. 7, Fig. 11). 
Bullaea angustata Biv. Philip pi enum. moll. Sicil. I. pag. 191. Taf. 7, Fig. 
17. — B. punctata A d. II. pag. 95. 

Aus dem Salzthone wurden zwei sehr kleine, aber wohl erhal- 
tene Exemplare ausgewaschen, die mit der A d am s'schen Species 
vollkommen übereinstimmen dürften. Sie sind breit-eiförmig, am 
oberen Ende abgestutzt, sehr dünnschalig, mit zarten Spiralfurchen 
bedeckt, in welchen flache kettenartig an einander gereihte Grübchen 
stehen. Das sehr kleine Gewinde besteht nur aus iy a Umgängen. 
Die Mündung sehr groß, weit geöffnet, die Mundränder scharf. 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Abth. 11 



162« Heu s s. 

Im k. k. Bofmineralien-Cabinete liegen Exemplare von der Insel 
Rhodus, von Larnaka auf Cypern und aus dem Tegel von Lapugy in 
Siebenbürgen, welche wohl größer und mit etwas feineren, daher 
auch zahlreicheren Furchen geziert sind, übrigens aber vollkommen 
übereinstimmen. 

Pbilippi führt die Species, welche auch lebend gefunden wird, 
fossil von Palermo an. 

5. Pulmobranchiata Gray. 
a) Limnaeacea Lamk. 

Planorbis Müller. 

PL Reussi Hörn. 
Hörn es 1. c. I. pag. 609. Taf. 49, Fig. 26. 

Von dieser Species, welche bisher nur aus dem Süßwasserkalke 
des Eichkogels zwischen Mö'dling und Gumpoldskirchen bekannt ist, 
wurde blos ein kleines Exemplar aus dem Steinsalze ausgewaschen. 

6. Turbinacea Lamk. 
Trochus Lamk. 
a) Zizyphinus Adams. 

1. Tr. patulus Brcch. 

Hörn es 1. c. I. pag. 458. Taf. 45, Fig. 14. 

Ein Jugendexemplar wurde aus dem Salzthon (zweite Gruppe, 
Horizont E) durch Schlämmen gewonnen. 

Im Wiener Becken im Leithakalk von Steinabrunn, Nikolsburg, 
Gainfahrn, Mattersdorf, Niederleis u. s. w., im Sande von Grund und 
in jenem von Pötzleinsdorf u. a. , übrigens an anderen miocänen und 
pliocänen Fundstätten. 

ß) Tectus Adams. 

2. Tr. Gerambi Rss. (Taf. 7, Fig. 12). 

Eine niedrig-thurmförmige Species , S Millim. hoch und an der 
Basis 3-5 Millim. breit. Sechs bis sieben Umgänge, mäßig gewölbt, 
am meisten in ihrem unteren Drittheile, durch mäßig tiefe Näthe 
gesondert. Der letzte Umgang nimmt etwa s/ 5 der Gesamthöhe des 
Gehäuses ein. Die Basis ist etwas gewölbt, mit gerundetem Rande, 
ohne jede Spur eines Nabels. Die Mündungsfläche etwas schief zur 
Längsaxe des Gehäuses geneigt. Die Schale dick. Der Mundrand 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliezka in Galizien. 163 

durch den vorletzten Umgang unterbrochen. Der äußere Mundsaum 
bogenförmig, scharf. Die Spindel kurz, etwas gekrümmt, am untern 
Ende abgestutzt und in einen breiten zusammengedrückten Zahn 
ausgezogen. Zunächst ihrem oberen Ende steht auf dem vorletzten 
Umgange eine schwache callöse Verdickung. Die Oberfläche der 
Schale ist mit gedrängten regelmäßigen feinen vertieften Querlinien 
bedeckt. 

Die Species hat Ähnlichkeit mit dem Tr. puber Eichw. i) von 
Zukowce u. a. 0. in Polen, unterscheidet sich davon jedoch schon 
durch die Beschaffenheit der Mündung und der Spindel. 

Ich habe die Species nach dem Herrn Freiherrn v. Geramb, 
Vorstand der k. k. Berg- und Salinendirection in Wieliezka , der 
meine Arbeit durch Zusendung reichlichen Materiales freundlichst 
unterstützte, benannt. Das beschriebene wohl erhaltene Exemplar 
war in körnigem Spizasalze eingewachsen. 

7) Monodonta Lamk. 
3. Tr. angulatus Eichw. 
Monodonta angulata Eichw. Hörne s 1. c. I. pag. 439. Taf. 44, Fig. 9, 10. 

Ein Exemplar wurde aus dem Salzthone ausgeschlämmt. Ein 
anderes vollständig erhaltenes aus dem Spizasalze wurde von Herrn 
Markscheider Ott gefälligst eingesendet. 

Im Wiener Becken wurde die Species im Leithakalk von Steina- 
brunn, Nußdorf, Gainfahrn, Nikolsburg u. s. w. aufgefunden. 

7. Naticidae Forbes. 

Natica Ad ans. 

1. N. helicina Brcch. 
Börnes 1. c. I. pag. 525. Taf. 47, Fig. 6, 7. 

Es liegen nur drei nicht ganz vollständige kleine Exemplare aus 
dem Steinsalz und Salzthon vor, von denen jedoch eines eine ziem- 
lich sichere Bestimmung gestattet. 

Die Species ist im Tegel von Baden und Vöslau sehr häufig; 
seltener erscheint sie in andern Tegelschichten, im Sande von 
Grund, im Leithakalke von Nußdorf, Gumpoldskirchen , Steinabrunn, 
Kostel u. s. w. Übrigens verbreitet im Miocän und Pliocän und lebend. 



!) Eichwald Leth. ross. III. pag. 231. Taf. 9, Fig. 20. 

11 



[ (J 4 H e u s s 

2. N. Josophinia Risse? 
Börnes 1. c. L pag. 523. Taf. 47, Fig. 4, 5. 

Ein sehr kleines unvollständiges Exemplar aus dem Steinsalz. 
Die Bestimmung ist keineswegs unzweifelhaft. 

Im Wiener Becken liegt die Species im Tegel (Vöslau) und 
Leithakalk (Steinabrimn , Gainfahrn), im Sande von Grund u. s. w., 
anderwärts im Miocän und Pliocän und lebt häufig noch in den 
jetzigen Meeren. 

8. Cerithiaceae Menke. 

Cerithium Adans. 

L C seabrnm Olivi sp. 
Hörn es 1. c. I. pag. 410. Taf. 42, Fig, 16, 17. 

Die Species kömmt im Steinsalze nicht selten, im Salzthone 
seltener vor, aber beinahe stets in jungen unausgebildeten Schalen. 
Von größeren Individuen sind nur einzelne Bruchstücke gefunden 
worden. Der Leithakalk von Steinabrimn beherbergt die Species in 
ungemeiner Menge. Übrigens ist dieselbe im Miocän und Pliocän 
verbreitet und lebt noch in den heutigen Meeren. Nach Philipp i 
soll sie auch im Oberoligocän vonCassel und Luithorst zu Hause sein. 

2. C. Schwartzi Hörn. 

Hörn es 1. c. I. pag. 412. Taf. 42, Fig. 18. 

Nicht selten im Steinsalze, aber fast stets junge Brut. Im Wiener 
Becken hat der Leithakalk, besonders von Steinabrunn, die Species 
geliefert. 

9. Muricidae Flem. 
ffiurex L. 

Aus dem Steinsalze wurde eine sehr kleine Schale ausgewaschen, 
offenbar junge Brut, über deren Gattungsrecht zwar kein Zweifel ob- 
walten kann, die aber keine Bestimmung der Species gestattet. 

10. Conidae Wo od ward. 
Conus L. 

1. C. fuscocingalatus Bronn. 
Hernes I. c. I. pag. 21. Taf. 1, Fig. 4, 5. 

Nach einer von Herrn Markscheider Ott in Wieliczka erhal- 
tenen Mittheilung soll ein Exemplar dieser Species im Salzthone 
gefunden worden sein. Da dasselbe jedoch in Verlust gerathen ist, 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. lbo 

war ich nicht in der Lage, den Fund selbst einer wiederholten Prü- 
fung zu unterziehen. 

Im Wiener Becken liegt die Species im oberen Tegel von Vöslau, 
im Leithakalke von Steinabrunn, Nikolsburg, Enzesfeld u. s. w. , im 
Sande von Pötzleinsdorf. 



VIII. OSTRACODEM. 

Bairdia M. Coy. 

I. B. arcnata v. M. sp. 

Cytherina arcuata v. Münster in Leonh. u. Bronn's Jahrb. 1830. pag. 
63; 1835. pag; 446. — Römer ebendaselbst 1838. pag. 517. Taf. 6, 
Fig. 17. — Reu ss die foss. Entomostraceen d. österr. Tertiarbeckens 
pag. 11. Taf. 8, Fig. 7. — Bairdia arcuata Bosquet entomostr. foss. des 
terr. tert. de Ja France et de la Belg. pag. 32. Taf. 1, Fig. 14. — Bairdia 
siliqua Jones a monograph. of the entomostr. of tbe cretac. form, of 
Engl. pag. 25. Fig. 16. 

Ihr Umriß ist sehr großen Schwankungen unterworfen. Er ist 
bald schmäler und länger, bald breiter und kürzer. Auch der Winkel, 
den der obere Rand bildet, tritt bald mehr, bald weniger deutlich 
hervor, verschwindet wohl auch ganz. Daher glaube ich bei der 
Ansicht beharren zu müssen, daß auch B. curvata Bosq. *)» welche 
bei Wieliczka ebenfalls vorkömmt, von B. arcuata nicht specifisch 
verschieden sei trotz der, wie es scheint, entgegengesetzten Meinung 
Speyer's*). 

Die Species wurde im Salzthon nur selten gefunden. 

Übrigens ist sie ungemein verbreitet. Ich habe sie im Tegel 
von Möllersdorf, Grinzing und Rudelsdorf, so wie im Leithakalk von 
Nußdorf und Kostel angetroffen. Sie wird angeführt von Leognan, 
Dax, Castellarquato ; im Oberoligocän des Ahnegrabens bei Cassel, 
vonNiederkaufungen und Harleshausen; im Eocän von Jeurre, Etrechy, 
Grignon, Cuise-la-Mothe; die var. siliqua in der Kreide Englands 
und von Maastricht. Endlich lebt die Species nach Jones noch an 
den Küsten von Tenedos und Turk Island, Bahama. 



Bosquet 1. c. pag. 35. Taf. 2, Fig. 2. 

2 ) Speyer, die Ostracoden der Casseler Tertiärbildungen, 18C3. pag. 42. 



l(j() Reuss. 



2. lt. nngniculus Rss. 



Cytherina nngniculus Reuss I. c. pag, 11. Taf. 8. Fig. 6. 

Sehr selten im Salzthon. — Im Tegel von Brunn, Vöslau, 
zwischen Atzgersdorf und Altmanns dorf und von der Ödenburger 

Ziegelei. 

3. B. lucida Rss. 

Cytherina lucida Reuss 1. c. pag. 10. Taf. 8, Fig. 4. 
Sehr selten im Salzthon. 

4. C. crystallina Rss. 

Cytherina crystallina Reuss 1. c. pag. 18, Taf. 8, Fig. 30, 31. 

Häufig im Salzthon, sehr selten im Tegel von Grinzing. Sie 
nähert sich durch die zarten Radialfurchen am vorderen Ende einiger- 
maßen der B. sitbradiosa Rom. sp. *), weicht aber in den übrigen 
Merkmalen sehr davon ab. 

5. B. neglecta Rss. 

Cytherina neglecta Reuss 1. c. pag. 12. Taf. 11, Fig. 4. 

Von der ähnlichen B. arcuata ist sie durch das viel kleinere, 
weniger gewölbte, am hinteren Ende mehr zugespitzte Gehäuse ver- 
schieden. Sie kömmt im Salzthone nur sehr selten vor. 

6. B. gracilis Rss. 

Cytherina gracilis Reuss 1. c. pag. 12. Taf. 11 , Fig. 3. 

Ich habe diese im Salzthone selten vorkommende Species immer 
nur in aus beiden Klappen bestehenden geschlossenen Exemplaren 
und in Steinkernen beobachtet, war daher nie in der Lage, das Innere 
der Klappen und den Schloßbau zu untersuchen. Die Gattung, welcher 
sie angehört, bleibt daher etwas zweifelhaft. Die kleinen Schalen 
sind bohnenförmig, fast gerade, am vorderen Ende gerundet, am hin- 
teren schief, mit einer nach abwärts gewendeten abgestumpften Spitze 
versehen , an welcher jede Klappe einen kleinen ziemlich tiefen ellip- 
tischen Eindruck zunächst dem Rande darbietet. Der obere Schalen- 
rand ist gebogen, der untere fast gerade , nur sehr wenig concav. 
Der Rücken erhebt sich zunächst dem hinteren Ende in ziemlich 
starker Wölbung und fällt dort steil ab, während er sich nach vorne 
sanfter abdacht. 



Bosquet 1. c. pagi 22. Taf. 1, Fig. 6. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien. 167 

Betrachtet man die vereinigten Klappen von der Bauchseite , so 
nimmt man zwei schmale und seichte, aber deutliche hufeisenförmige 
Furchen wahr, deren größere ihre Concavität dem Hinterende, die 
kürzere dagegen dem Vorderende der Schale zukehrt. Diese Furchen 
sind auch noch an den Steinkernen bemerkbar, müssen also an der 
Innenseite der Schalen etwas leistenartig hervortreten. 

7. B. trichospora Rss. 

Cytherina trichospora Reuss 1. c. pag. 19, Taf. 9, Fig. 3, 4. 

Sehr selten im Salzthon. Im Tegel von Meidling und Grinzing 
bei Wien; in den Subapenninenschichten von Castellarquato. 

Cytheridea Bosq. 
1. C. seininuluni Rss. 

Cytherina semimdum Reuss 1. c. pag. 19. Taf. 9, Fig. 5 — 8. 

Wenn man die Diagnose von C. Mülleri v. M. sp. sehr erwei- 
tert, so könnte C. semimdum w r ohl auch als Varietät derselben auf- 
gefaßt werden nach S p eye r's Vorgange i). Sie unterscheidet sich 
aber von den typischen Formen, abgesehen von dem Umrisse, durch 
die gedrängten feinen regellos stehenden Grübchen und durch die 
entfernten Stachelhärchen. Übergänge habe ich bisher nicht wahr- 
genommen. 

Im Salzthon ist die Species sehr selten. Dagegen ist sie gemein 
im Tegel zwischen Atzgersdorf und Altmannsdorf, von Moosbrunn, 
von der Ödenburger Ziegelei, von Brunn, im Sande von Heiligenberg. 
Im Leithakalk habe ich sie noch nicht beobachtet. 

Cythere Müller. 
1. C. salinaria Rss. 

Cytherina salinaria Reuss 1. c. pag. lo. Taf. 8, Fig. 22. 

Von der ähnlichen C. punctata v. M. unterscheidet sie sich 
durch geringere Wölbung der Schalen und durch die kleineren un- 
regelmäßigeren, entfernteren und nicht reihenweise stehenden Grüb- 
chen. Auch ist das hintere Ende nicht zu einem Randsaum zusammen- 
gedrückt, sondern bildet einen dreieckigen, in der Mitte der Länge 
nach etwas gekielten Lappen. Der Bauchrand ist weniger einge- 
bogen, mehr gerade. 

Selten im Salzthon. 



0. Speyer 1. c. pag. 49. 



168 Reu s s. 

2. f. Philippii Rss. 

Cypridina Philippii Reussl. c. pag. 20. Taf. 9, Fig. 17. 

Nicht selten im Steinsalz. Im Leithakalke von Kostel in Mähren. 

3. C. Rostelensis Rss. 

Cypridina Kostelensis Reuss 1. c. pag. 28. Tuf. 9, Fi». 22. 

Die Formen aus dem Untereocän von Woohvich, welche 
R. Jones damit zu vereinigen geneigt ist, unterscheiden sich durch 
die abweichende Beschaffenheit des Hinterendes der Klappen, die 
geringere Wölbung des Rückens und die feineren Grübchen der 
Schalenoberfläche. Sie dürften daher wohl von unserer Species ver- 
schieden sein. Ich kenne sie jedoch nicht aus eigener Anschauung, 
muß mich daher eines entscheidenden Ausspruches enthalten. 

Die Species ist im Steinsalze nicht gar selten. Sie findet sich 
überdies im Leithakalke von Kostel, Steinabrunn, Nußdorf, im Tegel 
zwischen Atzgersdorf und Altmannsdorf und von Grinzing. 

4. C. angulata Rss. 

Cypridina angulata Reuss 1. c. pag. 28. Taf. 9, Fig. 23. 

Nicht selten im Steinsalz. Im oberen Tegel von Grinzing und 
Rudelsdorf. 

5. C. galeata Rss. sp. 

Cypridina galeata Reuss 1. c. pag. 27. Taf. 9, Fif. 20. — Cythere galeata 
Bosquet 1. c. pag. 78. Taf. 3, Fig. 14. 

Sehr selten im Salzthon. — Im Tegel von Grinzing und Rudels- 
dorf, im Leithakalk von Wurzing , Freibichl und St. Nicolai. Nach 
Bosquet bei Bordeaux. 

6. C. opaca Rss. 

Cypridina opaca Reuss 1. c. pag. 31. Taf. 9, Fig. 30. 

Selten im Steinsalze , häufig im Leithakalke von Kostel in 
Mähren. 

Die eingestreuten größeren Grübchen dürften Ansatzstellen von 
Haaren sein. 

7. C. hastata Rss. 

Cypridina hastata Reuss 1. c. pag. 29. Taf. 9, Fig. 26. 

Seiten im Salzthon. — Im Leithakalk von Nußdorf, Gainfahrn, 
Garschenthal, Kostel, Wurzing, St. Nicolai; im Tegel von Grinzing 
und Rudelsdorf. 



Die fossile Fauna der Steinsalzahlagerung von Wieliczka in Galizien. 169 

8. C. sagittula Rss. sp. 

Bosquet I. c. pag. 83. Taf. 4, Fig. o. — Cypridina sagittula Reussl. c. 
pag. 30. Taf. 11, Fig. 8. 

Sehr selten im Salzthon. — Bei Bordeaux. 

9. C. clatbrata Rss. 

Cypridina clathrata Reussl. c. pag. 31. Taf. 9, Fig. 31. 

Sehr selten im Salzthon. — Im Tegel von Radelsdorf. 

10. C. canalkulata Rss. 

Cypridina canaliculata Reuss 1. e. pag. 36. Taf. 9, Fig. 12. 

Ziemlich häufig im Salzthon. — Im Tegel Ton Meidlmsr, Grin- 
zing, Rudelsdorf; im Leithakalk von Wurzing und Gainfahrn. In den 
Subapenninen-Mergeln von Castellarquato. 

11. C. daedalea Rss. 

Cypridina daedalea Reuss 1. pag. 36. Taf. 9, Fig. 13, 14. 
Sehr selten im Salzthone von Wieliczka. 

12. C. carinella Rss. 

Cypridina carinella Reuss I. c. pag. 36. Taf. 10, Fig. 10. 

Sehr selten im Steinsalz, ziemlich häufig im Salzthon. Sie ist 
die größte der Wieliczkaer Ostracoden-Species. — Sie findet sich 
auch im Tegel von Möllersdorf, zwischen Atzgersdorf und Altmanns- 
dorf und von Grinzing, so wie in den Subapenninenschichten von 
Castellarquato. 

Sie ist der C. sphenoides Rss. aus der weißen Kreide der Do- 
brudscha und den Gosauschichten *) sehr verwandt. 

13. C. denudata Rss. 

Cypridina denudata Reuss 1. e. pag. 42. Taf. 11. Fig. 6. 
Sehr selten im Salzthon. 



*) C. tenuicristuta Reuss in d. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissenscb. in Wien. 
Bd. 52, pag. 23. Fig. 12. — C. sphenoides Reuss in d. Denksehr. d. kais. Akad. 
d. Wis-sensch. in Wien Bd. 7, pag. 141. Taf. 27, Fig. 2. — Beide genannte 
Species stimmen mit einander überein. Die Abwesenheit der feinen Grübchen an 
der Basis des Pectoralkieles bei C. sphenoides dürfte keinen Gegengrund abgeben, 
ebenso wenig als die regelmäßige Zähnelung des vorderen Randsaumes, die unbe- 
ständig sein kann. Ob C. triangularis Rss. aus der oberen Kreide von Basdorf in 
Meklenburg (Zeitsehr. d. deutseh. geol. Ges. 1855. pag. 279. Taf. 10. Fig. 3) 
auch hierher gehöre, muß ich bei der geringen Menge des vergleichbaren Materials 
unentschieden lassen. Die abweichende Form, die Compression des ganzen vord ren 
Schaleniandes u. s. w. gestatten bisher die Identification nicht. 



170 Reu s s. 

In der I. c. gegebenen Abbildung sind zwar die Contourcn der 
Schalen richtig dargestellt, aber die übrigen Details I heilweise über- 
sehen. Die Schale ist am hinteren Ende flach gerundet und schmäler 
als am vorderen breit und schief zugerundeten Ende. Der obere und 
liniere Rand, welche beide gerade sind, divergiren daher etwas nach 
vorne. Der Hinterrand zeigt einige kleine unregelmäßige Zähnchen; 
der vordere ist mit dünnen borstenartigen Zähnen besetzt, die aber 
gewöhnlich abgebrochen sind. Der Schalenrücken erscheint am hin- 
teren Ende, gegen welches er steil abfällt, am stärksten gew r ölbt; 
nach vorne dacht er sich allmälig ab. Vom gewölbtesten Theile der 
Schale entspringen zwei bis fünf sehr schmale und niedrige Längs- 
falten, die sich jedoch nur über ein Drittheil, höchstens über die Hälfte 
der Schalenlänge erstrecken. Zwei derselben pflegen am längsten zu 
sein. Die übrige Schalenoberfläche ist mit entfernten kleinen seichten 
Grübchen bedeckt. 

14. C. plicatula R s s. sp. 

Bosquet 1. c. pag. 92. Taf. 4. Fig. 13. — Cypridina plicatula Reuss I. c. 
pag. 44. Taf. 10, Fig. 23. 

Sehr selten im Salzthon. — Im Tegel von Grinzing und Rudels- 
dorf, im Leithakalk von Nußdorf, Koste!, Gainfahrh. Nach Rosquet 
bei Bordeaux, Dax, Perpignan. 

15. C verrucosa Rss. 

Cypridina verrucosa Reuss 1. c. pag. 40. Taf. 10, Fig. 16. 

Sehr selten im Salzthon. — Im Tegel von Grinzing und Rudels- 
dorf; im Leithakalk von Nußdorf, St. Nicolai. 

16. C. Edwards! Rom. sp. 

Cytherina Edwardsi Römer in Leon h. u. Bronn 's Jahrb. 1838. pag. 518. 
Taf. 7, Fig. 27. (ic. mala). — Cypridina Edwardsi Reuss 1. c. pag. 
44. Taf. 10, Fig. 24. — Cythere Edwardsi Bosquet 1. c. pag. 94. 
Taf. 4. Fig. 11. 

In der von mir 1. c. gegebenen Abbildung ist der am hinteren 
oberen Schalenrande gelegene Kiel nicht berücksichtigt; jedoch ist 
derselbe stets dünner als die beiden übrigen und tritt bisweilen nicht 
sehr hervor. Am beständigsten ist der unterste über der Pectoral- 
fläche befindliche Längskiel. Der mittlere Rückenkiel gibt zuweilen 
einen schwächeren oberen Ast ab. 

Das hintere Schalenende ist in der erwähnten Abbildung 
unrichtig dargestellt. Es ist schräge abgestutzt und an dem 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung- von Wieliczka in Galizien. 171 

abwärts gerichteten Rande mit einigen scharfen ungleichen Zähnen 
besetzt. 

Die Species wurde nur sehr selten im Steinsalze angetroffen, 
Sie findet sich überdies im Tegel von Grinzing und Rudelsdorf, im 
Leithakalk von Nußdorf; bei Antwerpen, Perpignan, Leognan, Dax, 
Palermo. 

17. C. coronata Rom. 

Römer in Leonh. u. Bronn 's Jahrb. 1838. pag. 518. Taf. 6, Fig. 30. 
(ic. mala). — Cypridina coronata R eu ss 1. c. pag. 40. Taf. 10, Fig. 17. 

Sehr selten im Salzthon. — Im Tegel von Möllersdorf, Grinzing, 
Rudelsdorf, im Leithakalk von Nußdorf, Kostel, Großing, bei Castell- 
arquato, nach Römer bei Palermo. 

C. ceratoptera R o s q. *) ist hinten mehr verschmälert und weit 
steiler abschüssig. Die Spaltung der Kerbzähne des Flügelkieles 
beobachtet man bisweilen auch an C. coronata; jedoch pflegen die 
Zähne, besonders der hinterste, an C. ceratoptera länger zu sein. 

18. C. bituberculata Rss. 

Cypridina bituberculata Reuss I. c. pag. 37. Taf. 10, Fig. 11. 

Sehr selten im Salzthon. — Im Tegel von Rrunn und Rudels- 
dorf; in den Subapenninenschichten von Castellarquato. 

19. C. triqueira Rss. 

Cypridina triquetva Reuss 1. c. pag. 42. Taf. 10, Fig. 19. 
Sehr selten im Steinsalze. 

20. C. asperrima Rss. 

Cypridina asperrima Reuss I. c. pag. 34. Taf. 10, Fig. 5. 
Selten im Salzthon. 
Im Tegel von Raden, Möllersdorf, Moosbrunn, Grinzing. 

21. C. coclacantha Rss. 

Cypridina coelacantlia Reuss I. c. pag. 34. Taf. 11, Fig. 5. 
Nicht selten im Salzthon. 



Bosquet I. c. pag. 114. Taf. 6, Fig. 2. 



172 Reuss. 

IX. < IKUII'B IUI K. 

Poecilasma Darw. 

1. ?P. miocacnica Rss. (Taf. 8, Fig. 4—6). 
Reuss über foss. Lepadiden in d. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. 
Bd. 49. pag. 16 des Separatabdr. Taf. 2. Fig. 12. 

Die kleinen im Salzthone häufig vorkommenden, aber sehr zer- 
brechlichen Scutalklappen stimmen vollkommen in der Größe und 
den übrigen Kennzeichen mit dem von mir aus dem Leithakalke Von 
Podjarkow bei Kurowice in Galizien beschriebenen Exemplare überein. 
In Betreff der Details findet jedoch selbst unter den einzelnen Exem- 
plaren manche Verschiedenheit Statt. Der Basalrand ist bald kürzer, 
bald länger, bald mehr, bald weniger gebogen; die Rückenkiele treten 
bald als deutliche fadenförmige Streifen hervor, bald sind sie mehr 
verwischt; die obere Spitze ist in verschiedenem Grade entwickelt, 
die Seitenränder sind mehr oder weniger convex. 

Der zwischen den beiden Kanten gelegene Theil der Rücken- 
fläche pflegt in der Regel nicht so stark eingedrückt zu sein, als ihn 
die citirte Abbildung zeigt. Gewöhnlich sieht man sehr zarte radiale 
Streifen über den Rücken verlaufen. 

Unter den beobachteten Exemplaren befanden sich einige, an 
denen noch beide Scutalklappen in ihrer ursprünglichen Lage ver- 
einigt sind und da bemerkt man, daß beide zuweilen einen ungleichen 
Grad von Convexität darbieten, wie dies auch Darwin von einigen 
lebend en Poecilasma-Arten bemerkt 1 ). Von der Carina, die jeden- 
falls sehr klein gewesen sein muß, da die größten Scuta kaum mehr 
als 5 Millim. in der Länge messen, ist nirgend eine Spur vorhanden. 
Eben so wenig sind dieser Species angehörige Terga gefunden wor- 
den und es wäre möglich, daß P. miocaenica gleich der lebenden 
P. eburnea Darw. sp. zu den dreiklappigen der Terga entbehrenden 
Species gehört. 

Dieselbe Species habeich neuerlichst in den gypshältigen Tertiär- 
schichten von Kathrein in N. von Troppau entdeckt, woher sie Herr 
Gymnasialprofessor Em. Urban dem k. k. Hofmineraliencabinete 
einsandte. 



*) Darwin a monograph of Cirripedia. 1851. I. pag-. 101. 



Die fossile Fauna der Steinsalzüblagerung von Wieliczka in Galizien. 1 7o 

X. DECAPODEN. 

a) Rracliyuren. 

Microdium Rss. 

I. M. nodulosam Rss. (Taf. 8, Fig. 7, 8). 

Es liegt nur das Kopfbrustschild von der oberen Seite vor. 
Antennen , Augen und Augenhöhlen , Scheeren u. s. w. , kurz alle 
Theile, die zur genauen Bestimmung des fossilen Restes von Wich- 
tigkeit sind, fehlen. Das Kopfbrustschild ist mäßig in die Quere ver- 
längert, 15-5 Millim. breit und 11-5 Millim. hoch, von einer Seite 
zur anderen nur wenig , von vorne nach hinten mäßig gewölbt. Die 
sanft abwärts geneigte Stirne ist etwa 3-2 Millim. breit und zeigt am 
Rande zwei durch eine tiefe Furche geschiedene stumpfe zahnartige 
Lappen. Die breiten Augenhöhlenausschnitte zeigen am Oberrande 
zwei Spalten, so daß dieser dadurch dreizähnig erscheint. Der 
äußerste dieser Zähne ist am größten und ragt am meisten vor. 

Der vordere Seitenrand des Cephalothorax geht vom Außenende 
der Augenhöhlen in regelmäßigem Bogen nach hinten und an der 
Stelle seiner Vereinigung mit dem hinteren Seitenrande liegt die 
Linie der größten Breite des Schildes. Er mißt beinahe 9 Millim. in 
der Länge, übertrifft daher darin den hinteren Seitenrand. Er trägt 
vier dreieckige nicht sehr scharfspitzige Zähne, deren Rand wieder 
fein gezähnelt ist. Zwischen je zwei Zähnen beobachtet man bis- 
weilen einen sehr kleinen eingeschobenen. Der an der Vereinigungs- 
stelle des vorderen und hinteren Seitenrandes befindliche Zahn ist 
der größte. 

Der hintere Seitenrand besitzt beiläufig eine Länge von 6 -5 Millim., 
ist fast gerade und durch fünf kleine, nach hinten an Größe ab- 
nehmende schief nach vorne und außen gerichtete Zähne ein- 
geschnitten. 

Die einzelnen Regionen des Kopfbrustschildes treten nur in sehr 
flacher Wölbung hervor und sind durch seichte breite Depressionen 
gesondert. Im Ganzen erscheinen sie aber deutlich genug begrenzt 
und mit kleinen rundlichen Buckeln besetzt. 

Die hinter den sehr kleinen Frontalgegenden gelegenen Epi- 
gastricalregionen sind nicht getrennt, sondern stellen eine kleine ebene 
Fläche dar. Die dahinter befindlichen verhältnismäßig großen Protöga- 
stricalfelder sind rundlich -vierseitig, mäßig gewölbt und besonders 



174 Reu ss. 

nach innen hin durch seichte aber deutliche Furchen geschieden. Auf 
der flachen Wölbung eines jeden derselben erheben sich zwei kleine 
rundliche Höcker in einer etwas schief nach hinten und außen gehen- 
den Richtung. Zwischen die genannten Felder schiebt sich mit einer 
langen , vorwärts bis in die Nähe der Stirne reichenden Spitze 
die mesogastrische Region ein, die im hinteren Theile mit der 
urogastrischen zu einer schmal -und etwas verlängert- pentagonalen, 
nach hinten gewölbten Hervorragung verschmolzen ist. Sie wird 
hinten durch eine breite und seichte, aber deutliche Furche von der 
Cardialgegend abgegrenzt, welche in ihrem mittleren Theile sich zu 
einem queren Wulst erhebt, welcher zwei neben einander liegende 
flache runde Höcker trägt. 

Die mäßig große Leberregion erhebt sich zu einem einzigen 
kleinen zugespitzten Höcker. Von der protogastrischen und der da- 
hinter liegenden vorderen Rranchialregion wird sie nur durch seichte 
Depressionen geschieden. 

Die ziemlich große vordere Branchialregion ist mäßig gewölbt 
und in einer queren mit dem größten Querdurchmesser des Schildes 
zusammenfallenden Richtung mit zwei kleinen Buckeln besetzt, deren 
äußerer etwas mehr zugespitzt ist. Die hintere Branchialgegend 
erscheint von der vorderen kaum geschieden und trägt einen sehr 
kleinen flachen Höcker, der mit jenen der vorderen Branchialregion 
ein mit der Spitze rückwärts gerichtetes, beinahe gleichschenkliges 
Dreieck bildet. 

Die Oberfläche der dünnen Schale zeigt sich nur dem bewaff- 
neten Auge mit sehr vereinzelten und zarten Körnchen bedeckt, die 
nur auf den Spitzen der in den verschiedenen Körperregionen ge- 
legenen Höcker in größerer Zahl sich zusammendrängen. Viel zahl- 
reicher sind die zwischen diese Körnchen überall eingestreuten feinen 
Grübchen. 

Von den übrigen Merkmalen, die für die Bestimmung der Gat- 
tung und Species von hervorragender Bedeutung sind, ist leider keine 
Spur erhalten. Die Bestimmung kann daher nur eine vorläufige und 
problematische sein. 

Die größere Breite des Kopfbrustschildes, die gezähnte Stirne, 
der ausgedehnte bogenförmige vordere Seitenrand, die doppelte 
Zähnung desselben, die Einfachheit der schwach geschiedenen 
Körperregionen u. s. w. nähern unseren Fossilrest der Familie der 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wieliczka in Galizien, 175 

Canceriden. Auch die Beschaffenheit der vorliegenden fragmentären 
Scheere, welche liielier zu gehören scheint, steht damit im Einklänge. 
Zur sicheren Bestimmung aber, besonders der Gattung reichen jedoch 
die vorliegenden Daten nicht aus. Da sich aber am Kopfbrustschilde 
manche nicht unerhebliche Verschiedenheiten von den bisher be- 
kannten Gattungen zu erkennen geben, habe ich es vorgezogen, lieber 
vorläufig eine neue Gattung dafür aufzustellen, als eine irrthümliche 
Unterordnung unter eine andere Gattung vorzunehmen. 

Nebst dem beschriebenen Cephalothorax liegt ein Scheeren- 
bruchstück vor, welches wohl derselben Species angehören dürfte 
Die Hand ist 3-7o Millim. lang und am vorderen breiteren Ende 
2*75 Millim. breit, vierseitig, hinten schief abgeschnitten. Die innere 
Seite ist mäßig gewölbt und zeigt außer den gewöhnlichen feinen 
Grübchen noch sehr vereinzelte in einigen einfachen Reihen stehende 
zarte Körnchen. Die äußere Fläche ist gewölbter und wird von fünf 
dicht gekörnten niedrigen Längskielen durchzogen. Ebenso sehen 
wir die Seitenränder der Hand mit Körnchen bedeckt, besonders den 
vorderen, an welchem sie eine Anordnung in unregelmäßige Quer- 
reihen verrathen. 

Von dem hinteren kurzen Scheerengliede, so wie von dem Daumen 
sind nur kleine Bruchstücke erhalten. — 

Das Steinsalz hat übrigens noch Fragmente der beweglichen 
Finger von zweierlei Scheeren geliefert, die offenbar größeren 
Arten (aus der Familie der Canceriden) angehören. Die eine Art ist 
am Außenrande mit starken ungleichen Zähnen besetzt und trägt 
außerdem auf jeder Fläche zwei starke gerundete Kiele, die durch 
tief ausgehöhlte Furchen geschieden werden und auf dem Rücken 
mit feinen Körnern bedeckt erscheinen. 

Das zweite Bruchstück weicht von dem beschriebenen wesent- 
lich ab. An seinem concaven Rande beobachtet man drei große 
stumpfe zahnartige Höcker, die auf jeder Seite von einer schmalen 
Furche mit einzelnen Grübchen am Grunde eingefaßt werden. Der 
convexe Rand ist unbewehrt, nur mit einer Längsfurche dieser Art 
versehen. Ahnliche zwei Furchen verlaufen auf der äußeren Fläche, 
dagegen eine einzige, aber tiefere auf der inneren Fläche. Die übrige 
Schalenoberfläche ist mit gedrängten feinen Körnern bedeckt. 

Nicht gar selten sind endlich Bruchstücke von Gangfüßen , die 
nicht gekantet, sondern im Querschnitte beinahe elliptisch sind. Nur 



I 7 1> Reuss, 

ist eine Fläche etwas gewölbter als die andere. Die Oberfläche ist 
mit entfernten leinen Grübchen versehen. 



XI. FISCHE. 

Auch an Fischen hat es in dem Meere, aus welchem sich das 
Steinsalzlager von Wieliczka absetzte, nicht gefehlt. Dies beweisen 
die darin erhaltenen Überreste. Dieselben sind aber selten und so 
fragmentär, daß eine genaue Bestimmung der Thierspecies, von 
welchen sie abstammen, ganz unmöglich ist. 

Gadus L. sp. 

Schon seit langer Zeit befindet sich in der Sammlung der k. k. 
geologischen Reichsanstalt der Abdruck eines Fisches in einer Niere 
von Salzthon, von welcher beide einander entsprechende Gegen- 
platten vorhanden sind. Sie wurde mit gewohnter Liberalität mir zur 
Untersuchung überlassen. Ich habe dieselbe meinem verehrten 
Freunde und Collegen Prof. Dr. Kner zur Prüfung übergeben und 
derselbe hatte die Gefälligkeit, mir darüber nachstehende Bemerkun- 
gen mitzutheilen: „Der Erhaltungszustand des Fisches, dessen Total- 
länge etwa einen Fuß betragen haben mag, ist ein ziemlich schlechter, 
und nur der Kopf samt einem Theile des Vorderrumpfes liegt vor. 
Doch läßt sich mit voller Sicherheit die Familie und höchst wahr- 
scheinlich auch die Gattung bestimmen, welcher dieser Fisch ange- 
hörte. Es war ein Gacloid und wahrscheinlichst ein Gadus selbst 
aus folgenden positiven und negativen Gründen. Es war ein Weich- 
flosser oder gliederstrahliger Knochenfisch mit brustständigen Bauch- 
flossen, großem Kopfe, mit etwas zugespitzter Schnauze, weiter 
Mundspalte und schwach gebogenen Spitzzähnen von ungleicher 
Größe, großem Auge, hoch eingelenkten und ziemlich langen Brust- 
flossen, dessen erste Rückenflosse bald hinter der Crista occipitalis 
begann und dessen Rumpf mit mäßig großen Schuppen bedeckt war. 
Wenn gleich der größte Theil des Rumpfes und der ganze Schwanz 
fehlen, so lassen doch die angeführten Merkmale keinem Zweifel 
Raum, daß hier die Überreste eines Meerbewohnenden Gadoiden, und 
zwar wahrscheinlich eines Gadus selbst vorliegen, der höchstens im 
halberwachsenen Zustande sich befunden haben mag. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung- von Wi«liczka in Galizien. \ ( i 

Die Länge des Kopfes von der Symphyse bis zum Rande des 
Deckels nahe vor der Einlenkung der Brustflossen betrug- circa 2" 10'", 
die größte Kopfhöhe 1 */ a ", die Länge des Unterkiefers etwas mehr 
als letztere. Die längsten der Spitzzähne im Unterkiefer messen 
kaum 1'". Die fünf Strahlen der unterhalb der Brustflosse stehenden 
Ventralen sind zwar sämtlich erhalten, doch ihre Spitzen abge- 
brochen. Von der linken Brustflosse (der Fisch zeigt nämlich die 
linke Seite) sind neun bis zehn Strahlen erhalten, deren Länge be- 
deutend die Ventralen übertrifft. Die erste Dorsale ist wenigstens mit 
der Basis ihrer Strahlen fast ganz erhalten, indem man zwölf Strahlen 
zählt, von denen die letzten schon sehr niedrig sind. Von der Wirbel- 
säule sind die ersten neun Wirbel samt ihren oberen Fortsätzen und 
theilweise auch den unteren plattenförmig verbreiterten vorhanden. 
Die Größe der nur im Abdrucke sichtbaren Schuppen entspricht eben- 
falls jener eines Gaclus. 

Der durch diese Fundstücke gelieferte zweifellose Nachweis 
eines Gadoiden im Steinsalzlager von Wieliczka dürfte um so inter- 
essanter erscheinen, als bisher überhaupt nur wenige fossile Ga- 
doiden (und unter diesen einige zweifelhafte) bekannt sind und als 
er mit den übrigen Ergebnissen in Betreff der fossilen Fauna von 
Wieliczka in schönem Einklänge steht." 

Nebst dem oben beschriebenen Fischreste findet man, jedoch 
sehr selten, äußerst kleine, schlanke und spitzige Haifischzähnchen, 
die wohl einer Lamna angehören dürften, aber stets der Nebenkegel 
beraubt sind. Andere eben so kleine sind sehr schief nach einer 
Seite geneigt und bilden ein sehr ungleichseitiges Dreieck mit bei- 
nahe geraden Seitenlinien. Sie ähneln sehr den von mir aus der 
böhmischen Kreide unter dem Namen Scoliodon priscus R s s. *) be- 
schriebenen Zähnen. 

Weit häufiger kommen Otolithen von verschiedener Form und 
nicht selten von beträchtlicher Größe vor. Es sind dieselben Formen, 
welchen man in den Schichten des Wiener Beckens begegnet. In 
ihre nähere Würdigung kann jedoch hier nicht eingegangen werden, 
da es an den zur Vergleichung unumgänglichen Vorarbeiten über die 
Otolithen lebender und noch mehr fossiler Fische in systematischer 
Beziehung völlig mangelt. 

l ) Reuss die Versteinerungen der böhmischen Kleideformation H. pag. 100. Taf. 
24, Fig. 23, 24; Taf. 42, Fig. 10, 11, 12. 



Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I, Abth. 12 



Nachträgliche Bemerkung. 

Erst nach beendigter Drucklegung des größten Theiles meiner 
Arbeit wurde ich auf die Bemerkungen aufmerksam, welche Herr Kuh 
in einem in der Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft 
( 1852. IV. pag. 225) veröffentlichten Briefe über das Alter des ober- 
schlesischen Gypsgebirges mittheilt, Aus den bei Czernitz und an 
andern Orten darin gefundenen Versteinerungen, von welchen er 
Gryphaea cesicularis Brcch. , Corbula sp. , Turritella acutangula 
Brcch., Robulina clypeiformis d'O., R. calcar d'O. nebst einer 
dritten Species dieser Gattung, Nodosaria rugosa d'O. (?), Lingulina 
carinata &' 0. und zwei Dentalinen namhaft macht, schließt er mit 
Recht, daß die genannten Gypsbildungen den Tertiärschichten des 
Wiener Beckens im Alter gleichzustellen seien. Weniger zu billi- 
gen ist, wie aus meinen Untersuchungen hervorgeht, die Parallelisi- 
rung mit dem Tegel von Baden, denn von den angeführten Verstei- 
nerungen, die jetzt ohne Zweifel eine schärfere Vergleichung mit 
jenen des Wiener Beckens gefunden haben würden, ist keine für den 
Badener Tegel ausschließlich bezeichnend. Sehr gut stimmen sie 
aber zu dem von mir gewonnenen Resultate, daß die in Rede stehen- 
den gypsf ühren den Schichten sehr analoge Versteinerungen mit dem 
Salzthone von Wieliczka fuhren und daher den jüngeren über dem 
Badener Tegel liegenden Schichten des Wiener Beckens — dem 
jüngeren Tegel und besonders den unteren mergeligen Gliedern des 
Leithakalkes — gleichzustellen sind. 

Eine lehrreiche Zusammenstellung über die Verbreitung des 
Gypsgebirges in Polen, Oberschlesien, Galizien von Dr. v. Alth finden 
wir im eilften Jahrgange des Jahrbuches der k. k. Reichsanstalt. Er 
gelangt zu dem Resultate, daß die Gypse, welche zunächst auf Nulli- 
poren führenden Kalk- und Sandsteinen ruhen sollen (?), mit den 
das unterste Glied bildenden Salzlagern und den jüngeren grauen 
Mergeln und Sandsteinen ein untrennbares Ganzes bilden. Es läßt 
sich jedoch erwarten und wird ohne Zweifel durch genauere strati- 
graphische und paläontologische Untersuchungen nachgewiesen wer- 
den, daß die genannten Gebilde nicht durchgehends demselben 
geologischen Niveau angehören und sich in mehrere verschiedene 



Die fossile Fauna der Steinsalzablagefung von Wieliczka in Galizien. 179 

Glieder sondern werden. An einzelnen Punkten hat sich eine solche 
Sonderling schon mit Bestimmtheit herausgestellt. 

Erst vor Kurzem theilte mir Herr D. Stur, Seetionsgeologe der 
k. k. geolog. Reichsanstalt, gefälligst Proben eines kohfenführenden 
grauen Tegels von Nowosiolka bei Kolomea in Galizien mit, der nebst 
zahlreichen Exemplaren von Certthium pictum Bast, und Rot (diu 
Beccurii L. so. noch Nerltina pictu Fer. , Bithynia Frauenfeldi 
Hörn. sp. , Buccinum miocaenicum Mchti. , Cardium sp. u. a. 
führt. Diese Fauna weicht von jener des Wieliczkaer Salzlagers 
wesentlich ab und stimmt sehr wohl mit jener des jüngeren Tegels 
von Budelsdorf in Böhmen und aus dem Kohleuschurfe von Mauer bei 
Wien. Dadurch würden die betreffenden Schichten in ein Niveau 
versetzt, welches tiefer liegt als das Wieliczkaer Steinsalz, aber 
höher als der Badener Tegel. Hiemit stimmen sehr wohl die gefälli- 
gen Mittheilungen Herrn Stur's über die dortige Reihenfolge der 
Schichten Man beobachtet nämlich von oben nach abwärts: 

Sand mit Austern und Nulliporen; 

Nulliporenkalk; 

Steinabrunner Petrefactenschichte (Schichten von Holubica); 

Kohlenführenden Tegel mit den oben genannten Versteinerungen; 

Tegel ohne Petrefacten; 

Kreidegesteine. 



12 



I 80 15 e II s s. 



Erklärung der Abbildungen. 



Tafel I. 

Fig. i, 2. Haplopkragmium crassutn Rss. a Seitenansicht, b Mündungsansicht. 

,. 3. Plecanium spinulosum Rss. a Seitl. Flächenansicht, b obere Ansicht. 

„ 4. „ serratum Rss. a Seitliche Fliichenansicht, b obere Ansicht. 

,, a— 7. „ Mariae d' Orb. sp. var. inermis. a Seitliche Flächen- 
ansicht, b obere Ansicht. 

„ 8. Biloculina amphiconica Rss. var. platystoma. a Bauchansicht, b Seiten- 
ansicht, c Mündungsansicht. 

„ 9. „ ventruosa Rss. a Bauchansicht, b Seitenansicht, c Mün- 

dungsansicht. 

„ 10. „ contraria d' Orb. var. paradoxa. a Seitenansicht, b obere 

Ansicht. 

„ 11. Spiroloculina tenuissima Rss. a Flächenansicht, b Bauchansicht. 

Tafel II. 

Fig. 1. Biloculina bulloides d' Orb. var. truncata. a Bauchansicht, b Seiten- 
ansicht, c Mündungsansieht. 

„ 2. „ „ „ var. truncata gracilis. a Bauchansicht, b 

Seitenansicht, c Mündungsansicht. 

„ 3. „ larvata Rss. «Bauchansicht, b Seitenansicht, c Mündungs- 

ansicht. 

„ 4. Triloculina tricarinata d'Orb. a Zweikammerige Flächenansicht, b 
Dreikammerige Flächenansicht, c Mündungsansicht. 

„ 5. „ enoplostoma Rss. var. grammostoma. a Zweikammerige, 

b dreikammerige, c schräge Seitenansicht. 

„ 6, 7. Quinqueloculina obliqua Rss. a Dreikammerige, b vierkammerige 
Seitenansicht, c obere Ansicht. 

Tafel III. 

Fig. 1. Quinqueloculina suturalis Rss. a Dreikammerige, b vierkammerige 

Seitenansicht, c obere Ansicht. 
„ 2. „ plicatula Rss. a Dreikammerige, b vierkammerige 

Seitenansicht, c obere Ansicht. 
„ 3. Nodosaria (Dentalina) siphonostoma Rss. 
„ 4. Glandulina aequalis Rss. 

„ 5. Flabellina incrassata Rss. a Flächen-^ b Kantenansicht. 
„ 6. Cristellaria rostrata Rss. a Seiten-, b Bauchansicht. 
„ 7. „ Russeggeri Rss. a Seiten-, /; Bauchansicht. 



Die fossile Fauna der Steinsalzablag-enuig- von VVieliezka in Galizien. 181 

Fig. 8. Pullenia compressiuscula Rss. var. qaadriloba. a Seitenansicht, b 

Bauchansicht. 
„ 9. Polymorphina depauperata Rss. a Vordere, b hintere Seitenansicht. 

c obere Ansicht. 
„ 10. „ semitecta Rss. a Vordere, b hintere Seitenansicht, c 

obere Ansicht. 
„ 12. Textilaria pectinata Rss. a Seitliche Flächenansicht, b obere Ansicht. 

Tafel IV. 

„ 1. Polymorphina Zeuschneri Rss. a Vordere, h hintere Seitenansicht, 
c obere Ansicht. 

„ 2. „ foveolata Rss. a Vordere, b hintere Seitenansicht, c 

obere Ansicht. 

„ 3. „ leprosa Rss. a Vordere, b hintere Seitenansicht, c 

obere Ansicht. 

„ 4, d. Virgulina Schreibersana Cziz. a Vordere, b hintere Seitenansicht. 

„ 6 — 9. Uvigcrina asperula Cziz. a Vordere, b hintere Seitenansicht. 

„ 10. Bulimina Buchana d'Orb. a Vordere, b hintere Seitenansicht. 

„ 11, 12. ,. tenera Rss. a Vordere, b hintere Seitenansicht. 

„ 13. Discorbina platyomphala Rss. a Spiraknsieht, b Nabelansicht, c Rand- 
ansicht, d ein Stückchen der Nabelseite stärker vergrößert. 

Tafel V. 
„ 1. Discorbina stellataRss. a Spiralansicht, b Nabelansicht, c Randansieht. 
„ 2. „ squamula Rss. a Spiralansicht, b Nabelansicht, c Randansicht. 

„ 3. Pulvinulina cordiformis Costa sp. a Spiralansicht, b Ansicht der 

Nabelseite. 
„ 4, b. Rhabdogonium minatum R ss. a Seitliche Flächenansicht, b seitliehe 

Kantenansicht, c obere Ansicht. 
„ 6, 7. Caryophyllia salinaria Rss. Bruchstücke. Äussere Seitenansicht in 

natürlicher Größe. 
„ 8. Dieselbe. Verticalbruch in natürlicher Größe. 
„ 9. Dieselbe. Theihveiser Querbruch in natürlicher Größe. 

Tafel VI. 

„ 1. Cultellus papyraceus Rss. Aussenfläche zweier Klappen in natürlicher 

Größe. 
,, 2 — 4. Modiola Hörnesi Rss. Vergrößert. 
„ 5. Pecten scabridus Eichw. «Aussenfläche, b Innenfläche in natürlicher 

Größe, c ein Stück der Aussenflache vergrößert. 
„ 6, 7. Derselbe, a Aussenseite in natürlicher Größe, b ein Stück derselben 

vergrößert. 
„ 8. Pecten Eichwaldi Rss. «Aussenseite in natürlicher Größe, b ein Stück 

derselben vergrößert. 
„ 9. Cleodora spina Rss. Vergrößert. 
„ 10. „ subulata Q. G. Vergrößert. 
„ 11. Spirialis valvatina Rss. Vergrößert, a Seilliche MündungsaiKsk-lil, b 

obere Ansicht. 



I 82 RettSS, Die fossile Fauna »1er Steinsal/altlagenin» von Wieliczka efp. 

Tafel VII. 
Fig. 1. Pecten denudatus Rss. aus dem Schlier von Ottnang. Äußere und 
innere Ansicht in natürlicher Größe. 

„ 2. Alvania veliscensis v. Schw. a Mündung'«-, b Rückenansicht, beide 
vergrößert. 

„3. „ conica v. Schw. a Mündungs-, b Rückenansieht., beide ver- 
größert. 

„ 4. Eulima fillgera Rs s. « Rücken-, b Mündungsansicht, beide vergrößert. 

,, o. Turhonilla obsewa Rss. Vergrößerte Mündungsansicht eines am obern 
und untern Ende verbrochenen Exemplares. 

,, 6. Dieselbe. Vergrößerte Ansicht eines oberen Endes. 

„ 7. Dieselbe. Vergrößerte Ansicht der letzten Windung. 

,, 8. Turbonilla impressa Rss. a Mündungs-, b Rückenansicht, beide ver- 
größert, c Embryonalwindungen, d eine Windung, beide 
stärker vergrößert. 

,. 9. „ öreyz'sRss. a Mündungs-. b Rückenansicht, beide vergrö- 

ßert, c ein Stück der Oberfläche stärker vergrößert. 

„ 10. „ aberrans Rss. a Mündungs-, b Rückenansicht, beide ver- 

größert. 

,, 11. Philine punctata Ad. a Rücken-, b Mündungsansicht, beide vergrößert; 
c ein Stück der Oberfläche stärker vergrößert. 

,. 12. Trochus Gerambi Rss. a Mündungs-, /; Rückenansicht, beide ver- 
größert. 

Tafel VIII. 

Fig. 1. Bithynia curia Rs. «Mündungs-, b Rückenansicht, beide vergrößert, 
„ 2. Skenea simplex Rss. «Spiral-, b Randansicht, beide vergrößert. 
„ 3. Spaniodon nitidus Rss. a Innere Ansicht der rechten, b der linken 

Klappe, c äussere Ansicht der rech'en Klappe, sämtlich 

vergrößert. 
„ 4—6. Poecüasma miocaenica Rss. Vergrößerte äussere Ansichten von 

Scutalklappen. 
,, 8. Microdium nodulosum Rss. Vergrößerte Ansicht der Aussenfläche des 

Kopfbrustschildes. 
„ 9. „ nodulosum Rss. Schecrenbruchstück. «Äussere, 6 innere 

Fläche, beide vergrößert. 



fteufs. Fossile Fauna von'VVielicz.'ka 



Taf.I. 




1 k k.Hof _ic Staats drucker ei 
J.'i.Haplop/irrigj7tium rra^sum Rfs: 3. Pleccuiiwmy j>pinulo.rum Rfl?, 
lt. F1er..vcrvatum Jtf.r. 5- 7. Pfrc. JUnrt'ue d Ori..vp.-var. i'nerme. 
8. Büoctdinu umpliiconi'caR/sYar. pl atystoma G. 9Bilrrentrivoset Rh. 
10. B&.cont ra ria d Orb. 1f. Spiroloculirui teruus*vma J?/'s\ 

Siteini^l).dcTkAkad.i¥.maf]iaiaturr.Cl.LY.BcLIA})th.l867. 



}} eiifs . Fo s sile Fan i ta von Aiieli ciika . 



Tal TL. 




/. l''i/oru/f'ru/ huUoidar d'-Orb.var trimcata ZBil. bulloides- d'Orb. 
\~a r. t ritnccuta. ai'acCiis. o.Bil. larvata TU$, '+.Tn'l 'oci/h'na 
t r i reu- in ata, rf'Ork o. 7'ri£ ertop/ostowa fifc J r/v; yrcvrimcfto/na.. 
6'. 7. QtunaiLcZociiZüta ob f. tauet R£s. 

Sitzran $sb, der k.Akaid.W.uiatk7ia1irnT.O.LY. Bd . I Abth .1867 . 



Reufs. Fossile Fmma von Afiehozk; 



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noxtoma Rix. 4. G/fuul/ilina aean/ilix Rix. ,7. FlaheHzna incrassata. Rix. 

0. CrixteUdri'a rostrata Fß: 7.Cr.RusseggerL Rix. &PaUema<cc>mpreMÜis 

eida Rlk.vur. aucwLriloba . JUPotymorphina depauperata Nix. fO.P.seim 

lecla fil'r. II.Te.rtihirt'a peclüwta Rfs. 
Sffzvntfsb- der X.Akacl.dXmatli.Tidtiirw.Cl. LY. Bd. lAMh . Uhu. 



Reufs, Fossile Fauna von^Tielie&ka 



Taf.iv; 














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/ l'ulij morphin« leusehner'v Rfs. Z.Jß.foveolaZa h'/s. 
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(> . ( t.f\-r'(/ert//o asperula ('-/'•■ fO.JBulimina Bachana d'Orb. 
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Sihnmgsb.Aerk.AUd d.AY. ttiaHi.natarw.Cl.LY Bd.f.Äbth.1867. 



Keufc. Fossile Fauna von AYieliczka 



Tat.Y. 




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Rpul's. Fossile Fauna vo:iW5elicaka 



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O y./'rrfe// sca.bri&us T2öckm.S.2?IfchwaldiRfo. 9.Cleodora 
spina h'/x. 70.Ct^iibuZata Q&JlSpirialisvahrtUüia />7\\ 



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Reufs. Fossile Fauna x<m Wielicaka, 



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.9. TbrevdsRß. fO. V.« /><■/■/ u ns ///«'■.// /% üi ne purvctcUa Ad. 72. T^oclius 
Oercanbi, fi'/.'v. 



Sitzung. der h.Ak.ia.iLW: m» 1 Ji.ii a t urw. I 1. 1.Vlxl. I.Ahlli.lS(w 



Reufs. i'(u.s-ilf Fauna von Wieb'cak 



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im ocaenica />'/■<■, ZS. ?/RcrodCum nodulosvm RJs. 



.SitKunosb.(Lprk.Akacl.([.U'.!iiMili natunv.l'I. UV. Bd. [.Abih.1367. 



Lipsky. Beiträge zur Kenntniß des feineren Baues des Darmcanals. 183 



Beiträge zur Kenntniß des feineren Baues des Darmcanals. 
Von Dr. Alexander Lipsky aus Kiew. 

(Mit 2 Tafeln.) 

Ich habe nach einer mir vom Herrn Dr. Stricker mitgetheilten 
Methode eine erneuerte Untersuchung über den Bau des Darmcanals 
unternommen, weil sich die Aussicht eröffnete mit Hilfe derselben 
über einzelne nicht gelöste Fragen Aufschluß zu erhalten. Die 
Methode bestellt wesentlich darin, daß man ganz frische Stücke des 
Darmcanals in eine Chromsäurelösung von weingelber Farbe wirft, 
sie daselbst mehrere Tage liegen läßt, und dann kleine Stückchen 
eines derart mäßig erhärteten Darmes in eine mit concentrirter 
Gummilösung gefüllte Papierdüte taucht, und die hernach geschlos- 
sene Düte in etwa 80% Alkohol wirft. Nach etwa einem Tage ist 
der Gummi so weit entwäßert, daß man die Papierdüte mit der Pin- 
zette abziehen kann, und dann hat man einen Körper in Händen, der 
sich zur Schnittführung bestens eignet. Es hat diese Methode vor 
der schon von Basch *) angeführten den Vorzug, daß die Darmstücke 
nicht eintrocknen, was namentlich für die Zotten nicht gleichgültig ist. 
Die Durchschnitte aus den Zotten selbst und aus der ganzen Darm- 
wand erwiesen sich bei der wünschenswerthen Dünne, der Art 
trefflich conservirt, daß die Streifung an den freien Säumen des 
Zottenepithels sehr gut zu sehen war, und daß glatte Muskelfasern 
und Ganglienzellen und kurz das histologische Detail an Klarheit 
wenig zu wünschen übrig ließen. Die Durchschnitte lasse ich, nach- 
dem sie vom Messer abgespült werden, 2 — 4 Tage im Wasser liegen, 
um sie so gut als möglich von der Chromsäure auszuwaschen, dann 
infiltrire ich sie in Karmin, und zwar, bleiben die Präparate in einer 
concentrirten Lösung von karminsaurem Amnion mehrere Stunden 
bis zu einem ganzen Tage ; nachträglich werden sie noch einmal im 
Wasser ausgewaschen und in Glycerin aufbewahrt. Mit Rücksicht 
auf die Färbung glaube ich erwähnen zu dürfen, daß sich bei solcher 
Behandlung das Bindegewebe am schwersten färbt; die glatten Mus- 



') Sitzungsber. Bd. LI. 



I 84 T. i p s k y. 

kelfasern am leichtesten. Audi die Ganglienzellen des Auerbach'- 

schen und Meissner' sehen Plexus tarhen sich schwerer als die 
Muskeln und waschen sich auch schwerer von der Chromsäure aus 
als Muskeln, und die meisten meiner Präparate sind so beschaffen, 
daß die glatten Muskelfasern und namentlich die Kerne derselben 
roth gefärbt sind, während die Ganglienzellen zwischen ihnen noch 
einen Stich ins Gelbliche zeigen. 

Ich will meine Aufmerksamkeit zunächst den Cylinderzellen des 
D ü n n d armes zuwenden. 

Die Epithelialzellen, welche die Zotten bekleiden, sind nicht 
allenthalben so einfach (einschichtig), wie man sie schematisch zeich- 
net, sondern es stecken häufig in der Tiefe und zwar zwischen den 
Basen, respective Spitzen, der einfachen Zellenreihen noch andere 
kleinere Zellen, wie das auch E. H. Weber beschrieben hat. 

An den Stellen, wo jene Zellen, welche mit ihrem breiten Ende 
an das Darmlumen stoßen, sich gegen die Darmschleimhaut zu in 
spitze Fortsätze ausziehen, können diese Fortsätze selbst zwischen 
solchen kleineren Zellen gelagert sein. Bei dem Umstände, als das 
Zottenparenchym selbst von Zellen durchsetzt ist, kann es sich auch 
ereignen, daß man die Abgrenzung des Zottenparencbyms gegen 
diese tiefer liegenden Zellen nicht scharf unterscheidet, und es 
kann in solchem Falle auch die Vermuthung rege werden, ob nicht 
die Fortsätze der Epitbelien in das Parenchym der Zotte hineinrei- 
chen. Die Untersuchung von frischen nicht gequetschten Zotten 
hat mir eine solche Communication niemals zur Anschauung gebracht, 
und die Untersuchung auch der besten Durchschnitte gleichfalls nicht. 
Ich kann also weder die Angabe Heiden hein's über die Ver- 
bindung von Epithelialzellen mit Bindegewebskörperchen der Zotte 
bestätigen, noch kann ich den neuesten Mittheilungen von Letze- 
rich (Yirchow's Archiv October 1866) beipflichten, nach welchen 
eigene Resorptionsorgane vorbanden wären. Die Angabe des genann- 
ten Autors, daß die Chyluswege durch eigene Organe bis an die 
Oberfläche der Zotte reichen und daselbst münden, scheint jeden- 
falls auf einer mangelhaften Beobachtung zu ruhen. Ich will alles 
das, was bereits über diese Frage gesprochen, und von Letz er ich 
nicht beachtet wurde, nicht noch einmal wiederholen. Es genügt 
darauf hinzuweisen, daß die Resorptionsorgane L etz ericlfs nichts 
Anderes sind, als die sattsam bekannten Becherzellen. 



Beiträge zur Kenntniß des feineren Baues des Darmeanals. loO 

Die Verhältnisse der Epithelial Zeilen einer Anzahl von Säuge- 
thieren wie sie Brett au er und Steinach im Jahre 1857 (Wiener 
Sitzungsberichte) geschildert haben, muß ich, was den objectiven 
Befund anbelangt, in allem und jedem bestätigen. Ich habe in der 
neuesten Zeit mit einer der besten Tauchlinsen, welche mir Herr 
Dr. Stricker zur Verfügung stellte, die Epithelialzellen sowohl, als 
deren Säume im frischen und im conservirten Zustande untersucht, 
und ich muß unumwunden gestehen, daß es meine höchste Bewun- 
derung erregt hat, wie Brett au er und St ei nach im Jahre 1857 
mit ihren relativ geringen Mitteln so viel sehen konnten; so viel 
wie allem Anschein nach bis jetzt, noch kein Anderer nach ihnen 
gesehen hat. 

Die schönen Beobachtungen, aus welchen in der genannten 
Arbeit auf eine Zusammensetzung des Saumes aus Stäbchen 
geschlossen wird, kann ich um so eher bestätigen, als ich mich über- 
zeugt habe, daß die Stäbchen zuweilen ungleich hoch hervorragen, 
was bei der Annahme von Porencanälchen offenbar nicht gut denk- 
bar ist. 

Den Einwand von K ö 1 1 i k e r *)> daß Brettauerund S t e i n a c h 
auch nicht einen Grund angeben, warum sie dieselben als natürliche 
Bildungen ansehen, brauche ich nicht zu entkräften, da Brettauer 
und Steinach deutlich und ausdrücklich darauf aufmerksam machen, 
daß sie ihre Beobachtungen an ganz frischen eben getödteten Thieren 
angestellt haben. 

Den weiteren Einwand von Kölliker, daß Auflagerungen mit 
Porencanälchen eine ganz verbreitete Erscheinung, wogegen Ablage- 
rungen in Form von Stäbchen nur an Eiern von Fischen vorgekom- 
men sind, wird gewiß Niemand als ernst gemeinten Stoß gegen 
die Beobachtungen von Brettauer und Steinach annehmen. — 

Kölliker wendete die Frage in der neuesten Auflage seines 
Buches der Art, daß er uns zeigt, die Epithelialzellen an und für sich 
seien ringsum geschlossen und auf der Zelle liege ein poröser Deckel, 
der in Folge von Veränderungen nach dem Tode auch als ein Büschel 
Härchen oder Wärzchen oder Stäbchen erscheinen kann, und bezieht 
sich unter anderem darauf, daß man auch nach dem Abfallen dieses 
Deckels keine Löcher in der Zellenmembran findet. 



*) Handbuch 4. Anfinge. 



186 Lipsky. 

Die Bilder, welche Pag. 443 in Fig. 249 D abgebildet sind, 
sind wohl der Wahrheit getreu, aber das sind gewiß keine Epithelial- 
zellen in toto; das isi aUvSgetretener fnhall von Epithelialzellen, oder 
anders genommen : das ist Zellenleib mit Zellenkern, der ans einem 
Heehei- herausgetreten und den Saum mitgerissen hat. Daß man an 
solchen Zellenleibern nach dem Abtallen des Saumes keine Löcher 
zu linden braucht, ist von seihst klar. Ehen so klar ist es aber, daß 
man nach dem Abfallen des Saumes Löcher in der Zellhülle findet. Ich 
brauche in der Richtung wieder nur auf die Becherzellen zu verwei- 
sen, über deren Entstehung ja Brettauer und Steinach einen 
unzweideutigen Aufschluß gegeben haben. Da indeß diese Darstellung 
immer noch bezweifelt wird, so sei noch Folgendes hinzugefügt. 

Wenn man den Darm einer eben getödteten Katze in eine 
Lösung von doppelt chromsaurem Kali bringt, dann werden fast alle 
Zellen sowohl des Dünn- als des Dickdarmes in Becherzellen um- 
gestaltet. Ein stärkeres Kriterium für die Natur der Zellenhülle im 
Darmcanal überhaupt und für die Unnahbarkeit aller jener Angaben, 
welche von zweierlei Zellen auf den Zotten oder von eigenen Resorp- 
tionsorganen sprechen, läßt sich füglich kaum auffinden. Beim gesun- 
den Kaninchen trifft dieses Verhältniß nicht zu, aber Stricker und 
Kocslako ff *), haben gezeigt, daß ein solches auch bei Kaninchen 
der Fall ist, und zwar sowohl im Magen als im Dünndarme, wenn 
diese Organe abnormer Weise gereizt und zu Entzündungen geführt 
werden. 

Oh die hinteren Enden der Epithelialhüllen offen sind, darüber 
weiß ich gar nichts anzugeben. Es ist aber ganz gut möglich, daß 
solche Öffnungen existirten, ohne daß wir sie wahrnehmen, weil die 
Epithelialzellen nur in den seltensten Fällen ihren ganzen Inhalt 
ausstossen, und weil in der Regel Reste von Protoplasma auf dem 
Grunde des Bechers sitzen bleiben. Wir sehen aber bekanntlich die 
scharf gezeichneten Mündungen der Recher erst dann, wenn wenig- 
stens die oberflächlichsten Partien des Protoplasma ausgestossen sind. 

An Durchschnittspräparaten aus dem Katzendarm gehört es zur 
Regel, daß an den beiden Wänden, welche auf dem Längsdurch- 
schnitte eines Bechers zur Ansicht kommen, Stücke von deutlich 
streifigem Saume haften bleiben. 



i) Sitzungsberichte i;d. LIM. 



Beiträge zur Kenntniß des feineren Baues des Darmeanals. 1 o i 

Es läßt sich diese Thatsache gleichfalls für die Zusammen- 
setzung des Saumes aus Stäbchen ins Feld führen, da es gut denk- 
bar, daß solche Stücke des Saumes, welche auf den Rändern der 
becherförmigen Zellhülle aufsitzen, hier haften bleiben, während die 
centralen Partien mit dem Inhalte ausgestoßen werden. 

Es ist andererseits schwer denkbar, daß ein von Poren oder 
Canälen durchsetzter aber sonst zusammenhängender Deckel so 
häufig und in der Weise durchlöchert werde, daß nur ein schmaler 
Ring zurückbleibe. 

Daß der Saum nicht etwa von vorneherein aus einem so 
schmalen Ringe bestellt, wie es Tat". II, Fig. 6 erläutert, braucht kaum 
erst erwiesen zu werden. 

Am Dickdarme sah ich ein derartiges Ledirtwerden des Saumes 
nicht. Ich will mich aber durchaus nicht über die Zusammensetzung 
des Saumes an den Epithelien des Dickdarmes aussprechen. Es gelang 
mir eben nicht eine deutliche Streifung mit Sicherheit aufzulösen. 

Die Epithelialzelleu an den Oberflächen der Peyrischen Follikel 
sind nicht ganz so gebaut, wie diejenigen an den Zotten. Auch an 
den ersteren ist ein streifiger Saum vorhanden, aber die Zellen sind 
erstens im Allgemeinen kürzer als an den Zotten, und zweitens 
scheint in der Tiefe ein reicheres Lager von jenen Zellen vorhanden 
zu sein, deren ich eingangs erwähnte. — 

Da, wo eine Liberkühn'sche Krypte an einen Follikel anstoßt, 
sieht man auf dem Durchschnitte, daß das Epithel auf dem Boden 
der Krypte seinen Charakter wechselt. Auf der einen Seite ist es 
noch nach Art des Zottenepithels und auf der anderen Seite schon 
nach Art des Follikelepithels gebaut. 

Was das Parenchym der Zotten anbelangt, habe ich nur die 
bereits bekannte Erfahrung zu bestätigen, daß sie aus einem netz- 
förmigen Gewebe zusammengesetzt sind, in welches Netz Zellen 
eingetragen sind. Der Zottenraum ist mir an Kaninchendärmeu 
einigemale auf Durchschnitten in ausgezeichneter Weise zur An- 
schauung gekommen, und sind die Präparate auch glücklich con- 
servirt. Es zeigt sich hier mit einer Sicherheit die nichts zu 
wünschen übrig läßt, daß der Zottenraum von glatten Muskel- 
zellen ausgekleidet ist. Ich will durchaus nicht behaupten, daß 
dieses allenthalben so sein müsse. Herr Dr. Stricker sagte mir. 
daß die Zeichnungen, welche Basel) entworfen hat, und nach 



188 Lipsky. 

«reichem der Durchschnitt des Zottenraumes direct von adenoidem 
Gewebe des Zottenparenchyms begrenzt ist, vollständig- der Natur 
getreu abgebildel wären. Es ist nun ganz gut möglich, daß einmal 
die Zottenräume, welche in meinen Schnitten getroffen sind, zufällig 
solchen Stellen entsprechen, wo glatte Muskelfasern liegen, und 
diejenigen, welche Hasch abgebildet hat zufällig solchen, wo glatte 
Muskel fasern fehlen. 

Es ist ferner gut denkbar, daß die Verhältnisse hei dem Hunde 
andere sind als heim Kaninchen, und die Zeichnung von Bascli 
bezieht sich auf den Hundedarm, meine Aussage aber auf den 
Kaninchendarm. Ich muß aber jedenfalls mit aller Entschiedenheit 
betonen, daß in diesem ausgezeichnet conservirten Darm weder von 
einer Epithelauskleidung noch von einer besonders structurlosen 
Membran irgend etwas sichtbar ist, und zwar gilt dieses für die 
ganze Länge des Zottencanals, weil es mir in einzelnen Fällen gelun- 
gen ist, den ganzen Canal in die Schnittebene zu bekommen. 

Die Liebe rkühn' sehen Krypten sind im Dickdarm des 
Kaninchens spärlicher angeordnet, wie im Dünndarme, und mithin ist 
das Stroma der Schleimhaut in dem ersteren viel mächtiger ent- 
wickelt. Zwischen die Lieb erkühn' sehen Krypten ziehen einzelne 
glatte Muskelfasern aus der Jluscularis mucosae hinein, wie das schon 
Brücke beschrieben hat. Ich kann nur hinzufügen, daß dieses 
Verhältniß auf Durchschnitten des Dickdarmes besser zu sehen ist, 
als auf Durchschnitten des Dünndarmes, weil wie schon erwähnt 
wurde, in dem ersteren die Krypten nicht so dicht angeordnet sind. 

Die Muscularis mucosae besteht wohl dem ganzen Darm ent- 
lang aus einer inneren Rings- und aus einer äußeren Längsfaser- 
schichte. 

In Rücksicht auf den Vergleich zwischen Kaninchen und Katzen 
erwähne ich nur, daß bei ersteren auch im Dickdarme die Sonde- 
rung viel strenger aufrecht erhalten wird, als bei letzteren, da sich 
hei Katzen stellenweise Rings- und Längsfasern durcheinander flech- 
ten. Im Kaninchen-Dickdarm findet man Stellen, wo die Längs- 
faserhaut sowohl wie die Ringsfaserhaut nicht ganz zwei Zellen im 
Durchmesser betragen, sondern, wo sich eben die Spitze einer Zelle 
über den Bauch der anderen Zelle hinüberzieht, ja die Ringsfaserhaut 
ist am Dickdarme häufig durchbrochen, so daß diese mehr netzförmig 
angeordnet ist. 



Beiträge zur Kenntniß des feineren Baues des Darme anals. f ö9 

Der Angabe von His *), daß an den Stellen, wo Peyr'sehe 
Plaques oder solitäre Follikel vorhanden sind, die Muscularis aus 
ihrer Lage verdrängt, unter den Basen der Follikel zu finden wäre, 
muß ich entschieden widersprechen. Bei Katzen sowohl als bei 
Kaninchen sind die Pe yr' sehen Drüsen mit ihren oberen respective 
inneren Abschnitten durch die Muscularis durchgesteckt ganz genau 
so, wie es Brücke 2 ) in seiner Abhandlung über die Muscularis 
mucosae beschrieben hat. 

Die Meißner' sehen Ganglienzellen sind namentlich schön im 
Dickdarm des Kaninchens zu sehen, wo sie bei sehr wenig entwickel- 
ter Submucosa schichtenweise unter der Muscularis anlagern; es 
sind relativ große, stark granulirte, mit großen bläschenförmigen 
Kernen versehene Zellen; am Dünndarm sah ich solche schichten- 
weise Anlagerungen unter der Muscularis mueosa niemals. Hier sind 
die Meißner'schen Ganglien zu größeren Plexus, dicken Knoten 
angehäuft, von welchen Knoten dünnere Zellenstränge zu anderen 
Knoten hinziehen. Von solchen Knoten ziehen auch andere Stränge 
fort, über deren Natur ich nichts Bestimmtes aussagen kann, wie 
sich das bei Durchschnittspräparaten so ziemlich von selbst versteht. 
Ich weiß aber, daß solche Stränge zuweilen in die Rings faserhant 
der äußeren Darmmuskelschichte hineinziehen um zu anderen Gan- 
glienplexus zu gelangen. Ich muß namentlich erwähnen, daß die 
Ganglien bei der äußeren Muskelschichte nicht nur zwischen Längs- 
und Ringsfaserhaut liegen, sondern zuweilen weit hinein in die Rings- 
faserhaut vorgeschoben sind. Ja ich habe ein Präparat abgebildet ; 
an welchem zu sehen ist, wie auf einem von einer Auerbach'- 
schen Ganglienplexus ausgehenden Zug, der sich in die Ringsfaser- 
haut hinein erstreckt, erst ein Plexus sich anlegt, dann der Zug in 
die Ringsfaserhaut hinein weiter greift, dann sich ein zweiter Plexus 
einschiebt, und dann erst läßt sich der Zug bis in die Submucosa 
hinein verfolgen. 

Am Kaninchendarme ist das Peritonaeum des Dickdarmes viel 
mächtiger, als das des Dünndarmes. Trotz der ausgezeichneten Con- 
servirung meiner Präparate und trotzdem, daß ich meine eingeschlos- 
senen Durchschnittspräparate noch mit Immersionslinsen untersuchen 
kann, und an welchen, wie schon erwähnt wurde, die Stäbchensäume 



Zeitschr. f. w. Zoologie XI. 
-) Sitzungsberichte 1851. 



1 !»() Lipsky. 

erhalten sind, konnte ich ein Kpithc] des Peritonaeums auch nicht 
spurenweise entdecken. — 

Was die Follikel des Dünndarmes anbelangt, habe ich schon 
früher erwähnt, daß II is im Unrecht ist, wenn er sie oberhalb der 
Muscularis mucosae sucht. Das was 11 is als Muscularis mucosae 
bezeichnet, das ist in Wirklichkeit keine Muscularis; das sind die- 
selben Stränge, welche sieh zwischen die Follikel hineinerstrecken, 
welche theilweise die Lymphsinuse bilden und theilweise die Follikel 
selbst von einander abscheiden. Dieser Irrthum von His zog noch 
einen anderen nach sich. His schloß aus dem Umstände, daß die 
Muscularis mucosae unter dem Follikel liegt, den weiteren Schluß, 
daß die Follikel selbst in der Mucosa liegen müssen, und das ist 
ganz und gar unrichtig. Die Follikel liegen nur zum kleinsten Theil 
in der Mucosa, zum großen Theil ragen sie über dieselben hervor, 
oder in die Submucosa hinein. Wenn uns also His ferner auf einem 
gepinselten Durchschnittspräparate den Follikel als ganz von ade- 
noidem Gewebe umgeben, zeichnet, so muß ich ganz anstandslos 
dagegen erklären, daß diese Zeichnung nur theilweise der Wahr- 
heit entsprechen kann, zum Theile aber schematisirt sein müsse. Die 
Stränge, welche His selbst zwischen den Follikeln respective den 
Lymphsinus zeichnet, sind gewiß nicht nach dein Muster des netz- 
förmigen Gewebes gebaut, das sind einfache dichte Stränge und ent- 
sprechen thatsächlich ganz und gar den Bindegewebsbalken in den 
Lymphdrüsen, wie dies übrigens auch His, seiner eigenen Angabe 
widersprechend, hervorhebt. Der angeführte Irrthum von His bewog 
ihn wohl auch die Meinung Brücke's, daß diese Stränge Lymph- 
gefäße seien, zu widerlegen. Es ging dies weniger aus wirklichen 
Beobachtungen, als aus der Annahme hervor, daß die Follikel eben 
in der Mucosa ruhen, in welcher sich keine Lymphgefässe befinden. 

Ich will nun keineswegs behaupten, daß diese Stränge Lymph- 
gefäße seien, ich consentire ganz und gar, daß diese Stränge den 
Bindegewebsbalken der Lymphdrüsen entsprechen; aber mit Rück- 
sicht darauf, daß diese Stränge bis an die Muscularis subperitonaea- 
lis führen, darf wohl erwartet werden, daß in ihnen selbst schon 
wirkliche Lymphgefäße liegen können, wenn nicht angenommen 
werden soll, daß die Lymphe oder Chylus auch von der Muscularis 
superitonaealis einfach in Spalträume aufgesogen werden. 



Beiträge zur Kenutniß des feineren Baues des Danucaiials- I \) { 



E r k I ä r u n g der Ab b i I ri ü n g e 



Fig. 1 Durchschnitt ans «lern Dünndärme des Kaninchens, 
m, m Muscularls mucosae, 
k, k Kuppen von Follikeln. 
fFollike'. 
s Submucosa. 

Z, L Rings- und Längsfaserhaut. 
p Peritonaeum. 
Fig. 2. Durchschnitt aus dem Dickdarme des Kaninchens. Der Schnitt soll die 
Obei fläche der Schleimhaut und die Richtung der Crypten ersichtlich 
machen. 
.7 Crypten. 

m, S, Z, L, p wie früher. 
Fig. 3. Seitlicher Längenschnitt einer flachen Zotte der Katze. 
B Substanz der Zotte ist daher sehr schmal. 
D Becherzellen, welche durch die Mündung geschnitten sind mit 

Stücken von Säumen. 
v Becherzellen, welche mehr seitlich getroffen sind. 
Fig. 4. R Zottenraum 

g glatte Muskelzellen als Begrenzung derselben. 
Fig. ä. Eine Crypte, welche links (im Bilde an einen F< lükcl stößt). 

Es ist hier die Verschiedenheit in dem Charakter des Epithels von 

Herrn Dr. Heitzmann naturgetreu gegeben. 
Bei A ist etwas ausgepinseltes Gewebe des Follikels gezeichnet 
und bei T ein Strang, welcher sich zwischen die Follikeln hinzieht 
und endlich nach aufwärts noch an der Seite der Crypte sicht- 
bar ist. 
Fig. <>. Crypten aus dem Dickdarm unter der Tauchlinse Nr. 10 gezeichnet. 
m, m Muscularis mucosae. 
J Crypten. 
M Mucosa. 
Fig. 7. Längsschnitt aus dem Dickdarme des Kaninchens unter der Tauchlinse 
Nr. 10 gezeichnet. 
m, m wie früher. 
M. /'Meißner 'sehe Plexus. 



IJ)2 L i i» s k y. Beiträge zur Kenntniß des feineren Baues des Darmcanals. 

./, / wie früher. 

r, //. Rings fasern der Muacularis mucosae. 

ZM Zellen aus der Mucosa. 
Fig. 8. Dünndarm des Kaninchens. 

JA /'. S, Z, L wie früher. 

AP Auerbach'scher Plexus und Verbindung desselben mit dein 
M eißner ' sehen Plexus durch einen Faserzug. 
Kig. 9. Z, L, p, AP wie früher. 

GZ Ganglienzellen innerhalb der Kingsfaserhaut. 



Lipsky. /, 



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93 



FI. SITZUNG VOM 10. JANNER 1867 



Der Secretär theilt mit, daß Herr Dr. Die sing schwer erkrankt 
und wenig Hoffnung auf dessen Wiedergenesung vorhanden sei. 

Derselbe legt eine Anzahl sehr gelungener, durch Herrn G. 
Reiffenstein verfertigter Litho-Photographien zur Ansicht vor, 
und bespricht das zu deren Erzeugung angewendete Verfahren. 

Herr Prof. Dr. K. Peters in Graz übersendet eine Notiz über 
„Phoca pontica" Eichw. bei Wien. 

Herr E. Koutny, Assistent der descriptiven Geometrie an der 
k. k. technischen Lehranstalt in Brunn, übermittelt eine Abhandlung, 
betitelt: „Construction der Selbstschattengrenze von Rotationsflächen 
in der Perspective unter Voraussetzung paralleler Lichtstrahlen." 

Herr Prof. Dr. A. Win ekler legt zwei Abhandlungen von 
Herrn Dr. J. Frischauf vor, und zwar: aj Theorie der Kreis- 
theilung" und b) „Beitrag zur Theorie derPelTschen Gleichung." 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Academy, The Royal Irish: Transactions. Science: Vol. XXIV, 
Part 5; Polite Literature: Vol. XXIV, Part 3; Antiquities: Vol. 
XXfV, Parts 5—7. Dublin, 1865/66; 4». 

Akademie van Wetenschappen, Koninkl., te Amsterdam: Verslagen 
en Mededeelingen. Afdeeling Letterkunde: Deel IX. 1865; Af- 
deeling Natuurkunde: 2 (,e Reeks I. Deel. 1866; 8<>. — Jaar- 
boek 1865; 8<>. — Catalogus van de Roekerij. II. Deel's 
1. Stuk. 1866; 8°. — Processen-Verbaal van de gewone Ver- 
gaderingen. Afdeel. Natuurkunde. Januarij 1865 — April 1866; 
8°. — Simpllcii commerrfarius in Ubros IV Aristotelis de caelo 
ex recens. Sim Karst enii. Trajccti ad Rhenum, 1H63 ; 4°. 

Bauzeitung, Allgemeine. XXXI. Jahrgang, 10. — 12. Heft. Nebst 
Atlas. Wien, 1866; 4<> & Folio. 

Sitxb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Abth. 13 



194 

Bibliotheque Universelle et Revue Suisse: Arehives des Sciences 
physiques et naturelles. N. P. Tome XXVIP, Nrs. 105—107. 

Geneve. Lausanne et Neuchatel, 1806: 8°. 

Comptes rendus des seances de l'Aeademie des Sciences. 
Tome LXIH, Nrs. 25—26. Paris, 1866; 4«- 

Cosmos. 2° Serie. XVI Annee, 5 e Volume, l re Livraison. Paris, 
1867; 8* 

Gesellschaft der Wissenschaften, königl., zu Göttingen: Abhand- 
lungen. XII. Band. Göttingen, 1866; 4». 

— Schlesische, für vaterländische Cultur: Abhandlungen. Philos.- 
histor. Abtheilung: 1866; Abtheilung für Naturwissenschaften 
und Medicio. 1865/66. Breslau; 8». — 43. Jahresbericht. 1865. 
Breslau, 1866; 8«. 

Gewerbe - Verein, n. - ö. : Verhandlungen und Mittheilungen. 

XXVIII. Jahrg. Nr. 1. Wien, 1867; 8°. 
Grunert, Joh. Aug. , Archiv für Mathematik und Physik. XLV. Theil, 

3. & 4. Heft. Greifswald, 1866; 8<>- 
Helsingfors, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften. 1865 

bis 1866. 4o-, 8«- & Fol 
Instituut, Koninkl. Nederlandsch Meteorologisch: Meteorologisch 

Jaarboek. 1865. Utrecht, 1866; 4°. 
Land- und forstwirthschaftl. Zeitung. XVII. Jahrgang, Nr. 1. 

Wien, 1867; 4<>- 
Magazijn voor Landbouw en Kruidkunde. N. R. 8. Aflevering. 

Utrecht, 1866; 8o. 
Mittli eilungen des k. k. Artillerie-Comite. Jahrgang 1866, 7. Heft. 

Wien; 8°. 
Reise der österr. Fregatte Novara um die Erde. Zoologischer Theil. 

I. Band. Amphibien, bearbeitet von Fr. Steindach ner. Wien, 

1867; 4o. 
Societe des Sciences naturelles de Strassbourg: Memoires. Tome 

VI e , I re Livraison. Paris & Strassbourg, 1866; 4<>. 

— de Physique et d'Histoire naturelle de Geneve: Memoires. Tome 
XVIII, 2 de Partie. Geneve, Paris, Bale, 1866; 4<>. 

Society, The Royal Geological, of Ireland: Journal. Vol. I, Part 2. 
London, Dublin, Edinburgh, 1866; 8°. 

— The Royal of London: Philosophical Transactions. Vol. 155, 
Part IL 1865; Vol. 156, Part I. London, 1866: 4o. _ 



195 

Proceedings. Vol. XIV, N 78 — 79: Vol. XV, Nr. 80 — 86. 

London, 1865 & J866; So. 
Society, The Linnean, of London: Transactions. Vol. XXV, Part 2, 

London, 1866; 4». —Journal. Botany: Vol. IX, Nrs. 35-37; 

Zoology: Vol. VIII, Nrs. 31 & 32; Vol. IX. Nrs. 33. London, 

1865 & 1866; 8«. — List 1865. 8*. 
— The Zoological, of London: Transactions. Vol. V, Part 5. Lon- 
don, 1866; 4°. — Proceedings for the Year 1865. London, 

Paris & Leipzig, 1865; 8°. — Report of the Council April 30 th 

1866. 8o. 
Wiener medizin. Wochenschrift. XVII. Jahrg. Nr. 2 — 3. Wien, 

1866; 4o- 
Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft. 

XVI. Jahrg. Nr. 1. Gratz, 1867; 4o. 
Zeitschrift des österr. Ingenieur- und Architekten - Vereines. 

XVIII. Jahrgang. 10. & 11. Heft. Wien, 1866; 4<>- 



13» 



<><> 



III. SITZUNG VOM 17. JANNER 1867. 



Der Präsident der Classe gedenkt des Verlustes, den die Aka- 
demie durch das am 10. Jänner erfolgte Abiehen des wirklichen 
Mitgliedes. Herrn Dr. Karl Moriz Dies in g erlitten hat. 

Sämmtliche Anwesende geben ihr Beileid durch Erheben von 
den Sitzen kund. 

Der Secretär legt folgende eingesendete Abhandlungen vor: 

„Die Tageszeiten der Meteoritenfälle verglichen" und „Der 
Meteorit von Simonod," beide vom Herrn Hofrathe W. Ritter v. 
H a i d i n g e r. 

„Botanische Streifzüge auf dem Gebiete der Culturgesehichte. 
VIII. Die organischen Einschlüsse eines Ziegels der alten Judenstadt 
Ramses in Ägypten," von Herrn Prof. Dr. F. Unger. 

Herr Prof. D. Aug. Em. Reuss legt eine Abhandlung: „Über 
einige Bryozoen aus dem deutschen Unteroligocän" vor. 

Das c. M. Herr Prof. Dr. C. Ritter v. Ettingshausen über- 
gibt eine Abhandlung: „Die Kreideflora von Nieder - Schöna in 
Sachsen." 

Das c. M. Herr Prof. V. v. Lang überreicht eine im k. k. physi- 
kalischen Institute ausgeführte „Optische Untersuchung des unter- 
schwefelsauren Baryt", von Herrn A. Brio. 

Herr Dr. S. Stricker legt eine Abhandlung vor, betitelt: 
„Untersuchungen über das Leben der farblosen Blutkörperchen des 
Menschen." 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Apotheker-Verein, allgem. österr. : Zeitschrift. 5. Jahrg. Nr. 2. 

Wien, 1867; 8». 
Astronomische Nachrichten. Nr. 1622. Altona, 1867; 4°. 
C o m p t e s reu d u s des seances de I' Academie des Sciences. Tome 

LXIII, N. 27. Paris, 1866; 4<>- 



197 

Cosmos. 2 e Serie. XVI C Armee, 5 C Volume, 2° Livraison. Paris, 

1867; 8o. 
Dechen, H. von, Geologische Übersichtskarte der Rheinprovinz und 

der Provinz Westphalen. Nebst Notiz über dieselbe. Bonn, 1866; 

gr. Folio & 8o- 
Gesellschaft der Wissenschaften, Königl. Dänische : Skrifter. V. 

Raekke. Historisk og philosophisk Afdeling. III. Binds 1. Hefte. 

Kjöbenhavn, 1866; 4°. — Oversigt. 1865, Nr. 1—3. 1866, 

Nr. 1. Kjöbenhavn; 8°. 
Ge \v erb e- Ve r ei n , n.-ö. : Verhandlungen und Mittheilungen. XXVII. 

Jahrg. Nr. 2. Wien, 1867; 8-Q. 
Hörn es, Moriz, und Ludwig Ritter v. Köche), Das Mohs-Denkmal. 

Bericht über die Ausführung desselben. Wien, 1866; 8. 
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. 17. Jahrg. Nr. 2. Wien, 

1867; 4o. 
Maclear, Sir Thomas, Verification and Extension ofLaCaille's 

Are of Meridian atthe Cape ofGood Hope. Vol. I & II. 1866; 4o 
Museum Francisco-Carolinum: 26. Bericht. Linz, 1866; 8°. 
Pariatore, Filippo, Le specie dei cotoni. Con VI tavole. Firenze, 

1866; 4o. & Folio. 
Societe geologique de France: Bulletin. 2 e Serie. Tome XXIlI e , 

Feuilles 30—51. Paris, 1865 ä 1866; 8<>. 
Society, The Royal Astronomical : Memoirs. Vol. XXXIV. London, 

1866; 4«. 
— The Literary and Philosophical , of Manchester: Memoires. 

III. Series. IL Vol. London & Paris, 1865; 8». — Proceedings. 

Vol. III. & IV. Manchester, 1864 & 1865; 8<>. 
Wiener medizin. Wochenschrift. XVII. Jahrg. Nr. 4 — 5. Wien, 

1867; 4o. 
Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts- Gesellschaft. 

XV. Jahrg. Nr. 7 u. 14. Grata, 1866; 4<>. 



198 ün 



Botanische Streifzüge auf dem Gebiete der Cultur geschieh te. 
Von dem w. M. Prof. Dr. F. Unger. 



VIII. Die organischen Einschlüsse eines Ziegels der alten Juden- 
stadt Eamses in Ägypten. 

Es ist mir wiederholt Gelegenheit geworden von einem alten 
Baue Ägyptens einen Ziegel auf dessen Einschluß an organischen 
Körpern zu untersuchen. Ich verdanke dieses interessante, obgleich 
unvollständige Object Herrn Dr. Reinisch, der dasselbe auf seiner 
Reise in Ägypten im Jahre 1866 sammelte. 

Wie bekannt, besuchten die Herren Dr. R e i n i s c h und Dr. R o e s- 
ler in Gesellschaft des Herrn Professors R. Lepsius mehrere Ruinen- 
stätten im Delta. „Wir durchstreiften", so erzählt letzterer in einem 
Briefe an die k. Akademie in Berlin vom 18. April 1866, „die aus- 
gedehnten Ruinen von Mas^uta und schritten die Hauptumwallung 
der Acropolis ab, in deren Mitte der Tempel stehen mußte, dessen 
Lage durch die Granitgruppe angezeigt ist. Zum Andenken an die 
bekannte Frohnarbeit der Israeliten, ließ ich aus der ursprünglichen 
Umwallungsmauer, die ohne Zweifel zu der ersten Anlage der Stadt 
gehörte, einen der gewaltigen Nilziegeln herausarbeiten, die mit 
Hechsei wenig gemischt und mit Cement verbunden 044 zu 0-24 zu 
0*12 Met. in ihren Dimensionen haben". 

Wenn man von Ismailia am Timsach-See dem Süßwassercanal 
nach Zaqaziq verfolgt, so liegt Mas^uta 17 Kilometer von da entfernt. 
Unweit dessen sind die Scherbenstätten und Mauerreste, die man mit 
höchster Wahrscheinlichkeit für das alte Ramses hält, die Stadt, 
welche, so wie Pitom unter Ramses II. — dem Sesostris der Griechen, 
im 13. oder 14 Jahrhundert vor Christo erbaut wurde *). Eine große 



!j Ramses II. Miamum regierte nach Lepsius von 1388 — 1322; nach R ei n i s c h 
von 1283 — 1217 v. Christo. Die biblische Erwähnung der Stadt Ramses im Lande 
(iosen tiudel sich Mos. li. 1. 11. 



Botanische Streifzüge .nuf dem Gebiete der Cultnrgeschichte. 1 99 

Ziegelmauer hat sich zum Theile erhalten; von ihr rühren die Bruch- 
stücke her, die mir zur Untersuchung übergeben wurdeu. 

Dieselben waren, als ich sie in Graz überkam, in Papier einge- 
wickelt und mit Stroh umhüllt in einem Korb aus Palmenblättern 
. verpackt. 

Bei Eröffnung des Korbes ergab es sich, daß nur das Bruch- 
stück eines Ziegels im unverletzten Zustande sich vorfand, vom zwei- 
ten Ziegel nur größere und kleinere Trümmer und zu Staub zerrie- 
bene Theile vorhanden waren. Ich sonderte Alles vorsichtig, nament- 
lich bewahrte ich das unverletzte Ziegelstück sorgfältig auf; vom 
zweiten Ziegel wurden die größeren und kleineren Stücke von dem 
anhängenden Stroh so gut es ging gereiniget und geschlemmt, die 
kleineren Stücke und der Staub war jedoch so verunreiniget, daß sie 
nicht weiter untersucht werden konnten. 

Das Ziegelstück Nr. I hatte eine fast cubische Form, dessen 
Dimensionen 0-14 — 0*13 — 0-10 Met. betrugen, woraus im Ver- 
gleiche mit den oben angegebenen Ausmaßen hervorgeht, daß das- 
selbe ungefähr die Hafte eines ganzen Ziegels war, auch ist ersicht- 
lich, daß die Größe der Ziegel von Ramses mit jenen der Umwal- 
lungsmauer von Eileithyia und der Pyramide von Dashur ziemlich 
übereinstimmen. 

Das Ziegelstück war von außen durch einige löcherartige Ver- 
tiefungen ausgezeichnet, die wohl daher entstanden sein mögen, daß 
die in der Oberfläche ursprünglich vorhandenen Sand- und Gestein- 
körner herausgefallen waren, während andere daselbst noch sichtbar 
waren und kleine Hervorragungen bildeten. Von Stroh oder Häcker- 
ling waren nur wenige Spuren sichtbar. 

Nachstehendes Bild auf 2 / 9 der natürlichen Größe reducirt, mag 
eine genauere Vorstellung dieses Ziegelstückes geben. 

Dem Gewichte nach betrug dieses Stück nicht mehr als 
2520 Grm., während der zerfallene Ziegel Nr. II, vorausgesetzt die 
Theile gehörten einem Individuum an, 5786 Grm. wogen, woraus 
hervorgeht, daß das Stück Nr. I kaum die Hälfte eines ganzen ZiegeLs 
ausmachte. 

Um sich eine genaue Vorstellung von den constituirenden mi- 
neralischen Bestandthtilen dieser Ziegel zu machen, so gab die 
Schlämmung folgende Aufschlüße. 

Es waren enthalten: 



200 



l'n 



I... Ziegel I. 

IM)I> Grra. 

455 „ 

140 „ 

1-5 „ 



Im Ziegel II. 

Feiner Schlamm .... 3990 Grm. 

Feiner Sand 1391 „ 

Grober Sand 420 „ 

Organisehe Reste ... 3 „ 
woraus hervorgeht, daß die feineren Schlammtheile um mehr als das 
Zwölffache vor den gröberen vorwiegen, wie das auch im Nilschlamm 
der Fall ist. Das geringe Gewicht der organischen Theile zeigt 
unwiderleglich, daß bei der Fahrieation dieser Ziegel nur sehr wenig 
Hechsei in Anwendung' kam. 




Was die gröberen anorganischen Theile betrifft, so fanden sich 
unter denselben: 

Nr. 1. Trümmer von Thongeschirren. 

Ein Stück, von einem Quadratzoll im Umfange, war von grobem 
Thon mit Quarzkörnern gemischt roth gebrannt, ziemlich porös und 
daher stark Wasser aufsaugend, ein zweites kleineres Stück schwarz 
gebrannt, war mit etwas wenigem Quarzsand versetzt, weniger porös 
und daher dichter. 

Nr. 2. Krystalldrusen von Gyps; sie waren sehr häufig und bil- 
deten Stücke von Linsen- und Erbsengroße bis zur Größe 
einer Haselnuß. 
Nr. 3. Ehen so große unregelmäßige, häufig abgerundete Stücke 
eines verwitterten Grohkalkes, welche dem äußeren An- 
sehen naeli Mörtelfragmenten glichen. 



Botanische Streifzüge auf dein Gebiete der Culturgeschichte. ^U 1 

Nr. 4. Einige ähnliche Stücke aus porösem Kalk und Sand zusam- 
mengesetzt, die ich nothwendig für Mörtel halten mußte. 
Nr. 5. Groher Sand aus Quarz, Feuerstein, Hornstein und Jaspis 
bestehend, an Quantität Nr. 2 und Nr. 3 gleich. Die meisten 
Körner waren abgerundet, die wenigsten, wie die des 
Jaspis, scharf und kantig; der Quarz meist milchweiß, sel- 
ten durchsichtig. 
Nr. 6. Feiner Sand, deren Körner die Größe eines Hirsekorns 
hatten. Dieser Sand war dei* Menge nach dem groben Sande 
gleichkommend und bestand großenteils aus Quarzkörnern. 
Fügt man noch hinzu, was der Ziegel Nr. I an anorganischen 
Bestandteilen enthielt, das jedoch dem Ziegel Nr. II abging, so muß 
noch beigesetzt werden: 

Nr. 7. Kreidetrümmer (abfärbend) aus den zerstörten Kreidekalken. 
Nr. 8. Ziegeltrümmer, welche sich von den Fragmenten der Thon- 
geschirre leicht unterscheiden ließen. 
Eine bei weitem größere Bedeutung haben jedenfalls die orga- 
nischen Beste, welche in diesen Ziegeln eingeschlossen und einer 
näheren Bestimmung fähig waren, wenn gleich der größere Theil 
davon als Fragmente von Grashalmen keine bestimmte Deutung zu- 
lassen. Es ist von selbst verständlich, daß bei der Beimengung von 
Hechsei die vegetabilischen Substanzen den größten Antheil der 
organischen Beste ausmachen, die thierischen Residuen dagegen sich 
nur auf wenige Einzelheiten beschränken. Die folgende Aufzählung 
der gefundenen Arten von Pflanzen' und T liieren wird zeigen, in wie 
weit der Zufall bei der Fabrication dieser Ziegel günstig war, um 
uns einen Blick in die vor 3000 — 4000 Jahren auf dem Boden des 
Delta vorhandenen organischen Geschöpfe zu gestatten. Jedoch ist 
im Voraus zu bemerken, daß bei der äußerst sparsamen Beimengung 
von Hechsei sich auch die bestimmbaren organischen Körper sich 
nur auf wenige Arten beschränken werden. 

Ich beginne mit der Angabe der determinirten Pllanzenreste und 
schließe daran jenePtlanzenreste, die nur in unbestimmbaren Fragmen- 
ten vorhanden waren; zu den ersteren gehören nachstehende Arien: 

Phalaris paradoxa Lin. (iL 

Auch in dem Ziege! von Ramses gehören die Reste dieser 
Pflanze zu den baldigsten Beimengungen bestimmbarer vegetabilischer 



2 02 Unoer. 

Korper. Es fanden sich sowohl Samen als Kelchspelzen und zwar in 
gleicher Größe und Forin wie in den Ziegeln der Dashurpyramide '). 
Wenn man bedenkt, daß diese Grasart noch jetzt zu den gemeinsten 
Acker Unkräutern Ägyptens gehört, und das auch mehr als tausend 
Jahre vor unserer Zeitrechnung gewesen sein muß, so darf man 
sich nicht wundern, wie gewisse Verhältniße selbst durch eine große 
Reihe von Jahrhunderten unverändert sich erhalten haben, und fast 
stationär geworden sind. 

Eragrostis abyssinica Link. 

Von dieser Cultur- und Nahrungspflanze fanden sich in unseren 
Ziegeln nur wenige Samenkörner vor. Es beweiset dies, daß der TefF 
als Nahrungspflanze noch über 2000 Jahre später in Ägypten culti- 
virt wurde, als man die Pyramide von Dashur erbaute, während sie 
jetzt daselbst verschwunden ist. 

Hodeum hexastichon Lin. 

Daß von dieser wichtigen Nahrungspflanze nur ein einziges 
Samenkorn in den Ziegeln von Ramses aufgefunden wurde, spricht 
keineswegs für den damals sparsamen Anbau der Gerste, da aus den 
vorhandenen Stengeltheilen und den Bruchstücken der Rachis, die 
wahrscheinlich derselben Pflanze angehören, eher das Gegentheil ge- 
folgert werden kann. 

Triticum vulgare antiquorum Heer. 

Auch von dem Weizen fanden sich nur zwei Samenkörner vor. 
Sie glichen vollkommen denen, welche in den Ziegel der Dashur- 
Pyramide eingeschlossen waren, und zeichneten sich durch ihre Klein- 
heit im Gegensatze zu den gegenwärtigen in Ägypten vorkommenden 
Kornfrüchten des Weizens aus. 

Danthonia Forskolei T r i n. 

Nur ein einziges Kornfrüchtchen war in den genannten Ziegeln 
vorhanden, aber auch dasselbe war so wenig gut erhalten, daß man es 
nicht mit völliger Sicherheit der Danthonia zuschreiben kann. Bis 
auf Weiteres muß demnach diese Bestimmung zweifelhaft bleiben. 



*) Kili Ziegel der Dashurpyramide in Ägypten nach seinem Inhalle an organischen 
Einschlüssen. Sitzungsher. d. k. Akad. d. Wiss. Bd. ö4. 



Botanische Streifzüge auf dem Gebiete der Culturgeschichte. äOo 

Polygonum aviculare L i n. 

Eine andere Pflanze von großer Verbreitung ist das Polygonum 
aviculare. Ein Schließfrüchtchen derselben ist mit den vorhergehen- 
den gleichfalls in diesen Ziegeln vorhanden gewesen und beweiset, 
daß dieses cosmopolitische Gewächs schon zur Zeit des Baues der 
Judenstadt Ramses eine auf den bewässerbaren Boden Ägyptens 
gemeine Pflanze gewesen sein muß, wie sie es noch jetzt ist. Ihre 
Verschleppung über ganz Europa und Nordamerika bis Grönland, ihr 
Vorkommen auf Madeira, in Südamerika (Chili), Neu-Holland und 
Ostindien deutet auf Wanderung in Gesellschaft der Getreidesamen, 
die sie schon zum Theil in der vorgeschichtlichen Zeit angetreten 
haben muß. 

In Kleinasien haben ihr nur die höheren Punkte des Taurus eine 
Grenze gesetzt (Polygonum aviculare var. alpina Boiss.) 

Chenopodium hibridum Lin. 

Obgleich diese Pflanze von den Floristen als nicht mehr in 
Ägypten vorhanden bezeichnet wird, so beweisen doch drei wohl- 
erhaltene Samen, daß sie ehedem gleichfalls wie die vorhergenannte 
Pflanze als Unkraut- und Wiesenpflanze im Delta von Ägypten vor- 
handen war. Gegenwärtig ist diese Art übei* Europa bis England und 
Schweden verbreitet und fand auch in Nordamerika (Texas, Ohio) 
Eingang. 

Blitum virgatum Lin.? 

Ich führe diese Pflanze hier frageweise an, indem nur ein 
Same gefunden wurde, der allerdings mit den Samen dieser Pflanze 
viele Übereinstimmung zeigt, jedoch in den Größen - Verhältnissen 
etwas abweicht. 

Populus spec. 

Zwei kleine Holzstückchen, die alle Spuren längerer Einwirkung 
von Feuchtigkeit an sich trugen, ganz weich und von grauer Farbe 
waren, an denen jedoch die Structur noch so gut erhalten war, daß 
man keine Zweifel über die Pflanzengattung haben konnte, der sie 
angehörten. Ob die Gattung Populus ursprünglich in Ägypten vor- 
kam, oder die gegenwärtig da vorhandenen Arten eingeführt wur- 
den, ist bei dem Unistande, daß beinahe alle Nutzpflanzen und Nutz- 



204 Unger. 

hölzer in diesem Lande einen fremden Ursprung haben, nicht leicht 
zu eruiren. 



Außer diesen beiden Holzsplitterchen fand sieli auch noch ein 
eben so kleiner Splitter des Blattstieles der Dattelpalme (Phoenix 
dactylifera L.) vor. Die nichts weniger als üble Erhaltung der 
Elementartheile derselben ließen mich mit Recht zweifeln, daß dieses 
kleine Splitterchen in der That im Thone des Ziegels eingeschlossen 
war, und die Berücksichtigung, daß die Trümmer desselben obgleich 
in Papier eingewickelt in einem Korbe von Dattelpalmblättern ein- 
gepackt waren, machten es mehr als wahrscheinlich, daß dieser kleine 
Pflanzentheil von daher an die Oberfläche des Ziegels gelangte, und 
bei der Reinigung desselben übersehen wurde. Indeß ist es immerhin 
merkwürdig, daß mir von einem Baume Ägyptens, dessen Cultur sich 
daselbst bis in die ältesten Zeiten verliert, in den untersuchten Zie- 
geln bisher noch keine Spur vorgekommen ist *). 

Außer den bisher genannten vegetabilischen Einschlüßen fand 
sich in den Ziegeln von Ramses der Menge nach eine bei weitem 
größere Quantität von stark macerirten und zerschlitzten Stengeln 
und Blattheilen grasartiger Pflanzen, unter denen Stroh von Gerste 
und Weizen ohne weiters die Hauptbestandtheile ausmachten. Außer 
einigen Halmfragmenten war kaum irgend ein Tbeil mehr näher zu 
erkennen, und es trugen dieselben bei weitem deutlichere Spuren einer 
anhaltenden Maceration an sich als die ähnlichen Einschlüße der Zie- 
gel von Dashur und Eileithyia. 

Indessen ließen sich unter diesen vegetabilischen Überresten 
dennoch Stengeltheile von Weizen oder Gerste, Stengeltheile anderer 
krautartiger Pflanzen, ja sogar ein Stück desRhizomes von Equisetum 
mit Sicherheit erkennen. 

Unter diese macerirten Pflanzentheile waren nicht selten auch 
Stückchen von vegetabilischer Kohle gemischt, deren nähere Bestim- 
mung hur in so ferne möglich war, daß man mit Sicherheit zu erken- 
nen vermochte, sie rührten nicht von Stroh her. Die größten der- 
selben mochten etwa 2 — 3 Kubiklinien betragen haben und zeigten die 
Structur von Dicotylenholz, aber keineswegs die der Coniferen. Kleine 



i) .Man sehe hierüber die Pflanzen des alten Ägyptens. SiUungsber. der k. Akademie 
der Wissenseh. B. 3ö. p. (i'J. 



Bosnische Streifzüge auf dem Gebiete der Cultiirg-eschiehte. 205 

cylindrisehe Aststücke ließen auf ein Brennmaterial von Gestrüpp 
schließen. 



Auch von thierischen Theilen waren mehrere ganz gut bestimm- 
bar und ließen sich sogar auf die Gattung und Art zurückführen. 

Von Süßwassermollusken waren nach den zahlreichen aber meist 
verbrochenen Schalen zu erkennen: 

Valvata piscinalis Mi 11. 

eine Schnecke, die noch jetzt in Ägypten lebt und sehr verbreitet ist, 
ferner: 

Cleopatra bulimoides Oliv. 

von der jedoch nur die Deckeln vorhanden waren. 

Von ConchyÜen, welche die Nachbarschaft des Meeres verrie- 
then, waren gleichfalls zwei Arten in Bruchstücken vorhanden. 

1. Stücke der Schale von Cardium. 

2. Ein junges Exemplar von Bittium. 

Bei weitem zahlreicher waren die Insecten vertreten, jedoch 
meist in so verstümmelter Gestalt und in so kleinen Bruchstücken, daß 
nur wenige, und diese häufig nur approximativ, auf die Gattung zurück- 
geführt werden konnten. Ich danke die nachfolgenden Bestimmungen 
der Güte des Herrn L. Bedten b acher. Die untersuchten Ziegel 
von Ramses enthielten : 

1. Die Flügeldecke eines Curculioniden aus der Verwandtschaft 
von Polydnisus. 

2. Die Flügeldecke eine Art von Anthicus. 

3. Die Flügeldecke und wahrscheinlich den dazu gehörigen Hals- 
schild eines Elateriden. 

4. Die Hinterbrust und den Hinterleib eines Staphyliniden aus 
der Gruppe der Aleocharinen. 

•5. Den Kopf und Halsschild einer Art der Gattung Aphodhis. 

Andere Flügeldecken, Hinterleibe, Leibesringe, Halsschilde etc. 
von Käfern und Ameisen ließen sich nicht näher bestimmen. 

Dazu kommen noch Excremente von länglich eiförmiger Form, 
die wahrscheinlich einer Annelide angehören dürften, ferner Kno- 
chensplitter und die Schuppe eines Fisches. 



•» ()() Unger. Botahisehe Strelfzilge auf dem Gebiete der Culturgeschichte* 

Ueberblickt man nun die Ergebniße, welche die Untersuchung 
der Ziegel der allen Stadt Ramses lieferte, so sind dieselben weit 
sparsamer als jene, welche die Erforschung der Ziegel der Pyramide 
von Dashur darbot, und geben durchaus keine neue Thatsache von 
Bedeutung, außer etwa die, daß die ersteren nicht mit dem Fleiße und 
mit dem Aufwände von zweckdienlichem Material angefertigt wurden, 
als letztere von der Ziegelpyramide, obgleich Form und Ausmaße so 
wie der dazu verwendete Thon in beiden nahezu gleich genannt 
werden müssen. 

In beiden Ziegeln von Ramses fanden sich als vegetabilische 
Einsehlüße die Reste von nur drei Nahrungspflanzen und von fünf 
Arten Unkräuter, so wie von einer Baumart. Die ersteren waren be- 
reits schon im Ziegel von Dashur gefunden worden, eben so zwei 
Arten der Unkrautpflanzen. Dasselbe gilt auch von den Mollusken, 
deren eine Art, nämlich Cleopatra bullmoides gleichfalls in jenen 
Ziegeln älteren Datums vorhanden waren. Es ist daraus ersichtlich, 
daß sowohl der Boden Ägyptens als seine Culturpflanzen in jenem 
Zeiträume, der von der Erbauung der Dashurpyramide bis zur Er- 
bauung der Stadt Ramses, d. i. vor etwa 2000 Jahren reichte, sich 
nicht wesentlich änderte. 

Zu bedauern ist es, daß der von Herrn Dr. Reinisch aus der 
Ziegelpyramide von Howara in Fajum mitgenommene Ziegel durch 
die Unachtsamkeit des Eseltreibers verloren ging, vielleicht sogar ab- 
sichtlich von demselben weggeworfen wurde, um das Thier von einer 
Last zu befreien, die er für zu werthlos hielt, um sich längere Zeit 
damit herumzuschleppen. 



207 



IV. SITZUNG VOM 31. JANNER 1867. 



Der Secretär legt folgende eingesendete Abhandlungen vor: 

„Die Tageszeiten der Meteoriten verglichen." IL Reihe. Von 
Herrn Hofrathe W- Ritter v. H a i d i n g e r. 

„Über das Spectrum der Bessemerflamme " von Herrn A. L i e 1 e g g, 
Prof. an der n.-ö. Landes-Oberrealschule zu St. Polten. 

„Memoire über die Principien des Calcüls mit begrenzten Deri- 
vationen und begrenzten Logialen von Functionen einer einzigen 
unabhängigen Variablen" von Herrn Dr. A. K. Grünwald, Docenten 
der Mathematik am Polytechnikum zu Prag. 

Ferner legt der Secretär zwei handschriftlich eingesendete 
Werke vor , mit dem Ersuchen der Herren Verfasser um eine Sub- 
vention zu deren Herausgabe und zwar: 

a) „Der richtig arbeitende Markscheider" von Herrn A. Miller 
Ritter v. Hauenfels, Professor an der k. k. Bergakademie 
zu Leoben. 

b) „Zur Ornithologie Brasiliens. Natterer's Forschungen wäh- 
rend seiner Reisen in den Jahren 1817 — 1835". I. Theil, von 
Herrn Aug. v. Pelz ein, Custos-Adjuucten am k. k. zoologischen 
Cabinete. 



In Folge der von Sr. Excellenz dem Herrn Minister für Handel 
und Volkswirtschaft, mit Zuschrift vom 13. December 1866 an die 
k. Akademie der Wissenschaften ergangenen Einladung, der be- 
schlossenen Neuaufnahme, beziehungsweise der Erforschung der 
physikalischen Verhältnisse des adriatischen Meeres ihre thätige Mit- 
wirkung zuzuwenden, ernennt der Präsident der Classe für diese 
Angelegenheit eine ständige Commission bestehend aus den Herren 
Directoren Dr. K. Jelinek, Dr. K. v. Littrow, Professor Dr. A. E. 
Reuss und Director Dr. J. Stefan. 



208 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 
Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin: Monats- 
bericht. September, October 1866. Berlin; 8«. 
Astronomische Nachrichten. Nr. 1623—1624. Altona, 186T; 4». 
Carl, PL, Repertorium für physikalische Technik etc. II. Band, 

5. & 6. Heft. München, 1867; 8o. 
Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences. Tome 

LXIV, Nr. 1—2. Paris, 1867; 4o. 
Cosmos. 2 e Serie. XVI e Annee, 5 e Volume, 3 C — 4 e Livraisons. Paris, 

1867; So. 
Gesellschaft, Zoologische, zu Frankfurt a/M. : Der zoologische 

Garten. VII. Jahrg. Nr. 7—12. Frankfurt a/M., 1866; 8o. 
— naturforschende, in Basel: Verhandlungen. IV. Theil, 3. Heft. 

Basel, 1866; 8o. 
G e w erbe-Verein, n. - Ö. : Verhandlungen und Mittheilungen. 

XXVIII. Jahrg. Nr. 3—4. Wien, 1867; 8<>. 
Gould, Benj. Apthorp, Reduction of the Observations of fixed Stars 

made by Joseph Le Paute d'Agelet, at Paris, in 1783 to 

1785 etc. (From the Memoirs of the Nat. Academy of Sc. Vol. I.) 

Washington, 1866; 4<>. 
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. 17. Jahrg., Nr. 3 — 4. Wien, 

1867; 4o. 
Lotos. XVI. Jahrgang. December 1866. Prag; 8°. 
Mittheilungen aus dem Osterlande. XVII. Band, 3 & 4. Heft. 

Altenburg, 1866; 8<». 
■ — aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Jahrg. 1866, XII. Heft; 

Jahrg. 1867, I. Heft. Gotha; 4<>- 
Moniteur scientifique. 24 l e — 242 e Livraisons. Tome IX e , Annee 

1867. Paris: 4o- 
Owen, On Dinornis (Parts IX — X.) (From the Transactions of the 

Zool. Society of London. Vol. V.) 4». 
Plantamour, E., Experiences faites a Geneve avec le pendule a 

reversion. Geneve & Bale, 1866; 4°. — Resume meteorologique 

de l'annee 1865 pour Geneve et le Grand Saint-Bernard. (Tire 

des Arch. d. Sc. de la Bibl. Univ. Aoüt 1866.) Geneve, 1866; 8o. 
Reichsanstalt, k, k. geologische: Jahrbuch. Jahrgang 1866. 

XVI. Band, Nr. 4. Wien; 4°- 



209 

Rcslhuber, Augustin, Dr. Marian (Wolfgang) Koller. Eine 
Lebensskizze. Wien, 1 860 ; 8<>. — Literae rotulariae Fol, — 
Resultate aus den im Jahre 1865 auf der Sternwarte zu Krems- 
münster angestellten meteorologischen Beobachtungen. Linz, 
1866; 8o. 

Societe Imperiale des Naturalistes de Moscou: Bulletin. Tome 

XXXIX. Annee 1866. Nr. 3. Moscou; 8®. 

— Hollandaise des Sciences ä Harlem: Archives Neerlandaises des 

Sciences exactes et naturelles. Tome I, 3 e — 4 e Livraisons. La 

Haye, Bruxelles, Paris, Leipzig, Londres & New-York, 1866; 8°. 

Vierteljahresschrift für wissenschaftliche Veterinärkunde. XX VII. 
Band, 1. Heft. (Jahrg. 1867. I.) Wien; 8<>. 

Wiener medizin. Wochenschrift. XVII. Jahrg. Nr. 5 — 9. Wien, 
1867; 4<>- 

Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft 
XVI. Jahrg. Nr. 2. Gratz, 1867; 4°. 



Sitzb. d. mathein.-nalurw. Cl. LV. IM. 1. Abth. 14 






'- 



SITZUNGSBERICHTE 



DER 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



MATHEMATISCH -NATUR WISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 



LV. BA\I). 

ERSTE ABTHEILUNG. 



Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie , Botanik, 
Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie. 



Sitzb. (\. mathem -naturw. Ct. LV. Bd. I. Abth. 13 



213 



V. SITZUNG VOM 7. FEBRUAR 1867. 



Das w. M., Herr Hofrath W. Ritter v. Hai dinge r übermittelt 
eine Abhandlung: „Über die gegenwärtige Veränderung des Mond- 
craters „Linne", von Herrn Dr. J. F. Julius Schmidt, Director 
der Sternwarte zu Athen, nebst einer Notiz für den „Anzeiger" über 
ein an ihn gerichtetes Schreiben des Herrn Baron Paul des Gran- 
ges, betreffend die photographischen Aufnahmen der wichtigsten 
classischen Gegenden Griechenlands. 

Das w. M., Herr Prof. Dr. Fr. Rochleder in Prag übersendet 
eine „Notiz über die Bestandtheile der Stammrinde des Apfelbaumes". 

Das w. M., Herr Director K. v. Littrow überreicht eine für die 
Denkschriften bestimmte Abhandlung: „Bestimmung der Meridian- 
differenz Leipzig -Dablitz für die von Herrn Generallieutenant J. J. 
Baeyer vorgeschlagene Mitteleuropäische Gradmessung". 

Herr Dr. Fr. Stein dachner legt eine Abhandlung: „Herpe- 
tologische Notizen" vor. 

An Druckschriften wurden vorgelegt : 

Annales des mines. VI e Serie. Tome IX, 2 e Livraison de 1866. 

Paris, 1866; 8<>. 
Apotheker-Verein, allgem. österr. : Zeitschrift. 5. Jahrg. Nr. 3. 

Wien, 1867; 8<>. 
Astronomische Nachrichten. Nr. 1625 — 1626. Altona, 1867; 4°. 
Bericht über den Handel, die Industrie und die Verkehrsverhält- 
nisse in Nieder -Österreich während der Jahre 1861 — 1866. 

Erstattet von der Handels- und Gewerbekammer in Wien. 

Wien; 8<>. 
Brittinger, Christian, Die Brutvögel Oberösterreichs nebst Angabe 

ihres Nestbaues und Beschreibung ihrer Eier. (XXVI. Mus. 

Jahr. Ber.) 8». 
Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences. Tome 

LXIV. Nr. 3. Paris, 1867; 4«. 

15* 



214 

Tos m os. 2'' Serie. XVI Anne'e, 5 e Volume, 5 e Livraison. Paris, 

181.7; So. 
Czyrniatiski , Emil, Chemija organiczna. Tom II. Krakow, 

1867; 8». 
Des Mo u lins, Ch. , Etüde sur les cailloux roules de la Dordogne. 

Bordeaux, 1866; 8°. — La patine des Silex travailles de main 

d'homme etc. (Extr. des Actes de la S e * Linn. de Bordeaux, 

3 e Ser. t. 25.) Bordeaux, 1864; 8°. — Note sur la lettre de 

M. Alph. de Rochebrune relative aux plantes importees. 

(Extr. de l'Annuaire de 1' Institut des provinces. 1866.) Caen, 

1865; 8o. 
Gewerbe-Verein, n. -ö. : Verhandlungen und Mittheilungen. 

XXVIII. Jahrg., Nr. 5. Wien, 1867; 8«. 
Hartig, Th. , Der Fülkern, der diaphragmatische und der inter- 

cellulare Zellkern. 8°. 
Hebert, Les oscillations de l'ecorce terrestre pendant les periodes 

quaternaire et moderne. (Extr. du Bulletin de la S u des Scien- 
ces hist. & nat. de l'Yonne. 1866.) Auxerre, 1866; 8p. 
Hoff, Bogdan, Chemia rozbiorowa jakosciowa. Krakow, 1867; 8°. 
Jonquieres, E. de, Recherches sur les series ou systemes de cour- 

bes et de surfaces algebriques d' ordre quelconque etc. Paris, 

1866; 4o. 
Krziz, August, Beschreibung, wissenschaftliche Zergliederung und 

Gebrauchsweise des persisch-arabischen Astrolabium' s. 8°. 
Land- und forstwirthschaftl. Zeitung. 17. Jahrgang. Nr. 5. 

Wien, 1867; 4<>. 
Merletta, Vinc. Frosina, Cenno sopra un nuovo rimedio etc. contro 

il Cholera-Morbus. Con Appendice. Catania, 1866; 8<>. 
Miquel, F. A. Guil., Annales Mnsei botanici Lugduno - Batavi. 

Tom. L, Fase. I.—X. Amstelodami, ültrajecti, MDCCCLXIII; 

Folio. 
Mittheilungen des k. k. Artillerie-Comite. Jahrg. 1866. 8. Heft. 

Wien, 1866; 8<>. 
Observations meteorologiques faites ä Nijne-Taguilsk. Anne'e 

1865. Paris, 1866; gr. So. 
Schmidt, Fr., Ausgang der zur Aufsuchung und Bergung eines 

Mammuths ausgerüsteten Expedition. (Melanges biologiques tires 

du Bull, de 1' Acad. Imp. d. Sc. de St. Petersbourg. Tome VI.) 8°. 



215 

Verein, naturwissenschaftlicher, zu Bremen: Abhandlungen. I. Bd., 

I. Heft. Bremen 1866; 80. 
Wiener medizin. Wochenschrift. XVII. Jahrg. Nr. 10 — 11. Wien. 

1867; 4o. 
Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft. 

XVI. Jahrg. Nr. 3. Gratz, 1867; 4*. 
Zeitschrift des österr. Ingenieur- und Architekten - Vereins. 

XVIII. Jahrg., 12. Heft. Wien, 1866; 4<>. 



2 t () R e u s s. 



£/7>rr einige Bryozoen aus dem deutschen Unferoligocän. 
Von dem w. M. Prof. Dr. A. Em. Reuss. 

(Mit 3 lithographirten Tafeln.) 
(Vorgelegt in der Sitzung am 17. Jänner 1867.) 

Bei der Untersuchung der Foraminiferen aus den unteroligo- 
cänen Tertiärschichten Deutschlands bot sich mir die Gelegenheit 
dar, zugleich eine größere Anzahl der in diesen Schichten vorkom- 
menden Bryozoen zu beobachten. Es war mir dies um so erwünsch- 
ter, als meine Aufmerksamkeit schon durch die Arbeit Stoliczka's 
über die Bryozoen von Latdorf *) darauf gerichtet worden war. 
Auch ich fand nicht nur die meisten der von Stoliczka beschrie- 
benen eigenthümlichen Formen wieder, sondern entdeckte auch noch 
mehrere andere, die, durch einen besonderen Bau ausgezeichnet, 
theils zur Aufstellung neuer generischer Sippen Veranlassung boten, 
theils bisher nur in der jetzigen Schöpfung bekannt gewesenen, aber 
noch nicht im fossilen Zustande nachgewiesenen Gattungen ange- 
hören. 

Wenn sie schon in dieser Beziehung zu genauerer Unter- 
suchung aufforderten, so erhielten sie eine noch grössere Bedeutung 
durch den Umstand , daß sie bisher noch nie in einer der jüngeren 
Tertiärschichten — oberhalb des Unteroligocäns — angetroffen wor- 
den sind und daher einen der hervorstechendsten Züge in der Phy- 
siognomie der unteroligocänen Fauna bilden helfen, — ein um so 
willkommeneres Ergebniss, als die Foraminiferen, die das Ober- 
und Mitteloligocän so glücklich characterisiren , gerade für die Dia- 
gnose des Unteroligocän nur sehr spärliche Anhaltspunkte darbieten. 

Ich glaube daher mich keiner überflüssigen Mühe zu unterzie- 
hen , wenn ich mit Übergebung der übrigen zahlreichen Bryozoen, 
welche nebst den Foraminiferen an einem anderen Orte behandelt 



*) In den Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. in Wien. Bd. 4o, pag\ ?i f. f. 
Taf. 1—3. 



Über einige Bryozoen aus dem deutschen Unteroiigocän. £ 1 | 

werden sollen, die wenigen für das Unteroiigocän so characteristischen 
Formen hier einer ausführlicheren Besprechung unterziehe. Sie 
stammen theils aus dem Unteroiigocän von Latdorf, theils aus jenem 
von Calbe an der Saale und von Bünde. Das Materiale von den letzt- 
genannten zwei Fundorten verdanke ich der [gefälligen Mittheilimg 
des Herrn v. Konen in Berlin, welcher die eine Viertelstunde öst- 
lich vom Doberg bei Bünde aufgefundene Ablagerung zuerst für 
unteroiigocän erklärte *). Die Besultate meiner Untersuchungen über 
die Foraminiferen und Bryozoen stimmen mit dieser Ansicht vollkom- 
men üb er ein. 

Von den hier näher zu beschreibenden Bryozoen gehören drei 
den Celleporideen, eben so viele den Selenariadeen und endlich eine 
den Escharideen zu. 

a) Celleporideae. 

1. Orbitulipora petiolus Lonsd. sp. (Taf. 1, Fig. 1, 2). 
Cellepora? petiolus Lonsdale in Dixon the geol. and foss. of the tert. and 
cretae. format. of Sussex. pag. 86, 151. Taf. 1 , Fig. 10. — Orbituli- 
pora Haidingeri Stoliczka oligoc. Bryoz. v. Latdorf in d. Sitzungsber. 
d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 45, pag. 90, 91. Taf. 3, Fig. 5. 

Dixon hat unser Fossil zuerst im Londonclay von Bracklesham- 
Bay aufgefunden, Lonsdale dagegen unter dem Namen Cellepora 
petiolus beschrieben und abgebildet. Abbildung sowohl als Beschrei- 
bung stimmen mit den oligocänen Exemplaren vollkommen überein. 
Denn die am Bande des Zellenstockes beobachtete grössere cylin- 
drische Höhlung steht mit der inneren Structur desselben in keinem 
erklärbaren wesentlichen Zusammenhange und kann nur als eine 
zufällige Erscheinung aufgefasst werden, die wohl in der ursprüng- 
lichen Bildung des Fossiles um einen walzenförmigen fremden Kör- 
per, der zum Anheftungspunkte diente, seinen Grund haben kann. 
Der Speciesname „petiolus" verliert dadurch freilich seine Berech- 
tigung, ich glaubte ihn aber den Prioritätsgesetzen gemäss doch bei- 
behalten zu müssen. 



l ) In der übersendeten Probe des Unteroligocäns von Bünde beobachtete ich von 
Bryozoen: Esehara varians Rss. ?, E. coscinophora Rss., E. Grotriani Rss., 
E. concatenata n. sp. , Esehara sp. , Biflustra claihrata Phil, sp., Polyeschara 
confusa nov. g. et sp., Orbitulipora petiolus Lonsd. sp. , Crisia Edwardsi Rss., 
Entalophora anomala Rss.. Spiropora rariabüis v. M. sp. , Hornera subannulata 
Phil., Hornera sp. sp. , Idmonea sp. , Crisina sp. sp. 



218 n e u s s. 

Eons dal e erkannte die enge Verwandtschaft des Fossiles mit 
Cellepora (Celleporaria) , ohne daß ihm aber deshalb die Eigen- 
tümlichkeiten des Baues entgangen wären. Dabei* vereinigte er es 
auch nur mit Zögern und vorläufig mit Cellepora. 

Auch Stoliczka, der die Species im Unteroligocän von Lat- 
dorf entdeckte, betonte die vorerwähnte Beziehung dadurch, daß er 
dieselbe in seiner Beschreibung der Latdorfer Bryozoen unmittelbar 
auf Cellepora globularis Br. folgen Hess. Der abweichende Bau 
bewog ihn aber, dieselbe mit Becht zum Typus einer selbstständigen 
Gattung zu erheben. Die freilich nur äusserliche grosse Ähnlichkeit 
mit Orbihilites {Ampkisorus Ehr.) deutet er überdieß durch den 
Namen an, welchen er der neuen Gattung beilegte. 

Ich habe dieselbe Species später im Unteroligocän von Calbe 
und, wiewohl spärlich, in jenem von Bünde gefunden. Auffallend ist 
es, daß F. A. Römer in seiner Beschreibung der Polyparien des 
norddeutschen Tertiärgebirges dieser, im Unteroligocän so verbreite- 
ten und in die jüngeren Schichten nicht aufsteigenden Bryozoe gar 
keine Erwähnung thut. 

Dieselbe bildet in der Regel beinahe kreisrunde Scheiben , die 
bisweilen einen Durchmesser von 4 Millim. erreichen und bei 
beträchtlicherer Grösse in der Mitte sehr seicht vertieft zu sein pfle- 
gen. An kleineren Exemplaren sind die Ober- und Unterseite voll- 
kommen eben. 

Die Scheibe besteht aus zwei Zellenschichten, die, ohne mit 
einander zu communiciren, mit dem Rücken an einander liegend, 
fest verbunden sind. Im Centrum jeder Schichte erkennt man deut- 
lich eine Embryonalzelle , die durch Aussprossen nach allen Seiten 
hin neuen Zellen den Ursprung gegeben bat, so daß- sie von einem 
Kreise jüngerer Zellen umgeben wird. Aus diesem ist durch fortge- 
setztes Aussprossen ein neuer Zellenkreis hervorgegangen und auf 
diese Weise haben sich bisweilen 5 — 6 concentrische Kreise um 
einander gebildet. Die Zellen zweier Nachbarkreise alterniren regel- 
mässig mit einander, so dass jede Zelle mit den sie umgebenden 
vier Zellen der beiden benachbarten Kreise durch Sprossencanäle in 
Verbindung steht. Man beobachtet daher auch auf jeder Randzelle 
zwei Poren, jederseits eine, — die Mündungen der beiden äußeren 
centrifugalen Sprossencanäle. Daß in dieser stets nachweisbaren An- 
ordnung der Zellen durch gehinderte Entwickelung oder selbst 



Über einige Bryozoen aus dem deutschen Unteroligocän. 219 

Abortiren einzelner Zellen manche Störungen hervorgebracht wurden 
und dadurch Veranlassung zu manchen unsymmetrischen Bildungen 
geboten werden mußte, braucht nicht erst erwähnt zu werden. 

Die Embryonalzelle und die sie zunächst umgebenden Zellen 
sind die kleinsten. Gegen die Peripherie der Scheibe hin nehmen sie 
allmälig etwas an Größe zu. Durch seitlichen Druck der Nebenzellen 
werden sie eckig und sind durch mehr weniger tiefe Furchen 
geschieden. Die älteren Zellen sind am oberen Ende beinahe abge- 
flacht. Die jüngeren wölben sich allmälig stärker, die dem Rande 
zunächst gelegenen verlängern sich bisweilen zur kurzen Röhrenform 
und neigen sich zugleich etwas schräg nach außen , während die 
übrigen senkrecht stehen. 

Beide Zellenschichten sind nicht, wie bei Eschara, durch eine 
undurchbohrte Mittelplatte von einander geschieden. Auch bemerkt 
man an einem Querbruche der Scheibe, daß die Grenzfläche der 
beiden Zellenschichten nicht eben ist, sondern daß die Zellen der 
einen in die Vertiefungen der anderen eingreifen. 

Die Mündung der meisten Zellen ist groß, beinahe rund; bei 
den verlängerten peripherischen Zellen dehnt sie sich jedoch etwas 
in die Quere aus, wobei sich oft auch ihr scharfer Rand etwas 
erhöht. Dagegen verengert sich die Mündung der ältesten Zellen 
oftmals und verschliesst sich bisweilen im Laufe der Zeit gänzlich. 
Die Oberfläche der Zellenwand ist mit gedrängten zarten Rauhig- 
keiten bedeckt und in den Zwischenfurchen der Zellen stehen verein- 
zelte kleine Poren. 

An den peripherischen Zellen und zwar auf ihrer centripetalen 
Seite beobachtet man mitunter halbkugelige Ovieellarien mit eben- 
falls gekörnter Oberfläche, die, von oben angesehen, den innersten 
Theil der Mündung verdecken. Oft findet man ihre Oberwand durch- 
gebrochen, und dann haben sie eine große rundliche Höhlung hin- 
terlassen, deren Boden durch die Zellenwand gebildet wird. Es sind 
dies die blasigen Nebenzellen , welche S toliczka erwähnt. Schon 
Lonsdale hat ihre Bestimmung richtig gedeutet. 

2. Stickoporina Reussi Stol. (Taf. 1, Fig. 3 — 5). 
S toliczka 1. c. pag. 92, 93. Taf. 3, Fig. 6. 

Die Exemplare von Calbe kommen in der Physiognomie und im 
Baue vollkommen mit jenen von Latdorf überein, nur daß sie etwas 



220 Heu ss. 

kleiner sind, indem sie höchstens einen Durchmesser von 3 Millim. 
erreichen: Stoliczka hat ihre Ähnlichkeit mit Lunulites und Sti- 
ckopora erkannt und ihr Ausdruck verliehen, dieselbe aber offenbar 
überschätzt, indem er Stichoporina selbst zu der Familie der Sele- 
nariadeen in die Nähe von Stichopora versetzte. Er hat die Latdorfer 
Formen nur deßhalb von Stichopora (clypeata) v. Hag. geson- 
dert, weil Hagenow in seiner Characteristik dieser Gattung beson- 
ders das Vorhandensein von Neben- und Spaltzellen, so wie das 
Wachsthum der Zellen in regelmäßigen Reihen nur nach einer 
bestimmten Richtung hin betont, — Merkmale, die sich an dem Lat- 
dorfer Fossile auf keine Weise erkennen lassen. Die Hagenow'- 
sche Diagnose paßt aber selbst imS St. clypeata v. Hag. keineswegs, 
denn wir finden weder in der Reschreibung, noch in der Abbildung, 
welche Hagenow von dieser Species liefert *), die geringste An- 
deutung von Spalt- oder Nebenzellen. Auch das zweite Kennzeichen, 
auf welches doch ein besonderes Gewicht gelegt wird , kann auf St. 
clypeata keine Anwendung finden. Es faßt Hagenow überhaupt, 
wie schon Orbigny hervorhebt, in seiner Gattung Stichopora 
sehr differente, auf keinen Fall zusammengehörende Körper zusam- 
men. St. pentasticha v. Hag. 2 ) von Rügen zeigt ein regelmässiges 
Abwechseln der Zellen, kann aber eben so wenig, als St. Richteri 
v. Hag. s) und St. tetragona v. Hag. 4 ), mit St. clypeata in dersel- 
ben Gattung vereinigt werden. Sie gehören überhaupt gar nicht in 
die Gruppe der Selenariadeen, sondern kommen in die Nähe von 
Filiflustrella und Filifiustrellaria d'Orb. zu stehen. Ganz anders 
verhält sich die Sache bei St clypeata. Während bei den früher 
genannten Arten das Wachsthum in alternirenden Längsreihen, also 
in linearer Richtung vor sich geht, könnte es doch in dem Falle, 
daß dieses Gesetz auch für St. clypeata Geltung haben sollte , nie 
zur Rildung einer kreisförmigen Colonie kommen. Man überzeugt 
sich aber auch leicht, daß von einer centralen Primordialzelle nach 
allen Seiten hin neue Zellen aussprossen und sich in mehr weniger 
deutlich nachweisbaren Kreis- und Radialreihen an einander legen. 



v. Hagenow die Bryozoen von Maastricht pag. 100, Taf. 12, Fig. 14. 

2 ) Leonhard's u. Bronn's Jahrb. 1839. pag. 280. Taf. 5, Fig. 3. 

3 ) Geinitz, Grundriß der Versteinerungskunde pag. 622. Taf. 23, 6, Fig. 47. 
11 ) I. c. pag. 622. 



Über einige Bryozoen aus dem deutschen Unteroligocän. &&1 

Dasselbe Verhältniß bildet auch Orbigny an den von ihm unter- 
suchten französischen Exemplaren ab *)• Von Neben- und Spaltzellen 
ist auch hier keine Spur vorhanden. 

Da nun gerade St clypeata v. Hag. als der Typus der Gattung 
Stichopora angesehen werden muß, wie es auch von Busk 2) 
geschieht, so stellt diese nichts als Lunuliten ohne gesonderte Vibra- 
cularzellen dar. Wir folgen derselben Anschauungsweise. 

Wollte man sich auf die bisher erörterten Charactere beschrän- 
ken, welche sich auch bei Stichoporina wiederfinden, so würde 
man genöthigt sein, diese mit Stichopora unbedingt zu identificiren. 
Dieser Vorgang würde aber nicht gerechtfertigt erscheinen, da zwi- 
schen beiden Gattungen in anderer Beziehung wesentliche Unter- 
schiede stattfinden und zwar in der Beschaffenheit der Zellen. 
Während dieselben bei St. clypeata Hag. und der hochconischen 
St co7iica A" Orb. aus der Kreide von S. Colombe 3 ) , gleichwie 
bei den Lunulites- und Cupitlaria- Arten, hexagonal, niedergedrückt, 
von einem gemeinschaftlichen erhabenen Rande umgrenzt sind, fin- 
den wir an den Stichoporinen Cellepora-zrtige Zellen , in der Mitte 
der Scheibe senkrecht stehend, am Rande halb liegend, gewölbt, 
eiförmig oder selbst etwas röhrig, durch tiefe Furchen von einander 
gesondert , mit terminaler rundlicher Mündung. Darin kömmt Sti- 
choporina mit Celleporaria überein, von welcher sie daher nur in 
der Anordnung der Zellen abweicht. Sie steht daher in demselben 
Verhältnisse zu Celleporaria, wie die gleich näher zu besprechende 
Sippe Batopora, bei welcher die Zellen nicht zu einer kreisför- 
migen Scheibe ausgebreitet, sondern zu einer kegelförmigen oder 
kreiseiförmigen Gruppe zusammengehäuft sind. 

Das Gerüste der Stichoporina Reussi ist mehr weniger kreis- 
förmig, am Rande durch die abwechselnd weiter hervortretenden 
Zellen ausgezackt, auf der Oberseite flach convex, auf der unteren 
seicht ausgehöhlt oder auch beinahe eben. Auf der ersteren sieht 
man im Centrum eine größere Primordialzelle , um welche sich 
durch allseitiges Aussprossen ein Kranz gewöhnlich kleinerer Zellen 
herumlegt, welcher nach außen wieder einer Kreiszone von Zellen 



i) Pale'ont. franc. Terr. eretace'es. V. Taf. 707, Fig. 5 — 9. 

2 ) The Crag Polyzoa pag. 84. 

3 ) Pale'ont. franc. Terr. cref. V. Taf. 707, Fig. 10—12; später fälschlich zu Lunu- 
lites gezogen und (1. c. pag. 355) als L. subconica d'Orb. beschrieben. 



222 Reuss. 

ihren Ursprung gibt und so fort, so daß man ohne Schwierigkeit 
eine Aufeinanderfolge conCentrischer Kreisreihen nachweisen kann, 
wobei die Zellen der Nachbarkreise mit einander alterniren und die 
Zellen nach außen etwas an Größe zunehmen. Durch das Zurück- 
bleiben einzelner Zellen im Wachsthume oder durch Einschieben 
kleinerer Zellen zwischen die größeren eines Kreises wird jedoch 
die Regelmäßigkeit der Anordnung heinahe stets mehr weniger 
gestört. 

Die Vermehrung geschieht durch Sprossencanäle, deren man 
zwei an der Außenseite jeder Zelle gegen die Basis hin, je eine 
jederseits, wahrnimmt. Dieselben münden in die zwei angrenzenden 
alternirenden Zellen des nächst äußeren Zellenkreises auf ganz ana- 
loge Weise, wie wir dies bei Orbltulites unter den Foraminiferen 
wiederfinden. 

Die Zellen sind hläschenartig, mehr weniger eiförmig, an der 
Basis dicht an einander liegend und durch lateralen Druck polygonal 
werdend, nach oben frei und auf dem sich etwas verschmälernden 
Scheitel die große, beinahe runde terminale Mündung tragend. Bis- 
weilen sind jedoch die nach innen gelegenen Zellen sehr nieder- 
gedrückt, nur durch schmale Furchen gesondert und bilden dann 
eine fast in einer Ebene liegende polygonale Täfelung. Besonders ist 
dies bei den meisten Latdorfer Exemplaren der Fall, während an 
jenen von Calbe sich das obere Zellenende mehr frei erhebt. Im 
höchsten Grade findet Letzteres bei den peripherischen Zellen Statt, 
welche schräg nach außen aufsteigen und ein beinahe kurzrohriges 
oberes Ende besitzen, das durch die scharfrandige Mündung schief 
abgestutzt wird. Wo diese wohlerhalten ist, sieht man den äußeren 
Theil des Mündungsrandes etwas über den inneren vorgezogen. 

Die Oberfläche der Zellen erscheint, wo sie nicht abgerieben 
ist, bei stärkerer Vergrösserung mit feinen Rauhigkeiten regellos 
bedeckt. An abgeriebenen Stücken nimmt man zerstreute kleine Po- 
ren wahr. Sehr vereinzelt findet man dergleichen auch in den Zwi- 
schenfurchen der Zellen. 

Einige andere Erscheinungen beobachtet man an verticalen 
Durchschnitten der Zellencolonie. Vorerst überzeugt man sich, daß 
die peripherischen Zellen sich nicht nur nach oben etwas verlängern, 
sondern auch nach unten und innen, wodurch ihre Höhlung röhrig 
wird und sich gegen die Basis der Scheibe umbiegt. 



Über einige Bryozoen aus dem deutschen Unteroligocän. 223 

Die in der Mitte der Colonie gelegenen Zellen (nebst der Cen- 
tralzelle jene des ersten, zweiten oder selbst einzelne des dritten 
Ringes) verlängern sich bisweilen durch Proliferiren ebenfalls nach 
oben, indem sich gleichsam eine zweite Zellenschichte auf die erste 
legt. Der Verticalschnitt zeigt dann Zellenröhren, die durch eine 
Querscheidewand in Etagen getheilt werden, welche durch eine 
weite Öffnung mit einander communiciren. 

Die Unterseite der Colonie ist durch schmale Furchen in kleine, 
unregelmäßig polygonale ebene Felder zerschnitten , deren jedes 
einer Zelle entspricht. In den Zwischenfurchen stehen einzelne Po- 
ren zerstreut, deren Verbindung mit den Zellenhöhlungen ich aber 
nicht nachweisen konnte. Sie entsprechen wohl den zahlreichen 
Poren auf der Unterseite der Lunuliten und Cupularien. 

An manchen Exemplaren ist, wie schon erwähnt wurde, die 
Unterseite seicht concav, an anderen beinahe eben. An letzteren 
lehrt ein Verticalschnitt, daß die ursprünglich ebenfalls concave 
Fläche durch spätere Kalkablagerung ausgefüllt wurde, die in der 
Mitte am dicksten ist, gegen die Peripherie hin sich aber allmälig 
verdünnt. Eben so ist sie an Exemplaren mit concaver Unterseite 
dünner, als an jenen, deren untere Fläche eben erscheint. Die Aus- 
füllungsmasse läßt bei stärkerer Vergrößerung bisweilen deutliche, 
den Contouren der Unterseite parallel verlaufende Streifen erkennen, 
zum Beweise, daß dieselbe successiv und schichtenweise abgelagert 
worden ist. 

3. Batopora 1 ) Stoliczkai Rss. nov. g. (Taf. 2, Fig. 2—4). 

Die Gattungen Lepralia, Celleporaria, Eschara und viele 
andere Bryozoen-Sippen umfassen in Folge der verschiedenen Ge- 
stalt und Anordnung der Zellen, der Zahl und Art ihrer Nebenporen 
oder ihrer Abwesenheit u. s. w. so mannigfache und so abweichende 
Formen, daß man sie oft für Typen selbstständiger Gattungen zu 
halten geneigt ist. Viele derselben sind auch wirklich, besonders 
durch Orbigny, zu solchen erhoben worden. Sobald man aber 
zahlreichere Exemplare einer genaueren Untersuchung unterzieht, 
so wird man bald gewahr, daß die so hervorstechenden Merkmale, 
welche hauptsächlich zu dieser Ansicht verleitet haben, nicht con- 



*) Von ro ßctrov die Brombeere, von der Ähnlichkeit der Gestalt mit einer Brombeere. 



224 Reu ss. 

sinnt sind, vielmehr dem Wechsel unterliegen, oft weniger schart 
hervor! rot (Mi oder auch gänzlich verschwinden. Dadurch werden 
zahlreiche Obergangsstufen geschaffen, durch welche anscheinend 
sehr scharf characterisirte Gattungen allmälig in andere verfließen. 

Dies gilt auch von einer höchst auffallenden Gruppe von Celle- 
porarien, welche sich durch eine eigenthümliche Anordnung der 
Zellen auszeichnet. Während bei den typischen Celleporarien die 
bläschenartigen Zellen regellos neben und über einander gehäuft 
sind, so daß sie unregelmäßige knollige und rindenartige Massen 
bilden, finden wir in manchen Fällen eine sehr symmetrische Anein- 
anderlagerung der Zellen, welche zur Entstehung von mehr weniger 
regelmäßigen Zellenstöcken führt. Zwei dieser Fälle haben wir 
schon früher in den Galtungen Orbitulipora und Stichoporina ken- 
nen gelernt, bei welchen bisher noch keine Übergänge zu den typi- 
schen Formen von Celleporaria bekannt geworden sind. Anders 
verhält es sich bei einer dritten hierher gehörigen Gruppe, der ich 
den Namen Batopora beilege. Bei derselben sind die Zellen zu 
einer kleinen mehr weniger regelmäßigen kegel- oder kreiseiförmigen 
Gruppe zusammengestellt. Die Spitze — den ältesten Theil des Ke- 
gels — nimmt eine einzelne aufrecht stehende Zelle ein. An ihre 
Basis legen sich dann in radialer Bichtung 4 — 6 andere, unter diese 
in alternirender Stellung und stets vom Centrum gegen die Peri- 
pherie ausstrahlend wieder andere Zellen, bis endlich durch das 
wiederholte Anlegen heuer Etagen eine mehr weniger hohe kegel- 
oder kreiseiförmige Colonie entsteht, an welcher die die Basis bil- 
denden Zellen die jüngsten sind. Dadurch kommen die Zellen in 
schräge, von der Primordialzelle — dem Schlußstein des ganzen 
Gewölbes — ausgehende radiale Beihen zu stehen, zwischen welche 
sich im Verlaufe des Wachsthumes, also im unteren Theile der Co- 
lonie immer neue einschieben. Zugleich nehmen die später gebildeten 
Zellen eine immer weniger geneigte Stellung an; die jüngsten — un- 
tersten — liegen völlig horizontal in einer Ebene. 

Bei manchen Arten ist hiemit das Wachsthum abgeschlossen 
(z. B. bei B. rosula Bss., B. angustata d'Orb. sp.), bei anderen 
(bei B. Stoliczkai Bss.) setzt sich die Bildung, wie weiter unten 
gezeigt werden wird , noch weiter fort. 

Jede Zelle steht mit den angrenzenden durch enge , seitlich an 
der Basis befindliche spaltenförmige Porencanäle in Verbindung. 



Über einige Bryozoen aus dem deutschen Unteroligocän. 225 

Die Embryonalzelle war ursprünglich offenbar angewachsen. 
Bei an ihrer Basis erfolgendem Hervorsprossen neuer Zellen löste sich 
dieselbe aber von der Unterlage los und blieb nun im weiteren 
Verlaufe ihrer Existenz frei. Wenigstens läßt sich nirgend eine 
Spur von Anheftung wahrnehmen. Bei jenen Arten, die sich ringsum 
mit Zellen bedecken und die Kugelform annehmen, wird eine Anhef- 
tung ohnehin unmöglich. Auf ähnliche Weise verhält sich die Sache 
bei den kugeligen Arten der typischen Celleporarien. 

Am schönsten und regelmäßigsten tritt der Typus der Gruppe 
Batopora an der von d'Orbigny abgebildeten an der II e de Ba- 
silan lebenden Tr. angustata hervor, für welche Orbigny den 
zwei an der Basis jeder Zelle stehenden Nebenporen zu Liebe die 
Gattung Conescharellina geschaffen hat *)• Die Colonie ist hoch- 
conisch, zuckerhutähnlich; die Zellen stehen sehr regelmäßig in 
zehn senkrechten Längsreihen, je fünf in einer Ebene liegend und 
mit jenen der darüber und darunter liegenden Etage alternirend. 

Weniger vollkommen, aber immer noch deutlich genug gibt 
sich die Symmetrie der Batopora an einer Species aus dem miocä- 
nen Tegel von Baden bei Wien zu erkennen , welche ich schon vor 
längerer Zeit unter dem Namen Cellepora rosula beschrieben 
habe 2). Ihr Zellenstock ist niedrig conisch mit oft röhrig verlän- 
gerter centraler Primordialzelle, an deren Basis zunächst 4 — 5 
Tochterzellen hervorsprossen. Die Zellen stehen in 9 — 10 schrägen 
und gebogenen, vom Gipfel ausstrahlenden Radialreihen. Die große 
runde Mündung ist von einem scharfen, an der Basis etwas lippen- 
artig vorgezogenen Rande umgeben. Die Zellen stoßen im Centrum 
gewöhnlich nicht ganz zusammen , sondern der Zwischenraum wird 
durch kleine geschlossene Abortivzellen ausgefüllt. Die jüngsten 
Zellen liegen vollkommen horizontal. Im Alter platten sich die Zellen 
am freien Ende ab und der scharfe Mündungsrand verschwindet. 
Der Scheitel ragt dann in weit geringerem Umfange frei empor. 
(Tab. 1, Fig. 7; Tab. 2, Fig. 1). 

Im Unteroligocän von Calbe findet man eine dritte Species 
ziemlich häufig , welcher ich zu Ehren des Herrn S 1 1 i c z k a , der 



1) Pale'ontol. franc. Terr. cretac. V. pag. 447, Taf. 774, Fig. 14 — 16. 

2 ) Reu ss die foss. Polyp, d. Wiener Tertiärbeckens in den von Hai ding er gesarnm. 
naturwiss. Abhandl. Bd. II, pag. 78. Taf. 9, Fig. 7. 



2 2 (> n e ii s s. 

sieh um die Kenntniß der Bryozoen von Latdorf verdient gemacht 
hat, den Namen B. Stoliczkai beilege. Im Jugendzustande ist sie 
der vorbeschriebenen Species sehr ähnlich und unterscheidet sich 
von ihr hauptsächlich nur durch kleinere eiförmige, am Scheitel oft 
zur kurzen Röhre verdünnte Zellen. Sie stehen in zahlreicheren und 
zugleich meistens in weniger regelmäßigen schrägen Radialreihen. 
Auch wird durch ihre ungleiche Größe die Symmetrie der Anord- 
nung häufiger und in höherem Grade gestört. Unter der rundlichen 
scharfrandigen Mündung steht bisweilen eine kleine Nebenpore. 
Auch hier berühren sich die Zellen im Centrum nicht unmittelbar 
und die Lücke wird durch kleine geschlossene Abortivzellen ausge- 
füllt. Die jüngeren Zellen nehmen ebenfalls eine weniger geneigte 
Stellung an, bis sie endlich horizontal werden. Aber damit ist nicht 
in allen Fällen der Entwicklungsgang abgeschlossen. Das Aus- 
sprossen der Zellen dauert fort; dieselben neigen sich allmälig mehr 
nach abwärts, bis sich endlich rings um das Centrum Zellen gebil- 
det haben und die Colonie zuletzt zu einer kleinen, auf allen Seiten 
von Zellen besetzten Kugel geworden ist. Im weiteren Verlaufe 
scheinen selbst noch zwischen den schon früher entstandenen Zellen 
hin und wieder neue stets klein bleibende hervorzusprießen, wodurch 
die Ungleichheit der Zellen gesteigert und zugleich die Größe der 
kugeligen Colonien noch etwas vermehrt wird. 

Die Oberfläche der Zellenwandung zeigt sich, wie bei B.rosula, 
mit feinen Rauhigkeiten dicht besetzt. 

Die von Stoliczka aus Latdorf angeführten und der Celle- 
pora globularis B r. beigezählten kleinen Kugeln , deren Durchmes- 
ser 3 Millim. nicht übersteigt, dürften vielleicht ebenfalls hierher 
gehören. Wenigstens zeigen die jüngeren derselben eine mit Bato- 
pora ganz analoge Anordnung der Zellen. 

b) Eseharicleae. 

4. Polyeschara confusa Rss. n. gen. et sp. (Taf. 3, Fig. 1—4). 

In der mir von Herrn v. Konen mitgetheilten Probe der von 
ihm bei Bünde zuerst aufgefundenen und dem Unteroligocän angehö- 
rigen Schichten fand ich unter anderen einzelne Bruchstücke einer 
Bryozoe, welche bei flüchtiger Betrachtung leicht für eine Eschara 
gehalten werden könnte. Eine genaue Untersuchung zeigt jedoch, 
daß sie dieser Gattung, wie sie jetzt allgemein begrenzt wird, nicht 



Über einige ßryozoen aus dem deutschen Unteroligocän. 22 T 

angehören könne, indem sie sich in der Anordnung ihrer Zellen 
wesentlich davon unterscheidet. Man hat es nämlich nicht blos mit 
zwei Zellenschichten zu thun, welche mit der Rückenfläche gegen 
einander gekehrt und mit einander verwachsen sind, sondern mit 
einer größeren Zahl sich deckender Zellenlagen. Der ursprünglich 
gebildete Theil der bandartig zusammengedrückten, gabelig ästigen 
Stämmchen stimmt im Baue vollkommen mit einer einfachen 
Eschara überein. Bei fortschreitender Bildung legt sich aber über 
jede der beiden Zellschichten eine neue Schichte von Zellen, so daß 
jedes Stämmchen zuletzt aus vier Zellenschichten besteht, deren je 
zwei gleichartig gegen eine Seite gekehrt sind (Fig. 1 c). Bisweilen 
scheint es sogar zur Bildung dreier aufgelagerter Zellenschichten zu 
kommen. Wenigstens ist dies an einzelnen Stellen der vorliegenden 
Bruchstücke deutlich zu erkennen (Fig. 3). 

In diesen Verhältnissen kömmt unser Fossil mit der von Or- 
bigny aufgestellten und beschriebenen Gattung Dlsteginopora *) 
überein. Im feineren Bau findet jedoch ein sehr wesentlicher Unter- 
schied Statt. Die Orbigny'sehe Gattung bietet Structurverhältnisse 
dar, die man bei keiner anderen Bryozoe wiederfindet, und die noch 
weiterer Bestätigung zu bedürfen scheinen. Nach Orbigny's An- 
gabe soll sich nämlich über den inneren , ganz nach Art der 
Escharen gebildeten Theil jederseits eine zweite Etage aufbauen, 
die äußerlich zwar auch eine Begrenzung einzelner Zellen wahrneh- 
men läßt, im Inneren jedoch einer solchen Trennung in abgeson- 
derte Zellen ermangelt, daher einen ununterbrochenen freien Raum 
darbietet, dessen Decke nur durch die sich röhrenförmig verlängern- 
den Mündungen und Avicularporen der unteren Zellenschichte gleich 
wie von Pfeilern getragen wird. 

Sehr abweichend sind die Verhältnisse an dem Fossile von 
Bünde. Hier ist auch die zweite äußere Lage durch Wandungen in 
Zellen abgetheilt und stellt daher eine vollkommene Zellenschichte 
dar. Faßt man die Beziehungen der auf einander liegenden Zellen- 
schichten etwas genauer in das Auge , so überzeugt man sich , daß 
die Zellen beider an vielen Stellen einander entsprechen, daher in 
senkrechter Richtung über einander liegen. In diesem Falle bildet 
die gewöhnlich verdickte Vorderwand der unteren Zellen die Hinter- 



x ) Paleontol. franc. Terr. cretae. V. pag. 497. Taf. 734, Fig. 9—11. 
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Abth. 16 



228 Reuss- 

wand der darüber liegenden. Beide communiciren ursprünglich 
durch die Mündungen der unteren Zellen; aber später scheinen sich 
diese meistenteils zu verschließen (Fig. 4) und die Communication 
findet nur durch die feinen Porencanäle Statt, welche die Zellen- 
wandungen durchziehen. Vielleicht sterben aber auch die die tiefere 
Zellenetage bewohnenden Thiere ab , wie wir dies an den ältesten 
Theilen der echten Eseharen-Stämme beobachten, an welchen die 
Mündungen ebenfalls obliteriren, oder sie ziehen sich doch aus den- 
selben in die neugebildete höhere Etage zurück. 

An anderen Stellen liegen jedoch die Zellen der oberen Schichte 
nicht unmittelbar über jenen der unteren; es findet zwischen beiden 
keine Übereinstimmung Statt, indem die ersteren sehr unregelmäßig 
werden, und beide stehen sodann nur durch die vorhandenen Poren- 
canale mit einander in Verbindung. 

Das Fossil von Bünde repräsentirt daher einen Typus, der 
jedenfalls von dem einfachen Escharen -Typus beträchtlich abweicht 
und sich zu Eschara gerade so verhält, wie Cumalipora v. M. *) zu 
Lepralia Jo linst. So lange man diese von einander gesondert hält, 
wird man auch das in Bede stehende Petrefact von Eschara gene- 
risch trennen müssen. Doch auch im gegenteiligen Falle wird man 
es stets zum Typus einer besonderen Gruppe innerhalb der Gattung 
Eschara zu machen genöthigt sein. Die mehrschichtigen Escharen 
werden immer einen auffallenden Gegensatz bilden zu den einfachen 
Escharen, die stets zweischichtig bleiben und bei denen es auch 
im Alter nie zur Bildung zahlreicherer Überlagerungsschichten 
kömmt. Ich belege diese Abtheilung, mag man sie aus dem einen 
oder dem anderen Gesichtspunkte betrachten, mit dem Namen „Poly- 
eschara u . 

Die unteroligocäne Species bildet gabelförmig-ästige Stämm- 
chen mit breiten zusammengedrückten Zweigen, die, in der Mitte am 
dicksten, gegen die abgerundet-winkeligen Bänder hin sich etwas 
verdünnen. Der größte Theil derselben bestellt, wie der Querschnitt 
lehrt, auf jeder Seite aus zwei Zellenschichten , deren Zwischen- 
wände an den älteren Stammtheilen sehr verdickt erscheinen, an den 
jüngeren dagegen die Medianplatte an Dicke nicht übertreffen. An 



i ) Reuss zur Fauna des deutschen Oberoligocäns in d. Sitzungsber. d. kais. Akad. 
d. Wissensch. Bd. 50, pag. 29. 



Über einig-e Bryozoen aus dem deutschen Unteroligocän. 229 

den ältesten Theilen der Stämmchen beobachtet man sogar drei sich 
deckende Zellenschichten , jedoch pflegt die äußerste zunächst den 
Rändern zu fehlen. 

In Beziehung auf das Wechselverhältniß der einzelnen Schich- 
ten gegen einander ist das Nöthige schon bei der Characterisirung 
der Gattung erörtert worden. 

Die Zellen der äußeren Schichten zeigen beinahe durchgehends 
in Betreff ihrer Größe, Gestalt und Anordnung die größte Unregel- 
mäßigkeit (Fig. 1, b). Immer sind sie sehr wenig gewölbt und 
durch seichte Furchen von einander abgegrenzt. An den ältesten 
Partien der Stämmchen fehlt diese Begrenzung beinahe gänzlich. Auch 
die Mündung wechselt ausnehmend an Grösse und Form; gewöhnlich 
ist sie rundlich oder auf der Unterseite mehr weniger abgestutzt und 
wird von einem kaum erhabenen Rande eingefaßt. Längs des Zellen- 
randes beobachtet man eine einfache Reihe entfernt stehender ein- 
facher Poren. Dergleichen stehen vereinzelt gewöhnlich auch auf 
dem Mündungsrande. 

An den jüngsten Zweigen besitzen die regelmäßiger gestalteten 
Zellen einen verkehrt-eiförmigen oder ungleich-hexagonalen Umriß. 

Wo die Wandungen der äußeren Zellenschichte zerstört sind, 
bilden die vorragenden dünnen Seitenwände ein meist sehr regelloses 
Netzwerk. Zugleich ist aber dann die Vorderwand der tieferen 
Zellenschichte blosgelegt und man überzeugt sich, daß an den mei- 
sten Zellen die Mündung ganz verschlossen oder zu einer feinen Pore 
zusammengeschrumpft ist (Fig. 4). Die Communication mit den 
äußeren Zellen wird dann nur durch die unverändert gebliebenen 
Randporen vermittelt. 

Die Species ist im Unteroligocän von Bünde nicht selten. 

c) Selenariatleae. 

5. Pavolunulites Buski Rss. n. sp. (Taf. 1, Fig. 6). 

Bei Calbe kommen sehr seltene Bruchstücke einer Bryozoe vor, 
die in allen generischen Merkmalen mit Pavolunulites d'Orb. *) über- 
einstimmt. 

Über die Form der sein* dünnen blattförmigen Colonie läßt sich 
keine bestimmte Auskunft geben, da nur wenige Bruchstücke vor- 



1) d'Orbigny pale'ontologie franc. Terr. cret. V. pag\ 358. Taf 706, Fig. 5— 11, 

16* 



230 Renas. 

liegen. Dieselben sind unregelmäßig vierseitig mit mehr weniger 
abgerundeten äußeren Ecken. Es scheint das innere Ende, von 
welchem die wenig regelmäßigen divergirenden Zellenreihen aus- 
strahlen und das daher die laterale Embryonalzelle enthielt, abge- 
brochen zu sein und das ganze Gerüste rundlich oder etwas fächer- 
förmig gewesen zu sein. 

Die Zellen sind eiförmig -vier- oder fünfseitig, indem ihr Vorder- 
rand gerundet, bogenförmig ist, das hintere Ende aber nach beiden 
Seiten schräg abgeschnitten, daher keilförmig erscheint. Die Zellen- 
decke ist niedergedrückt und steigt gegen die Ränder, welche als 
scharfe Kanten vorragen, etwas an. Die Mündung liegt hart am vor- 
deren Ende und ist meistens halbrund-vierseitig, hinten abgestutzt, 
an beiden Seiten hörnerartig nach hinten verlängert, so daß der Hinter- 
rand meistens als ein breiter Zahn in die Mündung vorspringt. Die 
Oberfläche der Zellendecke ist fein gekörnt. 

Zwischen den beschriebenen regelmäßigen Zellen sind hin und 
wieder ohne Ordnung viel kleinere unregelmäßig polygonale, ebenso 
niedergedrückte Zellen eingestreut, deren Oberfläche zum größten 
Theile von der halbrunden, hinten abgestutzten oder auch beinahe 
rundlichen Mündung eingenommen wird. Gewöhnlich beginnt jede 
neue eingeschobene Reihe mit einer solchen kleinen abnormen Zelle. 

Die flache Rückenseite der Colonie wird von seichten und schma- 
len unregelmäßig ausstrahlenden entfernten Furchen durchzogen, 
deren breite kaum gewölbte Zwischenräume ebenfalls gekörnt sind. 
Sie entsprechen den unregelmäßigen Zellenreihen. 

Auf dem Querbruche beobachtet man, daß die einzelnen Zellen 
mit jeder nach außen gelegenen jüngeren Nachbarzelle durch einen 
ziemlich weiten Sprossenkanal zusammenhängt. 

Die Species hat große Ähnlichkeit mit Hemieschara (Semie- 
schara d'Orb.) und ich würde sie damit vereinigt haben, wenn nicht 
die ganze Beschaffenheit der Colonie darauf hinwiese, daß sie nicht 
angeheftet, sondern frei war und wenn nicht die Ovarialzellen gänz- 
lich mangelten. Unregelmäßige Formen kehren auch bei anderen 
Selenariadeen wieder und der Mangel an Poren auf der Unterseite 
der Colonie wird auch bei Cupularia guineensis Busk *) und bei 
C. Oweni Busk 2 ) beobachtet. 

i ) Catal. of marine polyzoa of the brit. mus. pag. 98, Taf. 114. 
2 ) L. c. pag. 99, Taf. 115. 



Über einige Bryozoeu aus dem deutscheu Unteroligocän. 231 

6. Diplotaxis placentula Rss. n. gen. et sp. (Taf. 2, Fig. 5—7). 

Das Fossil, welches ich ebenfalls im Unteroligocän von Calbe 
entdeckte, bildet eine kreisrunde oder sehr breit-elliptische Scheibe 
mit winkeligem Rande, deren Oberseite sehr wenig und gleichmäßig 
conyex, die untere dagegen eben oder selbst etwas eingedrückt ist. 
Im Gegensatze mit den übrigen Selenariadeen sind beide Flächen mit 
ausmündenden Zellen besetzt. 

Auf der Oberseite erblickt man zuerst in der Mitte eine rund- 
liche, beinahe in ihrer ganzen Weite geöffnete Zelle, um welche sich 
4 — 5 andere gruppiren. Aus diesen sprießen nach außen wieder 
neue Zellen in vermehrter Anzahl hervor und so fort bis zum periphe- 
rischen Rande der ganzen Colonie. Die Zellen zeigen im Allgemeinen 
eine symmetrische Anordnung, indem sie stark gebogene vom Cen- 
trum auslaufende Spiralreihen bilden, zwischen welche sich nach 
außen kürzere einschieben. Die Zellen sind flach, von eiförmigem, 
dem Vierseitigen sich nähernden Umriß, werden aber oft unregel- 
mäßig und wechseln auch in der Größe beträchtlich. Den größeren 
Theil ihrer oberen Fläche nimmt die große, in radialer Richtung 
verlängerte, elliptische oder verzerrte Mündung ein, welche von einem 
in der Breite sehr ungleichen, gegen die Mündung hin abschüssigen 
Rande umgeben wird. Am schmälsten ist derselbe in seinem dem 
Außenrande der Colonie zugewendeten Theile. 

Neben jeder Zelle nach außen liegt eine viel kleinere rundliche, 
eiförmige oder etwas vierseitige Vibracularzelle, die im größten Theile 
ihrer Fläche von der rundlichen Mündung durchbrochen erscheint, 
so daß nur ein schmaler Rand übrig bleibt. 

Die Zellen beider Arten werden durch schmale aber tiefe 
Furchen von einander geschieden. Die Oberfläche der Zellenwandun- 
gen erscheint sehr fein und regellos gekörnt. 

Von sehr abweichender Beschaffenheit sind die die flache Unter- 
seite der Colonie einnehmenden Zellen. Vor Allem sind sie viel größer 
und weniger zahlreich und richten sich mit ihrer Längsaxe gerade nach 
außen und zwar so, daß die inneren mit den nach außen gelegenen 
alterniren. Ihr Umriß ist gewöhnlich eiförmig, nach innen gerundet, 
nach außen verschmälert und mit dem keilförmig zugeschnittenen 
Ende sich zwischen die zwei nächstäußeren Zellen einschiebend. Am 
vorderen Theile der Zelle sitzt die elliptische Mündung, der übrige 



232 R e u s s. 

Theil der Zellenwandung ist flaöh. Einzelne Zellen ermangeln jeder 
Öffnung. Zwischen die beschriebenen größeren Zellen sind hin und 
wieder kleinere, meist unregelmäßig gestaltete und bisweilen eben- 
falls geschlossene Zellen eingeschoben. Nur stellenweise findet man 
Zellen von der Größe und Form der Vibracularzellen der Oberseite, 
nur daß ihre Mündung gewöhnlich viel kleiner oder selbst ganz 
obliterirt ist. Nur zunächst dem Rande der scheibenförmigen Colo- 
nie fehlt niemals eine Kreisreihe solcher Zellen, von denen je eine 
regelmässig zwischen die äusseren Enden zweier größerer Zellen 
eingeschaltet ist. 

Auch die Zellen der Unterseite lassen bei stärkerer Vergröße- 
rung die gedrängte zarte Körnung der Oberfläche wahrnehmen. 

Schon bei Anwendung mäßigen Druckes trennt sich die Colonie 
in ihre einzelnen Zellen. Man überzeugt sich dabei, daß die Zellen 
der Oberseite eine zusammengedrückt und unregelmäßig pyramidale 
Gestalt besetzen und desto länger werden, je näher sie dem Schei- 
benrande liegen. Auf der Oberseite der Scheibe tritt nur die kleine 
schräg abgeschnittene die Mündung tragende Basalfläche der Pyra- 
miden hervor, der übrige etwas gekrümmte Theil derselben wird von 
den anderen Zellen verdeckt. Je weiter die Zellen nach innen liegen, 
desto kürzer wird die Pyramide und desto steiler erhebt sie sich; je 
näher die Zelle dem Rande liegt, desto mehr verlängert sich der 
spitze dem Centrum zugewendete Theil und desto mehr nähert ihre 
Lage sich der horizontalen. Jede Zelle zeigt nicht weit hinter dem 
Mündungstheile auf der Ober- und Unterseite eine ziemlich große Pore 
zum Behufe derCommunication mit den nächstangrenzenden Zellen. 

7. Lunulitcs Latdorfensis Stol. 
Stoliczka 1. c. pag. 93. Taf. 3, Fig. 7. — Lunulites hernisphaericus F. 
A. Römer die Polyp, des norddeutsch. Tertiärgeb. 1863. pag. 18, 
Taf. 2, Fig. 27. 

Diese Species, welche von Stoliczka zuerst aus dem Unter- 
oligocän von Latdorf beschrieben wurde, kömmt auch in den Schich- 
ten gleichen Alters von Bünde, wenngleich selten, vor und fehlt auch 
bei Westeregeln nicht. Sie begleitet beinahe überall die L. subplena 
Rss. Auch nähert sie sich derselben durch die starke consecutive 
Verdickung der Zellenschichte auf der Unterseite, wenn auch diese 
nie völlig ausgefüllt wird , sondern immer noch etwas concav bleibt. 
Die senkrechten Zellenprismen lösen sich ziemlich leicht von einander 



Über einige Bryozoen aus dem deutschen Unteroligocän. 233 

ab und auf den Trennungsflächen treten die queren Anwachslinien, 
auf welche ich zuerst bei L. hippocrepis F. A. Rom. — L. andro- 
saces (Mich.) Rss. — von Crefeld aufmerksam machte !), in aus- 
gezeichneter Deutlichkeit und Zierlichkeit hervor. Man überzeugt 
sich hier zugleich mit völliger Bestimmtheit, daß man es nur mit 
einer feinen Anwachsstreifung zu thun hat, keineswegs aber mit 
einem complicirten Canalsysteme, wofür Stoliczka diese Streifung 
zu halten geneigt ist. Die microscopische Untersuchung läßt darüber 
keinen Zweifel aufkommen. 

Die verhältnismäßig breiten und unregelmäßigen kaum gewölb- 
ten Zwischenf eider der radialen Furchen auf der Unterseite des Zel- 
lenstockes tragen sehr entfernt und regellos stehende Poren, bald 
nur eine, bald zwei Reihen bildend. Damit fällt eines der wichtigsten 
Unterscheidungsmerkmale hinweg, welche F. A. Römer für seine 
L. hemisphaerica anführt. Überhaupt kann an der Identität derselben 
mit der schon früher von Stoliczka aufgestellten Species nicht 
gezweifelt werden. 

Eine auffallende Erscheinung ist das schon von Stoliczka her- 
vorgehobene constante Vorhandensein einer ziemlich großen deutli- 
chen Anheftungsstelle auf dem Scheitel der kegelförmigen Colonie, 
welche man an anderen Lunuliten vermißt. Im Gegentheile findet 
man an diesen nur bisweilen in der Mitte der concaven Fläche eine 
Spur von Anheftung. Mitunter sitzt dort ein einzelnes Sandkorn oder 
ein kleines Fragment einer Conchilienschale, auf welchem sich offen- 
bar die Embryonalzelle des Lunuliten fixirt hatte. Die anwachsende 
Colonie löste sich später von ihrer Unterlage los und dann beobach- 
tet man keine Spur der früheren Anheftung mehr. 

In seltenen Fällen bleibt die ursprüngliche Unterlage an der 
Colonie haften. Interessant war mir in dieser Beziehung ein zer- 
brochenes Exemplar von L. subplenaRss. von Calbe, in dessen Innerem 
ich, näher der Ober- als der Unterseite, ein kleines schwarzgraues, 
abgerundetes Steingerölle wahrnahm. Ohne Zweifel bildete es 
Anfangs die Basis des entstehenden Lunuliten und wurde in der 
Folge durch die successive Ablagerung der Ausfüllungsschichten 
überdeckt und von der Substanz der anwachsenden Colonie um- 
schlossen. 



1) Reuss in d. Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. 18, pag. 262. 



äo4 Re uss. Über einige Bryosoen aus dem deutschen Unteroligocä 



E r k 1 ä r u n g der Abbildungen, 



Tafel I. 



Fig. 1. Orbitulipora petiolus Lonsd. sp. aus dem Unteroligocän von Calbe. 
a in natürlicher Größe, b eine Fläche, c der Seitenrand vergrößert. 

„ 2. Dieselbe. Ein Randsegment mit Ovicellarien vergrößert. 

„ 3. Stickoporina Reussi Stol. aus dem Unteroligocän von Calbe. Ver- 
größerte Oberseite eines älteren Exemplares. 

„ 4. Dieselbe. Vergrößerte Unterseite. 

„ 5. Dieselbe. Vergrößerte Oberseite eines jüngeren Exemplares. 

„ 6. Pavolunulites Buski Rss. aus dem Unteroligocän von Calbe. a Obere, 
b untere Fläche, beide vergrößert. 

„ 7. Batopora rosula Rss. aus dem miocänen Tegel von Baden, a Obere, 
b untere, c seitliche Ansicht, sämtlich vergrößert. 

Tafel II. 
Fig. 1. Batopora rosula Rss. aus dem miocänen Tegel von Baden, a Obere, 
b untere, c seitliche Ansicht, sämtlich vergrößert. 

„ 2. Batopora Stoliczkai Rss. aus dem Unteroligocän von Bünde, a Obere, 
b seitliche Ansicht, beide vergrößert. 

„ 3, 4. Dieselbe. Vergrößerte untere Ansicht. 

„ 5. Diplotaxis placentula Rss. aus dem Unteroligocän von Calbe. a Ver- 
größerte obere, b untere, c seitliche Ansicht. 

„ 6. Dieselbe. Vergrößerte untere Ansicht eines anderen Exemplares. 

„ 7. Dieselbe. Vergrößerte Ansicht einer isolirten Zelle. 

Tafel III. 

Fig. 1. Polyeschara confusa Rss. a Bruchstück in natürlicher Größe, b Ein 
Stück der Oberfläche mit unregelmäßigen Zellen vergrößert, c Ver- 
größerter Querschnitt eines jüngeren Zweiges. 

„ 2. Ein Stück der Oberfläche mit regelmäßigeren Zellen vergrößert. 

„ 3. Vergrößerter Querschnitt eines älteren Zweiges mit drei Zellenschich- 
ten auf jeder Seite. 

„ 4. Vergrößertes Stück der Oberfläche eines Zweiges, an welchem nach 
Zerstörung der oberen Zellenschichte die tiefere sichtbar geworden ist. 



Reufs unterolio'ocäTie BryözoeiL. 



Taf.I. 




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5.-3 Stichojwrin a Reul'si Stol. 6 Pavolumrtites Buski Bis. 
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Sitzraiesb.dkAkad. (l.W.matli.natunv' ('! LYBd IAbth. L86 7 . 



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Taf.H. 










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J.Batopora rosida RPs 2 -41. Batcfivra Stolicxhai Rfs. 
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C. v. Ettingshausen. Die Kreideflora von Niederschoena in Sachsen. ^35 



Die Kreideflora von Niederschoena in Sachsen, 

ein Beitrag zur Kenntniss der ältesten Dicotyledonengewächse. 

Von dem c. M. Prof. Dr. Const. Freih. t. £ttingshausen. 

(Mit 3 Tafeln.) 
(Vorgelegt in der Sitzung am 17. Jänner 1867.) 

Die Pflanzenreste führenden Schichten des Schieferthones im un- 
teren Quader von Niederschoena bei Freiberg sind schon seit Langem 
bekannt. Sternberg beschrieb in seinen Beiträgen zur Flora derVor- 
welt sechs Pflanzenarten aus denselben. Seither erweiterten Zenker, 
Bronn, Geinitz u. A. die Kenntniß über diese fossile Flora. Doch 
sind bisher hauptsächlich nur Filices, Cycadeen und Coniferen, im 
Ganzen 13 Arten dieser interessanten Kreideflora, hingegen die zahl- 
reichen Reste von Dicotyledonen, welche zu den ältesten der Erde 
gehören, noch nicht genauer untersucht und bestimmt worden. 

Da ich nun durch die Güte des Herrn Prof. Beyrich in Berlin 
die vielen im königl. Museum daselbst aufbewahrten aus der Cotta'- 
schen Sammlung stammenden Pflanzenfossilien von Niederschoena zu 
untersuchen in die Lage gekommen bin, so glaube ich dem Wunsche 
des hochverehrten Senders dadurch am besten zu entsprechen, daß 
ich das Resultat der Untersuchung und die von mir bestimmten neuen 
Arten als einen Beitrag zur Kenntniss dieser vorweltlichen Flora der 
Öffentlichkeit übergebe. 

Die allgemeinen Resultate der Untersuchung sind : 

1. die fossile Flora von Niederschoena ist eine Landflora mit 
rein tropischem Charakter. 

2. Von den 42 Arten, welche ich unterscheiden konnte, fallen 
auf die Thallophyten 3 , auf die Acotyledonen 4, auf die Gymnosper- 
men 5 , auf die Monocotyledonen 2 Arten. Die Dicotyledonen zählen 
28 Arten und zwar die Apetalen 16, die Gamopetalen 1, die Dialy- 
petalen 11 Arten. 

Die Artenzahl der Gymnospermen und niederen 
Dicotyledonen verhält sich demnach zu der der 



23() C. v. Bttingshausen. 

höheren nahezu wie 2:1. Im gleichen Verhältnisse steht die 
Zahl der ausgestorbenen Gattungen zu jener der recenten. 

3. Die Flora von Niederschoena hat mit anderen fossilen Floren 
1() Arten gemein. Von diesen sind 14 he zeichnend für die 
Flora der Kreide-Periode; Eine Art kommt auch in der 
Wealden- und Eine in der Tertiärformation vor. (Siehe die beifol- 
gende Tahelle.) 

4. Die Analogien dieser vorweltlichen Flora mit der 
Flora der Jetztwelt sind in nähere und entferntere abzutheilen. 
Zu den ersteren gehören jene fossilen Pflanzenarten, welche nicht nur 
jetztlebenden Geschlechtern eingereiht, sondern zu welchen auch 
jetztlebende Arten derselben als unverkennbar verwandte Ähnlich- 
keiten gefunden werden konnten. Ich will hier nur als die wichtig- 
sten hervorheben: Pteris Beichiana, welche der P. Kinghiana 
En dl., einer auf der Insel Norfolk wachsenden Art, Aspidium Bei- 
chianum, welche dem auf den Philippinen einheimischen A. ligula- 
tum Kunze am meisten entspricht; Ficas bumelioides, der ostindi- 
schen F. nitida Thunb., Bhopala primaeva, der brasilianischen R. 
inaequalis Pohl; Banksia longifolia, der neuholländischen B. spinu- 
losa B. Brown, am meisten analog. 

Die Mehrzahl der Arten ist jedoch den entfernteren 
Analogien beizuzählen. Für viele derselben konnten die Fami- 
lien bestimmt werden, welchen sie angehörten und für einige auch 
die nächst verwandten Gattungen wenigstens muthmaßlich bezeich- 
net werden. 

5. In der Kreideflora von Niederschoena sind folgende Vegeta- 
tionsgebiete der Jetztwelt repräsentirt : 

a) Neuholland durch eine der Gattung Frenela verwandte 
Cupressinee, durch eine auch in der Flora der Tertiärperiode 
vorkommende Banksia-Avt, durch zwei mit Dryandra, durch 
eine mit Lomatia und durch eine der Gattung Conospermum 
nahe verwandte Proteaceen ; 

b) Ostindien durch einige Ficus- Arten und durch eine Laurus- 
Art; 

c) Südafrika durch eine Gleicheniacee, eine Protea-Avt und 
durch eine der Gattung Pterocelastrus nahe verwandte Cela- 
strinee; 



Die Kreideflora von Niederschoena in Sachsen. 237 

d) Brasilien, Westindien und Nordamerika durch je 
Eine Art. 

6. Bei der Vergleichung der in dieser Flora erschei- 
nenden ältesten Dicotyledonen-Formen mit jenen ande- 
rer fossiler Floren fand ich für die Mehrzahl der Arten 
die nächst verwandten Analogien in der Flora der Ter- 
tiärperiode. 

Am auffallendsten ist die Verwandtschaft von Fagus prisca mit 
Fagus Feroniae; von Ficus protogaea mit Ficus lanceolata; von 
F. bumelioides mit einer in der fossilen Flora von Sagor vorkommen- 
den noch nicht beschriebenen Ficus- Art; von Artocarpidium creta- 
cenm mit A. integrifolium aus der fossilen Flora von Sotzka; von 
Daphnogene cretacea mit D. polymorpha; von Dryandroides lati- 
folius und D. Zenkeri mit den in der älteren Tertiärflora verbreiteten 
Dryandroides hakeaefolius und D. acuminatus; von Apocynophyl- 
lum cretaceum mit A. haeringianum ; von Acer antiquum mit 
A. decipiens der Tertiärflora der Schweiz; von C allist emophyllum 
Heerii mit C. melaleucaeforme der tertiären Flora von Häring; von 
Palaeocassia lanceolata mit Cassia Phaseolites der fossilen Floren 
von Sotzka und Radoboj; von Inga Cottai mit /. europaea der fos- 
silen Flora von Häring. 

Von anderen Abtheilungen des Pflanzenreiches sind einige bis- 
her für die Tertiärflora aufgestellte Gattungen wie Xylomites, Frene- 
lites, Culmites, Caulinites auch in der Kreideflora von Niederschoena 
durch eigenthümliche Arten repräsentirt. 

7. Durch das Vorherrschen der Proteaceen (mit 6 Gattungen 
und 7 Arten) der Gymnospermen (mit 3 Gattungen und 5 Arten) und 
der Leguminosen (2 Gattungen und 3 Arten) nähert sich diese Flora 
ihrem Charakter nach einerseits den Floren von Neuholland und 
Oceanien, andererseits der Flora der älteren Tertiärperiode. Durch 
die verhältnißmäßig reichlichere Repräsentation der Gymnospermen 
und Filices aber ist sie von beiden verschieden und schließt sich 
den älteren Secundärfloren an. 

Als charakteristische Gattungen theils der Kreideflora im allge- 
meinen, theils der fossilen Flora von Niederschoena im besonderen 
sind zu betrachten: Lidymosoras, Cunninghamites, Credneria, 
Daphnites und Conospermites. 



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242 C, v. Ettingshausen. 

Als charakteristische oder durch ihre Häufigkeit ausgezeichnete 
Arten dieser Flora sind hervorzuheben: Halyserites Rcichii Sternb., 
Pteris Reichiana Brongn. sp., Pterophyllum sacvonicum Reich., 
Fr ch clitcs Reich ii Ett. , Cunninghamites Oxycedrus Sternb., 
Caulinites stigmarioides Ett., Quercus Beyrichil Ett., Ficns Gei- 
nitzii Ett., Dryandroides latifolius Ett. und D. Zenkeri Ett., 
Credneria euneifolia Bronn, Acer antiquum Ett., Palaeocassia 
angustifolia, P. lanceolata und Inga Cottai Ett. 



Beschreibung der Arten. 



Tliallopliyta. 

Phyceae. 

Halyserites Reichii Sternb. 
Sternberg, FJora der Vorwelt. Bd. II, S. 34, Taf. 24, Fig. 7. - Chiropteris 
Reichii Bronn Leth. Taf. 28, Fig. 1. 

H. fronde stipitata, dichotome bipinnatim ramosa, fere pe- 
data, ramis ramidisque costatis, fere dimidiatis, latere nempe ex- 
teriore defteiente, ramulis oblongis, obtusis subfalcatis, costis stlpi- 
teque teretibus. 

In saxo arenaceo ad Niederschoena prope Freiberg Saxoniae. 
Von dieser fossilen Alge sali ich ein großes wohlerhaltenes 
Exemplar in der Cotta'scben Sammlung. Dasselbe hat nahezu 
eine Länge von einem Schuh; der Stiel des mehrfach dichotomisch 
getheilten Laubes ist 5 Millimeter dick. Die Ästchen sind allmälig 
verschmälert. Außer dem hervortretenden Mediannerv bemerkt an 
den Asten und Ästchen keine Nerven. Sternberg bezeichnete Ha- 
lyseris polypodioides als die der fossilen analoge jetztweltliche Art. 

Pyrenomycetes. 

Phacidium Palaeocassiae Ettingsh. 

Taf. I, Fig. 8, vergrößert 8 b. 

Ph. peritheeiis irregularibus polygonis depressis, disco subro- 
tundato, pallido. 

In foliolis Palaeocassiae lanceolatae ad Niederschoena. 



Die Kreideflora von Niederschoena in Sachsen. 243 

Bildet auf dem vorliegenden Leguminosen-Blättchen Flecken 
von 1 — 2Millim., auf einem anderen hier nicht abgebildeten ßlättchen 
Flecken von 2 — 3 Millim. Durchmesser. Sie sind ganz flach, ziemlich 
scharf umschrieben. In der Scheibe bemerkt man einige strahlenför- 
mig verlaufende feine Risse. Ist dem Phacidium Eugeniarum Heer 
aus den Tertiärschichten von St. Gallen in der Schweiz am nächsten 
verwandt, jedoch durch das unregelmäßig eckige Perithecium von 
demselben verschieden. 

Xylomites ellipticus Ettingsh. 
Taf. I, Fig. 7. 

X. peritheciis ellipticis planis, disco centrali mix distinguendo. 

In folio Ficus Geinitzii ad Niederschoena. 

Bildet kleine elliptische, flache, schwarzgefärbte Flecken, welche 
über die ganze Blattfläche des hier abgebildeten Blattes YonFiconium 
Geinitzii Ett. vertheilt sind. Daß dieselben nicht von Insecten, son- 
dern von einem Pilze herrühren , dürfte kaum einem Zweifel unter- 
liegen. Die größeren dieser Flecken haben eine Länge von etwas 
über 1 Millimeter und sind ziemlich regelmäßig scharf abgegrenzt. 
Die kleineren, wahrscheinlich noch nicht vollständig entwickelten 
Perithecien sind meist unregelmäßig lappig und im Umrisse mehr 
rundlich. 

Dieser Blattpilz erinnert an einen von Ung er auf Feigenblättern 
in der fossilen Flora von Sotzka aufgefundenen und als Xylomites 
deformis bezeichneten Pilz, welchem aber größere rundliche Peri- 
thecien zukommen. 

Cormophyta« 

Filices. 

Pteris Reichiana Ettingsh. 
Ettingsh. Farnkräuter, S. 115. — Pecopteris Reichiana Brongn. Hist. 
vege't. foss. I, p. 302, t. 116, f. 7. — Pecopteris Browniana D unk er, 
Monogr. d. norddeutschen Wealdenbildung, S. 5, Taf. 8, Fig. 7. — 
Alethopteris Reichiana Sternb. 1. c. S. 146. — Ettingsh. Beitr. z. 
Kenntn. d. Flora d. Wealdenperiode, Abhandl. d. k. k. geol. Reichs- 
anstalt, Bd. I, 3. Abth. Nr. 2. S. 17. — Pecopteris linearis Debey und 
Ettingsh., Die urweltlichen Acrobryen des Kreidegebirges von Aachen 
und Mästricht, S. 62, Taf. 6, Fig. 20. 

P. fronde bipinnata, pinnis linear i-lanceolatis , pinnulis ad- 
natis, oppositis altemisque , linear ibus, apice obtusis, sinu 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Abth. 17 



244 C. v. Ettingsh ausen. 

acuta interstinctis ; nervatione Alethopteridis, nervo prima- 
ria stricto, rccto, (wcurrente. e rhachi sub angulis acutis 
Oriente, nervis seeundariis tenerrimis, angulis acutis egre- 
dientibus, furcatis, ramis rectis. 
In formatione Cretae ad Sahla prope Ratisbonam et ad Niederschoena prope 
Friburgum. nee non in formatione Wealden dieta ad Süntel Germaniae. 

Die Fiederchen sind ganzrandig, bald spitz, bald stumpflich. 
Die Länge derselben erreicht an einem mir vorliegenden Exemplare 
28 Millim. Die Breite nur 4 Millim. Der Primärnerv schneidet sich 
mit der Spindel unter Winkeln von 30 — 45 ° ; unter den gleichen 
Winkeln entspringen die verhältnißmäßig entfernt stehenden Secun- 
därnerven. 

Als die dieser Art am nächsten verwandte jetztlebende betrachte 
ich Pteris Kinghiana Endl. von der Norfolk-Insel. (S. Ettingsh. 
1. c. Taf. 61, Fig. 4.) 

Aspidinm Reichiannm Sternb. sp. 
Ettingsh., Farnkräuter, S. 197. — Pecopteris Reichiana Sternberg, 
Flora d. Vorwelt, Bd. II, S. 15S, Taf. 37, Fig. 2. - P. striata Sternb. 
1. c. Taf. 37, Fig. 3,4. — Pecopteris Schoenae Reich. Jahrb. 1836, 
S. S86. — Cotta, Geognost. Wanderung. I, S. 58. 
A. fronde bipinnata, pinnis sessüibus suboppositis patentissimis, 
lineari-lanceolatis, pinnulis adnatis contiguis linearibus vel 
oi ato- oblong is, obtusis; nervatione Pecopteridis, nervis se- 
eundariis sub angulis acutis orientibus subrectis, simplieibus, 
nervis tertiariis tenuissimis, laeviter arcuatis; rhachi 'pri- 
maria longitudinaliter striata. 
In formatione Grünsand dieta ad Sahla prope Ratisbonam Bavariae, ad St. 
Wolfgang Austriae superioris nee non ad Niederschoena Saxoniae. 

Variirt mit ganzrandigen und an der Basis wellig-gekerbten oder 
fast stumpf gelappten Fiederchen. Als die nächst verwandte lebende 
Species bezeichnete ich das auf den Philippinen wachsende Aspidium 
ligulatum Kunze (Ettingsh. 1. c. Taf. 121, Fig. 6 und Taf. 124, 
Fig. 12). 

Didymosorus comptoniifolias Debey et Ettingsh. 
Taf. I, Fig. 1, %. 
Debey u. Ettings hausen, die urweltlichen Aerob ryen des Kreidegebirges 
von Aachen und Mästricht, Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissenschaften, 
Bd. XVII, S. 187, Tat. 1, Fig. 1-5. 
In straüs nonnullis argillosis et arenosis ad Aachen, nee non in sehisto 
argillaceo ad Niederschoena. 



Die Kreideflora von Niederschoena in Sachsen. 245 

Von diesem charakteristischen Farnkraute fanden sich im Schiefer- 
thone von Niederschoena einige Wedelfragmente, welche mit den 
a. a. Orten abgebildeten Fossilien genau übereinstimmen. Die Ähn- 
lichkeit des sterilen Wedels mit dem von Gleichenia polypodioides 
Sm. und G. argentea Kaulf. ist in die Augen springend. 

Pecopteris lobifolia Cor da. 

Corda in Reuss Versteinerungen d. böhmischen Kreideformation, S. 95, 
Taf. 49, Fig. 4, 5. — Geinitz, das Quadersandsteingebirge S. 268. 

P. fronde . . ., pinnuUs margine undulato-incisis, nervis con- 
fertis furcatis arcuato-curvatis, tenuissimis. 

In arenaeeo quadrato inferiori ad Mscheno prope Schlau Bohemiae nee 
non in schisto argillaceo ad Niederschoena. 

Aus den wenigen kleinen unvollständigen Bruchstücken von 
Fiederchen dieser Art, welche ich im Schieferthone von Nieder- 
schoena gesehen habe, konnte ich über die zweifelhafte systematische 
Stellung derselben keinen Aufschluß erhalten. 

Cycadeae. 

Pterophylluni cretosum Reich. 

Reich in Cotta geogn. Wanderungen I, S. 58. — Gaea saxonica p. 134, 
t. 4, f. 15. 

P. fronde pinnata, pinnis integris alternis approximatis adnatis 
patentibus lato-linearibus, rhachi. infra sidcato-striata, ner- 
vis crebris crassiusadis. 

In arenaeeo ad Niederschoena Saxoniae. 

Pterophyllum saxonicum Reich. 
Taf. I, Fig. 11 u. 12. 
Reich, Gaea saxonica p. 134. t. 4, f. 14. — Goeppert, Nachtr. z. Flora 
d. Quadersandst. S. 276. 

P. fronde pinnata, pinnis suboppositis patentissimis scabris lato- 
linearibus falcatis approximatis obtusis basi subattenuatis, 
7iervis crebris tenuissimis, rhachi crassissima. 
In arenaeeo ad Niederschoena Saxoniae. 

Die Oberfläche der Fieder dieser Art ist mit zahlreichen feinen 
Knötchen bedeckt, die reihenweise zwischen den Nerven stehen. 

Fig. 12, b gibt die Vergrößerung eines Fiederbruchstückes des 
in Fig. 12 dargestellten Exemplares. 

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Coniferae. 



Frenelites Rcichii Ettingsh. 
Taf. I, Fig. 10. 
Lycopodites insignis Reich in Geinitz Charakteristik der Schichten und 
Petrefacten des sächsich-böhmischen Kreidegebirges, S. 98. — Bronn 
Lethaea geogn. 1846, S. 577, Taf. 28, Fig. 13. 

F. ramis suberectis fastigiatis, ramulis filiformibus confertis, 
foliis adpressis e basi ovata subulatis, strobilis axillaribus 
duplo longioribus quam latis. 

In arenaceo ad Niederschoena Saxoniae, nee non ad Aigen prope Salis- 
burgum. 

Gehört zu den häufigeren Arten dieser fossilen Flora. Durch die 
zarten fast fadenförmigen gedrängt stehenden Ästchen stimmt diese 
Cupressinee in der Tracht mit Frenela überein. 

Cunninghamites Oxycedrus Sternb. 
Taf. 1, Fig. 9. 
Sternberg, Flora d. Vorwelt, Bd. II, S. 203, Taf. 48, Fig. 3, Taf. 49, Fig. 1. 
C. ramulis teretibus, foliis sessilibus approximatis, e basi rotun- 
data linearilanceolatis angustatis acutis planus nervo medi- 
ano percursis, patentibus, utrinque subtus juxta nervum et 
marginem striato-fasciatis, pulvinis vix prominidis; strobi- 
lis oblongis, squamis coriaeeis adpressim imbricatis longi- 
tudinaliter striatis, margine irregulariter dendato-laceris. 

In schisto argilloso ad Niederschoena Saxoniae nee non ad Aigen prope 
Salisburgam. 

Von dieser in den Kreideschichten von Niederschoena und 
Aigen sehr häufig vorkommenden Conifere fand sich an ersterer Lo- 
calität ein Fruchtzapfen Fig. 9. Die Ähnlichkeit desselben mit dem 
Fruchtzapfen von Cunninghamia sinensis ist nicht zu verkennen. 

Cunninghamites Sternbergii Ettingsh. 
Taf. I, Fig. 4—6. 
Bergeria minuta Sternb. Flora d. Vorwelt, Bd. II, S. 184, Taf. 49, Fig. 2 
a, b. Fig. 3. 

C. ramulis teretibus, foliis lineari-lanceolatis, planis, tenuissime 
nervoso-striatis nervo mediano prominente, pulvinis oblongis 
vix prominidis; strobilis ovoideo-ellipticis , squamis rigide 



Die Kreideflora von Niederschoena in Sachsen. ä47 

coriaceis aclpressim imbricatis, rhombeis acute et aequaliter 
angularis, integerrimis. 
In schisto argilloso ad Niederschoena. 

Abgefallene stiellose Zapfen dieser Art wurden von Sternberg 
für verkürzte Stämme der von ihm aufgestellten Lepidodendreen- 
Gattung Bergeria, die dicht anliegenden rhombischen Schuppen für 
die Blattnarben derselben gehalten. Die in der Cotta'schen Samm- 
lung aufbewahrten Zapfen Fig. 4 und 6, welche noch mit Bruch- 
stücken der Zweigchen, welche sie trugen, in Verbindung stehen, 
haben die meiste Ähnlichkeit mit den Zapfen der vorhergehenden Art, 
daher ich selbe der Gattung Cunninghamites unterordnete. Von einem 
sehr kleinen schmal-linealen blos an der Spitze der Schuppen (nach 
Sternberg's Diagnose an der Spitze der Narben) hervortretenden 
Knötchen bemerkte ich nichts, jedoch an dem Exemplare Fig. 5 einige 
kleine unregelmäßige Höckerchen und Grübchen, die an der ganzen 
Oberfläche der Schuppen ungleich vertheilt sind. 

Die bei Fig. 4 ersichtlichen abgefallenen Blätter sind etwas 
breiter als die der vorhergehenden Art und mit einem stärker her- 
vortretenden Mediannerv durchzogen und dürften wohl zu der eben 
beschriebenen Art gehören. An den blattlosen Zweigbruchstücken 
bemerkt man hin und wieder die schmalen länglichen kaum vorsprin- 
, genden Blattpolster. 

Gramineae. 

Cnlmites cretaceus Ettingsh. 
Taf. I, Fig. 3. 

C. rhizomate incrassato, nodoso annulato, irregulariter sulcato 
et tenuiter striato, annulis latis approximaüs, cicatricibus 
sparsis ellipticis vel oblongis. 

In arenaceo argilloso ad Niederschoena, nee non ad Aigen prope Salis- 
burgum. 

Ein Gramineen-Rhizorn von fast calamitenartigem Ansehen. Die 
Glieder sind mit ungleich stark hervortretenden Furchen und dazwi- 
schen mit feinen genäherten Längsstreifen durchzogen. An den breiten 
Knotenringen bemerkt man Überreste von länglichen oder quer-ellip- 
tischen Narben. 



2-4-N C. v. Ettingsh ausen. 

Najadeae. 

Caulinites stigmarioides Ettingsh. 
Taf. II, Fig. 1. 

C. caule crasso laevitcr eostato, simplici (?) , articulis rcmotis 
cicafricibus linearibus vcdde approarimatis. 

In schisto argilloso ad Niederschoena. 

Das vorliegende Stammlmichstück zeichnet sich durch die vielen 
gedrängt stehenden schmalen linienförmigen 1 — 3 Millim. langen 
Narben, mit welchen es besetzt ist, sehr aus. Eine breite mit einem 
feinen Streifen durchzogene Querfurche bildet die Grenze zweier 
Glieder, welche ziemlich lang gewesen zu sein scheinen. Die Glieder 
sind mit flachen Längsrippen durchzogen. Die systematische Stellung 
dieses Fossils, welches ich vorläufig dem Sammelgeschlechte Cauli- 
nites einreihte, dürfte wohl erst dann zu ermitteln sein, wenn voll- 
ständigere Reste zur Untersuchung vorliegen. 

Cupuliferae. 

Quercus Beyrichii Ettingsh. 
Taf. II , Fig. 2. 
A. foliis coriaceis ovato-lcuweolatis acuminatis basi inaequalibus, 
margine argute serratis, nervo primario valido, apicem ver- 
sus subito attenuato excurrente, nervis secundariis prominen- 
tibus ; sub angulis acutis variis Orient ibus arcuatis furcatis 
laqueos formantibus, nervis tertiariis tenuibus angulo acuto 
egredientibus. 
In schisto argilloso ad Niederschoena. 

Die Beschaffenheit des Abdruckes, der scharf hervortretende 
Blattrand und die starken Eindrücke der Nerven lassen die derbe 
lederartige Textur dieses fossilen Blattes deutlich erkennen. Dasselbe 
liegt zwar nicht vollständig vor, doch gestattete die Erhaltung des 
hier abgebildeten Fragmentes die Ergänzung der Form und die Be- 
stimmung des Geschlechtes, zu welchem das Blatt nach den oben be- 
schriebenen charakteristischen Merkmalen gehört. Der Primärnerv 
hat in der Mitte der Blattfläche noch eine Dicke von 1*5 Millimeter, 
verfeinert sich aber gegen die Spitze zu sehr rasch. Die Secundär- 
nerven sind bogenläufig und etwas schlängelig, die unteren bilden 
mit dem primären wenig spitze Winkel, die oberen hingegen ent- 



Die Kreideflora von Niederschoena in Sachsen. 249 

springen unter Winkeln von 55 — 65°. Die schlingenbildenden Äste 
derselben divergiren von einander unter nahezu 90°. Die ziemlich 
scharf hervortretenden Schlingenbogen sind vom Rande entfernt und 
mit einigen Außenschlingen besetzt. Die Secundär-Segmente sind 
länglich, am äußeren Ende etwas spitz. Die Tertiärnerven haben sich 
größtenteils nicht erhalten. 

Die angegebenen Merkmale weisen dieses Blatt der Gattung 
Querem zu. Von den bisher beschriebenen Eichenarten kommen 
unserer Art Q. Lonchitis Ung. bezüglich der Form und Zahnung, 
dann Qnercus ar gut es erratet Heer und Q. Godeti Heer bezüglich 
der Nervation am nächsten. 

Fagus prisca Ettingsh. 
Taf. II, Fig. 3, vergrößert 3 b. 
F. foliis coriaeeis petiolatis, ovato-ellipticis, basi obtusiusculis, 
apice acuminatis , margine undulato - dentatis , nervatione 
craspedodroma, nervo primario prominente, recto excurrente, 
nervis seeundariisutrinque 6 — 7, sub angulis acutis orienti- 
bus, simplicibus, nervis tertiariis tenuibus inter se conjunetis, 
rete tenerrimum includeritibus. 
In schisto argilloso ad Niederschoena. 

Dieses Blatt hat sowohl der Form als auch der Nervation nach 
eine auffallende Ähnlichkeit mit dem Blatte der in der mittleren 
Tertiärformation sehr verbreiteten Fagus Feroniae Ung. Es unter- 
scheidet sich jedoch von diesem durch folgende Merkmale. Die am 
Abdrucke stellenweise erhaltene verkohlte Blattsubstanz deutet auf 
ein steifes, lederartiges Blatt hin, welches der Fagus Feroniae nicht 
zukommt. Der Primärnerv und die Secundär nerven treten stärker 
hervor. Die Tertiärnerven sind meist weniger geschlängelt; sie 
begrenzen ein aus äußerst kleinen nur dem bewaffneten Auge wahr- 
nehmbaren rundlichen Maschen zusammengesetztes Netz. 

Moreae. 

Ficus protogaea Ettingsh. 
Taf. II, Fig. 5. 
F. foliis coriaeeis oblong i s , integerrimis , nervatione campto- 
droma, nervo primario prominente, recto, nervis secundär iis 
sub angulis 30 — 60 orientibus, arcuatis, furcatis, ramis 



C «> C. v. E 1 1 inga h a u s e n. 

angulo recto diverg&ntibus laqueos formantibus, nervis ter- 

tictrüs angulis acutis egredientibus, fkwuosis, dictyodromis, 

rcic laxum macrosynammatum formantibus. 
In schisto argilloso ad Niederschoena. 

Von dieser fossilen Pflanze liegt bis jetzt nur das Mittelstück 
eines Blattes Fig. 5 mit wohlerhaltener Nervation vor. Die lederartige 
Beschaffenheit, die längliche Blattform, welche dasselbe verräth, der 
ganze Band und der Charakter der Nervation deuten auf ein Ficus- 
Blatt. In der That zeigt die Vergleichung desselben mit dem Blatte 
von Ficus lanceolata Heer, Tertiärflora der Schweiz, Bd. II, Taf. 81, 
Fig. 4, eine auffallende Ähnlichkeit beider in der Nervation. Das Blatt 
von Niederschoena unterscheidet sich jedoch durch etwas feinere und 
einander mehr genäherte Secundärnerven und insbesondere durch 
die kürzeren netzläufigen von beiden Seiten der Seeundären unter 
spitzen Winkeln abgehenden Tertiärnerven. 

Ficus fteinitzii Ettingsh. 
Taf. II, Fig. 7, 9—11. 

F. foliis longe petiolatis subcoriaeeis , ellipticis vel oblongis, 
integerrimis, basi acutis, apice obtusis, nervatione camp- 
todroma, nervo primario distineto, recto, apicem versus 
attenuato, nervis seeundariis tenuibus, sub angulis 40 — SO 
orientibus, arcuatis flexuosisque approximatis, antemarginem 
laqueos formantibus, nervis tertiariis tenuissimis angulis acu- 
tis egredientibus, dictyodromis. 
In schisto argilloso ad Grünbach Austriae inf. nee non ad Niederschoena. 
Die Blätter dieser Art gehören zu den häufigeren Fossilien der 
Keeideflora von Niederschoena. Der Blattstiel erreicht eine Länge von 
20 Millim. Die Textur scheint weniger derb gewesen fzu sein, als 
wie bei der vorhergehenden Art. Die Form variirt von der fast 
eirunden oder elliptischen bis zur länglichen. Die Basis ist mehr oder 
weniger spiz, die Spitze abgerundet oder stumpflich. Die Nervation 
zeigt den Character wie bei Ficus. Aus einem geraden Primärnerv 
entspringen zahlreiche feine genäherte schlingenbildende Secundär- 
nerven. Die grundständigen gehen unter etwas spitzeren Winkeln 
ab. Die Tertiärnerven sind kurz und sehr fein; die Netzmaschen 
unregelmäßig eckig, im Umrisse elliptisch. 

Von den bis jetzt beschriebenen Ficus-Arten kommt dieser Art 
die in der Tertiärformation ziemlich verbreitetet, multinervis Heer 



Die Kreideflora von Niederschoena in Sachsen. 251 

am nächsten, welche in der Nervation nur durch fast rechtwinklig 
entspringende Secundärnerven abweicht. 

Ficus bnmelioides Ettingsh. 
Taf. II, Fig. 6. 

F. foliis petiolatis coriaceis obovato-cuneatis, integerrimis, basi 
cuneatim angustatls , apice emarginatis, nervatione campto- 
droma, nervo primario prominente , recto excurrente, nervis 
secundariis tenuibus sub angulis 30 — 40° orientibus, arcuatis 
approximatis, siibsimplicibus, nervis tertiariis angidis acutis 
egre dient ibns, dictyodromis. 
In schisto argilloso ad Niederschoena. 
Die nahe Verwandtschaft dieses Fossils mit den beiden vorher- 
gehenden Arten ist nicht zu verkennen; doch sind die unterscheiden- 
den Merkmale leicht zu finden und in obiger Diagnose angegeben. 

Das Blatt dieser Art ist dem einer noch nicht beschriebenen 
Ficus-Art der fossilen Flora von Sagor am meisten ähnlich , hat aber 
feinere unter spitzeren Winkeln entspringende Secundärnerven. Von 
den jetzt weltlichen Arten nähert sich unserer Art in der Blattform und 
Nervation die ostindische Ficus nitida Thunb. (Ettingsh. Blatt- 
skelete d. Apetalen, Taf. 14, Fig. 5, 6). 

Bei der Bestimmung dieses Blattfossils durfte auch die Ähnlich- 
keit desselben mit Blättern einiger Sapotaceen, namentlich von 
Bumelia- und Mimusops-Arten nicht unbeachtet bleiben, eine Ähn- 
lichkeit, welche hauptsächlich durch die derbere Textur, die Keilform 
des Blattes und den an der ausgerandeten Spitze wenig verfeinert 
endigenden Primärnerv hervorgerufen wird. 

Artocarpeae. 
Artocarpidium cretacemn Ettingsh. 
Taf. II, Fig. 4. 
A. foliis coriaceis, obovatis , integerrimis, nervatione campto- 
droma, nervo primario crasso, apicem versus attenuato, nervis 
secundariis validis arcuatis, sub angulo acuto orientibus, 
simplicibus vel furcatis. 
In schisto argilloso ad Grünbach Auslriae inf. nee non ad Niederschoena. 
Das vorliegende Blattfragment gehörte einem größeren leder- 
artigen mehr eiförmigen als länglichen, gegen die Basis zu etwas 



252 C. v. KM i ii g sli aus im. 

verschmälerten Blatte an, welches mit dem Blatte von Artocarpidium 
integrifolium Ung. aus der fossilen Flora von Sotzka die meiste 
Ähnlichkeit zu haben scheint. Beide sind von einem mächtigen 
Primärnerv durchzogen, welcher gegen die Spitze zu schnell sich 
verfeinert. Die starken bogenläufigen Secundärnerven entspringen 
unter ziemlich spitzen Winkeln. Das Blatt von Niederschoena war 
jedoch größer und mit stärkeren entfernter stehenden Secundär- 
nerven versehen. 

Laurineae. 

Lauras cretacea Ettingsh. 
Taf. II, Fig. 13. 

L. foliis petiolatis coriaeeis, lanceolatis, integerrimis basi 
acutis, apicem versus angnstatis, nervatione camptodroma, 
nervo primario prominente, excurrente, nervis secundaria 
sub angnlis 40 — 50 egredientibns, furcatis, ramis inter se 
anastomosanübus, subflexuosis; nervis tertiariis tenuissimis 
dictyodromis. 
In schisto argillaceo ad Niederschoena. 

Dieses Blatt tragt seiner Form, Textur und Nervation nach 
unläugbar das Gepräge eines Lorbeerblattes an sich. Ich vergleiche 
es mit den Blättern von Lanrus foedita und Daphnidium bifarium 
Nees (S. Ettingh. Blattskelete der Apetalen, Taf. 32, Fig. 1, 
Taf. 33, Fig. 6, 8 und 9). 

Daphnogene primigenia Ettingsh. 
Taf. I, Fig. 13 und Taf. III, Fig. 15. 
D. foliis petiolatis coriaeeis, ovatis, integerrimis, trinerviis 
nervo mediano attenucito, recto, nervis lateralibus nervis 
externis tenuissimis instruetis ; petiolo crasso. 
In schisto argillaceo ad Niederschoena. 

Daß das vorliegende Blattfossil einer Laurinee angehörte, 
dürfte nach der charakteristischen Nervation und Tracht, welche 
dasselbe erkennen läßt, kaum zweifelhaft sein. Es scheint der in der 
Tertiärformation weit verbreiteten Daphnogene polymorpha am 
meisten zu entsprechen, sich jedoch von dieser Art durch den im 
Verhältnisse zu dem starken Stiele feinen Mediannerv und die sehr 
feinen an der Außenseite der Seitennerven deutlicher sichtbaren 
Secundärnerven zu unterscheiden. 



Die Kreideflora von Niederschoena in Sachsen. 253 

Daphnoideae. 

Daphnites Goepperti Ettingsh. 
Taf. II, Fig. 8. 

D. foliis coriaceis oblongis vel lanceolatis , integerrimis, basi 
cuneatim angustatis, nervo primär io prominente recto, api- 
cem versus attennato, nervis secundariis sub angulis 25 — 
40 orientibus, tenuibus flexnosis, brochidodromis, nervis 
tertiariis tenuissimis angulo acuto exeuntibus dictyodromis. 
In sehisto argillaceo ad Aigen prope Salisburgum nee non ad Niederschoena. 
Längliche oder lanzettförmige ganzrandige gegen die Basis zu 
verschmälerte Blätter von anscheinend lederartiger Textur und mit 
wohl erhaltener Nervatur. Ein Blattstiel scheint vorhanden gewesen 
zu sein; wenigstens kann man an dem Fossil Fig. 8 Spuren des 
abgebrochenen Stieles wahrnehmen. Die Nervation bietet einige 
charakteristische Merkmale. Aus einem geraden an der Basis ziem- 
lich scharf hervortretenden Primärnerv, welcher gegen die Spitze zu 
sich allmälig verfeinert, entspringen zahlreiche feine genäherte etwas 
geschlängelte Secundärnerven unter sehr spitzen Winkeln. Die 
Schlingenbogen sind sehr kurz und vom Rande entferntstehend. Die 
sehr feinen Tertiärnerven gehen von der Außenseite der seeundären 
unter spitzen, von der Innenseite derselben unter stumpfen Winkeln 
ab; sie bilden ein lockeres aus länglichen Maschen zusammen- 
gesetztes Netz. 

Bei der Bestimmung dieses interessanten Blattfossils mußten 
vor allem die folgenden Ordnungen in Betracht gezogen werden und 
zwar die Daphnoideen, Proteaceen, Sapotaceen und Myrsineen. Ich 
entschied mich für die erstgenannte Ordnung. Bei der Gattung 
Protect, bei welcher sehr ähnliche Blätter vorkommen, bilden die 
Secundärnerven keine hervortretenden Schlingenbogen und die 
Tertiärnerven gehen von der Innenseite der seeundären unter spitzen 
Winkeln ab. Die Gattungen Bumelia und Myrsine enthalten zwar 
ebenfalls sehr ähnliche Blattformen, ich konnte jedoch keine Art finden, 
bei welcher die Secundärnerven unter so spitzen Winkeln abgehen, 
wie bei dem beschriebenen fossilen Blatte, worin dasselbe eben mit 
Daphnoideen am meisten übereinstimmt. 



2<)4 C. v. Ettingshausen. 

Proteaceae. 

Proton Hnidingcri E 1 1 i n g ; s h. 
Taf. II, Fig. 12. 

P. foliis hniceolatis, basi attenuatis, nervo primario basi pro- 
minente, apicem versus valde angustato, nervis secundariis 
tenuissimis, sub angulo peracuto egredientibus, approximatis, 
flexuosis. 
In schisto argillaceo ad Niederschoena. 

Dem Blatte der Protect lingulata Heer (Tertiärflora der 
Schweiz, Band II, Seite 95, Taf. 97, Fig. 19—22 am meisten ähnlich, 
jedoch von demselben durch die lanzettliche Form und die Ver- 
schmälerung gegen die Spitze zu verschieden. Von den jetzt- 
lebenden Arten gleicht unserer Art die südafrikanische Protect 
glabrct Thunb. (Ettingh. Apetalen, Taf. 34, Fig. 7 und 8) der 
Blattbildung nach in auffallender Weise. 

Conospermites hakeaefolius Ettingsh. 
Taf. III, Fig. 4 und 12. 
C. foliis longe petiolatis corictceis, anguste Ictnceolatis integer- 
rimis basi acutis ctpice acuminatis, tri-quinquenerviis nervo 
mediano vix prominente, recto, nervis lateralibus internis 
acrodromk saepe suprabasilaribus, externis abbreviatis; 
nervis secundariis tenuissimis, snb angulo acuto orientibus. 
In schisto arenaceo ad Niederschoena. 

Diese in Niederschoena nicht seltenen Blätter zeigen in ihren 
Eigenschaften die meiste Ähnlichkeit mit Blättern von neuholländi- 
schen Proteaceen, besonders Conospermum- und Hakea-Avten. Bei 
Synaphaea dilatata und S. polymorpha B. B r. (den ungeteilten 
länglichen Blatt-Varietäten), Bellendenia montana B. Br. , Adenan- 
thos obovata Labill. , Stenocctrpus sctlignus B. Br. kommen 3 — 5 
Basalnerven vor, die sich mit dem Mediannerv unter sehr spitzem 
Winkel schneiden. Die Secundärnerven entspringen wie an den 
erwähnten Blattfossilien unter ziemlich spitzen Winkeln. Doch 
erreichen bei den genannten jetzt lebenden Proteaceen die seitlichen 
Basalnerven nicht die Blattspitze. Dies kommt aber vor bei Conosper- 
mum triplinervium B. Br. (Ettingsh. Apetalen, Taf. 35, Fig. 13, 
14) und Hakect dactylioides Cav. (Ettingsh. I. c. Tafel 38, 
Fig. 1 — 3). Durch den langen Blattstiel, die feinen Secundärnerven 



Die Kreideflora von Niederschoena in Sachsen. ^«)0 

und die mehr lanzettliche als lineale Blattform steht unsere fossile 
Proteacee dem Conospermum triplinervium entschieden am nächsten. 
Von den Laurineen mit spitzläufiger Nervation (Cinnamomum, 
Camphora, Litsaea, Daphnogene) unterscheidet sich die beschrie- 
bene fossile Art wesentlich theils durch die feinen kurzen unter 
spitzeren Winkeln abgehenden Secundärnerven, theils durch den 
Mangel eines hervortretenden Blattnetzes. 

Rhopala primaeva Ettingsh. 
Taf. III, Fig. 5. 
R. foliis pinnatis, foliolis coriaceis, breviter petiolatis vel sub- 
sessilibus, oblongis vel lanceolatis, basi inaequilateris irregu- 
lariter dentatis, nervo primario valido, recto, nevvis secun- 
dariis sub angulis acutis exeuntibus , arcuatis furcatis; ner- 
vis tertiär üs dictyodromis. 
In schisto argilloso ad Niederschoena. 

Längliche oder lanzettförmige, an der Basis auffallend ungleiche 
Blättchen von steifer lederartiger Textur. Der Rand ist unregelmäßig 
entfernt-gezähnt, die Spitze stumpflich. Die Secundärnerven gehen 
aus dem starken hervortretenden Primärnerv unter Winkeln von 30 
bis 45 ab, sind bogig und zugleich geschlängelt, gegen den Rand 
zu meistens in feine Gabeläste gespalten. Die sehr feinen Tertiär- 
nerven entspringen von der Außenseite der Seeundären unter spitzen 
Winkeln und bilden ein lockeres vorherrschend aus quer-elliptischen 
Maschen zusammengesetztes Netz. 

Dieses Blattfossil zeigt in der Form, Nervation und Textur eine 
so auffallende Ähnlichkeit mit Theilblättchen von Rhopala- Arten, 
daß ich nicht daran zweifle, in demselben einen Repräsentanten des 
genannten Geschlechtes für die Kreideflora gefunden zu haben. 
Rhopala aneimiaefolia *) aus den Tertiärschichten von Monod 
gleicht unserer Art bezüglich der Nervation am meisten; in der 
Form der Blättchen aber stimmen mit der letzteren die brasilia- 
nischen Rh. inaequalis Pohl und Rh. affinis Pohl überein. 
Loniatites Palaeo-Ilex Ettingsh. 
Taf. III, Fig. 16. 
L. foliis petiolatis coriaceis, ovatis vel ellipticis, integris vel 
basi inaequali lobatis margine remote denticulatis, nervo 
primario valido, recto, nervis seeundariis sub angulis acutis 



Heer, Tertiärflora der Schweiz, Bd. III, S. 188, Taf. 133, Fig. 3ö. 



2t)t) C. v. Ettingshausen. 

orientibus, tenuibus subrectis, simplicibus et jurcatis, nervis 
tertiariis angulis dentis exeuntibus dictyodromis. 

In schisto argillaceo ad Niederschoena. 

Entspricht einigermaßen der Lomatia Pseudo-Ile.v Ung. aus 
der fossilen Flora von Sotzka, besitzt aber feinere Secundär- und 
Tertiärnerven und ein anderes Blattnetz. In der Blattform gleicht das 
Fossil am meisten der jetzt lebenden Lomatia illicifolia R. Br. Der 
dicke Stiel ist am Abdrucke unvollständig; er setzt sich in den stark 
hervortretenden Primärnerv fort, aus welchem die Secundärnerven 
unter Winkeln von 40 — 50° entspringen. 

Die von Saporta beschriebenen Lom atites- Arten aus der 
Tertiärformation des südwestlichen Frankreichs weichen sowohl in 
der Blattform wie auch in der Nervation von obiger Art mehr ab. 
Banks ia longifolia Ettingsh. 

Ettingshausen, Proteaceen der Vorwelt, Sitzungsber. Bd. VII, S. 730, 
Taf. 31, Fig. 19. — Tertiäre Flora von Häring, S. 53, Taf. 15, Fig. 11 bis 
26. — Eocene Flora des Monte Promina, Denkschriften, Bd. VIII, S. 33, 
Taf. 7, Fig. 12—14, Taf. 8. — Wessel und Weber; Neuer Beitrag 
zur Tertiärflora d. niederrliein. Braunkohlenformation, S. 36, Taf. 6, 
Fig. 10, a, b. — Heer, Tertiärflora d. Schweiz, Bd. II, S. 99, Taf. 99, 
Fig. 1 — 3. — Sismonda, Paleontologie du terrain tertiaire du Piemont 
p.52, p]. 28, fig. 4. 

Syn. Myrica longifolia U n g. Fossile Flora von Sotzka, Denkschriften, Bd. II, 
S. 159, Taf. 27, Fig. 2. — Myrica Ophir Ung. 1. c. S. 160, Taf. 27, 
Fig. 12-16. 
In formatione tertiana ad Sotzka, Sagor, Häring, Monte Promina, Leoben, 

Lausanne, Balligen, ad Orsberg et Rott prope Bonnam. ad Turinam, nee non in 

formatione cretae ad Niederschoena. 

Unter den Pflanzenfossilien von Niederschöna fand ich ein 

kleines schmal-lineales am Rande entfernter gezähntes Blatt, welches 

mit den Blättern der in der Tertiärformation sehr verbreiteten Bank- 

sia longifolia genau übereinstimmt. 

Banksia prototypus Ettingsh. 

Ettingshausen, Proteaceen d. Vorwelt, 1. c. S. 722. — Über fossile Prota- 
ceen, 1. c. Bd. IX, S. 822, Taf. II, Fig. 2-3. 
B. foliis subcoriaeeis , linearibus, 7 — 9 millim. latis, basi in 
petiolum brevem angustatis, argute serratis, nervo mediano 
tenui, nervis seeundariis tenuissimis, approximatis, subsim- 
plieibus, subrectis. 
In schisto argilloso ad Niederschoena. 



Die Kreideflora von Niedersehoena in Sachsen. 2ö T 

Durch den scharf gesägten Rand und die breiter lineale Blatt- 
fläche ist diese Art von der vorhergehenden, durch die nur wenig 
verschmälerte Spitze und insbesondere durch die genäherten äusserst 
feinen unter wenig spitzem oder fast rechtem Winkel entspringenden 
Secundärnerven von Dryandroides Zenkeri zu unterscheiden. 

Dryandroides latifolius Ettingsh. 
Taf. III, Fig. 10. 

D. foliis coriaceis lineari - lanceolatis , 25 millim. latis, basi 
apiceque acuminatis, margine serratis, dentibus approxi- 
matis abbreviatis acutis nervo primario valido, prominente, 
recto, nervis secundariis arcuatis, vix conspicuis. 
In sehisto argillaceo ad Niedersehoena. 

Entspricht der Dryandroides banksiaefolia Heer, einer in den 
Schichten der Tertiärformation ziemlich verbreiteten Proteacee und 
unterscheidet sich von derselben nur durch die kleineren mehr 
gedrängt stehenden zugespitzten Randzähne und die mehr bogig 
gekrümmten, wie es scheint entfernter stehenden Secundärnerven. 
Ich habe bis jetzt nur das einzige hier abgebildete Blatt dieser Art 
unter den Pflanzenfossilien von Niedersehoena gefunden. 

Dryandroides Zenkeri Ettingsh. 
Taf. III, Fig. 1, 3, 11. 
Salix fragiliformis Zenker, Beiträge zur Naturgeschichte der Urwelt, 
S. 22, Taf. 3 H. 

D. foliis petiolatis coriaceis linearibus vel lanceolato-linearibus 
vel oblongo-lanceolatis, 7 — 12 millim. latis, utrinque acumi- 
natis, serridatis, dentibus minutis acutis vel obtusiusculis, 
approximatis , nervo primario distineto, recto, nervis secun- 
dariis tenuissimis, arcuatis. 

In sehisto argillaceo ad Niedersehoena , nee non ad Dreistätten Austriae 
inferioris. 

Dem in der Tertiärformation weit verbreiteten Dryandroides 
acuminata Ettingsh. sehr nahe verwandt, jedoch durch die etwas 
schärfere Randzahnung und die allmähliche längere Verschmälerung 
der Basis verschieden. Die Secundärnerven verlaufen weniger bogig 
gekrümmt und sind einander mehr genähert, als wie bei der vorher- 
gehenden Art, von welcher sich die D. Zenkeri auch durch die bedeu- 
tend schmäleren Blätter und die kleineren Randzähne unterscheidet, 



vOo C, v. E 1 1 i n g- s h a u s o n. 

Apocynaceae. 

Apocynophylluiii crctaccum Ettingsh. 
Taf. III, Fig. i9. 
A. foliis petiolatis coriaceis, oblongo-lanceolatis , integerrimis, 
basi subobtusis, apicem versus angustatis, nervatione campto- 
droma, nervo primario prominente, recto, nervis secundarlls 
sub angulis 35 — 6o° orientibus tenuibus, 15 — 20 millim. in- 
ter se remotis arcuatis, simplicibus. 
In schisto argillaceo ad Niederschoena. 

Der Blattstiel ist am Abdrucke abgebrochen, mußte daher ziem- 
lich lange gewesen sein. Von Tertiärnerven konnte ich nichts wahr- 
nehmen. Das Blatt ist größer, breiter und an der Basis mehr stumpf- 
lich als das sehr ähnliche Blatt von Apocynophyllum haeringianum 
Ett. aus der Tertiärflora von Häring in Tirol. Bei letzterem ent- 
springen die Secundärnerven unter etwas stumpferen Winkeln. Von 
den Apocynaceen der Jetztwelt kommt der beschriebenen Art eine 
noch unbestimmte asiatische Täbernaemontana- Art (Ettingsh. 
Blattskelete d. Dicotyled. Taf. 29, Fig. 8) sehr nahe. 

Ampelideae. 

Credneria cuneifolia Bronn. 

Bronn, Lethaea geogn. 1846. p. 583, t. 28, f. 11. — Geinitz, Characteri- 
slik der Schichten u. Petrefacten des sächsisch-böhmischen Kreide- 
gebirges. S. 97. 

C. foliis cuneiformibus lateribus subrectis apice truncatis sinu- 
ato-dentatis marginatis penninerviis, nervis secundariis ra- 
mosis, rete venoso denso. 
In schisto argilloso ad Niederschoena. 

Daß die Crednerien nicht mit dem Geschlechte Populus, son- 
dern mit Cissus am nächsten verwandt sind und daher auch nicht 
den Salicineen sondern den Ampelideen eingereiht werden müssen, 
habe ich bereits an einem anderen Orte (S. Jahrbuch der k. k. geol. 
Beichsanstalt, II. Bd., Abth. 2, S. 171) ausgesprochen. 

Von dieser und den nachfolgenden Arten sah ich wohlerhaltene 
Blätter theils in der Cotta'schen Sammlung, theils im kais. Hof- 
Mineralien-Cabinete; darunter auch Exemplare, welche über die 
Selbstständigkeit der letzteren in mir einige Zweifel erweckten. Es 



Die Kreideflora von Niederschoena in Sachsen. 259 

mangelte mir jedoch das genügende Material um hierüber Aufschluß 
zu erhalten. 

Credneria Geinitziana Ung. 
Unger, Genera et species plant, foss. p. 422. * 
C. foliis transversim ellipticis, apice dentatis. 
In schisto argilloso ad Niederschoena. 

Credneria grandidentata Ung. 
Unger, in bot. Zeit. 1849, Nr. 19, S. 348, Taf. 5, Fig. 5. — Genera et spec. 
plant, foss. p. 422. 

C. foliis rhomboidalibus. lateribus inferioribus subrectis, superi- 
oribus sinuato-dentatis, haud marginatis, penninerviis, ner- 
vis secundariis ramosis, rete venoso laoco. 

In schisto argilloso ad Niederschoena. 

Acerineae. 

Acer antiquum Ettingsh. 
Taf. III, Fig. 17. 

A. foliis parvulis petiolatis subcoriaceis, palmatim trilobis vel 
sabqui?iquelobis t basi rotundatis, lobis inaequalibus ovatis 
vel lanceolatis, integerrimis obtusiusculis, lateralibus paten- 
tibits, medio multo latiore, sublobato, sinubus unguium rectum 
vel acutum formantibus ; nervis primariis tribus basilaribus, 
medio prominente recto, nervis secundariis tenuissimis arcu- 
tis angido acuto exeuntibus, nervis tertiariis obsoletis. 
In schisto argilloso ad Niederschoena. 

Bei der Bestimmung dieses interessanten Fossils hatte ich die 
Geschlechter Quercus, Manglesia, Anadenia, Grevillea, Lirioden- 
dron und Acer im Auge. Die mehr zarte als lederartige Textur, welche 
der Abdruck verräth , die Form und Tracht des Blattes , sowie auch 
die Nervation veranlaßten mich das fragliche Fossil der letzteren 
Gattung einzureihen. 

Dasselbe läßt sich mit dem Blatte von Acer decipens Heer der 
Tertiärflora der Schweiz sehr wohl vergleichen, weicht jedoch von 
demselben hauptsächlich durch den viel größeren und breiteren, am 
Ursprünge (an dem abgebildeten Exemplar zufällig nur auf einer 
Seite) lappig eingeschnittenen Mittellappen und die abgerundete, 
nicht herzförmige Basis ab. Der ziemlich dünne Stiel ist am Abdrucke 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. ßd. I. Abth. 18 



260 C. v. Ettingshausen. 

abgebrochen, der Mittellappen an der Spitze vorletzt. Die Basalnerven 
divergiren untereinander wie bei Acer deeipiens unter Winkeln von 
45 — 00°, der mittlere ist aber doppelt so stark als die seitlichen. 
Die sehr leinen Secundärnerven entspringen am Mittellappen unter 
Winkeln von 40 — 50 . An den seitlichen Basalnerven fehlen, wie 
aueh bei Acer deeipiens hervortretende Außennerven. Der Zipfel am 
Mittellappen wird nur von einem Secundärnerv, der aus dem mittleren 
Hauptnerv entspringt, versorgt. 

Celastrineae. 

Celastrophyllum lanceolatum Ettingsh. 
Taf. III, Fig. 9. 
C. foliis rigide coriaeeis oblong o-lanceolatis, remote serrulatis, 
basi attenuatis nervo primario valido recto, nervis seeunda- 
riis tenuibus, sab angulo acato orientibus, brochidodromis, 
nervis tertiariis tenuissimis, sub angulis acutis variis vel 
subrectis egredientibus, dictyodromis. 
In schisto argillaceo ad Niederschoena. 

Nach der Form, Zahnung des Bandes, sowie nach der anschei- 
nend derben lederartigen Beschaffenheit und der Nervation stimmt 
dieses Blatt am meisten mit Blättern von Elaeodendron- und Ce- 
lastrus- Arten der Jetztwelt überein. Ich halte dasselbe deßhalb für 
ein Celastrineenblatt, kann jedoch keine Art dieser Geschlechter 
bezeichnen, mit welcher es sich in eine nähere Beziehung brin- 
gen ließe. 

Celastrophyllum integrifolium Ettingsh. 
Taf. III, Fig. 14. 
C. foliis coriaeeis, ovatis vel subrhombeis, integerrimis, utrinque 
paidlo angustatis, apice obtutis, nervo primario valido, ex- 
currente, nervis seeundariis tenuibus, vix conspieuis. 

In schisto argillaceo ad Niederschoena nee non ad Aigen prope Salis- 
burgum. 

Das vorliegende Blattfossil ist an der Basis verletzt ; die Spitze 
scheint umgebogen zu sein. Der scharf hervortretende Band und der 
starke Primärnerv deuten auf eine steife derbe Blattextur. Von Se- 
cundärnerven, die sehr fein gewesen sein mußten, sind nur Spuren 
wahrzunehmen. 



Die Kreideflora von Niedersclioena in Sachsen. 261 

Einige Arten von Pterocelastrus, besonders P. teirapterus W a 1 p. 
(Ettingsh. Celastrineen, Taf. 4, Fig. 1) vom Cap der guten Hoffnung, 
scheinen in der Blattbildung mit der fossilen Pflanze in auffallender Weise 
übereinzustimmen, worüber besser erhaltene Reste in der Folge Auf- 
schluß geben dürften. 

Myrtaceae. 
Callistemophyllum Heerii Ettingsh. 
Taf. III, Fi«?. 13. 
C, f oliis rigide coriaceis, lanceolato-linearibus, integerrimis, 
basi acutis, apicem versus angustatis , nervo primario pro- 
minente, nervis secundariis tenuissimis approximatis, angulo 
acuto exeunübns. 
In schisto argillaceo ad Niederschoena. 

Dem Callistemophyllum melaleucaeforme Ett. der fossilen 
Flora von Häring entsprechend, aber kleiner und an der Basis nur 
spitz, nicht verschmälert. Das Fossil fällt durch seine glänzende 
Oberfläche, die ziemlich starke Verkohlung seiner Substanz und durch 
den verhältnißmäßig mächtigen Primärnerv auf, Eigenschaften, welche 
auf ein besonders dickes starres Blatt schließen lassen, wie solche 
vielen Myrtaceen zukommen. 

Papilionaceae. 

Palaeocassia angustifolia Ettingsh. 
Taf. III, Fig. 6 und 7. 
P. foliis pinnatis, foliolis petiolatis, subcoriaceis anguste vel 
lineari-lanceolatis, integerrimis, basi subaequali vel obliqua 
acutis, apice acuminatis, nervo primario distincto attenuato, 
nervis secundariis tenuissimis arcuatis approximatis; rhachi 
crassa, striata. 
In schisto argillaceo ad Niederschoena, nee non ad Aigen prope Salisburgum. 
Das hier abgebildete Fossil stellt ein Bruchstück einer stark 
macerirten zerrissenen Blattspindel dar, sammt einem Theilblättchen, 
welches an einem zum Theile losgetrennten Fetzen der Spindel noch 
befestigt ist. 

Daß dieses Fossil einer Papilionaceen-Art angehörte, dürfte 
kaum zu bezweifeln sein. Obgleich dasselbe eine unverkennbare 
Ähnlichkeit mit Cassia-Arten zeigt, so schien es mir doch gewagt, 
nach den wenigen und zu unvollständig vorliegenden Resten diese 
jetztweltliche Gattung für die Kreideflora anzunehmen. 

18* 



2 1) 2 C. v. E tti n g- a h a u s e n. 

Palacocassia lanceolata E tti n gs h. 

Taf. I, Pig. 8; Taf. III, Fig. 8. 
P. foliis pinnatis, foliolis petiolatis , membranaccis lanceolatis, 
integerrimis, basi inaequali acutis, apice acuminatis, nervo 
primario distincto, prominente, nervis secundariis camptodro- 
mis, subflexuosis. 
In schisto argillaceo ad Niederschoena, nee non ad Aigen prope Salis- 
burgum. 

Entspricht der Cassia Phaseolit es Ung. aus den fossilen Floren 
von Sotzka und Radoboj, mit welcher dieses Fossil in der Blatt- 
beschaffenheit und Tracht ziemlich übereinstimmt. Es unterscheidet 
sich jedoch von der genannten Art durch den längeren Stiel und die 
auffallend stärker verschmälerte Spitze der Theilblättchen. 

Mimoseae. 

IngaCottai Ettingsh. 
Taf. III, Fig. 18. 
P. foliis bigeminis, foliolis subsessilibus vel brevissime petiola- 
tis ovato-oblongis, vel ellipticis integerrimis, basi obliquis, 
nervo primario distincto, recto, nervis secundariis tenuissimis, 
angulo acuto egredientibus, plerumque obsoletis. 
In schisto argillaceo ad Niederschoena. 

Die nächst verwandte fossile Art ist Inga europaea Ettingsh. 
der Tertiärflora von Häring. Von derselben weicht die oben be- 
schriebene Art durch die nur an der Basis schiefen Blättchen ab. 
Hierin gleicht sie jedoch der westindischen Inga foedita Willd. 
(Ettingsh. Blattskelete der Dicotyledonen Taf. 95, Fig. 2), welche 
als die Analogie dieser Kreidepflanze in der Flora der Jetztwelt zu 
betrachten ist. 

Planta incertae sedis. 

Carpolithes cretaceus Ettingsh. 
Taf. III, Fig. 2. 

C. fruetu elliptico, pericarpio coriaceo, longitndinaliter costato, 

apice truncato. 

In schisto argillaceo ad Niederschoena, nee non ad Aigen prope Salis- 
burgum. 



Die Kreideflora von Niederschoena in Sachsen. 263 



Erklärung der Tafeln. 



Tafel I. 

Fig. 1 — 2. Wedelfragmente von Didymosorus comptoniaefolius Debey et 

Ettingsh. 
„ 3. Rhizombruchstück von Calmites eretaceus Ettingsh. 
„ 4 — 6. Fruehtzapfen von Cunninghamites Sternbergii Ettin gsh. 
„ 7. Xylomites elliptieus Ettingsh. Auf einem Blatte von Ficus Geinitzii 

Fig. 7 b dieser Blattpilz vergrößert dargestellt. 
„ 8. Phacidium Palaeocassiae Ettingsh. Auf einem Fiederblättchen von 

Palaeocassia lanceolata. Fig. 8 b und c der Pilz vergrößert gezeichnet. 
„ 9. Fruchtzapfen von Cunninghamites Oxycedrus Sternb. 
„ 10. Zweigbruchstücke von Frenelites Reichii Ettingsh. 
„ 11 — 12. Wedelfragmente von Pterophyllum saxonicum Reich. Fig. 12 b 

ein Fiederbruchstück vergrößert dargestellt. 
„ 13. Blattfragment von Daphnogene primigenia Ett. 

Tafel II. 

Fig. 1. Stammbruchstück von Caulinites stigmarioides Ettingsh. 
„ 2. Blatt von Quercus Beyrichii Ettingsh. 
„ 3. Blatt von Fagus prisca Ettingsh. Fig. 3, b die Nervation desselben 

vergrößert. 
„ 4. Blattfragment von Artocarpidium cretaceum Ettingsh. 
„ 5. Blattfragment von Ficus protogaea Ettingsh. 
„ 6. Blatt von Ficus bumelioides Etti n gsh. 
„ 7, 9—11. Blätter von Ficus Geinitzi Ettingsh. Fig. 9 b die Nervation 

vergrößert dargestellt. 
„ 8. Blatt von Daphnites Goepperti Ettingsh. 
„ 12. Blatt von Protea Haidinger i Ettingsh. 
„ 13. Blatt von Laurus cretacea Etti n gsh. 

Tafel III. 

Fig. 1, 3 und 11. Blätter von Dryandroides Zenkeri Etti n gsh. 
„ 2. Carpolithes eretaceus Ettingsh. 

„ 4 und 12. Blätter von Conospermites hakeaefolius Ettingsh. 
„ 5. Theilblättchen von Rhopala primaeva Ettingsh. 
„ 6. Blättchen, Fig. 7 Spindelbruchstück mit einem Blättchen von Palaeo- 
cassia angusdfolia Ettingsh. 



2 1) 4 C. v. K 1 1 i n g s h a u s e n. I>io Kreideflora von Niederschoena in Sachsen. 

Fig. 8. Fiederblättehen von Palaeocassia lanceolata Ettingsh. 

„ 0. Blatt von Celastrophyllum lanceolatum Ettingsh. 

„ 10. Blatt von Dryandroides latifolius Ettingsh. 

„ 13. Blatt von CaUistemophyllum Heerii Ettingsh. 

* „ 14. Blatt von Celastrophyllum integrifolium Ettingsh. 

„ 15. Blattbruchstück von Daphnogene primigenia Ettingsh. 

„ 16. Blatt von Lomal it es Palaeo-Ilex Et tingsh. 

„ 17. Blatt von Acer antiqaum Ettingsh. 

„ 18. Blattfragment von Liga Cottai Ettingsh. 

„ 19. Blatt von Apocynophyllnm cretaceum Ettingsh. 



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Steindachner. Herpetologische Notizen. 265 



Herpetologische N o tiz e 
Von Dr. Franz Steindaehner, 

Assistenten am k. k. zoologischen Museum. 
(Mit 4 Tafeln.) 



Fam. Scineoidei. 

Gatt. Hemipodion nov. gen. 

Char. Körpergestalt stark verlängert, walzenförmig; Schwanz lang, 
Extremitäten schwach entwickelt, die vorderen mit drei, die 
hinteren mit zwei kurzen Zehen, deren jede mit einem Nagel- 
gliede versehen ist; Nasenöffnüng seitlich zwischen zwei Nasal- 
schildchen gelegen; keine Supranasalia; Rostrale von mäßiger 
Größe, ebenso gestaltet wie bei den Euprepes - Arten j Ohr- 
öffnung äußerlich nicht sichtbar; unteres Augenlid bei der ein- 
zigen bis jetzt bekannten Art mit einer durchsichtigen Scheibe 
versehen; Gaumen zahnlos mit einer tiefen, dreieckigen Grube; 
Schuppen glatt. 

Art Hemipodion persienm n. sp. 

Char. Kopf kurz, konisch; Schwanz ebenso lang oder etwas länger 
als der übrige Körper; durchsichtige Scheibe am untern Augen- 
lide sehr groß; Seiten des Körpers mit zahlreichen, zarten, 
dunkelbraunen Punkten in regelmäßigen Längsreihen, welche 
der Zahl der Schuppenreihen entsprechen; viele kleinere Punkte 
auf der Oberseite des Rumpfes; größere und etwas dunklere 
Punkte rings um den langen, konisch zugespitzten Schwanz; 
Rumpfschuppen in 20 Längsreihen; circa 90 Schuppen zwi- 
schen den vorderen und hinteren Extremitäten in einer Längs- 
reihe; 110 — 120 Querschuppenreihen am Schwänze. 
Das Nasalschildchen ist im Gegensatze zu anderen verwandten 

Scincoiden - Geschlechtern, mit welchen Hern, persienm in der 



266 Steindachne r. 

Lage der Nasenöffnung und in der Gestalt des Kostralsehildes so wie 
in der unvollkommenen Entwicklung der Extremitäten übereinstimmt, 
getheilt, und stoßt an der Oberseite der Schnauze mit dem Nasale 
der entgegengesetzten Körperseite zusammen. Das Rostralschild ist 
nur von mäßiger Größe und schiebt sich mit seiner oberen Spitze 
zwischen die Nasalschildchen ein, durch welche es von dem Prä- 
frontale getrennt wird. Letzteres ist breiter als lang, am hinteren 
Rande bogenförmig abgerundet, während sich die beiden vorderen 
Ränder unter einem stumpfen Winkel vereinigen. Die kleinen Post- 
frontalia sind durch das Präfrontale und das sehr große Frontale 
medium, welches nach hinten an Rreite zunimmt, von einander ge- 
schieden. Vier Superciliarschildchen. Das einfache Oecipitalschild 
ist beiläufig halb so groß, wie das Frontale medium. Acht Oberlippen- 
schilder (ohne Rostrale) begrenzen den oberen Mundrand, das fünfte 
derselben liegt unter dem Auge, dessen unteres Lid eine große, 
rundliche, durchsichtige Scheibe zeigt. 

Die Extremitäten sind äußerst zart und kurz ; die zwei äußeren 
Zehen des Vorderfusses sind nahezu gleich lang, die dritte innere Zehe 
ist nur halb so lang wie die vorangehenden. Von den beiden Zehen 
des Hinterfußes erreicht die innere fast nur l / 3 der Länge der äuße- 
ren oder ersten Zehe. Sämmtliche Zehen besitzen ein deutlich ent- 
wickeltes Nagelglied. 

In der Körpergestalt und Körperzeichnung zeigt Hemip. persi- 
cum viele Ähnlichkeit mit Eumeces punctatus, durch die unvoll- 
ständige Entwicklung der Extremitäten und Zehen schließt es sich 
an Hemiergis decresiensis an, bei welchem jedoch das Nasalschild 
nicht getheilt, die Ohröffnung deutlich sichtbar ist und die Zahl der 
Zehen an jeder der Extremitäten constant drei beträgt. Die früher 
von mir gemachte Bemerkung, daß die Zahl der Zehen bei letzterer 
Art zwischen 2 — 4 schwanke (Rept. d. Novara-Exped. pag. 50), 
beruht auf einem Irrthum , zu dem ich durch die Untersuchung von 
drei schlecht erhaltenen, zum Theile verstümmelten Exemplaren ver- 
anlaßt wurde. Aus diesem Grunde glaube ich nunmehr auch das 
Geschlecht Tetradactylus nicht unter die Synonima von Hemiergis 
stellen zu dürfen. Das Wiener -Museum besitzt vier, vortrefflich 
gut erhaltene Exemplare von Hemipodium persicum, welche Dr. 
Theod. Kotschy schon im Jahre 1845 in Persien sammelte. Das 
größte dieser vier Exemplare ist 6 Zoll lang; bei eben demselben 



Herpetologische Notizen. 267 

beträgt die Schwanzlänge 3" 4«/ 2 '"; bei einem zweiten kleineren 
Individuum von W 6'" kommt auf die Schwanzlänge %'' 8'" !)• 

Farn. Coronellidae. 

Gatt. Liophis Wagler. 

1. Art Liophis pulcher nov. spec. 

Char. Kopfgestalt conisch, hinter dem Auge schwach bauchig erwei- 
tert; acht Oberlippenschilder, von denen das vierte und fünfte 
unter dem Auge liegen; ein Präoculare, zwei Postocularia; 
Temporalschilder in zwei Reihen zu 1+2; Rumpfschuppen in 
19 Längsreihen; Analschild getheilt; Bauchschilder 193; Sub- 
caudalschilder in 69 — 70 Paaren , Schwanz stark zugespitzt. 
Grundfarbe des Rückens hell gelblichbraun, Oberseite des Kopfes 
etwas dunkler, Bauchseite und die zwei untersten Längsschuppen- 
reihen des Rumpfes gelblichweiß. Eine breite schwarze Binde 
zieht vom hinteren Augenrande zur Nackengegend , breitet sich 
daselbst stärker aus und vereinigt sich mehr oder minder voll- 



*) Diese von mir zum ersten Male beschriebene neue Art fand ich im Wiener-Museum 
bereits als Heteropodion Kotschyanwn Fitz, bezeichnet; da jedoch der Gattungs- 
name Heteropodion auf eine nahe Verwandtschaft mit Heteropus hinzudeuten 
scheint, die nicht vorhanden ist, und meines Wissens weder eine Charakteristik 
der Gattung- Heteropodion , noch eine Beschreibung der Art von Dr. Fitzinger 
gegeben wurde, so habe ich nach längst allgemein anerkannten und von den 
gewiegtesten Gelehrten öffentlich ausgesprochenen Grundsätzen nicht die geringste 
Verpflichtung, einen Musealnamen beizubehalten, der mich nicht der Mühe enthob, 
die als Heteropodion Kotschyanum bezeichnete Gattung und Art genau zu unter- 
suchen, sie im Systeme einzureihen und die gesammte herpetologische Literatur, 
so weit sie mir zugänglich war, zu durchforschen. Die von Fitzinger in der 
herpetologischen Abtheilung des Wiener-Museums leider so häufig in Anwendung 
gebrachte Methode, Musealnamen einzuführen , deren spätere Rectification unter- 
blieb, und die willkührliche, principienlose Abänderung der Benennungen längst 
bekannter Species haben mich überhaupt in die Notwendigkeit versetzt, eine 
neuerliche Bestimmung unserer gesammten herpetologischen Sammlung vorzu- 
nehmen. Bei dem bedeutenden Aufwände an Zeit und Mühe, den die Durchführung 
dieser Aufgabe erheischt, wird es meinerseits wohl nicht unbescheiden und die 
Rechte meines Herrn Vorgängers verletzend erscheinen , wenn ich den wenigen, 
zwar mit einer handschriftlichen Benennung versehenen, aber nicht beschriebenen 
Arten nunmehr einen mir zusagenden Namen beilege , da doch jedenfalls stets 
nur dem die Beschreibung gebenden Zoologen die Verantwortlichkeit bezüglich 
der als neu publicirten Art zufällt. 



268 Steindachner. 

ständig mit der entsprechenden Binde der entgegengesetzten 
Kopfseite: ein schwarzer Strich oder eine undeutlich abgegrenzte 
Binde zieht von der Mitte des Frontale medium zur Vereinigungs- 
stelle der Augenbinden am Nacken, An jeder Seite des Rumpfes 
liegt eine Reihe quergestellter, ovaler, intensiv schwarzer Flecken, 
welche mit denen der gegenüberliegenden Rumpfseite regel- 
mäßig alterniren, und wie die, zwischen ihnen in der unteren 
Hälfte ihrer Höhe vorkommenden kleineren, gleichfalls schwarzen 
Flecken nur bis zur dritten Schuppenreihe (vom Bauchrande 
gezählt) herabreichen. Über die Höhenmitte der dritten bis 
siebenten Längsschuppenreihe (über dem Bauchrande) laufen 
schwach ausgeprägte, schmale, bräunliche Längsstreifen bis zur 
Schwanzspitze. Die Bauchseite ist, wie schon früher erwähnt, 
gelblichweiß, und nur in dem dritten und vierten Fünftel der 
Rumpflänge (ohne Schwanz) zeigen sich hie und da an dem 
kurzen vorderen Seitenrande einzelner Bauchschilder kurze, 
schwarze Strichelchen. 
Ein Exemplar von 14 Zoll in der Totallänge aus Chile. 

2 Art Liophis Reginae sp. Lin. 

Das Wiener Museum erhielt von dieser Art durch Johann 
Natterer eine beträchtliche Anzahl von Individuen in den ver- 
- schiedensten Altersstufen. Die einzelnen Exemplare variiren so auf- 
fallend in der Körperzeichnung, daß man sie ohne Untersuchung 
einer größeren Reihe leicht verschiedenen Arten zuweisen könnte. 
Ich beschränke mich hier auf die Schilderung der Körperzeichnung 
einiger Individuen, welche einer, wie ich glaube noch unbeschriebe- 
nen Varietät angehören, die selbst wieder nach den verschiedenen 
Altersstufen in der Zeichnung einige Abweichungen zeigt. 

Bei jungen Exemplaren läuft nämlich vom Auge eine scharf 
abgegrenzte gelbe Linie nach vorne rings um die Schnauze längs der 
Schnauzenkante; hinter dem Auge zieht sie längs dem Seitenrande 
der Occipitalschilder bis zum hintern Ende derselben fort und erweitert 
sich daselbst zu einem größeren gelben Flecke. Bei alten Exemplaren 
verschwindet der vor dem Auge gelegene Theil dieser gelben Linie 
vollständig und selbst von der hinteren Längenhälfte derselben bleibt 
sehr häufig nur der große Fleck übrig, der zuweilen (unter sieben 
Exemplaren bei zwei) bis zur Mundwinkelgegend herabreicht und 



Herpetologische Notizen. 269 

sich daselbst mit der viel breiteren gelben Binde mehr oder minder 
vollständig vereinigt, welche längs der Oberlippenschilder bis zum 
Rostrale zieht, am oberen Rand stets schwarz eingefaßt und in der 
Mitte der einzelnen Oberlippenschilder häufig schwarz gefleckt oder 
gesprenkelt ist. Auf den Occipitalschildern und zwar fast in der 
Längenmitte derselben (aber etwas näher dem inneren als dem 
äußeren Rande) bemerkt man bei der Mehrzahl der Exemplare einen 
hellgelben, scharf abgegrenzten, kleinen Punkt. Stets zeigt sich 
längs der Mitte des Rückens eine mehr oder minder dunkle Binde; 
bei jungen Individuen liegt zu jeder Seite derselben eine Reihe 
unregelmäßig rhombenförmig gestalteter, schwarzbrauner Flecken, 
welche bald regelmäßig alterniren, bald aber querüber zu kurzen 
Binden zusammenfließen und hellbraun gesäumt sind. Bei alten 
Exemplaren verlieren sich diese Flecken in der Medianbinde des 
Rückens, welche eine schwärzliche Färbung annimmt und sich in die 
Breite ausdehnt, mehr oder minder vollständig und sind oft nur in 
den Auszackungen der Rückenbinde , welche ihrem Außenrande ent- 
sprechen, angedeutet. Die Seiten des Rumpfes sind schwärzlichgrau 
gefärbt und mit zahlreichen, äußerst kleinen schwarzen und gelben 
Pünktchen gesprenkelt. Nach unten ist diese breite Seitenbinde, 
welche am Schwänze an Höhe rasch abnimmt, durch eine Reihe tief 
schwarzer Punkte, welche bereits auf dem aufsteigenden Seitentheile 
der Bauchschilder liegen, ziemlich scharf abgegrenzt, nach oben ist 
sie gleichfalls , doch minder deutlich schwarz gerandet, doch ist der 
obere Saum stets durch zahlreiche gelbe Punkte in regelmässigen 
Zwischenräumen unterbrochen. Bei alten Exemplaren löst sich die 
Seitenbinde in dem vordersten Viertel der Rumpflänge in große, 
schwarzbraune oder grauschwarze runde Flecken auf, welche am 
vorderen Rande tiefschwarz gesäumt und von einander durch helle 
Zwischenräume, die am oberen Rande einen gelben, kleinen Fleck 
zeigen, getrennt sind. Weiter nach hinten wird die Seitenbinde 
heller, undeutlicher und verliert sich bei manchen Exemplaren fast 
vollständig in die dunkel olivengrüne Grundfarbe des Körpers; doch 
ist ihre obere Grenze durch das Vorhandensein der schon früher 
erwähnten gelben Fleckchen, welche von einem schwarzen Ringe 
umgeben sind, zum mindesten angedeutet. Die Unterseite des Körpers 
ist mit Ausnahme der schwarzen Flecken an den Seitentheilen der 
Bauchschilder bei jungen Exemplaren der Variatio maculata weißlich- 



270 S t e i d <1 r c h d e r. 

gelb, bei alten dagegen zeigt mit Ausnahme der vordersten gelben 
Bauchschilder nur mehr die hintere Querhälfte jedes Bauchschildes 
eine gelbe Färbung, während die vordere Hälfte bläulichschwarz ist. 
(Bei anderen Varietäten sind zuweilen einzelne Bauchschilder ihrer 
ganzen Ausdehnung nach , oder zur Hälfte schwärzlich , andere aber 
einfarbig gelb.) Die Subcaudalschilder zeigen in der Begel nur an 
den Rändern eine bläulichschwarze Färbung. Die Grundfarbe des 
Rückens ist bei jungen Exemplaren der Variatio maculata hellbraun, 
bei alten schmutzig-olivengrün oder dunkelgran. 

Die Zahl der Subcaudallschilder beträgt bei ganz jungen Exem- 
plaren 62 — 68, bei alten häufig 80 — 90; die der Längsschuppen- 
reihen bei ersteren 15, bei letzteren 17. 

Fundort: Ypanema (November 1819 durch Johann Natter er.) 

Gatt. Dromicus Bibr. 
Art Droinicns chilensis n. sp. 
Char. Schuppen glatt in 23 Reihen; acht Oberlippenschilder, das 
vierte und fünfte liegt unter dem Auge; ein Präoculare, drei 
Postocularschilder; Nasale getheilt; Lorealschild länger als hoch; 
Analschild einfach. Rücken braun mit vier gelben nicht besonders 
scharf abgesetzten Längslinien, von denen die beiden oberen 
nach vorne bis zum hinteren Ende des oberen Augenrandes 
reichen und am Hinterhaupte an Intensivität der Färbung etwas 
zunehmen. Oberlippenschilder gelb , am oberen Rande schwarz 
eingefaßt. Rückenschuppen zwischen den gelben Längslinien 
unregelmässig schwarz gefleckt; Seiten des Halses gelb. Unter- 
seite des Kopfes schwarz gefleckt; die vorderen Bauchschilder 
schwarz, nur am hinteren Rande gelb gesäumt; die übrigen 
gelb mit einer Reihe verschwommener, wässerig schwarzer 
Flecken, die sich stellenweise zu Binden vereinigen, an den 
Seitentheilen und mit einem sehr schmalen , schwärzlichen 
Saume am hinteren Rande. Subcaudalschilder ringsum braun 
gesäumt und mit einem schief nach hinten und innen gekehrten 
dreieckigen gelben Flecke an der inneren Hälfte , während der 
übrige größere Theil derselben hellbraun gefärbt ist. 
In der Gestalt des Kopfes hat diese Art viele Ähnlichkeit mit 
Dr. antillensis, doch begrenzen nur das vierte und fünfte Oberlippen- 
schild das Auge nach unten. Hinter dem Auge liegen drei Ocular- 



Herpetologische Notizen. Ztl 

schildchen, von denen das unterste nur halb so groß wie das mittlere 
ist, und letzteres kaum die halbe Größe des obersten erreicht. Das 
Lorealschild ist circa zweimal so lang wie hoch. Eilf Paare von 
Unterlippenschildern. Bauchschilder 214, Subcaudalschilder paarig, 
nur die zwei ersten sind zufälliger Weise an dem von uns untersuch- 
ten Exemplare ungetheilt, im Ganzen 110. 

Ein Exemplar aus Chile ; Totallänge 44 Zoll , von denen 1 1 3/ 4 " 
auf die Schwanzlänge fallen. 

Gatt. Geoptyas Steind. 
(Coryphodon Dum., ßibr. part.) 
C h a r. Körper verlängert, ziemlich dick, sehr schwach comprimirt ; Kopf 
ziemlich kurz und breit, deutlich vom Rumpfe abgesetzt; Nasen- 
öffnung seitlich zwischen zwei Nasenschildern gelegen. Beschil- 
derung des Kopfes regelmäßig; Frontale medium kurz, breit; 
Occipitalschilder groß und breit, ein Loreal- und ein Präocu- 
larschild; Maxillarzähne stufenweise nach hinten an Länge 
zunehmend: Analschild einfach; Subcaudalschilder getheilt, 
Schuppen glatt. 

Indem Dr. Günther und Cope die von Dumeril und Bib- 
ron in das Geschlecht Coryphodon, dessen Name von Owen bereits 
früher einem fossilen Säugethiergeschlechte beigelegt wurde, ein- 
gereihten ostindischen Arten in eine eigene Gattung, Ptyas , stellt, 
welche durch das Vorkommen von 2 — 3 Lorealschildern und zweier 
Präocularia so wie eines getheilten Analschildes ausgezeichnet ist, 
glaube ich für die amerikanischen Arten Coryphodon pantherinus 
und constrictor so wie für die beiden nachfolgend zu beschreibenden 
Arten ein besonderes Geschlecht gründen zu sollen, falls es nicht 
bereits in einer mir unbekannt gebliebenen Abhandlung geschehen 
sein sollte. 

1. Art Geoptyas collaris n, sp. 
Char. Kopf vorne abgestumpft, verschmälert, nach hinten bedeu- 
tend an Breite zunehmend; 7 — 8 Oberlippenschilder, das dritte 
und vierte, oder das vierte und fünfte derselben begrenzen das 
Auge nach unten; zwei Postocularschilder; Occipitalschilder 
am hinteren kurzen Rande stark concav, am hinteren, läng- 
sten Seitenrande wellenförmig ausgeschweift ; tiefschwarze 
Striche am hinteren Rande des vierten, fünften, sechsten und 



272 



S t e i 11 (1 :i c I» n e r. 



siebenten Oberlippenschildes, welche sich auch auf den hin- 
teren Rand der gegenüber liegenden Unterlippenschilder fort- 
setzen: eine schief nach hinten und unten ziehende tiefschwarze, 
mehr oder minder breite Binde an jeder Seite des Halses; 
Rücken- und Bauchseite gelbbraun, nur der hinterste Theil des 
Rumpfes (nach allmäligem Übergange) und der ganze Schwanz 
schwarz; ein schwärzlicher in der Mitte in der Regel unter- 
brochener schmaler Querstrich am hinteren Rande jedes zweiten 
oder dritten Bauchschildes (in dem gelbbraun gefärbten Körper- 
theile). Zickzackförmige, schwarze, unregelmässige Querstriche, 
gebildet durch die schwarze Umsäumung einzelner Schuppen 
des Rumpfes oder der zwischen den Schuppen liegenden 
Körperhaut in mehr oder minder unregelmäßigen Zwischen- 
räumen liegen in dem mittleren, größeren Längendrittel des 
Rumpfes; zuweilen sind sie nur schwach angedeutet oder 
aber durch die schwarze Umrandung fast sämmtlicher Rumpf- 
schuppen stellenweise ersetzt. 

Bauchschilder 211—203; Subcaudalschilder 83— 76, bei 
einem Exemplare ist das zweite, dritte und vierte Subcaudal- 
schild ungetheilt; Längsschuppenreihen des Rumpfes 17. 
Zwei große Exemplare (Männchen) aus Brasilien; eines der- 
selben ist 593/5" lang; Schwanzlänge dieses Exemplares 12 Zoll. 

2. Art Geoptyas flaviventris n. sp. 
Char. Kopf nach vorne stärker zugespitzt als bei der früher be- 
schriebenen Art. Oberlippenschilder 8 — 9, das vierte und fünfte, 
oder das fünfte und sechste bilden den unteren Augenrand. Ein 
Präoculare, zwei Postocularia. Temporalschilder in zwei Reihen 
zu 2+2 wie bei G. collaris. Oberseite des Körpers bald hell-, 
bald dunkelbraun; Bauchseite gelb; zuweilen zahlreiche, dunkle, 
schmale, in gleichen Abständen von zwei zu zwei Schuppen- 
längen regelmäßig sich wiederholende Querstriche von schwarzer 
Färbung am Rücken bis zu den Bauchschildern hinab, (aber 
niemals auf diesen selbst), und zwar am hinteren Rande der 
Querschuppenreihen. Am aufsteigenden Theile der Bauchschilder 
ein hellbrauner Fleck, durch eine schmale, gleichfalls hellbraune 
Linie am hinteren Rande jedes Ventralschildes mit dem der 
entgegengesetzten Seite verbunden; doch fehlen unter sechs 



Herpetologische Notizen. 273 

Exemplaren bei dreien die schwärzlichen Querstreifen des Rum- 
pfes, und die hellbraunen Flecken auf den Bauchschildern. 
Durch den Mangel von schwarzen Streifen an den Lippen- 
schildern, sowie der breiten schwarzen Binde am Halse unterscheidet 
sich diese Art von der früher beschriebenen auf den ersten Blick; 
auch ist der Kopf stärker zugespitzt. Zuweilen trennt sich von dem 
drittletzten Oberlippenschilde der obere Theil als ein selbstständiges 
Schildchen ab. Die Schwanzlänge beträgt nahezu nur */ 6 der Total- 
länge. 

Schuppenreihen des Rumpfes 17, Bauchschilder 212 — 210; 
Subcaudalschilder 74 — 70. 

Sechs, sehr große Exemplare von 79 Zoll Länge (Schwanz- 
länge 13i/ 3 Zoll) und darüber, von Matogrosso, Cuyaba und dem 
Rio Vaupe durch Johann Natter er. 



2/4 Stein da ebner. Herpetologische Notizeu. 



Tafel-Erklärung. 



Tafel I. 
Fig. i. Hemipodion persicum in natürlicher Größe. 
„ 2. „ „ Oberseite des Kopfes. 

„ 3. „ „ Seitenansicht desselben. 

„ 4. „ „ Unterseite desselben. 

„ 5. „ „ vordere Extremität derselben Art. 

„ 6. „ „ hintere Extremität. 

(Fig. 2—6 in 3maliger Vergrößerung.) 

Tafel II. 

Fig. i . Liophis pidcher n. spee. 
„ 2. „ „ obere Ansicht des Kopfes. 

„ 3. „ „ untere „ „ „ 

Tafel III. 

Fig. 1. Dromicus chüensis, Seitenansicht des Kopfes. 
„ 2. „ (/ Unterseite des Kopfes. 

„ 3. „ „ Oberseite „ „ 

„ 4. Geoptyas collaris , Seitenansicht des Kopfes und Halses. 
„ 5. „ „ Oberseite des Kopfes. 

„6. „ „ Unterseite „ „ 

.„ 7. „ „ ein Stück aus der Längenmitte der Körperseiten. 

Tafel IV. 

Fig. 1. Geoptyas flaviventris 3 Oberseite des Kopfes. 
„ 2. „ „ Seitenansicht desselben. 

„ 3. „ „ Unterseite des Kopfes. 

„ 4. „ „ ein Stück aus der Mitte der Körperseiten. 



Sreinduchuer. Herpet ^ofiz. 



Taf.l. 





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Sftzungsb.der k.Akad.«ÜV.jriitfh.na(ur\\\ CL LT. B<L J. Abfli.iöOT. 



Steine! iiclmer. Herpet-Tfofifc. 



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SilMing«b.der k.Abd.iI. W. inaili. riaturw Cl. LV. IM. 1 .\h h. L867. 



Steindachner. Kerpet ¥oTiz.. 



Taf.HE. 




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Sttzungsb. der kAkad.d.Wnmth.n.aturw-.n. I.V B«LI.Äbth..l867, 



SteiiuLachiLer. Herpet. Soti». 



Taf.rv: 




i . Aus d. > ' 

Sitzim^sb. der kAkad.dXmatli.uaturvr.CI. LY. Bd. LAbtiul867. 



275 



VI. SITZUNG VOM 14. FEBRUAR 1867. 



Der Secretär legt folgende Abhandlungen vor: 

„Kreidepflanzen aus Österreich", von Herrn Prof. Dr. F. Unger 
in Graz. 

„Über genaue und invariable Copien des Kilogramms und des 
Meter-Prototyps der Archive zu Paris", von dem auswärtigen c. M. 
Herrn Dr. C. A. Steinheil in München. Diese Abhandlung ist für 
die Denkschriften bestimmt. 

Das c. M. Herr Prof. Dr. K. Peters in Graz übersendet eine 
ihm von Herrn v. Malinovsky, k. osman. Obersten in Tuldscha, 
mitgetheilte Liste von Ortschaften im Quellengebiete des Euphrat, 
welche durch das daselbst am 30./11. Mai 1866 stattgehabte Erd- 
beben am meisten gelitten haben. 

Herr Prof. Dr. E. Mach in Graz übermittelt eine weitere Notiz 
über wissenschaftliche Anwendung der Photographie & Stereoscopie. 

Die Direction der kgl. land- und forstwirtschaftlichen Lehr- 
anstalt zu Kreuz dankt, mit Schreiben vom 10. Februar 1. J., für die 
Betheilung dieser Anstalt mit den Sitzungsberichten der Classe. 

Das w. M. Herr Prof. Dr. Aug. Em. Reuss überreicht eine 
Abhandlung: „Über Crustaceenreste aus der alpinen Trias Öster- 
reichs". 

An Druckschriften wurden vorgelegt : 

Astronomische Nachrichten. Nr. 1627. Altona, 1867; 4<>. 
Bauzeitung, Allgemeine. XXXII. Jahrg., 1. Heft. Nebst Atlas. 

Wien, 1867; 4*> & Folio. 
Comptes rendus des seances de TAcademiedes Sciences. Tome 

LXIV, Nr. 4. Paris, 1867; 4©. 
Cos mos. 2 e Serie. XVI e Annee, 5 e Volume, 6 e Livraison. Paris, 

1867: 8o. 
Gewerbe- Verein , n.-ö.: Verhandlungen und Mittheilungen. 
XXVIII. Jahrg. Nr. 6. Wien, 1867; 8<>. 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I Abth. 19 



876 

,1 a h r e s - B e r i c h t , Sechzehnter , des Doctoren - Collegiums der 

medicin. Faeulitat in Wien. 1865— 1866. Wien, 1867; 8<>. 
Jena, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften für 1866. 

4o & 8o. 
Land- und forstwirthschaftl. Zeitung. 17. Jahrg. Nr. 6. Wien, 

1867; 4o. 
Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Jahrg. 

1867. I. Heft, nebst Ergänzungsheft Nr. 18. Gotha; 4<>. 
Moniteur scientifique. 243 e Livraison. Tome IX e , Annee 1867. 

Paris; 4». 
Wiener medizin. Wochenschrift. XVII. Jahrg. Nr. 12 — 13. Wien, 

1867; 4o. 



Reuss. Über einige Crustaceenreste aus der alpinen Trias Österreichs. & {% 



Über einige Crustaceenreste aus der alpinen Trias Österreichs. 
von dem w. M. Prof. Dr. A. E. Reuss. 

(Mit einer lithographirten Tafel.) 

Mit Ausnahme der langschwänzigen Krebse , welche schon vor 
längerer Zeit von Bronn *) und von mir 3 ) aus den Raibler Schich- 
ten beschrieben worden sind, hatte die alpine Trias Österreichs bis- 
her keine anderen Crustaceenreste geliefert. Auf den nachfolgenden 
Seiten gebe ich nun die Schilderung einiger derselben Formation 
entnommenen fossilen Überreste dieser Thierclasse, welche trotz 
ihrem sehr fragmentären Erhaltungszustände mir eine vorläufige 
Besprechung zu verdienen scheinen. Ein besonderes Interesse knüpft 
sich an die Reste einer Gattung von vollkommen paläozoischem 
Habitus, die sich an manche Gattungen aus dem Silur, Devon und aus 
der Steinkohlenformation sehr nahe anschließt. Die übrigen nehmen 
wenigstens das Vorrecht für sich in Anspruch, die ersten Überreste 
ihrer Art aus der alpinen Trias Österreichs zu sein. 

I. Herr D. Stur theilte mir vor längerer Zeit einige Petrefacten 
von fremdartigem Aussehen zur Untersuchung mit, die aus Kalk- 
schichten im Liegenden des Hallstädter Salzstockes im Steinbruch 
am Langenbichl in Lupitsch in W. von Aussee, welche dem Muschel- 
kalke zugerechnet werden 3 ) , herstammen. Sie stellen nur flach- 
gepreßte Abdrücke in einem plattenförmigen rauchgrauen Kalksteine 
dar, an denen nur stellenweise Fragmente der in eine pechglänzende 
kohlige Substanz umgewandelten dünnen Schale haften. Dies mochte 
Veranlassung gegeben haben, daß man in ihnen Überreste von Pflanzen 



x ) ßronn's und Leonhard's Jahrbuch 1858, pag. 1 ff. 

2 ) Reuss in den von v. Hauer herausgegebenen Beiträgen zur Paläontologie Öster- 
reichs I. i. pag. 1 ff. Taf. I. 

6 ) Stur in den Verhandlungen der k. k. geolog. Reichsanstalt. Sitzung am 4. Dec. 
1866, pag. 182, 183. 

19* 



278 •» e ii s s. 

und zwar von Blättern, — im Umriß übereinstimmend mit jenen von 
Sagittaria — , zu sehen nicht abgeneigt war. Die genauere Unter- 
suchung, welche hin und wieder eine sehr feine concentrische Strei- 
fung erkennen läßt, widerlegte jedoch diese Ansicht bald. 

Bei dem Mangel jeder Übereinstimmung mit irgend einem 
andern Thierreste konnte trotz dem vollständigen Flachgedrücktsein 
der Fossilreste kaum ein Zweifel obwalten , daß man es mit den 
Überresten des hornigen Panzers einer Crustacee zu thun habe. 
Doch auch da wollte sich lange kein näherer Anknüpfungspunkt 
linden. Denn die älteren Beschreibungen und Abbildungen von Pel- 
tocaris aptychoides Salt, i) sind nach mangelhaften Exemplaren 
entworfen, so daß sie zu einer fruchtbringenden Vergleichung keinen 
Anhaltspunkt bieten konnten. 

Erst in einer vor Kurzem von Herrn Wo od ward gegebenen 
Notiz *) finden wir ein ausführlicheres Bild von Peltocaris aptychoi- 
des Salt, nach einem besser erhaltenen, in W. Carruther's Samm- 
lung befindlichen Exemplare, so wie der sehr verwandten Discino- 
can's Broivniana Woodw. ebenfalls aus den silurischen Schiefern 
von Garple Burn bei Moffat in Dumfriesshire. Diese liefern den 
offenbaren Beweis, daß auch das Fossil von Aussee ihnen sehr nahe 
steht. 

Es liegen mir von demselben fünf Exemplare vor , davon eines 
in beiden Gegenplatten. An allen nimmt man denselben breit-pfeil- 
förmigen oder vielmehr parabolischen Umriss wahr, welcher dadurch 
entsteht, daß aus dem sehr breit-elliptischen, durch keine Rücken- 
nath getheilten Schilde am Vorderende ein breit-trianguläres Segment 
mit beinahe geraden Seitenrändern gleichsam herausgeschnitten ist. 
Die Spitze dieses Ausschnittes reicht bis zum Centrum des Schildes, 
das zugleich den erhabensten Theil desselben bildet. Übrigens 
scheint es nur mäßig convex gewesen zu sein, was man aus den an 
den jetzt ganz ebenen Abdrücken wahrnehmbaren schmalen radialen 
Einrissen schließen kann, die vom peripherischen Rande sich etwa 
bis zur Hälfte des Halbmessers nach innen erstrecken. An dem größ- 
ten Exemplare ist der freie Rand deutlich etwas nach innen gebogen, 



3 ) Quart. Journ. of the geol. Soc. VIII, p. 391. Taf. 21, Fig. 10; XIX. p. 87 ff. Fig. 1. 
1 ) Quart, Journ. of the geol. Soc. 1866. Nov. pag. 503 ff. Taf. 25, Fig. 4—7. 



Über einige Crustaceenreste aus der alpinen Trias Österreichs. 279 

Die den Ausschnitt begrenzenden Lappen sind stumpf zuge- 
spitzt und die größte Breite des Schildes liegt nur wenig hinter 
denselben. Der Hinterrand verläuft in ununterbrochener bogenförmi- 
ger Rundung. 

Nur drei der vorliegenden Exemplare sind vollständig erhalten 
und gestatten Messungen nach allen Richtungen. Das größte der- 
selben mißt in der Linie der größten Breite (1) 29 '5 Mm. Die Länge 
von dem gerundeten Hinterrande bis zu einer die Spitzen der Vorder- 
lappen verbindenden Querlinie (2) beträgt 31 Mm; der Abstand des 
centralen Wirbels vom Hinterrande (3) 17 Mm.; die Distanz endlich 
der Spitzen der beiden Vorderlappen (4) 23-5 Mm. 

Die anderen zwei Exemplare geben für die erwähnten vier 
Richtungen folgende Dimensionen: 

(1) (2) (3) (4) 

20 21 12 16 Mm. 

und 20 21-5 13 14-5 Mm. 

Das kleinste Exemplar, von welchem das Hinterende abgebro- 
chen ist, mißt in der Richtung (4) : 12 Mm., in der Richtung (1) : 
135 Mm, 

Eines der untersuchten Exemplare bietet noch deutliche Über- 
reste der Oberflächensculptur dar. Man überzeugt sich, daß das 
Schild mit äußerst feinen und gedrängten concentrischen Linien 
bedeckt ist, welche seinem peripherischen Rande parallel verlaufen, 
daher ebenfalls eine parabolische Richtung nehmen. In der Nähe der 
Ränder des Frontalausschnittes biegen sie sich rasch gegen den- 
selben um. Sie stehen auf der gesamten Ausdehnung des Schildes 
einander ziemlich gleich nahe; höchstens in der unmittelbaren Um- 
gebung des Wirbels drängen sie sich etwas mehr an einander. Es 
kommen beiläufig 20 — 22 auf die Länge von 3 Mm. zu stehen. 

Endlich gewinnt man bei genauerer Untersuchung die Über- 
zeugung, daß der beschriebene trianguläre Ausschnitt am Vorderende 
des Schildes , gleichwie bei Peltocaris und Discinocaris, nicht ur- 
sprünglich vorhanden ist, sondern daß er durch einen dreieckigen 
Rostrallappen ausgefüllt wird, welcher, mit dem übrigen Schilde 
zusammenhängend, von demselben beiderseits durch eine deutliche 
treppenförmig absetzende Furche abgegrenzt wird. 

Woodward hat für Peltocaris und Discinocaris das Vor- 
handensein des Ausschnittes auf sehr sinnreiche Weise dadurch 



280 Reu ss. 

erklärt, daß die Weichtheile auf ähnliche Weise, wie bei Apus, mit 
dem Kopfe und dem Rostraltheile des Schildes weit inniger zusammen- 
hängen, als mit dem übrigen Umfange desselben, daß sich daher bei 
dem Absterben und der nachfolgenden Einhüllung in die sich bilden- 
den Gesteinschiebten dieser Rostraltheil samt den weichen Theilen 
von dem übrigen Schilde leicht trennt. Die Trennung erfolgt meist 
in den durch die Grenzfurchen der Rostralplatte angedeuteten Rich- 
tungen und führt daher zu der Entstehung eines regelmäßig gestal- 
teten Ausschnittes. Derselbe Vorgang dürfte auch bei unserem 
Fossilreste stattgefunden haben. Auch hier wird eine Rostralpartie 
durch Furchen von dem übrigen Umfange des Schildes abgegrenzt 
und wenn auch die Trennung in den meisten Fällen gerade im Ver- 
laufe dieser Grenzfurchen erfolgt ist, so beobachtet man doch an 
einem der vorliegenden Exemplare, daß zunächst den Furchen ein 
schmaler Streifen der Rostralplatte hängen geblieben ist, auf welchen 
man die zarte Streifung der Schalenoberfläche sich fortsetzen sieht. 
Aus der vorangehenden Beschreibung ergibt sich, daß die von 
mir untersuchten Fossilreste sich zunächst an die Gattungen Pelto- 
caris und Discinocaris anschließen. Die vollständige Analogie in 
der Bildung des Rückenschildes läßt daran nicht zweifeln. Leider 
sind bisher auch hier andere Körpertheile, welche den feineren Bau 
des betreffenden Thieres erläutern würden, nicht aufgefunden worden. 
Doch kann es keinem Zweifel unterliegen , daß dasselbe der Familie 
der Apusiden aus der Ordnung der phyllopoden Crustaceen angehört, 
welche nebst dem lebenden Genus Apus, dessen vermutblich ältester 
Repräsentant — Apudites antiqmis Schimp. — im bunten Sand- 
stein liegt, noch eine Reihe paläozoischer Formen umfaßt, welche, 
einander sämtlich verwandt, meistens noch sehr unvollständig 
bekannt sind. Dergleichen sind Hymenocaris Salt. , Peltocaris 
Salt., Ceratiocaris M'Coy. und Disci?wcaris Wo odw. aus dem 
Silur, Dictyocaris Salt, aus dem oberen Silur und unteren Devon, 
Dithyrocaris Seoul, und Ar gas Seoul, aus der Steinkohlenforma- 
tion. Als einer der jüngsten Repräsentanten dieser paläozoischen 
Typen schließt sich nun unser Fossil aus dem Muschelkalk an. Am 
nächsten steht es, wie schon hervorgehoben wurde, der erst in der 
jüngsten Zeit von Wo od ward beschriebenen Discinocaris, mit 
welcher es in der Form des Schildes und seines Rostralausschnittes, 
in der centralen Wölbung desselben und in der feinen concentrischen 



Über einige Crustaceenreste aus der alpinen Trias Österreichs. 



281 



Streifung unläugbare Berührungspunkte besitzt. Auch in dem Mangel 
einer Rückennath des Schildes findet Übereinstimmung Statt. 

Doch besitzt das Schild keine so deutlich ausgesprochene Kegel- 
form, ist im Umrisse nicht so kreisförmig und scheint nur wenig 
gewölbt zu sein. Die concentrische Streifung ist weit feiner. Auch 
sind die Größenverhältnisse der Schilder durchgehends beträchtlicher. 
Im Vergleiche mit Peltocaris kommt auch der Mangel einer in der 
Medianlinie verlaufenden Rückennath hinzu. Erwägt man nun über- 
dieß, daß das geologische Niveau unseres Fossiles hoch über den 
Silurschichten, der Fundstätte von Discinocaris und Peltocaris, 
liegt, so erscheint eine Vereinigung mit diesen Gattungen nicht 
rathsam. Sie würde um so mißlicher sein, als außer dem Rücken- 
schilde bisher keine anderen Körpertheile vorliegen, in welchen trotz 
der großen Analogie des Ersteren doch sehr wesentliche Abweichun- 
gen stattfinden können. 

Ich habe es daher vorgezogen, das untersuchte Fossil vorläufig 
für den Typus einer selbstständigen Phyllopoden-Gattung anzusehen 
der ich von der schildförmigen Gestalt der Rückenplatte den Namen: 
Aspidocaris beilege. Die Species bezeichne ich als A. triasica Rss. 

II. Aus demselben Kalkstein von der Petschenstraße im Stein- 
bruche unter dem Bachwirth in W. von Aussee stammt ein anderes 
Petrefact, welches mir Herr D. Stur mittheilte. Es stellt zwar nur 
einen etwas fragmentären Abdruck dar, an welchem überdieß die 
einzelnen Details nur wenig deutlich hervortreten. Aber demunge- 
achtet gewahrt man leicht, daß es der Gattung Halicyne v. Mey. 
angehört, welche der Familie der Pöcilopoden beigesellt wird. Bisher 
waren drei Species bekannt: H. agnota v. Mey. und H. laxa v. Mey. 
aus dem unteren Keuperdolomit von Rottweil *) und H. plana v. S eeb. 
aus dem schiefrigen Lettenkohlensandstein .des Gelmeroder Berges 
in Thüringen 2 ). Da nun auch die von Herrn Stur gefundene Species 
analogen Schichten entnommen ist, so scheint die Gattung, Halicyne 
überhaupt für diese Gruppe der Trias bezeichnend zu sein. 



1) H. v. Meyer in Palaeontographica I. pag. 134 ff. Taf. 19. Fig\ 23 — 26. Eine 
dritte von v. Meyer aus den gleichen Schichten erwähnte Species (1. c. Taf. 19, 
Fig*. 27, 28) gestattet wegen sehr fragmentärer Erhaltung keine nähere Bestim- 
mung. 

2 ) v. Seebach, Entomostraceen aus der Trias Thüringens in d. Zeitschr. d. deutsch, 
geolog. Gesellschaft 1857. IX. p. 202 ff. Taf. 8, Fig. 6. 



2 S '-l Reuss. 

Unsere Species unterscheidet sieh von den bisher beschriebenen 
sehen durch ihre absoluten und relativen Größenverhältnisse. Sie ist 
die größte Species, denn sie mißt 34 Millim. in der Länge. Während 
die (ihrigen Arten entweder ebenso breit oder seihst noch etwas breiter 
als lang sind, waltet hier die Länge über die Breite vor, denn letztere 
beträgt nur etwa 28 Millim. Der Umriß ist breit-eiförmig und die 
größte Breite liegt im Anfange des letzten Drittheiles der Schildlänge. 
Das vordere Ende des vorliegenden Steinkernes ist gerundet; von 
der an den anderen Arten daselbst vorspringenden Spitze ist keine 
Spur vorhanden. Der Band verläuft in ununterbrochener Bogenlinie 
bis zum Hinterrande. Aber auch dieser bildet keineswegs so deutlich 
vorspringende Ecken, wie bei den schon früher bekannt gewesenen 
Arten , sondern stellt vielmehr vollkommen abgerundete Lappen dar, 
deren horizontaler Abstand von einander 12-5 Millim. beträgt. Der 
zwischen denselben liegende Hinterrand zeigt eine ziemlich tiefe 
Ausbuchtung, in welcher man wieder mehrere (fünf) kleine Ein- 
biegungen erkennt, die mit den Zwischenräumen der im hintersten 
Theile des Schildes befindlichen Protuberanzen, welche bei allen 
Arten von Halicyne wiederkehren, zusammenfallen. 

Diese Hügel sind an dem vorliegenden Exemplare leider nicht 
scharf begrenzt; doch erkennt man, daß der mittlere lang- und spitz- 
dreieckig ist. An diesen schließen sich in etwas schräger Lage, nur 
durch seichte Furchen geschieden, die schmal-lanzettlichen mittleren 
an. Die äußersten sind sehr schräge, langelliptisch und nach innen 
durch breite, ziemlich tiefe Furchen abgegrenzt. Sie sind zugleich 
am längsten und ihr hinteres Ende erstreckt sich bis in die hinteren 
Seitenlappen des Schildes. 

Über die Beschaffenheit der mittleren Begion (der Spitzbogen- 
region v. Meyer's) läßt sich keine Auskunft geben, da dieselbe an 
dem vorliegenden Steinkerne abgesprengt ist. Jedoch ergibt sich, 
daß diese Begion des Schildes ziemlich stark gewölbt sein müsse. 
Der vordere Theil des Schildes, der sich allmälig abdacht, ist offen- 
bar durch Druck abgeflacht worden, denn man bemerkt am Bande 
mehrere dadurch hervorgebrachte kurze radiale Einrisse. Dagegen 
unterliegt es keinem Zweifel, daß die hinteren Seitentheile des 
Schildes im Verhältnisse zu der angrenzenden hinteren Mittelregion 
und den nierenförmigen Seitenregionen sehr niedergedrückt gewesen 
sind. Auch erstreckte sich von da, aber sich sehr verschmälernd, ein 



Über einige Crustaeeenreste aus der alpinen Trias Österreichs. 40(J 

deprimirter Saum um die Seitentheile und den VordertheiJ der Peri- 
pherie des Schildes. 

So mangelhaft der Erhaltungszustand des beschriebenen Petre- 
faetes auch sein mag, so ist es doch unwiderlegbar, daß es der Gattung 
Halicyne angehört und daß es sich von sämtlichen schon bekannten 
Arten derselben schon durch seine Gestalt und die relativen Längen- 
und Breitenverhältnisse unterscheidet. Ich glaube daher berechtigt 
zu sein, es zu einer neuen Species zu erheben, welcher ich den 
Namen Halicyne elongata Rss. beilege. Die Lücken in der gegebe- 
nen Characteristik werden hoffentlich durch Entdeckung vollständi- 
gerer Exemplare ausgefüllt werden. 

III. Die Zahl der bisher aus den Triasschichten beschriebenen 
Ostracoden ist sehr beschränkt. Herr v. Schauroth i) hat zwei 
Species — Bairdia triasina und calcarea — aus dem Muschelkalk 
von Recoaro, der dem deutschen Wellenkalke gleichgestellt wird, 
angeführt. Ebenso verdanken wir Herrn v. Seebach 2) die Be- 
schreibung von vier Arten — Bairdia pyrus, procera, teres und 
Cythere dispar — aus der Lettenkohlengruppe Thüringens. 

In den , dem mittleren Keuper angehörigen Raibler Schichten, 
die an Pflanzen-, Krusten- und Fischresten so reich sind, gelang es 
ebenfalls, eine Ostracodenspecies, wenngleich in spärlicher Zahl, 
aufzufinden. Es sind stets nur vereinzelte Klappen , die überdieß 
gewöhnlich auf mannigfache Weise verdrückt sind und sich aus dem 
umgebenden Gesteine nur schwer auslösen lassen, so daß es schwer 
hält, zur Untersuchung geeignete zu erhalten. Aus diesem Grunde 
muß die Beschreibung auch mangelhaft bleiben. Ich thue ihrer hier 
nur Erwähnung, weil es die ersten in den Raibler Schichten, ja 
in der alpinen Trias Österreichs, aufgefundenen hieher gehörigen 
Formen sind. 

Die Schalen, welche eine Länge von 0-53 und eine Breite von 
0*33 Millim. besitzen, zeigen einen bohnenförmigen Umriß und sind 
an beiden Enden beinahe gleichbreit und abgerundet. Das Vorder- 
ende ist kaum etwas schmäler. Ebenso lassen beide Ränder keinen 
erheblichen Unterschied wahrnehmen, indem beide von der geraden 
Linie nur wenig abweichen. Der Rückenrand ist sehr schwach 



1) Sitzungsb. d. k. Akad. d. Wissensch. in Wien, Bd. 34, p. 350. Taf. 3, Fig. 19, 20. 

2 ) Zeitschr. d. deutsehen geol. Ges. Bd. IX, p. 198 ff. Taf. 8, Fig. 1 — 4. 



2S4 Kouss. Über einige Crustaceenreste aus der alpinen Trias Österreichs« 

bogenförmig, der Bauchrand eben so schwach eingebogen. Der flach 
gewölbte Rücken der Klappen fällt ziemlich rasch und zwar gleich- 
mäßig nach allen Seiten ab. Ob die Schalenoherfläche glatt oder 
punktirt sei, wird nicht klar, da dieselbe stets durch Einwirkung des 
Wassers etwas corrodirt erscheint. 

Von der Bairdia triasina v. Schaur. unterscheidet sich 
unsere Species durch die gleichmässige Rundung der Enden, sowie 
durch die größere Gleichförmigkeit des Rücken- und Bauchrandes. 
Am meisten stimmt sie im Umriße mit Cythere Rieht eriana Jones 1 ) 
aus dem Zechstein von Könitz, nur ist diese etwas schmäler. Wegen 
dieser Verwandtschaft belege ich die von mir beschriebene Raibler 
Species mit dem Namen: Cythere fr atema Rss. 



Erklärung der Abbildungen. 



Fig. i. Aspidocaris triasica Reuss. Abbildung des größten Exemplares des 
Rückensebildes mit Rostralaussehnitt in natürlicber Größe. 

„ 2. Dasselbe Rückenscbild mit idealer Ergänzung d^r Rostralplatte. 

„ 3. Ein anderes kleineres Rückenschild in natürlicher Größe. 

„ 4. Ein Stück des Schildes (Fig. 3) vergrößert, um den abgerissenen Rand 
der Rostralplatte und die concentrische Streifung der Schalenober- 
fläche zu zeigen. 

„ 5. Fragmentärer Abdruck des kleinsten Schildes in natürlicher Größe. 

„ 6. Halicyne elongata Rss. in natürlicher Größe. 

,, 7. Cythere fr atema Rss. vergrößert. 



!) Kirkby on Permi an Entomoslraca pag 47, Taf. 11, Fig. 21 aus Tyneside 
Naturalisl's Field Club Transact. 1859. IV. 2. Newcastle. 



Reufs Über Crustace eures te der alpinen Trias 




#*- v ■■■■-■■ -^ 





3. 




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•5. 



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lv Strohmayer gez.. u.ltth. A.d..k.k.Hof-u .Staats-D.ru 

/ 6 AsfudocwrU triasüa R£s. t/ffaJicyrw elongcvbcu Ri's. 
l.Qrthere fmUrna Rls. 

Sit 7 :nnrfsh.(rix.Akad.fIM:matli. f irituru-CKIVB(J.T.A7)th.l867. 



285 



VII. SITZUNG VOM 28. FEBRUAR 1867. 



Die Direction der k. k. Oberrealschule zu Rakovac in der 
Militärgrenze dankt, mit Schreiben vom 23. Februar, für die Bethei- 
lung dieser Lehranstalt mit den Sitzungsberichten der Classe. 

Das c. M. Herr Vice-Director K. Fritsch übermittelt eine 
Abhandlung über „die Eisverhältnisse der Donau in den beiden 
Jahren 1860/, und 186*/ s .« 

Herr Dr. A. Boue übergibt eine Mittheilung „Über eine neu 
entdeckte Höhle im tertiären Conglomerat Gainfahrn's". 

Herr Director K. v. Littrow legt „Einige Bemerkungen über 
Cometen" von Herrn Prof. C. Bruhns in Leipzig vor. 

Das c. M. Herr Dr. G. Tschermak überreicht eine Abhand- 
lung über „Quarzführende Plagioklasgesteine". 

Herr Dr. 0. Stolz legt eine Abhandlung vor, betitelt: „Die 
Axen der Linien zweiter Ordnung in allgemeinen trimetrischen Punkt- 
Coordinaten." 

Der Secretär liest den Bericht der Commission zur Berathung 
der Modalitäten bezüglich der Herstellung und Aufbewahrung des 
metrischen Urmasses und Urgewichtes, welcher von der Classe ein- 
stimmig genehmiget wird. 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 
Apotheker-Verein, allgem. österr. : Zeitschrift. 5. Jahrg. Nr. 4. 

Wien, 1867: 8<>. 
Astronomische Nachrichten. Nr. 1628—1630. Altona, 1867; 4<>. 
Comptes rendus des seances de TAcademie des Sciences. Tome 

LXIV, Nrs. 5—6. Paris, 1867; 4o. 
Cosmos. 2 e Serie. XVI e Annee, 5 e Volume, 7 e — 8 e Livraisons. Paris, 

1867; 8o. 
Gelehrten-Gesellschaft, k. k., zu Krakau: Jahrbuch. X.— XI. 

Band. Krakau, 1866; 8». — Diplomata monasterii Clarae 

Tumbae prope Cracoviam. Krakau, 1865; 4°. 
Gesellschaft, k. k. zoolog. -botanische, in Wien: Verhandlungen. 

Jahrgang 1866. XVI. Band. Wien; 8o. — Neilreich, 

August, Nachträge zur Flora von Nieder-Österreich. Wien, 



286 

1866; 8". — Brusina, Spiridione, Contribuzione pella fauna 

dei molluschi Dalmati. Vienna, 1866; 8°. 
G e w e r 1) e - V e r ein, n. - ö. : Verhandlungen und Mittheilungen. 

XXVIII. Jahrg. Nr. 7-8. Wien, 1867; 8<>. 
Gut zeit, W. , Das Metersystem und dessen Einführung in Deutsch- 
land und Rußland. 8«. 
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. 17. Jahrg. Nr. 7—8. 

Wien, 1867; 4«. 
Lot os. XVII. Jahrgang. Januar 1867. Prag; 8<>. 
Moniteur scientifique. 244 e Livraison. Tome IX e , Annee 1867. 

Paris; 4». 
Pacini, Filippo, Della natura del Colera Asiatico etc. Firenze, 

1866; 8o. 
Reichs forstverein, österr. : Monatsschrift für Forstwesen. 

XVI. Band. Jahrgang 1866. November- und December-Heft. 

Wien, 1866; 8<>. 
Reise der österr. Fregatte Novara um die Erde etc. Zoologischer 

Theil. I. Band. Fische. 3. Abtheilung. Bearbeitet von Rudolf 

Kner. — Reptilien. Bearbeitet von Franz Stein d ach n er. 

Wien, 1867; 4<>. 
Society, The Geological, of Glasgow: Transactions. Vol. II. 

Parts 1 & 2. Glasgow, 1865; 8<>. 
— The Asiatic, of Bengal: Journal. Parti, Nr. 2. 1866. Part II, 

Nr. 2. 1866. Calcutta; 8<>. 
Verein für Landeskunde von Nieder-Österreich : Blätter für Landes- 
kunde von Nieder-Österreich. II. Jahrg. Nr. 9 — 12. Wien, 

1866; gr. 8°. 
Werner -Verein , XV. Jahresbericht. Brunn, 1866; 8°. — 

Foetterle Franz, Geologische Karte der Markgrafschaft 

Mähren und des Herzogthums Schlesien. (2 Blätter) Wien 

1866; gr. Folio. 
Wiener medizin. Wochenschrift. XVII. Jahrg. Nr. 16 — 17. Wien, 

1867; 4»- 
Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts- Gesellschaft. 

XVI. Jahrg. Nr. 4. Gratz, 1867; 4<>. 



Tscherraak. Quarzführende PJagioklasgesteine. 287 



Quarzführ ende Plagioklasgesteine. 

Von dem c. M. Gustav Tschermak. 

Erst in der letzten Zeit wurde es bekannt, daß plagioklastische 
Feldspathe in Verbindung mit Quarz als Hauptgemengtheile meh- 
rerer Gesteine auftreten. Obgleich das Vorkommen von Plagioklas *) 
in den quarzführenden Orthoklasgesteinen häufig beobachtet, zuwei- 
len ein Überwiegen des Plagioklas wahrgenommen worden, obgleich 
Angaben vorlagen, welche vermuthen ließen, daß es auch quarzfüh- 
rende Gesteine gebe, deren Hauptmasse aus Plagioklas bestehe, so 
war doch G. v. Rath's Arbeit über denTonalit die erste vollständige 
Untersuchung einer Felsart, welche die bisher ungewöhnliche Ge- 
sellschaft von Quarz und einem Kalkfeldspath darbot. Seither sind 
aber auch Gesteine aus der Porphyr- und Trachytgruppe gefunden 
worden, welche dieselbe mineralogische und chemische Zusammen- 
setzung wie der Tonalit zeigen. Demnach hat jedes quarzführende 
Orthoklasgestein ein entsprechendes Glied in der Reihe der Plagioklas- 
gesteine. 

Orthoklasgesteine Plagioklasgesteine 

Granit, Tonalit, 

Quarzporphyr, Quarzporphyrit, 

Quarztrachyt, Quarzandesit. 

Die Felsarten der zweiten Reihe sind es, welche bisher noch 
wenig beobachtet, eine Besprechung verdienen. 

Tonalit. 

G. v. Rath fand im Adamellogebirge an der Grenze Tirols und 
der Lombardei in dem bis dahin für Granit gehaltenen Gesteine, 
welches dieses Gebirgsmassiv bildet, Plagioklas, Quarz nebst etwas 
Biotit und Hornblende als Gemengtheile. Er unterschied diese Fels- 
art vom Granit und nannte dieselbe nach dem Paß Tonale in jenem 
Gebirge Tonalit-). Der in zwei Gesteinsabänderungen enthaltene 
Plagioklas wurde analysirt und die Zusammensetzung eines Andesines 



2S8 T s c h e r m a k. 

gefunden. Dieses Resultat war ein unerwartetes, denn man dachte 
sich als Kegel, daß nur kalkarme Plagioklase mit Quarz im Gemenge 
vorkommen. Die Analyse des Gesteines ergab eine viel mehr basische 
Zusammensetzung als sie gewöhnlich bei den Graniten vorkommt, 
und es zeigte sich hier die ungewöhnliche Erscheinung, daß eine 
Felsart mit 67 Pct. Kieselsäure reich an Quarzkörnern ist, was 
jedoch durch die Verbindung von Andesin mit 57 Pct. Kieselsäure 
und Quarz erklärlich wird. Die Analyse des Tonalites vom Aviosee 
aus der Mitte des Adamellogebirges erscheint unter A, während die 
beiden anderen Zahlenreihen die Zusammensetzung der Feldspathe 
aus dem Tonalit des Val San Valentino darstellen. 





A. 


B. 


c. 


Kieselsäure . . . 


66-91 


56-79 


5815 


Thonerde . . . 


15-20 


28-48 


26-55 


Eisenoxydul * . 


6-45 


— 


— 


Kalkerde . . . 


3-73 


8-56 


866 


Magnesia . . . 


2-35 


0-00 


006 


Kali 


0-86 


0-34 


— 


Natron .... 


3-33 


610 


6-28 


Glüh Verlust • . 


0-16 


0-24 


0-30 



98-99 100-51 100-00 
Aus der Analyse der Felsart berechnet Kenngott 3 ) 28-6 Pct. 
Quarz, 50*3 Pct. Feldspathe, im Übrigen Hornblende, Biotit, Magnetit, 
nimmt jedoch in der Hornblende keine Kalkerde, im Biotit kein Kali 
an. Wenn man sich in dem Gestein einen Feldspath von der Zusam- 
mensetzung B denkt und nur 4 Pct. Hornblende annimmt, die min- 
destens 03 Pct. Kalkerde beanspruchen, so berechnen sich 40 Pct. 
Andesin, aber es bleiben noch 0*73 Pct. Kali und 0-89 Natron übrig, 
die auf einen Alkalienfeldspath deuten. Aber auch, wenn alle 
3-73 Pct. Kalkerde auf Andesin B berechnet werden, so erhält man 
43-2 Andesin und es bleiben doch noch 0-72 Kali und 0-68 Natron. 
In beiden Fällen kommt man zu der Vermuthung, daß außer dem 
Andesin noch eine kleine Menge eines Alkalien-Feldspathes vor- 
handen sei. 

Der Tonalit kann nach seiner mineralogischen Zusammensetzung 
ein Plagioklasgranit oder ein Quarzdiorit genannt werden. Jeden- 
falls ist er ein selbstständiges Gestein unter den körnigen Gesteinen 
der Plagioklasreihe. 



Quarzführende Plagioklasgesteine. 289 

Zwischenglieder, welche den Übergang vom Granit zum Tonalit 
vermitteln, sind bereits früher beschrieben worden. Streng hat in 
der Reihe seiner verdienstvollen Gesteinsanalysen auch Granite aus 
der Tatra bearbeitet, welche reich an Plagioklas erscheinen und 
einen größeren Reichthum an Kalkerde und Natron, und einen gerin- 
geren Kieselgehalt aufweisen, als die andern damals untersuchten 
Granite *). Später fand Haughton in Irland ähnliche Gesteine und 
nannte dieselben Natrongranite (Soda-Granites) zum Unterschiede 
von den gewöhnlichen, den Kaligraniten (Potash-Granites) s). Die 
Natrongranite bilden zwischen Wiklow und Wexford drei isolirte 
Massen, die von Schiefern der Silurformation umgeben werden, 
während westlich davon der Kaligranit in einem fortlaufenden Zuge 
sich bis gegen Dublin ausbreitet. Außerdem findet sich in der Granit- 
partie bei Newry außer dem gewöhnlichen auch der basischere 
Natrongranit. Die Zusammensetzung des letzteren ist überall dieselbe: 
grauer Quarz, weißer oder röthlicher Feldspath, schwarzer oder grüner 
Biotit und etwas Hornblende. Der Feldspath wurde leider nicht mine- 
ralogisch bestimmt, auch nicht analysirt, aber die Analysen des Ge- 
steines setzen die Gegenwart einer bedeutenden Menge von Plagioklas 
neben Orthoklas außer Zweifel. Um die Verwandtschalt der zuletzt 
angeführten Gesteine mit dem Tonalit hervorzuheben, führe ich hier 
neben der Analyse des Tonalites (1.) noch folgende an: 

2. Natrongranit von Ballymotymore, Wexford, nach Haughton. 

3. Natrongranit von Ballinamuddagh, Wexford, nach demselben. 

4. Granit aus dem kleinen Kohlbachthal, Tatra, nach Streng. 

5. Granit aus dem Fischseethal, Tatra, nach demselben. 

1. 2. 3. 4. 5. 

Kieselsäure 66-91 66-60 68-56 68-38 69*31 

Thonerde 15-20 13 26 14-44 1787 1640 

Eisenoxyd 7-17 7-32 5-04 3-61 4-81 

Kalkerde 3 73 336 385 3-12 306 

Magnesia 2-35 1-22 043 0-85 0-83 

Kali 0-86 2-31 2-78 2-99 2-87 

Natron 333 360 336 358 3-29 

Wasser 016 2-36 100 0-80 0-84 



99-71 10001 99-46 101-20 10141 

Diese Vergleichung zeigt wieder, wie nothwendig eine mög- 
lichst genaue Bestimmung der Alkalien bei der Analyse der Felsarten 



2 1) T s c li e r i» a k. 

sei, denn nur durch die Menge derselben und deren Verhältnis 
sind die angeführten Zwischenglieder chemisch vom Tonalit unter- 
schieden. 

Quarzporphyrit. 

So wie man im Granit häufig neben dem Orthoklas auch 
Plagioklas erkannte, so beobachtete man im Quarzporphyr öfters 
beide Feldspathe nebeneinander, wie dies Rose 6 ), G. L e o n h a r d 7 ), 
Naumanns), Streng 9 ), L a s p e y r e s ") u. A. angeben. Aber 
man begegnet auch Beobachtungen, welche dahin lauten, daß Quarz- 
porphyre und Felsitporphyre ") auftreten, welche blos Plagioklas- 
krystalle eingeschlossen enthalten. So sagt Delesse, daß in 
manchen von ihm gesehenen Porphyren blos Plagioklas vorkomme 12 ). 
H. Fischer führt einen Plagioklasporphyr an, den er bei St. Margen 
in Baden fand 13 ), v. Richthofen beschreibt unter den Quarzpor- 
phyren Südtirols auch plagioklasreiche Felsarten 1 *) aus dem Pelle- 
grinthal und von der Trostburg. 

Bei Gelegenheit der Untersuchung der Südtiroler Quarzporphyre 
habe ich nun auch das plagioklasführende Gestein aus demPellegrin- 
thal der Beobachtung unterzogen, wobei sich die nahezu vollständige 
Gleichheit mit dem Tonalit — die Textur ausgenommen — ergab. 

In dem mittleren Theile des Val San Pellegrino, eines Seiten- 
thaies desFassa, findet sich am südlichen Gehänge des Monte Bocche, 
gerade dem Monzoni gegenüber, ein tiefgrauer quarzführender Por- 
phyr in ziemlich bedeutender Verbreitung und in Verbindung mit 
dem südlich davon , weithin fortsetzenden gewöhnlichen Quarz- 
porphyr. Das schwärzlichgraue Gestein ist hart und ziemlich zähe, 
es zerspringt häufig in flache Stücke. Die Textur ist nicht sehr 
deutlich porphyrisch, da nur wenig Grundmasse erkennbar. Die ein- 
geschlossenen Mineralien sind: 

Zahlreiche farblose oder grauliche Quarzkörner bis zu 6 Millim. 
groß. Die Menge schätzte ich auf ungefähr 20 Pct. 

Körner von Plagioklas, trübe, grünlich oder milchweiß, kleiner 
als die Quarzkörner, aber in größerer Menge vorhanden. Sie zeigen 
keine ausgezeichnete Spaltbarkeit, lassen aber die Riefung sicher er- 
kennen. Mit der Grundmasse sind sie innig verwachsen. 

Biotitblättchen, schwarz, kleiner als die Plagioklaskrystalle sind 
häufig. 



Quarzführende Plagioklasgesteine. 291 

Die spärliche Grundmasse ist dicht, schwärzlich. Durch Ver- 
größerung erkennt man Biotit als Ursache der Färbung. 

Magnetit und Epidot kommen in kleinen Mengen in dem Gesteine 
vor. Die Eigenschwere desselben ist 2-737. Die chemische Zusam- 
mensetzung hat große Ähnlichkeit mit der des Tonalites. Dies zeigt 
folgende von Herrn S. Konya ausgeführte Analyse 15 ). 





Quarzporphyrit, Konya. 


Tonalit, v. Rath 


Kieselsäure . 


. . 66-75 


66-91 


Thonerde 


. . 16-53 


15-20 


Eisenoxyd . 


. . . 2-76 


— 


Eisenoxydul 


. . . 1-66 


6-45 


Kalkerde . 


... 4-71 


3-73 


Magnesia . 


. . . 2-64 


2-35 


Kali . . . 


. 4 . 1-82 


0-86 


Natron . . 


. . . 2-86 


3-33 


Wasser 


. . . 212 


0-16 



101-85 98-99 

DerFeldspath des Quarzporphyrites dürfte nahe dieselbe Zusam- 
mensetzung haben wie der des Tonalites, da sich die Zusammensetzung 
der beiden Gesteine wenig unterscheidet und da der Quarzporphyrit 
nur wenig Grundmasse hat, welche gewöhnlich einen anderen Feld- 
spath enthält, als der in den eingeschlossenen Krystallen. Leider 
hatte ich nicht mehr so viel Material zur Verfügung, um den Feld- 
spath untersuchen zu können. 

Das eben beschriebene Gestein aus dem Pellegrinthale ist im 
Vergleiche zu dem gewöhnlichen Orthoklas-Quarzporphyr ein Pla- 
gioklas-Quarzporphyr und im Vergleiche mit Porphyrit (letzterer 
aus Plagioklas, nebst Hornblende oder Biotit bestehend gedacht) ein 
Quarzporphyrit zu nennen. Er ist in der Reihe der Porphyre dasselbe, 
was der Tonalit in der Granitgruppe. 

Zwischenglieder, welche den Quarzporphyrit und den Quarz- 
porphyr verbinden, sind bereits untersucht worden. So beschreibt 
Streng einen der „grauen Porphyre" des Harzes vom linken 
Abhänge des Bodethales unterhalb Lucashof, welcher aus Quarz, 
weißem frischem Orthoklas, weißem mattem Plagioklas, einem grünen 
Mineral nebst wenig Biotit bestellt und die Zusammensetzung c 
besitzt Je). Scheerer hat eine von Dr. Rübe ausgeführte Analyse 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Ahth. 20 



9 q •> 



eher in B k. 



eines braunen Porphyrs aus dem Travignolothal veröffentlicht 17 ), 
freilich ohne Angabe der mineralogischen Zusammensetzung. Die 
Zahlen stehen unter b. Das Travignolothal ist vom Pellegrinthale, 
mit dem es parallel verläuft, nur eine Meile entfernt und gleichfalls 
ein Seitenthal des Avisio- (Fassa-, Fleims-) thales. Die Zahlen für 
Quarzporphyrit gehen voran. 





a 


b 


c 


Kieselsäure . 


. . 66-75 


67-51 


67-54 


Thonerde 


. . 16-53 


1401 


14-97 


Eisenoxydul 


. . 414 


500 


516 


Kalkerde • . 


. . 4-71 


2-47 


2-84 


Magnesia 


. . 2-64 


2-41 


1-30 


Kali . . . 


. , 1-82 


355 


4-58 


Natron . . 


. . 2-86 


2-25 


2-28 


Wasser . . 


. . 212 


1-67 


108 


Titansäure . 


. . — 


0-47 


1-22 (Kohlensäure) 



101-57 99-34 100-97 



Quarzandesit. 

Die früheren Untersuchungen der Trachytgesteine haben keine 
Felsarten kennen gelehrt, in welchen plagioklastische Feldspathe und 
Quarz, beide sichtbar und in mineralogisch bestimmbarer Ausbildung 
vorhanden wären. Dagegen waren mehrere Analysen dichter und 
glasiger Massen bekannt, welche bald durch den überwiegenden 
Natrongehalt, bald auch durch die zugleich vorhandene größere Kalk- 
menge bei hohem Kieselgehalt die Vergesellschaftung von Quarz und 
plagioklastischem Feldspath erkennen ließen. Roth hat auf solche 
Analysen aufmerksam gemacht und erklärt, daß die betreffenden Ge- 
steine eigentlich nicht zu den Sanidingesteinen gehören, bei denen er 
die meisten vorläufig aufgezählt hatte i 8 ). 

Nun aber fanden sich in den Trachytgebieten Siebenbürgens 
Felsarten von ausgezeichneter Ausbildung der Gemengtheile, ver- 
schieden vom Quarztrachyt und Sanidintrachyt, bis auf die Quarz- 
krystalle gleich den Andesiten I9 ) jenes Landes. Stäche, der die 
Felsart zuerst beschrieb, nannte sie „älteren Quarztrachyt" oder 
„Dacit", von dem er sagt, daß er „die oligoklasreichen Gesteine 
unter den quarzführenden Trachyten" umfasse 20 ). v. Richthofe n 



Quarzführende Plag-ioklasgesteine. 293 

hatte manche dieser Gesteine schon früher untersucht, aber die Zu- 
sammensetzung nicht richtig erkannt 31 )- Eine genauere Beschreibung 
und Definition des Gesteines fehlt in Stach e's Arbeit, doch so viel 
geht aus derselben hervor, daß unter Dacit quarzführende Trachyte 
mit zweierlei Feldspath gemeint seien. Die deutlich ausgebilde- 
ten Felsarten von Rodna, Kisbanya, Nagyäk werden nämlich 
p. 75 als „hornblendereiche Sanidin-Oligoklastrachyte" angeführt. 
Nach einer Untersuchung des Gesteines von Rodna, Kisbanya, 
Nagyäk erkannte ich jedoch, daß in diesen Felsarten nur Krystalle 
von plagiokl astischem glasigem Feldspath (Mikrotin) neben Quarz 
eingeschlossen vorkommen, von Sanidin nichts zu sehen sei. Damals 
machte ich den Vorschlag, den Namen Dacit für solche Gesteine an- 
zuwenden, welche Quarz und Mikrotin, außerdem Hornblende und 
Biotit als erkennbare Gemengtheile zeigen 23 ). Zirkel führt die ge- 
nannten siebenbürgischen Gesteine als quarzführende Hornblende- 
Andesite auf, wobei er diese als Unterabtheilung des Hornblende- 
andesites darstellt, ferner macht derselbe auf Abich's Analysen süd- 
amerikanischer und transkaukasischer Gesteine aufmerksam, welche 
eine Zusammensetzung aus Mikrotin und Quarz ergeben, obgleich in 
den Gesteinen die außer Mikrotin zuweilen Hornblende, zuweilen 
Augit erscheinen lassen , kein Quarz sichtbar ist 2S ). Nach diesen 
Beobachtungen und Eintheilungen gäbe es : 1. Quarzandesite mit deut- 
licher Ausbildung der Gemengtheile (Dacite), und 2. solche, die den 
Quarz in der Grundmasse vertheilt enthalten und oft Hornblende, 
zuweilen auch Augit führen. 

Eine Untersuchung der Dacite war sehr zu wünschen. Es er- 
schienen auch in letzter Zeit Analysen mehrerer Dacite von E. v. 
Sommaruga 24 ), doch lassen dieselben in dem diesfalls wichtigsten 
Punkte, den Alkalien, leider viel zu wünschen übrig. Außerdem 
wurden aber von C. v. Hauer die in einigen Daciten eingeschlossen 
vorkommenden Feldspathe analysirt 35 ) , was die Kcnntniß des Ge- 
steines ungemein förderte. 

Im letzten Sommer hatte ich Gelegenheit mehrere der Dacite 
am Orte zu beobachten, ihr Auftreten und die merkwürdigen Ver- 
änderungen zu studiren, welche manche derselben im Laufe der Zeit 
erfahren haben. Diese Gesteine sind im Norden und im Westen Sie- 
benbürgens zu finden. In dem großen Trachytzuge des Ostens 
(Hargittakette) kommen sie nicht vor. Sie treten in einzelnen Kegeln 

20* 



2 94 T s <• I» e r m n k. 

oder in Gruppen weniger Kegel, niemals in größeren zusammenhän- 
genden Zügen auf. Öfters stehen sie mit Andesit in Verbindung, der 
sieh dann blos durch den Mangel an Quarz von ihnen unterscheidet. 
Sie bilden theils allein, theils zugleich mit Andesit das goldführende 
Gestein Siebenbürgens. In diesem Falle sind die Gesteine jedoch stets 
zu einer weißen, porzellanartigen, oder zu einer splittrigen, grünlichen 
Masse zersetzt. Vollständig frische Gesteine, in denen kein Gemengtheil 
zersetzt wäre, sind selten. Die Gemengtheile sind : Krystalle von Mi- 
krotin, Quarz, ferner von Amphibol oder Biotit in einer sehr feinkör- 
nigen bis dichten und halbglasigen Grundmasse. 

Im Allgemeinen unterscheidet man : 
I. Frischere Gesteine. Quarzführende Hornblende- und Biotit- 

andesite vom Ansehen des Andesites oder Diorites, seltener des 

rauhen Saniclintrachytes. 
II. Zersetzte Gesteine. Quarzführende weiße matte Gesteine, die 

zuweilen dem Quarzporphyr gleichen, oder grüne Gesteine, die 

sehr an die „Grünsteine" erinnern. 

Die frischer aussehenden Gesteine sind ausgezeichnete Felsarten. 
Die hellfarbigen Mikrotin- und Quarzkrystalle, so wie die schwarzen 
Amphibol- und Biotitsäulchen heben sich von der Grundmasse deut- 
lich ab. Typische Gesteine sind der Dacit aus dem Illowathal bei 
Rodna, der von Kisbanya und der vom Zuckerhut bei Nagyak. 

Das Gestein des Illowathales tritt daselbst zwischen (eocenem) 
Karpathensandstein auf, den es durchsetzt. Die Proben, welche ich 
untersuchte, erhielt ich durch die Freundlichkeit des Herrn Berg- 
ingenieurs F. Posepny, der dieselben in dem genannten Thale 
zwischen Magura und St. Joseph unterhalb Dialu Burlesi sammelte. 
Frische Stücke sehen blaßgrau aus und zeigen weiße und schwarze 
Punkte. Das deutlich porphyrische, schon an Granit erinnernde Ge- 
stein bricht flach, die blaßgraue Grundmasse ist matt, dicht, nicht 
felsitisch, weicher als Feldspath. Durch mikroskopische Betrachtung 
erkennt man darin weiße und grauliche Körnchen, die wohl als Feldspath 
und Quarz zu deuten sind, ferner grüne Punkte, wohl Hornblende. An den 
weißen Körnchen, die nicht allzuklein sind, konnte ich in einem Fall bei 
120facher Vergrößerung die Riefung auf der Spaltfläche erkennen, 
Diese Grundmasse überwiegt ein wenig die Einschlüsse, welche sind: 

Mikrotin — schneeweiße, kaum halbdurchsichtige, oft 8 Millim. 
lange Krystalle von den Flächen M, P, Tl x begrenzt, nach der 



Quarzführende Plagioklasgesteine. 295 

Klinodiagonale gestreckt, an der Oberfläche matt, im Bruche glas- 
glänzend, auf der Endfläche die Riefung deutlich zeigend. Die Menge 
der Krystalle beträgt nach meiner Schätzung etwas über 20 Pct. 
Wenn Herr C. v. Hauer nicht viel über 12 Pct. schätzt, so kann sich 
dies wohl nur auf die größeren Krystalle beziehen. Die Zusammen- 
setzung dieses Mikrotins ist nach v. Hauer: 

Kieselsäure . 54-53 

Thonerde 27-37 

Kalkerde .... .... 9-62 

Kali 1-81 

Natron 5-98 

Glühverlust _ 1-21 

100-52 

Aus der Vergleichung mit den meiner Arbeit über die Feld- 
spathe beigegebenen Tafeln ergibt sich sogleich, daß dieser Feldspath 
in die Andesinreihe zu stellen sei. So wie im Tonalit ist also auch im 
Dacit die Gesellschaft von Quarz und einem Kalkfeldspath erkannt. 

Quarz, in graulichen Doppelpyramiden, meist 3 bis 4 Millim. 
lang, an der Oberfläche matt. Die Menge beträgt etwa die Hälfte von 
der des Mikrotines. 

Hornblende — in kleinen schwarzen, im Bruche stark glänzen- 
den Säulchen, meist 5 Millim. lang, mit der Form der basaltischen 
Hornblende. Die Menge beträgt etwa 6 bis 8 Pct. 

Magnetit — eisenschwarze Octaeder, zuweilen 5 Millim. hoch, 
Menge sehr gering. 

Das Eigengewicht ist 2-650 und die Zusammensetzung nach der 
von Herrn F. W. Slechta ausgeführten Analyse: 

Kieselsäure ....... 66-41 

Thonerde 17-41 

Eisenoxyd 4'12 

Eisenoxydul Spur 

Kalkerde 3-96 

Magnesia 1-82 

Kali 1-65 

Natron 3-83 

Wasser 81 

10001 



290 T s p li e r m a k. 

Diese Zahlen geben ein Mittel, auch die mineralogische Zusam- 
mensetzung der Grundmasse beiläufig zu erkennen. 

L. Rechnet man die Alkalien und die ganze oder die halhe 
Menge der Kalkerde auf Feldspath, das Übrige von Magnesia, Kalk- 
erde, Eisen auf Hornblende, so bleiben mindestens 26 Pct. freie 
Kieselsäure, was 26 Volumpercenten Quarz entspricht. So viel ist 
nicht an Quarzkrystallen vorhanden. Es muß also noch etwas Quarz 
in der Grundmasse sein. 

2. Zieht man von obiger Analyse so viel ab, als 20 Pct. 
Andesin der gefundenen Zusammensetzung entsprechend fordern, 
so bleiben Kalkerde 2-04, Kali 1*29, Natron 2*73 Pct. übrig. Die 
8 Pct. Hornblende verlangen ungefähr 0*8 Pct. Kalkerde. (Nach 
den für basaltische Hornblende bekannten Analysen.) Somit blei- 
ben für die Grundmasse Kalkerde 1*24 gegen die obige Kali- und 
Natronmenge. Dieses entspricht einem Feldspath Oi^Al^An! , der 
ein kalireiches Glied der Oligoklasreihe wäre. Ob man sich nun 
einen oder zwei Feldspathe in der Grundmasse denkt, so viel ist 
sicher, daß außer dem in Krystallen im Gestein eingeschlossenen 
Andesin noch ein kalkarmer natronreicher Feldspath in der Grund- 
masse auftritt. 

Das Resultat dieser Rerechnungsversuche, welche für die 
Grundmasse Quarz und einen triklinen Feldspath ergeben, stimmt 
vollkommen mit der mikroskopischen Reobachtung. Die Analyse 
v. Sommaruga's, welche in dem Gestein blos 0-74 Pct. Natron 
angibt, kann in diesem Punkte nicht richtig sein, denn schon die 
20 Pct. Andesin erfordern 1 -2 Pct. Natron, und außerdem findet sich 
noch ein plagioklastischer, folglich natronhaltiger Feldspath in der 
Grundmasse. 

Außer dem Gesteine des Ulowathales kommen auch noch andere 
Dacite in der Umgebung von Rodna vor. Sie haben entweder Riotit 
und Hornblende, oder blos Riotit. Die Textur ist dieselbe wie bei der 
vorgenannten Felsart se). 

Rei dem Gesteine des Ulowathales muß ich noch bemerken, daß 
v. Richthofe n ein quarzführendes Gestein unter den in Californien 
auftretenden trachytischen Rildungen mit der Ulowaer Felsart ver- 
gleicht 37 ). Restätigt sich diese Ähnlichkeit, dann dürften die in dem 
fernen Goldlande gefundenen granitähnlichen Trachyte gleich sein 
mit dem Dacit des siebenbürgischen Goldfeldes. 



Quarzführende Plagioklasgesteine. 297 

Der Dacit von Kisbanya, welcher in der Nähe dieser Ortschaft 
im Granitgebiete (Granitit nach Stäche) auftritt, hat eine dichte, 
etwas schimmernde blaßgraugrüne, fast felsitische Grundmasse, darin 
viele kleine und einzelne größere (8 Millim.) weißliche durchschei- 
nende Mikrotinkrystalle, grauliche Quarzkörner, viel weniger als Mi- 
krotin, Biotitsäulchen, etwa so viel als Quarzkörner, endlich Horn- 
blendesäulchen, die in eine graue chloritische Substanz umgewandelt 
sind. Einzelne Mikrotinkrystalle sind zum Theil in Epidot verwan- 
delt. Einschlüsse die Grundmasse fast überwiegend, v. Sommaruga 
fand in dem Gesteine 64*69 Kieselsäure, 16*94Thonerde, 6-06 Eisen- 
oxydul, 3-95 Kalkerde, also nahe dasselbe wie im Gesteine des 
Illowathales. Dem Kisbanyer Dacit nähern sich im äußeren Ansehen 
die frischeren Partien des Dacites von Verespatak und von Boiza, 
doch gibt es an diesen Punkten nur selten ein Stück, das nicht ganz 
zersetzt wäre. 

Der Dacit von Nagyak, welcher im Westen dieses Bergortes an 
der Zuckerhut genannten Kuppe vorkömmt, unterscheidet sich im 
äußeren Ansehen sehr merklich von dem vorigen. Das Gestein im 
Illowathal erinnert an Granit, das von Kisbanya sieht wie ein Felsit- 
porphyr aus, der Nagyager Dacit hat ein echt traehytisches Ansehen. 
Die gelblichgraue Grundmasse ist matt, rauh, erdig, mit vielen winzi- 
gen Pünktchen von Biotit und Hornblende. Darin liegen viele ziemlich 
große (6 Millim.) durchsichtige stark glänzende Mikrotinkrystalle mit 
ausgezeichneter Riefung, grauliche Quarzkörner von fast gleicher Größe 
aber nicht bedeutender Anzahl, endlich dicke Säulen von Hornblende 
und Biotit, öfters über erbsengroß. Einschlüsse gegen die Grund- 
masse fast überwiegend. Dieser Felsart ist der größere Theil des 
Dacites vom Colcu Cioramuluj bei OfFenbanya sehr ähnlich. In dem 
letzteren fand v. Sommaruga 64-21 Kieselsäure, 16-51 Thonerde, 
5-76 Eisenoxydul, 4-12 Kalkerde, also nahe die Zahlen wie bei dem 
Gestein des Illowathales. 

Von größerer Wichtigkeit als die eben besprochenen frischeren 
Gesteine sind für den Bergbau die zersetzten Massen, die aus dem 
Dacit und Andesit entstanden, jetzt in Klüften goldhaltigen Eisenkies 
und andere Sulfite führen. Die aus dem Dacit hervorgehenden Ge- 
steine sind entweder kreideartig weiß bis graulich, oder dicht und 
grün gefärbt. Außer den Quarzkrystallen enthalten besonders die 
weißen Gesteine oft Pseudomorphosen von Mikrotin, Hornblende, Biotit 



208 T s o h o r m a k. 

herrührend. Da die Pseudomoi*phose des Biotites oft weiß und perl- 
mutterglänzend aussieht, so mag sie wohl für Kaliglimmer gehalten 
worden sein, und die Angaben Staehe's, daß weißer Glimmer 
in derlei Gesteinen vorkomme (pag. 57 und 517), mag sich hier- 
auf beziehen. Kaliglimmer ist noch niemals im Trachyt gefunden 
worden. 

Das weiße Gestein von Rodna, von Herrn Posepny im 
Szamosthal bei St. György gesammelt, hat das Ansehen eines sehr 
feinkörnigen Dolomites. Es enthält grauliche Quarzkörner, grünlich 
weiße perlmutterglänzende Blättchen (Biotitpseudomorphosen) ohne 
eigentliche Spaltbarkeit und zersetzte Mikrotinkrystalle. 

Das weiße Gestein von Verespatak, das Muttergestein des Gol- 
des, ist durch die großen Quarzkrystalle ausgezeichnet. Es hat eine 
scheeweiße bis grauweiße bald dichte schimmernde, bald kreideartig 
matte Grundmasse. Darin liegen Quarzkrystalle, die oft nußgroß 
sind und bei der Verwitterung herausfallen. Die zuweilen erhaltenen 
Mikrotinpseudomorphosen lassen erkennen, daß die früheren Kry- 
stalle dieses Minerales verhältnißmäßig groß waren. Bei der totalen 
Zersetzung bleiben oft Hohlräume mit Quarzkrystallen ausgekleidet. 
Außerdem finden sich Höhlungen von der Form der Hornblende und 
des Biotites , zuweilen mit Eisenkies ausgekleidet oder erfüllt. 
Partienweise ist das Gestein verquarzt , hornsteinartig , so im 
Süden des Kirnik an der Piatra Corbuluj. Auf Klüften finden sich 
allenthalben Quarz, Hornstein, Manganspath, Kalkspath, Pyrit, der 
oft goldhaltig ist, auch andere Sulfite, selten Gold. Die Verwitte- 
rungsrinde erscheint gelblich. Dieses Gestein setzt zum großen Theil 
die Berge im Süden des Bergortes Verespatak zusammen, es bildet 
den Kirnik und die nördlichen Abhänge des Boi (Affinis). Dasselbe 
überlagert (nach Posepny) die conglomeratischen und sandstein- 
artigen Eruptivtuffe , welche aus Trümmern von verändertem Dacit 
und Glimmerschieferbruchstücken bestehen, und reich an Quarz 
Chalcedon und Pyrit sind. 

Diese Tuffe , welche auf dem (eocenen) Karpathensandstein 
liegen, bilden im Norden und im Süden des Dacites große, oft deut- 
lich geschichtete Massen, welche an Quantität den Dacit bedeutend 
übertreffen. Sie sind eben so gut goldführend wie der massige 
Dacit, daher der Name goldführender Sandstein F. v. Hauers. 
Wegen der innigen Verbindung der Trümmer durch quarzige Masse 



Quarzführende Plagioklasgesteine. 299 

wurden die quarzigen Tuffe zuweilen für ursprüngliche Gesteine 
gehalten, daher wohl auch die Angabe v. Ri ehthofen's, daß 
in diesem quarzhaltigen Trachyt Kaliglimmer vorkomme 28). — 
Der Kaliglimmer rührt aber von dem eingeschlossenen Glimmer- 
schiefer her. 

Im Norden und im Osten von Verespatak erheben sich Kegel 
von Andesitconglomerat (Eruptivconglomerat) und Andesit, welche 
jünger als der Dacit erscheinen. Oberhalb des Abhanges Affinis be- 
steht am Gipfel des Felsens ein kolossaler Verhau, Cetate genannt, 
dessen Gestein der vorgenannte sandsteinartige Tuff ist. Cottas») 
hat bezüglich der Cetate mehrere irrige Angaben veranlaßt, indem 
er dieselbe mit dem östlich davon liegenden Kirnik identificirte, 
ferner als Cetategestein eine verkieselte Dacitbreccie aufführt, die 
indeß nicht an der Cetate vorkommt, auch kein ursprüngliches 
Gestein ist, wofür Cotta dieselbe erklärte. Auch in Stache's 
Beschreibung des Gesteines sind diese Angaben übergegangen. Eine 
gründliche Darlegung der Verhältnisse ist demnächst von Posepny 
zu erwarten, welchem ich die obigen Notizen bezüglich der Lage- 
rung verdanke. 

Der weiße Dacit von Boiza unterscheidet sich von der Felsart 
Verespataks blos durch die Kleinheit der Quarzkrystalle. In der 
kreideähnlichen Masse sitzen viele kleine (2Millim.) Quarzpyramiden. 
Poröse Stellen von gelblicher Färbung bezeichnen die Reste von 
Hornblende und Biotit. Stellenweise finden sich Kaolinkörper, die 
noch die Umrisse des Mikrotins haben und perlmutterglänzende 
Schuppen als Überbleibsel des Biotites. 

Dieses Gestein setzt in der Gegend von Boiza die Kuppe des 
Svridiel und die östlich davon aufragende Höhe zusammen, in wel- 
chen beiden viele Goldbaue liegen. Die geologische Combination ist 
ungewöhnlich. Im Süden des Städtchens zieht W. — 0. eine Kette von 
Jurakalk. Im Liegenden desselben findet sich Melaphyr und Mandel- 
stein, die an den Vorhügeln und in den Thälern erscheinen. Karpa- 
tensandstein umgibt als jüngeres Sediment diesen Gebirgszug. Bei 
Boiza erhebt sich zwischen Jurakalk Melaphyr und Sandstein der 
Dacit zu einem alles überragenden Kegel. Der goldhaltige Pyrit 
kommt nicht nur im Dacit vor, sondern reicht auch hinab in den zer- 
setzten Melaphyr, welcher sich unterhalb ausdehnt. Bleiglanz, Blende, 
Fahlerz, Baryt begleiten ihn. 



300 



r in a k. 



Als Heispiel der grünen zersetzten Daeite kann ein Gestein 
gelten, das in den Nagyager Gruben häufig auftritt. Die Textur ist 
porphyrisch, die Farbe graugrün, die Grundmasse dicht, etwas split- 
trig, aber weich, mit dem Messer leicht ritzbar. 

Kleine Krystalle von halbdurchsichtigem Mikrotin und Quarz- 
körner liegen darin, außerdem Biotitpseudomorphosen vom An- 
sehen des Chlorites. In den Klüften Calcit. Ähnlich ist der zersetzte 
Dacit von der Breaza bei Zalatna, der indeß außer Mikrotin und 
Quarz chloritische Hornblendepseudomorphosen in großer Menge 
enthält. Daß der Dacit bei der Zersetzung einmal eine porzellanartige 
weiße, ein anderes Mal eine splittrige grüne Grundmasse liefert, 
scheint iu der ursprünglichen Zusammensetzung der Grundmasse zu 
liegen. Es ist dies derselbe Unterschied, welcher das Aussehen der 
grünsteinartigen und der porösen rauhen Andesite bedingt. 

Da das Gold immer nur im zersetzten älteren Andesit undQuarz- 
andesit und in dessen Tuff, außerdem nur in dem knapp daran liegen- 
den fremden Gestein (Karpatensandstein in Verespata'k, Melaphyr in 
Boiza) vorkömmt, so erscheint es mir nicht zweifelhaft, daß das Gold 
aus dem älteren Andesit und Quarzandesit stammt, und bei der Zer- 
setzung derselben in den Gesteinklüften mit anderen Zerlegungs- 
produeten abgesetzt und in solcher Weise concentrirt wurde. 

Nicht alle Gesteine, welche die Zusammensetzung des Dacites 
haben, zeigen so wie dieser den Quarz in wahrnehmbaren Krystallen. 
In Siebenbürgen selbst , häufiger aber in Ungarn, kommen Gesteine 
vor, die ausgezeichnete Mikrotinkrystalle in einer felsitischen oder 
glasigen Grundmasse zeigen. So an der Piatra Vunet bei Offenbanya 
eine Felsart, die eine schwärzlich -graue, halbglasige Grundmasse 
besitzt, worin schwarze Hornblende und Biotitkrystalle und viele grö- 
ßere gelbliche Mikrotinkrystalle liegen, so in der Gegend vonSchem- 
nitz, wo ähnliche Gesteine nicht selten sind. Von diesen Felsarten 
sind indeß gegenwärtig noch keine genaueren Analysen bekannt, 
welche diese Stellung im Systeme bestätigen würden. Dagegen liegen 
Untersuchungen von Ab ich, ferner von G. v. Rath vor, welche, 
wie Zirkel gezeigt hat, mehrere Gesteine in Transkaukasien, 
Süd-Amerika und den Euganeen zu den felsitischen Quarzandesiten 
stellen. 

A b i c h hat im Verlaufe seiner umfangreichen Untersuchungen 3 <>) 
auch Andesite mit sehr deutlichen Mikrotinkrystallen analysirt, die 



Quarzführende Plagioklasgesteine. 301 

zwar keinen Quarzgehalt erkennen lassen und eine dichte zuweilen 
hornsteinartige Grundmasse zeigen, aber eine solche chemische Zu- 
sammensetzung besitzen, deren Interpretation auf eine nicht ganz 
unbedeutende Menge freier Kieselsäure führt. Solche Gesteine finden 
sich am Ararat, Kasbek, Chimborazo, Guagapichincha. 

Das Hof-Mineraliencabinet besitzt Felsarten vom Kasbek, ge- 
sammelt von Professor Kolenati, deren Aussehen vollständig mit 
Abich's Beschreibungen harmonirt. Sie haben eine dichte, zu- 
weilen fast felsitische Grundmasse, worin leicht erkennbare weiße 
Mikrotinkrystalle. In einer dieser Felsarten vom Kasbekgipfel er- 
kannte ich eine sehr eigenthümliche Textur. Die Masse desselben 
wird von kleinen braunen Felsitkörnchen und von Mikrotinkrystallen 
gebildet. Bei allen diesen Felsarten darf man schon nach dem äuße- 
ren Ansehen der Grundmasse auf freie Kieselsäure schließen. 

G. v. Rath beschrieb in seiner verdienstvollen Arbeit über die 
Euganeischen Trachyte 31 ) unter dem Namen Oligoklastrachyt solche 
Felsarten , die zum Theil hieher gehören dürften Wenn auch 
v. Rath nicht geneigt ist, in denselben freie Kieselsäure anzuneh- 
men, so läßt doch die Zusammensetzung eines dieser Gesteine, näm- 
lich der Felsart vom Monte Alto keine andere Deutung zu, als daß 
mindestens 18 Pct. freier Kieselsäure vorhanden seien. 

Um die Ähnlichkeit zwischen der Zusammensetzung des Dacites 
und dem chemischen Bestände der zuletzt erwähnten Felsarten her- 
vorzuheben, stelle ich die Analysen zusammen: 

12 3 4 5 6 

Kieselsäure . . 66-41 65-46 69-47 65-09 67-07 68-18 

Thonerde . . 17-41 15-36 14-98 15-58 13-19 13-65 

Eisenoxyd . . 4-12 — 2-31 3-83 4-74 — 

Eisenoxydul. . — 6-65 1-04 1-73 Mn.0-32 6-69 

Kalkerde . . . 3-96 4-24 4-68 2-61 3-69 2-23 

Magnesia . . 1-82 2-11 0-98 4-10 3-46 0-42 

Kali .... 1-65 1-33 1-46 1-99 2-18 1-73 

Natron . . . 3-83 4-09 4-46 4-46 4-90 6-00 

Glühverlust (h 8 o)Q-81 0-34 0-35 0-41 0-30 0-55 

10001 99-58 99-73 9980 99-85 99-45 

s= 2-650 2-635 2-595 2-685 2-580 2-545 

1. Dacit aus dem Illowathal bei Rodna. 

2. Araratgestein mit zahlreichen Mikrotinkrystallen, undeutlichem 



302 T s c h e r m n k. 

Amphibol und Biotil in einer schwarzgrauen hornsteinähnlichen 
Grundmasse. 

3. Gipfelgestein vom großen Ararat, sehr feinkörnig, licht aschgrau, 
mit sehr vielen glasglänzenden Mikrotinkry stallen, wenig Horn- 
blende und vielen glasglänzenden Punkten, vielleicht Quarz. 

4. Chimborazogestein aus 15180 Fuß Seehöhe, mit vielen klei- 
nen und einigen ziemlich großen Feldspathkrystallen, wenig 
Hornblende, Partien von grünem Augit und fein eingesprengtem 
Magnetit. 

5. Gestein vom Guagapichincha aus 14248 Fuß Seehöhe, mit 
schwarzer pechsteinartiger Grundmasse, worin Mikrotintafeln, 
grauer Augit, zerstreute Punkte von Magnetit. 

6. Gestein vom Monte Alto in den Euganeen mit feinschuppiger 
brauner Grundmasse, worin viele 1 — 2 Linien große durchsich- 
tige Mikrotine, viele Hornblendenadeln und spärliche sehr kleine 
Biotitblättchen. 

Der Dacit und die ihm gleichkommenden Quarzandesite sind 
in chemischer Beziehung durch einen bedeutenderen Natrongehalt 
charakterisirt, der die Menge des Kali übertrifft. Gesteine, welche 
bei gleichem Kieselgehalte eine größere Kalimenge aufweisen als der 
Dacit, werden als Übergangsglieder zwischen Dacit und Quarztrachyt 
anzusehen sein. Solcher intermediärer Gesteine gibt es natürlicher 
Weise sehr viele, weil ja eine Abgrenzung der Gesteinstypen nicht 
existirt. Als ein Beispiel führe ich ein Gestein an, welches im öst- 
lichen Kärnten nächst Prevali und Straschischa im Gebiete des Thon- 
glimmerschiefers auftritt und in der Nähe eines anderen grünstein- 
artigen granatenführenden Amphibolandesites vorkömmt. Dasselbe ist 
grau, zeigt eine matte aschgraue dichte Grundmasse, worin viele 
kleine Mikrotinkrystalle und kleine Biotitblättchen, wenig Quarz- 
körner zu sehen sind. Die Grundmasse überwiegt ein wenig gegen 
die Einschlüsse. Das Eigengewicht ist 2-661. Die chemische Zusam- 
mensetzung nach der Analyse des Herrn Hauptmannes S. Streit: 

Kieselsäure 63-44 

Thonerde 19-31 

Eisenoxyd 1-61 

Eisenoxydul ....... 1-08 

Kalkerde . 3-97 



Quarzführende Plagioklasgesteine. 303 

Magnesia 1-94 

Kali . 3-58 

Natron . 3-64 

Wasser 2-06 

100-63 
Wenngleich in dem Gestein kein Sanidin zu bemerken ist, so 
weist doch der bedeutende Kaligehalt darauf hin, daß in der Grund- 
masse ein Kali-Feldspath auftrete. 

Vergleichung der quarzführenden Plagioklasgesteine. 

Der Tonalit bildet den mächtigen Gebirgsstock des Adamello, 
welcher der Reihe der alten krystallinischen Formationen zugehört. 
Der Südtiroler Quarzporphyrit ist ein Bestandteil jener mächtigen 
Porphyrdecke, welche zwischen dem Thonglimmerschiefer und der 
Trias der Südalpen zu liegen kommt. Der Dacit ruht auf dem als 
eocen angenommenen Sandstein der östlichen Karpaten. 

Das geologische Alter dieser Gesteine ist demnach ein sehr ver- 
schiedenes, die mineralogische Zusammensetzung derselben aber ist 
gleich : Plagioklas und Quarz nebst Biotit und Hornblende, im Dacit 
hat der Plagioklas das glasige Ansehen. Die Textur ist beim Tonalit 
großkörnig, bei den beiden anderen porphyrisch. 

Die chemische Zusammensetzung der drei Gesteine ist unge- 
mein wenig verschieden, wie aus der Zusammenstellung der drei 
früher angeführten Analysen hervorgeht: 





Tonalit 


Q.-Porphyrit 


Dacit. 


Kieselsäure . 


. . . 66-91 


66-76 


66-41 


Thonerde . . 


. . 15-20 


16-53 


17-41 


Eisenoxyd . 


. . 6-45 


4-60 


412 


Kalkerde 


. . . 3-73 


4-71 


3-96 


Magnesia 


. . . 2-35 


2-64 


1-82 


Kali . . . . 


. . 0-86 


1-82 


1-65 


Natron . . 


. . 3-33 


2-86 


3-83 


Wasser . . 


. . 0-16 


212 


0-81 



98-99 10203 100-01 

Von den Feldspathen dieser Gesteine sind die des Tonalites 
von G. v. Rath und des Dacites von C. v. Hauer untersucht. Aus 
der folgenden Zusammenstellung wird man die Ähnlichkeit erkennen, 
welche die chemische Zusammensetzung derselben zeigt: 



304 



T s c h e r in a k. 





i. 


2. 


3. 


4. 


Kieselsäure . . 


. 5815 


56-79 


54-53 


57-20 


Thonerde . . 


. 26-55 


28-48 


27 37 


2512 


Kalkerde . . . 


. 8-66 


8-56 


9-62 


6-96 


Magnesia . . 


. . 006 


000 


— — 


Spur. 


Kali .... 


• 


0-34 


1 81 


1-87 


Natron . . . 


. 6-28 


610 


5-98 


7-28 


Glühverlust . . 


. . 0-30 


0-24 


1-21 


i 68 




10000 


100-51 


100-52 


100-11 




s = 2-676 


2-695 


2-636 


2-585 


1 . und 2. aus dem Tonalit des Val San Valentino , 


3. aus dem 



Dacit im Illowathal bei Rodna, 4. aus dem Dacit von Nagy-Sebes. 

Alle diese Feldspathe gehören in die Andesinreihe. 
Man darf daher sagen , daß die genannten Gesteine durch Andesin 
charakterisirt werden. 



Anmerkungen. 



J ) So wie man alle monoklinen orthoklastischen Feldspathe, welche auch durch den 
vorwiegenden Kaligehalt charakterisirt sind, unter der generellen Bezeichnung 
Orthoklas zusammenfaßt, so empfiehlt es sich als zweckmäßig, alle die triklinen, 
plagioklastischen Feldspathe, die sich überdies durch den Kalkerde- und Natron- 
gehalt von den vorigen unterscheiden, unter dem aligemeinen Namen Plagioklas 
zu begreifen. (S. meine Studien über die Feldspathgruppe in den Sitzungsber. 
der Wiener Akademie, Bd. L. pag. 566.) 

Bei dem Plagioklas kann man dem bisherigen Gebrauche entsprechend, folgende 
Unterabtheilungen machen: 

Pct. Kalkerde und 12 bis 10 Pct. Natron 



Albit mit 


bis 2 


Oligoklas „ 


2 „ 6 


Andesin „ 


6 „ 10 


Labradorit „ 


10 „ 13 


Bytownit „ 


13 „ 17 


Anorthit „ 


17 „ 20 



10 „ 


8 


8 » 


5 


5 „ 


3 


3 „ 


1 


1 „ 






So wie man ferner die glasig und rissig ausgebildete Abänderung des Orthoklas 
als Sanidin bezeichnet, so kann man für die glasige und rissige Abänderung des 
Plagioklas die Bezeichnung Mikrotin anwenden. 

2 ) In der Zeitschrift der deut. geol. Gesellsch. (1864) Bd. XVI, p. 249. 

3 ) Ebendaselbst (1865), Bd. XVII, p. 569. 

4 ) Poggendorff's Annalen Bd. XC, p. 125(1853). 

5 ) Quarterly Journal of the geological society of London 1856, Bd. XII, p. 171 
and 1858, Bd. XJV, p. 301. 



Quarzführende Plagioklasgesteme. 305 

6 ) Zeitschr. d. deut. geol. Ges, 1849. Bd. I, p. 373. 

7 ) Die quarzführenden Porphyre. 1855. 

8 ) Lehrbuch der Geognosie. 1858, Bd. I, p. 599. 

» 9 J In dem grauen Porphyr des Bodethales. Jahrb. für Mineralogie 1860, p. 267. 

1°) In den Felsitporphyren von Halle. S. d. Zeitsch. d. deut. geol. Ges. 1864. Bd. XVI, 
p. 367. 

il ) Da gegenwärtig schon eine Anzahl von Porphyren bekannt ist, welche bei unbe- 
waffnetem Auge keinen Quarz erkennen lassen, aber eine sehr kieselreiche Felsit- 
masse darstellen, in welcher meist Feldspathkrystalle eingeschlossen erscheinen, 
so möchte es vielleicht zweckmäßig sein, diese als Felsitporphyre zu bezeichnen, 
während unter Quarzporphyr solche Orthoklasgesteine zu verstehen wären, welche 
deutlich wahrnehmbaren Quarz führen. 

12 ) Memoires de Ia soc. geol. de France II. serie, T. IV, p. 301 (1852). 

13 ) Berichte über die Verhandlungen der naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg. 
I. Bd., p. 544 und II. p. 215. 

l*) Geognostische Beschreibung von Südtirol. Mit einer geognostischen Karte. 1860, 

p, 120. 
l5 J Diese Analyse ist so wie die des Dacites von Rodna und des Trachytes von Prevali 

im Laboratorium des Herrn Prof. Redtenbacher ausgeführt. 

16 ) Jahrbuch für Mineralogie 1860, p. 267. 

17 ) Über die chemische Constitution der Plutonite. Abdruck aus der Zeitschrift für 
das Jubiläum der Freiberger Akademie 1866. p. 34. 

18 ) Die Gesteinsanalysen 1861. p. XXXIV. 

19 ) Nach dem Vorschlage Roth's werden bekanntlich alle jeneTrachytgesteine, welche 
als hauptsächlichen Bestandtheil einen triklinen Feldspath enthalten , als An- 
desiie bezeichnet und die Unterabtheilungen : Amphibolandesit und Augitandesit 
gemacht. In Siebenbürgen und Ungarn finden sich auch ausgezeichnete Biotit- 
andesite. 

30 ) Geologie Siebenbürgens von F. v. Hauer und G. Stäche 1863. p. 71. 

31 ) Jahrbuch der geolog. Reichsanstalt 1860. Bd. XI, pag. 153. 

32 ) Jahrbuch d. geol. Reichsanstalt 1866. Bd. XVI. Verh. p. 65 
23 ) Lehrbuch der Petrographie 1866, Bd. II, p. 207 und 221. 

2 *) Jahrbuch der geologischen Reichsanstalt 1866. Bd. XVI, p. 461. Daß die Alkalien- 
bestimmung in diesen Analysen nicht richtig sein könne, ergibt sich sogleich 
aus dem Umstände, daß die untersuchten Gesteine sämmtlich reich an plagioklasti- 
schem Feldspath sind und keinen Sanidin erkennen lassen, während die Analysen nur 
0"28 pCt. bis 138 pCt. Natron angeben. Bei dem Gestein aus dem Illowathal stellt 
sich der Vergleich zwischen der im Texte angeführten Analyse von Slechta 
und der von Sommaruga wie folgt : 

Slechta v. Sommaruga 

Kieselsäure 6641 6621 

Thonerde 17*41 17*84 

Eisenoxyd 4'12 617 

Kalkerde 396 464 

Magnesia 182 0'47 



oüb Tsehermak. Quarzführende I'lagioklasgestcine. 

Kali 165 3'84 

Nation 3-83 0.74 

Wasser 081 1 '26 (G lüh v.) 

10001 101-17 , 

In allen von mir publicirten Analysen ist die Alkalienbestimmung eine direete 
aus Kaliuniplatinchlorid und Chlornatrium, während v. S omni a rüg a die Alkalien 
nicht einzeln gewogen, sondern aus der Summe der Chloralkalien und deren Chlor- 
menge berechnet hat. 

25 ) Verhandlungen der geolog. Reichsanstalt 1867, Nr. I, p. 12. 

26 ) S. Posepny im Jahrb. der geolog. Reichsanstalt 1865, Bd. XVI, Verh., p. 163. 
37 ) Zeitschr. der deut. geolog. Gesellschaft 1864, Bd. XVI, p. 609. v. Richthofen 

will für diese Felsarten die Namen Nevadit, Liparit und Rhyolith vorschlagen. 

28 ) Jahrb. d. geolog. Reichsanstalt 1861, Bd. XI, p. 167. 

29 ) Gangstudien, Bd. IV, pag. 66. 

30 ) Über die Natur und den Zusammenhang der vulkanischen Bildungen. 1831. 

Über die geolog. Natur des armenischen Hochlandes. 1843. 

31) Zeitschrift d. deut. geolog. Gesellschaft (1864), Bd. XVI, p. 500. 



Grab er. Zur Entwickelungsgeschichte u. Reproductionsfähigkeit etc. 307 



Zur Entwickelungsgeschichte und Reproductionsfähigkeit der 

Orthopteren. 

Von Vitas Gräber, 

stud. phil. in Innsbruck. 

(Mit 4 Tafeln.) 

(Vorgelegt in der Sitzung vom 3. Jänner 1867.) 

Da es selbst mit Aufopferung vieler kostbarer Zeit nicht so leicht, 
ja oft geradezu unmöglich ist, gewisse biologische Beobachtungen 
im Freien zu machen, so habe ich mir nach dem Beispiele anderer 
Biologen gleichfalls einen eigenen Schaukasten (aus Glas) an einem 
recht sonnigen Platze aufgestellt und den Boden desselben, damit es 
unseren Thierchen nie an entsprechender und frischer Nahrung fehle, 
mit einem blumigen Rasenteppich belegt. 

Dadurch ward es mir möglich, namentlich über die Häutungen 
der Orthopteren , manches Interessante zu beobachten, was andern 
Orthopterologen ganz oder theilweise entgangen ist. 

Im Folgenden werde ich es nun versuchen, das Ergebniß meiner 
diesbezüglichen Studien, welche allerdings erst vor zwei Jahren be- 
gannen, auf möglichst gedrängtem Räume darzustellen, und würde 
mich außerordentlich freuen, wenn es mir wirklich gelungen wäre, 
durch meine Beobachtungen die Entwicklungsgeschichte der Ortho- 
pteren auch nur eine kleine Strecke weitergebracht zu haben. 

Zur Entwickelungsgeschichte. 

Nach der Art und Weise, wie die Ansätze der Flugwerkzeuge in 
den zwei letzten Entwickelungsstadien an Meso- und Metanotum an- 
gefügt sind, können wir die Orthopteren zum übersichtlichen Studium 
ihrer Entwickelungsgeschichte in zwei Classen abtheilen: bei der 
ersten Classe, wozu sämmtliche Forficidina, Blattina und Mantodea 
gehören (wahrscheinlich auch die Phasmodea^), haben die Flügel- 
ansätze in allen Stadien im Allgemeinen dieselbe Lage; erscheinen 
als mehr oder minder starke lappenartige Erweiterungen des hinteren 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Abth. 2i 



308 Grab er. 

Außenrandwinkels am Meso- und Metanotum, und hangen die der 
einen mit denen der andern Seite gleichsam durch eine mittlere 
Rückenlinie zusammen (quasi in linea dorsi mediana cohaerere vi- 
dentur ')• Fig. 8, T. II, veranschaulicht die allmähliche Flügelent- 
wickelung dieser Classe an den Jungen einer Blatta germanica L. 

In der ersten Figur («), welche die jüngsten zwei Stadien dar- 
stellt, sind die hinteren Außenrandwinkel des Meso- und Metanotums 
(a und /3) nur wenig verlängert; im dritten und vierten Stadium (6) 
dagegen schon deutlich lappenförmig erweitert und umschließen mit 
ihrem Innenrande die erste und zweite Rückenschiene. Im letzten 
(fünften) Entwickelungsstadium (c) sind die Läppchen noch größer, 
umfangen bogenförmig die drei ersten Rückenschienen und zeichnen 
sich weiter noch durch ein deutliches Geäder aus, das dem der voll- 
ständig ausgebildeten Flügel (im Kleinen) genau gleich ist. In all" 
diesen fünf Bildungsphasen aber sind die Flügelansätze der einen mit 
denen der anderen Seite innig verwachsen, also unfrei und von hori- 
zontaler Lage. 

Die übrigen Orthopterenfamilien nämlich die Gryllodea, Locu- 
stina und Akridiodea, welche wir in eine zweite Classe stellen wollen, 
zeigen eine von den früheren mehrfach verschiedene Flügelbildung. 
Allerdings kommen auch bei ihnen die ersten Spuren der späteren 
Flugwerkzeuge als kleine seitliche lappenförmige Anhängsel des 
Meso- und Metanotums zum Vorschein, lieg«n aber nicht mehr hori- 
zontal, wie wir es bei der früheren Abtheilung gesehen haben, sondern 
vertical an den Köperseiten. Taf. IV, Fig. 1, 2 und 3 zeigt diese 
lappigen Flügelansätze im ersten, zweiten und dritten Stadium einer 
Feldgrille. 

Ein weiterer und sehr auffallender Unterschied in der allmähli- 
chen Flügelentfaltung dieser Classe von der früheren besteht darin, 
daß (gewöhnlich) bei den zwei letzten Entwickelungsphasen die An- 
sätze der Flugwerkzeuge ihre frühere verticale Seitenstellung mit 
einer mehr horizontalen oder dachförmig gegeneinander geneigten 
Rückenlage vertauschen, d. i. sich gleichsam an der Haftstelle des 
Meso- oder Metanotums (Taf. III, Fig. 6 und 7, a— 7) um- und auf- 
stülpen, wobei benannte Verbindungslinie bedeutend kürzer wird, 
und die früheren nur lappenförmigen Anhängsel die Gestalt wirklicher 



i ) Fischer, Orthoptera Europaea pag. 35. 



Zur Entwicklungsgeschichte u. Reproductionsfähigkeit d. Orthopteren. 309 

kleiner und ganz freiliegender Flügelscheiden annehmen, die unter- 
einander in gar keiner Verbindung stehen, und deßhalb ohne das 
Meso- oder Metanotum zu verletzen, von ihrer Haftstelle abgelöst 
werden können (Taf. IV , Fig. 7 , ß) , was bei der früheren Classe 
nie geschehen kann, da in derselben die Flügelansätze aller Stadien 
mit dem Meso- und Metanotum unzertrennlich verwachsen sind. 

Die Entwickelung der Flugwerkzeuge ist also in dieser zweiten 
Abtheilung von doppelter Art, nämlich in den ersten Stadien unfrei 
und vertical, in den letzten Phasen ganz frei und horizontal oder (be- 
sonders im letzten Entwickelungsstadium) mehr dachförmig. 

Über die Entwickelung der in die erste Classe gehörigen Familien 
haben wir zu dem von Fischer Mitgetheilten nichts Neues oder 
Berichtigendes beizufügen und beschäftigen uns lediglich mit jenen 
Familien, die wir eben durch das Vorhandensein eigentlicher Flügel- 
scheiden in den letzten Stadien charakterisirt haben. 

G r y 1 1 o d e a. 

Unsere Feldgrille, an der ich die Entwickelung dieser Familie 
studirte, macht vom Ausschlüpfen aus dem Ei bis zur vollständigen 
Ausbildung fünf *) Stadien durch, von denen, wenigstens in hiesiger 
Gegend, die ersten vier auf den Sommer und Herbst, und das letzte 
sowie ein Theil des vorletzten auf das nächste Frühjahr entfällt, d. h. 
sie häutet sich vor dem Winter drei- und nach demselben noch 
zweimal. 



*) Nach den neuesten über die Entwickelung' der Forficulinen und Mantiden gemach- 
ten Beobachtungen („Die Häutungen der Gespenstheuschrecke, Mantis reliyiosa 
von Pagenstecher 8 im Archiv f. Naturgeschichte XXX. pag. 7 — 25. Taf. I; 
„Anatomisk Undersogelse af de Danske Orentviste, ved Fr. Me inert. Forste 
Afdeling". [Naturhist. Tidsskr. 3. Stank. II. pag. 427 — 482. tab. 19]) zu urtheilen, 
ist es höchst wahrscheinlich, daß die Zahl der Häutungen auch bei den von uns 
behandelten Familien eine größere sei, als bisher angenommen wurde, und da es 
mir leider noch nicht gelungen ist, die Entwickeluug einer Heuschrecke oder Grille 
unmittelbar seit ihrem Ausschlüpfen aus dem Ei zu studiren, so kann es sehr wohl 
möglich sein, daß jenes Stadium , welches ich gleich meinen Vorgängern als das 
erste annehme, in der That schon das zweite oder (mit weniger Grund) dritte sei. 
Die übrigen Stadien dagegen konnten in ihrer ununterbrochenen Reihenfolge 
genau (zu Hause im Schaukasten) beobachtet werden, und hat die Beschreibung 
und Aufzählung derselben, auch wenn eine solche angedeutete Entdeckung gemacht 
würde, noch ihre volle Giltigkeit. 

21* 



3 1 G ntbe r. 

Daß einem so eitrigen Biologen wie Roesel und von einem so 
bekannten Insecte, das er zu Hause beobachtet zu haben vorgibt, 
das letzte (fünfte) Stadium ganz entgangen ist, und er also nur vier 
Entwickelungsstadien und Häutungen kennt, muß uns jedenfalls be- 
fremden 1 ). In wieferne D. Geubels Ansieht (neuere Beiträge) rich- 
tig sei, der sechs Häutungen für Gryllus campestris annimmt, lassen 
wir einstweilen auf sich beruhen und gehen zur kurzen Beschreibung 
der einzelnen Stadien selbst über, wobei wir bei dem Umstand, daß 
sich am Orthopterenkörper überhaupt mit Ausnahme der Flügelansätze 
keine sicheren Unterscheidungskennzeichen namentlich nicht für die 
unmittelbar aufeinanderfolgenden Bildungsphasen finden lassen, durch- 
gehends nur diese letzteren berücksichtigen wollen. 

Die Flügelbildung der Feldgrille ist in den drei ersten (Sommer- 
und Herbst-) Stadien vertical-unfrei, in den zwei letzten (Überwin- 
terungs- und Frühlings-) Phasen horizontal-frei. 

Im ersten Stadium (Taf. IV, Fig. 1, a. ß.) ist die Meso- und 
Metanotumsschiene mit den übrigen Rückensegmenten fast ganz 
gleich geformt. Die Seiten desselben zeigen nicht die geringste Spur 
eines Flügelansatzes und der Unterrand verläuft einfach bogig (ohne 
buchtige Ausschweifung) in den Hinterrand; während wir schon nach 
der ersten Häutung, d. i. im zweiten Stadium (Taf. IV, Fig. 2, a. ß.), 
namentlich am verticalen Seitentheil des Mesonotums eine mehr min- 
der tiefe buchtige Ausschweifung des Hinterrandes wahrnehmen, 
und das unterste Ende des Metanotums in eine von einer convexen 
und concaven Bogenlinie gebildete nach vorne sehende Spitze aus- 
läuft, welche mit dem Unterrand des Metanotums in gleicher Höhe 
liegt Im dritten Stadium sind besonders die zipfelförmigen Flügel- 
ansätze des Metanotums (Taf. IV, Fig. 3, |3.) stark entwickelt und 
mit einer nach hinten gewendeten etwas zugerundeten Spitze ver- 



*) Über die weitern fälschlichen Behauptungen Ro es eis (s. Insektenbelustig. B. II, 
pag. 81, 82) wollen wir uns nicht des Nähern einlassen, sondern nur bemerken, 
daß seine drei ersten Stadien mit den von mir gezeichneten (Fig. 1, 2, 3) insoferne 
identisch sind, daß er sie — aber ohne ein Wort zur Unterscheidung derselben zu 
sagen — im vertical-unfreien Zustande abbildet, und der irrigen Ansicht ist, daß 
das III. Stadium überwintert, während man schon im September Thiere des IV. 
findet. Seine IV. (Frühlings-) Phase fällt ebenfalls mit unserem IV. (Überwinte- 
rungs-) Stadium zusammen. Das V. Stadium jedoch kennt er gar nicht, da er das 
Jmago unmittelbar aus unserem IV. entstehen läßt. 



Zur Entwickelungsgeschichte u. Reproductionsfähigkeit d. Orthopteren. 311 

sehen, die bedeutend tiefer reicht als die halbkreisrunden durch eine 
Bucht am Hinterrand deutlich von den Mesonotum-Seiten geschiede- 
nen Deckenansätze, welche wie die des Metanotums durch erhabene 
Längslinien (Adern) von denen des früheren Stadiums, wo diese ganz 
fehlen, ausgezeichnet sind. 

Das erste Stadium der horizontal-freien Flügelbildung, d. i. die 
vierte Entwickelungsphase, zeigt schon deutlich entwickelte Scheiden 
der späteren Flugwerkzeuge (Taf. IV, Fig. 4). Die an den Seiten 
des Metanotums angefügten Flügelscheiden (ß) sind länglich, reichen 
mehr minder über das breite Metanotum in die erste Rückenschiene, 
und sind etwas schmäler als die dazwischen gelegenen rundlichen 
Deckscheiden (a), welche unter dem Pronotuni nur wenig vorragen 
und kaum in die Mesonotumsmitte reichen. Die Thiere des fünften 
oder letzten Entwickelungsstadiums besitzen schon größere und deut- 
lich geäderte Flügelscheiden (Taf. IV, Fig. 5), welche — und das 
ist besonders hier der Fall — die des Imagos im Kleinen genau vor- 
bilden : die Flügel (ß) sind nicht mehr einfach länglich, sondern von 
deutlich dreieckiger stumpfspitziger Form und reichen in die Mitte 
der zweiten Rückenschiene; die wenigstens ans Ende des Mesonotums 
langenden Deckscheiden sind gleichfalls stumpf, dreieckig, bogenseitig 
und nähern sich mit ihrem Innenrande dermassen, daß das schmal 
unter dem Pronotum vorschauende Mesonotum fast gänzlich bedeckt 
wird und der sichtbare Theil des Metanotums ein Trapez darstellt.(9) 

Außerdem sind letztere nicht mehr wie im vorigen Stadium ganz 
flach, sondern zeigen eine horizontale und eine mehr verticale (in 
unserer Zeichnung schattirte) Hälfte, welche dem an den Körpersei- 
ten des Imagos liegenden Deckentheil genau entspricht. 

Die Flügellage der Feldgrille im fünften Stadium verdient aber 
noch aus einem anderen Grunde eine weitere Beachtung. Während 
wir nämlich bei den durch horizontal-freie Flügelentfaltung ausge- 
zeichneten Familien namentlich die letzten Stadien von dem vollkom- 
men entwickelten Insect dadurch sicher unterscheiden können, daß 
beim Imago die Decken immer außen (extrinsecus), die Flügel aber 
immer innerhalb (intrinsecus) derselben liegen, also von jenen oft 
gänzlich verdeckt werden, verhält sich das in den Entwickelungs- 
stadien fast sämmtlicher Grillen, Laub- und Schnarrheuschrecken 
gerade umgekehrt, d. h. die Decken liegen entweder zwischen den 
Flügeln, also innerhalb derselben (gewöhnlich im vorletzten) oder 



312 Grabe r. 

werden von den Flügeln bedeckt (gewöhnlich im letzten Stadium). 
Von dieser Regel bildet nun aber das fünfte Stadium der Feldgrillen 
eine Ausnahme , da hier die Flügel mitunter ») wie beim ausgewach- 
senen Insecte theilweise (wie aus Fig. 5. ersichtlich) von den Decken 
verhüllt werden; die Flügelscheiden liegen nämlich, da sie im Ver- 
gleich zu denen der Akridier und Lokustinen ziemlich klein sind, 
während das Mesonotum bei der Feldgrille viel breiter ist, mehr hin- 
ter- als neben- und aneinander. 

In Bezug auf die verschiedenen Geschlechter gestaltet sich die 
allmähliche Ausbildung der Flugwerkzeuge mit unbedeutenden Diffe- 
renzen völlig gleichartig, was auch bei den nächsten Familien der 
Fall ist. 

Locustina. 

Die Laubheuschrecken stehen der vorigen Familie nicht bloß im 
Körperbau sehr nahe, sondern zeigen auch in Bezug auf Entwickelung 
mit denselben eine innige Verwandtschaft. 

Wir finden auch hier wieder im Allgemeinen fünf Entwickelungs- 
stadien, und zwar ebenfalls drei mit bloß lappenförmigen Flügelan- 
sätzen am Meso- und Metanotum, und zwei mit wirklichen Flügel- 
scheiden. 

Da es aber in dieser und der nächstfolgenden Familie der Akri- 
dier Thiere mit vollkommen ausgebildeten Flugwerkzeugen und solche 
mit bloßen Flügelrudimenten (oft fehlen die Flügel gänzlich und sind 
nur schuppenartige Decken vorhanden) gibt, die bezüglich der Flü- 
gelentwickelung eine namentlich in den letzten Stadien wesentlich 
verschiedene Gestalt besitzen, werden wir in diesem und dem folgen- 
den Abschnitte bloß Thiere mit vollständigen Flugwerkzeugen ins 
Auge fassen und die unvollständig geflügelten Laub- und Schnarr- 
heuschrecken am Schlüsse gemeinschaftlich behandeln. 

Im ersten Stadium der vollständig geflügelten Locustinen ist der 
Unterrand der Meso- und Metanotumsseiten einfach bogig zugerundet 
(Taf. I, Fig 9, ol. |3.), also von den übrigen Rückenschienen kaum 
verschieden; während derselbe schon nach der ersten Häutung d. i. 
im zweiten Stadium sowohl am Mittel- als Hinterrücken lappenförmig 



!) Nach den in diesem Frühjahre gemachten Beobachtungen scheint die eben be- 
schriebene Flügellage wirklich ganz abnorm zu sein. 



Zur Entwicklungsgeschichte u. Reproductionsfähigkeit d. Orthopteren. 313 

verlängert und etwas nach hinten gewendet erscheint (Taf. I, Fig. 10, 
a. ß.). Im dritten Stadium sind diese ersten Spuren der spätem Flug- 
werkzeuge noch hesser ausgesprochen (Taf. I, Fig. 11) und lassen 
bereits einige erhabene Längslinien (das spätere Geäder) erkennen: 
die Deckenansätze sind schmal, zungenförmig, und das Mesonotum, 
mit dem sie seitlich verwachsen sind, ganz vom Halsschilde bedeckt; 
die am Metanotum angefügten Flügelansätze hingegen (der Natur der 
Sache genau entsprechend) viel breiter, und zeigen schon mehr die 
bogenseitig-dreieckige und stumpfspitzige Figur des vollständig aus- 
gebildeten Flügels. In der dritten Häutung (viertes Stadium) erhält 
die durch vollständige Flugwerkzeuge ausgezeichnete Laubheuschrecke 
deutliche horizontal auf dem Rücken postirte Deck- und Flügelschei- 
den (Taf. I, Fig. 12, und Taf. IV, Fig. 6); letztere (ß) sind merklich 
längs geädert, mehr minder bogenseitig-dreieckig und berühren sich 
gegenseitig an ihrem Innen- (Hinter-) Rande gleichwie die da- 
zwischen liegenden etwas kürzeren zungenförmigen Deckscheiden 
nicht (Taf. IV. Fig. 6), haben bei den verschiedenen Arten gewöhn- 
lich auch eine etwas differirende Länge, reichen aber selten über die 
dritte Rückenschiene hinaus. Im Allgemeinen ist die mehr horizon- 
tale als dachförmige Flügellage, der Abgang deutlich entwickelter 
Queradern an den Deckscheiden sammt der geringen Länge derselben 
für dieses Stadium charakteristisch. 

Im letzten (fünften) Entwickelungsstadium (Taf. I, Fig. 13 und 
Taf. IV, Fig. 7) liegen die langen wenigstens über die vierte Rücken- 
schiene reichenden Flügel- und die deutlich quergeaderten, oft schon 
durch dunklere und hellere Felder, wie beim Imago, ausgezeichneten 
Deckscheiden (Fig. 13, elytrae vagina von Platycleis grisea) mehr 
auf- als nebeneinander, berühren sich ganz oder theilweise an ihrem 
Innensaum, wodurch das Mesonotum und oft noch einige Rücken- 
schienen verdeckt werden, und schließen sich über der Rückenmittel- 
linie dachförmig zusammen. 

Am Schlüsse wollen wir noch kurz die Ansichten Roesels *) 
und Fischers 2 ) über die Ausbildung der Flugwerkzeuge in den 
einzelnen Stadien vernehmen. — Die Beschreibung der ersten drei 
durch blosse Flügelansätze charakterisirten Entwickelungsstadien 



1) Ins'ectenbelustigungen. Bd. II, pag. 56, 57, 69. 70. 

2 ) Orthoptera Europaca pag. 36. 



;> 1 4 <i r » b e r. 

stimmt bei beiden Auctoren bis auf einige Ungenanigkeiten mit der 
unserigen überein; die zwei letzten durch deutliche Flügelscheiden 
ausgezeichneten Stadien dagegen werden von ihnen irrthümlicher- 
weise in eine einzige verschmolzen. So zeichnet Roesel das eine Mal, 
bei Decticus verrucivorus L., unser vorletztes (viertes) Stadium für 
das letzte (bei ihm ebenfalls viertes) ab, das andere Mal (bei Locusta 
viridissima) wird unser letztes (fünftes) Stadium von ihm für das 
vierte angesehen, woher es kömmt, daß er in der That sämmtliche 
fünf Stadien abbildet, und der einzelnen Art doch nur vier zuschreibt, 
weil ihm eben unsere vierte und fünfte Entwickelungsphase identisch 
scheint. 

Akridiodea. 

Bei den mit vollkommenen Flugwerkzeugen ausgestatteten und 
von uns untersuchten Akridiern finden sich immer vier Entwickelungs- 
stadien, also um eins weniger wie mehrentheils bei Grillen und 
Laubheuschrecken. 

Die ersten zwei Phasen zeigen bloß lappenförmige, die zwei 
letzten aber wie bei den früher behandelten Familien scheidenartige, 
horizontal oder dachförmig auf der Rückenfläche postirte Flügel- 
ansätze. Der Unterrand der Meso- und Metanotumsseiten ist im ersten 
Stadium wieder ganz ähnlich einfach bogig abgerundet, wie wir das- 
selbe bereits bei Grillen und Laubheuschrecken beschrieben und 
gezeichnet haben (Tat*. III, Fig. 5 und Fig. 1, a ß). Die schon merk- 
lich von den Meso- und Metanotumsseiten durch eine Ausschweifung 
am Hinterrande unterschiedenen läppchenartigen Flügelansätze im 
zweiten Stadium gleichen denen der Locustinen im dritten, sind 
gleichfalls mit einigen erhabenen Längsadern durchzogen, und bildet 
der Hinterrand derselben mit dem der Meso- und Metanotumsseiten 
einen stumpfen mehr minder bogenseitigen Winkel, das Hauptmerk- 
mal, wodurch das zweite Stadium der Akridier und Locustinen vom 
ersten unterschieden werden kann. — Die Deck- und Flügelscheiden 
des dritten Stadiums (Taf. III, Fig. 7, a ß), gleichen so ziemlich 
denen der Locustinen im vierten; nehmen eine mehr seitlich-horizon- 
tale als dachförmig in der Mittelrückenlinie zusammenschließende 
Stellung (viertes Stadium) ein, und reichen nie über die erste Hinter- 
leibsschiene. Überdies zeigen die Deckscheiden nur einige wenig 
entwickelte Längs- aber niemals auch deutliche Queradeni, und 



Zur Entwicklungsgeschichte u. Reproductionsfähigkeit d. Orthopteren. 3 1 £) 

werden von den meist etwas längeren Flügelscheiden nur wenig ver- 
deckt. — Das letzte (vierte) Entwickelungsstadium charakterisirt sich 
durch deutlich längs- und quergeaderte über der Rückenmittellinie 
mehr minder dachförmig zusammenneigende Flügel und von diesen 
großenteils verhüllte Deckscheiden (Taf. III, Fig. 8 und Taf. II, 
Fig. 5, ex. ß ), welche das Mesonotum, die erste und gewöhnlich auch 
noch einen Theil der zweiten Rückenschiene verdecken, und stets 
in die zweite Hinterleibsschiene, mitunter (es ist die Länge der 
Flügelscheiden d. i. ihr Verhältniß zu den Segmenten des Abdomens 
bei den einzelnen Gattungen oft auch Arten etwas verschieden) selbst 
über dieselbe hinausragen, im Allgemeinen aber stets kürzer sind als 
die im letzten Stadium der Locustinen. 

Führen wir schließlich noch die einzige auf die Entwicklung 
der Akridier bezügliche Stelle aus Fischer an *): In Akrideodeis 
denique, quae nonnisi tres (4 !) mutationes obire dieuntur, involucro- 
rum prima vestigia jam post primam mutationem, ut videtur, manifesta 
sunt (Zinnani Osservaz. pag. 16. Coloptenus italicus) et situm 
eundem, ut illa Locustinorum post tertiam mutationem monstrant; 
seeunda vero Akridiodeorum mutatione peraeta involucra quartam 
abdominis partem longitudine aequant et tertia (quarta !) imago 
evadit. 

Wir ersehen daraus, daß Zinnani unser drittes Stadium gar 
nicht beobachtete, und sein letztes (unser viertes) unmittelbar aus 
unserem zweiten Stadium entstehen läßt. 



Zur Unterscheidung und Bestimmung der einzelnen Entwicke- 
lungsstadien bei den durch vollständige Flugwerkzeuge ausgezeich- 
neten Grillen, Laub- und Schnarrheuschrecken können wir aus 
obigem Detail folgende kurze analytische Tabelle zusammenstellen, 
die man allerdings gerne auf sämmtliche Orthopteren ausgedehnt 
hätte, wenn nicht theils gewisse Familien noch in dieser Richtung 
zu wenig bekannt wären, theils zu große Unterschiede in der 
gleichen Familie vorkämen, als daß man sie nach einer allgemeinen 
Richtschnur eintheilen könnte. 



*) Orthoptera Europaea, pag. 36. 



316 



G r ;i 1) e r. 



Freie auf der 
Rückenflache 
[postirte Flügel- 
scheiden. 



?r A Ö Q. 



3II> 



£ 2 



Keine eigentli- 
chen FJügel- 
scheiden. son- 
dern höchstens 
lappenförmige 
Ansätze an den 
Meso- u. Meta- 
notumseiten. 



IV. St. d. Gryllodca u. Lock- 
sfina; u. III. St. d. Äkridier. 



V. St. d. Gryllodca u. Z,ocm- 
s&'/ja u. IV. St. d. Äkridier. 



Deckscheiden höch- 
stens längs - geädert . 
Lage derselben mehr ge- 
ltrennt und horizontal. 

Deckscheiden auch 
(quer-geadert, Lage der- 
selhen mehr dachförmig 
zusammenneigend (exe. 
Grylloded). 

Unterrand der Meso- u. Metanotum- I. St. d. Gryl- 

seiten einfach abgerundet, regelmäßig lodea, Locustinu 
in den Vorder- u. Hinterrand verlaufend, u. Äkridier. 

Unterrand der Meso-f Flügellappen n. St. d. Akri- 
u. Metanotumseiten mehr 1 mit einigen er- dier u. III. der 
iminder Iappenf. verlän- jhabenen Längs- Gryllodea u. fo- 
lgert, in den Vorder- u.<Iinien (Adern.) custina. 
Hinterrand derselben mit 1 

einer buchtigen Aus-/ Flügellappen FI. St. d. Gryl- 

^schweifung übergehend, ^aderlos. lodea u. Locu- 

stina. 



Die Entwickelungsstadien der mit unvollständigen Flugwerkzeugen 
ausgestatteten Äkridier und Locustinen. 

Unsere Untersuchungen über die Ausbildung genannter Ortho- 
pteren mußten leider im günstigsten Zeitpunkt (wegen der Theil- 
nahme am letzten Sommerfeld zug) abgebrochen werden, und sind 
wir deßhalb nur in der Lage die Entwickelungsstadien einer Laub- 
heuschrecke (Thamnotrizon apterus) bis zum vierten Stadium und 
die eines einzigen Akridiers (Chrysochraon braehypteras) bis zu 
dessen vollständiger Ausbildung mitzutheilen; demungeachtet aber 
sind wir auf diesem Gebiete bereits zu einer außerordentlich interes- 
santen Erscheinung gelangt, die wir im Nachstehenden etwas näher 
beschreiben wollen. 

Bekanntermassen trifft man Äkridier und Locustinen, die im 
ausgewachsenen Zustand blos mehr minder verkürzte oft schuppen- 
oder spatenförmige Decken aber keine Spur von Flügeln besitzen. 
Demzufolge sollte man erwarten, daß im letzten Entwickelungsstadium 
gleichfalls keine Flügel- sondern nur Deckscheiden vorkämen, was 
aber in Wirklichkeit nicht der Fall ist. — Betrachten wir z. B. die 
einzelnen Entwickelungsphasen bei Thamnotrizon apterns: die ersten 
Ansätze der Flugwerkzeuge in den drei ersten Lebensstadien findet 
man in Taf. I, Fig. 5, 6 und 7 abgebildet, und unterscheiden sich 



Zur Entwickelungsgeschichte u. Reproductionsfähigkeit d. Orthopteren. 317 

von einander, wie ein Vergleich der Figuren 5, 6, 7 lehrt, nur durch 
ganz unscheinbare Merkmale: so daß zweite Stadium vom ersten 
durch den stark entwickelten leistenförmigen Unterrand der Meso- 
und Metanotumseiten (Fig. 6), das dritte von den- übrigen durch 
eine buchtige Ausschweifung der Flügelansätze am Vorderrand 
(Fig. 7). 

Das vierte Stadium zeigt uns nun eigenthümlicherweise nicht 
nur deutliche halbkreisrunde bis ans Metanotum breit vorragende 
Deckscheiden, sondern auch schmale zungenförmige Flügelhülsen, 
die am Unterrand der ersten Rückenschiene fast bis ins letzte Drittel 
derselben verlaufen. Ob diese Flügelscheiden auch noch im nächsten 
(wahrscheinlich letzten) Stadium sieh vorfinden, können wir, da man 
die vierte Häutung nicht mehr beobachten konnte, blos vermuthen, 
und ist für die Darstellung dieser jedenfalls auffallenden Erscheinung 
auch gleichgiltig. 

Ein weiteres Beispiel zur Erläuterung dieses Verhältnisses 
bietet uns das Weibchen von Chrysochraon brachypterus, das gleich- 
falls nur ganz kurze Decken aber niemals Flügel besitzt. Die Form 
der Meso- und Metanotumseiten im ersten (Taf. III, Fig. 1, a |3) 
und zweiten Stadium (Fig. 2, a ß) entspricht genau jener der voll- 
ständig geflügelten Akridier (vergl. Fig. 1 mit 5, und Fig. 2 mit 6). 
Das dritte Stadium zeigt bei tf und 9 deutliche Deck- und Flügel- 
scheiden : erstere sind etwas kürzer und reichen ungefähr in die Mitte 
des Metanotums, letztere wenig über dasselbe hinaus (Fig. 3, a |3). 
Im letzten (vierten) Entwickelungsstadium ist die Lage und Form der 
Flügelscheiden bei 9 una< (f etwas verschieden: Die Decken des 
cf reichen bis zur zweiten Rückenschiene und neigen sich an der 
Mittelrückenlinie dachförmig zusammen (Fig. 4, a ß, cf); die Deck- 
scheiden des Weibes dagegen überragen das Metanotum nur wenig 
und berühren sich gegenseitig an ihrem Innenrande nicht. Die 
Flügelscheiden (des 9 ) sma " allerdings im Verhältniß zu den Decken 
klein, aber, obgleich dieselben im ausgewachsenen Zustand gänzlich 
mangeln, in diesem letzten Stadium der Entwicklung noch vor- 
handen. 

Bei sämmtlichen Pezotettixarten, denen die Flügel (großenteils) 
gänzlich mangeln, läßt sich diese interessante Erscheinung ebenfalls 
studiren, d. h. wir finden bei ihnen im letzten Stadium außer den 
Decken- immer auch deutliche Flügelscheiden. Ein Gleiches gilt von 



3 1 S G r a !> e r. 

Plcttyphyma Giornae Rossi: auch bei dieser Art finden sich näm- 
lich im ausgewachsenen Zustand nur kurze spatenförmige in die 
zweite Rückenschiene reichende Decken vor aber keine Spur von 
Flügeln (Taf. II, Fig. 2, a), während wir im letzten Entwickelungs- 
stadium neben den winzigen spitz-bogenseitig-dreieckigen Deckschei- 
den (Fig. 1, a) auch ganz analog geformte Flügelscheiden (Fig. 1, ß) 
wahrnehmen. 

Aus diesen wenigen Beispielen über das, meines Wissens, noch 
von keinem Orthopterologen beobachtete *) und gewiß nicht unin- 
teressante Verhältniß der Flügelbildung zwischen dem ausgewach- 
senen und noch in der letzten Häutung begriffenen Insecte können 
wir mit Sicherheit schließen, daß auch bei den unvollständig geflü- 
gelten Locustinen und Akridiern die Anlage zu vollkommener Flügel- 
bildung in ihrer Jugend vorhanden sei, und die Flügelscheiden des 
letzten Stadiums, sobald das Insekt in den Zustand des Imago über- 
geht, verkümmern, also zu keiner weiteren Ausbildung mehr gelangen 
können. Vielleicht geben uns fernere Beobachtungen über den Grund 
dieser Erscheinung einigen Aufschluß. — 



Es erübrigte noch, daß wir über die Entwickelung der mehr 
gleichbleibenden (typischen) Körpertheile sowie über die Dauer der 
einzelnen Stadien und deren Wachsthum Einiges beifügten, halten 
es jedoch für zweckmäßiger das allerdings ansehnliche Materiale, 
welches wir bereits auf diesem mehrentheils noch wenig erforschten 
Felde gesammelt haben, noch zu vermehren, da man nur aus einem 
großen Schatze von Beobachtungen allgemeine für die Wissenschaft 
wirklich werthvolle Resultate ziehen kann, und die betreffenden 
Gebiete dann später einmal zu behandeln. 



*) Aus dem, was Fischer Orthoptcra Europaea pag. 38 hierüber berichtet, kann man 
nur entnehmen, daß ihm die Flügelscheiden ganz unbekannt waren, da er von den 
unvollständig geflügelten Gattungen {Odontura, Thumnotrizon etc.) bloß sagt: „in 
earum nymphis elytrorum involucra (Deckscheiden) aegre sub pronoto conspici- 
enda, plana et non venosa (sie sind etwas geädert Auct.) esse solent". 
Über das ähnliche Verhältniß bei Akridiern schweigt er gänzlich. 



Zur Entwicklungsgeschichte u. Reproductionsfähigkeit d. Orthopteren. 3 1 9 



Ober die Bezeichnungsweise der Entwickelungsstadien bei den 

durch horizontal-freie Flügelentfaltung ausgezeichneten 

Orthopteren. 

Darüber, daß die Ausdrücke „larva" und „nympka (seu 
pupa)", die bei Insecten mit vollkommener Verwandlung (I. holome 
tabola) ganz bezeichnend sind, für die Jungen namentlich unserer 
Ordnung aber durchaus nicht passen, und gleichwohl von allen älte- 
ren und den meisten neueren Orthopterologen angewendet werden, 
ereifert sich bereits Fischer *), und schlägt eine neue Bezeichnung 
vor. Er nennt nämlich alle unausgewachsenen Thiere „instar," und 
unterscheidet die einzelnen Phasen durch ein nachgesetztes erstes, 
zweites etc. dem letzten Stadium gibt er den Namen „instar- 
imago" 3 ). Diese Ausdrucksweise, die man ja im vorliegenden Schrift- 
chen der Hauptsache nach selbst gebrauchte, müssen wir allerdings 
billigen, wünschten aber doch, daß für die Jungen mit vertical- 
unfreier und die mit horizontal-freier Flügelentwickelung, ein Verhält- 
niß, das meines Erachtens auch von Fischer zu wenig gewürdigt 
worden, zum Zwecke besserer Vorstellung und Übersicht ein eigener 
Terminus gewählt würde. Vielleicht wäre für die durch lappenförmige 
Flügelansätze charakterisirten Stadien der Ausdruck stadium lobulare 
(seil, involucrorum) I. IL etc. und für die mit deutlichen Flügel- 
scheiden ausgestatteten der Terminus Stadium vaginale I. II. etc. 
(seu ultimum) empfehlenswerth. 

Über den Geschlechtsunterschied der Akridier und Locustinen 
im ersten Stadium. 

Ältere Orthopterologen stellten die Behauptung auf, daß man den 
Unterschied der Geschlechter bei Laub- und Schnarrheuschrecken, 
erst nachdem sie sich etliche Male gehäutet hätten, wahrnehmen 
könne. — Fischer nun sagt allerdings 3 ), daß es ihm gelungen sei, 
bei Laubheuschrecken (Locusta, Decticus etc.) in den ersten Stadien 



*) Orthoptera Europaea, pag. 36, 37. 

2 ) Ibidem. . . „attamen illos terminos in. . . scientiam introducere non audeo , ante- 

quara alii quoque auetores sententiam suam de hac re elocuti sunt". 
8 ) Orthoptera Europaea, pag. 38. 



320 Grab er. 

bereits die Ansätze der Legeröhre, wodurch sich eben, das 9 vom 
Mas unterscheidet, aufzufinden; nach den wenigen Worten aber, die 
man hierüber an bezeichneter Stelle findet und noch aus einem 
andern Grunde, den wir später noch eingehender besprechen wollen, 
darf man vermuthen, daß er den Sexualunterschied im ersten Stadium 
nicht beobachtet habe, weßhalb wir denselben kurz andeuten, i) 

Tal*. I, Fig. 2 stellt das Hinterleibsende eines männlichen Tham- 
notrizon apterus stark vergrößert von der Unterseite dar: die letzte 
(9.) Bauchplatte zeigt eine meist viereckige an den Langseiten etwas 
bogig nach hinten sich verschmälernde Form, die an den zwei Hinter- 
ecken mit kleinen stilartigen Anhängseln versehen ist; beim Weibe 
dagegen finden sich nur acht Bauchplatten, da wir an Stelle der letz- 
ten (9.) die ersten Spuren des äußeren weiblichen Geschlechts- 
apparates sehen, welche in Fig. 3 abgebildet sind. Das ganze Organ 
besteht aus drei Paar schmaler, langgestreckter etwas zugespitzter 
Blättchen, von denen die des ersten (a) und dritten (7) Paares hinter- 
einander, die des zweiten Paares (ß) aber, welche bedeutend kürzer 
und schmäler sind als die übrigen, zwischen denen des dritten liegen. 

Im zweiten Stadium d. i. nach der ersten Häutung zeigt der 
äußere Geschlechtsapparat des 9 die Form, wie sie uns Fig. 4 dar- 
stellt: der winzige aber schon deutlich ausgebildete Ovipositor 
scheint, von Außen betrachtet, blos aus zwei Paar Blättchen dem 
ersten (a, Fig. 3) und dem dritten (7, Fig. 3) zusammengesetzt zu 
sein. Es war nun die Ansicht aller Orthopterologen, auch die 
Fischers, daß die Legeröhre der Locustinen wirklich nur aus 
zwei Paar Blättchen bestünde 3 ), die in den ersten Stadien mehr über- 
einander, in den letzten aber und beim Imago mehr seitlich anein- 
ander liegen, „ita, ut primo intuitu ovipositor monnisi bivalvis esse 
videtur" sj. 

Aufmerksam gemacht durch die Untersuchung des äußeren 
weiblichen Genitalorganes im ersten Stadium, das, wie wir gesehen 
haben, aus drei Blättchenpaaren zusammengesetzt wird (ähnlich Avie 
bei den Montodeis), haben wir die Legeröhre vieler Locustinen und 
in sämmtlichen Stadien näher untersucht, ob sie — wie Fischer 



*) Leider waren wir nicht in der Lage uns die ganze einschlägige Literatur zu ver- 
schaffen. 

2 ) Orthoptera Europaea, pag. 21. 

3 ) Ibidem pag. 21. 



Zur Entwickelungsgeschichte u. Reproduetiousfähigkeit d. Orthopteren. 3-Cl 

angibt — in der That blos zweipaarig sind, und gefunden, daß die- 
selbe, der Zeichnung in Fig. 3 genau entsprechend, aus drei Paar 
Blättern gebildet sei, von denen die des mittleren Paares (j3) aller- 
dings sehr schmal fast borstenförmig und sehr eng an die mehr 
minder rinnenförmigen Unterblätter [7] (etwa wie die Stechborsten 
im Saugrüssel der Dipteren und Hemipteren) angeschlossen erschei- 
nen. Die Legeröhre der meisten Laubheuschrecken besteht dem- 
zufolge aus zwei seitlich zusammengedrückten dreiblättrigen Hälften. 

Wenn Fischer also wirklich den weiblichen Legeapparat im 
ersten Stadium beobachtet hätte, würde er zweifelsohne auch auf 
die wahre Zusammensetzung des nach ihm nur vierblättrigen Ovipo- 
sitors gekommen sein. 

Der Geschlechtsunterschied im ersten Stadium der Akridier 
kann gleichfalls aus der Form der letzten Bauchplatte erkannt werden, 
die beim 9 (Fig- 1» 9) schon deutlich die vierblättrige Scheide 
des Imagos und der letzten Stadien vorbildet, beim tf dagegen mehr 
oval und höchstens im ersten Stadium am hinteren Ende etwas aus- 
gerandet oder geschlitzt erscheint (Fig. 1, cf). 



Über Reproductionsfähigkeit. 

Gleichzeitig mit den im Schaukasten gepflogenen Studien über 
die Entwicklung haben wir auch Gelegenheit gehabt einige Beob- 
achtungen über das Regenerationsvermögen dieser Insectenordnung 
zu machen, die wir noch kurz berühren wollen. Freilich konnten 
manche Versuche, die man z. B. mit einem Thierchen des ersten 
Stadiums anstellte, da dasselbe oft starb, nicht bis zur völligen Aus- 
bildung desselben verfolgt werden, und sind deßhalb unvollständig, 
aber vielleicht dennoch der Aufzeichnung werth. 

Die von uns angestellten Versuche beschränken sich auf die 
Reproduction verletzter Fühlhörner, Flugwerkzeuge und Lege- 
scheiden bei jungen Thieren; das vollkommen entwickelte Insect 
scheint die Fähigkeit lädirte Extremitäten zu regeneriren gar nicht 
oder doch nur in sehr geringem Grade zu besitzen, da selbst abge- 
schnittene Antennen, die sonst am schnellsten und vollständigsten 
nachwachsen, bis zum Absterben des Thieres (wenigstens nach 
meinen Beobachtungen) sich nicht mehr reproducirten. 



322 Grab er. 

Je jünger das Insect ist, an dem man eine solche Beschneidung 
einzelner Gliedmassen ausführt, desto vollständiger wird der betref- 
fende Korpertheil wieder ergänzt. So verkürzte ich z. B. die 
16 Millim. langen Antennen eines Thamnotrizon apterus im zweiten 
Stadium bis auf 5 Millim. und nach der nächsten Häutung waren 
sie wieder auf 12 Millim. und in der zweitfolgenden schon auf 
20 Mm., (die normale Antennenlänge dieses Stadiums) angewachsen. 
Einer Locusta viridissima schnitt ich wenige Tage vor der ersten 
Häutung die 10 Millim. langen Fühlhörner ab, und zwar das eine bis 
auf 3, das andere bis auf 5 Millim. ; nach dem Hautwechsel waren 
beide um 3 Millim. länger wie vorher, und der nachgewachsene Theil 
viel dünner und gegen den ursprünglichen fast peitschenförmig 
geknickt; vor der nächsten (zweiten) Häutung verkürzte ich die 
Antennen abermals bis auf 6 Millim., und sie waren nach dem Haut- 
wechsel, wie das erstemal, gleichfalls um 3 Millim. nachgewachsen, 
viel dünner wie die zwei früheren Stücke und gegen dieselben unter 
einem stumpfen Winkel gebrochen, so daß sie schließlich, nachdem 
wir obiges Verfahren noch einmal wiederholten, aus vier verschiede- 
nen Theilen zusammengesetzt erschienen und ungefähr die Gestalt 
beistehender Zeichnung hatten. 

Die Reproduction lädirter Legeröhren (bei 
Grillen und Laubheuschrecken) geht nicht so rasch 
und vollständig vor sich, wie die der Antennen, 
und wachsen während eines Stadiums höchstens 
um zwei Millim. nach, während das (ungehinderte) Wachsthum der 
Fühlhörner von einer Häutung zur andern wenigstens acht Millim. 
beträgt. 

Verletzte Tarsenglieder scheinen sich, nach meinen Beobachtun- 
gen, nicht zu regeneriren, und ist nur zu bemerken, daß ein Gerad- 
flügler, besonders wenn ihm ein Hinterbein fehlt, um die Haut abzu- 
streifen, sich oft halbe Tage lang abmühen muß, 
während sonst dies Geschäft gewöhnlich in einer 
Viertelstunde beendet wird. 

Über die Reproduction der Flugwerkzeuge 
bin ich nur in der Lage einen einzigen Versuch 
anzuführen, den ich mit einem Flügel des Decticus 
verrucivorus L. im IV. Stadium anstellte, und der 
ein ganz interessantes Resultat ergab. Ich machte 





Zur Entwiekelungsgeschlchte u. Reprodtictionsfähigkeit d. Orthopteren 323 

nämlich am Vorderrand des linken Flügels einen ziemlich tiefen 
winkeligen Einschnitt (a), während der rechte unbeschädigt gelassen 
wurde. 

Als sich die Heuschrecke nach einer Woche häutete (also in das 
letzte fünfte Entwickelungsstadium überging) , war der frühere Aus- 
schnitt des linken Flügels bis auf eine seichte Ausschweifung (bei 7) 
völlig verwachsen, aber — und darin besteht das interessante Er- 
gebniß dieses Experimentes — der linke Flügel war beinahe um die 
Hälfte kürzer als der rechte, der sich ungestört entwickeln konnte. 



Erklärung der A b b i 1 d u n g e n. 



Tafel I. 

Fig. 1. Hinterleibsende von Stenobothrus pratorum von der Unterseite im 

I. Stadium. 
„ 2. Hinterleibsende von Thamnotrizon apterus (cf) von der Unterseite im 

I. Stadium. 
„ 3. Hinterleibsende von Tk. apterus ( 9) von der Unterseite im I. Stadium 

um das äußere Geschlechtsorgan darzustellen. 
„ 4. Dasselbe im II. Stadium. 
„ 5. Pro-, Meso- und Metanotum von Tk. apterus im I. Stadium, wobei 

(sowie in den ferneren Figuren) a die Decken-, ß die Flügelansäfze, 

v den Vorder-, m den Mittel-, h den Hinterrücken und s 1 , s z ... die 

Rückensegmente bezeichnet. 
„ 6. Dasselbe im II. Stadium. 
„ 7. „ „III. „ 

„ 8. „ „IV. „ 

„ 9. „ von Platycleis grisea im I. Stadium. 
„ 10. „ im II. Stadium. 

» 11- n „HI „ 

» **' » » !»• » 

„ 13. Deckscheide von Platycleis grisea im V. Stadium. 

Tafel II. 

Fig. 1. Obere und vordere Ansicht von Platyphyma Giornae im vorletzten Sta- 
dium, um die Flügelscheiden (a ß) zu veranschaulichen. 
„ 2. Dasselbe im ausgewachsenen Zustand. 
„ 3. Obere und vordere Ansicht von Gryllus Heydenii Fisch. ($), um das 

Geäder der Decken (a) zu zeigen. 
Sitzb. d. ma'hem.-naturw. CI. LV. Bd. I. Abth. 22 



3 i 4 Graber. Zur Entwickelungsgeschichte u. Reproiluctionsfähigkeit etc. 

Fig. 4. Seitenansicht desselben. 
.. li. Letztes Entwickelungsstadium von Paracinema bisignatum. 
.. 0. Der Eisack von Blattei germanica , um die cigenthümliche Lage der 

Bauehsehienen zu versinnlichen. 
„ 7. 9 von Blutta germanica mit ihrem Eisack. 
„ 8. rnaus^ewachsene Thiere von B. germanica (a I. u. II., b III. u. IV, c 

V. Stadium.) 

Tafel III. 

Fig. I. Pro-, Meso-, u. Metanotum im I. Stadium von C/trysochraonbrac/njpterus. 

„ 2. Dasselbe im II. Stadium. 
„ 3. „ „ 111. „ 

„ 4. „ „ IV. „ Cef). 

„ 5. Vordere und seitliche Ansicht von Parapleurus typus im I. Stadium. 

„ 6. Dasselbe im II. Stadium. 
* 7. „ „ III. „ 

8 IV 

„ 9. Ovipositor von Thamnotrizon striolatus. 

Tafel IV. 

Fig. 1. Pro-, Meso-, und Metanotum von Gryllus campestris im I. Stadium. 
„ 2. Dasselbe im II. Stadium. 
» 3. „ „ III. „ 

„ 4. Obere Ansicht von Gryllus campestris im IV. Stadium. <J- 
„ 5. Dasselbe im V. Stadium. 

„ 6. Obere Ansicht von Conocephalus mandibularis im IV. Stadium. 
„ 7. Dasselbe im V. Stadium. 

„ 8. Die linke Hälfte vom Ovipositor des Thamnotrizon apterus a Ober-, 
ß Mittel-, 7 Unterblatt. 



V. Grab er Zur EntwickluTi^öesclitchtecleT Orthopteren. 

HljH 



Tafl. 




Fig.8. 





Figl3. Fig. II. 

: ■£ ■■ Itöl. I i :.. Druckerei. 

Sit^uiio.slKtl.TlvAluHl.dAViiuntli.ii.'ilurw.CI.I/V. Ba.LAlitK.1867. 



Y. Graber. Zur Enti<ricfchmgsgescliich.te der Orftiaptereii. 



TaiOE. 







Fig./ 



Fig.Z. 





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Fig.6. 



Fahmibackerlith.. Axts I 

Sit/.iuio.sli.der k.AXml.ilW.imilh.iialurvr Cl.LV.M LAMh.1867. 



Y.Graber. ZwlhilAridäimesgescliiclne der Orthopteren. 



Taf.HL 




Jfyl 



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Fig.3. 




Fig. 4l 



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Tig.5. 




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Fi<)..0. 

lakmbaciiex Litk. AuS £ klcBo £. u StaatsdrucW 

Silzimifsb.der kAkad.iLW'.iHntli. rwliinr. (i. \X. Bd. I.Alilh. L86 '/. 



V. Graber. ZiirEiLtwicWuiie'sgescliidite der Orthopteren.. Tvrf.IY 





Falormbaaier lith. • . 

iSitzun^b.dcr IcAkad.tlACiiiath.iiatiinr. CL. lA'.Bd. I.Ablli. 1&67. 



Boue. Über eine neu entdeckte Höhle im tertiären Conglomerate etc. 325 



Über eine neu entdeckte Höhle im tertiären Conglomerate 
von Gainfahrn. 

Von dem w. M. Dr. A. Boue. 

Im obern tertiären Conglomerate zu Gainfahrn entdeckte man 
neulich beim Brunnengraben auf dem Grunde des Herrn Netzel in einer 
Tiefe von 10 Klaftern eine unterirdische Höhle. DieLocalität ist auf dem 
äußersten östlichen Gebiete Gainfahrns, unterhalb des obern Vöslauer 
Terrains. So weit man sie hat untersuchen können, hat sie eine un- 
regelmäßige dreieckige Form (s. Figur) mit einem wellenförmigen, 
hie und da gezackten Contour. An jeder Spitze des rechtwinkligen 
Dreiecks verengt sie sich zu einer Art niedrigen Canals, welcher 
theilweise mit Wasser gefüllt ist, was auch mit einem Theile der 
Höhle bei e und d der Fall ist. 




Nach der Aufnahme des Baumeisters Reiter mißt die Hypo- 
thenuse dieses Dreieckes ungefähr 13 Klafter, so weit man wenigstens 
in der Höhle hat vordringen können. Die zwei anderen Seiten des Drei- 
ecks haben jede ungefähr die Hälfte dieser Länge. Die größte Breite 
ist in dem rechten Winkel 3 Klafter, 3 Schuh. Die Höhe wechselt von 2' 
(e)nnöi 2' 6" (d) bis zu $'(bjxm&%'(a). Diese letzteren Höhen finden 
sich gegen Gainfahrn und reichen bis unter die Johannes-Bildsäule, 
indem die minderen gegen Vöslau unter das Hölzl'sche Haus zu 
stehen kommen. Vielleicht sollte man annehmen, daß der Ausfluß des 
Wassers von dieser Seite stattfindet, was auch der etwas gegen Osten 
geneigten Stellung der Conglomeratenschichten entsprechen würde, 
indem der Hauptzufluß des Wassers aus den zwei anderen Ecken käme. 
Doch müssen in der Grotte allgemeine Wasserdurchsickerungen außer- 
dem noch stattfinden ; denn mehr oder weniger schöne, meistentheils 

n* 



j>«i(> Boae*. über eine neuentdeckte Höhle im tertiären Congtomerate etc. 

jedoch nur kleine Tropfsteine, bilden die Decke der Höhle. Sie wird 
dadurch nur zu einem langsamen Auswaschungsproduct der Tagewäs- 
ser gestempelt* welches mit der aus viel größerer Tiefe emporkommen- 
den Vöslauer Thermalquelle in gar keiner Causalverbindung steht. 
Die Kohlensäure des Schnee- und Regenwassers hat wahrscheinlich 
durch die Kalkstein-Auflösung den Aushöhlungsproceß befördert. 

Es ist nur ein großartiges Seitenstück zu den kleineren ähnlichen, 
in solchen Gesteinen entdeckten Höhlen, namentlich sowohl der im 
Jahre 1845 beim Brunnengraben im ehemaligen Schenk'schen Hause 
zu Ober-Vöslau entdeckten, als der etwas größeren, im Steinbruche 
des Herrn Mittellechner nächst der Vöslauer Schießstätte noch jetzt 
theilweise vorhandenen. Im Orte Gainfahrn selbst soll man, nach Dr. 
Frie dm an n's Versicherung, eine ähnliche Höhle mit einem kleinen 
Teiche durch eine Felsenspalte in dem Keller eines Dorfeinwohners 
sehen können. Alle diese Thatsachen sind eine neue Bestätigung 
unserer im Jahre 1856 ausgesprochenen Vermuthung, daß die schö- 
nen Quellen von reinem kalten Wasser mit einer Temperatur von 
8 R. zu Gainfahrn auch nur von unterirdischen Höhlen kommen, 
welche zwischen diesem Orte und dem in der Erde verschwindenden 
Rohrbacher Wasser liegen, wodurch das zufällige Erscheinen von 
Fischen genugsam erklärt wird. (Siehe akad. Sitzungsber. Bd. 21, 
S. 533.) 

Nebenbei gesagt, sind wir der Meinung, dass überhaupt die 
Erdhülle viele leere, oder mit Gasarten, Dämpfen oder Wasser gefüllte 
Räume enthält, welche ganz und gar nicht gleichmäßig vertheilt, son- 
dern nach besonderen Entstehungsumständen, wie Hebungen, Senkun- 
gen und Rutschungen stellenweise angehäuft sind, indem sie anderswo 
fast fehlen. Ob eine solche ganz eigenthümliche Erdkrustenstructur 
auf die wohl bekannten Pendel -Anomalien Einfluß hat oder nicht, 
lassen wir dahin gestellt sein. Eine andere Frage bleibt es auch, wie 
tief in der Erde sich die Wässer durch Einsickerimg verbreiten, und 
dann wie tief die mit Wasser gefüllten Räume sich erstrecken? Ob 
man da wirklich nach den gangbaren Ansichten über Druckkraft so 
wie über die Steigerung der Erdwärme mit Zunahme der Tiefe eine 
bestimmte, und genau überall dieselbe Grenze für das Vorhandensein 
der Wässer und der mit jener Flüssigkeit gefüllten Räume annehmen 
kann und muß? 






SITZUNGSBERICHTE 



DER 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN, 



MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICH?: CLASSE. 



LV. BAJfD. 



ERSTE ABTHEILUNG, 



Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie. Botanik, 
Zoologie , Anatomie. Geologie und Paläontologie. 



Sitzb. d. mathem.-naturw. CL LV. Bd. I. Abth. 23 



329 



VIII. SITZUNG VOM 14. MÄRZ 1867, 



Se. Excellenz Herr Graf von Taaffe zeigt mit Zuschrift vom 
11. März 1. J. an, daß er, von Sr. k. k. Apost. Majestät mit der Lei- 
tung des Ministeriums des Innern betraut, sein Amt angetreten habe, 
und es sich zur angenehmen Pflicht machen werde, den Wünschen 
und Interessen der kais. Akademie der Wissenschaften in dem ihm 
anvertrauten Wirkungskreise die kräftigste Förderung angedeihen 
zu lassen. 

Der Secretär legt folgende eingesendete Abhandlungen vor: 

„Über die Hydrokaffeesäure und die Hydroparacumarsäure", 
von Herrn Prof. Dr. H. Hlasiwetz. 

„Über Seidenraupenkrankheit", von Herrn J. A. Hübner in 
Prag. 

Herr Prof. Dr. Aug. Em. Reuss überreicht eine Abhandlung: 
„Zur Foraminiferenfauna in Österreich", von Herrn F. Karr er. 

Herr Prof. Dr. C. Freih. v. Ettings hausen legt den III. Theil 
seiner für die Denkschriften bestimmten Abhandlung: „Die fossile 
Flora des Tertiärbeckens von Bilin" vor. 

Herr Dr. S. Stricker übergibt eine Abhandlung: „Experi- 
mentelle Untersuchungen über die traumatische Leberentzündimg", 
von Herrn Dr. F. Holm aus St Petersburg. 

Herr Dr. Fr. St ein dachner legt eine Abhandlung: „Ichthyo- 
logische Notizen" IV. vor. 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin: Monats- 
bericht. November 1866. Berlin; 8<>. 

Annales des mines. VI e Serie. Tome IX, 3 e Livraison de 1866. 
Paris, 1866; 8°. 

Apotheker- Verein, allgem. österr. : Zeitschrift, ty. Jahrg. Nr. 5. 
Wien, 1867; 8<>- 

23* 



330 

Astronomische Nachrichten. Nr. 1631 — 1632. Altona, 1867; 4<>. 
C o m p t e s r e n d u s des seances de 1' Academie des Sciences. Tome 

LXIV. Nrs. 7—8. Paris, 1867; 4°. 
Cos mos. 2 e Serie. XVI e Annee, 5 e Volume, 9 e — 10 e Livraisons. 

Paris, 1867; 8». 
Disco urs prononces sur la tombe de M. Auguste Viquesnel le 

11 ferner 1867. Paris, 1867; 4<>. 
Gesellschaft, Oberlausitzische, der Wissenschaften: Neues Lau- 
sitzisches Magazin. 43. Band, 2. Doppelheft. Görlitz, 1867; 8<>. 
Gewerbe - Verein, n. -ö\: Verhandlungen und Mittheilungen. 

XXVIII. Jahrg. Nr. 9—10. Wien, 1867; 8<>. 
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. 17. Jahrg. Nr. 9 — 10. 

Wien, 1867; 4<>- 
Lotos. XVII. Jahrgang. Februar 1867. Prag; 8». 
Ludwig, C. , Arbeiten aus der physiologischen Anstalt zu Leipzig 

vom Jahre 1866. Leipzig, 1867; 8°. 
Mitth eilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Jahrg. 

1867, III. Heft. Gotha; 4o- 
Wiener medizin. Wochenschrift. XVII. Jahrg. Nr. 18 — 21. Wien, 

1867; 4«. 
Wochen- Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts- Gesellschaft. 

XVI. Jahrg. Nr. 5. Gratz, 1867; 4<>. 



Karrer, Zur Foraminiferenfauna in Österreich. 331 



Zur Foraminiferenfauna in Österreich. 
Gesammelte Beiträge von Felix Rarrer. 

(Mit 3 Tafeln und einer Übersichtstabelle.) 

I. Über die Foraminlferen des Schlier (Meletta Tegel und 
Menelitschiefer) in Niederösterreich und Mähren. 

Nach Prof. Suess' trefflichen Untersuchungen über den Charak- 
ter der österreichischen Tertiär-Ablagerungen *) liegen als trennen- 
des Glied zwischen den älteren tertiären Ablagerungen des sogenannten 
außeralpinen Beckens von Wien, die bisher als Horner-Schichten 
bezeichnet wurden und der marinen Stufe des alpinen Beckens, 
Schichten von blauweißem und grauem Mergel und Sanden mit Schup- 
pen von Meletta sardi?iltes, Nautilus Scherben, marinen Conchilien 
und zahlreichen Foraminiferen, ferner Gypslagen und Sandsteinplatten 
mit Landpflanzen, Lignitflötzchen und brakischen Einschwemmungen. 

Diese Gruppe bisher als Meletta-Tegel und Menilitschiefer bezei- 
net, hat in paläontologischer Beziehung eine so vollständige Überein- 
stimmung mit dem oberösterreichischen Schlier, daß Suess diesen 
Namen auch auf die entsprechenden Bildungen der Niederung von 
Wien, auszudehnen sich bewogen fand. 

Der oberösterreichische Schlier ist von Prof. Beuss schon 
wiederholt einer Untersuchung unterzogen worden. 

In EhrlicVs geognostischen Wanderungen im Gebiete der nord- 
östlichen Alpen 2 ), bespricht Beuss das Besultat der Untersuchung 
eines faustgroßen Stückes Tegel aus einem Vorkommen nächst Linz 
am Weg gegen den Kirnberg (Hauserer Bauernhaus). 

Es fanden sich darin kleine Fischzähne von Lamna - Arten, 
Entomostraceen (Cythere sulcata und punctata Bss. , und Cythera 



!) Suess, Über den Charakter der österr. Tertiärabi. Heft I. Sitzungsber. d. kais. 

Akad. d. Wissensch. Bd. L1V. 1866. 
2 ) Ehrlich, Geognost. Wanderungen im Gebiete der nordöstl. Alpen. Linz 1852. 

pag. 69. 



«> )> 2 K :i r r 6 r. 

Edwardsi Roem.) und 28 Arien Foraminiferen darunter neun neue 

Arien. 

Bis auf diese neun Arten kommen alle auch im Wiener Becken 
vor; doeli sind sie meist schlechter erhalten, und gerade die um 
Wien häufigen, fehlen um Linz ganz, wodurch dieser Fauna ein eigen- 
t h ü m 1 i c h e s G e p r ä g e verliehen wird. 

Es sind: 

Verneulina spinulosa Rss. 
Cristellaria armata Rss. n. sp. 

„ placenta Rss. n. sp. 

Cristellaria (Robulina) clypeiformis d'Orb. 

„ calcar var. cultrata d'Orb. 

„ callosa Rss. n. sp. 

Uvigerina pygmaea d' r b. 
Polymorphina (GlobulinaJ gibba d'Orb. 

„ * spinosa d'Orb. 

Sphaeroidina austriaca d'Orb. 
Bolivina lineolata Rss. n. sp. 
Cassidulina oblonga Rss. 
Pulvinulina Haueri d'Orb. 
Discorbina planorbis d' r b. 
Rotalia cryptomphala Rss. n. sp. 
„ multisepta Rss. n. sp. 
„ Soldanii d'Orb. 
Truncatalina Boueana d'Orb. 
Rosalina cincta Rss. n. sp. 
Polystomella crispa d'Orb. 

„ Listeri d'Orb. 

„ Antonina d'Orb. 

„ caniniformis Rss. n. sp. 

„ Ehrlichi Rss. n. sp. 

Eine unbestimmbare Truncatulina (A?iomali?ia) eine Polymor- 
phina (Guttalina) und zwei Nodosarien. 

Über den Schlier von Ottnang äußert sich Prof. Reuss i) folgen- 
der Weise : derselbe ist schwer zu schlämmen und im Allgemeinen 



*) Reuss, Schlier von Ottnang. Jahrbuch d. kais. geolog. Reichsanstalt XIV. Band 
1864. V. pag. 20. 



Zur Foraminiferenfauna in Österreich. 333 

arm an Foraminiferen, welche durch ihre ungemeine Kleinheit auf- 
fallen. Nur wenige Miliolideen und Cristellarien erreichen größere 
Formen. Im Ganzen fanden sich in der untersuchten Probe 21 Species, 
wovon drei nicht bestimmbar waren. 

Es sind: 

Plecanium abbreviatum d'Orb. 
Quinqueloculina Ungeriana d'Orb. 
„ foeda Rss. 

„ obtecta Rss. n» sp. 

Nodosaria vennsta Rss. 
Dentalina acuta d'Orb. 
Cristellaria (Margi7iulina) hirsuta d'Orb. 
„ Josephina d'Orb. 

„ variabilis Rss. 

Cristellaria (Robulina) calcar var. cultrata d'Orb. 
„ „ similis d'Orb. 

„ „ intermedia d'Orb. 

„ „ inornata d'Orb. 

„ „ simplex d'Orb. 

Cassidulina oblonga Rss. 
Textilaria pectinata Rss. 
Rotalia cryptomphala Rss. 
„ üaidingerii d'Orb. 

Alle diese Arten gehören dem marinen Tegel an, und sind aus 
Baden bekannt mit Ausnahme von Nodosaria venusta, Rotalia cryp- 
tomphala und Cassidulina oblonga. 

An Übereinstimmung des Schliers mit demselben kann daher 
gar nicht gezweifelt werden und die anscheinende Fremdartigkeit 
seiner Foraminiferenfauna liegt darin, daß Formen vorwalten, die in 
Baden nur spärlich entwickelt sind. 

Auffallend ist das Fehlen aller Globigerinen und Polystomellideen, 
ebenso mangeln Bryozoen und von Anthozoen fand sich nur eine inte- 
ressante Art Placotrochus elegans n. g. & n. sp. , die auch in Baden 
vorkömmt. 

Alles deutet auf eine Ablagerung in bedeutender Tiefe und Ein- 
wirkung lokaler Differenzen, deren Einfluß auch im Schlier von 
Linz nicht verkennbar ist, wie dessen abweichende Fauna es beweist. 



;> ;> 4 K a r r e r. 

Diesen sehr werthvollen Beobachtungen bin icli in der Lage 
einige neue hinzuzufügen, indem es mir gegönnt war mehrere der von 
Czizek und Prof. Suess selbst, theils in Niederösterreich, theils in 
Mähren gesammelten Proben des Schliers, einer eingehenden Unter- 
suchung zu unterziehen. Das daraus gewonnene Resultat dürfte in 
Kürze in Folgendem sich zusammenfassen. 

Von kieselschaligen Foraminiferen ist nur die Gattung Clavu- 
lina u. z. Clavulina communis häufiger angetroffen worden; alles 
Übrige ist Seltenheit. Die Familie der Miliolideen ist durchwegs 
selten. Die Nodosa rideen zeigen zwar eine größere Anzahl Arten 
ihre Individuenzahl ist aber stets eine sehr beschränkte, ganz im Ge- 
gensatze zu dem Tegel von Baden, wo dieselben eine Hauptrolle 
spielen. Nur Nodosaria (Dentalina) elegans macht davon eine Aus- 
nahme, da dieselbe fast an allen Schlierlocalitäten zu treffen war und 
mitunter nicht selten. 

Die Familie der Cris teil arid een ist der vorherrschende Ty- 
pus. Fast durch alle Fundorte gehen die Species: C. calcar, eultrata, 
cassis, inornata, wo diese fehlen, treten andere, mitunter auch neue 
Arten auf. 

Die Polymorphinideen sind nur wenig vertreten ; Uvigerina 
pygmaea und Polymorphina problema gehen aber fast durch alle 
untersuchten Proben, mitunter auch nicht selten. 

Die Globige rinideen dagegen sind durchwegs sehr zahlreich 
vertreten, damit in Gesellschaft stets Orbidina universa. Merkwürdig 
erscheint das gänzliche Fehlen im oberösterreichischen Schlier. Trun- 
catulina Dutemplei fehlt fast keiner Localität, sie ist stets mehr oder 
weniger häufig. 

Die Rotalideen und Polystomellideen haben allerdings 
einige Vertreter; doch ist ihre Erscheinung immer eine Seltenheit. 

Die Nummulitideen fehlen so zu sagen ganz. 

Vergleichen wir sohin diese Fauna mit der jüngerer und älterer 
Horizonte, so finden wir, daß unsere Schlierfauna durchwegs mit 
jener von Baden übereinstimmt, es sind alle Arten auch dort vertre- 
ten, nicht so ergeht es mit der Fauna von Nußdorf. Es ist zwar auch 
nicht geringe Übereinstimmung was die Species anbelangt damit vor- 
handen, keineswegs aber die Häufigkeit gewisser Formen, und auch 
diese betrifft nur die tiefere Zone der marinen Uferbildung des soge- 
nannten Leythakalkes. Die höhere, die Amphisteginen-Zone unter- 



Zur Foraniiniferenfauna in Österreich. 335 

scheidet sieh natürlich eben so wesentlich davon, wie vom Badner 
Tegel. 

Mit dem Schlier von Ottnang zeigt sich hauptsächlich in dem 
Vorwalten der Cr ist ellaride en Übereinstimmung. 

Mit den Vorkommnissen des deutschen Oberoligocens stimmen 
16, mit dem deutschen Septarienthon 25 Arten überein. (Nach Prof. 
Reuss' tabell. Übersichten.) Freilich sind dies keineswegs die typi- 
schen Formen des Schliers und auch in diesen älteren Tertiärschich- 
ten eine seltene Erscheinung. 

Die große Übereinstimmung mit der Badner Fauna wird aber 
oft schwer eine Sonderung mit Sicherheit zulassen, wenn man es blos 
mit Foraminiferen zu thun hätte, da sich beide Stufen jedenfalls sehr 
nahe stehen. Das überwiegende Auftreten der Cristellarideen zusam- 
men mit Globigerinideen während Nodosarideen und Rotalideen sowie 
alle Miliolideen zurücktreten, dürfte vorläufig noch den einzigen Maß- 
stab zur Beurtheilung abgeben, wenn nicht andere typische Merk- 
male hinzutreten. Jedenfalls deutet aber der ganze Charakter der 
Fauna auf eine Ablagerung des Schliers in größerer Tiefe. 

Im Folgenden sind die Details der einzelnen Untersuchungen 
enthalten. Die beigegebene Tabelle erleichtert die Übersicht über 
das Gesagte, am Schlüsse ist die Beschreibung einiger neuer Arten 
beigefügt. 

ftrübern. *) Der viele Klafter mächtige Schlier dieses Ortes liegt 
hier auf den älteren Tertiär-Ablagerungen, diese ihrerseits auf dem 
Urgebirge des Mannhartsgebirges. Schon vor Jahren habe ich von 
Bergrath Czizek selbst gesammelte Proben des Schliers untersucht. 
Derselbe ist voll von Schuppen und Knöchelchen der Meletta sardi- 
nites, führt auch etwas Bryozoen. Cidaritenstachel, Cypridinen, Reste 
von Balanen und enthält etwa 13 Arten Foraminiferen in zahlreichen 
Individuen, es sind: 

Qainqaeloculina triangularis d'Orb. s. 
Nodosuria elegaus d'Orb. s. 
Cristellaria inornata d'Orb. h. 
„ simplex d'Orb. h. 

Polymor plana problema d'Orb. hh. 
Globigerina bulloides d'Orb. h. 



1) Siehe Suess: Österr. Tertiarablag. I. 1. c. pag. 24, 23. 



336 K arrer. 

Orbulina universa d'Orb. h. 
Truncatulina lobatula d'Orb. ns. 
Discorbina planorbis d'Orb. s. 
Pulvinulina Boueana d'Orb. ns. 
Rotalia Beccarii d'Orb. ns. 
Potystomella crispa d'Orb. s. 
„ obhtsa d'Orb. s. 

Die ganze kleine Fauna ist eigenthümlicli genug. Zum größten 
Theile die Formen führend , die dem Badner Tegel eigentümlich 
sind, und daher auf eine Ablagerung in großer Tiefe hinweisend, be- 
fremdet das fast gänzliche Fehlen der in Baden so sehr entwickelten 
Familie der Nodosarien, der Miliolideen, Textilarideen u. s. w. Vor- 
herrschend sind die Cristellarideen, Rotalideen und Polymorphinideen, 
Nicht ganz unähnliche Verhältnisse zeigt uns auch der oberösterrei- 
chische Schlier. 

Platt. *) Hier ist der Meletta-Schu^en führende Tegel in ge- 
störten Lagerungs-Verhältnissen. Von Czizek gesammeltes Materiale 
enthielt 15 Arten Foraminiferen in zahlreichen Individuen, u. z.: 
Plecanium subangulatum d'Orb. ss. 
Nodosaria spinicosta d'Orb. ns. 
Cristellaria simplex d'Orb. s. 

„ calcar var. cultrata d'Orb. h. 

„ inornata d'Orb. ns. 

Polymorphina problema d'Orb. hh. 
Textilaria deperdita ss. 

„ carinata ss. 

Pullenia bulloides d'Orb. ss. 
Globigeri7ia bulloides d'Orb. h. 

„ triloba Rss. h. 

Truncatulina Dutemplei d'Orb. s. 

3i lobatula d'Orb. s. 

Rotalia Schreibersii d'Orb. s. 
Nonnionina communis d'Orb. s. 
Somit wieder Badner Formen jedoch in Auswahl namentlich 
Cristellarien, Polymorphinen, Globigerinen. 



1 ) Prof. Su e ss I. c. pag. 42, 43. 



Zur Foraminiferenfauna in Österreich. 33 i 

(rrußbach. *) Das Materiale dieser Localität ward einer Brunnen- 
bohrung entnommen und bezieht sich auf folgende Lagerungs-Ver- 
hältnisse: Das Plateau dieser Gegend ist mit Belvedere- Schotter 
bedeckt, darunter liegen jüngere marine Bildungen meist Sand mit 
der Fauna von Grund. Drei Klafter unterhalb des Plateaus liegt 
nun der erwähnte Brunnen, welcher in seinen erbohrten ersten sieben 
Klaftern die oberen Lagen des Schliers uns zeigt. Die Foramini- 
feren dieser sandig mergligen Partie 24 Arten an der Zahl, sind nun 
folgende : 

Clavulina communis d'Orb. h. 
Nödosaria baccillum d'Orb. ss. 

„ elegans d'Orb. ss. 

„ bifurcata d'Orb. ss. 

Cristellaria similis d'Orb. ss. 

„ cassis d'Orb. ns. 

„ calcar d'Orb. ns. 

„ „ var. cultrata d'Orb. hh. 

„ ornata ss. 

Uvigerina pygmaea d'Orb. h. 
Bulimina pupoides d'Orb. s. 
„ Buchiana d'Orb. s. 
Polymorphina problema d'Orb. ss. 
Orbulina universa d'Orb. s. 
Globigerina regularis d'Orb. ss. 

„ quadrilobata d'Orb. ss. 

„ triloba Rss. s. 

Truncatulina Dutemplei d'Orb. s. 
Rottdia Soldanii d'Orb. s. 
Polystomella crispa d'Orb. ss. 

„ flexuosa d'Orb. ss. 

Nonnionina communis d'Orb. s. 

„ Soldanii d'Orb. s. 

Amphistegina Hauer ina d'Orb. s. 

Die darunter folgenden 4 Klafter sind blauer plastischer Thon 
mit 41 Arten Foraminiferen. u. z. : 



J ) Prof. Suess 1. c. pag. 44, 45. 



338 



Clavulina communis d'Orb. h. 
Quingueloculina Eaidingerii d'Orb. ss. 
Fissurina laevigata Rss. ss. 
Glandulina laevigata d'Orb. ss. 
Nodosuria affinis d'Orb. ss. 

„ baccillum d'Orb. s. 

„ hispida d'Orb. s. 

„ actdeata d'Orb. ss. 

„ elegans d'Orb. h. 

„ Verneulii d'Orb. ss. 

„ Adolphina d'Orb. s. 

„ floscula d'Orb. ss. 

„ bifurcata d'Orb. ss. 

„ punctata d'Orb. ss. 
Vaginulina badenensis d'Orb. h. 
Lingulina costata d'Orb. ss. 
Cristellaria similis d'Orb. ss. 

„ cristellaroides Cz. ss. 

„ abbreviata Karr. ss. 

_„ cassis d'Orb. ns. 

is semiluna d'Orb. ss. 

„ Josephiniana d'Orb. ss. 

„ calcar d'Orb. ss. 

„ „ var. cultrata d'Orb. hli. 

„ vortex Ficht, et Moll. ss. 

„ ariminensis d'Orb. ss. 

„ echinata d'Orb. ss. 

„ clypeiformis d'Orb. ss. 

„ inornata d'Orb. s. 

Uvigerina pygmaea d'Orb. h. 
Bidimina ovata d'Orb. ss. 
Polymorphina problema d'Orb. ss. 
Sphaeroidina austriaca d'Orb. s. 
Orbulina universa d'Orb. s. 
Globigerina biloba d'Orb. s. 

„ regularis d'Orb. ss. 

Truncatulina austriaca d'Orb. s. 

„ Suessi Karr ss. 



Zur Foraminiferenfauna in Österreich. 339 

Truncatulina Dutemplei d'Orb. hh. 
Rotalia Schreibersii d'Orb. ss. 
Amphistegina Hauerina d'Orb. ss. 
Beide Schichten aus dem Schlier von Grußbach, namentlich die 
tieferen, zeigen eine sehr große Verwandtschaft mit der Foramini- 
feren-Fauna von Baden. Die überwiegende Arten und Individuenzahl 
an Cristellarien scheint auch hier bezeichnend, die sonst im Schlier 
selteneren Nodosarien sind wohl hier in vielen Arten vertreten, aber 
doch selten an Individuen, im Ganzen wiederholt sich also der eigen- 
thümliche Typus des Schlier. 

Laa *)• Der außerhalb der Stadt in einem Ziegelofen entblößte 
Schlier zeigte in dem gewonnenen Schlemmrückstande eine eigen- 
thümliche Combination von Trümmern von Kalkspath, Jurakalk, von 
milchweißem splitterigen Quarz, neben rauchgrauen abgerundeten 
Quarz, von weißen und tombakbraunen Glimmer, ferner kohlige Sub- 
stanzen mit Pyrit durchzogen und zahlreiche organische Reste: Echi- 
nodermentafeln, Cidaritenstachel, Cypridinen nebst Gasteropoden und 
Bivalven. Foraminiferen, echte Badner Formen, sind eben nicht sehr 
zahlreich, aber auch nicht eine Seltenheit u. z. folgende: 
Plecanium Hauerii ss. 
Spiroloculina Sp. ? ss. 
Quinqueloculina foeda Rss. ss. 

„ Dutemplei d'Orb. ss. 

„ longirostris d'Orb. ss. 

„ badensis d'Orb. ss. 

Alveolina meto d'Orb. ss. 
Nodosaria incerta Neug. ss. 
Cristellaria hirsuta d.Orb. ss. 

„ vortex Ficht, et Moll. ss. 

„ calcar var. cultrata d'Orb. s. 

„ inornata d'Orb. ss. 

Uvigerina pygmaea d'Orb. s. 
Textilaria carinata d'Orb. ss. 
Truncatulina Dutemplei d'Orb. s. 
Rotalia tuber osa n. sp. ss. 
,, Beccarii d'Orb. h. 



') Suess I. c pag. 4o— 47. 



340 



K n r r e r 



Polystomella crispa d'Orb. h. 

,, Fichtelliana d'Orb. ss. 

Nonnionina communis d'Orb. s. 
Enzersdorf bei Staats *)• Der an dieser Stelle in sehr gestörter 
Lage befindliche Schlier, in welchem nebst Mel. sardinites und Nau- 
tilus zahlreiche Conchilien vorkommen, enthält außerdies den Placo- 
trochus elegans von Ottnang, Cidaritenstachel, Bryozoen-Spuren 
und mehrere Arten Foraminiferen aber alle in geringer Zahl u. z. : 
Nodosaria aculeata d'Orb. ss. 
„ elegans d'Orb. ss. 
„ Verneulii d'Orb. ss. 

„ acuta d'Orb. ss. 
Cristellaria semiluna d'Orb. ss. 
„ cassis d'Orb. ns. 

» calcar var. cultrata d'Orb. ns. 

„ inörnäta d'Orb. ns. 

„ simplem d'Orb. ss. 

Uvigerina pygmaea d'Orb. s. 
Polymorphina problema d'Orb. ss. 
Orbulina universa d'Orb. s. 
Globigerina biloba d'Orb. ss. 
„ bulloides d'Orb. h. 

„ triloba R s s. hh. 

Pulvinidina Partschiana d'Orb. s. 
Truncatulina Äkneriana d'Orb. ss. 
„ Dutemplei d'Orb. ss. 

Rotalia Schreibersii d'Orb. ss. 
„ Soldanii d'Orb. ss. 
„ conoidea Cz. ss. 
Nonnionia Soldanii d'O r b. ss. 
Ämphistegina Hauerina d'Orb. ss. verschwemmt. 
Es sind durchweg bezeichnende Badner Formen, namentlich 
sind es Cristellarien, die uns hier ebenfalls entgegentreten, wie in 
allen Schlier-Vorkommnissen. 

Orlau. Diese Localität, nordwestlich von Ostrau gelegen, gibt in 
einem daselbst aufgeschlossenen Sandsteinbruch nach Prof. Suess 



!) Suess 1. c. pag. 47, 48. 



Zur Foraminiferenfauna in Österreich. 341 

folgende Lagerungs-Verhäitnisse. Auf den steil aufgerichteten nach Ost 
fallenden eocänen Sandsteinbänken, liegt discordant weißblauer Thon 
mit zahlreichen Petr'efacten, darunter Östren crassissima, das Ganze 
ist mit petrefactenleerem Sand bedeckt. Dieser Thon führt nun außer 
den stets auftretenden hier besonders schönen und zahlreichen Cida- 
ritenstacheln, etwas Bryozoen und eine große Masse Foraminiferen, 
es sind darunter einige dreißig sehr gut erhaltene Arten, u. z. : 
Clavulina communis d'Orb. ns. 

„ rostrata R s s. ss. 
Lagena hispida Rss. ss. eine oligocäne Form. 
Nodosaria badenensis d'Orb. ss. 
„ inornata d'Orb. ss. 
„ elegans d'Orb. ns. 
„ Verneulii d'Orb, ns. 

„ acuta d'Orb. ss. 
Amphimorphina Rauerii N e u g. ss. 
Cristellaria pedum d'Orb. ss. 
„ hirsuta d'Orb. ss. 

„ abbreviata Karr. ss. 

„ crassa d'Orb. ns. 

„ cassis d' Orb. ns. 

„ calcar d' r b. h. 

„ calcar var. cidtrata d'Orb. h. 

„ echinata d' r b. hh. 

„ inornata d'Orb. hh. 

„ vortex Ficht, et Moll. ss. 

„ dentata n. sp. 

„ deformis n. sp. 

Pidlenia bidloides d'Orb. ss. 
Sphaeroidina austriaca d'Orb. ss. 
Uvigerina pygmaea d'Orb. h. 
Bulimina Buchiana d'Orb. s. 
Polymorphina problema d'Orb. ss. 
„ punctata d'Orb. ss. 

Orbulina universa d'Orb. hh. 
Globiger ina biloba d'Orb. h. 
„ bidloides d'Orb. hh. 

„ triloba R s s. hh. 



342 Karr er. 

Truncatulina Dutemplei d'Orb, hh. 

„ rotella d'Orb. hh. 

Rotalia Girardana Rss. ss. eine oligocäue Form. 

» Reccarii d'Orb. ss. 

„ scutellaris Karr. ss. 
Nonnionina Soldanii d'Orb. h. 

Die ganze Masse dieser Fauna ist hauptsächlich auf die Badner 
Formen beschränkt. Cristellarien und Globigerinen, diese Typen tie- 
fen Wassers sind auch an diesen, den früheren Vorkommnissen ziem- 
lich fern liegenden Punkte, vorwaltend. 

Ostrau. Eine Probe von Tegel aus einem Steinbruch neben dem 
Dreifaltigkeits-Schachte an dem Steinkohlenbaue, dessen Hangendes 
der Schlier bildet, lieferte nur wenig Foraminiferen, die allein häufi- 
gen sind wieder Cristellarien und Globigerinen. Es sind: 

Clavulina communis d'Orb. ss. 
Glandulina laevigata d'Orb. ss. 
Nodosaria elegans d'Orb. ss. 

„ Reussi d'Orb. ss. 
Cristellaria calcar var. cultrata d'Orb. h. 

„ inornata d'Orb. h. 

Bulimina pyrula d'Orb. ss. 
Uvigerina pygmaea d'Orb. ss. 

„ semiornata d'Orb. ss. 
Orbulina universa d'Orb. h. 
Globigerina bulloides d'Orb. h 

„ triloba R s s. h. 

Truncatulina Dutemplei d'Orb. ss. 
„ austriaca d'Orb ss. 

Jaklovetz. Dieser Ort liegt unweit Ostrau, hier ruht nach Prof. 
Suess' Beobachtungen, auf den Kohlenflötzen in horizontaler Lage- 
rung, abwechselnd Sandstein und Basalttuff etwa zwei Klafter mäch- 
tig, darüber blauer Schlier, welcher viel Cidaritenstachel, einige Cy- 
pridinen und wieder sehr zahlreiche Foraminiferen enthält, die aus- 
gezeichnete Badnertypen repräsentiren. Als bezeichnend treten hier 
die Cristellarien in ganz außerordentlicher Zahl, deßgleichen auch die 
Globigerinen, auf. 



Zur Foraminiferenfauna in Österreich. 343 

Clavulina communis d'Orb. h. 
Bigenerina agglutinans d'Orb. ss. 
Nodosaria aculeata d'Orb. ss. 

„ rudis d'Orb. ss. 

„ guttifera d'Orb. ss. 

„ acuta d'Orb. ss. 

„ elegans d'Orb. ss. 

„ inornata d'Orb. ss. 

Cristellarla cassis d'Orb. h. 

„ calcar d'Orb. s. 

„ „ var. cultrata d'Orb. h. 

„ simplem d'Orb. h. 

ti inornata d'Orb. h. 

„ vortex Ficht, et Moll. s. 

„ dentata n. sp. 

„ undulata n. sp. 

Bulimina pupoides d'Orb. s. 

„ Buchana d'Orb. ns. 
Uvigerina semiornata d'Orb. ns. 
Globigerina bulloides d'Orb. hb. 

„ triloba d'Orb. hh. 

Orbulina universa d'Orb. h. 
Truncatulina Dutemplei d'Orb. ns. 

„ austriaca d'Orb. h. 

Botalia Sehr eiber sii d'Orb. ss. 
Nonnionina Soldanii d'Orb. ss. 
Amphistegina Hauerina d'Orb. ss. 



Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Ahth. 24 



344 



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348 K arrer. 

Beschreibung der neuen Arien. 
1. Cristellaridea. 

1. CristellariadentataKarr. (Taf. I, Fig. 1.) 

Die Schale dieser neuen Art ist sehr comprimirt, schön lanzett- 
förmig und mit einem Kiel versehen, welcher namentlich in jüngeren 
Individuen auffallende Zacken zeigt. Die Zacken sind aber nur am 
unteren Theile der Schale entwickelt. Die Kammern sind zahlreich, 
nur durch schwache Linien bezeichnet, und die erste derselben, na- 
mentlich in jüngeren Individuen, ansehnlich aufgeblasen, ihre Zahl 
steigt bis zu mehreren zwanzig. Die Mundfläche ist vollkommen eben 
abgeschnitten, der Mund eine längliche Spalte. 

Diese Art hat einige Ähnlichkeit mit der von Prof. Reuss in der 
Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellsch. B. IV, S. 17 beschriebenen Cr. 
spinulosa» welche im Septarienthon von Görzig unweit Köthen und 
von Greif bei Salzgitter, so wie im Unteroligocän von Calbe vor- 
kömmt. Diese oligocäne Species ist jedoch weit weniger comprimirt, 
alle ihre Kammern sind etwas aufgeblasen und beschränken sich auf 
die Zahl 9. Sie sind auch durch Leisten oder Rippchen von einander 
getrennt, die letzte durch eine tiefe Naht; somit sind hinreichende 
Unterschiede von Cr. dentata gegeben, welche in Jaklovetz und Or- 
lau vorkommt, und auch aus dem Tegel eines Brunnens im neuen 
Gymnasial-Gebäude zu Brunn gewonnen wurde. Sie ist im Ganzen 
nicht selten. Ihre Größe steigt bis zu 4 • 5 Millimeter. 

2. Cristellaria undulata Karr. (Taf. I, Fig. 2.) 

Eine sehr frappante aus sechs Kammern bestehende Art. Jede 
Kammer ist für sich aufgeblasen und es liegen die Nähte ganz ver- 
tieft inzwischen. Am Umfange sind diese Kammern etwas abgerundet 
und der die Schale umfassende Flügelsaum zeigt daher eine wellen- 
förmige sehr ausgezeichnete Contour. Die älteren Kammern sind 
durchweg mit kleinen Tuberkeln bedeckt, welche auch im Centrum 
der Schale auftreten. In ganz ausgebildeten älteren Individuen ver- 
fließen diese Knötchen zu 2 — 3 Rippen. Die Mundfläche ist schwach 
gewölbt und am Saume von zwei schwachen Flügeln eingefaßt. Der 
Mund wenig gestrahlt. Als Verwandte ist Cr. moravica Karr, zu be- 
zeichnen, die aber die doppelte Anzahl Kammern besitzt, etwas com- 
primirter ist und keine Verzierung hat. Die gleichfalls ähnliche Cr. 
uriminensis hat mehr Kammern , ist auch niedergedrückter und hat 



Zur Foraminiferenfauna in Österreich. 34-9 

eine viel regelmäßigere Ornamentik. Die Größe der neuen Art dürfte 
l3/ 4 Millim. erreichen. Sie ist im Thone von Jaklovetz ziemlich selten. 

3. Cristellaria deformis Karr. (Taf. I, Fig. 3.) 

Eine der Cr. moravica Karr, verwandte Art. Nur besitzt sie 
keine crista wie diese, wohl aber in den älteren Individuen Nähte 
die tief gespalten und an der Peripherie gegabelt sind. Ihre Schale 
ist eiförmig, stark comprimirt, die Zahl der Kammern schwankt zwi- 
schen 7 und 9. Der Nabel erscheint durch accessorische Tuberkeln 
zum Theil bedeckt. 

Die Mundfläche ist etwas gewölbt, sehr schmal, der Mund eine 
Spalte, oben gestrahlt. 

Sie zeigt eine Neigung zur Deformität der letzten Kammer, die 
manchmal einseitig aufgeblasen ist, so daß sie sich nach einer Seite 
neigt, wo dann eine Nabelbucht zu sehen ist. 

In einem Exemplar ist die vorletzte Kammer über die Peripherie 
der letzten in eine Spitze vorgezogen, die strahlig ist. Es ist dies 
offenbar der Rest des früheren Mundsaumes, der nicht resorbirt 
wurde, während sich doch eine neue letzte Kammer vollständig her- 
ausbildete, so daß am Rande zwei vorgezogene Schnäbel entstehen- 
Die Größe beträgt 2 Millimeter. Sie ist übrigens selten in Orlau. 

2. Rotalidea. 

4. RotaliatuberosaKarr. (Taf. I, Fig. 4.) 

Die Schale dieser Art ist sehr aufgetrieben und durch ihre Ver- 
zierung sehr ausgezeichnet. Sie zählt auf der Nabelseite 16 Kammern 
und zeigt hier eine prachtvolle Ornamentik. Es sind die Kammer- 
nähte nämlich sehr tief eingeschnitten und beiderseits verlauft als 
Einfassung der Kammer eine Reihe ganz nahe neben einanderstehen- 
der Knötchen. Der Nabel erscheint ganz bedeckt mit solchen Höckern, 
die sehr stark hervortreten. Die Nähte stehen senkrecht auf der Peri- 
pherie der Schale, welche vollkommen abgerundet ist. 

Die Spiralseite steigt etwas gegen das Centrum an und zeigt 
nur 3 Umgänge. Auch hier setzen sich die Tuberkeln der Nabelseite 
fort und sind sowohl die einzelnen Kammern, als auch die Windungen 
durch eine Doppelreihe von Knoten besetzt. 

Der Mund ist eine kurze zum Nabel sich hinziehende Spalte. Sie 
ist 2 Millim. groß und sehr selten im Tegel der Ziegelgrube von Laa. 



350 k Hi- 



ll. Die Foraminiferenfauna von Grund. 

Die prachtvolle Molluskenfauna, welche wir aus dieser Localität 
besitzen, ruht hier in einem hauptsächlich aus abgerollten Quarzkör- 
nern, Muscheln und Schneckentrümmern bestehenden Sande von gel- 
ber Farbe. Da die Foraminiferenfauna dieses so petrefactenreichen 
Sandes bisher nicht näher untersucht worden, er selbst aber in so 
innigem Zusammenhange mit den im vorhergehenden Kapitel behan- 
delten Schliervorkommnissen steht, so mag es nicht uninteressant sein, 
etwas näher darauf einzugehen, um das Bild der so reichhaltigen 
österreichischen Tertiärfauna nach Möglichkeit zu vervollständigen. 

Die mikroskopische Fauna dieses Sandes bestellt aus einigen 
wenigen Cidaritenstacheln, Cypridinen, und Foraminiferen, welche in 
nicht unbedeutender Arten, weniger Individuenzahl darin vorkommen. 
Namentlich ist der Sand, welcher aus dem Innern der Mollus- 
ken-Schalen gewonnen wird, die Fundstätte der schönsten und zahl- 
reichsten Formen. 

Sie sind zum größeren Theile ganz gut erhalten und lassen sich 
mit voller Sicherheit bestimmen, doch ist in manchen Fällen ihr Vor- 
kommen in einem sandigen Medium nicht zu verkennen, da sie mit- 
unter etwas abgeschliffen, die langen Formen meistens zerbrochen 
erscheinen. 

In ihrer Totalität aufgefaßt, stimmt diese Fauna mit jener des 
Badner Tegels überein, ungleich mehr aber mit jener des Leithakalkes, 
und zwar mit jener der tieferen oder Bryozoen-Zone. Deßgleichen 
kommen alle in den marinen Sanden von Pötzleinsdorf, Neudorf an 
der March, Imendorf u. s. w. enthaltenen Formen ebenfalls im Grun- 
der Sande vor. 

Die meisten Vertreter zählt die Familie der Nodosarideen, dar- 
unter sehr häufig Nodosaria elegans, daran schließen sich die Cri- 
stellarideen mit Cristellaria cultrata und inornata als vorwaltende 
Arten. Überwiegend ist die Familie der Polymorphinideen, sehr häu- 
fig darunter ist : Bulimina pupoides, Uvigerina pygmaea, Polymor- 
phina problema. 

Von Rotalideen ist besonders häufig: Discorbina planorbis, 
Truncatulina Dutemplei und Rotalia Beccarii, welche letztere Art 



Zur Foraminiferenf'auna in Österreich. 3t> 1 

fast die Hälfte der ganzen Foraminiferen-Menge ausmacht. Die Poly- 
stomellideen sing gleichfalls häufig, namentlich Polystomella crispa 
und fleamosa, sowie Nonnionina communis. 

Sehr selten dagegen sind die Foraminiferen mit kieseliger 
Schale, dann alle Miliolideen, sowie die Textilariden und Globigerini- 
deen, ein Zeichen geringerer Meerestiefe. Deßgleichen fehlen so zu 
sagen ganz die Nummulitideen. 

Die bisherige Untersuchung des Sandes von Grund hat an 
100 Arten ergeben, darunter 6 ihrer besonderen Merkmale wegen, als 
neu bezeichnet wurden. Es tritt darin der Hauptcharakter dieser 
Fauna so entschieden hervor, daß spätere Funde wohl eine Vermeh- 
rung des Catalogs, gewiß aber keine Veränderung des jetzt schon 
klar ausgesprochenen Typus bilden können. 

Im folgenden Verzeichnisse bedeutet B das Auftreten derselben 
Art im marinen Tegel von Baden — N das Vorkommen in den Mer- 
geln des Nulliporenkalkes von Nußdorf. 
Verneulina spinulosa Rss. ss. N. 
Plecanium abbreviatum d'Orb. ss. B. 
„ laevigatum d'Orb. ss. N. 

Mariae d'Orb. ss. B. N. 
„ deperditum d'Orb. ss. B. N. 

Clavulina communis d'Orb. ss. B. N. 
Triloculina gibba d'Orb. ss. B. N. 
„ inflata d'Orb. ss. B. N. 

„ tricarinata d'Orb. ss. Wieliczka. 

Quinqueloculina Mayeriana d'Orb. ss. B. N. 
„ Akneriana d'Orb. ss. B. 

„ badenensis d'Orb. ss. B. 

„ Hauerina d'Orb. ss. B. 

Lagena Villardeboana d'Orb. ss. Crag. 
Fissurina carinata Rss. ss. Wieliczka. 
Nodosaria spinicosta d'Orb. ss. B. 
„ Mariae d'Orb. ss. B. 

„ rudis d'Orb. ss. B. 

„ aculeata d'Orb. ss. B. 

„ baccillum s. B. 

„ (Dentalina) inornata d'Orb. ss. B. 

„ „ elegans d'Orb. hh. B. N. 



3 52 K a r r e r. 

Nodosaria (Dentalina) Boueana d'Orb. ss. B. 
,. „ brevis d'Orb. ss. B. 

„ „ guttifera d'Orb. ss. B. 

„ „ Adolphina d'Orb. s. B. 

„ „ pauperata d'Orb. ss. B. 

„ „ elegantissima d'Orb. ss. B. 

„ „ acuta d'Orb. ss. B. 

„ „ floscula d'Orb. ss. B. 

„ „ Beyrichi Neug. ss. Lapugy. 

„ „ globaligera Neug. ss. Lapugy. 

„ „ trichostoma Bss. ss. Möllersdorf. 

„ „ scabra Bss. ss. B. 

„ „ seminuda Bss. ss. B 

„ „ pupiformis n. sp. ss. 

Frondicularia mucronata n. sp. ss. 
Amphimorphina Hauerana Neug, ss. Lapugy. 
Psecadium subovatum Karr. ss. Benkovac. 
Cristellaria (Margimdina) regularis d'Orb. ss. B, 

„ „ similis d'Orb. ss. B. 

„ „ • hirsuta d'Orb. ns. B. 

„ „ abbreviata Karr. ss. Ödenburg. 

„ cymboides d'Orb. ss. B. 

„ reniformis d'Orb. ss. B. 

„ crassa d'Orb. ss. B. 

„ calcar d'Orb. s. B. 

„ calcar var. cultrata d'Orb. h. B. 

„ simplex d'Orb. ss. B. 

„ inornata d'Orb. b. B. N. 

„ vortex Ficht et Moll. ss. B. 

„ variabilis Bss. ss. B. 

„ semituberctdata n. sp. ns. 

„ Grundensis n. sp. ss. 

„ inflata n. sp. ss. 

Pullenia bulloides d'Orb. ss. B. N. 

Bulimina pyrula d'Orb. ns. B. N. 

„ pupoides d'Orb. hh. B. N. 

„ ovata d'Orb. ss. N. 

„ Buchiana d'Orb. ss. B. N. 



Zur Foraminiferenfauna in Österreich. 353 

Bulimina elongata d'Orb. ss. N. 
Uvigerina pygmaea d'Orb. hh. B. N. 

„ asperula Cziz. ns. B. 

Polymorphina problema d'Orb. h. B. N. 
gibba d"Orb. ns. B.N. 
„ aequalis d'Orb. ss. N. 

„ spinosa d'Orb. ss. N. 

Virgulina Schreibersii Cziz. ss. B. 
Sphaeroidina austriaca d'Orb. ss. B. N. 
Textilaria carinata d'Orb. ss. B. N. 
Globigerina triloba Rss. ss. B. N. 
„ bidloides d'Orb. ss. B. N. 

„ arenaria n. sp. ns. 

üiscorbina planorbis d'Orb. hh. B. N. 

„ obtusa d'Orb. ss. N. 

Pidvimdina Hauerii d'Orb. s. B. N. 
„ Boueana d'Orb. ss. B. N. 

„ Kalembergensis d'Orb. ss. B. N. 

„ Partschiana d'Orb. ss. B. 

Truncatidina Dutemplei d'Orb. hh. B. N. 
„ Akneriana d'Orb. ss. B. N. 

„ austriaca d'Orb. ss. N. 

„ lobatula d'Orb. ss. B. N. 

„ Schreibersii d'Orb. ss. B. N. 

„ Haidingerii d'Orb. ss. B. N. 

Botalia Beccarii d'Orb. hh. B. N. 
„ Brognartii d'Orb. ss. B. 
Polystomella Fichtelliana d'Orb. ns. B. N. 
„ rugosa d'Orb. ss. B. N. 

* obtusa d'Orb. ss. B. N. 

„ crispa d'Orb. hh. B. N. 

„ flexuosa d'Orb. h. B. N. 

Nonnionina communis d'Orb. hh. B. N. 
„ granosa d'Orb. ss. B. N. 

Soldanii d'Orb. s. B. N. 
Heterostegina costata d'Orb. ss. B. N. 
Amphistegina Hauerii d'Orb. ss. B. N. 



354 



Beschreibung der neuen Arten. 
1. Khabdoidea. 

a. Nodosaridea. 

1. Nodosaria pupiformis Karr. Taf. I, Fig. o. 

Diese Dentalinenartige Form ist nur schwach gebogen und nach 
unten und oben verschmälert, so daß die letzte Kammer kleiner er- 
scheint als die vorletzte., dieselbe ist überdies in einen rüsselfürmigen 
Schnabel vorgezogen. Die erste Kammer dagegen ist etwas weniges 
aufgeblasener als die nächstfolgende und nimmt von da die Große 
der Kammern, deren Zahl neun beträgt, überhaupt nur allmälig zu. 
Die Kammernähte sind sehr deutlich und geradegestellt. Die kaum 
li/ 3 Millim. große Schale ist vollkommen glatt und im Sande von 
Grund sehr selten. 

ß. Frondicularidea. 

2. Frondicularia mucronata Karr. Taf. I, Fig. 6. 
Foraminiferen aus der Gattung Frondicularia gehören in den 

neogenen Ablagerungen immer zu den Seltenheiten. Aus dem Wiener 
Becken sind bisher nur acht Arten bekannt geworden, wovon 
d' Orbigny eine, Prof. Reuss drei und der Verfasser dieses vier 
beschrieben haben. Aus Lapugy sind durch Neugeboren vier 
Species bekannt geworden. 

Es ist daher um so erfreulicher, daß die in so vieler Beziehung 
interessanten Sande von Grund einen weiteren Beitrag zu dieser 
Gattung geliefert haben. 

Es ist diese neue Frondicularia eine vierkantige, vollkommen 
glatte Form, welche von unten nach oben nur wenig an Breite zu- 
nimmt und ihrem Character nach sehr zu dem Genus Rhabdogonium 
hinneigt, indem sie kantig ist und jede Kammer an vier Stellen immer 
von der nächst jüngeren umfaßt wird. Jedoch ist ihr Querschnitt 
nicht tetragonal, sondern ein langgezogenes Parallelogramm, ihre 
letzte Kammer besitzt keine centrale Zuspitzung und ihr Mund ist 
nicht völlig rund, daher sie zu Frondicularia gestellt werden mußte. 

Sie ist, wie oben bemerkt, comprimirt, die Kanten erheben sich 
etwas über die Seitenflächen, welche dadurch geringe concavirt er- 
scheinen, die Zahl der Kammern steigt bis vierzehn, die Nähte sind 



Zur Foraminiferenfauna in Österreich. 35b 

sehr deutlich, im obern Theil des Gehäuses vertieft, dasselbe etwas 
einschnürend und durchaus gleich sanft gebogen. Die erste und 
letzte Kammer erscheinen etwas aufgeblasen und trägt die erste zwei 
schwache Rippen, während die letzte und vorletzte in ganz aus- 
gewachsenen Exemplaren, auf jeder Seite mitten einen kleinen erha- 
benen Kamm besitzt. Die Mundöffnung ist etwas längsgezogen und 
zum Theil verästelt. Die Größe beträgt bis 2*/ 3 Millim. 
Sie ist im Grund sehr selten. 

S« Cristellaridea. 

3. Cristellaria scmitubercnlata Karr. (Taf. I, Fig. 5.) 

Es ist diese Art eine Marginalinenform von ziemlicher Kleinheit, 
sie hat nur 1 1/ 8 — 2 Millimeter. Die Krümmung der Schale ist nicht 
bedeutend und die Zahl der Kammern beträgt 9 — 10. Die ersten 7 
sind mit perlenartig angereihten Knötchen besetzt, die letzten zwei 
namhaft größer und deutlich eingeschnürt, sind aber glatt, nur in 
den tiefen Nähten zeigt sich ein Rest der Tuberkeln , der bisweilen 
noch die vorletzte Kammer schwach überzieht. 

Die Mündung ist gestrahlt und wenig vorgezogen, die erste Kam- 
mer aber manchmal mit einer kleinen Spitze versehen. Es ist diese 
Form allen gezierten, bekannten tertiären Arten ganz unähnlich in 
Folge der eigenthümlichen Ornamentik. 

Ziemlich selten im Sande von Grund. 

4. Cristellaria Grundensis Karr. (Taf. I, Fig. 6.) 

Eine der größten Foraminiferen in der sonst mehr durch kleine 
Formen ausgezeichneten Fauna von Grund. Sie hat etwas über zwei 
Millimeter, ist besonders flachgedrückt, lanzettlich, vollkommen glatt 
und zählt 7 — 9 deutlich durch transparente Nähte geschiedene Kam- 
mern, die am Umfange einen schmalen Flügelsaum tragen. 

Die Mundfläche ist eben abgeschnitten und beiderseits am Rand 
von einem erhabenen Saum eingefaßt, der Mund ist ein länglichter 
Spalt. Von Cr. Ruditziana Karr, unterscheidet sich dieselbe durch 
ihre weit geringere Kammeranzahl und bedeutendere Compression. 

Ziemlich selten in Grund. 

5. Cristellaria inflata Karr. (Taf. I, Fig. 7.) 

Diese Art ist stark aufgeblasen, aber weniger als Cr. crassa 
d'Orb. aus Baden. Sie hat 4 Kammern, welche durch deutlich ein- 
gebuchtete Nähte scharf geschieden sind. Jede Kammer trägt an der 



35t) Karr er. 

Stolle ihrer größten Elevation ein kleines Knöpfchen, das sich manch- 
mal in eine gespaltene Querrippe auszieht. Am Umfange befindet sich 
ein nicht unbedeutender Flügelsaum, welcher bis zu einem Drittel in 
die Mundfläche sich hineinzieht. Diese ist lanzettlich oben und unten 
zugespitzt, eingebuchtet und an beiden Rändern von einem Saume 
eingefaßt. Der Mund ist eiförmig, die Spitze nach oben, die Erwei- 
terung nach unten stehend. Die Größe ist ein Millimeter. 

Sehr selten im Grunder Sande. 

Von Cristellaria ornata, die etwas größer ist, ist sie hinreichend 
dadurch unterschieden, daß die Kammern bei der d'Orbi gny'schen 
Art nicht durch Nähte sondern durch Rippen getrennt erscheinen, 
und die Verzierung in mehreren starken Querrippen besteht. 

3. Globigerinidea. 

6. Globigerina arenaria Karr. (Taf. I, Fig. 8). 

Die Schale dieser neuen Art ist von der Seite eigenthümlich 
comprimirt, von einer Seite jedoch etwas mehr und gegen den Mit- 
telpunkt zu etwas vertieft. Die letzte Kammer ist groß, eiförmig, nach 
vorne abgeschnitten, und befindet sich die Spaltöffnung am unteren 
Theile, wo sich die letzte Kammer an die noch sichtbare älteste Kam- 
mer anlegt. 

Unterhalb des Mundes beginnt die älteste sichtbare Kammer, an 
sie setzen sich besonders schön, spiral angeordnet noch fünf Kam- 
mern, so daß im Ganzen vorne sechs Kammern sichtbar sind, deren 
letzte wie gesagt, sehr bedeutend aufgeschwollen ist, im Verhältniß 
zu den übrigen. 

Durch die besagte Compression sind die sechs Kammern auf der 
flacheren Seite sichtbar, auf der entgegengesetzten weniger compri- 
mirten Seite, sind je nach dem Individuum oft bis 10 Kammern sicht- 
bar, je nachdem die letzte große Kammer sich mehr oder weniger 
einhüllend über die älteren legt. 

Die Schale ist sehr fein porös, ist kaum ■ 5 Millim. groß und 
in Grund im ganz feinen aus den Mollusken-Schalen entnommenen 
Sande ziemlich häufig. 



Zur Foraminiferenfauna iu Österreich. OöT 



III. Nene Foraminiferen aus der Familie der Miliolideen aus 
den neogenen Ablagerungen von Holubica, Lapugy und 

Buitur. 

1. Bilocalina globiformis Karr. (Taf. II, Fig. 1.) 

Die Schale dieser Art nähert sich fast der Kugelform, nur gegen 
die Mundöffnung ist sie etwas zusammengezogen. Die letzte Kammer 
ist bedeutend aufgeschwollen, die vorletzte durch sehr schwache 
Naht von ihr geschieden, ist mehr eiförmig. Die Peripherie ganz ab- 
gerundet, der Mund eine lange halbmondförmige Spalte. Die Schale 
vollkommen glatt, ist kaum ■ 5 Millimiter groß und unterscheidet 
sich von der ebenfalls sehr aufgetriebenen B. simplex d'Orb. aus 
dem Wiener Becken hinreichend dadurch, daß diese ungleich größer 
weniger aufgeblasen und mehr eiförmig ist, überdies ist der gezahnte 
Mund, sowie die tief ausgeprägte Kammernaht ein sehr charakterisi- 
rendes unterscheidendes Merkmal der d'Orbigny'schen Art. 

Von Biloculina globulus Born, aus dem Septarienthon von 
Hermsdorf, welche gleichfalls sehr klein und kugelig ist, unterscheiden 
sie zwei Merkmale, erstens ist bei B. globulus die vorletzte Kam- 
mer ein Kugelsegment, bei B. globiformis ist sie elyptisch, und zwei- 
tens ist die Öffnung der Hermsdorfer Art ein gleichseitiges Dreieck, 
welches durch einen dreieckigen Zahn zu einer knieförmigen geboge- 
nen Spalte verengt ist, während sie hier entschieden halbmondförmig 
gebildet ist. 

B. globiformis ist eine sehr seltene Form aus dem Lehm von 
Holubica bei Pieniaky inGalizien »)» allwo eine sehr schöne Foramini- 
feren-Fauna sich findet. 

2. Spiroloculina lapngyensis Karr. (Taf. II, Fig. 2.) 

Eine langgestreckte lanzettliche Form mit vorgezogener letzter 
Kammer, glatt, sehr comprimirt, bestehend aus 6 Kammern, die ge- 



l ) Stur: „Fossilien aus den neogenen Ablagerungen von Holubica bei Pieniaky in 
Galizien." Jahrbuch der k. k. geolog. Reichsanst. Bd. XV, Heft 3, Wien 1856. 



358 Karr er. 

gen die Mitte abfallend auf beiden Seiten eine tiefe Einbuchtung 
bewirken. Am Umfange ist sie mit einer seichten Rinne versehen. 
Der Mund ist rundlich, auf der kantigen Peripherie eben abgeschnit- 
ten, der Zahn ist ein oben T förmig verbreiteter Stift. 

Die Größe beträgt 1 — i'5 Millimeter. 

Von Sp. canaliculata d'Orb. des Wiener Beckens unterschei- 
det sie die weit größere Kammernzahl dieser letzteren, ihre bedeu- 
tendere Einbuchtung und der Umstand, daß ihre Kammern seitlich 
nicht auch jede eine Aushöhlung besitzen. 

Sie ist selten in Lapugy. 

3. Spiroloculina cavernosa Karr. (Taf. II, Fig. 3.) 

Eine der vorigen sehr ähnliche Form, aber noch mehr lanzettlich 
zugespitzt, comprimirt. Die Kammern fallen noch mehr gegen die 
Mitte ab; so daß beiderseits eine bedeutende Einbuchtung entsteht. 
Der Rücken ist beiderseits von zwei Kanten gebildet, aber er zeigt 
keine Rinne, wie bei der vorigen Art, sondern ist etwas gewölbt, in 
der Mitte am breitesten, nimmt er gegen oben und unten etwas ab. 
Der Mund ist rund, mit einem oben sich verbreiternden keilförmigen 
Zahne versehen. Die ganz glatte Schale hat nur 1 -5 Millim. und ist 
sehr selten im Tegel von Lapugy. 

4. Spiroloculina compressiuscula Karr. (Taf. II, Fig, 4.) 

Diese Art ist weniger langgestreckt, außerordentlich comprimirt. 
Sie hat sechs Kammern, ist an den Seiten ganz flach und zeigt nur 
schwache Nähte mit Ausnahme der letzten Kammer, welche durch 
einen ziemlich tiefen Einschnitt von der nebenstehenden getrennt ist. 
Die Peripherie ist vollkommen abgerundet, der Mund ist rund ohne 
deutlichen Zahn. 

Die glatte Schale ist ein Millimeter groß und sehr selten in 
Lapugy. 

5. Spiroloculina tenuirostra Karr. (Taf. II, Fig. 5.) 

Diese eigentümliche Art besitzt eine flachgedrückte blattartige 
Schale, welche gegen die Mitte zu sich erhöht, wo sich die Kammern 
etwas aufblättern. Ihre Anzahl beträgt vier bis fünf und zeichnen 
sich die beiden letzten durch größere Breite besonders aus, die letzte 
ist etwas vorgezogen und gegen den Mund etwas erweitert. Dieser 



Zur Foraminiferenfauna in Österreich. 359 

selbst ist rund und kein Zahn bemerkbar. Die Peripherie des Gehäu- 
ses ist scharf, schneidig etwas gewellt, wie überhaupt die Form in 
den einzelnen Individuen ziemlich unregelmäßig ist, ohne jedoch 
ihren bestimmten Character zu verleugnen. 

Das 2 Millim. große Gehäuse ist nicht selten in Lapugy. 

6. Trilocalina angalata Karr. (Taf. II, Fig. 6.) 

Eine sehr ausgezeichnete Art, welche ziemlich stark aufgetrieben 
ist. Ihre Contour ist nahezu kreisförmig. In der vordem Ansicht 
erhebt sich die drittletzte Kammer in der Mitte einen hohen Kamm 
bildend. Sie wird von der zweiten und dritten Kammer sichelförmig 
umfaßt, auch diese fallen gegen die Peripherie ab. Auf der anderen 
Seite fallen die zwei letzten Kammern aber gegen die Mitte zu und 
bilden hier eine Vertiefung. Die Nähte sind beiderseits vollkommen 
deutlich. Die Peripherie von zwei scharfen Kanten gebildet ist etwas 
gewölbt, mitten breit, gegen die Enden sich verschmälernd. Der 
Mund ist oval und hat einen nicht sich verbreitenden Zahnstift. 

Die Schale ist glatt und ist 1*7 Millim. groß. Sehr selten im 
Tegel von Buitur in Siebenbürgen. 

7. Triloculina pyrnla Karr. (Taf. II, Fig. 7.) 

Eine ausgezeichnet aufgeblasene Art von fast kreisrunder Gestalt 
mit ganz abgerundeter Peripherie. Die letzte Kammer ist beinahe 
kugelig und umfaßt die vorhergehende vorletzte Kammer sehr bedeu- 
tend, die drittletzte Kammer erhebt sich nur wenig und ist auch voll- 
ständig abgerundet. Die Nähte sind durchaus deutlich, der Mund 
oval gegen unten verschmälert, der Zahn ein sich oben verbreiternder 
birnförmiger Stift, die Schale ist glatt und 1-5 Millim. groß. Von TV. 
inflata d'Orb. aus dem Wienerbecken ist dieselbe durch ihre noch 
bedeutendere Aufgetriebenheit, kreisförmige Gestalt und den eigen- 
tümlichen nicht gespaltenen Zahn unterschieden. 

Sie ist sehr selten in Lapugy. 

8. Triloculina cuneata Karr. (Taf. II, Fig. 8.) 

Eine sehr flachgedrückte Schale von unregelmäßiger Eiform, 
etwa ein verschobenes Viereck mit abgerundeten Ecken. Die Ober- 
fläche ist etwas gefaltet und zeigt die dritte Kammer nur wenig 
entblößt, indem die beiden letzten sehr breit sind und die mittlere 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Abth. 25 



3()0 Karr er. 

beinahe ganz umhüllen. Nähte sehr deutlich. Die Peripherie ist ganz 
abgerundet, der Mund oval, die Schale scheint sehr dick und des- 
gleichen der ganz keilförmige Zahn, welcher ansehnlich noch über 
dem Abschnitte des Mundsaumes hervorstellt. 

Diese Schale ist 1*5 Millim. groß und sehr selten im Tegel 
von Lapugy. 

9. Triloculina nodosaroides Karr. (Taf. II, Fig. 9.) 

Es ist dies eine Mischt'orm ganz eigener Art. Wir haben vor 
uns eine Triloculina der schönsten Form, die letzte Kammer aber 
statt mit dem Mundrande abzuschneiden, setzt noch eine neue Kam- 
mer an, die größer als die ganze übrige Schale uns die letzte Kammer 
einer Nodosaria quadrata d'Orb. aus dem Wiener Becken darstellt. 
Vorläufig wird diese eigenthümliche Form nicht als Mischtypus, 
sondern nur als eigenthümliche Art bezeichnet, bis ein wiederholtes 
Vorkommen die Berechtigung dazu geben würde. 

Unsere Triloculina ist eine sehr schöne in ihrem Character sehr 
ausgeprägte ziemlich hochgebaute Art. Betrachten wir zuerst die 
Vorderseite. Hier tritt die mittlere Kammer ziemlich stark hervor, 
ein kleiner Bogen mit zwei Kielen am Rande, mitten eine deutliche 
Rinne. Dieselbe wird umfaßt von zwei prachtvoll helmkammartig 
geschwungenen Kammern, welche auf dieser Seite etwas eingebuch- 
tet sind. Auf der Rückenseite, wo diese Einbuchtung schwächer, 
fallen diese Kammern gegen die Mitte, gleichsam ein Thal bildend, 
ab. Die Nähte sind sehr deutlich ausgesprochen. Die Peripherie der 
vorletzten Kammer hat ebenfalls zwei scharfe Kanten , mitten ist sie 
etwas vertieft, die Peripherie der letzten Kammer dagegen hat außer 
diesen zwei scharfen Kanten noch eine dritte mitten wie ein Kamm 
verlaufende Kante, somit zwei Rinnen; alle drei Kanten verlaufen 
unten zusammen sich knaufartig um die vorletzte Kammer legend. 

Die am Ende der letzten Kammer sich vorwerfende Nodosarien- 
kammer, ist ein sehr verlängertes Ei mit sechs stark vorspringenden 
Kanten, mitten fünf Rinnen begrenzend. Sie endet in einen etwas 
vorgezogenen Canal, der sich oben wie ein Kelch etwas erweitert 
und in dessen Mitte eine Mundöffnung sich befindet, die einen fünf- 
strahligen Stern darstellt. 

Die ganze Schale ist vollkommen weiß und glatt und etwa 
2-5 Millim. lang. Sie ist eine Rarität aus Lapugy. 



Zur Foraminiferenfauna in Österreich. 361 

10. Quinqueloculina scidula Karr. (Taf. III, Fig. 1.) 

Diese Form ist ganz blattartig zusammengedrückt, glatt und in 
ihrem Ganzen wellig gebogen. Auf der Vorderseite ragt die drittletzte 
Kammer als papierdünner Kamm etwas hervor, wellig gebogen, die 
letzte Kammer ist bedeutend groß, legt sich halbrund unten um die 
vorletzte umfassend herum, oben biegt sie sieb über die mittleren 
Kammern um , und senkt sich seitlich bis zu ein Drittel der Schale 
herab mit der vorletzten Kammer einen stumpfen Winkel bildend. 

Die Peripherie ist scharf, schneidig wie ein Blatt, unregelmäßig 
hin und her gebogen, geknittert; der Mundsaum erweitert sich etwas 
und endet in eine länglichte schmale Spalte ohne Zahn. 

Sie ist iy 3 Millim. groß und sehr selten in Holubica. 

11. Quinqueloculina gracilis Karr. (Taf. III, Fig. 2.) 

Zeigt eine langgestreckte wenig comprimirte Schale mit ab- 
gerundeten Kammern. Auf der Vorderseite hebt sich die vorletzte 
Kammer deutlich empor, auf der Rückseite ist die Schale etwas ver- 
tieft und mit deutlichen Nähten versehen. Unten greift die letzte 
Kammer über die vorletzte herum nur wenig abgerundet, oben ist 
der Mundsaum schräg abgeschnitten und etwas vorgezogen. Die 
Peripherie ist rundlich, der Mund rund mit kurzen oben sich ver- 
breiternden r-förmigen Zahn. 

Diese Art 1-6 Millim. groß ist sehr häufig im Lehm von 
Holubica. 

12. Quinqueloculina undosa Karr. (Taf. III, Fig. 3.) 

Die Schale ist etwas niedergedrückt, ziemlich breit, glatt, oben 
abgeschnitten unten unregelmäßig abgerundet. Die Kammern sind 
viereckig, unmerklich an den Seiten ausgehöhlt, an der Peripherie 
aber sehr stark, so daß eine tiefe Rinne entsteht. Vorne erhebt sich 
bedeutend die drittletzte Kammer, gleichfalls diese starke Einbuchtung 
zeigend. Dabei sind alle Kammern vielfach gewunden , geknittert, 
gewellt etwa wie Q. contorta d' Orb. aus dem Badner Tegel, welche 
aber eine sehr schmale Form hat und weniger verbogen ist. 

Der Mundsaum ist etwas erweitert, der Mund ein großes läng- 
lichtes, zum Theil unregelmäßiges Viereck mit einen langen schma- 
len Stift. 

Die Größe dieser in Lapugy nicht seltenen Art ist lo Millim. 

25* 



3(52 Karr er. 

13. duiiiqueloiMiliiia costata Karr. (Tal'. III, Fig. 4.) 

Die Schale ist sehr schmal, auf der Peripherie nur schwache 
Biegung bemerkbar, unten abgerundet, letzte Kammer etwas vor- 
gezogen. Auf der Vorderseite tritt die mittlere Kammer stark hervor, 
sie ist abgerundet, und fast gleich breit wie die beiden letzten. Die 
Rückseite ist fast eben, die Nähte sind deutlich. An der Peripherie 
ist das Gehäuse gleichfalls ganz abgerundet, der Mund vollkommen 
rund, der Zahn ein kurzer Stift. Über die ganze Oberfläche verlaufen 
stark hervortretende nicht zahlreiche Rippen , welche die Form sehr 
characterisiren. 

Die Größe beträgt 1 y 3 Millimeter. Sie ist sehr selten in 
Lapugy. 

14. Quinqueloculina striatopunetata Karr. (Taf. III, Fig. 5.) 

Ebenfalls eine durch Längsstreifen charakterisirte Form. Sie ist 
wenig breit, elyptisch, die letzte Kammer unten etwas herabgezogen, 
sehr comprimirt, der Mundsaum oben gerade abgeschnitten. Die Kam- 
mern sind nur wenig wulstig, die mittleren kaum etwas über die bei- 
den letzten emporstehend, die Seiten somit fast flach, namentlich die 
rückwärtige, die Nähte jedoch sehr deutlich. Die Peripherie ist ganz 
abgerundet, der Mund eine langgestreckte ovale Öffnung mit einem 
kurzen dicken Zahnstift. Auf beiden Seiten, sowie über die Peripherie 
laufen zahlreiche Längsstreifen oder Rippchen, die Furchen zwischen 
diesen aber sind mit ganz nahestehenden Grübchen versehen, wo- 
durch eine eigentümliche sehr schöne Ornamentik entsteht und sich 
diese Art von allen gestreiften Arten sehr gut unterscheidet. 

Die Größe beträgt 1 • 6 Millimeter. Sie ist sehr selten in 
Lapugy. 

15. Quinqueloculina lacunosa Karr. (Taf. III, Fig. 6.) 

Eine hochaufgetriebene Art, die Form ein langgestrecktes Oval, 
unten abgerundet, letzte Kammer aber nur wenig vorgezogen. Die 
Kammern sind schmal und abgerundet. Die drittletzte erhebt sich be- 
deutend über die beiden letzten , ist ebenfalls ganz abgerundet und 
sehr lang, sie bildet fast ein Drittel der Vorderseite. Die Rückseite ist 
eben, nur die Kammern sind durch deutliche Nähte geschieden. Die 
Peripherie der zwei letzten Kammern ist abgerundet, jedoch bei bei- 
den etwas flachgedrückt, in der Mitte am breitesten, gegen die Enden 



Zur Foraminiferenfauna in Österreich. 363 

etwas abnehmend. Der Mundsaum ist schief abgestutzt, der Mund 
oval und an einem Ende gerade abgeschnitten, er ist vollkommen 
rund, ohne Zahn, nur mit kleinen Zäckchen versehen. 

Die ganze Oberfläche ist ebenfalls eigenthümlich geziert, sie ist 
nämlich mit regelmäßig gleichsam in Längsstreifen verlaufenden deut- 
lichen Grübchen versehen, wodurch sie sich der Q. striatopunctata 
nähert, welche aber flachgedrückt ist, und überdies noch Längsrip- 
pen trägt. 

Die Größe dieser nicht ganz seltenen Art im Tegel von Lapugy 
beträgt 1 ■ 6 Millimeter. 



364 Karre r. 



IV. Über einige Foraminiferen aus dem weissen Jura von 
St. Veit bei Wien. 

Schon seit langer Zeit sind die rothen kieselreichen Kalke be- 
kannt, welche am Rande des Wiener Sandsteins zwischen Lainz und 
St. Veit in zwei längst aufgelassenen Steinbrüchen erschlossen wur- 
den. Sie gehören dem weißen Jura an, der seine Fortsetzung weiter 
in den Alpen findet. Kaum eine halbe Stunde davon entlernt zeigt sich 
in der Nähe des kaiserlichen Thiergartens ein grober buntgefärbter 
Sandstein, der aus Quarzkörnern mit einem kieseligen Bindemittel be- 
steht und den Werfner Schiefern zugezählt wird. Zwischen diesem 
und den rothen Kalken werden in den Feldern die Grestner Schich- 
ten angetroffen und wurden in neuerer Zeit in den Entblößungen an 
den Wegen, sowie aus Brunnengrabungen in den letzten Häusern des 
Ortes sowohl die Etagen des untersten Lias, als jene des braunen 
Jura nachgewiesen. 

Die nun Eingangs erwähnten rothen, kieselreichen Kalke, die 
dem weißen Jura angehören, sind in schmale Bänke geschichtet, 
welche durch merglige Zwischenlagen von 3 — 4 Zoll Mächtigkeit ge- 
schieden sind. Dieselben sind gleichfalls roth gefärbt, enthalten Gyps- 
crystalle, Quarz in scharfen eckigen Stücken, Faserkalk, und kleine, 
lose Bergkrystalle, sowie nicht selten gut erhaltene Versteinerungen, 
namentlich: Aptychus latus Voltz, Aptychus lamellosus V o 1 1 z , 
Belemnites canaliculatus Schloth. Letzterer ist charakteristisch 
für das Oxfordien. Geschlemmt gibt dieser Mergel einen rothen Rück- 
stand, in welchem sich neben den Spuren von Asterias-TüMn, Cida- 
ritenstacheln, Fischzähnen undßryozoen auch Foraminiferen vorfinden, 
die alle roth gefärbt sind. Im Ganzen sind es nur wenige Arten, die 
deutlich sind und eine Bestimmung zulassen, aber die Individuen-Zahl 
ist eine nicht unbedeutende. Die hervorragenderen neuen Formen 
sollen in den folgenden Zeilen besprochen werden. 



Zur Foraminiferenfauna in Österreich. 365 

Beschreibung der neuen Arten. 

1. Biloculina autiqua Karr. (Taf. III, Fig. 7.) 

Das Gehäuse ist kreisrund, nur wenig gegen den Mund vorge- 
zogen; die vorletzte Kammer rund, ziemlich groß, die letzte nicht 
sehr breit sie umfassend und während jene nicht sehr stark convex 
ist, erscheint diese sehr stark aufgehlasen, fast wie ein halbes Kugel- 
segment. Der Mund ist halbmondförmig, scheinbar von der übergrei- 
fenden letzten Kammer mit einem schwachen Wulst überdacht. Diese 
Form ist sehr klein höchstens 1 Millim. groß und sehr selten. 

2. Lagena Wianae Karr. (Taf. III, Fig. 8.) 

Das Genus Lagena umfaßt alle einkammerigen, meist rundlichen 
und mehr oder weniger in die Länge gezogenen Foraminiferen ; de- 
ren kalkige, glasige, feinporöse und dünne Schale eine ziemlich große 
runde Mündung stets an dem einen Ende trägt. 

Nach Professor Reuss 1 trefflicher Monographie derLageniden i) 
tritt dieses horizontal und vertical sehr verbreitete Geschlecht am 
entwickeltsten in der Gegenwart und in der Tertiärformation auf; der 
Septarienthon zählt allein 15 Arten 2 ). Von der Eocän-Periode nimmt 
aber ihr Vorkommen schnell ab und im Gault findet sich nur L. api- 
culata Rss. als einsamer seltener Rest. 

Ter quem führt zwar in seinen sechs Memoiren über die Fora- 
miniferen des Lias s) sieben Arten unter dem Genusnaraen Oolina 
an; die dem mittleren Lias, dagegen eine die dem unteren Lias ange- 
hört und mit Ausnahme von Oolina lanceolata Terq. nur sehr selten 
sind, allein dieselben dürften zum größten Theile, wie schon Prof. 
Reu ss bemerkt, nur Bruchstücke von Nodosarien sein. 

G um bei citirt aus den Streitberger Schwammlagern 4 ) eben- 
falls drei Arten, die sehr selten sind, von denen er eine selbst als sehr 
fraglich hinstellt. 



*) Reuss: „Die Foraminiferenfauiilie der Lagenideen." Sitzungsber. d. kais. Akad. 
d. Wissensch. Bd. XLVI, pag. 308. ss. 

2 ) Reuss: „Die Foraminiferen, Anthozoen u. Bryozoen d. deutsch. Septarienthones." 
Denkschr. d. kais. Akad. d. Wissensch. Bd. XXV. 

3 ) M. 0. Terquun Premiere. — Sixieme Memoire sur les foram. du Lias des Depart. 
de la Moselle etc." Metz 1858 — 1866. 

*J Gümbel: Die Streitberger Schwammlager und ihre Foraminiferen - Einschlüsse 
in den württemb. naturw. Jahresb. 1862. 



366 Karrer. 

C o u r a d S c h w a g e r ') gibt ferners aus dem unteren Oxfordien 
von Gruibingen bei Boll auch zwei Arten an; Lagena franconica von 
Gümbel bereits beschrieben und L. stilla Schwager, beide sind 
jedoch auch sein- selten. 

Weitaus am reichsten stellt sich jedoch die Anzahl der in allen 
Meeren jetzt lebenden Arten heraus, namentlich was die Individuen- 
zahl anbelangt. 

So findet man bei Williamson in seiner Monographie über 
die recenten Foraminiferen von Großbritannien 2 ) 21 Arten und Va- 
rietäten theil weise als Entoselenia beschrieben. 

Heinrich Brady führt in seinem Catalog über die recenten 
Foraminiferen von Nordhumberland und Durham 3) zehn meist häufig 
vorkommende Arten an, und in seinen Foraminiferen von Shetland 4 ) 
eine noch größere Zahl, wenn man die Varietäten dazu rechnet. 

Parker und Rupert Jones zählen in ihrer Abhandlung über 
die Foraminiferen des nordatlantischen und arktischen Oceans mit 
Einschluß der Davidsstraße und der Baffinsbay 5 ) eine noch bedeu- 
tendere Anzahl auf, und bringen noch anhangsweise äußerst interes- 
sante neue Arten, theils lebende von Australien, theils fossile von 
St. Domingo, Bordeaux, Grignon u. s. w. 

Von der von Seguenza in einer Beschreibung der einkamme- 
rigen Foraminiferen der miocänen Mergel von Messina 6 J unter ver- 
schiedenen Gattungsnamen aufgeführten zahlreichen Lagenen dürfte 
wohl der größte Theil theils untereinander, theils mit schon bekann- 
ten Arten vereinigt werden. 

Die schöne Ausbeute an Foraminiferen, welche Dr. Stäche aus 
den tertiären Mergeln des Whaingaroa Hafens (Provinz Auckland) in 



*) Conrad Schwager: „Beitrag zur Kenntniß der mikroskopischen Fauna juras- 
sischer Schichten." Wiirttemb. naturw. Jahresber. 1865. 

2 ) Williamson: „On the recent foraminifera of Great Britain." Roy. Society 1858. 

s ) Brady, „A Catalogue of the recent foram. of Northhumberland and Durham." 
Nat. hist. Trans. Northumberland and Durham. 1865. 

4 ) Idem: „On the Rhizop. fauna of the Shetlands." Linn. Soc. Transact. vol. XXIV. 
1864. 

5 ) Parker and Rupert Jones. „On some foraminifera from the North Atlantic and 
Arctic. Oceans etc." Phil. Trans. 1865. 

6 ) Seguenza: „Descrizione dei foram. monotal. delle marne mioceniche del distretto 
di Messina." 1862. 



Zur Foraminiferenfauna in Österreich. 367 

Neu-Seeland beschrieben *) ergab dagegen nur zwei sehr seltene 
Arten. 

Nach dem Vorausgeschickten ist es daher von Interesse, daß die 
rothen Jura-Mergel von St. Veit einen weiteren Beitrag zu der bespro- 
chenen Gattung geliefert haben. Die neue Art Lagena Dianae unter- 
scheidet sich durch die Zierlichkeit ihrer Sculptur so wesentlich von 
allen bereits beschriebenen Arten, daß ein Blick auf die Abbildung 
eine mühsame Aufzählung jeder weiteren Distinction von selbst be- 
hebt, und die Aufstellung als selbstständige Art rechtfertigt. 

Die neue Lagena ist im Querschnitt vollkommen rund und hat 
die Form einer Birne an deren mehr oder weniger zugespitzten einem 
Ende die Mundöffnung sich befindet, die von einem Strahlenkranze 
eingeschlossen wird. An dem entgegengesetzten, also abgerundeten 
Ende, sitzt ein solider Stachel, welcher allmälig sich erweiternd mit 
der hoch aufgeschwollenen Schale verschmilzt. 

Die Ornamentik der kleinen Foraminifere ist wirklich ausge- 
zeichnet. Rund um ihren ganzen Umfang herum ziehen sich 12 — lo 
erhabene Leisten, manchmal perlenschnurartig zusammengezogen, 
die vertiefte Rinne zwischen je zwei solchen ist mit nahe neben- 
einanderstehenden Grübchen versehen, die zuweilen so ineinander 
fließen, daß ein zickzackförmiges Band entsteht. Die Spitze dagegen 
ist glatt. Dabei erreicht das Schälchen kaum die Größe von 3 / 4 Millim. 
Wenngleich die ganze Foraminiferenfauna dieser Mergel eine arme 
genannt werden muß, so ist doch die Individuenzahl selbst dieser 
schönen Art nicht allzu geringe und liegt davon, trotz des ganz 
bescheidenen Materielles, wohl ein Dutzend vor. 

3. Nodosaria triloculata Karr. (Taf. III, Fig. 9.) 

Von diesem Genus liegen mir einige Stücke vor, deren Erhal- 
tungszustand kein besonders günstiger ist, daher ich dieselben unge- 
achtet nicht unmerklicher Verschiedenheit nur mit einer Bezeichnung 
umfasse und nur das deutlichst erhaltene abbilde. Es ist ein drei- 
kammeriges Gehäuse, dessen beiden jüngsten Kammern kugelig und 
glatt sind, während die älteste konisch zugespitzt und eingebogen ist, 
so daß eine Dentalinenform sich darstellt. Ein kleiner Wulst umgibt 
den rundlichen Mund. Größe 1*5. Millim. 

Sie ist ziemlich selten. 



') Stäche: „Die Foraminiferen der tert. Mergel des Whningaroahafens." Novara- 
Exped. Geol. Theil, I. Band, 2. Abth. Paläontologie. 



3()S Karrer. Zur Foraminiferenfauna in Österreich. 

4. Orbulina iioojuroiisis Karr. (Tai". III, Fig. 10.) 

Das Genus Orbulina d'Orb., welches von Reuss auf die zum 
Behufe des Generationsgeschäftes losgelösten letzten kugeligen Kam- 
mern mancher Globigerinen Arten zurückgeführt wird (nach Car- 
penter soll dies nicht der Fall sein, sondern Orbulina ein selbst- 
ständiges Genus sein), kömmt nach d'Orb igny lebend an den Ufern 
des adriatischen und mittelländischen Meeres, an den kanarischen 
Inseln, den Antillen und in Indien vor. Fossil ist sie sehr häufig in 
den mitteltertiären Ablagerungen und geht nach Reuss bis in die 
Kreide hinab. 

Während d'Orb igny nur Orbulina universa als Art aufstellt, 
führt Costa in seiner Palöontologia del Regno di Napoli pari II, pag. 
120, Taf. XI und XV eine andere Species 0. granulata mit drei Va- 
rietäten aus dem Thone von Tarent an. 

Seguenza fügt in seiner Descrizione dei foraminiferi monota- 
lamini delle marne mioceniche Messinesi; Messina 1862, eine weitere 
neue Art 0. faveolata mit der var. maculata hinzu. 

Ter quem kennt in seinen Memoires sur les foraminiferes du 
Lias mehrere neue Arten : 0. rugosa. 0. spinosa, 0. liassica und 0. 
punctata. 

Zu dieser kleinen Suite haben die rothen Mergel von St. Veit 
einen neuen Reitrag geliefert. Es ist die häufigste der darin vorkom- 
menden Foraminiferen, die man zu Hunderten sammeln kann. Die 
Schale ist eine meist vollkommene Sphäre, mit sehr undeutlicher oft 
fehlender Mundöffnung. 

Auf ihrem ganzen Umfang ist dieselbe wie mit einem Netz von 
eckigen Maschen bedeckt, zwischen denen sich ziemlich große runde 
Poren befinden. Die meisten Individuen sind zwar ziemlich von cor- 
rodirtem Aussehen, doch sind ganz schöne Exemplare auch aufzufin- 
den, wie aus der Abbildung zu ersehen ist. Die Größe dieser Art 
erreicht kaum 0*5 Millimeter. 



Karr er.- Zw Foraminiferen Fauna m Oesterreich.. 

/ _ 3. 



Taf.L 




| | j 








i 
t CristeZlaria <<<>tittt/: n. fji. 
%.Cristellaria wndulcUa n ■ '■■ 
3.Ci isteUaria deform is // .In 
ILRotalia tuberosa // /// 
o.jybdosaria // nmiforrt 



(> Frondicala via m 1 1 < toi lata n-. /'// 
. TJ'r/.sl'/laria ftmitli 
d.Cristellaria 

9. CristtZlaria iivflata / 

10. GLobiacrin a ai /■•. 



ng I h Lkad iWanatb n iturw Cl LVBiLAbtl 



Karr er.- Zur FoTammiferen Fauna in Oesl erreicli 





I 









V 






W.&Nät.gez li Lmayer 

t.BilQcuiina globifermis 7t/)/ 5 SjUroloadCna, teruUrestra n.j/i 

Z-iTfürolocwliria. Laptigyensis n.fji öTriloculina anqultila " //' 
ß.Sjvirolociüirmi caverrvosa tv.Jji TTHlocwlina jvyrula • // 

Q.SjiiroloculiTia com/iressiuscula njji 8TrüociUifia cunecUa rußi 
9 Ti rwdsjaroides " ■ ffi 

S> itzimgsb d.k. Akad . d.W.matli.nat utk. C] IV. J5 d.I.Abth 1 8 (i 7 



Karr er : Zur Foraiiiiiirfemi Fauna inOesterreicli 

*k 



Taf.HL 




/ Ouir/ffiK'f ornlin/( fciduZa >' ff 
% Outrufnc/ocii/uuf tjrtttihs //. fji 
.) Olli tufiirff/rii /itin n/u/oxu n ffi 
Ü Oninqnelorulina costevfat TU fjl 
5 Oh ffie/tir/orn fina stricUo-nunctaUt n fk 



h. (lui/ujuelocuZina Zacunosa n f/i 
1. B i/o rul inn euttiqua n ■ fji- 

H Laif tritt Dm tut c n f/i 

9. XotloMirtti Iriloru Iti/ti n fll 

40. Orhuliuti neofurensis n f/i 



Sitztmgsl>.d.k. Akad dW matlt uaturw Cl.LV Bd I Abt!. 1 1\6 



Jelinek. Über die Stürme des November und December 1866. 369 



Über die Stürme des November und December 1866 { ). 
Von dem w. M. Dr. C. Jelinek. 

(Mit 4 Tafeln.) 

Der Winter des Jahres 1866 — 1867 gehört zu jenen, welche 
sich durch eine höhere Temperatur und durch stürmische Luftbewe- 
gungen auszeichnen. 

Die vielen Stürme, welche insbesondere den Beginn des Winters 
begleitet haben , verdienen eine sorgfältigere Untersuchung und 
dürften sie auch finden, sobald das hiezu erforderliche Beobachtungs- 
Materiale in seiner Gänze zu Gebote stehen wird. Für den gegenwär- 
tigen Augenblick und an diesem Orte läßt sich über die in ungewöhn- 
lich rascher Folge eingetretenen bedeutenden Luftbewegungen nur 
ein allgemeiner Überblick geben. 

Schon das erste Drittel des November 1866 hatte mehrere 
Stürme an den Westküsten von Frankreich, England und Norwegen 
gebracht. Die eigentliche Sturmperiode aber für Mittel-Europa beginnt 
mit dem 13. November. 

Am 12. November 2 ) war das Barometer zu Christiansund (Nor- 
wegen) ungewöhnlich tief — bis zu 732-8 Millim. — gesunken, im 
Canal la Manche herrschten starke West- und Südwest- Winde. Am 
13. November trat eine neue barometrische Depression im Norden von 
Schottland auf, indem das Barometer zu Nairn 742-2 Millim. zeigte; 
dabei vvüthete im Canal ein Sturm aus Südwest 3 ). Am 14. ist die 



*) Eine kürzere Mittheilung wurde in der Sitzung der kais. Akademie vom 29. Nov. 
1866 gemacht; die Drucklegung des vorstehenden Aufsatzes hat sich aus dem Grunde 
verzögert, weil ich einige Daten auswärtiger Stationen in die Untersuchung mit 
einbeziehen wollte. Durch diese verspätete Drucklegung ist es möglich geworden, 
auch die stürmischen Luftbewegungen des December 1866 zu berücksichtigen. 

2 ) Um 8 Uhr Morgens — nach Le Verrier's Bulletin International. 

3 ) Am Abend dieses Tages tritt schon starker SW. Wind zu Agram, starker W. zu 
Krakau und Wien auf. 



370 .1 e 1 i n o k. 

erwähnte barometrische Depression weiter nach Ost oder Südost 
gerückt, in Groningen ist der Luftdruck 747-1 Millim. , dabei Sturm 
aus X\V. im Canale. Die an der k. k. Centralanstalt f. M. u. E. 

gezeichneten meteorologischen Karten zeigen schon für diese Tage 
die characteristischen Kennzeichen der Sturmtage, das Zusammen- 
drängen der Linien gleicher barometrischer Abweichungen. Am 13. 
November laufen diese Linien im allgemeinen von W. nach 0. Die 
Linie der barometrischen Abweichung — 5 Millim. (jene Linie, 
welche jene Orte verbindet, deren Barometerstand um 5 Millim. tiefer 
ist als der durchschnittliche desselben Tages) zieht durch die Mitte 
von Böhmen, jene der Abweichung +4 Millim. in der Nähe von 
Venedig, Pola, Lesina, Werschetz. Der höchste Stand ist zu Lesina 
(4-4-9 ober dem Normale), der tiefste zu Prag (o'9 Millim. unter 
dem Normale, die Differenz also 10*8 Millim.) Am 14. November 
laufen die Linien gleicher barometrischer Abweichung von WNW. 
nach OSO. Der tiefste Stand ist bei Krakau (12*3 Millim. unter dem 
Normale), der höchste bei Triest (l'l Millim. unter dem Normale, 
also Differenz 11*2 Millim.); im Südwesten von Triest, also auf der 
appenninischen Halbinsel nimmt aber der Luftdruck wieder ab und ist 
z. B. bei Ancona 6*6 Millim. unter dem Normalstande. Die Temperatur 
ist am 14. November ungewöhnlich erhöht und übersteigt z. B. das 
Mittel für Wien *) den normalen Stand um 11-0 Celsius. In der Nacht 
vom 13. auf den 14. November erhebt sich zu Wien ein stürmischer 
Westwind, der mit geringer Abwechslung bis zum 15. November um 
1 Uhr Morgens anhält. Das Barometer, welches zu Wien am 1 2. um 
7 Uhr Abends 33104 Par. Linien (746-77 Millim.) zeigt, sinkt bis 
zum 14. um 3 Uhr Nachmittags auf 326-05 (735-51), also in 44 
Stunden um 4 -'99 (11-26 Millim.), um bis zum 15. um 10 Uhr 
Abends auf 332*11 (749-18 Millim.), also um 6-06 (13*67 Millim.) 
zu steigen. Am 14. November regnet es stark zu Szegedin, Pancsova 
und Agram; an letzterem Orte weht Morgens starker SW. , Mittags 
starker SW. zu Valona, Abends Sturm aus West zu Krakau. Am 15. 
November laufen die Linien gleicher barometrischer Abweichung im 
Allgemeinen von Nord nach Süd, nur im Nordosten (wo Lemberg um 
10*5 Millim. unter dem normalen Stande zurückbleibt) haben sie eine 



1 ) Nach der Art der Berechnung aus den Temperaturen von 2 h und iO h Abends am 
13., und 7 U Morgens am 14. Nov. für den 13. Nov. 10 1 ' Abends geltend. 



Über die Stürme des November und December 1866. 371 

Krümmung, deren concave Seite nach NO. gerichtet ist, als Andeu- 
tung nach welcher Seite hin das barometrische Minimum zu suchen 
ist und im Westen (wo bei Bludenz der Luftdruck den normalen um 
3-2 Millim. übertrifft, Differenz 15-7 Millim.) ist die concave Seite 
der Krümmung nach Westen gewendet. An diesem Tage herrscht zu 
Wien, Prag, Klagenfurt stürmischer Westwind, am Mittage zu Agram 
starker NO., zu Szegedin und Valona starker NW., in der folgenden 
Nacht an letzterem Orte Gewitter. Am 16. ist das Barometer (in 
Österreich) beträchtlich (insbesondere im Südosten) gestiegen, das 
Maximum ist zu Lesina (7*2 Millim. ober dem normalen Stande), das 
Minimum zu Prag (2-7 Millim. unter dem normalen Stande). In Agram 
und Szegedin herrscht Abends Sturm aus SW. , zu Bludenz heftiger 
Föhnwind (SO.), in der Nacht (vom 16. — 17. November) zu Szegedin 
Sturm aus Süd. 

An demselben Tage — 16. November — tritt über den briti- 
schen Inseln eine neue barometrische Depression auf, das Minimum 
ist 742*3 Millim. zu Greencastle (Irland); dabei im Canal Sturm 
aus SW. aa ) Am 17. November ist die Begion des barometrischen 
Minimums in unsere Gegenden fortgeschritten. Der niedrigste in 
Le Verrier's Bulletin für diesen Tag notirte Barometerstand (750-8 
Millim.) findet zu Ancona statt. Die vorherrschende Windrichtung in 
West-Europa ist nördlich, zu Dünkirchen, Boulogne, Havre herrscht 
Sturm aus Norden. Nach den meteorologischen Karten der Central- 
anstalt würde das barometrische Minimum am Morgen dieses Sturm- 
tages im Norden von Böhmen zu suchen sein*), indem Prag eine 



*) Es scheint hierin ein Widerspruch mit dem Bulletin International zu liegen. Eine 
vollständige Übereinstimmung der Curven des Bulletin International mit jenen der 
Centralanstalt ist jedoch aus mehrfachen Gründen nicht zu erwarten. Einmal sind 
die barometrischen Curven auf wesentlich verschiedene Weise construirt; jenen 
Le Verrier's liegen die absoluten auf das Niveau des Meeres reducirten Baro- 
meterstände zu Grunde, bei jenen der Centralanstalt ist die Reduction auf das 
Meeresniveau vermieden, dagegen werden der Construction die Differenzen gegen 
den Normalstand zu Grunde gelegt. Da bekanntlich der Luftdruck in unseren 
Breiten von Süden gegen Norden abnimmt, so sollten aus diesem Grunde die 
barometrischen Minima bei Le Verrier nördlicher liegen, als in den Karten 
der Centralanstalt; denn wenn der Luftdruck in normaler Weise von Süd nach 
Nord abnimmt, würden die Karten der Centralanstalt kein Minimum ergeben, 
während bei Le Verrier allerdings ein solches im Norden zu suchen wäre. 
Ein zweiter Grund der Verschiedenheit ist dieser, daß die Karten des Bulletin 



3 7 'J J H i i e k. 

-1 -4 Millim. unter dem Xormalstande 
s 1 '• _ Re loci . ;• il das I ' &-N 

(nach der im Bulletin Intern . /) einen S 

1 Millira. ergeben wunde. Die _ sehe Karte vom 17. 

isan Lüden gleicher barometr 

Abwe _ sind dicht gedrängt. Im Norden der Monarchie 

Wesl Dsl mit einer gegen Nordes gerichteten 

Wtät. In Tirol, Oberösterreich, Steiermark u. s. f. überhaupt 

im Südwe- 7 _ ^ser Linien von Nord nach Söd mit einer 

1 ivität. In Ungarn und Siebenb g 
_ _-n ziehen die Curven von >\Y _ _ v» ) mit einer leichten 
1 . gen SO. 

N ieser Anordnung der Curven sind zw^i barometrische 

Maria - stHeh von Siebenbürgen, das andere nor». - 

lieh von Boome s hon. Die Station, welche den relativ höchsten 

1 hatte, war Bluo 1 Millim. unter dem Xormal- 

stande. also mit Prag verglichen ein Unterschied von 18-0 Millim.). 
. Österreich ist am 17. Noteniber*) ungewöhnlich 
warm. Bludenz ist um 8 4 C. wärmer als gewöhnlich. Agram u. 
Prag und Krakau um 5 9 C. Die herrschende Windesrichtung nach 
en Karte — also an dem Tage wo sich ein nördlicher Luft- 
strom über Frankreich. England und den Cana! _ — war in 
Österreich s estlich. Es scheint als ob der warme Südwest- 

Strom sich mit Gewalt Bahn brechen mußte zwischen zwei kalten 
nördlichen Strömu: . _ n während einerseits die Existenz eines 

nördlichen Stromes in West-Eoropa durch Le Verriers Bulletin 
erwiesen ist, geo unsere Karten im Osten der Monarchie durch 
niedrigere Temperatur. ( z. B. bei Hermannstadt 3-3 C unter dem 
Norma - terem Himmel), die f] stc - hen nörd- 

lichen Strömung an, während überall, wo de S —-Wind stör- 
misch eindringt, derselbe erwähnt wurde) eine beträcht- 
liche T- perator-Erhöhwig mi* em Himmel im Gef ge hat. 
Einbrechen des Südstromes kündigt sich durch ein beträcht- 
Fallen des Bar^r- ;rs es z. B. für Wien T om 15. um 



International fir 6 l~hr Morgens (im Winter), jene der Centralanstalt ftr 7 Ckr 

' : ■:-•• _- - - - 

. nUien am Abenc -he die Beroertnns ami - 



Über die Stürme des November und Deeember 1866. 373 

10 Uhr Abends bis zum 17. um 7 Uhr Morgens, wo der Luftdruck 
322-47 (727-44 Millim.) ist, also in 33 Stunden 9*64 (2 1-74 Millim.) 
beträgt. In Szegedin fällt eine bedeutende Regenmenge bei einem 
Sturme, der Morgens aus SW. beginnt und des Abends sich nach 
NW. dreht. In Agram starker SW. mit Regen, in Wien Vormittags 
stürmischer Westwind, ebenso des Mittags in Krakau, Abends stürmi- 
scher NO. in Pola, Sturm aus OSO. in Pancsova; in Valona in der 
Nacht vom 17. — 18. Gewitter. a ) In Leipzig bricht am Morgen des 
17. November zwischen 5 und 6 Uhr ein starker Orkan aus WNW. 
ein, begleitet zuerst von Regen, dann von Schnee; die Temperatur 
sinkt von 1 Uhr Morgens (7-6 R.) bis 9 Uhr Morgens (—0-6 R.) 
um 8-2 R., das Barometer steigt binnen 3 Stunden um nicht weniger 
als 5-24 Linien, um 6 Uhr Morgens zeigt es 322-98 um 9 Uhr Mor- 
gens 328-22. 

Am 18. November befindet sich (nach dem Bull. Int.) ein baro- 
metrisches Minimum in der Gegend von Neapel , wo der Luftdruck 
757 Millim. beträgt. Nach den Karten der Centralanstalt ist das baro- 
metrische Minimum gegen Osten fortgerückt» Der nördliche Strom 
dringt mit großer Vehemenz durch; der Luftdruck zu Wien erhebt 
sich am 18. um 10 Uhr Morgens auf 332"'46 (749-98 Millim.), somit 
seit dem Minimum des 17, ein Steigen in 27 Stunden um 9 "'9 9 
(22-o4 Millim.). b ) Am Abend dieses Tages ist eine bedeutende 
Abkühlung im Süden und Südosten der Monarchie eingetreten, so 
daß die Temperatur zu Lesina nicht weniger als 8-4, jene zu Her- 
mannstadt 8*3 C. unter dem Normalstande zurückbleibt. 

Am 19. November tritt ein barometrisches Minimum (748 Millim.) 
zu Groningen auf. An demselben Tage laufen die barometrischen Cur- 
ven in Österreich im Allgemeinen von WNW. nach OSO,; Bludenz 
hat den relativ höchsten Stand (0-3 Millim. unter dem Normale), 
Prag den tiefsten (12*1 Millim. unter dem Normale, somit Unter- 
schied 11-8 Millim.). Vom Abend desselben Tages wird aus Prag 
starker Nordwind gemeldet. c ) 

Am 20. November hat sich das vorhin erwähnte barometrische 
Minimum bis in die Ostsee fortbewegt und das Barometer zeigt zu 
fiörnesand (Schweden) 742-9 Millim., zu Riga 743*0 Millim, Ziem- 
lich starke Nordwinde herrschen in der Ostsee, der übrige Theil von 
Europa genießt eine verhältnißmäßig kurze Ruhe. In der Regel tritt 
in Wien stürmischer Westwind ein, sobald das barometrische Mini- 



1)7 4 .1 e 1 i ii e k. 

mum nach Osten' rückt, so «auch diesmal in der Nacht vom 20. bis 
2 I. November, und dieser heftige Westwind währt fort bis zum Morgen 
des 22. November «). Am 20. November herrscht zu Valona ein SW. 
der sich Abends zum Sturme steigert, in Krakau (des Mittags) stür- 
mischer West, zu Curzola starker Regen: am 21. November zu 
Krakau (des Morgens) starker Westwind, zu Agram Abends starker 
8\V. : am 22. November (des Morgens) zu Krakau starker Nord-, zu 
Agram starker Nordwest-Wind, (Mittags) zu Szegedin starker NW. 
Vom 19. bis 22. ist die Temperatur in der österreichischen Monarchie 
beträchtlich tiefer als die normale. Am 20. (richtiger 19. Abends) 
beträgt die Temperatur-Depression zu Hermannstadt 8-8, am 21. zu 
Agram 11*0, am 22. zu Lesina 7*8 C. unter dem Normalstande. Diese 
tiefe Temperatur im Südosten der Monarchie hält auch an den folgen- 
den Tagen an und es sind die Temperatur-Depressionen unter dem 
Normalstande am 23. zu Debreczin 7*5, am 24. zu Hermannstadt 
10-6 C. 

Am 23. November, mit welchem Tage eine neue Reihe stürmi- 
scher Luftbewegungen beginnt, tritt eine barometrische Depression 
im Norden von Schottland auf, zu Yarmouth ist der Luftdruck 749*7 
Millim. , zugleich nehmen im Canal die Winde (von westlicher Rich- 
tung) an Intensität zu. 

Am 24. November ist die Stelle des geringsten Luftdruckes 
weiter nach Osten gerückt und zwar erscheint in dem Rulletin Inter- 
national als Station mit dem tiefsten Rarometerstande Riga (nämlich 
mit 741-8 Millim.). Während im Canal Nordwinde mit ziemlicher 
Intensität herrschen, haben im mittelländischen Meere starke West- 
und Südwinde die Oberhand. Das Einbrechen des Äquatorialstro- 
mes kündigt sich in Oesterreich durch ein bedeutendes Fallen des 
Rarometers (bei Prag um 18*9 Millim., bei Krakau um 16-9 Millim., 
bei Ischl um 15*8 Millim.) vom 23. zum 24. November an. In der 
Nacht vom 23. zum 24. November bricht der Südwind bereits bei 
Pola stürmisch herein. Die Karten der meteorologischen Central- 
anstalt 2 ) deuten wieder ein barometrisches Minimum nördlich von 



*) In der Nacht vom 21 — 22. November gibt das Anemometer von Robinson eine 
mittlere Windgeschwindigkeit von 30*o Par. Fuß in der Secunde — das Maximum 
des sonst so stürmischen Monates. 

z ) Siehe die betreffenden Karten. Ich habe unter den vielen Sturmtagen des Novem- 
ber jene vom 24. und 30. herausgewählt; den ersteren als einen Repräsentanten 



Über die Stürme des November und Deeember 1866. 3 ( O 

Böhmen an. Der Luftdruck zu Prag ist 17-3 Millim. unter dem 
Normalstande; auf das Niveau des Meeres reducirt, würde dies einen 
Stand von 743*1 Millim. ergeben. Dieselben Karten der Ceutral- 
anstalt zeigen zu derselben Zeit eine sehr ungleiche Temperatur- 
vertheilung, indem am 24. November die Temperatur zu Hermann- 
stadt nicht weniger als 10-4 C. unter dem Normalstande bleibt, wäh- 
rend Klagenfurt um 4*2, Pola um 2-5 C. wärmer sind als gewöhnlich. 
Es scheint also an diesem Sturmtage neuerdings der schon beim 
17. November erwähnte Fall eingetreten zu sein, daß ein südlicher 
Wind mit Gewalt sich Bahn brechen mußte zwischen zwei nördlichen 
kälteren Strömungen. Der durchaus bedeckte Himmel über der öster- 
reichischen Monarchie und die Niederschläge zu Triest, Ischl, Wien, 
Debreczin, Lemberg dürften, auf die Mengung zweier ungleich war- 
mer Luftströme hindeutend, diese Ansicht unterstützen. An diesem 
Tage (24. November) weht in Szegedin des Morgens starker NO., 
zu Valona den Tag über stürmischer SW. und S., zu Agram Mittags 
starker NNW., zu Curzola starker SO. d ). 

Kaum hat sich die beim 24. November erwähnte barometrische 
Depression nach Osten bewegt J), so tritt am 25, November schon 
wieder ein neues barometrisches Minimum in der Nordsee auf, indem 
das Barometer zu Groningen 748-7 Millim. anzeigt. Der Wind ist im 
Canale stark, aus West und Südwest. An diesem Tage weht (Mittags) 
zu Szegedin starker NW., (Abends) zu Agram starker SW. 

Am 26. November ist dieses Minimum nach Osten gerückt; der 
Wind ist stürmisch aus Nord im Canal, im mittelländischen Meere stür- 
misch aus West, im adriatischen aus Süd und Südost. Unsere Karten 
deuten wieder ein Minimum im Norden von Böhmen an, die Baro- 
metercurven laufen von West nach Ost; in Prag ist eine barometrische 



des Falles , wo der Äquatorialstem stürmisch eindringt, den letzteren, um das 
Hereinbrechen der Bora, des kalten Nordwindes zu veranschaulichen. Für jeden 
der beiden Tage sind zwei Karten gegeben, wie dieselben täglich an der k. k. 
Centralanstalt (von dem Zeichner Herrn Josef Harbich) construirt werden. Die 
eine Karte enthält die Linien gleicher barometrischer Abweichung, nebstbei die 
Windesrichtungen und Windstärken (mittelst der Länge der Pfeile), die zweite 
Karte die Linien gleicher Temperatur- Abweichung und nebstbei den Zustand des 
Himmels an den einzelnen Stationen (mittelst schraffirter Kreise und der leicht 
verständlichen Zeichen für Regen, Schnee, Nebel u. s. f.). 

*) Hiemit im Einklänge steht das stürmische Einbrechen des Westwindes zu Wien am 
Mittag des 24.; der stürmische West währt bis zum 23. Morgens. 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Gl. LV. Bd. I. Abth. 26 



3 7 () .' e 1 i n e k. 

Depression von 12-8 Millim.. in Pola von 10-0 iVlill'un., in Lesina von 
4-3 Millini. Im Südosten der Monarchie erhält sich die tiefere Tem- 
peratur (zu Hermannstadt 4-3 C. unter d. N.), während der Rest der 
Monarchie wärmer ist als gewöhnlich (Wien um 4*2, Pola um 3*9 C). 
An demselben Tage weht (des Morgens) zu Pola starker SSO., (des 
Mittags) zu Curzola Sturm aus SO., (Abends) zu Agram starker SW. ; 
zu Szegedin und Agram starker Regenfall e ). 

Am 27. November ist das barometrische Minimum weiter 
nach Osten gerückt (zu Lemberg ist die barometrische Depression 
12*1 Millim.); an mehreren Orten fällt Regen und Schnee, so zu 
Bludenz die beträchtliche Menge von 30*2 Millim. 

Am 28., 29. und 30. November finden niedrige Barometerstände 
im östlichen Theile des mittelländischen Meeres statt, und im Zusam- 
menhange mit der Zunahme des Luftdruckes in Central-Europa und 
Rußland sind die Bedingungen zum Einbrechen der Bora im nörd- 
lichen Theile des adriatischen Meeres gegeben, und schon am 28. 
Abends (an welchem Tage zu Pancsova ein bedeutender Nieder- 
schlag stattfindet), dringt der Sturm aus NNO. bei Curzola ein f ). Am 
29. November ist der Zug der Barometercurven nach den Karten der 
Centralanstalt von Ost nach West gerichtet, in Krakau ist das Ba- 
rometer 6-9 Millim. über, in Lesina 3-1 Millim. unter demNormal- 
stande; am 30. November (von welchem Tage wieder die meteoro- 
logischen Karten diesem Aufsatze angehängt sind), steht das Baro- 
meter zu Lemberg 10*9 über, zu Lesina 9*6 Millim. unter dem 
Normalstande, was eine Differenz von 20-5 Millim. gibt. Eine heftige 
nordöstliche Luftströmung tritt auf; zu Agram fällt Schnee bei star- 
kem NO., zu Lesina in der Nacht vom 30. November zum 1. Decem- 
ber bei Gewitterregen eine Niederschlagsmenge von 24-8 Millim. Die 
Temperatur-Depression ist nach Westen vorgerückt und es steht das 
Thermometer am 30. November (eigentlich am 29. Abends) zu Blu- 
denz um 5 8, zu Lesina um 3-9, am 1. December zu Bludenz um 8-0, 
zu Ischl um 4-3 C. unter dem Normalstande. Am 29. und 30. Novem- 
ber behauptet die Bora ihre Herrschaft und zwar am 29. Morgens als 
Ost zu Valona, den ganzen Tag als ONO. zu Triest, als NO. zu Pola 
und Curzola, vom Mittag an zu Szegedin als NO., vom Abend an zu 
Agram und Krakau als NO. Am 30. November währt der NO.-Sturm 
fort den ganzen Tag über zu Krakau (zuletzt als ONO.), zu Triest 
und Pola, zu Szegedin am Morgen und zu Curzola fällt starker Regen 



Über die Stürme des November und December 1866. 377 

bei massigem SO., ebenso zu Valona. Noch den 1. December hin- 
durch herrscht ein NO. -Sturm zu Krakau. Bemerkenswerth hierbei 
ist, daß die Bora früher im Süden (bei Curzola) begann, ehe der 
NO. -Sturm bei Krakau hereinbrach, und ebenso am 30. im Süden 
schon erloschen war, als die Gewalt des Sturmes im Norden sich noch 
steigerte. Es scheint also in diesem Falle die Fortpflanzung des 
Sturmes in einem der Bichtung des Windes entgegengesetzten Sinne 
stattgefunden zu haben, oder wie man sich manchmal auszudrücken 
pflegt, die Fortbewegung der Luftmassen nicht durch Propuls ion, 
sondern durch Aspiration hervorgerufen worden zu sein. Diese 
letztere Bezeichnung möchte ich übrigens durchaus nicht befürwor- 
ten, sie ist nur geeignet, die Begriffe zu verwirren und die Meteoro- 
logen unbemerkt auf einen längst überwundenen Vor-Torri celli- 
schen Standpunkt zurückzuführen. 

Am 1. und 2. December genießt nahezu ganz Europa einer ver- 
hältnißmäßig kurzen Buhe ; im Meerbusen von Biskaja tritt eine 
leichte barometrische Depression auf und der Barometerstand ist am 
1. December zu Lorient 753*0 g ). 

Am 2. December ist diese Depression imCanal, wo SW.-Winde 
von mäßiger Stärke weben; zu Havre ist der Barometerstand 752*0. 

Am 3. December tritt ein barometrisches Minimum im Norden 
von Schottland auf, wo das Barometer (zu Nairn) 741*2 zeigt. Die 
SW.-Winde im Canal gewinnen an Stärke. In Wien weht in der 
Nacht vom 2. auf den 3. December ein lebhafter SO. Am 4. Decem- 
ber ist das barometrische Minimum in der Gegend von Norwegen 
gerückt, wo das Barometer (zu Christiansund) 730*8 anzeigt. Im 
Canal herrscht SW.-Sturm. In Oesterreich tritt ungeachtet des hohen 
Luftdruckes zu Bludenz starker Südwind auf. Am 5. December ist 
das barometrische Minimum in die Ostsee gerückt. Der Barometer- 
stand beträgt zu Haparanda 733*1 Millim., zu Hernösand (Schweden) 
733*2 Millim., zu Stockholm 733-5 Millim. ' Im Canal Sturm aus 
WSW. 

Am 6. December tritt in der Gegend von Irland ein neues baro- 
metrisches Minimum auf; Luftdruck zu Valentia 744*9 Millim., zu 
Havre und Cherbourg starker Westwind. Am 7. December ist dieses 
barometrische Minimum in die Gegend von Norwegen gerückt; Luft- 
druck zu Skudesnaes 732*8; zu Boulogne Sturm aus WSW. Am 
8. December ist das barometrische Minimum in Bußland, Luftdruck 

26* 



t > t Cf .1 c 1 i n e lv. 

zu Petersburg 734-5. im Canal Sturm aus NW. Am Mittag des 8.De- 
cember tritt zu Wien starker WNW.- Wind ein, zu Krakau weht den 
ganzen Tag stürmischer Westwind, zu Triest tritt starker Regenfäll 
ein '')• Am 9. December ist das barometrische Minimum im Osten 
von Petersburg, wo der Luftdruck 740-4 ist; zu Riga weht starker 
XW.-Wind. In Wien tindet vom 7. Abends 10 Uhr, wo der Baro- 
meterstand 328 ■62 (741-31 Millim.) ist, bis zum 9. um 4 Uhr Nach- 
mittags, wo das Barometer 336-15 (758-29 Millim.) anzeigt, ein 
rasches Steigen des Luftdruckes um 7™ 53 (16*8 8 Millim.) in 42 Stun- 
den statt. 

Am 9. December tritt ein neues barometrisches Minimum im 
Nordwesten von Norwegen auf. In Bludenz herrscht an diesem Tage 
starker SO.-Wind, dagegen zu Szegedin Sturm aus NW. und N., in 
Krakau (Vormittags) sehr starker Westwind, zu Lesina in der Nacht 
vom 9. zum 10. starke Bora. 

Am 10. December befindet sich das vorher erwähnte Minimum 
in der Ostsee, wo der Luftdruck zu Helsingfors 740*7 beträgt; 
hiebei Sturm aus West im Canal. In Krakau tritt am. Mittage Sturm 
aus W. ein. Das Barometer sinkt in Wien vom 9. December 4 Uhr 
Nachmittags, wo es 336" 15 (758-29 Millim.) zeigt, bis zum 11. um 
2 Uhr Morgens, wo der Stand 328' ! '22 (740-40 Millim.) ist, somit 
in 34 Stunden um 7-93 (17-89 Millim.) 1 ). 

Am 11. December ist der niedrigste im Bulletin International 
verzeichnete Barometerstand jener zu Petersburg — 7364 Millim. — 
Am Allgemeinen ist die Atmosphäre weniger bewegt, nur in Krakau 
herrscht den ganzen Tag über heftiger Westwind. 

Am 12. December scheint die barometriscbe Depression in das 
nordöstliche Bußland weit gerückt zu sein; im Canal herrschen 
ziemlich starke SW.-Winde. 

Am 13. December tritt eine neue barometrische Depression nörd- 
ich von Schottland auf,' das Barometer zu Nairn zeigt 741 -7 Millim., 
zu Dünkirchen und Boulogne herrscht Sturm aus WSW.- In Oesterreich 
ist der Barometerstand zu Lemberg 11-6 Millim. unter dem Normal- 
stande, zu Wien fällt das Barometer rasch und zwar von dem höch- 
sten Stande 331*91 (748-73 Millim.)- am 12. um 9 Uhr Vormittags 
zu dem tiefsten Stande 322-53 (727-57 Millim.), am 14. um 6 Uhr 
Morgens, also um 9-38 (21- 16 Millim.) in 45 Stunden. Schon am 
13. December weht den ganzen Tag zu Agram lebhafter Wind aus 



Über die Stürme des November und December 1866. 379 

West und Südwest, zu Krakau Abends aus WSW.; an letzterem 
Orte Nachts starker Regen. In Wien vom 13. Morgens bis 14. Nach- 
mittags Sturm aus WNW. und W., wobei an dem Anemometer von 
Robinson am 13. zwischen 2 und 6 Uhr Nachmittags das Maximum 
der Windgeschwindigkeit — mit 38-4 P.-Fuß in der Secunde — 
erreicht wird. 

Am 14. December ist das Minimum zu Nairn noch tiefer, näm- 
lich 735*1 Millim., im Canal herrscht Sturm aus W. Zu Krakau ist 
die barometrische Depression unter den Normalstand 21-7 Millim. 
In Krakau Vormittags Sturm aus West, zu Agram des Morgens 
starker SW. , in Valona des Morgens starker SW. , Abends starker 
SO k .) 

Am 15. December erhält sich der tiefe Barometerstand zu Nairn 
mit 741-3 Millim. Starker Westwind im Canal. In Oesterreich trifft 
der tiefste Barometerstand auf Hermannstadt, von wo eine barometri- 
sche Depression von 15-9 Millim. gemeldet wird. Nach den Karten des 
Bulletin International scheint übrigens zwischen Sicilien und Afrika 
ein zweiter Mittelpunkt barometrischer Depression zu existiren und 
schon vom 12. December angefangen, läßt sich auf atmosphärische 
Störungen im südöstlichen Theile des Mittelmeeres schliessen. In 
Valona ist an diesem Tage des Morgens starker SW., der Mittags in 
NW. übergeht; in der Nacht vom 15. bis 16. daselbst Gewitter 1 ). 

Am 16. December ist das barometrische Minimum in die Ge- 
gend von Norwegen gerückt, das Barometer zu Christiansund zeigt 
743-1 Millim. an, zu Boulogne und Havre herrscht Sturm aus WNW. 
In Szegedin weht des Mittags ein lebhafter Nordwind m ). 

Am 17. December ist der Luftdruck im ganzen Norden ziemlich 
gleichförmig vertheilt und liegt zwischen 752 und 755 Millim. 
Nach den Karten des Bulletin International scheint in der Gegend 
von Griechenland sich ein zweites barometrisches Minimum zu be- 
finden. In Toulon herrscht an diesem Tage Sturm aus NNW; in 
Oesterreich tritt Abends zu Curzola lebhafter Ostwind, zu Valona 
lebhafter SO. -Wind ein; in Valona findet ein Gewitter statt. Der 
Ostwind zu Curzola dürfte wohl als Vorbote der am nächsten Tage 
auf dem adriatischen Meere herrschenden Bora zu betrachten sein "). 

Am 18. December ist der tiefste im Bulletin International an- 
gegebene Barometerstand zu Nairn 754*2 (verhältnißmäßig hoch); 
im Süden von Sicilien scheint eine barometrische Depression vor- 



3 SO J e I i n e k. 

banden zu sein. In Qesterreich ist der Luftdruck höher als der nor- 
male, in Ischl z. B. um 12*5 Millim. ; gegen das adriatische Meer hin 
nimmt er ab. Das Barometer zu Wien ist seit dem 16. December 
1 Uhr Nachmittags, wo es 327'"83 (739-53 Millim.) zeigt, in 
raschem Steigen begriffen und erreicht am 18. um 10 Uhr Morgens 
seinen höchsten Stand von 336^33 (758*71 Millim.); somit ein 
Steigen um 8"'50 (19-18 Millim.) in 45 Stunden. Im Nordosten der 
Monarchie ist eine Temperatur-Depression eingetreten, und zwar ist 
die Temperatur zu Lemberg um 6 3 C. tiefer als gewöhnlich. Hiemit 
sind die Bedingungen zum Eintreten der Bora am ad riatischen Meere 
gegeben. Dieselbe weht den ganzen Tag über zu Triest aus ONO., 
zu Curzola aus NNO., zu Valona aus NO. (Abends sturmartig), zu 
Zara vom Mittag bis zum Abend aus NO. Zu Valona tritt in der 
Nacht vom 18. bis 19. Gewitter ein. 

Am 19. December ist im Norden von Europa ein beträchtliches 
Sinken des Barometerstandes eingetreten, das Barometer zu Christian- 
sund zeigt 735-3 Millim. zu Groningen weht starker SSW. 

Am 20. December ist dieses barometrische Minimum nach Osten 
gerückt, das Barometer zu Haparanda zeigt 743-4 Millim. Gleich- 
zeitig scheint nach den Karten des Bulletin International im Südosten 
von Sicilien eine neue barometrische Depression zu liegen. Im adria- 
tischen Meere weht noch am 19. Morgens und Mittags zu Valona 
starker NO., zu Triest am 20. Morgens Bora (ONO.). Hiemit sind 
die Störungen des atmosphärischen Gleichgewichtes für das Jahr 
1866 in unseren Gegenden abgeschlossen. Nur am 28. und 29. De- 
cember, wo das barometrische Minimum beziehungsweise bei Biga 
(734-3 Millim. mit NW. -Sturm bei Boulogne) und bei Nairn 
(743-7 Millim., W.-Sturm bei Havre) liegt, wird die Atmosphäre 
unserer Gegenden theilweise in die stürmische Bewegung hinein- 
gezogen. Das Barometer steht am 28. zu Prag 13-4 Millim., am 29. 
zu Lemberg 21-8 Millim. unter dem normalen Stande und zu Wien 
ist vom 26. December 10 Uhr Vormittags (Stand 333-75 oder 
752-88 Millim.) bis zum 29. December um 3 Uhr Morgens (Stand 
324 n 07 oder 731-05 Millim.), also in 05 Stunden ein Sinken um 
9" 68 (21-83 Millim.) erfolgt. In Krakau weht vom Mittag des 28. 
bis Mittag des 29. starker Westwind, zu Szegedin am Mittag 
des 29. starker SW. und zu Zara am Mittag des 29. lebhafter 
OSO. °> 



Über die Stürme des November und December 1866. 381 

Wenn wir aus der eben angeführten Übersicht der Erscheinun- 
gen, wie sie die Monate November und December 1866 darbieten, 
Folgerungen ziehen wollen, so drängt sich uns zunächst die Bemer- 
kung auf, daß die Windverhältnisse über dem Gebiete der österrei- 
chischen Monarchie außerordentlich verwickelte sind, wie dies bei 
der Mächtigkeit, Anzahl und Lage der einen großen Theil des Terri- 
toriums einnehmenden Gebirgsketten nicht wohl anders erwartet 
werden konnte. 

In der Regel treten barometrische Minima im Nordwesten von 
Europa zuerst auf und nehmen ihren Zug nach Osten. Halten diesel- 
ben so ziemlich die Richtung von West nach Ost ein, um im nörd- 
lichen Rußland sich der Beobachtung zu entziehen, so afficiren sie 
die Atmosphäre unserer Gegenden in geringem Maße. Bios die nörd- 
lich von den Alpen und nördlich von den Karpathen liegenden Sta- 
tionen nehmen an der allgemeinen Luftbewegung Antheil und es 
treten an den Stationen Prag, Wien, Lemberg und Krakau lebhafte 
Westwinde auf; dieselben beginnen mit S. oder SW., so lange das 
barometrische Minimum im Nordwesten liegt, und endigen mit Nord- 
west, sobald das Minimum nach Osten gerückt ist. Die Atmosphäre 
über dem adriatischen Meere wird nur wenig in die Luftbewegung 
hineingezogen, bei stärkerer barometrischer Depression treten zu 
Lesina lebhafte Südostwinde auf. Das Auftreten der "Südostwinde im 
adriatischen Meere (anstatt der anderwärts vorwaltenden Süd- oder 
Südwestwinde) erklärt sich wohl unschwer aus der Richtung der 
Küsten, und es ist wohl nicht nöthig, hiebei die Rotation der Erde zu 
Hilfe zu nehmen *), welche gerade die entgegengesetzte Erscheinung, 
nämlich eine Drehung des Süd- oder Südwestwindes in der Weise, 
daß daraus Westwind hervorgeht, hervorbringen müßte. In höherem 
Grade wird das Gleichgewicht der Atmosphäre in unseren Gegenden 
gestört, wenn das barometrische Minimum auf seinem Zuge durch 
Europa die Richtung von NW. nach SO. nimmt. In diesem Falle 
wird auch die Luft in Ungarn in die stürmische Bewegung hinein- 
gezogen, die Windesrichtung, die anfänglich S. (manchmal sogar 
SO.) war, geht bei rasch steigendem Barometerstande in W., NW. 
auch N. über, und die gewöhnlich im nördlichen Theile des adriati- 



') S Secohi, Bull. Mit. dell'Osservatorio Hei Coli. Romano, Vol. VI. |>. 2. 



382 Ji I ine k. 

sehen Moores wehenden östlichen Winde gewinnen an Lebhaftigkeit, 
nehmen auch eine nordöstliche Richtung an. 

Besonders gefährlich für den nördlichen Theil des adriatischen 

Moores sind jene Fälle, bei welchen in Oesterreich eine allgemeine 
Depression des Barometerstandes stattfindet, dabei aber die Größe 
dieser Depression von Nord nach Süd zunimmt, so daß das barome- 
trische Minimum im Süden zu suchen ist. In solchen Fällen tritt 
regelmäßig eine stürmische Aufregung der Atmosphäre über dem 
adriatischen Meere ein. Die auf einander folgenden Richtungen, aus 
welchen der Wind oder Sturm weht, bedürfen zu ihrer Feststellung 
noch eingelienderer Untersuchungen, hängen aber jedenfalls von der 
Lage des barometrischen Minimums und der Ortsveränderung des- 
selben ab. 

Während in dem letztgenannten Falle das Eintreten von Stür- 
men, welche sich nicht blos auf den nördlichen Theil des adriatischen 
Meeres beschränken, sondern das letztere in seiner Gänze afficiren, 
unschwer prognosticirt werden kann, so ist damit die Reihe der 
Fälle, in welchen die Bora im nördlichen Theile des adriatischen 
Meeres auftritt, keineswegs erschöpft. Es ist zum Eintreten der Bora 
durchaus nicht erforderlich, daß eine barometrische Depression statt- 
finde, und gerade dieser Umstand, daß das Eintreten der Bora mit 
normalem oder sogar höherem Luftdrucke ganz gut verträglich ist, 
macht das Vorhersehen solcher Fälle schwierig. So viel steht jedoch 
fest, daß die Barometercurven in der Art angeordnet sein müssen, 
daß die Linien höheren Luftdruckes im Norden liegen. Hohe Baro- 
meterstände im Norden (z. B. bei Prag oder Krakau), insbesondere 
wenn sie auf tiefe Stände rasch folgen und mit einer Temperatur- 
Depression verbunden sind, deuten auf ein wahrscheinliches Ein- 
treten der Bora. 

Als ein interessantes Ergebniß möge nochmals der Fall der 
Bora am 28. und 29. November 1866 hervorgehoben werden, wo- 
bei die nordöstliche Luftströmung zuerst im Süden (bei Curzola) 
begann und sich nach rückwärts fortpflanzte, so daß sie bei Krakau 
um einen Tag später begann und noch 48 Stunden fortwährte, nach- 
dem dieselbe bereits bei Curzola erloschen war. Wenn sich dieses 
Verhältniß durch andere Fälle bewähren sollte, dann würde die 
Wichtigkeit der nordöstlichen Stationen für die Prognosticirung 
der Bora in beträchtlichem Maße schwinden, dagegen als Nothwen- 



Über die Stürme des November und December 1866. 383 

digkeit sich herausstellen, von südlicheren Stationen telegraphische 
Depeschen rechtzeitig *) zu erhalten. 

Für die Entscheidung einer anderen in neuerer Zeit viel venti- 
lirten Frage: „ob die Stürme in Europa durch das gegenseitige Ver- 
drängen entgegengesetzter Luftströmungen entstehen oder oh sie 
Ähnlichkeit mit den Cyclonen der Tropen haben und als Wirbelstürme 
zu betrachten sind?" reichen Beobachtungen über einem verhältniss- 
mäßig so beschränkten Gebiete — wie es für meteorologische Unter- 
suchungen die österreichische Monarchie darbietet — nicht aus. Von 
einer vollständigen Wirbelbewegung kann unter allen Umständen 
keine Rede sein; was aber die Drehungen der Windesrichtung um 
90—180 Grade in unseren Gegenden anbelangt, so können diese 
ebenso gut durch das Verdrängen zweier entgegengesetzter Luftströ- 
mungen, als durch eine unvollständige Wirbelbewegung (beschränkt 
auf die westliche Seite der Windrose) erklärt werden. 

Wahrscheinlicher dünkt mir die erstere Erklärungsweise haupt- 
sächlich deshalb, weil mit den Drehungen der Windfahne von S. über 
W. nach N. in der Regel starke Veränderungen der Temperatur und 
des gesammten Witterungscharakters verbunden sind, die sich unge- 
zwungener aus dem Gegensatze der beiden Strömungen der südlichen 
(Äquatorialstrom) und der nördlichen (Polarstrom, obgleich an einen 
Ursprung derselben am Pole wohl nicht zu denken ist) — ergeben. 
Allerdings führt auch eine Wirbelbewegung die Luft höherer (nörd- 
licherer) Breiten in tiefere (südlichere) und umgekehrt, allein wenn 
man die Wirbelbewegung nach ihrem strengen Begriffe auffaßt, so 
würde eine und dieselbe Luftmasse im Kreise (oder wie sich die 
Verhältnisse in Europa gestalten) im Halbkreise herumgeführt werden. 
Bei der raschen Bewegung dieser Luftmasse sollte dieselbe aber nahe- 
zu dieselbe Temperatur und dieselben sonstigen Charaktere beibe- 
halten, indem der Einfluß der Temperatur des Erdbodens nicht sehr 
beträchtlich sein dürfte und die Condensation von Wasserdämpfen 
bei den Niederschlägen, die häufig eintreten, wenn der SW. durch 
den NW. abgelöst wird, im entgegengesetzten Sinne — nicht abküh- 
lend, sondern erwärmend — wirken müßte. Insoferne scheint die 
Entscheidung für das Verdrängen der einen Luftströmung durch die 
andere näher zu liegen; daß übrigens partielle Wirbel auftreten 



!) Die Depeschen von Valona (türk. Albanien) treuen regelmässig verspalet eil 



;m 



I i n e k. 



können und müssen, wo zwei entgegengesetzte Strömungen zusammen- 
treffen, die noch dazu vielfache Hindernisse ihrer freien Fortbewegung 
in den zahlreichen und mächtigen Gebirgszügen finden, und daß diese 
partiellen Wirbel in bedeutendem Maße zur Verstärkung der Luftbe- 
wegnng an einzelnen hiefür besonders gelegenen Orten beitragen 
können, dürfte keiner umständlichen Erörterung bedürfen. 

Im Anhange folgen für einige Tage des November und December, 
welche durch besonders rasche und umfangreiche Schwankungen des 
Barometerstandes ausgezeichnet waren, die Stände des Luftdruckes 
von Stunde zu Stunde, wie dieselben durch den Kreifschen Baro- 
metrographen an der k. k. Centralanstalt aufgezeichnet wurden. In 
einer zweiten Zusammenstellung folgen für einige Stationen in 
und außerhalb der österreichischen Monarchie die meteorologischen 
Verhältnisse während der Sturmperioden vom 13. — 18., 23. — 25., 
28.— 30. November und 18. — 19. December 1866. Die Beobach- 
tungen zu Leipzig sind einer gütigen brieflichen Mittheilung Herrn 
Professor Dr. Carl Bruhns, jene zu München Professor Lamont's 
Wochenberichten, jene zu Berlin der Nationalzeitung entnommen. 
Hiebei sind sowohl die absoluten Stände des Luftdruckes und der 
Temperatur, als auch die Abweichungen des ersteren von den 
Normalwerthen — die ersteren in Pariser Linien, die letzteren in 
R eaumur' sehen Graden — angegeben. Die Windstärken sind 
nach der zehntheiligen Scala angegeben, bei jenen Stationen, welche 
die viertheilige Scala benützen (Berlin, München, Prag) wurden 
die betreffenden Zahlen deshalb mit 10 / 4 multiplicirt, um sie auf die 
zehntheilige Scala zu beziehen. Die Windstärken von Prag (wohl 
aus den Angaben des Autographen berechnet) und Lemberg sind viel 
niedriger als an den anderen Stationen, was bei der ersteren Station 
an den Angaben des Autographen, bei letzterer an der individuellen 
Schätzung liegen mag» Die Beobachtungszeiten an den verschiedenen 
Stationen sind nicht strenge übereinstimmend, sie wurden deshalb mit 
den allgemeinen Schlagworten „Morgens", „Mittags" und „Abends" 
bezeichnet. Genauer bezeichnet gelten die betreffenden Zahlen bei 
Berlin, Leipzig, Prag, Krakau, Wien, Debreczin, Lesina für 18 h , 2\ 
10 h , bei Lemberg, Szegedin, Rustschuk, Pola, Agram, Curzola für 19 h , 
2 h , 9 h , bei Pancsova, Triest und Valona für 19 h , 2 h , 10 h , bei München 
für 20 h 2 h und 6\ 



Über die Stürme des November und Deeember 1866. 385 



Anmerkungen. 

a ) Es dürfte nicht ohne Interesse sein, mit dem oben gegebenen factischen 
Verlaufe der Witterung die telegraphischen Depeschen von Paris und 
Florenz zu vergleichen. In neuester Zeit (seit Mitte November) empfängt 
nämlich die Centralanstalt außer der Depesche der kais. Sternwarte zu 
Paris noch von Florenz durch die Güte des bekannten Gelehrten und 
Physikers, Senator C. Matteucci, Vorstandes des meteorologischen Departe- 
ments, eine Depesche, welche den Zustand der Atmosphäre an den ver- 
schiedenen italienischen Stationen in gedrängter Fassung angibt, nebstbei 
aber in besonderen Fällen Andeutungen wahrscheinlicher Witterungs- 
Änderungen und Sturm-Warnungen enthält. 

Für den 17. November lautet das Telegramm von Paris: „La bourras- 
que (venue) de TAngleterre a marche vers le SE., son centre doit etre dans 
les parages de l'Autriche, eile a amene des coups de vent pendant la jour- 
nee d'hier et la nuit sur toule Ja France , les vents franchissent ce matin 
sur les cötes de 1' Italic" 

Das Telegramm von Florenz (um 2 Uhr Nachmittag aufgegeben, um 
10 Uhr 5o Minuten Abends eingelangt) lautet: 

„L'orage annonce hier entra dans notre atmosphere pro luisant dans 
le Nord de 1'lLalie uue baisse barometrique tres forte de 14 ä lo mm - en 
tres peu de teraps. Beaucoup de pluie. Dans les stations (vent de) SO. fort» 
aussi dans le haut de l'atmosphere. Peut-etre continuera la saison pluvieuse 
orageuse. 

b ) Die teh graphische Depesche von Paris für den 18. November lautet: „La 
bourrasque signalee hier en Autriche est aujourdhui au Sud de l'Italie, une 
nouvelle la suit et amene des coups de vent sur tout le Nord de la France, 
eile marche vers l'Est comme la preeedente et menace l'Italie et 
f Adriatique." 

Die Depesche von Florenz lautet: „La peninsule est partagee par 
moitie en deux grandes zones. De Aoste ä Livourne et Ancone est penetre 
le courant polaire produisant une baisse de tempe'rature de 9 ä 10 degres 
et une hausse barometrique de 15 ä 16 mm - Dans la zone meridionale la 
temperature est augmentee et la pression contiuue a diininuir de 7 ä 8 mm - 
Ciel beau dans le Nord. Mer grosse. Tempete sur l'Adriatique, meine dans 
le milieu de l'Europe oü il avait ete grande depression, les barometres 
s'elevent fortement. Peut-etre le courant polaire s'etendra sur toute la penin- 
sule; (vent) dominant NE-, surtout sur TAdriatique." 

c ) Die Pariser Depesche vom 19. November lautet: „La baisse considerable 
du barometre ä Vienne indique qu' une nouvelle tempete entre 0. et N., 
tournante ä NE. va sevir sur 1 Adriatique." 

Die Depesche von Florenz lautet: „Deux grands courants atmosphe- 
riques, Tequatorial et le polaire se meieren! sur notre peninsule. (Dans le) 



386 .1 o I i d e k. 

midi a la Forte depession d'hier suit aujourdhui hausse barometrique de 
1 I ,,,m - A Torre et Girgenti le barometre baisse, ä Genes o( Moncalieri il pst 
descendu 8 mm «, la baisse continue. Mer agitee, olle est «rosse au S. . mau- 
vaise ä l'Adriatique, ciel couvert. Vents NO. et N. tres forts, saison plu- 
viouse et orageuse probable (pour) nos mers. Les vents tournent ä 
NE. et SE." 

a ) Für den 24. November enthält das Telegramm von Paris die Ankündigung 
eines Sturmes: „Pour ce soir ou eetie nuit tres gros temps ou vent tres 
fort entre SO. et NO. ou N. sur l'Adriatique." 

Dagegen stellten die Telegramme von Florenz jede Gefahr in Abrede. 
Jenes vom 23. November enthält die Stelle „Pas de danger, orages pro- 
bables, saison humide et pluvieuse" jenes vom 24. November „Saison calme 
dominant eourant equatorial chaud humide." 

Die Depesche von Paris vom 25. November enthält noch die Stelle: 
„Temps pour l'Adriatique tres incertain, surveillez avec soin le barometre" 
dagegen die Depesche von Florenz „Continue la saison calme sous eourant 
equatorial." 

e ) Am 26. November enthält das Pariser-Telegramm die Stelle : „Des bour- 
rasques orageuses et des coups ce vent ont sevi hier soir et ce matin sur 
les cötes Italiennes, elles se dirigent vers l'Adriatique oii le barometre a 
baisse de ll mm - ä Ancöne." Die Depesche von Florenz enthält den Schluß: 
„Saison orageuse pluvieuse." 

f ) Für den 28. 29. 30. November (die Tage der Bora im nördlichen Tlieile des 
adriatischen Meeres) enthält das Pariser Bulletin keine besondere Ankündi- 
gung schlechter Witterung, sondern blos die Mittheilung, daß der Barome- 
terstand im Süden von Italien tief ist. Die Depesche vom 28. enthält die 
Stelle: „Le barometre est bas dans les parages de la Sicile, hier (27.) on 
a signale un orage ä Livourne et de la neige ä Berne"; jene vom 29. „vent 
fort de l'Est ä Naples, barometre 755 mm -", die Depesche vom 30. „basses 
pressions au Sud de ITtalie et de l'Illyrie." 

Das Telegramm von Florenz enthält für den 28. November die Stelle: 
„saison calme sans menaces de bourrasques"; für den 29. November: 
„hausse barometrique au nord et au centre de ITtalie, baisse barome'trique 
au Sud, neige, pluie — mer agitee"; für den 30. November: „Mer agitee, 
furieuse ä l'Adriatique, vents forts de NO. et NE. — saison orageuse sur- 
tout sur l'Adriatique, vent dominant N." 

s) Die Pariser Depesche vom 1. December sagt: „Une bourrasque aborde la 
France par le golfe de Gascogne se dirigeant vers la Mediterranee. 

h ) Das Telegramm der k. Sternwarte zu Paris vom 8. December enthält die 
Bemerkung: „Le barometre est tres bas en Russie, il monfe avec une 
rapidite effrayante (31 uim -) en un jour sur l'Ecösse"} das Telegramm von 
Florenz : „Saison humide plmieuse, probablement des bourrasques pene'tre- 
ront dans notre atmosphere, ou la pression diminue". 



Über die Stürme des November und December 1860. 387 

f) Am 10. December lautet das Telegramm von Florenz folgendermaßen: ,.II 
barometrq conünuö ad alzarsi sopra tutto nel mezzogiorno, In tufte le 

nostre stazioni Ja pressione e per lo meno di 10 a 12 millimetri sopra la 
normale, temperatura nuovamente abbassata, eielo nuvoloso, mare mosso e 
forti venti di tramontana e di maestro. Durano alte le pressioni in Ispagna 
e nell' Occidente. Intanto un forte centro di depressione si manifesta nel 
settentrione. II barometro s'abbassa anche fra noi, da cruesta mattina il 
barometro abbassa con rapidita e dell' alto dell' atmosfera il vento soffia 
con rotazione inversa da greeo a maestro. La stagione dura incerta, vari- 
abile e non sine perieolo di forti venti di tramontana sopratutto nell' Adri- 
atieo. Probabile ehe le alte pressioni trattengono l'avanzarsi delie burra- 
sche del Nord."' 

k ) Die Depeschen vom 14. December enthalten folgende Stellen: (von Paris) 
„mauvais temps ä eraindre", (von Florenz) „il continuo abbassamento baro- 
metrico indica non esaurita l'azione della corrente equatoriule. Probabile 
duri stagione burraseosa." 

x ) Die telegraphische Depesche aus Florenz vom 15. December enthält die 
Stelle: „L'avvicendarsi dei due grandi correnti, l'equatoriale e il polare 
mantiene la stagione incerta, burrascosa, tendente a ristabilirsi. Probabile 
vento giri Nordovest Nordest." 

m ) In der Depesche aus Florenz vom 16. December heißt es: „Stagione incerta 
piovosa. Probabili venti Nordest Sudest." 

n ) Die Depesche aus Paris vom 17. December kündigt das Einbrechen der 
Bora an: „Barometre stationnaire en Italic, hausse excessive de 17 m,n - sur 
la mer du Nord; ces deux circonstances rendent des vents tres forfs pro- 
bables d'entre NE. et E." 

°) Die Depesche aus Paris vom 28. December enhält folgende Stelle: „La 
bourrasque signalee hier dans la Manche a marche vers l'ßsf, eile sevit au- 
jourdhui dans la Baltique. Les Alpes, les Apennins et les montagnes de 
l'Illyrie garantissent jusqu' ä present l'Adriatique de son action. Elle se 
dirige vers la mer noire." 

Die Depesche aus Florenz vom 29. Dezember enthält die Stelle: 
„Probabile duri stagione calda umida piovosa senza perieolo di forti venti 
e burrasche." 

ail ) Die im Vorhergehenden erwähnten Stürme hatten bedeutende Verluste an 
Menschenleben und Schiffen an den britischen Küsten im Gefolge, richteten 
aber auch durch die mit den starken Regengüssen verbundenen Über- 
schwemmungen in England selbst großen Schaden an. 

„Auf die seit dem 10. November herrschenden Stürme" berichteten 
die Tagesblätter „die mehr eine Kette \on wüthenden Windstößen waren, 
ist seit dem 13. Abends ein fürchterlicher, von Regengüssen und Hagel 
begleiteter Orkan aus Nordwesten gefolgt, der die vorhergehenden an 
Heftigkeit noch übertraf. Die Hagelschlossen waren von nie gesehener Größe 
und richteten an Fenstern und Gewächshäusern bedeutenden Schaden an. 
Von der Küste meldet man viele Unglücksfälle". 



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„Starke Regengüsse, die während der letzten Woche mit Hagelschauern 
und Stürmen abwechselnd Holen, haben in den letzton drei Tagen (14. — 16. 
November) angedauert und zu wirklichen Wolkenbrüchen verstärkt die 
verheerendsten Wirkungen zur Folge gehabt. In Manchester schwollen die 
kleinen die Stadt durchströmenden Flüßchen so sehr an, daß ein großer Theil 
der Stadt unter Wasser gesetzt wurde; gegen 1000 Menschen sind obdach- 
los geworden. In Preston wurden mehrere Fabriken derart beschädigt, daß 
zwischen 1000 und 2000 Arbeiter außer Beschäftigung gesetzt wurden. In 
Wakefield (Yorkshire) stieg das Wasser des Calder 15 Fuß über seinen 
gewöhnlichen Stand und überfluthete die Dämme. In Leeds fanden durch 
das Einstürzen eines hölzernen, den Fluß (Aix) überhängenden Gebäudes 
an 20 Menschen den Tod. Dazu dauern die Stürme zur See noch fort. 
Während man in Liverpool am Donnerstag (15. November) auf ruhigeres 
Wetter hoffte, verstärkte sich der Wind gegen Abend wieder und wurde 
während der Nacht zum wirklichen Orkan, welcher den ganzen gestrigen 
Tag (16. November) mit ungeschwächter Kraft fortwüthete." (Nat. Z.) 

„Die Überschwemmungen im Norden von England übertreffen alle bis- 
her vorgekommenen Unglücksfälle dieser Art an Größe und Ausdehnung. 
Große Strecken von Lancashire, West-Riding, Derbyshire und Nottingham- 
shire stehen unter Wasser. Unglücklicherweise sind neben dem großen 
Schaden an Eigenthum auch zahlreiche Menschenleben verloren gegangen." 
Einige Tage später heißt es: „Aus den Gegenden, die durch die Über- 
schwemmungen gelitten haben, treffen allmälig bestimmtere Nachrichten ein. 
Der Verlust an Menschenleben wird jetzt im Ganzen auf dreißig angegeben. 
Im Thale des Calder-Flusses berechnet man den Schaden auf 300.000 Pfund 
Sterling, im Wakefield und der Umgegend auf 100.000 Pfd. St. und in 
Dewsbury auf 50.000 Pfd. St. In Salford, wo eine öffentliche Versammlung 
gehalfen wurde, um Maßregeln zur Unterstützung der Betroffenen zu bera- 
then, waren 2685 Häuser überschwemmt und 3124 Personen außer Beschäf- 
tigung." (Neue f. Pr.) 

Auch in Deutschland und Österreich hatten die Stürme vom 14. und 
17. November (insbesondere des letztern) mehrfache Verkehrsstörungen 
Beschädigungen von Telegraphenleitungen u. s. f. im Gefolge. 



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Über die Stürme des November und December 1866, 



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Über die Stürme des November und December 1866, 

Luftdruck in Pariser Linien. 



391 



Leipzig 



Prag 



Krakj 



Lembers 



München 



Debre- 
czin 



Szegedin 



Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

\bends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg 
Mitt. 

Abends 

Morg 

Mitt. 

Abends 

Morg 

Mitt. 

Abends 



331-43 
328-79 
329-52 

328-94 
329-09 
330-53 

334-09 
336-17 
335-94 

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329-42 
326-99 

326-45 
333-87 
336-80 

336-72 
333-71 
329-24 

335-81 
333-62 
330-94 

327-47 
328-99 
332-00 

333-24 
331-13 
329-43 

335 05 
336-63 

337-84 

339-61 
340-83 
341-82 

341 • 55 
340-73 
339-87 

334-48 
337-83 
340-31 



329 
327 
327 

327 

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329 

332 
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333 

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332 
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326 

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338 

337 
336 
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331 
335 
337 



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339-98 
339-96 



337 
337 



327 
325 
324 

324 
325 
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328 
330 
330 

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326 
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333 
332 
331 

328 
331 



73 334 



335 
335 
334 



328-41 
325-25 
324-04 

324-02 
324-04 
324-90 

325-83 
328-14 
331-05 

330-00 
327-16 
325-08 

321-51 
320-81 

328 • 48 

330-38 
330-21 
327-65 

330-24 
329-80 
327-09 

323-18 
322-04 
324-45 

326-31 
327-32 
325-76 

327-23 
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330-55 
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32 334-60 



335-09 
334-44 



326 
324 
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320 
320 
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325 

325 
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323 

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331 
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331 
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319 

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314 

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316 

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319 
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317 
316 

317 
319 
320 

322 
322 
322 



36 329-39 



Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Abth. 



327-69 

327-40 

326-36 
326 23 
327-28 

328-49 
330-62 
332- 11 

330-20 
328-00 
326-45 

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326- 13 

330-80 

332-16 
331.47 

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331-58 
330-67 

328-26 

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325-20 
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329 
331 

332- 
333- 
333- 



332-87 
332-06 
331-77 

329-63 
331-25 
333-85 

335-51 
336-09 
335-88 



333-34 
332-12 
330-49 

328-65 
328-04 
328-65 

328-88 
329-99 
331-00 

334-09 
334-09 
331-88 

327-41 
327-10 
328-65 

332-23 
333-11 
332-37 

333-34 
334-09 
333 73 

328-65 
326-47 
327-41 

329-42 
330-47 
329-42 

329-85 
330-41 
33100 

334-23 
334-71 
334-09 

334-06 
333-57 
333-50 

332-52 
333-25 
334-82 

337-59 
338-34 
338-30 



336-93 
334-83 
333-14 

331-77 
330-47 
331-57 

332-64 
332-81 
336-06 

337-87 
335-61 
332-21 

330-33 
329-57 
331-97 

335-27 
335-50 
334-21 

335-99 
336-47 
334-67 

330-83 
329 • 34 
331-06 

332-58 
333-07 
332-02 

331-92 
332-97 
334-80 

33510 
336-29 
33511 

332-85 
334-82 
335-14 

334-46 
335-72 
337-23 

339-69 
340-35 
340-64 



27 



392 



.1 e I i n e k. 



Luftdruck in Pariser Linien. 



13. Nov. 



14. 



15. 



16. 



17. 



18. 



23. 



24. 



25. 



28, 



30. 



17. Dec. 



18. 



Paucsova 



Ru- 

stschnk 



Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 
Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 



336-95 
335-57 
334-38 

333-26 
331-93 
332-83 

333-89 
334-78 
337-18 

338-10 
336-94 
335-72 

33217 

330-88 
331-98 

335-62 
336-14 
336-29 

337-43 
338 05 
336-76 



339-38 
338-45 
337- 13 

335-37 
333-89 
332-66 

33315 

336-35 

338-88 
339-25 
339-14 

336-10 
333-80 
333-15 

334-51 
336-65 
337 09 

337-89 
338-69 
339-17 



Triest 



Polo 



332 89 337-07 
330-84 334-59 
332-54 333 06 



33411 
334-86 
334-67 

333 10 
334-19 
335-57 

336-88 
336-60 
336-29 

335-49 
335-39 
335 69 

335-23 
336-23 
338-29 

340-40 
341-38 
341-78 



334-18 
334-54 
336-13 

333-87 
335-48 
336-83 

338-97 
338-80 
339-31 

339-04 
338-80 
338-50 

337-83 
33917 
340-44 

342-70 
342 • 92 
343-44 



338-36 
337-82 
33718 

334-90 
333-54 
334-89 

336-29 
337-60 
339-06 

338-84 
338-09 
336-91 

332-23 
331-60 
334-59 

338-66 
338-60 
337-12 

338-40 
338-11 
337-50 

333-68 
332-40 
334-12 

336-46 
336-61 
335-56 

334-57 
335-47 
336-47 

337-31 
336-78 
336-43 

334-46 
334-04 
335-99 

336-03 
337-47 
339 19 

340-97 
342-29 
341-92 



338-69 
338 04 
337-17 

335-01 
333-67 
334-84 

337-03 
338-14 
339-59 

339-20 
338-30 
336-74 

332-56 
331-73 
334-36 

339-09 
338-74 
338-22? 

338-54 
338-60 
337-55 

333-92 
332-66 
334-48 

336-96 
336-64 
335-54 

334-68 

337-72? 

336-61 

337-26 
337-04 
336-41 

334-51 
334-21 
335-66 

335-44 
337-62 
339-52 

341-06 
342-03 
342-02 



332-34 
331-40 
330-04 

328-51 
327-33 

328-85 

331-55 
331-99 
333 78 

333-68 
331-71 
329-73 



338-54 
338-37 
338-82 

336-15 
334-25 
333-37 

335-06 
337-33 
339-37 

339-50 
339-18 
337-91 



338-90 
338-34 
336-74 



Viilo na 



338-97 
338-89 
338 85 



335-74 337-92 
335-41 336-47 
333-23 335-32 



325-92 335-30 
325-75 332-86 
329 03 332-55 



334 10 
333-45 
332-59 

333-86 
333 • 40 
332-36 

327-41 
326-74 
328-96 

331 25 
330-93 
329-08 

329-90 
330-78 
332- 07 

334-62 
333-49 
333-12 

331-93 
331-31 
331-63 

331-08 
333-04 
334-69 

337-13 
337-71 
337 67 



335-49 
336-78 
336-99 

338-62 
338-81 
338-26 

335-68 
333-78 
333-31 

335-95 
336 86 
336-48 

333-83 
334-99 
335 74 

335-05 
334-39 
333-47 

332-28 
333-75 
335-13 

335-38 
335 55 
337-45 

338-20 
339-18 
339-76 



335-52 
336-88 
337-13 

338-83 
338-71 
336-15 

335-51 
331-56 
330-57 

336-04 
335-99 
335-04 



33813 
337-24 

335-23 
333-42 
331-23 

336-78 
337-02 
337-93 

333-01 
332-75 
333-88 

334- 13 
333-45 
332-67 

332 17 
33214 
334-60 

335-84 
335-84 
336-93 

336-57 
337-63 
338-21 



334-48 
335-48 
338-06 

339-58 
339-26 

337-55 
335-68 
334-26 

333-88 
334-28 
335-41 



338-35 339-73 



340-00 
340-03 

338-60 
336-74 
335 17 

335-69 
336-97 
337 58 

334-73 
335 09 
335-36 

338-87 
332-44 
336-73! 

333-34 
335 ■ 83 
336-71 

336-27 
335-39 
335-75 

336-65 
337- 14 
337-94 



Über die Stürme des November und December 1866. 393 

Abweichungen des Luftdruckes Tom normalen Stande in Pariser Linien. 



Datum 


Zeit 


Berlin 


Leipzig 


Prag 


Krakau 


Lemberg 


München 


Wien 


Debre- 

czin 


Szegedin 


13. Nov.] 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


—4 
-6 
—5 


04 
68 
95 


—3 
—5 

—4 


03 
12 
50 


—2 

—4 
—5 


36 
55 
37 


— 1 

-4 
—5 


04 
20 
41 


— 
—2 
—4 


71 

47 

78 


— 

— 1 
— 1 


88 
57 
69 


— 

—2 

—2 


94 
64 
93 


+o 

— 
—2 


40 
82 
45 


42 
4-0 
— 1 


13 
03 
66 


14. „ ] 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


—6 
—6 

—4 


55 
40 
96 


—4 

—4 

+ 2 


83 
88 
87 


—5 
—4 
—3 


05 

78 
46 


—5 
—5 
—4 


44 
42 

56 


—5 
—6 
— 5 


91 

26 
85 


—2 
—2 
— 1 


28 
15 
11 


—3 
—4 
—3 


97 
10 
05 


—4 
-4 
—4 


30 
91 

30 


—3 
—4 
—3 


04 
34 
24 


tri 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


— 1 

+ 


41 

67 
44 


-0 

+1 
+ 1 


10 
50 
23 


— 1 

+ 
+ 1 


65 
70 

08 


—3 
— 1 

+ 1 


63 
32 

59 


-4 
— 3 
— 


63 
22 
57 


+ 1 
+ 2 
+ 2 


34 

03 

08 


— 1 

+ 

+ 1 


85 

28 

77 


—4 
—2 
— 1 


07 
96 
95 


—2 

—2 

+ 1 


18 
Ol 
24 


16. „ 


Merg. 
Mitt. 

Abends 


—3 
—6 

-8 


23 
10 

53 


— 1 

—4 

-8 


68 
86 
09 


— 1 
-3 
-6 


26 
58 


+ 
—2 
—4 


54 
30 

38 


40 
— 
—2 


69 

88 

77 


— 1 
—2 
—3 


10 
49 
09 


— 

—2 
—3 


15 
35 

9o 


4-1 
4-1 
— 1 


13 
13? 

08 


4-3 
4-0 

—2 


■04 
78 
62 


17. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


-9 
— 1 

+ 1 


08 
66 

27 


—9 

— 

4-2 


49 

•27 
54 


-9 
—2 

+ 1 


55 
59 

49 


—7 
—8 
— 


95 

65 

98 


—6 

—7 
—5 


71 

69 
74 


—4 
— 1 

+ 1 


63 
12 
36 


—7 
—4 

+ o 


60 
23 
44 


—5 
—5 
—4 


57 
88 
33 


—4 
—5 

—2 


52 

28 
88 


H 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


+ 1 
— 1 
—6 


17 

84 
33 


+2 
— 1 
-5 


32 

86 
13 


fl 
— 
-4 


85 
Ol 
35 


+ 

+ 

— 1 


92 
75 
81 


— 1 
— 
— 1 


07 
55 

22 


4-2 
+ 
— 


91 

98 

72 


4-1 
4-1 
— 1 


79 
10 

58 


-0 

40 
— 


76 
12 
62 


+ 
4-0 
— 


41 
64 
65 


23. „ | 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


— 
—2 
—4 


02 
21 
89 


4-1 
-0 
—4 


Ol 

86 
34 


+ 
-1 
—3 


76 

08 
86 


+ 
+ 

—2 


76 
32 
39 


— 
— 

— 1 


84 
29 
32 


+ 1 

— 
— 


28 
41 
96 


+ 1 
4-0 
—2 


16 

25 
16 


4-0 
+ 1 

+ 


31 
06 

70 


+ 1 
4-1 
— 


06 
54 
26 


24. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


—8 
—6 
-3 


41 

89 
88 


—7 
-5 

—2 


42 
12 
23 


—7 
—5 
-3 


25 
42 
14 


—6 

—7 
—5 


31 

45 
04 


—5 

—7 

—7 


13 

27 
06 


—4 
—2 
— 1 


36 
33 
40 


—5 
—5 
—3 


64 
23 
54 


—4 
—6 
—5 


41 
59 
65 


—4 
—5 
—3 


12 
61 

89 


25. „ ] 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


—2 

—4 
—6 


64 
75 
45 


-1 
—4 
-6 


56 
14 
11 


— 1 
—3 
—6 


76 
05 
25 


—3 
—2 
—3 


18 
17 
73 


—4 
—3 
—3 


50 
57 
15 


— 
—2 
—3 


74 
32 
57 


— 1 
— 1 
—4 


61 

97 
50 


—3 

—2 
—3 


65 
60 
65 


2 

— 1 

—2 


38 
89 
94 


28. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


— 1 

+ 

+ 1 


Ol 
57 

78 


-0 

+ 

4-2 


64 
83 
46 


— 1 

— 

+ 1 


80 
32 
56 


—2 

— 

+ o 


28 
95 
92 


—3 
—2 

— 


07 
36 
85 


— 
— 

+ 


79 
26 
67 


—2 
— 1 

+ 


34 
12 

71 


—3 
—2 
—2 


26 
70 
11 


-3 
—2 

— 


09 
04 
21 


20. „ 


Morg. 
Mitt. 

Abends 


+ 3 
+ 4 

4-5 


51 
73 

72 


4-3 
+ 4 

+ 5 


37 

42 
33 


+ 2 
+ 3 
+ 4 


68 

74 
20 


-r-2 

+ 4 
+ 5 


85 
16 
33 


+ 1 
+ 3 

+ 4 


89 
37 

68 


+ 2 
+ 2 

+ 2 


32 

38 
60 


+ 2 
+ 2 
43 


16 

81 
39 


+ 1 
+ 1 
+ 


11 
59 
97 


+ 
+ 1 
4-0 


08 
27 
09 


30. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


+ 5 

+ 4 
4-3 


40 

58 

72 


+ 4 
+ 3 

+2 


84 
21 
65 


+ 3 

4-2 

+ 1 


58 
49 

77 


+ 4 
4-3 
-1-3 


88 
75 
23 


+ 4 
+ 4 
4-4 


85 
51 
37 


+ 
— 
-0 


29 
59 


+ 2 
4-1 

+ 1 


37 
56 

27 


4-0 
+ 
+ 


92 
43 
36 


—2 

— 

4-0 


19 
22 

10 


l7.1)ee.j 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


-1 

+ 1 
+ 3 


91 

44 

92 


— 1 

+ 2 

4 4 


77 
37 
47 


— 1 

+ 1 
+ 4 


65 
03 
14 


— 

4-0 
+ 3 


97 
91 

20 


— 
+ 1 
+ 3 


10 
04 
Ol 


+ 
+2 
4-3 


45 

05 
41 


-1 

+0 
+ 3 


09 
53 
13 


-0 
— 

+ 1 


86 
13 
44 


— 

4-0 
4-1 


84 
42 
93 


1«. „ 


Morg. 1+4 

Mitt. +3 

Abends -j- 3 


30 
62 
60 


4-4 
+ 4 
+ 4 


94 
64 
70 


4-5 
+ 4 
+ 4 


06 
75 
63 


+ 4 
+ 5 

+ 4 


95 
44 
79 


4 4 
4-4 
4-4 


46 
87 
22 


+ 5 
+ 4 
+ 4 


20 
79 
86 


+4 
4 5 
+ 5 


78 
36 
15 


4-4 
+ 4 
+ 4 


20 
95 
91 


4-4 
4-5 
4-5 


38 
04 
33 


































»7* 









394 








J el i 


u e k. 












Abweichungen dos Luftdruckes yoiii normalen Stande in Pariser Linien. 


Datum 


Zeit 


Pancsova 


Ru- 
stschuk 


Triest 


Pola 


Ag-ram 


Lesina 


Curzola 


Valona 


13. Nov. 


Morg. 
Mitt. 

Abends 


+ 1-33 
—0-05 
—1-24 


+ 2-33 

+ 1-40 
+ 0-08 


+ 1-99 
+ 1-45 

+ 0-81 


+ 2-06 
+ 1-41 
+ 0-54 


+0-38 
—0-56 
-1-92 


+ 210 
+ 1-93 

+ 2-38 


+3 

+ 2 

+ 1 


•20 
•64 
•04 


+ 2-29 
+ 211 

+2-07 


14. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


—2-36 
—3-69 
—2-79 


— 1-68 
—3- 16 
—4-39 


—1-47 

—2-83 
—1-48 


—1-62 
—2-96 
—1-79 


—3-45 
—4-63 
-311 


-0-29 
-2-19 
-3-07 


+0 
— 
—2 


•04 
•29 

•47 


+ 1-14 
—0-31 

—1-46 


IS. „ | 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


—1-74 
—0-85 
+ 1-55 


—3-91 
—0-71 


—0-08 
+ 1-23 
+ 2-69 


+ 0-40 
+ 1-51 
+2-96 


-0-42 
+ 0-02 
+ 1-81 


—1-38 

+ 0-89 
+ 2-93 


— 
+ 1 
+ 1 


•18 
•18 
•43 


—2-30 
—1-30 

+ 1-28 


16. „ ] 


Morg. 
Mitt. 

Abends 


+ 2-46 

+ 1-30 

+ 0-08 


+ 1-81 

+ 2-18 

+2-07 


+ 2-46 

+ 1-71 
+ 0-53 


+2-56 
+ 1-6Ö 
+ 0-10 


+ 1-70 
—0-27 
—2-25 


+ 3-06 

+ 2-74 
+ 1-47 


+ 3 

+ 3 
+ 


12 

•00 
•44 


+ 2-79 

+2-47 


17. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


-3-48 
—4-77 
—3-67 


—0-98 
—3-28 
—3-93 


—4-15 
—4-78 
—1-79 


-4-08 
-4-91 

—2-28 


-6- 07 
-6-24 
—2-96 


-1-14 
-3-58 
—3-89 


— 
—4 
—5 


•20 

•15 

14 


+ 0-76 
—111 
-253 


od 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


—0-04 
+ 0-48 
+ 0-63 


—2-58 

—0-44 

0-00 


+ 2-27 
+ 2-21 
+ 0-73 


+ 2-44 
+ 2-09 
+ 1-57? 


+ 2-10 
+ 1-45 
+ 0-59 


—0-95 
+ 0-34 
+ 0-55 


+ 

+ 
-0 


•32 

•27 
•68 


—2-91 
—2-51 
— 1-38 


23. „ | 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


+ 1-70 
+ 2-32 
^103 


+ 0-73 
4-1-53 
+ 201 


+ 1-97 

+ 1-68 
+ 107 


+ 1-85 
+ 1-91 

+ 0-86 


+ 1-82 
+ 1-36 
+ 0-32 


+ 215 
+ 2-34 
+ 1-79 


+ 2 

+ 2 
+ 1 


•59 
•37 

•48 


+ 2-89 
+ 316 
+ 319 


24. „ ] 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


—2-86 
—4-91 
—3*21 


—0-11 
—2-59 
—4-12 


—2-76 
—4-04 
—2-32 


—2-78 
—4 04 
—2-22 


—4-65 
—5-32 
—3- 10 


-0-80 
—2-70 
—3- 17 


— 
—2 
—4 


•54 
•35 
•54 


+ 1-75 
—0-11 
—1-68 


25. „ I 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


—1-66 
—0-91 
— 110 


—3-02 
—2-66 
— 107 


+ 0-01 
+ 0-16 
—0-89 


+025 

—0-07 
—117 


—0-82 
— 114 
-2-99 


—0-54 
+ 037 
-0-01 


+ 1 
4-1 

+ 2 


00 

•24 

15 


—117 
+ 0-11 

+ 0-72 


28. „ | 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


—2-72 
—1-63 
—0-25 


—3-38 
—1-77 
—0-42 


— 1-91 
—1-01 
—001 


—2-06 
+ 0-98? 
—013 


—2-20 
-1-32 
—0-03 


-2-68 
—1-52 

-0-77 


-2 
—2 
-1 


•70 

96 

•83 


—2-16 
—1-80 
—1-53 


29. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


+ 1-04 
+ 0-76 

+ 0-45 


+ 1-70 
+ 1-53 

+ 2-04 


+ 0-81 

+ 0-28 
—0-07 


+ 0-50 

+0-28 
—0-35 


+ 2-50 
+ 137 

+ 1-00 


—1-47 
-213 
-3-05 


— 1 

2 

—3 


70 
38 
16 


+ 1-96 
—3-47 

—0-18? 


30. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


-0-37 
-0-47 
—0-17 


+ 1-75 
+ 1-51 
+ 1-21 


—205 

—2-47 
-0-52 


—2-26 
—2-56 
—111 


—0-20 
-0-82 
—0-50 


—425 

-2-78 
—1-40 


-3 
—3 
— 1 


67 

70 
24 


—3-58 
—1-09 
—0-21 


17. Dec.j 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


—1-03 
—0-03 
+ 2 03 


+ 014 

+ 1-48 

+ 2-75 


—0-78 
+ 0-66 
+ 2-38 


—1-63 
+ 0-55 

+ 2-45 


—1-27 
+ 0-69 
+ 2-34 


-1-41 
-1-24 
+ 0-66 


— 
— 

+ 0- 


30 
30 
59 


—0-94 
—1-82 
-1-46 


,.j 


Morg. 

Mitt. 

Abends 

1 


+ 411 
+ 5-04 
+ 5-44 


+4-98 
+ 520 

+ 5-72 


+ 4- 14 
+ 5-46 
+ 5-09 


+ 3-97 
+ 4-94 
+ 4-93 


+ 4-77 
+ 5-35 
+ 5-31 


+ 1-39 

+2-37 
+ 2-95 


+ 

+1 

+ 2' 


41 

4? 
05 


—0-58 
—0-09 
+ 0-71 



Über die Stürme des November und December 1866. 

Temperatur nach Reaumur. 



395 



Datum 



Zeit 



Berli 



Leipzig- Prag 



Lem- 
berg 



Wien 



Debre- 



Szegedin 



13. Nov.« 



14. 



15. 



16. 



17. 



18. 



23. 



24. 



28. „ 

29. „ 

30. „ 

17.Dec. 
18. ' 



Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 



+ 5 
+ 10 

+ 7 

+ 5 
5 

4 



+ 



+ 2 

+ 4 



+ 



3 

5 
5 

1 
1 
- 

+ 1 
+ 2 
+ 

- 

+ 2 
+ 2 

+ 2 
+ 4 
+ 3 

+ 3 
+ 3 
+ 3 

+ 1 
+ 2 

+ 1 

+ 1 
+ 2 

+ 

- 

— 

— 2 

+ o 
+ o 





+ 



+ 5 
+ 11 

+- 6 

+ 5 

+ 5 

+ 3 

+ 3 

+ 4 

+ 2 

+ 3 

+ 5 

+ 6 

+ 1 

+ 

— 

— 

+- 1 

■+ 1 

+ o 

+ 1 

+ 2 

+ 2 

+ 4 

+ 3 

+ 1 

+ 2 

+ 2 



— 
+ 

— 



+ 



+ 6 

+ 12 
4-10 



+ 7 

+ s 

+ 4 

+ 3 

+ 4 

+ 3 

+ 2 

+ 5 

+ 7 

+ 6 



— 



— 1 

+ 2 

+ 2 

+ 3 

+ 3 

+ 3 

+ 2 

+ 2 

+ 2 



+ 

+ 1 

— 

— 1 

— 

— 1 

+ 3 
+ 1 

+ 

— 1 

+ 1 

+ 2 



+ 5 
+ 7 
+ 8 

+6 

+ 5 
+ 3 

+ 2 
+ 1 
— 

—2 
+ 5 
+ 5 

+ 5 
+ 7 
— 

—2 
— 
—3 

—3 
—2 
— 1 

+ 

+ 1 

+o 

+1 
+1 

+ 

+o 
+o 

-0 

—1 

— 
—2 

—2 
— 1 
-1 

-1 
— 
-0 

— 

+ 1 
-1 



+ 2 
+ 5 
+ 4 

+ 6 

+7 

+4 

+ 2 

+ 3 



-3 

+ 2 

+ 2 

+ 4 
+ 5 
+ 

—2 

+ 
—3 

—3 
—2 

—5 

—3 
— 1 

+0 

+ 

+-1 

+o 
+o 

+1 

+ 

— 1 

-0 
-2 

-3 

— 
—2 

-9 
—5 

—7 

—8 
—2 
—2 



+ 9 
+ 11 
+ 9 

+ 5 

+ 1 
+ 2 

+ 2 
+ 4 
+ 2 



+ 1 

+ 8 

+ 7 

+ 3 

- 

- 2 

- 3 

+ 

+ o 

4- 1 

+ 4 

f 2 



+ 

+ o 

— 

— 


— 1 

— 3 

— 2 

— 2 



+ 4 
+ 12 
+ 12 

+ 10 
+ 8 
+ 4 



+ 4 
+ 5 

+ 2 

+ 

+ 5 
+ 4 

+ 3 
+ 3 

— 

— 1 

+ 1 

— 1 

— 1 

+ o 



+ 1 

+ 4 
+ 3 

2 

5 
2 



+ 



+ 1 
+ 3 

+ 1 

+ 1 
+ 2 

— 2 

— 2 

— 

— 1 

— 3 

— 1 

+ 

+ o 

+- o 

— 3 



+-3 
+ 6 
+ 8 

+ 8 
+7 
+ 3 

+ 2 
+ 8 

+ 2 

— 

+ 2 
+4 

+ 4 
+ 4 
+ 1 

— 
+ 5 
— 



—4 

—7 

— 1 

+ 1 

+ 1 

— 

+-2 
+ 

+ 

+ 2 
-0 

-1 
+ 1 

— 

-0 

+ 2 

+2 

-3 
-1 
-2 

—2 

+1 
—3 



•f2 
+ 9 

+ 7 

+ 6 
+ 8 

+ 4 

+2 
+ 6 

+ 2 

— 
+ 5 
+ 3 

+ 2 
+ 3 

+ 2 


+ 2 
—2 

—4 

+ 


+2 
+ 2 
+ 2 

+ 4 
+ 5 
+2 



+ 1 
+ 



+1 

— 

— 
+ 3 

+ 2 

—2 
— 
—2 

-2 
+0 
—2 



396 



.1 e 1 i n e k. 



Temperatur nach Reanmnr. 



Zeit 



Rust- 
sehuk 



Tri est 



Pola 



Agrain 



Lesina 



Curzola 



13. Nov. 



14. „ 



15. 



16. 



17. 



18. „ 



23. „ 



24. 



25. „ 



28. 



29. 



30. 



17. Dec. 



18. 



Morg. 
Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 
Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 



— 
+ 10 

+ 6 

4- 3 
+ 9 

+ 4 

+ 3 

7 
2 



+ 



+ 

+ 7 

+ 2 

+ 2 

+ 6 

+ 2 

+ 

+ 2 

- 1 

- 2 

+ 1 

- 1 



— 1 

4- 1 

+ 1 


+ 2 
+ 



+ 2 

+ 3 

+■ 1 

— 1 

+ 1 

— 1 

— 1 
+ 1 

— 1 



+ 1 
+ 5 
+ 4 

+ 2 
+ 9 

+ 7 

+ 5 
+ 9 

+5 

4-2 
4-4 

+ 1 

— 1 

+ 5 

+ 2 

4-2 
— 
— 1 

-5 
—2 
—3 

—6 
-0 
— 

+ 1 
+ 1 

4-0 

— 

4-0 
+ 1 

+ 1 
4-1 
4-1 

4-1 
4-0 
4-0 

-5 
—3 
—3 

—2 
— 1 
-2 



4- 7 
+ 10 
4- 8 

+ 8 
+ 8 
+ 8 

4- 4 
+ 10 
+ 6 

+ 6 
+ 11 

+ 8 



+ 2 

+ 5 

4- 2 

+ 3 

+ 9 

+ 6 

+ 5 

4- 7 

+ 4 

+ 3 

+ 9 

+ 6 



+ 



+ 3 

+ 3 

+ 2 

+ 1 

+ 2 

+ 2 

+ 5 

+ 7 

+ 4 

+ 3 

+ 4 

4- 2 



+ 8 
4-12 
4-12 

+ 12 
+ 12 
+ 11 
+ 5 
+ 11 
+ 5 

+ 9 
+ 11 
+ 11 

+12 
+ 10 

+ 8 

+ 2 
+ 6 

+ 2 



+ 10 

+ 10 

+ 7 

+ 3 

+ 10 
+ 9 



+ 6 



+ 5 

+ 5 

+ 3 

+ 4 

+ 5 

+ 5 

+ 7 

+ 9 

+ 5 

+ 4 

+ 6 

+ 4 



+ 1 
+ 8 
+ 9 

+ 9 
+ 12 
+ 6 



+ 2 
+ 9 

+ 4 



+ 8 

+ 7 

+ 5 

— 
+ 4 

— 



+ 1 

+ 6 

+ 3 

+ 

+ 2 

+ 2 



+ 



+ 



8 
+ 7 
+ 5 

- 
+ 4 

— 



+ 6 

+ 12 
+ 10 

+ H 

+ 14 
+ 12 

+ 9 
+ 10 
+ 9 

+ 7 
+ 11 

+ 9 

+ 11 

+ 13 

+ 8 



+ 



f- 6 
+ 9 

+ 9 

+ 11 

+ 12 
+ 11 

+ 6 
+ 10 
+ 8 



+ 



+ 



+ 



+ 



+ 8 
+11 
+ 9 

+ 10 
+ 11 

4- 8 

+ 8 
+ 10 
+ 8 

+ 7 
+ 9 
+ 8 

+ 8 
+ 11 

+ 9 

+ 6 
+ 6 

+ 5 

+ 3 

+ 7 
+ 5 

+ 10 
+ 11 
+10 

+ 10 

+12 
+ 8 

4 6 
+11 
+ 8 

+ 4 
+ 5 
+ 5 

+ 7 
+ 7 
+ 7 

+ 7 
+ 8 
+ 8 



+ 7-6 
+ 13-3 
+ 9-2 

+ 8-8 
+ 131 
+ 12-9 

+ 12-7 
+12 1 
+ 8-3 

+ 9-4 
+ 6-5 

+ 4-9 
+ 13-4 
+ 13-1 

+ 10-6 
+ 9-4 
+ 6-7 

+ 2-6 

+ 8-1 
+ 4-3 

+ 6-8 
+ 10-5 
+ 120 

+ 10-4 
+ 10-3 
+ 6-1 

+ 7-3 

+ 9-8 
+ 7-6 

+ 7-5 
+ 8-2 
+ 9-2 

+ 9-0 
+ 9-8 

+ 7< 



+ 



6-5 

8-7 

7-8 



f. 7-2 
+ 7-7 
+ 7-0 



Über die Stürme des November und December 1866. 

Windesrichtung and Stärke. 



397 



Datum 


Zeit 


Berlin 


Leipzi 




Prag 1 


Krakau 


Lemberg- 


13. Nor.) 


Morg. 

Mi«. 

Abends 


SSW 

sw 
w 


2 
5 
5 


s 

sw 
sw 


1 

9 
5 


s 
w 
w 




1-8 

2 


W 2 
W 4 
W 6 


W 2 
SW 2 

SW 4 


14. „ | 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


sw 
sw 
w 


7 
7 
6 


sw 
sw 
w 


4 
9 
9 


sw 
w 
w 


1-3 
1-5 
2 


W 
W 8 

W 4 


W 2 

W 2 
W 1 


15. „ | 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


WNW 

WNW 

W 


5 
5 
5 


WSW 

NW 
SSW 


6 
1 
2 


w 
w 
sw 


2-5 
0-5 
1 


W 4 
W 

W 2 


W 1 
W 4 
W 2 


16. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


W 

sw 

WSW 


7 
9 
9 


s 

SSW 
SSW 


6 
6 
9 


s 

s 

sw 


0-8 

1 

2-5 


W 
SW 3 
SW 4 


W 1 
W 2 
W 4 


17. „ 1 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


NNW 
NW 

w 


2 
5 
5 


WNW 10 

NW 6 

W 4 


sw 
sw 
sw 


2-5 

2-5 

0-8 


S 2 
W 8 
W 5 


SW 4 
SW 2 
SW 4 


18. „ | 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


sw 
sw 
sw 


5 

7 
5 


WSW 
SW 
SW 


5 

7 
7 


sw 
sw 

s 


1-3 
2-5 

0-8 


W 5 

W 3 

WSW 4 


W 2 
W 2 
W 2 


23. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


SSW 

sw 
w 


2 
2 
5 


SW 

sw 

SSW 


2 
2 

5 


sw 
sw 
sw 


2-5 
0-8 
1-3 


W 3 
W 2 

w o 


W 2 
NW 2 
W 2 


24. „ 


Morg. 

Mitt. 

Ahends 


WNW 

sw 
sw 


2 

2 

5 


sw 

w 

w 


6 
9 
6 


w 
w 
w 


0-8 
0-8 
1-3 


w o 

SW 4 
WSW 4 


SW 2 
S 2 
W 4 


25. , 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


sw 
sw 
sw 


7 
2 
5 


sw 

SSW 

S 


2 

4 
2 


N 

s 
s 


1-8 
0-8 
1-3 


WSW 3 

WSW 3 

1 


W 2 
W 2 
W 1 


28. „ | 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


NW 

N 

NW 



2 
5 


NW 
NW 
NW 


1 

4 

4 


N 

NW 
N 







W 2 
W 2 

NW 


W 2 
W 1 
W 1 


29. „ 1 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


NO 

SO 
NO 


2 
5 
o 


N 




1 
4 
2 


N 
SO 








N 1 
NO 3 
NO 5 


N 1 
N 2 
N 1 


30. „ 1 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


ONO 

NO 

ONO 


5 
6 
5 




ONO 




4 
7 

7 


NO 
NO 
NO 







NO 6 

8 

ONO 9 


O 2 
SO 2 

SO 2 


17. Dec. ] 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


NW 

W 

WNW 


2 
5 
5 


WNW 

NW 
SW 


7 
6 
1 


SW 
W 

NW 


1-3 
1-8 
1-3 


O 

O 1 

WSW 3 


S 1 
S 1 
S 1 


18. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


SO 
SW 
SW 


2 
5 
2 


S 
SW 

sw 


2 
2 
2 


S 


s 




0-5 




WSW 2 
SW 1 
SW 2 


SW 1 
SW 1 
SW 1 



398 



.1 c l 1 ii e k. 



Miudcsriclitmig und Stärke. 



Datum 


Zeil 


München 


Wien 


Debreczin 


Szegedin 


13. Nov.] 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


W 10 

W 10 
W 10 


so 
W 3 
W 5—8 


s 
s 
s 


4 
3 
4 


N 1 
SW 4 
W 1 


14. » ] 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


W 7 
W 10 
W 9 


W 5 
W 6 
W 8—9 


s 
s 

s 


5 
5 
4 


SW 3 
SW 4 
SW 5 


15. „ l 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


W 9 
W 7 
W 10 


W 4 
W 7 
W 2 


w 

NW 
N 


2 
2 
3 


W 3 
NW 8 

NW 1 


16. „ ) 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


SO 1 
W 7 
W 10 


S 

S 

SW 0-5 


NO 

S 

s 


3 
4 
1 


NW 2 
SO 4 
SW 7 


17. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


W 10 
SW 5 
SW 5 


W 2 

W 7—8 
W 6 


s 

s 

w 


5 
6 
5 


SW 8 

S 4 

NW 8 


18. „ 1 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


W 5 
W 6 

W 7 


W 4 
W 4 
SW 1—2 


N 
N 

s 


4 
2 
3 


N 2 
NO 2 

N 1 


23. „ | 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


W 5 
W 2 

windstill 


W 

SSW 2 




s 
s 
s 




4 


W 5 
SW 3 
NO 2 


24. „ j 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


W 10 

NW 9 

NW 7 


SW 2 
W 8 
WNW 7—8 


s 
s 
s 


5 
5 



NO 6 

SW 2 
SW 4 


25. „ | 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


SO 5 
W 



WNW 7 
W 

OSO 


w 

s 

s 



3 
2 


SW 5 
NW 6 
SO 5 


28. „ 1 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


W 5 

W 7 
W 2 


NO 
W 

N 1 


N 
N 
N 




2 


NW 1 
NW 1 
NW 1 


29. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


4 

7 


N 
NO 2 

NNO 3 


N 
N 
N 


3 
3 
3 


NW 2 
NO 5 

NO 5 


30. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


10 
6 
5 


N 1 

NNO 2 
NNO 1 


N 
N 
N 


5 
4 
2 


NO 6 
NO 2 
NO 3 


17. Dec] 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


W 5 
W 5 
W 5 


OSO 

S 

WNW 0-1 


N 
N 
N 


1 





N 3 
NO 2 
NO 2 


18. „ ] 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


SW 
1 
1 


NW 

WNW 

SW 2 


N 
N 
N 




1 


NO 1 
NO 1 
NO 1 



Über die Stürme des November und December 1866. 

Windrichtung und Stärke. 



399 



Datum 



Zeit 



Pancsova 



Rustschuk 



Tri est 



Pola 



13. Nov. 



14. 



13. 



16. 



17. 



18. 



23. 



24. 



25. 



28. 



29. 



30. 



17. Dee. 



18. 



Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 

Morg. 

Mitt. 

Abends 



NW 1 
NW 1 
NW 2 

SSO 2 
SO 2 
SO 3 

NW 2 
NW 4 

NW 3 



SO 
SO 
SO 

SO 

SO 



OSO 7 

NW 3 
NW 4 
NW 2 

NW 1 
NW 2 
NW 2 



SO 

so 



NW 3 

NW 2 

NW 2 

NW 2 



SO 
SO 

so 



NW 2 
NW 2 
NW 2 

SO 6 
SO 5 

SO 7 



SO 
SO 

so 

so 
so 
so 











W 1 

W 1 



w 
w 



w 








sw 




w 
w 
w 



w 



sw 

w 

sw 











NO 
NO 

s 
s 
s 

s 

s 
s 



2 
4 


1 









2 

1 

3 

2 
2 
1 


1 


2 

2 
1 






2 
4 

6 
5 
5 

10 
10 
10 

9 

10 

8 



SSO 2 

N 1 

N 1 

SO 2 

W 2 

NW 2 

O 1 

W 1 

O 1 

OSO 2 

WSW 2 

SO 2 

OSO 1 

WNW 2 

NO 2 

O 2 

O 2 

O 2 



O 

N 
N 

SO 
SO 




w 
w 





ONO 
ONO 
ONO 

ONO 
ONO 
ONO 



OSO 2 
OSO 2 
ONO 2 

ONO 3 

O 2 

ONO 3 



O 1 

SSW 1 

SW 1 

W 1 

NW 2 

W 3 



O 

W 

N 

S 

w 
w 



SSW 3 
WNW 3 

NO 6 

NO 2 
O 1 
O 1 



O 
W 

SO 

w 
w 
w 



O 1 
SW 1 
O 2 



NO 

N 
O 



NO 6 
NO 6 
NO 7 



NO 
NO 
O 

SO 

NO 
O 



NO 

NO 



400 Jelinek, Über die Stürme des November und December 1866. 

Windrichtung und Stärke. 



Datum 


Zeit 


Agram 


Lesina 


Curzola 


Valona 


13. Nov. | 


Morg. 

Mitt. 
Abends 


sw 
sw 
sw 


1 
4 
6 


NO 2 

SO 2 
SO 3 


NW 1 
NW 1 
SO 1 


NO 2 
NW 2 

NW 2 


14. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


sw 

NW 

NW 


6 
3 

4 


SO 4 

SO 4 

2 


SO 1 
SO 1 
SO 1 


NO 3 
SW 5 
SO 3 


,,,{ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


NO 
NO 
NO 


1 
5 
3 


NO 3 

N 5 
N 3 


NNO 4 
NNO 2 
NO 2 


NW 
NW 5 
NW 2 


16. „ 


Morg. 
Mitt. 

Abends 


SO 

sw 
sw 


1 
4 
6 


2 

S 4 
SO 4 


NNO 3 
NO 1 
NO 1 


N 2 
NW 3 
tfO 2 


17. * 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


sw 
sw 
sw 


6 
6 
5 


S 6 

S 7 

NO 7 


SO 1 
S 4 
SO 1 


NO 3 

S 3 
S 5 


18. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


NO 

so 
sw 


1 

2 
4 


NO 7 
NNO 6 
NNO 5 


NNO 4 
NO 4 
NO 4 


S 3 

N 4 
N 5 


23. „ j 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


sw 
sw 


1 
1 


OSO 3 
SO 4 
SSO 5 


SO 1 
SO 1 
SO 1 


NO 2 
NW 1 
NO 3 


24. „ | 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


NW 

NNW 

SW 


1 
6 
4 


S 6 
S 5 

N 7 


SO 1 

SO 5 
SO 1 


SW 5 
SW 6 

S 8 


25. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


SW 

sw 


1 
6 


N 3 

SO 2 

S 4 


NW 
NW 
SO 1 


SW 
N 3 
N 2 


28. „ 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


NO 
SW 


1 
2 


NNO 3 

3 

NO 4 


NNO 1 
NO 1 

NNO 9 


SW 1 

sw o 

NO 2 


29. „ | 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


NO 
NO 
NO 


3 
2 
6 


ONO 6 
ONO 6 
NO 5 


NO 6 

NNO 8 
NO 8 


5 
SO 4 
NO 2 


30. „ | 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


NO 
NO 
NO 


7 
6 
6 


ONO 5 

SSO 4 
SO 4 


SO 2 
SW 1 
NO 1 


SO 
SW 3 
SW 3 


17. Dec. 1 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


SW 
NO 
NO 


1 
1 
3 


OSO 5 
ONO 6 
NO 6 


SO 1 

SO 1 

5 


NO 3 
NO 2 
SO 5 


18. „ | 


Morg. 

Mitt. 

Abends 


NO 
NO 


2 
1 


NO 7 
NO 7 
NO 5 


NNO 6 

NNO 6 

NO 6 


NO 7 
NO 7 
NO 8 



401 



IX. SITZUNG VOM 21. MÄRZ 1867. 



Der Präsident des Central - Comite für die Pariser Welt-Aus- 
stellung, Se. Ex. Herr Graf v. Wiekenburg theilt, mit Zuschrift vom 
19. März 1. J. das Programm über die Einsetzung der internationalen 
wissenschaftlichen Commission neben der kaiserlichen Commission 
bei der Pariser Ausstellung mit, und ersucht um Bekanntgabe der 
eventuellen Beschlüsse darüber , ob und wiefern die kais. Akademie 
der Wissenschaften geneigt sei, der kaiserlichen Commission ihre 
Ansichten über die im Schooße der gedachten internationalen wis- 
senschaftlichen Commission zu pflegenden Untersuchungen und zu 
prüfenden Fragen zu unterbreiten. 

Das c. M. Herr Prof. Dr. A. Rollett in Graz übersendet zwei 
Abhandlungen, und zwar: a) „Über die Änderung der Farben durch 
den Contrast; bj „Zur Lehre von den Contrastfarben und dem Ab- 
klingen der Farben." 

Das w. M. Herr Director Dr. K. Jelinek überreicht eine Ab- 
handlung: „Die Methodik der darstellenden Geometrie, zugleich als 
Einleitung in die Geometrie der Lage", von Herrn Dr. W. Fiedler, 
Professor am Landes-Polyteehnieum zu Prag. 

Das w. M. Herr Dr. A. Boue legt eine Abhandlung vor, 
betitelt: „Beiträge zur Erleichterung einer geographischen Aufnahme 
der europäischen Türkei". 

Das c. M. Herr Dr. G. Tschermak theilt „einige Bemerkun- 
gen über die isomorphe Reihe Glaukodot, Danait, Arsenkies" mit. 

Das c. M. Herr Prof. Dr. V. v. Lang übergibt eine Abhand- 
lung: „Krystallographiseh-optische Bestimmungen mit Rücksicht auf 
homologe und isomorphe Reihen." 

Herr Prof. J. Seegen spricht „über die Ausscheidung des 
Stickstoffs der im Körper zersetzten Albuminate." 



402 

Herr Dr. S. Stricker übergibt eine Abhandlung des Herrn 
\)v. \V. Reitz aus St. Petersburg: „Untersuchungen über die künst- 
lieh erzeugte croupöse Entzündung der Luftröhre". 

Herr Dr. S. L. Schenk legt eine Abhandlung „Zur Entwicke- 
lungsgeschichte des Auges der Fische" vor. 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Apotheker- Verein, allgem. österr. : Zeitschritt, 5. Jahrg. 

Nr. 6. Wien, 1867; 8<>. 
Astronomische Nachrichten. Nr. 1633. Altona, 1867; 4°. 
Comptes rendus des seances de FAcademie des Sciences. Tome 

LXIV. Nr. 9. Paris, 1867; 4<>- 
Cosmos. 2 e Serie. XVI e Anne'e, 5 e Volume, ll e Livraison. Paris, 

1867; 8o- 
Gewerbe - Verein, n. - ö. : Verhandlungen und Mittheilungen. 

XXVIII. Jahrg. Nr. 11. Wien, 1867; 8». 
Kuczyriski, Stefan, Dwie rozprawy. Krakow, 1865; 8°. 
Land- und forstwirthschaftl. Zeitung. 17. Jahrg. Nr. 11. Wien, 

1867; 4o. 
Mittheilungen des k. k. Genie-Comite. Jahrgang 1867. 1. Heft. 

Wien; 80. 
Moniteur scientifique, 245 e & 246 e Livraisons. Tome IX e . Annee 

1867. Paris; 4<>- 
S antin i, Giovanni, Delle interpolazioni e quadrature mecaniche per 

gli usi astronomici. (Esü\ dal Vol. XIII delle Memorie dell' 

Istituto Veneto.) Venezia, 1866; 4°. 
Wiener medizin. Wochenschrift. XVII. Jahrg. Nr. 22—23. Wien, 

1867; 4o. 
Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft. 

XVI. Jahrg. Nr. 6. Graz, 1867; 4<>. 



Beiträge zur Erleichterung einer geogr. Aufnahme d. europ. Türkei. 403 



Beiträge zur Erleichterung einer geographischen Aufnahme 
der europäischen Türkei. 

Von dem w. M. Dr. A. Rone. 

(Mit 1 Tafeln.) 

Die geographische Aufnahme eines Landes, fordert wohl eine 
ganz detaillirte Bereisung desselben so wie besonders die astronomi- 
schen und barometrischen Ortsbestimmungen gewisser bedeutender 
Punkte. Doch um ein solches Werk zu beschleunigen, hat man immer 
Bergbesteigungen angewendet, um von sehr hohen Spitzen oder vor- 
theilhaft gelegenen Localitäten fast vollständige Bilder verschiedener 
Gegenden leicht und rasch zu bekommen. Durch den Besuch von 
niedrigen Bergen werden die Deutlichkeit und das Ausführliche der 
Skizzen vervollständigt. Auf diese Weise gewinnt man die Kenntniß 
der günstigsten Punkte für geodätische Stationen und leicht zu mes- 
sende Grundflächen oder sogenannten Basen, wodurch nachher das 
trigonometrische Netz der verschiedenen Orden von Dreiecken 
bestimmt wird. 

Da wir jetzt scheinbar einer Zeit nahe rücken, wo man end- 
lich für die europäische Türkei wenigstens den Anfang nicht nur von 
Eisenbahnen (Bustschuk-Varna), sondern besonders einer andern geo- 
graphischen Aufnahme als einer einfachen mit dem Compass und der 
Uhr bewerkstelligten, erwarten kann, so kam mir der Gedanke, daß 
ich in dieser geographisch -psysiognomischen Bichtung noch im 
Stande wäre manche nützliche Winke für die Geomorphie der euro- 
päischen Türkei zu geben. In meinen bisherigen Beschreibungen 
„Turquie d'Europe" vom J. 1840, „Etablissements de 
bonnes Boutes et surtout de Chemins de fer dans la Tur- 
quie d' Europ e" vom J. 1852 und den Itineraires vom J. 1854 
erschienen solche Notizen nur verschwommen oder sie wurden gänz- 
lich verschwiegen, weil damals eine Aufnahme des Landes noch in 
weite Ferne gerückt war. In meinen zwei neueren geographischen Ab- 
handlungen über Bosnien und die Herzegowina, die Ethnographie der 



404 noue. 

Türkei und die Abgrenzung der verschiedenen Provinzen der euro- 
päischen Türkei (siehe Mein, et Bull. So c. de Geographie de 
Geneve 1861, Bd. 2, S. 85—137; 1863, Bd. 3, Liv. 2, S. 197 bis 

240) fanden sie aber keinen Platz. Jetzt mit der neuen Kiepert'- 
schen Karte der europäischen Türkei (1867) in der Hand, werden 
meine Bemerkungen hoffentlich nicht als überflüssig erscheinen. 

Diesem zu Folge gehe ich an die Arbeit und werde über jede 
grosse Abtheilung der europäischen Türkei meine geomorphischen 
Bathschläge ertheilen, soweit wenigstens meine Kenntnisse und meine 
theilweise fehlerhaften , theilweise durch türkischen Unverstand 
beschränkten barometrischen Messungen es mir erlauben. Die Wie- 
derholung letzterer erspare ich aber den Lesern. Durch die grosse 
Gefälligkeit des Professors Peters und des Herrn A. Kanitz bin 
ich in den Stand gesetzt worden, selbst Einiges über zwei von mir 
nicht besuchte Gegenden der Türkei mittheilen zu können. Mögen sie 
hier meinen Dank empfangen. 

In Serbien gibt es keine Bergspitze, welche eine allgemeine 
Übersicht über das ganze Land gewährt, was nicht nur durch die 
Breite desselben, sondern besonders durch die Höhe der östlichen 
Kette bewirkt wird, indem in der Mitte des Landes eine fast 
von Nord nach Süd laufende Kette vom Avalaberg hinter Belgrad 
bis zum Buknike r Gebirge, den zwei Schturatzer Bergen 
und selbst dem Kotlenik, eineBeihe von wenigstens 9 oder lOBerg- 
spitzen darbietet, um welche alle die Niederungen Serbiens in dem 
Morava- und Kolubara-Becken sich vor den Augen panorama-ähnlich 
ausbreiten. Östlich wie westlich finden aber diese landschaftlichen 
Bilder ihren Horizont in der östlichen und westlichen Kette Serbiens, 
welche beide höher als die Kette der Schumadia sind. 

Je weiter man von Belgrad oder von Avala die Schumadia 
betritt, desto grösser wird der Gesichtskreis von den Gipfeln der Berge 
aus, welche, obgleich isolirt, wie Avala, Kosmai, Bukovik,Kleschtevitza 
Ventschatz und Suvobor wie staffeiförmig von Nord nach Süd immer 
mehr an Höhe gewinnen. Ein breiter und eigentlich der breiteste 
Sattel in jenem Gebirge trennt die Budniker Gebirge und die Schtu- 
ratz von dem übrigen nördlich gelegenen Kamm (Turquie d'Europe 
Bd. 1, S. 108 und meine Profilzeichnungen in ViquesneTs Werk 
Voyage en Turquie d'Europe Taf. 22, Fig. 3, 4 und 5 und besonders 
die des Herrn Kanitz dito Taf. 33) und der niedrige Kotlenik tritt 



Beiträge zur Erleichterung- einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 405 

gegen das serbische Morava Thal auch ziemlich getrennt von letzterem 
Gebirge auf. Auf dem grossen Schturatz findet man endlich das 
grösste Panorama, denn zu den vorigen Weltgegenden gesellt sich 
auch die südliche oder ein Theil des serbischen Morava Beckens, mit 
ihrem Hintergrunde von hohen Gebirgen (dito S. 109). Von Kotlenik 
beherrscht man das untere Griga Thal wie man das obere von 
Belopolje bei Tzernova übersieht. 

Südöstlich von diesem letztern fast in dem durch die grosse und 
serbische Morava gebildeten Erdwinkel, erhebt sich südlich von Jago- 
din und Tschupria die untergeordnete Kuppe von Juor, von welcher 
aus man Anschluß über das Terrain nördlich von der serbischen 
Morava oder am Südende der Schumadia Kette bekömmt. 

Die anderen weniger hohen Berge zwischen Jagodin und Kra- 
gujevatz sind zu sehr bewaldet um Fernsichten darzubieten, was 
auch grösstenteils um Kragujevatz, ausser auf einem grossen Berg in 
südwestlicher Richtung, der Fall ist. 

In der westlichen Kette bilden die Gebirgsrücken eine ähn- 
liche schiefe Ebene, welche sich von Nord nach Süd erhebt, doch 
ohne so grosse Abstände zu zeigen und ohne jene förmliche Parcelli- 
rung der Schumadia -Berge (siehe Viquesnel Taf. 22, Fig. 2 und 
Kanitz Taf. 33). Als gute Observatorien dienen da, einem Vor- 
gebirge ähnlich, der nördlichste schmale Tz er, der etwas breitere und 
waldige Medvednik, mit seinen graulichen Kalkwänden, sowie der 
südliche Jablanik, denn von da aus übersieht man nicht nur das 
serbische Sau -Becken, das der Kolubara und Dubrava (die Dendra- 
Gau), sowie die ganze Schumadia, sondern auch die Verbindungs- 
rücken zwischen den Schturatz und den Gebirgen südlich von Med- 
vednik, welche die Oberzuflüsse der Kolubara und serbischen Morava 
trennen. Endlich kommt noch dazu westlich eine Einsicht in die wellen- 
förmigen, zahlreichen, grösstenteils bewaldeten Hochrücken Bosniens, 
welche mit der in Serbien sogenannten Drin a Kette fast parallel 
von NNW. nach SSO. laufen. Das Drina Thal ist aber durch jene 
Rücken so eng eingeschlossen, daß es wie eine Spalte nur hie und da, 
vom Gipfel der Berge zur Ansicht kommt, indem es durch Kalkfelsen, 
Wald und schweizerische Weidepartien oft zu romantischen Ansichten 
Anlaß gibt. Diese Terrainbeschaffenheit ermöglicht für den Beobach- 
ter auf serbischem Gebiete überall ähnliche bosnische Ansichten zu 
gewinnen, sobald er sich an dem Rande eines ziemlich offenen und 



4 Ol) Rone. 

nach der Drina sich mündenden Thaies befindet, wie z. B. bei Sokol, 
westlich von der Jagoda-Planina u. s. w. Von der spitzigen Vidoevitza 
bei Leschnitza in Serbien hat man eine ausgedehnte Ansicht der 
unteren Drina. Östlich seitwärts von der Drina-Kette fanden wir, zu 
Petratz, einen sehr guten niedrigen Standpunkt für die Aufzeich- 
nung der westlichen Tlfeile des Kolubara Beckens. 

Im südlichen Serbien begrenzt den Horizont östlich nur ein 
grosser Bergrücken, namentlich der etwas bewaldete Ja st rebatz 
mit seinen 3000 Fuß absoluter Höhe und Lepenatz (siehe Viques- 
nel Taf. 22, Fig. 8), indem westlich eine Menge von höheren zum 
Theil zuckerhutförmigen, zum Theil breiten Kuppen sich erhebt, die 
kaum mit Gras bedeckt erscheinen. Unter letzteren machen sich 
besonders die Stolovi, der Jelin und als höchster der Kopaonik 
bemerkbar, (dito S. 123, Viquesn el's Werk Taf. 22, Fig. 6 und 
14 besonders aber H. Kanitz dito Taf. 33.) 

Wenn man von Jastrebatz schon das serbische Morava-Thal, 
den tiefen Sattel zwischen den Bania Gebirgen und Jastrebatz und den 
spaltenartigen Lauf der bulgarischen Morava daselbst übersieht, so 
hat man einen Theil Dardaniens oder des türkischen Obermösiens, 
zu seinen Füssen, wenn man den südlichen Theil des Gebirges betritt. 
DasToplitza-undMorava-Beckenmit ihren kleinen Seitenrücken bilden 
daselbst die Hauptgegenstände, indem in weiterer Ferne die Gebirge 
der Snegpolje sowie andere schon Macedonien berührend, gesehen 
werden müssen. 

Vom Kopaonik aus wird aber die Aussicht noch viel gross- 
artiger, da man schon auf 5882 Fuß Höhe steht. Wahrlich wird der 
Gesichtskreis gegen Serbien durch die nahestehenden hohen Kuppen, 
wie besonders die des Plotsch, des Joschan itza Gebirges, des 
Jelin (siehe Viquesnel Taf. 22, Fig. 6 und Kanitz Taf. 33) 
u. s. w. sehr beengt, selbst gegen Osten verhindern untergeordnete 
Gebirgskuppen die Fernsicht, aber desto ausgedehnter ist die 
Ansicht gegen Westen und besonders gegen Süden. Der ganze west- 
liche Theil Dardaniens namentlich das Sitznitza- und Labbecken, sowie 
die kleinen Gebirge, aus welchen die bulgarische Morava mehrere 
Zuflüsse bekommt, breiten sich als eine Landschaft vor dem Auge 
aus, indem bei hellem Wetter in SSW. Richtung die Kette des Schar 
die Wolken des Himmels zu berühren scheint und ein Theil des Beckens 
des Metoja nordöstlich von Prisren, sichtbar wird. Wendet man sich 



Beiträge zur Erleichterung- einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 407 

zu dem südlichen Bosnien, so übersieht man den Platz der tiefen 
Furche des Ibar, sowie auch mehrere NW. — SO. laufende Rinnen, 
welche gegen die hohen Kalkmauern des Glieb und Mokra-Gora 
endigen. Endlich von einem Platze des Kopaonik, in einer gewissen 
NW. Entfernung von der Spitze, erlauben einige Gebirgssättel, das 
Auge bis zum Dormitor in der südöstlichen Herzegovina unweit des 
Uskoken Landes und Montenegros hinschweifen zu lassen. Die plötz- 
liche Erscheinung dieser zahlreichen, hohen, weissen, nackten Dolomit- 
Pyramiden, eine wahre kolossale Säge, in der Mitte dieser grünlichen, 
waldigen Umgebung, macht einen ausserordentlichen Eindruck auf den 
Beobachter. (Vergleiche Turq. d'Europe Bd. 1, S. 125 und Viques- 
nel Taf. 22, Fig. 38.) Was die Ibar-Einsenkung betrifft, muß man 
sie stückweise studiren, wie von der Joschanitza-Planina, von 
Djakovo-Brdo, dem Kopaonik, der Rogosna Planina u. s. w. 

Der südöstliche Winkel Serbiens, mit den Quellen der 
serbischen Morava , bildet fast schon einen Theil Bosniens oder 
wenigstens kann man den Uschitzer Kreis mit seinen trichterförmig 
zusammenlaufenden Wässern und tiefen Thälern, wegen der ziemlich 
hohen östlichen Rücken kaum von den erwähnten serbischen Gebirgs- 
spitzen, sondern nur von den näherliegenden, recht übersehen; (siehe 
die Karte im Glasnik 1860 und Sitzungsber. 1864, Bd. 49.) aber 
von den kleinen südlich gelegenen, ziemlich kahlen bosnischen 
Gebirgskuppen aus muß wenigstens ein bedeutender Theil dieser 
Ecke Serbiens dem Auge des Beobachters sich darbieten. 

Die zwei pyramidal -konischen, graulichen Kalkberge des Ov- 
tschar und Kablar mit ihrer Menge von Klöstern, westlich von 
Tschatschak, bewachen so zu sagen den östlichen Eingang des 
Uschitzer Kessels, so daß sie selbst keinen Weg längs der Morava 
gestatten und sich die Fahrstrasse mühsam über die südlich gelegene 
Anhöhe des Jelitza winden muß. (Siehe. Hr. Kanitz serb. Karte 
dito Taf. 32.) 

Im östlichen Gebirge Serbiens bilden südlich der hohe 
zweizackige, nadeiförmige Rtagn (dito Taf. 22 und 23, Fig. 2), in 
der Mitte die breite kalkige Omolie- Plan ina (siehe Viquesnel 
Taf. 22, Fig. 9 und 13) und nördlich die theilweise schiefrigen 
Gebirge südlich von und um Maidanpek, wie der Stol u. s. w., die 
Hauptgegenstände und höchsten Massen. Von dem Gebirge Omolie 
muß man fast zwei Drittel Serbiens namentlich als nächst gelegene 

Sitzh. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Ahth. 28 



408 Boucv 

die Hecken der Mlava, der Ravanitza, der serbischen Morava, der 
Lepenitza u. s. w., dann die ganze Schumadia und über diese die 
breite Vertiefung der Kolubara, übersehen können, indem man nörd- 
lich die Gebirgsrücken über die Gavran-Gora, Staritza-Gora und 
Babinomatschilo bis über die Donau im Banat verfolgen kann. Der 
eigentliche Blick in das Nejotiner oder untere Timok-Becken scheint 
aber nur den Gebirgen zugetheilt, welche zwischen dem Omolie und 
jenem tiefen Loche liegen wie der Stol, weniger der Tzrni-Vrh, Goli- 
Vrh u. s. w. In der nordöstlichen Ecke Serbiens gewähren der 
Mirotsch und Slava-Bogia Aussichten gegen die Donau. Hr. Kanitz 
empfiehlt vorzüglich den Mirotsch als einen Berg, der eine weite 
Aussicht gibt. Über die eigentliche Negotiner Niederung oder 
den untern Lauf des Timok gäbe nach demselben bewährten Geogra- 
phen, eine Erhöhung des Rakovitza am Timoker Ausflusse vollstän- 
dig Aufschluß, indem von dem serbisch - bulgarischen Grenzberg 
Vrtschka-Tschuka man mit der Aussicht auf den Zaitschar- 
Becken diejenige der Gebirge Stol und Mirotsch vereinigt. 

Die isolirte kleine Kalkpyramide des Rtagn (siehe Viquesnel 
Taf. 22, Fig. 9 besonders Kanitz Taf. 33) ist für ein Observatorium 
wie geschaffen. Rundum würde nur Tiefes herrschen, wenn sich 
nicht nördlich die hohe, kahle Kalkfläche der Omolie-Planina vor den 
Augen des Beobachters ausdehnte und ganz an das sogenannte „Stei- 
nerne Meer" des Salzburgischen und an so manchen deutschen Kalk- 
Alpenbuckel erinnerte. Westlich und nordwestlich sieht man einen 
kleinen Theil des südöstlichen Serbiens mit dem Bania Thal sowie 
den Platz der bulgarischen Morava am Fussedes Jastrebatz. Östlich 
liegt, wie eine Landkarte, vor dem Auge des Beobachters die Niede- 
rung der Tzerna-Rieka und eines Theiles des oberen Timok, und 
südlich schweift das Auge über die durch den Zusammenfluß der 
Nischava und Morava gebildete Ebene von Nisch, über die südlich 
gelegene Gebirgsanhäufung, die Suva-Planina u. s. w., um end- 
lich in der weitesten Ferne selbst noch die Spitze des Vitosch (vergl. 
Viquesnel Taf. 22, Fig. 40 und Taf. 33) erblicken zu können, 
wie Herrn Kanitz' meisterhafte Zeichnung mir es offenbarte. (Siehe 
Viquesnel's Werk Taf. 33.) 

Nach diesen kurzen Andeutungen sieht man erstens, daß Serbien 
eigentlich nur als eine grosse tertiäre Bucht mit einer hohen Umfas- 
sung sich darstellt. Doch in der Mitte erstreckt sich ein ziemlich 



Beiträge zur Erleichterung einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 409 

bedeutendes Vorgebirge, so daß das flache Land in zwei Niederungen 
getheilt wird, welche nur durch die Spalte des Ibar westlich und die 
bulgarische Morava-Pforte östlich mit der Central-Türkei in Verbin- 
dung steht. (Siehe Fig. 1.) Die serbischen Kreise von Knesovatz und 
Negotin gehören schon zum bulgarischen Becken. (Siehe Fig. 4.) 

Zweitens erfährt man, daß bei einer geographischen Aufnahme 
Serbiens die Hauptlocalitäten zur Errichtung von Haupt- Visirpunkten 
oder Pyramiden die Spitzen des Schturatz, des Medvednik, des Jelin 
oder Kopaonik, des Jastrebatz, des Rtagn und die Omolie- Planina 
die geeignetsten wären. Als untergeordnete Punkte kämen dann 
eben sowohl der westliche Tzer, als in der Mitte der Kosmai, 
westlich vielleicht der Povlen und östlich wahrscheinlich noch einige 
Kuppen, wie der Stol, der Mirotsch, vielleicht der Tzrni-Vrh, die 
Vrschka-Tschuka u. s. w. hinzu. 

Endlich sind noch einige viel niedrigere Erhöhungen der Beob- 
achtung werth, weil man von ihnen aus bedeutende Aufklärung über 
die Details der Oro- und Potamographie bekommt, Ausführliches was 
theilweise selbst von sehr hohen Standpunkten gesehen, dem Auge 
entgeht. So z. B. kann das orographische Bild der Schumadia nir- 
gends besser beobachtet werden, als von den niedrigen Höhen östlich 
von Poscharevatz aus. Diese Localität schien mir besonders für die 
Messung einer Basis sehr geeignet, weil man dann von da aus leicht 
durch Visirung der Hauptpunkte jener Kette die notwendigen Seiten- 
linien für ein Dreiecknetz bekommen könnte. 

Für ähnliche Erleichterung der Aufnahme-Arbeit scheint das 
Kolubara Thal viel weniger sich zu eignen, weil der breite Boden zu 
hügelich ist und die Gebirgsspitzen zu wenig hervorragen, was 
besonders im Westen wegen eines kleinen fast karstförmigen Ter- 
rains der Fall ist. Da können nur kleinere Dreiecke helfen. Ähn- 
liches können wir für geschlossene Kessel wie die der Zuflüsse des 
serbischen Jadar bemerken. 

Der Lauf der Donau von Moldova bis über Dobra kann schön 
von den Kalkhöhen beobachtet werden, welche östlich von dem alten 
Golubatzer Schlosse sich erheben und die südliche Wand dieser 
wahren Donau-Pforte unterhalb Moldova bilden. 

Ober dem Zusammenflusse der beiden Morava zu Stalatsch, 
liegt auf einer massigen Anhöhe die alte Burg gleichen Namens, von 
welcher man eine ungeheure Fernansicht besonders gegen Norden 

28* 



410 Boa o. 

and Nordost hin, in das Moravathal und anfalle die kahlen Kalkgebirge 
oder die Nebenstufen des Omolie-Gebirges, nämlich auch auf das obere 
Mlava-Thal, die sogenannten Gorniak- und Baba-Gebirge u. s.w. genießt. 
(Siehe Itine'raires Bd. 1,S. 179 und Viquesnel Taf. 22, Fig. 9*), 

Westlich von Kruschevatz bieten die Bergrücken mit dem alten 
Schloß Kosnik eine sehr lohnende Aussicht auf das Kriva-Rieka- 
Beken-Gebirge sowie auf diesen kleinhügeligen Theil Serbiens (theil- 
weise die sogenannte Jupa), welches von da nach Brus und jener Stadt 
sich erstreckt. Nach Herrn Consul v. Hahn 's Beschreibung sollte 
man glauben, daß die Jankova-Klisura oder der Höhenpass 
westlich von Jastrebatz als Wasserscheide der Rasina und der Toplitza 
einige Aussicht in letzteres Thal gewähren möchte. 

Von den Anhöhen zwischen Grumada und Knjesevatz im 
Timoker-Becken hat man auch östlich eine weite Aussicht bis in die 
walachischen Donauebenen. 

Viele andere Punkte würden sich zu solchen Panorama's in Ser- 
bien eignen, wenn der Wald nicht so oft störend im Wege stünde; 
denn in jenem Lande haben die Römer gewiss nur wenig Colonien 
und Strassen gehabt und meistens nur in dem Morava- sammt Sau- 
und vielleicht selbst Kolubara-Thale sich aufgehalten. Ob sie schon 
damals die Kupferbergwerke von Maidanpek und Maidan kannten, 
lasse ich dahin gestellt sein. 

In Bosnien wurden mir keine solchen Bergspitzen bekannt, 
welche in der Mitte des Landes gelegen, ein Panorama des größten 
Theiles davon gewähren. Der Grund dieser möglichen Abwesenheit, 
liegt ganz einfach in der Natur der Landes-Gerippe, namentlich nur 
einer Reihe von NW. — SO. laufender Rücken mit meistenteils tiefen 
und engen Thälern. Doch gerade in der Mitte von Bosnien 
erheben sich die Rücken, treten enger zusammen und bilden einen 
Wulst, welcher sich fast von W T esten nach Osten erstreckt, namentlich 
von der kroatischen Likaner- Grenze an, nördlich von Glamosch und 
Kupris, dann über die Raduscha- und Bitovnja-Lis satz-Pla- 
nina, südlich von Sarajevo, weiter über die Romania, Kopita 
und Ja vor-Planina, wo sie nach Serbien übertritt und den Ter- 
glu, die S toi o vi, den Lepenatz und selbst den Jastrebatz noch 
umfaßt. (Siehe Profil S.) 



1 ) Die Am-Planina ist aber scheinbar ein nur falscher Name. 



Beiträge zur Erleichterung einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 4: 1 1 

Die größte Höhe dieses Rückens ist im Raduscha-Gebirge, von 
wo aus es gegen Kroatien abfällt, indem es in östlicher Verlängerung 
eine immer ziemlich bedeutende Höhe behält. Diese bosnische Uro- 
graphie kann symbolisch nicht besser als durch das Bild eines quer 
über alle Furchen eines Feldes aufgeworfenen Maulwurfganges dar- 
gestellt werden. In der westlichen Türkei wiederholt sich dieser Fall 
mehrere Male, namentlich obschon undeutlicher in Montenegro und 
auf der Grenze Bosniens und Nord- Albaniens, dann sehr deutlich in dem 
Cimbunischen Gebirge vom thessalischen Olymp an über den Pindus 
bis zum adriatischen Meere, sowie auch ander griechisch-thessalischen 
und epirotischen Grenze. Ob man den Gabar-Balkan und seine östlich 
gelegenen hohen Gebirge noch dazu zählen soll, mögen Andere ent- 
scheiden. 

Zwischen Sarajevo und Srebernitza muß man wahrscheinlich 
von den Bergspitzen südlich sowie nördlich bedeutende Strecken 
Bosniens übersehen können, doch leider ist das ganze Land sehr 
bewaldet. Die Berge südlich und südöstlich von Sarajevo sind im Ge- 
gentheil, größtenteils kahl und werden wahrscheinlich einmal zur Er- 
richtung von geodätischen Signalen benützt werden (Pratscha). Die 
westlich von Sarajevo mit wenig Wald sich steil erhebende Kalkmauern 
des Igman, werden dann auch als Observatorien dienen, da sie die Do- 
li a n e oder die größte innere Niederung dieses Berglandes beherrschen, 
welche von Sarajevo aus nach Westen und Nordwesten sich erstreckt. 

Doch noch viel vorteilhafter stellt sich das weiter nach Westen 
gelegene Gebirge unfern Voinitza; denn von der der Raduscha- 
Masse ziemlich isolirten Setz -Kuppe muß ein Beobachter einen 
grossen Theil des westlichen und nördlichen Bosniens überblicken, 
und dazu noch manche Herzegovinerspitze übersehen können. 

Nach Herrn Pertussier's „La Bosnie 1822" und Dr. Sendt- 
ner's „Reisejournal (Ausland 1848)" sollen auch mehrere Punkte auf 
der Strasse vom Berge Prolog aus über Schvitza, Kupris oder Keupris, 
nach Travnik Fernaussichten erlauben, vorzüglich wenn man die Pässe 
verläßt und die Berge besteigt, welche die daselbst vorhandenen 
großen Comb es oder geschlossenen Kessel umgeben. In diesem 
Falle sind z. B. der Berg Tschitzer bei Livno, der Koprilnitza (oder 
Koprivnitza), der Paß östlich von Kupris mit seinen Dolomitbergen in 
der Nähe und einer Aussicht auf die Prusatzergegend, sowie das 
obere Verbasthai u. s. w. zu empfehlen. Zwischen Scoplie und Travnik 



412 15 o » o. 

scheint wenigstens auf der Bergstrasse der Rücken dos Radovan wenig 
Fernaussichten zu gestatten. Der östliche Abhang verflacht sich ziem- 
lich und ich bemerkte daselbst doch sehr wenig Waldungen. 

Wendet man sich von Sarajevo gegen Nordost, so erlauben 
hie und da hohe kahle Kalkflächen oder hohe sehr bewaldete 
Rücken (wie auf dem Plotscha zwischen demZepa, dem Pjenovatz und 
den Quellen der Tzrni-Jadar) beschränkte Aussichten nach den benach- 
barten Thälern, doch auch da stehen gegen die Höhen viele sowobl 
aus Tannen als aus Buchen bestehende dichte Wälder oft sehr im 
Wege. Zum Trianguliren müßte man sich da meistens mit kleinen 
Dreiecken und Signalen aushelfen, so z. B. für die oberen Zuflüsse 
der Krivaja-Rieka, die Jadar- und Kladinatbäler u. s. w. Bei der 
alten Burg Kuzlat ist die Bergaussicht ebenfalls beschränkt. 

Gebt man im Gegentheil von Sarajevo nordwärts, so begeg- 
net man, so weit mir Einsicht in jener Gegend von Ferne gegönnt 
war, fast dieselbe Terrainbildung mit der tiefen geschlängelten 
Furche der Bosna. Nach Herrn Sendtner bietet das Gebirge west- 
wärts von Zenitza eine ziemlich bedeutende Ansicht gegen Nordosten 
und überhaupt für das Bosnathal muß man die Anhöhen besteigen, 
vorzüglich den hoben Stog zwischen derBosna und der Krivaja-Rieka, 
den Berg Osren vor der Vereinigung der Spretza mit der Bosna, den 
Kr n i n nordwestlich von Doboj, den Vutschiak-Brdo nördlich von 
Fotscha u. s. w. Für die Tinjathäler und die oberen Zuflüsse der 
Spretza gibt der lange Bergrücken des Majevitza östlich von Sreber- 
nik und um die beiden Tuzla, Aufschluß. (Siehe Sendtner's Bericht.) 

Wenn man von Travnik nachBanjalukamarschirt, so überschreitet 
man die Höben nördlich der Ugra, welche die grossartigsten Aus- 
sichten nach allen Seiten, ausser der südlichen, erlauben. Gegen 
Süden wird der Horizont durch zwei grosse Berge in ziemlich näch- 
ster Nähe beengt; der eine ist östlich der Vlasitsch, eine große 
theilweise felsige Kalkkuppe, während der westliche, durch seinen 
Namen von Trockengebirge, Suva-Planina, vortrefflich charakteri- 
sirt, einen sehr bewaldeten Rücken bildet. Das ist jener Wald von 
zehn Stunden, in welchem ich mich einen ganzen Tag verirrte. 

Ohne Zweifel wird der plateauförmige Gebirgsrücken nördlich 
der Ugra einst eirfe geodätische Pyramide tragen, denn von da aus 
kann man das bosnische Terrain fast bis zur österreichischen Grenze 
verfolgen. Man beherrscht eine Menge von tiefen von NW. nach 



Beiträge zur Erleichterung einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 413 

S. 0. gerichteten Rinnen mit ihren von Tannen- und Buchenwaldun- 
gen bedeckten Berglehnen. Doch die Tiefe der Thäler machen es 
unmöglich eine Einsicht in die meisten zu gewinnen, so z. B. zu der 
wichtigen der obern Verbas; nordöstlich aber ist dieses mehr der 
Fall, wo man dann den Lauf der Verbania, der Verbanitza, Okrina 
und Usora weithin verfolgen kann. Durch diese Auseinandersetzung 
sieht man schon , was für eine Detailarbeit diese Thäler für einen 
Aufnahme-Ingenieur erfordern werden. (Siehe Profil 3.) 

Um einen Begriff von dem niedrigen Theile Bosniens 
südlich der Sau zu bekommen, muß ich mich theilweise mit 
Herrn Sendtner's Schilderung begnügen; denn die interessanten 
Gegenden der Jalla sah ich nicht und nur zwei Ecken dieses Theils von 
Bosnien wurden mir bekannt, namentlich das Dreieck von dem Okrina- 
Becken bis zur Verbas und das Stück Bosniens zwischen Zvornik, 
der Ljuboschnitza und der Drina. Letzteres, ein kleines offenes Hügel- 
land, bietet von mehreren seiner Höhen die Mittel zu einer Übersicht, 
was in den anderen Theilen Bosniens keineswegs so leicht ist, weil 
da eigene, etwas höhere, sehr bewaldete Rücken herrschen und die 
Thäler theilweise sehr flach ausgehöhlt, durch Tannen und Buchen - 
Waldungen oft versteckt, erscheinen. Südwestlich von Prinjavor genoß 
ich eine ziemlich ausgedehnte nördliche und nordöstliche Aussicht auf 
das nahe Ukrina-Becken. 

Überschreitet man die Verbas, so bekommt man leicht ein Bild 
des türkischen Kroatiens. (Siehe Kaznacic's Bosnia, Herzegovina 
e Croazia Turca, Notizie reunite Zara 1862.) Ersteigt man nament- 
lich das inselartig aus dem Tertiären sich erhebende kleine Kos aratz- 
Gebirge (siehe Viquesnel Taf. 22, Fig. 12), so übersieht man 
nicht nur die ganze türkisch-österreichische Grenze derUna, son- 
dern das Auge reicht weithin nach Bihatsch und dem südlichen Theile 
dieses Landes (dito Fig. 16 u. 17). Die Spitze des Kosaratzerberges 
wird man einmal zur Verbindung mit den österreichischen Dreiecken 
brauchen. 

Anderseits war mir auch gegönnt über die Physiognomie des 
Terrains des Sanna- und Japra-Beckens vielen Aufschluß auf einer 
Excursion nach Stari-Majdan zu bekommen. Von den zu überschrei- 
tenden kleinen flachen Hügeln gesehen, liegt das kroatisch-türkische 
Land wie eine Landkarte vor den Augen, man bemerkt wie sich die 
Wässer daselbst unter sehr flachen plateauähnlichen Hügelrücken 



414 Boin' 

fortwälzen und sieht am Ursprünge des Hauptflusses Bergreihen 
über Bergreihen übereinander steigen. Letztere gehören schon auf 
der Grenze zu jener großartigen Karstbildung mit ganz geschlossenen 
Kessel Ihälern mit oder ohne Wasser, aus welcher diese südwestliche 
Ecke des nördlichen Bosniens gegen die obere Herzegovina und die 
Likaner Gegend bestellt. Natürlich erheischt eine Aufnahme dieses 
kesselartigen, manchmal staffeiförmigen Auftretens, Detailarbeiten 
eigener Art. 

Ehe ich zu dem südlichen Theile Bosniens übergehe, glaube ich 
hier folgende Bemerkungen über die kahlen Berge und Bergflä- 
chen Bosniens überhaupt einschalten zu können. Wo größere 
Städte bestellen, erklärt sich ganz natürlich die Kahlheit der Berge 
durch den längern Holzbezug von jenen benachbarten einstens, wie 
das übrige Land, bewaldeten Gegenden, so z. B. bei Sarajevo, Trav- 
nik, Zvornik u. s. w. Anderswo auf ziemlich hohem Plateau haben die 
zur Viehzucht geneigten Einwohner die Wälder gelichtet oder vielleicht 
selbst niedergebrannt, um schöne Weiden zu bekommen, wie man es 
z. B. hie und da auf dem Plateau westlich von Novibazar oder unfern 
Sienitza, oder wie in Serbien zwischen dem Suvoborer und Rudniker 
Gebirge, sieht u. s. w. Anderswo war es die Karstbildung, welche zu 
permanenten oder nur zeitweiligen Seen Anlaß gab und auf diese Weise 
Grasflächen schuf, wo die Wucht des Gramineenwachsthums keinem 
Baum und selbst keinen Gesträuchsaamen das Keimen erlaubte, so z. B. 
in den Kesseln von Graovo, Schvitza, Kupris, der Tribuschnitza und 
Gatzko in der Herzegovina u. s. w. Endlich blieben noch andere Berg- 
flächen kahl, weil sie zu sehr von Erde entblößt waren und das Wasser 
so leicht durch die Kalksteine oder Felsenritze einsickern konnte. Solche 
dürre, steinige Flächen, wie in unseren Kalkalpen, findet man nörd- 
lich der Romania-Gebirge bei den lateinisch klingendem Orte Podro- 
monium und weiter nordöstlich, auch auf dem mit Gosauformation 
übersäten Plateau nördlich von Skender-Vakub auf dem Porim- 
Gebirge oder auf die Hippuriten- und Eocenkalke der Herzegovina, 
wie zwischen Mostar und Nevesin. Die Römer scheinen keineswegs 
in Bosnien wenigstens dazu beigetragen zu haben die Wälder zu 
vermindern, was aber in der Mitte der Herzegovina wegen der Nähe 
von Mostar wohl der Fall sein konnte. Auf dem Porim haben sie 
scheinbar, nach den Gräbern der letzten Kaiserzeit zu urtheilen, 
Militärposten gehabt. Die großen Hauptadern des Verkehrs in Bosnien 



Beiträge zur Erleichterung- einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 415 

waren ihnen in allen Fällen bekannt und man erstaunt selbst jetzt noch 
über die viele Ähnlichkeit in der Anlage, Steilheit und Breite gewisser 
gepflasterter Straßen im östlichen Thracien und in Bosnien, wie zwi- 
schen Goresda und Sienitza, oder die neben dem Tzerni-Jadarthale, 
südwestlich von Zvornik u. s. w. Die Türken haben nur diesen Bau- 
styl fortgesetzt. 

Das südliche Bosnien, mit welchem ich den südöstlichen 
Theil der politisch sogenannten Herzegovina bis zumPirlitor-Schloß an 
der Sutschesa begreife, enthält manche hohe Warten, von wo aus man 
dieses ganze sehr gebirgige und größtentheils bewaldete Land bequem 
übersehen kann. Einen Hauptpunkt bildet eigentlich die höchste Spitze 
der europäischen Türkei, der Korn, dessen doppelte Kuppe (siehe 
Viquesnel Taf. 22, Fig. 19) sich gut für eine Pyramidaufstellung 
eignet. Von da überblickt man ebensowohl das ganze südliche Bosnien 
als Montenegro^ tiefe Furchen und Kalkkessel (sieheFig. 6). Daneben 
erheben sich wohl nördlich die fast eben so hohen Spitzen des Dor- 
mitor, Voin und Volojak, aber alle diese dolomitischen Nadeln 
werden wohl kaum ersteigbar sein. Der große hohe Bergrücken süd- 
lich vom Kom, der sogenannte Kutschki-Kom, erlaubt die Aus- 
sicht nicht nur in einen Theil Montenegro^, sondern auch in das Gre- 
tschar-Thal und Guzinie-Becken, und auf eine förmige Anhäufung von 
ersteigbaren Dolomitkegeln südlich des Bedschitza- Thaies. (Siehe 
Spencer's Zeichnung Travels in European Turkey in 1850, 1851, 
Bd. 1). Diese letzteren weniger nackten Felsberge stellen sich wie 
eine Masse von Zuckerhüten dar, wenn man sie von Osten oder von Anhö- 
hen um das Velika-Thal besieht. (Siehe Viquesnel Taf. 22,Fig. 21.) 
Ein Blick auf die Karte des obern Lim-Beckens mit seiner hohen Ge- 
birgsumgürtung genügt, um dem Ingenieur anzudeuten, wie leicht es 
daselbst ist, die erwähnten hohen Spitzen durch Dreiecke mit den 
andern südlich des Lim zu verbinden. Der Troitzaberg zwischen dem 
Gretschar und dem Vruja, westlich ober Guzinie, empfiehlt sich sehr 
als einen Hauptpunkt zu einer Übersichtspyramide. 

Neben diesen für Geodäsie so geeigneten Localitäten findet man 
noch weiter östlich, die Spitze des Bogitschevitza, südlich ober- 
halb des kraterfürmigen Plava-See's, dann die nördliche Seite der 
Mokra-Gora unddesGlieb (siehe Viquesnel Taf. 22, Fig. 10), 
von wo aus man ganz Süd-Bosnien mit seinen N. W. — S. 0. Rinnen 
in der Zahl von wenigstens vier oder fünf, namentlich die der Tara, der 



4 1 (> B o ü f. 

Tscheotina, dos Lim und Uvatz und seiner dazwischen mit dichten 
Nadel- und Buchenhölzern bedeckten lang gezogenen Rücken (siehe 
Fig. 4), und östlich am Ursprung des Uvatz einige große trockene 
höht 1 , einst mit Wasser gefüllte runde Becken im Bihor, wie bei 
Ugrlo, und südlieh von Sienitza erblickt. Auf dem bewaldeten Berg- 
rücken müßten hohe Signale der Aufnahme helfen. 

Um den Kessel Novibazar mit seinen sechs oder sieben 
Plateaus oder Gebirgen und seinen fast sternartigen acht Thälern 
namentlich die der Ilidga, Rnava, Godovo, (irrthümlich meine Kos- 
mik siehe meine Itineraires Bd. 2, S. 142 und 183), Jeleschnitza, 
Raschka, Liutzka-Rieka, Lepenatz, Joschanitza (in Novibazar selbst) 
und Dejeva, aufnehmen zu können, muß man nicht nur die Anhöhe 
des Klosters Gjurgjovi-Stupovi im N. 0. der Stadt, sondern auch 
diejenige zwischen den Thälern von Rnava und Godovo, so wie die 
zwischen der Raschka und der Liutza-Rieka ersteigen und Signale 
auf allen diesen sechs oder sieben nördlichen Gebirgsmassen auf- 
stecken. Auf diese Weise wird man einestheüs den Ursprung des 
Lepenatz bis nach Serbien in der Kovatscha-Planina verfolgen können, 
indem man auf der andern Seite südlich und westlich einen richtigen 
Begriff über die Rogosna-Planina, die Goreschda-Planina 
sammt ihrer Abtheilung mit einem Blicke in den separaten Kessel der 
Quelle der Rasckka und Liutzka-Rieka bekommen würde. 

Ein anderes Stück ähnlicher Aufnahme könnte man von den Höhen 
des Rogosna-Planina unternehmen, wo der Ibarlauf und das ser- 
bische gebirgige Terrain vor dem Auge liegt. (Siehe Viquesnel 
Taf. 22, Fig. 33.) Eine dritte locale Aufnahme wäre die vom Ugrlo- 
Becken von den Höhen westlich oder östlich desselben, dann eine 
ähnliche für das Becken südlich von Senitza von letzterem Platze aus. 
Auch zwischen Ugrlo und Rojai passirt man schmale Anhöhen, die 
reiche Aufschlüsse über einzelne Thäler geben. Doch kommt auch 
Karst-Terrain überhaupt in Bihor vor. 

Die Aussicht über das Mileschevothal ist eigens auf diese Tiefe, 
von Süden aus gesehen, beschränkt. Ob aber die Spitzen der kleinen 
Berge zwischen Senitza und Priepol ferne Aussichten östlich nach 
Serbien und westlich nach dem Lim erlauben, kann ich nicht sagen. 
Aber das kleine Plateau des Berges Pobienik zwischen Priepol und 
Taschlitza verschafft dem Reisenden ein wahres Panorama , welches 
gegen Westen und Südwesten oder gegen die höchsten Gebirge der 



Beiträge zur Erleichterung einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 417 

Türkei von den Gebirgen nördlich vom Dormitor bis zum Korn, 
Prokletia und Glieb ganz vollständig ist. (Siehe Profil 4 und 6, 
Itineraires Bd. 2, S. 130 und Viquesnel Taf. 22, Fig. 15 und 
19.) Doch gegen Osten ist die Aussicht durch die hohen Gebirge 
längs des Lim beschränkt. Kein Zweifel, daß man bei einer 
Aufnahme Rücksicht auf dieses Plateau nehmen wird, wo man 
selbst eine kurze Basis recht schön messen könnte , um dann Drei- 
ecke nach dem Dormitor, dem Kom, dem Prokletia, die Mokra-Gora 
u. s. w. spannen zu können. Zu gleicher Zeit würde die allgemeine 
Gestaltung der zwar bewaldeten unbekannten Districte von Pro- 
stienie und Vranigie zwischen dem Lim und der Tara bekannt 
werden. 

Von diesem Punkte aber bis über die Tara, Fotscha, Vischegrad 
Pratza, kurz bis zu dem erwähnten Centralrücken Bosniens, kenne 
ich nur ein mit Waldungen sehr bedecktes und wenig bevölkertes 
Land, wo ich wohl sah, daß die Bergrücken keine kleine Höhe er- 
reichen und ich selbst mehrere bedeutende besonders nördlich von 
Goreschda überschritt, aber wo ich überall nur im Schatten des 
Waldes war. Die einzigen mir bekannt gewordenen offenen Gegenden 
sind die um Pratza und Kolischitz oder die Pal a- Gegend , welche 
letztere Localität aber ein breites Thal zwischen Bergen einnimmt und 
am südlichen Fusse des Gebirges liegt, auf welchem nördlich, am 
unteren Abhänge, Sarajevo gebaut wurde. 

Überhaupt muß ich ein- für allemal bemerken, daß in Europa 
die Türkei wohl das einzige Land noch ist, wo Dörfer ganz in 
Wald versteckt vorhanden sind, wie wir es bei den alten Ger- 
manen in Römerszeiten vermuthen. Solche W r ohnungen, fast ohne 
alle Ausrodung des W^aldes, bestehen aber nicht nur in Bosnien und 
Bulgarien, sondern selbst noch hie und da in Serbien. Sie entsprechen 
der Furcht der Einwohner vor ihren Herrschern. Die genaue topo- 
graphische Aufnahme solcher Gegenden wird dadurch sehr erschwert; 
dies ist selbst der Fall mit den häufigen slavischen Dörfern, welche in 
Pflaumenbaum-Anpflanzungen wie vergraben erscheinen. Man wird 
daselbst viele partielle Aufnahmen bewerkstelligen müssen, vorzüglich 
um einzelne Thäler mittelst guter Ansichten von einigen Punkten genau 
nachzeichnen zu können. So z. B. für das Reschitza-, Tara-, Piva- und 
Bistritza (Ulok)-Thal sammt ihren Zuflüssen. Im Tarathal bemerkte 
ich selbst zwei sehr vortheilhafte Punkte, den einen auf einer Anhöhe 



4 1 8 B o ii i 

nördlich von dem Ausflusse derPiva in die Tara 1 ) und den andern auf 
der steinigen dolomitischen Anhöhe nächst der Piva. Wahrscheinlich 
findet man noch Fern- Ansichten, wenn man dieselbe Kette oder die 
Abdachung des Dörmitor überschreitet, um von Jezera an der 
Tara nach dem Drobniaker-District zu kommen oder weiter südlich 
im Kolaschiner-District. 

In der II e r z e go vi n a 2 ) wurden mir nur folgende für Aufnahmen 
wichtige Punkte bekannt, namentlich gewisse Gebirge unfern Livno, 
gewisse nackte Spitzen des Porim s) östlich von Mostar aus, die 
Höhen des Blagaj- Schosses, von wo man das mittlere Thal der 
Herzego vina oder das untere Narenta-Becken kennen lernt. (Siehe 
H il 1er ding "s Reise von Ragusa nach Mostar und Sarajevo; Zeitschr. 
f. Erdk. 1860 n. R., Bd. 9, S. 110 und 217.) Dann übersieht man 
andere Theile der obern Narenta von dem Kreschevo-Berge und von 
der nordöstlichen Ecke des Porim, indem von dem hohen Sattel zwi- 
schen dem Treschnitzathal hinter Kognitza und dem Bradinathal man 
eine ausgedehnte Aussicht, eben sowohl über den Porim als über den 
Vrabatz, Raduscha, so wie über einen Theil des tiefen und in seinem 



(Zeitschr. f. Erdk. 1860 N. S., Bd. 11, Heft 2.) Herr Blau verlängert die Drina 
bis über das Kloster Piva, so daß man auf seiner Karte das Pivawasser vermißt, 
welches man mir doch deutlich nannte und zeigte. Merkwürdigerweise will man 
sich nicht in den Gebrauch der Slaven fügen, welche oft keiner der Quellen eines 
Flusses den Namen dieses letztern geben. So geschieht es für die Jndge-Karasu 
oder Vistritza Macedoniens mit ihren zahlreichen Quellen (Bilischta , Gramusi 
u.s.w.), mit der Drina mit ihren drei Quellen der Tara, Piva und Sutchesa u. s. w. 
Doch finden wir Beispiele dieser geographischen Nomenclatur selbst im Westen 
Europa*s, wo z. B. die Gironde für die Vereinigung der Garonne und Dordogne gilt. 

2 ) Die Herzegovina zerfällt in vier natürliche Abtheilungen, namentlich 1. den nörd- 
lichen Theil oder dieRama, welche einst bis Ston oder Stagno inDalmatien, reichte; 
2. den mittleren Theil, welcher das Land über die Berge, das Zacholmie, die Ge- 
gend östlich von Livno, das Zachlivnie, und diejenige zwischen Mostar, Blagaj 
und Stolatz oder die Chumska oder Cholmska umfaßt; 3. den südlichen Theil 
bei Trebigne, dieTerbuina und Kanalia (J. Ministerstva narodnego prosvie- 
tscheniia 1830 Juli und Ausland 1850, S. 939 und 943), endlich 4. die Nevesigne- 
undGatzkoer- Gegenden mit einigen kleineren geschlossenen Becken. Doch unter 
letztere gehören diejenigen von Nikschitsch , Graovo u. s. w. eigentlich schon zu 
Montenegro. 

'") Wahrscheinlich war der Porim einmal vielmehr bewaldet, die Nachbarschaft Mo- 
stars muß seit Römers-Zeiten immerfort zu der Zerstörung seiner jetzt nur noch 
spärlichen Nadelhölzer- Waldungen (Pinus und Abies) beigetragen haben. 



Beiträge zur Erleichterung einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei 419 

Laufe eine große Krümmung beschreibende Narenta. Da gibt es 
mehrere für Pyramidenerrichtung gut gelegene hohe Spitzen. 

Südlicher in der Herzegovina muß die Spitze des nackten V e- 
lesch(westl. von Nevesin) schöne Aufschlüsse über die Geomorphie 
des Landes geben, doch bestieg ich ihn nicht und passh-te nur eine 
seiner Abdachungen, welche theilweise bewaldet war. Von dem zer- 
störten Orte Salem - Palanka , jetzt nur eine Greisslerbude und zwei 
Häuser, genoß ich eine sehr ausgedehnte Aussicht, besonders über 
die südwestlichen Zuflüsse der Narenta und die mittleren Gebirge der 
Herzegovina (siehe Itineraires Bd. 2, S. 207). Dieser isolirte 
schmale Rücken, würde sich eben so wie der Velesch für Aufnahme 
von Hauptsignalen wahrscheinlich eignen. 

Noch südlicher beherrscht man vom hohen kahlen Leber- 
schnik- Rücken östlich von dem Gatzko-Thurme oder Konak desBeg, 
im Westen fast die ganze Breite der südlichen Herzegovina bis über 
den oberen Tribintschitza oder das Trebignethal , indem südlich das 
Dugagebirge sammt theilweise dem Paß, sowie selbst der Platz desNik- 
schitscher Kessels zu sehen sein möchten, und nördlich das Verbathai 
sammt den Gebirgen von der obersten Narenta vor den Augen 
ausgebreitet erscheint. 

Östlich vom Leberschnik und südlich von dem Tschemernopla- 
teau übersieht man Theile des Uskokenlandes (siehe Herrn Blau's 
Karte), sowie die gewaltigen Massen des Voin (auch Voinik), des Dormi- 
tor und seiner nächsten Nachbarn. Doch muß der Grund der zahlreichen 
Thäler größtenteils wegen ihrer Tiefe unsichtbar bleiben, so daß 
die Aufnahme der Tusina und der kleinen Neben-Bäche , sowie des 
Sinjaevinadistrictes überhaupt eigene Aufnahmen erfordern werden. 

Solche vortreffliche geodetische Stationen sollten mit einigen 
montenegrinischen, in dem Ostroggebirge südlich von Nikschitsch, in 
Grahovo, in dem Tschevo, in den Borovnik-Bergen, in der Piperska- 
Planina, im Djebetza u.s. w. sowie mit demjenigen desKom's, südlich 
in Verbindung gesetzt werden. Von letzteren übersieht man auf ein- 
mal die zahlreichen Quellen der Wässer, welche von allen Seiten 
abfließen, doch scheinbar nicht die zu tief gelegenen zwei oder drei 
kleinen Seen (siehe akad. Sitzber. 1862, 2. Abth., Bd. 55, S. 652). 
Nach dem Obersten Karadczay wären die Gebirgsspitzen hinter Cat- 
taro (Berg Lovtschen u. s. w.) für eine Aufnahme vieler Bergkup- 
pen und Spitzen Montenegros sehr günstig, denn es war ihm auf 



420 Bon*. 

diese einfache Weise ermöglicht, eine für die damalige Zeit ledige 
Karte Montenegros zu skizziren. In Nord-Albanien würden sich auch 
leicht solche Punkte finden lassen, wie z. B. der hohe Sutorman, 
der Golesch, der Tarposch u. s. w., wo man dann auch zugleich 
eine Übersicht über das ganze leider so wüstgelegene grosse Becken des 
Scutari Sees bekommt. Durch östlich und nördlich gelegene Berge, 
wie diejenigen um den obern Drinassi, um Schkrell oder östlich von 
Hotti, Podgoritza, sowie bei Spuge, kann man sich dieses Bild ver- 
vollständigen. 

In Nord-Albanien gibt es wieder kein centrales Gebirge, 
welches eine Landkarte des Landes vorführe, man muß sich mit 
Stücken davon begnügen. Ohne Zweifel würde die sehr mögliche 
Besteigung der nördlichen Spitzen der Prokletia (siehe Viquesnel 
Taf. 22, Fig. 23), eine sehr ausgedehnte Aussicht, besonders gegen 
Süden und Südwesten gewähren, aber gegen Norden steht ihm über 
der langen und tiefen Furche des Zem oder Tzievna theilweise die 
Komkette im Wege. Man würde nur einen Theil von Süd-Bosnien 
und Montenegro sehen können. Gegen Südost aber würde man auf 
die hohen Kuppen des westlichen Theiles des Schar, namentlich den 
Jalesch und weiter südlich auf den Korab stoßen. Die große Niede- 
rung der Metoja würde nur durch einen leeren Raum angezeigt sein. 
Kein Zweifel aber, daß man selbst die Peristerspitze bei Monastir so- 
wie den Tomor zwischen Berat und dem Desnitzerthale oder Klisura 
zu sehen bekäme. Die Schneegebirge unfern Monastir sah ich selbst 
deutlich von den Skanhöhen südlich von Spaß in der Myrdita (siehe 
Itineraires Bd. 1, S. 325). 

Mit einer solchen Aussicht wird wohl eine Pyramide die höchste 
Spitze dieses sogenannten „Vermaledeiten Gebirges" einst krönen. 

Um eine Einsicht in den Myrditen und Dukajinen oder dem 
katholischen Albanesenlande zu gewinnen, kenne ich nur die Höhen 
hinter Kroja, der Kiapha -Mala und das Puch ab er g- Plateau 
in der Myrdita. Die Lage von der befestigten Stadt Kroja auf der 
sogenannten Corniche, einer hohen Kalkmauer (siehe Profil 9), hat 
man lange Zeit nicht recht verstanden, aber ihren Ursprung verdankte 
sie nur den hinter der Stadt angelehnten Anhöhen, wodurch die Ein- 
wohner in dem Falle einer Belagerung oder Überrumpelung sich wie 
über eine Brücke tiefer in die Gebirge flüchten konnten. (Siehe 
Hahn's Reise.) Von diesem Gebirge aus beherrscht man eben 



Beiträge zur Erleichterung einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 4r21 

sowohl die ganze kleine Hügelreihe längs dem adriatischen Meere als 
das ganze Hismothal mit seinen verschiedenen Gewässern; doch 
trüben kleine Waldungen oft diese Aussichten. Es besteht aber weiter 
östlich gegen den schwarzen Drin ein hoher Rücken, von welchem 
Ingenieure diesen wilden Theil der Türkei gänzlich übersehen müßten. 

Von Puchaberg bekommt man nur einen kleinen Theil der 
Fände oder der oberen nördlichen Abzweigungen des Matthaies und 
die Niederungen des untern Drin mit ihren kleinen Dolomitkegeln zu 
sehen. Es wäre dann dieser Punkt nur für ein Hauptsignal günstig 
gut gelegen. 

Vom Kiapha-Mala-Berg aber muß man noch weiter sehen 
können und zu gleicher Zeit eine Übersicht über die südliche steile 
Abdachung des Prokletia und der Malsorenberge bekommen. Die 
grosse Spalte des Schaliathales sammt ihrem circusartigen Ende, 
überragt durch die Schneefelder des Prokletia sammt dem durch den 
Drin beschriebenen tiefen, gegen Norden gewendeten Bogen, sah ich 
selbst von einem Punkte auf den Höhen zwischen Sakat und Phliet 
in der Myrdita. (Siehe Turquie Bd. 1, S. 326 und Viquesnel 
Taf. 22, Fig. 20.) 

Das untere Thal der Drina oder die Zadr im a- Gegend kann 
man sehr gut von den Bergen südlich von Daitsch sowie von dem 
spitzigen Berge des Velilesch oder dem Schlossberge zu Lesch(AIessio) 
übersehen. Von da aus oder von der Anhöhe hinter dem katholischen 
Kloster am rechten Ufer der Drin oberhalb Lesch, bekommt man eine 
Einsicht in den kleinhügeligen Landstrich zwischen der Drin und der 
Bojana. Für die Antivarigegend und die österreichisch-albanesische 
Grenze muß man nur auf den nächsten Berg steigen. 

Weiter südlich erlaubt die Höhe des Gerabe- oder Gabar- 
Balkan wie diejenige des alten Schlosses Petreila eine ziemlich 
weite Aussicht auf Mittel-Albanien, welch letzteres besonders von den 
Römern einst ein ziemlich bewohntes und darum sehr wenig bewal- 
detes Hügelland ist, östlich allein wird es wirklich gebirgig. 

Östlich wird der Horizont theilweise durch steile Kalkmauern 
eines ziemlich hohen Gebirges begrenzt, welches aber in Mittel-Alba- 
nien hinter Elbassan sehr weit zurücktritt, so daß um weite Aussich- 
ten zu bekommen, man dieses Gebirge auf der Straße nach Ochri 
besteigen muß. Leider fehlen mir die notwendigsten Auskünfte dar- 
über in den Reise-Route-Büchern Müller's und Hahn's. (Siehe 



422 Mono. 

Tafel's Via Egnatia IS4'2.) Um den Lauf dos Arzen und seiner 
Zuflüsse (Tzaranika u. s. w.) zeichnen zu können, müßte man einige 
steile Berge ostlich von der Straße von Tiran zum Gabar- Balkan, 
die Kuppe des Petreila-Schlosses so wie den Festungsberg Nderrenje 
ersteigen. Die Umgebung von Duratzo würde auch durch hintenlie- 
gende Berge aufgenommen werden können. 

Für den nördlichen Theil der weiten Ebene des Scumbi und 
Devol stehen Anhöhen zu Dienste, und für die südlichen findet man 
südlich von Devol einige, oben kahle, nur unterhalb mit Gebüschen 
und kleinen Waldungen bedeckte niedrige Berge, welche wenig Auf- 
schluß über die Gegend geben und höchstens einmal als Signal- 
örter für kleine Aufnahmen dienen können. 

Ein Riese aber, welcher dem mittlem Albanien seinen Charakter 
gibt, das ist der von N. — S. langgestreckte über 5000 Fuß hohe 
Tomor zwischen Berat und dem Desnitzathale oder Krisura. (Siehe 
Viquesnel Taf. 22, Fig. 34 und Profil 10.) Dieser über alle andern 
Massen herrschende Berg überrascht schon den Reisenden 2 1 / 2 Stun- 
den vor Tiran oder fast 6 Stunden vor dem Gabar-Balkan. Letztere 
Kuppe nimmt sich selbst nur als eine niedrige Einsattelung unter 
diesem im tiefen Frühjahre noch etwas mit Schnee bedecktem Berge 
aus. Er wird einst eine Aufnahmspyramide tragen, dessen Hilfe man 
oft in der Ausmessung Nord -Albaniens in Anspruch nehmen wird. 
Doch muß dann die Tomoritza nicht mehr eine Räubergegend sein, 
welche bis jetzt jedem Reisenden die Ersteigung dieser schönen Kalk- 
Alpen unmöglich gemacht. Da die Kuppe mit üppigen Weiden be- 
deckt ist, wie man es recht deutlich von der Anhöhe nördlich des 
Bubasi bemerken kann, so möchte die botanische Ausbeute eben so 
groß als die der Aussichten daselbst sein. Ein großes Stück Mittel- 
Albanien bis an die Meeresküste muß daselbst dem Touristen vor 
Augen liegen, indem man südlich das lange Thal des obern Vojutza 
mit seinen beiden Mauern, so wie den westlich breiten Abhang des 
Pindus beherrscht. Doch dieser letztere muß den Gesichtskreis gegen 
Osten sehr beengen, denn nur eine Furche trennt beide Kolosse. 

Nach Leakes' Reise (Travels in north. Greece a. Turkey 1835) 
von Goritza nach Berat am nördlichen Fusse des Tomor muß man 
nicht nur von jener Corniche, sondern besonders von einem höhern 
Standpunkte aus ein förmliches Bild der Gebirge des obern Scumbi, der 
Devol-Passe, so wie der obern Theil e des Rerater-Ergent bekommen. 



Beitrage zur Erleichterung einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 423 

In dem Vojutzathal bieten sich unter den Spitzen mehrere 
Berge als gute Observatorien. Ohne die untergeordneten bei Berat 
zu erwähnen, erlaubt schon der Skrap ari-Berg bei Han-Tojari, 
wenigstens die Aussicht des untern Vojutzathales. Dann kommen aber 
das Gebirge hinter Klisura oder zwischen dieser an den Kalkfelsen 
angebaute Stadt und Tepedelen, so wie besonders der hohe Rand des 
mit Schnee gefüllten Circus des Nemertska-Malia westlich von 
Turanik-han oder Badiglione, weiter der Paß zwischen Sahli-Pascha- 
Han undOstanitza, endlich eine gewisse Anzahl von Kuppen desPindus, 
welcher auf der östlichen Seite des Thaies eine noch höhere und 
besonders vollständigere Mauer als die westlich eingeschnittene und 
gespaltene bildet. (Siehe Pouqueville's Beschreibung 1837.) 

Von allen diesen Bergen übersieht man einen großen Theil von 
dem mittleren und besonders südlichen Albanien, der Pindus allein 
ermöglicht eine Aussicht nach dem südwestlichen Macedonien, so wie 
im mittleren Devol- und Bilischta-Thale oder nach den oberen Zu- 
flüssen des Bistritza-Flusses. Von der Nemertska-Malia sieht man nicht 
nur die verschiedenen Kuppen des Pindus, so wie das ganze Vojutza- 
Thal, sondern vorzüglich das ganze westliche Albanien von jenem 
Thale und der Janinagegend an bis zu Delvino und Korfu. Der tiefe 
Becken Janina's erscheint wie ein großes Loch im Erdboden. Man 
kann sich wohl denken, welchen Vortheil ein solcher Berg für eine 
rasche Aufnahme bietet und wie leicht man ihn mit gut gewähltem 
Punkten auf dem acroceraunischen Gebirge, so wie mit dem Tschika- 
Berg verbinden kann, woraus man dann das Detail des Küstengebie- 
tes, wie z. B. das bei Aulona , Carbonara u. s. w. vervollständigen 
könnte. (Siehe Dr. A. S. Reise von Korfu nach Janina und Rückreise 
über Sayades. Ausland 1859, S. 498, 544 und 583.) 

Von dem westlich von Ostanitza gelegenen Gebirgsrücken ist 
wohl die Aussicht sowohl nordwestlich als östlich durch die 
Nemerstka-Planina oder ihre Fortsetzung im ersten Falle, wie 
durch die Pindus -Kette im zweiten Falle, beschränkt, aber dagegen 
liegt das Terrain dazwischen wie eine spitzig dreieckige Charte, 
unter dem Beobachter. Er kann auf diese Weise nicht nur den Lauf 
der Vojutza und ihrer Zuflüsse verfolgen , sondern noch genau die 
Oro-, und Topographie des großen hohen etwas geneigten Plateaus 
aufnehmen», welches als eine enge Spitze gegen Konitza anfängt und 
als breites Stück Land gegen Stai'ia endet. Da diese Gegenden kahl 

Sitzh. d. uiathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Ahth. 29 



424 Bou& 

oder nur hie und da mil einigen niedrigen Gebüschen bedeckt sind, 
so Ließen sieh hier wirklich das wellenförmige Terrain, die Kinnen, 
Ortschaften und Straßen, wie von einem Bilde vortrefflich abzeichnen; 

Überhaupt erkenn! man an der Ausrodung- der Waldungen im Epirus, 
daß die Homer daselbst viele Ansiedlungen hatten. 

Um dieses Stück Albanien weiter zu studiren und zugleich den 
übrigen westlichen Epirus zu übersehen, finden wir gewisse 
Anhöhen in der sogenannten Zagorie-Gau (bei Artischta), dann östlich 
von Janina den kahlen Mitschikeli-Berg und seinen südlichen so 
wie nördlichen Ausläufer. Von den Anhöhen bei den Pente-Pigadi oder 
fünf Brunnen reicht die Aussicht bis nach Arta und das Meer. Noch 
andere untergeordnete Aussichtsstandpunkte sind bei Suli u. s. w. Ful- 
das Aspropotamos-Thal muß man- diePindus-Anhöhen des Marotzo, west- 
lich von Klinovo, sowie den Smokovo besteigen, welche auch Aussichten 
nach Thessalien und den griechischen Theil des Epirus gewähren. 

Der östliche T heil des südlichen Epirus ist nur mit 
hohen Bergen bedeckt, welche zur Pindus-Kette gehören, unter denen 
die höchsten scheinbar der Peristera-Vouna, Cacardista und 
südlicher der Dj um erka sind, (sieheViquesnel Taf. 22, Fig. 43), 
während der minder höhere Zigos doch eine ausgedehnte Aussicht 
erlaubt. Von der erstem Spitze liegt wohl der ganze südliche Epirus 
bis über den Arta-Meerbusen einestheils, und bis über Janina andern- 
theils, panorama-artig unter den Füßen des Beobachters, aber östlich 
wird die Aussicht durch den Centralrücken des Pindus gehemmt. 
Von Zigos aber kann man das egäische wie das adriatische Meer in 
heiterer Witterung sehen, in den thessalischen Becken etwas hinein- 
sehen und einige Berge des Epirus vor Augen haben. (Siehe 
Turquie Bd. 1, S. 61), so wie auch Edw. Lear's Journal of 
Landscape Painter in Albania, Illyria u. s. w. 2. Aufl. 1852 und 
Xpovoypawia Tr t g rj7T£ipov u. s. w. Athen 1857, 2. Bd.) 

In der thessalischen *) unförmlichen viereckigen Truhe bildet der 
Olymp, als höchster mit wenigem Schnee befleckten Gipfel und aus 
einigen kahlen felsigen Kalkspitzen bestehend, die beste Wartet). Von 



1 ) Siehe ßowen Mouiit Athos, Thessaly und Epirus 1852, Ussing griechische 
Reisen und Studien Kop. 1857, Ausland 1859, S. 411 und 437. 

'-) Siehe Viquesnel Taf. 22, Fig. 45, und Profil 13, Heusey, Le Mont Olympe et 
I'Acarnanie 1860 mit Karten. Ausland 1861, S. 292 Peter mann 's geogr. Mit- 
theilungen 1861, S. 113. 



Beiträge zur Erleichterung- einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 425 

ihm aus beherrscht man nicht nur ganz Thessalien so wie das nörd- 
liche Griechenland bis zum Oeta und Eubea, sondern man hat vor 
sich auch eine ähnliche Karte von dem ganzen südwestlichen Mace- 
donien bis über Castoria, Salonik und den Athosberg in der chalidei- 
schen Halbinsel. Doch wenn das Bistritzathal und die Zuflüsse dazu 
wegen ihrer Tiefe nur als etwas versteckte Rinnen erscheinen, ist 
dieses mit Thessalien nur der Fall für die engen Spalten des schönen 
Tempe (Eckenbrecher, Monatber. Verh. f. Erdkunde Berlin 1848 
N. R. Bd. 5, S. 185) und im Gebirge Agrapha's; alle andere Ge- 
genden liegen wie eine deutliche Landkarte auf. (Siehe Viquesnel 
Taf. 22, Fig. 46.) 

Andere vortreffliche Localitäten zur Aufnahme bilden der 
Kisavo-Berg für Tempe (Viquesnel Taf. 22, Fig. 45), der 
Pelion oder Mavro-Vu no (Me zier es M. sur le Pelion et TOssa 
1853 Ausland 1861, S. 930) für die Seekette, dann die südliche 
oder halb griechische Kette von Hellovo und Gura, so wie die trans- 
versale Anhöhe in der Mitte des tertiären und Alluvial-Beckens östlich 
vom Phersaliti oder vom Sataldscha Potamos für die Niederung , die 
Höhe von Elassona für einen obern Zufluß des Salambi-ia. Weiter 
östlich findet man die Höhe hinter den Meteorenklöstern für das 
Cachiathal (Kriegk über die thessalische Ebene 1858 u. den Meteo- 
renklöstern Zeitschr. f. Erdkunde 1858 N. R. Bd. 4) und die Gebirgs- 
thäler des Agrapha-Gebirges hinter Phanari (siehe Profil 14), endlich 
die höchsten Spitzen dieses letztern, diejenigen des Kratschevo- 
Gebirges bei Milias für die obersten Zuflüsse des Cachia, so wie für 
die Wässer des Milias in Macedonien. 

Wenn auf diese Weise Ingenieure in Thessalien günstige Loca- 
litäten zur Aufnahme und weniger Detailarbeiten finden würden, so 
ist dieses nicht der Fall für das viel complicirte Macedonien, 
dessen nördliche natürliche Grenze durch das Gemisch der Albanesen 
nordwestlich und dasjenige der Bulgaren nordöstlich überschritten 
wird. Als westliche Grenze nehmen wir denPindus, den See Ochrida's, 
den schwarzen Drin oder eigentlich die Korabkette mit ihrer süd- 
lichen Verlängerung, den Schar, den Karadagh, die Kurbetzka Planina, 
den Berg Kuniavo oder besser den Radomir-Kessel und die west- 
lichen Gehege des Rhodopus oder Despotodagh von der steilen Mauer 
der Rilo-Planina oder dem bulgarischen Dupnitza und Djumaa bis 
zu den griechischen Städten von Melenik, Seres, Drama und Cavaja. 

29* 



42(> iiour 

Doch scheint, daß einst der Nestus oder Karasu (slav. Msta) als 
östliche Landmarke galt. 

Auf der Karte gefolgt zeigt diese Grenze, daß Macedonien gegen 
Nordost ziemlich breite Öffnungen hat, welche die ackerhau- und 
industrietreibenden Bulgaren in ihrem Überschwemmungsprocesse, um 
die reichen macedonischen Thäler zu besetzen, benutzt haben, indem 
die Albanesen, ein Viehzucht treibendes Volk, nordwestlich in Mace- 
donien wie im südlichen Bosnien, nur hohe Berge (Schar) oder Weiden 
und bewaldete Gebirge, (Quellen derMorava, die Luma und schwarzen 
Drin-Thäler), besetzt haben. Doch bleibt immer die Frage, ob man von 
Macedonien vielleicht den ganzen obern Theil des Strymon trennen 
sollte, um die Grenze von der Kurbetzka-Planina über dem Gebirgs- 
rücken östlich von Egripalanka nach dem Dovenitza-Gebirge zu den- 
jenigen Theil des Despotodagh zuzuführen, welcher südlich von Dju- 
maa sich erhebt und zu der engen Spalte des Styrmons nur eine gut 
geschlossene Thüre hinzufügt? Auf diese Weise würden sich zu der 
großen ovalen Niederung von Sophia und den kleinern von Ichtiman, 
Samokov und östlich von Dupnitza noch die größern an den Quellen 
des Strymon um Radomir und Kostendil anschließen. Die erstere und 
letztere wären die Niedrigsten, die von Samokov die höchste, die andern 
meistentheils fast von einerlei Höhe. (S. Turquie B. 3, S. 573 *).) 

In der chalideischenHalbinsel bietet die Spitze des Berges 
Athos 2 ) die schönste Gelegenheit, um auf einmal jenes zerstückelte 
Land, so wie einen bedeutenden Theil von den nächsten Gegenden und 
Inseln zu Gesichte zu bekommen. Für den nördlichen Theil dieser Halb- 
insel kann ich die Anhöhen zwischen Lahana und Bahala auf der Straße 
von Salonik nach Seres empfehlen, von wo man aus einen guten Theil 
des Seres-Becken sammt den Takinos-See und Orphanos-Berg Kusch- 
nitza übersieht. Für die Aufnahme der reichen Gefilde, so wie der 
hie und da salpeterhaltige Boden des Doppel-Beckens Seres und 
Drama, genügt die Besteigung des kahlen kalkigen Manikion (siehe 
Profil 15), indem für erstem noch besonders diejenigen der bewal- 



1) Zu vergleichen mit meiner Darstellung in Mem. Soc. de Ge'ographie de Geneve 
1863, Bd. 3, Lief. 2. S. 212. Nach Viquesnel würde die Höhe Samakov's 
größer sein, als ich es angebe. (Siehe seine Karte.) 

3 ) Siehe Fräul. Walker's Reise 1864 Taf. 4, Bowen's Mount Athos, Thessaly a. Epirus 
1842, Chaix ßibl. univ. Geneve 1842, Bd. 41, S. 92. 



Beiträge zur Erleichterung einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 42 i 

deten nördlich gelegenen Sultanitza-Gebirge (siehe Viqu es ne I 
Taf. 22, Fig. 49) vortreffliche Dienste leisten, denn man überblickt 
von da zugleich die Ebene von Seres, das kleine Becken von Melnik 
und Theile vom Strumnitza-Thale, so wie den unteren Rhodopus. Mehr 
verschwommen erscheinen dann aber auf einmal alle diese Gegenden 
vom hohen Perindagh aus. 

Die Gegend von Salonik stellt sich äußerst vorteilhaft für 
die Messung einer trigonometrischen Basis dar, denn von da würde 
man nach mehreren auf hohen Bergen gestellten Pyramiden peilen 
können, wie z. B. 1° nach dem Kortiach und das Kassandra-Vor- 
gebirge in der Chalcis, 2 nach dem thessalischen Olymp, welcher da- 
selbst fast noch majestätischer als zu Larissa in Thessalien auftritt 
(siehe Viquesnel Taf. 22, Fig. 22), 3° nach den westlichen Ge- 
birgen gegen Niausta, 4 nach den nordwestlichen zwischen Vodena 
und Moglena und endlich noch nördlich nach den niedrigem hinter 
Kelketz. 

Zu Vodena genießt man nicht nur die schönen Aussichten von 
Wasserfällen und Vegetations-Üppigkeit in der Nähe *)> sondern man 
beherrscht auch die breite Niederung der Bistritza mit ihren Seen und 
salpeterhaltigen Moorgründen , indem man südlich die Gebirge um 
Niausta und Verria sieht, über welche die Massen des Olymp mit 
seinen Nebenstufen sich im wahren Sinne des Wortes aufthürmen. 
(Siehe Viquesnel Taf. 22, Fig. 28 und Taf. 8, S. ßß der Reise 
des Fräuleins Mary Walkers, through Macedonia to the Albanians 
lakes 1864.) Nördlich von Vodena beschränken hohe, theils bewal- 
dete Gebirge den Gesichtskreis. 

Im Jndje-Karasuerthale wurden mir als gute Aussichten 
und Aufnahmestellen folgende Punkte bekannt, namentlich die Höhen 
südlich von Servia für das Hügelland gegen Kojani, dann besonders 
das hochgelegene Plateau der Stadt Chatista, wo man die ganze 
Detailkarte der zahlreichen Furchen der Becken des Milias, der Pri- 
moritza, der Gramusi und eines Theiles der Bilischta mit ihren zahl- 
reichen Städten und Dörfern vor sich hat. Im Hintergrunde dehnt sich 
der mächtige Pindus theils kahl, theils mit Nadelholz bewaldet aus. 
Im Gegentheil beschränkt der Burenos die Aussicht gegen Osten 
und Südost, wo auch etwas Karstterrain locale Aufnahme nur 



') Cousine ry , Voy. dans laMacedoine 1831 u.G uys, Le Guide de laMaeedoine 1857. 



428 Boue. 

ermöglicht. Weiter nördlich zwischen Drenova und Bogaskoi genießt 
man von den ähnlichen hohen Terrassen am linken Ufer der Bislrilza 
ganz ähnliche Aussichten auf dein breiten Bilischta-ßecken und dein 
Burenos tritt dann ganz nahe östlich auf. 

Zu Casioria auf dem höchsten Theile der Kalk-Halbinsel im 
See, befinde! sieh wieder ein Punkt, welcher sehr vortheilhaft für die 
richtige Mappirung des ganzen türkischen Pindus von Metzovo bis 
über Bilischta, so wie des ihm von Osten nach Westen kreuzenden 
Gebirge des Kratschevo, Volutza und Olymp's ist. Eine schö- 
nere Gebirgs-Aussicht im heitern Wetter kann man kaum genießen 
und wichtige Peilpunkte wie die der Smolika, Desnika u. s. w., gibt es 
daselbst in Menge. Ist der westliche und südliche Horizont damit 
ausgefüllt, so sieht man auf der andern Seite nur die ziemlich steilen 
Berge um den See. (Siehe 1 1 i n e r a i r e s Bd. 1 , S. 276 und V i q u e s n e 1 
Taf. 22, Fig. 44.) 

Im Nordwesten derselben Stadt wäre die Ersteigung der kahlen 
Kalkpyramide des Vitzi (siehe Viquesnel Taf. 22, Fig. 29) 
wohl der Mühe werth, weil man von da wie von Babschiol, am west- 
lichen Flusse des Passes der Neretschka-Planina Blicke in denZuflüssen 
des obern noch wenig bekannten Devol-Beckens werfen kann. 

Für die Niederungen vonKailari und die Gegend von Ostrovo 
stellen sich mehrere Höhepunkte dar, wie gegen Westen die Anhöhe 
von Vlachoklisura, gegen Süden ein Theil des Burenos, nordwestlich 
der kahle Bergpaß von Kirli-Derbend zwischen Albankoi und Bania, 
dann weiter nördlich die Kuppe der Nidje oderGornitschova zwischen 
der Ebene Monastir's und Ostrovo (siehe Grisebach's Beise), u.s.w. 
Möchte man auf der Ebene von Kailari eine Basis messen, so würden 
die meisten Gebirgsrücken und Spitzen in der Rundung in das tri- 
gonometrische Netz leicht eingeschlossen werden können. 

Das prächtige und große Becken der Tscherna-Rieka oder 
K a r a s u , später Vardar-Sarigul, bei M o n a s t i r , wird noch vorteil- 
hafter durch hohe Gebirge von allen Seiten beherrscht, so daß die 
Aufnahme, dieses durch seine hohe Kultur ausgezeichnete Paradies der 
innern Türkei, keine lange Arbeit sein könnte. (Siehe Viquesnel 
Taf. 22, Fig. 30 und 31.) Erstens thront über alle Berge W. S. W. 
von Bitoglia oder Monastir die schlanke Spitze des Perist er i, von 
welcher das Auge eben sowohl über die, die Ebene östlich begrenzten 
mit Laubholz bewaldeten Gebirge als über den Kessel von Resna und 



Beiträge zur Erleichterung einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 429 

Prespa und seine hohe Bergumzäimung sieht. Ich würde seihst 
glauben, daß man einige Bergrücken nordwestlich von Ochri sehen 
könnte, obwohl der Platz des See"s nur durch einen großen leeren 
Raum bezeichnet erscheinen möchte. (Siehe mein Profil 11 und 
Grisebach's Reise 1841.) 

Südlich von Peristeri ist besonders noch eine selbst noch im 
Juli beschneite Kuppe hinter Dragosch, die Sua-Gora, welche 
ähnliche Aussichten wie der erste Berg bieten muß. (Siehe Profil 10.) 
Dann kommt weiter der Pass der Neretschka-Planina (siehe 
Profil 12), von wo aus man auch oben sowohl südwestlich über den 
leeren Raum des Castoria-Sees als östlich nach der Ebene und dem 
Nidge sieht. 

Nördlich der Monastir-Ebene erheben sich auch Gebirge, dann 
nordöstlich ist der Pass zwischen Prilip und Trojak, welche beide 
Übersichten über den nördlichen Theil des Beckens liefern. Vom 
Trojak oder noch besser von der Höhe des kahlen Kalkberges 
Koziak, beherrscht man das Detail des Raetzer- oder Trojak- 
Beckens. Das Babusagebirge am Pass zwischen Keuprili und der 
erstem Ebene würde zugleich theilweise überblickt werden. 

Gehen wir zurück auf Kastoria um von da nach Ochri und am 
Schwarzen Drin zu kommen, so finden wir im Pindus mehrere vor- 
teilhaft stehende Kuppen wie der Grummista u. s. w., dann hinter 
Bilischta muß man von den Bergen beim Ausfluß des obern Devol, die 
Thäler des Beckens des letzteren theilweise übersehen können. 

Für die Go ritz a-Malik er ebene stellt sich die kleine 
Anhöhe hinter jener Stadt, sowie auch das Gebirge östlich von Pojani. 
Besteigt man diesen letztern, so wird man eine Aussicht im soge- 
nannten Drenovo-See und Morast bekommen. Das Becken des 
Ochrida-Sees kann man sowohl vom östlichen als vom westlichen 
einsäumenden Bergrücken übersehen. Wenn der erste einen Blick in 
die Presba-Niederung erlaubt, so muß das andere wenigstens über 
einen Theil des obern Laufes des Scumbi Aufschluß geben, indem 
die Gruka-Päße des Devol wohl kaum sichtbar sein werden, 
obgleich die Höhe der Bagora, oberhalb der Bagoroditza wohl die- 
jenige der östlich am See gelegenen Kette etwas übersteigt. 

Das Res na- und Presba -Becken kann man besonders von 
den zwei Gebirgspäßen übersehen, welche man auf der Straße von 
Monastir nach Ochri überschreiten muß , nämlich von Derbend 



430 Bon 4. 

/.wischen den Quellen des Dragor und die Resna-Niederung und von 
dem etwas langen steinigen Paß Petrina zwischen letztern oder Jan- 
kovetz und der ziemlich geneigten Fläche, welche nach Oehrida führt. 

Nach Fräulein Walker* s Beschreibung erfährt man, daß die- 
ser Paß theilweise bewaldet ist, daß die Nebenrücken aber ziemlich 
nackt und höher als der Paß oben am Ende des Dragorthaies ist. 
(Siehe ihr Werk, Kapitel 10 und die Tafel 12 und mein Profil 11.) 

Eine sehr schöne Aussicht auf den Oehrida -See, die Stadt 
Ochri, die Schwarze Drinspalte und die Gebirge im Norden des Sees, 
genießt man von dem kahlen Rücken, welcher westlich von Struga sich 
erhebt, und welchen man überschreiten muß, wenn man im Becken 
des Scumbi gelangen will. (Siehe Tafel „Via militar. Romanor. Eg- 
natia 1842.") Für eine Übersicht des Sateska-Rieka-Beckens 
wären locale kleine Übersichten zu gewinnen. Über das Thal des 
Schwarzen Drin kann ich nur die Anhöhen längs desselben wie 
bei der Stadt Dibre, sowie die Wasserscheidungskette zwischen die- 
sem Flusse und den Mat; dann besonders gegen Osten, nach Herrn 
Consul Hahn, die Besteigung des Kor ab sowie weiter nördlich 
jene eines Theiles des Jalesch, welcher durch das große Lumathal 
vom letztern westlich getrennt ist, bestens anempfehlen. Alle beide 
letztere weisse Kalkgipfel eignen sich für ein Panorama durch ihre ver- 
einzelte hohe Lage. (S. Profil 9.) Doch muß die Aussicht des Korab 
eher großartiger westlich als östlich wegen anderer Bergrücken sein, 
da ich auf der letztern Seite nur einen ungeheuren langen Rücken, 
aber ohne hervorragende Gebirgspartien, bemerken konnte. (S. Consul 
Hahn 's neue Reise in den ak. Denksch., hist. Classe 1867, Bd. XV.) 

Als mit ihm zu vereinigende Dreieckpuncte kann ich die höch- 
sten Spitzen des Schar mit großem Vortheile vorschlagen, nament- 
lich die höchste Kuppe des Jalesch, die Kobelitza und Ljubeten 
(Ljubatrn-) Pyramiden (siehe Grisebach's Schilderungen und 
Viquesnel Taf. 22, Fig. 24 — 26), welche nördlich die ganze Nie- 
derung der Metoja beherrschen und leicht weiter mit dem Schalleschoß, 
mit einer Spitze westlich von Detschani, mit dem Peklen und Glieb zu 
verbinden wären. (Siehe Profil 7.) Möglich wenigstens für den Lju- 
beten, daß man ihn sowie die Snegpolje mit dem Kopaonik in einem 
großen Dreiecke vereinigen könnte. 

Südlich des Schar liegt das große mit diesem parallel laufende 
Thal von Tetovo, dann weiter südlich ein zweites ähnliches, dann 



Beiträge zur Erleichterung einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 431 

kommen aber eine ziemliche Anzahl von Thälern, welche meistens 
von Südwest nach Nordost laufen. (Siehe Profil 7.) Vom Schar aus 
erscheinen in der Ferne über diesem, sehr wellenförmigen erhabenen 
Terrain, die mit einzelnen Schneeflecken selbst im Sommer gesegne- 
ten Gebirge bei Monastir und selbst diejenigen südlich von Gafa- 
dartzi. Im Südost liegt vor dem Auge ein Theil der macedonischen 
tertiären Vardar- Niederung zwischen Skopia, Istib, Karatova und 
Keuprili. Ihr bulgarisch-serbischer Name scheint wenigstens theil- 
weise das untere Polog zu sein, indem das obere vielleicht den Öst- 
lich hügeligen Theil des Tetovo Districtes bezeichnet, wo der Tzar 
Stephan Duschan einst ein Jagdschloß besaß. 

Westlich von Vardar kann ich noch vier andere Punkte 
für eine Aufnahme empfehlen, namentlich 1. die Höhen zwischen 
Slivova und Brdjan, um einige obere Zuflüsse der Dreska oder Treska 
bei Kritschovo kennen zu lernen; 2. die ausgedehnte Aussicht ober 
Zajas aus, auch ein Zufluß desselben langen Flusses. Vom letztern 
Punkte beherrscht man nordöstlich und östlich eine Reihe der eben 
erwähnten von Südwest nach Nordost tief eingeschnittenen Thäler, 
wie das derVelika-Treska oder des Poretsch-Districts u. s. w. (Siehe 
Consul Hahn 's Karte, akad. Denkschrift, hist. Cl. 1861, Bd. 11 und 
Dr. BartlTs letzte Reise, Zeitschr. f. Erdk. 1867 mit Karte); 3. die 
Höhen hinter Keuprili für das Vardarthal; 4. ein oder der andere 
Berg südlich von Gafadartzi, für die Aussicht auf Süd und Norden, so 
wie auch bei dem Eisernen Thore, den Demirkapu des Türken, an 
der Stelle des engen Vardar-Passes zwischen Negotin und Gradetsch, 
namentlich demHassantepe oder Vi tatsch. (Siehe Bar th's Karte, 
Zeitschr. f. Erdk. 1863 N. R., Bd. 15 und Hahirs letzte Reise in 
den akad. Denkschr. 1867, Bd. XV., so wie Heusey Voy. dans la 
Macedonie, le Vardar et la Tscherna-Rieka en 1862.) 

Ö s 1 1 i c h v o n V a r d a r bekommt man Aussichten über das obere 
Strumnitzathal vomRadovitscher-Gebirge; auch sind südlich Anhöhen 
wie der Veletz und die bei Doiran, welche wohl auch Peilungssta- 
tionen geben würden. Dr. Barth hat noch südlicher ein Tschen- 
geldagh; ferner fand ich eine schöne Rundaussicht auf dem Schloß- 
hügel von Istib; gegen Norden wird die Aussicht auf der großen 
Mustapha-Ovasi-Eben.e durch das Karadagh-Gebirge und seine Fort- 
setzung nach Osten begrenzt, indem man östlich ein bedeutendes Stück 
der Braonista- und Brigalnitza- Thäler übersieht, welches letztere 



1 ;> 2 i» o » «'. 

Wasser, seinem obersten Laufe nach ans den Gebirgen ungefähr 
von Süd nach Nord, fließt. (Siehe Barth.) Bei Skopia oder Uskub 
genießt man ähnliche Aussichten auf den nördlichen Theil der Nie- 
derung, wenn man vom Engpaß des Lepenatz heraustritt oder auf den 
K a r I s c h i a k a steigt, von wo besonders deutlich die Vereinigung der 
Dreska oder Velika mit dem Vardar zu sehen ist. 

Auch von dem Kloster bei L es novo, südwestlich von Karatova 
bat man eine ausgedehnte Aussicht auf die Thäler des Sletovska- 
Rieka und obere Bregalnitza, so wie auf das bewaldete Pla- 
schkavitza- Gebirge, welches sich über den Smajlitza zum 
Perin-Dagh im Rhodopus hinzieht. Von den Anhöhen von Karatova 
übersieht man den obern Theil des Braonistathales und in den Paß, 
von da nach dem Egridere könnte man auch einen Theil des Laufes 
des Egridere-Su oder die Kriva-Rieka leicht aufnehmen. 

Südlich von Egripalanka sind kleine Plateau's, von welchen 
aus man nicht nur südlich weitere Gebirge und nördlich das Kriva- 
Riekathal überschaut, sondern auch über letzteres das nur theilweise 
bewaldete Gebirge südlich und südöstlich von der bulgarischen Mo- 
rava vor sich liegen sieht, indem zwischen diesen niedrigen Rücken 
und der engen Spalte der Kriva-Rieka eine breite bewohnte und etwas 
geneigte Corniche besteht; das schönste Stück dieser Aussicht ist 
aber im Nordosten die, ganz oben mit felsigen Rücken und schönen 
Graslehnen bedeckte Kurbetzka-Planina. (Siehe Profil 20.) Von 
dieser hohen Warthe aus ist kein Zweifel, daß man eben sowohl die 
südich gelegene Dovanitza-Planina als nördlich das Snegpolje-Gebirge 
und gewisse Theile Ober-Dardanien's sehen kann. 

Die Dovanitza-Planina, so wie die untern Stufen der Kur- 
betzka-Plania und ihre Verbindungsrücken mit dem Kuniavo hat man 
Gelegenheit von dem Passes östlich von Egri-Palanka zu beobachten, 
indem man dazwischen das kleine Becken der Bistritza bemerkt. 

Bei Giustendil bieten die Anhöhen südlich Gebirgs- Aus- 
sichten, die Besteigung aber des nördlich gelegenen Kuniavo- 
Rücken (siehe Profil 16 und Viquesnel Taf. 22, Fig. 47) entdeckt 
uns die Lage mancher Berge gegen den obern Zufluß der Sukava, 
dann die Größe des obern Strimon-Becken zu Radomir, einen Theil 
des Bistritza-Beckens, und die Gestalt des kleinen Becken von Giu- 
stendil; gegen Südost thront noch darüber die mächtige Mauer und 
die bewaldeten Abhänge des Rilodagh und gegen Osten der massige 



Beiträge zur Erleichterung- einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 433 

isolirte Berg des Vitosch. (Siehe Fig. 18 und Viquesnel Taf. 22, 
Fig. 47 und 48.) Um noch weitere Details im ganz entwaldeten 
Radomir-Becken zu studiren, stellen sich kleine niedrige Päße, der 
eine zwischen Popovdol und Jedno und zwischen Dupnitza und einem 
Punkt südlich von Ahek. Man sieht wie viele Vortheile sich hier für 
eine Triangulirung darbieten, da so viele gut gelegene Punkte für die 
Errichtung von Pyramiden oder Hauptsignale vorhanden sind. 

Doch diese Vortheile erhöhen sich noch, wenn man weiß, daß 
die Spitze des Vitosch, westlich von Sophia, eines der großartigsten 
Panorama der Türkei liefert, denn die Aussicht ist da nach allen 
Seiten frei; und was sieht man? Im Süden die steile Rilo-Planina mit 
ihrem kleinen Plateau und einen ganzen nördlichen Streifen desRhodop- 
Gebirges hinter Samokov und Bania bis nach Thracien; im Osten, 
über der großen Sophia-Niederung, den hohen Ralkan sammt seiner 
nördlichen gegen Nordwest laufenden Abzweigung; im Norden, die 
Gebirge mit engen Thalern und einigen spitzen Bergen der Sukava- 
Nischava-Gegenden u. s. w. ; gegen Westen die Neboititza und Kur- 
betzka-Planina , die Dovanitza u. s. w. sammt ihren verschiedenen 
Thälern und Becken! (Siehe Profil 18.) 

Um aber letztere Theile dieses Bildes, besonders die Thäler 
zwischen Trn, Berkovatz und Scharkoe (Pirot) durchsehen 
zu können, muß man von Radomir aus nur auf die untern nordwest- 
lichen Stufen des Vitosch steigen, wo kein Wald einem das Bild ver- 
dirbt. Von da aus sieht man besonders ein halb Dutzend tiefe Thäler 
parallel von SO. nach NW. laufen. (S. Viquesnel Taf. 22, Fig. 40.) 
Endlich wären noch für das übrige macedonische Berg -Terrain 
nächst dem Rhodopus und die enge Spalte des Strymon einige Ge- 
birgsrücken zu empfehlen, wie die westlich von Razluk, der Kre- 
scbna-Paß, der Perindagh in der sogenannten Zagorie, so 
wie das Gebirge Sultanitza. 

Im Despotodagh (siehe Viquesnel Taf. 22, Fig. 41 u. 42) 
befinden sich viele günstige Punkte zu einer Aufnahme, wie z. B. auf 
dem Rilo-Gebirge, wo man den Vitosch und den westlichen Theil des 
hohen Balkans, so wie die kleinen Berge und Kessel dazwischen sieht, 
über welche hin das Auge bis nach dem obern Theile der Maritza 
schweift. Am nördlichen Fuße der Wand liegt das tiefe Djerman oder 
Tzarina-Thal bei Dupnitza (Dubnitza). Südlich vonPhilippopoli 
überblickt man zu gleicher Zeit manche Gebirge des Rhodopus, so wie 



den großen Balkan mit seinen südlichen Abstufungen. (Siehe 
Viquesnel Taf. 22, Fig. 37, Kind, Stanimak und Phillipo- 
polis Zeitsehr. f. Erdk. 1860 N. T., Bd. 8 und 1801 Bd. 10.) 
Weiter südlich sind die hohen Bücken von Kora-Kolaz, Per senk 
und Tschepelli, ehe man das Ardalhal erreicht, dann an ihren 
Quellen der hohe Kr utschova, Tschegla, Madendagh. Wenn 
man von da das zusammengesetzte Becken der Arda und Deridere- 
Siutla gut übersieht, so findet man auch Aufschluß über den west- 
lichen Theil des Bhodopus von (\ei\ Höhen des Demir-Kapu, des 
Tschadir-Tepe, des bewaldeten Dospot-Jailasi, der drei 
Karlik *) und für das lange so interessante Karasuthal mit den großen 
Kiz-Derbent oder der canalförmigen Spalte der Jungfrau, stellen sich 
mehrere Bergspitzen dar, wie die um Bazluk, der Jel-Tepe, der Pe- 
r i n d a g h (siehe Viquesnel Taf. 22, Fig. 49 und 50), der B o z d a g h 
u. s. w. Für den östlichen Theil des Bhodopus oder seiner Ausläufer 
finden wir den Aighir-Ulukberg, den Aladagh, den All a h- 
Bair, denKodja-Haila, denTschilo und Tschatal-Kaia, den 
Frenk-Bunar u. s. w. (Siehe ViquesneTs meisterhafte Karte 
von Bhodopus und Thracien.) 

Am egäischen M e e r u f e r in der sogenannten M o r r h a 
werden die oft bewaldeten Berge des Innern des Despotodagh durch 
meistens kahle ersetzt, welche eine Beihe von schönen Aussichten 
darbieten, wie z. B. von PiJaf-Tepe bei Cavaja oder die Gebirge 
weiter östlich; (siehe Fräul. Walker's Zeichnung Taf. 1.) dann 
der Tschal-Tepe (siehe Viquesnel Taf. 22, Fig. 62), derBerg 
Karlik und Mukale. Von letztern übersieht man das Gumardjina- 
Becken, so wie den untern Lauf der Maritza, indem vom Tschai Tepe 
oder dem Gebirge östlich von Drama man den durch den Nestus 
(bulg. Msta oder Karasu) bewässerten sogenannten untern District 
Namens Smoleny, unter den Füßen hat. Daneben ist westlich die 
sogenannte Bersicia. 

In Süd-Thracien fand ich weite Gesichtskreise südlich von 
Bodosto, bei Fered, unfern Keschan, auf den Tekirdagh, u. s. w. 
Die in das Meer sich hinziehenden Erdzüge, so wie die andern 



*) Im Despotodagh hat Viquesnel drei Berge Karlik bei Gumurdjina, am obern 
Üomus-Dere und am obern Kare-Dere auch eine Quelle der Arda; ist letzteres 
Zufall oder türkische Betrügerei? 



Beiträge zur Erleichterung' einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 435 

Terraindetails dieses Theiles von Thracien liegen einem vor Augen. 
(S. Masqueles Itineraire de Gallipoli a Andrinople 1857, Taf. 9). 

Bei Constantinopel bieten die Spitze des Riesen-Berges 
gegenüber von Buyukdere, so wie die Anhöhen auf beiden Seiten 
des Bosphorus das vollständige Bild dieses schönen Tableau's. 
Eine schöne Aussicht mehr nach dem Marmora-Meere und Asien bis 
zum Olymp bei Brusa und dem Ida, genießt man von der Anhöhe hinter 
Tschorlu oder von der östlich von Buyuk-Tschekmedsche, wo man 
auch Stambul sieht. 

In dem sogenannten Strandscha-Balkan oder im kleinen 
Gebirge längs dem Schwarzen Meere (siehe Viquesnel Taf. 22, 
Fig. 39) sind wohl einzeln stehende Berge, wie die Höhen von 
Belgrad, südlich von Derkos, der Kuchkain-Tepessi, der Kara- 
Tepe nordwestlich von Sarai, das Gebirge hinter Viza, der Gieuk- 
Tepe, die Höhen zwischen Petschiomale und Umur-Fakhi, diejenigen 
zwischen Karabunar und Rusukastro und südlich von Kitschalik u. s. w. 
Von den Plateaus der letzteren drei erschien mir aber die Aus- 
sicht nicht ausgedehnt zu sein. Besonders gibt keine über das 
ganze langgezogene Gebirge Aufschluß. 

Sehr schön planmäßig nahm sich das tertiäre Becken Adria- 
nopel's, von den Anhöhen zwischen Herakli und Kirklisse, aus. Die 
Adrianopler-Ebene gäbe eine schöne Basis. (Siehe Profil 17.) 

Nördlicher bei Aldos sind kahle Berge der Fernsicht günstig, 
und erblickt man von da aus zu gleicher Zeit etwas von dem nördlichen 
Strandscha-Balkan's niedrigen Plateau. Ein sehr schöner Punkt ist bei 
Islivne oder Slivno, der felsige Tschataldagh. Das ganze östliche 
Thracien liegt einem zu Füßen, so daß dieser isolirte Porphyrberg 
für eine Visirpyramide, wie geschaffen ist. Leider ist er aber nörd- 
lich in seiner nächsten Nähe von den hohen Balkanrücken beherrscht. 

Auch fand ich zwischen Islivne (bulg. Sliven) und Jeni- 
Sagra (bulg. Novi-Zagora) in der Ebene kleine isolirte Kalk- oder 
Trachytberge , welche bedeutende Aussichten über das flache Land, 
so wie auch über die Untere- oder Neben-Balkankette, den B a i r d a g h, 
südlich von des obern Tondjalaufes, darbieten. Ahnliches bemerkt 
man von der niedrigen Anhöhe von Kirmeni, von wo man auch über 
Janboli in das Tondjathal hinunter sieht. 

Nördlich von Eski-Sagra (bulg. Stara-Zagora, Zagaria 
und jetzt Zeleznik), liegt zwischen dieser reichen Stadt und 



4tU) R o uo. 

die ähnliche von Kezanlik, ein kleines Kalkgebirge, ein Tlieil der so- 
genannten Sredna-Gora, dessen kahler Rücken zu einer Pyramide 
benutzt werden sollte, denn von da ans schweift das Auge gegen den 
Balkan, so wie südlich bis gegen Harmanli (Hermanlije) und dem 
Maritzathale , indem südwestlich sich ein kleines Schiefergebirge 
zwischen Eski-Sagra und Tschirpan an der Sredna-Gora sich anlehnt. 
.Die granitische Anhöhe westlich von Harmanli, so wie das 
Weiden-Plateau zwischen Dimotika und Boghaz, so wie der Schloß- 
berg bei ersterer Stadt, sind andere mir bekannte Höhenpunkte, von 
wo aus man Theile des centralen Thraciens sehr gut übersehen kann. 

Im obern Becken der Maritza geben die Abhänge des 
Rhodopus und einige Hügel gegen den hohen Balkan Aussichtsstand- 
punkte in Überfluß. Andere Gebirge um dem Kaloferpaß, wie der 
Karadja-Dagh u. s. w. (siehe Barth's erste Reise), der hohe 
Kaloferski-Vr geben Aufschluß über die hügelichte Gegend 
zwischen Filibe (bulg. Plovdiv) und Kalofer, so wie über die Nie- 
derung von Tschipka-Kezanlik. Doch noch viel ausgedehnter ist die 
Aussicht vom Tschipka-Bal kan (siehe Viquesnel Taf. 22, 
Fig. 53 und 59), wo man wie in einem Trichter im Tschipka-Becken 
herunterguckt und das schöne Tulovo-Polje mit dem Rosengarten 
hei Kezanlik überblickt und zugleich die ganze südliche bewaldete 
Nebenkette des Balkans, wie einen Theil Thraciens übersieht. 

Eigene kleine locale Aufnahmen würden eben sowohl für das 
kleine Becken von Ichtiman und das Hasmandererthal, als für das- 
jenige des kleinen Passes der Jungfrau (Kutschuk-Kiz-Derbent, 
bulg. Momina-Klisura), sowie für Bania erforderlich sein. Der 
letzte lange Canal konnte von den höhern südlich gelegenen Bergen 
selbst nur stückweise wegen seiner Enge und Tiefe abgezeichnet 
werden und die Anhöhen von da nach Ichtiman, obgleich wenig 
bewaldet, steigen zu allmälig um von da aus eine Übersicht gewinnen 
zu können. 

Um Bulgarien so wie Thracien übersehen zu können, würde 
man, nach der Karte, gewiß glauben, dem Balkan (siehe Viquesnel 
Taf. 22, Fig. 51 — 60 und mein allgemeines Profil 19) den Vorzug 
geben zu müssen, doch dieses wäre ein Irrthum. Im östlichen oder 
kleinen Balkan (bulg. Malka-Planina) namentlich, hat der Central- 
rücken nicht genug Höhe um üher die nächsten Rücken einen Blick 
zu erlauben. Darum sind die Aussichten daselbst immer beschränkt, 



Beiträge zur Erleichterung- einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 437 

wie z. B. die in den beiden Kamtschik oder bulg. Titsehathälern. 
Ob der Paß von Kotlenski-Prohod zwischen Karnabat und Kotel 
und der von Dobralski-Prohod zwischen Dobral, Karnabat und 
Schumla bessere Gelegenheiten zu Aussichten geben, möchte ich 
kaum glauben. In hohem Balkan N. N. 0. von Islivne hindert 
südlich der Tschataldagh die Aussicht und nördlich dehnt sie sich 
nur über die nähern Rücken, so wie über die obern Zuflüsse der 
Kamtschik oder bulg. Titscha aus. 

Bei dem Passe Namens Demirkapu möchte wohl dasselbe 
Verhäitniß sich einstellen *) ; auf der nördlichen Seite des Tschipka- 
Balkans sieht man nur einen kleinen Theil der untern bewaldeten 
Thäler des Jantra-Beckens. Westlicher aber gibt es in der Stara- 
oder Velika-Planina runde freie Kuppen an den Quellen der 
Osma (bulg. Osam), wie an den westlichen Zuflüssen der Jantra, wo 
weitere Aussichten auf beiden Seiten zu finden wären. (Lejeairs 
Reise von Sistov nach Filibe über den Balkan. Bull Soc. Geogr. P- 
1858 4 R. B. 15, S. 99—116 sammt Karte.) Der höchste Balkan 
oder die Stara-Planina der Bulgaren an den Zuflüssen des Vid, 
dürfte, nachdem was ich von diesen Fels- und Weidenrücken von 
Vikrar aus sah, in demselben Falle sein. (Siehe Viquesnel 
Taf. 22, Fig. 51 und 52.) 

Eine andere Hauptlinie für Aussichten oder Peilungen, sowohl 
auf den Balkan als auf das untere Bulgarien bilden, die Bergrücken 
der niedrigen Nebenkette (siehe Viquesnel Taf. 22, Fig. 35) 
von dem Schumlaer Plateau an über Trnova, Lovatz und Vratza. Die 
mir bekanntesten Plätze wären um Schumla, zwischen Buratlare und 
Veteschlar, so wie nördlich von Rasgrad, dann zu Eski-Djumaa, zu 
Karascholi, bei Osmanbazar, südlich von Tschatak auf der Straße 
nach Kasan, auf dem Hügel von Trnova und jenem nördlich von Selvi, 
ferner auf den Anhöhen von Lovatz oder Lovtscha, so wie von jenen 
von Isvor zwischen dem Vid und Lovatz, endlich von dem Hügel südlich 
von Plevna und Sistov u. s. w. Alle diese Punkte gewähren Aussichten 



*) Siehe Macintosh Military Journey through european Turkey u. s.w. 1855 Chart, 
General Jochmus über die Balkan-Pässe (J. geogr. Soc. d. 1854, Bd. 24, S. 36 
bis 85 sammt Karte). Auch zu vergleichen Major K eppel's : Narrative of a Journey 
across the Balkan in 1829/30. L. 1831 2 Bd., 8 mit Karte und Tafeln, Seetzen 
Balkan von Paravadi zu Aidos (Ausland 1859 , S. 977) Allard la Bulgarie Orientale 
1861. 



4**8 Hone. 

vorzuglich auf die nächsten Höhen und Thäler. Nördlich von Schumla 
sieht man nach Varna , von den Schumlaer Höhen (siehe Viquesnel 
Taf. %%, Fig. 86) im Kamtschiker- (bulg. Titscha-) Thale, bei Eski- 
Djumaa und Osmanbazar nach Norden und Süden; südlich vonTschatak 
ist die Aussicht nur nördlich ziemlich ausgedehnt. Dasselbe findet 
beiTrnova statt, wo man doch auch den Balkan schon bemerkt. Zu Selvi 
sieht man den hohen Balkan und das Thal der Jantra sehr gut (siehe 
Ritt er 's Reisebericht, Monatsber. Berl. geogr. Ges. f. Erdk.). Von 
Lovatz und hinter Plevna gibt es ausgedehnte Aussichten gegen 
Norden. Zu Isvor beherrscht man besonders einen bedeutenden Theil 
des Balkans sammt der sehr bewaldeten Niederung zwischen dieser 
Kette und ihre nördliche niedrige Nebenkette. Diese Gegend erinnerte 
mich im Kleinen an die ungeheuren Nadel- und Buchenwälder Bos- 
niens nördlich von der Drina bei Goreschda und Fotscha. 

Im Etropol Bai kan ist es schwer Fernansichten zu finden, 
weil die bewaldete Kette durch ihre nordöstlichen und südwest- 
lichen Ausläufer solche fast ausschließt, den Paß kann man höch- 
stens für die Aufnahme des obern Zuflusses des kleinen Isker brau- 
chen. Nördlich von Etropol bietet ein Hügel die Aussicht auf die 
nordöstlichen Theile dieser Gebirge, dessen Besteigung auch ziem- 
lich weite Aussichten gegen Norden verschaffen müßte. Zu Komartzi 
könnte man eine kleine Basis messen und einige untergeordnete 
Höhen darnach aufzeichnen. Den Lauf des großen Isker kann man 
von den Anhöhen nordöstlich von Vikrar beobachten. Von dem Ge- 
birge bei diesem Orte bekommt man auch einen Anblick des Landes 
bis gegen den Vid zu. 

Zwischen Sophia und Piro t sollte man den östlich gele- 
genen Bergrücken besteigen, um die Thäler von beiden Seiten kennen 
zu lernen, indem die Ebene von Sophia für eine großartige Basis 
wie geschaffen ist, von wo aus man dann die Lage vieler Bergspitzen, 
besonders gegen Osten bestimmen könnte. Kein Punkt im Innern 
der Türkei würde sich mehr für eine gut gelegene und ziemlich 
sichere Hauptstadt eignen als eben dieser; so lesen wir auch, daß 
Kaiser Constantin einen Augenblick diese Ebene für die Residenz 
seines Ostreiches ausersehen hatte. Später als die barbarischen asia- 
tischen Horden das illyrische Dreieck überschwemmten, haben diese 
wieder eine geraume Zeit hier und bei Tatarbazardschik ihr Haupt- 
quartier für bestimmt aufgesehlagen; eine Thatsache, welche durch 



Beiträge zur Erleichterung- einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 439 

die zahlreiche Sammlung von sogenannter Hünen- Tum uli bewiesen 
wird. (Siehe Turquis Bd. 2, S. 350.) Später war Sophia lange 
Zeit der Sitz des Rumeli-Valessi's oder Gouverneur' s des Innern der 
europäischen Türkei. Nur in diesem Jahrhunderte, nach den Unruhen 
der Krdschalis und als die Hauptmacht der asiatischen Türken schon 
gebrochen war, kam dieser wichtige Posten nach Toli-Monastir, wegen 
der Nähe dieser Stadt von den unruhigen und für die Erhaltung der 
Türkei, unter muselmännischem Joche, so wichtig damals schon ge- 
wordenen Albanesen. 

In Bulgarien zwischen der Donau und derNischava 
hat mir freundschaftlichst Herr Kanitz zur Errichtung für Aufnahme- 
Pyramiden oder Hauptsignale folgende Punkte empfohlen, für welche 
Angaben ich ihm desto mehr verbunden bin, als dieses Terrain den 
Kartographen fast gänzlich unbekannt geblieben ist. 

1. Der Hügel des Dorfes Rabis sammt Kloster am Arzer, wo 
man eine große Aussicht auf das Donauthal und auf die walachische 
Ebene, so wie auf die Gebirge der serbisch-bulgarischen Grenze 
genießt. 

2. Die Kuppe der Ivanova-Livada, beiläufig 3500 Fuß 
Höhe als letzter serbischer Grenzberg, wo das Terrain nach Osten und 
Westen einem weit und breit vor Augen liegt. 

3. Der Sveti-Nikola-Bergpaß, ungefähr östlich von 
Mustapha-Pascha-Palanka , wo sich ein wahres Panorama entrollt, in- 
dem man nördlich den Rtagn, nordwestlich die Suva-Planina bei Nisch, 
weiter westlich den Kopaonik, südwestlich die Gebirge nördlich von 
Trn und östlich Bulgarien von Timok zum Lom, so wie die walachi- 
sche Ebene übersehen kann. Doch möglich, daß die den Paß süd- 
lich beherrschende Spitze des Hodja-Balkan einen noch weitern 
Sichtkreis eröffnen würde. 

4. Dem Karaul-Isvor der noch näher von Mustapha-Pascha- 
Palanka ist, und von wo aus man die ganze Kette des Hodja-Balkan 
oder Stara-Planina gegen Osten überblicken kann. 

5. Endlich die Felsenspitzen der alten römisch-türkischen Veste 
Belgradschik an der Stankovatschka-Rieka und bei Oresche 
5 Stunden von Widdin. 

Die Thäler dieses Theiles von Bulgarien bahnen sich alle ihren 
Weg durch die Berge gegen Osten oder Nordosten und scheinen 
demnach nicht an dem Längenthalersystem von N. W. nach S. 0., 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Abth. 30 



440 B O ll ,'. 

«reiches mehr südlich von Scharkoe oder Pirot bis nach dem Sophia- 
Beeken herrscht. Theil zu nehmen. (Siehe Kanitz's Reisebericht 
Ak. Denksehr. hist. Cl. 1867 und H. Wachenhusen von Widdin 
nach Stambul N. Conversat. und Reise Riblioth. W. 1855, Nr. 4.) 

Jetzt bleibt mir nur noch vorbehalten, über das eigentliche Dar- 
danien ein Ähnliches anzugeben. Ich nenne namentlich so den Theil 
Ober-Mösiens zwischen der canalartigen Hauptstraße von Nisch zu 
Sophia, bis zur serbischen und macedonischen Grenze sammt der 
Niederung der Metoja zwischen den Gebirgen des Schar, des Glieb 
und Peklen; kein Zweifel, daß fast das ganze Land, westlich von der 
bulgarischen Morava einmal zu Serbien gehörte und mit Recht auch 
Alt- Serbien heißt. Jetzt hausen leider viele Amanten, sowohl 
mahomedanische als katholische, in diesem Erdwinkel. (Siehe Soc. 
de Geographie de Geneve 186S, Bd. 3.) 

Zwischen der Nischava und der bulgarischen Morava 
sind die, mit Pyramiden wahrscheinlich zu besetzenden Bergrücken 
namentlich folgende: 1. Südöstlich, südlich und südwestlich von 
Nisch die Suva-Planina, des Hrn. von Kanitz, meine Stara-Planina 
(Turquie Bd. 1, S. 148); 2. die Badits chka - Gora, eine 
Schieferkette westlich der vorigen Kalkkette; 3. das Gebirge west- 
lich von Mustapha - Pascha - Palanka ; 4. die Bei ava-Planina 
nördlich von Pirot: 5. die Schirena- und Schiroka-Planina 
und besonders die hohen kahlen Kuppen des Snegpolje; 6. die 
Gebirge derSukava; 7. die Gebirge an den Quellen der Neb oi- 
titza südlich von Klisura und 8. die Klisurska -Planina. 

Von der Suva-Planina aus hat man die Aussicht in die unteren 
Theile der Nischava-, Topolnitza- und Kutinska-Riekathäler und auf 
die nächsten Gebirge, welche man beherrscht. Von der etwas niedrigen 
Baditschka-Gora verfolgt man den Lauf der bulgarischen Morava, 
den Ausgang des Vlasina-Thales und übersieht einen bedeutenden Theil 
der kleinen gebirgigen Gegend mit manchen Thal er n zwischen der 
bulgarischen Morava und der Kossover Ebene. 

Von der Umgegend der Stadt Mustapha-Pascha-Palanka übersieht 
man ihre Ebene oder das Luschnitza-Thal und die Gebirge längs 
der Nischava. Von der Belava- Planina bekommt man die Aussicht 
nach dieser letztern, so wie nach dem Tzernokliski-Thale zu. Von 
der Snegpolje überblickt man auf einmal die ganze Structur der 
nächsten mächtigen und zahlreichen Gebirge, unter welchen die 



Beiträge zur Erleichterung einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 441 

Schiroka und Schirena-Planina die nächsten sind. Doch sieht man 
über diese noch die Gebirge der Sukava mit ihren tiefen Thälern 
(siehe Profil 8) und selbst noch in der Ferne den Vitosch, so wie 
näher südlich das Quellengebiet, südlich von Klisura und die Kur- 
betzka-Planina, endlich kommen noch östlich Theile des obern Laufes 
der bulgarischen Morava und das Hügel- und Bergland westlich vom 
letztern. Von einem Östlichen Ausläufer des Snegpolje oder besser, 
an einem Orte des kleinen wenig breiten Plateaus östlich, gewahrte 
ich plötzlich im Mai gegen Osten zu eine große in Schnee gehüllte 
Kuppe, welche man mir nicht nennen konnte. Jetzt denke ich, daß 
es möglich das von Kanitz entdeckte Sveti-Nikolagebirge gewesen 
sein könnte, denn für den Vitosch war mir die Kuppe zu abgerundet 
und für den großen Balkan zu nahe. 

Die von mir nicht bestiegenen Gebirge an dem mittlem Laufe 
der Sukava müssen einen gänzlichen Aufschluß nicht nur über jenes 
Wasser, sondern auch über ihre Zuflüsse geben. Es sind daselbst 
eine große Anzahl von tief geschlängelten und theilweise spärlich 
bewohnten Thälern zwischen waldigen Bergen, welche wohl Detail- 
Aufnahmen erfordern werden. Kleine Aussichten gewähren die Um- 
gebungen von Trn, Grlo und Brsnik, wo man dann diese verschie- 
denen Niederungen gut kennen lernt und mit dem Strymon-Thale in 
Verbindung bringt. 

Die Gebirge an den zahlreichen Quellen des Gomela-Voda 
oder Neb oititza, müssen als östliche Nachbarn der Kurbetska- 
Planina ähnliche Ansichten wie letztere liefern, namentlich wird man 
von da aus nicht nur die Dovanitza, den Vitosch und Rilodagh , son- 
dern auch die Berge und Thäler bei Egri-Palanka, so wie den Kessel 
der Bistritza, die großen Niederungen von Radomir und das Thal der 
Tzarina oder von Dupnitza-Djumaa, sehen, indem man nördlich den 
Snegpolje, und seine nächsten Gebirge vor Augen haben muß. 

Längs dem obersten Laufe der bulgarischen Morava 
gibt es manche niedrige Hügel südlich wie nördlich, welche zur Auf- 
nahme benutzt werden können. Die Anhöhen hinter Vranja schienen 
mir besonders dazu geeignet(Kristilovatza- und Platschevitza- 
Planina). 

Um das gebirgige Terrain zwischen dem Sitnitza- undLepenatzer- 
Becken und der bulgarischen Morava zu übersehen, scheinen nach 
der Karte Hahn's (akad. Denkschr. hist. Classe 1861, Bd. 11) fol- 

30* 



442 Bon e. 

gende Punkte vorzüglich geeignet zu sein, namentlich der last im Cen- 
irnni stehende hohe Berg Mrkoit zwischen den Thälern der Medvedja 
und Veternitza oder zwischen derGolak- und Guribaba-Planina, 
dann diese beiden letztern Gebirge, der Veliglava-Rücken zwi- 
schen der Kriva und der Medvedja, vielleicht die Poljanika- und 
kukaviea-Planina an den Quellen der Veternika, westlich von 
Leskovatz die Vutschanska-Planina, die Petrova- und Ra- 
danka-Berge zwischen dem Bache Pusta und die südlichen Zu- 
flüsse der Toplitza u. s. w. 

Für die Aufnahme der Toplitza kann man die Gegend von 
Kurschumlie (den Vidovska-Berg), dann vorzüglich die Anhöhen 
nördlich von Prokoplje oder Prokup anempfehlen. (Siehe Spencer's 
Travels in european Turkey 1851.) Von den Höhen westlich von 
Leskovatz sieht man mehrere Zuflüsse der Morava, vorzüglich die 
Veternika, Jablanitza, Vlasina u. s. w. Auch von dem spitzigen Hügel 
von Kurvingrad an der Morava übersieht man ihre Ufer und ihren 
Zusammenfluß mit der Toplitza, im Districte Dobritsch. Von den 
kleinen Anhöhen nördlich von Nisch überblickt man die nächste Um- 
gebung. Die Baditschka-Gora und das Gebirge südöstlich von Le- 
skovatz gewähren vollständige Aussichten auf den Morava-Lauf, auf 
ihren Zufluß, die Vlasina, so wie auch auf die Gebirge der Arnauten. 

Gegen Westen versicherte ich mich auch, daß das alte Novo- 
Brdo durch seine hohe Lage und am Rande eines steilen Gebirges 
eine sehr günstige Aufnahmestation sei, namentlich für die theil- 
weise durch serbische Auswanderung verwilderte westlich gelegene 
Gegend und die zahlreichen kleinen Thäler zwischen Gujlan 
und Pristina. Bei letzterer Stadt sind die Anhöhen östlich und 
südlich zu wenig hoch, um weitere Aussichten zu erlauben und auf 
den nördlichen sieht man das Amseler Feld und das Sitnitza-Becken. 

Für das Sitnitza- undLab-Becken stellt sich am vortheil- 
haftesten die isolirte kahle kleine Kuppe des Golesch südwestlich 
von Lapuschnik an den Quellen des Dmitza. (S. Profil 8 u. V i q u e s n e 1 
Taf. 22, Fig. 32.) Von dieser übersieht man zu gleicher Zeit nicht 
nur die Metoja, sondern auch das Drnitza - Thal sammt deren kleinen 
Rücken, östlich und westlich (Komoran) als Scheidewände zwischen 
Metoja und dem Sitnitza-Becken. Der obere Theil des Lab fordert 
die Besteigung des Fusses des Ljubatrn und der Eingang des Lab- 
defile's wird von Katschanik gut beobachtet. Das kleine bewaldete 



Beiträge zur Erleichterung einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 443 

niedrige Plateau zwischen der Sitnitza-Niederung und den Quellen 
der Lepenatz, gewähren nur eine Aussicht auf die ersteren. Für die 
östlichen Zuflüsse der Sitnitza stehen meistens nur niedrige Berge zu 
Dienste. Im Becken der Sitnitza muß man sich durch die Anhöhen 
südsüdwestlich von Mitrovitza, so wie mit denen Östlich zwischen 
Vuschitrn und Mitrovitza helfen. Die hohe Spitze des alten Zve- 
tschan-Schlosses, nördlich von Mitrovitza, gewährt eine ziemlich be- 
deutende Aussicht auf die daselbst fast rechtwinklige gebogene Rinne 
des Ibar, so wie auf die tertiären und trachytischen nächsten Berge 
und mit Weingärten oder Waldungen besetzten Berglehnen. (Siehe 
Viquesnel Taf. 22, Fig. 33.) 

In der Metoja kann man aber leicht geodätische Dreiecke 
bekommen, wenn man den Kobelitza oder selbst nur das hochgelegene 
Prisrener-Schloß mit einer Spitze bei Detschani, mit dem Peklen, 
mit den hervorragendsten Theilen des südlichen Glieb und der Sua- 
oder Kurilo-Planina (siehe Viquesnel Taf. 22, Fig. 27) vereinigt. 
Um die Prisrener-Ebene oder diese südliche Abtheilung des Beckens 
zu sehen, sind die kleinen niedrigen tertiären Plateaus hoch "genug, 
welche man vor Sua-Rieka überschreiten muß. Das Tzernoleva- 
Thal braucht vielleicht eine kleine locale Aufnahme wegen der be- 
waldeten Gegenden und der wenig hohen Berge neben derselben. 
Um das große Thal oder den großartigen Bergcanal von Prisren nach 
der Luma und den Schwarzen Drin recht übersehen zu können, muß 
man den Schalle-Schloßberg, sowie eine westlich von Prisren 
gelegene untere Stufe des Schars besteigen. Doch bleibt die Spalte 
des Weißen Drin wegen ihrer Tiefe versteckt. 

Durch Professor Peter's große Gefälligkeit bin ich im Stand 
gesetzt worden auch über die Dobrutscha sprechen zu können, 
wo die österreichischen Ingenieure bei der walachischen Aufnahme 
im Jahre 1856 einige Punkte trigonometrisch selbst schon bestimmt 
haben. Letztere befinden sich erstens an der Donau südlich von 
Matschin am Jacobsberg (180, 89 W. KL), zwischen Sersem-Bair und 
Turkoje, dann besonders südlich an der Eisenbahn von Tschernavoda 
nach Küstendsche, wo sie neun Dreiecke förmlich meßten; nament- 
lich der erste mit den Stationen Tepe am Lössplateau bei 
Oltina i) oder Tepe-Sopata bei Rasova, All ah- Bai r bei 



*) Die nenn wichtigsten Punkte wurden mit gesperrten Buchstaben gedruckt, 



4 4 4 b o .1 4. 

Baitadschik und Deuze-Tepej bei Tschernovoda ; der zweite mit 
den zwei letzten Punkten und der Station Ister-Tepe bei den 
Taschaul-See; der dritte mit den Punkten Deuze-Tepe, Ister-Tepe 
bei Lsterkoe' und Bujuk-Ojük; der vierte mit letztern beiden Sta- 
tionen und Avret-Jük bei Küstendsche; der fünfte mit letzterer 
Station, Basch-Maglesi und Tarlajük, der sechste mit den letztern 
Orten, Avret-Jük und Bujuk-Öjük; der siebente mit Tarlajük, 
Murad-Öjuk und Bujuk-Öjuk; der achte mit beiden letztern Sta- 
tionen und Deuze-Tepe und der neunte mit letztern Ort, Murvad- 
Öjuk bei Eski-Biblikoi und Sopata. Eine Basis war am Schwarzen 
Meer von Küstendsche bis zum RifF von Tulsa mit Pegel gemessen 
und könnte nordwärts von der Südspitze des Kanara-See's am Liman- 
Taschaul vorbei bis an das Vorgebirge Niadia verlängert werden. 
An der Donau wäre eine Basis von Topalo nach Hirschova und nord- 
wärts bis Dojan oder Dojeni practicabel. Am Delta wäre solches am 
vortheilhaftesten von Parkisch über Samova ostwärts bis unterhalb 
des Dorfes Kischla. Prof. Peters fügt bei, daß die trigonometrisch 
errichteten Pyramiden schon längst von den Einwohnern zerstört wur- 
den und daß man sich oft vergebliche Mühe gab die Punkte zu erfra- 
gen, in sofern sie nicht von den Thälern aus weithin sichtbar sind. 
In ihrer Abstufung von W. gegen 0. zeigen diese Höhen das 
Sinken des Lössniveau durch treppenförmige Verwerfung der unterlie- 
genden Jurakalkplatte an. In der Mittelzone der Dobrutscha oder am 
südlichen Rande des Waldgebirges von Babadagh und in den an- 
stoßenden hohen Lehm -Plattformen, nennt Herr Prof. Peters als 
wichtige Orientirungspunkte folgende, namentlich 1 . ein Grünsteinfels 
südwestlich von Sarikioi, und der Sakar-Bair oder Goldberg, südsüd- 
westlich von Atmadscha. Zwischen beiden und um letzteres Dorf liegt 
ein vielkuppiges Wald-Gebirge nur zu einer detaillirten Gebirgsauf- 
nahme geeignet. 2. In der nördlichen Zone in der Bucht von Baba- 
dagh den Denis-Tepe mitten in der Diluvial-Ablagerung. 3, Im nörd- 
lichen Walle, Besch-Tepe's höchste Kuppe (134, 36. W. Kl.) Taf- 
schan-Bair nächst Kischla, Scharika südsüdwestlich von Parkisch, 
mehrere Tepe südlich von Isaktscha, der Berg von Garbina nord- 
nordöstlich von Matschin. Südlich der drei letztgenannten Punkte, 
herrscht ein sehr complicirtes, zum Theil schroffes Gebirge. 4. Am 
Donaurande südlich von Matschin, außer dem Jacobsberg, die Ufer- 
felsen nächst Petschenjaga. 



Beiträge zur Erleichterung' einer geograph. Aufnahme d. europ. Türkei. 44-5 

Sehr hohe Punkte wären noch bei Zuzujat-Mare östlich von 
Gretschi (Sogan-Lük), südöstlich von Matschin (253, 22 W. KL), 
der Kamm westsüdwestlich von Maidankioi in derselben Richtung (237, 
71), Pomsil nordwestlich von Baschkioi (200, 15) und Piatrarosch 
östlich von Nikulizel, südsüdöstlich von Isaktscha (167, 89). (Siehe 
die nächstens erscheinende geographische Abhandlung und die Karte 
dazu von Herrn Prof. Peters.) 

Wenn für Serbien, wie schon gesagt, der Schturatz, der Me- 
dvednik, der Kopaonik oder Jelin, die Stolovi, die Djakova-Planina, 
der Jastrebatz, der Rtagn, die Omolie-Planina, der Stol, Mirotsch und 
Vrtska-Tschuka die Hauptpunkte für die Errichtung von Pyramiden 
bleiben , so kann man für Nord-Bosnien besonders den Setz, das 
Raduscha- Gebirge, den Igman westlich von Sarajevo, die Romania- 
Planina, der Stog zwischen der Bosna und der Krivaja-Rieka und den 
Javornik zwischen der Kladina und r Spretza im Auge halten. Für 
Süd-Bosnien stellen sich sehr vortheilhaft die Pratscha- Berge, der 
Pobienik nördlich von Priepolje, der Glieb, die Mokra-Planina, derDor- 
mitor, und Korn u. s. w. Für die Herzegovina sind in demselben Falle 
die Raduscha-Gebirge , der Porim, der Velesch, der Leberschnik, 
Volojak, Duga und Ljubomir (nördlich von Trebigne) empfehlenswerth. 

Für Montenegro der Kom, der Lovtschen, der Tschevo u. s. w. 

Für Nord-Albanien der Prokletia, die Kiapha-Malia , die Gebirge 
von Croja, die Gebirge westlich des Schwarzen Drin, der westliche 
Jalesch, der Korab, der Schar, Peklen, Ljubeten, Golesch, die Höhen 
von Petreila. 

Für Mittel-Albanien der Gabar- oder Gerabe-Balkan und die 
Gebirge an der egnatinischen Straße von Elbassan nach Ochri. 

Für Süd-Albanien, der Tomor, die Nemerska-Malia, die Gebirge 
bei Ostanitza, mehrere Spitzen des Pindus, der Mitschikeli , die 
Chimaera, die Gebirge Suli, der Peristeri. 

Für Thessalien der Olymp, der Ossa und Pelion, die Gebirge 
nördlich von den Meteoren-Klöstern, die Agrapha-Gebirge , die tlies- 
salisch-griechische Kette. 

Für die Chalcis der Athos. 

Für Macedonien im Westen die Vodena-Gebirge, der Burenos, 
der Nidge, der Peristeri, das Gebirge zwischen Resna und Ochri, der 
Koziak, das Gebirge südlich von Gafadartzi, das nördlich von Zayas, 
der Korab, mehrere Spitzen des Schars, die Gebirge beim Vardar- 



4 4(> Ron e. Beiträge zur Erleichterung einer geogr&ph. Aufnahme cfc. 

Engpässe Demir-Kapu, der Schloßberg zu Istib, das Gebirge von 
Plaschavitza , das Gebirge südlich von Egripalanka, der Dovenitza, 
der Perindagh, der Manikion, die Höhen östlich von Lahana u. s. w. 

Für den Rhodopus den Perindagh, die Gebirge um Rasluk, die 
Rilo-Planina, die Gebirge am Ursprung der Arda, die Gebirge längs 
dem Kis-Derbent u. s. w. 

Für Thracien der Tekirdagh, die Anhöhen bei Harmanli und 
Kesehan, die Gegend von Kirklisse, die Srednagora, der Tschatal- 
dagh, die Nebenkette des Balkans. 

Für dieDobrutscha der Baseh-Tepe, der Jacobsberg, der Denis- 
Tepe, der Sakair-Bair, der Tepe-Sopata u. s. w. 

Für Bulgarien mehrere Kuppen des hohen Balkans, und der 
Nebenkette, einige Plateaus wie bei Schumla u. s. w. , Lovatz, Isvor, 
die äußern Gebirge des Etropol-Balkan. 

Im westlichen Bulgarien mehrere Punkte des Rhodopus, der 
Vitosch, der Rilodagh, der Koniavo, das Sveti- Nicolagebirge, die 
Ivanova-Livada. 

In Dardanien endlich die Suva-Planina, die Baditschkagora, der 
Snegpolje, die Kurbetska-Planina, die Gebirge nördlich von Vrania, 
die höchsten Spitzen der Arnauten-Planina zwischen Leskovatz und 
Pristina, die Höhe von Novo-Brdo, der Golesch, der Ljubeten , der 
Kopaonik und Jastrebatz. 

Bevor ich schließe, muß ich noch zweier Werke erwähnen, 
woraus noch so mancher Wink zu beachten sein dürfte u. z. : 
G. Rh ödes „Personal Narrative of a tour of military Inspection in 
various parts of european Turkey Aug.-Nov. 1853. L. 1854" und be- 
sonders das Reisewerk der englischen Fräulein G. Mary Mackenzie 
und Adel Pauline Irby Voyage in Servia, Bulgaria, Greece and 
a part of Albania, a. Montenegro 1866 oder 1867. 



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l.k.Ak:iil.cl.W.iu;illi. 



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Tschermzk. Die kobaltführenden Arsenkiese Glaukodat u. Danait. 447 



Die kobaltführenden Arsenkiese Glaukodat und Danait. 
Von dem c. M. Gust. Tschermak. 



Die Mineralien, welche die Form des Arsenkieses besitzen, ent- 
halten zuweilen außer den Bestandteilen des letzteren auch eine 
nicht unbedeutende Menge von Kobalt; eines dieser Mineralien — 
der Glaukodot Breithaupt's — hat sogar viel mehr Kobalt als 
Eisen, und steht daher in der Zusammensetzung dem Kobaltin nahe. 
Es besteht also eine Reihe von isomorphen Mischungen, welche mit 
der Verbindung FeAsS, dem Arsenkies beginnt und mit dem Gliede 
€oAsS endet. Der Glaukodot stellt noch nicht dieses Endglied dar, 
indem er noch Eisen enthält. 

Da ein eisenarmer Glaukodot dieselbe Zusammensetzung hätte 
wie der tesserale Kobaltin, so ist eine Dimorphie der Substanz €oAsS 
zu vermuthen. Sowie bei dem Eisenkies die Substanz FeSS einmal 
tesseral als Pyrit ein anderesmal rhombisch als Markasit auftritt, so 
verhielte es sich auch mit dem Kobaltin und Glaukodot. Die Unter- 
suchung des letzteren Minerales hat also noch manche Frage zu 
beantworten und deshalb schien es mir lohnend einen Glaukodot, 
wovon vor Kurzem Herr Direktor M. Hörn es einige große Krystalle 
für das Hof-Mineralienkabinet erwarb, genauer zu prüfen. 

Das Mineral stammt von Hakansbö in Schweden. Es ist verwach- 
sen mit Kupferkies und Kobaltin, und bildet einzelne vollkommen aus- 
gebildete bis 1 1/ 3 Zoll große Krystalle , welche ein aufrechtes Prisma 
von H0-|- mit glatten Flächen und ein Längsprisma von 118° zeigen, 
dessen Flächen immer etwas gerieft erscheinen, da auch ein zweites 
Längsprisma in oscillatorischer Combination auftritt. Letzteres kömmt 
auch mit deutlichen Flächen ausgebildet vor. Die Form stimmt mit der 
des Arsenkieses nahezu überein, wie man aus dem Vergleich meiner 
annähernden Messungen mit den Angaben Miller's erkennt. 



448 





T s c li e r m :> k. 






Glaukodol 


Arsen kies 


oo/' . . 


. . , m: m = llü°i 


111 12' 


ll'oo . . 


. . . s :s = 118 


117 52 


ooP:£JPoo . . 


. . . m:s = 107 


106 57 


±P<*> : Poo . . 


. . . s : l = 161 


160 45. 



Die Spaltbarkeit ist wie beim Arsenkies ziemlich deutlich nach 
dem Prisma m, außerdem weniger deutlich nach der Endfläche c. 
Die Farbe ist röthlich silberweiss doch nicht mit so viel Roth 
wie beim Kobaltin. Das Eigengewicht ist 5-973. Beim Erhitzen 
im engen Kolben liefert das Mineral ganz so wie der Arsenkies ein 
dreifaches Sublimat: rotlies und braunes Schwefelarsen nebst einem 
Arsenspiegel. Auf Kohle erhitzt gibt es nach Vertreibung des Arsens 
eine tief graue Kugel. Das Pulver der letzteren mit Borax zusammen- 
geschmolzen liefert ohne weiteres ein kobaltblaues Glas. Es vereinigen 
sich also die Reactionen des Arsenkieses und des Kobaltin. Die 
chemische Zusammensetzung hat auf meine Bitte Herr Dr. E. Ludwig 
mit vieler Sorgfalt bestimmt: 

Schwefel 19-80 

Arsen 44*03 

Eisen 19-34 

Kobalt 16-06 

Nickel 0-00 



99-23. 



Diese Zahlen entsprechen den Verhältnissen des Arsenkieses und 
des Kobaltin, und zwar einer Mischung beider Substanzen nach dem 
Verhältnisse : 

(FeAsS) 5 (€oAsS) 4 . 

Vergleicht man damit die Zusammensetzung des Glaukodotes von 
Huasko in Chile, dessen Mischung nach der Analyse Plattner's 
(FeAsS^ (€oAsS) 2 , so erkennt man, daß das schwedische Mineral 
dem Arsenkiese näher stehe als das Chilensische. 





Plattner 


Schwefel . . 


. . . 20-21 


Arsen . . . 


. . . 43-20 


Eisen . . . 


. . . 11-90 


Kobalt . . . 


. . . 24-77 



berechnet 


Ludwi g 


berechnet 


19-41 


19-80 


19-49 


45-49 


44-03 


45-67 


11-32 


i9-34 


18-94 


23-78 


1606 


15-90 



100-08 100 99-23 100. 



Die kobaltführenden Arsenkiese Glaukodot und Danait. 449 

Früher wurde bemerkt, daß mit dem schwedischen Mineral auch 
Kobaltin verwachsen vorkomme. Die Gesellschaft bot sich in der 
Weise dar, daß kleine Krystalle von Kobaltin, welche die Flächen 
des gewöhnlichen Pentagondodekaeders, des Hexaeders und Oktae- 
ders zeigen, in die Fläche eines grossen Glaukodotkrystalles eingesenkt 
erschienen. Demnach kommt die Substanz CoAsS an derselben Stufe 
sowohl rhombisch als tesseral krystallisirt vor, gerade so wie man 
Pyrit und Markasit neben einander beobachtet hat. 

Es erscheint mir nicht unrichtig das schwedische Mineral zum 
Glaukodot zu stellen, obgleich dasselbe merklich weniger Kobalt ent- 
hält, denn es unterscheidet sich in seinen Eigenschaften fast gar nicht 
von dem Glaukodot Breit hau pt's, während es von dem nächsten Zwi- 
schengliede, welches zum Arsenkies führt, dem Danait oder Kobaltarsen- 
kies durch Farbe und Löthrohrverhalten unterschieden werden kann. 

Demnach wäre ein zweiter Fundort für den Glaudokot bekannt. 
Früher wurde auch Orawicza im Banat als solcher angegeben. Ich 
habe bei Gelegenheit der Beschreibung des Alloklas gezeigt, daß 
dieses nicht richtig sei *) und in Orawicza kein Glaudokot vorkomme. 
Damals versäumte ich aufmerksam zu machen, daß die Analysen von 
Hubert und Patera, welche nunmehr wegfallen, in dem Handbuche 
der Mineralchemie von Rammeisberg zweimal angeführt sind, einmal 
unter Kobaltin und ein zweitesmal unter Glaukodot mit einem Druck- 
fehler, indem die Zahlen für Eisen und Kobalt verkehrt angegeben 
erscheinen. 

ie Arsenkiese, welche viel weniger Kobalt enthalten als der 
Glaukodot, hat man früher als Kobaltarsenkiese bezeichnet; jene von 
Franconia in New-Hampshire und von Illampu in Bolivia sind 
nach dem Vorschlage von Hay es Danait genannt worden. Ich möchte 
es für angemessen halten für alle diese Kiese statt einer schleppen- 
den Bezeichnung den Namen Danait zu gebrauchen. 

Das Hof-Mineralienkabinet besitzt Kiese aus dieser Abtheilung 
von den Fundorten Modum und Skutterud in Norwegen, Hakansbö in 
Schweden , Franconia in New-Hampshire. Ich habe dieselben einer 
Untersuchung unterzogen. Die Formenbildung ist, wie bekannt, bei 
diesen Kiesen etwas mannigfaltiger als beim Arsenkies. Es ließen 
sich folgende Flächen erkennen: 



1 ) Sitzungsberichte der Wiener Akademie Bd. LIII. p. 220. 



4SI) 







T s o 1) e 


rmak. 


a . 


. (100) . 


. oo/ J oo . 


. Franoonia 


b . 


. (010) . 


. ocPoo . 


. (matt) Hakansbö 


m . 


. (HO) . 


. ooP . . 


. allgemein 


e . 


. (011) . 


. Foo . . 


. häufig 


t . 


. (301) . 


. 3^00 . 


. (matt) Franconia 


it . 


. (201) . 


. 2P<x> 


. Hakansbö 


1 . 


. (101) . 


.P<x> . 


. allgemein 


s . 


. (102) . 


• iP°° 


. allgemein 


V . 


. (103) . 


.±Poo 


. . Franconia, Skutt< 


r . 


. (104) . 


.fPoo 


. Mo dum 


9 • 


. (111) . 


. p . . 


. Franconia 


h . 


• (112) . 


• IP . 


. Franconia 



Combinationen: m 9 v, l, e Skutterud • — m, l, r, e Modum — 
m, l, s, e Modum — m, l Hakansbö — m , s , l , e. u, b Hakansbö — 
m, e, l, t Franconia ?n, e, l, s, v, t, g, h Franconia. Die Fläcben 
t, v, h hat Kenngott am Danait von Franconia bestimmt !)• Die 
Fläche u, welche sich nur an dem von Hakansbö fand, macht mit 
l einen Winkel von 162°45, der berechnete ist 162°öl, wenn 11= 
79 22' wie Miller angibt. Außer den für den Danait angeführten 
Flächen finden sich bei Dana noch 3P=(331), P2=(121) und 
3P|-=(231). Die Fläche r=yPoo, so gewöhnlich beim Arsenkies, 
kommt bei den Danaiten selten vor. 

Die physikalischen Eigenschaften und das Verhalten beim 
Erhitzen sind wie bei dem Arsenkies. Die geröstete Probe aber färbt 
das Boraxglas blau, nachdem die Schmelze längere Zeit im Reductions- 
feuer erhitzt worden ist. 

Der Kobaltgehalt der bisher untersuchten Danaite schwankt 
zwischen 3 und 9-6 pc. Die Analysen mögen hier aufgeführt werden, 
da über einige derselben eine Bemerkung nicht unnöthig erscheint. 





I 


II 


III 


IV 


V 


VI 


VII 


Schwefel . 


. 19-08 


20-86 


19-98 


17-66 


17-84 


17-48 


18-27 


Arsen . . 


. 43-14 


42-94 


42 -53 


46-77 


41-44 


47-45 


42-83 


Eisen . . 


. 24-99 


28-03 


25-98 


26-62 


32-94 


30-91 


29-22 


Kobalt . . 


. 9-62 


8-92 


8-67 


8-57 


6-45 


4-75 


311 


Kupfer . . 


. 2-36 


— 


— 


— 


— 


— 


5-12Mn 
0-81 Ni 


Antimon . 


. 104 


— 


2-84 
100 


99-62 


— 


— 


0-64 Bi 




100-23 


100-75 


98-67 


100-59 


100 



r ) Sitzungsberichte der Wiener Akademie, Bd. IX, p. 51 



Die kobaltführenden Arsenkiese Glaukodot und Danait. 451 

I. Derb, sogenannter Stahlkobalt von Hamberg bei Siegen nach 

Düringsfeld. 
IL Dasselbe Mineral nach Schnabel. 

III. Strahlig, sogenannter fasriger Speiskobalt von der Grube 
„grüner Löwe" bei Siegen nach Schnabel. 

IV. Krystallisirt, von Modum nach Sehe er er. Mittel dreier Analysen. 

V. Krystallisirt, von Franconia nach Hayes. 

VI. Krystallisirt, von Modum nach Wo hl er. 
VII. Derb, von Illampu, Bolivia nach D. Forbes. 

Die Arsenkiese aus der Gegend von Siegen werden in den Hand- 
büchern als Kobaltin angeführt; wie mir scheint nicht ganz mit Recht, 
denn Schnabel gibt blos an, daß „die Spaltbarkeit des Minerales 
auf Würfelflächen hinzudeuten scheine aber Krystalle nicht beob- 
achtet worden seien", ferner gestellt er selbst zu, daß man es als einen 
kobalthaltigen Arsenkies ansehen könne. Der Danait von Franconia 
hätte nach der Analyse von Hayes etwas zu wenig Schwefel und 
Arsen für die Formel des Arsenkieses und man hat deßhalb schon 
Bedenken getragen, denselben zum Arsenkies zu stellen, obgleich er 
die Form des letzteren besitzt. Wenn man aber bedenkt, daß auch 
in den Analysen II, IV und VI der Schwefelgehalt nach der Rechnung 
nur zwischen 19-58 und 19-43 der Arsengehalt zwischen 45-90 und 
45-54 schwanken sollten, so wird man auch bei diesem Danait keine 
viel größere Abweichung als bei jenen erkennen. 

Hier muß noch ein Mineral erwähnt werden das auch zu den 
eben aufgezählten Kiesen gehört und das von Kenngott als Eisen- 
kobaltkies von Modum in Norwegen aufgeführt und für eine rhombisch 
krystallisirte Verbindung von Eisen, Kobalt, Arsen angesehen wurde, 
also die Substanz des Smaltines in rhombischer Form darstellen 
würde 1 ). Kenngott bestimmte das aufrechte Prisma zu 115° die 
Dichte zu 6-03 und fand die obigen Bestandteile aber keinen 
Schwefel. Da indeß bei der geringen Menge die das Mineral ausmacht, 
eine Irrung leicht möglich, untersuchte ich dasselbe Stückchen das 
in der Sammlung des Hof-Mineralienkabinetes aufbewahrt wird, 
nochmals. Ich fand die Form des Arsenkieses ooP=l 11 °~ außer- 
dem Poo = 80° überdies die Flächen s=~Poq und e = Poo und 
die Spaltbarkeit parallel ooP. Im engen Glaskölbchen liefert das 






1 ) Sitzungsberichte der Wiener Akademie, Bd. XII, p. 25. 



\,}'l Tsohermak. Die kobaltfuhrenden Arsenkiese Glaukodot und Danait. 

Mineral dasselbe dreifache Sublimat wie der Arsenkies und gibt im 
übrigen die Reactionen des Danaits. Somit ist dasselbe von dem in 
Modum vorkommende Danait nicht verschieden. 

So wie es kobaltlialtige Arsenkiese gibt, so dürften sich auch 
Nickelhaltige finden, wenigstens deutet eine Analyse Pb. Kröber's, 
der in einem Arsenkies aus der Gegend von La Paz und Yungas in 
Bolivia 4-74 pc Nickel fand *), darauf hin. 



<) Jahresbericht für Chemie etc. von H. Will für 1865, p. 871. 



Kitzinger. Versuch einer natürl. Anordn. d. Nagethiere (Rodentia). 4-5 O 



Versuch einer natürlichen Anordnung der Nagethiere 
(Rodentia). 

Von dem w. M. Dr. L J. Fitzinger. 



Bei keiner Ordnimg der Säugethiere gehen die Ansichten der 
Naturforscher sowohl bezüglich der Zahl, als auch der Begrenzung 
der Familien derselben so weit auseinander und weichen auch in 
Ansehung der Einreihung der verschiedenen Gattungen in dieselben 
so sehr von einander ab, als bei der Ordnung der Nager (Rodentia). 

Bei keiner hat aber auch das Gesetz der Mannigfaltigkeit so 
großen Ausdruck gefunden, als gerade bei dieser und hierin ist der 
Grund jener kaum zu bewältigenden Schwierigkeit zu suchen, die- 
selben nicht nur ihrer scheinbar natürlichen Verwandtschaft nach, 
sondern so zu gruppiren, daß man auch im Stande ist, die für sie 
aufgestellten Gruppen mittelst durchgreifender Charactere scharf von 
einander zu sondern, ohne der wirklich vorhandenen natürlichen Ver- 
wandtschaft irgend einen Eintrag zu thun. 

Um diess recht anschaulich zu machen, braucht man nur einen 
Blick auf die von den Zoologen seither in Vorschlag gebrachten Ein- 
theilungen zu werfen, denn bald wird man sich hieraus die Überzeu- 
gung verschaffen, auf welch' schwankenden Grundlagen dieselben 
beruhen und wie oft Willkühr oder individuelle Anschauung und 
Phantasie in die Wahrheit eingegriffen haben. 

Illiger theilt die Nager oder Pfötler (Prensiculantia) — wie 
er sie nennt, — in seinem „Prodromus Systematis Mammalium et 
Avium" 1811 in acht Familien ein und stellt für dieselben folgende 
Kennzeichen fest : 

I. lacropoda. Langbeine. 

Pedes saltatorii. Dentes molares obducti aut complicata supra 
infraque 8 aut 6. 



4<>4 Fitzin gor. 

Hierher die Gattungen: Dipus, — Pedetes — und Meriones; 
IL Agilia. Schwippe Thiere. 

Antipedes tetradactyli et Verruca hallucari. Molares obducti, 
supra 10 vel 8, infra 8. 

Mit den Gattungen : iWyoxus. — Tamias, — Schirm — und 
Pteromys; 

III. Murina. Mauseartige Thiere. 

Antipedes pentadactyli vel tetradactyli et Verruca hallucari. Mo- 
lares obducti supra 10, 8, 6, infra 8, 6. Canda vel elongata pilosa, 
vel nudiuscula annulata, vel brevis. 

Dazu die Gattungen: Arctomys, — Cricetus, — Mus, — 
Spalax — und Bathyergus; 

IV. Cunicularia. Erdwühler. 

Pedes pentadactyli digitis fissis. Molares lamellossi aut compli- 
cati utrinque 6. Corpus pilosum. Cauda pilosa. 

Mit den Gattungen: Georychus, — Hypudaeus — und Fiber; 

V. Palmipeda. Schwimmpfötler. 

Scelides palmatae, pentadactylae. Molares complicati supra 4 
aut 10, infra 4 aut 8. 

Hierher die Gattungen: Hydromys — und Castor; 

VI. Aculeata. Stachelträger. 

Molares complicati utrinque 10. Corpus aculeatum. 
Mit den Gattungen: Hystrix — und Loncheres; 

VII. Daplicidentata. Doppelzähner. 

Molares lamellosa supra 12, infra 10. Primores superiores a 
tergo duplicati. 

Dazu die Gattungen: Lepus — und Lagomys; 

VIII. Sub-ungulata. Hnfkrallcr. 

Molares lamellosi aut complicati, utrinque 8. Corpus pilosum. 
Ungues sub-ungulati, aut falculati (in scelidibus tridactylis). 

Mit den Gattungen: Coelogenys, — Dasyprocta, — Cavia — 
und Hydrochoerus. 

Die Gattung Chiromys bringt er ihres abgesonderten Daumens 
an den Hinterfüssen wegen, mit den Affen, Maki' s und Galago' s 



Versuch einer natürlichen Anordnung- der Nagethiere (Rodentia) . 4:55 

in seine Ordnung der Daumenfüsser, Pollicata, bildet aus derselben 
aber eine besondere Familie, die er Leptodactyla, Dünnfinger nennt 
und folgendermassen charakterisirt : 

Podarium manus. Maniculorum digiti medii duo elongatigraciles. 
Dentes primores utrinque 2. Pro laniariis diastema. 

Cuvier scheidet die Nagethiere in der ersten Ausgabe seines 
»Regne animal" 1817 in zwei große Gruppen. 

I. Nagethiere mit vollkommenen Schlüsselbeinen. Mit den Gat- 
tungen Castor, — Arvicola, — Fiber, — Georychus, (Lemmus) 

— Echimys, — Myoxus, — Hydromys, — Mus, — Cricetus, — 
Dipus, — Spalax, — Orycteres (Bathyergus, — Georhychus), 

— Pedetes, — Arctomys, — Sciurus, — Pteromys — und 
Cheiromys; und 

IL Nagethiere mit unvollkommenen oder fehlenden Schlüssel- 
beinen. Mit den Gattungen Hystrix, — Lepus, — Lagomys, — 
Hydrochoerus, — Anoema, — Chloromys (DasyproctaJ und 
Coelogenys. 

In der zweiten Ausgabe, welche im Jahre 1827 erschien, be- 
hält er zwar dieselben beiden großen Gruppen bei, ändert aber die 
Reihenfolge der Gattungen. 

Hiernach erscheinen in der ersten Gruppe, die Gattungen 
Sciurus, — Tamias, — Pteromys, — Cheiromys, - — Arctomys, 
Spermophilus, — Myoxus, — Echimys, — Hydromys, — Capro- 
mys, — Mus, — Gerbillus (Meriones), — Meriones (Jaculus), — 
Cricetus, — Arvicola, — Fiber, — Hypudaeus, — Georychus 
{Lemmus), — Otomys, — Dipus, — Pedetes, — Spalax, — Ba- 
thyergus, — Geomys, — Diplostoma , — Castor — und Myopotamus ; 

in der zweiten Gruppe die Gattungen Hystrix, — Atherurus, 

— Erethizon, — Synetheres, — Lepus, — Lagomys, — Hydro- 
choerus, — Anoema, — Kerodon, — Chloromys {DasyproctaJ — 
und Coelogenys. 

Kaup, der ein natürliches System anzustreben versuchte, hat 
die Nagethiere in seinem „Thierreich" 1835 auf eine eigenthüm- 
liche Weise geordnet und indem sie höhere oder niederere Formen 
seiner übrigen Ordnungen darstellen oder wiederholen, neun Familien 
aus ihnen gebildet; und zwar: 

1. Nager, welche die Äffer (Hemipitheci) darstellen, mit der 
einzigen Gattung Chiromys; 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LV. Bd. I. Ahth. 31 



45() Fi-tiinger. 

2. Nager, welche die Fledermäuse (Chiroptera) darstellen, mit 
den Galtungen Sciurus, — Pteromys, — Tamias, — Spermöphilus 

— und Arctomys; 

3. Nager, welche die lnsectenfresser (Inscctivora) wiederholen, 
mit den Gattungen Fiber, — Hypudaeus, — Georychus (Myodes, 

— Siphneus), — Spalax, — Orycterus (Georhyckus), — Bathyer- 
gus, — Ascomys, — Otomys (Euryotis); 

4. Nager, welche die Beutelthiere (Marsuptalia) darstellen, 
mit den Gattungen Pitechirus, — Cricetus, — Mus, — Gerbillus 
(Meriones), — Meriones (Jaculus) — Cercomys, — Capromys, — 
Pedetes, — Dipus, — Lagostomus, — Chinchilla (Lagidium), — 
Eriomys; 

5. Nager, welche den Schnabelthiereu (Mouotremata) ent- 
sprechen, mit den Gattungen Castor — und Myopotamns ; 

6. Nager, welche den Zahnarmen (Edentata) gleichen, mit den 
Gattungen Hystrix — und Synethere; 

7. Nager, welche die Raubthiere (Carnivora) wiederholen, mit 
den Gattungen Myoxus, — Grapkiurus — und Ilydromys; 

8. Nager, welche die Dickhäuter (Pachydermata) darstellen, 
mit den Gattungen Cavia, — Hydrochoerus, — Dasyprocta, — 
Coelogenys; und 

9. Nager, welche die Wiederkäuer (Ruminantia) wiederholen, 
mit den Gattungen Lepus — und Lagomys. 

M i 1 n e Edwards, welcher in seinen „Ele'mens de Zoologie" 
der Haupteintheilung Cuvier's folgte, theilt die Nager in zwölf 
natürliche Familien, die er in nachstehender Weise gruppirt. 

I. Nagethiere mit Schlüsselbeinen (Rosores 
cinvicuiati}. 

1. Familie. Sciurina. Mit den Gattungen Sciurus, — Tamias, 

— Macroxus, — Pteromys — und Chiromys; 

2. Familie. Marina. Mit den Gattungen Arctomys, — Spermö- 
philus, — Mus, — Cricetus, — Myoxus — und Gerbillus (Meri- 
onesj ; 

3. Familie. Dipodes. Mit den Gattungen Meriones (Jaculus) 

— und Dipus; 

4. Familie. Arvicolae. Mit den Gattungen Armcola (Hypu- 
daeus), — Georychus (Lemmus) — und Fiber; 



Versuch einer natürlichen Anordnung der Nagethiere. (Rodentia.) 41)7 

5. Familie. Helamyes. Mit der Gattung Helamys (Pedetes) ; 

6. Familie. Chinchillae. Mit den Gattungen Chinchilla (Callo- 
mys), — Lagostomus — und Lagotis; 

7. Familie. Talpiformes. Mit den Gattungen Spalax — und Ba- 
thyergus (Ocycteres) ; 

8. Familie. Castorina. Mit den Gattungen Castor — und Myopo- 
tamus. 

IL Nagethiere mit unvollkommenen Schlüssel- 
beinen (Rosores imperfecte claviculati}. 

1. Familie. Hystrices. Mit der Gattung Hystrix (Hystrix, 

— Atherurus, — Erethizon, — Synetheres) ; 

2. Familie. Coelogenyes. Mit den Gattungen Chloromys (Dasy- 
procta) — und Coelogenys; 

3. Familie. Oayiae. Mit den Gattungen Hydrochoerus — und 
Cavia (Anoema); und 

4. Familie. Leporina. Mit den Gattungen Lepus — und Lagomys. 
Leiblein zerfällt die Nagethiere (Rosoria s. Glirina) in seinem 

Werke „Grundzüge einer methodischen Obersicht des Tbierreiches" 
1839 in nachstehende eilf Familien: 

1. Familie. Fingerthiere (Chiromydea), mit den Gattungen 
Chiromys — und Pithechirns ; 

2. Familie. Eichhörnchen (Sciurina), mit den Gattungen My- 
oxus, — Graphiurus, — Sciurus, — Pteromys, — Tamias, — 
Arctomys — und Spermophilus; 

3. Familie. Mäuse (Murina), mit den Gattungen Cricetus, — 
Mus, — Euryotis, — Gerbillus (Meriones) — und Capromys; 

4. Familie. Wühlmäuse (Cunicularia), mit den Gattungen 
Hypudaeus, — Lemmus — und My?iomes; 

5. Familie. Maulwurfsmäuse (fteorhychina), mit den Gattungen 
Spalax, — Georhychus, — Saccomys, — Ascomys, — Bathyer- 
gus, — Ctenomys, — Psammoryctes — und Siphneus ; 

6. Familie. Springmäuse (Salientia), mit den Gattungen Dipus 

— und Meriones (Jaculus); 

7. Familie. Hasenmäuse (Lagostomina), mit den Gattungen 
Pedetes, — Eriomys, — Lagidium — und Lagostomus ; 

8. Familie. Biber (Palmipedia), mit den Gattungen Castor, — 
Myopotamus, — Hydromys — und Fiber; 

3i* 



4.*) 8 Fi! / i n g e r. 

9. Familie. Stachelthiere (Aeuleala), mit den Gattungen Au- 
lacodus, — Loncheres, — Hystrix, — Atherurus — und Sphin- 
gurus; 

10. Familie. Uufkrallige (Subungalata), mit den Gattungen 
Hydrochoerus, — Cavia, — Coelogenys — und Dasyprocta; und 

1 1 . Familie. Doppelxähnige oder Hasen (Duplieidentata s. Le- 
porina), mit den Gattungen Lepus — und Lagomys. 

Waterhouse brachte in seinen „Observation on the Ro- 
dentia, with a view to point out the groupes, as indicated by the 
strueture of the Crania, in this order of Mammals" — welche im 
III. Bande von L o u d o n s und C h a r 1 e s w o r t h' s „ Magazine of 
natural History« S. 90, 184, 274 und 593 im Jahre 1839 erschie- 
nen, — eine neue, von jenen seiner Vorgänger in mannigfacher Be- 
ziehung abweichende Eintheilung der Nagethiere in Vorschlag, in- 
dem dieselbe nicht sowie diese, nur auf äusseren Merkmalen und dem 
Zahnhaue allein beruht, sondern hauptsächlich auf die Bildung des 
knöchernen Schädels überhaupt und insbesondere auf die Beschaf- 
fenheit des unteren Augenhöhlenloches gegründet ist. 

Durch diese bei der systematischen Eintheilung der Nagethiere 
vorher völlig unberücksichtiget gelassenen Merkmale wurden höchst 
wichtige Anhaltspunkte geboten, die so überaus zahlreichen und 
scheinbar in mannigfaltiger Weise gleichsam in einander übergehen- 
den Formen dieser Säugethier-Ordnung in schärfer abgegrenzte 
Gruppen oder Familien zu scheiden und dieselben überhaupt auf 
eine festere Grundlage zu stellen, wodurch es möglich geworden ist, 
das angestrebte Ziel einer natürlichen Anordnung der Nagethiere, 
wenn auch nicht zu erreichen, doch wenigstens sich demselben 
bedeutend zu nähern. Seiner Eintheilung zufolge werden die Nager 
in neun Familien geschieden, welche er in drei grösseren Abtheilungen 
zusammenfasst, wie aus nachstehender Übersicht hervorgeht. 

I. Ahtheilung. Murina. 

1. Familie. Sciuridae. Mit den Gattungen Ptero?nys, — Sciu- 
ropterus, — Sciums, — Macroxus, — Tamia, — Geosciums, — 
Spermophilus — und Arctomys ; 

2. Familie. Myoxidae. Mit den Gattungeu Myoxus — und Gra- 
phiurus; 



Versuch einer natürlichen Anordnung der Nagethiere. (RudcntiaJ 4h9 

3. Familie. Gerboidae. Mit den Gattungen Dipus, — Alactaga 
— und Meriones (J acutus) ; 

4. Familie. Muridae. Mit den Gattungen Mus, — Gerbillus (Me- 
riones), — Psammomys, — Reithrodon, — Hydromys, — Crice- 
tus, — Sigmodon, — Neotoma, — Hapalotis — und Rhizomys ; 

5. Familie. Arvicolidaej Mit den Gattungen Castor, — On- 
datra, — Arvicola, — Lemmus, — Geomys — und Spalax. 

II. Abtheilung. Hystricina. 

1. Familie. Octodontidae. Mit den Gattungen Abrocoma, — Oc- 
todon, — Poephagomys — und Ctenomys; 

2. Familie. Hystricidae. Mit den Galtungen Bathyergus (Geor- 
hychus), — Orycterus (Bathyergus), — Myopotamus, — Capro- 
mys, — Echimys, — Aulacodus, — Hystrix, — Dasyprocta — 
und Coelogenys ; 

3. Familie. Chincuillidae. Mit der Gattung Chinchilla; 

4. Familie, f aviidae. Mit den Gattungen — Cavia und Hydro- 
choerus. 

III. Abtheiliing. Mjeporina. 

1. Familie. Leporidae. Mit den Gattungen Lepus — und Lagomys. 

Späterhin nahm Water house in dieser Eintheilung einige Ver- 
änderungen vor, die er in einer besonderen Abhandlung im Bande X. 
der »Annais of natural History" veröffentlichte. Er löste seine Fa- 
milie der Arvicolidae in ihrer bisherigen Begrenzung auf, indem er 
die Gattungen Castor und Geomys aus derselben ausschied und 
seiner Familie der Sciuridae zuwies, für die Gattung Spalax aber, 
welche gleichfalls früher in dieser Familie begriffen war, nebst der 
Gattung Rhizomys aus der Familie der Muridae und der Gattung 
Beter ocephalus eine besondere Unterfamilie seiner Muridae bildete, 
die er Spalacidae nannte, während er die Arvicolidae mit den Gat- 
tungen Ondutra, Arvicola und Lemmus als zweite Unterfamilie der- 
selben anschloß. 

Wagner hat die Ordnung der Nager in einer anderen Weise 
gruppirt und seine Arbeit zuerst in den .„Münchener Gelehrten Anzeigen" 
1841, Nr. 50 — 54 veröffentlicht, aus welcher sie kurz darauf in 



4(>0 Fitz 



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Wiegmann s ; . Archiv für Naturgeschichte" 1841 Bd. II. S. 111 
übergegangen ist. 

Er hat dieser Gruppirung nicht blos den äusseren Habitus, 
sondern auch den Skelet- und Zahnbau zu Grunde gelegt, und selbst 
auf die Eingeweide, — soweit diese bekannt waren, — Rücksicht 
genommen; wobei er auf die wirklichen Verbesserungen, w r elcbe 
seine Vorgänger und namentlich Wiegmann und Waterhouse 
bereits in dieser Ordnung eingeführt hatten, stets sorgfältigen Be- 
dacht nahm. 

Bei Feststellung seiner Familien bat er daher alle Merkmale 
gleichmäßig berücksichtiget und die überwiegend vorwaltenden der- 
selben zu ihrer Begrenzung benützt; niemals aber einem einzelnen 
Merkmale ein besonderes Übergewicht eingeräumt. 

Hierdurch ist es ihm gelungen, alles Künstliche bei seiner Ein- 
theilung möglichst entfernt zu halten und eine fast durchgängig na- 
turgemäße Anordnung der Nager zu erzielen. 

Bei Befolgung dieser Grundsätze haben sich ihm zwölf Familien 
herausgestellt, von denen er jene der Mäuse als den Mittelpunkt der 
ganzen Ordnung betrachtet und von dieser aus eine strahlenförmige 
Verkettung mit den übrigen Familien annimmt. 

Seine Familien sind folgende, mit nachstehenden Charakteren : 

I. Pedimana. Fusshänder. 

Digiti anteriores longissimi, pedes posteriores pollice instructi; 
cranium rotundatum, orbitae postice clausae. 
Hierher die einzige Gattung: Chiromys. 

II. Scinrina. Hörnchen. 

Pedes anteriores digitis 4. et Verruca hallucari, posteriores 5- 
dactyli; cauda dense pilosa; dentes molares 5 / 4 ; ossa frontalia dila- 
tata, processu postorhitali distincto instructa ; foramen infraorbitale 
angustissimum. 

Mit den Gattungen: Sciurus, — Pteromys, — Tamias, — 
Spermophilus — und Arctomys. 

III. Myoxina. Schläfer. 

Pedes anteriores digitis 4 et Verruca hallucari, posteriores 
o-dactyli; cauda elongata villosa; dentes molares */ 4 ; ossa frontalia 
valde coarctata , processu postorbitali privala; intestinum coecum 
nulluni. 



Versuch einer natürlichen Anordnung der Nag-ethiere. (Rodentia.) 4rbl 

Dazu die einzige Gattung: Myoxus. 

IV. Macropoda. Springer. 

Artus distincti saltatorii, anteriores brevissimi, posteriores lon- 
gissimi; cauda longa pilosa; foramen infraorbitale magnum. 
Mit folgenden, in 2 Sippen zerfallenden Gattungen: 

a) Dipus, — Scirtetes — und Jaculus, 

b) Pedetes. 

V. Chinchillina. Hasenmäuse. 

Auriculae rnagnae; scelides antipedibus subduplo longiores; 
cauda producta, supra et ad apicem longius setosa; vellus molle; 
dentes molares */ t e laminis 2—3 parallelis compositi. 

Hierher die Gattungen: Eriomys, — Lagidium — und La- 
gostomus, 

VI. Psammoryctina. Schrotmäuse, 

Habitus murinus; artus proportionales; auriculae mediocres 
(rarius rnagnae); foramen infraorbitale magnum; mandibulae angu- 
lus in cuspidem elongatum excurrens; dentes molares */ 4 . 

Dazu die nachstehenden, in 2 Sippen geschiedenen Gattungen: 

a) Habrocoma, — Octodon — und Psammoryctes, 

b) Capromys, - - Aulacodus, — Loncheres, — Cercomys, 
Dactylomys — und Petromys. 

VII. Cunicularia- Wurfmäuse. 

Corpus crassum, cylindraceum; Caput obtusum; oculi minuti aut 
tecti; auriculae et cauda nullae aut parvae; artus anteriores posterio- 
ribus robustiores: pedes 5-dactyli ; dentes primores exserti, lati, 
truncati. 

Mit folgenden, in 2 Sippen getheilten Gattungen: 

a) Ommatostergns, - Spcdax, — Chtonoergtis, — Bhizomys, — 
Georychus — und Ctenomys, 

b) Siphneus, — Ascomys, — Thomomys, — Geomys, — Ba- 
thyergys — und Haplodon. 

VIII. fflurina. Mäuse. 

Oculi distincti; auriculae et cauda plus minusve exsertae; artus 
posteriores anterioribus longiores; pedes anteriores digitis 4 et Ver- 
ruca hallucari, posteriores 5-dactyli; cauda nuda aut minus pilosa; 
foramen infraorbitale longitudinale, supra dilatatum, infra angusta- 



I 1 . > 

4 0^ F i t e i n g e r. 

tum: mandibulae angulus rotundatus; deutes primores inferiores 
acuminati. 

Hierher folgende, in 4 Sippen geschiedene Gattungen, von denen 
die zweite Sippe in 4, die vierte in 2 Unter-Sippen getheilt ist: 

a) Hydromys, 

h) a. Mus, — Cricetus, — Dendromys, — Akodon, — Hapalotis 

— und Pseudomys, 

ß. Mystromys, — Rliombomys, — Psammomys, — Meriones 

— und Euryotis, 

7. Sigmodon, — Neotoma, — EUmodon, — Reithrodon — 

und Ctenodactylus, 
0. Myodes, — Hypudaeus — und Fiber, 

c) Sminthus, 

d) a. Perognathus, 
ß. Saccomys. 

IX. Castorina. Biber. 

Corpus robustum, magnum; pedes 5-dactyIi, posteriores pal- 
mati; dentes primores validi, cestriformes, molares 4 / 4 complicata 
latere altero triplicati, altero uniplicati. 

Mit den Gattungen: Castor — und Myopotamus. 

X. Hystricina. Stachelschweine. 

Corpus aculeis teretibus validis, setis intermixtis vestitum 
foramen infraorbitale maximum; claviculae incompletae; dentes mo- 
lares y 4 complicati. 

Dazu nachstehende Gattungen, welche in 2 Sippen zerfallen: 

a) Hystrix — und Atherura, 

b) Erethizon — und Cercolabes. 

XI. Subungnlata. Hufpfötler. 

Corpus pilis tectum; cauda brevissima aut nulla; ungues subun- 
gulaeformes; foramen infraorbitale permagnum; claviculae incom- 
pletae; dentes molares */ 4 . 

Mit folgenden, in 2 Sippen geschiedenen Gattungen: 

a) Dasyprocta — und Coelogenys,) 

b) Hydrochoerus, — Cavia — und Kerodon. 

XII. Duplicidentata. Doppelzähner. 

Dentes primores superiores duplicati; foramen infraorbitale 
parvum- foramina optica conjuneta; palatum osseum singula- 



Versuch einer natürlichen Anordnung der Nagethiere. (Rodeutiu.) 463 

riter coarctatum; claviculae partim incompletae, partim com- 
pletae. 

Hierher die Gattungen: Lepus — und Lagomys. 

Dieser Eintheilung ist Wagner bei Bearbeitung der Fortsetzung 
des Schreb er' sehen Werkes „Naturgeschichte der Säugethiere" 
Supplement 3, Abtheilung 1843 und 4. Abtheilung 1844 bezüglich 
der Familien vollkommen getreu geblieben; nur hat er für die Familie 
der S p r i n g e r die Benennung Macropoda in Dipoda geändert, die Cha- 
rakteristik für die Familien Myoxina, Dipoda, Chinchillina, Hystri- 
cina und Subungulata etwas erweitert und jene für die Familie der 
Psammoryctina durch die Aufnahme der Gattung Ctenodactylus, 
welche er nach später erhaltener eigenen Ansicht des Schädels aus 
der Familie der Mäuse herüberzog, dahin verändert, daß er der Zahn- 
formel: molares 4 / 4 , rarissime 3 / 3 " beifügte. 

Bei den Gattungen hat er jedoch einige wesentliche Verände- 
rungen vorgenommen. Dieselben bestehen theils in der Aufführung 
und Einreihung entweder ganz neuer, oder in der Zwischenzeit näher 
bekannt gewordenen Gattungen; wie Dipodomys in der Familie der 
Dipoda, dann Cricetomys, — Phloeo?nys, — MalacothrLv und 
Holochilus in der Familie der Murina; theils in der schon erwähnten 
veränderten Stellung der Gattung Ctenodactylus, durch Übertragung 
aus der Familie Murina in die der Psammoryctina', endlich in der 
Zertheilung einer Gattung in mehrere, oder umgekehrt, der Zusam- 
menziehung mehrerer in eine. 

So hat er bei der Familie der Psammoryctina die Gattung 
Loncheres in 2 Gattungen geschieden: Loncheres und Echinomys; 
und ebenso bei der Familie der Subungulata, die Gattung Cavia in 
zwei: Cavia und Dolichotis, bei der Familie der Cunicularia aber 
die Gattung Ommatostergus zu Spalcuc, die Gattungen Thomomys 
und Geomys zu Ascomys, und bei der Familie der Hystricina die 
Gattung Atherura zur Gattung Hystrix gezogen. 

Minder wesentliche Veränderungen sind die hie und da vorge- 
nommene veränderte Aufeinanderfolge der einzelnen Gattungen und 
die Änderung einiger Gattungsnamen. 

So hat er für Chtonoergns die ältere Benennung Ellobius, für 
Elimodon die Benennung Hesperomys angenommen. 

Eine fernere Veränderung dieser Classification, welche Wagner 
in der Folge in W i e g ma n n's „An hiv für Naturgeschichte 1844 Bd. 



4(>4 Fit »i n g e r- 

H S 171 vorgenommen, besteht darin, daß er, nachdem er den 
Schädel von Psammoryctes näher untersuchen konnte, diese Gat- 
tung aus der Familie der PsammorycUna entfernte und m die Familie 
der Cunicularia übersetzte; daher er für die Familie der Schrot- 
mäuse den Namen Orycterina statt PsammorycUna in Vorschlag 
brachte. 

Gray bringt die Nager oder die £&*«, — wie er sie nennt, - 
in seiner „te* 0/ ^ tp«***» of Mammalia in the collection of 
the British Museum- 1843 in fünf Familien, von denen er drei 
wiede