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Full text of "Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Mathematisch-Naturwissenschaftliche Classe"

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DER K AISI.I((.1«'I1K> 



IklllEHIK DER HISSEYSIlllUm 



MATHEMATISCH-NATUHWISSENSCHAFTLICIIE CLASSE. 



VIERZIGSTER BAND. 



WIEN. 



AUS |)K|{ K. K. HOF- UNI) STAA TSDHUCKKRKI. 



IN CO.MMISSIOM BEI KAIII. GEROLD'S SOHN. BUCHHÄNDLER DKR KAIS. AKADEMIE 
DER WISSENSCHAFTEN. 



18(10. 



SITZINGSBERICHTE 



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MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN 

CLASSE 



DER KAISERLICHEN 



'".' 



AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



vierzigster band. 

Jahrgang 1860. — Heft 7 bis 12. 
(Hit 44 CnMtt nnb 1 lottf.) 



WIEN. 

AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 

IN COMMISSION BEI KARL GEROLD'S SOHN. BUCHHÄNDLER DER KAIS. AKADEMIE 
DER WISSENSCHAFTEN. 



1860. 



III 



INHALT. 



Seite 

Sitzung' vom 8. März 1860: Übersicht 3 

Haidinger, Über das Cocain, eine organische Base in der Coca. 7 

— Sammlung recenter Conchylien. Geschenk von Sir Wil- 
liam Th. Denison in Sydney 12 

— Der Hürnesit, eine neue von Herrn Professor Dr. G. A. 
Kenngott bestimmte Mineralspecies 18 

v. Littrow , Über das Mikrometer mit lichten Linien bei den 

Wiener Meridian-Instrumenten. (Mit 1 Tafel.) 27 

Hochleder, Über das Vorkommen des Fraxin in der Rinde von 

Aesculus Hippocastanum 37 

Kner , Zur Charakteristik und Systematik der Labroiden. (Mit 

2 Tafeln.) 41 

v. Sonklar, Über die Änderungen der Temperatur mit der Höhe. 
(Auszug aus einer für die Denkschriften bestimmten 
Abhandlung.) 58 

Pohl, Über mikroskopische Probeobjectc, insbesonders Nobert's 

Testobject-Platte 63 

Fritsch, Nachricht von den in Österreich im Laufe des Jahres 
1858 angestellten philologischen Beobachtungen. (Mit 
einer Übersichtstafel.) 98 

Sitzung vom 15. März 1860: Übersicht 105 

Tschermak, Über Calcitkrystalle mit Kernen. (Mit 1 Tafel.) . . 109 
— Über secundäre Mineralbildungen in dem Grünsteingebirge 

bei Neutitschein. (Mit 2 Tafeln.) 113 

Reuss, Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 

(Mit 13 Tafeln.) 147 

Schneider, Über das chemische und elektrolytische Verhalten 

des Quecksilbers bezüglich dessen Nachweisbarkeit im 

Allgemeinen und in thierischen Substanzen insbesondere 239 
Schreiben des Herrn A.Aguilar, Directors der königl. Sternwarte 

zu Madrid an das w. M. Herrn K. v. Littr ow 270 



IV 

Seite 

Sitzung; vom 22. März 1860: Übersicht 271 

Hyrtl, Über Wirbelsynostosen und Wirbelsuturen bei Fischen. 
(Auszug aus einer für die Denkschriften bestimmten 
Abhandlung.) 273 

Weiss und Wiesner, Vorläufige Notiz über die directe Nachwei- 
sung des Eisens in den Zellen der Pflanze 276 

Schöbt, Typhloniscus. Eine neue blinde Gattung der Crustacea 

Isopoda. (Mit 10 Tafeln.) 279 

Molin, Trenta specie di Nematoidi 331 

Sitzung; vom 12. April 1860: Übersicht 359 

Einbrodt, Über den Einfluss der Athembewegungen auf Herz- 
schlag und Blutdruck. (Mit i Tafel und 1 Holzschnitt.) 361 

Kner , Über Belonesox belizarms , nov. gen. et spec. aus der 

Familie der Cyprinodonten. (Mit 1 Tafel.) 419 

— Übersicht der ichthyologischen Ausbeute wahrend der 

Reise Sr. kais. Majestät Fregatte Novara 423 

Suess , Über die Spuren eigentümlicher Eruptions-Erschei- 
nungen am Dachstein- Gebirge 428 

Sitzung; vom 19. April 1860: Übersicht 443 

Frauenfeld, R. v., Diagnosen einiger neuer Insecten und Unter- 
suchung mehrerer Sandproben verschiedener Küsten- 
punkte, gesammelt während der Reise Sr. Majestät Fre- 
gatte Novara 447 

Stur, Beiträge zu einer Monographie des Genus Astrantia. (Mit 

1 Karte.) 469 

Haidinger, Eine Leitform der Meteoriten. (Mit 2 Tafeln.) . . . 525 

Sitzung; vom 26. April 1860: Übersicht 537 

Hauer, Karl Bitter v. , Krystallogenetische Beobachtungen. 

II. Reihe. (Mit 2 Tafeln.) 539 

Steindaehner , Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fischfauna 

Österreichs. Dritte Folge. (Mit 3 Tafeln.) 555 

Kolenati, Beiträge zur Kenntniss der Arachniden. (Mit 3 Tafeln.) 573 

Molin, Primitiac Musei Archigymnasii patavini 582 

Hauer, Karl Ritter v. , Krystallogenetische Beobachtungen. 

III. Reihe. (Mit 1 Tafel.) 589 

Helmholtz und v. Piotrowski, Über Reibung tropfbarer Flüs- 
sigkeiten. (Mit 2 Tafeln.) 607 



SITZUNGSBERICHTE 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 



XL. BAND. 



SITZUNG VOM 8. MÄEZ 1860. 



N° 7. 



VII. SITZUNG VOM 8. MÄRZ 1860. 



Das hohe Ministerium des Innern übermittelt mit Zuschrift 
vom 16. Februar den ersten Theil eines durch die königl. nieder- 
ländische Gesandtschaft für die kaiserl. Akademie eingelangten 
Werkes von J. Bosquet: „Monographie des Brachiopodes fossiles 
du terrain cretace superieur du duche de Limbourg". 

Das w. M. Herr Prof. Dr. Roc bieder in Prag sendet eine 
Note: „Über das Vorkommen des Fraxin in der Rinde von Aesculus 
Ilippocastamim" . 

Herr W. Z eng er, Lehrer der Physik am k. k. Gymnasium 
zu Neusohl, ersucht um Aufnahme einer Abhandlung: „Über die 
Bewegung der Lichtwellen in anisotropen Medien" in die Schriften 
der Akademie. 

Das w. M. Herr Director v. Littrow liest: „Über das Mikro- 
meter mit lichten Linien bei den Wiener Meridian -Instrumenten". 

Das c. M. Herr Bergrath Franz R. v. Hauer legt im Namen 
des Herrn Hofrathes Haidinger folgende Mittheilungen vor: 

1. Über das Cocain, eine organische Base in der Coca, von dem 
c. M. Geheimen Medicinalrath Wühler in Göttingen; 

2. Sammlung recenter Conchylien, Geschenk von Sir William 
Th. Denison, Gouverneur von Sydney; 

3. Der Hörnesit, eine neue von Herrn Prof. Kenngott bestimmte 
Mineralspecies. 

Herr Ritter v. Hauer überreicht ferner einen „Nachtrag zur 
Kenntniss der Cephalopoden- Fauna der Halstätter Schichten". 

Das c. M. Herr Prof. Dr. Kner liest eine Abhandlung: „Zur 
Charakteristik und Systematik der Labroiden". 



4 

Herr Dr. G. Tschermak übergibt zwei Abhandlungen: 
i. Über secundäre Mineralbildungen im Griinsteingebirge bei 

Neutitschein ; 
2. Über Calcitkrystalle mit Kernen. 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Akademie, königl. Preussische. Monatsbericht, Dec. 1859; 8°- 
Astronomical Journal, The, edited bv B. A. Gould. Nr. 130. 

Vol. VI, Nr. 10. Cambridge, 1859; 4°- 
Astronomische Nachrichten, Peters. Nr. 1235 — 37. Altona, 

1860; 4o- 
Bosquet, J., Monographie des Brachiopodes fossiles du terrain 
cretace superieur du duche de Limbourg. Premiere partie: 
Craniadae et Terebratulidae (subfamilia Thecidiidae). (Extrait 
du troisieme volume des Memoires pour servir ä la description 
geologique de la Neerlande.) Haarlem, 1859; 4°- 
Cosmos.IX. annee, XVI. vol. , livr. 7— 9. 1860; 8°- 
Geologische Reichsanstalt, k. k. Jahrbuch, X. Jahrgang, Nr. 3. 

1859; 8°- —Sitzung am 31. Jänner 1860; So- 
Gesellschaft, königl. baier. botanische, zu Regensburg. Flora, 
oder allgemeine botanische Zeitung; red. von Dr. A. E. Fiirn- 
rohr. Regensburg, 1859; 8°- — Denkschriften, Band IV, 
Abth. 1 ; 4o- 
— k. k. mährisch -schlesische zur Beförderung des Ackerbaues, 
der Natur- und Landeskunde in Brunn. Mittheilungen. Interim. 
Hauptredacteur H. Weber. Jahrgang 1859; 4°- 
Halle- Wi ttenberg, Universität. Akademische Gelegenheits- 
schriften. 
Istituto Veneto, I. R., di scienze, lettere od arti. Atti. Tomo V, 

serie terza, disp. 3. Venezia 1859- 60;.8<>- 
Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer. Heraus- 
gegeben von G. F. Walz und F. L. Winkler. Band XXIII, 
Heft 1. Januar. Heidelberg, 1860; So- 
Land -und forstwirtschaftliche Zeitung, Allgemeine; red. von Dr. 

J. Arenstein. Jahrgang X, Nr. 6, 7. Wien, 1860; So- 
Mittheilungen aus Jtisttis Perthes' geographischer Anstalt, von 
Dr. A. Petermann. Jahrgang 1860, II. 4 n - 



Societe Imp. des seiences naturelles de Cherbourg. Memoires. 

Vol. II, 1854, und Vol. V, 1857. Cherbourg; So- 
So ci et e Imp. des Naturalistes de Moscou. Nouveaux memoires. 

Tome XII. Moscou, 1860; 4<>- 
Verein für Naturwissenschaften zu Hermannstadt. Verhandlungen 

und Mittheilungen, Jahrgang X, Nr. 7—12. 1859; 8°. 
— Österreichischer Ingenieur-, Zeitschrift; red. von J. Herr. 

Jahrgang XI, December 1859. 
Wiener medizinische Wochenschrift; red. von Dr. Witt eis höf er. 

Jahrgang X, Nr. 7—9; 1860; 4°- 



ABHANDLUNGEN UM) MITTHEILUNGEN. 

Über das Cocain, eine organische Base in der Coca. 

Schreiben des correspondirendcn Mitgliedes 

Fr. Wöhler an W. Haidinger, 

wirkliches Mitglied der kaiserliche!! Akademie der Wissenschaften. 



VORWORT. 
Von dem w. M. Vf. Haidinger. 

Indem ich der hochverehrten mathematisch -naturwissenschaft- 
lichen Classe das werthvolle Schreiben meines hochverehrten Freun- 
des Wöhler überreiche, erlaube ich mir einige Worte über den 
Antheil zu sagen, welchen ich selbst dabei genommen, und der Ver- 
anlassung war, dass es mir gegönnt ist die erste Kunde über die 
Eigenschaften dieses merkwürdigen Körpers, des Cocain 's, vorzu- 
legen. Schon während der Vorbereitung für die Erdumsegelung hatte 
Wöhler in einem Schreiben den Wunsch ausgesprochen, von die- 
ser so vielfältig besprochenen Pflanze durch die „Novara" Material zur 
chemischen Untersuchung zu erhalten. Herr Dr. Scherz er hatte in 
einer Sitzung (am 7. April, Mittheilungen 1857, Bd. I, St. 130) der 
k. k. geographischen Gesellschaft die Erwerbung von Coca zu Ver- 
suchen aller Art als eine der Aufgaben hingestellt. Während der 
Zeit der Reise glaubte ich der unmittelbare Bezug könnte rascher 
noch zum Ziele führen, und wurde dabei auf das Freundlichste 
von unserem hochverehrten correspondirenden Mitgliede Herrn 
Dr. J. J. von Tschudi unterstützt, der selbst zu diesem Zwecke an 
seinen Freund Herrn Mariano de Rivero , damals Generalconsul der 



( S{ II a i il i u g e r. 

Republik Peru in Brüssel , schrieb. Der leider zu früh eingetretene 
Tod dieses hochverdienten Mannes unterbrach die eingeleiteten 
Schritte. Als aber Herr Dr. Scherz er im Mai 1859 die „Novara" 
in Valparaiso verliess, und über Lima und Panama nach Europa 
ging, anstatt die Fregatte um das Cap Hörn herum zu begleiten, 
so erwarb er nicht nur eine gute Partie Coca, sondern er sah auch 
die Ungelegenheit, einen Theil als Passagiergut mit sich zu führen, 
nicht für zu gross an, um sie nur ja gewiss frisch und im guten 
Zustande nach Europa zu bringen. Anfangs September kam Dr. 
Scherzer in Wien an. Am 13. holte ich ihn in seiner Wohnung 
ab, wir nahmen die Kiste Coca mit in die k. k. geologische Reichs- 
anstalt. Dort wurde sie eröffnet, die äussere Holzkiste und sodann 
das innere verlöthete Weissblech-Behältniss. Es wurde ein Theil 
des Inhaltes herausgenommen zur Übergabe an die Herren k. k. 
Regierungsrath Professor K. D. Schroff, k. k. Professor Redten- 
b ach er u. s. w., und ohne den Inhalt an Blättern auszuleeren, sandte 
ich den Rest, der Schätzung nach etwas mehr als die Hälfte des 
Ganzen (einer „Arroba" = 20*573 Wiener Pfund) an meinen hoch- 
verehrten Freund Wöhler nach Göttingen ab. Durch die Erd- 
umsegelung der k. k. Fregatte „Novara", unter unseres trefflichen, 
unternehmenden Dr. Scherzer's aufmerksamer Sorgfalt, ging auf 
diese Weise der Wunsch unseres Wöhler in Erfüllung. Nur wenige 
Wochen später, am 9. October, sandte mir auch Herr von Tschudi 
ein Packetchen Coca, etwa ein Pfund, das er selbst von seiner letzten 
südamerikanischen Reise mitgebracht , und das ich gleichfalls an 
Freund Wöhler spedirte. Auch die von einem bolivianischen Che- 
miker dargestellte „Cocaina" hatte Herr von Tschudi an Wöhler 
gesandt, die sich aber, wie Letzterer fand, als Gyps erwies, wie 
dieses Herr v. Tschudi selbst in einer früheren unserer Sitzungen 
mittheilte. So war es mir vergönnt, gewissermassen als verbinden- 
des Glied zwischen den mit Wien und dem Kaiserreiche zusammen- 
hängenden Unternehmungen einerseits und dem Orte der chemischen 
Untersuchung Göttingen andererseits zu wirken , ohne doch selbst 
einen Antheil von Arbeit als eben diese Vermittlung mein nennen zu 
dürfen. Aber gerade diese ist es, welche meinen hochverehrten 
Freund Wöhler bestimmte, an mich sein Schreiben zu richten, 
wofür ich ihm hier meinen innigsten Dank darbringe. 



Über das Cocain , eine organische Substanz in der Coca. {) 

Gottlngen, am 28. Februar 1860. 

üie wunderbaren physiologischen Wirkungen, welche von der 
Coca, den Blättern von Erythroxylon Coca, berichtet werden, und 
welche diese Pflanze in Südamerika zu einem Gegenstande der Cul- 
tur und des Handels gemacht haben, Hessen schon im Voraus darin 
einen besonderen organischen Korper als das eigentlich wirksame 
Princip vermuthen, von dem mit grosser Wahrscheinlichkeit anzu- 
nehmen war, dass er zur Classe der organischen Basen gehören 
werde. Auch sind zur Auffindung dieses wirksamen Bestandteiles 
bereits verschiedene Versuche gemacht worden, von denen aber 
keiner zu einem positiven Resultate geführt hat, vielleicht weil zu 
kleine Mengen der Blätter oder zu alt gewordenes Material zur 
Untersuchung genommen wurden. Diese letzteren Schwierigkeiten 
sind nun durch die grosse Quantität Coca beseitiget worden, welche 
Sr. k. k. Apostolischen Majestät Fregatte „Novara" von ihrer Reise 
um die Erde mitgebracht, und wovon mir eine Partie durch die 
Direction der k. k. geologischen Reichsanstalt freundlichst zugesendet 
worden ist. Überhäuft mit zu vielen anderen Obliegenheiten, war 
ich nicht im Stande diese interessante Arbeit selbst vorzunehmen. 
Ich übertrug sie einem der Assistenten am hiesigen Laboratorium, 
Herrn Niemann, der, vollkommen geübt indergleichen Untersu- 
chungen, dieselbe mit grossem Geschick und rühmlichster Ausdauer 
ausgeführt hat, und dem es gelungen ist in der Coca in der That 
eine eigenthümliche, krystallisirbare organische Base zu entdecken, 
der nach dem üblichen Sprachgebrauch der Name Coca 'in beigelegt 
werden kann. Die Arbeit ist indessen noch weit entfernt beendigt zu 
sein, denn wenn auch das Dasein und die Eigenthümlichkeit des 
Cocain's feststeht, so ist doch seine Zusammensetzung noch nicht 
sicher ausgemittelt, und es sind über die zweite Hauptfrage, die Art 
seiner physiologischen Wirkungen, die vielleicht zu wichtigen medi- 
cinischen Anwendungen führen, die beabsichtigten Beobachtungen an 
Thieren und Menschen noch nicht gemacht, und es sind die übrigen 
Bestandteile der Pflanze, worunter sich eine eigenthümliche Gerb- 
säure zu befinden scheint, noch nicht näher untersucht. Die gegen- 
wärtige Mittheilung ist also nu/ eine vorläufige, mit dem Vorbehalte, 
der kaiserlichen Akademie später die vollständigen Resultate in einer 
ausführlichen Abhandlung vorlegen zu dürfen. 



j (J II a i d i n g e r. 

Zur Darstellung des Cocain's wandte Herr Niemann, nach 
mancherlei fruchtlosen Versuchen, das folgende Verfahren als das 
zweckmässigste an: Die fein zerschnittenen Coca- Blätter wurden 
mehrere Tage lang mit Alkohol von 85 Proc. , dem etwas Schwefel- 
säure beigemischt war, digerirt, die entstandene dunkelbraun-grüne 
Lösung ausgepresst, filtrirt, und darauf mit Kalkhydrat versetzt. 
Hierdurch wurden unter anderem ein Theil des Chlorophylls und ein 
Wachs ausgeschieden, welches aus dem Niederschlage farblos dar- 
gestellt werden konnte. Die davon abfiltrirte Flüssigkeit, die schwach 
alkalisch reagirte, wurde mit Schwefelsäure neutralisirt, der grösste 
Theil des Alkohols davon abdestillirt und der Rest desselben im 
Wasserbade abgedunstet. Der Rückstand wurde mit Wasser ver- 
mischt, wodurch eine schwarzgrüne, halbflüssige Masse abgeschieden 
wurde, welche viel Chlorophyll enthielt, während sich eine gelbbraune 
Lösung bildete, die von ersterer abfiltrirt werden konnte. Diese 
Lösung enthält nun das Cocain als schwefelsaures Salz. Sie wurde 
mit kohlensaurem Natron versetzt , wodurch die Base in noch unrei- 
nem Zustande als brauner Niederschlag gefällt wurde. Der Nieder- 
schlag wurde mit Äther behandelt, welcher das Cocain mit Zurück- 
lassung der Unreinigkeiten auflöste. Nach demAbdestilliren des Äthers 
blieb es in Gestalt einer eigenthiimlich riechenden, noch grünlich-gelb 
gefärbten firnissähnlicheu Masse zurück, in der sich aber bald con- 
centrisch-strahligeKrystallisationen zu zeigen anfingen. Durch wieder- 
holte Behandlung mit Alkohol wurde es geruch- und farblos erhalten. 
Am besten krystallisirte es aus der Alkohollösung. wenn diese mit so 
viel Wasser versetzt wurde, dass ein Niederschlag zu entstehen anfing. 

Das Cocain krystallisirt in färb- und geruchlosen kleinen Pris- 
men. In Wasser ist es schwer, in Alkohol leichter und sehr leicht in 
Äther löslich. Seine Auflösung in Alkohol reagirt stark alkalisch und 
besitzt einen eigenen bitterlichen Geschmack. Dabei übt es auf die 
Zungennerven die merkwürdige Wirkung aus. dass die Berührungs- 
stelle nach wenigen Augenblicken wie betäubt, fast gefühllos wird. 
Es schmilzt schon bei 98° C, und erstarrt dann wieder strahlig- 
krystallinisch. Stärker erhitzt, färbt es sich erst röthlich und zersetzt 
sich dann unter Entwicklung eines ammoniakalischen Geruchs. Nur 
ein sehr kleiner Theil scheint sich dabei unzersetzt zu verflüchtigen. 
Auf Platinblech erhitzt, verbrennt es mit leuchtender Flamme ohne 
Rückstand. 



Über das Cocain , eine organische Base in der Coca. 

Das Cocain neutralisirt die Säuren vollständig, indessen schei- 
nen die meisten Salze nicht leicht zu krystallisiren, sondern lange 
im amorphen Zustande zu verharren. Am leichtesten, feinstrahlig 
krystallisirt das salzsaure Salz. Salzsaures Gas wird von trockenem 
Cocain unter so starker Wärmeentwickelung gebunden, dass letzteres 
dabei schmilzt. 

Die Lösung des salzsauren Cocain's ist durch folgende Reactionen 
charakterisirt. 

Kaustische und kohlensaure Alkalien fällen daraus 
weisses Cocain, löslich im Überschuss von Ammoniak, nicht in dem 
von fixem Alkali. 

Goldchlorid bildet einen hellgelben, dickflockigen Nieder- 
schlag , löslich in heissem Wasser, noch leichter in heissem Alkohol, 
woraus das Doppelsalz in glänzenden gelben Blättchen auskrystalli- 
sirt. Sehr merkwürdig ist sein Verhalten beim Erhitzen, indem es 
dabei ein Sublimat von Benzoesäure gibt. 

Platin c hl ori d bildet einen gelbbraunen, flockigen Nieder- 
schlag, der rasch krystallinisch wird. 

Quecksilberchlorid fällt eine weisse, amorphe Verbindung. 

Phosphormolybdänsäure fällt weissgelb, flockig. 

Pikrinsäure schwefelgelb, flockig, bald harzähnlich werdend. 

Gerbsäure bewirkt für sich keine Färbung, aber auf Zusatz 
von Salzsäure entsteht sogleich ein dichter graulicher Niederschlag, 
der ebenfalls sich bald harzähnlich zusammenballt. 

Jod wasser bewirkt einen kermesbrauuen Niederschlag. 



[ 2 ü a i d i u g e r. 



Sammlung recenter Conchylien. 

Geschenk von Sir William Th. Denison in Sydney. 

Bericht von dem w. M. W. Ilaidinger. 

Es ist mir eine unabweisliche, aber zugleich höchst erfreuliche 
Pflichterfüllung , der hochverehrten Classe Nachricht ülier eine 
werthvolle Sendung von Conchylien zu geben , und zugleich dem 
hochverehrten ausgezeichneten Geher meinen innigsten Dank dar- 
zubringen für das freundliche Wohlwollen , das er uns fortwährend 
widmet. Seine Excellenz, Sir William Thomas Denison, könig- 
lich grossbritannischer General-Gouverneur von Australien, ist selbst 
ein höchst eifriger und kenntnissreicher Sammler recenter Con- 
chylien. Er hatte bereits eine Sammlung von 161 Species an die 
wissenschaftliche Commission der k. k. Fregatte „Novara" über- 
geben, als dieselbe in der Nahe von Sydney vor Anker lag. Mir 
hatte Sir William freundlichst einen Katalog der Sammlung über- 
sandt, und ich hatte die Ehre vor einem Jahre in unserer Sitzung 
am 10. Februar 18Ö9 (Sitzungsberichte, Band XXXIV, Seite 362) 
dieses schönen Geschenkes dankend zu erwähnen. Eine Abschrift 
des Kataloges überreichte ich an unsern hochverehrten Collegeu 
Herrn Director und Bitter V. Kollar vom k. k. zoologischen Hof- 
Cabinet. 

Die neue Sendung , gevvissermassen eine Fortsetzung des 
früheren Geschenkes, hatte Sir William während der Zeit des Auf- 
enthaltes unseres hochverehrten Freundes Dr. Hochstetter in 
Neuseeland vorbereitet, und als dieser nun Anfangs October auf der 
Heimreise sich ihm wieder vorstellte, so übergab er demselben die 
Sammlung, nebst einem Verzeichnisse des Inhaltes zur Übergabe an 
mich, und in Folge dessen brachte Dr. Hochstetter die Gegen- 
stände selbst mit und überreichte sie mir nach seiner Ankunft. Ich 
beabsichtige nun dieselbe wieder an das k.k. zoologische Hof-Cabinet 



Sammlung reeenter Conchylien. I l ,\ 

zu leiten, und namentlich in erster Linie für das aus den Ergebnissen 
der Erdumsegelung in der Bildung begriffene „Novara-Museum". 
Dort wird erst die eigentliche wissenschaftliche Bearbeitung der- 
selben vorgenommen werden. Allein ich müsste als gewiss voraus- 
setzen, dass die Bearbeitung nur nach einem grösseren Massstabe, 
und vereinigt mit den reichen Ergebnissen der Aufsammlung der 
Herren selbst , welche die wissenschaftliche Commission bildeten, 
geschehen könnte, und so nebst der weniger in die Augen fallenden 
Stellung auch eine längere, in der That nicht zu beurtheilende Zeit 
hinausgeschoben werden müsste. Mir aber muss Alles daran liegen, 
die dankbarste Anerkennung dem hochverehrten Geber sobald wie 
möglich, und noch dazu im Schosse der kaiserlichen Akademie der 
Wissenschaften selbst darzubringen, wo wir alle so lebhaften Antheil 
an den Fortschritten unserer Novara- Expedition nahmen. So bitte 
ich denn um freundliche Nachsicht, wenn ich nur eine ganz rasche 
Übersicht, mehr mit dem geographischen als dem eigentlich zoolo- 
gisch-wissenschaftlichen Interesse des Ergebnisses, der Sendung 
vorlege und um freundliche Entgegennahme meines Dankes an Sir 
William Denison. 

Der Inhalt der schönen Sammlung trefflich erhaltener Exem- 
plare von 191 Species ist in dem nachfolgenden Verzeichnisse 
enthalten. 

Die Anordnung der Species ist die in dem „Handbuch der Con- 
chyliologie und Malakozoologie von Dr. R. A. Phil ippi", gegen- 
wärtig in Santiago de Chile, vom Jahre 1853. Sie stimmt sehr 
nahe mit dem Verzeichnisse Sir W. Denison's, wenn sie auch 
von den Anordnungen von Gray, Reeves und dem neuen Werke 
von Henry und Arthur Adams „The Genera of Recent Mollusca", 
welche die sämmtlichen Mollusken -Familien umfassen, mehr oder 
weniger abweicht, aber ich glaubte, dass es wünschenswerth sein 
würde, Nachweisungen inBezug auf ein uns allgemein leicht zugäng- 
liches Werk zu vermitteln. Ich hielt mich streng an das letztere, 
wenn ich auch die Namen beibehielt, welche Sir W. Denison in 
seinem Verzeichnisse vorzog. Ich reihe nun die 89 Geschlechter in 
systematischer Folge an einander, bezeichne die Anzahl der Species in 
jedem der beiden Verzeichnisse durch eine Ziffer und füge die Loca- 
litäten bei, von welchen in dem einen und in dem anderen die freund- 
lichst gesandten Exemplare herrühren, wobei die in der zweiten 



14 H a i d i n g e r. 

Sendung, welche mit denen in der ersten übereinstimmen, nicht wieder- 
holt werden. So glaube ich in den wenigen Zeilen ein anschauliches 
Bild grosser Mannigfaltigkeit darlegen zu können. 

Cl. Gastropoda. Ptectinibranchia. Pterocera, 3, 1, Südsee; Batavia. 

— Strombtis , 13, 6, Neu-Caledonia, Sharks-Bay (West-Australien) , Ceylon; 
Batavia, China, Neu-Caled. — Seraphys, 0, 1, Neu-Caled. — Conus, 0, 9, 
Südsee, Neu-Caled., Seychellen, Diego Garcia. — Plenrotoma, 1, 4, Port 
Jackson, Batavia, China. — Fasciolaria, 0, 4, Neu-Caled. — Turbindia, 0, 1, 
Ceylon. — Cynodonta, 0, 3, Neu-Caled. — Latirus, 0, 1, Ceylon. — Pyrula, 
4, 2, Ceylon, China. — Rapana, 0, 2, Neu-Caled., China. — Murex, 7, 1, Neu- 
Caled., Ceylon; Batavia. — Triton, 7, 2, Neu-Caled., Tasmania, Port Jackson; 
Amboina. — Ranella, 2,2, Ceylon, Neu-Caled.; China, Diego Garcia. — 
Persona, 0, 2, Amboina. — Purpura, 11, 0, Neu-Caled.. Moreton-Bay, Ceylon. 
Ost-Australien. — Ricinula, 4, 1, Neu-Caled., Indien, Moreton-Bay- — Colum- 
bella, 7, 4, Ceylon , Sharks-Bay, Neu-Caled. , Ost-Australien , Tasmania, Port 
Jackson; Moreton-Bay. — Pisania, 0, 2, Neu-Caled. — Nassa , 0, 13, Indien. 
Tasmania, Neu-Caled., Feejee-Inseln , Adelaide S. A. , Sharks-Bay W. A. 
Moreton-Bay, Port Jackson, Vorgebirg der guten Hoffnung. — Phos, 0, 1, Neu- 
seeland. — Buccinum, 1, 1 , Ceylon, Neuseeland. — Cominella , 4, 0, Cap, 
Port Jackson, Bass Straits, Kempfinger Sund. — Terebra, 6, 5, Neu-Caled., 
Indien, Südsee; rothes Meer. — Cassis , 1, 3, Ceylon; Indien, Batavia. — 
Cassidea, 1, 0, Ceylon. — Dolium, 4, 2, Australien, Neu-Caled., Indien; China. 

— Malea, 1, 0, Australien. — Eburna, 0, 2, China. — Voluta, 0, 1, China. — 
Mitra, 0, 3, Neu-Caled., Moreton-Bay. — Oliva , 13, 5, Südsee, Indien, Neu- 
Caled., Ceylon, Schiffer-Inseln, Madagascar, Sharks Bay, Feejee-Inseln, Batavia. 

— Ancillaria, 1, 0, Neuseeland. — Harpa, 3,1, Südsee, Neuseeland; China. 

— Cypraea, 0, 11, Südsee, Neu-Caled., indischer Ocean. — Ovula, 0, 1, Südsee. 

— Turritella, 2, 2, Ceylon, Tasmania; China. — Ceritkium, 0, 10, Neu-Caled., 
Madagascar , Port Jackson , Ost - Australien , St. Georges Sund . China. — 
Paludina , 0, 3, Calcutta, Neuseeland. — Melania, 1,4, Neu-Caled.; Feejees, 
Sandwich-Inseln, Madagascar. — Planaxis, 4,0, Sharks-Bay, Neu-Caled., Indien. 
Morelon Bay. — Litorina, 0, 5, Woodlark-Insel, Cap, Port Jackson, Mauritius. 

— Solarium, 0, 2, Mauritius. — Jantitina, 0, 1, Australien. — Natica, 0, 5. 
Australien, Neu-Caled.; Mauritius, Moreton-Bay. — Phorus, 0, 3, Mauritius. — 
Scu tibranchi a. Nerita, 0, 6, Australien. — Neritina , 0, 2. Feejees, Mau- 
ritius. — Elea, 0, 1, Neuseeland. — Turbo, 0, 3, Neu-Caled., China. — Mono- 
donta , 0, 1, China. — Bankivia, 1 , 0, Port Jackson. — Cycl obranchia. 
Chiton, 0, 1, Port Jackson. — Tectibranchi a. Dolabella, 0,1, Neuseeland. 

— Bulla, 0, S, Indien , Neuseeland, Moreton-Bay , China. — Pulmonaria. 
Helix, 3, 13, Australien, Neu-Seeland, Ceylon; China, Nord-Australien, Neu- 
Georgien, Percy-Inscl, Norfolk-Insel. — Partula. 0, 2, Neu-Caled. — Bulimus, 
0. 2, Neu-Caled. , Salonions-Inseln, Neuseeland. — Achatina, 0, 2. Madagascar. 
Mauritius. — Scarabus, 1, 0, neue Hebriden. — Anricula, , 1 , N. S. Wales. 

— Conovolus, 0,2, Neu-Caled., England. — Physa, 1. <*, Neu-Caled. — Aniphi- 



Sammlung recenter Conchylien. \ \\ 

bola, 0, 1, N. S. Wales. — Cycloslonta, 0, 1, Mauritius. — Pteropoda. Theco- 
somata. Hyaloca, 0, 1 , südlicher stiller Ocean. — Conchiferae. Dimyaria, 
Venus und Cytherea, 7, 7, Neu-Caled., Sharks-Bay; Tasmania, China. — Circe. 
0, 3, China. — Tapes, i, 5, Neu-Caled. , Ceylon, Indien, China. — Donax, 
i, 0, Ost-Australien. — Teilina, 2, 0, Neu-Caled., Ost- Australien. — Psam- 
mobia, 0, 1, Port Jackson. — Maetra, 1, 0, Port Jackson. — Cyelas, 1, 0, Neu- 
Caled. — Cardium, 2, 2, Sharks-Bay; Moreton-ßay. — Ilemicardium, 0, 2. 
Neu-Caled. — Lucina, 1, 0, Neu-Caled. — Cardita, 1, 0, Neu-Caled. — Area, 
0, 3, China. — Pcetunculus, 0, 1, N. S. Wales. — Unio, 0, 2, China. Deteroiujaiia, 
Mytilus, 0, i, China. — Lithodomus, 0,2, Neu-Caled. — IHuiioiiiyaria. 
Avicula, 0, 1, N. S. Wales. — Peeten. 2, S, Neu-Caled.: China, Amhoina. — 
Spondylus, 0, 2, China. 

Nur in einzelnen Fallen sind die speeitischen Namen beigesetzt. 
Sir William bemerkt, dass er selbst für die Namen der Genera 
nicht für jeden Fall ganz sieber ist. Dies muss wohl um so mehr 
der Fall sein, als auch in dieser Abtheilung naturhistorischer For- 
schungen die immerwährenden Entdeckungen und das fortschrei- 
tende Systematisiren grosse Mengen von neuen Namen geschaffen 
haben und viele der vorliegenden Gegenstände erst durch den Unter- 
nehmungsgeist des hochverehrten Gebers aufgesammelt wurden, 
durch Anwendung von Schleppnetzen, durch stets sich mehrende 
Verbindungen von Sydney aus mit Sammlern, ohne dass die Stücke 
erst durch die bestimmenden Kräfte der Forscher im Mutterlande 
die Namen der allerneuesten Periode erhalten hätten. Sir W. Deni- 
son hebt in einem freundlichen Begleitschreiben an mich hervor, 
wie viele der Species von ganz neuen Aufsammlungen, von Neu- 
Caledonien und den zunächst um den Mittelpunkt Sydney umher- 
liegenden Inseln des stillen Oceans herrühren, und Australien selbst 
ein reiches Feld dem Naturforscher darbietet, das in Bezug auf Con- 
chyliologie fortwährend neue Entdeckungen, neue Species und neue 
Genera bringt. Er wird gerne auf den Wunsch unserer Forscher 
für ausführlichere Mittheilungen in speciellen Richtungen sorgen. 
Er gab auch Herrn Dr. Hochstetter einige Exemplare der oben 
erwähnten Helix von Neu-Georgien, welches kürzlich von einem 
unternehmenden Sammler besucht wurde, der auch den naturhistori- 
schen Gegenständen seine Aufmerksamkeit schenkte, während er 
vorzüglich auf Sandelholz und Eiche de mar ausging. 

Sir W. D e n i s o n bereitet manche wichtige Werke zur 
genaueren Kenntniss der Naturproducte der Colonien vor. Er selbst 



1 ({ H a i d i n g e r. 

ist mit mikroskopischen Untersuchungen, namentlich der Zahnsysteme 
der Mollusken beschäftigt, welche so oft bei neben einander lebenden, 
sonst sehr ähnlichen Species ganz verschieden sich darstellen. Es 
werden von denselben auch photographische Bilder angefertigt, die 
sehr hoffnungsvoll ausfallen, und gute Erfolge in Aussicht stellen. 
Vergrösserte Photographien der Holzarten der Colonien werden 
ebenfalls gefertigt, und namentlich ist Capitän Ward in dieser Rich- 
tung beschäftigt. Sie sind vor der Hand bestimmt, in Herrn Professor 
M ü 1 1 e r's in Melbourne grossem botanischen Werke über die Victoria- 
Pflanzen herausgegeben zu werden. Einsendung der Ergebnisse ist 
uns freundlichst zugesagt. 

Sir William Denison ist es auch, der den Antrag zur Heraus- 
gabe auf Kosten der Regierung einer „Naturgeschichte der briti- 
schen Colonien" in Gang gebracht hat, welche von den Gesellschaften 
in England auf das Nachdrücklichste unterstützt worden ist. Ich kann 
es mir nicht versagen hervorzuheben, wie Sir William in seinem 
freundlichen Schreiben vom 2. December 1859 erwähnt, dass er 
meines hochverehrten Freundes Herrn Directors und Commandeurs 
Dr. M. Hörn es prachtvolles Werk über die fossilen Mollusken des 
Tertiär-Beckens von Wien (tlic magnificent work on the fossils of 
the tertiary strata) bei dieser Veranlassung als ein nacbahmens- 
werthes Muster der Vorgänge dargestellt hat. Ich werde hier nicht 
den Gegensatz hervorheben in derBeurtheilung eines Werkes, welches 
dort als ein Ehrenzeichen für unsere Staats -Verwaltung betrachtet 
wird, während es hier in seiner Ausführung so manches schwer zu 
überwindende Hinderniss gefunden hat. Aber ich freue mich, dass 
wenigstens von Aussen her die Anerkennung des Werthes seiner 
Arbeit meinem hochverehrten Freunde nicht gefehlt hat. So schön 
dies für ihn genannt werden muss, so lässt sich doch nicht leugnen, 
dass es anregender für den Fortschritt der Wissenschaften in unserer 
Mitte wäre, wenn inländische Anerkennung, die Anerkennung durch 
selbstständiges Urtheil in nächster Nähe als Massstab für das Urtheil 
in fremden Ländern hingestellt werden könnte. 

In Bezug auf unsern hochverehrten Freund Herrn Dr. Hoch- 
stetter und seine so höchst anregenden Forschungen in Neusee- 
land bemerkt Sir William, er hoffe, Dr. Hochstetter würde hin- 
längliche Unterstützung zur Herausgabe seiner Werke an Berichten 
und Karten linden, wo nicht in Deutschland, doch gewiss in England 



Sammlung' recenter Conchylien. \ 7 

(if not in Germany at all cvents in England). — Auch Sir Rode- 
rick Murchison schreibt unter dem 7. Februar, er hoffe, der Zustand 
der kaiserlichen Finanzen werde nicht die Herausgabe so wichtiger 
Forschungen verhindern (the State of the Imperial Finances will 
not prevent the pablieation of such important researches). Wohl 
dürfen wir uns um des Kernes der Sache wegen dieser Theünahme 
in den beiden Hemisphären freuen , wenn sie auch bei dem Seiten- 
blicke auf die Möglichkeit eines Mangels an der erforderlichen Kraft 
wieder etwas Beengendes hat. Wie immer aber die Verhältnisse sich 
gestalten mögen, so dürfen wir denn doch wohl hoffen , dass das 
Erkenntniss der Pflicht, zu arbeiten, auch fortan seine Stelle behaup- 
ten wird. Nur wer arbeitet, hat Anspruch auf Anerkennung, aber 
diese wird ihm auch gewiss, wenigstens von entfernten theilneh- 
menden Freunden nicht versagt, wie uns die eben erwähnte Thatsache 
in Bezug auf unsern hochverehrten Freund Hörnes beweist. 

Die höchste Theünahme für die grossen Ergebnisse zu erwecken 
geeignet sind die vorläufigen Nachrichten über „Dr. Ferdinand 
Hochstetter's Reise durch die nördliche Insel Neuseelands, 
5. März bis 24. Mai 1859, von J. F. Haast in Auckland" in der 
so eben von Herrn Dr. A. Petermann mir freundlichst übersandten 
Nr. III seiner rühmlichst bekannten „Mittheilungen u. s.w." Ich darf 
ihrer wohl dankbar hier gedenken, wenn auch nicht näher auf den 
Inhalt eingehen, da sie in einem vielverbreiteten Werke sogar in 
deutscher Sprache vorliegen. 



Sitzb. d. inathem.-natiirw. Cl. XL. Bd. Nr. 7. 



j $ II a i d i n g e r. 



Der Hörnesit, eine neue von Herrn Professor Dr. G. A. 
Ke n ng ott bestimmte Miner alspecies. 

Von dem vv. M. W. Haidinger. 

Der Zweck der gegenwärtigen Mittheilung ist die Berichter- 
stattung über die Ergebnisse meiner eigenen mineralogischen Ver- 
gleichungen, angeknüpft an die Mittheilung des Begründers der 
Sjrecies, welche ich auf Veranlassung des Herrn Prof. Kenngott 
in der Sitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt am 28. Februar 
vorgelegt hatte. Es wird mir daher heute gelingen, Einiges, nament- 
lich was die regelmässigen Formen betrifft, näher zu umschreiben, 
eine Angabe des specifischen Gewichtes beizufügen, so wie endlich 
die numerischen Ergebnisse der chemischen Analyse, welche wir 
Herrn Karl Bitter von Hauer verdanken. 

Als Einleitung gebe ich in wenigen Worten die Geschichte der 
Aufstellung der Species. Unser hochverehrter Freund, Herr Professor 
Kenngott, damals noch am k. k. Hof-Mineraliencabinet , hatte 
längst das gewisse specifisch-charakteristische Ansehen aufgefasst, 
das einem Exemplare aus dem Banale zukam, welches in der grossen 
Sammlung daselbst als krystallisirter Talk aufgestellt war. Es stammte 
aus der van der NülFschen Sammlung und war dort früher auch 
als solcher von unserem verewigtem Mohs besehrieben worden. 
Kenngott hatte die Bestimmung nicht vollendet, als er Wien ver- 
liess und dem Rufe nach Zürich folgte, docli hatte er ganz kleine 
abgetrennte Fragmente, die ihm früher zur Untersuchung gedient 
hatten, mit sich genommen. Er selbst hatte schon früher die Gegen- 
wart von Wasser und Magnesia erkannt, und diese wurde auch von 
Herrn Karl Bitter v. Hauer bestätigt. Eine vollständige qua- 
litative Untersuchung war nicht gemacht worden. Versuche in 
Zürich, mitganz kleinen Splittern vorgenommen, waren ebenfalls nicht 
vollkommen zufriedenstellend. Herr Dr. Ken ng o tt sandte nun, mit 
dem W T unsche, dass doch eine vollständige quantitative Analyse ver- 



Der Hörnesit. 



19 



anstaltet werden möge, seinen vorläufigen Berieht über die Bestimmung, 
so weit sie vorlag, an Herrn Director Hörnes ein und überliess ihm 
und mir die Bildung eines specifischen Namens. Ich wählte den Namen 
Hörnesit, um von meiner Seite an dieser Species die Erinnerung der 
freundlichsten Beziehungen festzuhalten, welche zwischen dem aus 
dem Verbände des k. k. Hof-Mineraiiencabinets geschiedenen gedie- 
genen Mineralogen und dem ausgezeichneten Director dieses reichen 
Museums, meinem hochverehrten Freunde, Herrn Dr. M. Hörnes noch 
gegenwärtig unverändert stattfinden. Gerne suche ich gesellschaft- 
liche und historische Beziehungen dieser Art in den Namen zu bewahren. 
Der Name des Gebers bleibt ohnedem für spätere Zeiten mit dem 
Namen der Species verbunden. Es hat mir immer eine Art von Hero- 
stratismus geschienen, wenn Personennamen bios um des Umsfandes 
Willen, dass sie eben Personennamen sind, von mineralogischen 
Nomenciatoren unterdrückt, und dafür andere oft wenig charakteri- 
stische Namen vorgeschlagen worden sind. Es schien, als wolle man 
dahin streben, dass nur der Name des Nomenciators in der Geschichte 
der Entwickelung der Wissenschaft übrig bliebe. 

Aber ich wünschte nun auch selbst nach Linne's Princip 
„Verus Botanicus oculis propriis , qua singularia sunt, observat, 
nee stia solum ex auetoribus compilat (Grit. Bot. )•' auf den mine- 
ralogischen Fall angewandt, jenes von Kenngott deutlich bezeich- 
nete Stück in der Wirklichkeit zu vergleichen. Herr Director 
Hörnes vertraute mir es freundlichst an, und ich freue 
mich heute schon das Ergebniss meiner Untersuchung vor- 
legen zu können. 

1. Form. Augitisches Krystallsystem. Krystall -Indi- 
viduum bis zur Länge von einem halben Zoll, bei einer 
Breite von einer halben Linie sind in sternförmig im Bruche 
erscheinenden Gruppirungen auf einer Unterlage von Kalk- 
spath in Hohlräumen aufgewachsen , doch berühren sie sich 
gegenseitig fast in der ganzen Länge, so dass nur etwa 
l l / z Linie lange, sehr spitzwinkelige Blättchen in die noch 
unerfüllten Drusenräume hineinreichen. Die allgemeine Form 
ist der gewöhnlicher Gypskrystalle ungemein genähert, nur 
dass der scharfe Winkel der rhomboidischen Blättchen viel 
spitziger ist, er beträgt am Gyps 52° 16', während ich durch gra- 
phische Messung für den Hörnesit freilich nur als Annäherung 36° 



Y\i 



:P: 



20 



II a i (1 i n g e r. 



fand. Überhaupt war es sehr schwierig, nur einigermassen eine 
Schätzung zu gewinnen, doch glaube ich, ist es vortheilhafter, annä- 
hernde Winkelmaasse und möglichst naturgetreue Zeichnungen zu 
geben, als sich nur mit Beschreibung zu begnügen. 

Ich habe in der Fig. i die Flächen mit den am Gyps gewohn- 
ten Buchstaben bezeichnet. 

Folgende sind die Winkelmaasse: 

Am Hö'rnesit 



Am Gyps 
(nach Miller) 



/"gegen f, anliegend . . 

I gegen l, anliegend . . 

f - l 

Kante -^ gegen Kante — 



107° 
152 

144 



111' 
143 



42' 
42 



127 44 



Fior. 2. 



Bei dem Umstände, dass die Winkelmaasse nur die Ergebnisse 
erster Annäherung sind, schien es mir noch nicht an der Zeit, 
Linear- Ab messungselemente der Krystallformen zu berechnen. In 
der That sind die Krystallblättchen so fein und zugleich auch in 
nahe paralleler Stellung fächerförmig anein- 
ander gewachsen, dass ich, was ich fand, nur 
als ein vorläufiges Bild darzustellen wünsche. 
Es gelang mir übrigens auch in den dünn- 
sten Krystallblättchen die Lage der optischen 
Elasticitätsebenen zu erkennen und graphisch 
zu schätzen. Sie stimmen nicht mit irgend 
einer der Seiten der rhomboidischen Blättchen 
AB oder BC überein, sondern haben, ähn- 
lich wie im Gyps abweichende Lagen. So 
fand ich den Winkel A BE ungefähr = 15°, 
wo BE der Durchschnitt einer der Elasticitäts- 
ebenen ist. BD senkrecht auf BE ist der 
Durchschnitt der zweiten Elasticitätsebene. In 
einer und der andern Richtung ist das Licht 
vollständig absorbirt, wenn die Polarisations- 
ebenen der zur Untersuchung angewendeten 
Apparate gekreuzt sind. 
Zu den mineralogisch-optischen Untersuchungen, wie die gegen- 
wärtige, bediene ich mich eines kleinen, wenig kostspieligen Appa- 
rates (Fig. 3), den mein hochverehrter Freund Herr Professor 
J. Schabus nach meiner Angabe durch Herrn Opticus Prokesch 




Der Hörnesil. 



21 



ausführen liess. Das Stück AB ist eine Spiegelglasplatte, BC ein 
Stück Spiegel. Bei B und bei C sind Charniere, so dass man das 
hellste Licht in senkrechter Richtung vor sich hat. Zusammen- 
geklappt ist der Apparat nur zwei Zoll lang, einen Zoll breit und 
einen halben Zoll hoch. Bei D wird eine Turmalinplatte mit Wachs 
aufgeklebt. Bei E legt man auf den durchsichtigen Tisch AB die 
zwischen zwei Glastafeln mit Balsamkitt eingeklebten Krystall- 
blättchen. Man betrachtet nun dieselben von oben in der Richtung 
ED durch eine dichroskopische Loupe. Wenn im schwarzen Felde 
der Krystall ebenfalls schwarz erscheint, verschwindet, ist die Lage 
der Elasticitätsaxe gefunden. Im hell erleuchteten Felde ist aber das 
Blättchen in seinem Umrisse pio. 3 

sichtbar. Man kann also, indem e 

der ganze Vorgang so geleitet j_n 
wurde, dass der hier erwähnte 
kleine Spiegeltisch auf ein Blatt 
weisses Papier gelegt wird, auf 
dem letztern ein Lineal ein- 
mal parallel den Seiten der 
viereckigen Lichtöffnung der 
Loupe und dann parallel den Kanten der Krystallblättchen auflegen 
und die Lage durch einen Bleistiftstrich bezeichnen, und so den 
Winkel finden, welchen die Elasticitätsebene mit einer Ebene durch 
die Seite des Blättchens einschliesst. Dass so etwas nur eine unge- 
fähre Schätzung gibt, ist wohl augenscheinlich, aber es ist doch 
diese besser, als auf die Kenntniss zu verzichten, welche man solcher- 
gestalt erhalten kann. 

Auf diese Art schätzte ich den Winkel ABE= 15°. Da nun 
ABC= 144» ist, in runder Zahl, so bleibt MBC= 144° — 105° 
= 39o und FMB = 51°. Nun ist aber beim Gyps der Winkel FBÄ 
— 127» 44', die Lage des Durchschnittes der einen der Elasticitäts- 
ebeneu mit der Fläche AB CD aber, FMB' = 37» 8'. Der W 7 inkel 
BMB', der Unterschied der Lage der Elasticitätsebenen in den 
beiden Species Gyps und Hörnesit ist also = 51° — 37° 8' = 
13° 52', was doch auch, so wenig es als letzte Grenze der Genauig- 
keit angesehen werden kann, ebenfalls eine grosse Übereinstimmung 
in dem allgemeinen augitischen Charakter der regelmässigen Formen 
des Hörnesits beweist. 




22 Hai ding er. 

Die Oberfläche der Krystalle ist schwach gestreift , parallel der 
Längenrichtung oder den Durchschnitten von F und P, (oo A und 
oqÜ), fast nur auf den letzteren zu sehen, da die Individuen doch gar 
zu klein und dünn sind. Parallel der P-Fläche vollkommenste Theil- 
barkeit. Das Gesammtansehen auf dem Bruche der kugelförmig 
zusammengehäuften Krystalle erinnert lebhaft an den Pyrophyllit in 
den dünnsten Blättchen. 

Masse. Weiss. Die Krystalle durchsichtig und der Form ent- 
sprechend optisch zweiaxig. In dickeren Stellen durchscheinend. Auf 
den Theilungsflächen vollkommener Perlmutterglanz. Höchst milde und 
die dünnen Blättchen biegsam. Härte = OS bis 1*0. Es ist nicht 
möglich, mit einem Stückchen Hörnesit den Talk der Härtestufe 1-0 
zu ritzen. Gewicht gefunden = 2 474 bei 13° R. 

Materie. Über die chemische Natur des Hörnesits verdanke 
ich Herrn k. k. Hauptmann Karl Ritter v. Hauer, Vorstand des 
chemischen Laboratoriums der k. k. geologischen Reichsanstalt, die 
nachstehende Darstellung: 

„Das Mineral ist in Wasser nicht, aber in Säuren leicht und 
ohne Rückstand auflöslich. Durch Glühen wird die Löslichkeit 
nicht geändert. Es zeigt nach dem Erhitzen eine blassbläuliche 
Färbung. 

Die Lösung gab nach Erhitzen mit schwefliger Säuren und Ein- 
leiten von Hydrothion einen reichlichen Niederschlag von Arsen- 
sülfür. Die Säure dieser Verbindung ist sonach Arsensäure. Die nach 
Abscheidung der Arsensäure neutralisirte Flüssigkeit gab mit oxal- 
saurem Ammoniak keinen Niederschlag, wohl aber mit phosphor- 
saurem Natron und Ammoniak, wodurch die Gegenwart von Magnesia 
constatirt wurde. 

Proben auf andere Bestandteile ergaben ein entschieden nega- 
tives Resultat. 

Beim Erhitzen der Substanz in einer Probirröhre entwickelt 
sich viel Wasser, welches nicht reagirt. 

Die constituirenden Bestandtheile sind sonach: 
Magnesia, Arsensäure und \\ asser, 
und es zeichnet sich das Mineral durch einen besonderen Grad von 
Reinheit aus. 

Die quantitative Abscheidung der Beskuidtheile geschah in 
gleicher Art wie jene, welche zur Erkenntniss ihrer Gegenwart 



Der Hörnesit. 23 

führte. Das nach der Reduction durch Hydrothion gefällte Arsen- 
sülfür wurde in Königswasser gelöst und die hiedurch reproducirte 
Arsensäure mittelst einer Auflösung von schwefelsaurem Magnesia 
und Ammoniak gefällt. Die Magnesia wurde als phosphorsaure 
gewogen. 

Im Wasserbad verliert das Mineral nur eine sehr geringe Menge 
Wasser (0*66 Procent), die ganze Menge aber noch unter der 
Glühhitze. 

Resultate der Analyse. 

0-906 Gramm gaben 0'600 Gramm zweibasisch phosphorsaure 

Magnesia = 2386 Procent Magnesia. 
1-828 Gramm gaben 1-280 Gramm zweibasisch phosphorsaure 
Magnesia = 25-23 Procent Magnesia. 
Im Mittel 24-54 Procent Magnesia. 
1-035 Gramm verloren durch Erhitzen 0-303 Gramm = 29-27 

Procent. 
1098 Gramm verloren durch Erhitzen 0-317 Gramm = 28-87 
Procent. 

Im Mittel 2907 Proceut Wasser. 
1-828 Gramm gaben 1400 Gramm (H 4 N0.2MgO) As0 5 + HO 
= 46*33 Procent Arsensäure. 

In 100 Theilen sind sonach enthalten: 

Magnesia . . . 2454 ( 1 227 305 = 3 

Arsensäure . . 4633 Äquivalente l 0402 1 =1 

Wasser . . . 2907 ' 3230 803 = 8 
99-94 

Die Substanz ist sonach dreibasiscb arsensaure Magnesia mit 
8 Äquivalenten Wasser nach der Form- 

SMgO.AsO; + 8HO. 

Berechnet Gefunden 

3 Äquivalente MgO 00 24-29 24-54 

i As0 5 115 46-55 46-33 

8 HO 72 2915 29-07 



247 99-99 99-94 

Von natürlichen Vorkommen arsensaurer Verbindungen, die 
einige Analogie in chemischer Beziehung mit dem Hörnesit zeigen, 
sind folgende bekannt: 



24 Haidinger. 

1. Pharmakolith 2CaO.As0 5 -f 6HO. 

r. ii. 

Arsensäure . . . 50'54 45-08 

Kalkerde .... 2500 27-28 

Wasser 24-46 2386 



10000 9682 

I. Von Wittichen im Fürstenbergischen analysirt von Klap- 
roth (Beiträge III. Bd., S. 277); II. von Andreasberg analysirt von 
John (Gehlens' Journal für Chemie und Physik III. Bd., S. 537). 

Eine krystallisirte Varietät des Pharmakoliths von unbekanntem 

Fundorte untersuchte Turner und fand : 

7901 arsensaure Kalkerde, 
20-99 Wasser, 



10Ü-ÜO (Poggendor f f's Ann. Bd. V, p. 188.) 

2. Haidingerit 2CaO.As0 5 + 4HO. 
Turner fand : 

81)681 arsensaure Kalkerde, 
14-319 Wasser, 
100000 

Pikropharmakolith von Biechelsdorf in Hessen 

££ } **•<>• + 12H0 

nach Stromeyer's Analyse (Gilberts Annalen 61. Bd., S. 18o) 
46-971 Arsensaure, 
24-646 Kalkerde, 

3-223 Talkerde, 

0-998 Kobaltoxyd, 
23-977 Wasser, 
99-815 

Berzeliit, enthält nach Kühn (Ann. der Pharm. Bd. 34, S.211) 
58-51 Arsensäure, 
23-22 Kalkerde, 
15-68 Talkerde, 

2-13 Manganoxydul, 

0'30 Kohlensäure und eine Spur Eisenoxyd, 



99-84 
Dies entspricht der Formel: 

(3CaO.As0 5 ) + (3MgO.AsO s ). 
Beine arsensaure Magnesia wurde also bis jetzt noch nicht 
aufgefunden , aber auch auf künstlichem Wege wurde dreibasisch 
arsensaure Magnesia noch nicht dargestellt." 



Der Hörnesit. J25 

Splitter von Hörnesit schmelzen schon in der Kerzenflamme. 
Als Erscheinungen vor dem Lötlirohre könnten noch erwähnt werden, 
dass mit Kohaltsolution die rosenrothe Färbung den Magnesia- 
gehalt anzeigt, sowie dass mit kohlensaurem Natron und Kohle 
gemengt, nicht nur im Beductionsfeuer der Arsenikgeruch wahr- 
genommen wird, sondern in der Glasröhre auch ein reiches Sublimat 
von Arsenik sich metallisch absetzt. 

In einem späteren Schreiben an Herrn Üirector Hörnes sagt 
Kenngott über die Stellung im Systeme, dass das Mineral wohl in 
die von ihm „Monoklashaloide'^ genannte Abtheilung passen würde, 
was wohl auch ganz in der Natur der Species gegründet ist. 

In demselben Schreiben äussert Herr Professor Kenngott, 
dass er der in dem Kalkspath eingewachsen erscheinenden Granat- 
krystalle wegen Oravitza für den im „Banat" näher zu bezeichnen- 
den Fundort halte. In dem grössern Stücke in dem k. k. Hof-Mine- 
raliencabinet zeigen sich sehr schön ausgebildete durchsichtige 
Granatoide von blass spargelgrünem Granat. Der Fundort der in dem 
blauen Kalkspath eingewachsenen braunen Granatkrystalle ist wohl 
eigentlich Cziklowa bei Oravitza, mit dein bekannten Wollastonit 
verwachsen und von Apophyllit seeundärer Erzeugung in den Drusen- 
räumen begleitet. Auch der Hörnesit erscheint in Drusenräumen 
zwischen Kalkspath, aber die Farbe des letztern zieht doch noch 
viel mehr in das Graue. Es verdient übrigens gewiss alle Beachtung, 
dass der Kalkspath selbst in grossen bis zwei Zoll Seite der Bhom- 
boeder der Theilbarkeit haltenden Individuentheilen in einem Drusen- 
raume gebildet zu sein scheint, indem noch Eindrücke von Kry- 
stallen, welche früher bestanden, von der dem aufgewachsenen 
Hörnesit entgegengesetzten Seite in dem Kalkspath übrig geblieben 
sind. Sie sind gegenwärtig noch zum Theil mit einer erdigen gelb- 
lich-grauen milden Masse erfüllt, welche nach Herrn Karl v. llauer's 
Untersuchung ein Thonerde-Silicat ist. 

Die Form der ursprünglichen Krystalle ist die von wohlgebil- 
deteu, regelmässigen Oktaedern. Ob sie von Magneteisenstein her- 
rühren, der in jenen Gegenden so vielfällig einheimisch ist? Waren 
es vielleicht Magnoferrite, inagnesiahallige Magneteisensteine, wie 
sie uns mein hochverehrter Freund Bammelsberg kennen gelehrt 
(Pogg. Ann. 1859, Bd. 107, S. 454), die von einem Gemenge von 
Schwefelsäure und Arseniksäure aus verwitterndem Arsenikkies 



26 H a i d i n g e r. Der Hörnesit. 

zerlegt wurden, wobei ein Theil der neu gebildeten Körper zurück- 
blieb, ein anderer löslicherer Theil hinweggeführt wurde? Übrigens 
findet sich auf demselben Stücke auch noch deutlich frischer, unver- 
änderter Magneteisenstein, aber derb, nicht in Krystallen , in kleine- 
ren Partien zwischen den Kalkspaththeilen. Man sieht, das Exemplar 
der von unserem hochverehrten Freunde, Herrn Professor Kenngott 
neu bestimmten Species, welcher den Namen „Hörnesit" beizulegen 
mir durch eine besondere Gunst der Verhältnisse beschieden war, 
ist in gar vieler Beziehung anregend und wichtig, und es ist recht 
sehr wünschenswerth, dass man mehrere Stöeke in älteren Samm- 
lungen auffinden oder durch neuere Anbrüche erhalten könnte, um 
noch fernere Studien anzuknüpfen. 



v. Littrow. Über das Mikrometer mit lichten Linien etc. Cl 



Über das Mikrometer mit lichten Linien bei den Wiener 
Meridian-Instrumenten. 

Von dem w. M. Karl v. Littrow. 

(Mit i Tafel.) 

Eine längere Erfahrung mit dem Mikrometer, das ich in seinen 
Einzelheiten und mit der Geschichte seiner Entstehung vor einiger 
Zeit zur Kenntniss der Akademie *■) gebracht, hat auf eine eigenthüm- 
liche Schwierigkeit geführt, die sammt deren Lösung hier mitzutheilen 
ich für meine Pflicht halte. 

Um jenen Lesern, welche meinen früheren Aufsatz nicht zur 
Hand haben, sofort versländlich zu sein, erwähne ich vor Allem, dass 
es sich um Hervorbringung lichter Linien im dunklen Gesichtsfelde 
eines Fernrohres handelt. Im vorliegenden Falle wurde dies dadurch 
erreicht, dass man die Fassung des Rohres beiläufig in der Mitte 
seiner Länge durchbrach und vor die Öffnung eine mit einem Gemenge 
von Kopalfirniss und feinem Lampenrusse überzogene Glasplatte 
brachte, auf welcher gewisse Linien geritzt, also vom Überzüge befreit 
und wieder durchsichtig gemacht wurden. Ein im Inneren des Roh- 
res und hinter jener Platte angebrachter Spiegel leitete das durch 
eine Lampe erhellte Rild der Ritzen auf ein kleines seitlich vom 
Hauptlichtkegel desTeleskopes ebenfalls im Inneren desselben belind- 
liehes Objectiv , das in der Ebene des Brennpunktes jene Ritzen in 
Form von lichten Linien sichtbar machte. 

Dem verfolgten astronomischen Zwecke gemäss waren bei der 
zunächst für Meridian-Instrumente bestimmten Vorrichtung die Ritzen 
in zwei auf einander senkrechteu Lagen gezogen , so dass sich im 



J j Sitzungsberichte der k. Akad. d. Wiss. mathem.-naturw. Cl. Bd. XX, S. 253. 



ÄÖ V. L i 1 1 r o \v. 

Gesichtsfelde horizontale und verticale lichte Linien zeigten. Die 
belegte Glasplatte und der Spiegel wurden in der auf das Fernrohr 
senkrechten Hauptdrehungsaxe des Instrumentes und so angebracht, 
dass die horizontalen Linien parallel zu derjenigen Ebene lagen, 
welche durch die optische Axe des Fernrohres und die Rotationsaxe 
geht. 

Da die gewöhnlichen, von lichtem Hintergründe sich schwarz 
abhebenden Fäden nicht zu entbehren sind und immer als die eigent- 
lichen Ausgangspunkte der Messung gelten müssen, so kam es darauf 
an , die Distanz der lichten Linien von diesen Faden zu bestimmen. 
Da fand es sich nun bald, dass der Abstand der verticalen lichten 
Linien von den verticalen Fäden bedeutender Veränderlichkeit unter- 
liege, während die gegenseitige Lage der horizontalen Linien und 
Fäden immer nahezu dieselbe bleibt. Da vermöge der Construction 
des Instrumentes für die Bestimmung der letzteren Lage der Kreis 
an der Axe benützt werden konnte, während man jenen Abstand, der 
verticalen Linien und Fäden durch Sternvorübergänge mass, so schrieb 
ich anfangs jene wahrgenommene Veränderlichkeit der Unvollkom- 
menheit dieser Methode zu, und sorgte desshalb für Anbringung eines 
Schraubenmikrometers, das durch zwei auf einander senkrechte 
bewegliche Fäden sowohl die eine als die andere jener Distanzen auf 
das schärfste zu bestimmen erlaubte. Da diese Vorrichtung von der 
Werkstätte des hiesigen polytechnischen Institutes mit seltener 
Meisterschaft ausgeführt wurde , und auch in anderen Beziehungen 
von grossem Nutzen ist, so glaube ich hier eine kurze Beschreibung 
derselben einschalten zu müssen. 

Fig. 1 gibt die vordere Ansicht des Apparates in natürlicher 
Grösse nach Abhebung der in Fig. 2 ersichtlichen Deckplatte AB, 
in welche bei V, W das Ocular geschraubt wird. Fig. 2 stellt den 
Durchschnitt durch die Rectaseensionsschraube GL dar. CD ist die 
fixe Platte der gewöhnlichen Fäden; die vier Schräubchen an den 
Ecken dieser Platte (Fig. 1) haben kleine Spielräume, um durch die 
dni Schrauben E die Fällen collimiren zu können. Hierzu dient 
eigentlich die mittlere Schraube bei gelösten Seitenschrauben, 
welche erst nach gehöriger Stellung der Platte zur Fixirung dersel- 
ben angezogen werden. FGJ1 ist die Gabel, welche den beweglichen 
Doppelfaden trägt, und in die bei G die Mikrometerschraube L ein- 
greift. Spiralfedern bei T,F,J1 vermitteln den richtigen Gang der 



Über das Mikrometer mit lichten Linien etc. ä9 

betreffenden Schieber. J, K sind die beiden an der inneren Seite 
abgeschrägten Leisten, zwischen denen die Gabel FGH läuft. In 
ganz analoger Weise ist der Theil der Vorrichtung, welcher für die 
Declinationsschraube 31 dient, unter der Platte CD der gewöhnlichen 
Fäden angebracht. Zwei Backen N, nähern den betreffenden beweg- 
lichen Faden den anderen beiden Systemen. P, Q (Fig. 2) sind die 
den Leisten J,K (Fig. 1) analogen Stücke, so wie R, S die untere 
Gabel für den wieder doppelten Deelinationsfaden, und mit dieser 
die Backen N, unveränderlich verbunden. U endlich ist die Platte, 
auf welcher die sämmtlichen Apparate befestigt sind. 

Der Werth einer Revolution der Rectascensionsschraube des 
Mikrometers beträgt 46 v 2548, der der Declinationsschraube 46 r 3043 ; 
die Trommeln beider Schrauben sind in 100 Theile getheilt, das 
Zehntel eines Intervalles lässt sieh noch ganz wohl schätzen, so dass 
man an sich bei unserem Fernrohre (von 50'" Öffnung, 63" Brenn- 
weite und ISOmaliger Vergrösserung) etwa r 05 messen könnte. 
Zur Beurtheilung der Sicherheit dieser Messungen, bei welchen 
immer die fixen Fäden so wie die lichten Linien zwischen den 
beweglichen Doppelfaden gestellt wurden , also, jedem einzelnen 
Resultate bei den vertiealen Linien zwei, bei den horizontalen vier 
Einstellungen zu Grunde lagen, theile ich hier und zwar absichtlich 
für die vertiealen Fäden ein paar Reihen von Bestimmungen mit: 

Distanz zwischen dunklem Hau|i(fa<lcn und lichter Mittellinie. 

1859, Sept. 13: 2 S 603 1859, Sept. 27: 2?791 

2o75 2-769 

2-57Ü 2-809 

2-553 2-782 

2-603 2-782 



2-519 Mittel . . 2-787 

Mittel . . 2-571 

So vorzüglich dieses Mikrometer auch arbeitete, konnte man 
sich doch bald überzeugen, dass jene Variabilität damit nicht wegzu- 
bringen sei. Nachstehende Zusammenstellung gibt die innerhalb eines 
Jahres bei Gelegenheit der Beobachtungen am Meridianskreise von 
dem mit diesem Instrumente betrauten Assistenten, Herrn M. Alle, 
gemachten Messungen. V bedeutet die Distanz der vertiealen lichten 
Mittellinien von dem vertiealen Hauptfaden in Zeitsecunden, // eben 



30 



v. L i t t r o w. 



so die gegenseitige Entfernung für die horizontalen lichten Linien 
und Fäden in Bogensecunden. In der letzten Columne erscheinen die 
notirten Temperaturen, da die Vermuthung eines Einflusses von dieser 
Seite nahe lag 1 . 



1858 




V 


n 


Mai 


IS. 


3M24 


86 r 95 




18. 


3-139 


87-65 


Juni 


4. 


3-201 


86-86 




5. 


3 145 


87-45 




8. 


3 145 


86-76 




9. 


3163 


86-53 




li. 


3 123 


86-26 




14. 


3- 176 


86-21 




15. 


3161 


8612 




30. 


3-173 


86-90 


Juli 


6. 


3-161 


86-81 




9. 


3- 126 


87-09 




19. 


3-154 


86-40 


Aug. 


13. 


3-049 


86-40 




14. 


3-072 


86-99 




ii;. 


3-028 


86-40 


Sepf 


13. 


3 • 028 


86-40 




14. 


3-068 


86-86 




11). 


3-034 


88-II6 


Oct. 


7. 


2-570 


86-17 




8. 


2-599 


86 ■ 49 



j-12 9 2 
13-0 
16-4 
15-9 
17-0 
18-4 
18-8 
20-0 
19-6 
16-2 
17-8 
1S-2 
18-6 
ISO 
18-0 
17 
160 
15-0 
15 
13-0 
13-0 



Mau sieht hier auf den ersten Blick, welchen grossen Schwan- 
kungen die Grössen V ausgesetzt sind, während H kaum grössere 
Verschiedenheiten zeigt, als man eben wegen unrichtiger Einstellung, 
kleiner Unvollkommenheiten der MikrometerschiMube etc. für unver- 
meidlich wird gelten lassen müssen; jene Varianten betragen in 
maximo 0-631 = 9 r 465, während diese nur 2 '54 erreichen; dabei 
bewegen sich die Zahlen für H zwischen ihren Grenzwerthen bald 
in diesem, bald in jenem Sinne, während sie bei V durch geraume 
Zeit nahezu denselben Werth behalten, oder Monate lang einen 
gewissen Gang zeigen und dann sich plötzlich ändern. Die betref- 
fenden Temperaturen beweisen, dass die hier betrachteten Verände- 
rungen aus dieser Quelle durchaus nicht herzuleiten sind. Es ist 
übrigens wohl zu beachten, dass in den einzelnen mikrometrischen 
Messungen, aus welchen obige Zahlen abgeleitet wurden, die erwähnte 



1858 




V 


// i 


Oct. 


14. 


2 S 926 


86 v 07 + 10 ? 




16. 


3-052 


85-75 HO 




18. 


3-037 


85-80 f 8-0 


Nov. 


9. 


2-852 


87-56— 2-0 




10. 


3-019 


86-58 2-0 




13. 


2-938 


86-81— 1-0 




20. 


2-954 


86-81 0-0 




23. 


2-898 


86-58— 1-0 


Dec. 


30. 


2-940 


87-32 (- 1-2 


1859 








Febr 


7. 


2-787 


88-29 f 1'6 




21. 


2-883 


87-69 0-0 


März 


10. 


2-803 


87-37f 4-4 




21. 


2-806 


87-37 6-9 




23. 


2-784 


87-69 4-0 




28. 


2-809 


87-34 7-8 




29. 


2-804 


87-09 9-6 


April 


1. 


2 • 790 


87-11 2-6 




7. 


2-804 


87-30 8-6 




26. 


2-794 


87-95 10-7 




27. 


2-803 


87-93 LI -4 



Über das Mikrometer mit lichten Linien etc. O 1 

Variabilität ganz den lichten Linien zufällt, während die Einstellung 
auf die dunklen Fäden beinahe constant ist, wofür als Beleg nach- 
stehende Zahlen gelten mögen, welche die unmittelbaren Ablesungen 
am Schraubenmikrometer für die verticalen Fäden und Linien, so wie 
den Unterschied beider Lesungen in Einheiten der Revolution geben: 

dunkler lichte „.-. 

,, . ... Differenz 

Faden Linie 

1858, Mai 15. 19-852 18-839 1-013 
Juni 4. 19-854 18-816 1-038 

14. 19-853 18-823 1-030 

Oct. 7. 19-878 19-044 0-834 

8. 19-876 19-033 0-843 

14. 19-878 18-929 0-949 

Nov. 10. 19-866 18-887 0-979 

1859, Febr. 7. 19-845 18-938 0-907 
März 29. 19-834 18-922 0-912 
April 27. 19-843 18-932 0-911 

Um uns über die Natur dieser Variabilität noch weiter aufzu- 
klären, wurden von sämmtlichen eben disponiblen Beobachtern in 
kurzen Zeitintervallen Bestimmungen der Distanzen V vorgenommen, 
von denen ich die folgenden mittheile. Jede dieser Bestimmungen 
beruht auf mehreren, unter einander vortrefflich stimmenden Mes- 
sungen; das überhaupt durch ein Klemmschräubchen festgestellte 
Ocular blieb wie während der ganzen hier betrachteten Periode so 
auch während dieser Versuche unverrückt stehen, und die einzelnen 
Beobachter glichen, wo es nöthig, die Verschiedenheit der Sehweiten 
durch Brillen aus. Der zweite und vierte Beobachter sind sehr kurz- 
sichtig, die anderen nahezu normal. 















Littrow 


Hornstein 


Alle 


Weiss 


Löwy 


1858, 


Dec. 


30. 


11 Uhr 


Mittags 






. 


2? 940 










30. 


2 


» 


Abends 








2-932 




. 






30. 


9 


w 


» 








2-936 




. 






31. 


10 


» 


Mittags 








2-928 


. 








31. 


12 


„ 


?5 






2? 023 


2-910 






1859. 


•Irin. 


3. 


10 


» 


Abends 






1-949 


2-783 










3. 


2 


n 


» 


2 ! 


'775 


1-912 


2-745 


l s 873 








3. 


9 


„ 


n 


2 


369 


1-954 


2-401 


1-884 


2 S 244 






4. 


12 


n 


Mittags 


2' 


656 


1-897 


2-390 


1-752 


2 • 668 






5. 


12 


„ 


» 


2 


■856 


2-553 


2-525 


1 • 680 


2-611 






5. 


8 


» 


Abends 








2-754 










8. 


9 


w 


„ 








2-738 










13. 


8 


n 


« 




, 




2-788 







di v. L i t t r o w. 

Es stellt sich damit unzweifelhaft heraus, dass nicht nur unter 
den verschiedenen Beobachtern , sondern auch bei einem und dem- 
selben Beobachter innerhalb weniger Stunden sehr bedeutende Ab- 
weichungen stattfinden, ja dass diese Abweichungen hier, wo jeder 
Beobachter sich besondere Mühe gab möglichst genau zu messen, 
weit grösser ausfielen als oben, wo der Beobachter noch völlig unbe- 
fangen zu Werke gegangen war. Es ist ferner sehr bemerkenswerth, 
dass Herr Dr. Hornstein durch eine Muskelwirkung auf das Auge 
die Distanz V willkürlich ändern konnte, so wie dass Herr Alle, 
wenn er an irgend einem Abende besonders abweichende Werthe 
dieser Abstände erhielt, sich oft erinnerte, die lichten Linien nicht 
deutlich gesehen zu haben, während, wenn er sich dessen rechtzeitig 
bewusst wurde und sein Auge mit Gewalt accommodirte, jene Werthe 
nahe dieselben blieben. Diese Umstände kennzeichnen die Erschei- 
nung als subjectiv, und ich kann den Grund derselben nur in nach- 
stehender Betrachtung finden. 

Da der Lichtbünde] des kleinen Objectives, welches das Bild der 
lichten Linien nahe bei dem Brennpunkte des Fernrohres hervorbringt, 
mit der optischen Axe des letzteren einen Winkel bildet, so wird das 
Andern der Sehweite eines unvollkommen accommodirenden Auges, 
wenn es gleich zu gering ist, um an dem Aussehen der Linien und 
Fäden sofort aufzufallen, eine bedeutende Änderung des Ortes der 
lichten Linien gegen die Fäden in derjenigen Ebene, in welcher 
die beiden optischen Axen (des grossen und kleinen Objectives) 
liegen, also bei der Construction unseres Apparates in der gegen- 
seitigen Distanz der verticalen Linien und Fäden bewirken, wäh- 
rend offenbar in der auf die eben genannte senkrechten Ebene der 
Abstand der horizontalen Linien von den horizontalen Fäden da- 
von nicht berührt wird — vorausgesetzt, dass das Accommodiren 
in einem Nähern und Entfernen der Netzhaut gegen die Krystall- 
linse bestehe. 

Mit dieser Erklärung war auch das Mittel zur Abhilfe an die 
Hand gegeben. Der Apparat musste gleichsam in zwei Theile zerlegt 
werden, von denen der eine ganz in der Stellung der bisherigen 
Vorrichtung nur die horizontalen lichten Linien hervorzubringen 
hat, während dem anderen Theile durch eine zweite mit Ritzen ver- 
sehene Tafel und durch ein zweites Objectivchen, die von den ana- 
logen Stücken des ersten Theiles an der Fassung des Bohres um 



Über das Mikrometer mit lichten Linien etc. 33 

90° abstanden, die Erzeugung der verticalen lichten Linien über- 
tragen wurde. 

Da die Fehler, welche bei der bisherigen Einrichtung dieser 
Quelle entspringen, auch für Differenzbestimmungen schon fühlbar 
werden konnten, so musste die eben angedeutete Modifieation nicht 
nur beim Meridiankreise, sondern auch bei dem mit Zonenbeobach- 
tungen beschäftigten Mittagsrohre vorgenommen werden. Ich zog es 
vor, die Änderung zuerst am Mittagsrohre eintreten zu lassen, um 
vorläufig Erfahrungen über die Construction zu machen, und diese 
dann bei dem ungleich wichtigeren Meridiankreise benützen zu kön- 
nen. Im October 1858 wurde das Mittagsrohr zum Behufe jener 
Abänderung in die Werkstätte abgeliefert, welche die Arbeit wegen 
Überhäufung mit anderen Aufträgen leider erst in diesen Tagen 
beendigen konnte. 

Zur näheren Erläuterung der Art, wie die Sache beim Mittags- 
rohre ausgeführt wurde , zeigt die beigegebene Tafel im Massstabe 
von */ 4 der wirklichen Grösse in Fig. 3 den Durchschnitt durch 
die Drehungs- und optische Axe des Instrumentes. A ist der Spiegel, 
welcher das von G kommende Licht der gewöhnlichen, für die 
Erleuchtung des Gesichtsfeldes bestimmten Lampe auf die belegte 
Glastafel B wirft *), in deren Überzug die horizontalen Linien geritzt 
sind; E das an der Ocularröhre befestigte Objectivchen , welches 
das Bild dieser Linien in der durch H gehenden Focalebene des 
Fernrohres erzeugt. Etwas höher als A steht der zweite Spiegel C, 
der sein Licht auf die zweite ebenfalls höher als B stehende belegte 
Glasplatte D wirft, welche die verticalen Ritzen hat. Ein wieder am 
Ende der Ocularröhre angebrachtes zweites Objectivchen, das an 
der Fassung des Rohres um 90° von E absteht, gibt bei H das Bild 
der verticalen Linien. 

Fig. 4 zeigt den Durchschnitt des Instrumentes in einer senk- 
recht auf die Drehungsaxe durch die optische Axe gelegten Ebene. 
Die Buchstaben A,B,C,D haben die frühere Bedeutung. F ist das 
kleine zur Hervorbringung der verticalen Linien bestimmte Objectiv. 



*) In unserem Falle war es nothwendig, das Licht der Lampe mittelst zweier Prismen in 
die rechte Richtung- zu bringen, da die Gestalt des Inneren der Drehungsaxe eine 
directe Bescheinung der Glastafeln nicht zuliess. Bei Gelegenheit dieser Abänderungen 
wurde zweckmässiger die Glastafel zwischen Spiegel und Ocular gestellt, statt wie 
früher der Spiegel zwischen Glastafel und Ocular. 
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XL. Bd. Nr. 7. 3 



34 v. L i t t r o w. 

In Fig. 5 , Durchschnitt des Instrumentes durch die Drehungs- 
axe senkrecht auf die optische Axe, stellen sich die heiden belegten 
Glasplatten mit ihren Lichtspalten dar. 

Fig. 6 endlich zeigt die beiden Objectivchen in einem auf die 
optische Axe senkrechten Durchschnitte der Ocularröhre. Von bei- 
den Linsen sind die inneren Segmente weggenommen, um dem Haupt- 
lichtkegel des Fernrohres freien Durchgang zu gestatten. 

Mit dieser Abänderung ist nun auch der weitere nicht gering 
anzuschlagende Vortheil erreicht, dass alle, in meinem oben ange- 
führten ersten Aufsatze über diesen Gegenstand, besprochenen Vor- 
sichten wegen unveränderlicher Stellung des Oculares wegfallen, 
und dieselbe wieder völlig dem Ermessen des jedesmaligen Beobach- 
ters anheimgestellt bleibt; denn offenbar sind die bei der früheren 
Einrichtung durch eine Verschiebung des Oculares hervorgerufenen 
Änderungen in der Lage der verticalen Linien gegen die verticalen 
Fäden ganz analoger Natur mit den hier besprochenen Wirkungen 
von Verschiedenheiten der Sehweite, und werden daher zugleich mit 
diesen Wirkungen behoben. 

Sobald auch der Meridiankreis in gleicher Weise eingerichtet 
ist wie das Mittagsrohr, werde ich mittelst des an jenem Instrumente 
befindlichen Schraubenmikrometers eine Reihe von Versuchen sowohl 
mit der bisherigen als mit der neuen Vorrichtung anstellen, die über 
das Wesen beider Apparate vielleicht noch manchen Aufschluss geben 
und von mir seiner Zeit mitgetheilt werden sollen. 

Ich kann übrigens nicht umhin bei dieser Gelegenheit ausdrück- 
lich zu erwähnen, dass die Vorrichtungen im Allgemeinen den von 
mir gehegten Erwartungen vollkommen entsprochen haben, sowohl 
was die Bequemlichkeit als den Nutzen betrifft. Die erstere Rücksicht 
ist hauptsächlich durch die von mir eingeführte Drehbarkeit der 
gewöhnlichen Beleuchtungs-Ellipse gewahrt, wodurch augenblicklich 
und ohne alle sonstige Störung des Instrumentes die lichten Linien 
oder die dunklen Fäden, oder auch beide Systeme sichtbar gemacht 
werden können. In letzterer Beziehung erwähne ich hier beispiels- 
weise, dass am Mittagsrohre bei einer Breite der Zonen von nur 15' 
in Declination durchschnittlich drei Sterne in der Minute bestimmt 
werden konnten , während das Fernrohr dieses Instrumentes so wie 
das des Meridiankreises bei beleuchtetem Gesichtsfelde kaum Sterne 
9 — 10. Grösse mit Sicherheit beobachten lässt, deren Zahl bekannt- 



Über das Mikrometer mit lichten Linien etc. 3 t) 

lieh zu jener Reichhaltigkeit hei weitem nicht hinreichen würde. 
Am Meridiankreise wurden im Jahre 1857 die Planeten: Parthenope 
(mit vorausberechneter Helligkeit 9*9), Psyche (10*1), Fides 
(10 7), Astraea (10- 1), Circe (11 -7, vielleicht zu klein ange- 
geben) wiederholt beobachtet. Im Jahre 1858 bestimmte man am 
Meridiankreise : Themis (1 1 • 4), Fortuna (10-0), Melpomene (10 • 5), 
Thalia (9*8), Nysa (11*0) und den Kometen Bruhns; ebenso im 
Jahre 1859: Calliope (9-8), Massalia (9-8), Mnemosyne (10-0), 
Proserpina (HO), Parthenope (9-6), denen noch Amphitrite, 
Lutetia, Pallas und Psyche, obschon die betreffenden Helligkeiten 
(der Reihe nach: 9'3, 9*5, 9-4, 9-3) an sich nicht unter der hier 
zu betrachtenden Grenze lagen, desshalb beizufügen wären, weil 
diese Himmelskörper so wie auch einige der früher genannten sehr 
tiefe Stellungen hatten, während bei obigen Zahlen auf atmosphäri- 
sche Absorption keine Rücksicht genommen ist. Meine am angeführ- 
ten Orte aus anderen Gründen aufgestellte Ansicht, dass man den 
Bereich des Instrumentes durch Anwendung der lichten Linien um 
etwa zwei Grössenclassen erweitere, hat sich also auch auf diesem 
Wege vollkommen bestätigt. Dazu ist aber die von mir angegebene 
Form der lichten Linien, wonach dieselben nur aus kurzen, einander 
nirgends durchkreuzenden Stumpfen bestehen, zwischen denen der 
Stern sich stets auf dunklen Hintergrund projicirt, unerlässige 
Bedingung, wenn man die Beobachtungsart, was gewiss wünschens- 
wert^ der an Fadennetzen üblichen möglichst nähern will. Um auch 
schon vor der hier besprochenen Verbesserung des Apparates die 
Genauigkeit der Resultate thunlichst sicher zu stellen, wurden die 
Distanzen beider Systeme in der Regel an jedem Abende zweimal, 
vor und nach den Beobachtungen, bestimmt. Als Beispiel für die 
verticalen Linien und Fäden mag das Folgende dienen : 

Tor nach vor nach vor nach 

1859 der Beubacht. 1859 der Beobaeht. 1859 .1er Beohacht. 

Aug.9. -2!7H -2 s 66i Nov.3. +2*723 +2*7:55 Nov. 12. + 2 S 708 +2?631 
2-689 2-723 2-772 2-729 2-692 2677 

2-674 2-698 2-757 2-748 2-683 2-664 



—2-691—2-694 +2-751 +2-737 +2-694+2-657 

Mittel— 2-692 Mittel +2-744 Mittel +2-676 

Die mechanische Herstellung der eben besprochenen Apparate 
gehört allerdings nicht zu den leichten Aufgaben, und war uns hier 

3° 



3G v. Littrow. Über das Mikrometer mit lichten Linien etc. 

nur durch die Hilfe des Herrn G. Starke möglich. Indessen würde 
sich auch in dieser Beziehung manche Schwierigkeit beliehen, die in 
unserem Falle zu überwinden war, wenn bei dem ursprünglichen 
Baue eines Meridian-Instrumentes darauf Bedacht genommen würde. 

Schliesslich möchte ich mir eine kleine Abschweifung vom 
astronomischen auf physiologisches Gebiet erlauben. Die bis- 
herigen sogenannten Optometer oder Instrumente zur Bestimmung 
der Sehweite lassen noch so Vieles zu wünschen übrig, dass es mir 
der Mühe werth schiene zu untersuchen, ob die frühere Gestalt 
unseres Apparates in Bezug auf die verticalen Linien, bei welcher 
sich ja eben ein so merklicher Einfluss der Sehweite geltend machte, 
verbunden mit dem Schraubenmikrometer sich nicht zur Bestimmimg 
der Sehweite und ihrer Änderungen eignete. Was für den Astronomen 
eine Fehlerquelle war, und daher in seinem Einflüsse auf die Beob- 
achtungen möglichst herabgedrückt werden musste, würde nun zu 
dem eigentlichen Objecte der Untersuchung, und wäre daher gerade 
so kenntlich als möglich zu machen. Während mau also dort den Winkel 
zwischen den Axen der beiden Objective thunlichst verringerte, müsste 
derselbe im Gegentheile hier möglichst vergrössert werden. Zu sol- 
chem Zwecke würde der ganze Apparat vielleicht am besten aus zwei 
in derselben Horizontalen aber auf verschiedenen Seiten des Oculares 
belindlichen Vorrichtungen für verticale lichte Linien bestehen, deren 
gegenseitige Distanz sich also doppelt so stark ändern müsste als 
der Abstand solcher Linien von dunkeln Fäden, die eben nur bei 
einem Fernrohre in Betracht kommen. Das Schraubenmikrometer 
hätte blos in einer Richtung zu messen, wäre also viel einfacher als 
das oben beschriebene. 

Ich muss es den Ophthalmologen überlassen , diesen Vorschlag 
zu prüfen , und wenn sie denselben statthaft finden , weiter zu ver- 
folgen. 



Llllrnu-. Mikrometer mmi Kehlen Linien 




Pia. 



'1 



SF 



fii/ u 






laiui&u il k Akail .1 W math natura Cl. XL l),l X- ; illliil 



Rochleder. Über d. Vorkommen d. Fraxin in d. Rinde v. Aesculus HippocasL 3 i 



Über das Vorkommen des Fraxin in der Rinde von Aesculus 
Hippocastauum. 

Von Dr. Fr. Röchle der. 

Obwohl ich entschlossen war von den Resultaten meiner 
Untersuchung der Rosskastanie erst dann etwas zu publiciren, nenn 
diese Arbeit vollendet sein wird, so zwingt mich doch der Inhalt 
eines Schreibens vom Fürsten zu Sa 1 m-Hor st mar zur Publication 
der vorliegenden Notiz. 

Aus diesem Schreiben ersehe ich, dass Professor Stokes zu 
Cambridge sich überzeugt hat, dass das Paviin , welches er 
in der jungen Rinde von Aesculus Pavia gefunden hatte, iden- 
tisch ist mit dem Fraxin, welches Fürst zu S al m-Ho rstmar 
in der Rinde von Fraxinus excelsior entdeckt hat. Prof. Stokes 
hat nun mitgetheilt, dass er Fraxin oder Paviin auch in der Rinde 
von Aesculus Hippocastauum in geringer Menge aufgefunden habe, 
was mich zu der Veröffentlichung dieser Notiz bestimmt. 

Ich habe vor einiger Zeit Analysen des Fraxetin's, welches 
neben Zucker aus dem Fraxin durch die Einwirkung von Säuren 
in der Wärme entsteht, so wie eine Analyse des Fraxin oder Paviin 
mit Material angestellt, welches mir der Entdecker dieses Körpers 
zugesendet hatte, und die Resultate meiner Analysen sind von dem- 
selben in Poggendorffs Annalen veröffentlicht worden. 

Ich will hier die Methode kurz beschreiben, welche zur 
Isolirung dieses Bestandteiles führte, die diesen Körper in ziemlich 
reinem Zustande liefert. 

Vor zwei Jahren wurden etwa 50 Pfund von Kastanienrinde mit 
Weingeist von 35° R. ausgekocht, das (iltrirte, weingeistige Decoct 
mit weingeistiger Bleizuckerlösung gefällt und der Niederschlag 
auf Filtern gesammelt, mit Weingeist vollkommen ausgewaschen. 
Es war meine Absicht die Gerbsäure der Rinde rein darzustellen 
und Äsculin dabei als Nebenproduct zu erhalten. Als der Nieder- 



J}$ Kochleder. Über das Vorkommen des Fraxin 

sehlag- in Wasser vertheilt, mit Schwefelwasserstoffgas zersetzt 
wurde, zeigte die Gerbsäurelösung, die vom Schwefelblei abfiltrirt 
worden war, eine deutliche Fluorescenz, von der die Ursache nicht 
ein Gehalt an Äsculin sein konnte, da dieses durch den Bleizucker 
nicht gefällt wird und beim Zersetzen des Niederschlages durch 
Schwefelwasserstoff von dem Schwefelblei zurückgehalten würde. 
Es war nicht wahrscheinlich, dass die Gerbsäure die Ursache der 
Fluorescenz sein würde. Die grosse Menge der wässerigen, fluo- 
rescirenden Flüssigkeit wurde über Schwefelsäure im Vacuo ver- 
dunstet, wobei sich Krystalle ausschieden, deren Menge zuletzt 
bedeutend zunahm. Es zeigte sich, dass sie fast der ganzen Menge 
nach erhalten werden konnten, wenn die Flüssigkeit im Vacuo voll- 
ständig zur Trockne gebracht, der Rückstand gepulvert und mit 
wenig Wasser von 0° zerrieben und schnell die Lösung der Gerb- 
säure von den Krystallen abfiltrirt wurde. Die Lösung der Gerb- 
säure fluorescirte nun nicht mehr, wohl aber die Lösung der Krystalle. 
Diese mit wenig Wasser von 0° gewaschen, waren weiss und wurden 
in Vacuo bei einer nicht ganz bis 100° C. reichenden Temperatur 
getrocknet und von Herrn Kawalier analysirt. 

0-2902 Substanz gaben 0-544 Kohlensäure und 0-1389 Wasser, 
oder c 31 . 12 

H 5-32 

43-56 

100-00 

Die wässerige Lösung der Substanz mit Salzsäure versetzt und 
erwärmt, spaltete sich in Zucker und einen Körper, der einige Ähn- 
lichkeit mit Äsculetin zeigte. Ich bestimmte mit Herrn Kawalier 
die Menge des sich erzeugenden Zuckers. 

0-9199 Substanz gaben 536 CC. Flüssigkeit, wovon 27 CC, 
nach der Methode von Fehling, einen Gehalt von 0025 Zucker aus- 
wiesen, d. h. 100 Theile liefern 54 % Zucker (= C ia H 13 O ia ). 

Als ich die Substanz in kochendem Wasser löste, zeigte sich, 
dass sie nicht vollkommen rein war, denn die Lösung der Krystalle 
war hell bräunlichgell) gefärbt. 15eim Erkalten der gesättigten Lö- 
sung schied sich der Körper in langen Nadeln aus, die theils vom 
Hantle der Flüssigkeit ausgingen und sich in das Innere derselben 
erstreckten, theils büschelförmig vereinigt in der Flüssigkeit lagen. 
Sie haben grosse Ähnlichkeit mit Caffei'n. 



in der Rinde von Aesculus Uippocastanum. 30 

Herr Ka wal ier analysirte diese Krystalle nach dem Pressen 
zwischen Löschpapier und Trocknen im luftleeren Räume bei nahe 
100° C. mit folgendem Resultat: 

0-3909 Substanz gaben 7358 Kohlensäure und 01768 Was- 
ser, oder in 100 Theilen : 

C 51 33 

H 503 

O 43-64 

100-00 

Eine Verbrennung, die Herr Ka wal ier mit umkrystallisirter 
Substanz anstellte, gab folgende Zahlen : 

0367 Substanz gaben 06853 Kohlensäure und 0-1692 Was- 
ser, oder in 100 Theilen : 

C 50-92 

H 512 

O 43 96 

10000 

Ich halte diese Analysen bereits zwei Jahre liegen, als ich das 
Fraxin vom Fürsten zu S alm-Horstmar erhielt, um es zu analy- 
siren. Die in Poggendorffs Annalen mitgetheilte Analyse ergab 

in 100 Theilen: 

C 51-356 
H 4-762 
43-882 

lölTooo - 

Ich habe mit sorgfältig gereinigtem, aus wasserfreiem Alkohol 
wiederholt umkrystallisirtem Fraxin aus Fraxinus in Sauerstoffgas- 
strom eine Verbrennung gemacht. 

0-4351 Substanz gaben 0-8272 Kohlensäure und 0-1875 Was- 
ser, d. i. in 100 Theilen 

V 51-851 
H 4-788 
O 43-361 



100-000 

Die Substanz war bei einer Temperatur von 110° — 113°C. 
im trockenen Luftstrom getrocknet. Wäre die Formel des Fraxin, die 
in Poggend orffs Annalen mitgetheilt wurde, die richtige gewe- 
sen , so hätte durch Spaltung des Fraxin eine Menge von 36-66°/o 
Zucker entstehen müssen. Das unreine Fraxin aber gab schon 54% 
Zucker. Die Formel des Fraxin oder Paviin ist demnach die folgende : 



40 Rochleder. Überd. Vorkommen d. Fraxin in d. Rinde v. Aesculus Hippocast. 

I. Fraxin oder Paviin bei einer Temperatur unter 110° C. im 
Vacuo getrocknet: 

berechnet gefunden 

C 54 = 324 ^5Toi"- ^92~^5T33 
H31 = 31— 4-89— 512 — 502 
33 = 280- 4409— 4396— 4365 



635 — 100-00 — 100-00 — 100-00 

II. Fraxin oder Paviin bei einer Temperatur von 110° — 113°C. 

getrocknet: berechnet gefunden 

C 54 = 324— 51-76— 51-85 

H30= 30— 4-79— 4 79 

34 = 2 72 — 43-45— 4336 

626 — 10000 — 10000 

III. Fraxetin: 

berechnet gefunden 

C 30 = 180 -^sl^T-T^lTir 
H12= 12— 3-75 - 3-625 
16 = 128— 40-00— 40.200 
320 — 10000 — 100-000 
C54H30O34 + 6HO = CsotWWf 2 (C I3 H 13 12 ) 
Fraxin Fraxetin 

Das Fraxin ist also ganz analog dem Äsculin zusammengesetzt, 
das in C 36 Hi 3 0i 6 + 2 (C 13 H 13 0i 3 ) zerfallt. 
Äsculetin 
Professor H las i wetz hat das Quercitrin untersucht, welches 
ich neben einer andern an Zucker reicheren Verbindung (dem Quer- 
aescitrin) in den Blättern der Rosskastanie, so wie auch in den 
Früchten (Kotyledonen) gefunden habe. Das Quercetin spaltete er 
in Phloroglucin und Quercetinsäure, welche der Formel C 34 H 13 16 
entsprechend zusammengesetzt ist. Das Quercitrin selbst zerfallt 
in C 34 H 13 16 + C 13 H 6 6 + C 13 H 13 13 . In den Kapseln der Früchte 
zur Zeit der Reife habe ich, wiewohl nicht jedes Jahr, eine krystal- 
lisirte Säure aufgefunden, die ich Capsulaescinsäure nenne. Ihre 
Zusammensetzung ist C 36 H 13 16 , sie ist isomer mit der dreifach- 
acetylirten Gallussäure, die Professor Hlasiwetz darstellte, weil 
es möglich schien, die Capsulaescinsäure auf diese Weise künstlich 
zu bilden. In der That reagiren beide Säuren gleich gegen Eisen- 
oxydsalzlösungen, färben sich beide gleich roth durch Atzkalilösung 
u. s. w. Aber während die Capsulaescinsäure unzersetzt sublimirt, 
gibt die acctylirte Gallussäure eine Menge Essigsäure, die aus der 
Capsulaescinsäure nicht erhalten werden kann. 



Kner. Zur Charakteristik und Systematik der Labroiden. 41 

Alle diese Materien, auf die ich hier nicht näher eingehe, 
unterscheiden sich durch ihren Kohlenstoffgehalt, bei gleichem Was- 
serstoff- und Sauerstoffgehalt. 

CsgHtaOje = Äsculetin, 
C 3 4H 13 16 = Quercetinsäure, 
C3oHi a 16 ~ Fraxetin, 
C 26 rI 13 I6 = Capsulaescinsiiure. 

Die weiteren Details der Untersuchung dieser Körper verschiebe 
ich bis zur Zeit, wo die Untersuchung der Rosskastanie beendet 
sein wird. 



Zur Charakteristik und Systematik der Labroiden. 
Vom c. M. Prof. Dr. Rad. Rner. 

(Mit 2 Tafeln.) 

Kein Zoologe wird die Verdienste verkennen, welche sich Job- 
Müller um die Verbesserung des ichthyologischen Systems erwor- 
ben hat, und die Verehrung, die der grosse Forscher aller Orten 
fand, brachte es mit sich, dass namentlich in deutschen Landen das 
von ihm in seinem berühmten Werke über die Ganoiden vorgeschla- 
gene System der Fische fast allgemein adoptirt und jenes von C u v i e r 
mehr und mehr verdrängt wurde. Dennoch ist es nicht zu bestrei- 
ten, dass nicht alle Veränderungen , welche Joh. Müller an dem 
Systeme Cuvier's vornahm, auch als wirkliche Verbesserungen 
anzusehen sind. 

Als eine dieser Veränderungen, welchen kein dauernder Werth 
zuerkannt werden kann, ist die Begründung der Ordnung: Pha- 
ryngognathi zu bezeichnen. Fasst man zunächst den für selbe aufge- 
stellten Charakter in's Auge, so bemerkt man, dass selber nur zwei 
positive Merkmale enthält, nämlich: „vereinigte untere Schlundkno- 
chen und eine Schwimmblase ohne Luftgang". Die übrigen noch an- 
geführten Merkmale sind hingegen durchaus nicht exclusiv; sie sagen 
nichts mehr aus, wodurch der Begriff der Ordnung als einer hohem 
Einheit im sogenannten natürlichen Systeme sich präciser gestalten 
würde. Sie reduciren sich nur auf „entweder, oder", indem theils 
Stachel-, theils Weichflosser, theils Knochenfische mit Rund-, theils 



42 K ii e r. 

mit Kammschuppen und solche mit entweder brüst -oder bauchständi- 
gen Ventralflossen in den Umfang der Ordnung einbezogen werden. — 
Doch selbst abgesehen davon , dass ein derartiges Zusammendrängen 
von Merkmalen und Nichtmerkmaien in einen Begriff sicher nicht 
dazu beiträgt, ihn scharf begrenzt erscheinen zu lassen, so sind 
auch die angeführten positiven Merkmale nicht derart, dass sie die 
Ordnung streng abschliessen würden; im Gegentheile fände eine 
consequente Logik Anlass, in Berücksichtigung dieser positiven 
Merkmale allein die Grenzen der Ordnung viel weiter hinauszu- 
rücken und noch eine Menge von Gattungen in ihren Bereich zu 
ziehen, welche von J. Müller ausgeschlossen blieben. Ich will 
hier nicht von der Schwimmblase ohne Luftgang sprechen, da diese 
streng genommen gleichfalls weder ein positives noch exclusives 
Merkmal für die Pharyngognathen genannt werden kann, sondern 
nur die vereinigten unteren Schlundknochen sollen hier näher in 
Betrachtung gezogen werden. 

J. Müller hat mit Recht und Vorbedacht den Ausdruck: „ver- 
einigte" untere Schlundknochen gewählt, da es nur dadurch mög- 
licb wurde, Gattungen mit wirklich in ein Stück verwachsenen 
Schlundknochen und solche mit blos in der Mittellinie an einander 
stossenden in eine Ordnung zu bringen. Überblickt man aber die 
verschiedenen Familien der Pharyngognathen, so findet man, dass 
nur die Labroidei cycloidei Müll, wirklich verwachsene untere 
Schlundknochen besitzen, welche blos ein Stück ohne Spur einer 
Nath oder Trennungslinie in der Mitte darstellen, und überdies 
daselbst am dicksten und stärksten sind. Bei den Pomacentrinen 
(Labroidei ctenoidei Müll.^ bilden zwar die unteren Schlundkno- 
chen auch noch ein völlig verwachsenes Stück, dessen Mitte jedoch 
allmählich an Dicke und Länge abnimmt, indem bei vielen, nament- 
lich Pomacentrus selbst, die beiden Seitenstücke nur noch vorne 
in der Mittellinie verwachsen sind, alsbald aber weit divergiren. 
Bei Chromiden (z. B. Acara, Heros) sind die unteren Schlundkno- 
chen zwar auch in der Mittellinie wie bei allen cycloiden und man- 
chen ctenoiden Labroiden (im Sinne J. Müller's) am breitesten und 
dicksten, aber nicht mehr verwachsen, sondern daselbst getrennt. 
Lezteres ündet aber auch häufig ganz deutlich bei den Scombereso- 
ces Statt, die sich in einer und derselben Ordnung mit den Labroi- 
den und Chromiden ohnehin nicht natürlich gestellt ausnehmen. 



Zur Charakteristik und Systematik der Labroiden. 4 3 

In der Mittellinie an einander stossende, jedoch von einander 
getrennte untere Schlnndknochen linden sich übrigens noch in ande- 
ren Familien vor, so namentlich bei Scomberoiden, z. B. der Gattung 
Caranx, Trachinotiis , bei Labyrinthfischen, wie Anabas, Osphro- 
menas und auch bei Gobioiden, z. B. Callionymus u.m. a., welche 
Fische demzufolge ehen so consequenter Weise zu den Pharyngo- 
gnathen gerechnet werden müssten, als dies auch mit Pogonias unter 
den Sciaenoiden u. m. a. der Fall ist. — Wohin würde aber eine solche 
Consequenz führen? Unleugbar auf jenen Weg, den man zu vermei- 
den sucht und als Irrweg längst erkannte, nämlich zur ConstructioR 
künstlicher Eint h eilungen, denen der Werth einer natür- 
lichen Einheit nicht zuerkannt werden kann. Und als eine solche 
künstliche Einheit scheue ich mich nicht, die Ordnung Pharyngo- 
gnathi J. Müller's zu bezeichnen, die sich auch schwerlich mehr 
einer langen Lebensdauer erfreuen dürfte. 

Nach diesen vorläufigen Andeutungen wende ich mich aber, 
um die Grenzen meiner heutigen Mittheilung nicht zu überschreiten, 
der Familie der Labroiden im Sinne Cuvier-Valenciennes' zu. 
Was nun diese im Allgemeinen anbelangt, so erscheint sie als eine 
wahrhaft natürliche. Wenn sie auch als solche nicht jedem Laien 
derart in die Augen springt, wie etwa z. B. die Familie der Pleuro- 
nectiden oder Rajaceen, so stellt sie sich bei näherer Betrachtung 
doch nicht minder als natürliche Einheit heraus, wie z. B. die Fami- 
lie der Cyprinoiden. — Der Charakter der Familie wurde auch 
bereits von Cuvier so glücklich aufgefasst, dass sich zu den von 
ihm hervorgehobenen Merkmalen kein wesentliches mehr hinzufügen 
lässt. Nur über die Stellung derselben unter den Stachelflossern 
könnten Bedenken erhoben werden, doch soll dieser Punkt erst in 
einer nächsten Mittheilung, die sich mit dem Flossenbaue insbeson- 
dere befasst, zur Sprache kommen. Ich glaube nur vorläufig bemer- 
ken zu dürfen, dass Cuvier selbst von der Stachelflossernatur 
aller Labroiden nicht zweifellos überzeugt gewesen scheint, da er 
sie an die Grenze seiner Acanthopteren, gleichsam als vermittelndes 
Übergangsglied zu den Weichflossern stellte. Und es konnte auch 
einem Beobachter von so durchdringendem Geiste wie Cuvier nicht 
entgehen, dass sich Gattungen, wie Lachnolaimus , Scarns u. dgl. 
etwas sonderbar ausnehmen neben Stachelflossern , wie Chaetodon- 
ten, viele Percoiden u. s. w. sind. 



44 K n e r. 

Unter allen Merkmalen, welche den Charakter der Labroiden 
ausmachen, sind aber nur die völlige Verwachsung der unteren 
Schlundknochen und die Ruudschuppen die eigentlich bezeichnenden. 
Erstere ist für diese Familie so charakteristisch, wie es die Bezahnung 
der unteren, aber getrennten Schlundknochen für die Cyprinoiden 
ist; es findet sich in gleicher Weise, wie schon erwähnt, nur noch 
bei den Pomacentrinen vor, welche sich aber ausser den ctenoideu 
Schuppen noch in anderen Beziehungen (auf die einzugehen hier 
nicht beabsichtigt wird) so wesentlich unterscheiden, dass schon 
J.Müller sie mit Recht als eigene Familie von den Labroiden trennte. 
Jedenfalls erscheint dieses von den Schlundknochen entnommene 
Merkmal für die Charakteristik von derartiger Bedeutung, dass jede 
Gattung, bei welcher selbes fehlt, auch nicht als Labroid gelten 
kann , wenn anders die Begrenzung der Familie nicht willkürlich ver- 
rückt werden und sie Anspruch auf den Werth einer natürlichen 
haben soll. — Von dieser Ansicht geleitet, trennte daher J. Müller 
ebenfalls ganz richtig die Familie der Chromiden, da bei ihnen keine 
solche Verschmelzung der Schlundknochen in ein Stück sich mehr 
vorfindet. Und aus gleichem Grunde ist aus der Familie der Labroi- 
den auch die Gattung Malacanthus auszuscheiden, bei welcher die 
schmalen, mit Hechelzahnen besetzten unteren Schlundknochen nicht 
einmal in der Weise vereinigt sind, wie bei Chromis und Pseudo- 
chronüs 1 ). 

Nach Ausscheidung aller fremdartigen Bestandteile und bei 
strengem Festhalten an den beiden Merkmalen: ein untheil- 
barer unterer Schlundknochen und c y c 1 o i d e Schuppen, 
stellt sich dann die Familie der Labroiden als eine wahrhaft natür- 
liche dar. Im Folgenden werde ich nun nachzuweisen versuchen, 
dass die Brauchbarkeit der Schlundknochen bezüglich ihrer Forin 
und Bezahnung weiter reicht und sich mit gleichzeitiger Berücksich- 
tigung anderer Merkmale eben so tauglich zur Unterscheidung von 
Gattungen erweist, wie dies mit den Schlundzähnen der Cyprinoi- 
den der Fall ist. Nur muss ich vorerst noch bemerken , dass man 
unrichtiger Weise gewöhnlich angegeben findet, die Schlundzähne 



) Van der Hoeven und v. Bleeker scheiden auch bereits diese Gattung aus 
und weisen selber ihren Platz neben den sogenannten labroidenähnlichen Percoiden 
(Pinguipes, Pereis) au. 



Zur Charakteristik und Systematik der Labroiden. 45 

aller Labroiden seien kugelig abgerundet. Dies ist nun allerdings oft 
richtig, allein bei Einigen, wie z. B. Coricus, enden sie alle spitzig, 
bei Andern zeigen sie flache oder schneidende Kronen (Scarus 
u. dgl.) Es lassen sich darnach die verschiedenen Gattungen in vier, 
freilich nicht sämmtlich scharf von einander getrennte Gruppen brin- 
gen, in welche sich dann die einzelnen Gattungen folgendermassen 
vertheilen: 

a) Alle Zähne, sowohl in dem unteren wie den oberen Schlund- 
knochen sind kugelig oder elliptisch ab gerund et, oder 
es trägt blos das vorspringende Mittelstück, der Stiel, des 
unteren Schlundknochens einige zugespitzte Zähne. Hierher 
die Gattungen: Crenilabrus , Cossyphus, Lachnolaimus, 
Cheilio und Chcilinus. 

b) Theils kugelige, theils spitze Zähne, sowohl im 
unteren wie den oberen Schlundknochen finden sich vor bei : 
Labrus, Tautoga, Julis (und Halichoeres) , Epibulus, Gom- 
phosus, Xirichthys , Novacula und Anampses. 

c) Bios spitze Zähne bei: Ctenolabrus, Acantholabrus, Coricus 
und Labroides Bleek. 

d) In Schneiden auslaufende oder Kauflächen bildende Zähne 
besitzen: Scarus, Callyodon, Odax ; wahrscheinlich auch Sca- 
richthys Bleek. und vielleicht noch Scarodon Schleg. 

Von den älteren, schon in der Histoire des poissons aufge- 
führten Gattungen konnte ich nur Clepticus nicht untersuchen. 
B. Owen gibt hierüber in seiner berühmten Odontography (pag. 108) 
an: „the pharyngeal teeth form small plates with a serrated mar- 
gin" und nennt sie dann später „saw-like plates". Obwohl man 
hieraus über die Form der Schlundknochen und Zähne nicht völlig 
klar wird , so scheint sie doch eine dieser, dem Epibulus nahe ste- 
henden Gattung eigentümliche zu sein. — Über die von Schlegel 
in der Fauna japonica als Cirrhilabrus benannte und auf pl. 86, 
Fig. 3 abgebildete Gattung lässt sich, da über die Schlundknochen 
jede Angabe fehlt, nur bemerken, dass sie allerdings in die Familie 
der Labroiden hineinsieht, obwohl sie auch namentlich durch die 
mit einem fadig verlängerten Strahle versehenen Bauchflossen an 
Labyrinthfische mahnt. — Von den neueren durch von Bleek er auf- 
gestellten Gattungen scheint Xiphocheilus der zweiten Gruppe anzu- 
gehören , wie sich aus den Worten : „dent es pharyngeales conico- 



46 K n e r - 

graniformes" in der Diagnose derselben entnehmen lässt. Über 
desselben Gattung Labriclithys finde ich bezüglich der Schlundkno- 
chen keine Angabe vor; dessgleichen über die Gattung Duymaeria, 
die dem Crenilabrus nahe zu stehen scheint. 

Indem ich nun zu den einzelnen Gattungen mich wende, glaube 
ich die Abbildungen ihrer Schlundknochen um so mehr beifügen zu 
dürfen, als es unter gleichzeitiger Berücksichtigung anderweitiger 
Merkmale dadurch möglich wird , sie noch schärfer als bisher zu 
charakterisiren und als überhaupt die Formenunterschiede derselben 
bisher nicht genügend gewürdigt wurden. Denn selbst in R. Owen's 
Odontography sind nur die Schlundknochen von 3 Labroiden abge- 
bildet , nämlich auf pl. 48 und auf pl. 45 in Fig. 3 und o (in Text 
und Figur fälschlich 4 angegeben, welche Nummer sich jedoch auf 
Chrysophrys bezieht). 

a) Ich beginne mit jenen Gattungen, die blos oder doch 
grüsstentheils kugelig abgerundete Schlund zahne be- 
sitzen. 

Crenilabrus. Der untere Schlundknochen in der Mitte stark ver- 
dickt, mit convexem Hinterrande und m eh reren Zahn reihen, von 
denen die mittleren und hinteren Kugelzähne grösser sind; das vor- 
springende Mittelstück oder der Stiel mit einer einfachen oder dop- 
pelten Reihe kleiner rundlicher Zähne besetzt. — Fig. 1 von Crem. 
pavo ; Fig. 2 von Cren. Roissalü; beide etwas vergrössert. 

Zwischen -und Unterkiefer tragen bei dieser Gattung blos eine 
einfache Reihe von Zähnen, deren wenig vorragende Spitzen sich 
leicht abstumpfen, wodurch sie dann fast Schneidezähnen ähnlich 
sehen; — Vordeckel bezahnt, Wangen und Deckelstücke beschuppt, 
Mund nicht vorstreckbar. 

Cheilinus. Das Mittelstück des unteren Sehlundknochens trägt 
nur zwei complete Querreihen von Kugelzähnen, unter denen der 
mittlere in hinterer Reihe der grösste ist; die oberen Schlundknochen 
gleichfalls mit kugeligen Zähnen besetzt. — Fig. 3 von Cheilin. fascia- 
tus, in natürlicher Grösse *). 



') Van der Hoeven gibt in seinem Ilandh. d. Zoolog-. Bd. II, S. 143 heim Cha- 
rakter dieser Galtung an : „dentes pharyngeales in aliis conici, in aliis cylindrici 
aut glohosi". Inwieweit diese Angabe richtig ist, lässt sieh kaum entscheiden, da 
viele Genera daselhst nicht angeführt sind und daher nicht klar wird, ob und 
«reiche andere Galtungen vielleicht zu dieser hinzugezählt werden. 



Zur Charakteristik und Systematik der Labroiden. 4- 7 

In der Mitte jeden Kiefers zwei längere (Hunds-) Zähne, hinter 
welchen einige kleine stumpfe und zwischen den beiden oberen noch 
zwei kürzere Spitzzähne stehen; an den Seiten der Kiefer blos eine 
einfache Reihe spitzer Zähne. Lippen sehr dick, mit tiefen papillösen 
Längsfalten, an der Wange zwei Reihen grosser Schuppen, Seiten- 
linie unterbrochen, die letzte Schuppe, an der sie auf der Basis der 
Caudale endet, grösser und langgestreckt. 

Cossyphus. Die Schlundknochen mit mehreren Reihen meist 
sehr kleiner Zähne dicht besetzt, die an den Rändern der Knochen 
in mehreren Reihen über einander stehen; die zwei mittleren 
und elliptischen Zähne letzter Reihe im untern Schlundknochen sind die 
grössten von allen; blos die Randzähne am Stiele enden spitz. — Fig. 4 
von Coss. Bodianus in nat. Gr. (Völlig gleich verhält sich auch 
Cos. mesothorav.) Im Zwischen- und Unterkiefer vier längere nach 
vorwärts gerichtete Zähne, hinter welchen sich eine aus verschmol- 
zenen Höckerzähnen bestehende Platte anlegt, die in beiden Kiefern 
eine aufstehende gezähnelte Kante bildet *). Diese Zahnplatte endet 
am Zwischenkiefer im Mundwinkel in einen längeren Hundszahn mit 
breiter Basis. Vordeckel der ganzen Länge nach fein und gleich- 
massig gezähnelt, Rücken- und Afterflosse überschuppt. 

Cheilio. Der Körper des untern Schlundknochens mit drei com- 
pleten Reihen von Zähnen besetzt, der Stiel in der Mitte verdickt 
und daselbst ebenfalls eine dreifache Reihe stumpf spitzer Zähne 
tragend. Beiderlei Schlundknochen sind nicht wie bei der vorigen 
Gattung mit einer Platte besetzt, die aus mehreren über einander lie- 
genden Reihen verschmolzener Zähne bestände. — Fig. 5 von Cheilio 
hemichrysos in natürlicher Grösse. 

Totalgestalt gestreckt, Sphyränen- ähnlich, Schnauze verlän- 
gert, zugespitzt, aber die Innenseite der fleischigen Lippen wie bei 
allen echten Labroiden längs gefaltet und mit Papillen besetzt; Zwi- 
schenkiefer protractil, die Bezahnung zunächst an Cossyphus mah- 
nend. Die einfache Reihe von konischen ungleich langen Zähnen 
in beiden Kiefern erhebt sich unmittelbar über Platten, welche gleich- 
falls aus verschmolzenen Pflasterzähnen bestehen und oben den gröss- 



') Es hat den Anschein als trügen die Kiefer daselbst eine einfache Reibe ungleich 
langer Spitzzähne, sie machen aber mit den tiefer und nach einwärts liegenden 
verschmolzenen Reihen von Pflasterzähnen eine ähnliche continuirliche Platte aus, 
wie dies an den Schlundknochen der Fall ist. 



48 K n e r. 

ten Theil des Vordergaumens (mit Ausnahme des Vomer) besetzt 
halten, im Unterkiefer aber nur einen schmalen Streif bilden. — Kopf 
und Deckelstücke unbeschuppt, Seitenlinie bis zur Caudale gerade 
verlaufend mit weiten, gegen den Rand strahlig auslaufenden Neben- 
röhrchen; alle Flossenstrahlen biegsam. 

Lachnolaitnus. Der Körper des untern Schlundknochens trägt 
zahlreiche (ß — 6) Zahnreihen, von denen die hintern mittleren, 
besonders in letzter Reihe die grössten sind; sie bestehen, wie bei 
Cossyphus aus mehreren verschmolzenen Reihen über einander. 
— Fig. 6 von Lachnol. caninus, vergrössert. 

Das am meisten in die Augen springende Merkmal dieser Gat- 
tung bilden die drei ersten, verlängerten und biegsam weichen Strah- 
len der Dorsale, hinter denen erst kürzere steife und stachelähnliche 
folgen. 

b) Mit der folgenden Gattung beginnt die Reihe von Labroiden, 
bei welchen die Zahl der spitzen Schlundzähne zunimmt und 
allmählich vorherrschend wird. 

Labrus. Der untere Schlundknochen mit concavem Hinterrande, 
Körper und Stiel mit drei compl et en Zahnreihen, von denen nur die 
zugleich grössten der letzten Reihe kugelig abgerundet, alle andern 
aber, so wie auch die der obern Schlundknochen mehr weniger spitz 
enden. — Fig. 7 von Lahr, mixtus, vergrössert. 

Schnauze zugespitzt, Lippen gross und dick, Zähne blos im 
Zwischen- und Unterkiefer und zwar etwas längere spitze in äusserer 
Reihe, von denen die mittleren Hundszähne sind; Wange, Deckel 
und Unterdeckel beschuppt, Vorderdeckel nicht (Nebenkieme wie 
bei allen Labroiden gross, fransig), Seitenlinie nicht unterbrochen, 
mit einfach aufgesetzten Röhrchen, meist nur an jeder zweiten 
Schuppe mündend. 

Ob die Gattung Tautoga sich bezüglich der Schlundzähne 
zunächst an die vorige anreiht, kann ich vorerst nicht behaupten, da 
der untere Schlundknochen meinem Exemplare fehlt; die theils spitzen, 
theils abgerundeten Zähne der oberen Schlundknochen lassen aber 
auf ähnliche Formen auch im untern schliessen. — Diese Gattung ist 
übrigens ohnehin charakterisirt, durch die enorme Lippenausbildung 
und starke Faltung, wie auch durch die zwei langen, geraden, schief 
nach vorne gerichteten mittleren Zähne im Zwischen- und Unter- 
kiefer, hinter welchen allein in zweiter Reihe kleine konische Zähne 



Zur Charakteristik und Systematik der Labroiden. 49 

stehen, während die Seiten beider Kiefer nur eine einfache Reihe 
kleiner ziemlich stumpfer Zähne tragen. 

Julis. In Betreff dieser so artenreichen Gattung muss ich vor 
allem bemerken, dass ich nach sorgfältiger Untersuchung vieler Arten 
die Überzeugung gewann, es sei eine Trennung derselben in minde- 
stens zwei Genera nicht blos durchführbar, sondern nöthig. Da schon 
Rüppel dies versuchte, so glaube ich auch den von ihm eingeführ- 
ten Gattungsnamen Halichoeres wieder benützen zu sollen , um nicht 
die Systematik mit einem neuen Worte zu beschweren. — Den Cha- 
rakter der Gattung Halichoeres begründe ich jedoch auf andere Merk- 
male, als dies von Rüppel geschah, der hiebet blos das Vorhan- 
densein eines längeren Hundszahnes am Mundwinkel im Auge gehabt 
zu haben scheint. Cuvier und Valenciennes legten aber mit 
Recht auf dieses Merkmal allein kein grosses Gewicht und anerkann- 
ten RüppeTs Gattung nicht. Im Regne animal deutete Cuvier 
auf die Form der Schwanzflosse hin, um darnach die grosse Zahl 
der schon ihm bekannten Arten in Gruppen zu bringen. Ich habe 
bei den von mir untersuchten Arten hierauf vorerst keinen Be- 
dacht genommen , sondern nur auf die Bezahnung. Dieser zufolge 
scheiden sich aber alle mir näher bekannten Arten in folgende 
zwei Gruppen: 

1. Bei der einen ist der nach hinten convexe untere Schlund- 
knochen in der Mitte mit kugelig abgerundeten Zähnen besetzt, von 
denen der mediane in letzter Reihe der grösste ist; er trägt 
überdies meist drei complete Reihen von Zähnen; in der Mitte 
der Kiefer stehen verlängerte Spitzzähne. Ich vereinige 
diese Arten in die Gattung Julis. 

2. Bei der zweiten Gruppe ist der am Hinterrande coneave 
untere Schlundknochen nur mit zwei Quer reihen von Zähnen 
besetzt, von denen die hintere grössere und compresse Zähne 
besitzt, welche vorne schief abgedacht, nach rückwärts in eine Spitze 
sich erheben. Der mediane Zahn daselbst zeichnet sich meist eben- 
falls durch Grösse aus; die mittleren Zähne der Kiefer sind nicht 
verlängert und enden mit schneidendem Rande. — Für diese Arten 
wähle ich den Gattungsnamen Halichoeres. 

Übrigens finden sich bei beiden also charakterisirte i Gattungen 
Arten vor, die einen vorstehenden Zahn am Mundwinkel (Hundszahn) 
besitzen und andere, denen ein solcher fehlt. Unter den sicher 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Gl. XL. Bd. Nr. 7. 4 



50 K n e r. 

bestimmten Arten meiner Sammlung erwiesen sich bei der Unter- 
suchung als echte Julis und zwar: 

a) Mit Hundszahn am Mundwinkel: Jul. vulgaris, Geofredi, 
modestus, annularis, elegans (un<\ Leschenaulti?) , nebidosus, 
poecilopterus. 

b) Ohne Hundszahn am Mundwinkel: Jul. purpureus (Fig. 8 
Schlundknochen desselben), lunaris , variegutus und einige 
noch unbestimmte Arten aus Java. 

Als Halle Ihm res ergaben sich und zwar: 

a) Mit Hundszahn im Mundwinkel: Jul. Sebae (Fig. 9 Schlund- 
knochen desselben), balteatus und eine unbestimmte Art aus Am- 
boina, die sich durch besonders compresse und spitze Zähne in 
zweiterReihe am untern Schlundknochen auszeichnet (Fig. 10). 

b) Ohne Hundszahn:/«/, strigiventeru.e. noch unbestimmte Arten. 
Wie sich die beiden hier unterschiedenen Gattungen bezüglich 

der Schlundzähne verhalten, so ist dies auch mit den zwei Gattun- 
gen Xirichthys und Anampses der Fall; erstere schliesst sich in dieser 
Hinsicht zunächst an Julis, leztere an Halichoeres an. 

Bei Xirichthys trägt der Körper des untern Schlundknochens 
m ehr als zwei Reihen von Zähnen, die der letzten Reihe sind zwar 
verlängert aber abgerundet und die vier mittleren am grössten ; der 
besonders lange Stiel ist mit zwei Reihen spitzer Zähne besetzt 1 ). — Die 
von der vorigen durch Valenciennes getrennte Gattung Novaeula 
stimmt bezüglich der Schlundzähne völlig mit ihr überein und die 
Untersuchung von drei Arten, Nov.puuctulcda (deren Schlundknochen 
Fig. 11 zeigt), pentadaetyla und tesselata Hess mich überhaupt 
keinen andern Unterschied von Xirichthys gewahren als die klein 
beschuppten Wangen. Allen kommt gemeinsam zu: Die compresse 
Gestalt, die hohe steil abfallende Stirn, die zu Hundszähnen verlän- 
gerten mittleren Zähne im Zwischen-und Unterkiefer und die unter - 



') Die untersuchte Art steht dem.V. iorquatus C. V. zunächst durch gestreckte Gestalt, 
kleine Schuppen und die Zahl der Flossenstrahlen : I). 9/12, A. 2/12 ; doch ist die 
Totalgestalt noch niederer und .schlanker, als sie die Abbildung von torqnalus in 
Fig. 392 zeigt, die Schuppen sind noch kleiner und auch die Fiirhung weicht etwas 
ah. Mein Exemplar ist nämlich von halber Länge angefangen regelmässig mit 
schmalen schwarzbraunen Querbinden, lü" an der Zahl, geziert, von denen ein Paar 
sieh gegen die Basis der Analflosse gabelig theilt; Vorderrumpf und Kopf sind ohne 
Binden und nur der Hand des Deckels vor dessen rundlichem Ilaullappen ist dunkel? 
braun gefleckt. — Es stammt aus Amhoina. 



Zur Charakteristik und Systematik der Labroiden. 51 

brochene Seitonlinie. Ob die Beschuppung der Wangen für sich 
allein als Gattungsmerkmal genügend erscheint, lasse ich dahin 
gestellt sein, nur muss ich erwähnen, dass ich bei den von mir unter- 
suchten Arten beider Gattungen hinter der äussern Reihe von koni- 
schen Zähnen in den Kiefern noch eine Binde verschmolzener kurzer 
und stumpfer Zähne wahrnehme, während sowohl Cuvier und 
Va lenciennes, wie auch van d er Ho e ve n nur von einer ein- 
fachen Reihe von Zähnen in den Kiefern sprechen. 

Anampses. Der untere Schlundknochen nur mit zwei Quer- 
reihen von Zähnen, wie bei Halichoeres besetzt; die der hintern 
Reihe, namentlich die mittleren, bedeutend grösser und weit die vor- 
dem überragend, stark compress und nach hinten in eine Spitze sich 
erhebend. — Fig. 12 von An. meleagrides , a in der Seitenansicht. 

Diese Gattung zeichnet sich übrigens auf den ersten Blick durch 
zwei schief nach auswärts gebogene Zähne im Zwischenkiefer und 
zwei nach abwärts gerichtete, Stosszähnen ähnliche, starke Spitzzähne 
im Unterkiefer aus. Die beiden grossen Zähne des Zwischenkiefers 
sind übrigens bald schaufeiförmig wie bei An. meleagrides , bald 
enden sie in eine Spitze wie bei An. Tivistii Bleek. Zwischen ihnen 
ragt von der Lippe ein mit Papillen bedeckter fleischiger Zapfen 
herab. Der Kopf ist nackthäutig, die Schuppen des Rumpfes sind 
gross, die des Vorderrückens klein und stark zugespitzt, die kleinsten 
liegen an der Brust; Seitenlinie nicht unterbrochen. 

Gromphosns. Der untere Schlundkn ochen mit mehreren Quer- 
reihen stumpf spitzer Zähne besetzt, die der letzten Reihe grösser, 
sehwach compress, nach hinten in eine Spitze sich erhebend; am Stiele 
drei Reihen spitzer Zähne. — Fig. 13, von Gomph. Cepedianus. 

Die röhrenförmig verlängerte Schnauze, an deren Ende die 
kleine MundötTnung sich befindet, ist das hervorstechende Merkmal 
dieser Gattung. Die Kieferzähne, von denen zwei mittlere oben und 
unten etwas länger sind, stehen in einfacher Reihe; Kopf völlig unbe- 
schuppt, Auge klein, Seitenlinie nicht unterbrochen. 

Epibulus. Unterer Schlundknochen mit mehreren Reihen von 
Zähnen, die vordem klein, theils kugelig, theils stumpfspitzig, die der 
letzten Reihe bedeutend grösser, sämmtlich spitz endend. — Fig. 14, 
von Epib. insidiator, vergrössert. 

Während bei Gomphosus die Schnauze in eine unbewegliche 
Röhre verlängert ist, kann hier der Mund willkürlich in ein langes 

4 6 



5 C K n e r. 

Rohr vorgestreckt werden. Kieferzähne in einfacher Reihe, zwei mitt- 
lere oben und unten grösser und nach vorwärts gerichtet; Kopf und 
Rumpf gross beschuppt (in Schuppen- und Flossenbildung zunächst 
der Gattung Cheilinus stehend): Seitenlinie unterbrochen. 

c) Die folgenden vier Gattungen gehören der Gruppe von La- 
broiden an , welche blos mehr oder minder spitze Schlund- 
zähne, sowohl oben als unten besitzen; bieher als Übergangsglied 
zunächst: 

Acantholabrus. Alle Schlundzähne verlängert und mehr minder 
zugespitzt, blos die mittleren der hinteren oder zweiten completen 
Reihe des unteren Schlundknochens abgerundet, am verdickten Stiele 
drei Reiben von Zähnen. — Fig. 15, von Actuith. Pallonii, c. os 
pharyng. inf., von der Seite, in natürlicher Grösse. 

Die Kiefer tragen dicke konische Zähne in äusserer Reihe, hin- 
ter welchen kleinere eine schmale Binde bilden, Vordeckel gezähnelt, 
4 — 6 Stacheln in der Afterflosse. 

Ctenolabrus. Im unteren und den oberen Schlundknochen blos 
spitze Zähne, der Körper des ersteren mit drei completen Querrei- 
hen, von denen die hintere die grössten, seitlich schwach compresse 
Zähne enthält; am Stiele 2 — 3 Reihen spitzer Zähne. 

In beiden Kiefern steht hinter den längeren konischen Zähnen 
äusserer Reihe, von denen die vier mittleren des Zwischenkiefers zu 
Hundszähnen verlängert sind, eine schmale Binde kurzer, ziemlich 
dicker Spitzzähne. Nur der senkrechte Rand des Vordeckels bis 
gegen den Winkel bezahnt; blos drei Stacheln in der Afterflosse. 

Coricus. Schlundknochen fast wie bei der vorigen Gattung mit 
konischen, rasch in eine Spitze endenden Zähnen besetzt; die oberen 
mit 4 — 5 Reihen; der Körper des unteren mit drei, der Stiel mit einer 
einfachen. 

Kopf verlängert, zugespitzt, die vorsl reckbaren Kiefer mit einer 
einfachen Reihe von Spitzzähnen, der verticale Rand des Vordeckels 
gezähnelt, Seitenlinie nicht unterbrochen. 

Gattung Labroides B 1 e e k. (Flssllabrus M i h \). R ü p p e 1 hatte 
in seinen „neuen Wirbelthieren des rothen Meeres" eine Art als 
LabruS latovittatus beschrieben und Taf. 2 abgebildet, welcher in der 
H'istoire des poissons als Cossyphus dimidiatus C. V. angeführt 
wird. Ich erhielt (im Jahre 1857) diesen niedlichen Fisch mit einer 
Sendung von Bleeker aus Java und fand bei näherer Untersuchung, 



Zur Charakteristik und Systematik der Labroideii. 53 

diiss er weder der Gattung Labrus, noch Cossyphus , noch irgend 
einer andern bisher aufgestellten zugezählt werden kann, sondern 
als Vertreter einer eigenen, streng sich abgrenzenden Gattung anzu- 
sehen ist. Rüpp eis Beschreibung und Abbildung sind so naturgetreu, 
dass ich es für überflüssig erachte, nochmals eine Copie dieses so 
ausgezeichnet gefärbten Fischchens zu geben; ich beschränke mich 
daher nur darauf, durch Hervorheben der charakteristischen Merk- 
male die Aufstellung als eigene Gattung zu rechtfertigen. — Unter 
diesen erwähne ich zunächst die eigentümliche Bildung der L ippen, 
da sich hierauf die von mir gewählte Benennung der Gattung basirt. 
Beide Lippen sind wie gewöhnlich dick, ragen aber weit über die 
Kiefer vor und jede ist in der Mittellinie durch eine Einbuchtung in 
zwei spitz auslaufende Lappen getheilt, von denen die des 
Unterkiefers bedeutend länger als jene des Zwischenkiefers sind. 
Fig. 16 c zeigt den geöffneten Mund von vorne schwach vergrössert; 
diese Lippenbildung mahnt etwas an die Gattung Mastacemblus. 
— Nicht minder eigens ist auch die Bezahnung der Kiefer. 
Zwischen- und Unterkiefer tragen (jeder) nur zwei lange Hunds- 
zähne, hinter denen aber Binden von Sammtzähnen stehen, die im 
Zwischenkiefer vorne ansehnlich lang sind, nach hinten aber kürzer 
werden. Im Unterkiefer reicht diese Zahnbinde weiter zurück und 
nimmt die ganze Breite desselben ein, die Zähne sind aber durchaus 
viel kürzer: die Seitenränder der Kiefer sind nicht bezahnt. — 
Ganz ausgezeichnet ist ferner die Form und Bezahnung der 
Schi und kn och en. Der untere (Fig. 16 a von vorne und von der 
Seite in natürlicher Grösse) trägt blos am hintern Rande eine ein- 
fache Reihe von 10 ziemlich gleich starken, weiss email- 
lirten Spitz zahnen und an seinem langen dünnen Stiele gleichfalls 
nur eine Reiheungleich feinerer, spitzer, nicht emaillirter Zähne. Die 
oberen Schlundknochen (Fig. 16 b) stellen kleine Plättchen vor, an 
deren Rande fünf weiss emaillirte Zähne stehen und auf deren Fläche 
noch ein kleiner Zahn sitzt. 

Der Mund ist nicht vorstreckbar, der Vordeckel nicht gezäh- 
nelt, aber überschuppt; die mit einfachen, weiten Röhrchen mündende 
Seitenlinie verläuft nahe dem Rücken und biegt am Schwänze rasch 
zur halben Höhe herab, ohne aber unterbrochen zu sein. Die 
Schwanzflosse ist gerade abgestutzt, der Schuppenbau im Wesent- 
lichen wie bei allen Labruiden. 



54 K. n e r. 

Erst vor wenigen Tagen, bereits nach Beendigung dieser 
Arbeit erhielt ich durch v. Bleeker's gütige Zusendung seine Enu- 
meratio specierum piscium hucusque in Archipelago indico obser- 
vat. (Batav. 1859 in 4.) und fand daselbst p. 93 den Labrus lato- 
vittatus Riipp. als Labroides Ia(ointtati(sB\eek. angeführt mit dem 
Citate: Acta Societ. scient. Ind.Neerl. II, 8. Bidr. Amb. p. 73. Da 
die beiden ersten Bände dieser Acta bisher iuWien nicht aufzutreiben 
sind, so kann ich nur vermuthen, dass sich v. Bleeker durch die- 
selben Merkmale zur Begründung dieser Gattung bewogen fand, 
welche mich dazu bestimmten *). 

Dass die Artbenennung Rüppel's „latovittatus" jener von 
Valenciennes „dimidiatus" als der neueren und minder gut be- 
zeichnenden vorzuziehen ist, darin theile ich v. Blee ker's Ansicht, 
doch dürfte auch der von mir gewählte Gattungsname Fissilabrus 
passender als der Bleeker'sche erscheinen. 

d) Die letzte Gruppe der Labroiden, die man geradezu als Sca- 
r o i d e n bezeichnen könnte, bilden jene Gattungen, deren Schlundzähne 
theils in quere Schneiden, theils in Kau flächen auslaufen, und 
bei denen auch die oberen lang gezogenen und mächtig ausge- 
bildeten Schlundknochen völlig an einander stossen und in der Mittel- 
linie scheinbar durch Nath vereinigt sind. Die mit einem derart aus- 
gezeichneten Kau- und Malmapparat versehenen Gattungen unter- 
scheiden sich jedoch gerade durch die Form und Bezahnung der 
Schlundknochen ebenfalls in charakteristischer Weise von einander. 

Bei der Gattung Scarus ist die Mitte des untern Schlund- 
knochens und dessen Stiel in eine elliptische oder eiförmig 
concave, allein zahntragende Platte ausgebildet, von welcher beider- 
seits die kurzen und dicken Gelenkstücke wie nach aufwärts 
gekrümmte Arme oder Henkel abstehen. Die Zähne sind daselbst in 
Querreihen von je 4 — 5 gestellt und laufen theils in gewölbte 
Schneiden, theils in mit einer Querfurche versehene schmale Kau- 
flächen aus. Dieselbe Form zeigen die Zähne an den langen, aber 
schmalen obern Schlundknochen , deren jeder nur eine ein- 
fache Längsreihe von Zähnen trägt, die aber mit ihren vorste- 



') Es werden zu ihr noch Labroiä. paradiseus und xanthurus gezählt; ersterer soll 
der Figur in Heuard I, Tat'. Ü, F. 131 entsprechen, letztere ist in den Acta 
80i ict. ■sticni. I. Man. p. !J2 beschrieben. 



Zur Charakteristik und Systematik der Labroiden. 5t) 

henden Rändern derart alternirend in einander greifen, dass es den 
Anschein hat, als wären die beiden Schlundknochen in der Median- 
linie durch Zickzacknath vereinigt 1 )- Die Abbildung der Schlundkno- 
chen eines Scarus in R. Owen's üdontography ist so vorzüglich, 
dass es unnöthig erscheint, hier abermals eine zu geben. 

Die Verschmelzung der Kieferzähne zu Platten zeichnet zwar 
diese Gattung auf den ersten Blick aus, doch findet sie gerade durch 
die Gattung Julis hierin einen vermittelten Übergang 2 ). Die grossen 
leicht abfallenden Schuppen, deren Structur sich wie bei allen 
Labroiden verhält, die unterbrochene, mehr weniger verästelte 
Seitenlinie gehören ebenfalls noch zu den äusseren Merkmalen 
dieser Gattung. 

fallyodon. Der dünne Stiel des unteren Schlundknochens ragt 
frei vor und wird nicht von der Zahnplatte überdeckt, welche doppelt 
so breit als lang und der Quere nach mit 5 — 6, der Länge nach mit 
7 — 8 Reihen von Zähnen besetzt ist, die übrigens auch theils in eine 
Schneide, theils schmale Kaufläche enden; die seitlichen Gelenk- 
stücke sind kurz , dick, schwach nach aufwärts gekrümmt. Jeder der 
oberen Schlundknochen trägt drei Längsreihen ähnlicher 
Zähne; sie sind im abgebildeten Exemplare von Call, hypselosoma 
Figur 17 eben im Wechsel begriffen und theilweise ausgefallen. 

Von Scarus unterscheidet sich diese Gattung noch durch die 
Bezahnung der Kiefer, indem die einzelnen Zähne viel mehr geson- 
dert sind und mit ihren Spitzen meist frei vorragen und zum Theile 
wie am Zwischenkiefer auch nach auswärts gebogen sind; hinter 
ihnen steht oben eine zweite Reihe kleinerer Zähne. 



') Dass die Schlundzähne der Labroiden überhaupt ebenso einem Wechsel wie die 
der Cyprinoiden unterliegen, davon geben die Schlundknochen von allen häulig 
Zeugniss. Am auffallendsten ist dies aber bei den Scaroiden , man bildet regel- 
mässig' unter den fungirenden Zähnen in der Höhlung- des Knochens vorräthige 
Zahnkeime, die hier um so nöthiger erscheinen, als offenbar die Schlundknochen 
bei Scaroiden nicht hlos gegen einander drücken, sondern sich auch über einander 
verschieben. Sie gelten demzufolge als Wiederkäuer und gehören zu jenen 
Fischen, die Töne von sich geben. 

2 ) Beide Gattungen verhalten sich überhaupt in mehrfacher Beziehung parallel zu 
einander; beide zeichnen sich durch Reichthura an Arten aus, bei beiden 
linden sieh deren ohne und mit vorstehenden Hundszähnen im Mundwinkel und 
ebenso auch Arten mit abgestufzier neben solchen mit abgerundeter und gabelig 
getheilter Caudale; bei beiden Gattungen endlich fühlt die Systematik das ße- 
dürfniss der Revision, d. h. einer genaueren Vergleichung und Untersuchung der 
zahlreichen Arten. 



56 K ii e r. 

Odax. Vor allen andern durch die mächtigste Entwicklung der 
Schlundknochen ausgezeichnet: der untere ist gestreckt oval, nach 
vorne, über dem Ende des Stieles zugespitzt, stark concav und mit 
viel zahlreicheren Reihen kleiner Kauzähne besetzt, als dies bei 
Scarus der Fall ist. Die seitlichen Gelenkstücke biegen fast unter 
einem rechten Winkel nach aufwärts und erheben sich bedeutend 
über die Ränder der Kaufläche. Die Bezahnung der obern Schlund- 
knochen ist ganz eigenthümlich. Sie mahnt an die der Kiefer 
selbst und ist am besten durch naturgetreue Abbildung anschaulich 
zu machen. Figur 18 zeigt die Schlundknochen von Odax molucca- 
nus massig vergrössert *) ; am rechten obern os pharyng. ist das 
gesonderte seitliche Knochenstück weggehoben, um die concave 
Gelenkfläche zu zeigen, mittelst deren es sich an den Schlundknochen 
anlegt. Sämmtliche Knochenstücke sind grün gefärbt, am lebhaftesten 
die Zahnplatten selbst. 

Von den vorigen Scaroiden unterscheidet sich Odax noch durch 
gestreckte Totalgestalt, wenig gewölbte und schmale Kieferzahn- 
platten, seitlich mit freien Spitzzähnen, nicht unterbrochener Seiten- 
linie und bedeutend kleinere Schuppen. 

Die Gattungen Scarichthys Bleek. und Hoplegnathus Rieh. 
(Scarodon T. Schleg.^ kenne ich aus eigener Anschauung nicht. 
Erstere scheint nach von Bleeker's Angaben allerdings zu den 
Scaroiden zu gehören. Was aber die von Richard so n in seiner 
Descript. of Austral Fishes (Transact. of the zool. soc. of London 
1849, vol. III, p. 144) aufgestellte Gatt. Hoplegnathus mit der Art 
H. Conwayi (Taf. 7, Fig. 1) anbelangt, so Hesse sich vermuthen, dass 
sie eine vermittelnde Gattung zwischen Scarus und Odax sei, mit 
welch letzterem sie die nicht unterbrochene Seitenlinie theilt, wäh- 
rend sie yoii beiden durch noch kleinere Schuppen abweicht. In der 
Fauna jap onica wurden unter dem Namen Scarodon zwei andere 
Arten: Sc. punetatus und fasciatus beschrieben und letztere auch 
abgebildet: die Stellung der Galtung wurde aber als zweifelhaft 
erklärt und ihre Verwandtschaft mit Dipterodon und Pimelepterus 
hervorgehoben. Und in der That mahnt auch die daselbst abgebildete 



') Welche Art V alencien ne s untersucht haben mag, indem er die Form des 
unteren Schlundknochens als dreieckig bezeichnet, kann ich vorerst nicht er- 
mitteln. 



Kurr. Zur Characterrstik der Labroideit 



Taf.I. 




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Sil/.iniij-.sb.d.k.Akad d.W m.ith iialiinv.Cl.A'L Bd.X°L 1860. 



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Sitaun£sb.d.k.Akad.d.Wmata.naturw.Cl.XL Bil.X" I. 1860. 





Zur Charakteristik und Systematik der Labroideo. 57 

Art fasciatus an selbe ungleich mehr als Richardson's Figur. 
Bleeker betrachtet in seinem neuesten Werke: Enumeratio spec. 
pisc. etc., in welchem auch ein Systematis piscium naturalis tenta- 
men mitgetheilt wird, die Gattung Hoplegnathus Rieh. = Scarodon 
Seh leg. nicht blos als Vertreter einer eigenen Familie , sondern 
trennt sie auch weit von den Scaroiden, indem er sie zwischen die 
Chaetodonten und Teuthyes einschiebt. Da aber sowohl bei Ri- 
chardson wie bei Schlegel und v. Bleeker jede Angabe über 
die Schlundzähne fehlt, so ist über die Stellung dieser Gattung noch 
immer nicht mit Sicherheit zu entscheiden. 



58 v. S o n k I a r. 



Über die Änderungen der Temperatur mit der Höhe. 
Von R. v. Son kl ar, 

k. k. Major. 

(Auszug aus einer für die Denkschriften bestimmten Abhandlung.) 

(Vorgelegt in der Sitzung vom 16. Februar 1860.) 

Im Eingange dieser Abhandlung erwähnt der Herr Verfasser 
der vergeblichen Bemühungen, welche bisher gemacht wurden, das 
Quantum der Wärmeabnahme mit wachsender Höhe, auf dem Wege 
der Theorie so zu bestimmen, dass dasselbe mit der Erfahrung 
zusammenfällt. Er übergeht sodann zu den Ergebnissen der Erfah- 
rung selbst, und zeigt durch beigebrachte Daten, dass auch diese 
Resultate unter einander sehr beträchtlich verschieden sind , welche 
Bemerkung nicht blos für das Jahr im Allgemeinen, sondern weit 
mehr noch für einzelne Abschnitte der jährlichen Periode Geltung hat. 
Der Verfasser hat nicht minder fast alle bisher ausgeführten wissen- 
schaftlichen Luftreisen in Betracht gezogen und gefunden, dass die 
Übereinstimmung in den Resultaten derselben nicht im geringsten 
grösser sei als dort, wo das Quantitative der Wärmeänderung mit 
wechselnder Höhe durch gewöhnliche Thermometer-Beobachtungen 
in der Nähe des Bodens aufgesucht wurde. 

Der Grund dieses Auseinandergehens dieser selbst auf dem Wege 
der unmittelbaren Beobachtung gewonnenen Resultate schien dem 
Verfasser in dem Umstände zu liegen, dass dieselben aus meist ver- 
einzelten, im Räume und in der Zeit zerstreuten Wahrnehmungen 
abgeleitet wurden. Er stellt mit Recht die Behauptung auf, dass nur 
durch eine grosse Zahl, nach mehrjährigen Temperaturmitteln aus- 
geführten Untersuchungen ein verlässliches und von dem Einflüsse 
klimatischer und localer Störungen freies Resultat zu gewinnen 
sein wird. 

Zu einem solchen Unternehmen liefern die reichhaltigen Publi- 
cationen der k. k. Centralanstalt für Meteorologie und Erdmagne- 
tismus das nöthige Muteriale. Mit Hilfe derselben hat es der Herr 



Über die Änderungen der Temperatur mit der Höhe. 59 

Verfasser versucht, den Gesetzen der Wärmeabnahme mit zuneh- 
mender Höhe einlässlich nachzuforschen, wobei es ihm gelungen ist, 
eine Zahl nicht unwichtiger Ergebnisse zu Tage zu fördern. 

Als Grundlage für seine diesfülligen Untersuchungen diente ihm 
eine mühevolle Zusammenstellung aller Monats- und Jahresmittel 
der Temperatur für 61 theils in den Alpen, theils am Süd- und am 
Nordfusse derselben liegenden meteorologischen Beobachtungsstatio- 
nen, die nach ihrer Lage in klimatische Regionen getheilt wurden. 

Er übergeht nun zuvörderst zu einer schärferen Behandlung 
der Frage, ob die Wärme bei arithmetisch zunehmenden Höhen- 
abständen nach einer arithmetischen oder geometrischen Progression 
abnehme — eine Frage, die bekanntlich selbst nach den Unter- 
suchungen von Kämtz, noch nicht völlig entschieden war. Der Ver- 
fasser hat sich dabei der Formeln 

1 . t h = t — ah 

2. log. t h — log. t — ah 

bedient, wo t h die Temperatur der oberen Station, h die Höhe der- 
selben , t die Temperatur der unteren Station und a eine constante 
Grösse bedeutet, und wo t und a durch die Beobachtung zu bestim- 
men sind. Mit Hilfe der Theorie der kleinsten Quadrate hat der Ver- 
fasser sofort die numerischen Werthe beider Gleichungen für sechs 
verschiedene Alpenregionen, wie auch für die Ergebnisse von zwei 
im Jahre 1852 in England unternommenen aerostatischen Reisen 
ausgeinittelt, und hieraus mit Klarheit dargethan, dass für alle Höhen, 
welche noch von Menschen bewohnt oder erreicht werden, die 
Abnahme der Wärme mit wachsender Höhe nach dem Gesetze einer 
arithmetischen Progression vor sich gehe. 

Nun geht Major von Sonklar zur Bestimmung jener Höhe über, 
um welche man sich erheben müsse, damit die Temperatur um 1° R. 
abnehme. 

Diese höchst mühevolle, nach allen Monats -und Jahresmitteln 
der Temperatur ausgeführte Rechnung wurde von dem Verfasser nach 
einzelnen Alpensectionen, und innerhalb der letzteren auch nach so 
vielen Höhenzonen geführt, als bei der Zahl der vorhandenen Beobach- 
tungsstationen zulässig schien, damit noch verlässliche Mittel erhalten 
werden konnten. Er hat hiebei in jeder Alpensection beinahe jede 
Station mit jeder anderen verglichen, und aus mehr als 2400 solcher 



60 v. S o n k :i 

Vergleichungen hat er Mittel werthe für jede Alpensection und für 
einzelne Hölienzonen in denselben, für grössere Alpentheile und end- 
lich auch die Hauptmittel für das ganze Gebiet der Ostalpen erhalten, 
welche ihm zu nachfolgenden Schlüssen berechtigen. 

1. Die grosse Verschiedenheit der für so nahe bei einander 
liegende Gegenden aufgefundenen, der Temperaturabnahine um 1° 
entsprechenden mittleren Höhenwerthe beweisen, dass es eine ver- 
gebliche Mühe wäre, einen für alle Breiten und Localitäten giltigen 
Mittehverth dieser Art auflinden zu wollen. 

2. Für das ganze System der Ostalpen beträgt die Höhe um 
die man sich erheben muss, damit die Temperatur um 1° R. sinke, 
im Allgemeinen 843 P. F. Für die einzelnen Monate aber stellen 
sich diese Höhen wie folgt heraus: 

Jänner — 481 P. F. Juli + 796 P. F. 

Februar +168 „ August + 745 , 

März + 642 „ September + 820 „ 

April + 670 „ October + 949 „ 

Mai + 632 „ November +1008 „ 

Juni + 714 „ December — 141 „ 

Eben so für die einzelnen Jahreszeiten : 

Frühjabr + 647 P. F. Herbst + 932 P. F. 

Sommer + 749 „ Winter + 148 „ 

3. Die Wärmeabnahme mit zunehmender Höhe ist im Innern 
des Gebirgsgürtels, und dort wo die Tafelzone der Alpen an Breite 
zunimmt, langsamer als an den Rändern derselben. 

4. Es kann nicht behauptet werden, dass die Wärmeabnahme 
in irgend einer Höhenschichte der Atmosphäre rascher vor sich gehe 
als in einer anderen. 

5. Bezüglich der Jahreszeiten hat sich consequent die lang- 
samste Wärmeabnahme im Herbste und die rascheste im Frühjahre 
gezeigt, was mit allen bisherigen Annahmen im Widerspruche steht. 

6. In mehreren Alpentheilen, besonders aber in den süd- 
norischen und karnischen Alpen, treten in den Wintermonaten sehr 
merkwürdige und abnorme Temperaturverhältnisse ein; es ist 
nämlich daselbst zur Winterszeit ein successives jedoch ziemlich 
rasches Steigen der Temperatur mit zunehmender Höhe wahrzu- 



Über die Änderungen der Temperatur mit der Höhe. 61 

nehmen, so dass die Höhe, welche der Wärmeverminderung um 1° 
entspricht, einen negativen Werth erhält. Ja es ist diese Erhöhung 
der Temperatur von unten nach oben in der erwähnten Jahreszeit 
so bedeutend und umfassend , dass in den Monaten December und 
Jänner ßeobachtungs-Stationen, welche um 3000 — 4000 F. höher lie- 
gen als andere, uml — 2 Grade wärmer haben als diese, und dass selbst 
die allgemeinen Monatmiltel, wie aus dem Obigen zu ersehen, von 
diesen anomalen Verhältnissen beherrscht erscheinen. 

7. Major v. Sonklar sucht nun diese höchst beachtenswerthe 
Erscheinung aus den herrschenden Luftströmungen zu erklären. Er 
beginnt mit dem Grundsatze, dass alle grösseren Bewegungen der 
Atmosphäre ihre Hauptursache in dem zwischen den Tropen auf- 
steigenden warmen Luftstrome finden. Die unveränderliche Stetig- 
keit desselben bedingt das eben so stetige Auftreten sowohl des 
Nordost- und Südostpassates, als auch des sogenannten rücklaufenden, 
d. h. des Südwest -und Nordwestpassates. Es müssen sonach in den 
höheren Breiten stets beide Passate gleichzeitig vorhanden 
sein, doch hängt es von Umständen ab, welcher von beiden an 
einem beliebigen Orte die höheren und welcher die tieferen Regionen 
der Atmosphäre einnimmt. Waltet nun in unseren Gegenden irgend- 
wo zu einer gewissen Jahreszeit, z. B. im Winter, der kalte oder 
Nordostpassat in der Tiefe vor, so muss in der Höhe der warme oder 
Südwestpassat in demselben Grade vorwalten, und es werden sonach 
die höheren Gegenden um so mehr erwärmt und die tieferen um so 
mehr abgekühlt werden, je länger die angedeutete Lage beider Luft- 
ströme andauert. 

Dieser Fall tritt nun in den südnorischen und karnischen Alpen 
zur Winterzeit thatsächlich und in sehr consequenter Weise auf, und 
dass dem also, das beweisen die von dem Herrn Verfasser aus viel- 
jährigen Mitteln der Windvertheilung für jeden Monat berechneten 
mittleren resultirenden Windlichtungen an den Stationen Mailand, 
Udine, Triest, Wien, Kremsmünster und Salzburg. Die hindurch 
gewonnenen Zahlen zeigen unwiderleglich, dass nirgends so nachhaltig 
wie in Udine und Triest (welche Stationen für die erwähnten Alpen- 
theile massgebend sind) der kalte Passat im Winter die unteren, und 
daher der warme die oberen Regionen des Luftkreises beherrscht, 
was eben die grössere Wärme der höheren Gebirgslagen in dieser 
Jahreszeit genügend erklärt. 



62 v - S on klar. Über die Änderungen der Temperatur mit der Höhe. 

Eben so deutlich spricht sich der Zusammenhang der Luftströ- 
mungen mit dem Gange der Wärmeänderung bei wachsender Meeres- 
höhe in den Jahreszeiten aus, zu welchem Ende der Verfasser die 
den Jahreszeiten entsprechenden mittleren Windrichtungen für 
mehrere der vorgenannten Stationen berechnet hat. 

Auch hat er es versucht, die beiläufige Höhe jener Fläche aus- 
zumitteln, längs welcher beide Passate in den verschiedenen Mona- 
ten des Jahres an einander grenzen. Als Mittelwerth hat sich ihm 
die Höhe von 4700 P. F. ergeben. 

8. Zum Schlüsse erklärt Major v. So n klar einige andere (in 
den oben mitgetheilten Hauptmitteln jedoch nur theilweise ersicht- 
lichen) Eigenthümlichkeiten in dem Gange der Wärmeänderung mit 
wachsender Höhe, wie z. B. die Beschleunigung dieser Abnahme im 
April oder Mai, die Verlangsamung derselben in den Sommermona- 
ten und ihre hie und da auftretende abermalige Beschleunigung im 
October oder November, aus den herrschenden meteorologischen 
Zuständen in der Höhe und in der Tiefe während dieser Monate, aus 
der beförderten oder gehemmten Verbreitung der Wärme durch Mit- 
theilung, aus den Einflüssen der Strahlung, der Hydrometeore u. s. f. 



Pohl. Über mikroskopische Probeobjeete etc. (>3 



Über mikroskopische Probeobjecle, insbesonders Nobert's 
Testobject-Platte. 

Von Dr. J. J. Pohl. 

(Vorgetragen in der Sitzung vom 9. Februar 1860.) 

Die Prüfung eines Mikroskopes mittelst sogenannter Probe- 
oder Testobjecte entscheidet nur über den optischen Werth, während 
dabei andere für den praktischen Gebrauch dieses Instrumentes 
wichtige Eigenschaften unberücksichtigt bleiben. Nichtsdestoweniger 
stellt man diese Prüfung der Mikroskope fast immer in den Vorder- 
grund und bringt selbe häufig ausschliesslich in Anwendung. Seit 
Jahren wurde daher eine Reihe solcher Probeobjecte zur Benützung 
vorgeschlagen, von denen sich aber neuester Zeit nur verhältniss- 
mässig wenige im Ansehen erhalten haben. Der Grund hievon liegt 
wohl zum Theil im Fortschreiten der praktischen Dioptrik, indem 
kleinere Instrumente, von ausgezeichneten Künstlern verfertiget, 
jetzt die schwierigsten Proben bestehen, welche sonst nur für In- 
strumente ersten Ranges galten, zum Theil aber leider im Überhand- 
nehmen einer einseitigen Prüfung der Mikroskope, die sich blos auf 
das Sichtbarwerden feiner Linien und Streifen beschränkt. Klarheit 
und Schärfe derContouren nebst Helligkeit, Grösse des Gesichtsfeldes, 
sowie Gleichförmigkeit des Bildes im selben etc. bleiben im letzteren 
Falle unberücksichtiget. Soll aber ein Mikroskop im optischen Theile 
allen Anforderungen entsprechen, so muss es nicht nur die letztge- 
nannten Eigenschaften besitzen, sondern auch, wie bereits Goring 
unterschied, eine hohe penetrirende und definirende Kraft besitzen, 
in so ferne unter ersterer die Eigenschaft eines Mikroskopes verslan- 
den wird, feine Streifen, Linien und andere Details an den Objecten 
sichtbar zu machen, unter letzterer hingegen blos die Fähigkeit, die 
Umrisse der Gegenstände scharf, klar und tief schattirt zu zeigen. Nur 
die ausgezeichnetsten Mikroskope entsprechen in beiderlei Richtun- 



ß4 Pohl. 

gen, meist ist die hohe penetrirende Kraft auf Kosten der definirenden 
oder umgekehrt erzwungen, in welchen Fällen das Instrument bei 
gewissen Untersuchungen nur mittelmässige Dienste leistet. Zwar 
besitzt man in der Distanzänderung der Objectivlinsen und jener des 
Oculars vom Objectivsysteme ein einfaches Mittel , bis zu einem 
gewissen Grade penetrirende Kraft in definirende und vice versa 
umzusetzen, allein nicht an allen Mikroskopen ist auf solche Ver- 
schiebungen von Seite des Verfertigers Rücksicht genommen, auch 
gehört einige Übung zur Richtigstellung der Linsen , so dass es am 
besten bleibt, wenn der Optiker selbst an seinem Instrumente den 
günstigsten Effect zu erreichen strebt. Jene Optiker, welche als 
Prüfungsmittel ihrer Mikroskope das Erscheinen von Querstreifen 
auf gewissen Schmetterlingsschuppen, der Liniensysteme auf Infu- 
sorienpanzern etc. empfehlen, nehmen hauptsächlich auf die pene- 
trirende Kraft Rücksicht. Die Linien und Streifen erscheinen dann 
vollständig, aber die Contouren des Objectes sind häufig verwaschen 
und das Object selbst zeigt sich wie in einen dünnen Nebel ein- 
gehüllt, — das Rild ist milchig. Unter den mir genau bekannten 
Mikroskopen gehören hieher die neueren von Amici, Rene che und 
Wasserlein, Nach et und Oberhäuser (Hartnak) bei Anwen- 
dung der stärksten Objectivsysteme. Jene Optiker hingegen , welche 
Haare, Insectentheile, Knochenschliffe etc. zur Probe wählen und 
verlangen, dass die Contouren dieser Gegenstände nicht nur scharf 
erscheinen, sondern auch eine möglichst tiefe Färbung zeigen 
(schwarz sind), berücksichtigen vorzugsweise die definirende Kraft. 
Vortrefflich definiren so z. R. die schwächeren Linsensysteme an 
den Mikroskopen Oberhäuser's, Prokesch's in Wien, und ebenso 
die freilich älteren Mikroskope von Fraunhofer, während eine 
gewisse Ausgleichung beider Eigenschaften zur vortrefflichsten Wir- 
kung bei den neuesten Mikroskopen von PIössl und jenen neuesten 
Objectivsystemen Amici's und Oberhäuser's erzielt ist, welche 
beim Gebrauche in Wasser oder Mohnöl eingetaucht werden müssen. 

Es müssen hiernach die mikroskopischen Probeobjecte minde- 
stens in zwei Classen getheilt werden, deren eine Objecte zur Prü- 
fung der penetrirenden Kraft, die andere Objecte zur Ermittlung der 
definirenden Kraft umfasst. 

Obschon die penetrirende und definirende Kraft, besonders aber 
letztere, Functionen der sphärischen und chromatischen Aberration 



Üher mikroskopische Probeobjecfp. ß K 

sind, so kann doch von beiden Aberrationen, namentlich von der 
chromatischen, ein guter Theil übrig bleiben, ohne in obgenannten 
Beziehungen störend zu wirken, ja die definirende Kraft wird oft 
scheinbar durch die chromatische Aberration unterstützt. Das Maxi- 
mum des Erfolges haben, was Farblosigkeit betrifft, in neuester Zeit 
wohl Amici und Oberhäuser (Hartnak) bei den stärksten 
Objectivsystemen erzielt, welche beim Gebrauche in Mohnöl oder 
Wasser getaucht werden müssen. Leider ist aber diese Beobach- 
tungsart so unbequem, dass sie nur ausnahmsweise Anwendung 
finden kann : auch zeigen sich beim genauen Vergleiche verschie- 
dener neuerer Mikroskope Amici's beträchtliche Unterschiede hin- 
sichtlich der Farblosigkeit der Bilder. Betreffs des Freiseins von 
sphärischer Aberration muss ich unter den am Continent erzeugten 
Instrumenten für die stärksten Vergrösserungen Amici's Mikro- 
skopen bei richtiger Stellung seiner Correctionsoculare, für schwä- 
chere unbedingt jenen von Plössl mit Benützung des aplanatischen 
Oculars oder Kellner's orthoskopischen Oculars den ersten Rang 
einräumen. Ich glaube bezüglich der gegebenen Beurtheilungen der 
Leistungsfähigkeit in so ferne auf einige Verlässlichkeit Anspruch 
machen zu dürfen , als selbe auf vieljährigen häufigen Gebrauch der 
Mikroskope und der genauesten Durchmusterung von über einem 
halben hundert Mikroskopen beruht. 

Nebst diesen zwei Arten von Probeobjecten dünkt mir aber 
noch eine dritte Classe wesentlich. Es ist jene, mittelst welcher 
die Grösse der übrig gebliebenen , die Beschauung mehr minder 
störenden , sphärischen und chromatischen Aberration erkannt 
wird. Endlich abgesehen von diesen Eintheilungen der Probeobjecte 
müssen selbe noch in zwei andere höhere Gruppen geschieden wer- 
den, nämlich natürliche und in künstlich erzeugte Probeobjecte, 
welch' Letztere aber bei weitem die Minderzahl bilden. 

Vor Anwendung der doppelten und dreifachen Objective waren 
es vorzüglich Definitionsobjecte, welche man zur Beurtheilung der 
optischen Kraft eines Mikroskopes benutzte. Diese Objecte sind aber 
gegenwärtig grossentheils durch Objecte für Penetration verdrängt, 
obschon mit Unrecht, während auf die Aberrationen am wenigsten 
Rücksicht genommen wird. Im Allgemeinen scheinen sich jetzt die 
Mikroskopiker vorzugsweise Ein bestimmtes Object auszuwählen 
und dieses als Hauptmassstab für die Güte der Instrumente gelten zu 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XL- Bd. Nr. 7. 5 



66 p ° '• '■ 

lassen, wie z. B. Schacht») und ihm nachfolgend Reinike") 
die Navicula angulata (Pleurosigma , Gyrosigma angulatum), 
obschon eine solche Prüfung sehr einseitig genannt weiden muss, 
da ein sonst schlechtes Ohjectiv diese Linien zeigen kann, wenn es 
nur einen grossen Öffnungswinkel besitzt 3 ). 

Da man sich leider bis jetzt nicht einigte, eine bestimmte Reihe 
entsprechender Probeobjecte nach obgenannten drei Richtungen zur 
Prüfung der Mikroskope festzustellen, so dürfte es nicht ohne Inter- 
esse sein, wenigstens einige der Prüfungsobjecte für Mikroskope 
namhaft zu machen, welche in neuerer Zeit von ausgezeichneten 
Beobachtern anempfohlen wurden. 

Erste Classe von Probe ob jecten : Natürliche Objecte. 

Jacqnin's Probeobjecte *) 1829. 

Objecte für Beleuchtung von UntPn. 

1. Flügel der gemeinen Hausfliege, Musca domestica, welches 
Object sowohl für schwache, 15 — 20 als stärkere, etwa 
240malige lineare Vergrösserung gelten soll, 

2. Gelsen-Flügel von Culex pipiens von 40- bis zu 300maliger 
Vergrösserung angerathen. 

3. Menschen -Haare für schwache und stärkere Vergrösse- 
rungen. 

4. Haare vom Rücken der Hausmaus, Mus mitsculus , erst von 
200maliger Vergrösserung an zu gebrauchen. 

6. Bauchhaare der gemeinen Fledermaus, Vespert ilio murinus, 
wie das vorige Object. 

6. Flügelschuppen von Papilio Crataegi oder Brassicae L., 
deren Längsstreifen bei G0 — 80maliger Vergrösserung er- 
scheinen sollen. 

7. Flügelschuppen von Papilio Menelaus, welche bei 200 bis 
300maliger Vergrösserung Querstreifen zeigen. 



') Beiträge zur Anatomie und Physiologie der Gewächse, 1834. S. 267 — 275. 

3 ) Beiträge zur neueren Mikroskopie. Dresden 1838. 

:i ) Diese Behauptung war so wie der grösste Theil vorliegender Arheit bereits im 
Jänner 1836 niedergeschrieben; übrigens hat neuester Zeit auch Hugo von Mo hl 
denselben Ausspruch, jedoch hesser begründet, gethan. (Botanische Zeitung. 16. Bd., 
1838, S. 271.) 

'» Zeitschrifl für Physik und Mathematik. V Bd., S. 189. 



Über mikroskopische Proheobjeefe. (j7 

5. Flügelschuppe der Pelz- oder Kleidermotte. Tinea pellionella 
oder sarcitella, woran die Streifen erst bei 3 — 400maliger 
Vergrösserung Sichtbarwerden und welche Jacquin als fein- 
sten Prüfstein für Mikroskope der ersten Kategorie hinstellt. 

9. Einzelne Schuppen vom Brillantkäfer. Curculio imperialis, 
deren Streifungen fast noch schwieriger als die des vorher- 
gehenden Objectes zu erkennen sind. 

Objecte für Beleuchtung- von Ohen. 

10. Ein Stück des Flügels von Papilio Crataegi oder Brassicae, 
woran die Längsstreifen der Schuppen kenntlich werden 
sollen. 

1 1. Derlei von Papilio Menelaus. 

12. Querschnitt des Stengels vom Mais, Zea Mais oder Hollun- 
dermark, Sambucus nigra. 

1,3. Querschnitt vom gemeinen Regenschirmrohr. 
14. Flügeldeckenstück von Curculio imperialis. 

Goring's 1 ) Probeobjecte 1829. 

I. Objecte für Penetration. 

Leichte Objecte. 

1. Schuppen von Petrobius marinus. 

2. Schuppen von Lepisma saccharina, auf beiden Objecten 
sollen Längenstreifen und schiefe Streifen erscheinen. 

Schwierigere Ohjecte. 

3. Schuppen von Morpho Menelaus , Längs- und Quer- 
streifen. 

4. Körperschuppen von Alucita pentadactyla , zeigen Längs- 
streifen. 

o. Körperschuppen von Alucita lie.vodactyla , lassen ebenfalls 
Längsstreifen erkennen. 

6. Die gelben Flügelschuppen von Lycaena Argus, Längs- 
streifen. 

7. Tinea vestianella, Schuppen, Längs- und Querstreifen 
sichtbar. 



*) The Microseopic Cahinet by R. Pritchard, pag. 135. 



68 po'' '• 

Schwierige Probeobjecte. 

8. Die schmalen, an einem Ende herzförmigen Schuppen von 
Pieris brassicae. Erkennbar sind Längs- und Querstreifen 
nebst zwei Systemen diagonaler Streifen. 

9. Schuppen der Podura plumbea, Längs- und Querstreifen zu 
ersehen. 

II. Objecte für Definition. 

1. Haare der Hausmaus. 

2. „ vom Flügel der Fledermaus, vespertilio murinus. 

3. Das Blatt einer Hypnum-Y nrietiit, welche jedoch nicht näher 
bezeichnet ist. 

4. Die getüpfelten Schuppen von Lycaena Argus. 

Chevaliers Probeobjecte *) 1839. 

Leichte Probeobjecte. 

Lepisma saccharina, Schuppen, die Längstreifen und schiefen 

Streifen. 
Pieris brassicae, Schuppen, die Längsstreifen. 

Schwieriges Probeobject. 

Pieris rapae, Schuppen, die Granulationen der Streifen. 

Schwierigeres Probeobject. 

Pieris brassicae, Schuppen, die Querstreifen. 

Sehr schwierige Probeobjecte. 

Podura plumbea, die Querstreifen der kleinen und mittleren 

Schuppen. 
Pieris brassicae, die Granulationen der Längsstreifen an den 

Schuppen. 

NohTs Probeobjecte 2 ) 1846. 

Mohl führt besonders Goring's Probeobjecte, jedoch bezüg- 
lich ihrer Schwierigkeit in einer andern Reihenfolge an, stellt aber 
unter die schwierigsten Objecte noch: 



*) Chevalier: Des Microscopes et de leur usage. pag. 17.'i. 
2 ) Mohl, Mikrographie pag. 184. 



Über mikroskopische Probeobjecte. ß Q 

Die Schuppen von Lycaena Argus und zwar die lichten, an wel- 
chen Querstreifen erscheinen müssen. 

Die Flügelschuppen des Weibchens von Hipparchia Janira, 
welche Längs- und Querstreifen zeigen. 

Die langen, oben gefransten Schuppen an der oberen Seite der 
Flügel des Männchens von Hipparchia Janira mit Längs- 
streifen. Die Hipparchia-Sc\ni\)[)en wurden übrigens zuerst 
von Amici als Probeobject empfohlen. 

Quecksilberkügelchen als Prüfungsmittel bezüglich der Aber- 
rationen. 

Schachfs Probeobjecte 9 1854 and 1855. 

1. Lepisma saccharina , Schuppen, Längsstreifen und schiefe 
Streifen. 

2. Hipparchia Janira, Flügelschuppen des Weibchens, Längs- 
und Querstreifen. 

3. Navicula hippocampos angulata! sämmtliche drei Linien- 
systeme, aber gilt nur für durchgelassenes Licht, da es im 
auffallenden Lichte zu den leichteren Probeobjecten gehört. 

4. Holzquerschnitt der Wurzel von Pinus sylvestris, dient zur 
Erkennung des Freiseins von chromatischer Aberration. 

Griffitirs Probeobjecte 2 ) 1856. 

1. Das Pygidium einer Fliege, sowohl transparent als opak 
betrachtet, an dem die Haare sich zeigen. 

2. Maushaare. Beide Objecte dienen für sogenannte 1*5 — 2zöl- 
lige (englisch) Objective mit 20maliger Vergrößerung und 
12 — 20o Öffnungswinkel. 

3. Haare von Dermestes lardarius. 

4. „ der Hausmaus. 

5. Das Pygidium der Fliege, an dem die Areolaeen unterscheid- 
bar sein müssen. 

Nr. 3—5 für 1— 0-67zöIüge Objective bei 60maliger 
Vergrösserung und 22 — 27° Öffnungswinkel. 



*) Sehncht, Beiträge zur Anatomie und Physiologie der Gewächse, S. 267 — 273. Das 
Mikroskop und seine Anwendung insbesondere in der Pflanzen-Anatomie, 2. Auflage, 
1855, S. 17. 

a ) Griffith and Henfrey, The Micrographic Dictionary. pag. fi35. 



70 Pohl. 

6. Haare von Dermestes lardarius, von Vespertilio pipistrellus 
und Mus domesticus in Balsam eingelegt. 

7. Längsschnitt von Abies excelsa, trocken eingelegt. 

8. Die gröberen Schuppen von Lepisma saccharina. 

9. Das Pygidium der Fliege, woran die feine Structur sichtbar 
werden muss. 

10. Eine dunkle Schuppe von Podura plumbea. 

Nr. 6—10 gelten für 0-5— 0'4tel Objective mit 100 bis 
120maliger Vergrösserung und 55° Üffnungswinkel. 
1 l. Haare von Dermestes lardarius. 

12. Längsschnitt von Abies excelsa. 

13. Schleimkügelchen. 

14. Die feineren Schuppen von Lepisma saccharina. 

15. Die blassen und dunklen Schuppen von Podura plumbea. 

16. Die Faserchen von Didymohelix ferruginea. 

17. Das Pygidium der Fliege. 

18. Die Schuppen von Pontia brassicae. 

Nr. 11 — 18 sind für 0-25zöllige Objective mit 220 bis 
450maliger Vergrößerung und 75 — 150° üffnungs- 
winkel. 

19. Die lichteren Schuppen von Podura plumbea 

20. Das Pygidium der Fliege. 

21. Die Schuppen von Pontia brassicae. 

22. Die Faserchen von Didymohelix ferruginea. die Primitiv- 
Fäserchen zeigend. 

23. Die Schleimkügelchen. 

Nr. 19—23 sind Objecte für 0125 (>/ 8 ) zöllige Objec- 
tive mit 420 — 450maliger Vergrösserung und 110- — 150° 
Öffnungswinke]. 

24. Die lichten Schuppen von Podura plumbea. 

25. Die Faserchen von Didymohelix ferruginea, in Balsam ein- 
gelegt. 

26. Die Primitiv-Fibrillen der Muskelfaser. 

Nr. 24— 26 gehören für 0-083 (</„) bis 0*067 (V 16 )zöll. 

Objective mit 600 — 650 maliger Vergrösserung und 

80—120° Öffnungswinkel. 

Die gegebenen Vergrösserungen sollen sich blos auf das Objec- 

tivsystem beziehen. Griffith legt übrigens wenig Werth auf die 



Ober mikroskopische Probeobjecte. 

Streifungen der Infusorien Panzer; schlägt jedoch für solche, welche 
selbe als Probeobject benutzen wollen, Panzer von Gyrosigma 
(Pleurosigma, Navicula) , Grammatophora , Fragillaria, Rhipi- 
dopkora, Amphipleura, Nitschia taenia, gewisse Species von 
Berkeleyia vor. 

Robin's Probeobjecte l ) 1856. 

1. Die Spinnenklaue. 

2. Schuppen von Lepisma saccharina. 

3. „ „ Pieris Rapae, F a b r i c i u s, 

4. „ „ Zygaena Alexis, L i n n e. 

5. „ „ Satyrus Janira. 
6- „ „ Po dura plumbea. 

7. Pleurosigma attenuatum, YY. Smith. 

8. „ angulatum „ 

9. Navicula Spenceri, Kützing. 

10. „ veneta „ Oiatomaeen. 

I i . Verschiedene Species von Gramma- 
tophora. 

1 2 . Stria tella unipunctata, A g a r t h . 

f arpenter's Probeobjecte 2 ) 1856. 

Carpenter unterscheidet nebst der penetrirenden und defi- 
nirenden Kraft der Mikroskope noch eine lösende und theilt hier- 
nach auch die Probeobjecte ein; er gibt wörtlich folgende Defini- 
tionen: 

„Defining power, or power of giving a clear and distinct image 
of all well marked fratures of an object, especially of its 
boundaries" 
„Penetrating power , or power of enabling the observer to look 

into the structure of objects." 
„Resoloing power, by which it enables closely-approximated 
markings to be distinguished." 
Für schwache Objective mit grösserer Foeal - Distanz als 
0-5 engl. Zoll, wählt Carpenter aber: 



') Memoire sur les objects qui peuvent etre conserves en preparations mieroscopiques. 

Paris. 1856. 
i ) Carpenter, The Microscope and its Revelatious. Loudon 1856, pag. 192. 



72 Pohl. 

Objecte für Penetration. 

1. Injection der Froschlunge. 

2. Darmzotten des Affen. 

Objeete für Definition. 

3. Pollenkönier der Rosenpappel oder einer anderen Mal- 
vacaee. 

Objecte für lösende Kraft. 

4. Injection der Kieme des Aals. 

5. „ irgend einer Vogellunge. 

6. Schuppen von Morpho Menelaus. 

7. Rüssel der gemeinen Fliege ; wird besonders anempfohlen. 

8. Tracheen von Insecten. 

Für stärkere Objective von 0*5 bis zu 0-2 Zoll Focaldistanz. 

Objecte für lösende und penetrirende Kraft. 

9. Die Längsstreifen an den schaufeiförmigen Schuppen von 
Polyommatus Argus. 

10. Grössere und kleinere Schuppen von Po dura plumbea. 

11. Pleurosigma hippocampos , die Längs- und Querstreifen. 

Objecte für Definition. 

12. Die Haare der indischen Fledermaus (indian bat). 

13. „ „ von Dermestes lardarius. 

14. Die Muskelfasern. 

Für die stärksten Objective von 0-2 Zoll an abwärts. 

Prob e objecte für Penetration, Definition und Lösung. 

15. Nob ert' s Linienscale. 

Iti. Verschiedene Diatomaeen aus dem Genus Pleurosigma. 
Carpenter nimmt an, die Schwierigkeit des Objectes 
wachse mit der Zahl der Linien, weichein einem bestimmten 
Raum der Länge nach zusammengedrängt sind. Er gibt daher 
zur ßeurtheilung des Werthes verschiedener Diatomaeen 
als Probeobjecte Seite 205 folgende kleine Übersicht nach 
W. Smith, welche ich jedoch von engl. Zoll auf Millimetei 
reducirte und der ich gleichfalls die Messungen von So! litt 
and H a r r i s o n ') sowie Hall 2 ) beifügte. 



') The Quarteiiy Journal of the Microscopical Society. 1S.S3. V, nag. 62. 
i ) Idein. 1836. XV. Die Beschreibung der 13. Tafel. 



Über mikroskopische Probeobjecte. 



73 



Anzahl der Linien auf 001 Millimeter. 



Name 


Nach der 
Länge 


Beobachter 


Nach der Quere 


Beobachter 


Pleurosigma littorale . . . 


9-4 


Sm. 








„ hippocampos 


11-8 
12-2 


Sm. 
H. 


16-5 
15-8 


S.u. H. 
H. 


„ strigile .... 

» n .... 


130 
141 


S. u. H. 
Sm. 


— 


— 


„ formosum . . 


14-2? 


H. 


— 


— 


„ strigosum . . . 
» » ... 
„ angulatum . . 
» » • 


15-7 

20-4 
20-4 


Sm. 

Sm. 
H. 


gross 27 '6 
klein 31*5 
gross 23*6 
klein 27-6 


S. u. H. 
S. u. H. 


„ Spenceri . . . 


21-6 


Sm. 


19-7 


Sm. 


» » • • • 


— 


— 


19-7 


S. u. H. 




— 


— 


23-6 


» 


Ceratoneis fasciola .... 
Pleurosigma obscurum . . . 


2b-2 
29-2 


Sm. 


35-4 


» 


„ macrum .... 


33-4 


„ 


— 


— 


Navieula rhomboides , . . 


33-4 


„ 


— 


— 


„ sigmoidea .... 


33-4 


» 


41-3 


S. u. H. 




— 


— 


51-2 


n 



Ich glaube hier besonders auf den Unterschied zwischen Pleu- 
rosigma hippocampos und angulatum aufmerksam machen zu müs- 
sen, welche manche deutsche Mikroskopiker noch immer verwech- 
seln , während gerade als Probeobject nach obiger Tabelle ein 
namhafter Unterschied resultirt. 



Bailey's Probeobjecte *). 

Diese sind vorzugsweise: 

Hyalodiscus subtilis, eine zuerst zu Halifax in Neu-Schottland 
gefundene Diatomaee. 

Grammatopliora subtilissima, ebenfalls von Halifax, welche 
übrigens Bailey als eine Varietät von Ehrenbergs Gram- 
matopliora strieta bezeichnet. 



l ) Smithsonian, Coutributions to Knowledge. Vol. VII, article III. pag. 14. 



74 p «• •' i 

liniri\ Probeobjecte 1856. 

Die folgende Zusammenstellung sammt den hierauf bezüglichen 
Angaben ist eine Zugabe Amici' s zu einem grossen Mikroskope, 
welches in meinem Besitze und nach Amici's eigenem Ausspruche 
von keinem zweiten seiner Instrumente übertreffen wird. In der That 
zeigte die Vergleichung mehrerer Mikroskope aus der neuesten Zeit 
mit dem in Rede stehenden selbes als das Beste, und nur auf dieses 
Instrument beziehen sich daher die folgenden Original-Angaben 
Amici' s vom 18. Februar 1856. 

Trocken eingelegte Objecte. 

1. Sporulae di Lycoperdon — Papille e Nucleo. 

2. Squame di Hipparchia Janira — linee longitudinali e 
trasversali pik difficili. 

3. Squame delV argo — linee trasversali. 

4. Pleurosigma angulatum. Si osservino le meno sudice. 

5. Striatellaunipunctata. Cherbourg. Si osservino i framenti 
che aderiscono piani softo il retro. Buon fest. 

In Balsam eingelegte Objecte. 

6. Tripoli d'Eger. 

7. Tripoli d'Eger e Grammätophora marina. 

8. Tripoli di S" Flora. 

9. Tivoli di Lollhagysion, Lapponia, contiene la navicula 
Amici et altri test difficillimi. 

Ferner führt Amici an: Colla Serie IV" (Objectivsystem- 
Bezeichnung) e questa maniera d illuminare col prisma i Test- 
objeets : 

10. Pleurosigma angulatum W. Schmith, nel balsamo. 

1 1. Ceru toneis fasciola Kg. a Secco. 

12. Grammätophora subtilissima, New- York. 

13. Navicula Amici Spr. nel balsamo et si risolvono completa- 
mente e si distinguorno le parti loro pih minute. 

La quasi totalitä della massa di quel tripoli d'Eger si compone 
del Campilodiscus Clypeus e di una navicula in cui pre- 
parata nel balsamo si vedono distintamente t utte le pun- 



Über mikroskopische Probeobjecte. 7b 

teggiature o granulazioni delle due linee mediane longitu- 
dinali e delle strie trasversali (per la serie H a ). 1 micros- 
copi fabbricati a Parigi e da Vienna che sono in Italia non 
hanna tarda forze penetrante per f'are distinguere quelle 
granulazioni specialmente si V oggetto sia coperto da uu 
vetro grosso un millimetro. 
Questa Navicula sarebbe un Test grossolano per la Serie ///", 
la quäle e capace di mostrare tanto per luce centrale e 
meglio per luce obblique le granulazioni della Gramma- 
tophora marina Kg. e de Pleurosigma angulatum W. Sm. 

Die obenerwähnte Navicula im Tripel von Eger ist übrigens 
bei weitem nicht so schwierig als Probeobject, wie Amici zu 
glauben scheint, da ich mit meinem im Jahre 1845 von PIössl ver- 
fertigten Mikroskope selbst bei Anwendung eines dicken Deckgläs- 
chens mit dem Linsensystem-Aplanat) 5, 6, 7 und 215maliger Ver- 
größerung, bezogen auf 250 Millim. Sehweite, so wie bei centraler 
Beleuchtung die Granulationen vollkommen deutlich, ja sogar schärfer 
als mittelst Amici' s Mikroskop zu sehen im Stande bin. Wie ferner 
aus der von Amici beigegebenen Zeichnung zu ersehen, ist dieses 
Probeobject Ehren berg' s Navicula sculpta , welche letzterer 
Forscher bereits im Jahre 1854 vollkommen richtig bei 300maliger 
Vergrösserung und centraler Beleuchtung seines Mikroskopes von 
Schickh abbildete »). 

In der That zeigt ferner Amici's Mikroskop mit dem Oculare 
X und dem Objectivsysteme III", bei etwa 1 Millimeter Distanz der 
untersten Objectivlinse vom Objecte und 235maliger Vergrösserung 
auf 250 Millimeter Sehweite bezogen, die Liniensysteme von Pleuro- 
sigma angulatum. Dies fiel mir um so mehr auf, als ich bisher (1856) 
bei centraler Beleuchtung mit keinem anderen Mikroskope die gleiche 
Wirkung erzielen konnte. Zwar zeigten PIössTs neuere grosse 
Mikroskope die Linien im grellen Sonnenlichte auch bei centraler 
Beleuchtung, allein äusserst milchig, so dass das Gesehene keines- 
wegs befriedigte. Ich habe diese Thatsache PIössl mitgetheilt, der 
alsbald den Grund davon fand. Amici hat nämlich in der Trommel 
unter dem Objecttische eine Sammellinse centrisch eingesetzt, welche, 



') Ehrenberg, Mikrogeologie , Atlas, Tal. X, Fig. ö a und b. 



76 Pohl. 

wie man sich leicht überzeugen kann, allein die genannte günstige 
Wirkung bedingt. Eine ähnliche Linse von Plössl an seinen Mikro- 
skopen neuester Zeit angebracht, liefert gleiche Resultate und es ist 
ein Leichtes, durch diese kleine Zuthat Plössl's neuere Mikroskope 
zu vervollständigen. 

Diesen verschiedenen Testobjecten glaube ich endlich noch 
folgende beifügen zu können, deren ich mich seit längerer Zeit mit 
dem besten Erfolge bediene. 

Objeete für Definition. 
Die Vorderrüsselhaut der gemeinen Fleischfliege, Musca erythro - 

cephala *)• 
Die Tracheen des Seidenwurmes 2 ). 

Die getüpfelten Schuppen von Lycaena Alexis. Ich verdanke dies 

ausgezeichnete Probeobject Herrn Plössl. Meines Wissens 

haben zwar Lycaena Argus und Argiolus auch ähnliche 

Schuppen, welche aber dem gewählten als Probeobject weit 

nachstehen. 

Ich ziehe besonders das erste und dritte Object allen übrigen 

zu gleichem Zwecke anempfohlenen, besonders für starke Vergrös- 

serungen, bei weitem vor. 

Objeete für Penetration. 

Die lichten Flügelschuppen von Lycaena Alexis, an welchen die 
Querstreifen deutlich erscheinen müssen. Ich verdanke dieses Object 
ebenfalls Herrn Plössl, welcher selbes seit Jahren im Gebrauche 
hat. Es hält nach meiner Meinung die Mitte zwischen den Hipparchia- 
Schuppen und den Kieselpanzern von Pleurosigma angulatum und 
bildet besonders für Objective mit grösserer Focaldistanz ein ausge- 
zeichnetes Probeobject. 

Probeobject zur Erkennung' des Freiseins von ehromatiseber 

Aberration. 

Kartoffelstärke mit Wasser benetzt. Nur die wenigsten Mikro- 
skope geben das Bild der mit Wasser benetzten Kartoffelstärke voll- 



1 ) Sehr schön präparirt zu erhalten durch Herrn Einest Heeger zu Laxenhurg 
hei Wien. 

2 ) Ausgezeichnet präparirt von Bourgogne zu Paris, Rue Massilon Nr. 4. 



Über mikroskopische Proheobjecte. 77 

kommen farblos und man kann sich leicht überzeugen, dass dieses 
Object, wenn man so sagen darf, bezüglich des Erscheinens von 
Farben viel empfindlicher ist als der von Schacht zu gleichem 
Zwecke vorgeschlagene Pmtts-Querschnitt. 

Zweite Classe von Probeobjecten : Künstliche Objecte. 

Für Penetration und Definition. 

Auf Glas befindliche Liniensysteme, deren Linien nach einer 
gewissen Reihenfolge immer feiner werden und sich in kleineren 
Entfernungen befinden, vorgeschlagen von Nobert 1 ). 

Probeobjecte für die gehobenen Aberrationen. 

Quecksilberkügelchen, in welchen das Bild des Fensterkreuzes 
reflectirt wird, von List er vorgeschlagen 2 ). Die Kügelchen müssen 
nicht nur ohne farbigen Säumen (Freisein von chromatischer Aber- 
ration), sondern auch scharf begrenzt erscheinen. Verwaschenes 
und gleichsam nebliges Aussehen beweist das Vorherrschen der 
sphärischen Aberration. 

Ein Quecksilberfaden in einem Haarröhrchen eingeschmolzen, 
ersetzt nach Moser 3 ) besonders für stärkere Objective mit Vortheil 
die Quecksilberkügelchen. 

Die verschiedenen Formen der in Gummischleim gebildeten 
Luftbläschen empfiehlt Hasting als eines der besten Probeobjecte 
in dieser Richtung 4 ). 

Weisse Figuren auf schwarzem Grunde sind zur Erkennung der 
sphärischen Aberration von Goring benützt 5 ). 

Durchsichtige kleine Ringelchen etc. erhalten durch dickes 
Überstreichen eines Glastäfelchens mit Tusche und Radiren der 
geeigneten Figuren aus dem Deckgrund mit einer Nadel, schlug hin- 
gegen für durchfallendes Licht zur Erkennung der sphärischen Aber- 
ration Mo hl 6 ) vor. 



1 ) Poggendorffs Annalen, LXVII. Bd., S. 175 und LXXXV. Bd., S. 83. 
8 ) Philosophical Transactions for the year 1S30, vol. I, pag. 190. 
3 J Repertorium der Physik. V. Bd., S. 397. 

4 ) Quarterly Journal of Microscopical Science, vol. I, pag. 292. 

5 ) Pritchard, Microscopic Cabinet pag. 197. 
•) Mikrographie, S. 171. 



78 



Pohl. 



Zählt man die Objecte Carpenter's für lösende Kraft jenen 
für Penetration bei , fasst man ferner sämmtliche genannte Piobe- 
Objecte zusammen und theilt selbe je nachdem sie zur Prüfung der 
definirenden oder penetrirenden Kraft oder endlich zur Beurtheilung 
der gehobenen Aberrationen am Mikroskope dienen in Gruppen, so 
resultirt folgendes Schema. 



Probeobjecte. 



Für Definition: 



Querschnitt der Wurzel von Zea Mais 
„ von Sambucus nigra 

„ vom Regenschirmrohr 

Längsschnitt \on Abies excelsa. 
Blatt einer Varietät des Laubmooses 

Hypnum, 
Pollenkörner von der Rosenpappel. 
Sporen von Lycoperdon. 
Fäserchen von Didymohelix ferru- 

ginea. 
Spinnenklaue. 
Lunge des Frosches oder eines Vogels. 

injicirt. 
Kieme vom Aal. 
Rüssel der Musca domestica. 
Pygidium der Musca domestica. 
Vorderrüsselhaut der Musca erythro- 

cephala. 
Tracheen der Seidenraupe. 
Flügel der Musca domestica. 

„ von Culex pipiens. 
Flügelstück von Papiiio Crataegi. 
„ „ Pieris Brassicae. 

„ „ Morpho Menelaus. 

Flügeldecke „ Curculio imperialis. 
Haare vom Menschen. 
Bauchhaare von Vespertilio muri- 

nus. 
Haare von Dermestes lardarius. 
„ „ Vespertilio pipistrelli/s. 
„ „ der indischen Fledermaus. 
Getüpfelte Schuppen von Lycaena 

Argus. 
Getüpfelte Schuppen von Lycaena 
Alexis. 



Für Penetration: 



Flügelschuppen von Papiiio Crataegi. 
,, „ Morpho Menelaus. 

„ „ Tinea pelionella. 

„ ,, „ surcitella. 

„ „ Alucita pentadac- 

tyla. 
„ „ Alucita hexadac- 

tyla. 
„ „ Lycaenae Argus. 

„ „ Podnra plumbea. 

„ „ Hipparchia Jani- 

ra, Männchen. 
„ Hipparchia Jani- 
ra, Weibchen, 
„ Pieris rapae. 
„ ., Lycaena Alexis. 

„ „ Paliomatus Argus. 

Flügeldeckensclmppen von Curculio 

imperialis. 
Schuppen von Lepisma saccharina. 

„ „ Petrobius marinus. 

Tripel von Eger. 
„ „ St. Fiora. 
„ „ Lollhagysion. 
Grammatophora rnarina. 

„ subtilissima. 

tiyalodiscus subtilis. 
Striatella unipunctata. 
Nitschia taenia. 

„ sigmoidea. 
Navicu/a rhoiuboides. 
„ veneta. 
„ viridis. 
„ Atniei. 
„ seulpta. 



Über mikroskopische Probeobjecte. 



79 



Schleimkügelchen. 

Primitiv-Fibrillen der Muskelfasern. 
Nobert's Priifunp-sseala. 



Pleurosigma angulatum. 

„ attenuatum. 

elongatum. 
fasciola fCeratoneis fas- 

ciola) , 
,. hyppoeampos. 

„ littorale. 

„ macrum. 

obscurum. 
„ Spenceri. 

„ strigile. 

„ strigosum. 

Nobert's Prüfungsseale. 



Objecte zur Prüfung der Mikroskope bezüglich der Aberrationeu. 

Weisse Figuren auf schwarzem Grunde als opakes Object. 
Durchsichtige weisse Figuren auf schwarzem Grunde als trans- 
parentes Object. 

Feine Quecksilberkügelchen. 

Ein feiner Quecksilberfaden. 

Kartoffelstärke. 

Der Querschnitt von Pinus sylvestris. 

In dieser Zusammenstellung blieb, abgesehen von dem Ordnen 
der Objecte in Gruppen, ihr Werth als Probeobject unberücksichtigt. 
Letzterer ist in der That äusserst schwierig genau zu bestimmen. 
Der Werth, welchen man einem Probeobjecte beilegt, hängt näm- 
lich nicht nur vom optischen und mechanischen Theil des benutzten 
Mikroskopes ab, er steht auch mit der erlangten Übung des Beob- 
achters im Einstellen, Beleuchten, Sehen etc. im innigsten Zusam- 
menhange, ja wird selbst oft vom Individuum des Probeobjectes, 
der Art der Präparirung etc. bedingt. Dies die Gründe, warum den 
meisten Probeobjecten verschiedener Werth beigelegt wird, wie man 
sich leicht durch Nachlesen der obcitirten Literatur der Testobjecte 
überzeugen kann. 

Meiner Überzeugung nach gibt es nur einen Weg diesem 
Schwanken in der Werthbestimmung der Probeobjecte für Defini- 
tion und Penetration einigermassen abzuhelfen. Dies ist die Ver- 
gleichung derselben mit einem bestimmten Objecte, welches aber 



80 Pohl. 

genau bekannte unveränderlich gegebene Unterabtheilungen haben, 
selbst zu den schwierigsten und zugleich leichtesten Probeobjecten 
gehören und endlich sowohl für Definition als Penetration gelten 
muss. Es lassen sich dann alle andern Testobjecte bezüglich des an 
die Spitze gestellten in eine Reihe bringen und sind die Verhältnisse 
einmal richtig bestimmt, so kommt es kaum mehr darauf an, ob das 
Normalobject constanten Werth in allen vorkommenden Exemplaren 
besitze oder kleinen Schwankungen unterworfen sei. 

Bis jetzt kennen wir erwiesenermassen kein Object natürlichen 
oder künstlichen Ursprunges, das in allen vorkommenden Exemplaren 
gänzlich gleich wäre, es bleibt aber immerhin wünschenswerth als 
Massstab derVergleichung ein sich möglichst gleich bleibendes Object 
zu wählen, um innerhalb gewisser Grenzen auch Anderen die Mög- 
lichkeit der Vergleichung zu bieten. 

Diesen Bedingungen kann ein künstliches Probeobject ent- 
sprechen und zwar eignet sich hinzu Nobert's Prüfungsseale vor- 
trefflich. Durch die Liniengruppen , welche selbe enthält und die 
bezüglich der Feinheit und Entfernung von einander eine bestimmte 
Reihe bilden, sind genügende Anhaltspunkte zur Vergleichung gege- 
ben , ja sogar der Werth eines Objectes in Zahlen mittelbar aus- 
drückbar. Die Nobert'sche Scale dient ferner sowohl für defini- 
rende als penetrirende Kraft der Mikroskope als Massstab . da für 
erstere die Schärfe und Klarheit der Linien , für letztere haupt- 
sächlich die Zahl der gelösten Liniengruppen berücksichtiget wird. 
Endlich sind die verschiedenen Exemplare der neuesten Probeplatten 
Nobert's ziemlich gleich ausgeführt , was jedoch für die älteren 
Probeplatten nicht gilt. Ich habe daher bei der bedingten Wichtig- 
keit, welche Definitions- und Penetrations-Objecte für die Beurthei- 
lung des Werthes von Mikroskopen besitzen, eine Reihe der zweck- 
mässigsten ausgesucht, um selbe unmittelbar mit Nobert's Prüfungs- 
scale bei gleichbleibenden Umständen derart zu vergleichen , dass 
ich bestimme, welche Liniengruppe Nobert's und wie selbe sichtbar 
sein muss, um das eigentlich wesentliche Detail des Probeobjectes 
zu sehen. Die Probeobjecte sind übrigens so gewählt, dass bei 
stufenweisem Fortschreiten sowohl die schwachen als die stärksten 
Linsensysteme berücksichtiget sind und daher auch selbe zur Prüfung 
der Definitions- und Penetrations - Fähigkeit aller Gattungen von 
Mikroskopen ausreichen. Sie sind; 



Über mikroskopische Proheohjecte. 



81 



Proheohjecte. 



Für Definition: 

Längsschnitt von Abies excelsa. 
Spinnenklaue. 
Muskelfaser vom Ochsen. 
Vorderrüsselhaut der Musca erythro- 

cephala. 
Tracheen der Seidenraupe. 
Haare der Fledermaus, Vespertilio 

murinus. 
Kückenhaare der Hausmaus, Mus du- 

mestica. 
Flügeldecke von Curculio imperialis. 
Getüpfelte Schuppen von Lycaena 

Alexis. 
Flügel von Culex pipiens. 



Für Penetration: 
Schuppen von Lepisma saccharina. 
„ „ Curculio imperialis. 

Flügelschuppcn von Morph) Neue/aus. 
„ „ Podura plumbea. 

„ ,, Hipparehia J ant- 

ra, Weibchen. 
„ „ Lycaena Alexis, 

n » Pontia Brassicae. 

„ „ Picris Crataegi. 

Striatella unipunctata. 
Grammatophora marina. 

„ subtilissima. 

Plewosigma angulatum. 
„ attenuatum. 

Navicula Spencerii. 
„ Veneta. 

„ viridis. 
„ Amici. 
„ sculpta. 
„ arcus. 
„ sigmoidea. 

Vor Angabe der Resultate dieser Vergleichung, welche gegen 
Mangel an Zeit nur sehr langsam fortschreitet, muss ich jedoch not- 
wendig Nobert's Probeplatte selbst besprechen , welche neuerer 
Zeit mit einem gewissen Misstrauen von Seite vieler Mikroskopiker 
betrachtet wird. Den Anlass hiezu scheint Mo hl gegeben zu haben, 
indem er bedingungsweise mit Recht auf die Ungleichheit von N o b e r t's 
Scalen aufmerksam machte 1 ). ' n Folge deren die mit verschiedenen 
Probeplatten erhaltenen Resultate nicht vergleichbar seien. Beim Ver- 
gleiche zweier Platten betrug nämlich nach Mo hl diese Ungleich- 
heit die Lösungsfähigkeit einer ganzen Liniengruppe. Mohl schreibt 
selbe der Form der Diamantspitze, womit die Linien geritzt, der 
Beschwerung selber, und der Härte des Glases zu, auf dem die Scale 
aufgetragen. Dass die Umstände unter denen mehrere Platten verfer- 
tiget werden, nie vollkommen gleich seien, lässtgewiss keinen Zweifel 
zu, allein ein genauer Anblick der N ober t'schen Probescalen zeigt 



1 ) Mohl, Mikrographie, S. 191. 

Sitzb. d. mathenj.-iiiUurw. Ct. XL, Bd. Nr. 7. 



82 Fohl 

durch die Gleichförmigkeit, sowie Glätte der Linien, ferner das nie- 
malige Vorkommen aufgesprungener Striche fast zur Evidenz , dass 
die Linien nicht mit dem Diamant gerissen, sondern mit Flusssäure 
geätzt seien. 

Ich selbst hatte vor einiger Zeit zwei Nob ert'sche Probescalen, 
deren eine mit 10 Gruppen im Besitze des physikalischen Cabinetes 
am k. k. polytechnischen Institute, die andere mit 15 Liniengruppen 
Eigenthum des Herrn PI össl ist, mit einander verglichen 1 ). An erst- 
genannter Probeplatte sind die Linien weit feiner als an Plössl's 
Scale, so dass an letzterer im Durchschnitte immer eine Gruppe 
mehr gelöst wurde. Mittlerweile fand ich Gelegenheit mit diesen 
beiden Probeplatten noch mehrere andere vergleichen zu können, 
welche theils als Testobjecte , theils als Platten zur Bestimmung 
der Wellenlänge des Lichtes in der Luft und im Glase dienen 
sollen 2 ) und welch' letztere zugleich Probescalen für Mikroskope 
bilden. Zur Vergleichung bei möglichst constanter Beleuchtung 
mittelst Lampenlicht, benützte ich mein grosses Mikroskop von 
Plössl, das ich bezüglich seiner Leistungsfähigkeit schon früher 
beschrieb 3 ). Die verglichenen N obert'schen Scalen waren aber: 

Fünf Testobject-Platten von Nobert zu Ende des Jahres 1855 
verfertiget, damals Eigenthum der Fabrik chemischer und physika- 
lischer Apparate des Herrn Lenoir in Wien. Diese Platten tragen 
die Aufschrift von Nobert mit dem Diamant eingeritzt: 



1000 6000 

also sind die Entfernungen der einzelnen Linien in der ersten 
Gruppe 0001 Pariser Linien, in der letzten hingegen 0-0001 67 Linien. 
Sämmtliche Platten nachstehend mit I bis V bezeichnet, enthalten 
20 Liniengruppen *). 

Eine Testobject-Platte wie die Obigen und zu gleicher Zeit ver- 
fertiget , Eigenthum des k. k. physikalischen Institutes zu Wien, 



*) Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften, mathem.-naturw. ("lasse, 
Bd. XI, S. 504. 

2 ) Poggendoiffs Annalen, l.XXXV. Bd., S. 80 und 8:5. 

3) Sitzungsberichte XI. Bd., S. 517. 

4 j Von diesen Probescalen wurde später eine an das Joauneum in Gratz, eine an 
Professor Kuczinsky in Krakau, eine an die k. k. Universität zu Prag-, eine an 
Herrn S. E. von Madarasz in I'estli und eine nach London verkauft. 



Über mikroskopische Probeobjecte. $J$ 

welche mir Herr Regierungsrath R. v. Etti ngshausen gütigst zur 
Vergleichung anvertraute, unten mit E bezeichnet. 

Eine Platte zur Bestimmung der Wellenlänge des Lichtes in der 
Luft und im Glase ebenfalls Ende 1855 von Nobert an Lenoir 
abgeliefert, und im Folgenden mit W unterschieden. 

Eine gleiche Platte zur selben Zeit verfertiget. Eigenthum des 
k. k. physikalischen Institutes, später mit W angeführt. 

Eine grosse Testobject-Platte mit 30 Liniengruppen; die feinste 
Theilung Nobert's enthaltend , ebenfalls Ende 1855 vollendet und 
mein Eigenthum. Diese Platte trägt mit dem Diamant geschrieben die 
Aufschrift: 

Testobject. 



1 




1 


TobT 


8000 


1 Dw. == 0"'001000 




15 Dw. = 0*000200 


5 „ = 550 




20 „ = 1G7 


10 „ = 275 




25 „ =. 143 


30 Dw. = 





'000125. 



Diese Platte soll später durch P kenntlich gemacht werden. 

Alle Platten wurden übrigens durch Herrn Lenoir direct von 
Nohert bezogen, betreffs welcher dieser unter dem 17. Deeember 
1855 folgende schriftliche Mittheilung machte: 
. . . . „Alle diese Theilungen sind ganz vorzüglich ausge- 
fallen, wie man am besten an der Lebhaftigkeit der Farben der feineren 
Gruppen, sowohl der dickeren Interferenz -Platten (Wellenplatten) 
als auch der Testobject-PIatten erkennt, wobei ich nicht unterlassen 
will zu bemerken , dass die drei feinsten Gruppen der Testobject- 
PIatten keine Farben mehr erzeugen können , weil der Abstand der 
Linien dieser Gruppen kleiner als die Länge der kleinsten Licht- 
welle in der Luft ist. Könnte an diesen Platten das Licht in ähnlicher 
Weise geleitet werden, wie bei den dicken Interferenz-Platten, so 
würden auch an ihnen diejenigen Farben entstehen, welche wir an 
Gruppen von gleicher Feinheit der dicken Interferenz -Platten mit 
so grosser Bestimmtheit sich entwickeln sehen. Die Deckgläschen der 
Testobject-PIatten sind von der Dicke gemacht, welche die ersten engli- 
schen Künstler für ihre l / ia Zoll Objective vorschreiben und welche 
die grösste noch zulässige für diese Objective ist. Meine stärksten 
y J4 Zoll Objective , lassen Deckplättchen , die um i / z stärker sind, 

0* 



84 H ü >> ' 

zu und es tritt dann die grösste Apertur und die günstigste optische 
Wirkung ein. Ich habe sogar einige Deckgläschen noch dünner als 
nach englischer Vorschrift gemacht, weil ich erfahren habe, dass 
Plössl in den letzten Jahren Objective gemacht hat, welche nur 
sehr dünne Deckplatten zulassen, so dünn, dass die Deckplättchen 
früherer Prüfungsplatten von mir sich zu dick erwiesen. 

„Mit dem */ 2 Zoll Objective meiner Mikroskope (Abstand von 
der Objecttafel 2' ! '8) werden sechs Gruppen, mit dem i / k Zoll 
Objective (zulässige Deckplatte 0"'8 dick) werden neun Gruppen, 
mit dem 1 / 8 Zoll Objective (zulässige Deckplatte 0"'36 dick) 
15 Gruppen und mit dem y i4 Zoll Objective (dickste Deckplatte 
0"'17) alle 20 Gruppen unter den günstigsten Beleuchtungsumständen 
zerlegt. Ich habe noch gestern am Vormittag bei herrlich heiterem 
Himmel an den Prüfungsscalen, welche sie jetzt erhalten , schon bei 
340 Vergrösserung (!/ 14 Zoll Objective mit Ocular 1) die 19. 
Gruppe ausserordentlich fein zerlegt gesehen und bei 520 Ver- 
grösserung trat die 20. Gruppe völlig sicher hervor. Am Nachmittage 
bei bedecktem Himmel konnte ich ohne irgend einer Schwierigkeit 
mit 340 Vergrösserung die 17., selbst 18. Gruppe sehen." 

Diese Zeilen bieten mehrfaches Interesse dar. Sie erklären die 
von mir geprüften Scalen als vorzüglich gelungene ; sie geben Auf- 
schluss über die penetrirende Kraft von Nobert's Mikroskopen zu 
genannter Zeit und sie berühren noch einen anderen wichtigen 
Punkt, die Dicke der Deckgläschen an den Prüfungsscalen. Dass 
Nobert neuerer Zeit dünnere Deckgläser braucht, muss unbedingt 
als Fortschritt bezeichnet werden. Der Plössl berührende Aus- 
spruch kann sich jedoch nur auf dessen früher gelieferte stärk- 
sten Linsensysteme beziehen , welche in der That nur mit den 
dünnsten Deckgläschen vollkommen scharfe Bilder zeigten. Seit dem 
Jahre 1852 verfertiget aber bekanntlich Plössl sogenannte Cor- 
rections-Einsätze, an welchen durch Verschiebung der Objectiv- 
linsen gegen einander, der nachtheilige Eintluss selbst ziemlich 
dicker Deckgläschen aufgehoben wird *). Ich habe übrigens diese 
Linseneinsätze PlössPs bei Gelegenheit der Naturforscher- Ver- 
sammlung zu Wien im Jahre 1856 im Beisein des Herrn k. Staats- 



r ) Pohl, Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften mathem.-naturw, 
Classe, XI. Bd., S. 523. 



Über mikroskopische Probeobjecte, 8o 

ratlies Fritsche aus St. Petersburg, Herrn Beneche gezeigt, 
dem selbe damals noch völlig neu waren, und welcher gegenwärtig 
ebenfalls dieses System adoptirt hat. Dies mag zugleich als Berich- 
tigung beistehender Angabe ßeinike's dienen 1 ). 

„Unter den mancherlei Nebenapparaten, welche die englischen 
Optiker ausser den zur Beleuchtung gehörigen noch fertigen und 
unter welchen sich noch so manches Zweckmässige finden mag, will 
ich nur eine einzige Vorrichtung erwähnen, welche bis jetzt in 
Deutschland unbekannt war, und welche, so viel ich weiss, nur 
Beneche und Wasser lein in Berlin seit kurzem ebenfalls liefern." 

Nach Obigem waren es entschieden Plössfs Corrections- 
Einsätze, welche sich Beneche und Was seriein als Muster 
nahmen. Obscbon nun Plössl gewiss um die erwähnte Zeit diese 
Einsätze ersann, und in Deutschland zuerst anwandte, so sind doch 
selbe (wie zur Vermeidung jedes Missverständnisses bemerkt sein 
muss) eine längst beschriebene Erfindung von Andrew Boss in 
England. Nachdem nämlich zuerst Amici im Jahre 1829 auf den 
Einfluss der Deckgläschen bei mikroskopischen Beobachtungen auf- 
merksam gemacht hatte und besondere Linsensysteme für den Ge- 
brauch von Deckgläschen verschiedener Dicke zusammenstellte 3 ), 
erfand Boss im Jahre 1836/1837 die Correctionslinsen, welche je 
nach der Stellung der untersten Linse gegen die beiden oberen 
Objectivlinsen zum Beobachten mit oder ohne Deckgläschen dienen. 
Ross gab diesem Objectivsysteme den Namen „Adjusting Object 
Glass" und es ist selbes von ihm genau beschrieben im Kl. Bande 
der Transactions of the Society for the Encouragement of art, manu- 
factures and Commerce. Vol. 2, pag. 99 — 108, welcher Band im 
Jahre 1838 veröffentlicht wurde. Ross erhielt damals von genann- 
ter Gesellschaft für seine Erfindung die goldene Isis -Medaille. In 
England fand übrigens Boss bald Nachahmer und meines Wissens 
construiren vorzugsweise Powell and Lealand, ferner Schmith 
and Beck seit Jahren Correctionslinsen, welche sich von jenen des 
A.Boss nur durch kleine Abänderungen in der Form der Linsenfassung 
unterscheiden. So viel ich weiss, construirt aber auch Nobert seit 
1852 und Nachet et Fils zu Paris seit dem Jahre 1856 zu Paris 



1 ) Reinike, Beitrüge zur neueren Mikroskopie, 18Ü7, S. 28. 

2 ) Mo hl, Mikrographie, S. 70. 



86 '• o h i. 

solche Correctionslinsen, wie aus dem gedruckten Kataloge letzterer 

Firma zu ersehen 1 ). Ross adjusting object glass so wie die selben 
nachgebildeten Systeme wurden aber mehrfach von englischen und 
amerikanischen Schriftstellern in ihren Handbüchern über Mikro- 
skopie beschrieben, wie z. B. von Quekett 2 ) Charpenter 3 ) und 
Wythes 4 ). Unter solchen Umständen scheint es erstaunlich, dass 
die in Rede stehenden Correctionslinsen den meisten Optikern am 
Continent so lange unbekannt oder von ihnen unberücksichtigt blei- 
ben konnten. Es gebührt daher jedenfalls Plössl und nach 
selben Nobert das Verdienst, die Aufmerksamkeit der praktischen 
Optiker und Mikroskopiker Deutschlands thatsächlich auf die Cor- 
rectionslinsen gelenkt zu haben, welche Combination ersterer erfand, 
ohne von den adjusting object glasses der Engländer Kenntniss zu 
haben. Seit Kurzem hat übrigens auch Oberhäuser (Hartnak) bei 
seinen stärksten Objectiven das Correetions-System angenommen. 
Während also jetzt Noberts Probeplatteu-Deckgläschen selbst 
für das neueste stärkste Objectivsystein Plössl's (1858) voll- 
kommen ausreichen, ist wenigstens bei meiner Probeseale das unge- 
fähr 0*25 Millim. dicke Deckglas für die stärksten Linsensysteme 
anderer Optiker desswegen unbrauchbar, weil sieb das Objectiv- 
system dem Objecte nicht mehr genügend nähern lässt. So z. B. 
kann ich das stärkste Objectivsystein Nr. 1 1 meines grossen Mikro- 
skopes von Beneche und Wasserlein Nr. 1159, abgeliefert im 
Herbste 1 856 , eben wegen zu grosser Dicke des Deckglases selbst 
mit dem Oculare I, nicht an meiner Probeplatte prüfen. Es wäre 
daher sehr zu wünschen dass Nobert in Zukunft au seinen Test- 
object-Platten noch dünnere Deckgläser verwende. Die folgende 
Zusammenstellung gibt nun die Resultate i\er Vergleichung der ver- 
schiedenen Probeplatten mit der Linsencoinbinaüon II) 5, 6, 7 
meines grossen Plössl's unter ganz gleichen Umständen ausgeführt, 
bei einer linearen Vergrößerung von 541 , bezogen auf 250 Millim. 



') Naeliet, Catalogue descriptif des Instruments de Micrographie. Imp. 8°. Paris 1856, 

pag. 5 et I !». 
-) Quekett, On the Microscope ith edition. London 1S4S. 2th.edU. lS.'i'i. Deutsch 

von Hartmann, I. Auflage, Weimar 1849,2. Auflage 1854, J. 30, 735 und 736 und 

Tal'. 2, Fig. ->'l. 
'■) Charpent er, The Microscope and its Revelations J lh edition. London 1856, 

pag. 166. 
4 J Wythes, The Microscopist. Uli edition. Philadelphia 1851, pag. 14 



Über mikroskopische Probeobjecte 



«7 



Sehweite. PI. bedeutet PIössl's Scale, ./ hingegen jene des k. k 
polytechnischen Institutes. 



J 


1 


II 


III 


IV 


V 


E 


w 




10 


20 


20 


20 


20 


20 


20 


w 




G 


r u p 


P e 


n 







30 



Gruppen 



Gelöste Gruppen bei centraler Beleuchtung 



höchst 
fein 



XV 

sehr 
schön 



8 


9 


9 


9 


9 


IX 


IX 






sehr 


sehr 


fein 


scharf. 


scharf, 


milchig', 


scharf, 






fein 


fein 




fein 


fein 


fein 


fein 






9 


















Beginn 



















IX 

scharf, 
fein 



Gelöste Gruppen hei .schiefer Beleuchtung 



X 


XX 


XX 


XX 


XX 


XX 


XX 


letzte 
Gruppe 


letzte 
Gruppe 


XXX 


ausge- 


fein, 


etwas 


fein, 


etwas 


etwas 


fein, 






fein, 


zeichnet 


gut 


feiner 


gut 


feiner 
als bei 


milchig 


sehr gut 




deut- 
licher 


deutlich 



Mit der Linsen-Combination 1) J>, 6, 7 bei 463 maliger Ver- 
grösserung wird an PIössl's Scale die VII. Gruppe bei centraler 
Beleuchtung und die XV. bei schiefer Beleuchtung gelöst, während 
bei letzterer Beleuchtung auch an allen übrigen Probeplatten die 
letzten Gruppen äusserst fein und matt gelöst werden. 

Mit der Combination Aplanat) 5, 6, 7 und nur 215maliger Ver- 
grösserung bekam ich an der Wellenplatte W die letzte Gruppe 
deutlich gelöst; ich halte jedoch diese Lösung für das Feinste, was 
ich je unter dem Mikroskope sah. Am feinsten gezogen erscheint 
die zehngruppige älteste Scale J, dann folgt PlössTs Scale, während 
die übrigen Platten die Striche alle etwas schärfer (tiefer) gezogen 
enthalten, unter einander aber zur Genüge stimmen. 

Diese Prüfungen zeigten aber ferner, das Nobert bei den 
feinsten Liniengruppen die Gleichförmigkeit der Striche nicht mehr 
ganz in seiner Macht habe. 

So zeigt sich an der Wellenplatte W 
bei 541 maliger Vergrösserung deutlich, 
dass in der letzten Gruppe, wie Figur 1 o — 
andeutet, der Strich aa gegen den End- 
strich ee hin stärker als die übrigen 
gezogen sei. In der vorletzten Gruppe f, _ 
ist dies der Fall bei einer Linie bb, 



Fie. l. 



Fig. 



88 I* o h I. 

Figur 2; in der drittletzten Gruppe end- 
lieh ist es der Endstrich cc, Figur 3, lg " ' 



welcher stärker gezogen erscheint. 

An der Wellenplatte W sind in der '' c 

letzten Gruppe die Striche dd und ee, Fi 4 

wie Figur 4 andeutet, stärker gezogen 

und in der vorletzten Gruppe sind sogar, e e 

wie Figur 5 versinnlichet, vier Theil- 

striche gegen die übrigen zu stark. Fig. 5. 

Es finden somit, wie schon ander- ^^ 

seits bemerkt, thatsächlich kleine Unter- 
schiede an den verschiedenen Probe- 
platten Nobert'sStatt, und diese bei den neueren Platten unbedeutend, 
treten gegen die älteren Scalen deutlich hervor. Diese merklichen 
Unterschiede sind nach meiner Überzeugung am wenigsten durch 
die ungleiche Tiefe der Striche in Folge unvollkommener mechani- 
scher Ausführung bedingt, welche den Grund der weit geringeren 
Ungleichheiten der neuesten Platten abgibt; sie liegen vielmehr im 
Theilungsprincip No bert's. 

Nobert gibt nämlich in seinem ursprünglichen Aufsatze über 
dieTestobject-Platten vom Jahre 1846') für die zehngruppige Scale 
die Linien-Distanzen: 

Gruppe I, Distanz 0-001000 P. Linien, 



II, 


0-000875 


III, 


0- 000735 


IV, 


0- 000630 


V, 


0- 000540 


vi, 


0- 000463 


VII, 


0- 000397 


VIII. 


0-000340 


IX, 


0-000292 


X, 


0-000250 



wo im Originale für die Gruppe X durch einen Druckfehler die 
Zahl 0-000225 steht, die offenbar unrichtig, da die Entfernungen der 
Parallellinien der einzelnen Gruppen die Glieder einer geometrischen 
Heihe bilden sollen und Nobert selbst im Texte die Distanz der 

r • 1'" 

Linien in der 10. Gruppe zu -; ansetzt. 

n 4000 



') Poggendorff's Annalen, LXVII. Bd., S. 175. 



Über mikroskopische Probeohjecte. iS!) 

Nach Nobert's Aufsätze über die Wellenplatten vom Jahre 
1852 l ) haben selbe 15 Gruppen mit A bis P bezeichnet, deren 
Linien-Entfernungen folgende sind: 

Gruppe A = 0-000400 P. Linien, Gruppe I = 0- 000200 P. Linien, 



B = 


350 


C = 


300 


n D = 


275 


„ E = 


250 


F = 


237 


„ G = 


225 


H = 


212 



K = 


188 


L = 


175 


M = 


163 


N = 


150 


O = 


138 


P = 


125 



Ausdrücklich bemerkt aber Nobert dass, um die Platte auch 
als Prüfungsmittel für Mikroskope brauchen zu können, die Inter- 
valle der Theilung der Wellenplatte A, B, C . . . J, genau jenen 
der VII., VIII., IX . . . XV. Gruppe der Prüfungsplatte für Mikro- 
skope entsprechen. Hienach wären aber die Werthe und Theilungs- 
Unterschiede den lOgruppigen und 15gruppigen Platten Nobert's 
bis zum Jahre 1852 in Pariser Linien ausgedrückt: 

„ lOirruppiRe Scale, läfrruppijre Scale, ... ... 

Gruppe b " ",. ' b ,\? *. ' Unterschiede 

" Wertlie Werthe 



I. 


0~001000 


O^OOJOOO 




0-000000 


IL 


857 


857 




» 


III. 


735 


735 




n 


IV. 


630 


630 




n 


V. 


540 


540 




n 


VI. 


463 


463 




» 


VII. 


397 


400 


+ 


0-000003 


VIII. 


340 


350 


+ 


10 


IX. 


292 


300 


+ 


8 


X. 


250 


275 


+ 


25 



also Beispielsweise die Linien der letzten Gruppen an Plössl's 
Scale principiell in bedeutend grösseren Entfernungen als an der 
lOgruppigen Scale des k. k. polytechnischen Institutes gezogen 
(nämlich um 0-1 weiter) und somit die Unterschiede in der Lös- 
barkeit der feineren Gruppen beider Scalen bei gleichen Umständen 
zu Genüge erklärt. 



t) P o g g e n d o r f f 's Annaleii, LXXXV. Bd., S. 84. 



<H> 



Pohl. 



i)c l.t Uue J ) hat nach dein Jahre 1850 eine Testobject-PIatte 
mit 15 Gruppen von Nobert erhalten, in welcher die Distanzen 
der Linien, die in nachstehender Tabelle gegeben sind, welche 
zugleich die Unterschiede dieser Testobject-PIatte gegenüber der 
ursprünglichen Wellenplatte so wie der lOgruppigen Testobject- 
PIatte vom Jahre 1846 veranschaulicht: 



Gruppe 


De la Rue's 
Scale 


Wellenplalte 
1852 


Differenz 


Differenz zur 

10 grupp. Scale 

von IS46 


1. 


(»'"OOIOOO 








o- 


II. 


850 





— 


+ 0- 000007 


III. 


730 


— 


— 


+ 5 


IV. 


620 


— 


— 


+ 10 


V. 


550 


— 


— 


10 


VI. 


480 





— 


— 17 


VII. 


400 


0-000400 





3 


VIII. 


350 


350 





— 10 


IX. 


300 


300 





8 


X. 


275 


275 


II 


25 


XI. 


280 


250 





— 


XII. 


238 


237 


— o-oooooi 


— 


XIII. 


225 


225 





— 


XIV. 


213 


212 


— 0- 000001 


— 


XV. 


200 


200 





■ — 



Hienach herrscht zwischen der Wellenplatte vom Jahre 1852 
und De la Rue's Probeplatte fast vollkommene Übereinstimmung, 
während sich gegen die erst verfertigten Testobjekt - Platten 
namhafte Unterschiede zeigen , welche in den ersten Gruppen 
positiv, in den letzteren hingegen negativ sind. Somit folgt abermals 
dass Nobert seine Testobject-PIatten etc. zu verschiedenen Zeiten 
absichtlich ungleich tlieilte. 

Gehen wir nun zu den neueren Probeplatten Nr. I bis incl. \ , 

V" 



dann E über, welche in 20 Gruppen getheilt die Aufschrift 



1000 



l.i 



1'" 
6000 



tragen, so gibt dies in Decimalen ausgedrückt 0-001000 bis 



0000 167 Pariser Linien, also die letzte Gruppe zwischen L und M 



') Quekett, Praktisches Handbuch «1er Mikroskopie deutsch von Hartmann. 
■> Auflage, S. 732. 



Über mikroskopische Probeobjecte 



91 



der Wellenplatte vom Jahre 1852 fallend, deren Distanzen 0*000 175 
und 0-000163 Pariser Linien sind. Da aber Gruppe «/der 15. Gruppe 
von De la Rue's Scale entspricht, so sollte eigentlich nach dein 
System der Wellenplatten vom Jahre 1852 fortschreitend, die 20. 
Gruppe der neuen Testobject-Plalten vom Jahre 1855, die 18. Gruppe 
heissen. Da dies nicht der Fall, so zeigt sich abermals eine Änderung 
im Theilungssysteme. 

Die neuen Wellenplatten vom Jahre 1855, oben mit W und W 
bezeichnet, umfassen 12 Gruppen. Die nachstehende Tabelle gibt 
die Werthe der Linien- Intervalle in den einzelnen Gruppen der- 
selben und veranschaulicht zugleich die Unterschiede gegen die 
nächststehenden Gruppen der Wellenplatte vom Jahre 1852 und die 
15gruppige Scale De la Rue's. 



Wellenplatten 




Wellenplatte 


Intervall- 


De la Rue's 


Intervall- 


W und W 


Intervall 


v. J. 1832 


Differenz 


Testohject-Platte 


Differenz 


Gruppe I. 


0"'000350 


Gruppe B 


0'" 


Gruppe VIII. 







„ II. 


306 


,, c 


— 0"'000006 


IX. 


— 


0- 000006 


„ 111. 


275 


„ t> 





x. 







» iv. 


244 


„ K 


+ 0-000006 


XI. 


+ 


0-000006 


v. 


225 


,, G 





„ XIII. 







„ VI. 


206 


„ I 


— 0- 000006 


XV. 


+ 


0-000006 


„ YII. 


188 


» K 





— 




— 


„ VIII. 


175 


» L 





— 




— 


„ IX. 


163 


„ M 





— 




— 


„ X. 


150 


„ N 





— 




— 


„ XI. 


138 


, 





— 




— 


„ XII. 


125 


„ P 





— 




— 



Die neuen Wellenplatten zeigen somit gegen jene vom Jahre 
1852 beträchtliche Unterschiede bezüglich der Zahl der Gruppen 
sowie des Werthes der einzelnen Linien -Intervalle, was auch im 
Vergleich zur Scale De la Rue's gilt. Aus dem Vorhergehenden folgt 
aber auch, dass die 20. Gruppe der neuen Testobject -Platten I bis 
V, dann E, zwischen die VIII. und IX. Gruppe der neuen Wellenplatten 
falle und zwar letzterer Gruppe sich nähere. 

Es erübriget nunmehr die in meinem Besitze befindliche Test- 
Object- Platte mit 30 Gruppen. Für diese folgen nach Nobert's 
Angaben der Linien-Intervalle in den einzelnen Gruppen und deren 



92 p o h i. 

Unterschiede gegen die vorher genannten Scalen in beistehender 
Tabelle, für welche zugleich angenommen, dass PlüssTs lSgruppige 
Scale als nahe zu gleicher Zeit mit jener De la Rue's bezogen, mit 
selber identisch sei. Bei dieser Probeplatte enthalt übrigens die 
dritte Liniengruppe einen Strich weniger als sie enthalten soll, ob- 
schon die Intervalle richtig sind. Die Gruppe erscheint nämlich 
schmäler als die Vorhergehenden und enthält nur 8 Linien, während 
sie 9 enthalten soll, denn 

die erste Gruppe umfasst 7 Linien, 
„ zweite „ „ 8 „ 

„ vierte „ „ 10 

wo also das dritte Glied mit ebenfalls 8 Linien nicht passt. 



Über mikroskopische Probeohjeote 



93 





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<U P h I. 

Diese Tabelle zeigt am besten in wiefern die gleichnamigen 
Gruppen der untersuchten Scalen verglichen werden dürfen. 

Die vorstehende Untersuchung erweiset daher aufs deutlichste, 
dass die von verschiedenen Beobachtern gerügten Ungleichheiten 
der Testobject- Platten hauptsächlich im willkürlichen Wechsel des 
Werthes der Linien - Intervalle für bestimmte Gruppen von Seite 
Nobert's ihren Grund haben. Obschon auch kleine Ungleich- 
heiten durch das befolgte mechanische Verfahren der Herstellung 
bedingt sind, wie Plössl's Scale im Vergleiche zu den neueren 
Platten beweiset, welche die gleichnamigen Gruppen immer feiner 
gezogen erhält, so ist doch dieser Unterschied kaum von Belang. Die 
Ungleichheit erstreckt sich niemals auf die Sichtbarkeit oder Nicht- 
sichtbarkeit einer ganzen Gruppe. Dieser Übelstand ist aber auch hier 
eher kleiner denn grösser als bei den gleichförmigsten sogenannten 
natürlichen Probeobjecten, denn welchem aufmerksamen Beobachter 
entging es wohl, dass die Querstreifen nicht auf allen Hipparchia- 
Schuppen gleich deutlich erscheinen? und eben so wenig die Streifen 
an den Kieselpanzern von Pleurosigma angulatumundi anderen Probe- 
objecten? Schon List er hob ja diesen Übelstand der natürlichen 
Probeobjecte hervor 1 ) und so mancher Verfertiger von Mikroskopen 
weiss von dieser üblen Eigenschaft der natürlichen Probeobjecte 
bei Vorführung seiner Instrumente, Anfängern in der Mikroskopie 
gegenüber, den nützlichsten Gebrauch zu machen. 

Ich glaube daher keinen Fehltritt zu tlmn. wenn ich, um in der 
Folge den relativen VVerth der von mir oben ausgewählten Test- 
objeete numerisch auszudrücken, die in meinem Besitze befindliche 
Nobcrt'sche Testobject-Platte mit 30 Gruppen vom Jahre 1855 zu 
Grunde lege. Bei künftigen Vergleichungen der Leistungsfähigkeit 
verschiedener Mikroskope bleibt es daher auch unerlässlich bei Be- 
nutzung von Nobert's Testobject-Platte nicht nur die Zahl der 
Liniengruppen namhaft zu machen, welche die gebrauchte Platte ent- 
hält, sondern auch die Jahreszahl der Verfertigung derselben anzu- 
führen. Von Seite Nobert's wäre es aber sehr wünschenswerth, 
wenn er sich dazu entschlösse in der Folge seine Testobject-Platten 
nur mehr nach einem bestimmten unveränderlich beibehaltenen Prin- 
cipe zu theilen. Für den Zweck dieser mühsamen Vergleichung dürfte 

') Philosophien! Transactions for the year 1830. vol. I , pag. 190. 



Über mikroskopische Probeobjecte. 



95 



endlich die nachstehende Tabelle nicht am unrechten Platze sein, 
welche als Erweiterung der für Nobert's Scale von mir bereits 
früher gegebenen Tabelle über die Grenzen der Trennbarkeit der 
einzelnen Liniengruppen betrachtet werden muss. Ich gebe jetzt 
diese Tabelle für 30 Gruppen, die Vergrößerungen auf 250 Milliin. 
Sehweite bezogen. Columne v enthalt die Vergrößerungen bei denen 
es unter der Voraussetzung möglich sein soll, die Gruppen zu lösen, 
dass mit freiem Auge bei 250 Millim. Sehweile noch Linien von 
nur 0-0278 Pariser Linien Distanz unter gleichem Sehen wie beim 
Gebrauche des Mikroskopes getrennt erscheinen. Columne V hingegen 
gibt die an meinem grossen Mikroskope von Plössl nöthigen Ver- 
grösserungen, um diese Trennung wirklich zu bewirken. Diese Ver- 
grösserungen beziehen sich aber nicht nur auf mein Mikroskop, son- 
dern auch auf eine Reihe neuerer Mikroskope Plössfs, die ich zu 
prüfen Gelegenheit hatte. Hiemit liefert diese Tabelle einen aberma- 
ligen Beweis der Vortrefflichkeit von Plössl's neueren Mikroskopen, 
die bei gleicher Vergrösserung von keinem mir bekannten Mikroskope 
in der optischen Gesammt-Leistungsfähigkeit erreicht werden. 



Gruppe 


Linien-Intervall 


V 


V 


Art der Sichtbarkeit 


i. 


(TOOIOOO 


28 


39 


sehr gut 


ii. 


8S0 


33 


39 


sehr fein 


in. 


730 


38 


63 


fein 


IV. 


620 


45 


73 


gut 


V. 


550 


50 


73 


fein 


VI. 


480 


58 


73 


höchst fein 


VII. 


400 


70 


83 


gut 


VIII. 


350 


79 


111 


gut 


IX. 


300 


93 


153 


sehr gut 


X. 


275 


101 


153 


sehr gut 


XI. 


250 


111 


153 


fein 


XII. 


238 


117 


153 


äusserst fein 


XIII. 


225 


123 


158 


gut 


XIV. 


213 


131 


181 


scharf 


XV. 


200 


139 


215 


sehr schön 


XVI. 


192 


144 


215 


sehr schön 


XVII. 


185 


150 


215 


gut 


XVIII. 


178 


156 


215 


gut 


XIX. 


172 


163 


215 


fein 


XX. 


107 


167 


215 


sehr fein 



DO 



Pohl. 



Gruppe 


Linien-Intervall 


V 


V 


Art iler Sichtbarkeit 


XXI. 


0"'000162 


172 


215 


sehr fein 


XXII. 


1S7 


178 


215 


äusserst fein 


XXIII. 


152 


182 


215 


äusserst fein 


XXIV. 


147 


189 


463 


sehr gut 


XXV. 


143 


194 


463 


sehr gut 


XXVI. 


139 


200 


463 


sehr gut 


XXVII. 


135 


206 


463 


sehr gut 


XXVIII. 


131 


212 


463 


sehr gut 


XXIX. 


128 


217 


463 


gut 


XXX. 


125 


222 


463 


gut. scharf 



Leider musste in den Vergrösserungen plötzlich der Sprung 
von 215 zu 463 gemacht werden. Es unterliegt keinem Zweifel, 
dass bei viel schwächeren Vergrösserungen die letzten 7 Gruppen 
lösbar sind. Die mir thatsächlich gelungene, obschon wunderbar 
feine Lösung der 30. Gruppe mit der Linsencombinatiou Aplanat) 
5, 6, 7 und 215maliger Vergrösserung, während die Tabelle 222 
fordert, beweiset sogar, dass die Zahl 00278, welche der Columne v 
als Argument zu Grunde liegt, noch zu gross angenommen sei. Ich 
habe aber absichtlich diese Lösung der 30. Gruppe mit so schwacher 
Vergrösserung nicht in die Tabelle aufgenommen, weil selbe nur 
bei dem günstigsten Zusammentreffen von Umständen gelingt. 

Ich kann übrigens die Bemerkung nicht unterlassen, dass die 
betreffenden Vergrösserungen sämmtlich mit grösster Sorgfalt nach 
der von mir modificirten Jacquin 'sehen Methode bestimmt wur- 
den !). Der Berichterstatter in Liebig und Kopp's Jahresbericht 
hat zwar die Ausstellung gemacht 2 ), dass man bei Anbringung 
der von mir vorgeschlagenen Vereinfachung einer zweckmässigen 
und mit geringer Mühe beizuschaffenden Controle entbehre, welche 
Bemerkung ohne weitere Prüfung auch von Anderen abgeschrieben 
wurde. Ich muss jedoch dieser Ansicht auf das Entschiedenste ent- 
gegentreten. Wer wie ich, mehr als ein halbes Hundert von Mikro- 
skopen bezüglich der Vergrösserungen auf's Sorgfältigste zu unter- 



') Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften mathem.-uaturw. Classe, 

XI. ISd.. S. 504. 
~) Jahresbericht über die Fortsuliritte der Chemie und Physik für 1853, S. 214. 



Über mikroskopische Probeobjecte. 97 

suclien Gelegenheit hatte, wird wohl wissen, welche Schwierig- 
keiten Ja cqu in 's Methode selbst mit Benutzung von Ettings- 
hausen's Abänderungen bei hohen Vergrösserungen darbietet. Die 
scharfe Projection der Mikrometerlinien auf jene des Massstabes, ist 
da mit grossen Schwierigkeiten verknüpft, die zu schätzenden Linien- 
Intervalle werden ebenfalls beträchtlich und der in Folge dessen be- 
gangene Schätzungsfehler von bedeutendem Einfluss auf die Vergrös- 
serungszahl, ja meist ist blos durch den eintretenden Lichtmangel die 
Abschätzung äusserst erschwert. Wer es versucht, mehrmals nach klei- 
nen Zwischenräumen die Vergrösserungen derselben stärkeren Linsen- 
Combination direct zu bestimmen-, wird gewiss über die erhaltenen Unter- 
schiede stauneu ! Sie fallen so gross aus, dass selbst eine Vereinigung 
von 8 — 10 Messungen zu einem brauchbaren arithmetischen Mittel dem 
gewissenhaften Experimentator unthunlich erscheint. Wo bleibt dann 
die Controle und in was soll selbe bestehen? Bei gewissen Linsen- 
Combinationen wird sogar eine directe Messung nach Jacquin's 
Methode gänzlich unausführbar, weil der Sommering'sche Spiegel 
zur AulTangung des Mikrometerbildes so nahe an die Ocularlinse 
gerückt werden muss, dass keine Projection auf den zum Vergleich 
benützten Massstab gelingt. Dies ist z. B. bei Verwendung der stär- 
keren Ohjectivsysteme an Nach et 's, in seiner Art als Meister- 
werk zu betrachtenden Microscope de poche der Fall. Meine Me- 
thode gibt hingegen scharfe Resultate, ja auch eine sehr gute Con- 
trole, wenn die Optiker sich herbeiliessen, jedem ihrer Mikroskope 
eine Blende mit nicht zu grosser Öffnung, aus einem geschwärzten 
Metallplättcben bestehend beizufügen, welche blos auf die Blenden 
der verschiedenen Oculare gelegt, das Gesichtsfeld beschränkt, oder 
auf was es hier ankömmt, die Undeutlichkeit der Bilder an den 
Bändern eliminirt. In der kürzesten Frist und mit aller Bequem- 
lichkeit kann dann Jedermann durch Messung den Gesichtsfelder- 
Durchmesser eines bestimmten schwachen Oeulares mit allen vorhan- 
denen Objectivsystemen die Vergrösserungen seines Mikroskopes 
controliren , sobald nur nach Jacquin-Ettingshausen's Me- 
thode die Vergrösserungen einer schwachen Linsencombination genau 
gegeben sind, was keinen Schwierigkeiten unterliegt. 



Sitzb. d malliein -.naturw. Cl. XL. Bd. Nr. 7. 



98 F r i l s c h. 



Nachricht von den in Österreich im Laufe des Jahres 18 08 
angestellten phänologischen Beobachtungen. 

Von dem c. M. Karl F ritsch, 

Ailjuncten der k. k. Central-Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. 
(Vorgelegt in der Sitzung vom 15. Deeember 18d9.) 

Im Vorworte zum VII. Hefte oder Jahrgange I806 der „Phäno- 
logischen Beobachtungen aus dem Pflanzen- und Thierreiche ist die 
Notwendigkeit dargestellt, an die Stelle der Monats- Übersichten, 
welche von den im Jahre 1856 und 1857 angestellten Beobachtungen 
ausgegeben worden sind, ähnliche Jahres -Übersichten treten zu 
lassen, wie solche von den Beobachtungen in den Jahren 1853 — 1855 
den Stationen zugekommen sind. 

Eine solche Übersicht enthält im Folgenden für das Jahr 1858: 

1. Ein Verzeichniss der während desselben thätigen Stationen 
mit ihrer geographischen Lage. 

2. Einen Blüthenkalender dieser Stationen, als den wich- 
tigsten und interessantesten Theil der Beobachtungen. 

Der Druck des VIII. Heftes der Beobachtungen, Jahrgang 1857, 
nahet seiner Vollendung. Das Manuscript des IX. Heftes, Jahrgang 
1858, der Beobachtungen, welchem die hier zusammengestellten 
Daten entlehnt sind, ist in der Vorbereitung für den Druck begriffen. 

Da nach Vollendung dieses Jahrganges im Manuscripte, die 
Bearbeitung des Jahrganges 1859 beginnen wird, so werden jene 
Herren Theilnehmer, welche mit der Erstattung dieses Jahresberich- 
tes noch aushaften, freundlichst ersucht, denselben mit thunlicher 
Beschleunigung einzusenden. 



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Über die phänologischen Beobachtungen im Jahre 1SÖ8. 



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102 F r i t s c Ii. 

Die folgende Tafel wirft ein penetrantes Streiflicht auf die 
eben so interessanten als lehrreichen Ergebnisse, welche von den 
vereinten Bemühungen der Theilnehmer an den phänologischen 
Beobachtungen in Österreich zu hoffen sind. 

Sie enthält beispielsweise das Datum der ersten Bliithe für 
mehrere der wichtigsten Pflanzen von allen Stationen in Österreich, 
welche im Jahre I808 in Thätigkeit waren. Dieses Datum ist nur 
bei Wien selbst durch den Monatstag ausgedrückt, an welchem hier 
die erste Bliithe beobachtet worden ist; an den übrigen Stationen 
hingegen durch die Anzahl der Tage, um welche dieselbe Erschei- 
nung bei derselben Pflanzenart früher oder später erfolgte. Im ersten 
Falle ist der Zahl das Zeichen Minus ( — ), im letzteren Plus (-f-) 
vorgesetzt. 

Es ist jedenfalls von Interesse, den Gang dieser Unterschiede 
im Laufe des Jahres an den einzelnen Stationen zu verfolgen. Die 
sämmtlichen Aufzeichnungen über die Bliithe wurden demnach in so 
viele Gruppen abgetheilt, als sich für Wien ergaben, wenn man hier 
alle in denselben Monat fallenden Aufzeichnungen zusammenfasst und 
von den übrigen sondert. So entstand eine Gruppe für jene Pflanzen, 
welche in Wien im März, eine zweite für jene, welche hier im 
April u. s. w. in den verschiedenen Monaten des Jahres zur Bliithe 
gelangten. 

Auf diese Weise erhielt man für jeden Ort in jedem Monate eine 
Reihe von Unterschieden, welche für jeden einzelnen Monat in ein 
Mittel vereint worden sind, um die Störungen auszugleichen, welche 
in Beobachtungsfehlern, individuellen Bedürfnissen der einzelnen 
Pflanzen u. s. w. den Grund haben und zum Theil eine beträchtliche 
Verschiedenheit dieser Unterschiede bewirken. 

Auf diese W'eise fand man z. B. dass in Admont die Pflanzen, 
welche in Wien im März blühten, um G; jene, welche hier im April 
blühten, dort um 9 Tage u. s. w. später zur Bliithe gelangten; 
dagegen waren dieselben Pflanzen in Agram beziehungsweise um 
1 und 7 Tage gegen Wien in Vorsprung. 

Aus den Monatmitteln dieser Unterschiede wurden sodann für 
alle Stationen Jahresmittel abgeleitet, dabei aber nur die Munal e 
April, Mai und Juni berücksichtiget, weil in diesen Monaten die Zahl 
der Beobachtungen hinreichend gross ist, um annehmen zu können, 



Über die phänologischen Beobachtungen im Jahre 18i>8. 10»» 

dass das Mittel nur mit einem geringen wahrscheinlichen Fehler 
behaftet ist. 

Wollte man die Stationen, von welchen Beobachtungen vor- 
liegen, nach dem mittleren jährlichen Unterschiede der Blüthezeit 
reihen, so ginge Villa-Carl otta am Como-See allen übrigen voran; 
hier gelangen dieselben Pflanzenarten um 14 Tage früher als in Wien 
zur Blüthe. Den Schluss dieser Reihe würde Gurgl im Ützthale in 
Tirol bilden, wo sich eine Verspätung gegen Wien um 31 Tage 
herausstellt, also ein Unterschied gegen Villa-Carl otta von 45 Tagen. 
Und das sind lange noch nicht die äussersten Extreme, die in Öster- 
reich vorkommen können. 

Schliesst man nach der gewöhnlichen Annahme, dass einem 
Unterschiede in der Blüthezeit von 8 Tagen ein Unterschied in der 
mittleren Jahrestemperatur von einem Grad entspreche, so würde 
folgen, dass z. B. in Prag die mittlere Jahrestemperatur um einen 
Grad gegen jene von Wien zurückstehe, da sich ein Unterschied in 
der Blüthezeit von 9 Tagen herausstellt. Durch mehrjährige Tem- 
peratur-Beobachtungen gelangte man in der That zu einem nahe 
übereinstimmenden Resultate. 

Man sieht, dass phänologische Beobachtungen von solchen Orten, 
wo keine meteorologischen angestellt werden, die letzteren zu ver- 
treten geeignet erscheinen. 

Auf approximative Werthe dieser Art von einiger Sicherheit ist 
indess nur dann zu rechnen, wenn die Verhältnisse, unter welchen 
sich an beiden Orten die Pflanzen entwickeln, dieselben sind. Man 
kann aus diesem Grunde Beobachtungen von Gebirgs-Stationen nicht 
gut mit jenen der Ebene vergleichen. Dort spielt die Neigung des 
Bodens eine grosse Bolle und kann, wenn sie gegen Süden gerichtet 
ist, besonders im ersten Frühjahre eine sehr frühzeitige Entwicklung 
der Vegetation bewirken. Ein auffallendes Beispiel finden wir an 
Innsbruck. Niemand wird erwarten, dass eine Station, deren mitt- 
lere Jahrestemperatur gegen Wien um einen bis zwei Grad geringer 
ist, so zeitlich im Frühjahre Blüthen aufzuweisen hat, und dennoch 
finden Mir hier im März 1858 einen Vorsprung gegen Wien von 
20 Tagen. 

An mehreren Orten stellt sich eine Zu- oder Abnahme der 
Unterschiede im Laufe des Jahres heraus, die keineswegs als eine 
zufällige angesehen werden kann. So beträgt dieser Unterschied bei 



März . . 


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April . . 


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Mai . . 


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1 04 Fritsch. Über die phänologischen Beobachtungen im Jahre 18Ö8. 

Innsbruck Wüten 

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Man sieht, mit welcher Vorsicht und Beschränkung man 
Angaben, wie z. B. „an diesem Orte kommt die Vegetation um so 
und so viel Tage später oder früher zur Entwickelung" aufzunehmen 
hat. Es scheint überdies, als ob viele Pflanzen ihre eigenen Con- 
stanten in dieser Hinsicht hätten. 

Über diese und andere Verhältnisse können nur die aus mehr- 
jährigen Beobachtungen abgeleiteten Normalmittel entscheiden. In 
solchen ausgedrückt, werden sich wohl nicht wenige der in der bei- 
geschlossenen Tabelle ersichtlichen Besultate anders gestalten, da 
nicht anzunehmen ist, dass die klimatischen Agentien in einem Lande 
von der Ausdehnung wie Österreich, schon im Laufe eines einzelnen 
Jahres einer „normalen" Vertheilung unterliegen. 



sitzungsbki{r;iitk 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENS! HAFTEN. 



MATHEM VTISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 



XL. RA\I>. 



SITZUNG VOM 15. MÄRZ 1860. 



N° 8. 



105 



VIII. SITZUNG VOM 15. MÄRZ 1860. 



Das k. k. Ministerium des Innern übersendet die nun vollstän- 
dig eingelangten Berichte und Erhebungen über die Verhältnisse 
des Cretinismus in Österreich, welche von der Classe gewünscht 
wurden, um über diesen Gegenstand ein erschöpfendes Elaborat 
vorlegen zu können. 

Herr Prof. Helmholtz in Heidelberg dankt der Akademie für 
die Wahl zu ihrem correspondirenden Mitgliede. 

Der Lehrkörper des k. k. Gymnasiums zu Unghvär dankt für die 
demselben bewilligte Betheilung mit den Schriften der Akademie. 

Der Central- Ausschuss der k. k. steiermärkischen Landwirth- 
schafts- Gesellschaft übersendet das von derselben durch ihren 
Secretär, Herrn Prof. Hlubek, zur Feier des Gedächtnisses Sr. 
k. Hoheit des Erzherzogs Johann herausgegebene Werk: „Ein treues 
Bild des Herzogthums Steiermark". 

Herr Director v. Littro w liest ein an ihn gerichtetes Schreiben 
des Herrn Aguilar, Director der Sternwarte in Madrid, vom 
25. Februar 1860, das die Anordnungen enthält, welche die Regierung 
getroffen, um den Astronomen, die zur Beobachtung der totalen 
Sonnenfinsterniss im kommenden Juli die Halbinsel besuchen wollen, 
die Lösung ihrer schwierigen Aufgabe zu erleichtern. 

Das correspondirende Mitglied Herr Prof. Wedl legt den 
ersten Theil einer „vergleichenden Anatomie und Physiologie der 
Östriden-Larven" von Herrn Dr. S. H. Scheiber vor. 

Herr Prof. Schneider überreicht eine Abhandlung: „Über 
das chemische und elektrolytische Verhalten des Quecksilbers bezüg- 



10(5 

lieh dessen Nachweisbarkeit im Allgemeinen und in thierischen Sub- 
stanzen insbesondere" . 



An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Academie Imp. de Medecine. Tom. XXII. et XXIII. Paris, 1858 

und 1859; 4»- 
Akademie der Wissenschaften, kön., zu Stockholm. Öfversigt af 
kongl. Vetenskaps-Akademiens Förhandlingar. Femtonde Argän- 
gen. 1858; 8°* — Berättelse om framstegen i Fysik under 
ar 1853. Afgifven tili k. V. A. af E. Edlund. 1859; 8»- — 
Berättelse om framstegen i Insekternas, Myriapodernas och 
Arachnidernas Naturalhistoria för 1855 och 1856 tili k. V. A. 
afgifven af C. H. Boheman. 1859; 8°* — Kongl iga Svenska 
fregatten Eugenies resa omkring jorden under befäl af C. A. 
Virgin aren 1851 — 1853. Zoologi, III. 1859; 4»- 
Annalen der Chemie und Pharmacie, red. von F. Wohl er, «I. 
Liehig und H.Kopp. N. F. Band XXXVII, Heft 2. Leipzig 
und Heidelberg, 1860; So- 
Archiv der Mathematik und Physik, herausgegeben von J. A. Grü- 
ner f. Band XXXIV, Heft 1. Greifswalde, 1859; So- 
Astronomische Nachrichten, von Dr. CA. F. Peters. Nr. 1238 — 

1239. Altona, 1860; 4°- 
Bauzeitung, Allgemeine, red. von Prof. Chr. F. L. Förster. 

Jahrgang XXV, Heft 2, sammt Atlas; fol. und 4 0# 
Cosmos, IX e annee, XVP vol., livr. 10. Paris, 1860; 8°- 
Erlangen, Universität. Akademische Gelegenheitsschriften für das 

Jahr 1859. 

Fortschritte der Physik im Jahre 1857. Jahrgang XIII, red. von 

Dr. A. Krön ig und Dr. 0. Hagen. Zweite Abtheilung. Berlin, 

1859; So- 

Gemmellaro, Carlo, La Vulcanologia dell' Etna che comprende la 

topografia, la geologia, la storia delle sue eruzioni , non che la 

descrizione e lo esame de' fenomenivulcanici. Catania, 1858; 4°- 

Geological Survcy of India, The. Memoirs. Vol. II, part I. Cal- 

cutta, 1859; 4 W - 
Hlubek, D. F. X. , Ein treues Bild des Herzogtbums Steiermark 
als Denkmal dankbarer Erinnerung an weiland Se. k. Hoheit 



107 

den durchlauchtigsten Erzherzog Johann; herausgegeben von 
der k. k. steienn. Landwirthschafts - Gesellschaft durch ihren 
Secretär. Gratz, 1860; 4°- 
Joch mann, Dr. E., Beiträge zur Theorie der Gase. (Separat- 
abdruck aus dem Unterprogramm des colnischen Realgym- 
nasiums für 1859; 4°-) 
Kirschbaum, C. L. , Die Athysanus-Arten der Gegend von Wies- 
baden. 1858; 4°- 
Kokscharof, N. v., Über die Krystallform der Nitrophensäure und 
der Isonitrophensäure, so wie auch einiger Salze dieser Säuren. 
1858; 8°- 
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung, Allgemeine, red. von 

Dr. J. Aren stein. Jahrgang X, Nr. 8, 1860; So- 
Planta mour, E., Resume meteorologique de l'annee 1858 pour 
Geneve et le Grand Saint -Bernard. Geneve, 1859: 8°- — 
Observations astronomiques faites a l'observatoire de Geneve 
dans les annees 1853 et 1854. Geneve, 1859; 4°- 
Verein für Naturkunde im Herzogthum Nassau. Jahrbücher, 13. Hft. 

Wiesbaden, 1858; So- 
Wiener medizinische Wochenschrift, red. von Dr. Witte lshöfer. 

Jahrgang X, Nr. 10, 1860; 4»- 
Zeitschrift, kritische, für Chemie und die verwandten Wissen- 
schaften und Disciplinen, red. von Dr. E. Erlenm eyer und 
Dr. G. Lew in stein. Jahrgang 1859, Heft 5 und 6. — Vom 
Jahrgänge 1860 (unter dein Titel: Zeitschrift für Chemie und 
Pharmacie etc.). Heft 1,2,3. Erlangen, 1859 und 1860; 8°- 



109 



ABHANDLUNGEN UND MITTHEILUNGEN. 



Über Calcitkrystalle mit K e r n e n. 

Von Dr. Gnstav Tschermak. 

v 

(Mit i Tafel.) 
(Vorgelegt in der Sitzung vom 8. März 1860.) 

Das Vorkommen von Krystallen mit Kernen ist an Mineralien 
schon öfter beobachtet worden. Die Erscheinung, dass Krystalle einen 
verschieden gefärbten Kern von derselben Form im Innern zeigen, 
ist namentlich beim Flussspath häufig. Seltener hingegen sind die 
Fälle, wo die Hülle eine andere Form der Krystallreihe darstellt, als 
der Kern. Kopp hat in einer Abhandlung über diesen Gegenstand *) 
ein solches Vorkommen an Calcitkrystallen beschrieben. Der Kern 
hatte die Form i?3, die Hülle hingegen zeigte das Rhombneder 4ß 
nebst den rauhen Flächen eines Skalenoeders. Der Kern war mit 
einem röthlichen Sediment überzogen. Mehrere Beobachtungen die- 
ser Art sind ferner von Bournon 2 ) und von Richter 3 ) gemacht 
worden. 

Eine hierher gehörige Erscheinung beobachtete ich an einem 
Handstück von Celadna in Mähren aus meiner Sammlung. Auf einem 
kalkreichen Sandstein sitzen dicht an einander gedrängt Calcit- 
krystalle. Sie sind beim Öffnen der Spalte, deren einer Wand das 
Stück früher angehörte , sämmtlich stark beschädigt worden. Man 
erblickt weisse und dunkelbraune Flächen, die mit einander wechseln 



») Annaleo der Chemie Bd. XCIV, S. 118. 

2 ) Traite coinplet de la chaux carbonate'e. T. I, pag. 340. 

3 ) Zeitschrift für Physik und verwandte Wissenschaften. Bd. 2 und 3. 



JlO Tscher mak. 

und sämmtlich dem Calcit angehören, nebst einigen grauen Quarz- 
krystallen und Körnern von Eisenkies. Das Ganze sieht sehr eigen- 
tümlich aus, so dass man im ersten Augenblicke versucht ist, die 
braunen Partien für ein vom Calcit ganz verschiedenes Mineral zu 
halten, um so mehr da man häufig braune rechtwinklige Flächen, und 
manchmal braune antrifft, die ein Krystalle monoklinisches Prisma 
darzustellen scheinen (Fig. 1). Eine genauere Untersuchung zeigt 
indessen, dass man es mit braunen Calcitkrystallen zu thun habe, die 
sämmtlich von einer Hülle wasserhellen oder weissen Calcites über- 
zogen sind. Die Krystalle sind oben beschädigt , und nach unten 
natürlicher Weise nicht ausgebildet. Die Restauration eines solchen 
Doppelkrystalls stellt Fig. 2 dar. Der innere braune Krystall hat di e 
Form — 2 R, die Hülle zeigt die Form des Grundrhomboeders, häufig 
findet man an der letztern auch Flächen von — %R (Fig. 3, 4). 
Kern und Hülle sind mit einander fest verbunden und trennen sich 
beim Spalten nach den Theilungsrichtuugen des Calcites nicht. Wird 
der ganze Doppelkrystall nach einer Theilungsrichtung gespalten, so 
erblickt man auf der entstehenden Fläche eine dem Rhombus ein- 
geschriebene dunkle Rechtecktläche, die von dein braunen Rhom- 
boeder herrührt (Fig. 5, 6). Desshalb erscheinen an den beschä- 
digten Stellen der Druse die braunen rechteckigen Flächen in weis- 
sem Felde (Fig. 1). Manchmal ist die Hülle entfernt und man findet 
dann Individuen des braunen Calcites, an denen eine Kante abge- 
sprengt ist, so dass dieselben wie monoklinische Krystalle aussehen, da 
sie mit der Polkante a b (Fig. 7) festsitzen. 

Der weisse einhüllende Calcit zeigte sich in chemischer Be- 
ziehung fast ganz rein, es Hessen sich blos Spuren von Magnesia 
nachweisen. Der dunkle Calcit hingegen zeigte nebstdem die Reac- 
tion auf Eisen und eine geringe Spur von Mangan. Beim Auflösen 
in Säuren blieb eine geringe Menge eines feinen schwarzbraunen 
Pulvers zurück, das vor dem Löthrohre als ein Eisensilicat erkannt 
wurde. Um die Bestandteile der Quantität nach zu bestimmen, 
wurde zuerst eine gewogene Menge in einen nur 13 Gramm wie- 
genden Kohlensäureapparat gebracht, und die Kohlensäure durch 
Salzsäure ausgetrieben, aus der Gewichtsdifferenz die Menge der 
Kohlensäure bestimmt. Der oben erwähnte Rückstand wurde nun 
abfiltrirt, darauf das Eisen als Oxyd durch Ammoniak, die Kalkerde 
durch Oxalsäure aus der Lösung abgeschieden. Es fiel dann nach 



Ülier Calcytkrystalle mit Kernen, 

Hinzufügen von phosphorsaurem Natron und Ammoniak eine höchst 
geringe Menge Magnesiasalz nieder, welche nicht gewogen wurde. 
So wurden die nachstehenden Zahlen erhalten : 

Menge der angewendeten Substanz . . . 553 Mg. 

Der unlösliche Rückstand wog 5 Mg. 

An Eisenoxyd wurden erhallen 8 Mg.; dies 

entspricht 12 Mg. kohlens. Eisenoxydul 12 Mg. entspr. 5 Mg. Kohlensaure. 

An kohlens. Kalkerde wurden erhalten . . 534 „ „ 235 ,, „ 

Die Menge des Magnesiasalzes wurde an- 
genommen zu 5 Mg., dieses entspricht 

2 Mg. kohlensaurer Magnesia .... 2 Mg. entspr. 1 Mir. Kohlensäure. 

Zusammen . . 553 Mg. „ 241 Mg. Kohlensäure. 

Dagegen bestimmte sich nach dem obigen Versuch die Mcage der 
Kohlensäure zu 236 Mg. 

Auf Procente berechnet liefert dies die folgenden Zahlen: 



Kohlensaure Kalkerde . . . 


. 96-57 


1» 


•ocent. 


Kohlensaures Eisenoxydul . 


. 217 




« 


„ Manganoxydul 


Spur 






Kohlensaure Magnesia . . 


0-36 




,. 


Unlöslich (Eisensilicat) . . . 


0-90 







100-00 Procent. 

Das spec. Gewicht des braunen Calcites wurde mittelst des 
Pyknometers bestimmt zu 2'80 bei 0° C. ; es wog nämlich die ange- 
wendet Substanz 628 Mg., das hiedurch verdrängte Wasser 224 Mg- 
Die Temperatur des Wassers war 17° C. 

Die Farbe des dunkelbraunen Minerals rührte also grössten- 
theils von der J Procent betragenden Beimengung her, die von 
einem schwarzbraunen Eisensilicat gebildet wurde. 

Man sieht aus dem Ganzen, dass in jener Spalte zuerst ein 
verunreinigter Calcit abgesetzt wurde, später aber eine reinere 
Substanz sich ausschied und die früher gebildeten Krystalle über- 
zog, nach aussen eine von der des Kernes verschiedene Form an- 
nehmend. 

Die bekannte Erscheinung an Krystallen , die in der Lösung 
isomorpher Salze fortwachsen, ist der eben besprochenen ähnlich; 
doch werden an der Form des Kernes und der Hülle so bedeutende 
Verschiedenheiten wie 7? 3 und 4/2, — 2R und R nicht häufig 



11^ Tscher malt. Über Calcitkrystalle mit Kernen. 

beobaclitet. Wenn es gelänge, einen kubischen Alaunkrystall mit 
einer Hülle, deren Form dem Octaeder entspricht, zu erhalten, so 
wäre dies dem eben angeführten analog. Doch scheint es nach den 
Versuchen des Herrn K. v. Hauer, dass kubische Alaunkrystalle, die 
keine Spur der Flächen das Octaeders zeigen, nicht erhalten werden 
können. 

Übrigens ist nicht zu bezweifeln, dass es gelingen werde , die 
zuvor erwähnte Erscheinung nachzuahmen, und es wird von Inter- 
esse sein, wenn durch viele Beobachtungen festgestellt wird, unter 
welchen Umständen ein Krystall von einer Hülle derselben Species 
umgeben wird, die eine andere Form der Krystallreihe zeigt, gegen- 
über jenen Fällen, wo der Krystall beim ferneren Wachsen dieselbe 
Form beibehält oder wo er von kleinen Krystallen derselben Species 
überdeckt wird, die sich in paralleler Stellung anreihen, oder wo 
die letzteren sich regellos darauf absetzen. 



Tschermak: ÜTber Calcitkrystalle mit Kernen . 
Fig. /. 



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SiiRuusSst.d .k.Akad.d W.mntli .na.turw.Cl. X1L . Bd N*fll860. 



Tächermak. Über secundSre Minevalbildungen etc. 113 



Über secundäre Mineralbildungen in dem Grünsteingebirge 
bei Neutitschein. 

Von Dr. Gustav Tscher mak. 

(Mit 2 Tafeln.) 

(Vorgelegt in der Sitzung vom 8. März 1860.) 

In dem Folgenden werden einige Beobachtungen mitgetheiit, 
die ich bei meinen Exemtionen im Jahre 1857 in der Umgegend 
von Neutitsehein in Mähren zu machen Gelegenheit hatte, nebst 
einigen Untersuchungen, die ich an dem hierbei gesammelten Material e 
angestellt habe. 

Es war anfangs mein Plan, eine vollständige Bearbeitung der 
dortigen Grünsteinformation zu liefern, da mir indess nicht die Gele- 
genheit gegeben wurde, die Gegend in diesem Sinne genauer zu 
durchforschen, so konnte diese Arbeit nicht weiter fortgeführt werden. 
Ich fasse daher die von mir gemachten Erfahrungen in der Form einer 
Studie zusammen, die namentlich die seeundären Bildungen betrifft, 
weil ich der Meinung bin, dass Forschungen in dieser Richtung so 
viel Wichtigkeit haben, dass der Versuch durch Sammeln einiger 
Beobachtungen die Aufmerksamkeit, wenn auch nur auf ein einzelnes 
Gebirge zu lenken, der Sache würdig erscheint. 

Ich kann hier nicht unterlassen, mit Dank der Bemühungen des 
Herrn Dechants J. Prorok und des Herrn Oberlehrers Olb rieh 
in Neutitschein zu gedenken, welche mir bei meinem Dortsein 
freundlichst zu Dienste waren. 

Das Grünsteingebirge zwischen Neutitschein und Teschen, an 
Ausdehnung das bedeutendste der Monarchie , umfasst eine Reihe 
Gesteine von verschiedenem Aussehen und mannigfaltiger Zusammen- 
setzung, die sämmtlich der Grünsteingruppe angehören und die 
unter den verschiedensten, mitunter sehr interessanten Verhältnissen 
auftreten. Ich kenne den nördlichen Theil der Formation nicht aus 
eigener Anschauung. Aus dem Vergleiche des darüber Bekannten 



| ^ T s c I) e r in :t k. Öbev secundäre Miiieriilliiltliingen 

mit meinen Erfahrungen über den südlichen Theil ergibt sich, dass 
der letztere viel mehr des Interessanten bietet als der erstere. Neben 
dem, dass die ganze Grünsteinformation von verhältnissmässig gerin- 
gem Alter ist (das durchbrochene Gestein entspricht nach Hohen- 
egger dem Neocomien), zeigt sich im Süden eine grössere Mannig- 
faltigkeit der Felsarten. Von einem syenitartigen Diorit bis zu 
einem doleritähnlichen Diabas und einer zeolithreichen Wacke, 
andererseits bis zu einem ausgezeichneten Kalkdiabas herab trifft 
man eine ganze Reihe von Gliedern an. Das Auftreten des Gesteins 
ist ebenfalls recht verschieden: Bald bricht ein mächtiger Gang 
durch den dunklen Schiefer und bildet eine flach -kegelförmige 
Erhebung, bald dringt ein isolirter Zapfen von dunkel- blasigem 
Gestein mitten in der Ebene hervor, bald breitet sich der Grünstein 
in der Form einer Decke aus, über welche später emporgequollene 
Fjava sich wieder ergoss, oder es zieht sich eine Schichte sandigen 
Tuffes dahin, der nach der Eruption mit Hilfe des Wassers sich 
gebildet. Überall erblickt man Spuren ehemaliger vuleanischer 
Thätigkeit in vielfältigem Wechsel. Die Gegend hat in verschiedenen 
Zwischenräumen eine Reihe von Eruptionen gesehen, wenngleich 
die eruptive Thätigkeit nirgends so bedeutendeDimensionen erreichte, 
wie sie uns das Wort Vulcan gewöhnlich in die Vorstellung ruft. 

Die folgenden Zeilen sind dazu bestimmt, Beobachtungen an 
einander zu reihen , welche die Verhältnisse einiger secundären 
Mineralien betreffen, die sich in diesem Gebirge finden. Zuerst muss 
ich mich über die letztere Bezeichnung aussprechen: Jene Mineral- 
bildungen, die erst nach der Eruption und dem vollständigem Erkalten 
des Gesteins in demselben und aus dessen Substanz (natürlich 
meist durch wässerige Eintlüsse) gebildet wurden, mögen als 
secundär bezeichnet werden, während die beim Erkalten des Gesteins 
ausgeschiedenen Verbindungen primäre Minerale genannt werden 
können. Nim ist es in einzelnen Fällen allerdings nicht scharf nach- 
weisbar, welche Entstehungsweise einem Mineral zuzuschreiben sei, 
und die Ansichten gehen hierin manchmal weit auseinander. Dieses 
kann indess bei dem Folgenden von keinem Belange sein, da es mir 
mehr um treue Darstellungen der Beobachtung zu thun ist, und wenn 
auch nach andern Ansichten das eine oder das andere der aufgeführ- 
ten Mineralien nicht in die Reihe der secundären gehört, so wird 
doch die Sache dadurch nicht geändert. 



in dem Griinsteing-eliirge bei Neutitschein. \ £) 

Es ist wünschenswerth, bei dergleichen Untersuchungen die 
Felsarten, welche das Material zur Bildung neuer Mineralien gegeben 
haben, zuerst möglichst genau zu kennen; namentlich ist hier das 
chemische Moment zu berücksichtigen. Dass ich nun in dieser 
Beziehung nicht alles gethan. was nothwendig erschien, darf ich 
damit entschuldigen, dass es mir nicht gegönnt war eine vollständige 
Untersuchung der Vorkommnisse auszuführen, so dass nach sorgfäl- 
tiger Auswahl des Materials eine chemische Untersuchung in der 
angestrebten Richtung hätte ausgeführt werden können. Ich musste 
mich auf Einzelnes beschränken, wodurch indess schon viel gewonnen 
war. Die chemische Beschaffenheit der Gesteine nahezu gleichen 
Alters in einem kleinen Verbreitungsbezirke ist nicht so verschieden, 
dass man von der Zusammensetzung eines derselben nicht weiter 
schliessen dürfte. 

Ich bringe die Felsarten der gesammten Gegend zuerst in drei 
Abtheilungen, die sich ungefähr abgrenzen lassen. Jene Grünsteine, 
die vorwaltend Hornblende enthalten, sollen wie gewöhnlich Di o rite 
genannt werden. Die mehr basischen Gesteine von mehr dunkler 
Farbe und bedeutenderem Gehalt an Augit sollen als Diabase auf- 
geführt werden. Eine Grenze zwischen den beiden genannten 
Reihen ist ziemlich willkürlich, da Übergänge an demselben Gange 
vorkommen, dagegen lässt sich der Kalkdiabas gut von den vori- 
gen trennen. Er ist von klein-krystallinischem Gefüge, von lichten 
grün-grauen Farben und durch den bedeutenden Gehalt an kohlen- 
saurem Kalk ausgezeichnet. Nach diesen drei Abtheilungen soll nun 
das Folgende geordnet werden, um die Übersicht zu erleichtern. 

Was die Beschreibung der Gesteine anbelangt, werde ich 
immer nur den Haupttypus einer Gruppe angeben; eine eingehende 
Schilderung mehrerer Felsarten findet man in Hochs tetter's 
Abhandlung: „Über einige Grünsteine aus der Umgegend von. Te- 
scben" *)• Ich kann darauf verweisen, da viele Gesteine des süd- 
lichen Verbreitungsbezirkes mit denen im nördlichen Theile gleich- 
artig sind. 

Ich gehe nunmehr zur Beschreibung der ersten Hauptgruppe 
über: 



') Jahrb. der k. k, geologischen Reichsanstalt, Bd. IV, S. 411. 



Iß Tsehermak. Über secundäre Mineralbildungen 

I. Diorit. 

Die Grünsteine, welche sich in diese Gruppe bringen lassen, 
finden sich meist im SO. von Neutitschein. Sie gehören zu den 
ältesten Grünsteinen der Gegend, wovon man sich an einigen Punkten 
überzeugen kann, wo die vom Diorite gebildeten Lager und Decken 
vom Diabas gehoben oder durchbrochen werden. Dagegen habe ich 
nirgends beobachten können, wie sie sich in dieser Beziehung dem 
Kalkdiabas gegenüber verhalten. Im Ganzen jedoch machte es mir 
den Eindruck, dass auch der Kalkdiabas ein jüngeres Gebilde sei 
als die Diorite. 

Um ein Bild von der mineralogischen Beschaffenheit dieser 
Gruppe zu entwerfen, will ich ein typisches Gestein näher beschrei- 
ben, welches zwischen Sohle und Seitendorf auftritt. 

Das Gestein ist mittelkörnig, dunkelgrün, mit vielen hervor- 
stechenden weissen Flecken. Von den Gemengtheilen erkennt man 
sogleich die Hornblende an den fast schwarzen, säulenförmigen 
Krystallen und glänzenden Spaltflächen. Sie ist gleichförmig durch 
das Gestein verbreitet, von dem sie ungefähr 40 Procent ausmacht, die 
einzelnen Krystalle sind im Mittel 6 Millim. lang und 2 Millim. breit. 
Die Feldspathmasse ist von weisser oder grünlicher Farbe, sehr 
feinkörnig, fettglänzend, von unebenem, oft splitterigem Bruche, nur 
hie und da erscheint eine Theilungsfläche, die ein grösseres Indivi- 
duum anzeigt, welches indess niemals länger als 3 Millim. erscheint. 
Splitter des Feldspathes schmelzen in der Löthrohrflamme erst nach 
einiger Zeit. Von Säuren wird das feine Pulver aufgeschlossen und 
es bleibt pulvrige Kieselsäure zurück. 

Das Gestein ist von sehr frischem Aussehen. Es enthält nur 
sehr wenig kohlensauren Kalk. Nur hie und da entsteht beim dar- 
aufbringen von Säuren ein Bläschen, nur selten bemerkt man eine 
höchst feine Spalte, die mit Calcit ausgefüllt ist. 

Die Beschreibung, welche Hochstetter vom Diorite von 
Boguschowitz gibt, passt nahezu auf dieses Gestein, nur tritt hier 
der Augit zurück. Den Feldspath der Diorite halt Hochstetter 
für Anorthit, wegen des Verhaltens in der Hitze und gegen Säuren. 
Ich bin derselben Ansicht, um so mehr als eine später anzuführende 
Analyse eines Gesteines die Gegenwart dieses Feldspathes sehr 
wahrscheinlich macht. 



in tlem Grünsteingebirge bei Neutilschein. 

Alle übrigen Diorit-Gesteine der Gegend stehen in mineralogi- 
scher Beziehung dem eben beschriebenen sehr nahe und unter- 
scheiden sich meist nur durch die Grösse derHornblendekrystalle. Hie 
und da tritt auch derAugit etwas hervor. Er erscheint dann in kurzen 
Säulen von der gewöhnlichen Form. Das äussere Ansehen der Fels- 
art ist nach der Grösse des Korns, der Farbe des Feldspathes etc. 
verschieden. Schiefer und Aphanite wurden nicht beobachtet. Das 
specifische Gewicht bewegt sich meist in den Grenzen 2*8 . . . 29. 
Das Auftreten des Diorites ist ein sehr mannigfaltiges. Ich will 
hier blos einige auffallende Vorkommnisse beschreiben. 

Im S. von Neutitschein am rechten Ufer der Titsch setzt ein 
etwa 10 Klafter breiter Gang im Thonschiefer auf. Das Gestein ist 
stark zerklüftet, am Ausgehenden bedeutend verwittert und braun 
gefärbt, tiefer unten besitzt es noch das frische Ansehen und die 
grüne Farbe. Die Spalten sind meist mit Calcit erfüllt. Der Thon- 
schiefer ist durch die hervorbrechende Masse gehoben und bis auf 
die Entfernung von einer Klafter in eine dickschiefrige, hornstein- 
ähnliche Masse verwandelt worden, die eine lichtere Farbe zeigt 
als das unveränderte schiefergraue Gestein. Der Schiefer hat eine 
Neigung von 46° in ONO. und einen Fall von 56° in SSO. erhalten. 
Fig. 1 auf Taf. I stellt eine Contactstelle dar. 

Bei Sohle im 0. des Gümbelberges ist ein bedeutender Bruch 
im Diorit eröffnet. Das Gestein bietet namentlich an den Stellen, 
wo es bereits mehr angegritfen ist, eine sehr interessante Erschei- 
nung. Es zeigt nämlich sehr häutig ausgezeichnet kugelförmige 
Absonderung. Das Gestein theilt sich zuerst in würflige Blöcke, 
welche nach einiger Zeit mehr abgerundet werden, bis endlich eine 
Menge von grossen, concentrisch-schaligen Kugeln hervorstehen, die 
sich oft ablösen und aus der Gesteinswand herausfallen. Die ganze 
Erscheinung ist um so interessanter, als sie beim Diorite nicht häufig 
angetroffen wird. AufTaf. I, Fig. 2 ist eine solche Felspartie abgebildet. 
Eine wichtige Beobachtung ergab sich ferner an einem bloss- 
gelegten Punkte bei Sohle, südlich von dem ebengenannten Bruche. 
Ein kleiner Hügel war daselbst angebrochen und so eine Stelle 
eröffnet worden, welche bei sehr geringen Dimensionen sechs ver- 
schiedene Gesteine, welche ebenso vielen verschiedenen Perioden 
angehören, zugleich aufweist. AufTaf. II ist eine Zeichnung aus- 
geführt, welche das Ganze deutlich machen wird. 



1 $ Tsehermak. Über secundäre Mineralbildiingen 

Die Wand war etwa 8 Fuss hoch. Zu oberst erscheint eine 
Schicht dunklen Thonschie fers, der identisch mit den ringsum 
vorkommenden Schiefern ist. Hierauf folgt eine fast 2 Fuss mächtige 
Schichte von Diorit. Er ist bereits stark verwittert und nicht mehr 
mit einem Gestein der Gegend zu identificiren. Unter diesem eine 
fast eben so mächtige Schichte von Diorittuff. Derselbe sieht 
ziemlich compact aus, zerfällt jedoch bei der Berührung sogleich in 
eine Menge eckiger Dioritstückchen von 1 Centim. Durehmesser bis 
zur Grösse eines Sandkorns. Nunmehr folgt eine 2 Zoll dicke Schicht 
von stängligem, weissem Ar ra go nit, welche sicli gleichförmig über 
die nächste Schicht ausbreitet. Die letztere ist etwa 8 Zoll dick und 
bestellt aus einem frisch aussehenden, lichten Diorit, welcher dem 
oben genauer beschriebenen gleich kömmt. Unter diesem folgt ein 
verwitterter schwarzgrüner Diabas, der in der Tiefe fortsetzt. 

Dieser Durchschnitt gibt bereits viele Mittel an die Hand, die 
Geschichte der Grünsteineruptionen dieser Gegend theilweise zu ent- 
wickeln. 

Man sieht hier zu unterst eine dünne Dioritschichte, den Rest 
eines Lavastromes, welcher sich hier ergossen. Nach der Eruption, 
welche dieser Schichte Entstehung gegeben hatte, mögen heisse 
Quellen, die in der Nähe empordrangen, den Arragonit abgesetzt 
haben. Bei einem ferneren Ausbruche ward durch gleichzeitige oder 
spätere Einwirkung aus dem Sande und Rapillo eine Tuffmasse zu- 
sammengesetzt, welche nur eine geringe Mächtigkeit erreichte und 
nur unter den vorliegenden Umständen erhalten werden konnte. Es 
hat sich nämlich bei einem späteren Ausbruche ein neuer Lavastrom 
darüber ergossen und die Tuffschichte an dieser Stelle vor der zer- 
störenden Einwirkung des Wassers geschützt. Nach all diesen Erup- 
tionen muss eine Bedeckung durch Wasser und der Absatz des Thon- 
schiefers erfolgt sein. In einer ferneren Periode ward der ganze 
Schichtencomplex durch eine emporgedrängte Lavamasse gehoben, 
welch letztere zu einem Diabas erstarrte. 

In der Umgebung spricht nichts dafür, dass die Schichtenfolge 
etwa umgekehrt wäre und man ein Überkippen annehmen dürfte. 
Dass der unten anstehende Diabas das Ganze gehoben habe, erscheint 
hier nicht so augenfällig, da man für diesen Fall eine gewaltsame 
Einwirkung auf die untersten Schichten erwarten könnte. Doch 
spricht dafür das Auftreten desselben Diabas in der Nähe dieser 



in dem Grünsteingebirge bei Neutitschein. 119 

Stelle, südlich davon, wo er in einem Gange emporgedrungen ist und 
eine Dioritschichte gehoben hat, deren Gestein dem im vorgenannten 
Anbruche zu oberst befindlichen so wie dem nördlich davon vorkom- 
menden Kugeldiorite ähnlich ist. 

Man ersieht aus all dem, dass einige Diorite älter seien als die 
Schiefer des Neocomien, während andere Diorite, so wie sämmtliche 
Diabase ein geringeres Alter besitzen. 

Nunmehr gelange ich zur Aufzählung der secundären Minera- 
lien, welche im Gebiete des Diorites beobachtet wurden. 

1. Quarz . 

Wenn auch im Ganzen der Quarz in den Dioriten sich häufiger 
ausgeschieden findet als in den mehr basischen Gesteinen, so ist doch 
die Menge desselben an einem Orte niemals sehr bedeutend. Er fin- 
det sich krystallisirt in Spalten zu Drusen versammelt, wie in dem 
Bruche an der Titsch, im Kugeldiorite von Sohle, in dem obersten 
Dioritlager des Anbruches, oder er kommt als Ausfüllung runder 
Hohlräume vor. Solche runde Quarzmassen zeigen sich häufig im 
Diorite an der Titsch. Jede derselben stellt ein Quarzindividuum vor. 
Die ganze Kugel ist gleichförmig durchsichtig, schwach gelblich ge- 
färbt, von 3 — 1 Centim. Durchmesser, manchmal scharf gegen 
das Gestein hin abgegrenzt, manchmal, namentlich die kleineren 
Kugeln, fast mit dem Gestein verfliessend, ohne scharfe Grenze. Zu 
bemerken ist noch, dass sich in dem Bruche im Kugeldiorite ein 
Block krystall inisehen Quarzes von 2 Fuss Länge vorfand , welcher 
Eindrücke von zollgrossen Calcitrhomboedern und Stalaktiten enthielt. 

2. Calcit. 

Der Calcit kömmt im Diorite nicht häufig in kleinen Partikelchen 
mitten im Gesteine vor, wesshalb diese mit Säuren wenig oder gar 
nicht brausen, vielmehr tritt er meist in Spalten und Hohlräumen auf. 
Sehr häufig findet man ihn in deutlichen Krystallen. In dem Bruche 
an der Titsch beobachtete ich die Form 113 an mehr oder weniger 
verkrüppelten , mit einer Kruste von Brauneisenstein überzogenen 
Krystallen. In anderen Spalten fand sich Calcit in der Form — 2B 
neben Bitterspath und Eisenkies auf Drusen von Quarz. Im Kugel- 
diorit von Sohle kömmt häufig krystallinischer Calcit vor. Bemerkens- 
wert!) ist das Auftreten einer kreideartigen Ausfüllung vieler Gesteins- 
spalten daselbst. Die staubartige weisse Substanz (sogenannte Berg- 
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XU Bd. Nr. S. 9 



|20 Tscher mak. Üher secundäre Mineralbildung-en 

milch) ist fast reines Kalkcarbonat. Durch eindringende Gewässer 
wird dieselbe weiter geführt und ganze Gesteinspartien werden 
damit bedeckt, so dass dieselben durch diesen Überzug ein fremd- 
artiges Aussehen erhalten. Der Calcit findet sich ferner in Rhom- 
boedern von der Form — 2R in fast zollgrossen Krystallen neben 
Baryt und Analcim in den bei der Teufelsmühle umherliegenden Ge- 
steinstrümmern. Die Krystalle sind durch Einwirkung des Wassers 
an der Oberfläche rauh geworden und man bemerkt die dem Grund- 
rhomboeder angehörige Schraffirung in vertieften Linien ausgeprägt. 
Interessant erscheint ferner das Vorkommen krystallinischen Calcites 
als Spalten ausfüllig in folgendem Falle: In dein Diorite an der 
Titsch finden sich, wie bereits erwähnt, kugelförmige Ausscheidungen 
von durchsichtigem Quarze. Hie und da setzt sich nun mitten durch 
eine solche Quarzkugel ein feiner Spalt fort, welcher von weissem 
krystallinischen Calcit erfüllt ist, so dass diese weissen Adern von 
dem gelblichen, durchsichtigen Quarz eben so deutlich abstechen als 
von dem dunklen Gestein. Dies zeigt, dass die Ausscheidung des 
Quarzes viel früher stattfand als die Spaltenbildung und Ausfüllung 
durch Calcit. Es kann hier durchaus nicht angenommen werden, dass 
der Quarz beim Erstarren der Masse gebildet worden, da dieser mit 
der basischen Natur des Gesteines unverträglich ist, eben so wenig 
lässt sich behaupten, dass dies eingeschmolzene Quarzstücke seien, 
da man das Verfliessen des Quarzes mit der Gesteinsmasse hier oft 
beobachten kann, wogegen eingeschmolzene Stücke dies nicht zei- 
gen, vielmehr, wie man es in Basalten öfter sieht, immer scharf ab- 
gegrenzt, ganz undurchsichtig und mürbe erscheinen. 

3. Arragonit. 

Ein ausgezeichnetes Vorkommen des Arragonites ist das bereits 
früher angedeutete im Anbruche bei Sohle. Daselbst setzt dieses 
Mineral eine ganze Schichte zusammen, welche im Mittel 2 Zoll dick 
ist und zwischen einem dunklen Diabas und einer dünnen Schichte 
hellen Diorites eingeschoben ist. Er bildet ein gleichförmig dünn- 
stengeliges Aggregat von rein weisser Farbe. Als Arragonit ist der- 
selbe sogleich an den Theilungsflächen der ungefähr 1 Millimeter 
breiten Individuen erkennbar. Die Axen der Individuen stehen auf der 
Schichtfläche senkrecht. Die ganze Schichte zeigt sich hie und da 
in zwei bis drei Etagen abgetheilt. Eine Partie einer solchen kleinen 



in dem Griinsteingehirge bei Neutitschein. 14 [ 

Schichte zeigte sieb in Steatit umgewandelt. Da das umgehende Ge- 
stein leicht hei der Verwitterung in Trümmer zerfällt, die Arragonit- 
schichte aber grössere Festigkeit besitzt, so kömmt es, dass dieselbe 
auf der einen Seite dos Hügels überall aus dem Boden hervorragt 
und streckenweise einen weissen Streif bildet. 

Da diesei- Arragonit wahrscheinlich ein Absatz heisser Quellen 
ist, so wäre er in sofern nicht zu den seeundären Bildungen gegen- 
über dem Grünstein zu rechnen, als er vielleicht nicht aus dessen 
Substanz gebildet wurde, doch habe ich dieses Vorkommen der Voll- 
ständigkeit wegen angeführt. 

4. Bitterspath. 

Dieses Mineral tritt überall, wo es vorkömmt, in Gesellschaft 
des Calcites auf. Dies ist der Fall in dem Bruche an der Titsch, wo 
es in kleinen Partien auf den Quarzdrusen neben Calcit und Eisen- 
kies in gekrümmten Khomboedern sich findet, ferner in den Spalten 
des Kngeldiorites bei Sohle, endlich bei Seitendorf. 

5. Baryt. 

Der Baryt kommt in undurchsichtigen rein weissen Stücken, 
welche lue und da die Fläche ooPoo erkennen lassen, neben Calcit 
und Analcim in den Gesteinstrümmern bei der Teufelsmühle vor. Da 
er mit dem Calcit und Analcim innig verwachsen erscheint, so hat 
man alle drei Mineralien als gleichzeitige Bildungen anzusehen und 
der Baryt ist hier als seeundäre Bildung aufzufassen, sobald man den 
in Hohlräumen des Diorites auftretenden Analcim und Calcit für 
seeundär ansieht. Der Baryt findet sich sonst an keinem anderen 
Orte dieser Gegend. 

6. Serpentin. 

Der Serpentin findet sich hie und da als Zersetzungsproduct 
der Hornblende und des Augites in geringer Menge in den Binden 
der Gesteine wie bei Sohle, bei Hotzendorf. Die Serpentinbildung 
ist in den Dioriten bei weitem nicht so bedeutend als im Diabas. 

7. Steatit. 

Dieses Mineral tritt in der bereits erwähnten Arragonitschichte 

pseudomorph nach Arragonit auf. Der Steatit ist von grünlicher 

Farbe und zeigt grösstenteils noch das stengelige Gefüge des Arra- 

gonits. Stellenweise ist noch etwas Arragonit zurückgeblieben, wel- 



|22 Tschermak. Über secundiire Mineralbildungen 

eher dann sehr morsch und mürbe erscheint. Die Steatitmasse zer- 
fällt beim Daraufschlagen gerade so wie der Arragonit, nach der 
Länge der Säulchen hin, in prismatische Stücke; dagegen lässt sie 
sich nach jeder Richtung hin mit dem Messer schaben ohne zu bre- 
chen und ohne im Querschnitte die stengelige Structur zu zeigen. 
Der Steatit Gndet sich ferner hie und da in den Spalten des Kugel- 
diorites in geringer Menge. 

8. (Jliminer. 
Im Diorite kommt nur wenig Glimmer vor und dann nur immer 
die eine Art: ein tombakbrauner metallisch glänzender Glimmer, 
von dessen seeundärer Natur man sich leicht durch Betrachtung ein- 
zelner Gesteinspartien überzeugen kann, wo die Glimmerblättchen 
genau parallel den Theilungsflächen auf den Hornblendekrystallen 
liegen oder durch dieselben hindurch gewachsen erscheinen, wie dies 
im Gesteine von Hotzendorf der Fall ist. Sehr häufig kann man auch 
die Beobachtung machen, dass der Glimmer nur auf der Verwitte- 
rungsrinde erscheint, oder dass er gegen die Oberfläche des Ge- 
steines zu immer häufiger wird. 

9. Chlorit. 

Noch weniger häufig als der Glimmer, findet sich der Chlorit 
nur in Gesteinen, die schon merkbar angegriffen sind, in kleinen 
grünen Schüppchen als Zersetzungsproduct der Hornblende, wie bei 
Seitendorf; doch niemals trifft man ihn in grösserer Menge an. 
Hochstetter hat einen chlorithaltigenDiorit von Kalembitz genauer 
beschrieben. 

Zeolithe. 

Im Gebiete des Diorites treten die Mineralien dieser Familie 
nicht häufig auf und kommen nur in geringen Mengen vor. Im Dio- 
rite bei Sohle , so wie in vielem Gerolle finden sich einzelne feine 
Nadeln, so wie spärliche Aggregate derselben, welche sich durch 
ihr Verhalten in der Hitze und gegen Säuren leicht als Zeolithe er- 
kennen lassen, doch war eine genauere Bestimmung nicht ausführbar. 
Nur eine Zeolithspecies kömmt in grösseren Krystallen vor. 

10. Analciin. 

Das Vorkommen dieses Minerals wurde schon früher erwähnt. 
Der Analcim findet sich bei der Teufelsmühle in Gesellschaft von 



in dem Griinsteiiigebirge bei Neutitschein. 123 

Calcit und Baryt in meistens hellen Krystallen von im Mittel 5 Millim. 
Durchmesser. Sie zeigen die Form ooOao.202, liegen meist dicht 
an einander und sind den hegleitenden Mineralien gleichsam zwischen 
gestreut 1 )- Beim Ahlösen derKrystalle hemerkt man oft inderünter- 
lage hinterlassene Eindrücke, wornach also die gleichzeitige Bildung 
der drei Mineralien keinem Zweifel unterliegt. 

II. Magneteisen. 

Der Magnetit tritt der Menge nach in demselben Verhältnisse 
auf, wie der Augit und es gehört der erstere als Zerlegungsproduct 
vorzüglich dem Augite zu. Im Diorite, wo der Augit nur in geringer 
Menge vorkömmt, findet sich auch das Magneteisen nur in ganz unbe- 
deutenden Quantitäten, so dass es niemals mit blossem Auge bemerkt 
werden kann. Der Magnet zieht aus dem feinen Gesteinspulver nur 
geringe Mengen. 

12. Pyrit. 

Den Eisenkies trifft man im Diorite viel häufiger an als im Dia- 
bas. Er findet sich fast überall in Spalten und Hohlräumen, oft neben 
Calcit und Quarz, wie bei Sohle, bei Seitendorf. Die Krystalle sind 
meist von ungefähr 2 Millim. Durchmesser, manchmal sind auch 
blos sehr kleine Individuen staubförmig auf Calcit vertheilt. Auch 
mitten im Gesteine kommt er in kleinen Körnern eingesprengt vor. 

13. Branneisen. 

Ausserdem, dass das Eisenhydrat in den stark angegriffenen Ge- 
steinen als Best der Zersetzung nach den Augitspathen in mehr oder 
weniger reinem Zustande oft anzutreffen ist, kömmt es auch als Absatz 
der Gewässer in Spalten vor. Im Bruche an der Titsch fand ich 
unter anderen eine ganz junge Bildung als lederartigen Überzug der 
Calcitkrystalle. 

II. Diabas. 

Die Grünsteine dieser Gegend, welche hier als Diabase aufge- 
führt werden, sind im Allgemeinen mehr basische, dunklere, an Augit 
reichere Gesteine von höherem specifischen Gewichte als die Dio- 
rite. Sie sind von geringerem Alter als die letztere Gesteinsgruppe 
und jünger als die Schiefer und Kalke desNeocomien. Mehrere der- 



*) S. G lock er, Verhandl. der kais. Leop. Carol. Akademie. Bd. 15. 



•J24 Tschermak. Über secundäre Mineralbildung'en 

selben sind früher für Basalte gehalten worden, wie z. B. der vom 
Gümbelberge, doch ist nirgends eine Spur von Olivin zu bemerken. 

Ich will zuerst wieder die Beobachtungen an einem typischen 
Gesteine vom Gümbelberge anführen, welches zwischen den übri- 
gen Felsarten dieser Gruppe so ziemlich die Mitte hält. 

Der Diabas ist von mittlerem Korne und von schwärzlichgrüner 
Farbe. Er ist ungemein zähe, so dass sich nur mit grosser Mühe ein 
Handstück aus einem Blocke schlagen lässt. Von den zusammen- 
setzenden Mineralien ist der Feldspath der vorherrschende Gemeng- 
theil. Er ist dunkelgrün, zeigt auf dem Bruche glasglänzende Thei- 
lungsflächen, welche im Mittel 6 Millimeter lang und 4 Millimeter 
breit und überall von feinen Hornblendetheilchen durchwachsen sind. 
Splitter desselben schmelzen in der Löthrohrflamme nach einiger 
Zeit, jedoch schwieriger als Labrador. Von Salzsäure wird das Pul- 
ver ganz zersetzt und es bleibt pulverige Kieselsäure zurück. Er ver- 
liert durch Behandeln mit verdünnten Säuren bald die dunkelgrüne 
Farbe und wird schneeweiss. Beim Verwittern hinterlässt er eine 
gelblich gefärbte pulverige Masse. Die Augitspathe lassen sich erst 
genauer beobachten, nachdem der Feldspath-Bestandtheil durch Atzen 
mit Säuren weiss geworden: dann bemerkt man sogleich, dass die 
Augitspathe blos ungefähr 30 Percent des Gesteins ausmachen, und 
dass sie in ganz kleinen Krystallen zwischen den Feldspathkrystallen 
gelagert oder durch dieselben hindurchgewachsen sind. Mit Hilfe der 
Loupe erkennt man sogleich die Hornblende an ihren charakteristi- 
schen Kennzeichen: der fast schwarzen Farbe und den glänzenden 
Spaltflächen. Daneben zeigt sich Augit in kleinen Krystallen, von der 
Hornblende leicht an dem matten Aussehen und dem muschligen Bru- 
che zu unterscheiden. Ferner beobachtete ich hie und da feine Kry- 
stalle von hellgrüner Farbe; dieselben mögen Epidot gewesen sein. 
Aus dem Pulver des Gesteins zieht der Magnet eine nicht ganz un- 
bedeutende Menge Magneteisen heraus, doch lässt sich bekanntlich 
die Menge desselben wegen anhängendem Gesteinspulver nicht ein- 
mal richtig schätzen. Das Gestein siebt ganz frisch aus; mit Säuren 
behandelt gibt es eine geringe Menge Kohlensäure. Dagegen ist der 
Gehalt an Wasser, wie später angeführt weiden wird, nicht unbe- 
deutend. 

Das speeifische Gewicht wurde von Hrn. L. Knaffl und von mir 
an zwei verschiedenen Proben mit Hilfe des Pyknometers bestimmt. 



in dem Grünsteingebirge bei Neutitschein. I<iO 

In dem Folgenden bezeichnet P die Capacität des Pyknometers 
in Grammen, p das Gewicht der angewendeten Gesteinsprobe, p' 
das Gewicht des dadurch verdrängten Wassers in Grammen, t die 
Temperatur des Wassers (die Correctionen überall inbegriffen). Die 
Proben waren gepulvert und vor dem Wägen getrocknet, die Luft 
aus dem Wasser durch Kochen entfernt. Es wurden bestimmt: 

A. P=30 052 , ^ = 5 081 , p' = 1-721 , * = 17-S»C.. . K 

daraus— = 2-952. 
V 

B. P= 15-010 , ^ = 7-275 , ^' = 2-453 , t = 16» C T 

daraus- = 2-966. 
P' 
Hiernach berechnet sich das specifische Gewicht bei 0°C. für A 

zu 2-95, für B zu 2-96. 

Das Gestein ist noch weiter untersucht worden. Herr L. Knaffl 
hat auf meine Bitte eine chemische Analyse desselben vorgenommen. 
Ich theile im Folgenden die Methode und die erhaltenen Resul- 
tate mit. 

Die qualitative Analyse erwies die Gegenwart von Kieselsäure, 
Kohlensäure, Eisen , Kupfer , Kalk , Magnesia, Kali, Wasser. Zur 
Bestimmung von Kieselsäure, Kupfer, Eisen, Kalk, Magnesia wurde 
eine Partie der fein gepulverten, bei 100 u getrockneten Probe genom- 
men und mit kohlensaurem Natron aufgeschlossen. Die Kieselsäure 
wurde nach sorgfältigem Eindampfen abfiltrirt, im Filtrate das Kupfer 
durch Schwefelwasserstoff gefällt, hierauf nach dessen Entfernung 
Thonerde und Eisen durch Ammoniak gefällt, der Niederschlag 
respective deren Lösung in zwei Theile getheilt. In dem einen ward 
das Eisen durch Titriren mit übermangansaurem Kali bestimmt, der 
andere Theil ward zur Ermittelung der Summe der Thonerde und 
des Eisenoxydes verwendet. Die Kalkerde wurde als oxalsaures Salz 
abgesondert, letzteres in Salzsäure gelöst und dessen Quantität durch 
Titriren mit Chamäleon bestimmt, die Magnesia wurde wie gewöhn- 
lich als pyrophosphorsaures Salz gewogen. Zur Bestimmung der 
Alkalien wurde eine weitere Probe durch Flusssäure aufgeschlossen. 
Nachdem alles übrige mit Hilfe von Ätzbaryt entfernt war, wurde 
die erhaltene Chlorverbindung gewogen, endlich durch Silberlösung 
die zweite nöthige Bestimmung gemacht. Zur Ermittelung der 
Quantität des im Gestein enthaltenen Eisenoxyduls wurde eine sehr 



1 £0 Tscher mak, Über secundäre Miiieralbildung-en 

fein gepulverte Probe längere Zeit mit conceutrirter kochender Salz- 
säure in einer Atmosphäre von Kohlensäure behandelt, bis das Pulver 
vollständig weiss geworden. Hierauf konnte sogleich das Titrirver- 
fahren angewendet werden. Die Kohlensäure wurde mittelst eines 
kleinen Fresenius'schen Apparates bestimmt. Der Gewichtsverlust 
beim Glühen wurde als Wassergehalt in Rechnung gebracht. Es folgen 
die Zahlenresultate: 

1. Augewendete Menge Substanz 1*018 Gramm 

An Kieselsäure erhalten: 398 Mg 3910 Procent. 

Eisenoxyd und Thonerde aus der Hälfte der Sub- 
stanz 148 Mg., im Ganzen 29-08 Procent. Bestim- 
mung des Eisens in der Hälfte der Substanz: Titre 
des Chamäleon a = 0*085, Anzahl der gebrauchten 
C. C. der Lösung: n = 9*6. Daraus berechnet sich 
Eisenoxyd 65*3 Mg., im Ganzen 12*82 Procent, 
hiernach berechnet sich Thonerde 29*08— 12*82= 16*26 
Das gefällte Schwefelkupfer in Oxyd verwandelt 

und 16 Mg. erhalten oder 1*57 

Bestimmung der Kalkerde: a = 0*042, n = 492, 
hieraus berechnen sich 57*8 Mg. Kalkerde . . . 5*68 „ 
Das erhaltene Magnesiasalz wog 537 Mg., dem ent- 
sprechen 193*5 Mg. Magnesia 1901 

, 2. Aus 879 Mg. Substanz wurden 11 Mg. 
Chloralkalien erhalten. Es wurden von der Silber- 
lösung gebraucht 1*5 C. C. , dein entsprechen 
Chlornatrium 11 Mg. Chlorkalium oder 7 Mg. 
Kali 0-79 

3. In 1*054 Gramm der Gesteinprobe wurde 
das Eisenoxydul bestimmt und erhalten a = 0*085, 
n = 12*8, daraus ergibt sich 78*3 Mg. Eisenoxy- 
dul oder 7*43 

dem entsprechen Eisenoxyd 8*26 Procent. Darnach 
berechnet sich die Menge des im Gestein enthaltenen 
Eisenoxydes zu 12*82 — 8*26= 4*56 

4. Aus 1*704 Gramm Substanz wurde die Koh- 
lensäure entfernt und eine Gewichtsdifferenz gefun- 
den von 2 Mff. oder 0*12 



in dein Grünsteingebirge bei Neutitschein. 1 £, i 

5. Der Glühverlust betrug bei 3*32 Gramm 
Substanz 145 Mg. , dem entspricht ein Wasser- 
gehalt von 4-37 Procent. 

Das Verhältniss der zusammensetzenden Bestandteile ist 
demnach : 

Kieselsäure 39" 10 

Thonerde 16*26 

Eisenoxyd 4*56 

Eisenoxydul 7 "43 

Kupferoxyd 1-57 

Kalkerde 5-68 

Magnesia 19-01 

Kali 0-79 

Wasser 4-37 

Kohlensäure 0-12 

98-89 

Um eine Andeutung über die Art und Menge der in dem 
Gestein enthaltenen Salze zu erhalten , soll das Aquivalenten-Ver- 
hältniss der genannten Bestandteile näher betrachtet werden. Die 
Menge der Kieselsäure in Äquivalenten ist hier = 800 gesetzt. Hier- 
nach ist das Verhältniss folgendes: 

Kieselsäure 800 ... 800 (Si0 3 ) 

Thonerde 197 ... 197 (A1 3 3 ) 

Eisenoxyd 35 \ 

dem entspricht um Magneteisen zu bilden > . . . 70 (Fe 3 04) 

Eisenoxydul 35 ) 

Übrige Menge Eisenoxydul 92 

Kupferoxyd 24 

Kalkerde 125 }. . . 834 (ROJ 

Magnesia 585 

Kali 8 

irr: m J... » (ho 

Kohlensaure ö ) 

Die Zusammensetzung kann daher durch die folgenden Zahlen 
repräsentirt werden: 



(Si0 2 ) 8 (A1 2 3 ) 3 (RO) 8 . 3 (HO), (Fe 3 4 ) 



()• 7 



Man bemerkt sogleich , dass die Zersetzung schon bedeutend 
Platz gegriffen hat , da der Wassergehalt ein namhafter ist. Der 



128 Ts.he 



:i k. Über seeundiire Miiier;ill)ildunt, r eii 



Kupfergehalt ist auch bemerkenswerth; das Gestein ist ferner 
so stark basischer Natur, dass dies bei einem Grünstein ziemlich 
auffällig erscheint. Es ist leicht einzusehen, dass der enthaltene 
Feldspath ein sehr basischer sein müsse, so dass auch nicht Labra- 
dor, für welchen das Verhältniss (Si0 2 ) 3 (Al 2 3 ) (RO) gilt, ange- 
nommen werden kann. Dagegen ist der Annahme von Anorthit, 
sowohl der Zusammensetzung, als der früher über das Verhalten des 
Feldspathes angeführten Beobachtungen ganz entsprechend. Dem 
Wassergehalt muss irgend ein Hydrat entsprechen, welches eben so 
wie das Magneteisen als Zersetzungproduct abzusondern ist. Das 
Eisenoxyd gehört wahrscheinlich ganz dem Magneteisen an. Dem- 
nach könnte das Verhältniss der Bestandteile vielleicht auf folgende 
Art gedeutet werden *) : 

f[(Si0 2 ) 6 (RO) 5 ] Augitspathe 

2[(Si0 2 ) 2 (Al 2 3 )(RO)] Anorthit 

|[(Fe 2 O s )(FeO)j Magneteisen 

3[(RO)(HO)] Hydrat 

Der hiernach berechnete Gehalt an Magneteisen von 8 Procent 
und an Augitspathen von ungefähr 33 Procent entspricht sehr gut 
der direeten Beobachtung an der Felsart. Das angeführte Hydrat 
kann einer eingetretenen Serpentin- oder Zeolith-Bildung angehören 
und es würde in Folge dieserlnterpretation eine Änderung der ange- 
nommenen Verhältnisse vorzunehmen sein. Dagegen ist es fast ganz 
sicher, dass der Feldspathbestandtheil von Anorthit gebildet werde. 
Was die Bildung von Serpentin in diesem Gesteine betrifft, werde 
ich später noch Einiges anführen. 

Es lohnt übrigens hier, so wie überhaupt bei Gebirgsarlen, 
kaum der Mühe, aus den Daten der Analyse die Mengen der zusam- 
mensetzenden Mineralien berechnen zu wollen; doch verleiht die 
Discussion Anhaltspunkte , um auf die ursprüngliche Zusammen- 
setzung, die bei Gesteinen aus früheren Perioden wohl nur sehr 
selten ungeändert geblieben ist, zurückzuschliessen und so einige 
Einsicht in die seeundären Bildungsproeesse zu erlangen. Ich komme 
auf das Einzelne noch weiter unten zu sprechen. 

Um die Felsarten , welche dem eben beschriebenen Gesteine 
ähnlich sind , lassen sich die übrigen Diabase folgender Art grup- 



') Ich gebrauche liier blos Äquivalentzeichen; daher = 8, Si =; 14*2 etc. 



in dem Grünsteingebirge l>ei Neutitschein. 149 

piren. Eine Reihe bilden die mehr grobkörnigen Diabase, bei denen 
auch die Hornblende- und Augit-Krystalle eine Länge von 3 Centim. 
erreichen, wie z. B. das Gestein von Lichnau, einer zweiten Gruppe 
kann man die Aphanite zuth eilen, die von sehr feinem Korn und 
schwarzgrüner Farbe sind, wie das Gestein von Schönau. Von beiden 
verschieden ist das letzte Glied: eine zeolithische VVacke, welche 
mitten im Dorfe Liebiscb unterhalb der Kirche ansteht. 

Die dem Gestein vom Gümbelberge ähnlichen Diabase haben 
dieselbe mineralogische Zusammensetzung wie dieses, die genannte 
Wacke aber scheint ehedem Labrador enthalten zu haben, wofür 
die Ausscheidungen von Kalk und Apophyllit sprechen. In den 
Aphaniten ist das Vorkommen von Labrador nicht wahrscheinlich, 
da sie dieselben Zersetzungserscheinungen zeigen, wie der anorthit- 
hältige Diabas. Von einer Prüfung des Feldspathes der Aphanite kann 
natürlich nicht die Rede sein. Der Gehalt an Magneteisen und Kalk- 
Carbonat ist beim Diabas allgemein. Auch tritt fast überall etwas 
Glimmer auf. Das specifische Gewicht hält sich meist innerhalb der 
Grenze 2-9 . . . 3-0. 

Das Auftreten des Diabas ist zweierlei. Meistens setzen die 
Gänge im Kalk oder Schiefer auf, das Gestein tritt am Gipfel eines 
Hügels zu Tage, wie am Gümbelberge, bei Lichnau, oder es steht auf 
einer flachen Stelle an, wie die Wacke von Liebisch. Manchmal hin- 
gegen trifft man den Diabas unterhalb des Diorites oder neben dem- 
selben, wie bereits früher erwähnt wurde. 

Als Zersetzungsproducte des Diabas können die folgenden auf- 
geführt werden: 

1. Quarz. 

Das Vorkommen des Quarzes im Gebiete des Diabas ist ein sel- 
tenes , was sich aus der Zusammensetzung des Gesteines leicht 
erklären lässt. Man findet nur hie und da beim Verschwinden des 
Feldspathes nach totaler Zersetzung in den hinterlassenen Hohl- 
räumen mehr minder reine Qtiarzskelete. Mit Hilfe des Mikroskopes 
entdeckt man manchmal deutliche Quarzkryslalle in solchen Hohl- 
räumen. Dagegen ist das Auftreten bedeutender Quantitäten von 
Mineralien, welche Quarzvarietäten darstellen, auf dein Gümbelberge 
merkwürdig. Man sieht auf dem Gipfel des Hügels häutig knollige 
Stücke, bis 1 Fuss Durchmesser zeigend , umherliegen. Sie bestehen 



1 30 Tschermak. Über secundiire Mineralbildungen 

aus Chalcedon oder Achat , hie und da finden sich auch schöne 
Quarzdrusen; mehrere davon fand ich auf Kalkspath-Unterlage auf- 
sitzen, die einzelnen Kiystalle waren bis i / 2 Zoll lang, milchweiss. 
Deutliche Achatmandeln wurden nicht beobachtet. Die Menge des 
hier auftretenden Quarzes ist wohl zu bedeutend, als dass man den- 
selben blos als eine Ausscheidung aus dem daselbst vorkommenden 
Diabas erklären könnte. Auch ist keine Verbindung zwischen beiden 
zu bemerken. Da nun beide am Gipfel des Hügels zu Tage liegen, so 
könnte es auch sein , dass die Quarzpartie von dem Gesteine aus 
der Tiefe empor gebracht worden. 

2. Calcit. 

Der Calcit tritt als Zersetzungsproduct überall im Diabas auf, 
wo er mindestens durch das Aufbrausen beim Zusammenbringen des 
Gesteines mit Säuren seine Gegenwart verräth. Im Folgenden mögen 
nur jene Vorkommnisse erwähnt werden, wo das Mineral in grösseren 
Quantitäten , oder unter besonderen Verhältnissen sich findet. In 
den Klüften des Schönauer Aphanites kommen grössere Partien von 
Calcit vor , welche öfters abwechselnd Schichten mit Serpentin 
bilden. Er besitzt daselbst immer die Form — 2 R. Kristallinische 
Partien finden sich im Diabas von Lichnau, von Sohle. Im Gesteine 
von Lichnau trifft man an den mehr angegriffenen Stellen häufig 
klare durchsichtige Blättchen eingewachsen. Die Wacke von Lie- 
bisch enthält nur geringe Mengen Calcites. Neben Apophyllit und 
Arragon vorkommend, bildet er daselbst kristallinische Ausfüllungen 
von Hohlräumen und erscheint als ein Zersetzungsproduct aus der 
jüngsten Zeit. 

Ich kann hier nicht unterlassen eine Metamorphose zu erwähnen, 
welche der Kalk durch die empordringende heissflüssige Gesteins- 
masse erlitten hat. Ein solches eigenthümliches Verhältniss beob- 
achtete ich am Gümbelberge, wo der Diabas einzelne Kalktrümmer 
entweder aus der Tiefe empor gebracht, oder oben angetroffen und 
verändert bat. Es finden sich nämlich hie und da grobkörnige Kalk- 
blöcke von blaulich-grüner Farbe und mattem Ansehen auf den Spalt- 
flächen, umschlossen von einer blasigen Diabas-Masse. Bei genauerer 
Befrachtung des zerstückten Minerales bemerkt man, dass dem 
Calcit kleine dunkelgrüne Theilchen mehr oder weniger gleich- 
förmig eingestreut sind. Ich habe ein solches Stück etwas näher 



in dem Griinsteingebirge bei Neutitschein. 1 O 1 

untersucht 1 ), indem ich es durch stark verdünnnte Salzsäure zerlegte 
und die Bestandteile des löslichen Theiles hestimmte. So wurden 
die Zahlen erhalten: 

Kohlensäure 33-10 Procent. 

Kieselsäure - 12 „ 

Eisenoxydul 4-57 „ 

Kalkerde 40-41 

Magnesia 1-09 „ 

Wasser 1'80 

Unlöslich (Diabas) 19-07 

100-16 Procent. 
Der grüne Calcit enthält demnach 19 Procente Diabas, der in 
dem ersteren in höchst fein vertheiltem Zustande verbreitet war, und 
dessen Spaltflächen rauh machte. Diese Erscheinung lässt sich wohl 
nur dadurch erklären, dass der Diabas den Kalkblock aus der Tiefe 
empor brachte und umhüllte, während dessen der letztere geschmol- 
zen wurde und eine ziemlich grosse Quantität von der Substanz des 
Gesteines in sich aufnahm, so dass beim Erstarren diese Verun- 
reinigungen gleichsam mitkrystallisirten. Dass die Silicate, welche 
die Beimengung ausmachen, durch den Kalk nicht aufgeschlossen 
wurden, ist wohl eigentümlich: man müsste es damit erklären, dass 
der Kohlensäure wegen des allseitigen Verschlusses keine Gelegen- 
heit zu entweichen gegeben war und so die Zersetzung nicht eintreten 
konnte. Dass diese Bildung nicht auf nassem Wege entstanden sei, 
beweist sogleich das Vorkommen in dem schlackigen Diabas , das 
stellenweise Eindringen des letzteren in die Calcit-Masse, derart, dass 
man häutig bemerkt wie eine dunklere , an Diabas reichere Partie 
des Calcites mit solch einer eindringenden Diabas-Ader in Verbin- 
dung steht. 

Eine andere Metamorphose, wie solche schon öfter beobachtet 
wurden, konnte ich auf dem Gümbelberge wahrnehmen. Ein Calcit- 
block von etwa zwei Fuss Höhe war daselbst durch sein Äusseres 
sogleich auffallend. Er bildete ein Stück einer Kugel, die als sie 
vollständig war, einen Durchmesser von vier Fuss gehabt hatte. Er 
war von weisser Farbe, feinkörnigem Gefüge und besass eine eigen- 
thümliche Structur: er bestand nämlich aus einer Anzahl meist 
sechsseitiger Pyramiden, deren Spitzen im Centruin der Kugel 

1 ) Das Resultat wurde bereits mitgetheilt im Jahrb. der geologischen Reichsanstalt 
Bd. VIII, S. 615. 



IOä Tscher mak. Über secundäre Mineralhildungen 

vereint waren. Die Oberfläche der Kugel war durch die Grundflächen 
der Pyramiden gebildet und demnach in meist sechsseitige Felder 
gefheilt. Zwischen den einzelnen Pyramiden, welche fest zusammen- 
hingen, fand sich häufig etwas feinkörniger Diabas, der von aussen 
in die Zwischenräume eingedrungen war. Auf Taf. II, Fig. 1 ist 
eine Zeichnung hierüber gegeben. Diese Erscheinung sagt, dass der 
ompordringende heissflüssige Diabas einen Kalkblock, den er ent- 
weder von unten heraufgebracht oder oben angetroffen, in eine Kugel 
von radialer Structur umgewandelt hat. 

3. Arragonit. 

In der Wacke, die unterhalb der Kirche des Dorfes Liebisch 
ansteht, findet sich Arragonit in parallel fasrigen Aggregaten in den 
senkrechten Klüften. Die Nadeln stehen auf den Wänden der 1 / 4 Zoll 
weiten Spalte nahezu senkrecht und treffen in der Mitte derselben 
in einem sehr stumpfen Winkel zusammen. An der Oberfläche ist 
der Arritgonit oft in Calcit verwandelt, wo er dann leicht zu einein 
feinen Krystallmehl zerrieben werden kann. Kleine Partien von 
Arragon finden sich auch im Diabas von Sohle. 

4. Serpentin. 

Unter allen seeundären Mineralbildungen im Diabas ist der Ser- 
pentin die interessanteste, weil sich die Bildungsweise desselben 
durch alle Stadien verfolgen lässt. So haben sich an dem Gesteine 
vom Günibelberge, von Sohle, an dem Aphanite von Schönau instruc- 
tiveBeobachtungen ergeben *). Ich will zuerst die Beschreibung einer 
Partie des letzteren Aphanites anführen. Fig. 2 auf Taf. II stellt 
den Durchschnitt einer Spalte in dem Gesteine vor. Das letztere ist 
im frischen Zustande von schwarzgrüner Farbe, unebenem Bruche, 
sehr feinem Korne. Unter dem Mikroskope bemerkt man als Bestand- 
teile einen grünlichen Feldspath, viele kleine deutliche Krystalle 
von Augit, sehr wenig Hornblendenadeln, hie und da ein Körnchen 
Eisenkies. Öfters erscheinen kleine schwarze Glimmerblättchen und 
weisse Calcittheilchen darin. Verfolgt man nun das Gestein von dem 
noch wenig veränderten Innern her gegen gewisse Spalten hin, so 
bemerkt man als erstes Stadium der tiefer eingreifenden Zersetzung 
das Auftreten von schwarzen glänzenden Glimmerblättchen , deren 



*> Vgl. Glocker, Jahrb. rl. geol Reichsanstalt, Bd. VI. 



in dem Grünsteingebirge bei Neutitschein. Id») 

Durchmesser 4 Millimeter erreicht. Dieselben werden häufiger, 
man merkt auch die Zunahme des Calcites an dem lebhafteren Auf- 
brausen mit Säuren. Bei genauer Betrachtung findet man hie und da 
neben den Glimmerblättern kleine grüne Partien von flachmusch- 
ligem , spittrigem Bruche: es ist Serpentin. Diese Partien werden 
in der Richtung gegen die Spalte hin immer häufiger. — Die in 
diesem Stadium der Zersetzung sich befindliche Gesteinspartie 
bildet bezüglich der Spalte eine Schichte von 1 — 2 Zoll Mächtigkeit 
(in der Fig. mit b bezeichnet). — Nunmehr nimmt der Serpentin über- 
hand, so dass die Glimmerblätter darin eingewachsen erscheinen, hie 
und da erscheint eine Nadel von Zeolith. Der Glimmer tritt nun 
ganz zurück und unmittelbar an der Spalte zeigt sich reiner Ser- 
pentin von flachmuschligem Bruche. Die Spaltwände sind meist von 
Calcit überkleidet, oder es ist der Spalt damit ausgefüllt. Manchmal 
wechsellagern Schichten von Calcit und Serpentin von 1 — 2 Milli- 
meter Dicke mit einander (wie in der Fig. angedeutet). Zu oberst 
erscheinen häufig Calcitkrystalle der Form — 2R, überdies manch- 
mal Krystalle von Eisenkies, so wie halbkugelförmige Aggregate von 
Natrolith. Ähnliche Verhältnisse zeigen sich an dem Diabas vom 
Gümbelberge. In dem Gesteine vom genannten Anbruche bei Sohle 
kommt ebenfalls eine nicht unbedeutende Serpentinbildung vor. Der 
Diabas ist bereits stark angegriffen und zerfällt bald in Kugeln von 
ungefähr 4 Zoll Durchmesser. Im Innern dieser Kugeln sieht man einen 
unreinen Serpentin , von Glimmerblättchen und öfter von rundlichen 
Kürnern, welche die Spaltflächen der Hornblenden zeigen, durch- 
wachsen; auch Theilchen von Calcit, so wie einzelne Nadeln von 
Zeolith fehlen nicht. 

Aus diesen Beobachtungen ergibt sich, dass die durch Spalten 
dringenden Gewässer das Gestein auf 2 — 3 Zoll weit ganz oder 
theilweise in Serpentin umgewandelt haben. Nach der oben ange- 
führten Untersuchung kann man auf die ursprüngliche Zusammen- 
setzung des Gesteines aus Anorthit und Augit (und Amphibol) 
schliessen, so dass man sich einen Überblick des Processes zu bilden 
vermag. 

Den Beobachtungen an den meisten dieser Gesteine entspricht 
ungefähr die Zusammensetzung aus gleichen Mengen: 

Anorthit (Si0j,(Al 2 3 )(R0) U (SiO a ) 5 (AI, O s ) (RO), 

und Augit 3[(SiO.)(RO)] ( ^ 2j ' K ' "" 



134- Tscher mak. Über secundäre Mineralbildung-en 

Es kann nun eine Zerlegung in der Art eintreten, dass ein 
Zeolith und Serpentin gebildet wird: 

i(SiO 8 ) 3 (Al 2 O 3 )(RO)(H0) 2 Mesotyp. 



(Si0,).(Al,O.)(R0). + (H0),== 1(s . o)(ao)(HO)i Serpenl . n 

Die gelöste kalkhaltige Zeolithsubstanz kann nun durch Ein- 
wirkung von Gewässern, die kohlensaure Alkalien führen, wie diese 
namentlich in den ersten Stadien der Zersetzung auftreten, in koh- 
lensauren Kalk und einen alkalihaltigen Zeolith umgesetzt werden. 
Das letztere Salz wird dann meistens weggeführt. 

In einem andern Falle, oder auch zugleich, kann eine Bildung 
von Glimmer eintreten. Es ist: 

CSiO 1 TAI ^n\0^ - i (Si °^ ( A1 s°.)( R 0) s Glimmer. 

(S.OJ 5 (Al 2 3 )(HO) 4 _ j 2[(Si0a)(R0)] -. Augit . 

Der hier unverändert gebliebene Augit kann hierauf durch Verlust 
von Kieselsäure ebenfalls in Serpentin umgewandelt werden 1 ) etc. 

Es entspricht diese Auffassung in der Hauptsache den Erschei- 
nungen auf befriedigende Weise, so dass man dadurch einige Anhalts- 
punkte zur Beurtheilung der Serpentinbildung, wo sie in grossarti- 
gem Massstabe stattgefunden hat, erreicht. Beachtenswerth erscheint 
mir unter den angeführten Beobachtungen auch die, dass der Ser- 
pentin in dünnen Schichten mit Calcit wechsellagernd vorkömmt, 
wo er demnach durch Absatz aus Gewässern entstanden ist. Daher 
mag der Serpentin nicht immer als Zerlegungsrest an Ort und Stelle 
bleiben, sondern auch, wie dies überdies bei der Chrysotilbildung 
der Fall sein muss, aus wässeriger Lösung ausgeschieden werden. 

5. Glimmer. 

Glimmerblättchen kommen im Diabas sehr allgemein vor. In 
manchen Partien des Gesteins von Schönau, von Sohle, ist der 
Glimmer gleichförmig verbreitet, sonst aber erscheint er immer 
gegen die Oberfläche hin in wachsender Menge. Er ist natürlicher- 
weise immer als ein seeundäres Mineral zu betrachten. Dem Ansehen 
nach kann man zwei verschiedene Arten unterscheiden, einen glas- 
glänzenden schwarzen und einen tombakbraunen metallisch glän- 
zenden Glimmer. Doch ist der letztere nur ein Umwandlungsproduct 
des ersteren. Der schwarze Glimmer lindet sich nämlich meist im 



ij S. Bischoff, Chem. Geologie, IM. II, S. 530. 



in dem Griinsteingebirge bei Neutitsehein. 1 OO 

Innern, im frisch aussehenden Gestein, wogegen der metallglänzende 
nur in den bereits stärker angegriffenen Partien und auf der Ober- 
fläche des Gesteins, in der Verwitterungsrinde auftritt. Man über- 
zeugt sich überall leicht, dass die Glimmerbildung mit der Zer- 
setzimg des Gesteins gleichen Schritt hält, bis endlich bei der Ver- 
witterung der Glimmer den mächtigeren Einflüssen ebenfalls weichen 
muss. 

In dem Gestein von Lichnau fand sich der Glimmer pseudo- 
morph nach Augit, indem Stücke von Augitkrystallen von Glimmer 
ersetzt waren, während der übrige Theil derselben in Grünerde um- 
gewandelt erschien. 

6. Iralit. 

Der Diabas von Sohle ist im frischen Zustande nahezu fein- 
körnig und besteht ungefähr zur Hälfte aus kleinen Augitkrystallen. 
An jenen Stellen hingegen, wo die Umwandlung schon bedeutender 
vorgeschritten ist, bemerkt man nichts mehr von Augit. Das Ganze 
erscheint vielmehr als ein Gemenge aus Serpentin und Glimmer. In 
diesem Gemenge nun sieht man oft rundliche Körner eingewachsen, 
welche die Spaltbarkeit der Hornblende sehr deutlich zeigen. Von 
einer regelmässigen äusseren Begrenzung lässt sich nichts beobach- 
ten. Diese Körner zeigen sich manchmal in parallelfaserige Aggre- 
gate von Seidenglanz umgewandelt, manchmal erscheinen sie von 
Glimmer ersetzt. Diese Thatsachen sprechen dafür, dass die schwarz- 
grünen Körner Uralit- Individuen darstellen. Obwohl der directe 
Beweis dafür fehlt, so ist es doch nach dem Angeführten sehr wahr- 
scheinlich. 

7. Grimerde. 

In der Wacke von Liebisch und im Gestein von Lichnau finden 
sieb ausgezeichnete Pseudomorphosen von Grünerde nach Augit. 
Solche umgewandelte Augitkrystalle zeigen sich in der genannten 
Wacke namentlich an den Stellen, wo die letztere grossblasig er- 
scheint. Sie erreichen eine Länge von 3 Centim., eine Breite von 
1 Centim., sind meist sehr weich, mit dem Fingernagel leicht ritzbar, 
werden im Striche glänzend. Hie und da zeigen sich auch rundliche 
Hohlräume von unregelmässiger Gestalt durch Grünerde erfüllt. Kein 
einziger Krystall dieses Gesteins ist der Umwandlung entgangen. Der 
Diabas von Lichnau bestellt im frischen Zustande ungefähr zu einem 

Sitzb. d. mathem.-naturw. CI. XL. Bd. Nr. 8. 1 () 



lob Tschermak. Über secundäre Mineralbildung-en 

Drittheil aus Äugitkrystallen von 1 — 3Centim.Länge, einer geringen 
Quantität Hornblende und einem weisslichen Feldspath, wahrschein- 
lich Anorthit. An jenen Stellen , wo das Gestein mehr angegriffen 
erseheint, ist der Augit sämmtlich in Grünerde verwandelt, doch sind 
die Pseudomorphosen etwas weniges härter als die von Liebisch. Die 
Hornblende ist ganz mürbe geworden, so dass sie sich leicht zu 
Stückchen zerreiben lässt, doch hat sie noch einen bedeutenden Grad 
des Glanzes auf den Theilungsflächen behalten. Die Zerlegungspro- 
ducte : Glimmer, Magneteisen, Zeolith, fehlen nicht. Der Glimmer 
hat hie und da Tlieile von Augitkrystalle verdrängt. Die liier be- 
schriebenen Pseudokrystalle nach Augit haben alle die gewöhn- 
lich auftretende Form. 

Zeolithe. 

In allen als Diabas aufgeführten Gesteinen, namentlich in den 
mehr angegriffenen Partien, finden sich geringe Mengen von Mine- 
ralien dieser Familie vor. Bei aufmerksamer Betrachtung des Ge- 
steins bemerkt man bald einzelne wasserhelle Nadeln oder auch 
kleine Krystallbüschel , welche sich ohne Brausen in Säuren lösen 
und durch die Reactionen auf Kieselsäure, Thonerde und Wasser 
sich leicht als Zeolithe zu erkennen geben. Dagegen gelingt es 
selten, eine genügende Menge dieser Krystallnadeln zu erhalten, um 
eine weitere Bestimmung durchzuführen. Sie mögen wohl meist der 
mitMesotyp bezeichneten Gruppe angehören. Mit Sicherheit Hessen 
sich die folgenden erkennen: 

8. Apophyllit. 
Dieser Zeolith kömmt in ziemlich bedeutender Menge in der 
mandelsteinartigen Wacke von Liebisch vor. Das Gestein bestand 
wahrscheinlich aus Augit und Labrador. Der sämmtliche Augit ist 
in Grünerde verwandelt; auf die frühere Gegenwart von Labrador 
lässt sich blos aus den Zersetzungsproducten : Apophyllit, Natrolith, 
kohlensaurer Kalk, schliessen. Das Gestein ist durchaus blasig; die 
Blasenräume haben alle Dimensionen von verschwindender Kleinheit 
bis zu 1 Zoll Durchmesser. Sämmtliche Hohlräume sind ausgefüllt. 
Die ausfüllende Masse wird fast blos von Apophyllit gebildet. Der- 
selbe ist trübe, milchweiss, nirgends linden sich ausgebildete Kry- 
stalle, da er die Blasen total erfüllt. Die Menge der Blasenräume 



in dem Griinsteingebirge hei Neulitschein. 1 o i 

und somit des Apophyllites macht im Mittel ungefähr 40 Procent des 
Gesteines aus. Wo das Gestein zu Tage steht, dort ist der Apo- 
phyllit stark verändert. Er ist mürbe geworden und zeigt mit Säuren 
starkes Aufbrausen. Neben dem Apophyllit findet sich hie und da 
etwas Natrolith. Von dem Vorkommen des Arragonits ist bereits 
früher die Rede gewesen. 

9. Natrolith. 

In den Spaltenräumen des Aphauites von Schönau, ferner in 
einigen Blasenräumen der Wacke von Liebisch finden sich öfters 
halbkugelige, radial faserige Aggregate von weisser Farbe, die sich 
durch das Verhalten vor dem Lüthrohr und gegen Säuren durch 
die Abwesenheit von Kalkerde und den Gehalt an Natron bald als 
Natrolith zu erkennen geben. Im Gesteine von Schönau findet sich 
derselbe auf den Schichten von Serpentin oder Calcit aufge- 
wachsen. In der genannten Wacke trifft man ihn öfters mit Apo- 
phyllit in derselben Höhlung. Die kleinen Krystallbüschel ., die in 
den mehr angegriffenen Partien des Gesteins von Sohle auftreten, 
mögen auch zu Natrolith zu rechnen sein, doch gelang es mir nicht 
eine genügende Menge zur Untersuchung zu isoliren. 

10. Skolezit. 

Dieses Mineral scheint einen ziemlieh grossen Tbeil jener feinen, 
wasserhellen Nadeln zu bilden, welche man öfters im Diabas einge- 
wachsen findet. Nur in einem Falle indess liess sich eine nähere 
Bestimmung vornehmen. An einem flachen Hügel im 0. von Lichnau 
beobachtete ich eine eigentluimliche aussehende Gesteinpartie, auf 
welche ich durch Herrn M. Mauer, der mich auf jener Expedition 
begleitete, aufmerksam gemacht worden. Das Gestein ist ziemlich 
grobkörnig, bereits stark verändert. Die Gemengtheile sind ein weiss- 
lieber Feldspath (Anorthit) und Augitkrystalle von 2 Centim. mittlerer 
Länge, die meistens in Grünerde umgewandelt sind. Nebenher tritt 
etwas Hornblende, so wie Magneteisen auf. Überall finden sich feine 
Zeolith-Nadeln im Gestein, welche öfters auch mitten durch die Grün- 
erde hindurchgewachsen erscheinen. Sie sind ungefähr */ a Millim. 
dick und im Mittel 5 Millim. lang. An einzelnen Stellen treten sie so 
dicht neben einander auf, dass das Gesteinsstück wie mit kurzen 
feinen Haaren bestreut aussieht. Die Nadeln erscheinen dem bewaft- 

to* 



1 oö Tscher mak. Über secundäre Mineralbildung-en 

neten Auge als rechtwinkelige glasglänzende Prismen. Da sie erst 
nach dem Zerschlagen des Gesteins aus den Stückchen herausgelesen 
werden konnten, so ist es erklärlich, dass keine deutlichen Endflächen 
gefunden wurden. Beim Auflösen in Säuren hinterliessen dieselben 
schleimige Kieselsäure. Neben Thonerde liess sich eine bedeutende 
Menge Kalkerde nachweisen. Aus diesen Beobachtungen lässt sich 
mit Sicherheit auf Skolezit schliessen. Die im Diabas allgemein vor- 
kommenden Zeolith- Nadeln gehören wahrscheinlich sämmtlich der 
mit Mesotyp bezeichneten Gruppe an, ein bedeutender Theil mag 
dem Skolezit entsprechen. 

Es ist zwar in den meisten Fällen sicher, dass die Zeolithe als 
secundäre Bildungen zu betrachten seien, bei dem Vorkommen in 
Mandelsteinen und Wacken hingegen erscheint der Vorgang wahr- 
scheinlicher, dass sich die Zeolithe schon beim Erstarren der Gesteins- 
masse gebildet haben. So wäre auch bei dem oben angeführten Vor- 
kommen von Apophyllit die Entstehung durch Infiltration weniger 
wahrscheinlich und derselbe in diesem Falle nicht als eine secundäre 
Bildung aufzufassen; vielmehr könnte die Sache so erklärt werden, 
dass die heissflüssige Gesteinsmasse beim Empordringen mit Kalk und 
Wasser in Berührung gekommen sei und so diesen kalkreichen Zeolith 
in ziemlich bedeutender Menge gebildet habe. Freilich fehlen in dieser 
Richtung noch viele experimentelle Beweise, und es ist die letztere 
Erklärungsweise der Zeolithbildung in Mandelsteinen als keine 
sichere hinzunehmen. 

11. Magneteisen. 

Der Magnetit ist nach der Menge des Augits und dem Grade der 
Zersetzung in demselben Sinne im Gesteine verlheilt. Er ist meistens 
mit blossem Auge darin nicht zu erkennen, in den mehr angegriffe- 
nen Partien hingegen tritt er etwas deutlicher hervor. So findet er 
sich in dem stark veränderten Gesteine von Lichnau in kleinen, deut- 
lich wahrnehmbaren Körnern , öfters auch in Oktaedern von etwa 
3 Millim. Höhe. 

12. Brauneisen. 

Das Brauneisen kommt als Zersetzungsproduct nur selten und 
in kleinen Quantitäten vor, als Product der Verwitterung erscheint 
es nach den Augitspathen und dem Magneteisen. 



I 



in dem Griinsteingebirge bei Neutitschein. J ',){) 

13. Eisenkies. 

Der Pyrit erscheint in kleinen Körnern im Gesteine eingesprengt, 
in deutlichen Krystallen in Spaltenräumen und Höhlungen der Gesteine, 
der Quantität nach so wie in den Dioritgesteinen. 

III. Kalkdiabas. 

Die Gesteine dieser Gruppe treten namentlich im Süden von 
Neutitschein auf, wo sie bei Blauendorf, Seitendorf, Hotzendorf häufig 
Erhebungen bilden. Die Felsart ist fast überall von gleichem Anse- 
hen, von graugrüner Farbe, die bei der Verwitterung in's Braune 
übergeht, von unebenem öfter auch von flachmuscheligem Bruche, 
meist von sehr feinem Korne, so dass sie zum grössten Theile Aphanit 
genannt werden kann. Unter dem Mikroskope zeigt sie stets drei ver- 
schiedene Bestandteile: einen weissen trüben Feldspath, kurze 
dunkelgrüne Säulchen von Augit und viele weisse Kalkspathköin- 
chen, welche hie und da eine gelbe Oberfläche bieten. Wird das 
Gestein mit Salzsäure angeätzt, so verliert es die grünliche Färbung 
und wird heller, die Betrachtung mit dem Mikroskope zeigt nun die 
Feldspath- und Augitkrystalle deutlicher, zwischen denselben ist der 
Calcit verschwunden und hat entweder leere oder mit einem Kiesel- 
skelet theilweise erfüllte rundliche Hohlräume hinterlassen. So wie 
die kleinen Calcitkügelchen verhalten sich auch die grösseren hie und 
da vorkommenden Partien dieses Minerales, wenn das Gestein mit 
Säuren behandelt wird. Sie lassen entweder rauhwandige Höhlungen 
oder auch mit einem Kieselskelet, öfter aber mit kleinen Quarzkrystal- 
len besetzte Bäume zurück. Splitter der von Calcit befreiten Gesteine 
schmelzen in der Luftröhrflamme leicht zu einem in Säuren lösli- 
chen Glase, das speeifische Gewicht der Grundmasse ist im Mittel 
2-8 .... 2*9. Die angeführten Beobachtungen lassen schliessen, dass 
der Feldspath- Bestandteil von Labrador gebildet werde und die 
Grundmasse stellt somit einen aphanitischen Labrador-Grünstein dar. 
Das äussere Ansehen des Gesteins variirt nur in zweierlei Beziehung. 
Manchmal werden die enthaltenen Calcitkugeln bedeutend gross und 
es entsteht so ein Aphanit -Mandelstein von schönem Aussehen, die 
weissen Calcitmandeln heben sich angenehm von der grünen Grund- 
masse ab. Manchmal hingegen tritt eine variolitische Structur auf. 



\ 40 Tschermak. Über secundäre Mineralbildungen 

Am Ende von Blauendorf am Bache »)> so wie bei Seitendorf finden 
sich Partien ausgezeichneten Variolites, der namentlich, wenn bereits 
eine oberflächliche Verwitterung eingetreten ist, durch die regel- 
mässig gefleckte Oberfläche von weitem bemerkbar wird. Die ein- 
zelnen hervorragenden Kugeln von etwa 8 Millim. Durchmesser lösen 
sich dann allmählich von einander und bilden zuletzt ein lockeres 
Aggregat, welches beim Stosse in Tausende von Kügelchen zerfällt. 
Die Variolite haben eine feinere körnige Grundmasse als die anderen 
Aphanite. Im frischen Zustande lässt sich ihre künftige Structur 
nicht leicht, öfters aber daran voraus erkennen, dass der Bruch nicht 
gleichförmig flachmuschlig erscheint, sondern die Bruchfläche von 
einer Menge kleiner Flächen zusammengesetzt wird, deren jede 
einer künftigen Kugel entspricht. 

Der Kalkdiabas zeigt in seinem Auftreten nirgends etwas Beson- 
deres. Das Verhältuiss desselben zu den übrigen Grünsteinen liess 
sich nicht bestimmen. Fernere Beobachtungen werden wahrschein- 
lich hierüber Aufklärung verschaffen. 

Als Producte secundärer Bildung können angeführt werden: 

1. Quarz. 

Die Kieselsäure kommt selten in grösserer Menge vor. Ausser- 
dem dass sie öfter in den vom Calcit befreiten Hohlräumen auftritt, 
findet man sie auch als Hornstein in Schnüren das Gestein durch- 
ziehend, neben weissem grobkristallinischen Calcit. Besonders schöne 
Partien solchen Vorkommens beobachtete ich im Kalkdiabas, der 
zwischen Seitendorf und Hotzendorf zu Tage steht. Es finden sich 
dort Hornsteinadern von 2 — G Cenlim. Dicke neben meist dickeren 
Adern von Calcit in einer mandelsteinartigen Masse. 

Ausgebildete Quarzkrystalle finden sich auch im Gesteine bei 
Blauendorf. 

2. Opal. 

Opal wurde nur an einem Orte beobachtet. Dies ist der Bruch 
am Ende von Blauendorf am rechten Bachufer. Er fand sich daselbst 
als Ausfüllung rundlicher Bäume im Gestein. Er war ganz undurch- 
sichtig, von gelblich weisser Farbe, ziemlich spröde. 



l) Dieser Variolit wurde von Prof. G lock er aufgefunden (siehe Jahrb. d. geologischen 
Reichsanstalt iö52, 3. lieft, S. 130J. 



in dem Grünsteingebirge bei Neutitschein. 14-1 

3. Calcit. 

DerCalcit ist, wie bereits erwähnt, in kleinen, kaum wahrnehm- 
baren Kugeln gleichmässig im Gesteine veitheilt. Diese Kugeln sind 
auch manchmal grösser und das Gestein gewinnt das Ansehen eines 
Mandelsteines. Jede Kugel zeigt meist ununterbrochene Theilbarkeit 
und stellt somit ein Individuum dar. Manchmal zeigt sich indess auch 
die Kugel feinkörnig, und es ist dies immer der Fall bei der Aus- 
füllung der Spaltenräume. 

Die Calcitkugeln in diesem Gesteine sind wohl kaum für secun- 
däre Bildungen zu erklären, vielmehr sprechen die Thatsachen, dass 
der Calcit in Kugeln auftritt, deren jede ein Individuum bildet und 
die gleichförmig in dem Gesteine verbreitet sind, für die Ansicht, 
dass die empordringende Gesteinsmasse eine bedeutende Menge 
Calcit aufgenommen und eingeschmolzen habe, der Art, dass das 
Carbonat nicht zerlegt wurde. Die Entstehung durch Infiltration ist 
viel weniger wahrscheinlich, da das frische Aussehen des Gesteines 
die Umgebung desselben und die oben angeführten Umstände sehr 
dagegen sprechen. Es wäre auch nicht begreiflich, wie gerade 
dieses Gestein eine so ungeheuere Metamorphose durchgemacht hätte, 
während die ringsum auftretenden Felsarten desselben Alters verhält- 
nissmässig gar nicht angegriffen worden wären. 

Es möge nun noch ein eigenthümliches Vorkommen besprochen 
werden, das den secundären Bildungen angehört. 

An manchen Stellen finden sich Partien eines dunklen grau- 
grünen körnigen Kalkes von eigentümlichem Aussehen. Die Spalt- 
flächen der einzelnen Körner sind fettglänzend oder matt, oft 
gekrümmt, das Korn ist gleichförmig, jedes Individuum von ungefähr 
5 Millim. Durchmesser. Der von den Spaltflächen eingeschlossene 
Winkel konnte annähernd bestimmt werden, indem die eine Fläche 
weiss bestrichen', hiernach beide bis zu deren Verschwinden zur 
Linie am Goniometer gedreht wurden. Es wurden Zahlen zwischen 
105° und 106° erhalten. Das Gestein hinterlässt beim Behandeln mit 
Säuren einen bedeutenden Rückstand, wird ein Stück davon in ver- 
dünnte Säure gelegt, so verschwindet bald das gleichförmig körnige 
Aussehen; man erblickt ein schön regelmässig geschichtetes, fein- 
sandiges Gestein und gewinnt so die Überzeugung, dass man es mit 
einem eigenthümlichen Producte wässerigen Absatzes zu thun habe. 



1 42 Tschermak. Über secundäre Mineralbildung'en 

Der beim Behandeln mit Säuren bleibende Rest, ein dunkelgrünes 
sandiges Pulver, ist gleichförmig im Gesteine vertheilt und bildet die 
Ursache des matten Aussehens der Spaltflächen. Ich habe die Be- 
standteile dieses Gesteines zu ermitteln versucht und dabei folgen- 
den Weg eingeschlagen : Von dem Gesteine, welches sich aus Kalk- 
und Magnesia- Carbonat, Eisenoxyd und einem alkalifreien Silicat 
bestehend erwiesen hatte , wurde eine gewogene Menge durch 
Essigsäure bei einer Temperatur von ungefähr 50° C. zerlegt. Aus 
dem gelösten Theile wurde das Eisen durch Schwefelammonium 
entfernt und in Oxyd verwandelt, Kalkerde und Magnesia nach den 
gewöhnlichen Methoden bestimmt. Der ungelöste Theil ward durch 
kohlensaures Natron aufgeschlossen, die Bestandteile wurden auf 
gewöhnliche Art bestimmt. Der Ammoniak -Niederschlag wurde in 
zwei Theile gesondert, in dem einen das Eisen, in dem andern die 
Summe von Eisenoxyd und Thonerde bestimmt. Zur Ermittlung der 
Menge der Kohlensäure diente der Apparat von Schaffner. Es 
wurden folgende Zahlen erhalten : 

Angewendete Menge Substanz: 1149 Gramm. 

Davon blieben in Essigsäure ungelöst 412*5 Mg. 

oder 34-29 Procent. 

1. Aus der Lösung wurden erhalten 876 Mg. 
schwefelsauren Kalkes, dem entspricht 360-7 

mg. Kalkerde oder 31-39 Procent. 

An pyrophosphors. Magnesia erhalten 84 Mg., 

entsprechend 29-4 Mg. Magnesia 2-63 „ 

Eisenoxyd 46 Mg., oder 4-00 

2. In dem aufgeschlossenen Theile blieb ein Kiesel- 
säurerückstand von 333 Mg., d. i 28-98 „ 

An Eisenoxyd wurden erhalten 11-2 Mg., ent- 
sprechend 10-1 Mg. Oxydul oder 1-76 „ 

Eisenoxyd und Thonerde wogen 31-5 Mg., daher 

die Thonerde 20-3 Mg., d. i 3-52 

An Magnesiasalz erhalten 20 Mg., entsprechend 
Magnesia 7-3 Mg., oder 0-63 

3. 1-131 Gramm Substanz verloren beim Behandeln 

mit Salzsäure 315 Mg. Kohlensäure .... 27-85 „ 

T00-76 Procent. 



in dem Grünsteingebirge bei Neutitschein. 143 

Im löslichen Theile wurden gefunden : 

Kalkerde 31-39 Procent, dem entsprechen an kohlensaurem Kalk 56*06 Procent. 
Magnesia 2-63 „ „ „ „ kolilens. Magnesia 5*53 „ 

Eisenoxyd 4" 00 „ „ „ „ Eisenoxyd . . . . 4 '00 „ 

Summe der lösliehen Bestandtheile . 65-59 Procent. 
Dieselhe wurde direct gefunden zu . 65-71 „ 
Kohlensäure aus der Menge der Basen berechnet . 27-157 „ 
„ direct gefunden 27-85 „ 

In dem unlöslichen Theile wurden gefunden: 

Kieselsäure 28-98 Procent. 

Thonerde 3 -52 „ 

Eisenoxydul 1-76 „ 

Magnesia 0*63 „ 

Summe der unlöslichen Bestandtheile . 34*89 Procent. 
Direct wurde dieselbe bestimmt zu . . 34*29 „ 

Die Zusammensetzung des löslichen Theiles ist demnach: 

85*47 Procent kohlensaure Kalkerde, 
8*43 „ „ Magnesia, 

6 10 „ Eisenoxyd. 

Der in Essigsaure unlösliche Theil besteht aus: 

83*07 Procent Kieselsäure, 
10*09 „ Thonerde, 

5*04 „ Eisenoxydul, 

1*80 „ Magnesia. 

Das untersuchte Gestein scheint demnach ein Product secun- 
därer Bildung aus Labrador und Augit zu sein. Man hat einerseits 
die Carbonate von Kalk und Magnesia (62 Procent), andererseits 
Eisenoxyd (4 Procent) und einen kieselsäurereichen Zersetzungsrest 
(34 Procent), der keiner bestimmten Verbindung entspricht. Dieser 
ist gleichförmig in dem Gesteine vertheilt, wovon ich mich durch 
die Zerlegung einer andern Partie mit Essigsäure überzeugte; der 
ungelöste Theil betrug 3356 Proeent, also nahezu die ohen ange- 
führte Menge. 

Man ersieht aus dem Ganzen , dass diese Zerlegungsproducte 
des Griinsteins , nachdem sie vom Wasser an einemPunkte abgesetzt 
waren, zu einer homogenen krystallinischen Masse erhärteten, der Art, 
dass die 34 Procente fremder Substanz mit dem Calcit gleichsam 



I 44 T s c h e r m a k. Über secundäre Mineralbildungen 

mitkrystallisirten. Dies erinnert an die sogenannten Sandstein - 
Krystalle vom Mont-rnartre, doch ist hier die Erscheinung etwas ver- 
schieden, immerhin aber recht interessant. 

Solche Gesteinspartien fand ich im Kalkdiabas von Blauen- 
dorf, vom Herrn Pfarrer Prorok erhielt ich ein Handstück von 
Senftlehen. 

4. Chlorit. 

Der Chlorit findet sieh oft im Kalkdiabas, doch ist die Gegen- 
wart desselben meist schwer zuerkennen, da er gleichsam staub- 
förmig im Gestein vertheilt ist. Dagegen erscheint ein Vorkommen 
desselben wegen seiner Eigentümlichkeit bemerkenswert!!. Bei 
Hotzendorf fand sieh in einem Bruche eine Aphanitpartie, welche 
sogleich durch eine Menge grüner Blättchen, die dem Gestein ein- 
gewachsen waren, auffiel. Die Blattchen hatten im Mittel 1 Centim. 
Länge und Breite, bei sehr geringer Dicke und unregelmässigem 
Umrisse. Sie lagen in keiner bestimmten Richtung zu einander, 
sondern waren ohne Regel in verschiedenen Ebenen geneigt. Mit 
der Nähe der Erdoberfläche wuchs die Menge der Blättchen. Sie 
besassen keine glänzende Oberfläche, sondern einen derartigen 
Schimmer, als ob sie aus kleinen Schüppcheu bestünden. Das letz- 
tere bestätigt sich sogleich bei der Betrachtung mit dem Mikroskope. 
Jede solche Partie , welche dem blossen Auge als ein Blättchen 
erschien, besteht aus einer Schaar von kleinen Chlorit-Krvstallen 
von der Form OP . coP , an denen man die sechseckigen Umrisse 
meistens deutlich wahrnimmt. Die Pinakoide liegen sänimtlich in 
einer Ebene , daher es kommt , dass die ganze Gruppe als ein 
Blättchen erscheint. Die Zwischenräume zwischen den Krystallen 
sind fast so breit als die letzteren. Die Krystalle stehen nicht parallel. 

Das Eigenlhümliche dieses Vorkommens liegt namentlich darin. 
dass hier ein Nebeneinanderlagern kleiner Krystalle eintrat, wobei 
das Gestein gleichsam durchdrungen werden musste. Wenn man 
indess bedenkt, dass bei der mikroskopischen Kleinheit der Krystalle 
in dem etwas porösen Gestein sich der eulsprechende Baum genü- 
gend vorfand, und dass der Thatsachen, die einen gegenseitigen Ein- 
lluss der Krystalle während der Krystallisation beweisen, bereits 
mehrere bekannt sind , so erscheint diese secundäre Bildung nicht 
befremdend. 



in dem Grünsteingebirge bei Neutitschein. 



145 



Zeolithe. 

Im Bereiche des Kalkdiabas wurden keine Mineralien dieser 
Familie beobachtet , doch ist dadurch nur bewiesen, dass keine 
grosseren Mengen derselben auftreten. Fernere Beobachtungen 
werden ein mehr entscheidendes Resultat liefern können. 

5. Pyrit, Magnetit, Brauneisen. 

Geringe Mengen dieser Substanzen finden sieh überall im ivalk- 
diabas. Das Auftreten ist dasselbe, wie in den übrigen Gesteinen. 



Die folgende Tafel gibt eine Übersicht der in dem Grünstein 
beobachteten secundären Mineralien, letztere nach den genannten 
Gesteingruppen geordnet. In den Zwischencolumnen ist durch die 
Zeichen > , < , = angedeutet, ob in dem einen Gestein die auf- 
tretende Menge des bezeichneten Minerals grösser oder geringer 
sei als in dem anderen , oder ob das Mineral in ungefähr gleicher 
Menge vorkomme. 



D i o r i t 


> 
< 


Diabas 


< 


Kalkdiabas 


Bestand: 
Anorthit, Amphibol, Augil 


Bestand: 
Anorthit. Augil, Amphibol 

Secund. Bildungen: 

Quarz 

Caleit (Arragonit) 


Bestand: 
Labrador, Augit 

Secund. Bildungen: 

Quarz, (Opal) 
Caleit 

Chlorit 

Magneteisen 

Pyrit 
Brauneisen 


Secund. Bildungen: 

Caleit 


Baryt 




Steatit 




Serpentin .... 


< 
> 








< 


Analcim 

Natrolitli .... 
Magneteisen . . . 

Pyrit 

Brauneisen .... 


< 

> 
< 




Skolezit 




Natrolitli .... 




Magneteisen . . . 

Pyrit 

Brauneisen .... 


■^ 



Die Übersicht der secundären Mineralien zeigt, dass die beiden 
ersten Abtheilungen der Grünsteine fast genau gleiche Zerlegungs- 
produete liefern, was der gleichen Zusammensetzung genau entspricht. 
Der Diabas unterscheidet sich indess doch durch die bedeutende 



14b T s c h e r m a k. Über secundäre Mineralbildungen etc. 

Serpentinbildimg und durch die grössere Menge des Magneteisens, 
was wieder dem Umstände entspricht, dass das ursprüngliche Gestein 
reicher an Augit ist als die Diorite. Der Kalkdiabas zeichnet sich 
durch die geringe Verschiedenheit der secundären Mineralien aus. 
Es fehlen namentlich die Silicate. 

Sämmtliche Zersetzungsproducte lassen sich naturgemäss in 
folgende Abtheilungen bringen: 1. Kieselsäure und Carbonate, 2. im 
Wasserlösliche Silicate oderZeolithe, 3. unlösliche Silicate, 4. Eisen- 
erze. Dieser Eintheilung entsprechen auch die einzelnen Perioden 
der Zersetzung: im Anfange erscheinen namentlich Kieselsäure und 
Calcit, einer spätem Periode gehören die Zeolithe an, die unlös- 
lichen Silicate treten zugleich mit diesen auf und nehmen dann mit 
dem Fortschreiten der Zersetzung rasch an Menge zu. Sie bilden 
die an Ort und Stelle bleibenden Zerlegnngsreste, während die Zeo- 
lithe meist weiter geführt werden. Die Eisenerze treten sogleich im 
Anfange in bedeutender Menge auf, später erfolgt deren Ausschei- 
dung in geringerer Menge allmählich und gleichförmig. 

Die zwei Hauptstadien der Zersetzung lassen sich schon bei 
oberflächlicher Betrachtung der Gesteine studiren. In dein ersten 
Stadium zeigen dieselben nur Quarz und Calcit ausgeschieden, in 
der zweiten Periode erscheinen darin Glimmer, Serpentin, Zeolithe. 
Der Kalkdiabas zeigt blos die erstere Erscheinung. .Ie nach den 
speciellen Einflüssen, denen das Gestein ausgesetzt ist, erfolgen dann 
verschiedene Erscheinungen der Zersetzung. Doch kann nur eine 
genaue und eingehende Untersuchung der Auffindung der einzelnen 
Ursachen, der Erklärung des ganzen Vorganges entgegenführen. 

Die im Vorigen angeführten Beobachtungen sind noch nicht 
vollständig genug , um den Grund für ein genaueres Studium der 
Umwandlung des Grünsteins jener Gegend abzugeben. Erst eine 
eingehende Untersuchung der weniger veränderten Felsarten, ver- 
bunden mit genauen Beobachtungen an vielem veränderten Material 
aus den verschiedenen Stadien der Umwandlung, werden einen tie- 
feren Einblick in den ganzen Vorgang verschallen. Mir fehlte es an 
Mitteln, dies schon jetzt auszuführen. Das Interesse für diese Stu- 
dien ist nicht so allgemein, als dass viele Unternehmungen in dieser 
Richtung zu erwarten Mären. So bleibt denn immer vieles der 
Zukunft überlassen. Die Gegend, über welche der vorliegende Auf- 
satz handelt, ist bezüglich der sedimentären Bildungen von Hohen- 



T.silicrniak Übersee Mmeralbd im Grinistgeb b. Neutitsckein.. TafI 








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Sit7,un<lNb ilk.ARad d. W. tuatli lu.liirw Cl.XL. Bd. N? 8. 1860. 



Tsdicrmab Über aecimdüe Minerallii 



■[i,.i.-liii---.- bei N«uli1.m)li«a 







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il..„,,.j.<l, ,1 k Ak„,l ,1 V miitll nntuiw.n XL RJ X° 3.1860. 



Reuss. Die Foramiuiferen der westphälischen Kreideformation. 14< 

egg er durchforscht worden, so dass für das Studium der dortigen 
Grünsteine schon eine sichere Basis gewonnen ist. Es wäre nur zu 
wünschen , dass diese Gegend , welche für die Petrographie der 
genannten Gesteinsgruppe vieles Interessante zu liefern verspricht, 
noch ferner der Gegenstand eifriger Forschung würde. 

Ich habe den Versuch gemacht, auf die vielen interessanten 
Erscheinungen, welche die dort auftretenden Eruptivgesteine bieten, 
aufmerksam zu machen, nicht als ob die anderen Vorkommnisse dieser 
Art in der Monarchie besser studirt wären, sondern weil ich Gele- 
genheit hatte, eben dort einige Beobachtungen zu sammeln, die ich 
der Mittheilunff für werth hielt. 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 
Von dein w. M. Prof. Dr. Aug. Em. Reuss. 

(Mit 13 Tafeln.) 



(Vorgelegt in der Sitzung am 20. Oetober 18Ö9.) 

1. Allgemeine Bemerkungen. 

Seit zwei Decennien, als man überhaupt der Kreideformation eine 
grössere und ausgedehntere Aufmerksamkeit zu widmen begonnen 
hat, haben auch die Kreidegebilde Westphalens, die eine so reiche 
Fülle wolilerhaltener Versteinerungen beherbergen, das Interesse der 
Geognosten und Paläontologen in hohem Grade erregt. F. A. Bö- 
mer *) war jedoch der erste, der es versuchte, nach den vorliegen- 
den Petrefacten das relative Alter einiger dieser Schichten sorgfäl- 
tiger festzustellen und dieselben mit den in der Kreideformation 
anderer Länder , besonders Englands , das in dieser Beziehung 
damals allein etwas genauer bekannt war, nachgewiesenen Etagen 
zu parallelisiren. Dieser Versuch konnte in einer Zeit, wo die »eo- 
gnostische und paläontologische Kenntniss der Kreideformation im 
Allgemeinen und der westphälischen insbesondere noch sehr unvoll- 



') Die Versteinerungen des norddeutschen Kreidegehirges. Hannover 1841. 



1 4(S R e u s s. 

kommen und lückenhaft war, natürlich nicht in allen Beziehungen 
vollkommen gelingen. 

Später hat der 7.11 früh der Wissenschaft entrissene Professor 
Becks in Münster durch eifriges locales Forschen und Sammeln 
von Versteinerungen wesentlich zur Förderung der Kenntniss des 
in Rede stehenden Schichtensystemes beigetragen. Leider sind 
die Resultate seiner Forschungen nicht veröffentlicht, sondern nur 
theilweise von Anderen benutzt worden. Die vollständigste und dem 
jetzigen Stande der Wissenschaft entsprechendste Untersuchung der 
Kreidegebilde Westphalens verdanken wir Herrn Prof. Dr. F. Römer. 
der die Ergebnisse derselben in einer umfassenden Monographie *) 
zur Kenntniss der gelehrten Welt brachte. Nicht wenig haben ferner 
zur Aufhellung mancher dunkler Punkte und zur Berichtigung 
einzelner Irrthümer die trefflichen sehr detaillirten Untersuchungen 
beigetragen, die Herr v. Strombeck über die Reihenfolge, beson- 
ders der norddeutschen Kreideschichten anstellte. Endlich darf ich 
die Bereicherungen nicht unerwähnt lassen, welche besonders der 
chemischen Kenntniss der westphälischen Kreidegebilde durch die 
eifrigen und erfolgreichen Bemühungen des Herrn von der Marck 
in Hamm zu Theil wurden 2 ). 

Gleichen Schritt mit den geognostischen Studien dieser Gebilde 
gingen die paläontologischen Forschungen; ja diese bildeten vielmehr 
die Basis der ersteren. Schon Goldfuss lieferte in seinem bekannten 
Prachtwerke: „Petraefacta Germaniae" die Beschreibung und Abbil- 
dung einer nicht unbedeutenden Anzahl von Versteinerungen aus den 
in Rede stehenden Schichten, welche Graf von Münster gesammelt 
hatte. Eine noch grössere Anzahl derselben finden wir in dem schon 
oben angeführten Werke F. A. Römer's verzeichnet und bildlich 
dargestellt. Ihre Zahl wurde durch den Sammeleifer des Prof. 
Becks nicht unbedeutend vermehrt. F.Römer benützte dieselben 
vorzugsweise zur Charakterisirung einzelner Etagen der westphäli- 
schen Kreideformation und zur Bestimmung ihres Alters, und lieferte 



1 ) Die Kreidebildungen Westphalens. Eine geognostische Monographie. Bonn 1854. 

~) Chemische Untersuchung von Gesteinen der oberen westphälischen Kreideformation. 
In den Verhandl. d. naturf. Ver. f. Rhein), u. Westph. Bd. XII, p. 2Cü> u. f., und in 
d. Zeitschrift d. deutschen geol. Ges. Bd. VIII, p. 1T>2 n. f. — Chemische Untersuchung 
westphälischer Kreidegesteine. Zweite Reihe. In d. Verhandl. der nalurf. Ver. f. 
Rheinl. u. Westph. Jahrg. XVI. 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 14:9 

zuerst vollständigere Listen der in einzelnen derselben vorkommen- 
den Versteinerungen. Werthvolle Beitrage hat in der jüngsten Zeit 
auch Herr von derMarck, besonders durch Beschreibung interes- 
santer Reste von Fischen, Crustaceen und Cephalopoden geliefert *). 
Eine vollständige Zusammenstellung der westindischen Kreidever- 
steinerungen ist aber bisher noch nirgends gegeben worden. 

Alle genannten Untersuchungen beschränken sich ferner auf die 
grösseren Versteinerungen. Jene von sehr kleinen Dimensionen, wie 
z. ß. die Foraminiferen wurden bisher gänzlich vernachlässigt, trotz- 
dem dass sie dieselbe Bedeutung für die Charakterisirung der einzel- 
nen Schichten für sich in Anspruch nehmen können , wie die Reste 
höher organisirter Thiere. Herrn von der Marck gebührt das 
Verdienst, zuerst seine Aufmerksamkeit dieser umfassenden aber 
sehr stiefmütterlich behandelten Thierclasse innerhalb der westphäli- 
schen Kreidegebilde zugewendet zu haben. Er scheute die mühevolle 
Arbeit nicht, eine grosse Anzahl derselben zu sammeln und theilweise 
auch zu bestimmen. 

Einen Theil der gewonnenen Resultate legte er in einer interes- 
santen Abhandlung über die Diluvial- und Alluvialablagerungen im In- 
nern des Kreidebeckens von Münster nieder, welche eine reiche Fülle 
von Kreideversteinerungen auf secundärer Lagerstätte beherbergen. 
Überdies stellte er umfassende Listen der in den Kreideschichten 
zahlreicher einzelner Localitäten gefundenen Arten zusammen, die 
er im Manuscripte mir mitzutheilen die Gefälligkeit hatte. Ebenso 
verdanke ich seiner zuvorkommenden Güte Schlämmrückstände der 
Kreidegesteine von zahlreichen Fundstellen, welche grösstenteils 
mehr weniger reich an Foraminiferenschalen waren, so wie einzelne 
Partien schon ausgelesener solcher kleiner Fossilreste. Mit diesen 
weithvollen Gaben verband Herr von der Marck zugleich das 
Ersuchen, das erhaltene Material einer genauen Untersuchung zu 
unterziehen und das Resultat als einen Beitrag zur umfassenden 
paläontologischen Kenntniss Westphalens der Öffentlichkeit zu über- 
geben. 

Sehr gerne habe ich die gewünschte und auf die freundlichste 
und uneigennützigste Weise unterstützte Arbeit unternommen und 



*) Über einige Wirbelthiere , Crustaceen und Cephalopoden der westphälischen Kreide. 

In der Zeitschrift der deutschen geol. Ges. 18Ö8, p. 231 u. f. 



150 Reuss. 

theile nun die Ergebnisse derselben auf den nachfolgenden Blättern 
mit, mit dem Wunsche, dadurch wenigstens theilweise eine Lücke 
in der Kenntniss der reichen Kreidefauna Westphalens ausgefüllt zu 
haben. 

Die Zahl der wohlerhaltenen, zum grössten Theile mit voll- 
kommener Sicherheit bestimmbaren Foraminiferenarten, die in den 
Gesteinen der westphälischen Kreideformation aufzufinden mir gelang, 
erhebt sich bis zu 152. Es ist übrigens wahrscheinlich, dass diese 
Zahl sich in der Folge noch bedeutend erhöhen wird. Von den 
genannten Arten ist unter den Monothalamien nur die Gattung Cornu- 
spira, welche nebst Lagena unter denselben am frühesten aufzutreten 
scheint, durch eine Species vertreten. Die übrigen 151 Arten sind 
ohne Ausnahme mehrkammerige Arten (Polythalamia, Polystegia) . 
Von den Hauptabtheilungen derselben erscheinen hier die Sticho- 
stegier (68 Arten), Helicostegier (70 Arten) und Enallostegier 
(13 Arten). Die Agathistegier, die in der Kreideformation überhaupt 
nur selten und ausnahmsweise zum Vorschein kommen , scheinen 
der westphälischen Kreide ganz zu fehlen. Ebenso suchte ich unter 
den Helicostegiem die Abtheilung der zweireihigen Cassiduliniden 
vergebens. 

Die 68 Species von Stichostegiern sind auf 7 Gattungen ver- 
theilt — Nodosaria und Dentalina aus den Nodosariden; Glandulina 
aus den Glanduliniden ; Frondicularia und Iihabdogonium aus den 
Frondiculariden ; Vaginnlina aus äenVaginnliniden und Pleurosto- 
mella aus den Pleurostomelliden. Neben den Stichostegiern (Iihab- 
doideen) sind unter den Helicostegiem die gleichseitigen Nauti- 
loiden mit 37 Arten besonders reich vertreten, während die doch 
eine weit grössere Anzahl von Gattungen umfassenden ungleich- 
seitigen Turbinoidcn nur 29 Arten , die in den Kreidegebilden 
überhaupt seltenen Polymorphinideen nur 4 Arten geliefert haben. 
Unter den Nautiloidcn ist es wieder die Familie der Cristellariden, 
die die Mehrzahl der erwähnten Arten (33) dargeboten hat. Neben 
ihnen sind aber auch die Pencropliden mit 3 Arten, die überhaupt 
vorzugsweise der Tertiärzeit und der Jetztwelt angehörigen Nonio- 
niden nur mit einer Species vertreten. 

Unter den Turbinoiden fallen nur die Gattungen Rotalia 
(6 Arten) und Bulimina (9 Arten) durch eine grössere Artenzahl auf. 
Dagegen erscheinen sämmtliche bisher in der Kreide überhaupt 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 



151 



bekannten drei Gaudryina - Arten in den westphälischen Kreide- 
gebilden. — Die 13 Arten der Textilarideen gehören nur zwei 
Gattungen — Proroporus (1 Sp.) und Textilaria (12 Sp.) — an. 

Das eben Angegebene lässt sich deutlicher und mit einem 
Blicke aus der nachstehenden tabellarischen Übersicht, deren Anwen- 
dung sich yoii selbst ergibt, ersehen. 



Cristellaridae 



Peneroplidae 



Cornuspira S c h u 1 1 z e 

Nodosaria d'Orb 10) , T , . , 

} Jyodosaridae . • 

Dentalina d'Orb 28) 

Glandulina d'O r b 3J Glandulinidae . 

FrondiculariaVeir.. . . ^) Fron(Ucularidae 

Rhabdogonium Rss. . . . 3[ 

Vaginulina d'Orb 4} Vaginulinidae . 

Pleurostomella Rss. . . . 2} Pleurostomellidae 

Margimdina d'Orb. . . . 11 
Cristellaria d'Orb. . . .16 

Robulina d'Orb 1 

Flabellina d'Orb 5 

Haplopliragmium Rss. . . 2 

Lituola Lamk 1 

Nonionina d'Orb ll Nonioninidae 

Rotalia Lamk 6 

Valmdina d'Orb 2 

Rosalina d'Orb 2 

Anomalina d'Orb 2 

Truneatulina d'Orb. ... 1 

Globigerina d'Orb. ... 1 

Bulimina d'Orb 9 

Verneuilina d'O r b. . . . 2 

Tritaxia Rss 1 

Gaudryina d'Orb 3 

Pyrulina d'Orb 1 

Guttulina d'Orb 1 

Globulina d'Orb 2 

Proroporus Ebrbg. . 
Textilaria Defr. . . 



Tabellarische Ibersicht. 

. 1} Monothalamia 1 

. 38\ \ 



s. 



I 68 



33 

3 

1 



^•27 

o 



1 ) an 



5-29N3 



70 



•« !? 



1 4 



n 

12) 






§13 



Die Gesteine, in deren Schlämmrückständen ich Foraminiferen 
in grösserer oder geringerer Zahl aufgefunden habe, gehören theils 
den oberen Seiionschichten mit Belemnitella mucronata, theils dem 
unteren Senonien (Schichten mit Belemnitella quadrata), theils dem 
Pläner, theils der Tourtia, theils dem Gault an. 



SiUfo. (1. matuein.-uaturw. Cl. XL. Bd. Kr. N. 



II 



152 I! e u s s. 

Die untersuchten Gesteine der oberen Senongrnppe stammen 
vom Hilgenberge, Westberge, Herrnsteinberge, Kurkenberge bei 
Hamm , von Dolberg und Süstwarte bei Beckum, und von Drenstein- 
furth. Der unteren Senongrnppe zuzurechnen sind die Gesteine von 
Hamm, Flierich, Haustenbeck, Bergeamen, Uedinghoff, Ostheide bei 
Hamm und vom Rhynerberg bei Haustenbeck an der Senne. In das 
Gebiet des Pläners müssen die Schichten von Horde, Ahaus, Unna, 
Graes, Wullen bei Ahaus, und Opherdieke, so wie die oberen Schich- 
ten von Essen und von Rheine eingereiht werden, während die tiefer 
liegenden von letzterer Fundstätte dem Gault beizuzählen sind. 
Am wenigsten ergiebig in Beziehung auf Foraminiferen waren die 
Gesteine der Tourtia von Essen und von Spelldorf zwischen Essen 
und Mühlheim; der grösste Reichthum dagegen entfaltete sich in den 
oberen Senonmergeln des Hilgenberges bei Hamm. 

Ich halte es für überflüssig, die in den Gesteinen jeder der eben 
genannten Localitäten aufgefundenen Foraminiferen speciell anzu- 
führen, um so mehr da im speciellen Theile dieser Abhandlung ohne- 
dies bei jeder Species sämmtliche mir bekannte Fundorte namhaf 
gemacht werden. Eine wiederholte Aufzählung würde einerseits 
unnbthigen Raum in Anspruch nehmen und überdies den Leser 
ermüden. Von der andern Seite könnten die gegebenen Listen doch 
keinen Anspruch auf irgend eine Vollständigkeit machen, da meine 
Untersuchungen sich nur auf die geringe Menge des mir zur Dispo- 
sition gestellten Schläuimrückstaudes stützen. Eine vollständigere 
Übersicht der Foraminiferenfauna einer Localität Iässt sich aber nur 
durch fortgesetzte und möglichst umfassende Forschungen erlangen, 
weil nach meinen bisherigen vielfachen Erfahrungen jede einzelne 
Schichte neben einer Anzahl durch alle identische Schichten hin- 
diirchgeliender gemeinschaftlicher Arten immer mehr weniger zahl- 
reiche eigenthümliche Formen umschliesst. 

Herr von der Marck führt desshalb in seinen Verzeichnissen 
von manchen Fundorten eine grössere Anzahl von Arten an, als ich 
zu entdecken im Stande war , und manche Gesteine, in denen ich 
durch meine beschränkten Untersuchungen nichts aufzufinden ver- 
mochte, haben ihm bei reicherem Materiale eine Ausbeute geliefert. 
Ich beschränke mich daher darauf, die Foraminiferen, welche ich in 
den allgemein angenommenen Schichtengruppen der westphälischen 
Kreideformation durch Autopsie kennen gelernt habe, collectiv zu- 



Die Foraminiferen der westphälischen Ki-eideformation. 153 

sammenzustellcn, da sich daraus wenigstens annähernd jene Formen 
ergeben werden, die als charakteristisch für die einzelnen Etagen 
anzusehen sind. 

Die grösste Anzahl von Arten lieferte die obere Abtheilung der 
Senongruppe — die Schichten mit Belemnitella mucronata — , ins- 
besondere jene vom Hilgenberge bei Hamm, die einen ungemeinen 
Formenreichthum zu beherbergen scheint. Die gefundenen Arten 
sind: Cornuspira cretacea Rss. (1), — Nodosaria lepida m., N. 
concinna m., N. intercostata m., N. obscura Rss., N. Zippei 
Rss., N. inflata Rss. (6), — Dentalina acuminata m., D. subrecta 
m., D. megalopolitana Rss., D. annulata Rss., D. pugiunculus m., 
D. cognata rn. , D. Lilli Rss., D. marginuloides Rss., D. cylin- 
droides m. , D. catenulu m., D. oligostegia Rss., D. Lomeiana 
d'Orb., D. gracilis d'Orb., D. legumen Rss., D. expansa m., 
D. filiformis Rss.?, D. lineolata Rss., D. Marcki m., D. acu- 
leata d'Orb. (19), — Glandidina manifesta Rss., Gl. elongata 
in., Gl. cylindracea Rss. (3), — Frondicularia turgida Rss., 
Fr. angulata d'Orb., Fr. Decken i m., Fr. BecJcsi m., Fr. Gold- 
f'ussi in., Fr. marginata Rss., Fr. striatula Rss., Fr. inversa 
Rss., Fr. angusta Nilss. , Fr. angustissima m., Fr. Archiacina 
d'Orb. (H), — Khabdogonium Römeri m., Rh. globuliferum m., 
(2), — Pleurostomella subnodosa m. (1), — Marginulina bid- 
lata Rss., M. elongata d'Orb., 31. ensis Rss., M. bacülum m., 
M. seminotata m. , 31. omatissima m. (6), — Cristellaria recta 
d'Orb., Cr. Hagenowi m., Cr. inepta m., Cr. harpa m., Cr. trian- 
gularis d'Orb., Cr. Marcki m. , Cr. inflata m. , Cr. ovalis Rss., 
Cr. rotulata Lam. sp., Cr. microptera m. (10), — Robulina lepida 
Rss. (1), — Flabellina rugosa d'Orb., Fl. interpunctata v. d. 
Marck,i<7. macrospira m. (3), — Haplophragmium aequale Rom. 
sp., H. irreguläre Rom. sp. (2), — Lituola nautiloidea Lam. (1), 
Nonionina quaternaria Rss. (1), - — Rotalia polgrraphes Rss., 
R. eoesculpta m., /?. nitida Rss., i?. 31icheliniana d'Orb. (4), — 
Valrulina allomorphinoides in. (1), — Rosalina ammonoides Rss., 
.#. marginata Rss. (2), — Anomal ina moniliformis Rss. (1), — 
Bulimina varbiailis d'Orb., Z>. ofos« Rss., 2?. Murchisoniana 
d'Orb. 2?. intermedia Rss., 2?. Ovulum Rss., 2?. Presli Rss., 2?. 
Orbignyi Rss., (7), — Yerneuilina Bronni Rss., F. Münsteri 
Rss. (2), — Tritaxia tricarinata m. (1),— Gaudryina oxy- 

11* 



[ 5 4 R e U 8 s. 

cona m., G. rugosa d'Orb. (2), — Pyrulina acuminata d'Orb. 
(1), — Guttulina elliptica Rss. (1), — Globulina globusa v. M. 
sp., G. porrecta m. (2), — Textilaria tarris d'Orb., T. conulus 
Rss., T. pupa m., T globifera m. , T. concinna Rss., T. foeda 
Rss., T, Partschi Rss., T. flexuosa m. (8). 

Vorstellende Liste weiset in den westphälischen Mukronateu- 
scliicbten die bedeutende Zahl von 99 Arten auf, — eine Anzahl, die 
durch fernere Untersuchungen ohne Zweifel vermehrt werden wird. 
Überblickt man die Liste nur flüchtig, so bemerkt man sogleich, dass 
die monothalamen Foraminiferen, die überall erst in der Tertiärperiode 
in etwas reicherer Artenzahl erscheinen, hier nur durch Comuspira cre- 
tacea vertreten werden, sämmtliche anderen 98 Arten aberpolythalame 
Formen sind. Von diesen fallen 42 Arten auf die Stichostegier, 48 auf 
die Helicostegier und 8 Arten auf die Textilariden. Von den Helico- 
stegiern gehören 24 Arten den gleichseitigen Nautiloiden — und zwar 
20 den Cristellariden , 3 den Peneropliden und 1 den Nonioniden 

— an, 20 Species den ungleichseitigen Turbinoiden und nur 4 den 
Polymorphiniden, die sich auch erst in derTertiärperiode zu reicherer 
Fülle entfalten. Wir sehen, dass also auch hier, wie in der gesammten 
Kreideformation, die Stichostegier und die Cristellariden die grösste 
Artenzahl und Mannigfaltigkeit entwickeln. Die reichste Artenzahl 
bieten übrigens die Gattungen Nodosaria (5), Dentalina (19), 
Frondicularia (11), Cristellaria (10), Bulimina(7), und Textilaria 
(8) dar, und hierin kömmt die westphälische Kreide mit jener anderer 
Länder überein. 

Die untere Abtheilung der Senonschichten — die Schichten mit 
Belemnitella quadrata — lieferten mir: Comuspira cretacea Rss. 
(1), — Dentalina tenuicaudata m., D. distincta m.?, D. discre- 
pans in., D. cylindroides m., D. Lorneiana d'Orb., D. communis 
d'Orb., D. gracilis d'Orb., D. legumen Rss., D. aculeata 
d'Orb. (9), — GlanduUna cylindracea Rss. (I), — Frondi- 
cularia marginata Rss., Fr. striatula Rss., Fr. lanceola m. (3), 

— Margiuulina lata m., M. modesta in., M. ensis Rss. (3), — 
Cristellaria navicula d'Orb., Cr. ovalis Rss., Cr. rotulata Lam. s p. 
(3), — Flabellina rugosa d'Orb., Fl. cordata Rss., Fl. interpunc- 
tata v. d. Mk. (3), — Haplophragmium irreguläre Rom. sp. (1), 

— Nonionina quaternaria Rss. (1), — Iiotalia polyrraphes 
Rss., II. e.vsculpta m., It. nitida Rss., R. Micheliniana d'Orb. 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 1 o5 

(4), — Valvulina allomorphinoides m. , V. spicula Rss. (2), — 
Rosalina marginata Rss. (1), — Truncatulina convexa Rss. 
(1), — Globigerina cretacea Rss. (1), — Bulimina variabilis 
d'Orb., B. Murchisoniana d'Orb., B. Ovulum Rss., B. Presli 
Rss., B. Orbignyi Rss. (5), — VerneuiUna Bronni Rss., 
V. Münsteri Rss. (2), — Tritaxia tricarinata m. (1), — 
Gaudryina oxycona m., G. rugosa d'Orb. (2), — Globulina 
porrecta m. (1), — Textilaria conulus Rss., T. pupa in., 
T. globifera m., 7". /o^rf« Rss., T. anceps Rss., 7 1 . praelonga 
Rss., T. flexuosa m. (7). 

Die Zahl der im unteren Senonien gefundenen Foraminiferen ist 
demnach beinahe nur halb so gross, als in dem oberen. Sie beträgt 
nur öl Arten. Sie gehören, mit Ausnahme der schon vorerwähnten 
Cornuspira, insgesammt den Polythalamien an. Wiewohl diese der 
Art nach grösstentheils mit jenen der oberen Senonschichten über- 
einstimmen, so stellen sich doch in der Quadratenkreide die relativen 
Zahlenverhältnisse ganz anders dar. Die Stichostegier treten sehr 
zurück, belaufen sich nur auf 13 Species, während die einreihigen 
Helicostegier 31 Species , mithin mehr als das Doppelte liefern. 
Unter den letzteren sind wieder die Nautiloiden im Verhältnisse zu 
den Turbinoiden in den Hintergrund getreten ; beide verhalten 
sich wie 11 : 19. Die Polymorphiniden sind bis auf vier Species 
herabgesunken. Dagegen haben die Textilariden relativ nicht ab-, 
eher zugenommen ; sie haben noch 7 Arten aufzuweisen. Die 
artenreichsten Gattungen des unteren Senon sind: Dentalina (9), 
Bulimina (5) und Textilaria (7); die anderen bei dem oberen 
Senonien hervorgehobenen sind an Artenfiille schon zurück- 
gegangen. 

Noch geringer scheint die Zahl der Arten zu sein, welche der 
westphälische Pläner umschliesst. Ich kann nach eigener Untersuchung 
nennen: Cornuspira cretacea Rss. (1), — Dentalina subrecta in., 
D. legumen Rss. (2), — Cristellaria acuta m.?, Cr. rotulata Lam. 
sp. (2), — Haplophragmium irreguläre Rom. sp. (1), — Rotalia 
lenticula Rss. ,i?. polyrraphes Rss. , R. nitida Rss., R. Miche- 
liniana d'Orb. (4), — Valvulina spicula Rss. (1), — Rosalina 
ammonoides Rss., R. marginata Rss. (2), — Anomalina compla- 
nata Rss. (1), — Globigerina cretacea d'Orb. (1), — Bulimina 
variabilis d'Orb., B. Murchisoniana d'Orb., B. Ovulum Rss., B. 



1 50 R e u ss. 

Presll Rss., B.Orbignyi Rss., B.polystropha Rss. (6), — Verneui- 
lina Münsteri Rss. (1), — Tritaxia tricarinata m. (1), — Gau- 
dryina pupoides d'Orb., G. oxycona Rss. (2), — Textilaria tur- 
ris d'Orb., T. globifera Rss., T. concinna Rss., T. foeda Rss., 
T. anceps Rss., T. praelonga Rss. (6). — 

Die Zahl der Arten, welche ich aus dem Pläner Westphalens 
sammelte (31), beträgt beinahe nur ein Dritttheil jener der oberen 
Senonabtheilung. Auch hier gehören beinahe wieder alle (o0) 
den Polythalamien an. Die vorwiegendste Gruppe bilden aber im 
Gegensatze zu den früher dargelegten Ergebnissen die llelico- 
stegier mit 22 Species, von denen der bei weitem grösste Theil (19) 
den Turbinoiden, nur drei den Nautiloiden angehören. Die Zahl 
der Stichostegier ist sogar bis auf zwei Dentalina- Arten herab- 
gesunken. Die Gattung Textilaria ist in ihrer Artenzahl beinahe 
gleich geblieben (6). Neben diesen sind Bulimina und Rotalia 
(4) die artenreichsten Gattungen. In der Individuenzahl dürften 
aber Rosalina marginata und Globigerina cretacea alle anderen 
übertreffen. 

Reicher an Arten ist wieder der Gault, von dem aber nur die 
oberste Abtheilung — der Minimusthon — bei Rheine entwickelt 
zu sein scheint. Wenigstens gehören alle Schichten, von denen mir 
Proben zur Untersuchung vorlagen, diesem an. Die Entscheidung, 
ob auch tiefere Schichten dieser Gruppe innerhalb der Grenzen 
Westphalens entwickelt sind, muss künftigen Forschungen anheim- 
gestellt bleiben. Die von mir nachgewiesenen Foraminiferenarten 
sind: Cornuspira cretacea Rss. (1), — Nodosaria nana m., N. 
duplicicostata m. , N. obscura m., N. prismatica m. , X. tetragona 
m. (5), — Dentalina subrecta m. , D. commutata m. , D. distincta 
m.,D. cyUndroides m.,D. catenula m. , D. strangulata in., D. 
intermedia m., D. legumen Rss. (8), — Frondicularia gaultina 
m., Fr. g uest phalica m. (2), — Vaginulina transversalis m., V. 
arguta m., V. bicostulata m., V. notata m. (4), — Pleurostonw/fa 
fusiformism. (1), — Marginulina soluta m., M. inaequdlis m. 
(2), — Cristellaria tripleurtt m., Cr. acuta in., Cr. rotiilata Lam. 
sp., Cr. secans in. (4), — Rotalia polyrraphes Rss., R. umbonella 
in. (2), — Rosalina marginata in. (1), — Globigerina cretacea 
d'Orb. (1), — Bulimina Presli Rss., B. Orbignyi Rss. (2), — 
Verneuilina Münsteri Rss. (1), — Tritaxia tricarinata in. (1), — 



Die Forarainiferen der wesiphälischen Kreideformation. 157 

Gaudryina pupoides d'Qrb., G. oxycona m. (2), — Proroporus 
complanatus m. (1), — Textilaria bolivinoides m., T. parallela 
m. (2). - 

Wie aus dem vorstehenden Verzeichnisse hervorgeht, steigt 
die Zahl der im Minimusthone Westphalens angetroffenen Foramini- 
feren wieder bis auf 40, von denen 39 den Polythalamien beizuzäh- 
len sind. Zugleich gewinnen die Stichostegier mit 20 Arten wieder 
die Oberhand, wie in den beiden Abtheilungen der Senongruppe. 
Davon gehört die Mehrzahl (13) den Nodosariden an, nur zwei den 
Frondiculariden, eine den Pleurostomelliden, dagegen 4 den Vagi- 
nuliden, die in den früher besprochenen Kreideetagen keine Vertreter 
gefunden hatten. Die Helicostegier haben nur 15 Arten aufzuweisen, 
von denen die Mehrzahl (9) wieder den Turbinoiden, und nur (6) 
den Nautiloiden angehören und zwar durchgehends den Cr ist eil 'ari- 
den. Die Polymorphiniden sind unter den bisher bekannten Arten 
gar nicht vertreten. Auch die Enallostegier sinken von ihrer For- 
menfülle herab; sie beschränken sich auf 3 Species, den Gattungen 
Proroporus und Textilaria angehörend. Mit Ausnahme der Sticho- 
stegier- Gattungen Dentalina (8), Nodosaria (5) und Yaginulina 
(4) ist nur noch die spiralreihige Sippe Cristellaria etwas reich- 
licher — mit 4 Arten — vertreten. 

In der zweiten Reihe seiner chemischen Untersuchungen westphä- 
lischer Kreidegesteine (Verhandl. des naturhist. Vereines der Rhein- 
lande und Westphal. Jahrg. XVI) beschreibt Herr von der Marck 
auch Gaultgesteine von Ahaus und gibt von dem Gault an der Fran- 
kenmühle ein in den dortigen Steinbrüchen sichtbares Profil und 
führt auch eine Anzahl von Foraminiferen an, welche er darin ent- 
deckte. Es sind dies aber, mit Ausnahme einiger auch in den höheren 
Kreideschichten heimischer Arten, Species, die nicht dem Gault, son- 
dern dem Hils angehören. Diese Ansicht wurde durch Autopsie der 
Fossilreste, welcheHerr von derMarck, meiner Bitte entsprechend, 
mir mit freundlicher Bereitwilligkeit zusandte, bestätigt. Leider konnte 
ich, da die Foraminiferen zwischen Glasplatten in Canadabalsam ein- 
geschlossen waren, keine ganz genaue Untersuchung derselben vor- 
nehmen. Doch waren Botalia caracolla Rom. sp. , R. ornata Rom. 
sp. und R. Orbignyi Rom. sp. mit ziemlicher Sicherheit zu erken- 
nen. Diese drei Species sind von Römer und mir im Hilsthon, nie 
aber im Gault gefunden worden. Die anderen mir zugesandten Arten 



158 R e u s s. 

sind Vaginulina hamulosa n. sp., ähnlich der V. arguta in., aber 
deutlich verschieden, Cristellaria nodigera n. sp., zwei Vaginulina, 
l Rosalina, 1 Frondicularia (Bruchstück), die alle nicht näher 
bestimmt werden konnten. Mit Sicherheit lässt sich aber der Ausspruch 
thun , dass sich darunter keine einzige charakteristische Gaultspecies 
befindet. Es werden daher M-enigstens jene Schichten, denen die 
besprochenen Fossilreste angehören, nicht dem Gault zugezählt 
werden können. Vielmehr dürfte es wahrscheinlich sein, dass sie in 
die Abtheilung des Hils gehören. 

Die Tourtia von Essen, ein festes Gestein, von dem mir keine 
geschlämmlen Proben zukamen, hat wohl desshalb nur drei Forami- 
niferenarten geliefert, die durch ihre Grösse ausgezeichnete Denta- 
lina polypkragma m. und die weit verbreiteten Rotalia polyrraphes 
Rss. und Rosalina marginata Rss. Vielleicht gelingt es später 
ihre Zahl zu vermehren und dadurch ein zur Vergleichung taugliches 
Material zu erlangen. 

Um eine genauere Vergleichung der in den einzelnen Etagen 
der westphälischen Kreideformation vorkommenden Foraminiferen- 
species zu erleichtern und überhaupt die Vertheilung derselben mit 
einem Rlicke überschauen zu lassen, gebe ich hier eine tabellarische 
Zusammenstellung sämmtlicher mir bisher daraus bekannt gewordener 
Species nach den einzelnen Etagen, in welche die Formation nach 
der allgemeinen Annahme zerfällt. Zugleich sind die Abtheilungen 
der Kreidegebilde, in welchen die betreffenden Species auch ausser- 
halb Westphalens angetroffen wurden , beigefügt, ohne aber die ein- 
zelnen Fundorte namhaft zu machen. Es würde dies der Tabelle 
einen zu grossen Umfang verliehen haben, dürfte überdies über- 
flüssig sein, da in dem speciellen Theile der Abhandlung ohnehin 
bei jeder Species sämmtliche mir bekannte Fundorte namentlich ange- 
führt werden. 



Die Foraminiferen der westphäliselien Kreideformation. 



159 



Tabellarische Zusammenstellung der Kreideforamiiiiferen Westphalens 
nach den einzelnen Etagen. 



9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 
17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 
29. 
30. 
31. 
32. 
33. 
34. 
35. 
36. 
37. 
38. 
39. 
40. 
41. 
42. 



Cornuspira cretacea Rss. 
Nodosaria lepida m. . . 

„ concinna m. 

„ nana in. . . . 

„ intercostata m. 

„ duplicicostata m. 

„ obscura Rss. . 

„ prismatica m. . 

„ Zippei Rss. . 

„ inflala Rss. . 

„ tetragona m. 
Dentalina acuminata in. . 

„ subrecta in. . . 

„ megalopolitana R 

„ annulata Rss. . 

„ tenuicaudata m. 

„ commutata in. . 

„ pugiunculus m. 

„ co g natu m. . . 

„ distincta m. . . 

„ discrepans in. . 

„ Lilli Rss. . . 

„ marginuloides R s 

„ cylindroidcs m. 

„ catenula in. . . 

„ strangulata in. . 

„ oligostegia Rss. 

„ Lorneiana d'Orb 

„ intermedia m. . 

„ communis m. . 

„ gracilis d'Orb. 

„ legumen Rss. . 

„ expansa m. . . 

;> filiformes Rss. 

„ lineolata Rss. . 

„ Marcki in. . . 

„ polyphragma in. 

„ aculeata d'Orb. 

„ foedissima in. . 
Glandulina manifesta Rss. 

„ elongatu m. 

„ cylindracea Rss. 



Krpidpgebildc 
Westphalens 



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KreidegrliiUlc anderer 
Länder 



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44. „ angulata d'Orb. 

47. „ apicidata Rss. . 

48. „ Goldfitssi m. . . 

49. „ marginata Rss. . 

50. „ canaliculata Rss. 

52. „ inversa Rss. . . 

53. „ strigiUata m. . . 

55. „ microdisca m. 

56. „ striatula Rss. 

57. „ angusta Nilss. . 

59. „ Archiacina d'O r b. 

62. „ globidiferum in. 

63. „ anomalum m. . 

68. Plcurostomclla subnodosa m. . 

73. „ elongata d'Orb. . 

76. „ ensis Rss. ... 

77. „ bacillum in. . . . 

81. Cristellaria recla d'Orb. . . 

82. „ angusta Rss. . . 

87. „ triangularis d'Orb. 

88. „ navicula d'Orb. . 


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Die Foraminiferen der west|>halischen Kreideformation. 



161 









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89. Cristellaria Marcki m. . . 

91. „ oligostcgia Rss. 

92. „ ovalis Rss. . . 

93. „ acuta m. . . . 

94. „ rotulata Lam. sp 

97. Rohulina lepida Rss. . . . 

98. Flabellina rugosa d'Orb. . 

99. „ Bau dou in ia na d'Orb 

100. „ cor data Rss. . . 

101. „ inter punctata v. d. M 

103. Haplophragmium aequale R. sp 

104. „ irreguläre R. sp 

105. Lituola nautiloidea Lam. . 

106. Nonionina quaternaria Rss. 

108. „ polyrraphes Rss. . 

112. „ Micheliniana d'Orb. 

113. Valvulina allomorphinoidesM 

114. „ spicula Rss. . . 
113. Rosalina ammonoides Rss. 

116. „ marginata Rss. . 

117. Anomalina complanata Rss. 

118. ,, moniliformis Rss 

119. Truncatulina conrexa Rss. 

120. Gluhigerina cretacea d'O r b. 

121. Bulimina variabilis d'Orb. 

123. „ Murchisoniana d'Orb 

124. „ intermedia Rss. . 

126. Bulimina ovulum Rss. . . 

127. „ Presli Rss. ... 

128. „ Orhignyi Rss. 

129. „ polystropha Rss. . 

130. Verneuilina Bronni Rss. . 

131. „ Münsteri Rss. 

132. Tritaxia tricarinata m. . . 

133. Gaudry ina pupoides d'O r b. 

134. „ oxycona m. . . 




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162 



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135. Gaudryina rugosa d'O r b. . . 

139. „ porrecta m. . . . 

141. Textilflria iurris d'Orb. . . 

142. „ conidus Rss. . . 

144. „ glubifcra m. . . . 

145. „ concinna Rss. . . 

147. „ foeda Rss. . . . 

148. „ Partschi Rss. . . 

149. „ aneeps Rss. . . . 

150. „ praclonga Rss. . 

152. „ flcxuosa m. . . . 


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■ 



Aus der voranstellenden tabellarischen Übersicht lassen sich 
bei genauerer Prüfung einige Schlüsse ziehen. Vor allem ergibt sich, 
dass 59 Species den Schichten der westphälischen Kreideformation 
eigenthümlich oder doch bisher nirgend anders gefunden worden 
sind. Es sind: Nodosaria lepida, concinna, nana, intercostata, 
duplicicostata, prismatica, tetragona; Dentalina acuminata , sub- 
reeta, tenuicaudata , commutata, pugiunculus, cognata, distineta, 
discrepans, catenula, sträng ulata, intermedia, expansa, Marcki, 
polyphragma , foedissima; Glandulina elongata ; Frondicularia 
Decheni, Becksi, Goldfussi, gaultina, strigiüata, guestphalica, 
microdisca, angustissima, lanceola; Rhabdogonium Römeri, globu- 
liferum, anomalum; Vaginulina transversalis, bicostulata, notata, 
ornatissima; Cristellaria Ilagenowi, inepta, liarpa, tripleara, 
Marcki, inflata, microptera; Flabellina interpunetata, macrospira; 
Rotalia utnbonclla, exsculpta; Globulina porrecta; Proroporus 
complanatus ; Textilaria parallela. 

Freilich wird ohne Zweifel ein Theil der genannten Fossilreste 
sich in der Folge auch anderwärts, besonders in der Kreide des 



Die Foiaminiferen der westphälischen Kreideformation. 1 63 

nordwestlichen Deutschlands und des nachbarlichen Aachener Ge- 
bietes, wiederfinden, wenn diese in dieser Beziehung genauer 
durchforscht sein wird. Von den oben angeführten 59 Arten 
gehören 38, also beinahe zwei Drittheile den Stichostegiern, 19 den 
Helicostegiern und nur 3 den Textilariden an; und selbst von den 
19 spiralreihigen Arten sind 16 zu den Cristellariden, welche 
mit den Rhabdoiden unmittelbar zusammenhängen, nur 2 zu den 
Turbinoiden, 1 zu den Polymorphinideen zu rechnen. Man muss 
also den hervorstechenden Charakter der westphälischen Kreide- 
gebilde , besonders der oberen , in der grossen Anzahl der ihnen 
eigentümlichen Stichostegier und Cristellariden suchen. 

Ferner gelangt man zu der Überzeugung, dass die Foramini- 
feren-Fauna des Gault in ihrer Physiognomie wesentlich verschieden 
ist von jener der oberen Kreideschichten, wenn auch fernere 
ausgedehntere Untersuchungen des in dieser Beziehung bei weitem 
nicht genügend erforschten Gault noch eine etwas grössere Zahl 
beider gemeinschaftlicher Species herausstellen werden. In dem 
in Westphalen nur spärlich vertretenen Gault (von Rheine und 
Ahaus) sind bisher 39 Species — 1 Monothalamier, 20Stichostegier, 
15 Helicostegier (6 Cristellariden und 9 Turbinoiden) und 3 Texti- 
lariden — von mir nachgewiesen worden, also beinahe das Vier- 
theil sänimtlicher westphälischer Kreideforaminiferen. Von ihnen 
gehören 19 dem westphälischen Gault eigentümlich an; zwei sind 
auch im Gault Norddeutschlands, 7 zugleich in den oberen Kreide- 
schichten Westphalens und anderer Länder, 10 endlich sowohl in 
diesen , als auch im Gault anderer Gegenden aufgefunden worden. 

Untersucht man die 12 im Gault anderer Länder wieder- 
gefundenen Arten, so findet man, dass 6 auf das Niveau des oberen 
Gault (Minimusthon), 3 auf den mittleren Gault (Milletianus- und 
Tardefurcatusthon), 2 auf beide zugleich, 1 endlich (die fast durch 
die gesammte Kreideformation hindurchgehende Cristellaria rotulatd) 
auf alle drei Abtheilungen des Gault fallen. Wir dürfen daher wohl mit 
überwiegender Wahrscheinlichkeit schliessen, dass dieGaultschichten 
von Rheine dem oberen Gault und zwar dem Minimusthone angehören, 
was durch die anderen, die Foraininiferen begleitenden grösseren 
Versteinerungen bestätigt wird. 

Nur eine Species — Haplophragmium aequale Rom. sp. — , die 
in Westphalen in den Mucronatenschichten liegt, taucht in Nord- 



1 64 Heus s. 

deutscliland im Hilsthone des Hilses wieder auf, ohne dass sie mir 
bis jetzt aus den zwischenliegenden Schichten der Kreideformation 
bekannt geworden wäre i '). So auffallend dies ist, vermag ich doch 
die Exemplare von beiden Fundstätten durch kein wesentliches Merk- 
mal zu unterscheiden. 

Weit grösser ist die Anzahl der Foraminiferen in den oberhalb 
des Gault liegenden Schichten der westphälischen Kreideformation. 
Wenn man die 17 zugleich im Minimusthone vorkommenden Arten 
hinzu zählt, steigt ihre Zahl auf 119. Dagegen sind bisher 102 nur in 
den Schichten der oberen Kreide aufgetreten. Aus diesem Verhält- 
nisse leuchtet die grosse Verschiedenheit der oberen Kreide und des 
Gault in Beziehung auf die zugehörigen Foraminiferen am klarsten 
hervor. — Aus dem Cenomanien — derTourtia von Essen und Spell- 
dorf — habe ich leider nur 3 Species (Dentalina polyphragma, 
Cristeüaria rotulata und Rotalia polyrraphes) kennen gelernt, von 
denen aber die beiden letzten, in fast allen Kreideetagen wieder- 
kehrend, keine Bedeutung haben können. Nur die erstgenannte 
dürfte der Tourtia eigenthümlich angehören. Bei der so geringen 
Anzahl der Arten ist übrigens jeder Versuch, das Cenomanien durch 
seine Foraminiferen zu charakterisiren, von vorne herein unmöglich. 
Ich muss aber gleich hier erwähnen, dass es mir auch nach den 
zahlreichen Arten, welche ich im norddeutschen Cenomanien auf- 
fand, nicht thunlich scheint, einen unterscheidenden Charakter des- 
selben in seinen Foraminiferen zu suchen. Es sind mit wenigen 
Ausnahmen Arten, die auch dem Senon und dem Planer gemein- 
schaftlich zukommen 3 ). Vielleicht führen ausgedehntere Unter- 
suchungen in der Folge zu den gewünschten Besultaten. 



') Das Neocomien zeigt in Beziehung- auf seine Foraminiferen eine noch bei wei- 
tern grössere Selbstständigkeit und eine schärfere Abgrenzung, als der Gault, 
indem es nach meinen bisherigen Erfahrungen kaum eine Species mit dem Gault 
und den höheren Kreideschichten theilt. Eine Annäherung an den Gault ver- 
räth es nur darin, dass es gleich diesem besonders reich an Arten von Vaginulina, 
Rhäbdagonium , Frondicularia und Cristeüaria erscheint; jedoch sind dieselben 
ohne Ausnahme specifisch verschieden von den Arten des Gaultes. 

a ) Solche gemeinschaftliche Species sin d: Oristellaria rotulata La m.sp., Haplophragmium 
irreguläre Rom. sp., Rotalia polyrraphes llss., Rosalina ammonoides Rss., Bulimina 
variabilis d'Orb. , />'. Prcsli Rss. , />'. Orbignyi Rss., Tritaxia tricarinata m. Als 
eigenthümlich kann ich nur anführen : Textilaria platycona m., Tritaxia pyrami- 
dalis und sulcata in. und Quinqueloculina acutimargo m. 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. \ ߣJ 

Der nicht sehr artenreiche Planer Westphalens hat mir bisher 
31 Species geliefert. Von diesen ist eine einzige Species sowohl 
in Westphalen als auch in Böhmen auf den Pläner beschränkt ge- 
blieben (Bulimina polystropha Rss.). Alle übrigen kommen auch in 
anderen Kreideschichten Westphalens und anderer Länder vor. 
Nur eine Species hat der Pläner ausschliesslich mit dem Gault 
gemeinschaftlich (Cristcllaria acuta m.); 17 mit dem Senonien, 
12 zugleich mit diesem und dem Gault, — fast sämmtlich Arten, 
die eine sehr ausgedehnte verticale Verbreitung zeigen. Acht seiner 
Arten kehren auch im Cenomanien wieder; aber dies sind auch 
fast durcbgehends Arten von sehr weiter Verbreitung in den Kreide- 
gebilden, die insbesondere auch in der obersten Abtheilung der- 
selben zum Vorschein kommen. Daraus ergibt sich zur Geniige, dassdie 
Foraminiferenfiiuna des Planers die grösste Verwandtschaft mit jener 
der Senonschichten, besonders der Quadratenkreide, verräth und 
beinahe gar keine besonderen Eigenthümlichkeiten darbietet. Dieselbe 
Erscheinung wiederholt sich an dem Pläner anderer Länder. Eine 
ausgedehntere Kenntniss der Pläiierforaminiferen dürfte in Zukunft viel- 
leicht doch noch eine grössere Zahl charakteristischerFormen liefern. 

Viel des Eigenthümlichen bieten dagegen die Senonschichten 
dar, so dass dieselben auch durch die Foraminiferen recht wohl 
charakterisirt erscheinen. Vor allem umschliessen sie unter allen 
Kreideschichten — in Westphalen sowohl als in anderen Ländern — 
die grösste Fülle von Foraminiferen. In Westphalen liegen von der 
Gesammtzahl derselben 113 Species, also fast drei Viertheile, in den 
Senonschichten. Unter denselben befinden sich: 1 Monothalamier, 
47 Stichostegier, 55 Helicostegier und 10 Textilariden. Vier Arten 
"aben die Senonschichten mit dem Gault, 15 Arten mit dem Pläner, 
9 mit beiden zugleich und 2 endlich mit dem Pläner, Cenomanien und 
Gault gemeinschaftlich; daraus ergibt sich die schon erwähnte grosse 
Verwandtschaft der senonischen Foraminiferen mit jenen des 
Planers, dagegen eine viel entferntere mit jenen des Gault. Es bleiben 
daher, wenn man zugleich das Vorkommen in anderen Ländern in 
Rechnung bringt, 68 Arten auf die Senongruppe beschränkt, mithin 
eine hinreichend grosse Anzahl um diesen Schichtencomplex zu cha- 
rakterisiren. Wenn dieselbe sich in der Folge auch von einer Seite 
verringern sollte, wird sie dagegen von der andern gewiss einen noch 
stärkeren Zuwachs erhalten. 



166 R « " ■ s. 

Von den genannten Arten gehören 36 den Stichostegiern, 
28 den Helicostegiern (19 den Nautiloideen, 9 den Tnrhinoideen) 
und 4 den Textilarideen an. Darin spricht sich die Erscheinung aus, 
dass das Senonsystem vorzugsweise durch das Übergewicht und die 
besonderen Formen der Rhahdoideen, vorzüglich Nodosariden , und 
der gleichseitigen Helicostegier, charakterisirt werde. 

Weit schwieriger dürfte eine schärfere Trennung der Forami- 
niferen der oberen und unteren Senonabtheilung — der Mucrona- 
ten- und der Quadratenkreide — werden, besonders wenn noch um- 
fassendere Untersuchungsresultate gewonnen sein werden, indem 
sich dann gewiss manche Species, die nach den bisherigen Erfah- 
rungen auf eine der beiden Abtheilungen beschränkt ist, auch in der 
andern wiederfinden wird. Am meisten des Eigenthümlichen trägt 
die Mucronatenkreide an sich, was sich auch an jener Westphalens 
erkennen lässt. Dieselbe zählt 30 Species, die bisher in keiner andern 
Abtheilung der Kreideformation angetroffen worden sind. Freilich 
befindet sich darunter ein grosser Theil der 59 Arten, die bis jetzt 
überhaupt auf die westphälische Kreideformation beschränkt geblieben 
sind. 25 Arten hat in Westphalen zwar ebenfalls nur das obere Senon 
geliefert; in anderen Ländern treten sie aber auch in tieferen Kreide- 
schichten, vorzüglich in der Quadratenkreide und zum Theile auch 
im Pläner, auf. 71 Arten haben sich in Westphalen nur in den beiden 
Abtheilungen der Senongruppe vorgefunden, 10 derselben sind aber 
in anderen Gegenden auch noch in tieferen Schichten vorgekommen. 
23 Arten endlich gehen wenigstens durch drei, mitunter auch durch 
beinahe alle Etagen der Kreideformation, mit Ausnahme des Neoco- 
mien, hindurch. Ich kann nur 3 Species anführen, welche in West- 
phalen und zugleich anderwärts aus den Grenzen der oberen Senon- 
gebilde nicht herauszutreten scheinen. Es sind Lituola nautiloidea 
Lam., Glandulina manifesta R ss. und Pyrulina acuminata d'Orb. 

Ein noch weit weniger charakteristisches Gepräge trägt die 
untere Senongruppe — die Quadratenkreide — an sich, da beinahe 
alleinihr vorkonimendenForaminiferenarten auch in dem oberen Seno- 
nien und zum Theil auch im Pläner wieder zum Vorschein kommen. 
Die westphälischen Quadratenschichten besitzen nur 1 1 eigentüm- 
liche Arten; aber selbst von diesen reicht die Mehrzahl — nämlich 
8 Arten — in anderen Gegendon auch in die Mucronatenkreide hinauf 
oder in den Planer hinab , so dass bisher nur die seltene Dentalina 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 16/ 

tenuicaudata m. und discrepans m. und Frondicularia lanceola m. 
ihr eigenthümlich anzugehören scheinen. 

Alle diese auf den vorhergehenden Seiten ausgesprochenen An- 
sichten werden in der Folge ohne Zweifel noch manche vielleicht 
nicht unwesentliche Modification erleiden, wenn die Foraminiferen 
der verschiedenen Etagen der Kreideformation überhaupt und West- 
phalens insbesondere einer sorgfältigeren und umfassenderen Un- 
tersuchung unterzogen sein werden. Dadurch wird nicht nur eine 
weit grössere Formenfülle bekannt werden, sondern auch ihre Ver- 
keilung wird sich in mancher Beziehung anders als bisher her- 
ausstellen. 

II. Einige Bemerkungen über den tirünsand. 

Ich sehe mich genöthigt, am Schlüsse der vorstehenden Erör- 
terungen einige Bemerkungen hinzuzufügen über die glaukonitischen 
Körner, die in wechselnder Menge manchen westphälischen Kreide- 
gesteinen, besonders aus dem Gebiete des Pläners und Gault, bei- 
gemengt sind, zuweilen in solcher Fülle, dass die Gesteine dadurch 
im Ganzen eine mehr weniger deutliche grüne Färbung annehmen 
und dass die Schlämmrückstände derselben der Masse nach vorwie- 
gend aus solchen grünen Körnern bestehen. Es ist dies bekanntlich 
eine Erscheinung, die nicht etwa den westphälischen Kreidegebilden 
eigenthümlich zukömmt, sondern die sich in allen Ländern , in allen 
Formationen, von der silurischen an aufwärts bis zu den jüngsten 
Abtheilungen der Tertiärformation, wiederholt. 

Ich beobachtete diese Körner unter den westphälischen Kreide- 
gesteinen in beträchtlicher Zahl in dem Schlämmrückstande desGrüu- 

sandes des Pläners von Werl, Unnau.a.O.; im cenomanen Grünsande 
von Horde und Essen; in geringerer Menge in vielen Plänern und 

selbst in senonischen Gesteinen, z. B. den oberen Senonmergeln von 

Sendenhorst u. a. 0. 

Ehrenberg *) war der erste, der darauf aufmerksam machte, 

dass die erwähnten Glaukonitkörner organische Formen an sich tragen 

und sich als Steinkerne von Foraminiferen zu erkennen geben. 

Mitunter sind dieselben in ihrem ganzen Umfange erhalten, so dass es 



J ) Über den Grünsand und seine Erläuterung des organischen Lebens. 1836. Aus den 
Abhandl. d. k. Akad. d. Wiss. zu Berlin. 

Sitzh. d. mathem.-naturw. Cl. XL. Bd. Nr. 8. 12 



1 68 Rens s. 

geringen Schwierigkeiten unterliegt, die Gattung, welcher sie ange- 
hören, mit Sicherheit oder docli annähernd zu bestimmen. Weit Öfter 
sind die Steinkerne aber in ihre einzelnen Glieder zerfallen, und 
dann ist selbst die Erkenntniss des organischen Ursprunges schon 
mit grösseren Schwierigkeiten verbunden. Während Ehrenberg 
sich in seinen früheren Mittheilungen darauf beschränkte, auf das 
Erhaltensein einzelner Foraminiferen in dem Grünsande hinzuweisen, 
ging dieser Gelehrte später weiter und stellte, auf zahlreiche müh- 
same Untersuchungen sich stützend , die Ansicht auf, dass aller 
Glaukonit des Grünsandes organischen Ursprunges sei. Er sagt 1. c. 
p. 101 ausdrücklich: die wahren körnigen Grünsande der Tertiär- 
„zeit zeigen überall eingestreute wohl erhaltene Polythalamienkerne 
„und das Vereinzelte und scheinbar Formlose macht sich massenhaft 
„als Zusammenballung von Theilen und Splittern der ähnlichen 
„Formen geltend. Sehr genau übereinstimmend mit solchen mehr 
„vereinzelten und mehr zusammengeballten Steinkernen fand ich 
„den Sand der Gebirgsmassen in derSecundär- und der Primärzeit." 
Einer solchen gewagten Generalisirung einzelner unbestritte- 
ner Thatsaehen vermag ich nicht beizupflichten. Wenn man frei von 
vorgefasster Meinung nur die Thatsaehen in das Auge fasst, gelangt 
man zu sehr abweichenden Resultaten. Der Glaukonit spielt in den 
Sandsteinen and Mergeln ohne Zweifel eine ganz ähnliche Rolle, 
wie der Feuerstein, Schwefelkies und viele andere Substanzen. Die 
Glaukonitkörner, wenn sie auch nie eine beträchtliche Grösse errei- 
chen, sind in der Regel nichts als concretionäre Bildungen, durch 
Conceutration um gewisse Centra entstanden. Wenn man eine grosse 
Anzahl derselben untersucht — und ich habe ebenfalls Grünsande 
der verschiedensten Beschaffenheit und vom verschiedensten geolo- 
gischen Alter genauer Prüfung unterzogen — , so findet man, dass 
der bei weitem grösste Theil keine Spur von organischer Gestaltung 
darbietet, sondern die gewöhnlichen Concretionsformen, kleine 
kugelige, traubige und knollige Gestalten mit meistens sehr unregel- 
mässiger gekörnter, warziger oder runzeliger Oberfläche. Es würde 
offenbar einer sehr lebhaften Phantasie bedürfen . um darin regel- 
mässige organische Gestalten oder doch Bruchstücke derselben zu 
erkennen. Die Unsicherheit der gezogenen Schlüsse leuchtet aus 
Ehrenberg's Äusserungen selbst hervor. Er sagt 1. c. p. 89 aus- 
drücklich: „Zwar scheinen die grossen Massen des grünen Sandes 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreiileformatinn. \ ßj) 

„in den Körnchen beim ersten Anblicke ohne organische Gestaltung; 
„allein bei intensivem Vergleichen Hess sich allmählich soviel 
„davon auf organische Versteinerung und besondere Steinkernbil- 
„dung zurückführen, dass das Übrigbleibende als die nothwendig 
„existirenden Bruchstücke durch Zerklüftung und unvollkommene 
„Verkieselung angesehen werden könne". 

An einem andern Orte (1. c. p. 96) beschränkt sich Ehren- 
berg darauf, von einer „überraschenden Menge an Organisches 
erinnernd er Einzelheiten" zu sprechen. Darin spricht sich nicht 
sowohl sichere objective Beobachtung , als nur individuelle An- 
sicht aus. Ich habe bei dem grössten Theile der Glaukonitkörner 
nicht nur keine Andeutung organischer Form, sondern absolut unre- 
gelmässige, unorganische Gestalten gesehen. 

Weit seltener vermochte ich an denselben deutliche Formen 
von Foraminiferen oder von einzelnen Theilen derselben wahrzuneh- 
men. Entweder sind diese ganz in Glaukonitsubstanz umgewandelt 
und dann ist der Umriss am regelmässigsten erhalten. Dies beob- 
achtete ich nur selten an Globigerina cretacea und Textilaria 
globifera aus dem turonischen Grünsand von Unna. Häufiger bietet 
der Grünsand nur Steinkerne, während die kalkige Schale durch 
Auflösung verloren gegangen ist. Solche undeutlichere Steinkerne 
kommen am häufigsten im Grünsande von Unna, Worl, Horde u. s.w. 
vor. So finden sich Cristellaria rotulata, Globigerina cretacea, 
Textilaria globifera, Gaudryina rugosa, Rosalina marginal a. 
Arten von Rotalia, Textilaria, Nodosaria, Dentalina u. s. w. , die 
eben der Species nach nicht bestimmt werden können. Endlich trifft 
man an vielen Localitäten Schalen von Foraminiferen, die entweder 
ganz in Kieselerde umgewandelt sind oder ihre kalkige Natur noch 
vollkommen beibehalten haben, im Innern aber durch glaukonitische 
Substanz mehr weniger erfüllt erscheinen. Dieselbe tritt mitunter 
nur in isolirten kleinen kugeligen Partikeln auf; bald bildet sie grös- 
sere Concretionen, die einen bedeutenden Theil des Hohlraumes der 
Kammern einnehmen. Zuweilen werden die Glaukonittheilchen von 
Partien amorpher farbloser oder auch durch Eisenoxydhydrat gelb 
oder gelbbraun gefärbter Kieselerde begleitet. Dadurch erhalten ein- 
zelne Foraminiferen eine bunte Färbung, wie Ehren berg derglei- 
chen sehr schön aus den Tertiärschichten von Alabama abbildet (I.e. 
T. 7) und wie ihrer Herr von der Marck (z. B. von Cristellaria 

12* 



170 Reuss. 

rotulatd) auch aus den westphälischen Kreidegesteinen anführt und 
mir zur Ansicht gefalligst mitgetheilt hat. Wenn man Proben des 
geschlämmten glaukonitischen Sandes mit sehr verdünnter Salz- 
säure behandelt, kann man in dem ungelösten Rückstande die geschil- 
derten Zustände sehr schön beobachten. Man überzeugt sich zuweilen, 
dass die Kammerhöhlnngen ganz oder theilweise mit zahllosen sehr 
feinen Körnchen farbloser oder durch Eisen gefärbter Kieselerde, 
die aber im polarisirten Lichte unter dem Mikroskope sehr oft deut- 
liche Farbenerscheinungen zeigte, mit oder ohne Glaukonit erfüllt 
waren. 

In Gesellschaft dieser fossilen Foraminiferenschalen befinden sich 
Gehäuse, die normal nur aus kohlensaurem Kalk bestehen; andere, 
die ganz oder theilweise in Kieselerde umgewandelt wurden *); 



x ) Von diesen durch den Versteinerungsprocess erst später umgewandelten Fora- 
miniferenschalen niuss man jene unterscheiden , welche schon ursprünglich, im 
normalen Zustande , ganz oder theilweise aus Kieselerde bestehen. Viele Te.vti- 
larien (T. carinata d'Orb., Poppelaki Rss., eoncinna Rss. u. a. m.), Gaudryina 
ruyosa d'Orh., Clavulina communis d'Orb., Haplophragmium irreguläre Rom. sp. und 
andere Arten mit rauher Schale brausen zwar lebhaft mit Sauren auf, lösen sich 
aber, in verdünnter Salzsäure erwärmt, nicht vollständig- auf, sondern lassen einen 
feinen durchsichtigen Kieselsand ungelöst zurück, der unter dem Mikroskope zum 
Theile aus sehr feinen Körnchen , zum Theile aus grösseren flachen unregelmäs- 
sig eckigen Plättchen besteht. Im polarisirten Lichte unter dem Mikroskope 
betrachtet zeigt er bei Drehung des Nicols deutliche Farbenveränderungen, die 
besonders klar hervortreten, wenn man die zu untersuchende Probe mit einem 
dünnen Glimmerblättehen bedeckt. Man hat es also offenbar mit der krystallini- 
schen Modilication der Kieselerde zu thun. Oh dieselbe schon ursprünglich vor- 
handen war oder sich erst durch den Versteinerungsprocess aus der amorphen 
gebildet hat, will ich nicht entscheiden. — Bei Lituola nautiloidca Lam. ist die 
Menge des Kalkcarbonates noch geringer. Die Gehäuse behalten , auch wenn sie 
durch längere Zeit in der Wärme mit Salzsäure digerirt werden, wie auch schon 
von derMarck bemerkte, ihre Form und ihren Zusammenhang bei, lassen sich aber 
sehr leicht mit dem Finger zu dem erwähnten Kieselpulver zerdrücken. Bei 
Bulimina variabilis, Puschi , Presli , d'Orbi/jnyi und anderen nur mit feinen 
Rauhigkeiten bedeckten Arten dauert das Aufbrausen in der Säure nur kurze Zeit; das 
Gehäuse bleibt nicht nur in der Form ungeändert , sondern auch der Zusammen- 
hang der sehr feinen Kieselkörperchen, aus denen die Schale zum grössten Theile 
besteht, wird nur sehr wenig aufgelockert, so dass es einer bedeutenden Ein- 
wirkung bedarf, um denselben aufzuheben. Es scheint, wie Schul tze richtig 
vermuthet , die Kieselerde überhaupt in der Zusammensetzung der Foraminiferen- 
schalen eine grössere Rolle zu spielen, als man vermuthete. Es steht nun auch 
die S c h u I tze'sche Beobachtung der Polymorphina silicea (Schul tze Poly- 
thalem. p. 61, T. 6, F. 10, 11) nicht mehr vereinzelt , sondern dieselbe Structur 
findet sich bei sämmtlichen Foraminiferen mit rauher Schale wieder. Auch die Polymur- 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 1 T 1 

seltener solche, die durch Pyrit vererzt sind, aus welchem mit- 
unter durch einen pseudomorphen Oxydationsprocess später wieder 
Limonit entstanden ist. Der letzteren (besonders Textilaria globi- 
fera in.) erwähnt von der Marck aus dem thonigen unteren Senon- 
mergel und ich sah dergleichen (Nummulites, Amphistegina Haueri 
d'Orb., Textilaria Poppelacki Rss. u.a.m.) in den verschiedensten 
Tertiärschichten. Nonionina placeuta Rss. (Jahrb. d. deutschen 
geol. Ges. 1851, p. 72, T. 5, F. 33) aus den Oligocänmergeln von 
Freienwalde und Herinsdorf stellt beinahe stets aus Limonit beste- 
hende Steinkerne dar. Alle diese Erscheinungen sind nur durch eine 
Verdrängungspseudomorphose, der sich in der Folge manchmal 
noch ein pseudomorpher Umwandlungsprocess hinzugesellte, entstan- 
den und derselben Gruppe von Erscheinungen müssen offenbar auch 
die totalen oder partiellen Glaukonitpseudomorphosen der Fora- 
miniferen zugesellt werden, welche man so häufig in den Grünsanden 
antrifft. Man kann dort alle Stufen des pseudomorphen Processes 
beobachten, bald nur theil weise oder totale Steinkernbildung, bald 
wieder auch Verdrängung der Kalkschale durch Glaukonitsubstanz. 
Durch diese Anschauungsweise wird aber auch der Mangel jeder 



phina silicea enthält Kalkcarbonat, wenu auch in sehr untergeordnetem Verhält- 
nisse; denn nach der Einwirkung' von Salzsäure wird die Schale porös und lässt 
sich zerdrücken. Der ungelöste Rückstand besteht aus feinen Kieselkörnchen von 
verschiedener Grösse, deren grössere flach, unregel massig erscheinen, wie Schu 1 tze 
1. c. F. 11 deutlich abbildet. Diese Kieselpartikeln sind aber, schon wegen dieser 
constanten Form, nicht etwa Sandkörnchen, die, schon fertig gebildet, von dem Thiere 
zur Bildung der Schale verwendet werden, wie d'Orb ign y von einigen Foraminiferen- 
arten mit sehr rauher Sehale, z. B. Bigenerina agglutinans, Textularia agglutinans, un- 
richtigbehauptet ; sie werden offenbar, wie der kohlensaure Kalk, von dem Thiere selbst 
abgesondert und bilden einen ursprünglichen und wesentlichen Bestandteil der 
Schale. Ganz anders verhalten sieh die Foraminiferen mit glasiger oder porzellanarti- 
ger Schale. Diese besteht, so lange sie nicht etwa durch den Versteinerungs- 
process verändert ist, nur aus Kalkcarbonat und löst sich in Säuren vollkommen 
auf. Bei lebenden Foraminiferen bleiben nach der Lösung- organische tnembranöse 
Theilchen zurück, zuweilen zusammenhängend und noch die Gesammtform der 
Kammerhöhlungen darbietend, oft aber schon durch die bei der Lösung statt- 
findende Gasentwickelimg zerfallend. Fossile Foraminiferen dagegen hinterlassen 
nach dem Autlösen wechselnde Mengen von Kieselerde, braunem oder rothem Eisen- 
oxyd u. s. w., welche die Kaminerhöhlungen theilweise oder ganz erfüllen. In letz- 
terem Falle erhält man vollkommene innere Schalenmodelle, an denen mandieForm 
der einzelnen Kammern und ihren Zusammenhang durch einzelne oder mehrfache 
Röhrencanäle sehr deutlich beobachten kann. Fast nie sind die Kammerhöhlungen 
leer oder nur mit Kalkspath erfüllt. 



172 R e ii s s. 

innigem notwendigen Beziehung zwischen Glaukonit und den orga- 
nischen Formen der Foraminiferen dargethan. Der Glaukonit tritt, 
gleich der Kieselerde, dem Schwefelkiese, dem Brauneisensteine 
u. s. w. in die Beihe der zufälligen Versteinerungsmittel zurück und 
die demselhen zugetheilte Prärogative, auf unerklärbare Weise stets 
die Form der Foraminiferen annehmen zu müssen, verschwindet von 
selbst. 

Einer der wichtigsten Gegengründe liegt endlich auch darin, 
dass der Glaukonit auch als versteinernde Substanz anderer grösserei* 
Fossilien auftritt. Herr von der Marck theilte mir gefälligst lange, 
dünne, beinahe cylindrische Körper aus dem Griinsande der Tourtia 
von Spelldorf mit, die im Innern ganz aus amorpher Glaukonitsubstanz 
bestehen, äusserlich aber mit einer dünnen unebenen Schichte ocheri- 
gen Limonites überzogen sind. Da wo dieselbe sich absprengen Hess, 
erkannte man deutlich die in Längsreihen rund um die Stämmchen 
stehenden Zellmündungen, welche die Gattungen Cellaria und Vin- 
cularia charakterisiren, ohne dass man im Stande wäre, die Species 
näher zu bestimmen. Es geht daraus wohl unzweifelhaft hervor, dass 
der Glaukonit, gerade so wie Kieselerde, Pyrit, Markasit und viele 
andere Mineralsubstanzen, unter günstigen Umständen Foraminiferen 
zu versteinern vermöge, ohne dass man behaupten könnte, dass 
aller Glaukonit, Pyrit, Markasit u. s. w. organische Form an sich 
trage. Man ist daher auch nicht berechtigt zu der Ansicht, dass aller 
Glaukonit des Grünsandes ganze oder dochfragmentäre Steinkerne von 
Foraminiferen darstelle. Bailey (Silliman Journ. 1856, XXII, p. 280 
bis 284) bestätigt zwar die Beobachtungen Ehrenberg 1 s über die 
Polythamienkerne im Kalksteine von Alabama, setzt aber ausdrücklich 
hinzu, dass viele Glaukonitkörner nicht von erkennbarem organischem 
Ursprung sind, daher wegen ihrer sehr unregelmässigen Gestalt 
nicht von Foraminiferen abgeleitet werden können. Dagegen ist er 
wohl geneigt, dieselben sämmtlich für kieselige oder eisenkieselige 
Ausfüllungen leerer Bäume in organischen Körpern, welche nachher 
selbst zerstört worden sind, zu betrachten. (Leonh. u. Br. Jahrb. 
1851, 1, p. 91, 92.) 

III. Über die Versteinerungen des Dilavialsandes von Hamm. 
Der gefälligen Mittheilung sowohl des Herrn Dr. von der Marck 
in Hamm, als auch des Hrn. Dr. Krantz in Bonn verdanke ich 



Die Forstrainiferen «ler westphälischen Kreideformation. 1 T3 

unter andern auch eine ansehnliche Menge des schon von den grobem 
Theilen befreiten Diluvialsandes von Hamm. Obwohl der erstere der 
genannten Herren in seiner Abhandlung über die Diluvial- und Allu- 
vialablagerungen im Innern des Kreidebeckens von Münster (in den 
Verhandlungen des naturh. Ver. der Rheinl. u. Westph. XV. Jahrg.) 
die Versteinerungen derselben schon ausführlich verzeichnet und 
besprochen bat, will ich doch jene organischen Reste, die ich selbst in 
denselben fand, hier zusammenstellen, da ich doch manche schärfere 
Bestimmung in Beziehung auf die Foraminiferenschalen zu geben ver- 
mag, wenn auch die Liste von der Vollständigkeit sehr entfernt ist 
und den Umständen gemäss sein muss. 

Die beobachteten Petrefacten sind folgende: 

1. Cornuspira cretacea Rss. 

2. Nodosaria lepida m. 

3. „ Zippei Rss. 

4. Dentalina annulata Rss. 

5. „ cylindroides m. 

6. „ catennla m. 

7. „ oligostegia Rss. 

8. „ aculeata d' r b. 

9. „ foedissiuia m. (v. d. Marck 1. c. p. 56, T. 1, F. 13, 

mala ic.) 

10. Frondicularia apicnlata Rss. 

11. „ Goldfussi m. 

12. „ marginata Rss. 

13. „ canaliculata Rss. 

14. „ strigillata m. (Fr. Cordai var. lineolata v. d. 

Marck 1. c. p. 55, T. 1, F. 11.) 

15. „ microdisca m. (Fr. bicornis (Rss.) v. d. Marck 

1. c. p. 56, T. 1, F. 12.) 

16. „ striatula Rss. 

17. „ angnsta Nilss. 

18. Rhabdogoninm anomal um m. 

19. Marginulina ensis Rss. 

20. „ bacillnm m. 

21. „ armata m. 

22. Cristellaria angnsta Rss. 



174 R e u s s. 

23. fristellaria Marcki Rss. 

24. „ oligostegia m. 

25. „ rotulata L a m. sp. 

26. Flabellina rogosa d'Orb. 

27. „ Baudouiniann d' Orb. 

28. „ cordata Rss. 

29. „ interpunctata v. d. Marck (I. c. p. 53, T. i, F. 5). 

30. Ilaplopliragmiiim aequale Rom. sp. 

31. „ irreguläre Rom. sp. 

32. Lituola nautiloidea Lamk. 

33. Rotalia polyrraphes Rss. 

34. „ exsculpta m. 
33. Rosalina niarginata Rss. 

36. Olobigerina cretacea d'Orb. 

37. Buliuiina variabilis d'Orb. 

38. „ Murchisoniana d'Orb. 

39. „ Puschi Rss. 

40. „ oYuluin Rss. 

41. „ Presli Rss. 

42. Verneailiua Münster! Rss. 

43. Tritaxia tricarinata m. 

44. ftaudryina pnpoides d'Orb. 

45. „ rugosa d'Orb. 

46. Globalina porrecta m. 

47. Textilaria conulus m. 

48. „ concinna Rss. 

49. „ aneeps Rss. — 

50. Tragos globolaris Rss. (Kreideverst. Böhm. II, p. 78, 79, T. 20, 
F. 5). Selten. 

51. Cylindrische Stielstücke von Scyphia pedunculata Rss. (I. c. II, 
p. 75, T. 17, F. 7—9). 

52. Bourgucticrinus ellipticus d'Orb. Häufige Säulen- und Ann- 
glieder. Fragmentäre Kronen sehr selten. 

53. Bruchstücke von Cidaritenstacheln, die aber ihres fragmentären 
Zustande» wegen nicht mit Sicherheit bestimmbar sind. Sie 
dürften wohl von C. filamentosa Ag. , C. sceptvifera Mant., 
C. subvesiculosa Ag. (am häufigsten), C. armata Rss. abstam- 
men. C. veslculosa fand ich nicht. 



Die Foraminiferen der westfälischen Kreideformat/on. 175 

54. Fragmente von anderen unbestimmbaren Cidaritenstacheln. Meh- 
rere Arten. 

55. Eschara dichotoma Goldf. Sehr selten. 

56. „ Lamarcki Hag. ? Selten. 

57. „ ähnlich der E. macrostoma v. Hag. Sehr selten. 

58. „ ähnlich der E. papyracea v. Hag. Sehr selten. 

59. „ Atalanta d'Orb. ? 

60. „ ähnlich der E. striata Goldf. 

61. „ larcki n. sp., ähnlich der E. Eryx d'Orb. (Pal. frang. 
terr. cret. T. 628, F. 11). Alle sehr selten und meistens abgerie- 
ben, so dass sie keine vollkommen sichere Bestimmung gestatten. 

62. Abgeriebene Bruchstücke von LunuUtes, wohl von L. Goldfussi 
v. Hag. Sehr selten. 

63. Vincularia inicrostoma n. sp. 

64. „ ähnlich der V. procera v. Hag. 

65. „ sp. Alle sehr selten. 

66. Echarites (Melicerites) inipressa n. sp. Sehr selten. 

67. Myriozouin cyclostomum n. sp. Ebenfalls sehr selten. 

68. Pnstnlipora teiiuissinia n. sp. 

69. Cricopora antiqaa De fr. sp. (= Cr. annulata Rss.). Sehr 
selten. 

70. Idmonea sp. Sehr selten. 

71. Crania striata Defr. Sehr vereinzelt. 

72. Terebratulina chrysalis Schloth. sp. 

73. „ Fanjasi Rom. sp. (Ist gewiss kein Jugendzustand 
von T. striata.) 

74. Schlossfragmente eines unbestimmbaren Inoceramus. Häufig. 

75. Zahlreiche Bruchstücke kleiner Schalen von Ostrea proteus 
Rss. (1. c. I, p. 41, T. 27, F. 12—27). 

76. Bruchstücke und Steinkerne kleiner gethürmter Schnecken. Sehr 
selten. 

77. Deckel einer Bithynia. 

78. Eine kleine Paludina. 

79. Eine kleine Succinea. 

80. Ein Pisidium. Die letztgenannten vier Conchylien sind nicht 
fossil. 

81. Beleuinitella qnadrata d'Orb. ziemlich häufig, meist in Bruch- 
stücken. 



176 I« e ii s s. 

82. Serpula flnctnata Sow. Seltene Bruchstücke. 

83. „ subtorquata v. Mst. , aber schwachkantig, ganz über- 
einstimmend mit der Beschreibung von Römer und den Exem- 
plaren aus der böhmischen Quadratenkreide (Plänermergel). 

84. Serpula omatissima n. sp. Sehr selten. 

85. Bairdia snbdeltoidca v. Mst. sp. 

86. Kleine unbestimmbare Fischwirbel, 

87. Kleine Haifischzähne ohne Wurzel, ähnlich Scoliodon. 

88. Fragmente kleiner Haifischzähne, vielleicht von Oxyrrhina 
Mantelli A g. 

89. Odontaspis raphiodon Ag. Kleine Zähne. 

90. Fragmente kleiner Flossenstachel eines Spinaxt 
Sämmtliche hier autgezählte Petrefacten stammen aus der Kreide- 
formation. Dieselben sind also, wenn sie auch, wie die von Dr. von 
derMarck gegebenen Listen ausser Zweifel setzen, mit organi- 
schen Resten anderer Formationen, besonders der devonischen, des 
Jura und des Wälderthones gemengt vorkommen, offenbar in vor- 
wiegender Zahl vorhanden, was in der unmittelbaren Nähe mächtig 
anstehender Kreidegesteine seine ungezwungene Erklärung findet. 
Die nähere Betrachtung der namhaft gemachten Versteinerungen 
lehrt uns aber auch, dass es vorzugsweise jüngere Kreideschichten 
sind, die dem Diluvialsande das organische Material geliefert haben. 
Nehmen wir die 49 Foraminiferen-Species, für welche die unter- 
suchten Foraminiferen der anstehenden Kreidegesteine Westphalens 
ein sehr willkommenes Material zur Vergleicbung darbieten, zum 
Ausgangspunkte. 6 Arten, die bisher nur aus dem Diluvialsande 
von Hamm bekannt sind, müssen dabei ausgeschieden werden, so 
dass nur 43 Arten zur Vergleicbung erübrigen. Von denselben sind 
10 nur in den Mucronatenschichlen theils Westphalens, theils 
auch anderer Länder gefunden worden; 11 Arten zugleich im oberen 
und unteren Senonien, 9 nebst diesen beiden Etagen auch noch 
im Cenomanien; 7 Species gehen vom oberen Senon selbst bis in 
den Gault hinab. Fünf Arten sind zwar in Westphalen bisher nur im 
Diluvialsande angetroffen worden, kommen aber ausserhalb des unter- 
suchten Terrains auch in der Kreideformation vor, und zwar zwei 
Arten in den Mucronatenschichten, 3 in der Quadratenkreide und im 
Pläner. Zwei Species hat der Diluvialsand von Hamm nur mit den 
Quadratenschichten gemein. Die eine derselben kehrt aber ausserhalb 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 177 

Westphalens in allen Kreidegliedern vom oberen Senon bis zum 
Cenomanien herab wieder. 

Es ergibt sich aus dem eben Vorgetragenen, dass von 43 Fora- 
miniferenarten 40 zugleich in den Mucronatenschichten liegen, 32 
in der Quadratenkreide. Es dürfte dadurch wohl der Schluss gerecht- 
fertigt erscheinen, dass die im Diluvium von Hamm begrabenen Fora- 
miniferen fast sämmtlich den in der Nachbarschaft anstehenden und 
weit verbreiteten oberen und unteren Senonschichten entnommen 
sind. Dass sie nicht aus der Ferne herbeigeführt worden sein können, 
geht aus dem guten Erhaltungszustände der so kleinen und zerbrech- 
lichen Schalen mit der grössten Wahrscheinlichkeit hervor. 

Zu ganz analogen Resultaten gelangt man, wenn man die übri- 
gen Petrefacten des Diluviums von Hamm, die freilich viel weniger 
vollkommen erhalten sind, in das Auge fasst. Ich sehe jedoch von 
der weiteren Vergleichung ab, da vorzugsweise nur die Foraminiferen 
den Gegenstand der vorliegenden Abhandlung bilden. 

IV. Specielle Beschreibung der neuen oder unvollständig bekannten 

Foraminiferen. 

A. Monothalamia. 
Cormispiriclae S c h u 1 1 z e. 

Cornuspira Jfi» Schultze* 

1. C. cretaceaRss. (OpercuUna er. Reuss. Verstein. d. böhm. 
Kreideform. p. 35 , T. 13, F. 64, 65). — T. I, F. 1. — 0-6—1-6 
Millim. gross, dünn scheibenförmig, im Umfange kreisrund, seltener 
durch Verlängerung nach einer Richtung breit elliptisch. 10 — 15 in 
einer Ebene spiral aufgerollte, wenig gewölbte, durch deutlicheNäthe 
gesonderte Umgänge, die nur wenig involut sind, so dass jede auf 
der Innenseite nur eine schwache Längsfurche zeigt, welche die 
nächstvorhergehende Windung aufnimmt. Die innersten Umgänge 
sind sehr dünn und schmal; nach aussen nehmen sie sehr langsam 
au Rreite zu. Nur die äusserste wird schnell beinahe doppelt so breit 
als die vorletzte und stärker involut. Zugleich aber werden die 
Windungen nach aussen dicker, wodurch das Gehäuse in der Mitte 
beiderseits viel dünner erscheint, als an den Rändern, und eine seichte, 
schüsseiförmige Vertiefung darbietet. Die letzte Windung zieht sich 



178 n e u s s. 

dem Endo zunächst beträchtlich zusammen und die Mündung erscheint 
dadurch bedeutend verengert. 

Die Schalenoberfläche zeigt gewöhnlich ziemlich regelmässige, 
stärkere und schwächere Anwachsringe. 

Fundorte: Im westphälischen Kreidegebirge sehr verbreitet. 
In den oberen Senonmergeln vom Kurkenberg und Herrensteinberg 
bei Hamm, von Dolberg bei Beckum, Hilgenberg bei Hamm; in den 
unteren Senonmergeln von UedinghofF bei Hamm, vom Rhynerberg, 
Bergeamen, Hamm und von Ostheide bei Hamm; im Pläner von 
Opherdieke bei Unna; im Gault von Rheine; im Diluvialsande von 
Hamm. Überdies nicht häufig im Bakulitenthon von Luschitz und 
Priesen in Böhmen; im Minimusthon von Eilum, im Milletianusthon 
von Klein-Lopke bei Hildesheim und im Tardefurcatusmergel von 
Quitzen bei Quarum. 

B. Polythalamia. 
I. Stichostegia d'Orb. 

a) Nodosaridae. 
Nodosaria d'Orb. 

1. N. lepida m. — T. I, F. 2. — Länge = 1-316 Millim., 
Dicke = 0*365 Millim. Das kurze, verhältnissmässig dicke Gehäuse 
besteht aus 6 — 7 rosenkranzartig aneinander gereihten, nach oben 
langsam an Dicke zunehmenden gewölbten Kammern, welche etwas 
breiter als hoch und durch tiefe Näthe getrennt sind. Die erste 
Kaminer ist klein, stumpf und ohne Stachel. Die letzte fast kugelig, 
etwas höher und dick, mit kurzem centralen Schnabel und gestrahl- 
ter Mündung. Die Sehale glasig glänzend. 

Sehr selten im oberen Senonmergel des Hilgenberges bei 
Hamm und im Diluvialsand von Hamm. 

2. N. concinna m. — T. 1 , F. 3. — Länge = 1-536 Millim., 
Dicke = 0-523 Millim. Steht der vorigen Species wohl nahe, unter- 
scheidet sich aber durch nur vier gewölbte grössere Kammern, die 
höher als breit sind. Die erste trägt einen sehr kurzen Central- 
stachel; die letzte ist besonders gross und gewölbt, und zieht sich 
rasch zu einer sehr kurzen dicken Spitze zusammen. Die Mündung 
ist ebenfalls gestrahlt, die Schaleuobertläche glatt und glänzend. 



Die Foraminiferen der westphiilischeii Kreideformatron. 170 

Von der sehr ähnlichen N. limbata d'Orb. ans der weissen 
Kreide von Meudon (Mein, de la soc. geol. de Fr. IV. I, 1840, 
p. 12, T. 1 , F. 1) unterscheidet sie sich durch den Mangel des 
Nathsaumes. 

Sehr selten in den Obersenonmergeln des Hilgenberges bei 
Hamm. 

3. N. nana m. — T. I, F. 6. — Eine sehr kleine, kurze, ver- 
hältnissmässig dicke Species. Das grösste Exemplar misst nur 
0-585 Millim. in der Länge, 0*219 in der Breite. Drei Kammern, 
deren unterste am dicksten, fast kugelig ist und in eine kurze Cen- 
tralspitze ausläuft. Die zweite längste ist etwas länger als breit und 
wird von den beiden Endkammern durch massig tiefe Näthe geson- 
dert. Die letzte kleinste läuft in eine kurze Spitze aus. Über das 
Gehäuse verlaufen 8 — 9 schmale niedrige Längsrippen , die durch 
doppelt breitere flache Zwischenräume geschieden werden. 

Sehr selten im obersten Gault von Rheine. 

4. N. intercostata m. — T. I, F. 4. — Länge : 1 -373 Millim., 
Breite : 0-329 Millim. Ähnelt einigermassen der mitteltertiären N. 
bacillum Defr. (d'Orbigny, Foram. foss. du bass. tert. de Vienne, 
p. 40, T. 1, F. 40—47). 

Das nicht sehr lange, schlanke Gehäuse nimmt nach aufwärts 
nur wenig an Dicke zu, ist beinahe cylindrisch. Die ungleichen, meist 
niedrigen Kammern sind nur durch seichte Näthe gesondert. Die 
erste, unten mit einer kurzen Stachelspitze bewaffnete übertrifft 
die nächstfolgende an Grösse nur wenig; die letzte endet in einen 
kurzen centralen Schnabel. Über sämmtliche Kammern verlaufen 
5 — 6 schmale niedrige Längsrippen, deren je zwei stets eine noch 
feinere zwischen sich haben. 

Sehr selten in den oberen Senonmergeln des Hilgenberges bei 
Hamm. 

5. N. duplicicostata m. — T. I, F. 5. — Länge : 0-921 Millim., 
Breite : 0*148 Millim. Eine kleine schlanke Species von spindelför- 
miger Gestalt, an beiden Enden beinahe gleichförmig zugespitzt. Es 
lassen sich nur drei Kammern unterscheiden. Die erste ist die 
längste, — wenigstens vermochte ich selbst bei durchfallendem 
Lichte keine weitere Theilung daran wahrzunehmen. — Sie ist 
gleich der letzten zugespitzt. Die mittlere kürzeste ist doch noch 
bedeutend höher als breit. Die Näthe sind sehr seicht. Über die 



J80 R e u s s. 

Schale verlaufen 4 — 5 stärkere und dazwischen eben so viele weit 
schwächere Längsrippchen, die bis zur unteren Spitze des Gehäuses 
herabreichen, die obere Hälfte der letzten Kammer aber frei lassen. 
Sehr selten in den unterhalb des Grünsandes liegenden Schich- 
ten des Gault von Rheine. 

6. N. obscora Rss. (Verstein. der böhm. Kreideform. p. 26, 
T. 13, F. 7—9.) 

Sehr selten in den oberen Senonmergeln des Hilgenberges bei 
Hamm und im Grünsande des Gault von Rheine. — Gemein im 
Baculitenmergel vonLuschitz, selten in jenem vonKystra in Böhmen, 
in der weissen Kreide von Kent und im lower chalk von Dover. Nach 
Morris soll sie auch im Gault von Folkstone und im Grünsand von 
Warminster vorkommen. 

7. N. prisinatica m. — T. II, F. 2. — Ähnlich der N. Zippei Rss. 
aus dem böhmischen Pläner (Reuss, Verstein. d. böhm. Kreideform. 
p. 2ö, T. 8, F. 1 — 3) und der N. polygona Rss. aus den Kreide- 
schichten von Wichmannsdorf und Basdorf in Mecklenburg (Zeitschr. 
d. deutschen geol. Gesellschaft 1855, p. 265, T. 8, F. 7, 8) u. a. m. 

Das Gehäuse ist in seiner ganzen Ausdehnung beinahe gleich 
dick. Die erste Kammer nur wenig länger und schmäler als die 
letzte, von derselben Gestalt und beide in eine kurze Spitze aus- 
laufend. Die übrigen Kammern sind kaum gewölbt, wenig breiter als 
hoch und nur durch schwache vertiefte Linien gesondert. Über alle 
Kammern laufen 6 sehr regelmässige schmale, am Rücken gerun- 
dete Längsrippen herab, die durch viel breitere, ebene Zwischen- 
räume getrennt sind. Die die Mündung tragende Spitze der letzten 
Kammer ist glatt. 

Sehr selten in den obersten Gaultschichten von Rheine. 

8. N. Zippei Rss. (Verstein. d. böhm. Kreideform. I, p. 25, 
T. 8, F. 1 — 3). Selten in den oberen Senonmergeln des Hilgenberges 
und Westberges bei Hamm u. a. 0., im Diluvialsande von Hamm. 
Sehr häufig im Pläner von Kosstitz u. a. 0. in Böhmen; seltener, 
aber ebenfalls weit verbreitet in den böhmischen Bakulitenthonen; 
in der weissen Kreide und im lower chalk Englands. 

9. N. inflatti Rss. (Verstein. d. böhm. Kreideform. I, p. 25, T. 13, 
F. 3, 4 — Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 1855, p. 263, T. 8, 
F. 2 — 4). Sehr selten in den oberen Senonmergeln des Hilgen- 
berges bei Hamm. — Sehr selten im Bakulitenthone von Luschitz 



Die Foraminiferen der westfälischen Kreideformation. 1 <S 1 

in Böhmen; nicht selten in den Kreideschichten von Basdorf und 
Wichmannsdorf in Mecklenburg. 

10. N. tetragona m. — T. II, F. 1. — Diese Species ist durch ihr 
vierkantiges Gehäuse von allen bekannten lebenden und fossilen Arten 
verschieden. Das verlängerte Gehäuse nimmt nach oben nur wenig 
und langsam an Dicke zu und ist an beiden Enden kurz zugespitzt. 
Die Begrenzung der beinahe eben so hohen als breiten Kammern ver- 
räth sich äusserlich nur durch sehr feine, undeutliche Linien; im 
untersten Tbeile des Gehäuses ist sie gar nicht wahrnehmbar. Die 
Kammern sind scharf vierkantig mit eingebogenen Seitenflächen, 
so dass vier scharfe Längsrippen über die Seitenkanten des quadra- 
tischen Gehäuses herabzulaufen scheinen. Die Schalenoberfläche ist 
eben, aber nicht glänzend. Jedoch könnte dies auch durch spätere 
Einwirkung lösender Substanzen bedingt sein. 

Sehr selten im Grünsande des Gault von Rheine. 

Itentalhia ü" r b. 

Die Arten dieser Gattung sind von Nodosaria keineswegs scharf 
abgegrenzt. So sehr sich die exquisiten Formen beider auch von 
einander zu unterscheiden scheinen, so werden dieselben doch 
durch eine grosse Menge vermittelnder Zwischenformen zu einer 
ununterbrochenen Reihe verbunden. Die sehr wechselnde Krüm- 
mung des Gehäuses, die grössere oder geringere Excentricität der 
die Mündung tragenden Verlängerung der letzten Kammer bringen 
die mannigfachsten Modificationen in der Gestalt der Dentalinen 
hervor und führen ganz allmählich und unmerklich zu den echten 
Nodosarien mit gerade gestreckter Schale und centraler Mündung. 

Die westphälischen Kreidegebilde sind sehr reich an Arten der 
Gattung Dentalina. Ich kenne ihrer bisher 28, von denen bei wei- 
tem die Mehrzahl den glatten meist sehr indifferenten und schwer 
unterscheidbaren Formen angehören. Nur drei sind längsgerippt; 
zwei Arten tragen Stacheln oder unregelmässige Höcker. 

1. D. acuminata m. — T. I, F. 7 — Länge : 3-29 Millim., 
Breite : 0-577 Millim. Lang dolchförmig, gerade, sich nach abwärts 
allmählich bis zur Spitze verschmälernd. Die Kammern zahlreich 
(bis 16). Die untersten sehr klein und nur undeutlich gesondert. 
Nach oben nehmen sie allmählich an Breite zu, bleiben aber immer 
breiter als hoch , sehr wenig gewölbt und durch nur schwach 



J$2 R e u s s. 

eingedrückte Näthe begrenzt. Die letzte Kammer gross und gewölbt, 
in eine kurze und dünne excentrische, weit rückwärts stehende 
Spitze auslaufend. Eine schmale aber tiefe Nath trennt dieselbe von 
der nächstälteren Kammer. Die Schale glasig glänzend. Sehr selten 
in den oberen Senonmergeln des Hilgenberges bei Hamm. 

2. D. snbrecta m. — T. I, F. 10. — Länge : 1 -39 Millim., grösste 
Breite : 0'335 Millim. Der vorigen Species ähnlich, nur durch gerin- 
gere Länge des Gehäuses, weniger zahlreiche Kammern, das stum- 
pfere untere Ende und tiefere Näthe verschieden. 

Die gerade Schale verschmälert sich abwärts allmälig und endigt 
mit sehr stumpfer Spitze. Die ältesten Kammern sind äusserlich 
nicht von einander geschieden. Die übrigen jedoch werden durch 
schmale aber ziemlich tiefe Näthe abgegrenzt. Die letzte Kammer 
kugelig mit kurzer, beinahe an der Rückenseite stehender Spitze und 
gestrahlter Mündung. Schale glasig glänzend. 

Sehr selten in den oberen Senonmergeln des Hilgenberges bei 
Hamm, im Pläner und im obersten Gault von Rheine. 

3. Dcntalina megalopolitana Rss. (Zeitschr. d. deutschen geol. 
Ges. 1855, p. 267, T. 8, F. 10). Sehr selten im oberen Senon- 
mergel des Hilgenberges bei Hamm. — Sehr selten im Kreidekalke 
von Basdorf in Mecklenburg. 

4. D. annolata Rss. (Die Kreideverst. Böhm. I, p. 27, T. 8, 
F. 4, 67; T. 13, F. 21. — Reuss in Haidinger's naturwiss. Ab- 
handl. IV. 1, p. 26, T. 1, F. 13). In den oberen Senonmergeln des 
Hilgenberges bei Hamm und im Diluvialsande von Hamm. — Sehr 
verbreitet im Bakulitenthone und Pläner Böhmens, in dem Mucronaten- 
mergel von Lemberg ; im Ananchytenmergel zwischen Astfeld und 
Jenstedt; im obern Pläner aus dem Bohrloche in Liebenburg bei 
Salzgitter; im Kreidemergel des tiefen Grabens im Gosauthale. 

5. D. tenuicaadata m. — T. II , F. 3. — Länge : 139 Millim., 
Dicke : 0-201 Millim. Ist im Habitus der tertiären D. elegans d'Orb. 
(Foram. du bass. tert. de Vienne p. 43, T. 1 , F. 52 — 56) ähnlich, 
weicht aber durch den Mangel des unteren Stachels und die Grösse 
der letzten Kammer davon ab. 

Das gebogene Gehäuse nimmt nach unten sehr regelmässig an 
Dicke ab und endigt mit dünner Spitze. Die zahlreichen (11 — 12) 
Kammern wenig gewölbt, nicht viel höher als breit, durch seichte 
Näthe geschieden. Die erste Kammer sehr klein, die letzte gross, 



Die Foraminiferen der westphiilischen Kreideformation. 183 

eiförmig, mit stumpfer, beinahe centraler Spitze. Die Mündung 
gestrahlt, die Schalenoberfläche glänzend glatt. 

Sehr selten in den unteren Senonmergeln von Ostheide bei 
Hamm. 

6. D. commotata m. — T. II, F. 4. — Länge: 1243 Millim., 
grösste Dicke : 0226 Millim. Der D. plebeja Rss. und D. megalo- 
politana R ss. aus der obern Kreide von Rasdorf in Mecklenburg 
(Zeitschr. d. deutschen geol. Ges. 1855, p. 267, T. 8, F. 9 und 10) 
ähnlich, aber von beiden verschieden. 

Das Gehäuse oben ziemlich dick, nach abwärts sich zur scharfen 
Spitze verschmälernd, massig gebogen. Dadurch, dass die Kammern 
auf der Rauchfläche mehr gewölbt sind als auf der Rückenseite, 
wird dasselbe sehr ungleichseitig. Während die Rückenseite eine 
beinahe gerade Linie darstellt, ist die Rauchseite viel stärker ge- 
bogen. 

Die Kammern sind etwas breiter als hoch, nur die letzte ver- 
längert, schief eiförmig. Die unteren Näthe erscheinen als kaum 
vertiefte Linien, nur die obersten bilden seichte Furchen. Die Mün- 
dung sitzt auf einer weit gegen die Rückenseite der Schale gerückten 
Spitze der letzten Kammer und ist mit einem Strahlenkranze umge- 
ben. Die Oberfläche der Schale glasig glänzend. 

Sehr selten in den obersten Schichten des Gault von Rheine. 

7. D. pugiuucalas m. — T. III, F. 9. — Ist der D. fiiiformis 
Rss. verwandt, jedoch kürzer, und verschmälert sich nach abwärts 
rascher zur Spitze. Die erste Kammer sehr klein, die folgenden 
allmählich an Grösse zunehmend, kurz elliptisch, nicht viel höher als 
breit, kaum gewölbt. Die Näthe sehr seicht. Die Schalenoberfläche 
glatt. 

Von dieser Species liegen nur grössere und kleinere Rruck- 
stücke vor, denen allen die letzte Kammer fehlt. Sie stammen aus 
den oberen Senonmergeln des Hilgenberges. 

8. D. cognata m. — T. I, F. 9. — Verwandt der D. oligostegia 
Rss. (Verstein. d. böhm. Kreideform. I,p.27, T. 13, F. 19,20), aber 
durch die grössere Anzahl und die Form der Kammern verschieden. 
Länge: 2-78 Millim., grösste Dicke: 0-548 Millim. Gehäuse sehr 
schwach gebogen und im Vergleiche zur Länge ziemlich dick. 4 — 6 
massig gewölbte, durch ziemlich tiefe Einschnürungen gesonderte 
Kammern. Die erste ist beinahe kugelig und läuft am untern Ende in 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XL. Bd. Nr. 8. 13 



184 R e u s s. 

eine kurze Spitze aus. Die übrigen sind etwas höher als breit. Ihre 
grösste Wölbung fällt in die untere Hälfte; nach oben hin verdünnen 
sie sich allmählich etwas. Die letzte Kammer spitzt sich oben schräge 
zu und endigt in einer kurzen dicken, etwas excentrischen Spitze. 
Die Schalenoberfläche glatt und glasig glänzend. 
Selten in Gesellschaft der vorigen Species. 

9. D. distincta m. — T. II, F. 5. — Länge : 0-877 Millim. , grösste 
Dicke: 0-182 Millim. Ist der vorigen Species wohl verwandt, aber 
durch weniger gewölbte Kammern, seichtere Näthe, die schiefere 
letzte und die viel längere erste Kammer davon hinreichend ver- 
schieden. 

Erwachsene Exemplare bestehen aus vier sehr verschieden 
gestalteten Kammern, die durch breite, aber wenig tiefe Näthe 
geschieden werden. Die erste Kammer ist grösser als die zwei nächst 
folgenden, elliptisch, gewölbt, unten sehr schwach zugespitzt. Die 
zweite und dritte Kammer sind wenig gewölbt, etwas höher als breit. 
Die letzte sehr gross, schief-elliptisch, besonders an der Bauchseite 
convex, oben in eine schiefe excentrische Spitze auslaufend, welche 
die gestrahlte Mündung trägt. Die Schalenoberfläche glatt, glänzend. 

Sehr selten in den obern Gaultschichten von Rheine und (?) in 
den unteren Senonmergeln von Ostheide bei Hamm. 

10. D. discrepims m. — T. III, F. 7. — Länge: 1-975 Millim., 
grösste Dicke : - 438 Millim. Diese Species ist durch die auffallende 
Ungleichheit der Kammern , die noch bedeutender ist als bei 
D. distincta m. und bei D. dispar Rss. aus dem Septarienthoue 
von Hermsdorf (Zeitschr. d. deutschen geol. Ges. 1851, 1, p. 61, T. 3, 
F. 7) von allen verwandten Arten verschieden. 

Das kurze, dicke und sehr wenig gebogene Gehäuse besteht 
nur aus drei Kammern. Die erste endigt unten in einen kurzen 
Centralstachel, ist aber, gleich der zweiten, die beiläufig eben so 
lang als breit ist, cyliudrisch. Die letzte Kammer ist länger als die 
beiden andern zusammengenommen, lang eiförmig und zieht sich zu 
einer dicken, etwas schief nach rückwärts gerichteten Spitze zusam- 
men ; die Näthe tief; die Schalenoberfläche glasig glänzend. 

Sehr selten in den untern Senonmergeln von Ostheide bei Hamm. 

11. D. Ulli Rss. (Reu ss in Hai ding er's naturwiss. Ahhdl. 
IV. I. p. 25, T. 1, F. 11.) Sehr selten in den oberen Senonmergeln 
des Hilgenberges bei Hamm. — In den Mucronatenmergeln von 



Die Fora mini Coro n der westphälischen Kreidefonnation. Iö5 

Lemberg in Galizien; im Kreidemergel vor dem Clever Thore von 
Hannover. 

12. D. marglnuloides Rss. (1. c. IV. p. 25, T. 1, F. 12). Sehr 
selten in Gesellschaft der vorigen Species an den vorbezeichneten 
Fundorten. 

13. D. cvlindroides m. — T. I, F. 8. — Länge: 241 Millim., 
grösste Dicke : 0-497 Millim. Kurz und verhältnissmässig dick, 
walzenförmig, wenig gebogen, an beiden Enden zugespitzt. Wenige 
(4) beinahe cylindrische, nur durch sehr seichte Einschnürungen 
gesonderte Kammern, von denen die mittleren zwei nur wenig höher 
als breit sind. Die Mündung auf einer kurzen excentrischen Spitze. 
Die Schale glasig glänzend. 

Im oberen Senonmergel des Hilgenbergs bei Hamm, im unteren 
Senonien vom Rhynerberg, im Minimusthone von Rheine. — Auch 
im Minimusthone aus dem Bohrloch Nr. 2 in der Heininger Ziegelei 
bei Salzgitter. Im Diluvialsande von Hamm. 

14. D. catenula m. — T. III, F. 6. — Länge: 19 Millim., 
grösste Dicke: 0*38 Millim. Unterscheidet sich von der sehr ähn- 
lichen D. cylindroides durch die tiefer eingeschnürten Näthe, so 
wie durch die deutlicher zugespitzte erste Kammer. Das nur wenig 
gebogene Gehäuse besteht nur aus vier massig und gleichförmig 
gewölbten, beinahe elliptischen Kammern, deren erste eine kurze 
Centralspitze trägt. Die letzte verschmälert sich zur kurzen , stark 
excentrischen Spitze mit gestrahlter Mündung. Die Näthe tief. Die 
Schale glasig glänzend. 

Sehr selten in den Obersenonmergeln des Hilgenberges bei 
Hamm, in dem unteren Senonien von Hamm und von Ostheide, in den 
obersten Gaultschichten von Rheine und im Diluvialsande von Hamm. 

15. J). strangulata m. — T. II, F. 6. — Der vorigen Species 
wohl sehr ähnlich , aber durch die nicht zugespitzte erste Kammer 
und die bedeutendere Grösse der schlankeren und längeren Kammer 
wesentlich unterschieden. Länge: 1-097 Millim., grösste Breite: 
0-182 Millim. Das wenig gebogene Gehäuse besteht aus vier ellip- 
tischen , massig gewölbten Kammern , deren erste unten stumpf 
gerundet ist, die letzte in eine ziemlich lange, wenig excentrische 
Spitze ausläuft. Alle sind höher als breit, durch tiefe Näthe geschie- 
den. Ein feiner Strahlenkranz umgibt die Mündung. Die Schalen- 
oberfläche glatt, glänzend. Sehr selten im obersten Gault von Rheine 

13* 



186 R e u s s. 

16. D. oligostegia Rss. (Verst. d. böhm. Kreideform. I, p. 27, 
T. 13, F. 19, 20. — Haidinger's naturwiss. Abhdl. IV. 1, p. 25, 
T. 1, F. 10). Selten in den oberen Senonmergeln des Hilgenberges 
bei Hamm und im Diluvialsande bei Hamm. — Nicht selten in den 
böhmischen Bakulitenthonen von Luschitz, Brozan u.a.; sehr selten 
in den Mucronatenmergeln von Lemberg in Galizien; im Kreide- 
detritus von Charing (England). 

17. D. Lorneiana d'Orb. (Mem. de la soc. geol. de Fr. IV. 1, 
p. 14, T. 1, F. 8, 9). Sehr selten in den oberen Senonmergeln des 
Hilgenberges und in den unteren Senonmergeln von Ostheide bei 
Hamm. — Ebenso im Pläner von Kosstitz und in den Bakulitenthonen 
von Luschitz, Kautz , Kystra, Brozan u. s. w. in Böhmen; in der 
weissen Kreide von Sens in Frankreich und der Grafschaft Kent in 
England, im lower chalk von Dover. 

18. D. intermedia m. — T. II, F. 8. — Länge: 1-829 Millim.; 
grösste Dicke: 0-256 Millim. Durch die Schiefheit der Kammern der 
D. Rcemeri Neugel). (Denkschr. d. k. Akad. zu Wien. XII. 2, p. 82, 
T.2,F. 13— 17) und der D. Orbignyana Neugeb. (I.e. p.82,T.3, 
F. 1 — 3) aus dem Tegel von Lapugy ähnlich. 

Das Gehäuse ist ziemlich schlank und gebogen, und verdünnt 
sich nach unten allmählich zur wenig scharfen Spitze. Die Kammern 
sind kaum gewölbt, massig schief, höher als breit. Im unteren Theile 
des Gehäuses vermag man nicht ihre Grenzen äusserlich zu unter- 
scheiden. Die übrigen Näthe sind nur durch feine Linien angedeutet; 
nur die letzte ist schwach vertieft. Die Kammern sind walzenförmig, 
die jüngste schief eiförmig, in eine ziemlich lange, stark excen- 
trische Spitze ausgezogen. Die Schalenoberfläche glalt und glänzend. 

Sehr selten im Minimusthone von Rheine. 

19. D. communis d'Orb. (1. c. IV, 1, p. 13, T. 1, F. 4). Selten 
im untern Senonmergel von Flierich, vom Rhynerberg und von 
Uedinghoff. — Selten in der weissen Kreide von Meudon und von 
England, im Mucronatenmergel von Lemberg (Galizien), im Bacu- 
litenthone von Luschitz, Brozan und Rannai, im Pläner vom Laurenz- 
berge bei Prag (Böhmen), im Kreidemergel vor dem Clever Thore 
von Hannover. 

D'Orbigny hat später im Prodrome de paleontol. II, p. 280, 
den Namen dieser Species in D. subcommunis umgeändert, um 
sie von der lebenden und tertiären D. communis d'Orb. (Ann. d. 



nie Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 1 ö f 

sc. nat. 1826. p. 254. -- Montagu, Test. brit. Suppl. T. 19, 
F. 4, 7) zu unterscheiden. Morris hat beide in seinem Cata- 
logue of british fossils (2. edit. p. 34) vereinigt. Ich kenne die 
tertiäre Species nicht aus eigener Anschauung, kann daher über 
ihre Identität mit der Kreidespecies kein entscheidendes Urtheil 
fällen. 

20. D. gracilis d'Orb. (1. c. IV, 1, p. 14, T. 1, F. 5). Im obern 
Senonien des Hilgenbergs bei Hamm, im untern von Ostheide, selten. 
— In der weissen Kreide von Sens (Frankreich) und von England, 
im Mueronatenmergel von Lemberg (Galizien), imBaculitenthone von 
Luschitz, Wollepschitz, Rannai und Brozan (Böhmen); nach Morris 
auch im Gault von Folkestone. 

21. D. legQinen Rss. (Die Verstein. d. böhm. Kreideform. I, p.28, 
T. 13, F. 23, 24. — Haidinger's naturw. Abhdl. IV. 1, p. 26, 
T. 1, F. 14.) — T. 3, F. 5. — In der Form und der Schiefheit der 
Kammern sehr verwandt der D. inornata d'Orb. aus dem Tegel des 
Wiener Beckens (Foram. foss. du bass. tert. de Vienne. p. 44, T. 1, 
F. 50, 51). Die Kammern sind nicht so schief wie bei D. communis 
d'Orb. aus der französischen Kreide und bei D. badenensis d'Orb. 
von Baden bei Wien (1. c. p. 44, T. 1, F. 49). Länge: 1-46 Millim., 
grösste Breite: Ol 82 Millim. Das lineare Gehäuse sehr schlank, 
wenig gebogen, gewöhnlich von den Seiten her wenig zusammen- 
gedrückt. Die 6 — 9 Kammern nehmen bis zur letzten nur langsam 
an Grösse zu und sind etwas schief, so dass ihre Wölbung an der 
convexen Seite des Gehäuses stärker hervortritt als an der con- 
caven. Die Näthe schmal, aber ziemlich tief. Die erste Kammer klein 
und in eine sehr kurze Spitze auslaufend, die letzte gross, schief- 
oval, verdünnt sich zu einer ziemlich langen, beinahe ganz an die 
concave Seite des Gehäuses gerückten Spitze, die die schwach 
gestrahlte Mündung trägt. Die Sclialenoberfläche matt, ohne deut- 
liche Rauhigkeiten zu zeigen. 

Fundorte: Die Species scheint in den westphälischen Kreide- 
schichten weit verbreitet zu sein. Ich fand sie im obern Senonien 
des Westberges, Hilgenberges und Herrnsteinberges bei Hamm, von 
Drensteinfurth, von Dolberg und von der Siestwarte bei Beckum; 
im unteren Senonien von Hamm und vom Rhynerberge, so wie im 
Pläner und oberen Gault von Rheine. — Auch im Baculiten- 
thon von Rannai (Röhmen); in den Mucronatenschichten von Lern- 



188 R e u s s. 

berg (Galizien); im Gault von Folkestone (England); im Kreide- 
inergel vor dem Clever Thore von Hannover. 

22. D. expausa in. — T. III, F. 4. — Eine lange und schlanke 
Species, gleich devB.fi/iformls. Es liegen aber nur Bruchstücke 
des wenig gebogenen Gehäuses vor. Die lang-elliptischen Kammern 
verschmälern sich gegen beide Enden hin gleichmässig und sind 2 bis 
2 , / 3 Mal so lang als breit. Sie werden durch breite, aber nicht sehr 
tiefe Einschnürungen gesondert. Die letzte Kammer verschmälert 
sich oben zur kurzen, wenig excentrischen Spitze. Die Gestalt der 
ersten Kammer ist mir nicht bekannt. Die Schale glatt , glasig 
glänzend. 

Sehr selten im obern Senonmergel des Hilgenberges bei Hamm. 

23. D. filiformis Rss.? — T. III, F. 8. — Es liegen nur Bruch- 
stücke dieser sehr schlanken und dünnen Species vor. Es muss dess- 
halb auch noch zweifelhaft bleiben, ob die in Rede stehende Art 
wirklich mit der B. filiformis aus dem Bakulitenthone von Luschitz 
und Rannai in Böhmen (Reuss, die Verst. d. böhm. Kreidef. I, p. 28, 
T. 12, F. 28) identisch sei, um so mehr, da bei dieser die Breite 
der Kammern von der Länge 4 — 5 Mal übertroffen wird , während 
dieselben an den vorliegenden Fragmenten nur 2 — 3 Mal so hoch 
als dick sind. Übrigens verschmälert sich das schwach gebogene 
Gehäuse nach abwärts nur langsam. Die Kammern sind lang-ellip- 
tisch, sehr wenig gewölbt , an den Näthen kaum eingeschnürt. Die 
erste Kammer sehr klein , sehr schwach zugespitzt. Die letzte Kam- 
mer fehlt an allen gefundenen Exemplaren. 

Selten im obern Senonmergel des Hilgenberges bei Hamm. 

24. D.lineolata Rss.(Die Verstein. d. böhm. Kreideform. I,p. 27, 
T. 8, F. 8.) Sehr selten in den oberen Senonmergeln des Hilgenberges 
bei Hamm. — Im Pläner von Kosstitz, im Baculitenthone von Luschitz 
und Brozan; im Kreidedetritus von Charing (England). 

25. D. Marcki m. — T. II, F. 7. — Das kleinste Exemplar ist 
2-56 Millim. lang und am obern Ende 0-36 Millim. dick. Die Species 
gehört in die umfassende Gruppe der Dentalinae costatae. Das 
Gehäuse ist beinahe gerade und gibt sich fast nur durch die starke 
Excentricität der Mündung als Bentalina zu erkennen. 8 — 10 Kam- 
mern, von denen die ältesten äusserlich beinahe nicht gesondert 
sind. Die jüngeren werden durch seichte Näthe geschieden. Nur die 
letzte Nafh ist tief. 



Die Foraraiiiiferen der westphälischen Kreideformation. 189 

Die erste Kammer elliptisch . wenig grösser als die nächst fol- 
genden und unten mit einem kurzen Centralstachel versehen. Die 
etzte ist kugelig und in einen schiefen excentrischen kurzen Schna- 
bel verlängert, der die gestrahlte Mündung trägt. Über sämmtliche 
Kammern, mit Ausnahme der letzten, verlaufen 8 — 11 sehmale, 
niedrige Längsrippchen, wodurch das Gehäuse kantig wird. 

Sehr selten in den oberen Senonmergeln des Hilgenberges bei 
Hamm. 

26. D. polypkragiua m. — T. III, F. 1. — Diese Species, die 
nur in einem theilweise in ein mergeliges Gestein eingewachsenen 
Exemplare ohne letzte Kammer vorliegt, ist eine der grössten der 
artenreichen Gattung Bentalina. Unser fragmentäres Exemplar misst 
19-8 Millim. Das Gehäuse ist im Verhältnisse zur Länge sehr schlank 
und ziemlich stark gebogen. Nach abwärts verschmälert es sich sehr 
allmählich und gleiclimässig und endigt in einer wenig scharfen Spitze. 
Die Zahl der Kammern beläuft sich auf 23. Die untersten sind nur 
durch sehr schwach vertiefte Linien, die oberen durch deutliche Ein- 
schnürungen geschieden. Die letzte Kammer scheint tief abgeschnürt 
gewesen zu sein und war daher dem Abbrechen sehr unterworfen. 
Über das ganze Gehäuse verlaufen dicht an einander gedrängte, 
durch schmälere Furchen geschiedene , gerundete Längsrippchen, 
deren Zahl sich nach oben durch Einsetzen neuer vermehrt. 

Sehr selten im Grünsande von Essen. 

27. D. aculeata d*Orb. (1. c. IV. 1 , p. 13, T. 1 , F. 2, 3). Im 
obern Senonmergel von Dolberg bei Beckum und vom Hilgenberg bei 
Hamm, im untern Senonien von Flierich, im Diluvialsande von Hamm, 
wegen der grossen Zerbrechlichkeit des Gehäuses stets nur in 
Bruchstücken. — tu der weissen Kreide von Sens und Meudon 
(Frankreich) und von England , in den Bakulitenschichten von 
Luschitz, Bannai, Brozan und Kystra (Böhmen). 

Wenn William son (Manch. Mein. 8, p. 78, F. 73, 74) diese 
Species aus dem obern Lias von Ilminster anführt, so ist dies ohne 
Zweifel einer Verwechslung mit einer verwandten Species zuzu- 
schreiben. 

28. D. foedissiina m. — T. III, F. 2, 3. — Gehört ebenfalls unter 
die grössten Arten der Gattung; einzelne der zahlreichen vorliegen- 
den Exemplare, die aber meistens fragmentär sind, erreichen die 
Länge von 7-63 Millim. Die Schale ist massig gebogen und verschmä- 



190 R e u s s 

lert sich abwärts langsam bis zur Spitze. 10 — 12 Kammern, breiter 
als hoch, sonst von sehr unregelmässiger Form durch zahlreiche 
grössere und kleinere, mitunter sehr starke, gerundete oder stumpf 
zugespitzte Höcker. Sie werden durch tiefe aber schmale Nätlie 
geschieden. Die erste Kammer ist sehr klein, die letzte am gross- 
ten und in eine kurze, stumpfe, von der runden nackten Mündung 
durchbohrte Spitze auslaufend. 

Die Oberfläche der Schale ist sehr uneben und mit kleineren 
Rauhigkeiten dicht bedeckt, die Schale selbst theilweise kieselig — 
das einzige derartige Beispiel innerhalb der Gattung Dentalina. 

Ich fand sie nicht in anstehenden Kreidegesteinen , wohl aber 
in zahlreichen Exemplaren im Diluvialsande von Hamm. Doch gehört 
sie ohne Zweifel gleich den übrigen Furainiuiferen dieses Sandes 
der Kreideformation an. 

b) Glandulinidae. 
Glandulina d'Orbigny. 

1. Gl. inanifesta Rss. (Haidinger's naturwiss. Abhandl. IV, 1. 
p. 22, 23. T. 1, F. 4). Sehr selten in den oberen Senonmergeln des 
Hilgenberges bei Hamm. — Ebenso in den Mukronatenschichten von 
Lemberg in Galizien. 

2. Gl. elongata m. — T. IV, F. 2. - - Länge: 1-915; Breite: 
0*877 Millim. Die in Rede stehende Species gehört unter die grössten 
ihrer Gattung. Sie ist beinahe cylindrisch, verschmälert sich nach 
unten kaum und zieht sich dann rasch zur stumpfen Spitze zusammen. 
Sechs Kammern. Die ersten 3 — 4 sind nur in geringer Ausdehnung 
sichtbar, sehr niedrig und äusserlich nur durch dunkle Linien ange- 
deutet. Die folgenden drei erscheinen höher, etwas gewölbt und 
durch deutliche, wenn auch nicht tiefe Näthe geschieden. Die letzte 
Kammer läuft in eine sehr kurze centrale Spitze aus, welche die 
gestrahlte Mündung trägt. — Die Schalenoberfläche glasig, glänzend. 

Demnach bildet die beschriebene Art, die in ihrer Jugend eine 
echte Glandulina ist, in ihrer weiteren Entwicklung den Übergang 
zu einer Nodosaria. 

Sehr selten in Gesellschaft der vorigen Species. 

3. Gl. cylindracea Rss. (Verstein. d. böhm. Kreideform. I, p. 2S, 
T. 13, F. 1, 2.) — T. IV, F. 1. — Ris 0*84 Millim. lang bei 0*226 
Millim. Dicke. Daher im Verhältnisse zur Dicke lang. Cylindrisch, 
beiderseits zugespitzt, in der Mitte zuweilen etwas eingeschnürt. Ein- 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. [ t) | 

zelne Exemplare sind etwas gekrümmt; jedoch findet dies bei den Exem- 
plaren ans Westphalen seltener Statt, als bei den böhmischen. 3 — 6 
cylindrische Kammern, deren Begrenzimg äusserlich kaum sichtbar 
ist. Besonders findet dies bei den ältesten Kammern Statt; man unter- 
scheidet daher äusserlich gewöhnlich nur drei Kammern. Nur die 
oberste Kammer ist bisweilen durch eine etwas deutlichere, aber 
stets sehr seichte Nath gesondert. Sie verlängert sich in eine kurze, 
nicht selten etwas excentrische Spitze, welche die gestrahlte Mün- 
dung trägt. Schalenoberfläche glatt. In den oberen Senonmergeln von 
Drensteinfurth und vom Hilgenberg bei Hamm und im untern Senonien 
von Hamm. Im Bakulitenthone von Luschitz und Kystra. Ob die 
Glandulina in den Mukronatenschichten von Lemberg in Galizien, 
die ich unter demselben Namen beschrieb (Haidinger's naturw. 
Abhandl. IV. 1, p. 23, T. 1, F. 5), wirklich hieher gehöre, ist zweifel- 
haft. Durch ihre stumpfere erste Kammer nähert sie sich mehr der 
Gl. cylindrica Alth. (Haidinger's naturw. Abhandl. III. 2. p. 
271. T. 13, F. 30). 

c) F r o n d i e u 1 a r i d a e. 
Frondicularia Defr. 

1. Fr. turgida Bss. (1. c. II, p. 107, T. 24, F. 44). Sehr selten 
in den oberen Senonmergeln des Hilgenberges bei Hamm. — Eben so 
selten in dem Bakulitenthone von Luschitz (Böhmen). 

2. Fr. angulata d'Orb. (Mem. de la soc. geol. de France 1840. 
IV. 1, p. 22, T. 1, F. 39. — Beuss, Kreideverst. Böhm. I. p. 31, 
T. 13, F. 40; II. p. 107, T. 24, F. 42. — Sehr selten mit der 
vorigen. — Selten in der weissen Kreide von Meudon; in den Baku- 
litenschichten von Luschitz, Brozan und Bannai (Böhmen). 

3. Fr. Decheni m. — T. IV, F. 3. — 12 Millim. lang und 
0*365 Millim. breit. Das Gehäuse ist von eigentümlicher Form, 
kurz und verhältnissmässig breit, und zwar in seiner ganzen Länge 
fast gleich breit, so dass die Seitenwände beinahe parallel verlaufen. 
Ebenso fällt die nicht unbedeutende Dicke des Gehäuses auf. Die 
Bänder sind abgestutzt, breit, jederseits mit einer zarten Leiste ein- 
gefasst und daher in der Mitte der Länge nach seicht vertieft. Die 
erste Kammer gross , so breit als das übrige Gehäuse, stark gewölbt, 
auf jeder Fläche mit zwei ziemlich hohen gekrümmten Längsripp- 
chen, zwischen denen sich noch eine kürzere sehr zarte befindet; 



192 R e u s s. 

am unteren Ende mit einem kurzen starken Centralstachel. An beiden 
Seiten wird sie durch den darüber fortsetzenden Rand des Gehäuses 
gesäumt. Über der ersten Kammer folgen höchstens noch vier jün- 
gere, deren unterste von der ersten äusserlich undeutlich gesondert 
ist. Die übrigen sind durch sehr feine gehogene Grenzleistchen 
erkennbar, spitzwinklig und ziemlich hoch. Sie tragen jederseits 
4 — 10 sehr zarte Längsrippchen, die wenigsten (4) die zweite, 
die zahlreichsten (10) die letzte Kammer, welche oben in eine 
kurze Spitze ausläuft. 

Sehr selten in den oberen Senonmergeln des Hilgenberges bei 
Hamm. 

4. Fr. Becksi m. — T. 4, F. 4. — Länge 2 Millim., Breite 0-68 
Millim. Eiförmig, oben zugespitzt, unten mit einem ziemlich langen, 
dünnen Centralstachel versehen. Der Seitenrand abgestutzt, in der Mitte 
im grössten Theile seines Umfanges der Länge nach gefurcht. Stark 
zusammengedrückt, besonders im unteren Theile. Die erste Kammer 
klein, eiförmig, gewölbt, mit drei schmalen Längsrippchen auf 
jeder Seite. Die vier übrigen Kammern sind ziemlich niedrig und 
spitzwinklig, von schmalen erhabenen Leistchen eingefasst. Die 
letzte Kammer glatt, die dritte und vierte mit entfernten kurzen, 
sehr zarten Längsrippchen, während die zweite nur ein solches 
Längsrippchen in der Mitte trägt. 

Sehr selten in Begleitung der vorigen Art. 

5. Fr. apiculata Rss. — T. V, F. 2. — (Reuss, die Verst. d. 
böhm. Kreideform. Lp. 30, T. 8, F. 24, ic. mala). Lanzettförmig, unten 
stumpf, oben lang und scharf zugespitzt, in der Mitte dicker als an 
den Seiten. Wenige (4 — 7) ziemlich breite spitzwinklige Kammern 
mit hohen dachförmig abschüssigen Leisten, die in der Mitte durch 
eine Längsfurche unterbrochen sind. Die letzte Kammer lang zuge- 
spitzt, die erste gross, kugelig, mit centraler Stachelspitze und 
5 Längsrippchen auf jeder Seite, von denen zwei längere mit drei 
kürzeren abwechseln. Die Seitenränder abgestutzt, längsgefurcht, 
oben breiter als unten, sich auch über die erste Kammer fortsetzend. 

Selten im Diluvialsande von Hamm. — Sehr selten im Pläner 
von Kosstitz und im Bakulitenthone von Luschitz (Böhmen). 

6. Fr. (ioldfussi m. — T. IV, F. 7. — 23 Millim. lang, 084 
Millim. breit, eiförmig oder ei -lanzettförmig, oben sich allmählich 
zur ziemlich langen Spitze verschmälernd, unten gerundet und in 



Die Foraminiferen der westpliälischen Kreidefoi-mation. 193 

der Mitte eine kurze Stachelspitze tragend , sehr stark zusammen- 
gedrückt , mit dünnem ahgestutzten Rande. Die erste Kammer schmal- 
eiförmig, wenig - gewölbt, mit drei schwachen Längsrippchen, deren 
mittleres gerades am längsten, die beiden seitlichen kürzer und gebo- 
gen sind. Sie wird von den jüngeren Kammern seitlich umfasst. Diese 
sind sehr schmal und spitzwinklig, in der Mitte schwach längs- 
gefurcht, und werden aussen durch schmale Leistchen von einander 
geschieden. 

Die beschriebene Species unterscheidet sich von der ähnlichen 
Fr. Cordai Rss. (Denkschr. d. k. Akad. d. Wiss. zu Wien. VII. p. 
66, T. 25, F. 3) durch das Vorhandensein der unleren Stachel- 
spitze, durch die nicht vorragende erste Kammer, die geringere 
Breite an der Basis und den Mangel der Radialstreifen auf beiden 
Seitenflächen. 

Sehr selten in den oberen Senonmergeln des Hilgenberges bei 
Hamm und im Diluvialsande von Hamm. 

7. Fr. marginata Rss. (I. c. I. p. 30, T. 12, F. 9 ic. mala; II. 
p.107, T.24, F. 39, 40) — T. V,F. 3. — Das grösste der vorliegenden 
Exemplare misst 3-5 Millim. in der Länge, 0*8 Millim. in der Breite. 
Der Umriss der Schale ist sehr veränderlich, verkehrt lanzettförmig, 
gewöhnlich jedoch etwas schmäler, als in der hier gegebenen 
Abbildung. Am häufigsten sind Formen, die der 1. c. T. 24, F. 39 
gegebenen Abbildung gleichen. Die grösste Breite erreicht das 
Gehäuse nicht sehr weit vom oberen Ende, und verschmälert sich 
nach abwärts sehr allmählich. Sehr oft sind die Seitenränder im 
unteren Theile etwas eingebogen. Die Schale ist in der Mitte dicker 
als gegen die Ränder hin. 9—15 schmale Kammern, gesondert 
durch hohe, dachförmige Leisten, die in der Mitte durch eine Furche 
unterbrochen sind und meistens nicht ganz bis an den Seitenrand 
reichen. Dieser erscheint daher in ununterbrochenem Zusammen- 
hange, ist gerade abgestutzt und hohlkehlenartig vertieft, wird nach 
unten allmählich schmäler, setzt auch über die erste Kammer fort und 
ragt dort in Gestalt eines schmalen Fl ügelsaumes vor. Die erste Kammer 
stellt eine kleine schwach verlängerte Kugel dar mit kurzer Central- 
spitze und einer oder drei Längsrippchen auf jeder Seite. Die mittlere 
dieserRippen verlängert sich bis auf die Fläche derzweiten Kammer. 

Fundorte: In den oberen Senonschichten des Hilgenberges 
bei Hamm, in den unteren von Flierich und im Diluvialsande von 



194 l! e u s s 

Hamm, überall selten. — Nicht selten in den Bakulitenschichten 
von Lnschitz , Rannai und Brozan und im Planer des Laurenzberges 
bei Prag (Böhmen). 

8. Fr. canaliculata Rss. (1. c. I, p. 30, T. 8, F. 20, 21). — 
T. VI, F. 1. — Da die 1. c. gegebene Abbildung zu undeutlich, und 
theilweise auch unrichtig ist, so biete ich hier nochmals eine grös- 
sere und treuere dar. Die Species wird bis 3-6 Millim. lang bei 
0-92 Millim. grösster Breite. 

Auch hier ist der Schalenumriss verkehrt-lanzettförmig, bald 
breiter, bald schmäler, und erreicht seine grösste Breite weit über 
der Mitte der Länge. Die Schale verschmälert sich an beiden Enden, 
oben rascher, unten langsamer zur stumpfen Spitze, und ist in der 
Mitte nur wenig dicker, als gegen die Seitenränder hin. Diese sind 
abgestutzt, durch eine tiefe Längsrinne ausgehöhlt, und setzen auch 
über die erste Kammer fort. Dieselbe bildet eine sehr kleine Kugel, 
trägt am unteren Ende eine kurze Stachelspitze, auf den Seitenflä- 
chen aber je zwei sehr kurze und feine Längsrippchen. Die übrigen 
Kammern sind nicht sehr spitzwinklig, ziemlich breit, und werden 
durch hohe beinahe senkrecht abfallende Leisten, die in der Mitte 
unterbrochen sind, gesondert. 

Fundorte: Selten im Diluvialsande von Hamm. — Im Pläner von 
Kosstitz und vom Laurenzberge bei Prag, und im Bakulitenthone von 
Luschitz (Böhmen). 

9. Fr. gaultina m. — T. V, F. 5. — Von dieser eigenthümlichen 
Species liegt leider nur ein Exemplar vor, dem das untere Ende 
fehlt. Es ist 0-877 Millim. lang und 0-248 Millim. breit. Das Gehäuse 
ist langgezogen, rhomboidal, an beiden Enden zugespitzt, stark 
zusammengedrückt. Die erste Kammer, von der nur das obere Ende 
erhalten ist, scheint spitzig, zusammengedrückt, und mit einer seichten 
centralen Längsfurche versehen gewesen zu sein. Die übrigen (7) 
Kammern sind niedrig, sehr spitzwinkelig, flach, äusserlich nicht 
durch Leisten, sondern durch schmale, jedoch ziemlich tiefe Furchen 
geschieden. Die Seitenränder einfach winklig. Die Schalenober- 
fläche glänzend, glatt. 

Sehr selten im Minimusthone von Rheine. 

10. Fr. inversa Rss. (1. c. I. p. 31, T. 8, F. 15—19; T. 13, 
F. 42). Selten in denObersenonmergeln vom Westberge bei Hamm. — 
Häufig in den böhmischen Bakulitenthonen (Luschitz, Brozan, Hoch- 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 191) 

petsch, Rannai, Kystra u. a.), seltener im Pläner (Kosstitz, Laurenz- 
berg bei Prag u. a.); nach Morris im Gault von Folkestone in 
England (?). 

11. Fr. strigillata m. — T. VI, F. 3. — Eine äusserst zierliche 
Form, der Fr. concinna Koch (Palaeontographica I. p. 172, T. 24, 
F. 5) aus dem Hils von Grünenplan verwandt. Das dünne Gehäuse 
ist beinahe regelmässig eiförmig, nur die ersten Kammern sprin- 
gen über das zugerundete untere Ende in Gestalt eines kurzen 
Zapfens hervor. Das obere Ende ist zugespitzt, die bogenförmigen 
Ränder einfach winklig. 8 — 9 spitzwinklige, sehr schmale Kammern, 
die äusserlich nur durch sehr schwache rundliche leistenartige 
Erhöhungen, zwischen denen sehr seichte breite Depressionen ver- 
laufen, angedeutet sind. Dieselben sind von kurzen unterbrochenen, 
etwas schräg von unten ausstrahlenden feinen Rippchen bedeckt, die 
auf den leistenartigen Erhöhungen am deutlichsten hervortreten. Die 
erste Kammer, die von den nächstfolgenden ganz umfasst wird, ist 
schmal lanzettförmig und wenig gewölbt. 

Seltene Exemplare dieser Species wurden bisher nur im Diluvial- 
sande von Hamm gefunden. 

12. Fr. gaestphalica m. — T. 6, F. 2. - 1755 Millim. lang, 
0-877 Millim. breit, breit-rhomboidal, unten kurz, oben länger zuge- 
spitzt, sehr stark zusammengedrückt. Die erste Kammer lanzettlich, 
am untern Ende des Gehäuses in Gestalt einer Spitze vorragend, nur 
wenig dicker als die Umgebung, auf beiden Flächen fein längs- 
gefurcht; die anderen Kammern flach, durch schmale, aber ziemlich 
tiefe Furchen geschieden und mit zerstreuten feinen kurzen Längs- 
furchen bedeckt, die auf den jüngeren Kammern allmählich an Zahl 
abnehmen. Die Schalenoberfläche glatt, glänzend. 

Sehr selten im obersten Gault von Rheine. 

13. Fr.microdisca m. — T.V, F. 4. — Das sehr stark zusammen 
gedrückte, dünne Gehäuse ist breit-eiförmig, beinahe trapezoidal, mit 
beinahe rechtwinkligem oberen und stumpfwinkligem unteren Ende. 
Die oberen längeren schwach bogenförmigen Seitenränder stossen 
mit den kürzeren beinahe geraden unteren in einem deutlichen 
stumpfen Winkel zusammen. Die erste der zahlreichen Kammern, 
welche die benachbarten etwas überragt, ist sehr klein, oval, gewölbt, 
mit einer feinen medianen Längsrippe versehen. Die übrigen Kam- 
mern sind sehr schmal, wenig spitzwinklig, und durch dünne scharfe, 



106 Rens s. 

in der Mitte durch eine Querfurche unterbrochene Leisten gesondert. 
Die Seitenränder dünn, abgestutzt. 

Sehr selten im Diluvialsande von Hamm. 

14. Fr. striatula Rss. (1. c. I. p. 30, T. 8, F. 23— ic. pessima; 
II. p. 107, T. 43, F. 11). Im oberen Senonmergel des Hilgen- 
berges bei Hamm , im unteren vom Rhynerberg und von Bergeamen, 
im Diluvialsande von Hamm. — Im Pläner von Kosstitz und Weiss- 
kirchlitz, im Bakulitenlhone von Luschitz (Böhmen), in der weissen 
Kreide von Norwich und im Kreidedetritus von Charing (England). 

15. Fr. angnsta Nils. (Planularia angusta Nilsso n , Petref. 
Suec. p. 11, T. 9, F. 22. — Reuss, 1. c. I. p. 29, T. 8, F. 13, 14. — 
Fr. aiigustata Ro ein. , Kreideverst. Deutschlands, p. 96) — T. IV, 
F. 5. — Die grössten Exemplare hatten eine Länge von 5-85 Millim. 
bei 1-31 grösster Breite. 

Eine der ansehnlichsten Formen dieser Gattung. Die grösste 
Breite besitzt das verkehrt-lanzettförmige Gehäuse weit über der 
Mifte, noch über dem Anfange des letzten Drittheiles der Schalen- 
länge. Nach abwärts verschmälert es sich zwar sehr langsam, aber 
bedeutend. Es ist in der Mitte am dicksten und schärft sich gegen 
die winkligen Seitenränder hin allmählich zu. 

Die Zahl der Kammern ist sehr bedeutend, und steigt bei gros- 
sen Exemplaren bis auf 25 — 30. Dieselben sind sehr niedrig, spitz- 
winkelig und durch ziemlich tiefe Furchen geschieden, so dass sie 
äusserlich in Gestalt von wenig breiten, dachförmig abschüssigen 
Leisten hervortreten. In der Mitte werden sie von einer nach unten 
allmählich schmäler werdenden Längsfurche durchzogen, tragen aber 
überdies jederseits noch eine wechselnde Anzahl kurzer seichter 
Furchen, die sich jedoch in die Grenzfurchen der Kammern nicht 
fortsetzen. Manchmal bedecken sie, wie an dem abgebildeten Exem- 
plare, die ganze Oberfläche der Kammern; gewöhnlich sind sie alter 
nur an einzelnen Stellen vorbanden oder treten auch nur ganz ver- 
einzelt auf. Die erste Kammer stellt eine sehr kleine Kugel dar, 
welche am unteren Ende eine kurze Stachelspitze, auf jeder Seite 
aber drei sehr feine Längsrippchen trägt. Der Seitenrand des 
Gehäuses setzt sich über die erste Kammer nicht fort. 

Die beschriebene Species ist eine der am längsten bekannten 
und verbreitetsten Foraminiferen der oberen Kreide. Nur von 
Cristelluria rotulata Lam. sp. wird sie darin noch übertroffen. Ich 



Die Fornminiferen der wesfphiilisclieii Kreideformation. 10/ 

fand sie in den oberen Senonschichten des Kurkenberges bei Hamm, 
und häufig im Diluvialsande von Hamm. Wahrscheinlich kommt sie 
noch an vielen anderen Punkten Westphalens vor. — Ausserdem 
liegt sie fast überall im Pläner Böhmens und Sachsens, so wie in den 
Bakulitenthonen Böhmens, so dass eine nähere Bezeichnung der 
einzelnen Fundorte überflüssig wird. Selten findet sie sich im Kreide- 
mergel des Edelbachgrabens im Gosauthale, im Grünsande von 
Köpinge (Schweden), und der unteren Kreide von Peine. 

So sehr Fr. angusta innerhalb der Quadratenkreide und des 
Pläners verbreitet ist, so scheint sie doch dagegen der Mukronalen- 
kreide beinahe ganz zu fehlen. Wenigstens ist sie bisher mir aus der 
Schreibkreide Frankreichs, Englands, Dänemarks, Bügens, aus den 
Mukronatenmergeln von Lemberg und anderen analogen Schichten nicht 
bekannt geworden. Ehen so scheint sie in den Gault nicht hinab zu 
gehen; ja sie ist selbst im Cenomanien noch nicht mit Sicherheit 
nachgewiesen. 

16. Fr. angastissiina m. — T. IV, F. 6. — 2-78 Millim. lang, bei 
045 Millim. Breite. Der Fr. angusta Nils. sp. im Umrisse sehr ähn- 
lich, aber im oberen Theile des Gehäuses schmäler und mit grösserer, 
nur mit zwei Längsrippchen gezierter Embyonalkammer. Durch 
letzteres Merkmal , so wie durch das schlankere Gehäuse weicht sie 
auch von Fr. capillaris Bss. aus dem Mukronatenmergel von Nagor- 
zani bei Lemberg ab (Haidinger's naturwiss. Äbhandl. IV. I. p. 29, 
T. 1, F. 20). Die Schale ist linear, im Verhältnisse zur Länge sehr 
schmal, oben zugespitzt, nach unten sich sehr langsam verschmä- 
lernd, am Bande stumpfwinklig. Die erste Kammer stellt eine kleine, 
jederseits mit zwei sehr schmalen Längsrippchen versehene Kugel 
dar, welche unten in einen kurzen Centralstachel ausläuft, und seit- 
lich von einer schmalen Fortsetzung des Seitenrandes des Gehäuses 
umsäumt wird. Über der ersten Kammer schnürt sich die Schale nur 
wenig ein, nimmt aber bald wieder allmählich an Breite zu, und erreicht 
erst im Anfange des letzten Fünftheiles der Länge ihre grösste Breite. 

Die Kammern, welche der ersten folgen, sind spitzwinklig, 
schmal, in der Mitte durch eine seichte Längsfurche halbirt, durch 
deutliche Nathfurchen von einander geschieden, und mit Ausnahme 
der letzten, an der Oberfläche mit sehr zarten parallelen Längs- 
linien geziert. 

Sehr selten im oberen Senonmergel des Hilgenberges bei Hamm. 



198 H , u s s. 

17. Fr. Archiacina cTOrb. (Mem. de la soe. geol. de France 1840. 
IV. 1. p. 20, 21; T. 1, F. 34—36. — Reuss, die Verstein. d. 
böhm. Kreideform. I. p. 31, T. 13, F. 39). Sehr selten im oberen 
Senonmergel des Hilgenberges und Westberges bei Hamm. — 
Selten in der weissen Kreide von Meudon und Sens (Frankreich), 
in der Schreibkreide Englands, und im Kreidedetritus von Charing. 
Sehr selten im Bakulitenthone von Luschitz und im Pläner des 
Laurenzberges bei Prag (Böhmen). 

18. Fr. lanceola m. — T. V, F. 1. — Steht in der Form eben- 
falls der Fr. angusta Nils. sp. und der Fr. angustissima m. nahe. 
Das Gehäuse ist sehr lang und schmal lanzettförmig, beinahe linear, 
auf 2-377 Millim. Länge nur 0-234 Millim. breit, oben kurz zuge- 
spitzt, abwärts sich sehr allmählich verschmälernd und in eine ziem- 
lich scharfe Spitze endigend. Die erste Kammer lang-elliptisch, wenig 
dicker als die nächstliegenden, an den Seitenflächen eingedrückt und 
mit einer schwachen Längsrippe versehen. Ebenso sind ihre Seiten- 
ränder breit und bilden eine in der Mitte seicht vertiefte Fläche, so 
dass der Querschnitt der Kammer vierseitig wird. Ihr unteres Ende 
ist mit einer kurzen Centralspitze bewaffnet. 

Die übrigen Kammern sind oben zugespitzt, an den Seitenrän- 
dern ziemlich scharfwinklig, und äusserlich durch tiefe Furchen 
geschieden. Auf der vorderen und hinteren Fläche werden sie von 
einer medianen Längsfurche durchzogen, neben welcher jederseits 
noch einige sehr kurze Furchen in derselben Richtung verlaufen. 
Nur auf der letzten Kammer, die oben mit einer schmalen Leiste ein- 
gesäumt erscheint, fehlen dieselben. 

Sehr selten in denunterenSenonmergeln von Ostheide bei Hamm. 

Rhnbdogonitim m. nov. gen. 

Triplasia Reuss, Denkschr. d. k. Akad. d. Wiss. z. Wien. 
1854. VII. p. 65. 

Eine Sippe aus der Ordnung der Stichostegier, die, wenn sie 
auch gleich den meisten übrigen Gattungen dieser Gruppe mit 
manchen anderen durch Übergänge verknüpft ist, doch zum Theile 
so eigenthümliche Merkmale darbietet, dass man, sie als selbstständig 
von den übrigen zu trennen, nicht nur berechtigt, sondern selbst 
genöthigt ist, wenn man nicht etwa die meisten ein- und geradreihigen 
Polythalamien in eine einzige Gattung zusammenzuziehen beabsichtiget. 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 199 

Der zuerst in die Augen fallende Charakter von Rhabdogonium 
ist das Vorhandensein von mehreren scharfen Längskanten an dem 
geraden Gehäuse. Die vier zuerst bekannt gewordenen Formen 
besassen sämmtlich nur drei solche Kanten, waren also im Quer- 
schnitte dreiseitig, wesshalb ich die Gattung auch mit dem Namen 
Triplasia belegte. Hieher gehören : Rh. Murchisoni m. aus den 
Gosauschichten des österreichischen Salzkammergutes, Rh. globulife- 
rum, Roemeri und anomalumm., welche ich sogleich näher beschrei- 
ben werde, aus der Kreideformation Westphalens , und endlich Rh. 
acutangulum m., eine noch nicht publicirte Species, die ich in dem 
Hils von Berklingen entdeckte. 

Später entdeckte ich aber vierkantige Arten, die, abgesehen 
von dem tetragonalen Querschnitte, in den übrigen Kennzeichen voll- 
kommen mit den vorerwähnten übereinstimmen, wie Rh. Strombecki 
und Mertensi m., beide ebenfalls aus dem Hils von Berklingen stam- 
mend und noch nicht veröffentlicht. Auf diese konnte nun offenbar 
der frühere Name Triplasia nicht angewendet werden, und ich sah 
mich desshalb gezwungen, denselben mit einem neuen — Rhabdogo- 
nium — zu vertauschen. Durch denselben wird die gekantete stab- 
förmige Gestalt des Gehäuses klar bezeichnet. 

Die mehr weniger zahlreichen Kaminern liegen wie bei den 
übrigen Stichostegiern in gerader Reihe über einander, doch so 
dass sie ohne Einschnürungen sich in ihrer ganzen Breite decken 
und äusserlich nur durch lineare Näthe gesondert erscheinen. Aber 
sie decken sich nicht nur, sondern jede Kammer umfasst mit den 
tiefer herabreichenden Kanten noch die nächstältere Kammer in ver- 
schiedenem Grade. Bei einigen Arten, wie Rh. acutangulum, Strom- 
becki und globuliferum findet dieses Umfassen in hohem Grade Statt, 
während die Kammern anderer Arten, wie Rh. Murchisoni und beson- 
ders Rh. Roemeri und anomalum, nur wenig oder selbst sehr wenig 
gebogen sind. 

Die Kammern sind daher reitend, wie bei Frondicularia, nur 
dass bei dieser die ältere Kammer von der nächst jüngeren nur an 
zwei Stellen, nur mit zwei Armen, bei Rhabdogonium aber von 
drei bis vier Armen , also gerade an so vielen Stellen als das 
Gehäuse Kanten hat, umfasst wird. In dieser Beziehung könnte 
man die Rhabdogonium- Arten als mehrkantige Frondicularien be- 
trachten. 
Sitzb. d. mathem.-nalurw. LI. XI.. Bd. Nr. 8. 14 



200 R e u 8 s. 

Bei geringer Krümmung der Kammern nähern sich manche 
Species auch der Galtung Nodosarla, besonders im oberen Theile 
ihres Gehäuses, wo die Krümmung der Näthe immer geringer zu sein 
pflegt, als im unteren. Wenn man von der kurzen centralen Zuspitzung 
der letzten Kammer, wie man dieselbe bei Rbabdogonium stets 
beobachtet, absieht, ist diese Gattung durch den Mangel jeder Ein- 
schnürung zwischen den mit ihrer ganzen Breite aufeinander sitzen- 
den Kammern auch der Sippe Orthocerina verwandt. Man wird daher 
das Genus Rhabdogonium wohl in die Gruppe der Frondiculariden 
unmittelbar neben Frondicularla stellen müssen, ohne jedoch die 
innigen Beziehungen zu Nodosaria und Orthocerina übersehen zu 
können. 

Die erste Kammer ist, wie bei vielen Frondicularien, gewölbt, 
selbst kugelig, wie z. B. Rh. globuliferum. Die letzte Kammer ver- 
längert sich in einen kurzen mittelstäudigen Schnabel, der die runde 
angestrahlte Mündung trägt. Mit Ausnahme des mit unregelmässigen 
Läugsrippen versehenen Rh. anomalum zeigen sämmtliche übrige 
Arten keine Sculpturverzierungen. Die Schale ist kalkig, theils glasig- 
glänzend, theils uneben und rauh. 

Es ist übrigens sehr wahrscheinlich, dass auch die seltene und 
wie es scheint nur unvollständig bekannte Frondicularla tricarinata 
d'Orb. von Sens (Mem. de la soc. geol. de France. IV, 1, p. 21, 
22, T. 2, F. 1 — 3), so wie die ohnedies ei was fremdartige Fr, 
amoena Rss. (Haidinger's naturw. Abhandl. IV. 1, p. 13, T. 1, 
F. 21) aus den Mukronatenschichten von Nagorzani bei Leniberg 
zur Gattung Rhabdogonium gehören. Sie setzen die nahe Ver- 
wandtschaft dieser Sippe mit Frondicularla in ein besonders helles 
Licht. 

Anders dürfte es sich aber mit einigen dreikantigen Frondicu- 
larien verhalten, die ich äusserst selten in den böhmischen Kreide- 
gebilden angetroffen habe, und die ich in meiner Monographie der 
Kreideversteinerungen Böhmens als vor. trlbachlata von Fr. Cordal 
Rss. und von Fr. turgida Rss. (I. c. II. p. 107, 108, T. 24, F. 38, 
41) beschrieben habe. Sie dürften wohl nur als monströse Bildungen 
anzusehen sein, wofür schon die völlige Übereinstimmung in allen 
wesentlichen Merkmalen mit normal gebildeten Frondlcularla-rAvten 
und vor allem der auffallende Mangel an vollkommener Symmetrie in 
der Ausbildung des Gehäuses spricht. 



Die Foraminiferen der «restphnlischen Kreideformation. 20 l 

Die mir bisher bekannt gewordenen Species der Gattung Rhab- 
dogonium gehören , mit Ausnahme einer einzigen in den Tertiär- 
schichten von Baden bei Wien sehr selten vorkommenden, dreikan- 
tigen schmal geflügelten Species, den Kreidegebilden vom Hüs bis 
zur Schreibkreide hinauf an; dieselbedürfte daher Air die Kreidefor- 
mation besonders bezeichnend sein. Die vierkantigen Arten habe ich 
bisher nur in den tiefsten Kreideschichten, im Hils, angetroffen. 

1. Rh. Römeri m. — T. VI, F. 7. — Gehäuse verlängert, 1-97 
Miliim. lang bei 0*643 Millim. Breite, mitunter etwas verbogen, in der 
gesammten Länge fast gleich breit, am oberen Ende kurz und stumpf 
zugespitzt, unten sich rasch abrundend oder zum stumpfen Ende 
zusammenziehend; scharf dreikantig, mit beinahe ebenen Seitenflä- 
chen. 3 — 6 dreiseitige Kammern, eben, mit seichten sehr schwach 
gebogenen Näthen und scharfen Kanten; nur die letzte Kammer zeigt 
etwas gewölbtere Flächen und stumpfere Kanten. Sie besitzt die 
Gestalt einer dreiseiligen Pyramide, deren stumpfe Spitze die runde 
nackte Mündung trägt. Die Schalenoberfläche rauh. 

Sehr selten in den oberen Senonmergeln des Hilgenberges bei 
Hamm. 

2. Rh. globuliferom m. — T. VII, F. 6. — Wahrscheinlich 
stellt das abgebildete einzige Exemplar (0*54 Millim. hoch) nur den 
Jugendzustand der Species dar. Es besteht blos aus zwei Kammern. 
Die erste stellt eine fast vollkommen glatte Kugel dar. Auf ihr liegt, 
sie theilweise umfassend, die zweite Kammer. Diese ist stumpf drei- 
kantig; die Kanten verlängern sich nach abwärts in drei gekrümmte 
Arme, welche die erste Kammer bis zur Hälfte zangenartig von oben 
umfassen. Nach oben verschmälert sich die zweite Kammer allmählich 
zur kurzen stumpfen Spitze, welche die runde Mündung trägt und 
in der die drei Kanten zusammenstossen. 

Sehr selten in Gesellschaft der vorigen Species. 

3. Rh. anomalum. m. — T. VII, F. 1. — 1463 Miliim. lang, 
0*51 breit, verlängert, unten stumpf, oben kurz zugespitzt, im Quer- 
schnitte etwas unregelmässig sechskantig, mit stärker hervortretenden 
abwechselnden Kanten. Auf jeder der drei flachen Seiten des Gehäu- 
ses verläuft nämlich eine starke, unregelmässige, zuweilen etwas 
gebogene Längsrippe, die nicht ganz bis zumunteren Ende der Schale 
hinabreicht. Die Näthe der zahlreichen (10 — 12), niedrigen, nur 
wenig reitenden Kammern, besonders der älteren sehr kleinen, 

14* 



202 R e » s s. 

sind nur sehr undeutlich. Die Schalenobertläche sehr uneben und 
rauh. 

Sehr selten im Diluvialsande von Hamm. 

d) Vaginul i nidae. 
Vaginulina d' r b. 

1. V. transversalis m. — T. VIII, F. 5. — Länge: 1906 Millim., 
Breite: 0*621 Millim. Das Gehäuse stellt ein langgezogenes, ungleich- 
seitiges Dreieck dar, ist unten stumpf, oben schräg abgeschnitten, 
sehr stark an den Seiten zusammengedrückt, an den Rändern senk- 
recht abgestutzt. Die Seitenflächen sind rings von einer schmalen 
erhabenen Leiste umsäumt. Die Kammern zahlreich, sehr niedrig, 
fast quer, aussen durch schmale leistenartige Hervorragungen geson- 
dert , so dass ihre Flächen , selbst jene der ersten Kammer nicht 
ausgenommen, ziemlich stark kastenartig vertieft erscheinen. Die 
Oberfläche durch sehr feine Rauhigkeiten matt. 

Sehr selten im Minimusthone von Rheine. 

2. V. arguta m. — T. VIII, F. 4.— Länge: 1-39 Millim., Breite: 
0-409 Millim. Ist in Gestalt des Gehäuses der vorigen Species sehr 
ähnlich, ebenfalls verlängert, ungleichseitig — dreieckig, stark zusam- 
mengedrückt, an den Rändern senkrecht abgestutzt, unten stumpf, oben 
zugespitzt und sehr schräg abgeschnitten. 8 — 9 sehr niedrige und 
schiefe, concave, von scharfen ziemlich hohen Leisten eingefasste, 
vierseitige Kammern; selbst die erste Kammer ist vertieft und etwas 
dünner, als der obere Theil des Gehäuses. Der beinahe gerade 
Rückenrand der Länge nach rinnenartig ausgehöhlt. 

Sehr selten im Minimusthone von Rheine, sowie in den dem- 
selben eingelagerten Grünsandschichten. — Auch im Cenomanien (?) 
von Wallmoden. 

3. V. bicostnlata m. — T. VIII, F. 5. — Länge: 1-213 Millim., 
Breite: 0-365 Millim. Bei dieser Species ist das Gehäuse dicker, 
weniger zusammengedrückt, als bei den vorher beschriebenen zwei 
Arten, undeutlich dreieckig, unten sehr stumpf, zugerundet, oben 
zugespitzt und schräg abgeschnitten. Die Ränder senkrecht abgestutzt, 
der Rücken seicht rinnenartig ausgehöhlt. Die erste Kammer stellt 
eine verhältnismässig grosse Kugel dar, jederseits mit zwei kurzen, 
schmalen, etwas gebogenen Rippchen. Die übrigen wenig zahlreichen 
(4) Kammern schief, niedriger als breit, aber doch weit höher, als bei 
I. transversalis und arguta, von einer sehr schmalen Leiste umgeben. 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 203 

Sehr selten im Minimusthone von Rheine. 

4. V. notata. — T. IX, F. 3. — Seitlich zusammengedrückt, 
aber doch ziemlich dick, dreieckig-oval, am Rücken beinahe gerade, 
am Bauchrande gebogen, unten stumpf zugespitzt, nach oben sich all- 
mählichverbreiternd und schräge gerundet endigend. Die Seitenrän- 
der senkrecht abgestutzt. 6 Kammern, die erste kleinste kugelig ge- 
wölbt, die anderen viel breiter als hoch, mit sehr seicht vertieften 
Näthen. Über ihre Seitenflächen verlaufen zusammenhängende, aber 
in den Natheindrücken etwas flachere schmale Längsrippchen, die 
sich nach obenhin an Zahl vermehren. Die 3 — 4 auf der zweiten Kam- 
mer befindlichen setzen auch auf den oberen Theil der ersten Kam- 
mer fort. Die vorderste Rippe der letzten Kammer biegt sich nach 
hinten um und verläuft dem oberen Rande parallel flach bogenförmig 
rückwärts. Das ganze Gehäuse ist ringsum mit einer schmalen Leiste 
eingesäumt. 

An dem vorliegenden Exemplare ist das obere Ende abge- 
brochen. 

Sehr selten im Grünsande des oberen Gault von Rheine. 

e) Pleurost omcllidae. 

Eine ganz eigenthümliehe Gruppe, bisher nur durch die ein- 
zige Gattung Pleurostomella vertreten. Es wird daher genügen, 
den Gattungscharakter anzuführen, der bis jetzt auch für die ganze 
Familie Geltung hat. 

Pleurostomella nov. gen. 
Die erste Species dieser Gattung — PI. snbnodosa— hatte ich 
früher, die Unregelmässigkeit der Kammern für etwas Zufälliges und 
Unwesentliches haltend, mit ähnlichen Bentalina- Arten zusammen- 
geworfen und als D. nodosa d'O r b. und D. subnodosa Rs s. unrichtig 
abgebildet und beschrieben (Foraminiferen und Entomostraceen von 
Lemberg in Haidinger's naturw. Abhandl. IV. I, p. 24. T. 1, 
F. 9). Als ich in den westphälischen Kreidegebilden zahlreichere 
Exemplare dieser Species und später noch eine zweite Art — PI. 
fusiformis — auffand und mich von der constanten Unregelmässigkeit 
der Kammern überzeugte , wurde ich zur genauem Untersuchung 
derselben geführt, wobei ich sodann sogleich die grosse Abweichung 
in der Gestalt und Lage der Mündung wahrnahm, aus welcher das 



204 >'• e u s >. 

üben erwähnte Verhalten der Kammern ungezwungen und nothwendig 
hervorgellt. Es war nun unmöglich, diese Formen fernerhin bei Denta- 
lina zu belassen. 

Bei der grössten Übereinstimmung mit Dentalina in der äusse- 
ren Form liegt der hauptsächlichste Unterschied in der Mündung. 
Statt dass dieselbe, wie bei Bentalina, rund wäre und an der Spitze 
der letzten Kammer läge, stellt sie einen halbmondförmigen oder 
selbst halbelliptischen Spalt dar, der sich unterhalb des Gipfels der 
Kammer, auf einer Seite derselben, am oberen Ende einer grösseren 
oder kleineren , seitlich von einem erhabenen Rande eingefassten 
Depression befindet. In Folge dieser von dem höchsten Punkte der 
Kammer herabgerückten Lage der Mündung stehen nun auch die 
Kammern nicht mehr gerade auf einander; sondern jede ist gegen 
die Mündungsseite der vorhergehenden Kammer mehr weniger 
geneigt, so dass die Näthe dadurch eine schiefe Richtung und das 
Gehäuse eine schwach wellenförmige Biegung annimmt. 

Übrigens ist die Axe der Pleurostomellen entweder beinahe 
gerade, wie bei Nodosaria, oder schwach gekrümmt nach Art der 
Dentalinen. Die Schalensubstanz ist compact, glasig glänzend. 

Die zwei bisher bekannten Species der Gattung gehören der 
Kreideformation an, die eine der weissen Kreide — den Mukronaten- 
und Quadratenschichten — -, die andere dem Gault. 

1. PI. subnodosa m. (Nodosaria nodosa [d'Orb.] Reuss, Verst. 
d. böhm. Kreideform. I. p. 28 z. Tbl. — Dentalina subnodosa Rss. 
in Haidinger's naturw. Abhandl. IV. I. p. 24. z. Thl.) — T. VIII, 
F. 2. — Länge: 0892 Millim., Breite: 0*219 Millim. Gehäuse gerade, 
ziemlich dick, nach unten sich nur wenig zur stumpfen Spitze ver- 
dünnend, durch das alternirende Schiefstehen sämmtlicher Kammern 
etwas knotig. Alle Näthe etwas schief, besonders jene der ältesten 
Kammern, ziemlich tief. Die Kammern gewölbt, besonders auf der der 
Biegung entgegengesetzten Seite. Die Mündung liegt am oberen Ende 
einer kleinen breit-ovalen tellerförmigen Depression, die nur den 
dritten Theil der Seitenfläche der letzten Kammer einnimmt. Sie 
ist halbmondförmig, oben und seitlich von einem scharfen Rande 
begrenzt. 

Selten in den oberen Senoninergelu des Hilgenberges und des 
Herrnsteinberges bei Hamm und von der Soestwarte bei Beckum, 
im Plänermergel von Luschitz , in den iMukronatenschichten von 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideforination. <*0o 

Lemberg iti Galizien, im Cenomanien (?) aus der Thongrube im N. 
von Wallmoden. 

2. PI. fusiforuris m. — T. VIII, F. 1. — Länge: 1*463 Millim., 
Breite: 0*365 Millim. Während die vorige Species in den Umrissen eine 
Nodosaria darstellt, ist die hier in Rede stehende ganz einer Den- 
talina ähnlich. Denn das lange Gehäuse ist schwach gebogen und 
verschmälert sich nach unten langsam zur ziemlich scharfen Spitze. 
Die ersten Kammern stehen beinahe gerade über einander und wer- 
den durch horizontale Näthe geschieden, welche nur durch feine 
Linien angedeutet werden. Die jüngeren Kammern sind wie bei PL 
subnodosa, abwechselnd etwas bald gegen die eine, bald gegen die 
andere Seite geneigt, wodurch das Gehäuse in seinem oberen Theile 
schwach knotig und die Richtung der tiefen Näthe schräge wird. 

Die letzte Kammer eiförmig, oben stumpf zugespitzt. Eine Seite 
derselben erscheint in ihrer ganzen Ausdehnung stark eingedrückt 
und von einem scharfen glatten Rande leistenartig umgeben. Am 
obern Ende dieser Depression, hart unter der Spitze der Kammer, 
liegt die halbelliptische Mündung grösser als bei PL subnodosa. Die 
aridere Seite der letzten Kammer besitzt ihre regelmässige gleich- 
förmige Wölbung. 

Sehr selten im Minimusthone von Rheine. 

II. Helicostegia. 

a) Cristellaridae. 
Marginulina d' r b. 

M. bullata Rss. (I. c. I, p. 29, T. 13, F. 34—38). — 
T. VI, F. 6. — Länge: 0-584 Millim., Breite: 0*365 Millim. 
Ist der M. comma Rom. (Die Versteinerungen der norddeutschen 
Kreideformationen p. 96, Taf. 15, Fig. 15) aus dem Hilsthone des 
Hilses sehr ähnlich, unterscheidet sich aber durch die höheren, ge- 
wölbteren, mehr kugeligen Kammern. Durch diese zeichnet sie sich 
überhaupt vor allen anderen Marginulina-Arten aus. Die Zahl der 
Kammern wechselt sehr. Bei jugendlichen Exemplaren, bei denen 
ihre Kugelform besonders hervortritt, zählt man ihrer nur 2 — 3. 
Doch auch bei den grössten übersteigt sie 6 nicht. Das Gehäuse ist 
im Querschnitte kreisrund, bald nur sehr wenig gebogen, bald mit 
den ersten 2 — 3 Kammern schwach vorwärts gekrümmt , den ersten 



206 R e ii s s. 

Anfang spiraler Einrollung darstellend. Dabei sind dieselben klein, 
und nur durch seichte, kaum erkennbare Näthe gesondert. Die jün- 
geren Kammern dagegen sind stark gewölbt, breiter als hoch und 
durch tiefe Einschnürungen getrennt. Die letzte Kammer ist am 
grössten , fast vollkommen kugelig. Sie trägt auf der oberen, stark 
gewölbten Fläche gegen die Rückenseite hin einen kurzen, dünnen 
röhrenförmigen Fortsatz mit etwas verdicktem Randsaume, der mehr 
weniger nach rückwärts geneigt und von der kleinen runden Mün- 
dung durchbohrt ist. Die Schalenoberfläche glasig glänzend. 

In den oberen Senonmergeln des Hilgenberges bei Hamm. — In 
den Bakulitenthonen von Luschitz und Brozan (Böhmen), sehr selten 
im Kreidemergel vor dem Clever Thore von Hannover. 

2. M. soluta m. — T. VII, F. 4. — Länge: 1-097 Millim., 
Breite : 0-248 Millim. — Ausgezeichnet durch die schmale lineare 
Form des beinahe geraden Gehäuses. Nur die erste fast kugelige 
Kammer tritt aus der Reihe der übrigen Kammern etwas nach vorne 
heraus. Sechs durch tief eingeschnittene Näthe getrennte, besonders 
auf der Bauchseite stark gewölbte Kammern. Die zweite wird von 
der kugelig aufgetriebenen ersten Kammer auch seitlich etwas über- 
ragt. Die letzte Kammer verlängert sich auf der Rückenseite in 
eine röhrenförmige Spitze, welche die nackte Mündung trägt. Schale 
glatt, glasig glänzend. 

Sehr selten im Minimusthone von Rheine. 

3. M. lata m. — T. V, F. 7. — Länge: 0892 Millim., Breite: 
0-512 Millim. — Diese Species ist ausgezeichnet durch den eiför- 
migen Umriss, das kurze und verhältnissmässig breite Gehäuse, denn 
die Höhe verhält sich zur Breite wie 3 : 2. Das untere Ende ist 
breit gerundet, das obere nur wenig schräge abgeschnitten und am 
Rückenwinkel in eine sehr kurze Spitze ausgezogen. 6 — 7 breite, 
sehr niedrige Kammern, seitlich zusammengedrückt, wenig gebogen 
mit sehr schwach vertieften linearen, beinahe queren Näthen. Der 
Querschnitt stellt eine lange, fast regelmässige Ellipse dar. Die 
Mundfläche der letzten Kammer ist nur wenig gewölbt, in der Mitte 
mit einer schwachen Längsfurche. Es ist jedoch nicht unwahr- 
scheinlich, dass diese nur eine zufällige Erscheinung sei. Um mit 
Bestimmtheit darüber abzuurtheilen, liegen noch zu wenig Exem- 
plare vor. 

Sehr selten im unteren Senonmergel von Ostheide bei Hamm. 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 207 

4. M.elongata d'Orb. (Mem. de la soc. geol. de Fr. IV, 1, p. 17, 
T. 1 , F. 20 — 22. — Reu ss, Kreideversteinerungen Böhmens I. 
p. 29, T. 13, F. 29, 31). 

Selten im oberen Senonmergel des Hilgenberges bei Hamm. — 
In der weissen Kreide Frankreichs und Englands; in den Bakuliten- 
thonen \on Luschitz, Rannai, Kyslra und Brozan (Böhmen), in den 
Mukronatenmergeln von Lemberg in Galizien. 

5. M. inaeqoalis m. — T. VII, F. 3. — Länge: 0-95 Millim., 
Breite: 0-256 Millim. — Ähnlich der 31. similis d'Orb. (Foram. du 
bass. tert. deVienne p. 69, T. 3, F. 15, 16) aus dem Badener Tegel. 
Das Gehäuse verlängert, im unteren Theile etwas vorwärts gekrümmt, 
an beiden Enden stumpf zugespitzt, im Querschnitte beinahe kreis- 
rund. Die Kammern an Grösse und Form sehr ungleich. Die letzte 
sehr gross, schief-eiförmig, durch eine tiefe Nath begrenzt. Die 
Mündung von einem feinen Strahlenkranze umgeben; die Schale 
glatt, glasig glänzend. 

Sehr selten im obersten Gault von Rheine. 

6. I. modesta m. — T. VII, F. 5. — Länge: 0891 Millim., 
Breite: 0*294 Millim. — Schale verlängert, beinahe gerade, im 
untersten Theile sehr schwach gebogen, oben beinahe walzig, in der 
unteren Hälfte zusammengedrückt und am Rücken fast schneidig. Das 
obere Ende schräge abschüssig, mit gewölbter Mundfläche der letzten 
Kammer; das untere Ende stumpf. 7 — 8 fast quere, sehr wenig 
gebogene Kammern mit linearen Näthen. Die Mündung mit einem 
Strahlenkranze auf einer kurzen Spitze hart am Rückenwinkel des 
Gehäuses. Die Schalenoberfläche glatt, glasig glänzend. 

Sehr selten im unteren Senonmergel von Ostheide bei Hamm. 

7. M. ensis Rss. (Die Versteinerungen der böhmischen Kreide- 
formation I. p. 29, T. 13, F. 26, 27. — Haidinger's natur- 
wissenschaftliche Abhandlungen IV. 1, p. 27, 28, T. 2, F. 
16). — Im oberen Senonmergel vom Westberg bei Hamm, von 
Dolberg bei Beckum und yon Drensteinfurth ; im unteren Senonien 
des Rhynerberges, von Flierich und Bergeamen; im Diluvialsande 
von Hamm. — Im Pläner von Kosstiz, im Bakulitenthon von Lu- 
schitz, Kystra, Rannai und Brozan (Böhmen); im Mukronatenmergel 
von Nagorzani bei Lemberg; in der weissen Kreide von Kent 
und Essex; in der Quadratenkreide vom Lindner Berg bei Han- 
nover. 



208 R e « s s. 

8. M. bacilluni m. — T. VI, F. 8. — In meiner Monographie 
der böhmischen Kreideversteinerungen I, p. 29, habe ich unter dem 
eben angeführten Namen eine besondere Species auf ein einziges 
undeutliches Bruchstück gegründet, welche ich, da sie durch keinen 
späteren Fund bestätigt wurde, wieder fallen zu lassen gezwungen 
bin. Den dadurch frei gewordenen Namen lege ich nun der in Rede 
stehenden Species bei. Dieselbe ist der 31. ensis Rss. ähnlich, 
aber kürzer und verhältnissmässig breiter und stärker zusammen- 
gedrückt. 

Das Gehäuse ist 2-633 Millim. lang, bei 0-621 Millim. Breite, 
säbelförmig, beinahe in der ganzen Längenausdehnung' gleich breit, 
am unteren Ende schwach vorwärts gebogen und abgerundet, am 
Rücken wenig zusammengedrückt und gerundet, am Vorderrande 
dagegen mehr winklig, zuweilen sogar beinahe gekantet, daher im 
Querschnitte eiförmig. Die niedrigen Kammern sind sehr wenig 
schief, ihre Näthe nur durch Linien angedeutet; nur die letzte ist 
bisweilen durch eine schwache Einschnürung gesondert. Die in 
gerader Linie über einander stehenden jüngeren Kammern erheben 
sich in der Mitte ihrer Seitenflächen je zu einer schwachen Quer- 
rippe, welche sich jedoch nicht ganz bis zum Rücken- und Bauch- 
rande erstreckt. Noch ehe sie ersteren erreicht, endet sie plötzlich; 
gegen die Bauchgegend hin verflacht sie sich allmählich. Die letzte 
abschüssige Kammer endet am Rückenwinkel in eine kurze, dicke 
Spitze, welche die gestrahlte Mündung trägt. 

Im oberen Senonmergel des Hilgenberges bei Hamm und im 
Diluvialsande bei Hamm. 

9. M. seminotata m. — T. V, F. 6. — Länge: 1-17 Millim., 
Breite: 0-347 Millim. — Gehäuse linear, im Querschnitt beinahe 
kreisrund. Die ersten Kammern sind aussen nicht deutlich geschieden 
und sehr niedrig. Bei den jüngeren werden die Näthe allmählich 
deutlicher und zwischen den letzten drei Kammern selbst sehr tief. 
Diese Kammern sind auch sehr gewölbt, die letzte beinahe kugelig, 
mit einer der Rückenseite genäherten, etwas schräge rückwärts 
gerichteten röhrenförmigen Verlängerung, welche die kleine runde 
Mündung trägt. 

Der unterste Theil des Gehäuses ist sehr wenig vorwärts ge- 
bogen, der Rücken rund. Die Oberfläche der unteren Kammern zeigt 
sehr feine, schräg vorwärts verlaufende, erhabene Streifen. Spuren 



Die Foraraiuiferen der westphälischen Kreideformation. 209 

derselben setzen bis auf das untere Drittheil der vorletzten Kammer 
fort. Der übrige Theil dieser Kammer ist, wie die letzte, voll- 
kommen glatt. 

Sehr selten in den oberen Senotimergeln des Hilgenberges bei 
Hamm. 

10. M. armata m' — T. VII, F. 7. — Von dieser, der tertiären 
M. hirsuta d'Orb. (Foram. du bass. tert. de Vienne, p. 69, T. 3, 
F. 17, 18) ähnlichen Species habe ich bisher nur seltene Bruch- 
stücke gesehen. 

Die oberen Kammern sind fast vollkommen kugelig und durch 
tiefe Einschnürungen geschieden. Die letzte verläuft in einen kurzen 
dünnen excentrisehen Fortsatz, der die Mündung trägt. Die Ober- 
fläche der Schale ist mit feinen stacheligen Hervorragungen bedeckt, 
die auf der letzten Kammer eine Spur von vertical reihenförmiger 
Anordnung verrathen, auf den übrigen Kammern aber ganz regellos 
stehen. Die ersten Kammern sind an keinem der wenigen vorliegen- 
den Exemplare erhalten. Dieselben stammen aus dem Diluvialsande 
von Hamm. 

11. H. ornatissima m. — T. VII, F. 2. — Länge: 139 Millim., 
Breite: 0*42 Millim. — Das verlängerte Gehäuse ist heinahe in seiner 
ganzen Länge gleich dick, im Querschnitte triangulär. Die erste 
Kammer bildet eine fast vollkommene Kugel, deren Querdurchmesser 
jenem des oberen Theiles der Schale gleichkommt. Unten läuft sie 
in eine kurze centrale Stachelspitze aus und trägt auf jeder der zwei 
Seitenflächen drei kurze Rippchen, deren seitliche halbmondförmig 
gebogen sind, die mittlere aber beinahe gerade ist. Auch die Bauch- 
und Rückenseite sind mit solchen Rippchen geziert, aber nur mit zwei 
gebogenen, deren Concavität einander zugekehrt ist. 

Die übrigen Kammern sind im Querschnitte dreiseitig, die beiden 
Seitenflächen des Gehäuses sind mit vier schiefen, gebogenen, gegen 
die Rückenkante hin aufsteigenden scharfen Rippen versehen, die 
am hinteren Ende einen kurzen , gerade aufwärts gerichteten Fort- 
satz bilden, ohne mit jenen der entgegengesetzten Seite zusammen- 
zustossen. Der Rücken des Gehäuses erscheint dadurch zwischen 
den genannten Leisten von einer starken und breiten Längsfurche 
durchzogen. 

Die Bauchfläche des Gehäuses ist lanzettförmig und so breit 
wie die Seitenflächen. Sie wird von zwei scharfen Leisten einge- 



210 Reu 83. 

fasst, die sich bis auf die erste kugelige Kammer herab erstrecken 
und eine tiefe Furche zwischen sich haben. Überdies ist sie mit vier 
in der Mitte winklig gebrochenen und durch eine Furche unter- 
brochenen, mit dem spitzigen Winkel aufwärts gekehrten Rippen 
versehen. Die Mündung steht auf der Spitze der letzten Kammer am 
Rückenwinkel des Gehäuses. 

Sehr selten in dem oberen Senonmergel des Hilgenberges bei 
Hamm. 

Cristellaria Lam. 

1. C. recta d'Orb. (Mein, de Ia soc. geol. de Fr. IV. J , p. 28, 
T. 2, F. 23 — 25). — Sehr selten in den oberen Senonmergeln des 
Hilgenberges bei Hamm. — Selten in der weissen Kreide von 
Meudon und St. Germain, im Kreidedetritus von Charing (England)'; 
im Ananchytenmergel von Jenstedt; im Bakulitenthon von Luschitz 
(Böhmen). 

2. C. angusta Rss. (Haidinger' s naturw. Abhandl. IV. \, 
p. 32, T. 3, F. 7). — Selten im Diluvialsande von Hamm. — In den 
Mukronatenschichten von Nagorzani bei Lemberg; noch zweifelhaft 
in dem Kreidemergel des Edelbachgrabens im Gosau-Thale. 

3. C. Hagenowi m. — T. IX, F. 6. — Das nur 0766 Millim. 
hohe und 0-44 Millim. breite Gehäuse schief-oval, ohrförmig, unten 
stumpf und vorwärts gekrümmt, oben kurz zugespitzt, seitlich zu- 
sammengedrückt. 6 — 9 niedrige, schmal- und schief-dreiseitige 
Kammern, deren 3 — 4 unterste einen Theil eines spiralen Umganges 
bilden, während die übrigen in gerader Reihe über einander stehen. 
Sie sind nur sehr wenig gewölbt und durch sehr seichte schmale 
Näthe geschieden. Der Rücken des Gehäuses, so wie die Bauchseite 
winklig, ersterer sogar gekielt. Die letzte, am oberen Ende schräg 
abschüssige Kammer verlängert sich am Riickenwinkel in einen 
Höcker, welcher die gestrahlte Mündung trägt. Die Mundfläche 
lanzettförmig, sehr wenig gewölbt. Die Schalenoberfläche glatt, 
glasig glänzend. 

Sehr selten im oberen Senonmergel des Hilgenberges bei 
Hamm. 

4. C. inepta m. — T. X, F. 4. — Länge: 1-17 Millim., grösste 
Breite: 0-67 Millim. — Schief-eiförmig, breit gerundet, oben kurz 
zugespitzt, seitlich massig zusammengedrückt, am Rücken scharf- 



Die Foraminifereu der westphälischen Kreideformalion. 2 t 

winklig, auf der Bauchseite breiter und tief ausgeschnitten. 8 — 9 
niedrige, wenig schiefe Kammern. Die ersten sind hakenförmig nach 
vorne umgebogen und wachsen rasch zu bedeutender Grösse an; die 
jüngeren stehen in gerader Reihe über einander und nehmen nach 
oben wieder etwas an Grösse ab, wodurch sich das Gehäuse dort 
allmählich zur stumpfen Spitze verschmälert. Sämmtliche Kammern 
sind sehr wenig gewölbt und die seichten Näthe zunächst dein 
Schalenrücken am deutlichsten sichtbar. Die letzte Kammer ist am 
höchsten, dreiseitig und trägt auf ihrer oberen stumpfen Spitze die 
gestrahlte Mündung. Die Bauchfläche derselben kurz-dreieckig, bei- 
nahe eben; der darunter liegende Theil der Bauchtläche des übrigen 
Gehäuses seicht ausgehöhlt. Schale glatt, glänzend. 
Sehr selten in Gesellschaft der vorigen Species. 

5. C. lins pa m. — T. X, F. 1, 2. — Eine ziemlich grosse 
Species — 1*9 — 2 Millim. hoch — aus der Gruppe der Planularia. 
Die Schale stark seitlich zusammengedrückt, lang- und schief- 
eiförmig, oben zugespitzt, am unteren Theile ziemlich stark vorwärts 
gekrümmt, so dass die ersten Kammern beiläufig die Hälfte eines 
spiralen Umganges bilden. Der Rücken winklig, ohne scharf zu sein, 
nur an dem spiralen Theile des Gehäuses wird er kielartig. 10 — 12 
sehr schmal-dreieckige Kammern, die durch sehr schwach vertiefte 
lineare Näthe geschieden werden. Die Scheidewände scheinen mit 
dunkler Farbe durch. Die ersten Kammern haben eine nur wenig 
schiefe Richtung. Die jüngeren werden immer schiefer und zuweilen 
reicht die letzte Kammer über den Vorderrand der übrigen bis zur 
ersten herab (T. 10, F. 2). Sie ist stark nach vorne abschüssig und 
trägt auf der am Rückenwinkel liegenden Spitze die gestrahlte Mün- 
dung. Ihre Bauchfläche ist von einer Seite zur anderen wenig ge- 
wölbt, in der Mitte selbst schwach eingedrückt. 

Sehr selten in Begleitung der vorigen Arten. 

6. C. tripleura m. — T. IX, F. 5. — Die zu der Unterabtheilung 
Saracenuria gehörige Species ist 0-658 Millim. lang, 0-292 Millim. 
breit, verlängert, massig zusammengedrückt, an der Bauchseite be- 
deutend breiter als am Rücken, daher im Querschnitte dreiseitig, oben 
zugespitzt, unten stumpf und stark vorwärts eingebogen. Die ersten 
Kammern lassen sich äusserlich nicht unterscheiden. Sie sind im 
Allgemeinen niedrig, wenig gebogen und nehmen nach oben hin 
allmählich eine sehr schräge Richtung an. Die Näthe linear, die 



212 Rein, 

Mundfläche der letzten Kammer sehr abschüssig, schmal- und lang- 
dreiseitig, gewölbt; die Bauchfläche des Gehäuses von oben nach 
unten ausgehöhlt. Die Mündung gestrahlt. 

Sehr selten im obersten Gault von Rheine. 

7. C. triaogularis d'Orb. (Mem. de la soc. geol. de Fr. IV, I, 
p. 27, T. 2, Fig. 21, 22). Sehr selten in den oberen Senonmergeln 
des Hilgenberges bei Hamm. — In der weissen Kreide von Sens und 
vonKent; imKreidedetritus von Charing, nach Morris auch im Gault 
von Folkestone (?); in den Bakulitenthonen von Luschitz, Rannai 
und Brozan (Böhmen). 

8. C. navicnla d'Orb. (1. c. IV, 1 , p. 27, T. 2, F. 19, 20). — 
Sehr selten in den unteren Senonmergeln von Ostheide bei Hamm. 
— In der weissen Kreide Frankreichs und von Kent; im Kreidetuff 
von Maestricht; im Bakulitenthon von Luschitz und Brozan und im 
Pläner des Laurenzberges bei Prag (Böhmen). 

9. C. Marcki m. — T. IX, F. 4. — Gehört unter die grösseren 
Formen dieser Gattung, denn einzelne Exemplare erreichen eine 
Höhe von 296 Millim. bei einer Breite von 1-609 Millim. Mit Aus- 
nahme des untersten Theiles ist das schief- eiförmige Gehäuse sehr 
stark seitlich zusammengedrückt, öfters verbogen, oben zugespitzt, 
unten breit gerundet. 

Die älteren Kammern bilden eine verhältnissmässig grosse, 
linsenförmige, in der Mitte buckelartig vorragende Spirale, an der 
aber äusserlich gar keine Kammerabtheilung wahrzunehmen ist. Die 
jüngeren Kammern sind sehr niedrig, schief und durch seichte Furchen 
von einander geschieden. Der Rücken ziemlich scharfwinklig. Die 
Mundfläche der letzten Kammer sehr schmal, schwach zugerundet. 
Die Schalenoberfläche glatt. 

Sehr selten in den oberen Senonmergeln des Hilgenberges bei 
Hamm und im Diluvialsande bei Hamm. 

10. Cr. inflata m. — T. VIII, F. 6. — Eiförmig, oben sehr kurz 
zugespitzt, unten breit gerundet, seitlich stark gewölbt, am Rücken 
gekielt. Die unteren 6 — 7 sehr kleinen dreieckigen Kammern bilden 
eine vollkommene stark convexe linsenförmige Spirale und werden 
nur dem von einem schmalen gekielten Saume umgebenen Rande 
zunächst durch kurze seichte Näthe geschieden. Oberhalb dieser 
Spirale legen sich noch 2 — 3 niedrige, am Rücken winklige, aber 
nicht gesäumte, auf der Bauchseite breitere Kammern an, die tiefere, 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 213 

wenn auch schmale Nätlie zwischen sich haben und deren letzte in 
eine kurze durchbohrte Spitze ausläuft. 

Sehr selten in dem oberen Senonmergel des Hilgenbcrges bei 
Hamm. 

11. Cr. oligostegiam. — T. VIILF.8. —Durchmesser: 0-8 Millim. 
Kreisrund, wenig zusammengedrückt, an den Seiten stark gewölbt, 
am Rücken winklig. Fünf gewölbte, durch schmale, aber deutliche 
Näthe gesonderte, breit-dreieckige, fast gerade Kammern. Die letzte 
läuft in eine sehr kurze, stumpfe, beinahe mittelständige Spitze mit 
gestrahlter Mündung aus. Die Bauchfläche derselben quer-halbmond- 
förmig, durch den vorhergehenden stumpfwinkligen Umgang tief 
ausgeschnitten, gewölbt. Schalenoberfläche glatt. 

Sehr selten im Diluvialsande von Hamm. 

12. Cr. ovalisRss. (Die Verst. d. böhm. Kreideform. 1, p. 34, 35, 
T. 8, F. 49; T. 12, F. 19; T. 13, F. 60 — 63.) — Im oberen Senon- 
mergel des Hilgenberges bei Hamm; im unteren von Hamm und von 
Oslheide. — Im böhmischen Kreidegebirge ziemlich verbreitet; im 
Planer von Kutschlin, Kröndorf, Kosstitz, des Laurenzberges bei 
Prag u. s. w. ; im Bakulitenthone von Luschitz , Priesen, Wollenitz, 
Rannai, Brozan u. a. 0. — Im Kreidemergel vor dem Clever Thore 
von Hannover; im Cuvieri- Planer von Haverlah; im Kreidemergel 
von Köpinge auf Schoonen. 

13. C. acuta m. — T. X, F. 3. — Höhe: 117 Millim., Breite: 
0899 Millim. Im Umrisse breit-oval, scharf gekantet, gewölbt, 
oben zugespitzt, unten breit gerundet, vollkommen spiral eingerollt. 
Die Mitte der Spirale ragt als eine kleine gewölbte Scheibe stark her- 
vor. Zwei Umgänge, von denen nur der zweite durch lineare Näthe 
in 10 — 11 niedrige, keilförmige, sehr wenig gebogene, flache Kam- 
mern gesondert ist. An dem innern Umgange ist äusserlich keine 
Kammerabtheilung wahrnehmbar. Die Mundfläche der letzten, oben 
scharf zugespitzten Kammer ist hoch dreieckig, in der Mitte abge- 
plattet. Die runde Mündung gestrahlt, die Schalenoberfläche glatt, 
glänzend. 

Selten im Pläner und im Minimusthone von Rheine. — Auch im 
Albien von Wallmoden. 

14. C. rotulata Lam. sp. (d'Orbigny, Mein, de la soc. geol. 
de Fr. IV. 1, p. 26, T. 2, F. 15—18.) Ohne Zweifel die verbrei- 
tetste aller Foraminiferenspecies. Sie findet sich nicht nur beinahe 



214 R e i b s. 

überall, wo Kreidegebilde auftreten, sondern geht auch in verticaler 
Richtung beinahe durch alle Kreideetagen bis unter den Gault hinab. 
Im westphälischen Kreidegebirge ist sie beinahe überall vorhanden. 
Ich fand dieselbe in den Mukronatenschichten des Hilgenberges, des 
Kurkenberges, des Westberges u. a.; in der Quadratenkreide voo 
Hamm, Flierich, Uedinghoff, Ostheide, vom Rhynerberg u. s. w. ; im 
Pläner von Ahaus, Unna, Opherdieke u. s. f.; in der Tourtia von 
Essen; im Minimusthone von Rheine; im Diluvialsande von Hamm. 

Verbreitet ist sie überdies in der weissen Kreide Frankreichs 
(Meudon, St. Germain, Sens), Englands, Rügens, Dänemarks; im 
Kreidedetritus von Charing (England) ; in den Mukronatenschichten 
von Lemförde, von Nagorzani bei Lcmberg ; überall in den Baknliten- 
thonen und im Pläner Sachsens und Böhmens; in den Kreidemergeln 
des Gosauthales; in den Kreidekalken von Basdorf und Wichmanns- 
dorf in Mecklenburg ; in den Quadratenschichten von Ilseburg, 
Bochum und vom Lindner Berge bei Hannover; in der untern Kreide 
von Peine; in der glaukonitischen Kreide von Köpinge (Schoonen); 
im Pläner aus dem Bohrloch von Liebenbach bei Salzgitter; im 
Cuvieri-Pläner von Haverlah; im Grünsand von Mans, von Warminster 
und Farringdon; im Grünsand des unteren Quaders von Laun und 
Neuschloss (Böhmen); im Cenomanien von Ringelberg-Kothwelle und 
vom Fleischerberg bei Salzgitter; im Flammenmergel von Salzgitter; 
im Gault von Kent; im Speeton-Clay von Yorkshire: im Minimusthon 
von der Heininger Ziegelei, von Eilum und Wallmoden; in den Gargas- 
mergeln von Mastbruch bei Braunschweig u. v. a. Jedoch ist das 
Vorkommen der C. rotulata in den tieferen Kreideetagen immer ein 
weit selteneres; das Hauptlager bilden die Senon- und Turon- 
schichten. 

Wenn von manchen Seiten C. rotulata in Tertiärgebilden vor- 
kommend, ja selbst noch lebend angeführt wird, so dürfte dies wohl 
nur auf einer Verwechslung beruhen, die bei den mitunter sehr 
indifferenten Cristellarla-Avten leicht möglich ist. Ich habe wenig- 
stens bisher die echte C. rotulata in keiner der zahlreichen von mir 
untersuchten Tertiärablagerungen aufzufinden vermocht. 

1U. C. secans m. — T. IX, F. 7. — Durchmesser: 1-326 Millim. 
Gehäuse kreisrund , seitlich zusammengedrückt , im Umfange scharf 
gekielt, stark gewölbt, vollkommen spiral eingerollt. Im letzten 
Umgange, dem einzigen deutlich sichtbaren, zählt man 12 schmale, 



Die Foraminiferen der westphälisehen KreiHeformation. 213 

dreieckige, etwas gebogene flache Kammern, die durch radiale Ripp- 
chen, welche von einer grossen, convexen, centralen Nabelscheibe 
ausgehen, und, sich verdünnend, nur bis an den Randkiel verlaufen, 
von einander geschieden werden. Die Mundfläche der letzten Kam- 
mer ist an den wenigen vorliegenden Exemplaren beschädigt. 

Selten im Minimusthone von Rheine. — Eben so selten im 
Albien von Wallmoden, Eilum und von der Heininger Ziegelei. 

16. C. microptera m. — T. VIII, F. 7. — Kreisrund, von den 
Seiten stark zusammengedrückt, in der Mitte selbst etwas ein- 
gedrückt, am Rande mit einem schmalen Flügelsaume umgeben. 
Zehn schmale, dreieckige, etwas gebogene, sehr wenig gewölbte 
Kammern. Die Näthe linear, schwach vertieft, nicht bis zum Centrum 
des Gehäuses reichend. Die letzte Kammer am oberen Ende zuge- 
spitzt. Die Mündung gestrahlt. Die Schalenoberfläche glatt, glänzend. 

Sehr selten in den oberen Senonmergeln vom Herrensteinberg 
bei Hamm. 

Robulina d' Orb. 

1. R. lepida Rss. (Verstein. d. böhm. Kreideform. II. p. 109, 
T. 24, F. 46). Sehr selten im Obersenonmergel des Hilgenberges 
bei Hamm. — Nicht selten im Bakulitenthone von Luschitz (Böh- 
men); vereinzelt in den Kreidemergeln des Edelbachgrabens im 
Gosauthale. 

Flabellina d' r b. 

1. Fl.rngosa d'Orb. (Mem. de la soc.geol. de Fr. IV. l,p.23,24, 
T. 2, F. 4—7. — Foram. du bass. tert. de Vienne. p. 93, T. 21, 
F. 13, 14. — Reuss, Verstein. d. böhm. Kreideform. I. p. 33, T. 8, 
F. 31 — 34, 68, T. 13, F. 49—53). Im oberen Senonmergel vom 
Hilgenberg bei Hamm, von Dolberg bei Beckum und von Drenstein- 
furth; im unteren Senon von Flierich, Ostheide und vom Rhynerberg ; 
im Diluvialsande von Hamm. — In der weissen Kreide von Meudon, 
Sens (Frankreich) und von Kent; im Kreidedetritus von Charing; im 
Kreidemergel des Edelbachgrabens im Gosauthale; im Bakuliten- 
thone von Luschitz, Priesen und Rannai, und gemein im Pläner von 
Kosstitz (Böhmen). 

2. Fl. Baocloniniaiia d'Orb. (1. c. IV. 1, p. 25, T. 2, F. 12). 
Sehr selten im Diluvialsande von Hamm. — In der weissen Kreide 

Sitzh. (1. mathera.-naturw. Cl. XL. Bd. Nr. 8. iö 



216 R e u s s. 

von Sens in Frankreich; in der untern Kreide von Dover; im Kreide- 
detritus von Charing; sehr selten im Pläner von Kosstitz (Böhmen). 

3. Fl. cordata Rss. (Die Verst. d. böhm. Kreideform. I, p. 32, 
T. 8, F. 37—46, 78. — Denkschr. d. Wiener Akad. d. Wiss. 1854, 
VII. p. 67, T. 25, F. 6 — 8.) — Im untern Senonmergel des Rhyner- 
berges und im Diluvialsande von Hamm. — Ist in der böhmischen 
und sächsischen Kreide eben so verbreitet wie Cristellaria rotulata. 
Beinahe überall und häufig findet sie sich im Bakulitenthone und 
Pläner; seltener erscheint sie in den tieferen Kreideschichten, im 
Plänersandstein von Triblitz und Hradek, im Grünsand von Neu- 
schloss und Laun, im kalkigen Quader von Cencic, im untern Quader- 
sandstein von Tyssa; auf secundärer Lagerstätte mit anderen Kreide- 
versteinerungen im pyropenführenden Sande von Triblitz (Böhmen). 
Überdies in der weichen Kreide von Charlottenlund in Schweden 
(Planidaria elliptica Nils.); in der weissen Kreide von Gravesend ; 
im lower chalk von Dover; im Kreidedetritus von Charing (England). 
Die Angabe des Vorkommens im Gault von Folkestone (Morris, 
Catal. of brit. foss. 2d. edit. p. 35) bedarf wohl noch weiterer 
Bestätigung. 

4. Fl. interponctata v. d. Mck. (Von der M a r c k in den 
Verhandl. des naturhist. Ver. d. Rheinlande u. Westph. XV. Separat- 
abdruck p. 53, T. 1, F. 5). — T. IX, F. 1. — Länge: 2-08 Millim.; 
grösste Breite: 118 Millim. Gehäuse eiförmig oder länglich-herz- 
förmig, oben ziemlich lang zugespitzt, während am unteren Ende die 
ersten unregelmässig spiral gestellten Kammern in Gestalt eines 
kurzen, stumpfen Zapfens aus der breit gerundeten oder selbst etwas 
eingebogenen Basis hervorspringen. Die Seitenränder des sehr 
dünnen Gehäuses sind gerundet, die oberen viel länger als die unteren, 
mit denen sie in einem stark abgerundeten stumpfen Winkel zusam- 
menstossen. Die Kammern zahlreich (15 — 16), sehr schmal; die 
oberen spitzwinklig, durch schmale, aber scharfe Leistchen, die öfters 
unterbrochen oder unregelmässig sind, äusserlich geschieden. Zwi- 
schen denselben stehen auf den ebenen Flächen der Kammern, mit 
Ausnahme der letzten, sehr kleine rundliche Körnchen, gewöhnlich 
nur in einer den Kammerleisten parallel verlaufenden Reihe, doch 
stellenweise auch regellos stehend. 

Selten in den oberen Senonmergeln (\{>^ llilgenberges, West- 
berges und Kurkenbeiges bei Kamm und vom Dolberg bei Beckum; 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 217 

im unteren Senonien yon Flierich und vom Rhynerberg; im Diluvial- 
sande von Hamm. 

5. FI. niacrospira m. — T. IX, F. 2. — Ich erhielt diese 
Species, zwischen Glasplatten in Canadabalsam eingeschlossen, von 
Herrn von der Marck. Da es ohne Gefahr, die zerbrechliche Schale 
zu zerstören, nicht möglich war, dieselbe blosszulegen, so konnte ich 
mich nur auf die unzureichende Untersuchung bei durchfallendem 
Lichte beschränken. Eine genaue Angabe der Sculpturverhältnisse 
der Schale wird dadurch unmöglich. Aber auch die auf diesem Wege 
nachweisbaren Kennzeichen geniigen vollkommen, um in dem Fossile 
eine besondere von allen übrigen verschiedene Art der Gattung Fla- 
bellina erkennen zu lassen. 

FL macrospira ist nächst der Fl. simple.v Rss. aus den oberen 
Senonmergeln von Nagorzani bei Lemberg die einzige Species, 
welche durch eine grosse regelmässige Spirale der ältesten Kam- 
mern, die von den jüngeren reitenden Kammern nicht umfasst wird, 
sich auszeichnet. Das stark zusammengedrückte Gehäuse ist verlän- 
gert- eiförmig, über der Mitte am breitesten, oben kurz zugespitzt, 
nach unten langsam verschmälert und abgerundet endigend. Beinahe 
den dritten Theil der Länge des Gehäuses nimmt die verhältniss- 
mässig grosse spirale Scheibe ein, welche von den ersten 5 — 6 klei- 
nen Kammern gebildet wird. Im Mittelpunkte dieser Scheibe liegt 
die grosse kreisförmige Embryonalkammer; die übrigen sind klein 
und dreieckig. Über der Spirale erheben sich 4 — 5 spitzwinklige 
reitende Kammern in gerader Reihe über einander. Sie werden durch 
ziemlich breite, auf der Aussenseite des Gehäuses wahrscheinlich 
leistenartig hervorragende Scheidewände geschieden. Die Seiten- 
ränder der Schale erscheinen gerade abgestutzt. 

Sehr selten im oberen Senonmergel von Dolberg bei Beckum. 



b) Pener oplideae. 

Haplophragmium Rss. 

Die hierher gehörigen Arten wurden früher bald zu Spirolina 
Lam., bald zu Lituola Lam. gerechnet, unterscheiden sich aber von 
beiden wesentlich. Mit beiden stimmen sie in der Form des Gehäuses 
übereilt. Dasselbe ist in seinem Anfangstheile spiral eingerollt, wird 

IS* 



2 I ö 1! e u s s. 

über im Verlaufe des Wachsthumes gerade gestreckt, stabförmig, 
indem sich die Kammern in gerader Reihe über einander legen. Wie 
bei Spirolina, zeigen die Kammern eine einfache Höhlung und stehen 
durch mehrere kleine Öffnungen mit einander in Verbindung. Aber 
abgesehen von der viel geringeren Regelmässigkeit in Gestalt und 
Anordnung der Kammern, ist die Schale nicht glatt und durchaus 
kalkig, sondern sehr rauh und uneben, grösstenteils aus Kiesel- 
köruern zusammengesetzt. Von Lituola dagegen, welche ebenfalls 
mit einer vorwiegend kieseligen Schale versehen ist, unterscheidet 
sich Haplophragmium durch die einfachen Kammerhöhlungen. Bei 
Lituola werden dieselben durch zahlreiche sehr regellose und ana- 
stomosirende Scheidewände vielfach unterabgetheilt und erhalten 
ein zelliges Ansehen. Es wird dadurch die Errichtung einer selbst- 
ständigen Gattung wohl gerechtfertigt. Dieselbe ist bisher nur im 
fossilen Zustande — in den Kreide- und Tertiärgebilden — ange- 
troffen worden. 

1. H. aeqnale Rom. sp. (Spirolina aequalis Rom. Die Verst. 
d. nordd. Kreidegeb. p. 98, T. 15, F. 27. — Lituola aeq. d"Or- 
bigny, Prodr. de paleont. stratigr. II. p. 95). — T. XI, F. 2, 3.— 
Die grössten mir vorliegenden westphälischen Exemplare sind 5-044 
Millim. lang 1 und im unteren Theile 1*756 Miliim. dick. Das Gehäuse 
ist verlängert -keulenförmig, im Verhältniss zur Länge dick ; die 
Spirale gewöhnlich sehr unregelmässig, nicht oder nur wenig zusam- 
mengedrückt und überragt in der Breite den gerade ausgestreckten 
Theil des Gehäuses nur wenig. Die Kammern sind sehr ungleich, 
besonders jene des spiralen Schalentheiles, welche gewölbt und sehr 
regellos gestaltet sind. 

Die Kammern des geraden Theiles des Gehäuses sind zwar fast 
durchgehends etwas breiter als hoch, aber sie wechseln in dem Ver- 
hältnisse der Höhe zur Breite sehr und nehmen oft eine keilförmige 
G estalt an. Die letzte Kammer ist oben gewölbt und der oberste 
Theil dieser Wölbung nur in beschränktem Umfange siebartig durch- 
löchert von den wenig zahlreichen sehr kleinen rundlichen Mün- 
dungen (F. 2 a, 6). An Bruchstücken erscheinen die Scheidewände 
der älteren Kammern eben oder sehr schwach eingedrückt, mit zahl- 
reichen Mündungen, die nicht selten durch Zerstörung der Zwischen- 
wände in eine einzige unregelmässig ästige zusammenfliessen , wie 
bei Dendritina (F. 3 b). 



nie Foraminiferen der westphälischen Kreideforination. 210 

Selten im oberen Senonmergel des Hilgenberges bei Hamm und 
im Diluvialsande von Hamm. — Im norddeutschen Hils, z. ß. vom 
Spielberg bei Gri'menplan, von Eschershauseu u. s. w. 

2. H. irreguläre Rom. sp. (Spirolina irr. Römer 1. c. p. 98, 
T. 15, F. 29. — Sp.inaequalis [errore typij Reuss, Verstein. d. 
böhm. Kreideform. I. p. 35, T. 8, F. 62 — 6ß, 75. — Sp. lagenalis 
Römer I. c. p. 98, T. 15, F. 28). — T. X, F. 9, T. XI, F. 1. — 
Die grössten Exemplare der ungemein veränderlichen Species messen 
4'6 Millim. in der Länge , 2-41 Millim. in der grössten ßreite. — 
Das Gehäuse ist von der Form eines ßischofsstabes oder flaschen- 
förmig, wechselt aber in Grösse, Gestalt und im Verhältnisse der ein- 
zelnen Theile ausnehmend. Die Kammern zahlreich. Die untersten 
8 — 10 eine bald sehr convexe, fast kugelige, bald eine mehr zusam- 
mengedrückte, in der Mitte schwach vertiefte Spirale bildend, sehr 
ungleich in Grösse und Form, meist dreiseitig. Die übrigen 5 — 6 
Kammern stehen in gerader Reihe über einander und bilden einen 
auf dem spiralen Theile des Gehäuses aufsitzenden, gewöhnlich 
walzenförmigen, selten etwas zusammengedrückten Fortsatz, der 
bald aus der Mitte (Sp. lagenalis Rom.), bald aus der Spite der 
Spirale entspringt. Dabei sind sie zwar von sehr ungleicher Grösse, 
aber fast stets breiter als hoch, oft von sehr unsymmetrischer Form, 
auf einer Seite höher als auf der andern oder selbst keilförmig. 
Alle sind durch schmale, aber tiefe Näthe gesondert. Die letzte Kam- 
mer ist oben etwas verengert, mit wenig gewölbter Mundfläche. Auf 
dieser stehen 2 — G sehr kleine rundliche Mündungen, entweder 
regellos zerstreut oder bisweilen in ziemlich regelmässigem Kreise 
(F. 9 b). Die Schalenoherfläche sehr rauh und uneben. 

Im oberen Senon des Hilgenberges bei Hamm, im unteren Senon 
des Rhynerherges, im Pläner von Unna, im Diluvialsande von Hamm. 
Im Pläner und Bakulitenthone Böhmens, in den Mukronatenschichten 
von Lemberg in Galizien und von Lemförde; im Cenomanien von 
Peine, des Mahnerberges bei Salzgitter; im Kreidemergel des Edel- 
bach- und Wegscheidgrabens im Gosauthale. Auch in der oberen und 
unteren Kreide Englands, denn Spirolinites Stokesi, Murchisoni, 
Mantelli, Bucklandi N o r th a m p t. und Sp. Comptoni Ma n t., welche 
von Mantell in den Wonders of geology p. 297 angeführt und mit 
Ausnahme des erstgenannten T. 34, F. 1, 2 und T. 35, F. 1, 2 abge- 
bildet werden, gehören insgesammt zu Haplophragmium irreguläre. 



220 R e u s s. 



MAtuola Lam. 



1. L. nautiloidca Lam. (Lamarck, Ann. du mus. V. p, 243. 
VIII. T. 62, F. 12, 13; Anim. s. vertebres, 2 ,le edit. XI, p. 282. — 
Encyelop. rneth. T. 465, F. 6; T. 466, F. 1. (L. deformis Jugerid- 
zustand) — d'Orbigny, Mein, de la soc. geol. de Fr. IV, 1. p. 29, 
T. 2, F. 28—31; Foram. du bass. tert. de Vienne p. 138, T. 21, 
F. 20, 21. — SpiroUna nautiloidea d'Orb. Ann. des sc. nat. 1826, 
p. 287. — Coscinospira naut. Ehrbg. Die Bild, der Kreideform, aus 
mikrosk. Organ, p. 75.) — T. X, F. 5 — 8. — Die grössten Exem- 
plare haben eine Länge von 9 , 87Millim. bei der grössten Breite von 
3-29 Millim. Das Gehäuse oft stark verlängert, beinahe cylindrisch, 
oder nach unten sich zuerst langsam und wenig verschmälernd und 
dann am unteren Ende sich rasch ausbreitend, mitunter schwach 
zusammengedrückt, oft unregelmässig verbogen; oben abgestutzt, 
unten spiral eingerollt. Kammern sehr zahlreich. Die jüngeren stehen 
in gerader Reihe über einander und sind ungleich, sehr niedrig, 
mehrfach breiter als hoch, mitunter schief und nicht die gesammte 
Breite des Gehäuses einnehmend, sondern keilförmig zwischen zwei 
breitere eingeschoben. 

Die älteren, gewöbnlich etwas höheren, dreieckigen Kammern 
bilden eine Spirale, meist nur von einem Umgänge, die bald regel- 
mässig in der Ebene des ganzen Gehäuses eingerollt, bald schief 
gegen eine Seite geneigt ist. Sie ist mehr weniger zusammen- 
gedrückt und zeigt in der Mitte entweder beiderseits oder nur auf 
einer Seite eine enge seichte nabelartige Vertiefung. 

Alle Kammern sind durch schmale liefe Näthe gesondert. Die 
letzte Kammer erscheint oben flach abgestulzt und trägt auf der 
dadurch entstandenen beinahe ebenen Fläche zahlreiche kleine 
ungleiche, meist rundliche Mündungen, die gewöhnlich ganz regellos 
stehen, doch bisweilen auch, wenigstens die äusseren, eine kreis- 
förmige Anordnung wahrnehmen lassen. Nicht selten sind die Zwi- 
schenwände derselben theilweise zerstört und dann fliessen sie in 
eine sehr unregelmässige mehr weniger verästelte Öffnung zu- 
sammen. 

Häufig im oberen Senonmergel des Hilgenberges bei Hamm und 
im Diluvialsande von Hamm. — In der weissen Kreide von Sens, 
Meudon, St. Germain (Frankreich) und von England {Spiroluütes 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 22 1 

Lyelli Northampt. in Mantell's Wonders of geology p. 297); im 
Kreidedetritus von Charing. 

c) Nonioninideae. 
Xonionina d'O r b. 

1. N. quatcrnaria Rss. (Reuss in Haidinger's naturwiss. 
Abhandl. IV. I, p. 35, T. 3, F. 13). Im oberen Senonmergel des Hil- 
genberges bei Hamm und in den unteren Senonscbichten von Ueding- 
hoff. — In den Mukronatensehichten von Lemberg in Galizien und 
in der Schreibkreide von Rügen. 

d) R o t a 1 i d e a e. 
Rotaliu d'O rb. 

1. R. lenticula Rss. (Die Versteiu. d. böhm. Kreideform. I. 
p. 35, T. 12, F. 17). — Selten im Planer von Oplierdieke. — Im 
Bakulitenthone von Luschitz, Brozan, Rannai. 

2. R. polyrrapkes Rss. (Reuss in Haidinger's naturwiss. Ab- 
handl. IV. 1, p. 35, T. 3, F. 1). Sehr verbreitet in den Kreide- 
schichten Westphalens; in den oberen Senonmergeln des Hilgen- 
berges bei Hamm; im unteren Senonien von Hamm, Flierich, Rhyner- 
berg, Haustenbeck, Bergeamen, Ostheide; im Pläner von Horde, Unna, 
Rheine, Wullen, Opherdieke; selten in der Tourtia von Essen und 
im Gault von Rheine; im Diluvialsande von Hamm. — Nicht selten im 
Bakulitenthon von Luschitz und Brozan; selten in den Mukronaten- 
mergeln von Nagorzani bei Lemberg in Galizien, in der Quadraten- 
kreide vom Lindner Berge bei Hannover, im Flammenmergel vom 
Mahner Berge bei Salzgitter, im Cenomanien von Ringelberg-Koth- 
wellen, u. s. w. 

3. R. nuibonella m. — T. XI, F. 5. — Durchmesser : 0365 
Milliin. Gehäuse kreisrund , sehr stark niedergedrückt, im Umfange 
scharf gekielt. Die Spiralseite zeigt zwei Umgänge und erhebt sich 
in der Mitte zu einem flachen Knöpfchen. Der letzte Umgang besteht 
aus sechs schiefen, etwas gebogenen schmal-keilförmigen, flachen, durch 
lineare Näthe gesonderten Kammern. Auf der Nabelseite, die in 
der Mitte einen deutlichen vertieften Nabel darbietet, sind die Kam- 
mern weniger schief, mehr gewölbt und triangulär, mit tieferen 



TiZ R e u s s. 

Näthen. Die Mündung eine Spulte am Innenrande der letzten Kaitimer. 
Die Schalenoberfläche sehr fein punktirt. 
Sehr selten im Gault von Rheine. 

4. R. rxsculpta m. — T. XI, F. 4. — Ei:ie sehr kleine — 
04 Millim. grosse — kreisrunde, an der Peripherie scharf gekielte 
Form, auf der Nahelseite stark convex, auf der spiralen Seite dagegen 
nur sehr flach gewölbt, indem die inneren Umgänge nur wenig über 
den ebenen letzten Umgang vorragen. Drei Umgänge, die nicht sehr 
schnell an Breite zunehmen. Im letzten Umgange 10 — 11 schmale, 
wenig gebogene Kammern, die auf der Spiralseite des Gehäuses fast 
eben sind und durch vorstehende schmale leistenartige Scheide- 
wände gesondert werden, die oftmals unterbrochen sind und in 
unregelmässige Körner zerfallen , sich zuweilen selbst gabelförmig 
spalten. Auf den inneren Windungen sind nur einzelne Körner als 
Andeutungen dieser Leisten sichtbar. Ebenso werden die Kammern 
am äusseren Rande von einer niedrigen Leiste eingefasst, die auf 
den inneren Umgängen ebenfalls mehrfach unterbrochen ist. Die 
Fläche der Kammern erscheint dadurch vertieft. Die Nabelseite der 
Kammern gewölbt und die trennenden Näthe schmal, aber ziemlich 
tief. Der Nabel tief und enge. Die Mündung eine kurze Spalte 
in der Mitte des Innenrandes der letzten Kammer. Die Schale fein 
punktirt. 

Im oberen Senonntergel desHilgenberges und Herrensteinberges 
bei Hamm; im unteren Senou von Hamm, Flierich, Haustenbeck, Ost- 
heide und vom Rhynerberg, in der Quadratenkreide vom Lindner 
Berge bei Hannover; im Diluvialsande von Hamm. 

5. R. nitida Rss. (Kreideverstein. Böhmens I. p. 35, T. 8, 
F. 52; T. 12, F. 20). Ist nur eine kleine Form von R. umbilicata 
d'Orb. (Mein, de la Soc. geol. de Fr. IV. 1, p. 32, T. 3, F. 4— 6), 
deren typische Form in Böhmen und Westphalen nicht vorkömmt. 

Im oberen Senonmergel des Hilgenberges bei Hamm und von 
Dolberg bei Beckum; in den unteren Seuonschichten von Hamm, 
Flierich, Bergeamen, Ostheide und vom Rhynerberge; im Pläner 
von Wullen. — Gemein im Bakulitenthone Böhmens; selten im 
Pläner von Kosstitz, häufig in den Mukronatenmergeln von Nagor- 
zani bei Leinberg, in der Quadratenkreide vom Lindner Berg bei 
Hannover, im Cuvieri-Pläner von Haverlah; im Ananchyteninergel 
von Jenstedt und Ahlfeld. 



!>ie Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 223 

6. R. Micheliniana d'Orb. (Mein, de le soc. geol. de Fr. IV. 1, 
p. 31, T. 3, F. 1 — 3). Im oberen Senon vom Herrensteinberg und 
von Drensteinfurth; in den unteren Senonscbiehten von Hamm, Berg- 
eamen und vom Rhynerberg; im Planer von Unna. — In der weissen 
Kreide Frankreichs und Englands, im Bakulitenthone Böhmens; in 
der Quadratenkreide vom Lindner Berge bei Hannover. 

Valvulina d'Orb. 

1. V. allomorphinoidcs m. — T. XI, F. 6. — Durchmesser 
0-44 Millim. Die Species ist bei flüchtiger Betrachtung im Umrisse 
der Allomorphina trigona Bss. sehr ähnlich. Das Gehäuse ist 
niedergedrückt eiförmig, mitunter dem gerundet- dreiseitigen sich 
nähernd, im Umfange abgerundet- winklig, auf beiden Flächen 
massig und ziemlich gleichförmig gewölbt. 

Es sind nur zwei Umgänge sichtbar, deren innerer sehr klein 
ist und nur ein sehr flaches Knöpfchen darstellt, an dem nur bis- 
weilen eine Theilung durch eine sehr seichte Furche angedeutet ist. 
Der äussere Umgang nimmt sehr rasch an Breite zu und bildet den 
grössten Theil des Gehäuses. Er besteht nur aus vier rundlichen 
Kammern , deren letzte sehr gross ist und mehr als die Hälfte des 
ganzen Gehäuses einnimmt. Sie sind massig gewölbt und werden 
äusserlich nur durch sehr seichte Näthe geschieden. Am meisten tritt 
noch die letzte Kammer hervor. Die Mündung wird durch einen 
ziemlich breiten , am Bande entweder abgestutzten oder selbst etwas 
eingebogenen lippenartig vortretenden Fortsatz der Schale verdeckt. 

Im obern Senonmergel von Soestwarte und Dolberg hei Beckum, 
vom Hilgenberg bei Hamm; im unteren Senon von Bergeamen, Ost- 
heide. — Auch im Cuvieri-Pläner von Haverlah. 

2. V. spicula Bss. (Kreideverstein. Böhm. I. p. 37, T. 13, 
F. 69). — Im unteren Senon von Ostheide; im Pläner von Wullen 
und Opherdieke und Essen. — Im Bakulitenthon von Luschitz, Patek 
und Bannai (Böhmen). 

Kosalina d'Orb. 

1. R. aininouoides Bss. (Beuss in Haidinger's naturw. Abhaudl. 
IV. 1, p. 30, T. 3, F. 2). — In dem oberen Senonmergel des Hilgen- 
berges bei Hamm, im Pläner von Horde. — Im Bakulitenthone von 



224 n e u s s. 

Priesen, Luschitz, Rannai, Kystra und Brozan (Böhmen), im Mukro- 
natenmergel von Nagorzani bei Lemberg (Galizien); im Kreide- 
mergel vor dem Clever Thore von Hannover; im Kreidetuff von 
Maestricht; im Cenomanien vom Mahnerberge bei Salzgitter und vom 
Lindner Berge bei Hannover; in der weissen Kreide von England; 
in der unteren Kreide von Dover; im Kreidedetritus vonCharing; im 
Gault von Folkestone (?). 

2. R. marginata Rss. (Denkschr. d. Wiener Akad. d. Wiss. 
VII. p. 69, T. 26, F. 1). Eine der gemeinsten und verbreitetsten 
Foraminiferen der oberen Kreide. Auch in den Kreidegebilden West- 
phalens sehr verbreitet. In dem oberen Senonmergel des llilgen- 
berges, Herrensteinberges, Kurkenberges bei Hamm, von Soestwarte 
und Dolberg bei Beckum; in den unteren Senonschichten von Hamm, 
Flierich, vom Rhynerberg, Haustenbeck, Bergeamen, Uedinghoff, 
Ostheide; im Pläner von Horde, Unna, Rheine, Wullen, Opherdieke. 
Essen; im Gault von Rheine, im Diluvialsande von Hamm u. s. w. — 
Auch im Bakulitenthone und Pläner Böhmens stellenweise sehr häufig; 
in den Kreidemergeln der Gosau; im Ananchytenmergel vom Peters- 
berg bei Goslar, von Jenstedt und zwischen Astfeld und Jenstedt; im 
Cuvieri-Pläner vom Windmühlenberge, von Ohlendorf und Lieben- 
burg bei Salzgitter, vom Stoberberg bei Liebenburg und von 
Haverlah; in der Quadratenkreide vom Lindner Berge bei Hannover; 
in der weissen Kreide von Kent; im Kreidedetritus von Charing. 

Anomalina d'O r b. 

1. A. coinplanata Bss. (Haidinger's naturwiss. Abhandl. IV. 
1, p. 36, T. 3, F. 3). Selten im Pläner von Ahaus und Essen. — Im 
Mukronatenmergel von Nagorzani hei Lemberg (Galizien); im Krei- 
demergel des Edelbachgrabens in der Gosau; in der weissen Kreide 
von Bügen. 

2. A. moniliformis Bss. (Kreideverstein. Böhmens I. p. 36, 
T. 13, F. 67). Im oberen Senonmergel des Hilgenberges bei Hamm. — 
Im Bakulitenthone von Luschitz und Brozan (Böhmen), im Kreide- 
mergel vor dem Clever Thore von Hannover. 

Truneatulina d'O ib. 
1. Tr. convexa Rss. (Haidinger's naturw. Abhandl. IV. I, 
p. 36, 37, T. 3, F. 4). — Im unteren Senonien vom Rhynerberg — 
In den Mukronatenmergeln von Nagorzani bei Lemberg. 



Die Foraminiferen der westfälischen Kreideformation. 225 

Glohigerina d' r b. 

i. ttl. rretacea d'Orb. (Mem. de la soc. geol. de Fr. IV. 1, p. 34, 
T. 3, F. 12 — 14). In den oberen Senonmergeln von Hamm, Flierich, 
Haustenbeck , Bergeamen und vom Rhynerberg; im Planer von 
Unna, im Ganlt von Rlieine und im Diluvialsande von Hamm. — Sehr 
verbreitet im böhmischen Bakulitenthon; seltener im Pläner von 
Kosstitz, vom Laurenzberg bei Prag u. s. w.; in der weissen Kreide 
Englands, in der unteren Kreide von Dover; im Kreidedetritus von 
Charing. 

e) Uvellidae. 
Kullmina d'O r b. 

1. B. \ariabilis d'Orb. (Mem. de la soc. geol. de Fr. 1840, IV. 1, 
p. 40, T. 4, F. 7, 8). Im oberen Senon von Drensteinfurth, vom 
Hilgenberg bei Hamm und von Dolberg bei Beckum; in den unteren 
Senonscbicbten von Hamm, Flierich und vom Bbynerberg; im Pläner 
von Unna, Graes; im Diluvialsande von Hamm. — Sebr verbreitet 
im Bakulitentbone und Planer Böhmens; in den Mukronatenmergeln 
von Nagorzani bei Lemberg; im Kreidemergel vor dem Clever Thore 
von Hannover; im Ananchytenmergel von Petersberg bei Goslar; 
im Cuvieri - Mergel vom Stoberberg bei Liebenburg; im Pläner von 
Liebenburg bei Salzgitter; im Cenomanien vom Fleisclierkamp bei 
Salzgitter; in der weissen Kreide Frankreichs (Sens, Meudon, St. 
Germain) und Englands. 

2. B. ©besä Rss. (Haidinger's naturwiss. Abband!. IV. 1. 
p. 40, T. 3, F. 12; T. 4, F. 1). Im oberen Senonmergel des Hilgen- 
berges bei Hamm. — Im Mukronatenmergel von Nagorzani bei Lem- 
berg (Galizien); in der weissen Kreide von Rügen. 

3. B. Murchisoniana d'Orb. (Mem. de la soc. geol. de Fr. IV. 
\, p. 41, T.4, F. 15, 16). Im oberen Senon von Dolberg bei Beckum, 
im unteren vom Rbynerberg; im Pläner von Ahaus; im Diluvialsande 
von Hamm. — Im Bakulitentbon von Luschitz, im Pläner von Kutsclilin 
und Kosstitz (Böhmen); im Pläner von Liebenburg bei Salzgitter; 
in der weissen Kreide Frankreicbs (St. Germain) und Englands, im 
Kreidedetritus von Charing. 

4. B. intermedia Rss. (Haidinger's naturwiss. Abhand. IV. 
l,p. 39, T. 3, F. 11). Im oberen Senon des Hilgenberges bei 



226 B e u s s. 

Hamm. — Im Bakulitenthon von Luschitz und Brozan (Böhmen); in 

der weissen Kreide von Rügen, von Portsdown (England); in den 
Mtikronatenscliichten von Nagorzani (Galizien); im Kreidemergel 
vor dem Clever Thore von Hannover. 

5. B. Puschi Rss. (Haidinger's naturwiss. Abhandl. IV. I, 
p. 37, 38, T. 3, F. 6). Im Diluvialsande von Hamm. — In den 
Mnkronatenmergeln von Nagorzani bei Lemberg (Galizien). 

6. B. ovulum Rss. (Haidinger's naturwiss. Abhandl. IV. 1, 
p. 38, T. 3, F. 9). Im oberen Senonmergel von Drensteinfurth und 
vom Herrensteinberg; im unteren Senon von Hamm und Bergeamen; 
im Planer von Ahaus; im Diluvialsande von Hamm. — Gemein im 
höhmischen Bakulitenthon; in der weissen Kreide von Kent und der 
Insel Bügen; im Mukronatenmergel von Nagorzani (Galizien); in den 
Kreidemergeln des Edelbachgrabens in der Gosau ; im Kreidekalk 
von Carentz (Mecklenburg); im Kreidemergel vor dem Clever Thore 
von Hannover; in der Quadratenkreide vom Lindner Berge bei 
Hannover. 

7. B. Presli Bss. (Beuss 1. c. IV. p. 39, T. 3, F. 10). Im 
oberen Senon des Hilgenberges bei Hamm; im unteren von Hamm; im 
Pläner von Unna; im Gault von Rheine; im Diluvialsande von 
Hamm. — Gemein im böhmischen Bakulitenthone, selten im Pläner; 
in der weissen Kreide von Rügen; im Mukronatenmergel von Nagor- 
zani (Galizien); im Kreidemergel vor dem Clever Thore von Han- 
nover; im Planer von Liebenburg bei Salzgitter, im Cuvieri-Pläner 
von Haverlah und von Stolterberg bei Liebenburg; im Cenomanien 
von Ringelberg-Kothwelle bei Salzgitter; im Flammenmergel vom 
Mahnerberg bei Salzgitter; im Minimusthon von Wallmoden. 

8. B. d'Orbiguyi Rss. (Kreide versteh]. Böhm. I. p. 38, T. 15, 
F. 74). Im oberen Senonmergel des Hilgenberges bei Hamm; im 
unteren von Hamm, Flierich, Bergeamen, Ostheide und vom Rhyner- 
berg; im Pläner von Ahaus und Rheine; im Gault von Rheine. — Im 
Bakulitenthon von Luschitz, Kystra, Brozan (Böhmen); im Pläner 
von Liebenburg bei Salzgitter; im Cenomanien von Ringelberg- 
Kothwelle, vom Mahnerberg und Fleischerkamp bei Salzgitter; im 
Minimusthon von Eilum, Wallmoden und Heiningen. 

9. B. polystropha Rss. (Kreideverstein. Böhm. II, p. 109, T. 24, 
F. 1)3). Im Pläner von Rheine. — Im Pläner von Weisskirchlitz 
(Böhmen). 



Die Foraminifereu der westphälischeu Kreideformation. 22 i 

Verneiiilina d'O r b. 

1. V. Bronni Rss. (Haidi nger's naturwiss. Abhandl. IV. 1, 
p. 40, T. 4, F. 2). Im oberen Senon des Hilgenberges bei Hamm; im 
unteren von Fiierich und Haustenbeck. — Im ßakulitentbon von 
Lusebitz und ßrozan (Bobinen); im Mukronatenmergel von Nagor- 
zani bei Lemberg (Galizien) ; im Kreidedetritus von Charing 
(England). 

2. V. Münster! Rss. (Denkschr. d. k. Akad. d. Wiss. in Wien 
1854, VII. p. 71, T. 26, F. 5. — Textularia triquetra Rss., Kreide- 
verstein. Böhm. I, p. 39, T. 13, F. 77). Im oberen Senon des Hilgen- 
berges bei Hamm; im unteren von Ostheide; im Pläner von Unna, 
Wullen und Rheine; im Minimusthon von Rheine; im Diluvialsaude 
von Hamm. — Im Bakulitenthon von Lusebitz (Böhmen); in den 
Kreidemergeln des Edelbacbgrabens in der Gosau; im Cenomanien 
von Ringelberg -Kothwelle bei Salzgitter. 

Tritaxia d'Orb. 

Trotz der grossen Individuenzahl, in welcher die T. tricarinaia 
an manchen Orten vorkömmt, war ich doch wegen des meist 
schlechten Erhaltungszustandes und der sehr undeutlichen Begren- 
zung der einzelnen Kammern bisher nicht im Stande gewesen, die 
Gattung, welcher dieselbe angehört, mit einiger Zuverlässigkeit zu 
bestimmen. Ich zog sie zuerst trotz der dreikantigen Form des 
Gehäuses irriger Weise zur Gattung Textilaria, später, der Gestalt 
entsprechender , zu Vemeuilina. Durch die etwas verschiedene 
Beschaffenheit wurde ich überdies verleitet, die Exemplare aus dem 
böhmischen Pläner für verschieden von jenen aus dem Kreidemergel 
von Nagorzani bei Lemberg zu halten, da erstere kleiner und glatter, 
letztere grösser, länger und rauher zu sein pflegen. 

Die Senonschichten VVestphalens, in denen das Fossil ebenfalls 
häufig angetroffen wird, haben mir zuerst Exemplare mit deut- 
licherer Kiimmerabtheilung geliefert, aus deren [Untersuchung sich 
ergab, dass dieselben weder zu Textilaria, noch zu Verneuilina ge- 
rechnet werden dürfen, sondern den Typus einer besonderen Gattung 
bilden müssen, der ich wegen der Anordnung der Kammern in drei 
parallele gerade Reihen den Namen „Tritaxia" beilege. 

Die Kammern stehen nämlich, die einzelne sehr kleine Embryo- 
nalkammer abgerechnet, in drei Reihen dicht neben und über 



228 r e u s s. 

einander, und zwar so, dass die Kammern je zweier neben einander 
liegender Reihen nach Art der Textilarideen regelmässig mit einander 
alterniren, während die Kammern aller drei Reihen zugleich be- 
trachtet eine regelmässige aufsteigende Spirale bilden, deren jeder 
einzelne Umgang drei Kammern umfasst, welche in so regelmässigem 
Grüssenverhältnisse gegen einander stehen und so gesetzmässig 
gelagert sind, dass auf die zweite Kammer stets die fünfte, achte 
u. s. w., auf die dritte aber die sechste, neunte u. s. w., auf die 
vierte endlich die siebente, zehnte u. s. w. in gerader Reihe zu liegen 
kömmt. Das ganze Gehäuse erhält dadurch eine dreikantige Form. 
Die letzte, gewöhnlich etwas gewölbtere Kammer verlängert sich in 
eine sehr kurze Spitze, welche die runde Mundung trägt. 

Die Tritaxien sind daher eigentlich Uvigerinen , deren Kam- 
mern regelmässig mit einander alterniren und vereinigen in sich 
zugleich die Charaktere der turbinoiden Helicostegier und jene der 
Textilarideen. Die Uvigerinen unterscheiden sich von denselben 
leicht und genügend durch die sehr ungleiche Form und unregel- 
mässige Stellung der wohl spiral angeordneten, aber nicht alterni- 
renden Kammern; durch die stärkere röhrenförmige Verlängerung der 
letzten Kammer und die glasige Reschaffenheit der glatten, nur 
äusserst fein punktirten Schale, die bei Tritaxia stets mehr oder 
weniger rauh erscheint. 

Es ist sehr wahrscheinlich, das? die von d'O r b i g n y beschriebene 
und abgebildete Uvigerina tricarinata aus der weissen Kreide von 
Sens (Mem. de la soc. geol. de Fr. IV. 1, p. 42, T. 4, F. 16, 17) 
ebenfalls der Gattung Tritaxia angehöre. Ich kenne dieselbe jedoch 
nicht aus eigener Anschauung. — Zwei andere Species ( Tr. pyra- 
midalis und sulcata Rss. habe ich im Cenomanien vom Mahnerberg 
und vom Fleischerkamp bei Salzgitter entdeckt. 

1. Tr. tricarinata Rss. — T. XII, F. 1, 2 — (Textularia trica- 
rinata Reuss, Kreideverstein. Böhm. I, p. 39, T. 8, F. 60. — Ver- 
neuilina dubia Rss. in Haidinger's naturw. Abhandl. IV. 1, p. 24, 
T. 4, F. 3). Im Mittel 0-951 Millim. lang und im breitesten Theile 
0-585 Millim. breit. In der Seitenansicht ist das Gehäuse mehr 
weniger verlängert- elliptisch, an beiden Enden fast gleichmässig 
abgerundet oder stumpf zugespitzt, sehr oft unregelmässig verbogen, 
scharf dreikantig, die Seitenflächen scieht ausgehöhlt. In jeder Ver- 
ticalreihe 4 — 6 ebene, am Rande scharfkantige, niedrige, massig 



Die Foraminiferen der westfälischen Kreideformation. 229 

schiefe Kammern. Die Näthe sehr fein linear, meist undeutlich, etwas 
gebogen. Die letzte Kammer schwach gewölbt, oft mützenförmig die 
anderen Kammern deckend , und sich am oberen Ende zur kurzen 
centralen, von der feinen runden Mündung durchbohrten Spitze 
verdünnend. Die Schalenoberfläche rauh. 

Im oberen Senonmergel desHilgenberges bei Hamm, im unteren 
von Ostheide und Hamm; im Planer von Opherdieke und Essen, im 
Gault von Rheine; im Diluvialsande von Hamm. — Ist überdies 
noch bekannt aus dem Bakulitenthon von Rannai und Kystm , im 
Pläner von Kosstitz u. s. w. (Böhmen); im Mukronatenmergel von 
Lemberg; im Cenomanien vom Mahnerberge bei Salzgitter; im 
Albien von Wallmoden. 

Gaiulryina d'Orb. 

1. Cr. pupoides d'Orb. (Mein, de la soc. geol. de Fr. 1840, IV. 
I, p. 44, T. 4, F. 22—24). Sehr selten im Pläner von Ahaus, im 
Gault von Rheine; im Diluvialsande von Hamm. — In der weissen 
Kreide Frankreichs (St. Germain) und Englands, im Kreidedetritus 
von Charing; im Gault von Folkestone. 

2. G. oxycona m. — T. XII, F. 3 — Länge : 0-86—1-68 Millim., 
Breite 0-54 — 0-86 Millim. Verkehrt kegelförmig, im Querschnitt fast 
kreisrund, oben abgestutzt, unten ziemlich scharf zugespitzt. Der 
untere spirale Theil des Gehäuses ist sehr kurz, mit sehr kleinen 
Kammern und undeutlichen linearen Näthen. Im grössten Theile des 
Gehäuses stehen die Kammern alternireHd in zwei geraden Reihen; sie 
sind sehr niedrig, quer, am Rücken breit gerundet und durch breite 
aber sehr seichte Vertiefungen geschieden. Die letzten zwei Kammern 
werden oben von ebenen oder selbst schwach eingedrückten, etwas 
gegen einander geneigten Flächen begrenzt. Die Mündung eine 
kurze und enge Querspalte am inneren Rande der letzten Kammer. — 
DieSchalenohertläche rauh. In den oberen Senonmergeln des Hilgen- 
berges bei Hamm und von Drensteinfurth; im unteren Senonien von 
Hamm, Ostheide, und vom Rhynerberg, im Pläner von Bergeamen 
Wulleii, Opherdieke, Ahaus; im Gault vom Rheine. — Auch 
im Cenomanien von Haverlah und von Fleischerkamp bei Salzgitter. 

3. G. mgosa d'Orb. (Mem. de la soc. geol. de. Fr. IV. 1. p. 44, 
T. 4, F. 20, 21). Im oberen Senon des Hilgeuberges und West- 
berges bei Hamm, von Dolberg hei Beckum und von Drensteinfurth, 



230 Reu« s. 

im unteren von Hamm, Flierich, Uedinghoff, Ostheide und vom Rhy- 
nerberg; im Diluvialsande von Hamm. — Sehr gemein im böh- 
mischen ßakulitenthon; im Mukronatenmergel von Nagorzani bei 
Leinberg; in der weissen Kreide Frankreichs (Sens, Meudon, St. 
Germain) und Englands; im Kreidedetritus von Charing; im Fläner- 
mergel vor dem Clever Thore von Hannover; im Ananchytenmergel 
zwischen Ahlfeld und Jenstedt. 

f) Polymorphinideae. 

Pyvtilinu d'Orb. 

1. P. acuminata d'Orb. (Mein, de la soc. geol. de Fr. IV. 1, 
p. 43, T. 4, F. 18, 19). Sehr selten im oberen Senonmergel des 
Hilgenberges bei Hamm. — In der weissen Kreide von Sens, Meudon, 
St. Germain; im Kreidedetritus von Charing; sehr selten im Mukro- 
natenmergel von Nagorzani bei Lemberg. 

Guttulina d'O r b. 

1. Cr. elliptica Rss. (Kreideverstein. Böhmens II. p. 110, T. 24, 
F. 55). Sehr selten im oberen Senonmergel des Hilgenberges bei 
Hamm. — Ebenso im ßakulitenthon von Luschitz (Böhmen). 

Globulina d'O r b. 

1. Gl. globosa v. M. sp. (Römer in Bronn's u. Leonh. Jahrb. 
1838, p. 386, T. 3, F. 33. — Reu ss, Kreideverstein. Böhm. I. 
p. 40, T. 13, F. 82). Im oberen Senonieu des Hilgenberges bei 
Hamm. — Im ßakulitenthon von Luschitz und Brozan (Böhmen). In 
den Tertiärschichten von Osnabrück, Nussdorf u. s. w. kommt eine 
Species von Globulina vor, die ich von der in Rede stehenden nicht 
zu unterscheiden vermag. 

2. Gl. porrecta m. — T. XII, F. 4. — Das grösste Exemplar 
misst 1 53 Millim. in der Länge, 0-62 Millim. in der Breite. Gehäuse 
schmal elliptisch, beiderseits ziemlich scharf zugespitzt, von vorne 
nach hinten massig zusammengedrückt. Die sichtbaren drei Kammern 
gross, wenig gewölbt, dachziegelförmig sich theil weise deckend ; ihre 
Näthe linienförmig, nur bei stärkerer Vergrösser ung erkennbar. Die 
letzte Kammer zugespitzt, mit gestrahlter Mündung. 



Die Foraminiferen der westphalischen Kreideformation. 231 

Die beschriebene Art unterscheidet sich von Guttulina elliptica 
Rss. durch die stärkere Zuspitzung des weniger zusammenge- 
drückten Gehäuses, so wie durch die geringere Anzahl der sichtbaren 
Kammern. 

Sehr selten im oberen Senonmergel des Hilgenberges bei Hamm, 
im unteren Senon von Hamm; im Diluvialsande derselben Localität. 

III. Textilarideae (Enallostegia d'Orb.^. 
Proroporns E h r b. 

1. Pr. complanatns m. — T. XII, F. 5. — 13 16 Millim. lang, 
0-402 Millim. breit, lanzettförmig, im oberen Theile mit beinahe 
parallelen Seitenrändern, in der unteren Hälfte sich allmählich zur 
Spitze zusammenziehend, blattförmig zusammengedrückt. Kammern 
sehr zahlreich; jederseits 23 — 25, sehr niedrig, wenig schief. 
Näthe durch seichte schmale Furchen angedeutet. Mündung rund, 
auf der stumpfen Spitze der letzten Kammer. Schalenoberfläche 
rauh, glanzlos. 

Selten im Gault von Rheine. 

Textilaria D e fr. 

1. T. turris d'Orb. (Mem. de la soc. geol. de Fr. 1840, IV. \, 
p. 46, T. 4, F. 27, 28). Im oberen Senonmergel von Drensteinfurth, 
im Pläner von Unna. — In der weissen Kreide Frankreichs (Sens, 
Meudon , St. Germain) und Englands ; im Bakulitenthon von Lu- 
schitz, im Pläner der Schillinge bei Bilin, in den Kreidemergeln des 
Edelbachgrabens und Wegscheidgrabens in der Gosau. 

2. T. conolas Rss. (Denkschr. d. k. Akad. d. Wiss. in Wien VII. 
p. 72, T. 26, F. 7).— T. XIII, F. 3. — Bis 0-65 Millim. lang und 
0-438 Millim. breit. Gehäuse verkehrt kegelförmig, kurz, im Verhält- 
nisse zur Länge breit, unten stumpf zugespitzt, oben abgestutzt, 
wenig gewölbt, mit sehr breit-elliptischem, mitunter beinahe kreis- 
förmigem Querschnitte. Jederseits 6 — 7 niedrige , quere , massig 
gewölbte, auf den Seiten breit-gerundete Kammern, die durch schmale, 
aber ziemlich tiefe Näthe gesondert sind. Die letzten Kammern oben 
schwach gewölbt, die vorletzte sogar etwas niedergedrückt. Die 
Mündung kurz, aber ziemlich breit-halbmondförmig. Die Schalenober- 
fläche mit feinen Rauhigkeiten bedeckt. 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XL. Bd. Nr. 8. 10 



232 Kens 8 . 

Im oberen Senonmergel des Hilgenberges bei Hamm; im unteren 
Senon von Flierich und vom Rhynerberg; im Diluvialsande von 
Hamm. — Im Bakulitenthon von Luschitz, Kautz, Kystra und Brozan 
(Böhmen); in den Kreidemergeln des Edelbachgrabens in der Gosau ; 
zweifelhaft in den Gargasmergeln von Mastbruch bei Braunschweig. 

3. T. pupa m. T. XIII, F. 4, 5. — Die grössten Exemplare 
messen 1-2 Millim. in der Länge, 0*62 Millim. in der Breite. Sie ist 
der T. conulus Rss. sehr ähnlich, fast walzig, im Querschnitte sehr 
breit- elliptisch, mit breit gerundeten Seiten, unten sich rasch zur 
stumpfen Spitze zusammenziehend. Auf jeder Seite 4 — 6 wenig ge- 
wölbte Kammern, breiter als hoch, quer, durch massig tiefe Näthe 
getrennt. Das hauptsächlichste Unterscheidungsmerkmal liegt in der 
Beschaffenheit der letzten zwei Kammern. Dieselben sind nicht, wie 
bei T. conulus, oben niedergedrückt, sondern gewölbt, erheben sich 
vielmehr selbst zu einem niedrigen zusammengedrückten Kegel mit 
gerundeter Spitze. Die Oberfläche der Schale sehr fein rauh. 

Im oberen Senon des Hilgenberges und Herrnsteinberges bei 
Hamm, im unteren Senon von Hamm, Ostheide und Uedinghoff. — 
Auch in der Quadratenkreide des Lindner Berges bei Hannover. 

4. T. globifera Rss. (T. globulosa Bss. [non Ehrbg.], Kreide- 
verstein. Böhm. I. p. 39, T.12, F. 23). — T. XIII, F. 7, 8. — Eine 
der kleinsten Species , denn die grössten Exemplare sind nur 0*438 
Millim. lang bei 027 Millim. Breite. Das keilförmige Gehäuse wech- 
selt in dem Verhältnisse der Länge zur Breite sehr; das untere 
Ende ist daher auch bald mehr, bald weniger spitzwinklig. Auf jeder 
Seite desselben zählt man 5 — 8 gewölbte, durch tiefe schmale Ein- 
schnürungen gesonderte, perlenschnurartig an einander gereihte 
Kammern, deren unterste sehr klein sind. Alle sind nur wenig breiter 
als hoch, die letzte besonders stark gewölbt, beinahe kugelig. Die 
Mündung eine kurze und enge Querspalte. Die Schalenoberfläche 
mit äusserst feinen Rauhigkeiten bedeckt. Bei starker Vergrösserung 
bemerkt man in den Näthen eine einfache Beihe von Grübchen. 

Ist in den Kreidegebilden Westphalens sehr verbreitet. Ich 
fand dieselbe in den oberen Senonmergeln des Hilgenberges, Herren- 
steinberges und Kurkenberges bei Hamm und von Dolberg bei 
Beckum; in den unteren Senongebilden von Hamm, vom Rhynerberg, 
von Ostheide, Flierich, Haustenbeck, Bergeamen, Uedinghoff; im 
Pläner von Unna und Rheine. Gewiss kömmt sie noch an vielen Orten 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 233 

vor . — Ebenso entdeckte ich sie schon früher in den Bakuliten- 
thonen von Luschitz, Brozan u. a. 0., so wie im Pläner Böhmens; 
in dem Kreidemergel vor dem Clever Thore von Hannover. 

5. T. coii ein n ii Rss. (Denkschr. d. k. Akad. d.Wiss. in Wien VII. 
p. 71, T. 26, F. 6) — T. XIII, F. 1.— Selten messen die Exem- 
plare 1-24 Millim. in der Länge, 0-58 Millim. in der Breite; gewöhn- 
lich sind sie beträchtlich kleiner. Das Gehäuse ist mehr weniger 
lang -lanzettförmig und daher im Verhältniss der Länge zur Breite 
sehr wechselnd. Oben ist es abgestutzt, an den Seiten zugerundet; 
unten verschmälert es sich langsam zur stumpfen Spitze. Jederseits 
6 — 10 ziemlich hohe, quere, gewölbte, durch schmale tiefe Näthe 
gesonderte Kammern. Die letzten zwei Kammern sind auf der oberen 
Seite flach gewölbt. Die Mündung, eine breit-halbmondförmige Spalte, 
liegt in einer hufeisenförmigen Einbiegung der letzten Kammer. Die 
Schalenoberfläche sehr rauh. 

Im oberen Senonien des Hilgenberges und Westberges bei 
Hamm; im Pläner von Wullen; im Diluvialsande von Hamm. — Im 
Pläner von Weisskirchlitz (Böhmen); im Kreidemergel des Edel- 
bachgrabens in der Gosau. 

6. T. parallela m. — T. XII, F. 7. — 0-731 Millim. lang, 
0-285 Millim. breit. Sehr ähnlich der T. concinna Rss., aber durch 
das kleinere und schmälere, nach unten noch weniger an Breite 
abnehmende Gehäuse mit breit gerundeten beinahe parallelen Seiten- 
rändern verschieden. Das untere Ende zieht sich rasch zur stumpfen 
Spitze zusammen. Jederseits 5 — 7 fast quere gewölbte Kammern, 
wenig breiter als hoch, durch tiefe Näthe geschieden; die letzte 
Kammer aber hoch gewölbt. Das Gehäuse nur wenig zusammen- 
gedrückt. Die Mündung eine kurze halbmondförmige Querspalte. Die 
Schalenoberfläche rauh. 

Sehr selten im Gault von Rheine. 

7. T. foeda Rss. (Kreideverstein. Böhm. II. p. 109—110, 
T. 43, F. 12, 13). Im oberen Senon des Hilgenberges und Herren- 
steinberges bei Hamm und von Soestwarte bei Beckum ; im unteren 
Senon von Flierich und Bergeamen; im Pläner von Unna. — Im 
Bakulitenthone von Luschitz (Böhmen). 

8. T. Partschi Rss. — T. XIII, F. 6. — Die in meiner Mono- 
graphie der böhmischen Kreideversteinerungen (I. p. 39, T. 13, 
F. 80) gegebene Beschreibung und nicht ganz treue Abbildung 

IG» 



234 Reuss. 

bezieht sich auf T. Baudouiniana d'Orb. (Mem. de la soc. geol. de 
Fr. IV. 1, p. 46, T. 4, F. 29, 30), die wiewohl sehr selten im böh- 
mischen ßakulitenthone vorkömmt. Es findet sich dort aber auch 
noch eine andere Species, der ich in den westphälischen Kreide- 
gebilden wieder begegnete. Ich lege ihr den erledigten Namen T. 
Partschi bei. Sie ist 0-493 Millim. lang bei 0-292 Millim. Breite; 
lanzettlich-keilförmig, zusammengedrückt, an den Seiten abgerundet 
winklig, nicht gekantet; nur im unteren Theile tritt das Winklige etwas 
deutlicher hervor. Das obere Ende beinahe abgestutzt, das untere 
zugespitzt. Jederseits 6 — 9 niedrige Kammern, deren untere wenig 
schief, die oberen vollkommen transversal sind. Die untersten Näthe 
undeutlich, die oberen nur vertiefte Linien darstellend. Die obere 
Fläche der letzten Kammer wenig gewölbt, beinahe abgestutzt. Die 
Schalenoberfläche fein rauh. 

Im oberen Senonmergel des Hilgenberges bei Hamm. — Selten 
auch im böhmischen ßakulitenthone. 

9. T. anceps Rss. (Kreideverstein. Böhm. I. p. 39, T. 8, F. 79; 
T. 13, F. 78) — T. XIII, F. 2. — Länge 0-548 Millim. Gehäuse 
lanzett- keilförmig, stark zusammengedrückt, mit schmalem rhom- 
boidalem Querschnitt und scharfkantigen Seitenrändern; nach unten 
sich allmählich zur stumpfen Spitze verschmälernd. DiebeidenFlächen 
schwach gewölbt, in der Mitte der Länge nach schwach und stumpf 
gekielt und sich gegen die beinahe schneidigen Ränder allmählich 
abdachend. Jederseits 7 — 10 niedrige, wenig schiefe, flache, durch 
feine lineare Näthe gesonderte Kammern. Die zwei obersten schräg 
nach aussen abgestutzt. Die Mündung eine kurze enge Querspalte. 
Die Schalenoberfläche mit sehr feinen Rauhigkeiten bedeckt. 

In den unteren Senonmergeln von Flierich; im Pläner von 
Unna; im Diluvialsande von Hamm. — Irn ßakulitenthone von 
Luschitz und Brozan (Böhmen); im Plänermergel vor dem Clever 
Thore von Hannover; im Auanchytenmergel vom Petersberge bei 
Goslar. 

10. T. praelonga Rss. (Kreideverstein. Böhm. I. p. 39, T. 12, 
F. 14. — Denkschr. d. k. Akad. d. Wiss. in Wien VII. p. 72, T. 26, 
F. 8). In den unteren Senonmergeln von Ostheide, im Pläner von 
Rheine. — Im ßakulitenthone von Luschitz, Brozan, Kystra, Rannai 
u. a. 0. (Böhmen); in den Kreidemergeln des Wegscheidgrabens 
in der Gosau ; im Kreidedetritus von Charing (England). 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 23i> 

11. T. bolivinoides m. — T.X11, F. 6. — Lange: 0599 Millim., 
Breite: # 248 Millim. Das lanzettförmige, nach unten sich allmählich 
zur stumpfen Spitze verschmälernde, stark zusammengedrückte Ge- 
häuse ähnelt in der Physiognomie einer Bolivina. Die Kammern 
zahlreich (jederseits 10), kaum gewölbt, viel breiter als hoch, 
und durch schmale, nicht sehr tiefe, vollkommen quere Näthe ge- 
schieden. Die letzte Kammer oben stark gewölbt. Die Seitenränder 
schmal, aber gerundet. Die Mündung sehr klein. Die Schalenober- 
fläche nur mit sehr feinen Rauhigkeiten bedeckt. 

Sehr selten im Gault von Rheine und in dem zugehörigen Grün- 
sande. — Auch im Minimusthon von der Heininger Ziegelei bei Wall- 
moden und im Tardefurcatus-Thon von Quitzem bei Quarum. 

12. T. flexuosa m. (T. articulata Rss. in Haidinger's natur- 
vviss. Abhandl. IV. 1, p. 45, T. 4, F. 14). Ich habe den Namen ge- 
ändert, weil d'Orbigny beinahe zu derselben Zeit eine T. articulata 
aus den miocänen Tertiärschichten von Baden bei Wien beschrieben 
und abgebildet hat (Foram. du bass. tert. de Vienne p. 250, T. 15, 
F. 16 — 18). Die in der Rede stehende Species findet sich immer 
nur in Bruchstücken im oberen Senon des Hilgenberges bei Hamm 
und von Dolberg bei Beckum; im unteren Senon von Hamm und 
Flierich. — In den Mukronatenschichten von Nagorzani bei Leinberg 
in Galizien. 



Erklärung der Abbildungen. 

Tafel I. 

Fig. 1. Cornuspira cretacea Rss. a Fliichenansicht, h Contouren des Vertical- 
durchschnittes. 
„ 2. Nodosaria lepida m. 
„ 3. „ coneinna m. 

„ 4. „ intercostata m. 

„ S. „ duplicicostata in. 

,. 6. „ nana m. a Seitenansicht, b Contouren des Querschnittes 

einer Kammer. 
„ 7. Dcntalina acuminata m. 
„8. „ cylindroides m. 

„ 9. „ cognata m. 

„ 10. „ subrecta m. 



236 Reu s.s. 



Tafel II. 



Fig. i. Nodosaria tetragona in. a Seitenansicht, b Contouren des Quer- 
schnittes. 



„ 3. 


Dentalina tenuicaudata in. 


„ 4- 


n 


commutata m. 


„ ä- 




distineta in. 


„ 6. 




strangulata m. 


. 7. 




Marcki m. 


n 8- 




intermedia m. 

Tafel III. 



Fig. i. Dentalina polyphragma in. b zwei Kammern stärker vergrössert. 

„ 2, 3. „ foedissima m. 

„4. „ expansa m. Bruchstück. 

„ 5. „ legumen R s s. 

„ 6. „ catenula m. 

„ 7. „ diserepans m. 

„ 8. „ filiformis R ss. Bruchstück. 

„9. „ pugiunculus m. „ 

Tafel IV. 

Fig. \. Glandulina cylindraeea Rss. 

„ 2. „ elongata m. 

„ 3. Frondicularia Decheni m. a vordere, b seitliche Ansicht. 

„ 4. „ Becksi m. a „ b „ „ 

„ J{. „ angustata Nilss. 

„ 6. „ angustissima m. 

„ 7. „ Goldfussi in. a vordere, b seitliche Ansicht. 

Tafel V. 

Fig. \. Frondicularia lanceola m. a vordere, b seitliche Ansicht. 

„ 2. „ apiculata R s s. a „ b „ „ 

„ 3. „ marginata Rss. a „ b „ „ 

„ 4. „ microdisca in. 

„ 5. Frondicularia gaultina in. Bruchstück. 

„ 6. Marginulina seminotata m. 

„ 7. „ lata in. a seitliche, b obere Ansicht. 

Tafel VI. 

Fig. 1. Frondicularia canaliculata in. a vordere, b seitliche Ansicht. 
„ 2. „ guestphalica in. a „ b „ „ 

„ 3. „ strigillata in. 

„ 4-6. Marginulina bullata Rss. 
„ 7. Rhabdogonium Rö'meri m. a .Seitenansicht, b Bauchansicht, c obere 

Ansicht. 
„ 8. Marginulina bacillum Rss. b Querschnitt. 



Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. 2t>7 

Tafel VII. 

Fig. 1. Rhabdogunium anomalutn in. a Rücken-, b Bauehansicht, c obere 

Ansicht. 
„ 2. Mürginulina ornatissima m. a Seiten-, b Bauch- , c Bückenansieht, 

d obere Ansicht. 
„ 3. Marginulina inaequalis in. 
„ 4. „ soluta m. 

„ 5. „ mudesta m . a seilliche, b obere Ansicht. 

„ 6. Rhdbdogonium globuliferum. a Rücken-, b Bauehansicht, c obere 

Ansicht. 
„ 7. Marginulina armata in. Bruchstück. 

Tafel VIII. 

Fig. 1. Pleurostomella pisiformis in. Vordere Ansicht. 
„ 2. „ subnodosa m. a hintere, b vordere Ansicht. 

„ 3. Vaginulina transversalis in. 

„ 4. „ arguta m. a Seiten-, b Bückenansieht. 

„ 5. „ bicostulata m. a Seiten-, b Bückenansicht. 

„ 6. Cristellaria inflata m. a seitliche, b vordere Ansicht. 
„ 7. „ microptera in. a seitliche, b Rückenansicht. 

„ 8. „ oligostegia m. a seitliche, b Bauchansicht. 

Tafel IX. 

Fig. i. Flabellina interpunctata v. d. Mck. 
„ 2. „ macrospira in. 

„ 3. Vaginulina notata in. Bruchstück. 

„ 4. Cristellaria Marcki m. a seitliche, b Bauehansicht. 
„ 5. „ tripleura in. a „ b „ , 

„ 6. „ Hagenowi m. a „ b „ 

„ 7. „ secans m. a ,, b „ 

Tafel X. 

Fig. i,1.Cristrllaria harpa in. a seitliche, h Bauehansicht. 
„ 3. „ acuta m. a „ b „ 

„ 4. „ inepta m. a „ b „ 

„ 5,6. Lituola nautiloideaL&m. a Seitenansichten, b obere Ansicht. 
„ 7, 8. „ „ „ Obere Ansichten. 

„ 9. Haplophragmium irreguläre Böm. sp. «Seiten-, b obere Ansieht. 

Tafel XI. 

Fig. i. Haplophragmium irreguläre Böm. sp. Bückenansicht. 
„ 2, 3. „ aequale „ „ a seitliche Ansichten, b obere 

Ansichten. 
„ 4. Rotalia exsculpta m. a Spiral-, b Nabelansicht, c Seitenansicht. 
„ ö. „ umbonella m. a „ b „ c „ 

„ 6. Valvulina allomorpbinuides m. a Spiral- , b Nabel- , c Seitenansicht. 



238 Ken ss. Die Foraminiferen der vvesf phänischen Kreideformation. 

Tafel XII. 

Tritaxia tricarinata m. a Bauch-, b Rückenansicht 
„ „ a „ b obere Ansieht. 

Gaudryina oxycona m. a vordere, b seitliehe, c obere Ansicht. 
Globulina porrecta m. a seitliche, b obere Ansicht. 
Proroporus eomplanatus m. a vordere, b seitliehe Ansicht. 
Textilaria bolivinoides m. a „ b obere Ansicht. 

„ parallela m. a „ b „ „ 

Tafel XIII. 

Fig. 1. Textilaria eoncinna Rss. a vordere, b seitliche Ansicht. 



Fig. 


1. 


« 


2. 


» 


3. 


» 


4. 


» 


5. 


5) 


6. 




7. 



2. 


»» 


aneeps Rss. a 


>» 


b , 


3. 


„ 


com/Ins „ a 


» 


b „ 


4,5. 


» 


pupa m. a 


» 


b „ 


6. 


n 


Partsehi Rss. a 


?5 


b „ 


7,8. 


» 


globifera m. a 


» 


b » 



Reufs.Die FoTAininifereÄ der westpliälischeii Kreideformation. 




. \ 




Tai 



..,„ 







/'///./'. Com n.t/i im irefueeo ffjs. ~Fig. ?. A r odö-tarCa lepidiim. Fig.<?. .V. concirtnn '" 
Cii/ '/. X tii/irrostntti /// /•'it/.S.Jf.duplicico/Yatum.Fig. ßjf/to/ia m /'ry Z-Deniaiüia acuminata w 
f'tr/.tl /) cyfiiitlroif/es 1/1 Fig.£ D.cogiiuta m Fü/./O.D.Jt'ubrectaTn.. 

.S.i/,nii'jsl).il.k Ak.idil.U in.iili .iiatiirvv O. XL l'.d.X'"». IKiiO. 



Eieufs. Die Foraminiferen i!<'r vrestpliälisolteji Ivreidelbrmatioii 



Taf.lL 



Za 










Fin. f. Sodosarüt tetragonam- /•'/</ '! .Vprunniiirn m Fiff. ■!. Dentalirui tehuicuiidala r,i 
/>'ty. f. /). roiti/inUuta /// Fig. •>' D. dijtfineta m /'/>/ 6. /). slranguUttn >» Fig. 7. D Wtirckt /" 
Fiu. &. D. intermedia m 
Sitzun£sl (I k Akad.d.W in.ilh n.iiniw CL XI. Bd X" » IKliO 



Reul's. Dir (Toramiiufereii der weslpjiälisflien Krcideftnrmation. 





I 





Fig. f. I>i/i/ti /in« polg/ihrogma ///. /'/// Z,3 D. foedlssüna m Fi«.'/. /) t.r/mn\« w 
/■'///■> /• i /f //«/«, ■■// //.i-.v Frg.ft.D.catcmrla w . /•'/« 7.J). discrepanje /« 

S'//- a.D. /'//i/hr/ms //.is /'/>///// J>ilf/iuuen/us m 
Sil/,iiii"'sl).il.k..\k,i(l.il Vi. m.ilh. tiftturw. CL. XL Bd N°K L8(i(). 



l'icul's. Die l''(n7iiiiiiii|'t')Tii der ivcslphäliselien Kreidrformalioii. 
' Z Ä *■ 3. 



Taf [V. 







j. 



Fig.J-Glwidiilintt cj/ltndracea ß.s-.r. Fig-Z.Gl.dongMa m Fiff.3.FroniUcuI/wi*i Decfisniu 

Fit/ . '/. Fr. ßicfei /u . Fig. S. Fr. ii/ii/iistutn .\'///\,ip. Fi//, (t 'Fr. titif/ii.s/i/Tinifi // 
Fig. 7. Fr. (ii>ltUii/si m . 
Sit7.uno-sb(l.kAkfl(l.d.U'. math. natura t'l. XL Bd. X98. 1860. 



Reul's. Die Foraminiferai riet wvs-tphälijschen Krerdei'onnation 



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SilÄiiiioA-VJ.k Akiul.(l.\V.iiuiiJi.iiiihirw'.('l. AI, 15<l N?8. 1860. 



Reufs. Die Foraminifercn der ut-st iiIi.iIim-Iicii Kreideformatroii 



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SiVaun-isb . il k.Akail.d.W.iiiafli.iurturw.CI. X!, IM X" 8 1860 



Reufs. Die Foraminifercn (irr HTstphälischen Kretdeforniation.. Taf.VDE 





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V Usail.d WimatJi n»t«n» Cl XI. Bd H» * 1860. 



Schneider. Über d. ehem. u. elektrol. Verhalten d. Quecksilbers etc. 239 



Über das chemische und elektrotytische Verhalten des Queck- 
silbers bezüglich dessen Nachweisbarkeit im Allgemeinen 
und in thierischen Substanzen insbesondere. 

Von Dr. F. C. Schneider, 

k. k. Professor. 
I. 

Die Frage, auf welchen Wegen die Ausscheidung des Quecksilbers 
nach dessen arzneilicher Anwendung aus dem Organismus erfolge, 
und insbesondere, ob dieses Metall durch den Harn entleert werde, 
hat seit jeher die Aufmerksamkeit der Ärzte undChemikerbeschäftiget. 

Die hierauf bezüglichen Untersuchungen haben jedoch zu sehr 
verschiedenen , sich zum Theile geradezu widersprechenden Ergeb- 
nissen geführt. 

Während Petronius 1 ), iBreger, Valvasor, Guidot, 
Vercelloni, Burghardt, Didier, Cantu 2 ) Land er er, Audou- 
ards), Miahle*), Orfila 5 ), Van der Brock 6 ) Quecksilber 



*) Petronius de morbo gallico libr. VI, c. 1 will Quecksilber im Harne eines an 
Mercurialsalivation leidenden Mannes gesehen haben. Er berichtet: Cum urina 
quando spumosa bullas argento vivo obductas et quod mirum est, supernatantes, 
has quidem milio majores, has vero minores reddehat. Ubi vero urina sine spuma 
fuerat , tales bullae non apparuere, sed illud postremo dubium omne dissolvit, quod 
aureus nummus ab illis albo colore inliceretur. 

a J Cantu, Annal. de Chim. et de Phys. T. 27, p. 335 will aus dem Bodensatze von 
60 Pfund Harn , der von mehreren die Schmierern - gebrauchenden Personen gesam- 
melt wurde, durch die Destillation über 20 Grane Quecksilber, ungerechnet der im 
Retortenhalse zurückgebliebenen Menge, abgeschieden haben. 

8 ) Audouard, Journ. de Chim. med. 843, mars, p. 137 fand Quecksilber im Harne 
Syphilitischer, die mit Atzsublimat behandelt wurden. 

*) Miahl e, Annal. d.Cbim. et de Phys., serie 3, 1842, t. 5, nahm 06 Gramm Calomel 
und fand, dass nach 12 Stunden in seinem Harne eingelegte Kupferstäbchen sich 
mit Quecksilber bedeckten. 

5 ) Orfila, Journ. de Chem. med. 1842, konnte in 32 Pfund Harn nach Cantu's Ver- 
fahren kein Quecksilber nachweisen, dagegen fand er nach seiner eigener. Methode 
Quecksilber im Harne von Individuen, die mit Mercur behandelt wurden. 

6 ) Van den Brock konnte nach massigen Gaben von Sublimat im Kaninchenharne 
Quecksilber nachweisen. Donders Physiol. Bd. 1, p. 475. 



240 Schneider. 

im Harne gefunden haben wollen, konnten Tie dem an n undGmelin *) 
weder im Harne eines Hundes, noch in dem eines Pferdes dasselbe 
entdecken, ungeachtet sie jenem drei Drachmen essigsaures-, diesem 
eine halbe Unze Cyanquecksilber beigebracht hatten. Eben so ver- 
geblich suchte Wo hl er 2 ) im Harne eines die Schiniercur gebrau- 
chenden Mannes nach Quecksilber und auch in Liebig's Labora- 
torium 3 ) konnte dasselbe im Harne Syphilitischer, die mit Mercu- 
rialien behandelt wurden, nicht nachgewiesen werden. Melsens 
und Hannon glaubten beobachtet zu haben, dass bei Hydrargyrose 
durch die innerliche Anwendung von Jodkalium die Ausscheidung 
des Quecksilbers durch den Harn befördert werde. 

Im Zusammenhange mit dieser, durch die Erfahrung bei weitem 
noch nicht jedem Zweifel entrückten, Wahrnehmung steht die Behaup- 
tung einiger Ärzte, dass es keine secundäre Syphilis gebe, und dass 
die sogenannten secundären syphilitischen Leiden Wirkungen des 
Mercurialgebrauches seien. — Für diese Behauptung hat man che- 
mische Beweismittel angestrengt. Der Harn Syphilitischer, welche 
vordem mit Mercur und hierauf erfolgreich mit Jodkalium behandelt 
wurden, soll Quecksilber enthalten. 

Die schon früher nicht unwichtige Frage erlangt durch diese 
Doctrin eine erhöhte, unmittelbar praktischeBedeutung, sie war dess- 
halb in jüngster Zeit Veranlassung zu näheren Untersuchungen 4 ). 

Insoweit die, bis nun bekannt gewordenen , Ergebnisse sich 
auf den chemischen Theil der Frage beziehen , scheinen dieselben 
noch mancher Prüfung bedürftig. Eigene Untersuchungen führten 
mich zur Wahrnehmung, dass die üblichen Methoden, nach welchen 
thierische Substanzen auf Quecksilber geprüft werden, unzulänglich 
sind, den entschiedenen Nachweis zu liefern, ob dieses Metall in dem 
Untersuchungsobjecte vorhanden sei oder fehle. 



') Tiedemann und üraelin, Versuche üher die Wege, aufweichen Substanzen aus 
dem Magen undDarmcanal in's Blut gelangen. 820. Vers. 8, p. 17 und Vers. 12, p. 32. 
Der Nachweis war durch Einleiten von Schwefelwasserstoffgas in die Untersuchungs- 
ohjecte versucht. 

2j Tiedemann und Treviranus, Zeitschrift für Physiologie, Bd. I. (>■ 303. 

3) Voit, Physiologisch-chemische Untersuchungen 1837, pag. 50. 

4 J Virchov, Über die Natur der constitutionellen syphilitischen Affectionen. Dessen 
Archiv 1859, Bd. 15. — Waller, Beiträge zur Lösung einiger Streitfragen 
in der Syphilidologie. Prager Vierleljahressohrift für praktische Heilkunde. 1839. 
Bd. 16, p. 133. 



Über das chemische und elektrolytische Verhalten des Quecksilbers etc. ^41 

Wie geringe die Menge von Quecksilber sein könne, um sie 
noch mit Bestimmtheit in thierischen Substanzen nachzuweisen , ist 
bisher unerörtert geblieben, und doch muss dies vor allem bekannt 
sein , weil , wenn überhaupt eine Ausscheidung des Quecksilbers 
durch den Harn stattfindet, nur sehr geringe Mengen davon vor- 
kommen können, da von den wirksameren Mercurialpräparaten nur 
kleine arzneiliche Gaben , die sich innerhalb den Bruchtheilen eines 
Grans bewegen, Tag über gereicht werden. 

Es ist also vorerst zu untersuchen, ob der analytischen Chemie 
hinreichend empfindliche Fällungsmittel zu Gebote stehen, um selbst 
so kleine Mengen zu entdecken, ob es durch Benützung bestimmter 
Lösungsmittel gelinge, aus einer grösseren Menge von organischer 
Substanz und anorganischen Salzen das Quecksilber abzuscheiden 
und so seinen Fallungsmitteln zugänglicher zu machen, durch welche 
Beactionen endlich selbst die kleinsten Mengen von Quecksilber in 
Formen übergeführt werden können, welche die Vornahme weiterer 
bestätigender Versuche ermöglichen. 

Wenn in solcher Art die Leistungsfähigkeit der Methoden ermit- 
telt und die Bedingungen festgestellt sind, unter welchen es gelingt 
die Anwesenheit des Quecksilbers in thierischen Substanzen auf 
eine Irrthum und Täuschung ausschliessende Weise zu erkennen, 
dann lassen sich die Widersprüche in den Angaben der früheren For- 
scher einer unbefangenen Würdigung unterziehen, der Werth und 
die Tragweite der bis nun bekannt gewordenen Untersuchungen 
bemessen. 

II. 

Über die Beactionsgrenzen, bis zu welchen das Quecksilber aus 
Lösungen fällbar ist, liegen nur wenige Bestimmungen vor, und 
diese Hessen es gänzlich unbeachtet, ob und welchen Einfluss die 
absolute Menge des vorhandenen Quecksilbers bei gleichen Verdün- 
nungsgraden übe, ob durch dieselbe die Beactionsgrenze verrückt 
werde. 

Nach Pfaff werden Auflösungen des Quecksilberoxyduls durch 
Chlorwasserstoff und durch Chlormetalle bis zur SO.OOOfachen Ver- 
dünnung gefällt, die Oxydverbindungen und das ihnen correspondi- 
rende Chlorid geben nach Lassaigne in 20.000 Theilen Lösungs- 
mittel noch Niederschläge mit Schwefelkalium, mit Ammoniak, und nach 



242 Schneider. 

Geiger auch mit Zinnchlorür; wogegen bei 40.000fächer Verdün- 
nung nur mehr eine opalisirende Trübung in der Lösung stattfinde. 
Nach Reinsch darf die Wassermenge nicht über 15.000 Theile 
betragen , wenn die regulinische Fällung des Quecksilbers durch 
Kupfer dem unbewaffneten Auge noch wahrnehmbar sein soll ; bei 
50.000 Theilen Wasser ist längeres Kochen unter Zusatz von Salz- 
säure nöthig, damit mikroskopisch erkennbare Queeksilberkügelchen 
auf Kupfer sich fixiren können. Ein Goldplättchen, das mit einem 
Stückchen Zinn in Berührung gebracht ist, färbt sich nach Lassai- 
gne in einer Sublimatlösung erkennbar weiss, wenn die Menge des 
Lösungsmittels nicht über 5.000 Theile beträgt. 

Nach diesen Bestimmungen müsste man auf den Nachweis des 
Quecksilbers verzichten , sobald dessen Menge weniger als den 
20.000— 40. 000 9ten Theil des Untersuchungsobjectes beträgt. — 
Meine Versuche über die Reactionsgrenzen haben zu anderen Ergeb- 
nissen geführt. 

Bei der Untersuchung thierischer Substanzen müssen vor allem 
die organischen Stoffe durch Oxydationsmittel — am gewöhnlichsten 
durch chlorsaures Kali und Chlorwasserstoffsäure — zerstört werden. 
Dadurch wird das in welch immer für einer Form im Probeobjecte 
enthaltene Quecksilber in Einfach-Chlorquecksilber oder in das cor- 
respondirende Oxyd verwandelt. Desshalb habe ich zu meinen Ver- 
suchen nur Lösungen dieser Verbindung benützt; als Fällungsmittel 
wählte ich Schwefelwasserstoff, Schwefel -Ammonium, Ammoniak 
und Zinnchlorür, weil ich mich überzeugte, dass für alle übrigen 
Reagentien auf Einfach-Chlorquecksilber die Fällungsgrenze schon 
innerhalb der lO.OOOfachen Verdünnung gelegen ist. 

Seh we fei Wasserstoff ga s erzeugt in Auflösungen des Ein- 
fach - Chlorquecksilbers noch sammelbare Niederschläge , wenn 

0-002 Grm. HgCl in 100 CC. 
0-005 „ „ „ 500 „ 
0-010 „ „ „1500 „ 
0-016 „ „ „2000 „ 
0-020 „ „ „4000 „ 

Wasser gelöst der Einwirkung dieses Gases bis zur Sättigung der 
Flüssigkeit ausgesetzt werden. Die Niederschläge kommen jedoch 
erst nach längerem Stehen zum Vorscheine. Die Lösungen färben 
sich allmählich in dem Verhältnisse stärker dunkelbraun, je mehr 



Über das chemische und eleklrolytische Verhalten des Quecksilbers etc. 243 

Quecksilber , unabhängig vom Verdünnungsgrade vorhanden ist. 
Erhebt sich letzteres auf 0*050 Grm. in 100. OOOfacher Verdünnung, 
so wird die Färbung schon bei den ersten Gasblasen merklich , bei 
0-005 Grm. dagegen in 1 Liter Wasser kann sie selbst nach Sät- 
tigung der Lösung mit Schwefelwasserstoff nur auf einem weissen 
Hintergrunde deutlich wahrgenommen werden und 0002 Grm. HgCl 
in 500 CC. Wasser gelöst, bringen gar keine bestimmt erkennbare 
Veränderung mit Schwefelwasserstoff hervor, es setzt sich selbst 
nach langem Stehen kein Niederschlag ab. 

Schwefelwasserstoff- Schwefelammonium verhält 
sich gegen Quecksilberlösungen im Allgemeinen wie der Schwefel- 
wasserstoff; die Reaction verliert jedoch an Empfindlichkeit und 
Schärfe. 0005 Grm. HgCl in !/ a Liter Wasser gelöst, geben keinen 
sammelbaren Niederschlag und in 1 Liter Wasser erzeugen sie nur 
mehr eine undeutliche dunkle Färbung. 0-010 Grm. HgCl in 2 Litres 
Wasser erzeugen allerdings mit Schwefel -Ammonium eine dunkle 
Färbung, aber es scheidet sich selbst nach längerem Stehen kein 
Niederschlag aus. Miahle gibt an, das Schwefelquecksilber sei in 
Schwefel-Ammonium löslich; man fühlt sich versucht dieser Angabe 
beizustimmen , da in Lösungen , welche nur wenige Milligrammes 
Quecksilberchlorid enthalten , nach Zusatz von Schwefel-Ammonium 
sehr oft nur dunkelbraune Färbungen erzeugt werden, ohne dass 
es selbst nach mehrtägigem Stehen zur Abscheidung eines Nieder- 
schlages käme. Zuweilen erscheinen diese unter vollständiger Ent- 
färbung der Lösung, wenn man neuerdings Schwefel-Ammonium oder 
Schwefelwasserstoff zusetzt , und dann findet sich in der wasser- 
hell gewordenen Flüssigkeit keine Spur von Quecksilber. 

Solche braun gefärbte Lösungen werden immer erhalten, wenn 
0010— 0-020 Grm. HgCl in mindestens 10. OOOfacher Verdünnung 
entweder mitSchwefehvasserstoffwasser vermischt, oder wenn wenige 
Tropfen Schwefel-Ammonium mittelst eines Glasstabes rasch in der 
Flüssigkeit vertheilt werden. Ist die Menge des HgCl bedeutender, 
so treten aber immer Niederschläge durch die beiden Fällungs- 
mittel auf, deren Färbung jedoch nach der Menge des zugesetzten 
Reagens verschieden ist. 

Vieles ungünstiger gestalten sich die Reaetionsverhältnisse, 
wenn das HgCl statt in Wasser im Harne gelöst wird. Man erhält 
allerdings selbst bei 100. OOOfacher Verdünnung durch Schwefel- 



244 Schneider. 

wasserstoffgas eine sammelbare Fällung, wenn frieh gelassener 
Harn mit 0010 — 0020 Grm. HgCl vermischt, sogleich mit diesem 
Gase gesättiget wird. Lässt man aber mit HgCl versetzten Harn 
mehrere Tage stehen, oder dampft man solchen Harn unter Zusatz 
von chlorsaurem Kali und Chlorwasserstoffsäure ein und nimmt den 
Rückstand in Wasser auf, so entsteht durch Schwefelwasserstoff, 
selbst wenn 0020, 030, 0-50 Grm. HgCl vorhanden sind, nur eine 
lehmartige Trübung, aus der sich allerdings schmutziggelbe Flocken, 
aber kein schwär z es Schwefelquecksilber abscheiden. Die Flüssig- 
keit wird nicht klar , sie mag an einen warmen oder kalten Ort 
gestellt werden und lässt sich auch nicht klar filtriren. Untersucht 
man Filtrat und Filterrückstand nach vorgängiger Oxydation, so lässt 
sich durch Elektrolyse auf die bald zu erörternde Weise in beiden 
Quecksilber nachweisen. Es konnte selbst bei 0- 100 Grm. HgCl, 
die in 4 Litres Harn gelöst waren, nach der eben erwähnten Weise 
behandelt, keine Fällung von schwarzem Schwefelquecksilber erhalten 
werden, es schied sich auch in diesem Falle aus der trüben Flüssig- 
keit erst nach längerem Stehen ein schmutzig gelber Niederschlag 
aus, der organische Substanz, ausgeschiedenen Schwefel, phosphor- 
saure alkalische Erden und Schwefelquecksilber enthält. Wird dieser 
Niederschlag mit Ammoniak und schwefelammoniumhältigem Was- 
ser gewaschen, dann in einer Lösung von Schwefelnatrium digerirt, 
so geht das Schwefelquecksilber in letztere Lösung über und kann 
daraus durch Chlorwasserstoffsäure wieder abgeschieden werden. 
Die Menge des Niederschlages entspricht aber nicht jener, die aus 
0-100 Grm. HgCl erhalten werden sollte. 

Mehrfache Versuche mit quecksilberhaltigem Harne führten zu 
dem Ergebnisse, dass dieses Metall durch Schwefelwasserstoff und 
Schwefel-Ammonium nicht sicher nachweisbar ist, wenn dessen Menge 
unter 0100 Grm. beträgt 

Die Fällbarkeit der Quecksilberlösungen durch Ammoniak 
bewegt sich in weit engeren Grenzen. Es werden 0-005 Grm. HgCl 
in 45.000facher Verdünnung und 0-001 Grm. in 3o.000facher Ver- 
dünnung allerdings noch gefällt, der Niederschlag wird aber von 
Chlorammonium gelöst und er kommt in salmiakhältigen Flüssigkeiten 
gar nicht zum Vorschein. Schon dieses Umstandes wegen kann dieses 
Reagens bei Untersuchung thierischer Substanzen auf Quecksilber 
keine vorteilhafte Anwendung linden. 



Über das chemische und elektrolytische Verhalten des Quecksilbers etc. 24«) 

Zinnchlopür erzeugt mit 0-002 Grm. HgCl in SO.OOOfacher 
Verdünnung' eine graue Färbung, die sich allmählich zu einem Nieder- 
schlag ausbildet. Dieses Reagens fällt aber in thierischen Flüssig- 
keiten und insbesondere im Harne auch die färbenden Substanzen, 
den Harnstoff, die Harnsäure und Phosphorsäure. Man erhält daher 
einen sehr voluminösen Niederschlag. Um zu ermitteln, ob mit diesem 
Reagens Quecksilber im Harn nachweisbar sei, wurden 0010 Grm. 
HgCl mit 500 CC. Harn vermischt und dann mit Zinnchlorür ge- 
fällt. Der erhaltene Niederschlag wurde auf einem Filter gesammelt, 
gewaschen, getrocknet, dann mit coucentrirter Schwefelsäure unter 
Zusatz von Salpetersäure oxydirt, endlich vorsichtig bis zum Trock- 
nen der Masse erhitzt. Der trockene Rückstand wurde mit Natron- 
kalk innig gemengt in einem Kugelröhrchen bis zum Glühen erhitzt. 
Im verengten Theile des Glühröhrchens setzte sich ein grauer 
Anflug an, der sich in einer Atmosphäre von Joddampf gelb färbte, 
sodann beim Erhitzen verflüchtigte und an kälteren Stellen als rothes 
Quecksilberjodid wieder absetzte. 

Ich habe mich durch wiederholte Versuche überzeugt , dass 
der aus quecksilberhaltigem Harn durch Zinnchlorür erzeugte Nieder- 
schlag mit concentrirter Schwefelsäure bis zur Verflüchtigung dieser 
Säure erhitzt werden kann, ohne dass dadurch ein Verlust von Queck- 
silber bedingt würde. Demungeachtet möchte diese Probe für die 
subtilen Untersuchungen des Harns von Individuen, die eine Mer- 
curialcur passirten, kaum zu empfehlen sein. Die geringe Menge des 
Quecksilbers, die in solchen Harnen vorkommt und die grosse Masse 
des Niederschlages der aus mehreren Litres eingedampften Harns 
erhalten wird, benimmt der Methode wesentliche Vortheile. Die 
Reduction des quecksilberhaltigen Niederschlages durch Glühen mit 
Natronkalk erfordert Gefässe von grösseren Dimensionen; dadurch 
vertheilt sich das Quecksilber auf eine grössere Oberfläche, es kann 
sich der Wahrnehmung und der Controlprobe, wie sie eben erwähnt 
wurde, entziehen. 

III. 

Da bei der Untersuchung thierischer Substanzen auf Queck- 
silber , die weitaus grössere Masse des Objectes aus organischer 
Substanz besteht, so hat man empfohlen diese vorerst mit chlor- 
saurem Kali und Chlorwasserstoffsäure zu zerstören , darauf die 



246 Schneider. 

flüssige Masse zur Trockne zu bringen und den Rückstand mitÄther 
auszuziehen, in der Voraussetzung, dass es solcher Art gelinge das 
Quecksilber , welches nach dieser Behandlung nur als lösliche 
Chlorverbindung in der eingedampften Masse enthalten sein kann, 
von der grösseren Menge der Salze zu isoliren , innerhalb seiner 
Reactionsgrenzen zu bringen und in einer Lösung darzustellen , in 
welcher die charakteristischen Reactionen bestimmter und deutlicher 
hervortreten. 

So plausibel für den ersten Anschein dieser Vorgang ist, da 
bekanntlich das Einfach- Chlorquecksilber sich in Äther leichter als 
in Wasser löst, so wenig bewährt er sich bei der praktischen Aus- 
führung. Ich habe mich durch mehrere Versuche überzeugt, dass bei 
diesem Vorgange Quecksilber der Entdeckung entgeht, selbst wenn 
namhafte Mengen davon vorhanden sind : 

Es wurden 

0-005 Grm. HgCl in 500 CC. Harn, 
0-007 „ „ „ 100 „ „ 
0-100 „ „ „1500 „ „ 
1-000 „ „ „1000 „ „ 

unter Zusatz von HCl und KCI0 6 im Wasserbade zur Trockne ver- 
dunstet ; der chlorsäurefreie Rückstand zerrieben in einem Kolben mit 
Äther vom specifischen Gewicht 0-725 wiederholt geschüttelt; nach 
24 Stunden die ätherische Lösung vom Salzrückstande mit der Vorsicht 
getrennt, dass von der ungelösten Masse nichts in dieselbe gelangen 
konnte, sodann zur Trockne verdampft. Der gelbliche etwas zähe 
harzartige Rückstand löste sich in Wasser selbst beim Erwärmen 
nur unvollkommen auf, und die harzige Substanz Hess sich auch bei 
erneuerter Behandlung mit HCl und KC10 6 nicht völlig zerstören, 
Quecksilber konnte in demselben bei allen vier Versuchen nicht 
nachgewiesen werden. 

Der in Äther ungelöst gebliebene Rückstand dagegen gab an 
90 p rocentigen Alkohol die Quecksilberverbindung ab, und derselbe 
konnte durch wiederholtes Ausziehen mit Alkohol seines ganzen 
Quecksilbergehaltes beraubt werden. 

Bei der probeweisen Anwendung von Äther von 0*745 speci- 
tischem Gewicht wurden allerdings Spuren von HgCl in die ätherische 
Lösung übergeführt, die Hauptmasse blieb jedoch auch bei diesen 



Über das chemische und elektrolytische Verhalten des Quecksilbers etc. 247 

Versuchen ungelöst, selbst nachdem mehrere Extractionen mit Äther 
vorgenommen wurden. 

Ich muss hierbei eines Umstandes erwähnen , der wenn er 
unbeachtet bleibt, sehr leicht zu einer irrthümlichen Angabe Ver- 
anlassung werden kann. Sind die eingedampften Rückstände nicht 
völlig trocken, oder ist der Äther wasserhaltig, so scheidet sich eine 
specifisch schwerere Flüssigkeit bei derExtraction unter der ätheri- 
schen Lösung ab, wird letztere aufs Filter gebracht, so sinkt die 
wässerige Lösung in die Spitze des Filters und fliesst neben der 
ätherischen Lösung ab. In solchen Fällen untersucht man selbstver- 
ständlich nicht die reinen ätherischen Auszüge, sondern gemengte 
Lösungen. — Wenn selbst neuere Forschungen in dem Ätherextracte 
des Harns Quecksilber auffanden , so geschah es nur , weil die 
ätherische Lösung nicht völlig unvermengt von der wässerigen zur 
Untersuchung verwendet wurde. Es ist eben keine schwere Aufgabe 
für diese , den gewöhnlichen Voraussetzungen geradezu wieder- 
streitenden Ergebnisse die richtige Erklärung zu finden. In unseren 
Untersuchungsobjecten ist das HgCl immer neben Alkalichloriden 
vorhanden, mit diesen ist jenes zu Doppelchloriden vereiniget, letz- 
tere sind in Äther so viel wie unlöslich und desshalb kann auch aus 
eingedampften Harnrückständen durch Äther kein Quecksilberchlorid 
gelöst werden. Diese Doppelchloride sind in wenig Wasser ohne 
Zersetzung löslich, durch grössere Wassermengen aber werden sie 
in ihre Componenten zerlegt. Aus reinen wässerigen Lösungen lässt 
sich durch wiederholtes Schütteln mit Äther alles HgCl, das jene 
enthalten, in diesen überführen, bei gleichzeitiger Anwesenheit von 
Alkalichloriden findet dies jedoch um so schwieriger Statt, je con- 
centrirter die wässerigen Lösungen sind , derart, dass aus völlig 
gesättigten Lösungen Äther vom HgCl nur mehr Spuren aufzuneh- 
men vermag ; aus völlig getrockneten Salzmassen zieht Äther auch 
nicht einmal Spuren von HgCl aus, der Äther hat also die Fähigkeit 
allerdings unter Mitwirkung von Wasser die Doppelverbindungen, 
welche das HgCl mit den Alkalichloriden eingeht, zu zerlegen, für 
sich allein aber hat er weder die Fähigkeit diese Verbindungen zu 
lösen, noch sie zu zersetzen. 

Wollte man also Äther zur Isolirung des HgCl aus einer grösse- 
ren Masse von Salzen benutzen, so muss gerade das entgegen- 
gesetzte Verfahren eingeschlagen werden, als man bisher empfohlen 

SiUb. d. matheua.-naturw. CI. XL. Bd. Nr. 8. 17 



248 Schneider. 

hat. Nicht die trockenen Salze, sondern ihre verdünnten wässerigen 
Lösungen müssten mit Äther extrahirt werden. Um die Extraction 
vollständig zu machen, müssten aber beträchtliche Mengen von Äther 
nach und nach in Anwendung kommen. 

Die den vorstehenden Angaben zu Grunde liegenden Versuche 
wurden mit je 0-100 Grm. HgCl in 10 CC. einer gesättigten Lösung 
von Chlorkalium, von Chlornatrium und von einem Gemische beider 
dieser Chloride und sodann mit 1 Grm. HgCl in denselben Mengen 
der Alkalichloridlösungen vorgenommen. 

Ich habe mich bei meinen Untersuchungen nicht überzeugen 
können, dass die Anwendung von Äther, als Extractionsmittel, für die 
Auffindung des Quecksilbers in thierischen Substanzen, wesentliche 
Vortheile brächte. Zum qualitativen Nachweis gelangt man auf 
elektrolyfischem Wege, wie bald erörtert werden wird, auch ohne 
dieser vorgängigen Scheidung, und die für die quantitative Bestim- 
mung nöthige vorläufige Fällung des Quecksilbers lässt sich mit 
Schwefelwasserstoff oder Zinnchlonir vollständiger und leichter be- 
werkstelligen als dieExtraction initÄther, wenn diese, wiediesnach- 
gewiesen ist, nur aus wässerigen Lösungen geschehen kann. Ergibt 
sich aus den bisher angeführten Versuchen , dass jede Harnprobe 
auf einen Quecksilbergehalt, die mittelst Äther in der bisher em- 
pfohlenen Weise angestellt wird , in ihren Ergebnissen jeden- 
falls ungenügend, meist aber falsch ist, so bliebe nur noch zu er- 
mitteln, ob sich nicht die beim Äther vergeblich angestrebten Vor- 
theile durch Anwendung von Weingeist erreichen lassen? 

Werden HgCl hältige wässerige Lösungen der Alkalichloride zur 
Trockne verdunstet und hierauf die Rückstände mit 90 procentigen 
Alkohol ausgezogen, so bekommt man weingeistigeLösungen, welche 
neben dem Alkalichlorid alles HgCl enthalten , das man den wässe- 
rigen Lösungen der erstem zugesetzt hat. Bei Anwendung von Chlor- 
kalium ist die Extraction des Salzriickstandes rascher ausführbar als 
bei Chlornatrium, doch lässt sich auch dieses durch öftere Behand- 
lung mit 90 procentigen Alkohol von allem HgCl so vollkommen tren- 
nen, dass der ungelöste Rückstand in Wasser aufgenommen und mit 
Schwefelwasserstoff versetzt keine dunkle Färbung von gebildetem 
Schwefelquecksilber annimmt. Wiewohl in die weingeistige Lösung 
eine grössere Menge von Alkalichlorid übergeht , als zur Bildung 
der Doppelchloride nöthig ist , so bleibt doch die Hauptmasse 



Über das chemische tmd elektrolytische Verhalten des Quecksilbers etc. 249 

derselben ungelöst , so dass es immerhin von Vortheil wäre , diese 
Extractionsmethode anzuwenden, um kleine Mengen von Queck- 
silber aus einer grösseren Masse von Salzen zu isoliren. Selbst die 
Anwesenheit von phosphorsauren Alkalien scheint auf diese Löslich- 
keitsverhältnisse nur einen sehr untergeordneten Einfluss zu üben. 
Aus einer HgCl hältigen Salzmasse, die neben HCl und NaCl auch 
phosphorsaures Natron enthielt, Hess sich das HgCl mit Alkohol so 
weit extrahiren, dass in dem ungelöst gebliebenen Rückstände sich 
durch Schwefelwasserstoff nur mehr Spuren von Quecksilber nach- 
weisen Hessen. 

Um zu erfahren, ob sich dieses Scheidungsmittel auch auf thie- 
rische Untersuchungsobjecte anwenden lasse, wurden 2000 CC. Harn 
mit 0-020 Grm. HgCl versetzt, dann nach Hinzufügung von KC10 6 
und HCl zur Trockne verdunstet. Der eingedampfte völlig weisse, 
von organischer Substanz anscheinend freie Rückstand wurde mit 
Alkohol ausgezogen. Die alkoholischen Auszüge lieferten einen gelb- 
lich weissen Abdampfrückstand, der in Wasser aufgenommen mit 
Schwefelwasserstoffgas einen gelblichen Niederschlag lieferte, aus 
welchem, nachdem er durch Waschen mit ammoniakhältigem Wasser 
von der organischen Substanz befreit und in Natronlauge gelöst war, 
nach Zusatz von HCl schwarzes Schwefelquecksilber abgeschieden 
werden konnte. Der von Alkohol ungelöst gebliebene Harnrückstand 
aber enthielt ebenfalls noch Quecksilber , das auf elektrolytischem 
Wege nachgewiesen wurde. Rei einem anderen Versuche, bei wel- 
chem 1500 CC. Harn mit 0100 Grm. HgCl verwendet wurden, 
konnte allerdings durch Schwefelammonium im Alkoholextracte 
Quecksilber als schwarze Schwefelverbindung gefällt werden , aber 
der von Alkohol ungelöste Harnrückstand enthielt gleichfalls noch fäll- 
bare Mengen von Quecksilber. — In dem Harne eines Syphilitischen, 
der eine Sublimatcur passirte , konnte ich im Wasserextracte durch 
Elektrolyse Quecksilber entdecken, während der alkoholische Auszug 
keine nachweisbare Menge dieses Metalles enthielt. 

Wollte man auch die umständliche Arbeit , welche das Aus- 
ziehen einer grösseren Menge von Salzen mittelst Alkohol erfordert, 
nicht scheuen und sich den Verlust an Alkohol gefallen lassen, — 
auf eine Wiedergewinnung desselben durch Destillation muss man 
des heftigen durch keinen Kunstgriff zu beseitigenden Stossens und 
Schäumens wegen verzichten — die Ergebnisse der vorstehenden 

i7» 



250 Schneide r. 

Versuche lassen auch die Anwendung von Weingeist zur Trennung 
des Quecksilbers aus einer Masse verschiedener Salze und organi- 
scher Substanz weder vorteilhaft noch räthlich erscheinen; ich 
könnte noch hinzufügen, dass selbst die Reactionen auf Quecksilber 
in den wässerigen Lösungen des Alkoholextractes weder reiner 
noch schärfer hervortreten, als wenn sie unmittelbar in dem Unter- 
suchungsobjecte vorgenommen werden. Die organischen Substanzen 
welche sich der zerstörenden Wirkung des KC10 6 entzogen haben, 
gehen in die alkoholischen Lösungen über, ertheilen diesen dunkle 
Färbungen und verunreinigen alle Niederschläge, welche in solchen 
Lösungen auf welch immer für eine Art erzeugt werden. 

IV. 

Schon in älterer Zeit wurde die Fähigkeit des Quecksilbers, 
sich mit anderen Metallen insbesondere mit Kupfer und Gold zu ver- 
quicken, zum Nachweise dieses Elementes benützt. 

Damals herrschte die allgemeine Meinung, dass das Queck- 
silber nur im regulinischen Zustande im Organismus vorkommen 
könne, dass alle Quecksilberverbindungen, wenn sie in den Körper 
gelangen, zu Metall reducirt und sodann durch die verschiedenen 
Excretionsorgane insbesondere durch die Speicheldrüsen, durch die 
Nieren, ja selbst durch die Haut ausgeschieden würden. 

So versichert Fallopius bei der Mercurialsalivation fixire sich 
das Quecksilber auf Goldstücke, die der Kranke in den Mund nehme. 
Schelarius erzählt, dass Ducaten im Munde eines Mannes weiss 
wurden, sobald derselbe seine grosse Zehe in ein Quecksilberbad 
tauchte; Pope berichtet von einem Bergmanne, der Kupferstücke 
durch Reiben zwischen seinen Fingern amalgamirte, etc. 

Entsprechend diesen Ansichten hatte man den Nachweis des 
Quecksilbers durch sehr einfache Manipulationen geliefert. Wo die 
Sehkraft zur Entdeckung des Quecksilbers in tbierischen Stoffen 
nicht ausreichte, suchte man es durch den Verquickungsprocess der 
Wahrnehmung zugänglich zu machen. 

Flüssige Untersuchungsobjecte wurden ohne jeder weiteren 
Vorbereitung in Näpfchen von Gold, Kupfer oder Messing oder in 
Glasgefässen gesammelt, in welche man Stäbchen der genannten 
Metalle einstellte. 



Über das chemische und elektrolytische Verhalten des Quecksilbers etc. 2H I 

Feste Substanzen wurden destillirt, der Destillatschlamm ohne 
oder nach vorläufiger Entfernung der theerigen Bestandteile mit- 
telst Alkohol, derselben Prüfungsweise, wie die flüssigen Stoffe, 
unterzogen. 

Zeigten sich die Metallgefässe oder die eingelegten Stäbchen 
mit einem weissen, beim Reiben spiegelnden Beschläge überzogen, 
so war man von Anwesenheit des Quecksilbers überzeugt. 

Gegen die Beweiskraft dieses Verfahrens erheben sich mehr- 
fache Bedenken; es mag allerdings ausreichen, wenn die Unter- 
suchungsobjecte namhafte Mengen von Quecksilber enthalten, in 
allen anderen Fällen kann es nur zu Täuschungen Anlass geben. 
Abgesehen davon, dass Goldstäbe aus Quecksilberverbindungen kein 
Metall fällen und daher dasselbe nicht ersichtlich machen können, 
selbst wenn es in grosser Menge vorhanden ist; es erleidet auch 
die Farbe des Kupfers, Messings und selbst des Goldes bei längerer 
Berührung mit thierischen Flüssigkeiten, besonders wenn sie Chlor- 
metalle enthalten, mannigfache Änderungen, wodurch die Erkennung 
der etwa erfolgten Amalgamation sehr erschwert wird. Kupfer- 
stäbchen bedecken sich mit einem dunkelgrauen Überzug, der beim 
Reiben lichter glänzend wird; wenn man gerade noch Quecksilber 
sucht, kann man sich veranlasst finden, dasselbe für vorhanden 
anzunehmen. Kupferstäbchen von2Millim. Breite und 3Centim. Länge 
verlieren in einer Lösung von 0*002 Grm. HgCl in 40 CC. ange- 
säuerten Wassers nach 24 Stunden kaum ihre rothe Färbung, es 
lässt sich durch Reiben keine Versilberung erzeugen; eben so wenig 
kann bei 0*005 Grm. HgCl in 20.000 facher Verdünnung das unbe- 
fangene Auge die Spur einer Verquickung erkennen. Bei Ver- 
suchen mit 

0*010 Grm. HgCl in 300 CC. 
0*010 „ „ „ 100 „ 
0*020 „ „ „ 250 „ 

angesäuerten Wassers erschienen die Kupferstäbchen nach 24 Stun- 
den matt, glanzlos, sie färbten das Papier, mit dem sie gerieben 
wurden, schwarz ohne darnach verquickt zu erscheinen. 

Beim Erhitzen in einem ausgezogenen Glasröhrchen aber gaben 
sie Quecksilber ab, welches nach der Umwandlung in Quecksilber- 
jodid ganz sicher erkannt werden konnte. Um das Quecksilber auch 



252 Schneider. 

noch bei grösseren Verdiinnungen zu fällen, wurde die chemische 
Wirkung galvanischer Ströme benützt. 

Längere Zeit hindurch war die Smithson'sche Säule zu diesem 
Zwecke gebraucht, noch Rose empfiehlt dieselbe in seiner analy- 
tischen Chemie als empfindliches qualitatives Erkennungsmittel für 
Quecksilberlösungen. Diese Säule hat eine sehr primitive Construc- 
tion; es wird um ein Goldstäbchen spiralförmig ein Staniolstreifen 
so lose gewunden, dass die Flüssigkeit, in welche die Säule gesenkt 
wird, das Goldstäbchen umspülen kann. Rose empfiehlt statt Staniol 
Eisendrath zu nehmen. Man schreibt dieser Vorrichtung einen 
hohen Grad von Wirksamkeit zu, aber, wie es scheint, wird ihre 
Leistung gänzlich verkannt. Nicht durch die elektromotorische Kraft 
dieser Säule werden die Quecksilberverbindungen zerlegt, son- 
dern einfach in Folge der chemischen Anziehung, welche das Zinn 
oder Eisen auf den negativen Bestandteil der Quecksilberverbin- 
dung ausübt. Man kann sich davon in der einfachsten Weise über- 
zeugen. Construirt man die Säule aus Platin und Gold, so ist ihre 
Wirkung gerade zu Null. Werden dagegen neben Gold als zweites 
Element Metalle gewählt, die im Stande sind das Quecksilber in 
seinen Verbindungen zu substituiren, so erfolgt die Abscheidung des 
letzteren und zwar zunächst auf das substituirende Metall, von 
diesem gelangt es an das Gold , wenn es anders die Verhältnisse 
gestatten. Es erscheint auch das Goldstäbchen nur an jenen Stellen 
verquickt, welche von den Spiralwindungen frei bleiben, die davon 
verhüllten Stellen dagegen sind vollkommen unverändert, ungeachtet 
sie von der Quecksilberlösung bespült sind. 

Wird das umhüllende Metall nach vorläufigem Abwaschen und 
Trocknen in einem Glasröhrchen erhitzt, so gibt es Quecksilber ab, 
zum unzweifelhaften Beleg dass die erfolgte Reduction nicht durch 
den elektrischen Strom bewirkt sein konnte. Hat man Eisendrath 
zum Versuche gewählt, so findet sich meist am Boden des Gefässes 
reducirtes Quecksilber, der Eisendrath ist von einem grauen Anflug 
wie bereift, das Goldplättchen vieles stärker verquickt als dies bei 
Zinn oder Zinkdrathspiralen der Fall ist. 

Demnach kann der Smith son'schen Säule kein höherer Grad 
von Wirksamkeit zukommen, als die unedlen Metalle, mit welchen 
dieselbe construirt wird, in Quecksilberlösungen zu äussern vermö- 
gen; es knüpft sich aber an sie der weitere Nachtheil, dass das 



Über dns chemische und elektrolytische Verhalten des Quecksilbers etc. 2H3 

Goldstäbchen um so weniger verquickt wird , um so fester die um- 
hüllende Metallspirale das Quecksilber fixirt, ja es kann bei dieser 
Prüfungsweise letzteres gar nicht entdeckt werden, selbst wenn 
es nicht in der kleinsten Menge vorhanden war, da nur auf die Ver- 
quickung des Goldblättchens gesehen wird. 

In jüngster Zeit wurde die Untersuchung thierischer Substanzen 
auf Quecksilber durch die Elektrolyse mittelst constanter galva- 
nischer Ströme vorgenommen. — In Folge der einleitenden Opera- 
tionen ist in diesen Stoffen das Quecksilber als HgCl enthalten und 
mit den anwesenden Alkalichloriden verbunden, wenn anders nicht 
durch grössere Mengen von Wasser die Doppelchloride wieder in 
ihre Componenten zerfallen sind. 

Das HgCl, Hg J etc. setzten dem elektrischen Strome fast einen 
so grossen Widerstand wie das reine Wasser entgegen. Die Alkali- 
verbindungen dagegen sind die bestleitenden und darum am leich- 
testen spaltbaren Verbindungen. Nach Hittdorf J ) würden gleiche 
Volumina destillirtes Wasser und geschmolzenes KCl demselben 
elektrischen Strom ausgesetzt neben einer Million Äquivalente Cl 
und K in derselben Zeit nur 1 Äquivalent H und abscheiden. 

Ich habe nicht gefunden, dass man dieses Verhalten des HgCl 
bei der Untersuchung von Flüssigkeiten durch den elektrischen 
Strom beachtet hat. Bevor ich mich daher entschloss diese Unter- 
suchungsmethode an thierischen Substanzen auszuführen, erachtete 
ich es für nöthig, durch Versuche mich über sämmtliche Erschei- 
nungen zu belehren, welche bei der Elektrolyse salzreicher orga- 
nische Substanzen enthaltender Flüssigkeiten eintreten können, und 
insbesondere zu erforschen, bis zu welchen Verdünnungen es noch 
gelinge, sehr kleine Quecksilbermengen durch die Elektrolyse abzu- 
scheiden. 

Zu sämmtlichen Versuchen diente eine Smeesche Säule von 
6 Elementen, deren Anode aus einem 4 Centim. langen und 1 Centim. 
breiten Platinblech, deren Kathode aus einem Golddrath von i Millim. 
Dicke bestand, welcher in ein keulenförmig verdicktes Ende von 2 Millim. 
Durchmesser ausläuft. Um auch an dem in die Flüssigkeit tauchenden 
Stücke des Leitungsdrathes die etwa erfolgte Amalgamation sicherer 



') Hittdorf, Über die Wanderung' der Jonen während der Elektrolyse. Poggendorfl's 
Aunalen, Bd. 106, jj. 344. 



254 Schneider. 

erkennen zu können, wurde derselbe von Gold gewählt, und um die 
Vertheilung des Quecksilbers auf eine möglichst kleine Oberfläche 
zu beschränken, wurde nebst der Form der Kathode die Elektrolyse 
in einem mehr breiten als hohen Gefässe vorgenommen. Nur für 
einige Versuche habe ich die Kathode von Kupfer angewendet, um 
deren Einfluss auf die leichtere Abscheidung des Quecksilbers und 
auf die Deutlichkeit der Verquickung kennen zu lernen. Bei so feinen 
Untersuchungen, wo es sich um die Entdeckung der letzten fass- 
baren Spuren eines Körpers handelt, ist es von Wichtigkeit, dass 
der Wahrnehmung mehre und verschiedenartige Anhaltspunkte ge- 
boten werden. Ich habe mich daher bei allen Versuchen nie damit 
begnügt, die scheinbare Versilberung der Kathode als endgil- 
tigen Beweis für die Anwesenheit von Quecksilber gelten zu las- 
sen. Ich benütze die Elektrolyse nur dazu, das Quecksilber aus 
Flüssigkeiten in eine fassbare Form zu bringen, in der es möglich 
wird durch einige Controlversuche und insbesondere durch eine 
chemische Reaction dessen Natur zu constatiren. 

Allerdings haben schon ältere Forscher die Verquickungs- 
probe für sich allein nicht als zureichend erkannt, um die Gegen- 
wart des Quecksilbers in allen Fällen für erwiesen anzusehen. Sie 
unterzogen das verquickte Metall der Glühprobe , um an der Ver- 
flüchtigung des Überzuges, und an dem Wiedererscheinen der ur- 
sprünglichen Metallfarbe sich zu versichern, dass der Farbenwandel 
vom Quecksilber verursacht worden sei. 

Auch gegenwärtig wird diese Glühprobe, jedoch in einer Glas- 
röhre vorgenommen, in der Absicht, das vom Metall abgetriebene 
Quecksilber in den kälteren Theil der Glühröhre zu fixiren, um es 
so, wenn nicht dem unbewaffneten Auge, doch mittelst der Loupe 
oder dem Mikroskope der Wahrnehmung zugänglich zu machen. Es 
ist jedoch nicht möglich sehr geringe Mengen von Quecksilber 
durch dieses Verfahren zu erkennen. Schon Voit *) macht auf die 
Täuschungen aufmerksam, die bei der mikroskopischen Prüfung der 
grauen Salbe und des Calomels auf Quecksilber vorkommen können 
und bemerkt, dass es oft schwer sei, eine Luftblase von einem Queck- 
silberkügelchen mit Bestimmtheit zu unterscheiden. Werden ver- 
quickte Goldblätteben (die nach der Gewichtsabnahme die sie beim 
Glühen erleiden, zu schliessen, nicht mehr als 2 — 3 Milligramme 



l) A. a. 0. pag. 80 u. ff. 



Über das chemische und eleklrolylische Verhalten des Quecksilbers etc. 255 

Quecksilber fixirt hatten), in engen zu Capillaren ausgezogenen Glas- 
röhren erhitzt, so setzt sich an den kälteren Stellen ein allerdings 
durch das unbewaffnete Auge erkennbarer Hauch ab, der beim Er- 
hitzen sich verflüchtigen lässt, dessen metallische Beschaffenheit aber 
selbst mit Hilfe des Mikroskopes nicht wahrnehmbar wird, weil die 
Lichtreflexion, welche Quecksilberkiigelehen erzeugen, auch in den 
zu Capillaren ausgezogenen Glasröhrchen durch die Uneinigkeiten 
des Glases insbesondere durch eingesprengte Quarzkörnchen, durch 
Staubtheilchen, durch eingebrannte Kohle und Luftbläschen u. s. w. 
bewirkt sein kann. 

Diese Unsicherheit bei der mikroskopischen Prüfung veran- 
lasste mich nach einem minder zweideutigen Erkennungsmittel zu 
suchen. Das Einfach - Jodquecksil her ist durch seine Flüch- 
tigkeit, seine Farbe und seine Krystallform eine so charakterisirte 
Verbindung, dass es geradezu unmöglich ist, dasselbe zu verkennen, 
dabei begünstiget die Intensität seiner Farbe dessen deutliche Wahr- 
nehmung selbst bei den geringsten Mengen. Die Probe ist auch bei 
wenig Gewandtheit leicht ausführbar. Ich verfahre dabei in folgender 
Weise : 

Der verquickte Metallstab wird sammt dem zusammengebogenen 
Leitungsdrath in eine sorgfältig gereinigte Glasröhre gesteckt, die 
an einem Ende zu einer Capillare ausgezogen ist und darauf an dem 
weiteren Ende zugeschmolzen wird. Man erhitzt den weiteren das 
Metall enthaltenden Theil der Röhre der ganzen Länge nach zum Glü- 
hen; hat sich nach etwa 5 Minuten an dem kälteren Theil der Glüh- 
röhre ein Anflug abgelagert, so treibt man denselben durch Erhitzen 
in den capillaren Röhrentheil, und erhitzt hierauf nochmals das Me- 
tall, um zu erfahren, ob ein neues Sublimat zum Vorschein komme; 
ist dies nicht mehr der Fall, so schmilzt man den das Metall ent- 
haltenden Röhrentheil von dem capillaren Theile so ab , dass an 
letzteren ein kurzes Stück des weiteren Röhrentheils als kolbenartige 
Auftreibung zurückbleibt. 

Nach dem Erkalten wird die kolbige Auftreibung durch Abknei- 
pen des spitz ausgezogeneu Endes geöffnet, sodann mittelst eines 
Glasfadens etwas Jod in dieselbe gebracht und wieder zugeschmol- 
zen. Der Joddampf zieht sich hierbei in den capillaren Theil der 
Röhre und verschwindet dort wo das Quecksilber sitzt, es erscheinen 
je nach der Menge des eingeführten Jod braune, rothe oder gelbe 



256 S c h n e i d e r. 

Ringe. Werden die braunen Ringe sehr vorsichtig erwärmt , so 
dampft das Jod von denselben ab und es bleiben rothe Ringe von Hg.1 
zurück. Die rothen so wie die gelben Ringe verflüchtigen sich beim 
stärkeren Erwärmen , setzen sich aber an den kälteren Stellen 
sogleich wieder ab, und zwar mit rother Farbe, die aber unter Um- 
ständen beim Erkalten in Gelb umschlagen kann. Die gelben Ringe 
bestehen aus Quecksilberjodürjodid Hg 4 J 3 ; sie entstehen, wenn 
die in den kolbigen Röhrentheil eingeführte Jodmenge ungenügend 
war HgJ zu bilden. Lässt man auch nur eine sehr kleine Menge 
Jod auf dieselben wirken, so werden sie durch Umwandlung in 
HgJ bleibend roth. Unter dem Mikroskope erscheinen die rothen 
Krystalle als Quadratoktaeder, die oft mit ihren Flächen sich an 
einander lagern, so dass sie dem Salmiak ähnliche, gezähnte Fasern 
darstellen. 

Bei der Vornahme dieser Probe ist nur darauf zu sehen, dass 
beim Einschmelzen der verquickten Metallstäbchen kein Quecksilber 
von letzteren in die Luft verflüchtiget werde. Es ist dies leicht ver- 
mieden , wenn man die Glühröhre etwas länger wählt, so dass das 
offene breitere Ende derselben zugeschmolzen werden kann, ohne 
dass die Hitze bis zu jener Stelle wirkt, wo die Metallstäbchen 
liegen. Die Darstellung des HgJ gelingt nicht so leicht, wenn man 
einen zu grossen Überschuss von Jod in die Glühröhre gebracht hat, 
weil es schwer hält , eine scharfe Trennung von J und HgJ durch 
Erwärmen zu erzielen. Führt man nicht mehr als ein Paar Kryställ- 
chen von Jod, wie sie an einem Glasfaden hängen bleiben, in die 
Röhre ein, so gelingt die Darstellung des Quecksilberjodids in der 
Regel, sollten gelbe Ringe erscheinen, so lassen sich dieselben leicht 
in rothe verwandeln, es genügt in die Capillarröhre ein Jodkryställ- 
chen zu bringen und durch Erhitzen an die Stelle zu treiben, wo das 
Hg 4 J 3 liegt. 

Ich erachte diese Probe als entscheidend, selbst dann wenn das 
Gold- oder Kupferstäbchen, welches als Kathode bei der Elektrolyse 
gedient hat, keine deutliche Verquickung mehr erkennen lässt, denn 
wenn beim Erhitzen dieser Stäbchen ein flüchtiger Körper abge- 
sondert wird, der im Joddampfe sich gelb oder roth färbt, und in 
deutlich erkennbare Krystalle verwandelt, die beim Erhitzen ohne 
Zersetzung sich verflüchtigen , aber an kälteren Stellen unverändert 
wieder zum Vorschein kommen, so kann wohl mit Grund ange- 



Über das chemische und elektrolytische Verhalten des Quecksilbers etc. 257 

nommen werden, dass die Gesammtheit dieser Erscheinungen durch 
keine andere Substanz als durch Quecksilber verursacht sein 
konnte. 

Unter Zuziehung dieser Glühprobe habe ich nachfolgende Ver- 
suche über das elektrolytische Verhalten des Einfach -Chlorqueck- 
silbers angestellt. 

1. 0-001 Grm. HgCI in 500 CC. destillirtem Wasser. Als Kathode 
wurde ein Kupferstäbchen angewendet. Innerhalb 3 Stunden ist 
nicht die geringste Spur einer Zersetzungs-Erseheinung wahr- 
nehmbar. Das Kupferstäbchen bleibt vollkommen blank. Hierauf 
wird 1 CC. verdünnte Schwefelsäure (1 Theil Säure, 5 Theile 
Wasser) zugesetzt; es findet an den Polen lebhafte Gasentwicke- 
lung Statt; nach 6 Stunden lässt sich aber eine Veränderung des 
Kupferstäbchens noch nicht erkennen, nach 24 Stunden erscheint 
dasselbe stellenweise dunkel, fast schwarz gefärbt; es wird 
mit Wasser abgespült, darauf mit Filterpapier abgerieben; 
eine Verquickuug wird dabei nicht sichtlich; bei der Glühprobe 
kommen jedoch die deutlichsten Krystalle von Hg.T zum Vor- 
schein. 

2. 0-005 Grm. HgCI in 2 Litres destillirtem Wasser. Kathode ein 
Goldstäbchen. Auch bei diesem Versuche treten erst nach 
Zusatz von Schwefelsäure die elektrolytischen Erscheinungen 
hervor. Nach 24 Stunden erscheint das Goldstäbchen stellen- 
weise mit schwarzen Flecken besetzt, eine Verquickung lässt 
sich mit Sicherheit nicht erkennen, dagegen im Glühröhrchen 
Hg 4 ,T 3 deutlich darstellen. 

3. 0-003 Grm. HgCI in 2 Litres destillirtem Wasser, das mit 10 CC. 
Chlorwasserstoffsäure zuvor versetzt wurde. Amalgam an der 
Kathode zweifelhaft, die Reaction im Glühröhrchen entschieden. 

4. 0-010 Grm. HgCI in 500 CC. mit HCl angesäuertem Wasser. 
Nach 12 Stunden ist das Goldstäbchen vollkommen amalgamirt. 

5. 0-010 Grm. HgCI in 1 Liter mit HCl angesäuertem Wasser. 
Nach 12 Stunden ist das Goldstäbchen schwach verquickt; es 
wurde entfernt und durch ein Kupferstäbehen ersetzt, dieses 
ist nach weiteren 12 Stunden silberweiss geworden. 

6. 0-010 Grm. HgCI in 2 Litres angesäuertem Wasser bewirkten 
nach 12 Stunden ebenfalls eine deutliche Verquickung der 
Kathode. 



2o8 Schneider. 

7. 0005 Grm. HgCl in 1500 CC. mit HCl angesäuertem Wasser 
erzeugen nach 36 Stunden eine deutlich wahrnehmbare Ver- 
quickung. 

8. 0-0 10 Grm. HgCl in 2 Litres destillirtem Wasser und 10 CC. 
einer gesättigten Kochsalzlösung wurden 64 Stunden lang 
dem elektrischen Strome ausgesetzt. Das Goldstäbchen zeigte 
eine Gewichtszunahme von 2 Milligr. 

9. 0*020 Grm. HgCl in 2 Litres angesäuertem Wasser bewirkten 
nach 5 Tagen eine Gewichtszunahme von 0003 Grm. In bei- 
den Versuchen war die Amalgamation des Goldstäbchens deut- 
lich erkennbar. 

10. 0-050 Grm. HgCl in 2 Litres Brunnenwasser gelöst, ohne 
Zusatz von Säure. Mit der Schliessung der Säule tritt auch 
Gasentwickelung an den Elektroden auf, an die Kathode setzt 
sich ein graulichweisser dichter Beschlag ab, der sich auf den 
in die Flüssigkeit tauchenden Leitungsdrath erstreckt. Nach 
24 Stunden wird die Kathode in Wasser abgespült, zwischen 
Filterpapier getrocknet und der Glühprobe unterzogen. Der im 
verengten Röhrentheile gebildete Anflug lässt sich mit unbe- 
waffnetem Auge zwar nicht als Quecksilberspiegel erkennen, 
wird aber durch Jod in rothes krystallisirtes HgJ verwandelt. 
Die Kathode ist nach dem Glühen mit einer dichten weissen 
Kruste bedeckt, welche in HCl aufgelöst mit kleesaurem 
Ammoniak keinen, mit phosphorsaurem Natron aber nach Zusatz 
von Ammoniak einen reichlichen Niederschlag abscheidet. 

11. 0050 Grm. HgCl mit 50 CC. einer gesättigten Bittersalz- 
lösung und 1950 CC. destillirtem Wasser vermischt, zeigten 
ganz dasselbe Verhalten, nur war an der Kathode der Magnesia- 
Überzug stärker und selbst am Boden des Gefässes waren 
Flocken von Magnesiumoxydhydrat angesammelt. Eine Ver- 
quickung Hess sich an der Kathode eben so wenig wie beim 
vorigen Versuche wahrnehmen, bei der Glühprobe aber Queck- 
silber leicht nachweisen. 0-020 Grm. HgCl in 200 CC. einer 
gesättigten Lösung von KCl und 100 CC. Bittersalzlösung 
verhielten sich eben so und der Effect war nicht geändert als 
die Mischung aufs vierfache Volum verdünnt wurde. 

12. 0*500 Grm. HgCl in 1 Liter destillirtem Wasser ohne Säure- 
zusatz der Einwirkung des galvanischen Stromes ausgesetzt, 



Über das chemische und elektrolytische Verhalten des Quecksilbers etc. 2i)9 

erzeugen schon nach einer Stunde eine vollständige Verquickung 
der Kathode. 

13. 0-100 Grm. HgCl in 400 CC. Alkohol vom specifischen Gewicht 
0*833 erzeugen gleichfalls nach kurzer Einwirkung eine deutlich 
wahrnehmbare Verquickung. Dagegen konnte mit 0*005 Grm. 
HerCl in 500 CC. desselben Alkohols seihst nach 24 Stunden 
keine Fällung des Hg durch Elektrolyse bewirkt, nach Zusatz von 
5 CC. einer gesättigten Lösung von KCl jedoch durch die 
Glühprobe nach 12stündiger Einwirkung des Stromes Queck- 
silber nachgewiesen werden. 

14. Als 1 Grm. HgCl in 500 CC. Alkohol gelöst und mit 10 Grm. 
KCl vermischt dem elektrischen Strome ausgesetzt wurden, 
war eine sehr lebhafte Gasentwickelung an der Kathode bemerk- 
bar, dieselbe erschien bald versilbert, zugleich zogen sich 
Striemen eines weissen Niederschlages gegen den Boden des 
Gefässes. Nach 24 Stunden war daselbst ein schwerer grün- 
lich gelber Niederschlag angesammelt, der sich in Salzsäure 
rasch löste — Quecksilberoxychlorid. — 

15. 1 Grm. HgCl in 4 Litres destillirtem Wasser (ohne Säurezusatz) 
erlitt eine so bedeutende Spaltung, dass nach 24 Stunden nicht 
blos die Kathode vollständig versilbert schien, sondern am Boden 
des Gefässes auch Quecksilberkügelchen abgelagert waren. 

Ein ganz eigentümliches Verhalten zeigt das HgJ vor dem 
galvanischen Strome, die dabei auftretenden Erscheinungen machen 
die Wanderuugsweise der Jonen während der Elektrolyse geradezu 
ersichtlich. 

16. Werden Lösungen von ganz reinem (alkalifreien) Quecksilber- 
jodid in Alkohol von 0*833 specifischen Gewicht in Kölbchen, die 
zur Verhinderung der Verdunstung des Alkohols mit Pfropfen, 
durch welche die Elektroden gehen, verstopft sind, der Einwir- 
kung des galvanischen Stromes ausgesetzt, so kommt es während 
18 Stunden allerdings zur Ausscheidung rother Krystalle von 
HgJ selbst dann, wenn nicht gesättigte Lösungen zum Versuche 
dienen, aber eine Spaltung der Verbindung und folgeweise 
eine Abscheidung von Quecksilber an der Kathode ist selbst 
mit der Glühprobe nicht nachzuweisen. Sobald aber einige 
Tropfen einer alkoholischen Lösung von KCl zugesetzt wer- 
den, färben sich die Kanten des als Kathode dienenden Platin- 



2ß0 Schneider. 

hleches gelb, und diese gelbe Färbung breitet sieb allmählich 
über die Katbode aus; gleichzeitig kommen an der Anode rothe 
Krystalle von HgJ zum Vorschein. Der gelbe Ansatz auf der 
Katbode ist in der Hitze flüchtig in jodkaliumhältigem Wasser 
löslich, er besteht aus Hg 4 J 3 . 

17. Wird derselbe Versuch nur mit der Änderung, dass statt KCl 
eine Lösung von KJ zugesetzt wird, angestellt, so bemerkt 
man in der Umgebung der Anode, dass sich die Flüssigkeit durch 
ausgeschiedenes Jod bräunt, während auf der Kathode derselbe 
gelbe Anflug erscheint, und gleichzeitig Quecksilbertröpfchen 
sich abscheiden. 

18. Auflösungen des HgJ in KJ-hältigem Wasser zeigen in der 
augenfälligsten Weise, welche Wege die Jonen während der 
Elektrolyse durchwandern. An der Kathode erlangt die Flüs- 
sigkeit eine alkalische Reaction, sie wird allmählich verquickt. 
An der Anode scheidet sich ein braun färbender Körper 
— freies Jod — ab, gleichzeitig fallen rothe Krystalle von 
HgJ zu Boden. Ist die Menge des KJ gerade nur ausreichend, 
um mit dem HgJ die lösliche Doppelverbindung zu bilden, so 
begrenzt sich im Verlaufe der Elektrolyse die braune Färbung 
der Flüssigkeit um die Anode um so enger, je mehr bereits HgJ 
gespalten wurde. Endlich erscheint die Anode geradezu wie 
von einem braunem Pelze umhüllt, und die Flüssigkeit voll- 
kommen farblos. Am Boden des Gefässes liegen braune Flocken 
von ausgeschiedenem Jod und rothe Krystalle von HgJ. 

19. Die Spaltung des HgJ findet in Lösungen, welche Alkalisalze 
enthalten, selbst dann noch Statt, wenn sehr geringe Mengen 
von demselben zugegen sind. 0-002 Grm. HgCl mit KJ bis zur 
erfolgten Lösung vermischt und in 200 CC. Wasser, welches ein 
Grm. NaCl enthält, aufgenommen, bewirkten nach löstündiger 
Einwirkung des galvanischen Stromes zwar keine wahrnehm- 
bare Amalgamation des Goldstäbchens, es konnte jedoch im 
Glühröhrchen die Anwesenheit von Hg durch Bildung von HgJ 
nachgewiesen werden. 

Vorstehende Versuche lehren: 
1. Dass 0-001 Grm. HgCl in 500.000facher Verdünnung durch 
die Elektrolyse in fassbarer Form abgeschieden und durch die Glüb- 
probe noch unzweifelhaft erkannt werden kann (Vers. 1). 



Über das chemische und elektrolytische Verhalten des Quecksilbers etc. 261 

2. Dass 0-005 Grm. HgCl in 400.000facher Verdünnung noch 
nicht ausreichen, um an der Kathode eine deutlich wahrnehmbare Ver- 
quickung zu erzeugen, dagegen bereits im Stande sind, bei 300.000 
facher Verdünnung nach 36 Stunden dieselbe zu bewirken (Vers. 2 
und 7). 

3. Der Grund für diese unscheinbare Verquickung der Kathode 
liegt nicht blos in der geringen Menge von Hg, welche in der Flüs- 
sigkeit enthalten ist, sondern vorzüglich in der sehr unvollkommenen 
und langsamen Spaltung des HgCl unter dem Einflüsse des galva- 
nischen Stromes (Vers. 8 und 9). 

4. Das HgCl leitet den galvanischen Strom schlecht, das HgJ 
(Vers. 16) gar nicht. Wenn daher destillirtes Wasser von ersterer 
Verbindung nur sehr geringe Mengen enthalt, so reicht der Wider- 
stand des Lösungsmittels aus, den Übergang des Stromes in die 
Flüssigkeit so sehr zu hemmen, dass es zu keiner Zersetzung des 
HgCl kommt, diese findet erst dann Statt, wenn die absolute und 
relative Menge des HgCl im Verhältniss zum Lösungsmittel bedeu- 
tender wird (Vers. 11 und 14). In solchen Fällen ist die Fällung 
des Hg auf der Kathode die unmittelbare Wirkung des galvanischen 
Stromes. Wo dagegen die Leitung des galvanischen Stromes durch 
zugesetzte Säure oder Alkalisalze vermittelt wird, erfolgt die Amal- 
gamation der Kathode auf dem Wege der chemischen Substitution, 
die sich zwischen der in der umspülenden Flüssigkeit enthaltenen 
Quecksilberverbindung und dem freigewordenen Kation entwickelt. 
Das (Vers. 14) abgeschiedene Quecksilberoxychlorid, das (Vers. 
16, 17, 18) gebildete Quecksilberjodürjodid verdanken diesen secun- 
dären Wirkungen ihre Entstehung. Auch der grau gefärbte der 
Kathode fest anhängende Beschlag (Vers. 10, 11) von Magnesium- 
oxydhydrat ist augenscheinlich nur durch die Wirkung des Magne- 
siums auf die umgebende Flüssigkeit quecksilberhaltig geworden. 

5. Die Elektrolyse kann nur als Mittel zum Nachweise des 
Quecksilbers benützt werden, zur quantitativen Fallung eignet sie 
sich nicht, weil einerseits die Kathode das abgeschiedene Quecksilber 
nicht vollständig festhält (Vers. 15) andererseits nach den verschie- 
denen Formen, in welchen dieses Metall in den zu elektrolysirenden 
Flüssigkeiten enthalten ist, und nach Beschaffenheit der gleich- 
zeitig vorhandenen Salze die Spaltungsweise der Quecksilberverbin- 
dungen verschieden ausfällt. Zur qualitativen Entdeckung dagegen 



262 Schneider. 

ist der elektrolytische Weg verlässlicher als jede chemische Fällung 
und es ist möglich auf demselben noch dieses Metall in Verdünnun- 
gen nachzuweisen, in welchen alle chemischen Scheidungsmittel 
unzulänglich sind. 

Bei der Elektrolyse von Flüssigkeiten, die thierische Substanzen 
enthalten, können Störungen eintreten, die, wenn sie nicht von vorne 
herein vermieden werden, das Ergebniss der Elektrolyse in Frage stellen. 

Tauchen die Elektroden in stärker gefärbte Lösungen , so 
bedecken sich dieselben mit einem fest anhaftenden braunen Über- 
zug, der entweder den galvanischen Strom geradezu isoliren oder 
doch das Anhaften des gefällten Quecksilbers an der Kathode hem- 
men kann. Man pflegt derlei dunkel gefärbte Flüssigkeiten durch 
Zusatz von chlorsaurem Kali und Salzsäure zu entfärben. Dieses 
Verfahren erweist sich jedoch in Flüssigkeiten, die durch Eindam- 
pfen eine dunkle Färbung angenommen haben, meistens unzulänglich; 
denn die nach Zusatz des Oxydationsmittels eintretende hellere Fär- 
bung ist nur vorübergehend; beim weiteren Erwärmen der Flüssig- 
keit wird diese wieder so dunkel gefärbt, als sie früher war. Das 
nachfolgende Erwärmen ist aber unerlässlich, damit das Oxydations- 
mittel aus der Lösung geschafft werde, denn eine Flüssigkeit, welche 
eine Sauerstoffsäure des Chlors oder letzteres Element selbst ent- 
hält, lässt es zu einer dauernden Fällung des Quecksilbers in elek- 
trolysirten Flüssigkeiten nicht kommen. 

Nach meinen Erfahrungen ist es leichter in organischen Flüssig- 
keiten die färbenden Stoffe sogleich beim Beginne des Eindampfens 
zu zerstören, als die während des Eindampfens erzeugten dunkel 
gefärbten Zersetzungsproducte der organischen Substanzen zu ent- 
färben. Soll z. B. Harn elektrolytisch auf Quecksilber geprüft wer- 
den, so ist es räthlich, in demselben eine entsprechende Menge 
(ungefähr 5 Grm. auf 1 Liter Harn) chlorsaures Kali zu lösen, 
dann allmählich verdünnte Chlorwasserstoffsäure bis zur stark sauren 
Reaction zuzusetzen; sollte sich während des Eindampfens eine 
dunkle Färbung einstellen, so ist eine neue Menge des Oxydations- 
mittels einzutragen, jedenfalls aber so lange zu erwärmen, bis eine 
Probe nach Zusatz von Chlorwasserstoffsäure keine bleibende Wir- 
kung auf Farbstoffe äussert. Dagegen bietet es keinen Vortheil, das 
Eindampfen des Harns bis zum Auskrystallisiren der Salze fortzu- 
setzen, denn es färbt sich, wenn bis zu diesem Punkte concentrirt 



Über das chemische und elektrolytische Verhallen des Quecksilbers etc. 2()3 

wird, die Flüssigkeit selbst im Wasserbade dunkel, und gibt dadurch 
zum Ansätze des besprochenen Beschlages an den Elektroden Anlass. 
Überdies eignen sich so stark concentrirte Lösungen nicht gut zur 
Elektrolyse. Es bedecken sich in salzreichen Flüssigkeiten die Lei- 
tungsdräthe mit einer dichten Krystallkruste, welche gleichfalls wenn 
nicht den Strom unterbrechen, so doch dieFixiruug des Quecksilbers 
an der Kathode erschweret. 

In stark concentrirten Lösungen ist das HgCl mit den gleich- 
falls anwesenden Alkalichloriden zu einer Doppelverbindung ver- 
einigt. Diese Doppelverbindungen zerlegen sich aber (wie Vers. 16 und 
folgende lehren) in das Alkalimetall, welches mit der positiven Elek- 
tricität beladen der Kathode zuwandert, und in den Rest der Verbin- 
dung Cl und Hg, welche zusammen als Träger der negativen Elek- 
tricität, zur Anode ziehen. Das in solchen Lösungen gefällte Hg ist 
ein secundäres Product, erzeugt durch die Reaction , welche das 
abgeschiedene Alkalimetall in der umspülenden Flüssigkeit bewirkte. 
Da jedoch die elektrische Strömung das HgCl von der Kathode 
wegtreibt, so begreift es sich, dass daselbst die Ausscheidung von Hg 
in sehr beschränkter Art nur stattfinden kann. 

In verdünnteren Lösungen zerfallen die Doppelchloride des Hg 
mit den Alkalimetallen in ihre Componenten, dadurch werden die 
Folgen des elektrolytischen Processes andere. Der galvanische Strom 
theilt sich in die anwesenden Salze im Verhältnisse ihrer Leitungs- 
fähigkeit, es wird neben dem Alkalichlorid auch das HgCl durch die 
Elektrolyse zerlegt, das an der Kathode abgeschiedene Hg kann 
in reichlicherer Menge auftreten, weil seiner Ausscheidung keine 
widrigen Strömungen entgegen stehen. — Ich habe wiederholt die 
Beobachtung gemacht, dass in verdünnteren Lösungen die Verquickung 
der Kathode leichter bewirkt wird, als wenn sehr concentrirte 
Lösungen der Elektrolyse unterzogen werden. 

Die alkoholischen Lösungen leiten den elektrischen Strom 
schlechter als die wässerigen, auch zerfallen die Doppelchloride in 
diesen Lösungen nicht so leicht, wie dies in den wässerigen der 
Fall ist. Wenn nun gleich durch den galvanischen Strom auch in 
derartigen Flüssigkeiten die Spaltung chemischer Verbindungen 
bewirkt wird, so geht doch dieselbe langsamer vor sich und da das 
HgCl mit dem Cl der Alkali Verbindung der Anode zuwandert, so 
kommt es an der Kathode nur zu einer secundären Abscheidung des 
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XL. Bd. Nr. 8. 18 



2(>4 Schneide r. 

Hg in unerheblicher Menge. Es ist desshalb ein alkoholischer Auszug 
der Harnsalze für den Nachweis des Hg eben nicht zu empfehlen. 
Das Verdunsten des Alkoholextractes aber behufs der Gewinnung 
einer wässerigen Lösung hat keinen Sinn, da etwas mehr oder weni- 
ger Salz in der zu elektrolysirenden Flüssigkeit bei der Fallung des 
Hg insoferne ausser Betracht kommt, als gerade die Alkalichloride in 
die weingeistige Lösung eben so übergehen, wie in die wässerige. 

Bei der Elektrolyse von KJ reichen Harnen, die unter Zusatz 
von KC10 e und HCl auf i / i0 des ursprünglichen Volums eingedampft 
wurden, konnte in drei Fällen kein Quecksilber entdeckt werden. 
Nachdem jedoch diese Harne mit Schwefelsäure, welche salpetrige 
Säure enthielt, versetzt und im Wasserbade bis zur völligen Entfer- 
nung des Jod abgedunstet wurden, zeigte die Kathode bei der noch- 
mals vorgenommenen Elektrolyse deutliche Spuren der Verquiekung 
und die nachfolgende Glühprobe die entschiedenste Quecksilber- 
Reaction. 

Es erscheint demnach räthlich, Untersuchungsobjecte, die .Tod- 
metalle enthalten, vorerst ihres Jodgehaltes zu befreien. Es ist dies 
leicht möglich, wenn die Untersuchungsobjecte im Wasserbade unter 
allmählichem Zusatz von Schwefelsäure, die mit salpetriger Säure 
gesättigt ist, erwärmt werden. 

V. 

Nachdem ich mich durch eine längere Reihe von Vorversu- 
chen über die wichtigsten Umstände, welche bei der Analyse thie- 
rischer Substanzen auf Quecksilber beachtet werden müssen, belehrt 
hatte, ging ich daran, den Harn von Individuen zu untersuchen, wel- 
che eine Mercurialcur passirten. Bei der Wahl des Untersuchungs- 
Materiales Hess ich mich zunächst von jenen Rücksichten leiten, die 
gegenwärtig in Folge der Eingangs dieses Aufsatzes erwähnten Be- 
hauptungen über die Natur der constitutionellen Syphilis, das prak- 
tische Interesse des Arztes für sich in Anspruch nehmen. 

Ich untersuchte Harn 

1. von Individuen, die mit secundärer Syphilis behaftet, angeb- 
lich niemals mit Quecksilber behandelt wurden. 

2. Harn von Individuen, die vor längerer Zeit eine Mercurial- 
cur passirten. 



Ober das chemische und elektrolytische Verhalten des Quecksilbers etc. 2()ti 

3. Harn von Syphilitischen, welche zur Zeit als der Harn gesam- 
melt wurde, eine Mercurialcur bestanden. 

4. Harn von Kranken, die nach beendeter Mercurialcur mit Jod- 
kalium behandelt wurden. 

Ein glücklicher Zufall verschallte mir den Harn von zwei Indi- 
viduen — Vater und Sohn — die seit drei Jahren an Hydrargyrose 
litten und auf der Klinik des Herrn Prof. Dr. Skoda in Behandlung 
standen. 

Die zur Untersuchung verwendete Harnmenge war stets beträcht- 
lich, nur in einem falle wurde der innerhalb 24 Stunden entleerte 
Harn zur Untersuchung benutzt, bei allen anderen Fällen wurde der 
Gesammtharn von 3 — 6 Tagen dazu verwendet. Die Dauer der Ein- 
wirkung des galvanischen Stromes war meistens 18 — 24 Stunden. 
Herr Professor Dr. Sigmund sandte mir den Harn von 6 Individuen; 
das weitere Untersuchungsmateriale lieferte mir der Vorstand der 
syphilitischen Abtheilung des h iesi^en Garnisonsspitals Herr Docent 
Dr. Red er, welcher persönlich dafür sorgte, dass die Individuen, 
deren Harn gesammelt wurde, die verordneten Arzneien pünktlich 
einnahmen, und dass die Sammlung und Aufbewahrung des Harns in 
einer Weise geschah, durch welche jede zufällige oder absichtliche 
Versudelung ausgeschlossen wurde. — 

Die Ergebnisse meiner Untersuchungen waren folgende: 

Im Harne von Syphilitischen, die nie einer Mercurialcur unter- 
zogen waren, Hess sich durch Elektrolyse kein Quecksilber nach- 
weisen. 

Dasselbe negative Ergebniss stellte sich bei der Prüfung des 
Harns von Individuen heraus, die vor längerer Zeit eine Mercurialcur 
passirten. — Ein Individuum hatte im Jahre i858 während einer 
längeren Cur im Ganzen 25 Gran Sublimat innerlich genommen, 
9 Einreibungen, wahrscheinlich von je 2 Scrupel stärkerer und eben 
so viel schwächerer Quecksilbersalbe gemacht, 16 Flaschen Decoctum 
Zittmanni, dann 25 Flaschen Jodkalium ä 1 Scrupel verbraucht, 
endlich in Gräfenberg sich 3 Monate lang der Wassercur unterzogen. 
Im folgenden Jahre kamen die seeundären Atfectionen abermals zum 
Ausbruch, anderthalb Jahre nach der Quecksilbercur wurde der Harn 
untersucht. 

Ein zweites Individuum hatte mit Ende December 1858 die 
Sublimat cur beendet, wurde im Mai 1859 syphilisirt, während dieser 

18* 



1iU) S <• h u e i «I e r. 

Behandlung' der von vier aufeinander folgenden Tagen entleerte Harn 
mit negativem Resultate auf Quecksilber geprüft. 

Bei einem dritten Individuum, welches vor 5 Monaten mit 
Sublimatpillen und Quecksilbereinreibungen behandelt wurde, war 
gleichfalls der Harn vom Quecksilber frei. 

Ein weibliches Individuum hatte 45 Einreibungen mit grauer 
Salbe gemacht, dann einige Tage hindurch Jodkalium, endlich 3 Gran 
Sublimat erhalten. 14 Tage nach Beendigung der Cur, als Patientin 
genesen war, wurde der Harn 3 Tage lang gesammelt; in demselben 
konnte kein Quecksilber entdeckt werden. 

Während des innerlichen Gebrauches von Mercurialpräparaten 
enthält der Harn constant Quecksilber. Ich habe 5 Fälle dieser Art 
untersucht, und bin bei jedem zu einem positiven Ergebnisse gelangt. 

In dem einen Falle bekam der Kranke in getheilten Gaben täg- 
lich J / 5 Gran Quecksilberjodür (Hg 3 J). Der innerhalb 3 Tagen 
gesammelte Harn, in der Menge von nicht ganz 7 Litres, wurde unter 
Zusatz von KC10 6 und HCl auf 1 Liter concentrirt , dann der Elektro- 
lyse unterzogen. Die Kathode zeigte sich deutlich verquickt und durch 
die Glühprobe war die Anwesenheit von Hg unzweifelhaft nachgewiesen. 
Um zu erfahren , ob in diesem Harne nicht auch durch chemische 
Fällungsmittel das Quecksilber entdeckbar sei, habe ich den Harn 
von weiteren 6 Tagen in der Gesammtmenge von 15 Litres nach 
der Zerstörung der organischen Substanz mittelst KCI0 6 und HCl. 
auf 2 Litres eingedampft, dann Schwefelwasserstoffgas 12 Stunden 
lang in denselben eingeleitet. Nachdem sich die trübe Flüssigkeit 
durch gelindes Erwärmen innerhalb 24 Stunden nicht klärte, so 
wurde sie vorsichtig abgegossen und der aus gelblichen Flocken 
und einem schwarzen pulverigen Niederschlag bestehende Boden- 
satz auf einein Filter gesammelt, mit heissem Wasser gewaschen, 
dann getrocknet, endlich so viel sich vom Filter durch Abreiben und 
Schaben mit einer Messerklinge gewinnen Hess, mit trockener Soda 
gemengt, in einem Kugelröhrchen geglüht. In dem verengten Röhren- 
theile war ein graulicher nicht deutlich erkennbarer Anflug, der in 
einer Jodatmosphäre ganz deutliche Krystalle von HgJ bildete. In 
einem zweiten Falle hatte Patient durch 20 Tage eine Sublimatpille 
ä i / b Gran genommen. Der Harn, von den letzten 2 Tagen zur Unter- 
suchung verwendet, ergab sehr starke Quecksilber -Beaction bei 
der Elektrolyse. 



Über das chemische und elektrolytische Verhalten des Quecksilbers etc. 2(l7 

In einem dritten Falle hatte Patient 20 Einreibungen mit je 
1 Scrupel Unguentum mereuriale fortius gemacht und 2 1 /. Gran 
Sublimat innerlich genommen. Zur Zeit des Sublimatgebrauches 
wurde der Harn gesammelt, und nach dem Eindampfen elektrolytisch 
geprüft. Die Kathode zeigte sich sehr stark verquickt. 

In einem vierten Falle wurden 8 Gran Sublimat innerlich 
genommen, 28 Einreibungen mit je 30 Gran üng. cinereum gemacht 
und Gargarismen mit Sublimatlösungen angewendet. Der Harn war 
im Verlaufe der Sublimalcur gesammelt. Es konnte in dem innerhalb 
24 Stunden entleerten Harne Quecksilber, jedoch nur in Spuren ent- 
deckt werden. 

In einem fünften Falle konnten gleichfalls nur Spuren von 
Quecksilber gefunden werden. Patientin hatte kein Qnecksilber- 
präparat innerlich genommen, sondern Mos 38 Einreibungen ä 
30 Gran mit üng. cinereum gemacht. Ob in diesem Falle nicht eine 
Verunreinigung des Harns mit Quecksilbersalle staltfand, inuss ich 
dahin gestellt sein lassen. 

Den gegenwärtig ziemlich allgemein verbreiteten Ansichten 
über die Wirkungsweise des Jodkaliums auf Metalle, die im Orga- 
nismus zurückgehalten werden, sind die Ergebnisse meiner Unter- 
suchungen des Harns von Individuen, welche unmittelbar nach der 
Sublimatcur mit KJ behandelt werden, keineswegs günstig. 

In den eben angeführten Fällen habe ich mich überzeugt, dass 
der Harn einige Tage hindurch nach beendeter Mercurialcur noch 
quecksilberhaltig bleibt. Wird unmittelbar nach der Mercurialcur KJ 
gereicht, so erscheint der Quecksilbergehalt des Harns nicht ver- 
mehrt, eher vermindert und zwar um so beträchtlicher, ein je länge- 
rer Zeitraum nach beendeter Mercurialcur verstrichen war. Im dritten 
der vorerwähnten Fälle wurde sogleich Tags darauf nach beendeter 
Quecksilberbehandlung dem Kranken KJ (10 Gran täglich) gereicht. 
Es konnte im Harne allerdings noch Quecksilber nachgewiesen wer- 
den, die Stärke der Reaction stand aber der während der mercu- 
riellen Behandlung erhaltenen weit nach. Im zweiten Falle wurde 
8 Tage nach dem letzten Gebrauche von Quecksilber täglich 10 Gran 
Jodkalium dem Kranken gegeben. In dem von 4 Tagen gesammelten 
Harne konnte erst nach vollständiger Entfernung des Jod durch sal- 
petrige Säure haltende Schwefelsäure eine kaum mehr wahrnehm- 
bare Verquickung der Kathode bewirkt werden. Auch in einem 



268 Schneide r. 

dritten Falle erwies sich der Quecksilbergehalt des Harnes wahrend 
des Gebrauchs von Jodkaliurn geringer, als er während der mercu- 
riellen Behandlung war. — Wenn gleich drei Versuche nicht hin- 
reichen, die Frage, welchen Einfluss der Gebrauch des .Jodkaliums 
auf die Ausscheidung des Quecksilbers durch den Harn übe, zu 
lösen, so lässt sich doch, ohne den Thatsachen Zwang anzuthun, so 
viel folgern, dass dieses Mittel nicht in allen Fällen diese Ausscheidung 
befördere. 

Von den zwei Fällen von Hydrorgyrose standen mir nur geringe 
Harnmengen zu Gebote; sie betrugen bei dem einen lethal enden- 
den Falle kaum 1200 CC. , bei dem anderen gegen 2 Litres. Dem- 
ungeachtet waren die Quecksilber -Reactionen unvergleichlich stär- 
ker als in allen anderen Fällen. Die 1200 CC. Harn waren 2 Tage 
vor dem tödtlichen Ausgange gesammelt. Der Harn war trübe, reich 
an Eiweissstoffen und Eiterkörperchen ; auf dem sechsten Theile 
seines Volums unter Zusatz von KC10 fi und HCl eingedampft der 
elektrolytischen Prüfung unterzogen , war schon nach einstündiger 
Wirkung des elektrischen Stromes die ganze Kathode verquickt. Im 
Gehirne und in der Leber des Verstorbenen war gleichfalls Queck- 
silber mit Leichtigkeit nach der Zerstörung der organischen Substanz 
durch KC10 6 und HCl auf elektrolytischem Wege nachzuweisen. Die 
Leber gab viel stärkere Quecksilber-Reactionen, als das Gehirn. 

Nach dem Tode des Vaters hatte sich der Sohn der weiteren 
klinischen Behandlung entzogen, es konnte daher der Harn des- 
selben nicht mehr zur Untersuchung gelangen. So war es unmöglich, 
die Beziehungen festzustellen , welche etwa zwischen der Ausschei- 
dung des Quecksilbers und den weiteren Krankheits- Erscheinungen 
bestehen. 



Die Ergebnisse der angeführten Untersuchungen dürften auf die 
Frage: „ob nach der Anwendung von Mercurial -Präparaten diese 
durch den Harn ausgeschieden werden" eine unzweideutige Antwort 
sein , und da ich die auf elektrolytischem Wege erhaltene Fällung 
durch eine chemische Keaction einer bestätigenden Prüfung unter- 
zog, so dürften die Bedenken, welche nicht ohne Grund gegen alle 
bisher bekannt gewordenen Angaben über das Vorkommen des Queck- 



Über das chemische und elektronische Verhalten des Quecksilbers etc. 269 

silbers in den thierischen Excreten erhoben werden können, beitoben 
sein. — Es wäre nun die weitere Aufgabe, die quantitativen Aus- 
scheidungs -Verhältnisse zu ermitteln, um zu erfahren, ob — wie 
dies der allgemeine Glaube ist — das Quecksilber nach dessen 
innerlichem oder äusserlichem Gebrauche in dem Organismus längere 
Zeit zurückbleibe, oder ob es theils durch den Harn, theils durch die 
Oarmenlleerungen während und kurz nach dem Gebrauche wieder 
ausgeführt werde. 

Nach den Erfahrungen die ich bisher gewonnen, sind die nötbi- 
gen Vorarbeiten für die Lösung dieser Aufgabe erst zumachen. Die 
Elektrolyse ist allerdings das empfindlichste qualitative Reagens auf 
Quecksilber, zur quantitativen Bestimmung aber nicht ausreichend. 
Mit Schwefelwasserstoff gelänge es allerdings das Quecksilber voll- 
ständig zu fällen, die organischen Beimengungen des Niederschlages 
erschweren aber die Reinigung des Schwefelquecksilbers so sehr, 
dass sie ohne Verlust nicht durchzuführen ist. KCI0 6 und HCl sind 
unzulängliche Zerstörungsmittel der organischen Substanzen. Ich 
glaube für den Harn in der Schwefelsäure, welche mit salpetriger 
Säure gesättiget wird, ein wirksameres Spaltungsmittel gefunden zu 
haben. Ich muss aber damit noch weitere Erfahrungen sammeln, und 
desshalb vor der Hand die aufgeworfene Frage für eine oftene 
erklären. 



270 Schreiben des Herrn A. A g u i I a r an das w. M. K. v. L i 1 1 r o w. 

Schreiben des Herrn A. Aguilar, Director der 
Sternwarte zu Madrid an das iv. 31. Karl v. Littrow '). 

(Aus dem Spanischen übersetzt.) 

Unter dem Datum vom 25. des jüngst verflossenen Februar hatte 
ich die Ehre Ihnen mitzutheilen, dass die spanische Regierung auf 
Ansuchen dieser Sternwarte den fremden Astronomen, die nach der 
Halbinsel kommen werden, um die nächste Sonnenfinsterniss zu 
beobachten, das Zugeständniss gemacht habe, von ihnen keine Ein- 
trittsgebühr oder Zoll für die wissenschaftlichen Instrumente zu ver- 
langen, die sie zum Zwecke ihrer Beobachtungen mitbringen, wobei 
sie sich dessenungeachtet vorbehält, alle nothwendigen Vorkehrun- 
gen zu treffen, damit die Einkünfte des Ärars durch diese Massregel 
nicht zu Schaden kommen. 

Heute befinde ich mich nach neuen Unterhandlungen , welche 
unsere Regierung gütig aufgenommen bat, in der Lage, Ihnen neuer- 
dings mitzutheilen, dass in Beziehung auf den letzten Theil jener 
Massregel alle jene Astronomen , welche mir einen ausführlichen 
Brief zugehen lassen, in dem ihre Namen und der Ort, von welchem 
sie kommen, der Ort von welchem aus sie die Halbinsel zu betreten 
wünschen, und die Zahl und Classe der Instrumente, welche sie mit 
sich bringen werden, angegeben sind, ohne weiteres von jeder Zah- 
lung an den Küsten und Grenzpunkten befreit bleiben , denn dieses 
Observatorium wird sich alsdann für ihren Bürger oder verantwortli- 
chen Agenten erklären. 

Ich ersuche daher alle gelehrten Reisenden, die sich dieses 
Vortheils bedienen wollen, mir ihre Instructionen ohne Zeitverlust 
längstens bis 15. Juni einsenden zu wollen, denn nach diesem Ter- 
mine dürfte sich keiner mehr über die Unbequemlichkeiten an der 
Grenze oder über unnöthige Auslagen beklagen, wenn er aus Fahr- 
lässigkeit oder Gleichgültigkeit die hier angegebene Vorsichts- 
massregel versäumt hätte. 

Alle übrigen Entschliessungen der Regierung in Beziehung auf 
dieses wissenschaftliche Unternehmen, deren ich in meinem ersten 
Briefe erwähnte, bleiben unverändert. 
Madrid 9. Mai 1860. 

*) Vorgelegt in der Sitzung vom IS. Mai [860, der Dringlichkeil wegen hier mitgetheilt, 



SITZUNGSBERICHTE 



DER 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN, 



MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 



XL. IUX». 



SITZUNG VOM 22. MÄRZ 1860. 



N°= 9. 



19 



271 



IX. SITZUNG VOM 22. MÄRZ 1860. 



Herr Regierungsrath Hyrtl übersendet eine für die Denk- 
schriften bestimmte Abhandlung: „Über Wirbels ynostosen und 
Wirbelsuturen". 

Von Herrn Prof. Dr. A. Win ekler in Graz ist eine Abhandlung 
eingelangt: ..Über einige neue Eigenschaften der Kugelfunctionen 
einer Veränderlichen und der Coefficienten von Reihen, welche nach 
Kugelfunctionen entwickelt sind". 

Die Herren Dr. A. Weiss und Jul. Wiesner legen eine vor- 
läufige Notiz vor über ihre Versuche, das Eisen direct in den Zellen 
der Pflanzen nachzuweisen. 

Herr Prof. Dr. Molin liest: „Primitiae musei archigymnasii 
Patavini". 

Herr F. Stein dachner erläutert den Hauptinhalt der dritten 
Folge seiner „Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fisch -Fauna 
Österreichs". 

Herr Starke junior, Werkführer im k. k. polytechnischen 
Institute, zeigt die von ihm construirte Kreistheilungsmaschine. 

An Druckschriften wurden vorgelegt : 

Akademie, königl. preussische. Monatsberichte, Jänner, 1860; 8 0, 
— kaiserliche Leopoldinisch- Carolinische deutsche, der Naturfor- 
scher. Verhandlungen, Bd. XXVII mit 47 Tafeln. Jena, 1860; 4°- 
Annales des Minos, redigees par les ingenieurs des mines et 
publiees sous Kauterisation du ministre des trauvaux publics. 
Ciuquieme seiie. Tome XIV. livr. 5 et 6; tome XV, livr. 1,*2. 
Paris, 1858; 8°- 

19* 



272 

Astronomische Nachrichten, red. von Dr. C. A. F. Peters. 

Nr. 1240, 1241. Altona, 1860; 4°- 
Beobachtungen, maguetische und meteorologische, zu Prag, redi- 

girt von Dr. J. G. Böhm und F. Karlinski. Zwanzigster 

Jahrgang. Vom 1. Janner bis 31. December 1859. Prag, 1860; 4 0> 
Bericht, neunzehnter, über das Museum Francisco -Carolinum. 

Linz, 1859; 8«- 
Chri stiania, Universität. Akademische Gelegenheitsschriften für 

das Jahr 1859. 
Cosmos, IX. annee, 16 e vol., 11. livraison, 16 e Mars 1860. 
Gazette medicale d'Orient. III. annee, 1860, No. 11. Constan- 

tinople; 4°- 
Greifswald, Universität. Akademische Gelegenheitsschriften für 

das Jahr 1859. 
Jahrbuch des naturhistorischen Landesmuseums von Kärnten, 

redigirt von J. L. Canaval. Heft IV. Klagenfurt, 1860; So- 
Rostock, Universität. Akademische Gelegenheitsschriften für das 

Jahr 1859. 
Secchi, P. Angelo, Memorie delF osservatorio del collegio romano 

d.C. d.G.Nuova serie dall 1 anno 1857 al 1859. Roma, 1859; 4<>- — 

Escursione scientifica fatta a Norcia ad occasione dei terremoti 

del 22 agosto 1859. Roma, 1860; 4». — Misura della base 

trigonometrica eseguita sulla via Appia per ordine del governo 

pontificio nel 1854—1855. Roma, 1858; 4<>- 
Verein, physikalischer, zu Frankfurt a. M. Jahresbericht, 1858 

bis 1859; 8°- 

— Nieder-österreichischer Gewerbe-, Verhandlungen und Mitthei- 
lungen, redigirt von Dr. E. Hornig. Jahrgang 1859, Heft 11, 
12. Wien, 1860; 8<>- 

— Österreichischer Ingenieur-, Zeitschrift, redigirt von J. Herr. 
Jabrgang XII, Heft 1. Wien, 1860; 4» und fol. 

Wiener medizinische Wochenschrift, redigirt von Dr. Witteis- 
höfer. Jahrgang X, Nr. 11. Wien, 1860; 4°- 

Wolf, Rud., Mittheilungen über die Sonnenflecken, I — X. Zürich, 
1856—1859; 8»- 



273 



ABHANDLUNGEN UND MITTHEILUNGEN. 



Über Wirbelsynostosen und Wirbelsuturen bei Fischen. 
Von dem w. M. Prof. Hyrtl. 

(Auszug- aus einer für die Denkschriften bestimmten Abhandlung. ) 

In keiner Classe der Wirbelthiere war das Vorkommen von 
Wirbelsynostosen und Wirbelsuturen weniger zu erwarten, als in 
jener der Fische, deren Wirbelsäule, als vermittelndes Organ der 
Locomotion, einen hohen Grad von Beweglichkeit, besonders von 
seitlicher Biegsamkeit benöthigt. Und dennoch sind Wirbelsynostosen 
in der Fischwelt so häufig, dass nur die geringe Anzahl von Fisch- 
skeleten, welche sich gewöhnlich in den Sammlungen für verglei- 
chende Anatomie vorfindet, die Ursache des bisherigen Ignorirens 
eines gewiss nicht zu den Seltenheiten gehörenden Vorkommens 
sein kann. 

In meiner sehr reichen Privatsammlung von Fischskeleten, 
welche bereits nahe 600 Nummern zählt, fällt die Wirbelsynostose 
ihrer Häufigkeit wegen auf, und da diese Sammlung von mehreren 
Species, Skelete aus verschiedenen Altersperioden enthält, so war 
es möglich zu entscheiden, ob die Verschmelzung der Wirbel Alters- 
metamorphosen, oder in der primitiven Entwickelung der Wirbel- 
säule gegebene Anomalien seien, so wie ferner, ob sie bei gewissen 
Arten constant und an demselben Orte auftreten, oder ein zufäl- 
liges Accidens bilden. 

Als Altersmetamorphose kommt die Wirbelsynostose sehr 
selten vor. Dagegen sind Verschmelzungen mehrerer Wirbel, von 
2 — 5, als in der ersten Entwickelung der Wirbelsäule begründet, 
bei mehreren Geschlechtern aufgefunden worden. Wollte man eine 



274 « J '• * ' 

Theorie dieser unerwarteten Beobachtung wagen, so dürfte sie also 
lauten: Das Wachsthum der primitiven Ossificationspunkte zweier 
oder mehrerer Wirbel kann durch zufällige Bedingungen so zurück- 
gehalten werden, dass die betreffenden fertigen Wirbel gegen die 
übrigen an Grösse und Stärke bedeutend zurückstehen. Würden nun 
solche Wirbel, deren Länge nur das Drittel oder Viertel eines nor- 
malen Wirbels beträgt, unverschmolzen bleiben, so würde das Seg- 
ment der Wirbelsäule, welches sie zusammensetzen, einen viel 
höheren Grad von Beweglichkeit besitzen, als ein gleichlanges mit 
unverwachsenen Wirbeln. Zur Ausgleichung dieses Missverhältnisses 
tritt Synostose der verkümmerten Wirbel ein. Ein solcher Verwach- 
sunffswirbel, selbst wenn er aus dem bisher beobachteten Maximum 
von Wirbeln besteht, ist nur um die Hälfte länger als sein nächster 
Vorder- und Hintermann, und da diese Verwachsungen gewöhnlich 
(nicht immer) an Stellen der Wirbelsäule auftreten , welche Flossen 
tragen, und somit eines höheren Grades von Festigkeit bedürfen, so 
wird die Synostose für die Beweglichkeit der gesammten Wirbel- 
säule weit weniger Nachtheil bringen, als mit Getrenntbleiben der 
verkümmerten Wirbel gegeben sein würde. 

Die Fische, an denen die Synostose beobachtet wurde, sind: 
Polypterus Bichir, Amia calva, Thynnus vulgaris. Stromateas 
griseus, Rhynchobdella ocellata, Catla Buchanani, Butirinus 
macrocephalus, Heterotis Ehrenbergii, Chirocentras dentex, Alausa 
finta, Catostomus Suerii (Altersmetamorphose), Hydrocion Forskai, 
mehrere Arten von Mormyrus, Gymnärchus nilotias, Ciarias Hassel- 
qaistii, Ciarotes Heuglini (als Altersmetamorphose), Zoarces vivipa- 
rus, Ophiosternon bengalense,Gymnotns electrica s.Ga das morrhua 
und Gadus callarias , Ostracion triqueter (Altersmetamorphose). 

Bemerkenswert!) ist es, dass bei mehreren Individuen derselben 
Art die Synostose nicht dieselben Wirbel befällt, ja dass ein Indivi- 
duum verwachsene, ein zweites dagegen getrennte Wirbel besitzt. 
Zählt man den Verwachsungswirbel als einen einfachen, so erscheint 
die Gesammtzahl der Wirbel gewöhnlich geringer , jedoch nicht um 
so viel, als die Zahl der verwachsenen Wirbel beträgt. 

Wirbelsuturen kommen nur in der Familie der Ostracionten 
vor. Sie betreffen die sieben Wirbel des Stammes, und die Verbin- 
dung des ersten Wirbels mit dem Hinterhauptbeine. Die Suturen 
präsentiren sich am besten bei seitlicher Ansicht der Wirbelsäule. 



Über Wirbelsynostosen und Wirbelsuluren bei Fischen. 275 

Bei unterer Ansicht sind die Verbindungsstellen der Wirbel wie 
gewöhnlich lineare Querfugen. Auch die Bogen der Wirbel, welche 
so breit sind als der Wirbel lang ist, greifen an ihren einander zuge- 
kehrten Rändern durch Nathzacken zusammen. Der aus dicken, festen, 
mosaikartig zusammengefügten Platten bestehende Panzer dieser 
Familie macht die Bewegungen der Wirbelsäule unmöglich. Es fehlt 
also, nebst den hinzu gewöhnlich verwendeten Muskeln, auch die 
gelenkige Verbindung je zweier Wirbel , und die sie vertretende 
Sutur steht im innigsten Zusammenhange mit der Unbeweglichkeit 
der Wirbelsäule. 

Am Schlüsse der Abhandlung folgt eine Charakteristik der fal- 
schen oder scheinbaren Synostosen. 



*>76 Weiss und Wiesner. Vorläufige Notiz 



Vorläufige Notiz über die directe Nachweisimg des Eisens 
in den Zellen der Pflanze. 

Von Adolf J. Weiss und Julius W i e s n e r. 

(Vorgelegt in der Sitzung vom 22. März 1860.) 

Durch Aschenanalysen ist das Vorhandensein von Eisen im 
Pflanzenkörper bekannt, allein sein örtliches Vorkommen und die Art 
der Verbindung noch unermittelt. Es gelang uns beides aufzuklären, 
indem wir das Eisen durch Anwendung von Rhodankalium (Schwe- 
felcyankalium) direct in den mikroskopischen Präparaten ersichtlich 
machten. Aus nahe liegenden Gründen wurde die wein geistige 
Lösung des Reagens gewählt. 

Der mit einem Silber- oder Piatinamesser geführte Schnitt 
wurde zuerst mit Rhodankalium allein behandelt, hierauf, wenn keine 
Reaction entstand, mit einem Tropfen Salzsäure 1 ) versetzt. Hierdurch 
wurde die Anwesenheit des Eisens in dem Schnitte als lösliche oder 
unlösliche Oxyd Verbindung ersichtlich gemacht. Andere Schnitte 
wurden mit Chlorwasser und Rhodankalium, ferner mit Salpetersäure 
und Rhodankalium behandelt, wodurch es ermöglicht wurde, das Eisen 
in löslicher oder in unlöslicher Oxydul Verbindung zu erkennen 2 ). 
Auf diese Weise kann man das Eisen im Pflanzenkörper sehr 
häufig und oft in nicht unbeträchtlicher Menge auffinden, es 
erscheint in der Wurzel so gut als im Stamme und den Blättern, in 
dem Marke, der Oberhaut u. s. w. Gewisse Zellschichten scheinen 
indess doch vorzüglich die Träger dieses Stoffes zu sein, während er 



*) Dieselbe färbt verdickte Zellen sehr häufig {Aesculus, Tili« Pnpii/us, Lari.v etc.) 
intensiv violet oder ultramarin (Vinco), wodurch man sich nicht täuschen lassen 
darf, wie überhaupt nicht durch versteckte FarbstofFe, von deren etwaigem Dasein 
man sich vorher durch Säuren oder andere Hilfsmittel zu überzeugen, und erst nach 
Entfärbung derselben auf Eisen zu prüfen hat (Reyonia, Piper, Calla u. s. w.). 

2 ) Die Ueagentien verhielten sich bei der von uns angewendeten Verdünnung und Rein- 
heit vollkommen indifferent gegen Schwefelcyan-Kaliura, weder Hydrothiocyansiure 
noch Pseudosehwefelcyan bildend. 



über die directe ISachw eisung des Eisens in den Zellen der Pflanze. 2/7 

in anderen z. B. den zartwandigen , parenchymatösen Zellen in so 
geringer Menge auftritt, dass er sich jeder Untersuchung entzieht. 

Das Eisen lässt sich im Pflanzenkörper, so weit wir bis jetzt 
angeben können, immer nur in zwei Formen nachweisen, als im 
Wasser unlösliche Oxyd Verbindung oder als unlösliche 
Oxydul Verbindung. Das Vorkommen desselben ist aber keines- 
wegs ein durchaus geregeltes, es erscheint in einer und derselben 
Pflanze nicht selten in beiden Formen (Sambueus), niemals jedoch 
kann man es im jugendlichen Zustande der Zelle durch die Reaction 
ersichtlich machen. Man kann dies aus dem Umstände schliessen, dass 
beim Fortschreiten gegen die Vegetationsspitze zu , die Eisenreaction 
immer undeutlicher wird und endlich ganz verschwindet, dass ferner 
bei Pflanzen, in deren Holzzellen es vorkommt, die ältesten Schichten 
(gegen das Mark zu) stets den grössten Eisengehalt zeigen, so zwar, 
dass es in den jüngeren Holzzellen oft gar nicht sich zu erkennen gibt, 
während es in den älteren ganz entschieden wahrgenommen wird und 
dass endlich die Ablagerung desselben in den Verdickungsschichten 
ja doch von dem Entstehen und Fortschreiten derselben abhängig ist. 
Es ist dies auch ganz wohl begreiflich. Bei der geringen Menge, in 
der das Eisen doch immer nur im pflanzlichen Organismus gefunden 
wird, kann es nur durchSummir ung in Erscheinung treten, es kann 
nur durch successive Ablagerung in den Verdickungsschichten, durch 
beständiges Addiren kleiner Mengen nach längerer Zeit so viel austra- 
gen, dass man es durch geeignete Agentien nachzuweisen imStande ist. 

Man kann wohl im Allgemeinen behaupten, dass das Eisen mei- 
stens als Infiltrationsproduct der secundären und tertiären Zellschich- 
ten sich kundgibt und also hauptsächlich der Verdickung der 
Membran der Zellen dient, indess haben wir es auch im Inhalte 
der Zellen aufgefunden. 

In beiden Fällen kommt es in verschiedenen Formen vor. 

So erscheint es z. B. als unlösliche Oxyd-Verbindung in der 
Membran der Holzzellen von Juglans regia L., Fraxinus excelsior 
L., Platanus orientaUs L. v. aurea u. s. w., während es bei Betula 
alba L., F. r. grandis Sehr ad., Querem Cerris L., Cladrastis 
tinetoria Rat'., Salisburia adiantifolia Sin., Negundo fraxhü- 
folium Nutt. v. crispum, Crataegus monogyna Jacq., Robinia 
Pseudacacia L. I. sophoraefolia, Prunus Padus L. ß. rubra, Pru- 
nus cerasifera L. y. xanthocarpa (schwach), Monis tatarica Pal I. 



278 Weiss und Wiesner. Vorläufige Notiz etc. 

Taxus baccata L., Crataegus crusgalli L. a. splendens u. s. w. in 
der Membran der Holzzellen als unlösliche Oxydul-Verbindung auf- 
tritt. 

Im Marke von Sambucus nigra L., Negundo fraxinifolium 
Nutt. v. crispum u. s. w. erscheint das Eisen in den Zellwänden als 
unlösliche Oxydul- Verbindung, bei Platanus orientalis L. ebenfalls 
im Marke als unlösliche Oxyd-Verbindung. 

Im Baste der Gefässbündel kommt es bei Robinia viscosa 7. 
dubia V., Verbesina gigantea Jacq. u. s. w. als unlösliche Oxydul- 
Verbindung vor, als unlösliche Oxyd-Verbindung in den Bastzellen von 
Viscum album L. in den Gefässbündeln von Lemna anirhiza u.s. w. 

Im Inhalte der Haare erscheint Eisen bei Verbesina gigantea 
Jacq., Eranthemum leuconeurum Fab., Goldfussia glommerata 
u. s. w., ebenso im Zellsafte des Stengels von Regonia hydrocotyli- 
fulia Graham., Tropaeslum majus L.; in den Zellen des Markes von 
Aesculus neglecta Li ndl., im Inhalte der Beeren von Viscum album 
L. 11. s. w. Im Pollen haben wir Eisen bei Cheiranthus C/ieiri L., 
Anemone Pulsatilla L., Primula vulgaris Huds. a. acaulis, Gagea 
lutea Schult., Tropaealum majus L., Hgoscyamus niger L. 11. s. w. 
aufgefunden, jedoch überall in sehr geringen Quantitäten. 

In einer weiteren Arbeit werden wir die Frage zu erörtern 
suchen, in welcher Form das Eisen von den Pflanzenzellen aufge- 
nommen wird und wie es in denselben als unlösliche Oxydul- oder als 
unlösliche Oxyd Verbindung umgewandelt erscheint, in welcher 
Lebensperiode des Gewächses ferner sein erstes Auftreten datirt und 
welche Rolle es überhaupt im Leben der Zelle spielt; für's Erste 
genügt es, das Eisen im Pflanzenkörper direct nachge- 
wiesen und gezeigt zu haben, dass es daselbst als 
unlösliche Oxydul- und als unlösliche Oxydverbindung 
sowohl in der Membran als im Inhalte der Zellen 
sich zu erkennen gibt, obwohl es von der W u r z e 1 
ursprünglich als lösliche Verbindung aufgenommen 
werden m u s s t e. 



Schob I. Typhloniscus. 279 



T y p h l o n i s c u s. 

Eine neue blinde Gattung der Crustacea Isopoda. 

Monographiseli bearbeitet 

von Joseph Schöbt, 

Caudldat der Medicin in Prag-. 

(Vorgelegt in der Sitzung vom S.Jänner 1860 durch das c. M. Herrn Prof. Stein.) 
(Mit 10 Tafeln.) 

Die in den vorliegenden Blättern von mir zn schildernde 
Gattung bietet, sowohl in Beziehung auf äussere Körpergestalt, als 
auch auf Anatomie und Lebensweise, so viel Interessantes und von 
allen bis jetzt bekannten Gattungen der Oniscoiden Abweichendes 
dar, dass es wohl gerechtfertigt sein dürfte, wenn ich sie zum 
Gegenstande der vorliegenden monographischen Arbeit mache. 

Bei der genauen anatomischen Untersuchung, der ich diese 
blinde Gattung unterwarf, und wobei ich nicht unterliess die ver- 
wandten Gattungen der Oniscoiden zu berücksichtigen, ergab sich 
mir zunächst, dass die Theorie der Mundtheile, wie sie bis jetzt bei 
dieser Familie gang und gebe war, durchaus unhaltbar sei. Ich habe 
mich daher bestrebt in der vorliegenden Arbeit eine naturgemässere 
Deutung der Mundtheile zu geben. 

Was den Kaumagen anbelangt, der bei den Isopoden einen so 
hohen Grad der Entwicklung erreicht, und von dem es bis jetzt keine 
auch nur im entferntesten richtige Darstellung oder Beschreibung 
gab; so habe ich denselben ebenfalls auf's genaueste untersucht und 
die Bedeutung so wie den feineren Bau des ganzen Organes und 
seiner einzelnen Bestandteile nachgewiesen. In Bezug auf das 
Nervensystem und die Kreislaufsorgane haben meine Untersuchungen 
zu keinen genaueren Besultaten geführt als sie schon von Brandt 
und Anderen veröffentlicht worden sind. Ich habe desshalb von den 
eben erwähnten Organen keine Zeichnungen entworfen, dafür aber 
um so genauer die Respirationsorgane abgebildet und beschrieben, 



280 s c h ö b i. 

die nur unvollständig und ungenau bekannt waren. Auch die männ- 
lichen Geschlechtsorgane, namentlich die Begattungsorgane, fand ich 
bei allen Autoren irrig beschrieben und gedeutet. Ich habe von den 
Organen, die man allgemein als Ruthen beschrieben hatte, nachge- 
wiesen, dass sie keine Ruthen sein können, und ihnen eine ganz 
andere Bedeutung zugewiesen, und sie Organa ejaculatoria seminis 
genannt. Die sogenannten Leiter der Ruthe hingegen, die man für 
Hilfsorgane bei der Begattung hielt, als wahre Ruthen hingestellt. 
Die gänzlich unbekannt gewesenen weiblichen äusseren Geschlechts- 
öffnungen endlich, und Receptacula seminis habe ich entdeckt. 

Alle diese anatomischen Untersuchungen haben , obzwar sie 
sich zunächst auf die Gattung Typhloniscus beziehen , im Allgemei- 
nen Geltung für die ganze Familie der Oniscoiden. Der Raum ge- 
stattete es mir nicht, die mitunter interessanten Abweichungen der 
einzelnen Gattungen zu beschreiben und abzubilden. 

Den Gattungsnamen entnahm ich von dem hervorstechendsten 
Merkmale dieses Thieres, von dem gänzlichen Mangel der Augen. 
Die einzige Species habe ich nach meinem hochverehrten Lehrer 
Herrn Professor Dr. Stein, dem ich meine ganze wissenschaftliche 
Richtung verdanke, benannt. 

So übergebe ich denn meine erste Leistung den Männern der 
Wissenschaft mit der Bitte, die etwa von mir begangenen Fehler mit 
Nachsicht beurtheilen zu wollen, und mit dem aufrichtigen Wunsche, 
man möge in der wenngleich unbedeutenden Arbeit des Schülers den 
Wirkungskreis seines grossen Lehrers erkennen. 



Diagnose und Beschreibung- der Gattung Typhloniscus S c h ö b 1. 

Antennae externae sexarticulatae ; articulo pcnultimo maximo, 
conico, obsolete triquetro, apice tereti, basi subtus incras- 
sato; articulo ultimo conico, apice setigero (Taf. R, Fig. 2). 

Antennae internae triarticulatae , articulo basali maximo; 
apicali minima, oblique truncato , et stylis tribits hyalinis 
terminato; omnibus conum parva htm efficientibus. 

Oculi nulli. 

Apendicum caudalium par externton maximum , postabdominis 
cingula valde superans; articulo basali subcylindrico tereti; 



Typhloniscus. 281 

apicali antecedentis apici inserto , conico, apice setigero ; 

ambobus aeque fere longis (Taf. II, Fig. 3). 
Appendicum caudaüum par intemum cylindricum, teres, ex- 

ternorum articulum basalem haud longitudine superans 

(Taf. II, Fig. 3). 
Die Augen fehlen gänzlich. Am Kopfe findet man nicht einmal 
von Augenrudimenten die geringste Andeutung, und die Stelle, wo bei 
den übrigen Gattungen der Oniscoiden die Augen zu sitzen pflegen, 
ist durch nichts ausgezeichnet und von derselben Beschaffenheit wie 
die übrige Kopfbedeckung. 

Die äusseren Fühler sind verhältnissmässig sehr stark ent- 
wickelt und in einer becherförmigen Vertiefung an derUnterseite der 
seitlichen Stirnfortsätze eingefügt. Das erste Glied ist das kürzeste 
von allen, von Gestalt cylindrisch, in der Mitte etwas bauchig. 
Das zweite Glied ist länger und stärker als das erste und besitzt 
am verengerten Grunde nach aussen einen rundlichen Höcker, nach 
oben zu verschmälert es sich Mieder und endigt schief abgestutzt. 
Das dritte Glied ist wenig länger als das erste, gekrümmt, becher- 
förmig. Es endigt mit einem weiten, etwas nach der Mitte hin zuge- 
schärften Rande. Das vierte Glied besitzt ungefähr die Grösse des 
zweiten, nach innen und oben zu erscheint es stark convex fast 
stumpfkantig, nach aussen und unten concav, rinnenförmig ausge- 
höhlt. Die Basis ist etwas verengt, die Spitze breit, unverengt, 
ziemlich gerade abgestutzt. Das fünfte Glied ist das stärkste von 
allen, es ist mehr als zweimal so lang und viel stärker als das voran- 
gehende, von Gestalt abgerundet dreikantig. Zwei Flächen sind breiter 
und stossen nach oben oder innen in eine stumpfe abgerundete Kante 
zusammen. Die dritte Fläche ist etwas schmäler, sieht nach unten oder 
aussen und ist in der Mitte durch eine Furche in zwei Hälften getheilt. 
Gegen die etwas verschmälerte Spitze des Gliedes verschwindet 
jedoch allmählich diese kantige Beschaffenheit desselben und es wird 
fast drehrund. Seine Basis ist durch eine gleichsam stielförmige 
starke Verengerung dem vorigen Gliede eingelenkt. Gleich hinter 
dieser stielförmigen Stelle befindet sich nach unten zu eine weite, 
buckeiförmige Auftreibung, die durch die früher beschriebene Furche 
der unteren Fläche in zwei Hälften getheilt wird. 

Das sechste und letzte Fühlerglied ist etwas kürzer als das 
vorige, etwa 3 / 3 der Länge desselben betragend. Seine Gestalt ist 



282 s « h s b i. 

kegelförmig und es endigt an der Spitze mit einem durchsichtigen 
Griffel. 

Die inneren Fühler sind sehr klein, mit blossem Auge nicht 
sichtbar, dreigliedrig. Das erste Glied ist das grösste, das mittlere 
kleiner, das Endglied, welches 3 — 4 kleine Chitingriffel trägt, ist 
das kleinste. Alle zusammen stellen einen kleinen aufrechten Kegel dar. 

Die äusseren Schwanzanhänge sind zweigliedrig, verhältniss- 
mässig zur Grösse des Thieres sehr gross, überragen weithin die 
Gürtel des Postabdomen. Das Grundglied ist fast cylindrisch, das 
Endglied, welches an der Spitze des Vorigen sitzt, ist kegelförmig 
mit 2 — 3 kurzen Endborsten. Die inneren Schwanzanhänge sind 
viel kürzer und schwächer, stielförmig, cylindrisch, und überragen 
kaum das Grundglied der äusseren Anhänge. An ihrer Spitze stehen 
gleichfalls drei Borsten. 

Diagnose und Beschreibung der Species Typhloniscus 
Steinii Schob]. 

Taf. I. 

T. Candidas; corpore oblonge elüptico ; processibus capitis 
lateralibns rotundato trigonis, processu frontali medio 
nullo; antennarum articulis omnibus dense squamosis, 
squamidis carinatis; capite squamulis antice papiUifor- 
mibus , postice subtrigonis, carinatis tecto ; cingulis 
omnibus, et appendicibus caudalibus squamidis rotundato 
trigonis, carinatis, versus latera subtrilobis tectis; margine 
postico cingulorum omnium serie squamularum quadran- 
gularium carinatarum instructo. 
Longitudo %'"—%%"', Latitudo maxima 3 /4 '"— 1'" '. 

Die Farbe des Thieres ist schneeweiss, nur bisweilen schimmert 
in der Mittellinie der Darmcanal als ein bräunlicher Streifen durch. 

Von Gestalt ist das Thier länglich elliptisch. Manche Exemplare 
jedoch sind etwas hinter der Mitte am breitesten und erscheinen 
somit oval. Der erste Körpergürtel oder Mesothorax erweitert sich 
zu beiden Seiten in einen flachen beilförmigen Seitenfortsatz. Der 
Hinterrand dieses Segmentes verläuft geradlinig bis zur Gegend der 
flachen seitlichen Fortsätze, woselbst er nach vorne hin bogenförmig 
ausgeschweift ist. Die seitlichen Fortsätze des zweiten Segmentes 
sind nur wenig nach hinten gerichtet, der vordere Winkel ist stumpf, 



TypMomseus. 283 

stark abgerundet, der hintere fast recht, etwa 85°. Der Hinterrand 
dieses Segmentes ist in der Gegend der Fortsätze nur wenig 
geschweift. 

Die folgenden fünf Segmente unterscheiden sich nur dadurch von 
dem eben beschriebenen zweiten, dass ihre vorderen Winkel, je weiter 
das Segment nach hinten liegt, beständig stumpfer werden, während 
die hinteren Winkel in demselben Verhältnisse an Schärfe zunehmen. 
Die ersten zwei Segmente des Postabdomen sind sehr schmal und 
besitzen keine seitlichen Fortsätze, ihre Hinterränder sind schwach 
bogenförmig gekrümmt, die folgenden drei Segmente sind breiter und 
besitzen an den Seiten sichelförmig nach hinten gekrümmte Fortsätze. 
Das letzte Segment ist dreieckig. Die Basis des Dreieckes übertrifft 
um ein Drittel die Höhe desselben. Die beiden gleichen Seiten 
sind etwas concav ausgeschweift, die Spitze etwas hervorgezogen. 
Das ganze Segment ist gleichmässig gewölbt, zeigt durchaus keine 
Furche oder Eindruck. 

Die Sculptur ist sehr ausgezeichnet. 

Zunächst besitzt die ganze Körperoberfläche eine feine, rund- 
lich zellige Zeichnung, die, wie ich mich durch das Studium der 
Entwicklungsgeschichte überzeugt habe, den Zellen, aus denen 
ursprünglich die ganze Körperbedeckung zusammengesetzt ist, ent- 
spricht. Die fünf ersten Fühlerglieder sind mit unregelmässig 
gestellten Schuppen bedeckt, die eine breite Basis besitzen und 
slachelspitzig endigen. 

Am letzten Fühlergliede sind die Schuppen viel schmäler und 
länger, fast borstenförmig. An der stark convexen Stirne befinden 
sich an der Spitze kopfförmig angeschwollene Papillen, die allmählich 
gegen die seitlichen Stirnfortsätze zu in dreieckige, und gegen den 
hintern Kopfrand zu in abgerundete gekielte Schuppen übergehen. 
Die Bückenfläche des Thorax und der Proabdominalsegmente ist mit 
rundlich dreieckigen, gekielten, ziemlich dicht und fast reihenweise 
gestellten, etwas ungleichen Schüppchen bedeckt. Der Hinterrand 
dieser Segmente ist in der Mitte, so weit er geradlinig verläuft, mit 
einer Beihe grösserer, abgerundet rechteckiger, gekielter Schuppen 
verseben. Die Postabdominalsegmente sind an ihrer vordem Hälfte 
glatt und glänzend. 

Das erste und zweite Segment besitzt blos vor dem hintern 
Bande eine Beihe von Schüppchen. An den folgenden drei Segmenten 



284 s c h ö b i. 

sind die Schuppen gegen den Hinterrand zu fast dreireihig, am letzten 
Segmente zerstreut gestellt, alle sind gekielt. 

Die Hinterränder aller Segmente besitzen eine Reihe recht- 
eckiger, viel grösserer gekielter Schuppen. 

Die Grundglieder der äussern Schwanzanhänge sind mit rund- 
lich dreieckigen, gekielten, fast reihenweise gestellten Schuppen 
bedeckt. 

Die Endglieder dagegen besitzen viel schmälere, gekrümmte, 
sparsamere, borstenförmige Schüppchen. 

An den inneren Schwanzanhängen sind die Schüppchen noch 
sparsamer, schmäler und borstenförmiger. 

An der Spitze eines jeden Schwanzanhanges stehen 2 — 3 
Chitinborsten. 

Die Weibchen sind stets grösser und auch verhältnissmässig 
breiter als die Männchen. 



Lebensweise und Torkommen. 

Typhloniscus Steinii lebt stets unterirdisch in den Colonien 
der Ameisen und zieht sich bei der geringsten Beunruhigung flüchtig 
in die Tiefe der Nester zurück. Kleine junge Exemplare werden 
häufig von den Ameisen selbst fortgeschleppt. Am häufigsten leben 
sie in den Colonien der Formiert flava Latr. , jedoch findet man 
sie auch, wenngleich seltener und nur sporadisch, bei Formica nigra 
Latr., aliena Förster und umbrata Nylander. Ihre Antennen 
befinden sich stets in vibrirend tastender Bewegung (wahrscheinlich 
eine Folge der Blindheit). Auch scheinen sie die Tageszeiten nicht 
unterscheiden zu können, denn während die übrigen Asseln sich 
während des Tages in ihre feuchten Schlupfwinkel zurückziehen und 
daselbst ruhen, fand ich diese Art zu den verschiedensten Tagszeiten 
in einer künstlichen Ameisencolonie, die ich mir in einem Glase 
errichtet habe , munter umherlaufen. 

Andere Ameisenarten, als bei welchen sie in der Natur vor- 
kommen, dulden sie nicht nur nicht unter sich, sondern fallen mit- 
unter raubgierig über sie her und tödten sie. Ich habe dies im Freien 
bei Formica ligniperda Latr., zu Hause bei F. rufa L. und fuligi- 
nosa Latr. beobachtet, ja einmal gingen mir sogar einige Exemplare 



Typhloniseus. 285 

in kürzester Zeit zu Grunde, zu denen ich zwar Formica flava L., 
jedoch aus einem Neste, welches keine Asseln enthielt, gethan hatte. 

Im Darmcanal fand ich stets nur Reste vegetabilischer Sub- 
stanzen, unter denen man sehr schöne, wie präparirte, Mooszellen 
findet. Einzelne davon erkannte ich als von der Lophocolca tomen- 
tella stammend, andere schienen Phascumarten anzugehören. Ob sie 
von den Ameisen mit Nahrung versorgt werden oder sich selbe selbst 
aufsuchen, weiss ich zur Zeit noch nicht. Ich traf sie jedoch nie 
ausserhalb der Ameisencolonien, was wohl vorkommen müsste, wenn 
sie allein ihrer Nahrung nachgehen sollten. 

Die Männchen sind viel seltener als die Weibchen und es 
kostete mir viele Mühe, die nöthigen Exemplare zur Untersuchung 
der männlichen Geschlechtsorgane aufzutreiben. Sie sind beständig 
kleiner und schmäler als die Weibchen. 

Die Weibchen legen im Monate Mai nur wenige, blassgelbe 
Eier unter ihre Brustplatten, woselbst sie bis Ende Juni verweilen, 
um welche Zeit die Jungen die Mutter zu verlassen pflegen. 

Ich fand diese Art zuerst im Monate August 1857 an einer alten 
Gartenmauer des Dorfes Radlitz, etwa eine Stunde Weges von Prag, 
bei Formica flava L. Im folgenden Jahre im Frühjahr fand ich sie in 
der Scharka, einer ebenfalls nicht weit von Prag entfernten, wilden, 
felsigen Gegend, dann an zwei Punkten in den Schanzgräben der 
Stadt Prag selbst. In der Scharka bei F. nigra, an den beiden 
übrigen Standorten bei F. flava. 

Im heurigen Jahre wurde ein sehr ausgiebiger Fundort bei 
dem Dorfe Kosif von einem fleissigen Entomologen Herrn Lokaj 
aufgefunden, und mir gefälligst mitgetheilt. Hier lebte sie sowohl bei 
F. flava L., als auch bei F. aliena För. und umbrata Nyland. 

Systematische Stellung der Gattung Typhloniseus. 

Dass vorliegende Gattung in der Unterclasse der Hedrio- 
phthalmen zur Ordnung der Isopoden, und in dieser zur Familie der 
Oniscoiden gehöre, braucht wohl kaum erwähnt zu werden. 

Nach Brand t's Eintheilung in seiner Monographia Crustaceo- 
rnm Oniscoidorum gehört sie zur Tribus Oniscinea, die sich durch 
(i — Sgliedrige äussere Antennen , so wie durch zwei Paare von 
Schwanzanhängen auszeichnet. 

Sil/.li .1 mathein. -naturw. Cl. XL. Bd. Nr. 9. 20 



280 s c h ö b i. 

In dieser Tribus gehört sie zur Brandt'schen Abtheilung Por- 
ccllionea, welche durch Schwanzanhäuge, die die Körpergürtel über- 
ragen, und zweigliedrig sind, charakterisirt ist. In der ebenerwähn- 
ren Abtheilung gehört sie endlich zur Gruppe Hexarthrica nach 
Brandt. Brandt beschreibt in dieser Gruppe zwei Gattungen Tricho- 
niscus und Platyarthrus. Die Gattung Trichoniscus muss, meiner 
Ansicht nach , in eine ganz andere Gruppe gebracht werden. Ich 
fand wenigstens bei allen Exemplaren, die ich als zur Brandt'sehen 
Gattung Trichoniscus gehörig hielt , das borstenförmige Endglied 
der äusseren Antennen aus 5 — 6 Gliedern zusammengesetzt. 

Auch in Bezug auf Lebensweise und Anatomie stehen diese 
schnellen lebhaften Thierchen den Ligien viel näher, als den Gat- 
tungen Ouiscus und Porcellio, neben welche sie von Brandt ge- 
stellt wurden. Unterschiede zwischen diesen Gattungen und meiner 
Gattung Typhloniscus anzuführen, wäre überflüssig. 

Die zweite Gattung Platyarthrus kenne ich nicht , und muss 
mich daher blos an die sehr kurzen und dürftigen, aus acht Worten 
bestehenden Gattungsdiaguosen wie sie Brandt gibt, halten, und 
selbe wörtlich anführen: 

„Ultimus antenarum articnlus couicus, penultimus oblougus 
dilatatus compressus." 

Diese Gattung unterscheidet sich, wie schon aus diesen wenigen 
Worten ersichtlich ist , von der Gattung Thyphloniscus durch die 
Beschaffenheit des fünften oder vorletzten Fülllergliedes, welches 
jedenfalls in einem ausgezeichneten Grade zusammengedrückt, und 
flach sein muss, da sonst Brandt dieses Merkmal gewiss nicht als 
fast alleiniges Moment seiner kurzen Diagnose hervorgehoben und 
auch wohl den Gattungsnamen nicht darnach gewählt hätte. 

Analyse der Mundt heile. 

Da bis jetzt in keinem zoologischen Werke, weder eine natur- 
getreue Darstellung noch eine richtige Deutung der Mundtheile der 
Oniscoiden überhaupt existirt; ja dieselben vielmehr in vieler Hin- 
sicht verkannt, und gänzlich missgedeutet wurden, theilweise auch 
noch gar nicht bekannt waren ; so habe ich mich bestrebt diese 
Partie mit möglichster Genauigkeit und Umsicht zu bearbeiten, um die 
bei der vorliegenden Gattung erzielten Resultate in den Hauptsachen 
für die ganze Gruppe der Oniscoiden gelten lassen zu können. 



Typhloniscus. 287 

Die Mundtheile bestehen aus einer Oberlippe, einer Zunge, 
vier Kieferpaaren, und einem bis jetzt unbekannt gewesenen sehr 
complicirten System vonChitinplättchen und Stäbchen, die unter sich 
sowohl, als mit den Kieferpaaren, und der Zunge durch eine äusserst 
feine Chitinmembran verbunden sind. 

Ich nenne diese festen, der Zunge und den zwei mittleren 
Kieferpaaren zur Stütze dienenden Stäbchen: Kieferzungengerüste, 
und die feine Membran, die sie verbindet, und welche dieselbe 
Bedeutung hat, wie die Bänder der Wirbelthiere, Bandhäutchen. 

Das Kieferzungengerüste. 
Tafel III, Fig. 1—4. 

Das Kieferzungengerüste besteht aus drei grossen, mit Fort- 
sätzen versehenen Chitinplatten und zwei kleinen unbedeutenden 
Stäbchenpaareu. Die mittlere, einem Vogelzungenbein mit doppelten 
Hörnern nicht unähnlich sehende Platte dient hauptsächlich der 
Zunge zur Unterstützung; ich nenne sie Zungenstütze, während die 
beiden seitlichen den Muskeln des zweiten Kieferpaares zur Anhaf- 
timg dienen, und Kieferstützen heissen. 

Die mittlere unpaare Platte des Kieferzungengerüstes oder die Zungenstütze. 

Taf. IM, Fig. 1. 

Diese Platte liegt vorne in der Mittellinie des Kopfes, unmittel- 
bar unter dem vierten Kieferpaare, und erstreckt sich von der Basis 
des Kopfes bis zum Grunde der Zunge. 

Sie stellt im Ganzen ein, in der Mittellinie gelegenes, an meh- 
reren Stellen aufgetriebenes, vorn und oben aufgeschlitztes, hohles 
Chitinstäbchen dar, von dem zwei paar Fortsätze nach unten, oder 
wenn man das Thier in natürlicher Lage betrachtet, nach hinten 
abgehen. 

Am oberen Ende der Platte ist der Grund der Zunge eingelenkt, 
und überdies geht von hieraus ein kleines Chitinstäbchen zur inneren 
Lade des zweiten Kieferpaares. Etwas unterhalb der Zungeninsertion 
erweitert sie sich bauchig, um sich vor der Abgangsstelle des ersten 
Fortsatzpaares wieder zu verengern. Eine ähnliche Auftreibung be- 
findet sich zwischen dem ersten und zweiten Fortsatzpaare. In der 
oberen Hälfte vorne in der Medianlinie ist diese Hohlplatte aufge- 
schlitzt, und zwar ist der Schlitz oben am weitesten, verengert sich 

20* 



288 S c h 8 b 1. 

dann in der Gegend der oberen Auftreibung und erweitert sieb hier- 
auf wieder zwischen dem oberen Fortsatzpaare. 

Das erste Fortsalzpaar (a) entspringt ungefähr in der Hälfte 
der Hohlplatte und ist den Hörnern eines Vogelzungenbeines nicht 
unähnlich, krümmt sich anfangs bogenförmig nach unten oder hinten, 
hierauf verlaufen die sich allmählich verschmälernden Enden der 
Medianplatte fast parallel. An die Spitzen dieser Fortsätze stützen 
sich gleichfalls Fortsätze der beiden grossen seitlichen Platten des 
Kieferzungengerüstes. Das zweite Paar Fortsätze (6) geht unter 
einem sehr flachen Bogen im unteren Viertheil von der Mittelplatte 
ab, und nimmt im weiteren Verlaufe eine auf diese Platte fast senk- 
rechte Richtung an. 

An diese Fortsätze befestigt sich das dritte Kieferpaar. 

Die beiden seitlichen Platten des Kieferzungengerüstes oder die Kieferstützen. 

Taf. III, Fig. 2. 

Diese Platten liegen zu beiden Seiten der früher beschriebenen, 
zugleich aber tiefer in der Mundhöhle eingesenkt. Jede dieser 
Platten besitzt drei Fortsätze und eine dütenformig nach hinten 
gekrümmte flache Ausbreitung. 

Der längste Fortsatz (a) begibt sich nach oben, oder in natür- 
licher Lage des Thieres nach vorne, und senkt sich tief in die Kopf- 
höhle hinein, um sich mit seinem flach ausgebreiteten Ende an die 
Innenfläche der oberen harten Kopfbedeckung, zwischen den Muskeln 
des ersten Kieferpaares festzuhaften. Nach innen zu übergeht dieser 
Fortsatz fast seiner ganzen Länge nach in die schon erwähnte flache 
Ausbreitung, welche den Muskeln des zweiten Kieferpaares zum 
Ansatzpunkte dient. Der zweite Fortsatz (b) ist bedeutend kürzer, 
begibt sich nach unten und innen, und lehnt sich daselbst an das 
erste Fortsatzpaar der Zungenstütze. 

Der dritte Fortsatz (c) ist der kürzeste von allen, und lehnt 
sich an einen ähnlichen Fortsatz des Grundstückes, des zweiten 
Kieferpaares. Die ganze Platte dient vor allem andern den zahl- 
reichen Muskeln des zweiten Kieferpaares zur Insertion. 

Das erste Paar der zum Kieferzungengerüste gehörigen kleinen 
Chitinstäbchen (Taf. III, Fig. 3) liegt unmittelbar unter dem Grunde 
der Zunge. Es verbindet das obere Ende der Zungenstütze mit 
der inneren Lade des zweiten Kieferpaares. 



Typ klon ist- us. 280 

Das zweite Paar (Taf. III, Fig. 4) verbindet die Enden der 
unteren Zungenstützen-Fortsätze mit dem Grundstücke des zweiten 
Kieferpaares. 

Das Bandhäutchen Membrana colligatrix. 
Taf. III. 

Diese äusserst feine Membran entspringt aus der im unteren 
Drittheil der äusseren Lade des zweiten Kieferpaares befindlichen 
spaltförmigen Öffnung, welche den Muskeln der betreffenden Lade 
den Durchtritt gestattet. 

Von dieser, etwa ein Drittel der Länge der ganzen Lade betra- 
genden Insertionsstelle, begibt sich dieses Häutchen , zahlreiche 
Falten bildend, schief nach innen und oben, um daselbst in den 
verbreiterten Theil der inneren Lade desselben Kieferpaares zu 
übergehen; weiter nach unten verläuft es weniger schief zum unteren 
stielförmigen Theil der inneren Lade, umkleidet das Grundstück des 
zweiten Kieferpaares und schlägt sich dann auf die beiden Fortsatz- 
paare und die Medianplatte der Zungenstütze, übergeht auf das obere 
kleine Stäbchenpaar des Kieferzungengerüstes, und auf den Zungen- 
grund. Während es seillich in die Zunge übergeht, und daselbst 
unter zahlreichen Faltungen frei halbkreisförmig zu beiden Seiten 
endigt, schlägt sich eine Partie vom unteren leistenförmig verdickten 
Grunde der Zunge auf die zwischen den beiden Zungenlappen 
befindliche dreieckige Falte und übergeht mit dieser in die , den 
Ösophagus auskleidende innerste Chitinmembran. 

Ich habe das Kieferzungengerüste schon vor Jahren bei den 
grösseren Arten der Oniscoiden, namentlich bei Porcellio und Onis- 
cus, theilweise gekannt, wusste es jedoch bei der verwirrten Deutung 
der Kieferpaare, wie sie sich in den Handbüchern der Zoologie findet, 
nicht recht irgendwo unterzubringen, bis sich mir, nachem ich die 
Kieferpaare naturgemäss festgestellt hatte, seine Bedeutung von 
selbst ergab. 

Meines Wissens ist ein solches Gerüste weder bei einer andern 
Ordnung der Crustaceen, noch bei einer andern Classe der Arthro- 
poden vorhanden, es bildet somit eine Eigenthümlichkeit derlsopoden. 
Treviranus sowie auch Brandt haben das Kieferzungengerüste 
entweder gar nicht gesehen, oder einzelne Bestandtheile für Kiefer- 



290 s c b ö i, i. 

bestandtheile gehalten , was bei der mangelhaften Darstellung der 
Kiefer schwer zu entscheiden ist. 

Das erste Kieferpaar. 
Taf. IV, Fig. 2, 3, 4. 

Das erste Kieferpaar stellt ein hohles, sehr festes Chitingebilde 
dar, welches von vorne angesehen abgerundet rechteckig erscheint 
und an der Stelle des inneren obern Winkels einen bedeutenden 
nach innen gerichteten zahntragenden Fortsatz besitzt, welcher sich 
zugleich, sich allmählich verschmälernd, und zuschärfend, tief in die 
Mundhöhle einsenkt. Dieses Kieferpaar ist mit seiner unteren Kante 
an einem, nach unten umgeschlagenen Lappen der allgemeinen festen 
äusseren Kopfbedeckung charnierartig eingelenkt. 

Die Bezahnung ist an den Kiefern beider Seiten etwas ver- 
schieden. Der rechte Kiefer in der natürlichen Lage des Thieres 
oder der linke, wenn man das Thier von unten betrachtet (Taf. IV, 
Fig. 3) besitzt an dem zahntragenden Fortsatze vier dunkel roth- 
braun emaillirte Zähne, die je zwei und zwei einander genähert 
sind. Das erste Zahnpaar ist bei natürlicher Lage des Kiefers allein 
sichtbar (Fig. 2). Das zweite Zahnpaar ist etwas kürzer als das 
erste, liegt weiter nach hinten oder in natürlicher Lage tiefer in die 
Mundhöhle eingesenkt. 

Die Zähne dieses Paares sind etwas stumpfer und kürzer als 
die des ersten, und von den letzteren durch eine tiefe Kluft getrennt. 
Hierauf folgt noch weiter nach hinten ein weisser Zahn, der mit zwei 
Zahnspitzen versehen ist. Von da aus verläuft die innere Kante des 
zahntragenden Fortsatzes schief nach abwärts, und trägt , unmittel- 
bar neben dem Grunde des weissen Zahnes , ein schmales pinsel- 
förmiges, biegsames und bewegliches Chitingebilde, welches mit 
einigen äusserst feinen Härchen versehen ist. Hierauf folgt ein klei- 
nes, äusserst spitzes, nach hinten gerichtetes, weisses Zähnchen, 
und endlich am hintersten, etwas hervorgezogenen Winkel am tiefsten 
in der Mundhöhle, vier starke, ungleich lange Chitinborsten. 

Der linke Kiefer oder von unten betrachtet der rechte (Fig. 3), 
besitzt vorne fünf rothbraun emaillirte Zähne, welche in verschiede- 
nen Ebenen liegen, und nicht paarweise einander genähert sind. 
Drei davon sind dunkler, zwei blässer emaillirt. Hierauf folgen nach 
hinten zu, auf einer Hervorragung, zwei von den früher beschrie- 



Typkloniscus. 291 

henen pinselförmigen Gebilden, dann das kleine scharfe weisse Zähn- 
chen und endlich das Ende mit den vier Borsten. 

Es unterscheidet sich somit dieser Kiefer von dem der andern 
Seite durch Zahl und Lage der rothemaillirten Zähne, durch den 
Mangel des weissen zweispitzigen Zahnes unmittelbar hinter den- 
selben, und durch den Besitz zweier pinselförmigen Gebilde. 

Betrachtet man diese Kiefer von hinten, so findet man in der 
inneren Partie eine abgerundet pentagonale Öffnung, welche den 
Bündeln des überaus kräftigen Kaumuskels dieses Kieferpaares den 
Durchtritt in die innere Höhlung gestattet. 

Was die Deutung dieses Kieferpaares anbelangt, so kann hier- 
über auch nicht der geringste Zweifel entstehen. 

Als erster paariger, gelenkig eingefügter Anhang des Kopfes, 
die Gruppe der Fühler ungerechnet, entspricht dieses Kieferpaar 
offenbar dem ersten Kieferpaare aller übrigen Crustaceen, so wie den 
Mandibeln der Hexapoden, und in der Classe der Arachniden sowohl 
dem haarigen tastertragenden Lappen der Araneiden, als auch den 
Scheeren der Scorpioniden. 

Es ist aber auch dieses Kieferpaar das einzige, in Bezug auf 
dessen Deutung ich mit den übrigen Schriftstellern überhaupt und 
mit Brandt insbesondere übereinstimme, obzwar auch dieses noch 
nirgends naturgetreu abgebildet und richtig beschrieben worden ist. 

Das zweite Kieferpaar. 
Taf. IV, Fig-. 5. 

Das zweite Kieferpaar besteht aus zwei Laden und einem 
Grundstück. 

Die äussere Lade (Taf. IV, Fig. 5 «). 

Diese Lade stellt eine lange, schmale, hohle Chitinplatte dar, 
welche am oberen zahntragenden Ende etwas, am unteren stark 
zugespitzt ist und an der hinteren Fläche gegen die äussere Kante 
zu eine längliche, spaltförmige Öffnung zum Durchtritt des betref- 
fenden Kaumuskels besitzt. 

In der Mitte verlaufen beide Kanten dieser Lade so ziemlich 
parallel. Die äussere verläuft im oberen Drittheil schief nach innen 
zu und ist an dieser Stelle mit einer dichten Reihe von Chitinborsten 
besetzt. Die innere Kante dagegen läuft im unteren Drittheil schief 
nach aussen, so dass dieLade nach unten zu sich allmählich zuspitzt. 



292 S c h ö b I. 

Am oberen, etwas schief nach innen und unten abgestutzten Ende 
der Lade befindet sich eine Reihe dunkel rothbraun emaillirter, 
schmaler, nach innen gekrümmter Zähne. Solcher Zähne gibt es sieben 
und sie nehmen von aussen nach innen an Stärke und Länge ab. 

Die innere Lade (Taf. IV, Fig. 55). 

Die innere Lade ist viel schwächer als die äussere. In der 
unteren Hälfte ihrer Länge ist sie stielrund, in der oberen Hälfte 
wird sie flach und übergeht daselbst nach aussen zu unmittelbar in 
das Bandhäutchen , mittelst welchem sie nach aussen hin an die 
äussere Lade und nach innen zu durch das obere Stäbchen des Kie- 
ferzungengerüstes an die Zungenstütze locker festgeheftet wird. 

Das obere Ende dieser Lade ist schief nach innen und unten 
abgestutzt und trägt daselbst zwei pinselartige, dicht behaarte 
Gebilde. 

Das Grundstück des zweiten Kieferpaares. 
Taf. IV, Fig. 5 c. 

Das Grundstück ist eine ziemlich flache, am Vorderrande etwas 
eingerollte Chitinplatte, an der man vier Fortsätze wahrnimmt. Der 
erste Fortsatz liegt nach aussen und unten, endet unter einem abge- 
rundeten, fast rechten Winkel und articulirt mit der daselbst einge- 
fügten äusseren Lade. 

Der zweite oder innere untere Fortsatz ist mehr stielförmig und 
trägt die innere Lade. 

Der dritte oder innere hintere Fortsatz erweitert sich gegen 
das Ende zu beilförmig und lehnt sich an den inneren langen Fort- 
satz der Kieferstütze der betreffenden Seite. 

Der letzte Fortsatz ist unbedeutend und legt sich an den kür- 
zesten äusseren Fortsatz der eben erwähnten Kieferstütze. 

Als zweiter, abgegliederter, paariger Anhang des Kopfes ent- 
spricht dieses Kieferpaar dem zweiten Kieferpaare der Decapoden, 
sowie den Maxillen der Hexapoden. 

Brandt (in der medizinischen Zoologie) beschreibt sein zwei- 
tes Kieferpaar als einen länglichen, zahnlosen, knorpeligen Theil. 
Diese Brandt'sche Beschreibung passt auch nicht im Entferntesten 
auf eines der vier von mir aufgestellten Kieferpaare. Welches Ge- 
bilde, ob einen Theil meines Kieferzungengerüsfes oder sonst etwas 



Typh loniscus. 293 

Anderes Brandt für Kiefer gehalten hat, lässt sich bei der kurzen 
Beschreibung und mangelhaften Abbildung nicht entscheiden. 

Dass von einem Knorpel keine Rede sein kann, brauche ich , da 
alle Mundtheile aus Chitin bestehen und nur der Kaumagen einige 
mit kohlensaurem Kalk imprägnirte Bestandteile besitzt, kaum zu 
erwähnen. Die Abbildung des zweiten Kieferpaares bei Trevi- 
ranus (in dessen vermischten Schriften) ist gleichfalls unkenntlich. 

Das dritte Kieferpaar. 
Taf. IV, Fig. 6. 

Das dritte Kieferpaar stellt eine lange, ziemlich breite, abge- 
rundet rechteckige Platte dar, welche auf der äusseren Kante unten 
einen Einschnitt besitzt und theils an die Medianleiste, theils an die 
unteren Fortsätze der Zungenstütze sich festheftet. 

Auch diese Kieferplatte ist ein hohles Organ, nur ist die sie 
bildende Chitinmembran im Vergleich zu den übrigen drei Kiefer- 
paaren äusserst zart zu nennen, und die ganze Kieferplatte erscheint 
dessbalb dem flüchtigen Beobachter als eine einfache scharf begrenzte 
Platte. Das obere Ende dieser Kieferplatten ist zweilappig , der 
Innenlappen ist viel breiter und trägt einen Bündel kräftiger, am 
obern Ende hakig nach innen gekrümmter Chitinborsten oder Zähn- 
chen. Die die beiden Lappen trennende Spalte ist kurz und verläuft 
senkrecht. 

Unterhalb des Innenlappens von der innern Kante aus läuft im 
Innern des Kiefers eine feste, dem ganzen Kiefer mehr Steifheit 
gewährende Chitinleiste, welche sich zunächst unter einem flachen 
Bogen nach aussen krümmt, dann aber gegen die Basis des Kiefers 
zu eine, einem lateinischen S ähnliche Krümmung beschreibt und 
sich dann am untern Fortsatz der Zungenstütze festheftet. 

Der äussere Lappen sowohl als der innere tragen ein Paar 
unbedeutende Chitinborsten. 

Dieses Kieferpaar bildet den letzten paarigen Anhang des eigent- 
lichen Kopfes, da das folgende schon ein metamorphosirtes Fusspaar 
ist und eigentlich dem mit dem Kopfe verschmolzenen Prothorax 
angehört. Es entspricht somit einem Theile der Unterlippe der Hexa- 
potlen, den Tasterstämmen mit den Lippentastern. 

Brandt's drittes Kieferpaar soll länglich-viereckig sein und am 
emaillirten Ende 4 — 5 Zähnchen tragen. 



294 schö b i. 

Mit meinem dritten Kieferpaar stimmt diese Beschreibung durch- 
aus nicht überein; vielleicht dürfte darunter die äussere Lade meines 
zweiten Kieferpaares gemeint sein. Die T r e v i r a n u s'sc h e Abbildung 
ist unkenntlich. 

Das vierte Kieferpaar. 
Taf. IV, Fig. 7. 

Das vierte Kieferpaar bildet das Schlussstück der Kopfhöhle 
nach unten. Es besteht, im weiteren Sinne genommen, aus drei 
Paaren gesonderter und unter einander abgegliederter Platten, von 
denen das bedeutendste und grösste die eigentlichen Kiefern dar- 
stellt, während die beiden andern, meiner, auf entwicklungsgeschicht- 
liche Studien gestützten Ansicht nach, den rudimentären, mit dem 
Kopfe verschmolzenen , dem Prothorax der Hexapoden entsprechen- 
den ersten Körpergürtel darstellen. 

1. Das eigentliche vierte Kieferpaar. 

Taf. IV, Fig. 7 a, b. 

Theils vergleichend anatomische, theils entwickelungsgeschicht- 
liche Untersuchungen dieses Organs bei den verschiedenen Gattun- 
gen der Oniscoiden haben mich zu der Überzeugung geführt, dass 
nur das grosse mittlere Plattenpaar als viertes Kieferpaar betrachtet 
werden kann, während die übrigen zwei Plattenpaare, die man sonst 
mit jenem zusammenzuwürfeln pflegte, wie ich schon vorhin erwähnt 
habe, ganz anderen Gebilden angehören. 

Jeder Kiefer ist hohl und besteht aus einer abgerundet recht- 
eckigen Grundplatte und einem bezahnten und beweglich eingelenk- 
ten Kaustücke. 

q) Die Grundplatte (Taf. IV, Fig. 7«). 

Die Grundplatte ist ein flaches hohles Gebilde von beträcht- 
licher Grösse und bedeckt von unten den grössten Theil der Kopf- 
höhle. Ihre Gestalt ist, im Ganzen genommen, rechteckig. Die bei- 
den äusseren Winkel sind jedoch sehr stark abgerundet; der innere 
untere bildet dagegen einen rechten Winkel und der innere obere 
ist zu einem rechteckigen Fortsatz vorgezogen. 

Die Grundplatte besteht aus einer vorderen harten, festen Chi- 
tinla melle und einem hinteren zarten Chitinhäutchen, zwischen denen 



Typhloniscua. ü»95 

Chitinleiste», sowie die das Kaustück bewegende» Muskeln einge- 
schlossen sind. 

Die zwei vorhandenen Chitinleisten sind dazu bestimmt, das 
unmittelbare Anlegen der hinteren feinen Membran an die Muscula- 
tur des Kaustückes zu verhindern. Die eine Leiste verläuft am Innen- 
rande der Platte , die zweite vom äusseren untern Winkel bogen- 
förmig, mit der Convexität nach aussen, gegen die Mitte der vorigen 
Leiste, woselbst sie durch eine breite Commissur mit derselben ver- 
bunden ist und dann fast geradlinig zum inneren obern Winkel ver- 
läuft. An der vorderen Lamelle bemerkt man eine zellenartige regel- 
mässige Structur, die der Entstehung aus den Furchungskugeln im 
Embryoleben zu entsprechen scheint. Auch ist nicht selten die vor- 
dere Fläche derselben mit feinen Härchen besetzt, und am äusseren 
obern Winkel verläuft eine Reihe äusserst zarter Wimpern. 

b) Das Kaustück (Taf. IV, Fig. 76). 

Das Kaustück stellt ein ungleichseitig dreieckiges, etwas 
gekrümmtes, scharf zugespitztes hohles Gebilde dar, welches am 
oberen Ende zwischen den beiden oberen Winkeln der Grundplatte 
mittelst eines Winkelgelenkes eingefügt ist. 

Die Basis des Kaustückes ist die kürzeste seiner Seiten, und 
am inneren Basalwinkel befestigt sich die Sehne des Beugemuskels, 
am äusseren die des Streckmuskels. 

Die innere Seite ist die längste , sie ist in der unteren Hälfte 
convex, in der oberen concav und besitzt ungefähr in der Mitte zwei 
sehr spitzige Zähne. Die äussere Seite ist ein Segment eines sehr 
tlachen, sich einer Geraden nähernden Bogens. Die Spitze des Kau- 
stückes ist zahnartig verlängert. 

Meinen Untersuchungen zufolge ist das eben beschriebene Kie- 
ferpaar nichts anderes, als das metamorphosirte Fusspaar des Protho- 
rax, und es entspricht die Grundplatte dem ersten langen Fussgliede, 
das Kaustück den übrigen Gliedern. 

Schon Gestalt und Gliederung dieser Kieferplatten ist von der 
der eigentlichen drei Kieferpaare durchaus verschieden. An keinem 
eigentlichen Kiefer finden wir eine bewegliche Gliederung desselben 
in ein, zwei oder mehrere über einander liegende Theile wie hier in 
die Grundplatte und das Kaustück, welch' letzteres selbst sogar noch 



296 s c h ö l i. 

Spuren einer weitern Gliederung zeigt, die bei anderen Gattungen 
der Oniscoiden, z. B. Ligidium, viel deutlicher ausgeprägt ist. 

Überdies enthält kein Kieferpaar Muskeln ganz in seinem 
Innern eingeschlossen, wie das bei der Musculatur des Kaustückes 
der Fall ist, sondern die Kaumuskeln aller echten Kieferpaare drin- 
gen von aussen in die Höhlung des Kiefers. 

Ferner beweist auch die Entwickelungsgeschichte die Analogie 
dieser Kieferplatte mit Fusspaaren, indem man bei einem Embryo 
von zwei bis drei Wochen noch nicht im Stande ist, sie von den 
Letzteren zu unterscheiden. 

Gleich in den ersten Tagen des Embryolebens, nachdem sich 
ßildungs- und Nahrungsdotter gesondert haben, bilden sich am vor- 
dem Ende des Embryo aus den Furchungskugeln fünf Paare von 
Lappen und ein eingeschnittener Lappen, hierauf folgen sieben län- 
gere Lappenpaare, und endlich fünf ganz kleine Doppellappenpaare. 

Die ersten zwei Lappenpaare gliedern sich frühzeitig und sind 
von sehr verschiedener Grösse; aus dem ersteren entwickeln sich 
die äusseren, aus dem letzteren die inneren Fühler, der zweispaltige 
Lappen wird zur Zunge, die folgenden drei Lappenpaare bleiben 
ungegliedert und liefern die drei eigentlichen Kieferpaare; die sieben 
längeren Lappenpaare gliedern sich allmählich, sind anfangs voll- 
kommen gleich und später modificirt sich das erste zum vierten Kie- 
ferpaare , die folgenden liefern sechs Fusspaare. (Bekanntlich ent- 
steht das siebente Fusspaar erst lange nachdem die Embryonen die 
Eischale und die Bruthöhle der Mutter verlassen haben.) Die letzten 
Lappen endlich liefern Respirationsorgane und männlicheBegattungs- 
organe. 

Ich glaube, dass schon diese äusserst flüchtige Skizzirung der 
Entwicklung , der gegliederlen paarigen Anhänge der Oniscoiden 
genügen wird, meine Ansicht über die Bedeutung des vierten Kiefer- 
paares hinreichend zu unterstützen, und ich brauche kaum eines 
Falles von Missbildung zu erwähnen, den ich unter den vielen Tau- 
send Asseln, die ich untersuchte, fand, wo nämlich auf der nur in 
der untern Hälfte entwickelten Grundplatte des vierten Kieferpaares 
noch vier, ganz normale, unveränderte Fussglieder sassen. 

Dasselbe Resultat, zu dem ich durch objective Untersuchung 
und Vergleichung gelangte , Hess sich schon auch a priori durch 
Vergleichung der Zahlenverhältnisse, auf deren Wichtigkeit im Plane 



Typhtonisuts. 297 

der Arthropoden Herr Professor Dr. Stein mich durch seine Vor- 
lesungen aufmerksam machte, zuerst hingewiesen hat, erwarten. 

Zieht man nämlich von den sieben Körpergürteln der Isopoden, 
von hinten angefangen, fünf für das bei den Crustaceen fast stets 
fünfgliederige Proabdomen ab, so bleiben nach vorne zu noch zwei 
Gürtel übrig, die unstreitig nur dein Meso- und Metathorax der Hexa- 
poden entsprechen können. Der Gürtel des Prothorax fehlt. Am Kopfe 
hingegen findet man ausser den Fühlern vier Paare gegliederter 
Anhänge, von denen die drei ersteren denen der Hexapoden ent- 
sprechen , der letzte bleibt übrig. Es muss also der am Körper feh- 
lende Prothoraxgürtel rudimentär geworden und mit dem Kopfe 
verschmolzen sein, und sein Fusspaar sich zum vierten Kieferpaare 
metamorphosirt haben. 

2. Die Prosternalplatten. 

Taf. IV, Fig. 7 d. 

Die Prosternalplatten sind klein, länglich rechteckig, in der 
Mitte durch eine Nath vereinigt und an der untern Kante unter 
einem rechten Winkel nach innen umgeknickt und hängen nach 
abwärts durch eine feine Chitinmembran mit den Bauchplatten des 
ersten Körpergürtels zusammen, während ihre obere Kante die Grund- 
platten des vierten Kieferpaares trägt. Die Prosternalplatten gehören 
dem rudimentären Prothorax an und entsprechen den beiden durch 
Nath vereinigten Bauchgürteln der übrigen entwickelten Segmente. 

Die Lateralplatten. 

Taf. IV, Fig. 7 e. 

Diese Platten sind schmal abgerundet dreieckig und endigen 
mit einem feinen zipfelförmigen Chitinhäutchen. Sie sind mittelst 
ihres inneren abgestutzten Winkels an die äussere Kante der Pro- 
sternalplatten geheftet, während ihre untere Seite gleichfalls mittelst 
jenes früher erwähnten Chitinhäutchens mit dem Baucbgürtel des 
folgenden Segmentes zusammenhängt. 

Die Lateralplatten sind gleichfalls Gebilde des Prothorax und 
entsprechen den Seitenfortsätzen, vielleicht auch einem Theile der 
Rückengürtel der übrigen Segmente. 

Brandt (in der mediz. Zoologie, pag. 72, II. Band, Taf. XV, 
Fig. 30 g und h, beschreibt mein viertes Kieferpaar als untere, 



298 s c h ö b i. 

eigentliche, getheilte Unterlippe und hält meine Kaustücke des vierten 
Kieferpaares für zweigliederige Palpen und die Lateralplatten für die 
obere, getheilte Unterlippe. Die Prosternalplatten hat er übersehen. 

Dass diese Brand tsclie Deutung meines vierten Kieferpaares 
als Unterlippe durchaus unnatürlich ist, ergibt sich schon aus dem 
früher Gesagten , und überdies widerlegt sich diese Ansicht durch 
sich selbst. Brandt beschreibt ausser dieser seiner Unterlippe noch 
eine Zunge und vier Kieferpaare. Es könnte somit dieses Organ, da 
es weder mit der Zunge, noch mit den rudimentären Kiefern (Taster- 
stämmen der Hexapoden) vereiniget ist, einzig und allein dem Men- 
tum der Hexapoden entsprechen; und wie könnte es als solches 
Palpen tragen, die ihm Brandt zuschreibt, und die nur an Kiefern 
(wenn auch an rudimentären) vorkommen. Auch hat das Kaustück 
mit einer Palpe nicht die geringste Ähnlichkeit. Mir wenigstens ist 
kein Fall bekannt, wo sich Palpen in dieser Weise inseriren würden, 
kräftige Beug- und Streckmuskeln besässen, mit Zähnen versehen 
wären und wirklich zum Kauen verwendet würden. 

Die Bezeichnung der Lateralplatten als weit auseinandergerückte 
Hälften einerobern getheilten Unterlippe scheint mir ebenso gezwun- 
gen und unnatürlich , als es aller Analogie im ganzen Plane der 
Arthropoden entbehrt. Man kann überhaupt bei den Isopoden von 
einer Unterlippe im Sinne der Hexapoden nicht sprechen, da diese 
das Schlussstück der eigentlichen Mundtheile und des eigentlichen 
Kopfes nach unten bildet; bei den Isopoden aber der Prothorax mit 
dem Kopfe verschmolzen ist und also das unterste Gebilde nicht dem 
eigentlichen Kopfe, sondern nothwendigerweise dem Prothorax ange- 
hören muss. 

Wie es Brandt angestellt hat, dass er, trotzdem er das Organ, 
von dem ich nachgewiesen habe, dass es nothwendigerweise das 
vierte Kieferpaar sein muss , für eine Unterlippe hält, dennoch 
ausserdem unter den Mundtheilen noch vier andere Kieferpaare auf- 
findet und beschreibt, ist mir ein Bäthsel. Eines seiner Kieferpaare 
muss nothwendigerweise durchfallen , mit grösster Wahrscheinlich- 
keit sein zweites, das dritte durfte dann der äusseren Lade meines 
zweiten, sein viertes meinem dritten entsprechen können. Trevi- 
ranus (in dessen vermischten Schriften, I. Band, V. Abhandlung) 
beschreibt dieses Organ, wie Brandt, als vierlappige Unter- 
lippe. 



Typhloniscvs. 299 

Die Oberlippe. 
Taf. IV, Fi-, i; Taf. V, Fig. 1. 

Die Oberlippe ist ein unpaariges, deekelartiges Gebilde, wel- 
ches die Mundtheile von oben theihveise bedeckt, und durch eine 
verdünnte Chitinhaut, welche eine k lappenartige Beweglichkeit des 
ganzen Gebildes gestattet, mit der vorderen Kopfbedeckung zusam- 
menhängt. Von Gestalt ist die Oberlippe fast halbkreisförmig. Die 
vordere bogenförmige Kante ist an den Seiten und neben der Mitte 
ausgeschweift. Die Linie, in welcher die Oberlippe durch das schon 
erwähnte feine Chitiuhäutcheu mit der Kopfbedeckung in Verbindung 
steht, stellt gleichfalls einen Bogen dar, der jedoch viel flacher, und 
dessen Convexität nach hinten gerichtet ist. 

Die Oberlippe ist jedoch keine einfache Platte, sondern gleich- 
falls ein hohles Organ , welches aus einer oberen festen und steifen 
Lamelle und einem unteren feinen , zarten Chitinhäutehen besteht. 
Die obere Lamelle ist an vier Stellen von verschiedener Ausdehnung 
und Gestalt bedeutend verdickt, wodurch sie aus vier verschiedenen 
Platten, die von einer feineren Membran überzogen werden, zu bestehen 
scheint. 

Die bedeutendste dieser Verdickungslamellen verläuft dem 
Hinterrande parallel, die hintere Begrenzungslinie ist convex , die 
vordere concav , die seitlichen verlaufen schief bogenförmig von 
innen und vorne nach hinten und aussen. 

Die zweite unpaare Verdickungslamelle ist rechteckig und liegt 
vor dem Vorderrande der ersterwähnten Lamelle. 

Die letzten zwei Lamellen sind einander gleich und liegen zu 
beiden Seiten der rechteckigen. Ihre Gestalt ist mehr weniger drei- 
eckig, mit theihveise bogenförmig gekrümmten Seiten. Am Vorder- 
raude der steifen Kopfdecke , wo dieselbe in das Verbindungshäut- 
chen der Oberlippe übergeht, steht eine Reihe mächtiger steifer 
Chitiuborsten. Ferner steht auch am Vorderrande der rechteckigen 
Verdickungslamelle eine Reihe gerader! Chitingriffel, und überdies 
ist die vordere bogenförmige Kante der Oberlippe an vier Stellen 
mit wimperartigen Chitinborsten besetzt. 

An der eben erwähnten Kante verdünnt sich die obere Lamelle 
plötzlich und übergeht so, indem sie sich nach unten umschlägt, 
in die untere zarte Chitinmembran, welche wieder in die hintere 



300 8 o h 8 b I. 

in natürlicher Lage des Thieres obere) Wand des Ösophagus über- 
geht. Diese Membran ist mit überaus zahlreichen Chitinborsten und 
Griffeln besetzt. Am (lichtesten stehen die Chitingriffeln an zwei 
Stellen neben der Mittellinie zusammengedrängt; ihre Richtung ist 
strahlig, die oberen sind nach innen und oben , die mittleren nach 
innen, die unteren nach abwärts gekehrt. Gegen die Mittellinie und 
nach abwärts übergehen diese Chitingriffel in beständig feinere 
Chitinborsten, die sämmtlich nach innen und abwärts gerichtet sind. 
Ähnliche Borsten mit ähnlicher Richtung befinden sich gleichfalls 
oberhalb der Griffel. 

Man könnte diese zwei einander gegenüber gestellten Gruppen 
von Griffeln, mit den dazu gehörigen Borsten, da sie gewissennassen 
sebstständige Wülste der Chitinmembran bilden , Nebenzungen 
nennen. 

Zwischen der obern Lamelle und der Membran liegt unmittel- 
bar vor der vordem Kante eine kurze quere Chitinleiste , von wel- 
cher aus zwei feine Chitinleistchen nach hinten verlaufen, die wahr- 
scheinlich Sehnen von Beugemuskeln der Oberlippe sind. 

Die Zange. 

Taf. II, Fig. 5 ; Taf. V, Fig. 2. 

Die Zunge , welche durch eine Verlängerung der unteren 
Wand der Intima Oesophagi gebildet wird, besteht aus zwei Hälften, 
die an dem oberen Ende der Zungenstütze gelenkig eingefügt sind, 
und in der Mitte bis über die Hälfte zusammenhängen. 

Beide Zungenhälften sind kieferartig gegen einander beweglich, 

Jede Hälfte besteht aus einem äusseren festeren und einem 
inneren zarteren Lappen. 

Der äussere Lappen a ist am Grunde , wo er mit der Zungen- 
stütze articulirt, am stärksten, hierauf wird er beständig breiter, 
aber auch schwächer, und ist in den obersten Partien fein radiär 
gefältelt und besitzt gegen den Innenrand zu an der hintern Fläche 
zahlreiche, äusserst feine Borsten. Die obere Hälfte seines Aussen- 
randes ist mit einer Chitinborstenreihe versehen, während die untere 
Hälfte in einer äusserst feinen und vielfach gefalteten Chitinmembran 
endet. An diese gefaltete Membran grenzt nach innen zu ein stei- 
ferer, stärkerer Theil des Lappens, der nach oben allmählich in den 
breiten Lappen übergeht, nach unten zu sich beständig verengt, 



Typhloniscus. o 1 

dann unter einem rechten Winkel umbiegt und sich nach innen zur 
Zungenstütze begibt, um sich daselbst zu inseriren. Ein nach aussen 
gekehrter Fortsatz an diesem verdeckten Theile dient Muskeln zum 
Ansatzpunkte. 

Der innere Lappen b ist viel schwächer und kleiner als der 
äussere und nur in seinem oberen Drittheile frei , wo selbst er auch 
mit zahlreichen, mitunter ziemlich starken Chitinborsten besetzt ist. 

Diese beiden Lappen werden durch eine dreieckige kapuzen- 
förmige Falte d, welche durch zwei Chitinstäbchen unterstützt 
wird und unmittelbar in die Intima Oesophagi übergeht, vereinigt. 

Diese bedeutend erweiterbare kapuzenförmige Falte verhindert 
das Ausgleiten der Nahrungsgegenstände zwischen beiden Zungen- 
hälften nach abwärts. 

Die Speiseröhre. 

Taf. V, Fig. 3. 

Die Speiseröhre besteht aus einer äusserst feinen Serosa , die 
kaum darstellbar ist, einer Muscularis, die aus deutlichen Längs- 
und Kreismuskeln besteht, und einer innersten feinen Chitinmembran 
der Intima Oesophagi. 

Die Intima Oesophagi übergeht oben, oder in natürlicher Lage 
des Thieres, vorne unmittelbar in die Oberlippe und die Zunge, so 
zwar, dass die untere, feine, mit Chitinborsten versehene Membran 
der Oberlippe spurlos in die obere Wand der Intima übergeht, ohne 
dass man im Stande wäre anzugeben, wo die Oberlippe aufhört und 
der Ösophagus beginnt. Ein ähnliches Verhältniss findet zwischen 
der Zunge und der vordem oder untern Wand der Intima Statt. 

Diese Intima wird durch fünf Chitinleistenpaare gesteift. Drei 
von diesen Leistenpaaren liegen unten oder vorne, zwei oben oder 
hinten. 

Das mittlere von den drei vorderen Leistenpaaren beginnt 
unter der kapuzenförmigen Falte und verläuft bis zum Kaumagen , es 
liegt weit mehr nach vorne als die beiden anderen, und es bildet also 
hier die Intima eine Kante und senkt sich dachförmig zu den beiden 
anderen Leistenpaaren. Zwischen diesen und den zwei hinteren 
Leistenpaaren bildet die Intima eine tiefe Falte nach innen. 

Auf diese Weise erscheint der Querschnitt der Intima als ein 
Siebeneck mit zwei mittleren, tiefen einspringenden Winkeln. 

Sitzl>. (1. mfithem.-naturw. Cl. XL. Bd. Nr. 9. 21 



302 s c h ö i. i. 

Nach unten übergeht die Intima in das Gerüste des Kau- 
magens. 

Der Kaumagen. 

Taf. V, Fig. 4 ; Taf. VI, Taf. VII. 

Der Kaumagen ist ein äusserst complicirtes, aus verschieden- 
artigen Chitinhautfaltungen, Duplicaturen, Zipfeln und deckelartigen 
Plättchen, dann aus einem verdickten Chitingerüste und Chitin- 
leiste, und aus mit Kalk imprägnirfen Platten bestehendes Organ; 
welches nach oben. unmittelbar in die Intima Oesophagi, nach unten 
oder hinten in die Intima des Darmcanals übergeht, mit zahlreichen 
Chitinborsten und Reibplatten versehen ist, und zur Zerkleinerung 
der, von den Kiefern grob gekauten, vegetabilischen Nahrung dient. 
Ich muss in vorhinein bemerken, dass es eine schwere Aufgabe ist, 
ein so complicirtes und so verwickeltes Organ genau, und zugleich 
leichtfasslich zu beschreiben. Auch hätte ein genaues Verständnis s 
des feinsten Details, und des Zusammenhanges der einzelnen Theile 
mehr Zeichnungen der einzelnen Bestandteile in verschiedenen 
Lagen erfordert, als es mir die ohnehin schon grosse Zahl der Tafeln 
gestattet hat. 

Ich habe mich trotzdem bestrebt, die Resultate, wie sie sich 
nach Monate langer Untersuchung zahlloser Präparate ergaben, so 
naturgetreu wie möglich aufzuzeichnen, und werde mich auch in der 
Beschreibung genau an diese Abbildung halten, ohne die bei anderen 
Gattungen der Isopoden gewonnenen Resultate, die zwar in den 
Hauptsachen übereinstimmen, in der Form aber oft bedeutend ab- 
weichen, zu benützen. Die Gattungen Porcelllo, Oniscus und Arma- 
dillo stimmen in Beziehung auf den Kaumagen fast ganz mit meiner 
Gattung Typhloniscus überein; Trichoniscus und Ligidium weichen 
jedoch sehr ab. 

Der Kaumagen hat eine fast rundlich-elliptische, zusammen- 
gedrückte Gestalt, und liegt hinten an der Basis des Kopfes, zwi- 
schen den beiden Kieferstützen und den kräftigen pyramidalen 
Muskeln des ersten Kieferpaares. Er besteht im wesentlichen aus 
denselben Schichten, wie der Ösophagus, nämlich aus einer äusseren 
zarten Membran, aus einer Längs- und Kreismuskelfasern enthal- 
tenden Muskelhaut, und aus dem schon erwähnten so complicirten 
Chitingerüste, welches der Intima entspricht. 



Typhloniscus. ovo 

Betrachtet man, nachdem man die vorerwähnten zwei äusseren 
Membranen wegpräparirt hat, den Kaumagen von vorne, oder in 
natürlicher Lage des Thieres von unten (Taf. VI), so bemerkt man 
zumeist nach oben ein festes Chitingerüste, welches nach oben ein 
Paar dreieckiger, und ein Paar fast rechteckiger Fortsätze trägt, und 
weiter nach unten sich einschnürt , um sich wieder zu einem zahn- 
förmigen Fortsatze zu erweitern. 

Von diesem Vorsprung aus bemerkt man eine, von aussen und 
oben nach innen und unten bogenförmig verlaufende dunkle Leiste, 
welche an ihrer Ursprungsstelle eine schmälere Leiste, unter einem 
stumpfen Winkel, nach innen und hinten abschickt, die sich in der 
Medianlinie abermals unter einem stumpfen Winkel umbiegt, nach auf- 
wärts läuft, sich verflacht und in Form eines umgeschlagenen Randes, 
unter einem spitzen Winkel zu ihrer Ursprungsstelle zurückkehrt. 

Nach unten spaltet sich die bogenförmige Leiste. Der obere 
Schenkel übergeht in eine Kalkplatte, die siebförmig durchbrochen 
erscheint, der untere Schenkel verschmälert sich beständig bis er 
in der Chitinmembran, welche mit dieser Leiste zusammenhängt, 
verschwindet. 

Zwischen den bogenförmigen Leisten, und den beiden erwähnten 
sieb- oder netzförmigen Kalkplatten liegt ein dunkler pfeilförmiger 
Körper, mit der Spitze nach aufwärts gekehrt, und von einer Chitin- 
hautfaltung eingehüllt. Überdies bemerkt man um diese Gebilde 
eine feine Chitinmembran, die an verschiedenen Stellen mit ihnen 
zusammenhängt, und nach abwärts entweder frei zipfelförmig endet, 
oder in die Intima des Darmes übergeht. 

Betrachtet man hingegen den Kaumagen von hinten, so findet 
man zunächst eine feine Chitinmemhran, welche im untern Drittel 
des Organs mit scharfem horizontalen Rande endigt. Unter dieser 
Membran, und etwas weiter nach unten, liegt ein tief ausgebuch- 
teter zweilappiger steifer Deckel. Oben befindet sich jederseits 
ein kugelig dreieckiger, hohler Lappen, der nach aussen an einer 
festen, mit stumpfen zahnförmigen Fortsätzen versehenen, Chitin- 
leiste festgesetzt ist, und gleichsam eine feine, nach innen umge- 
schlagene, vom festen Chitingerüste ausgehende, Chitinhautfalte 
darstellt, die im innern eine feste bogenförmig gekrümmte Leiste 
enthält, und noch oben unmittelbar in die dunklen bogenförmig 
verlaufenden Leisten übergeht. 

21* 



304 s c h ö b i. 

In der Mittellinie, etwas weiter nach abwärts, sieht man den 
pfeilförmigen Körper, ihm zur Seite, aus Chitinstäbchen zusammen- 
gesetzte Platten, und dann die netzförmigen Kalkplatten. 

Am tiefsten nach abwärts bemerkt man fünf freie zipfelförmige 
Endigungen der Chitinmembran. 

Ich werde zuerst die einzelnen Bestandteile des Kaumagens, 
Yon denen ich einigen, theils ihrer Abgegrenztheit und Selbststän- 
digkeit halber, theils wegen den, sonst unvermeidlichen, langen Um- 
schreibungen, eigene Namen gegeben habe, anführen und beschrei- 
ben, und dann erst eine Schilderung des Zusammenhanges aller 
Gebilde zu einem Ganzen geben, und ihre Bedeutung so wie ihren 
Zweck hervorheben. 

Bestandtheile des Rauniagens. 

1. Das obere feste Chitingerüste des Kaumagens. 
Taf. VI, Fig. 1 ; Taf. VII, Fig. 1 a. 

Dieses Gerüste ist der festeste und solideste Theil des ganzen 
Kaumagens, und bildet gewissermassen die Grundlage desselben, mit 
der die meisten übrigen Bestandtheile unmittelbar zusammenhängen. 

Es ist eine starke, aus Chitin bestehende, ausgebuchtete, nach 
vorn hervorgewölbte Platte, die nach oben zu eine stumpfe, ein 
sehr flaches ßogensegment darstellende Kante besitzt, welche fast 
die ganze Breite des Kaumagens einnimmt. Die äusseren Seiten- 
ränder dieser Platte sind in der obern Partie convex und übergehen 
unmerklich in die obere bogenförmige Kante. Nach innen und theil- 
weise auch nach unten werden die Seitenpartien dieser Platte durch 
einen umgeschlagenen Rand begrenzt und hängen mittelst desselben 
mit dem mit Kalk impräguirten, später zu beschreibenden Leisten- 
systeme zusammen. 

Die obere bogenförmige Kante trägt zwei Paare nach oben 
gerichteter Fortsätze, die theils Muskeln, theils der Intima Oeso- 
phagi zum Anhaltspunkte dienen. 

Das innere Fortsatzpaar (Taf. VII, Fig. 1 a) befindet sich 
beiderseits ungefähr im äusseren Drittheil der Kante, und jeder 
Fortsatz stellt ein gleichschenkliges Dreieck von bedeutender 
Höhe dar. 

Das äussere Fortsatzpaar (Taf. VII, Fig. 1 ß) liegt noch 
weiter nach aussen; es ist fast rechteckig, aber nicht flach, sondern 



Typhhniscus. uUO 

etwas gekrümmt. Etwas unterhalb der obern Kante, zu beiden Seiten 
der Mittellinie am obern Chitingerüste des Magens befinden sich 
länglich elliptische, schief von oben und innen nach unten und aussen 
verlaufende Stellen, welche mit feinen Chitinleisten besetzt sind. 

Ich nenne diese prachtvoll irisirenden, der unter dem Namen 
Herpetolitha bekannten Koralle sehr ähnlich sehenden Gebilde 
Planities horpetolithaeformes, und werde sie später im Zusammen- 
hange mit den verschiedenartigen übrigen, zum Zerkleinern der 
Nahrung dienenden Reibplatten beschreiben. 

Unter diesen Platten befindet sich beiderseits eine ebenfalls 
längliche Stelle, welche aus dicht gedrängten niedrigen pentagonalen 
Säulchen zu bestehen scheint, und deren Oberfläche wie ein pen- 
tagonales Netzwerk aussieht; ich nenne sie Planities reticulata. 
Nach hinten zu wird das feste Chitingerüst zu beiden Seiten von 
kugelig dreikantigen, hohlen Chitinhautlappen bedeckt, welche sich 
ganz frei vom Gerüste abheben lassen, und nur an seiner Aussen- 
kante mit demselben durch eine feine Chitinmembran zusammen- 
hängen, so wie sie auch durch eine Leiste mit dem inneren dreiecki- 
gen Fortsatz verbunden sind. 

Nach oben übergeht die obere Kante und das dreieckige Fort- 
satzpaar unmittelbar in die vordere Wand der äusserst zarten In- 
tima Oesophagi. 

2. Die beiden Hohllappen des Kaumagens. 
Taf. VI, Fig. 2; Taf- VII, Fig. 1 6. 

Diese Lappen liegen, wie schon erwähnt wurde, an der hin- 
tern Seite des Kaumagens, und bedecken dort die beiden Seiten- 
theile des festen Kaumagengerüstes, mit dem sie unmittelbar zusam- 
menhängen. Ihre Gestalt ist kolbig dreikantig. Zumeist nach oben sind 
sie am weitesten, und verschmälern sich nach abwärts zu beständig, 
und übergehen dann in die äussere bogenförmige mit Kalk impräg- 
nirte Leiste des Kaumagens. 

An der äussern Kante eines jeden Lappens befindet sich eine 
starke Chitinleiste (Taf. VI, Fig. 1 «) welche zwei stumpfwinklige 
zahnartige Vorsprünge nach aussen und eine nach innen besitzt; nach 
abwärts aber sich an die vordere, dem festen Gerüste zugekehrte 
Fläche des Lappens begibt, und daselbst sich tellerförmg erweitert. 



306 s c h ö b i. 

Ich nenne diese mit äusserst feinen Chitinrippen versehene 
runde Ausbreitung Discus coshdatus. 

An der inneren hintern Kante der Lappen verlauft eine schwache 
bogenförmig gekrümmte Leiste, und die Kante selber ist längs des 
ganzen Verlaufes der Leiste mit einer Reihe vergrösserter Chitin- 
borsten versehen (Taf. VI, Fig. 2 b). Die innere vordere Kante liegt 
in Ruhe auf dem festen Gerüste. 

Die vordere, dem festen Kaumagengerüste zugekehrte Fläche 
ist mit schief nach unten und innen gerichteten Chitinborsten dicht 
besetzt. Die hintere innere Fläche ist ebenfalls mit Borsten besetzt, 
die jedoch nicht so dicht stehen, und an der hinteren äussern Fläche 
fast ganz mangeln. 

Vom obern Ende der an der Aussenkante gelegenen Leiste geht 
eine verbindende Leiste zum innern dreieckigen Forsatze des obern 
Randes des Gerüstes, und eine andere etwas gekrümmte Leiste 
begibt sich nach aufwärts, und dient dort der Chitinmembran zur 
Stütze. 

3. Die festen mit Kalk imprägnirten Leisten des Kaumagens. 
Taf. VI, Fig. 3; Taf. VIII, Fig. i c. 

Man kann jederseits eine äussere untere bogenförmige, und 
eine innere obere, winklig geknickte Leiste unterscheiden. Die äus- 
sere Leiste entsteht dort, wo das untere Ende des Aussenrandes des 
festen Gerüstes, und das untere Ende des Lappens der betreffenden 
Seite zusammenstossen, und läuft, sich beständig verschmälernd, 
nach unten und innen. Die innere obere Leiste entsteht an derselben 
Stelle, wie die vorige, verschmälert sich gleichfalls, indem sie zunächst 
nach innen, dann nach oben verläuft, dann unten einen spitzigen 
Winkel in den umgeschlagenen, mit Borsten versehenen Rand am 
Gerüste übergeht, und durch diesen wieder zur Ursprungsstelle ge- 
langt, so zwar, dass sie einen unregelmässig länglichen , fast ellip- 
tischen Raum einschliesst. Vom untern Ende der äusseren Leiste 
verläuft zur Mitte der inneren eine kalkige siebförmige Platte, die ich 
Lamina cribriformis nenne, und deren ich noch später erwähnen 
werde. 

Diese Leisten sind wie auch die früher beschriebenen Theile des 
Kaumagens durchaus nicht selbstständige, in sich abgegrenzte Theile, 



Typhloniscus. 307 

sondern übergehen in Chitinmembranen, durch welche sie mit den 
übrigen Theilen des Kaumagens zusammenhängen, so zwar, dass 
man sie als verdickte mit Kalk imprägnirte Stellen der Chitin- 
membran auffassen kann. Die Chitinmembran verläuft vom umge- 
schlagenen innern Rande des festen Gerüstes nach unten und innen, 
schlägt sich an den innern Theil der obern Leiste, und an die 
Lamina cribviformis, von welcher sie, nachdem sie dieselbe umhüllt 
hat, zu weiter nach innen gelegenen Theilen verläuft. 

Nach aussen geht die Membran zur bogenförmigen Leiste, 
bildet hier eine scharfe Faltung nach hinten, und endet mit einem 
scharfen Rande nach innen, welcher vom inneren obern Ende der 
obern Leiste beginnt, und bis zur untern zipfelförmigen freien 
Endigung der Membran verläuft. 

Die Centralgebilde des Kaumagens. 

In der Mittellinie des Kaumagens zwischen den siebförmigen 
Platten beider Seiten befindet sich ein pfeilförmiges Kalkconcrement, 
zu beiden Seiten von Lamellen umgeben, die aus sehr feinen Chitin- 
stäbchen bestehen, und von der Chitinmembran umhüllt, die nach ab- 
wärts zipfelförmig endigt, nach oben sich verdickt und in einen flachen 
knieförmig nach vorne geknickten, mit einer scharfen Spitze endi- 
genden Fortsatz übergeht, der so wie alle übrigen eben beschrie- 
benen Gebilde leicht beweglich ist, und besonderen Muskeln zum 
Ansatzpunkte dient. 

Ich nenne das kalkige Concrement Lapis Oniscorum und die 
Chitinstäbchenlamelle Lamina bacillaris. 

4. Der Kaumagendeckel. 
Taf. VI, Fig. 4. 

So nenne ich eine ziemlich steife Duplicatur der Chitinmem- 
bran, die sich in der unteren hintern Hälfte des Kaumagens befindet, 
und daselbst die Centralgebilde, sowie die Kalkleisten bedeckt, nach 
oben und aussen aber in die äussere feine Chitinmembran übergeht. 

5. Lapis Oniscorum sagittaeformis. 
Taf. VI, Fig. 5 ; Taf. VII, Fig. 1 d. 

Der Asselstein bildet den Hauptbestandteil der centralen Gebilde 
des Kauinagens. Seine Gestalt ist die einer Pfeilspitze, und er liegt 



308 s c h rt b i 

mit der Spitze nach aufwärts in einer Chitinhautfaltung eingebettet. 
In der Mitte der hintern Fläche befindet sich eine kielförmige erha- 
bene Kante. Bei durchfallendem Lichte erscheint er unter dem 
Mikroskope wegen seiner Undurchsichtigkeit schwarz , bei auffal- 
lendem Lichte kreideweiss. 

An den Kanten ist er viel schwächer von Masse , und desshalb 
etwas durchscheinend. Er hat ein rundlich feinkörniges Gefüge, und 
besteht aus kohlensaurem Kalke. Von organischen Bestandteilen, 
so wie von Chitin , konnte ich an demselben keine Spuren wahr- 
nehmen; er bestünde demnach aus reinem kohlensauren Kalk, ohne 
ein organisches Gerüste, in welches er abgelagert wäre. 

Die Seitenränder dieses Asselsteines stützen sich an die hin- 
teren Kanten der Stäbchenlamellen , mit denen sie einen rechten 
Winkel bilden. 

6. Laminae bacillares. 
Tat. VI, b; Taf. VII, Fig. 1 e und Fig. 3. 

Die S täbchenlamellen liegen zu beiden Seiten des Asselsteines, 
mit dem sie rechte Winkel bilden und den sie nach auf- und abwärts 
überragen. Sie stellen schmale, lange, parallele Platten dar, deren 
obere und untere Enden abgerundet sind. Ihrer ganzen Masse nach 
sind sie aus äusserst feinen Chitinstäbchen von horngelber Farbe, 
die senkrecht auf dem Längsdurchmesser der Platten stehen, zusammen- 
gesetzt. Bei schief auffallendem Lichte irisiren die Platten. Durch 
Druck mittelst des Deckgläschens, oder mit der Spitze der Präparir- 
nadel gelingt es sehr leicht die Stäbchen aus ihrer Verbindung zu 
trennen, die nur sehr lose ist. Die Stäbchen endigen nach hinten 
gegen den Asselstein zu äusserst fein, stachelspitzig, nach vorne 
scheinen sie allmählich stärker zu werden und übergehen daselbst, 
wiewohl mit scharfer Grenzlinie, in die tiefe Chitinmembran, welche 
nach vorne verläuft, dann eine Falte bildet, eine Strecke wieder 
zurückläuft, um sich auf die siebförmigen Platten umzuschlagen und 
selbe einzuhüllen. 

7. Laminae cribriformes calcareae. 
Taf. VI, Fig. 7; Taf. VII, Fig. 1 /' und Fig. 2. 

Die siebförmigen Platten liegen in natürlicher Lage parallel mit 
den Stäbchenplatten , deren äussere Fläche sie bedecken. Sie sind 



Typhloniscus, 309 

viel breiter und länger als die Stäbchenplatten , jedoch von mehr 
weniger ähnlicher Gestalt. 

Ihre ganze Fläche ist mit kleinen rundlichen Vertiefungen dicht 
besäet, so dass die Platten ein siebförmiges Aussehen besitzen. 

Unten hängen sie mit dem unteren innern Ende der untern 
bogenförmigen Kalkleiste, oben mit dem Innenschenkel der obern 
Leiste zusammen. 

Ihrer Masse nach bestehen sie aus reinem kohlensauren Kalk, 
ohne organische Grundlage. Sie sind wie der Asselstein sehr spröde, 
erscheinen aber wegen ihrer Schwäche bei durchfallendem Lichte 
nicht schwarz wie jener. 

8. Planities herpetolithaeformes. 
Taf. VI, Fig. 8; Taf. VII, Fig. 1 y. 

Diese Flächen liegen im festen Kaumagengerüste. Sie sind läng- 
lich zungenförmig an beiden Enden zugespitzt. Sie verlaufen schief 
von innen und oben nach aussen und unten. Ihrer ganzen Ausdehnung 
nach bestehen sie aus feinen Querrippen , oder eigentlich Querleist- 
chen, die an den Rändern der Flächen in die Substanz des festen 
Kaumagengerüstes übergehen. 

In der Mitte besitzen diese Flächen ihrer ganzen Länge nach 
eine kielförmige Erhabenheit. 

Fast in jeder Lage zeigen sie ein prachtvolles , irisirendes 
Farbenspiel. Die Leistchen bestehen , so wie die Masse des festen 
Gerüstes mit der sie zusammenhängen, aus Chitin. 

9. Planities reticulatae. 
Taf. VII, Fig. 1 //. 

Die netzförmigen Flächen liegen am festen Gerüste des Kau- 
magens, nach unten und aussen von den eben beschriebenen Reib- 
flächen. Sie haben eine unregelmässig längliche Gestalt und besitzen 
ein netzförmiges Aussehen. 

10. Discus costulatus. 
Taf. VII, Fig. 1 i. 

So nenne ich die scheibenförmige Erweiterung der an der 
äussern Kante der kolbenförmigen Hohllappen gelegenen Chitinleiste. 



310 Sei. 8 I. 1. 

Dieses Scheibehen bildet am untern Ende der eben erwähnten 
Leiste eine fast kreisförmige Erweiterung nach innen und kommt 
genau auf die Planities reticulata zu liegen. Auf der ganzen Fläche 
ist es mit feinen radiär verlaufenden Rippen versehen, die nach innen 
zu einen schmalen Rand am Scheibchen übrig lassen, während sie 
nach aussen und oben in den schmälern Theil der Leiste verlaufen. 

Nachdem ich eine ziemlich genaue Beschreibung der einzelnen 
Theile des Kaumagens vorausgesandt habe , so wollen wir den 
Zusammenhang derselben und den Kaumagen als Ganzes in Kürze 
betrachten. 

Die vordere (in natürlicher Lage des Thieres untere) Wand 
der Intima Oesophago welche, wie ich erwähnt habe, durch drei 
Doppelleisten gesteift wird, übergeht unmittelbar in die obere Kante 
des festen Kaumagengerüstes (Taf. V), so zwar, dass die mittlere 
vorspringende Leiste die Mitte des obern Randes trifft , während die 
beiden seitlichen nach innen von dem dreieckigen Fortsatzpaare des 
Oberrandes endigen. 

Die hintere Wand der Intima Oesophagi , die durch zwei 
Doppelleisten gesteift wird (Taf. VI), schlägt sich, nachdem sie den 
Kaumagen erreicht hat, unter einer bogenförmigen Kante nach vorne 
um, verläuft wieder eine kleine Strecke nach aufwärts, um sich dann 
abermals nach vorne und abwärts umzubiegen und sich seitlich an 
die zwei beweglichen Leisten, die vom äusseren obern Winkel der 
Lappen nach oben und innen verlaufen, zu inseriren. 

Die übrige, die Seitenwände bildende Membran, befestigt sich 
theils an die eben beschriebenen Leisten, theils an jenes Leisten- 
paar, welches die dreieckigen Fortsätze des Kaumagengerüstes mit 
den äusseren Leisten der Lappen verbindet. 

Das feste Kaumagengerüste bildet zu beiden Seiten einen Umschlag 
nach hinten, wodurch die beiden kolbenförmigen Lappen des Kau- 
magens entstehen. 

Von den äusseren Leisten dieser Lappen verlauft eine feine 
Chitinmembran noch weiter nach hinten, an die hintere (in natür- 
licher Lage obere) Fläche des Kaumagens. Diese Membran bildet 
nach abwärts einen zweilappigen , von freien Rändern begrenzten 
Fortsatz, den Kaumagendeckel, welcher aus einer Duplicatur der- 
selben Membran besteht, und dessen äussere oder eigentlich hintere 
Lamelle nach oben in die äusserste hintere Membran übergeht; die 



Typhloniscus. 311 

den Deckel zum grossen Theile bedeckt, an der ganzen hinteren 
Fläche des Kaumagens mit einem scharfen ziemlich horizontalen 
Rande endiget, nach aussen und unten sich aber wieder gegen vorne 
wendet , mit der bogenförmigen Kalkleiste zusammenhangt, dann 
noch weiter nach unten beiderseits einen stumpfen Zipfel bildet, um 
nach innen und unten in die Intima des Darmes zu übergehen. 

Nach unten und innen übergeht das feste Kaumagengerüste bei- 
derseits in einen nach hinten umgeschlagenen Rand (Taf. VII, Fig. 1 k), 
welcher von innen und oben nach aussen und unten verläuft und 
mit einer Reihe von Chitinborsten besetzt ist. Dieser umgeschlagene 
Rand übergeht an seinem äusseren untern Ende nach aussen in den 
kolbigen Lappen, nach oben in die bogenförmige, mit Kalk impräg- 
nirte Leiste, nach innen in die obere innere Kalkleiste. 

Von dem eben beschriebenen umgeschlagenen Rande verläuft 
eine Chitinmembran zur inneren obern winklig geknickten Leiste 
und von dieser zur äusseren untern bogenförmigen mit Kalk impräg- 
nirten Leiste , von da aus schlägt sich diese Membran am Aussen- 
rande der Leiste nach hinten und endet daselbst nach innen zu in 
einen freien Rand, der sich bis zum obern Ende der inneren 
winkligen Kalkleiste erstreckt, nach unten aber mit einem freien 
zipfelförmigen Ende. 

Von der bogenförmigen Leiste verläuft die Membran nach innen 
zur Lumina cribriformis, umkleidet dieselbe, bildet dann, nachdem 
sie sich an der vorderen Kante der Lumina cribriformis unter einem 
rechten Winkel umgebogen hat und eine Strecke nach vorne und 
aussen verlaufen ist, abermals eine scharfe Knickung nach innen und 
hinten, und schlägt sich dann an die innersten Gebilde des Kau- 
magens, indem sie die Lamina bacillaris in sich einschliesst, dann 
eine wulstförmige Faltung bildet und den Lapis Oniscorum umhüllt ; 
nach oben aber in den knieförmig geknickten stielförmigen Furtsatz 
übergeht, nach unten frei zipfelförmig endigt. 

Was den Zweck des Organes anbelangt, welches ich als Kau- 
magen beschrieben habe, so ist er durchaus kein anderer, als die 
feinere Zerreibung der von den Kieferpaaren grob zerkleinerten 
Nahrungsgegenstände zu bewerkstelligen. 

Gelangt ein Nahrungsgegenstand durch den Ösophagus in den 
Kaumagen , so kömmt er zunächst an die hintere Wand des festen 
Kaumagengerüstes zwischen die Planities herpetolithaeformis 



312 schob i. 

und die vordere mit Chitinborsten besetzte Fläche des kolbigen 
Hohllappens. 

Diese beiden Gebilde bilden den ersten Reibapparat, indem sich 
die beborstete Fläche des Lappens parallel zur Planities herpeto- 
lithaeformis verschiebt und auf diese Weise dazwischen gelegene 
zarte Gegenstände zerreibt. 

Ein zweiter Reibapparat wird durch die Planities reticulata 
und den Discus coshdatns gebildet, die sich auf ähnliche Weise 
gegen einander reiben und die weiter nach aussen und unten gelangten 
Nahrungsgegenstände zwischen sich aufnehmen. 

Den dritten Reibapparat bildet die Lamina cribriformis mit der 
Lamina bacillaris, welche in natürlicher Lage parallel zu einander 
liegen und zwischen sich den Nahrungsmitteln den Durchgang 
gestatten. Die Reibung geschieht indem sich die am leicht beweg- 
lichen Centralgebilde befestigte Lamina bacillaris gegen die unbe- 
weglich mit den Kalkleisten und somit auch mit dem Gerüste ver- 
bundene Lamina cribriformis bewegt. 

Einen vierten und letzten Reibapparat bildet der Lapis Onis- 
corum sagittaeformis mit dem ihn berührenden steifen Kaumagen- 
deckel. 

Ich habe zwischen den Platten der einzelnen Reibapparate häufig 
vegetabilische Substanzen, besonders Moosblätter und zarte Wurzeln 
angetroffen und auch bei lebendig geöffneten Thieren eine fast stete 
Reweglichkeit des Centralgebildes des Kaumagens, die durch beson- 
dere Muskeln, welche sich am oberen, stielförmigen, geknickten 
Ende desselben inseriren , bewirkt wird , wahrgenommen. Von 
einer Aufsaugung der Nahrungssäfte in diesem Organe kann wegen 
der Stärke und Starrheit der Chitinhautwandungen nicht die Rede sein. 

Treviranus scheint das ganze Organ übersehen zu haben, 
und erwähnt es gar nicht. 

Brandt (in der medizin. Zool. II. Band, pag. 74 , Taf. XV, 
Fig. 41 und 42) nennt dieses Organ ersten Magen und hält es für 
knorpelig häutig. 

Leydig (in Müller's Archiv , J. 1855, Heft 5 , pag. 444 : 
„Zum feinern Bau der Arthropoden") erwähnt dieses Organes 
gleichfalls ohne es zu beschreiben. Er erwähnt nur, es bestehe aus 
zwei seitlichen Bogen und einem stilettförmigen Zahn, welcher letz- 
tere ohne Zweifel mit meinem Lapis Oniscorum identisch sein dürfte. 



Typhloniscus. 313 



Topographische Anatomie der landhöhle. 

Hat man das Thier mit dem Rücken an das Secirbrettchen fest- 
geheftet, und betrachtet den Kopf, dessen Unterseite nun nach auf- 
wärts gekehrt ist, so findet man bei der äussern Besichtigung den 
grössten Theil der Mund- oder Kopfhöhle durch das vierte Kiefer- 
paar verschlossen. 

Dasselbe erstreckt sich von der Basis des Kopfes bis in das 
obere Drittheil desselben, und grenzt seitlich an die beiden umge- 
schlagenen Lappen der äusseren harten Kopfbedeckung. In gleicher 
Ebene mit dem vierten, und ohne alle Präparation gleich sichtbar, 
liegt auch das erste Kieferpaar. 

Dieses grenzt nach unten an die vorerwähnten Lappen der 
Kopfbedeckung, nach aussen an die Insertionsstelle der Fühler, nach 
oben an die Oberlippe und nach innen theils an das vierte Kiefer- 
paar, theils bleibt zwischen diesem und jenem ein kleiner Raum, 
durch den man die oberen bezahnten Enden der beiden anderen 
Kieferpaare erblickt. 

Am weitesten nach oben liegt die Oberlippe, unmittelbar in die 
betreffende äussere Kopfbedeckung übergehend. Hebt man das vierte 
Kieferpaar ab, und exarticulirt das erste, so kömmt die zweite Lage 
der Mundwerkzeuge zum Vorschein. Diese besteht aus dem breiten, 
flachen dritten Kieferpaare und dessen Insertionsstellen. 

Schneidet man dieses Kieferpaar mit einem feinen Scalpell an 
seiner Insertionsstelle ab, so kömmt die dritte Lage zum Vorschein. 
Diese besteht aus den beiden Laden des zweiten Kieferpaares, aus 
der Zungenstütze, den beiden Stäbchenpaaren des Kieferzungen- 
gerüstes, und der vordem Fläche des Grundstückes des zweiten 
Kieferpaares. Auch liegt das , die ebengenannten Organe ver- 
knüpfende Bandhäutchen zum grössten Theile in dieser Lage. Exar- 
ticulirt man die äussere Lade des zweiten Kieferpaares aus ihrem 
Grundstück, zerreisst das Bandhäutchen, trennt die innere Lade vom 
obern Stäbchen, exarticulirt dann den Grund der Zunge, um auch 
die Zungenstütze mit Zurücklassung der eigentlichen Zunge weg- 
nehmen zu können, so kömmt man auf die vierte Lage. Diese besteht 
aus der Zunge, den Grundstücken des zweiten Kieferpaares und 



314 Schöbt. 

dem untern Theile der Kieferstützen. Nimmt man endlich noch die 
Zunge weg, so kommt man auf die fünfte und letzte Lage, in welcher 
die langen Fortsätze der Kieferstützen , zwischen und unter ihnen 
der Ösophagus, weiter nach abwärts der Kaumagen und seitlich die 
kräftigen Kaumuskeln des ersten Kieferpaares liegen. 

Verdauungs - Organe. 

Der Darmcanal oder richtiger gesprochen der Verdauungscanal, 
der dem Magen und Dünndarm entspricht, ist vorne unmittelbar 
hinter dem Kaumagen etwas eingeschnürt, hierauf erweitert er sich, 
um sich gegen das Ende wieder zu verschmälern und allmählich in 
den Mastdarm zu übergehen. 

In der verdickten Partie befindet sich oben eine Furche, in 
welcher der vordere Theil des Herzschlauches liegt. 

Die zu meist nach innen gelegene homogene Intima des Darmes 
hängt mit dem Chitingerüste des Kaumagens, und durch dieses mit 
der Intima der Speiseröhre zusammen. 

Auf diese folgt die Epithelialzellenschichte, dann die aus Kreis- 
und Längsmuskeln bestehende Muskelhaut. Eine Serosa konnte ich 
nicht frei abpräpariren, wovon die Schuld theils auf die Kleinheit des 
Objectes, theils auf dieUnvollkommenheit der Instrumente fallen mag. 
Jedenfalls wird sie vorhanden sein, wie sie Leydig bei anderen 
Gattungen der Crustaceen angibt. 

Da Brandt in der medizinischen Zoologie (Bd. II, Taf. XV, 
Fig. 39) eine gute Abbildung des Darmcanals von Oniscus bei gerin- 
ger Vergrösserung gegeben hat, und die histologischen Elemente von 
Leydig in seinem Lehrbuch der Histologie (pag. 332, Fig. 177) 
von derselben Gattung dargestellt worden sind und meine Gattung 
von dem ebenerwähnten in nichts Wesentlichem abweicht, so habe 
ich hievon keine Zeichnung entworfen, um nicht durch unnützes 
Reproduciren von schon bekannten Thatsachen die Zahl der Tafeln 
unnütz zu vermehren. 

Die Lcberschlänche. 

Von den vier Leberschläuchen sind die beiden äusseren viel 
länger. Sie reichen von ihrer Insertionsstelle unterhalb des Kau- 
magens bis zum Postabdomen. Die beiden inneren Schläuche sind 



Typhlontscus. 315 

viel schwächer und um ein Drittheil kürzer. Alle sind einfach walzen- 
förmig und zeigen keine Spur von den spiraligen Windungen, wie 
sie an der Leber von Oniscus, Porcellio und Armadillidium vor- 
kommen. Auch von Farbe ist die Leber viel blasser, als bei den 
ebenerwähnten Gattungen. 

Das Nervensystem. 

Das Nervensystem besteht aus zwei ziemlich grossen Ober- 
schlundganglien, von denen mächtige Nerven in die äusseren Füh- 
ler, und feine Nervenstämmchen nach der Gegend der inneren 
Fühler abgehen. Von den Oberschlundganglien gehen zu beiden 
Seiten des Ösophagus Commissuren nach abwärts, woselbst ich an 
der Basis des Kopfes ein aus zwei vorderen kleineren und zwei 
hinteren grösseren Knoten verschmolzenes Ganglion gesehen habe. 
Von diesem Ganglion sah ich keine Nerven ausgehen. 

Hierauf folgen sechs ziemlich gleiche stets durch zwei parallele 
Nervenstränge verbundene Doppelganglien, von denen sowohl, wie 
auch von den dazwischen liegenden Nervensträngen, Nervenfäden 
ausstrahlen. 

Das letzte Ganglion ist grösser und scheint aus dreien ver- 
schmolzen zu sein, und sendet zahlreiche Nervenfäden nach den 
Seiten und nach hinten. 

Das von Brandt entdeckte Eingeweide -Nervensystem konnte 
ich bei dieser Gattung nicht präpariren. Ohne Zweifel wird es vor- 
handen sein wie bei den übrigen Gattungen der Oniscoiden. 

Circulationsorgane. 

Das Herz bildet einen schmalen Schlauch, welcher unmittelbar 
unter den Bückengürteln, in der Mittellinie des Körpers liegt, und 
sich vom Kopfe bis zum hintern Körperende erstreckt. 

Unmittelbar vor dem sechsten Körpergürtel entspringt aus dem 
Herzschlauche beiderseits ein Blutgefässstamm, welcher sich bald in 
einen vordem, und einen hintern Zweig theilt. Der vordere Zweig 
führt das Blut zu den vorderen und seitlichen Organen, dem vordem 
Theil des Nahrungscanais und der Musculatur. Der hintere zum 
Hintertheil des Nahrungscanais und zu den Genitalien. 



316 Schob I. 

Überdies entspringen noch aus dem Herzschlauche drei schwä- 
chere Blutgefässpaare , die sich fast gerade nach der Richtung der 
Kiemen zu senken scheinen. 

Ich habe das Herz und die eben beschriebenen Anfänge der 
Blutgefässe weder weiter verfolgt, noch genauere Resultate ermit- 
telt, als es schon von Brandt und Anderen geschehen ist, ich ver- 
weise desshalb auch auf ßrandt's Abbildung (in der Med. Zoologie, 
Theil II, Taf. XV). 

Respirationsorgane. 

Taf. VIII. 

Die paarigen Anhänge der Postabdominal -Segmente, mit Aus- 
nahme des letzten, sind theils zu Respirationsorganen, theils zu äus- 
seren Begattungsorganen umgewandelt. 

In den ersten Stadien des Embryolebens unterscheiden sich die 
Anhänge des Postabdomens durch nichts von den übrigen paarigen 
Anhängen, welche später die Fuss- und Kieferpaare liefern. 

Sie bilden cylindrische Fortsätze, welche jedoch nicht einreihig 
wie die Fusspaare, sondern beiderseits in zwei Reihen angeordnet 
stehen, so zwar dass die inneren etwas kleineren von den äusseren 
bedeckt werden. 

Bei Behandlung mit verdünnter Essigsäure zerfallen sie in einen 
Haufen von Zellen oder Furchungskugeln. 

Nach aussen werden sie von einem äusserst feinen, structurlosen 
ausgeschwitzten Häutchen begrenzt 

Aus der äussern Reihe der Fortsätze entwickeln sich beiderseits 
und in beiden Geschlechtern die sogenannten Kiemendeckel. Die inne- 
ren Fortsätze liefern im männlichen Geschlechte am ersten Post- 
abdominalring die Organae jacnlatoria , die ich später beschreiben 
werde, am zweiten die eigentlichen Ruthen nach meiner Deutung, 
und an den drei folgenden die zarten Kiemen. 

Im weiblichen Geschlechte bleiben die inneren Fortsätze der 
zwei ersten Postabdominal -Segmente rudimentär, und liefern die 
Paraclitorides und Clitorides. Die der folgenden drei Segmente sind, 
wie im männlichen Geschlechte, zu Kiemen umgewandelt. 

Was die Kiemendeckel anbelangt, so werden sie als luftath- 
inende Organe bezeichnet, und bestehen aus zwei selbstständigeu 



Typhloniscus. 3 1 T 

Stücken aus den eigentlichen Kiemendeckeln, und dann aus schmalen 
queren Platten, an denen die ersteren festgeheftet sind, und die man 
bis jetzt übersehen zu haben scheint. 

Ich nenne diese Gebilde Basalplatten. 



Die Basalplatteu. 

Taf. VIII, Fig. 1 und 6 a, Fig. 2 — 5 und 7 — 10 b. 

Am ersten Postabdominal-Segmente im männlichen Geschlechte 
sind die Basalplatten zu einer einzigen Platte verschmolzen, die an 
den Seiten zweilappig erscheint, und nebst den Kiemendeckeln die 
Organa ejaculatoria , aber keine Kiemen trägt. 

Am zweiten männlichen Postabdominal-Segmente sind die beiden 
Basalplatten von einander getrennt, und umfassen mit ihrem innern 
Ende gabelförmig den Grund der eigentlichen Buthen. 

Am ersten weiblichen Postabdominal-Segmente sind sie gleich- 
falls getrennt, nach aussen fast zweilappig, am innern Ende besitzen 
sie einen rudimentären Fortsatz, der das Äquivalent der männlichen 
Organa ejaculatoria bildet und den ich Paraclitoris nenne. 

Am zweiten weiblichen Postabdominal-Segmente sind sie eben- 
falls getrennt und umfassen mit ihrem innern Ende einen zapfen- 
fbrmigen, zusammengedrückten Körper, das rudimentäre Analogon 
der eigentlichen Buthe des männlichen Geschlechts , oder die Clitoris 
nach meiner Deutung. 

Alle bis jetzt beschriebenen Basalplatten tragen zwar Kiemen- 
deckel, unter denselben jedoch keine Kiemen. 

An den folgenden drei Postabdominal - Segmenten beider 
Geschlechter sind die Basalplatten zwar von einander getrennt, hän- 
gen aber sowohl mit ihrem äussern, als mit dem innern Ende, mit 
den Bauchschienen zusammen. Das äussere Ende ist rhomboidal 
erweitert , das innere besitzt einen zapfenförmigen 'Fortsatz nach 
abwärts. 

Die äussere rhomboidale Erweiterung theilt sich nach abwärts 
in zwei Lamellen , welche den Kiemendeckel umfassen. Ausser den 
Kieniendeckeln sind an jeder von diesen Basalplatten auch noch wahre 
Kiemenblätter befestigt, welche von den früher erwähnten Deckeln 
bedeckt, und geschützt werden. 

Sil/.b. d. matheni.-natiuw. CI. XL. Bd. Nr. 9. 22 



318 S c h ö b I. 

Am äussern erweiterten Ende dieser Basalplatten gewahrt man 
einen hellen Fleck , der einer Öffnung täuschend ähnlich sieht. 
Genauere Untersuchungen haben mich jedoch bestimmt, ihn für die 
Insertionsstelle eines Muskels zu halten, welcher von hier schief 
nach unten und aussen, zum Rande des Kiemendeckels verläuft. 
Sämmtliche Basalplatten sind hohl, und man trifft in ihnen so wie in 
den Kiemendeckeln Blutkörperchen an. 

Die eigentlichen Kiemendeckel. 
Taf. VIII, Fig. 1 und 6 b, Fig. 2 — 5 und 7 - 10 c. 

Die Kiemendeckel bilden bald mehr in die Länge, bald mehr in 
die Breite entwickelte, rundlich dreieckige Platten, deren obere 
Kante nur wenig gekrümmt und den Basalplatten zugekehrt ist. Die 
innere Kante ist geradlinig, die äussere ist am meisten bogenförmig 
gekrümmt und mit 2 — 7 Chitinborsten besetzt. 

Eine Öffnung, welche Leydig an der Unterseite gesehen zu 
haben glaubt (dessen Histologie, pag. 397 und zum feinern Bau der 
Arthropoden in Müller's Archiv, 1855, Heft V, pag. 458), habe ich 
mit voller Bestimmtheit gesehen. Sie liegt an der hintern Fläche in 
der Mitte, unterhalb der obern Kante, mündet jedoch meiner Ansicht 
nach nicht nach aussen, wie Leydig meint, sondern sie vermittelt 
eine Communication des Kiemendeckels mit der betreffenden Basal- 
plalte. 

Mir ist es nie gelungen bei unverletztem Präparate und vor- 
sichtiger Behandlung ein Luftbläschen aus dem Kiemendeckel durch 
die obenerwähnte Öffnung direct nach aussen zu treiben, wohl aber 
in die Basalplatte. Was den Bau der Kiemendeckel anbelangt, so 
bestehen sie aus zwei Lamellen. Die hintere dem Körper zugekehrte 
Lamelle ist, besonders nach innen zu, mit polygonalen Gruppen klei- 
ner Kalkconcremente besetzt, zwischen denen ein feines, helles, 
polygonales Netzwerk übrig bleibt. Die ganze Lamelle ist durch diese 
abgelagerten Kalksalze starr und zerbrechlich, fast spröde. Die vor- 
dere Lamelle ist äusserst fein und zart, zeigt nie eine Spur von 
Kalkablagerung, sondern stellt immer ein homogenes Chitinhäutchen 
dar, welches jedoch bei manchen Gattungen z. B. Oniscus radiär 
gefaltet ist , und dadurch den Blutkügelchen bestimmte Bahnen 
vorschreibt. 



Typhloniscus. 319 

Bei einigen Gattungen der Oniscoiden, Porcellio nämlich, und 
Armadillidium , kommen an der obern Kante zwischen den beiden 
Lamellen der Kiemendeckel eigenthümlich verzweigte Röhren vor, 
welche dem blossen Auge als kreideweisser Fleck erscheinen. 

Duvernoy und Lereboullet haben diese kreideweissen 
Flecke für schwammige Apparate erklärt, welche die Feuchtigkeit 
der Luft absorbiren sollten. Von Siebold hat jedoch schon nachge- 
wiesen (Müller's Archiv 1842, CXLI. Anm.I), dass die kreideweisse 
Färbung jener Flecken von fein zertheilter Luft herrührt. 

Ich halte diese Röhren nicht für zur Athmung wesentliche 
Organe, weil sie nur bei den obenerwähnten Gattungen vorkommen, 
und den Gattungen Oniscus, Ligidium, Trichoniscus , Typhlo- 
niscus gänzlich mangeln; ja selbst bei den zwei Gattungen, bei 
denen sie vorkommen, blos auf die ersten zwei Kiemendeckelpaare 
beschränkt sind. 

Was die Formverschiedenheiten der einzelnen Kiemendeckel- 
paare unter einander, so wie der männlichen und weiblichen anbe- 
langt, so will ich mich nicht in eine langweilige Beschreibung der- 
selben einlassen, und verweise lieber auf die Abbildungen (Taf. VIII). 

Die Kiemen. 

Taf. VIII, Fig. 3—5 und 8—10 d. 

Die Kiemen bilden zusammengedrückte rundlich viereckige 
Taschen, deren Wandungen von einem äusserst zarten, homogenen 
Häutchen gebildet werden. 

Sie sind an den früher beschriebenen Basalplatten angeheftet, 
und erreichen bei weitem nicht die Grösse der Kiemendeckel, von 
denen sie bedeckt werden. 

Bei Behandlung mit verdünnter Essigsäure treten scharfbegrenzte 
dunkle Zellkerne hervor. Zwischen diesen Zellkernen , an deren 
Stelle die beiden Lamellen verbunden zu sein scheinen, bleibt ein 
weites Lückenwerk übrig, in dem die Blutkörperchen kreisen. 



320 s c h ö b 



Nännliche Geschlechtsorgane. 

Die Hoden. 

Die Hoden liegen zu beiden Seiten des Darmcanals, und 
erstrecken sich vom ersten Postabdominal- Segmente fast bis zum 
Kopfe. 

Die Hauptmasse eines jeden Hodens besteht aus einem kreide- 
weissen, oben und unten zusammengeschnürten Schlauche, in den 
oben und innen drei kleinere spindelförmige Schlauche einmünden, 
und der unten hinter der eingeschnürten Stelle in das Vas deferens 
übergeht. 

Das Vas deferens ist ein dickwandiger, spindelfürmigerSchlauch, 
der sich nach abwärts beständig verschmälert. Die Vasa deferentia 
beider Seiten münden in die Vesicula seminalis. 

Im Frühjahre findet man das Lumen des Hodenschlauches sowohl 
als des Vas deferens mit langen haarförmigenSpermatozoiden ange- 
füllt, während man um die Spermatozoidenmasse herum im Hoden- 
schlauche grosse kernhaltige Zellen wahrnimmt, die, je weiter sie 
nach abwärts gelangen, eine um so grössere Neigung zum Zerfallen 
besitzen, so zwar, dass man in den Partien des Hodenschlauches und 
im obern Theile des Vas deferens nur mehr Kerne oder Kernrudi- 
mente wahrnimmt, die in einer körnigen Grundsubstanz herum- 
schwimmen. 

Die spindelförmigen Nebenschläuche des Hodens sind mit klei- 
nen Zellen vollgepfropft. 

Die männlichen Begattungsorganc. 

Taf. IX. 

Die Vasa deferentia beider Seiten nähern sich einander in der 
Gegend des ersten Postabdominal-Gürtels, durchbohren denselben und 
münden in einen spindelförmigen Chitinschlauch, welcher nach vorne 
von einem steiferen Chitinplättchen bedeckt wird, und den ich für 
das Samenbläschen halte. Zur Begattungszeit, am Ende des Monates 
April und im Mai fand ich diesen Schlauch mit Spermatozoiden und 
dem schon früher beschriebenen Zellendetritus angefüllt. Etwas von 



Typhloniscus. 321 

dem untern Ende besitzt das Samenbläschen beiderseits eine spalt- 
förmige Öffnung. 

Zu beiden Seiten des Samenbläschens befinden sich an der 
Basalplatte des ersten männlichen Postabdominal-Segmentes längliche, 
plattgedrückte Organe, die mit breiter Basis an der Basalplatte fest- 
geheftet sind, und sich gegen die etwas nach aussen gekrümmte 
Spitze beständig verschmälern. 

Diese Organe wurden bis jetzt von allen Autoren als Ruthen 
beschrieben. Ich will vorerst diese Gebilde etwas genauer beschrei- 
ben, und dann die Gründe auseinandersetzen, die mich bewogen 
haben, sie, im Gegensatze zu allen meinen Vorgängern, nicht 
für Ruthen zu halten , und ihnen eine andere Bedeutung zuzu- 
weisen. 

Wie schon erwähnt wurde, sind diese Organe (Taf. VIII, 
Fig. 1 d und Tafel IX, Fig. 1 d) mit breiter Basis an die betref- 
fenden Basalplatten festgewachsen, und werden in den oberen 
Partien von den in diesem Segmente uneigentlich so genannten 
Kiemendeckeln bedeckt (Taf. VIII, Fig. 1). 

Ein ziemlich kräftiger Muskel verläuft von der obern Kante 
der Basalkante schief nach unten und aussen zum Grunde des Orga- 
nes der betreffenden Seite, und bewirkt durch seine Zusammenzie- 
hung eine Annäherung dieser beiden Organe in der Mittellinie gegen 
das Samenbläschen. Die Innenkante eines jeden dieser Organe ver- 
läuft in den oberen zwei Drittheilen flach bogenförmig, mit der Con- 
cavität gegen das Samenbläschen gekehrt, im untern Drittheile 
bildet sie einen stumpfen Winkel und verläuft geradlinig nach unten 
und aussen. Die Aussenkante bildet eine leicht geschweifte Wellen- 
linie, ist oben convex, unten concav. Die Spitze des Organes ist 
schief von innen und oben, nach aussen und unten abgestutzt, und 
mit zwei bis drei sehr kleinen Chitingriffeln besetzt. 

Auf der Innenkante im mittleren Drittheile glaube ich eine spalt- 
förmige Öffnung (Taf. IX, Fig. 1 k} gesehen zu haben, welche in 
natürlicher Lage des Organes auf die Öffnung des Samenbläschens 
zu liegen kömmt und sie gleichsam umfasst. An der hintern, dem 
Körper zugewandten Wandung dieser Organe befindet sich eine 
feste Chitinleiste, welche oben vom Aussenrande entspringt, bogen- 
förmig bis gegen die Mitte zu zum Innenrande verläuft, daselbst 
plötzlich anschwillt, hierauf noch eine kleine Strecke gegen den 



322 s c h ö 1. i. 

Innenrand zu fortläuft, um dann unter einem stumpfen Winkel sich 
beständig verschmälernd bis zur Spitze der Organe zu verlaufen 
(Taf. IX, Fig. 1 h). 

In der vorderen Wand dagegen befindet sich eine Region, 
welche oben mit breiter Basis beginnt, sich nach abwärts beständig 
verschmälert und im untern Drittheil spiralförmig von oben und 
aussen, nach unten und innen verläuft, und welche von einem viel 
zarteren und nachgiebigeren Chitinhäutchen gebildet wird, als die 
übrige Wand der Organe (Taf. IX, Fig. 1 i). 

Bei dem Zuge gewisser Muskeln faltet sich durch den Druck der 
Präparirnadel das feine Häutchen dieser Region so, dass die Ränder 
der festeren Wandungen sich berühren, und die ebenerwähnte Region, 
namentlich in den unteren Partien , gänzlich verschwindet, wodurch 
das Lumen des ganzen Organes bedeutend verengert wird, und 
etwa darin befindliche Gegenstände auf diese Weise heraus getrie- 
ben werden können. 

Im Innern der Organe befindet sich ein kräftiger fächerför- 
miger Muskel , der vom innern Basalwinkel entspringt, und sich mit 
seiner fächerförmigen Ausbreitung im obern Drittheile der Aussen- 
kante inserirt (Taf. IX, Fig. 1 /). 

Die Contractionen dieses Muskels bewirken das früher beschrie- 
bene Manöver mit der zarteren Region der vordem Wand. Man 
könnte ihn Musculus ejaculator senrinis nennen. Noch ein Längs- 
muskel verläuft von der Basis bis ungefähr zur Mitte , und bewirkt, 
meiner Ansicht nach, eine schwache Beugung der Spitze des Orga- 
nes nach vorne, oder in natürlicher Lage des Thieres nach abwärts 
(Taf. IX, Fig. 1 g). 

Was nun die Gründe anbelangt, die mich bestimmen, diese 
Organe nicht für Ruthen zu halten, so sind sie folgende: Die weib- 
lichen Geschlechtsöffnungen, welche ich entdeckt habe, sind so 
beschaffen, dass diese Gebilde durchaus nicht in dieselben eingeführt 
werden können, indem sie selbst an der Spitze einen grössern 
Durchmesser besitzen, als die sehr feine weibliche Geschlechtsöff- 
nung selbst. Aus der Lage der weiblichen Geschlechtsöffnung geht 
ferner hervor, dass besagte Organe denselben nicht einmal ange- 
nähert werden können. Die weiblichen Geschlechtsöffnungen liegen 
an den Seiten des fünften Bauchgürtels neben der Einlenkungsstelle 
der Füsse. Nun ist man aber durchaus nicht im Stande, diese söge- 



Typhloniscus. 323 

nannten Ruthen ohne Anwendung von Gewalt und Continuitätsstörung 
so weit auseinander zu bringen, als die weiblichen Geschlechtsöff- 
nungen von einander entfernt liegen. Es wäre sinnlos anzunehmen, 
dass beide Ruthen zugleich erst der einen, und hierauf der zweiten 
Geschlechtsöffnung genähert würden. Wäre dies der Fall, so würde 
die Natur gewiss den einfacheren Weg eingeschlagen haben, und 
hätte blos eine Ruthe in der Medianlinie gebildet. Da sich enlichd 
im männlichen Geschlechte am zweiten Gürtel des Postabdomen 
Organe befinden, die alle diese Mängel nicht besitzen, und allen 
Anforderungen als Ruthen völlig entsprechen, so wäre es im höchsten 
Grade naturwidrig, jene Organe am ersten Postabdominalring gewalt- 
samer Weise gegen jede naturgemässe Einsicht zu Ruthen stempeln 
zu wollen. 

Da nun diese Organe meiner Theorie nach keine Ruthen sind, 
dennoch aber Spermatozoiden enthalten, und selbe durch einen 
eigenen Muskel nach aussen zu befördern im Stande sind; so ent- 
sprechen sie offenbar dem Ductus ejaculatorius anderer Thiere. 
Nur besitzen sie einen viel complicirteren Rau , als es beim Ductus 
ejaculatorius gewöhnlich der Fall ist, und sind zu selbstständigen 
Organen umgewandelt worden; desshalb glaube ich auch, sie füglich 
nicht Ductus ejaculatorii nennen zu können, sondern lege ihnen 
den Namen Organa ejaculatoria seminis bei. 

Die wesentlichen Bestandtheile dieser Organe stimmen bei den 
übrigen Gattungen mit den hier abgebildeten und beschriebenen des 
Typhloniscus vollkommen überein. 

Einige Modifikationen in Bezug auf Form und relative Längen- 
verhältnisse will ich gegenwärtig unberücksichtigt lassen. Tre- 
viranus (in seinen vermischten Schriften, I. Band , 5. Abtheilung) 
beschreibt diese Organe als Ruthen und sagt von ihnen, sie wären 
kurz, und zwischen dem ersten dreiseitigen Schuppenpaare gelagert. 

Rrandt (in der medizinischen Zoologie) so wie alle anderen 
Schriftsteller beschreiben diese Organe gleichfalls als wahre Ruthen, 
wie ich schon früher erwähnt habe. 

Die eigentliche Ruthe nach meiner Deutung. 

(Leiter der Ruthe nach Treyiranus, secundäre oder Neben- 
ruthe, oder Hilfsorgan bei der Begattung, nach Brandt und den 



324 



8 c h ö b I. 



übrigen Schriftstellern.) Die eigentliche Ruthe zeigt einen nicht 
minder complicirten Bau, als die eben beschriebenen Samenaus- 
spritzungsorgane. Ein ganzes System eigener Muskeln vermittelt 
ihre sehr freie Beweglichkeit. Die Basalplatte, mittelst derer die 
Ruthe am zweiten Postabdominalring befestigt ist, unterschiedet sich 
von denen des ersten Ringes schon dadurch, dass sie in der Mitte 
nicht verschmolzen sind. Sie tragen gleichfalls Kiemendeckel, unter 
deren je einem sich eine Ruthe befindet. 

Diese Platten besitzen an ihrem innern Ende einen nach ab- 
wärts gerichteten Fortsatz, welcher das Grundstück der Ruthe um- 
fasst, so dass sich dieses wie in einem Winkelgelenke bewegen 
kann. 

An einem zahnförmigen Vorsprung (Fig. 2 c) des inneren 
obern Winkels dieser Platte befestigt sich ein Muskel, dessen Zug 
die eben beschriebenen unteren Fortsätze beider Seiten einander 
nähert. Ein anderer Muskel verläuft schief zur Insertionsstelle des 
Deckelstückes, und ein dritter, weniger schiefer, von demselben 
Ursprung zum untern Rande der Platte. 

Das Grund- oder Basilarstück der Ruthe bildet einen ab- 
gestutzten Kegel, an dessen abgestutzter Spitze der eigentliche 
Ruthenkörper gelenkig eingefügt ist. Das obere Ende wird zum 
Theile von dem Fortsatz der Basalplatte umfasst, zum Theile liegt 
es hinter der Platte selbst. Fig. 2 d. 

An der äussern Kante inserirt sich ein kräftiger, von innen 
schief nach aussen verlaufender Muskel, der den obern Theil des 
Grundstückes nach innen bewegt, und da sich derDrehungspunkt des 
Grundstückes unterhalb der Insertion befindet, so muss der untere 
Theil des Grundstückes, so wie der damit verbundene Ruthenkörper 
nach aussen bewegt werden. Ich nenne diese Muskeln Musculi 
directores penis, Fig. 2 f. Man kann diese Bewegung auch künstlich 
mit der Präparirnadel hervorbringen, und sie erfolgt oft schon nach 
dem geringsten Reize von selbst, und zwar in dem Grade, dass die 
Spitzen der Ruthenkörper eben so weit von einander entfernt wer- 
den, als die Distanz der beiden weiblichen Geschlechtsöffnungen 
beträgt. 

Ein anderer Muskel liegt im Grundstücke der Penis ein- 
geschlossen, entspringt am obern Theil der äussern Kante und 
befestigt sich an die Basis des Ruthenkörpers. Er hat wahrscheinlich 



Typ/ilonisc US, 325 

den Zweck , den gegen das Grundstück gebeugten Ruthenkörper 
zu strecken. Der Ruthenkörper besteht aus einer lang- und feinzu- 
gespitzten, nach aussen offenen Hohlrinne (Fig. 2 e). 

Es wird nun offenbar die Samenmasse aus den Samenaus- 
spritzungsorganen in diese Hohlrinne gelangen, und durch diese in 
die weiblichen Geschlechtsöffnungen eingeführt werden. 

Es ist auch dieser rinnenförmige Ruthenkörper, sowohl ver- 
möge seiner feinen Endigung, als auch wegen des Umstand.es, dass 
er mit Leichtigkeit aus seiner Lage gebracht, und in die weiblichen 
Organe eingeführt werden kann, vollkommen zu diesem Zwecke 
der Übertragung des Samens geeignet. 

Auch wäre es unbegreiflich , wie diese Organe der altern Auf- 
fassung zu Folge als Hilfsorgane bei der Regattung dienen. Etwa 
um das Weibchen festzuhalten? oder um die viel stärkere und un- 
beweglichere sogenannte Ruthe zu leiten? 

Und wozu endlich wäre die Rinne? Denselben Zweck hätte die 
Natur mit einem soliden Körper erreicht. 

Ich glaube aus dem Bau dieser Organe so wie aus der Be- 
schaffenheit und Lage der weiblichen Geschlechtsöffnungen genug 
deutlich nachgewiesen zu haben, dass meine Deutung dieser Organe 
die richtige sei. Eine weitere Ausbreitung über diesen Gegenstand 
halte ich für überflüssig. 

Weibliche Geschlechtsorgane. 

Tafel X. 
Die Ovarien (Taf. X, Fig. 1 o). 

Die Ovarien bilden zu beiden Seiten des Darmcanals liegende 
Schläuche, welche sich vom Postabdomen bis zum Kopfe erstrecken. 
Ausser schon fertigen, von einer homogenen Cuticula begrenzten 
Eichen, findet man in denselben auch Keimbläschen , erst von einem 
Hofe von Dottermolecülen umgeben. Die ganzen Ovarien besitzen 
von den Eichen eine blassgelbe Farbe. 

Etwas hinter der Hälfte bildet die Hülle eines jeden Eierstockes 
an der Aussenseite eine Verlängerung, die sich nach abwärts begibt 
und an die Innenfläche des fünften Bauchgürtels festheftet; so zwar 
dass ein schmaler zartwandiger Canal von der Bauchschiene bis in 



326 s c h ö i, i. 

den Eierstock gebildet wird. Am Grunde dieses Ganges liegt die 
weibliche Geschlechtsöffnung und in demselben ein Chitinschlauch, 
das Receptaculum seminis. 

Die äussere weibliehe Geschlechtsöffnung (Taf. X, Fig. 2 a). 

Ich habe die weibliche Geschlechtsöffnung erst im heurigen 
Jahre entdeckt, obzwar ich schon seit Jahren ihre beiläufige Lage 
vermuthet habe. Die weibliche Geschlechtsöffnung ist doppelt, und 
liegt am fünften Körpergürtel von der Einlenkungsstelle des Fusses 
etwas nach innen. Die Öffnung selbst ist äusserst fein, länglich ellip- 
tisch, und oft unter der bogenförmigen Kante, die sich in dieser 
Gegend an der Bauchschiene befindet, versteckt. 

Durch die weibliche Geschlechtsöffnung gelangt man in einen 
Chitinschlauch. Dieser ist 

Das Receptaculum seminis (Taf. X, Fig. i f; Fig. 3). 

Das Receptaculum bildet eine Einstülpung der allgemeinen 
Körperbedeckung in die Leibeshöhle. An der Basis unmittelbar hinter 
der Geschlechtsöffnung ist das Receptaculum sehr dickwandig, 
weiterhin übergeht es in einen zartwandigen homogenen Chitin- 
schlauch, an dem sich zur Zeit der Begattung keine Öffnung nach- 
weisen lässt. Im Monate April fand ich das Receptaculum bei einigen, 
im Monate Mai bei allen Weibchen mit Spermatozoiden gefüllt. 



Typhloniscut, 327 



Erklärung der Tafeln. 



Tafel I. 

Schwach vergrösserte Abbildung des Typhloniscus, um die Körperumrisse, 
Farbe und Sculptur des Thieres zu zeigen. Vergrösserung 25 Mal lin. 

Tafel II. 

Bedeutend vergrösserte Darstellung der charakteristischen Gattungs- 
merkmale von Typhloniscus. 

Fig. 1. Der Kopf von unten bei auffallendem Lichte betrachtet, um die bei- 
den seitlichen Stirnfortsätze, an denen die ersten zwei Fehlerglieder 
gelassen sind, dann die mittlere convexe Stirnpartie mit ihrer eigen- 
tümlichen papillösenBekleidung; dann die inneren Fehler, und end- 
lich die Mundtheile in völlig natürlicher Lage zu zeigen, 100 Mal lin. 
vergrössert. 
„ 2. Rechte äussere Artenne iOO Mal lin. vergrössert. 
„ 3. Hinteres Körperende, von oben die beiden letzten Segmente des 
Postabdomen und die beiden Paare der sogenannten Schwanzanhänge 
in ihrem relativen Grössenverhältnisse und mit ihrer Sculptur oder 
Bekleidung 100 Mal lin. vergrössert. 

Tafel III. 

Mundtheile von Typhloniscus nach Wegnahme der Oberlippe und des 
ersten Kieferpaares. Das vierte Kieferpaar ist nach abwärts zurückgeschla- 
gen, das zweite und dritte Kieferpaar sind etwas weniges auseinander präparirt. 
Vergrösserung 180 Mal lin. 

1. Die Zungenstütze (Fulcrum ligulare). Der wichtigste in der Mittel- 
linie gelegene Theil des Kieferzungengerüstes. 

a das erste oder obere Fortsatzpaar und b das zweite oder untere 
Fortsatzpaar der Zungenstütze. 

2. Die Kieferstützen oder die beiden seitlichen Platten des Kieferzungen- 
gerüstes. 

a der längste, b der mittlere, c der kürzeste Fortsatz derselben. 

3. Das erste Paar der zum Kieferzungengerüste gehörigen kleinen Chitin- 
stäbchen. 

4. Das zweite Stäbchenpaar. 

5. Die Zunge. 

6. Die äussere Lade. 



328 seh ö h i. 

7. Die innere Lade und 

8. das Grundstück des zweiten Kieferpaares. 

9. Das dritte Kieferpaar. 
10. Das vierte Kieferpaar. 

Tafel IV. 

Die vier Kieferpaare und die Oberlippe isolirt dargestellt. Vergrösserung 
180 Mal lin. 

Fig. J. Die Oberlippe. 
„ 2. Das erste Kieferpaar. Rechter Kiefer (in natürlicher Lage des 

Thieres) von unten betrachtet. 
„ 3. Derselbe Kiefer von innen betrachtet, um die Bezahnung zu zeigen. 
„ 4. Linker erster Kiefer, von innen gesehen. 
„ 5. Das zweite Kieferpaar. Die rechte Hälfte desselben. 

a die äussere, b die innere Lade, c das Grundstück, d die 
Kieferstütze. 
„ 6. Das dritte Kieferpaar. Rechte Hälfte. 
„ 7. Das vierte Kieferpaar. Rechte Hälfte. 

a Grundplatte, b Kaustück, c Lateralplatte, d Prosternalplatte. 

Tafel V. 

Die Oberlippe, die Zunge, die Chitinmembran des Oesophagus (Intima) und 
der Kaumagen'von vorne oder unten betrachtet. Vergrösserung 250 Mal lin. 

1. Die Oberlippe. 

2. Die Zunge. 

3. Intima Oesophagi. 

4. Der Kauinagen. 

Tafel VI. 

Der Kaumagen nach Wegpräparirung der Serosa und Mnscularis von 
hinten oder oben betrachtet. Vergrösserung 30 Mal lin. 

1. Das feste Kaumagengerüste. 

2. Die seitlichen Lappen des Kaumagens. 

a die äussere starke, b die bogenförmig gekrümmte Leiste. 

3. Die mit Kalk unpräparirten bogenförmigen Leisten des Kaumagens. 

4. Der Kaumagendeckel. 

5. Lapis Oniseorum sagitlaeformis. 

6. Lumina bacillaris. 

7. Lamina cribriformis. 

8. Planities herpetolithaeformis. 

9. Ein Theil der Intima Oesophagi nach oben schief durchschnitten, imi 
ihren Querschnitt zu zeigen. 

Tafel VII. 

Bestandtheile des Kaumagens, 350 Mal vergrössert. 
Fig. 1. Ein Theil des Kaumagens von oben betrachtet nach Wegnahme des 
Kaumagendeckels und der ihn bedeckenden Chitinmembran und nach 
Zurückschlagung des seitlichen Lappens (bj. 



Typhloniscus. 329 

a festes Kaumagengerüste, a. innerer, ß äusserer Fortsatz des- 
selben, b seitlicher Lappen des Kauinagens, c mit Kalk im- 
prägnirfe Leisten des Kauniagens, d Lapis Oniseorum sagittae- 
formis, e Lainina bacillaris, f Lamina cribriformis, g Planities 
herpetolithaeformis, h Planities reticulata, i Discus costulatus, 
k umgeschlagener mit Chitinborsien besetzter Rand des festen 
Kaumagengerüstes. 

Fig. 2. Planities cribriformis. Aus der sie umhüllenden Chitinhaut-Dupli- 
catur herauspriiparirt. 

„ 3. Lamina bacillaris isolirt. 

„ 4. Lapis oniseorum isolirt und bei durchfallendem Lichte betrachtet. 

Tafel VIII. 

Anhänge der fünf Poslabdominal-Segmente beider Geschlechter, 30 Mal 
vergrössert. 1 — 5 die männlichen, 6 — 10 die weiblichen zu Respirations- und 
theihveise zu Begattungsorganen modificirten Anhänge der oben genannten 
Ringe. 

Fig. 1. Anhänge des ersten Postabdominal-Segmentes. 

a Basilarplatte, b Deckplatte, c Vesicula seminales, d Organa 
ejaculatoria seminis. 
„ 2. Anhänge des zweiten Postabdominal-Ringes beim Männchen. 

a Theile der Bauchschiene, b Basilarplatten , c Deckplatten, 
d Grundstück der Ruthe, e Ruthenkörper. 
„ 3. Anhänge des dritten männlichen Postabdominal-Ringes. 

a Bauchschiene, b Basilarplatte, c Deckplatte, d Kieme. 
„ 4. Anhänge des vierten und 

„ li. Anhänge des fünften männlichen Postabdominal-Segmentes. Bedeu- 
tung der Buchstaben wie bei Fig. 3. 
„ 6. Anhänge des ersten weiblichen Segmentes. 

a Basilarplatte, b Deckplatte. 
„ 7. Anhänge des zweiten weiblichen Postabdominal-Segmentes. 
a Bauchschiene, b Basilarplatte, c Clitoris, d Deckplatte. 
„ 8. Anhäne des dritten weiblichen Segmentes. 

a Bauchschiene, b Basilarplatte, e Deckplatte, d Kieme. 
„ 9. Anhänge des vierten und 

„ 10. Anhänge des fünften weiblichen Postabdominal-Segmentes. 
Bedeutung der Buchstaben wie bei Fig. 8. 

Tafel IX. 

Die männlichen Begattungsorgane 1U0 Mal vergrössert. 
Fig. i. Die Organa ejaculatoria sammt dem Samenbläschen. 

a Basalplatten des ersten Postabdominal-Segmentes, /; abge- 
schnittene Enden der Vasa deferentia, c das Samenbläs- 
chen, d Organa ejaculatoria, e ein Muskel, der schief von 
der Basalplatte zum Grunde der betreifenden Organe verläuft. 



330 Schöbl. Typhloniscus. 

f ein fächerförmiger Muskel, der die Verengerung des Lumens 
dieser Organe bewirkt, g ein dritter Muskel, h eine spiralig 
verlaufende zartwand igere Region. 
Fig. 2. Die eigentlichen Ruthen sammt ihren Muskeln. 

a Ein Theil der Bauchschiene, 6 die Basalplatten des zweiten 
Poslabdominalsegmentes, c ein das Grundstück der Ruthe 
umfassender Fortsatz der Basalplatte , d Grundstück der 
Ruthe, e Ruthenkörper, f ein Muskel der die Abduction 
der Ruthe bewirkt, g ein von der Basalplatte schief zur 
Insertionsstelle des Kiemendeckels verlaufender Muskel, h ein 
am Grundstück der Ruthe eingeschlossener, zum Ruthen- 
körper verlaufender Muskel, i ein von der Bauchschiene 
zur Basalplatte verlaufender Muskel. 

Tafel X. 

Weibliche Geschlechtsorgane. 

Fig. 1. Die beiden Ovarien mit den Eileitern und Receptacula seminis im 
Zusammenhange mit dem fünften Körpergürtel, von oben betrachtet. 
a Ovarien, b eine ligamentartige Fortsetzung der Membran, 
c die Bauchschiene des fünften Körpergürtels, d Eileiter, 
e Receptacuhtm seminis, f unterer dickwandiger Theil des- 
selben. 
„ 2. Die halbe Bauchschiene des fünften Körpergürtels. 

a äussere weibliche Geschlechtsöffnung , b Öffnung für den Fuss, 
c eine bogenförmig verlaufende Kante. 
„ 3. Receptaeulum seminis. 

a oberer dünnwandiger, b unterer dickwandiger Theil desselben. 
Im inneren Spermatozoiden. 



Schöbl. Tvphlontscus 



Taf.l. 




Sil/.uiiLfsl) il.k .\kH(ld W. in.itli .naturw.Cl.XL. Bri.X" 9.1860. 



Scholil . lypliloiuscii 



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Schöbl. Typhlonixrus. 



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Taf.UI. 




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Sitfcungsb.dk Ak.-.d.d Vinalh iiatiirw.CI. XL Bd.X" 1) IftfiO 



Schob! Tvphloiü.scus. 



Taf IV. 



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Siiy..iii«isl. ,1 k Akn.l .d.W .math.naturvr.Cl <\. Bd.N" -9 1860. 



SchcYbl. Typliloiüseus. 



Taf.V. 







Hackl.lIaA.250maJ:I- ■ Iruckere 

Sitz.un>>sb (I.k.Ak-ad.dAV.m.-itlt.untHi-w.l'I. XL. BcL¥ ? 9.1860. 



Scliobl. Tv|i]iIoiiiscus. 



TnlWI. 




SitETinösb.d,k.Akal.d.W.matli.Tiatxu:w.Cl. XL. TAX" 9.1860. 



Schobl . TypJiLcmiscus. 



Inf vn. 








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Sii/jurisl. ,1 k.\ki'i(l.(l.AV.imitli.n.atur-w.CL XL. V><\ . X" II 1860. 



SrlüthL . Tv ph [oniscus. 



Tflf.Vra. 








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s. jg- 



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H&chlN-.' r.gea.v. Jos.ScKöbl. 



hu 1. lc.lt Hof. u. Sta,aAsiruckerei. 



Silir,uiij!sb.J.kAkad.ilT.ni:ith.iui1urw.t'l. XIi.Bd.X?- 9. 1860. 



Schob] . Typhloiiiscug. 



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Sitz.uno-sW.k.Akn.l.iUY. matknalurwr.Cl. XTi.BOf-! 



Schob!. TypMoniscus. 



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Siu.imusli ..I k.AL.<l (1 W rnaih.naturw.Cl. XL. BO T ^9.18G0. 



Mol in. Trenta sppoie di Nematoidi. 331 



Trenta specie di Nematoidi 

determinate 

dal Dr. Raffaele Mol in, 

jadrense, 

r. professore p. o. <Ii iniueralogia e zoologia presso la c. r. universitä «I i Pailinj. 

(Vorgelegt in der Sitzung vom 1. December 1859.) 



Introduzione. 

Scrivendo le monografie dei generi Ilystrichis, Spiroptera, Dis- 
pharagus, Histiocephalus e Physaloptera, hodovuto non solo esclu- 
dere dall' uno ovvero dalf altro di questi generi alcune specie, le quali 
erano state erroneamente classificate da altri elmintologi , ma oltre 
a ciö ho avuto l'opportunitä di esaminare alcuni Nematoidi, i quali 
mescolati insieme a un gran numero di esemplari di una specie esatta- 
mente determinata appartenevano ad altro genere. Delle prime era rnio 
dovere di fannene earico, e di indicare quäl posto devono occupare 
nel sistema, degli Ultimi ho tenuto conto nella certezza che non sarä 
inutile per la scienza il descriverli. E ciö tanto piii che fra questi 
v'erano alcuni distinti sia per la novitä delle forme, sia per l'animale 
che li albergava. In tal modo ebbe origine questa monografia la quäle 
serve di appendice alle cinque precedenti. In essa sono descritte 30. 
specie di Nematoidi, appartenenti a 14generi,trovate in 49 animali, vale 
a dire in 5 poppanti, 37 uccelli, 6 rettili ed 1 pesce. Dei 14 generi 
suddetti 2 sono generi nuovi, e delle 30 specie 7 sono specie rettifi- 
cate, le quali erano state erroneamente determinate da altri natura- 
listi, 21 sono specie nuove, di 1 e emendata la diagnosi, ed 1 e im- 
portante per Panimale che Talbergava. 

Ed ecco sciolto il problema che m'ero propostn. L'avrö poi 
sciolto in modo che non ne ridondi vergogna al mio norne? Io oserei 
sperare di nö, se posso conchiudere all" esito dall' affetto col quäle 
m'affaticai in queste ricerche. Ora perö che son giunto alla fine di 
questo penoso lavoro mi sia permesso di soddisfare a un sacro dovere 



332 Mo 1 in. 

rendendo un puhblico tributo di grazie ai signori cavalieri Kollar 
e Frauen fei d, ai miei amici Dr. Fitzinger e nobile di Pö I z e I, 
ed al mio maestro Dr. Diesing. I primi misero a mia disposizione 
con una liberalita che non trova la sua pari le ricchissime collezioni 
di elminti dell' i. r. Museo zoologico di corte; i signori Fitzinger 
e Pölzel m'assistettero nell' esatta determinazione degli animali 
esotici, nei quali furono rinvenuti i vermi intestinali descritti; e il mio 
maestro Diesing non negommi mai Taiuto de 1 snoi consigli, frutto 
della sua lunga esperienza, ogni quäl volta avevo un dubbio da 
schiarire, un concetto da coreggere. La gratitudine non aftettata che 
io sento per questi dotti , sia di rimprovero a coloro i quali sferzati 
del demone delf invidia tenlano di porre ogni possibile inciampo 
a chi sentendo la dignita del sapere hatte diritto la sua strada senza 
abhassarsi alla vile funzione delf adulatore. 



I. Genus. Subulura Molin. 

Caput corpore continuum; os terminale, orbiculare , hauet 
armatum; corpus filiforme, inerme, postice longe subulatum; 
extremitas caudalis maris aptera, papillis exornata, ace- 
tabulo suctorio ab apice caudali remoto; vag i na penis 
dipetala cruribus spiraliter tortis ; ap er iura vulvae in 
posteriore corporis parte. — Avium in intestinis obvia. 

1. Subulura acutissima Mol in. 

Caput corpore continuum, epidermide stricte adnata ; os 
terminale, orbiculare, parvum, papillosum; corpus filiforme, 
utrinque, retrorsum tnagis attenuatum ; extremitas anterior 
apice rotundata; caudalis maris subulata, apice acutisshno, 
inflexa, acetabulo suctorio maximo (ano?) ab apice caudali 
remoto, aptera, paribus 4 papillarum, quorum duo inter aceta- 
bulum et aperturam genitalem, duo ante apicem caudalem : 
vagina penis dipetala, cruribus longis et latis. uequalibus, 
spiraliter tortis, ex apertura genitali prominula papillis circum 
data; extremitas caudalis feminae longissime subulata, 
recta, apice acutissimo ; anus ab apice caudali ratde remotus : 



Trenta specie di Ncmatoidi. 333 

apertura vulvae in posteriori corporis parte ante anum, 
elque propinqua (?). Longlt. mar. 0007; fem. 012; crasslt. 
00003. 

Physaloptera saginata Strigis brasiliensis N. 16: in Collect. Entoz. 

M. C. V. 
Physaloptera strongylina Cuculi Seniculi: in Collect. Entoz. M. C. V. 

Habitaculam. Stria; atricapilla, Augusto; — Cuculus melacory- 
phus: in ventriculo et in intestinis, in Brasilia (Natterer). M. C. V. 

Osservatione 1. lo ho avuto l'opportunitä di esaminare 4 esem- 
plari maschi e 4 femine di questa specie. Io li rinvenni in im vasetto 
nnitamente a 4 altre femine delle quali mi e impossibile di stabilire la 
diagnosi, perche mal conservate, delle quali perö posso con certezza 
asserire che non erano ne Subulura ne Physaloptera ad onta che 
tutti questi elminti fossero stati considerati per Physaloptera 
strongylina. 

Osservazione 2. Chiunque osserva per la prima volta l'estremitä 
caudale dei maschi di questa specie, li considerera per Dacnitis, se 
le lamine della guaina del pene ravvolte a spira non risvegliassero il 
sospetto che questi elminti potrebbero pur essere qualche altra cosa. 
Ed in fatti studiando la forma della bocca si deve persuadersi che 
non sono Dacnitis. Non sono ne Heteracis ne Oxyuris coi quali 
hanno molta affinitä a motivo della guaina del pene dipetala; ne 
Filaria pel complesso della loro organisazione. Del resto le Filarie 
non si trovano nel tubo intestinale. Io ho stabilito perciö il nuovo 
genere Subulura dessumendo il nome dalla forma della estremitä 
caudale. 

Osser?azione 3. Gli elminti in questione, quantunque opachi, 
avevano distintamente pronunciati i caratteri difierenziali generici. 
Due dubbi soltanto mi restano a sciogliere, i quali perö non hanno 
che fare colla diagnosi del genere. II primo si e che la ventosa al 
principio dell 1 estremitä caudale del maschio mi lascia incerto sulla 
funzione flsiologica, vale a dire che non so decidere se essa sia una 
semplice ventosa, un apparato di adesione, ovvero l'apertura dell' 
ano. II secondo dubbio riguarda la posizioue della vulva. Sembrommi 
in un esemplare che essa si trovi a breve distanza sopra l'ano, ma 
non avendo potuto proseguire nell' interno del verme il decorso dell' 
ovidotto non posso con certezza asserire che il punto da nie notato 
sia veramente la vulva. 

Sitab. d. mathem.-naturw. Cl. XL. Bd. Nr. 9. 23 



'■.■" 



334 M o 1 i n. 

II. Genus. Oxyuris. 

2. Oxyuris aeanthura Mol in. 

Habitacalnm. Chrysolamprus occellatus: in intestinis, in Hispa- 
nia (Natterer). M. C. V. 

Osseryazione. Di questo elminto ho avuto opportunitä di esami- 
nare 3 esemplari femine trovati unitamente a 10 Oxyuris extenuata 
ed 86 Physaloptera abbreviata in un Chrysolamprus occellatus, e 
molte altre femine trovate unitamente a 80 Phys. abbreviata in un 
altro rettile della stessa specie. 

3. Oxyuris extenuata Mol in. 

Caput epidermide stricte adnata; os coronula papillarum 
cincta; corpus transversim anulatum, utrinque, antrorsum 
magis attenuatum; extr emitas caudalis maris . . . ; 
feminae obtusa, apice longe mucronata; anus ab apice caudali 
remotus; apertura vulvae in anteriori corporis parte, ori pro- 
pinqua. Longit. fem. 0006 — 0009; crassit. 00008. 

Ascaris extenuata Iiudolphi: Synops. 47. et 287. — Dujardin: Hist. nat. 
des Helminth. 174. — Diesing: Syst. Helminth. II. 1S4. 

Habitacalnm. Chrysolamprus ocellatus: in intestino recto, 
Algesirae (Natterer). M. C. V. 

Osservazlone 1. Io ho avuto Topportunita di esaminare 10 esem- 
plari femine di questo elminto raccolti unitamente a 3 Oxyuris acan- 
thura e molte Physaloptera abbreviata. 

Osservazione 2. L'anatomia di questi elmiuti corrispondeva per- 
fettamente alla descrizione data da Rudolphi, meno la forma delle 
nuova, le quali erano molto grandi ma non quadrilatere simili a 
quelle degli squali; come pretende quelT autore. 

III. Genus. Ascaris. 

4. Asearis laneeolata Molin. 

Caput corpore continuum, epidermide stricte adnata; os 
trilabiatum, labiis parvulis, strictura a reliquo corpore discretis, 
antice depressis, singulum papilla sphaerica dorsafi ; corpus 
antrorsum magis attenuatum, tortuosum, retrorsum increscens; 



-• 



Trenta specie di Nematoidi. 335 

extremitas candalismaris depressa, ellyptica, subtus foveo- 
lata fovea longitudinali alis linearibus turgidulis einet a, apice 
longe et valde cuspidata; vagina penis . . .; extremitas 
caudalis feminae reeta, rotundata, mucrone terminali acute 
conico. Longit. mar. 0-02 — 0025; crassit. 00005. Longit. fem. 
0025—003; crassit. 00008. 

Physaloptera mucronata Diesing: Syst. Helminth. 11.235., et in Denkschr. 
d. k. Akad. d. Wissenseh. XIII. 16. — Leidy: in Proeeed. Acad. 
Philad. VIII. (1856). 53. 

Habitaculam. Champsa nigra: in ventriculo, Junio, Borba 
(Natter er). — Ch. Lucius: in eodem organo, numerose, in Georgia 
(Jones). M. C. V. 

Osservazione. Io ho avuto Fopportunitä di esaminare circa 400 
individui tra maschi e femine raecolti li 27 Giugno 1830 nello 
stomaco di un Champsa nigra maschio. 

5. Ascaris laticauda Molin. 

Caput corpore continuum, idrinque alatum alis latis, semi- 
lanceolatis, longis; os trilabiatum, labiis magnis, strictura a reliquo 
corpore discretis, singulum hemispkaericum , papilla minima 
dorsali centrali ; corpus laeve, antrorsum increscens , retrorsum 
sensim attenuatum ; extremitas anterior subito attenuaia, 
spiraliter inflexa, apice truncata; caudalis maris reeta, apice 
acutissimo , acute conica, utrinque alata alis linearibus , margine 
undulato, singula papillis maximis 8, quarum 2 ante, 4 ad, 2 
post aperturam genitalem; vagina penis dipetala ; extre- 
mitas caudalis feminae longe acute conica, reeta, apice 
acuto ; anus ab apice caudali valde remotus; apertura vulvae 
in posteriori corporis parte prominula, medietati propinqua. 
Longit. mar. 03 — 0045; crassit. 00003 ~ 0008. Longit. 
fem. 035—006; crassit. 00004 — 0001. 

Physaloptera? Micro daetyli Marcgravii: in Collect, brasil. Entoz. M. C. V. 

Habitacaluin. Dicholophus Marcgram: in intestino tenui et 
coeco, Decembri, Zaniambaya (Natter er). M. C. V. 

Osservazione. Io ho avuto fopportunitä di esaminare piü di 100 
individui di questa specie benissimo conservati, tra i quali molti maschi 
trovati il 1 Decembre 1823 in un Dicolophus Marcgravi femina, il 
quäle conteneva inoltrenel tenueS grandieäpiccoliEchinorinchi liberi. 

23* 



336 M o I i n. 

6. Ascaris Microlabium Mol in. 

Caput corpore continuum, epidermide stricte adnata; os 
trilabiatum labiis parvis, strictura a reliquo corpore discretis; 
corpus filiforme, densissime transversim striatum; extremitas 
anterior sensim attenuata; posterior increscens ; caudalis 
maris uncinata, apice mucronata, subtus papulosa; feminae 
recta, breve acute conica; anus apici caudali proximus ; aper- 
tura vulvae . . . . Longit. mar. O'OIU — 0019; crassit. 
0005 — 00008. Longit. fem. 016—0 022; crassit. 0000Ö 

— 001. 

Spiroptera Falconis N. 443: in Collect, brasil. Entoz. M. C. V. 

Habitaculuui. Falco coronatus: in ventriculo, Octobri, Rio 
Araguay (Natter er). M. C. V. 

Osservaziooe. Io ho esamin;tto di questa specie 10 individui 
masehi e 13 feinine ben conservati, rinvenuti in un F. coronatus 
femina li 31 Ottobre 1823 unitainente a 17 Phystdoptera acuticauda 
e 3 Spiroptera recticauda. 

7. Ascaris aiigusticollis Mol in. 

Caput epidermide stricte adnata; os trilabiatum, labiis 
magnis, strictura a reliquo corpore discretis, singulum papilla 
dorsali centrali sphaerica ; corpus filiforme, densissime ac 
gracillime transversim anulatum, antrorsum sensim maxime 
attenuatum, retrorsum increscens; extremitas caudalis 
maris. . .; feminae recta, appendice conica. Longit. fem. 
004 — 0-08; crassit. 00005—0001. 

Phystiloptera tenuicollis Rudolphi: Synops. 30. 258 et 647. — Diesing: 
Syst. Helminth. II. 237. 

Spiroptera? tenuicollis Dnjardin: Hist. nat. des Helminth. 95. 
üabitacalam. Falco Haliaetus: in intestinis tenuibus, autumno 

— F. Buteo: inter tunicas ventriculi (M. C. V.). 

Osservazione 1. Io ho avuto l'opportunitä di esaminare 1 esem- 
plare femina di questa specie ti-ovato in un Falco Haliaetus, ed 1 
altra femina trovata in un F. Buteo. Nessuno di questi due esemplari 
era tanto ben conservato da poter distinguere quäl che altro carattere 
piü preciso di quelli esposti nella diagnosi. 

Osservazione 2. Ad onta che gli individui da nie esaminati non 
fossero ben conservati ciö non per tanto la forma del cullo distingue 



Trenta specie di Nemfltoidi. 337 

questa specie da tutte quelle che hanno il corpo iuerme, il capo senza 
ali ed il corpo anteriormente attenuato; mentre la presenza dell 1 
appendice conica all'apice caudale la distingue dall' Ascaris depressa. 

8. Ascaris anterospiralis Mol in. 

Caput epidermide stricte adnata; os labiis rotundatis, 
singulum papilla sphaerica parva dorsali; corpus filiforme, 
densissime ac gracillime transversim anulatum, retrorsum sensim 
attenuatum, ala utrinque lineari transversim striata; ecctre- 
mitas anterior spiralis , vix attenuata; caudalis maris 
serie duplici 7 papillär um epidermide obtectarum ante aperturam 
genitalem apici caudali propinquam, post aperturam genitalem 
subito breve acute conica; vag in a penis . . .; extremita 
caudalis feminae recta, longe acute conica; anus ab apice 
caudali remotus ; aper iura vulvae in anteriori corporis parte. 
Long it. mar. 003; crassit. 0004. Long it. fem. 0-024 — 0050; 
crassit. 0-0004 — 00008. 

Physaloptera Felis coneoloris: in Collect, brasil. Entoz. M. C. V. 

Haiti! aciilum. Felis concolor: in ventriculo, Novembri, Caicara 
(Natter er). M. C. V. 

Osservazione 1. Questa specie si distingue dalP Ascaris lepto- 
ptera per la mancanza delle ali, e da tutti gli altri ascaridi che hanno 
il capo senza ali, e Festremitä posteriore attenuata per molti altri 
caratteri, tra i quali principalmente per festremitä anteriore inhVssa 
in cerchio. 

Osseriazione 2. Io ho avuto l'opportunitä di esaminare di questa 
specie 3 esemplari maschi e 5 femine tutti benissimo conservati e 
perfettamente trasparenti trovati nello stomaco di un Felis concolor 
maschio, il quäle aveva inoltre nel budello 14 Dibothrium, 15 Tenie 
senza testa e 2 piccole Tenie armate, 31 Strongilo e 3 altri piccoli 
Nematoidi, ai 19 Novembre 1825. Natter er nota nel suo giornale 
che avendo nello stesso giorno sezionato un altro Felis concolor 
maschio in questo non rinvenne che 56 Strougili ed 1 Echino- 
rinco libero. 

9. Ascaris helicina Mol in. 

Os trilabiatum labiis magnis, strictura a reliquo corpore 
discretis; Caput coatinuum, epidermide stricte adnata; corpus 



338 M o 1 i n. 

antrorsum sensim attenuatum, retrorsum increscens, maris in 
discum spiraliter involutum, fem in ae interdum totum, interdum 
arte posteriori in helicem tortum anfractibus nunc arctis et nunc 
taxis; extremit as caudalis maris alis linear ibus, brevibus, 
transversim dense striatis, ad aperturam genitalem ter papillaris, 
post aperturam genitalem subito acute conica, apice mucronato, 
inflexa, utrinque bipapillata ; vagina penis dipetala, cruribus 
linear ibus, exilissimis, apice acutissimo, deflexis; extr emitas 
caudalis feminae subito acute conica, apice mucronato, recta; 
anus prominulus, apici caudali proximus ; apertura vulvae in 
anteriori et fere media corporis parte. Longit. mar. 0006 — 0008 
crassit. 00001 — 0002. Longit fem. 0013 — 0028; crassit. 
0003 — 0001. 

Physaloptera retusa Crocodili acuti: in Collect. Entoz. M. C. V. 

Habitaculum. Crocodilus acutus: in ventriculo. M. C. V. 

Osservazione 1. Questa specie e affine all 1 Ascaris Capsularia, 
dalla quäle perö si distingue per tanti caratteri che e impossibile 
confondere insieme le due specie. 

Osservazione 2. Io ho avuto l'opportunitä di esaminaie di questa 
specie 12 individui maschi e 20 femine trovati in un Crocodilus 
acutus, non che IS femine trovate in un altro rettile della stessa 
specie dei quali pero non rinvenni altra indicazione. 

10. Ascaris papulosa Mol in. 

Caput corpore continuum; os trilabiatum ; corpus densis- 
sime transversim striatum; extremit as anterior attenuata, 
apice truncato; posterior increscens ; caudalis maris breve 
subulata, apice truncato, semel spiraliter torta, fovea suctoria 
musculari acetabuliformi, aptera, papillis utrinque S conicis, 
quarum 1 ante, 4 post aperturam genitalem; vagina penis dipe- 
tala, cruribus fdiformib us , longissimis ; penis brecis, styloideus, 
vix incurvus; extr emitas caudalis feminae . . . . Longit. 
mar. 012; crassit. 00003. 

Spiroptera Corvi cajani: in Collect, brasil. Entoz. M. C. V. 

Habitaculum. Corvus cajanus: in intestino, Octobri, Barra do 
Rio negro (Natterer). M. C. V. 

Osservazione. Io ho avuto l'opportunitä di esaminare 1 esemplare 
maschio di questa specie trovato li 2 Ottobre 1830 in un C. cajanus 



Trenta specie di Nematoidi. 339 

t'emina, il quäle aveva anche una Spirottera fra le tonache dello 
stomaco. 

Species iiiquirenda. 

1 1 . Ascaris valclemiicronata M o I i n. 

Caput alatum; os trilabiatum; corpus antrorsum attenua- 
tum, fem in ae circulariter inflexum; extremitas caudalis 
maris inflexa, subito acute conica, aptera, apice mucronato, 
mucronc longo et valido, ante aperturam genitalem f'ovea suctoria 
musculafi acetabuliformi ; vagina penis dipetala, cruribus bre- 
vibus exilissimis ; extremitas caudalis feminae apice obtu- 
sissimo, valde mucronato. Longit. mar. 0007; fem. 012; crassit. 
00002. 

Spiroptera Ardeae Maguari: in Collect, brasil. Entoz. M. C. V. 

Habitaculum. Ciconia Maguari: in ventriculo et proventriculo, 
Februario, Caicara (Natter er). M. C. V. 

Osservazione. Io ho esaminato 1 esemplare maschio e 2 femine 
della specie suddetta raccolti dallo stomaco e dall' echino di una 
Ciconia Maguari maschio ai 6 Febbrajo 1826. Tutti e tre quegli 
esemplari erauo benissimo conservati e perfettamente trasparenti. 

Leggi la osservazione 2 a alla specie Spiroptera excisa. 

Species inquirenda. 

12. Ascaris spiralis Molin. 

Os trilabiatum, labiis maximis, obsoletis, singulum papilla 
centrali sphaerica ; corpus plicis cutaneis circularibus transversim 
crenatum, semispirale , vel spiraliter tortum; extremitas anterior 
sensim attenuata; posterior increscens, subito subidata, apice 
acutissitno, subtus papillis duabus minimis. Longit. 0010 ; crassit. 
00001-0 0002. 

Spiroptera Pici N. S00 : in Collect, brasil. Entoz. M. C. V. 

Habitaculain. Picus comatus, Octobri, Barra do Rio Janeiro 
(Natter er). M. C. V. 

Osservazione 1. Io non ho potuto esaminare altro che 6 esem- 
plari di questa specie non bene conservati e del tutto opachi. 

Osservazione 2. Non saprei indicare precisamente in quäl organo 
furono trovati, perche nel giornale di Natter er non trovai altra in- 
dicazione se non che agli 8 Ottobre 1825 egli rinvenne alla giuntura 



340 M o I i n. 

de! talone di im Picus comatus 3 pircole Spirottere. Egli e certo 
che questi tre elminti non potevano essere gli ascaridi da me esami- 
nati poiche questi vermi non vivono che nel tubo intestinale di altri 
animali. 

IV. Genus. Heteracis. 

13. Heteracis anulata Molin. 

Caput corpore continuum; os terminale, orbiculare, nudum, 
amplum; corpus utrinque alatum aus linearibus latiusculis, 
utrinque, retrorsum maxime attenuatum ; extremitas anterior 
apice truncata; caudalis mar is subulata, apice longe mucronata, 
subtus alata aus linearibus , singula papillis 7 , quarum 5 post, 
2 ante aperturam genitalem; apertura genitalis ex qua 
vagina penis monopetala , longiuscula, incurva, filiformis, apice 
acutissimo, ab apice caudali haud remota; anus amplus limbo 
cpidermoidali denticulato circulari cinctus, supra aperturam geni- 
talem, ab earemotus; extremitas caudalis feminae longe 
subulata, apice acutissimo; anus ab apice caudali remotus; 
apertura vulvae in anteriori corporis parte prominula. 
Longit. mar. 0006; fem. 0008; crassit. 00002. 

Physaloptera Colubri N. 52: in Collect, brasil. Entoz. M. C. V. 

Habitacolam. Ophis saurocephalus : in intestino, Junio, Caicara 
Natterer). M. C. V. 

Osservazione. Io ho avuto Topportunitä di esaminare di questa 
specie 1 individuo maschio e 2 femine benissimo conservati e per- 
perfettamente trasparenti trovati li 20 Giugno 1826 in un Ophis 
saurocephalus femina checonteneva 1 piccolissimo Echinorinco libero 
nel budello e 5 Fisalottere nello stomaco e nel budello. Un altro 
rettile della stessa specie sezionato a Cuyaba li 27 Febbrajo 1825 
non conteneva altro che 36 Fisalottere nello stomaco e nel budello. 

14. Heteracis verrucosa Mol in. 

Capu t corpore continuum; epidermide stricte adnata; corpus 
usifbrme, utrinque, retrorsum magis attenuatum, verrucis in series 
laterales dispositis exornatum; extremitas anterior apice 
truncata; caudalis maris uncinatim inflexa, longe subulata, 
apice acutissimo; vagina penis simplex, styloidea, vix incurvata ; 



Trenla specie di Nematoidi. «54-t 

penis ... ; extremitas caudalis feminae recta, lotige subu- 
lata, apice acutissimo. Longit. mar. 0075; crassit. 00003. 
Longit. fem. 0012; crassit. 00005. 

Spiroptera Caviae Aguti: in Collect, brasil. Entoz. M. C. V. 

Habitaculoni. Dasyprocta Aguti: in ventriculo, Januario, Caicara 
(Natterer). M. C. V. 

OsserTazione 1. Io ho esaminato 5 esemplari maschi e 6 femine 
del suddetto verme. Essi erano tutli ben conservati e perfettamente 
trasparenti e trovavansi con molte Spiroptera mediospiralis raccolte 
dalio stomaeo di un Dasyprocta Aguti femina ai 23 Gennajo 1826. 

15. Heteracis suctoria Mol in. 

Caput strictura a corpore reliquo discretum; os orbiculare, 
magnum; corpus filiforme, densissime transversim striatum; 
extremitas anterior attenuata, apice incrassata, alis utrin- 
que latiusculis linear ibus transversim striatis; caudalis maris 
longe subulata, fovea magna suctoria acetabuliformi , papillis 
utrinque 6, quarum 2 ante, 4 post apertur am genitalem; penis 
brevis, subrectus; extremita caudalis feminae . . . Longit. 
mar. 012; crassit. 00002. 

Spiroptera Caprimulgi: in Collect, brasil. Entoz. M. C. V. 

Habitaculani. Caprimulgus campestris : inter tunicas ventriculi. 
Junio, Manaos (Natter er). M. C. V. 

OsserTazione 1. Io non ho potuto esaminare altro che 1 solo 
esemplare maschio di questa specie trovato ai 19 Giugno 1834 fra 
le tonache dello stomaco di un C. campestris maschio. L/esemplare 
era benissimo conservato, e perfettamente trasparente. 

Osservazione 2. Questa specie e molto affine all' Heteracis 
brevicaudata D u j a r d i n. 

V. Genus. Dispharagus. 
16. Dispharagus capitatus Molin. 

Caput corpore continuum, conicum, incrassatum, plicis 
longitudinalibus utrinque in funicula duo longit udinalia , valde 
flexuosa, brevia, longe recurrentia, band conjuncta inflatis ; os 
bilabiatum, labiis papillaeformibus, minimis; corpus filiforme, 
densissime, ac gracillime transversim anidatum, subaequale; ex- 
tremitas caudalis maris ...; feminae breve conica, apice 



342 »Ion .,. 

obtaso; anus ab apice caudali haud remotus; apertura vul- 
vae . . . Longit. fem. 0011; crassit. 00003. 

Spiroptera alata Falconis N. 773: in Collect, brasil Entoz. M. C. V. 

Habitaculuin. Falco minutus: in ventriculo, Julio, Matogrosso 
(Natterer). M. C. V. 

Osservazione. Io non ho avuto l'opportunitä di esaminare altro 
che 1 esemplare femina ben conservato di questa specie , il quäle fu 
raccolto al 1 Luglio 1828 unitamente a 2 Physaloptera acuticauda 
dallo stomaco di an F. minutus femina che aveva inoltre 1 Ne- 
matoide lungo ed esile su d'un occhio; e 2 lunghi Distomi, 2 Echino- 
rinchi aderenti, 4 Amfistomi e 20 Monostomi nel budello. 

VI. Genus. Tropidocerca. 

Species inquirenda. 

17. Tropidocerca bispinosa Molin. 

Caput corpore continuum; os fissum, papillis 4 conspicuis; 
corpus filiforme, leve; extremitas anterior subito sensim 
attenuata ; feminae semicirculariter inflexa, utrinque tuber culo 
aculeato laterali, apice truncata; posterior recta, conica, apice 
acutissimo; anus ab apice caudali haud remotus; apertura 
vulvae in anter iori corporis parte prominula, bilabiata; uterus 
biconüs. Longit. fem. 0011 — 016; crassit. 00001— 00003. 
Spiroptera Seiaei officinalis: in Collect. Entoz. M. C. V. 

Habitaculam. Scincus officinalis. M. C. V. 

Osservazione 1. Io ho avuto occasione di esaminare 5 esemplari 
femine di questo verme. Essi erano benissimo conservati e perfetta- 
mente traspaienti. 

Osservazione 2. Questi vermi a primo aspettö ricordavano i maschi 
della Tropidocerca; Tutero si rivolgeva immediatamente verso la 
coda , e si suddivideva dopo lungo decorso in 2 ovidotti i quali erano 
ripieni di uova grandi e di forma ovale e si estendevano fino all' ano. 
Egli e ben vero che fino ad ora le femine del genere Tropidocerca 
furono trovate in forma ben differente, vale a dire rigonfie come un' 
elissoide fra le tonache ovvero i muscoli dello stomaco degli uccelli e 
non mai in unamlibio. Ma io sono altrettanto sicuro che gli elminti da 
ine esaminati in questa circostanza somigliano ai maschi di una Tro- 



Trento specie di Nematoidi. 34») 

pidocerca piü che a qualunque altro nematoide. Forse che queste 
femine appartengano a un nuovo genere, ma appunto perche non ho 
avuto occasione di esarainare altro che individui femine non mi azzardo 
di introdurre un nuovo genere nella scienza. 

VII. Genus. Ancyracanthus. 
18. Ancjracantlius bilabiatus Mol in. 

Corpus capillare, densissime transversim striatum; caput 
corpore continuum, spinulis 4 cruciatim dispositis pinnatifdis, 
retroflexis , maris majoribus, fem in ae minor ibus armatum; os 
terminale, bilabiatum, labiis papillaeformibus minimis; extre- 
mitas anterior sensim attenuata; caudalis maris bis spira- 
liter torta, utrinque alata alis latis, singula papillis brevibus apice 
incrassatis exornata; vagina penis monopetala, brevis, crassa, 
navicidaris; penis longus, filiformis ; extremitas caudalis 
feminae subito obtuse couica, semel spiraliter torta, apice obtu- 
sissimo, centro depresso; auus ab apice caudali haud remotus ; 
aper iura vulvae in posteriori corporis parte, prominula, 
bilabiata, labio superiori tumido. Longit. maris 0007; fem. O'OOi). 
Spiroptera Ardeae Helias : in Collect, brasil. Entoz. M. C. V. 

Habitaculam. Eurypyga Helias: inter tunicas ventriculi, Martio, 
Praja de Cujutuba (Natter er). M. C. V. 

Osseryazione. Io ho esaminato 1 esemplare maschio ed 1 feinina 
di questa bellissima specie. Essi erano benissimo conservati e per- 
fettamente trasparenti, e furono raccolti dallo stesso uccello, dal quäle 
provengono le Spiroptera appendiculata ai 13 Marzo 1835. 

VIII. Genus. Elaphocephalus Mol in. 

Caput discretum, utrinque aculeis 4 armatum, quorum medii 
majores apice dilatato serrato, laterales minores apice bicuspi- 
dato; os papillosum; corpus tot um spinulosum; extremitas 
caudalis maris. . .; aperturu vulvae ados. — Avium inter 
tendines digitorum parasita. 

Osservazione. Quantunque non abbia avuto Topportunitä di esa- 
minare altro che una femina di questa specie ciö non per tanto non 
esito un istante a fonnare im nuovo innere. E in (atto: l'armatura 



344 Moli n. 

della testa e del corpo, non che la posizione <Iella vulva distinguono 
questo verme da qiialunque altro genere d'elminti. Esso mi sembra 
affine al genere Ancyracanthus piü che a qiialunque altro, e perciö 
lo inserisco nel sistema presso di questo. Gli aculei centrali di ciascun 
lato somigliano per la loro forma a palchi di cervo microscopici, e 
perciö ho addotato il nome generico Elaphocephalus derivato da 
ilafog cervo e xsyaAog testa. 

19. Elaphocephalus octoconuitus Mol in. 

Caput discretum, utrinque aculeis maximis quatuor arma- 
tum, recurvis, quorum centrales majores apice serrato, laterales 
minores apice bicuspidato ; os papillis duabus mamillatis ; corpus 
totum spinulosum, spinulis brevibus acutissimis, in circulos crebros 
transversales dispositis ; extremitas anterior sensim attenuata; 
posterior aequalis , apice obtusissimo ; extremitas caudalis 
maris . . . ; anus...; aper iura vulvae ad os. Longit. fem. 
00012; crassit. 0004. 

Spiroptera Psittaci Macaonis: in Collect, brasil. Entoz. M. C. V. 

Habitaculuiii. Psittacus Macao: ad originem digitorum pedis, 
Septembri, Ponte do Guapore (Natter er). M. C. V. 

Osservazione. Io non ho avuto occasioue di esaminare altro che 
una femina di questo bellissimo verme. Essa era benissimo conservata, 
perfetlamente trasparente, e fu trovata insieme a 9 Spiroptera cir- 
cularis li 28 Settembre 1827. 

IX. Genus. Dacnitis. 

Species inquirenda. 

20. Dacnitis fusiformis Molin. 

Caput incrassatum, strictura a reliquo corpore discretum; 
os bilabiatum, labiis hemisphaericis magnis, singulum bipapillare 
corpus fusiforme, antrorsum apice rotundato, retrorsum sensim 
attenuatum; extremitas caudalis maris . . . ; feminae 
long e acute conica, apice breve mucronata ; anus ab apice caudali 
remotus. Longit. fem. 0002; crassit. 0003. 

Habitaculum. Platessa Flesus: in intestinis, hieme (M. C. V.J. 



Trenta specie di Nematoidi. 34-D 

Osservazione. Io ho esaminato 2 non ben conservati esemplari 
femine di questa specie che trovai nello stesso recipiente nel quäle 
venivano couservati gli //. minutus dell' i. r. Museo Zoologien di 
corte. 

X. Genus. Cosmocephalus. 

21. Cosmocephalus alatus Mo Hu. 

Caput corpore discretum, acuminatum , substriquetrum, 
scutelUs quatuor capiti adnatis antice conjunetis , alisque parvis 
scutellis antice interjeetis , spinulis 2 lateralibus int er scutella et 
alas ; os terminale, bilabiatum, labiis papillaeformibus, minimis; 
corpus filiforme, densissime transversim striatum, utrinque, 
retrorsum magis attenuatum, alis duabus lateralibus linear ibus 
transversim striatis; extr emitas caudalis maris ter spira- 
liter torta, apice acuto, alis angustis, singula papillis 7 clavatis ; 
vagina penis monopetala, brevis, vix ineurva, p enisque 
longus, arcuatus, apice acuto, filiformes ; extr emitas caudalis 
feminae reeta, acute couica, apice obtuso; anus apici caudali 
haud proximus ; apertura vulvae in medio corporis sita. Longit. 
mar. 0012; crassit. 0002. Longit. fem.0 018—0 020; crassit. 
00003. 

Spiroptera obvelata Creplin: Obs. 10. et 80., Nov. Obs. 5. et in Wieg- 
manns Arch. 1846. 136. 140. 145. — Melius: in Isis. 1831. 75. — 
Duj ardin: Hist nat. des Helminth. 101. 
Histioeephalus spiralis Diesing: Syst. Helminth. II. 231. 

Habitaculani. Laras maximus: in oesophagi tuuica interna 
(Rosentlial), Novembri (Creplin); — L. argentoides; in oeso- 
phago, Novembri (Schilling); — L. argentatus: in proventri- 
culo, Aprili (Schilling et Mehlis); — L. medius in ventriculo 
(Schilling); — L. canus (Mehlis); — L. fuscus et marinus 
(Creplin); — L. ridibundus (Schilling). — Alca Tor da 
(H o s e n t h a I) ; — Tot anus maculatus, Augusto ; — T hipoleucus ; 
— Sterna risoria et Mergus Serrator: in oesophago, Junio 
(Schilling). M. C. V. 

Osservazione I. Io ho avulo l'opportunitä di esaminare 1 osem- 
plare maschio e 2 feinine di questa specie trovati in un Laras 
marinus. Tutti e tre questi esemplari erano benissimo couservati e 
perfettamente trasparenti. 



346 M o I i n. 

Osservazione 2. In conseguenza d'una rigorosa indagine ho 
potuto assicurarmi che questi sono veri Cosmocephalus come spero 
risalterä chiaramente a chiunque leggera la diagnosi. Io rapporto a 
questa specie tutte le Spiroptera obvelata trovate nei sunnominati 
uccelli perche anche Dujardin le considera come im' unica specie, 
e le descrive come identiche. 

XI. Genus. Spiroptera. 

22. Spiroptera recticauda Mol in. 

Caput corpore continuum; o s papillosum ; corpus filiforme, 
retrorsum magis attenuatum, densissime ac gracillime transversim 
striatum; extremitas anterior apice truncata; caudalis 
maris . . ; feminae recta, longe acute conica, apice acuminato ; 
anus ab apice caudali remotus ; apertura vulvae in posteriori 
corporis parte, medietati propinqua. Longit. fem. 007 — 016; 
crassit. 00001. 

Physaloptera Falconis N. 443 : in Collect, brasil. Entoz. M. C. V. 

Habitaculom. Falco coronatus: in ventriculo, Octobri, Rio Ara- 
guay (Natterer). M. C. V. 

Osservazione. Io ho esaminato 3 esemplari femine di questa 
specie benissimo conservati e perfettamente trasparenti trovati ai 
31 Ottobre 1823 in un F. coronatus femina unitamente a 17 Physa- 
loptera acuticauda e 23 Ascaris Microlabium. 

23. Spiroptera graeilis Mol in. 

Caput corpore continuum, aculeis 4 retrorsum versis, con- 
spicuis, armatum; os papillosum; corpus filiforme, gracile, an- 
trorsnm sensim magnopere attenuatum; extremitas caudalis 
maris bis spiraliter torta, alis conspicuis liuearibus, post aper- 
turam genitalem ter papillatis , apicem caudalem obtusum amplec- 
tentibus; vagina penis brevis, navicidaris, incurva; penis 
longior, filiformis, arcuatus ; extremitas caudalis feminae 
subito breve acute conica , apice obtuso , interdum recta, interdum 
deflexa; anus ab apice caudali haud remotus; apertura 
vulvae in posteriori corporis parte. Longit. mar. 005; fem. 
0006; crassit. 0000t. 

Spiroptera hicnspis Rudolphi: Synops. 24 et 240. — Creplin: in Wieg- 
mann's Arch. 1846. 136. 



Trenta specie di Nematoidi. 347 

Dispharagus bicuspis Dujardin: Hist. nat. des Helminth. 79. 
Histiocephalus gracilis Diesing : Syst. Helminth. II. 231. 

Habitaculnm. Vanellus melanogaster : inter tunicas ventriculi, 
aestate. M. C. V. 

Osservazione. Io lio avuto l'opportunitä di esaminare 5 esemplari 
maschi e 11 femine di questa specie. Tutti erano benissimo conser- 
vati, perfettamente trasparenti e provenivano da un solo uccello. 

24. Spiroptera saginata Dujardin, Char. emend. 

Caput corpore continuum; os orbiculare , nudum; corpus 
feminae laxe spiraliter tortum , anfractibus aequalibus 3 — 7, 
utrinque sulcatum; extr emitas anterior magis attenuata, 
apice obtuso; caudalis feminae subrecta, obtusa; onus ab 
apice caudali remotus. Longit. 03 — 008; crassit. 001 — 002. 
Physaloptera saginata Rudolphi: Synops. 647. — Diesing: Syst. Hel- 
minth. II. 236. 
Spiroptera saginata Dujardin: Hist. nat. des Helminth. 96. 

Uabitnculum. Stria? atricapilta , Novembri, Matogrosso; — St. 
torquata; — Falco furcatus, Novembri, Para; — Crotophaga Ani, 
Julio, Villa dos Manaos; Januario et Februario, Matogrosso; — 
Caprimulgus gujanensis, Junio, Villa dos Manaos; — C. leucopygius, 
Novembri, Matogrosso; — Icterus cristatus, Decembri, San. Vin- 
cente; — Thamnophilus funebris , Octobri, ßarra do Rio negro; — 
Cucidus Tinguacu, Majo, Barra do Bio negro; Julio, Matogrosso; — 
Corvus Cajanus, Septembri et Octobri, Barra do Rio negro: in eorum 
intestinis (Natter er). M. C. V. 

Osservazione 1. Io ho avuto l'opportunitä di esaminare i seguenti 
esemplari: 

I. 5 esemplari trovati li 13 Novembre 1826 in 3 Stria atri- 
capilla, vale a dire 2 nelP intestino di una femina unitamente a 15 
altri piccoli Nematoidi; 2 nel tenue di un maschio che conteneva 12 
piccoli Nematoidi in parte nel tenue ed in parte nei ciechi; ed 1 nel 
tenue di un' altra femina, la quäle aveva inoltre 12 piccoli Nematoidi 
nel tenue e nei ciechi, finalinente 6 femine trovate in una Strios 
torquata delle quali Natterer non da altre indicazioni. 

II. 2 raccolti il 30 Novembre 1830 nel budello in un Falco 
furcatus il quäle aveva inoltre 1 altro Nematoide nello stesso organo 
e 6 Spirottere sotto la membrana nittitante. 



348 M o I i n. 

III. 1 frovato ai 13 Luglio 1834 nel tenue di un Crotophaga 
Ani maschio, il quäle aveva 7 Ascaridi maschi nei ciechi; 6 raccolti 
al 10 Gennajo 1829 dal tenue di una femina la quäle aveva 1 Taenia 
senza testa, 1 Echinorinco aderente, e 2 Distomi nello stesso organo, 
non che 7 Ascaridi nei ciechi; e finalmente 5 trovati ai 26 Febbrajo 
1829 nei tenue di un maschio che avera inoltre 11 Nematoidi sotto 
la memhrana nittitante di un occhio. Natter er nota nel suo giornaie 
che avendo sezionato ai 19 Gennajo 1829 un maschio della stessa 
specie non trovö in questo che 1 Echinorinco aderente 15 Distomi e 
17 Monosfomi nel tenue, ed 8 Ascaridi nei ciechi. 

IV. 2 femine trovate li 23 Giugno 1834 in un Caprimulgus 
gujanensis maschio. 

V. 1 femina trovata li 4 Novembre 1826 in un Caprimulgus 
leucopygius maschio. 

VI. 1 femina e 2 frammenti trovati unitamente a 2 Echinorinchi 
liberi li 20 Decembre 1826 in un Icterus cristatus maschio. 

VII. 3 femine trovate li 12 Ottobre 1830 in un Thamnophilus 
funebris maschio e giovine. 

VIII. 2 femine trovate li 2 Maggio 1833 in un Cuculus Cajanus 
del quäle Natterer non indica il sesso, ma che conteneva 1 piccolo 
Nematoide in un cieco e 2 Spirottere fra le tonache dello stomaco; 
non che 1 femina trovata li 30 Luglio 1827 in un maschio della 
stessa specie, il quäle albergava inoltre 14 piccole Tenie per lo piü 
formte della testa, 2 corti Nematoidi e 34 Monostom i nel budello. 
Natterer osserva inoltre nel suo giornaie che avendo sezionato 
nello stesso giorno 1 altra femina della stessa specie, in questa non 
ritrovö che 7 Monostomi nel budello. 

IX. 5 femine, 1 delle quali fu trovata li 20 Ottobre 1830 in 
principio del budello di un Corvus Cajanus maschio; 1 lo stesso 
giorno nel budello di un secondo uccello della stessa specie del quäle 
Natter er non indica il sesso, ma che aveva inoltre 1 Spirottera fra 
le tonache dello stomaco; 5 trovate li 24 Settembre 1830 in una 
femina; ed 1 trovata lo stesso giorno in un' altra femina. 

Osservazioue 2. Ad onta che io non abbia potuto con tanta copia 
di esemplari che mi stavano a disposizione esaminare altro che femine, 
mi sono assicurato che la specie in questione non e una Physaloptera 
ma si bene una Spiroptera ; e ciö particolarmente perche nessun 
esemplare aveva la bocca bilabiata, ma invece tutti erano forniti di 



Trenta speeie di Nematoidi. 349 

«na piccola bocca circolare in cima all 1 estremitä anteriore: in una 
parola tutti gli individui da nie esaminati presentavano senza eccezione 
i caratteri delle spirottere. 

25. Spiroptcra capillaris Muli». 

Caput corpore continuum; os bilabiatum, labiis conicis 
minimis , aculeis 4 validis cruciatim oppositis refrorsum versis 
armatum; corpus capillare, densissime ac gracillime transversim 
striatum, utrinque attennatum; extremitas caudalis maris . . ; 
femin ae conica, apice obtuso, uncinata; anus ab ap'ice caudali 
remotus; apertura vulvae in posteriori corporis parte promi- 
nula. Longit. fem. 0015 — 0017. 

Histiocephalus? spiralis Sternae Hirundinis: in Collect. Entoz. M. C. V. 

Habitaculum. Sterna Ilirundo: inter tunicas ventriculi. 

Osservazione. Nella collezione degli elminti dell' i. r. Museo zoo- 
logico di corte rinvenni 3 esemplari femine di questa speeie benis- 
simo conservati e perfettamente trasparenti. L'ovidotto in tutti e tre 
gli esemplari era ripieno di uova eiaseuno dei quali conteneva un 
embrione perfettamente sviluppato e attortigliato. 

XII. Genus. Gongylonema. 

26. Gon^yloneniii coiitortiim Mol in. 

Corpus filiforme, aequale, minutissime transversim striatum, 
irregulariter contortum ; extremitas anterior bulbillis irre- 
gulär it er dispositis; os orbiculare, nudum; extremitas cauda- 
lis maris inflexa, apice obtuso, alis latis, singula papilUs iitrin- 
que 7, transversim striata; vagina penis dipetala, brevis; 
penis longissimus, fiUformis; extremitas caudalis feminae 
acute conica, apice obtusissimo; apertura vulvae in posteriori 
et fere postrema corporis parte prominula. Longit. mar. 014 — 
01H; crassit. ad 00001. Longit. fem. 0013 — 0055; crassit. 
ad 00003. 

Spiroptera Ursi Rudolphi: Synops. 28. et 253. — Dujardint Hist. nat. 
des Helminth. 88. — Diesing: Syst. Helminth. II. 224. 

Iliibitaeulum. Ursus Arctos : in oesopbago , hieme (M. C. V.). 

Osservazione. Io ho avuto Topportunitä di esaminare 3 esemplari 
maschi e 6 femine di questa speeie. Essi erano tutti benissimo con- 
servati e perfettamente trasparenti. 

Sitzh. (1. mathem.-naturw. Cl. XL. Bd. Nr. 9. 24 



350 Moii«. 

XIII. Genus. Filaria. 

Specles inquirenda. 
27. Filaria spinulosa Mo] in. 

Os coronula spinulorum retroflexorum armatum; corpus 
filiforme, transversim /xnulatum, spiraliter tortum; extremitas 
anterior sensim attenuata, apice truncata; caudalis maris. .. ; 
feminae subito conica, apice erecto, obtuso ; ap e r t u r a v u I v ac... 
Longit. fem. 012; crassit. 00001. 

Spiroptera Glareolae austriacae: in Collect. Helminth. M. C. V. 

Habitnculuiii. Glareola austriaca: inter tunicas ventricuü. 
M. C. V. 

Osservazione I. Io non ho esamina.to che 1 unico esemplare 
femina ili questa specie. 

Osservazioiie 2. Sembrommi che fosse una filaria, ma non avendo 
potuto distinguere la posizione della vulva, non nii azzardo di inserire 
la specie fra le determinate. 

XIV. Genus. Strongyhis. 

28. Strong-yltis aiiitlatus Mol in. 

Caput corpore coutinuum, haud alutum; os limbo nudo; 
corpus densissime ac gracillime transversim slriatum; extre- 
mitas anterior sensim attenuata, anulo atro cincta, apice 
obtuso; caudalis maris increscens ; bursa maris excisa 
undecim radiata, radio centrali dicothome bifurcato eruribus 
excisionem cordatam amplectente ; e x t r e m i t a s c a u d a l is 
feminae recta , longo acute conica , apice iucrassato; anus ab 
apice caudali remotus; aper iura vulvae muxima, in posteriori 
corporis parte, unilabiata, labio superiori maximo, pendula. 
Longit. mar. 0-008— 010; fem. 00 tö; crassit. 00001. 

Spiroptera Palamedeae cornutae: in Collect, brasil. Entoz. M. C. V. 

Habitaculum. Palamedea cornuta: in proventriculo, Augusto, 
Egenho do Cap Gaina (Natterer). M. C. V. 

Osservazione I. Io ho eseminato 3 esemplari maschi e 10 femine 
di questa specie. Tutti erano benissimo conservati e perfettamente 
trasparenti , e furono raccolti li 23 Agosto 1820 in una Palamedea 



Trenta specie di Nematoidi. 351 

cornuta maschio, la quäle aveva inoltre 1 piccolo Distomo in un 
intestino cieco. 

Osscrvazione 2. Questo e il primo Strongilo trovato in quel- 
l'uccello; esso appartiene alla sezione di quelli che hanrto il lembo 
della bocca ignudo, la testa senza ali e la borsa del maschio incisa; 
e affine allo Strongylus striatus dal quäle perö si distingue per la 
presenza dell'anello di colore oscnro all'estiemitä anteriore del corpo. 

29. Strongyliis bis|»iiiosus Mol in. 

Caput corpore continuum, haud alaturn; os limbo nudo; 
corpus filiforme; extremitas anterior sensim attenuata, 
spinulis diiabus validis, lateralibus armata ; caudalis maris 
h/flexa; bursa tribiloba, lobis perlongis lateralibus, singulus 
quinque radiatus, radio medio recto, lateralibus apice deflexo 
divergentibus, lobuloque medio biradiato ; vagina penis dipetala, 
cruribus longis styloideis; penis longissimus, filiformis ; extre- 
mitas caudalis feminae longissime et acutissime conica; 
anus ab apice caudali remotus; apertura vulvae in posteriori 
corporis parte, maxima, bilabiata, labio super iori limbiformi, 
inferiori in vesicam magnam inflato, pendidis. Longit. mar. 0010; 
crassit. 0002. Longit. fem. 017; crassit. 00003. 
Spiroptera Cervi Nambi: in Collect, brasil. Entoz. M. C. V. 

Habitaeuluiu. Cervus Nandu: in ventriculo, Septembri, Villa 
Maria (Natter er). M. C. V. 

Osservazione. Io ho esaminato 13 individui mascbi e 12 femine 
di queste specie raccolti nella lira di un C. Nambi maschio ai 
16 Settembre 1825, il quäle conteneva nello stesso organo 3 Spi- 
roptera verrucosa ; nel panse molti Amfistomi; e nell' entrata della 
lira alcuni grossi e molto grandi Amfistomi. 

30. Stroagylus attenuatiis Molin. 

Caput corpore continuum. haud alaturn; os limbo nudo; 
cor p us filiforme, capillare ; extremitas anterior attenuata. 
apice truncato; caudalis maris reeta; bursa biloba, lobis 
hemiellypticis , singulus radiatus. duobus radiis posticis diver- 
gentibus; extremitas caudalis feminae acutissime conica; 
apertura vulvae in posteriori cor /iuris parte, amplissima, 
bilabiata. labio anteriori semilunari lobis duobus lateralibus, 



352 m o i i ... 

posteriori in bullam epidermoidalem trasparentem inflato. Lonyit. 
mar. 0007; fem. 0011. 

Spiroptera Suis labiati: in Collect, brasil. Entoz. M. C. V. 

Habitaculum. Dicotyles albirostris: in ventriculo, Aprili, Caicara 
(Natterer). M. C. V. 

Osservazione. Io ho esaminato di quesla specie 3 individui 
maschi e 34 femine. Tutti erano benissimo conservati e perfetta- 
mente trasparenti. Non saprei dire perö se provengano da un solo 
animale perche nelle notizie di Natter er si trova che egli a 
Caicara ai 26 Aprile 1826 rinvenne in un Dicotyles albirostris 
femina alquanti Nematelmi color carne nel principio dello stomaco; 
e raolti altri simili elminti fra il muco dello stomaco, e nel principio 
dello stesso organo di un altro D. albirostris femina. Con questi 
elminti furono trovate negli stesse animali molte Spiroptera armata. 



Prospetto 

degli animali e dei loro organi nei quali furono trovati 
i Nematoidi descritti. 



CLASSIS PISCES. 
Ordo Malacopterigii. 

F a m i I i a Pleuronectides. 

1 . Platessa F/esus C u v i er. 

Dacnitis fusiformis Sp. Nr. 29. — Intest. 

CLASSIS REPTILIA. 

Ordo Loricata. 

F a m i 1 i a Crocodili. 

2. Crocodüus acutus Cuvier. 
Ascaris helicina. Sp. Nr. 9. — Yentr. 

3. Champsa lucius YV agier. 

Ascaris lauceolata. Sp. Nr. 4. — Ventr. 



Tienta specie di Nemaloidi. 353 



4. Champsa nigra W agier. 

Asciiris lanceolata. Sp. Nr. 4. — Ventr. 



Ordo Ophidia. 

Faniilia Dermatophes. 

J>. Ophis saurocephalus Wagler. 

Heteracis anulata. Sp. Nr. 11. — Intest. 

Ordo Hemisauri. 
F a m i 1 i a Schici. 

6. Scincus officinalis L a u r e n t i. 
Tropiducerca bispinosa. Sp. Nr. 17. — ? 

Ordo Sauri. 
Familia Lacertae. 

7. Chrysolamprus ocellatus F i t z i n g e r. 
Oxyuris acanthura. Sp. Nr. 2. — Intest. 
Oxyuris extenuata. Sp. Nr. 3. — Intest, cras. 

CLASSIS AVES. 

Ordo Anseres. 
Familia Alcidae. 

8. Alca Tor da Linne et Gmelin. 
Cosmocephalus alatns. Sp. Nr. 21. — Oesoph. 

Familia Laridae. 

9. St er na Hirundo Linne et Gmelin. 

Spiroptera capillaris. Sp. Nr. 25. — Inter tun. ventr 

10. Sterna risoria Brehm. 

Cosmocephalus alatus. Sp. Nr. 21. — Oesoph. 

1 1 . Larus urgent atus B r ü n n i eh. 
Cosmocephalus alatus. Sp. Nr. 21. — Prov. 



354 m ° i i ». 

12. Larns canus Linne et Gmelin. 
Ciismocephalus alatus. Sp. Nr. 21. — Oesoph. 

1 3. Larus fuscus Linne et G m e 1 i n. 
Cosinocephalus alatus. Sp. Nr. 21. — Oesoph. 

14. Larus marinus Linne et Gmelin. 
Cosinocephalus alatus. Sp. Nr. 21. — Oesoph. 

15. Larus maximus Brehm. 

Cosinocephalus alatus. Sp. Nr. 21. — Tun. intern, oesoph. 

1 6. Larus medius B r e h m. 
Cosinocephalus alatus. Sp. Nr. 21. — Ventr. 

1 7 . Laras ridibundus Linne et Gmelin. 
Cosinocephalus alatus. Sp. Nr. 21. — Oesoph. 

F a m i I i a Anatidac. 

1 8. Mergus Serrator Linne et Gmelin. 
Cosinocephalus alatus. Sp. Nr. 21. — Oesoph. 

Ordo Grallae. 

F a m i 1 i a Scolopacidae. 

19. Totanus hypoleucus Linne et Gmelin. 
Cosinocephalus alatus. Sp. Nr. 21. — Oesoph. 

20. Totanus maculatus Vi ei Hot. 
Cosmocephalus alatus. Sp. Nr. 21. — Oesoph. 

F a m i 1 i a Charadridae. 

2 1 . Vanellus melanogaster Bech stein. 
Spiroptera gracilis. Sp. Nr. 23. — Inter tun. ventr. 

22. Glareola austriaca Latham. 

Filaria spinulosa. Sp. Nr. 27. — Inter tun. ventr. 

F a m i 1 i a Ardeidae. 

23. Ciconia Maguari T e m m i n c k. 

Ascaris valdemucronata. Sp. Nr. 11. — Prov. et ventr. 

24. Eurypyga II el las II 1 ig e r. 

Ancyracanthus bilabiatus. Sp. Nr. 18. — luter tun. ventr. 

25. Dicholophus Marcgravü II liger. 

Ascaris laticauda. Sp. Nr. 5. — Ten. et coec. 



Trentn apecie di Nematoidi. 35o 

Familia Palamedeidae. 

26. Palamedea cor mit a Linn e et Gmeliu. 
Strongylus anjilatus. Sp. Nr. 28. — Proyentr. 

Ordo Stausores. 
F a m i 1 i a Cuculidae. 

27. Crotophaga Ani L inn e et Gm e li n. 
Spiroptera saginata. Sp. Nr. 24. — Ventr. et intest. 

28. Cuculus melacoryph us V i e i 1 1 o t. 

Subulura acutissima. Sp. Nr. 1. — Ventr. et intest. 

29. Cuculus Tinguacu Johannes Natter er. 
Spiroptera saginata. Sp. Nr. 24. — Intest. 

Familia Picidae. 

30. Picus comntus L i c h t e n s t e i n. 
Ascaris spiralis. Sp. Nr. 10. — ? 

Familia Psittacidae. 

31. Psittacus Macao Linne et Gmelin. 

Elaplioceplutlus oetocornntus. Sp. Nr. 19. — Ad basim digit. ped. 

Ordo Passeres. 
Familia Stiirnidae. 

32. Icterus cristatus T e m m i n c k. 
Spiroptera saginata. Sp. Nr. 24. — Intest. 

Familia Corvidae. 

33. Corvus Cajanus Linne et Gmelin. 
Ascaris papulosa. Sp. Nr. 10. — Intest. 
Spiroptera saginata. Sp. Nr. 24. — Intest. 

Familia Laniadae. 

34. T/t amnoph ilus funebris L i c h t e n s t e i n . 
Spiroptera saginata. Sp. Nr. 24. — Intest. 



356 Mölln. 

F a m i 1 i a Caprimulgidae. 

35. Caprimulgus campestris L i c h t e n s t e i n. 
Heteracis suctoria. Sp. Nr. 14. — Inter tun. ventr. 

36. Caprimulgus gujanensis Linne et Gmelin. 
Spiroptera saginata. Sp. Nr. 24. — Intest. 

37. Caprimulgus leucopygus Spix. 
Spiroptera saginata. Sp. Nr. 24. — Intest. 

Ordo Accipitres. 

F a rn i 1 i a Strigidae. 

38. Stri.v atricapilla Johannes Natterer. 
Spiroptera saginata. Sp. Nr. 24. — Intest. 
Subulura acutissiina. Sp. Nr. 1. Ventr. et intest. 

39. Stria torquata L a t h a m. 

Spiroptera saginata. Sp. Nr. 24. — Intest. 

F a m i 1 i a Falconidae. 

40. Falco minutus V i e i 1 1 o t. 

Dispharagus capitatus. Sp. Nr. 16. — Ventr. 

41. Falco Buteo Linne et Gmelin. 

Ascaris angusticollis. Sp. Nr. 7. — Inter tun. ventr. 

42. Falco coronatus V i e i 1 1 o t. 

Ascaris Microlabium. Sp. Nr. 6. — Ventr. 
Spiroptera recticauda. Sp. Nr. 22. — Ventr. 

43. Falco furcatus Linne et Gmelin. 
Spiroptera saginata. Sp. Nr. 24. — Intest. 

44. Falco Haliaetos Linne et Gmelin. 
Ascaris angusticollis. Sp. Nr. 7. — Intest, ten. 

CLASSIS MAMMALIA. 

Ordo Bisulca. 

F a m i 1 i a Ccrvina. 

4 5 . Cervus Nambi Johannes N a 1 1 e r e r. 
Strongylus bispinosus. Sp. Nr. 29. — Ventr. 



Trenta speeie di Nematoidi. 35 T 

Ordo Multungula. 
V ;t in i I i ;i Setigera. 

46. Dieotylcs albirostris II 1 ig e r. 
Strongytus attenuatus. Sp. Nr. 30. — Veittr. 

Ordo trlires. 
F a mili a Subungulata. 

47. Dasiproctae Agtiti 1 1 1 i g e r. 

Ueteracis verrucosa. Sp. Nr. 14. — Ventr. 

Ordo Carnivora. 
Famtlia Ursina. 

48. Ursus Arctos hin ne. 

Gongylonema coiitortum. Sp. Nr. 26. — Oesopli. 

F a m i 1 i a Folina. 

49. Felis concolor Li nne. 

Ascaris anterospiralis. Sp. Nr. 8. — Ventr. 



Indice (teile specie discritte. 



IS'um. prog'. Num, del. sp. 

1. Ancyracanthus bilabiatus Molin 18. 

2. Ascaris angasticollis Molin 7. 

3. „ anterospiralis Molin 8. 

4. ., helicina Molin 9. 

5. .. lanceolata Molin 4. 

6. .. laticauda Molin 5. 

7. .. Microlabium Molin 6. 

8. .. papulosa Molin 10. 

9. .. spiralis Molin 12. 

10. ,. valdemucronata Molin II. 

24* * 



3IJ(S M o I i n. Trenta specie di Ne&natoidei. 

N'uin. prog. Nuni. del sp. 

11. Cosmocephalus alatus Molin 21. 

12. Dacfiitis fusiformis Molin 20. 

13. Dispharagus capitatus Molin 1(5. 

14. Elaphocephalus octocornutiis Molin 19. 

15. Filaria spinulosa Molin 27. 

16. Gongylonema contortum Molin 26. 

17. Heteracis anulatä Molin 13. 

18. ,, suctoria Molin 15. 

19. „ verrucosa Molin 14. 

20. Qxyuris acanthura Molin 2. 

21. „ extenuata Molin 3. 

22. Spiroptera capillaris Molin 25. 

23. „ gracilis Molin 23. 

24. ,, recticauda Molin . . . 22. 

25. „ saginata Dujardin, Char. einend 24. 

26. Strongyhis anulatus Molin 28. 

27. .. attenuatus Molin 30. 

28. „ bispinosus Molin 29. 

29. Subulura acutissima Molin 1. 

30. Tropidocerca bispinosa Molin 17. 



SITZUNGSBERICHTE 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 



\l. band. 



SITZUNG VOM 12. APRIL 1860. 



N£ 10 



23 



359 



X. SITZUNG VOM 12. APHIL 1860. 



Herr. Prof. Hugo von Mohl in Tübingen dankt der Akademie 
für seine Wahl zum Ehrenmitgliede. 

Herr W. Simerka, suppl. Gymnasiallehrer in Budweis, über- 
sendet eine Abhandlung: „Lösung der Gleichung x z = My-\-r nu . 

Das c. M. Hr. Prof. Helmholtz übersendet eine von ihm in 
Gemeinschaft mit Herrn G. v. Piotrowski verfasste Abhandlung: 
„Über Beibung tropfbarer Flüssigkeiten". 

Herr Prof. Ludwig überreicht eine Abhandlung des Herrn Dr. 
Einbrodt aus Moskau: „Über den Einfluss der Athembewegungen 
auf Herzschlag und Blutdruck". 

Herr Prof. Kner liest eine „Übersicht der ichthyologischen Aus- 
beute während der Heise Sr. M. Fregatte Novara"; ferner eine Notiz 
„Über Belenesojc belizanus, nov. gen. et spec. aus der Familie der 
Cyprinodonten" . 

Herr Prof. Ed. Suess hält einen Vortrag: „Über die Spuren 
eigenthümlicher Eruptionserscheinungen am Dachsteingebirge". 

An Druckschriften wurden vorgelegt : 

Academy of science of St. Louis. Transactions. Vol. I, Nr. 3. 
St. Louis, 1859 ; 8«- 

Akademie der Wissenschaften, königl. Preussische. Abhandlun- 
gen. Zweiter Supplementband zu 1854, und Jahrgang 1858. 
Berlin, 1859; 4°- 

Annalen der Chemie und Pharmacie, herausgegeben von F. Wo li- 
ier, J. Liebig und H. Kopp. N. B. Band XXXVII, Heft 3. 
Leipzig und Heidelberg, 1859; 8°- 

25* 



360 

Association, American, for the advancement of science, Procee- 

dings. Vol. XII, 1858. Cambridge, 1859; So- 
Astronom ische Nachrichten , Nr. 1242 — 47. Altona, 1860; 4°- 
Anstria, herausgegeben von Dr. Gustav Höfken. Jahrgang XII. 

Heft 13—15. Wien, 1860; 4°- 
Cos mos, XP me annee, vol. XVI, livr. 12—14. Paris, 1860; So- 
Forchhammer, G., Om sövandets best-.mddele og deres fordeling 

i havet. Kjobenhavn, 1859; 4°- 
Gazette medicale d'Orient. IU 1 ^ 1 " annee, Nr. 12. Constantinoplo. 

1860; 4«- 
Gesellschaft, Senkenbergische naturforschende. Abhandlungen. 

Band III, Lief. 1. Frankfurt a / M , 1859; 4«- 
Gottlieb, Dr. .!., Lehrbuch der pharmaceutischen Chemie. Band I, 

2; II, 1. und 2. Hälfte. Berlin, 1857; 8°- 
Kiel, Schriften der Universität aus dem Jahre 1858. Kiel, 1859; 4 n - 
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung, red. von Dr. J. Aren- 
stein. Jahrgang X, Nr. 9 — 11. Wien, 1860; 8°- 
Mittheilungen aus Just. Perthes 1 geographischer Anstalt von 

Dr. A. Peter mann. 1860, März; 4°- 
Reichsanstalt, k. k. geologische. Sitzung am 27. März 1860; 8°- 
Sella, Quintino, Teorica e pratica del regolo calcolatore. Torino, 

1859; 16o- 
Society, Elliot-, of natural history of Charleston. Proceedings. Vol. I. 
Nov. 1853, Dec. 1858. Charleston, 1859; 8«'- — Constitution and 
by-laws. 1857; 8«- 
Swallow, G. C, Geological report of the country along the line of 
the South- Western brauch of the pacific railroad, state of Mis- 
souri. St. Louis, 1859; So- 
Verein, Österreichischer Ingenieur-. Zeitschrift, red. von Dr. Jos. 

Herr. XII. Jahrgang, Februar. Wien, 1860; 4o- 
Wiener medizinische Wochenschrift, red von Dr. W 7 i ttelshöfer, 

Jahrgang X, Nr. 12—14. Wien, 1860; 4o- 
Zeitschrift für Chemie und Pharmacie, red. von Dr. E. Erlen- 
meyer und G. Lewin st ein, III. Jahrgang, Heft 4. Erlangen, 
1860; So- 



361 



ABHANDLUNGEN UND MITTHEILUNGEN. 



Über den Einfluss der Athembewegungen auf Herzschlag und 

Blutdruck. 

Von Dr. Einbrodt aus Moskau. 

(Vorgelegt von Prof. K. Ludwig 1 ) in der Sitzung vom 12. April 1860.) 
(Mit 1 Tafel und 1 Holzschnitt.) 

Eine Reihe von Versuchen, die ich auf Herrn Professor L u d w i g's 
Vorschlag in dessen Laboratorium anstellte, führte zu Thatsachen 
und Anschauungen , die zur nähern Würdigung des Einflusses der 
Athembewegungen auf Herzschlag und Blutdruck einige neue Anhalts- 
punkte bieten. Die gewonnenen Ergebnisse erlaube ich mir daher 
im Nachfolgenden mitzutheilen. 

Unter dem Einflüsse des Athmens erleiden die Schlagfolge des 
Herzens und die Spannung des Blutes eine Veränderung, die bis 
jetzt weder eine richtige Deutung, noch eine genügende Erklärung 
erfahren hat. Es ist bekannt, dass die Veränderung in der Spannung 
des Blutes den beschleunigenden Kräften zugeschrieben wird, die 



') Zwei Bestimmungsgriinde liessen es rathlich erscheinen , das schon früher von 
mir behandelte Thema von Neuem aufzunehmen. Zuerst der Wunsch die Erklärung 
der Erscheinungen, die mir vor mehr als 12 Jahren nicht gelungen war, auf Grund- 
lage des heutigen Standes der Wissenschaft zu versuchen; nächst dem aber hatte 
ich mich durch einige vorläufige Versuche überzeugt , dass ich in meiner früheren 
Arbeit die an und für sich richtigen Thatsachen nicht richtig verknüpft hatte, und 
dass namentlich bei der Vergleichung der Puls und Athemcurven ein Fehler unter- 
gelaufen war. — Unter diesen Umständen musste ich es Herrn Dr. Einbrodt 
grossen Dank wissen , als er sich enlschloss den Gegenstand von Neuem und zwar 
in ausgedehntester Weise zu bearbeiten. 



362 Einl.ro dt. 

durch die Athembewegungen dem Herzen und den grossen Blutge- 
fässen mitgetheilt werden, und dass die veränderte Schlagfolge des 
Herzens mit einem veränderten Erregungszustande der N. vagi in 
Beziehung gedacht wird. In der Blutvertheilung ist von Ed. Weber ') 
und Donders 3 ) ein neues Element zur richtigen Beurtheilung der 
uns beschäftigenden Frage angedeutet, aber nicht genügend ausge- 
beutet worden. 

Die Erscheinungen , die durch die Athembewegungen eine 
Änderung erleiden und bei der Frage über den Einfluss des Athmens 
zunächst in Betracht kommen, entziehen sich einer genauen Analyse, 
weil sie alle aus verschiedenen und dabei immer wechselnden Ele- 
menten zusammengesetzt sind, in ihrem Auftreten daher nie als ein- 
fache zur Beobachtung gelangen; so ist bekanntlich die Schlagfolge 
des Herzens eine aus vielen Grundelementen abgeleitete: denn es 
wirken auf dieselbe die Reizbarkeit des Herzens (seiner Muskeln, 
Nerven und motorischen Centra), der Erregungszustand des verlän- 
gerten Markes und der N. vagi, die in so grossen Breiten wechselnde 
Blutfülle des Thieres , die Temperatur des in's Herz einströmenden 
Blutes u. s. w. Ebenso ist die Spannung des Blutes eine wechselnde, 
je nach der dem Herzen zu Gebote stehenden Blutmasse, nach den 
Widerständen in den Capillaren, nach dem Autheil, der von den ent- 
wickelten Herzkräften dem Blute zu Gute kommt etc. Die Athembe- 
wegungen selbst üben auf die vorhin genannten Verhältnisse und 
namentlich auf die Blutvertheilung und den Zutluss von Blut zum 
Herzen, selbst an einem und demselben Thiere, einen verschieden 
grossen Einfluss aus, je nach der Tiefe und Dauer ihrer einzelnen 
Acte, und bei verschiedenen Thieren selbst bei gleicher Tiefe und 
Dauer dieser letztern je nach besondern constitutionellen Verhält- 
nissen. 

Es ist also klar, dass, wenn man den Einfluss der Athembewe- 
gungen näher verfolgen will, man so viel als immer thunlich sie in 
ihrem Einflüsse verstärken, ihnen das Übergewicht zu verschaffen 
suchen muss über die sie störenden und in ihrer Wirkung beein- 
trächtigenden Momente. 



») Leipziger Berichte 1850, I. p. 2«. 

«) Zeitschr. f. rat. Medizin. N. ?. Bd. III, 18.'.;». p. 287 und Bd. IV, tSü-i. p. 241 und 
Nederl. Lancet. I). V, p. 364. 



Üher den Einfluss der Atheinlipwegungen auf Herzschlag und Blutdruck. 363 

Der erste und ihnen als solchen zukommende Einfluss der 
Athembewegungeo ist aber derjenige, dass sie die in der Brusthöhle 
gelegenen Organe, je nach ihren verschiedenen Acten und je nach 
der verschiedenen Tiefe und Dauer derselben, unter verschiedene 
Spannung versetzen. Ist es möglich, die unter dem Einflüsse des 
normalen Respirationsactes eintretenden Spannungsunterschiede und 
ihre weiteren Folgen während längerer Zeit künstlich nachzuahmen 
und willkürlich zu steigern, dabei aber auf die verschiedenen ange- 
deuteten Elemente (Blutfülle des Herzens, Erregungszustand der 
N. vagi etc.) einen directen Einfluss auszuüben, so ist damit zugleich 
auch die Hoffnung in Aussicht gestellt, in das Wesen des zu erfor- 
schenden Einflusses näher einzudringen. Bis zu einem gewissen 
Grade kann nun die künstliche Erzeugung des Respirationsdruckes, 
des positiven Ausathmungs- als auch des negativen Einathmungs- 
druckes, wirklich bewerkstelligt werden 1 ) und die erste Aufgabe, die 
mir bei näherer Überlegung der uns beschäftigenden Frage ent- 
gegentrat, bestand also darin, einen verschieden starken Respirations- 
druck (positiven sowohl als negativen) künstlich herbeizuführen und 
seine Wirkungen auf Herzschlag und Blutdruck , unter verschieden 
abzuändernden Verhältnissen, möglichst genau zu verfolgen. 

Ist dieser Einfluss des künstlich erhöhten Respirationsdruckes 
scharf und genau aufzufassen, so ergibt sieh dann die zweite Auf- 
gabe — den Einfluss des gewöhnlichen Athmens durch directe Beob- 
achtung so genau als möglich festzustellen und die beim erhöhten 
Respirationsdrucke gewonnenen Thatsachen mit den beobachteten 
Anschauungen in Einklang zu bringen. 

1. 

Indem wir jetzt zur Besprechung der eingeschlagenen Verfah- 
rungsarten und der durch sie gewonnenen Thatsachen übergehen, 
fassen wir zunächst den positiven Respirationsdruck in's 
Auge. 

A. Positive Drücke lassen sich künstlich leicht erzeugen, 
wenn die mit dem Lungenraum des Thieres communicirende Luft 



') Die Erzeugung an Thieren künstlicher Respirationsdrucke ist schon von bouders 
versucht, aber nicht weiter verfolgt worden. 



•Jß4 E inbr o d t. 

unter erhöhte Spannung gebracht wird. Dieser Anforderung wurde 
in meinen Versuchen folgendermassen entsprochen. 

In eine grosse, etwa 16 Litres fassende Glasflasche (siehe die 
Tafel I) war durch den Hals derselben eine ungefähr 2 Meter hohe und 
15 Millim. breite Glasröhre, die fast bis auf den Boden der Flasche 
reichte, luftdicht eingekittet; durch einen Kautschukschlauch stand 
das obere Ende der Röhre mit einer Handpumpe in Verbindung, 
mittelst deren Wasser in die Röhre eingepumpt und die Luft im 
Behälter unter beliebig hohen Druck gebracht werden konnte; zur 
Entleerung des angesammelten Wassers diente ein in die Flasche 
dicht am Boden eingefügter Hahn , zur Erneuerung der durch das 
Athmen verdorbenen Luft eine in den Hals der Flasche eingelassene 
und mit einem Hahn zu verschliessende Glasröhre. Die unter erhöhte 
Spannung versetzte Luft wurde dem Thiere durch ein gebogenes 
Glasrohr zugeleitet, welches einerseits in den Luftbehälter ausmün- 
dete, andererseits aber durch einen Kautschukschlauch mit einer in 
der Trachea des Thieres befestigten Glascanüle in Verbindung 
gebracht wurde; dieses Zuleitungsrohr besass einen Hahn mit andert- 
halbfacher Bohrung, wodurch es möglich wurde, das Thier durch eine 
einfache Drehung des Hahns entweder unter erhöhtem Drucke oder 
frei in die Atmosphäre athmen zu lassen. 

Zur Verzeichnung der Respirationsbewegungen brauchte ich 
den schon früher beschriebenen Fühlhebel i ), dessen Klammer mit dem 
Brustkorb an verschiedenen Stellen in Verbindung gebracht wurde. 
Zur Ausmessung des mittlem, auf gewöhnliche Weise an der Arteria 
Carotis verzeichneten Blutdruckes diente ein WetlPsches Planimeter. 
Zu den Versuchen wurden Hunde verwendet, die in der Mehrzahl 
der Fälle durch Opiumtinctur betäubt waren. 

Fragen wir vor Allem, inwieweit der durch unser Verfahren 
herbeigeführte Zustand mit dem bei der gewöhnlichen Ausathmung 
stattfindenden übereinkommt, so müssen wir zunächst die grosse 
Analogie hervorheben, die unsere Versuche mit erhöhtem künstlichen 
-f-ÄZ) 8 ) zu dem bekannten Experimente bieten, das zuerst von 
Ed. Weber über den Ausathmungsdruck bei gehindertem Lnflaus- 



') Wiener Sitzungsberichte, Bd. XXXVIII, |>. 345. 
*) -+- R D = positiver Respirationsclruck. 



Über den Einfluss der Athembewegungen auf Herzschlag und Blutdruck. 3Hh 

tritte angestellt wurde, es aber der nachfolgenden Darstellung über- 
lassen, diese Analogie in ihre Einzelheiten zu verfolgen. 

Bei näherer Überlegung ergibt sich , dass der durch unser 
Verfahren gesetzte Zustand der Brusthöhle und der in ihr gelager- 
ten Organe in seinen Grundbedingungen mit demjenigen überein- 
stimmt, der durch den gewöhnlichen Exspirationsdruck bedingt wird, 
indem durch beide, freilich auf ganz verschiedenen Wegen, eine 
Verdichtung der in den Lungen enthaltenen Luft und eine Zunahme 
der auf den Brusteingeweiden lastenden Spannung herbeigeführt 
wird; dass aber zwischen beiden, schon ganz abgesehen von dem 
sehr wichtigen Unterschiede in der Gradation der gesetzten Verän- 
derungen, die bei dem künstlich gesteigerten -f- BD ihren höchsten 
Werth erreichen können, auch einige andere nicht unwesentliche 
Unterschiede bestehen. So wird durch unser Verfahren der Über- 
gang des Blutes aus der einen Herzhälfte in die andere in Folge der 
grossen Ausdehnung der Lungen nach P oiseui lies *) Versuchen 
erschwert werden müssen; so wird die Aorta eine Dehnung und 
ihre Bäumlichkeit eine Zunahme erfahren; so werden die Venen an 
der oberen Apertur des Brustkastens mehr oder weniger gedrückt 
und verschlossen werden, lauter Umstände, die der gewöhnliche 
Ausathmungsdruck nicht in seinem Gefolge hat. 

Die Autopsie von Hunden, die unter dem Einflüsse eines beste- 
henden hohen -f- RD zu Grunde gehen, zeigt einen Zustand der 
Brust und Baucheingeweide, wie er während des Lebens sonst wohl 
nie vorkommt. Die Lungen erfahren eine ungemein grosse Ausdeh- 
nung, wobei nothwendig ein Druck auf das Herz und die grossen 
Gefässe ausgeübt wird und namentlich die grösseren Venen an der 
obern Apertur des Brustkastens zusammengedrückt werden; das Dia- 
phragma wird in die Bauchhöhle hinein gedrückt und ist sehr stark 
gefaltet; die Leber wird unter die Hypochondrien gedrängt, ihr 
unterer Band erstreckt sich bis unter die Stelle, die der Vorhaut ent- 
spricht. Alle in der Brusthöhle enthaltenen Organe sind äusserst 
blutleer, die Leber dagegen und die Nieren weisen einen bedeuten- 
den Blutreichthum vor; aus dem mit den grossen Gefässen abgebun- 
denen Herzen gewann ich an einem Hunde eine Quantität Blut, die 



') Comptes rendus. T. 41. 



3ftf) E i ii b m d t. 

sich nach einer annähernden Schätzung (die Gesammtmasse des 
Blutes zu 7% ( ' es Körpergewichtes angenommen) nur als der zwan- 
zigste Theil der gesammten Blutmasse erwies. 

Indem wir zu den beobachteten Wirku ngen des künstlichen 
-f- RD übergehen, wobei wir beobachtete Thatsachen und Erklärungs- 
versuche in natürlicher Verknüpfung nebeneinander stellen, unter- 
scheiden wir diese Wirkungen, je nachdem sie im Beginn der 
Ausübung des -f- RD, während der Dauer seines Beste- 
hens oder endlich i n der Zeit nach Aufhebung desselben 
zur Beobachtung gelangen. 

1 . Während der -f- RD von Null bis zu seinem Maxi- 
mum ansteigt, wirkt er auf das in der Brust enthaltene Blut als 
beschleunigende Kraft, die sich zum Herzdruck addirt; diese Wir- 
kung spricht sich in unseren Versuchen darin aus, dass die mittlere 
Spannung des Blutes im arteriellen System im ersten Momente des 
ausgeübten -f- RD regelmässig einen Zuwachs erleidet, der zwar 
verschieden gross ausfallen kann und sich in seiner Grösse nach der 
Stärke des RD richtet, immer aber nur so lange besteht, als der RD 
im Ansteigen bis zu dem ihm im einzelnen Falle zukommenden 
Maximum begriffen ist. Die unten beigefügte Tabelle I enthält für die 
ausgesprochene Behauptung die nöthigen Zahlenbelege (Versuche 
Nr. 15, 32, 41 der Tabelle). 

2. Während seines dauernden Bestehens erzeugt der 
-f- RD Wirkungen, die von den eben erwähnten sehr abweichen und 
im Allgemeinen sich nach der Grösse des RD richten. 

Diebeobachteten Wirkungen des bestehenden -{- RD 
waren folge n de: 

a) D e r -f- RD erschwert d i e A t h e m b e w e g u n g e n \\\n\ 
hebt sie bei genügender Grösse vollständig auf. 

Bei einem möglichst geringen -\- RD (etwa bei 10 Millim. Hy) 
erfahren die Athembewegungen nur insofern eine Veränderung, als 
sie, wenn auch unbedeutend, erschwert werden. Nimmt der -f- RD 
zu (etwa von 10 bis 20 Millim. Hg), so werden die Athembewegun- 
gen mühsam und es verändert sich zugleich ihr Rhythmus, die Inspi- 
ration erfolgt rasch und ist eine ausserordentlich kurze, die Exspi- 
ration dagegen wird sehr mühsam und nimmt eine viel längere Zeit 
in Anspruch; der Exspiration folgt in der Begel eine lang anhaltende 



Ül»er den Einflnss der Athembewegungen auf Herzschlag und Blutdruck. 367 

Pause. Bei noch weiterer Steigerung des -j- RD (über 20 Milim. Hg) 
bleiben die Athembewegungen längere Zeit hindurch vollständig aus, 
und zwar ist dieses eine ganz regelmässige constante Erscheinung ; 
zuweilen kehren sie auch wieder bei fortdauerndein -|- RD , aber 
immer nur wenn dieser letztere unter der Höhe von 35 Millim. Hg 
bleibt und auch dann erscheinen sie nur nach längeren Zwischen- 
räumen; nach jeder mehr weniger tiefen Inspiration folgt eine längere 
Pause. Das Ausbleiben der Athembewegungen kann sehr lange anhal- 
ten; ich habe in sehr zahlreichen Fallen die Athembewegung wäh- 
rend mehrerer Minuten ausbleiben sehen. 

Die Erklärung dieser Erscheinungen liegt nahe. Ein schwacher 
-(- RD kann in den Athembewegungen keine grosse Veränderung 
bewirken ; die auf der Luft lastende Wassersäule hat nur eine geringe 
Höhe und kann daher bei einigermassen gesteigerter Anstrengung 
gehoben werden; es wird daher das Thier, um den nöthigen Luft- 
austausch zu ermöglichen, nur einer grössern Anstrengung bedürfen, 
als beim Athmen im freien Luftraum. Bei höherem -|- RD wird die 
Inspiration verhältnissmässig noch leicht erfolgen können, da sie 
bis zu einem gewissen Grade durch die auf der Luft lastende Span- 
nung unterstützt wird; es wird, so zu sagen, Luft in die Lunge ein- 
gepresst; bei der Exspiration dagegen muss diese Spannung über- 
wunden werden und dazu bedarf es schon einer bedeutenden Contrac- 
tions-AnstrengHiig von Seiten der Exspiratoren , deren Tliätigkeit 
noch unterstützt wird durch die in Folge der Ausdehnung wachsen- 
den elastischen Kräfte der Lungen. Ist die Exspiration vollendet, so 
gewinnt natürlich die auf der Luft liegende Spannung die Ober- 
hand und es müssen daher kurze und leicht erfolgende Inspirationen 
mit mühsamen und lange anhaltenden Exspirationen abwechseln, ganz 
in Übereinstimmung mit der Wahrnehmung. Erreicht der -f- RD einen 
noch hohem Werth, so überwindet er die elastische Gegenwirkung 
der Lungen und das Zusammenziehungsbestreben der Exspirations- 
muskeln, dehnt die Lunge und den Brustkorb bedeutend aus und 
macht jeden Luftaustausch unmöglich; mit einem Worte, beim hohen 
-f- RD bleiben die Athembewegungen vollkommen aus. 

Das beim massigen -[- RD zuweilen zu beobachtende Wieder- 
erscheinen der Athembewegungen ist wahrscheinlich die Folge der 
Zunahme, welcbe die Contractiunsfähigkeit und Heizbarkeit der 
Exspirationsmuskeln während der anhaltenden Ruhe erfährt; sie 



;jH8 e i n i. .• (. (i t. 

äussert sich in der Bewerkstelligung einer Exspiration, auf welche 
wiederum in Folge der Luftspannung eine Inspiration folgt, nach 
deren Ablauf die Athembewegungen wieder ausbleiben. Besteht ein 
massiger -j- RD wahrend längerer Zeit, so kann sich natürlich dieser 
Vorgang mehrere Male wiederholen. 

Es ist besonders zu betonen, dass während der Ausübung eines 
-f- RD die Athembewegungen sehr lange, mehrere Minuten lang aus- 
bleiben können, ohne auf das Thier einen nachtheiligen Einfluss zu 
äussern und ohne Erstiekungsnoth herbeizuführen. Die Ursache dieser 
interessanten Erscheinung - muss wohl in dem Umstände gesucht 
werden , dass in Folge des -f- RD die Luft dem Thiere verdichtet 
zugeführt wird und, wie wir weiter unten sehen werden, eine bedeu- 
tende Anhäufung von Blut im Gehirn bewirkt; dadurch wird, wenn man 
sich so ausdrücken kann, ein Vorrath von Sauerstoff dein verlängerten 
Marke geboten, und es fehlt daher die Ursache zur Erregung der auto- 
matischen Respirationsorgane; durch die Versuche mit dem negativen 
Respirationsdrucke wird diese Anschauung wesentlich unterstützt. 

Aus einem andern Grunde noch verdient das Ausbleiben der 
Athembewegungen unsere Beachtung: es ist dies nämlich der einzige 
Fall , in Folge dessen man Blutdruckcurven erhält , die von dem Ein- 
flüsse der Respiration vollkommen frei sind, in denen jeder Herzschlag 
dem vorhergehenden und nachfolgenden gleich ist und i\ev Blut- 
druck nur diejenigen Schwankungen zeigt, die von den Zusammen- 
ziehungen des Herzens abhängig sind. 

b) Der positive Respirationsdruck erschwert den 
Zufluss des Blutes zum Herzen, mindert den Nutz- 
effect des Herzens und setzt die Spannung des Blutes 
im Aortensysteme herab. 

Dieser Einfluss steht dem -f RD in Folge einer zweifachen 
Wirkung zu , einmal nämlich weiden das Herz und die grossen 
Gefässe unter höhere Spannung versetzt, wodurch die Entfernung 
des in der Brusthöhe vorhandenen Blutes begünstigt, das genügende 
Nachströmen dagegen erschwert wird; zweitens aber wirkt der 
hohe 4- RD auch mechanisch, indem durch die sich übermässig auf- 
blasenden Lungen das Herz und die grossen Gefässe, namentlich die 
nachgiebigen Venen, zusammengedrückt werden, wodurch wiederum 
der Eintritt neuen Blutes in's Herz erschwert wird. 



Über den Einfluss der Athembeweg"tingen auf Herzschlag und Blutdruck. 36f) 

Die zuerst genannte Wirkung, d. h. die erhöhte Spannung, unter 
welche die in der Brusthöhle an der äussern Lungenoberfläche gela- 
gerten Organe in Folge eines -f- RD versetzt werden, ist der directen 
Messung zugänglich; ich wählte dazu , aus leicht einleuchtenden 
Gründen, den rechten Vorhof, in den ich durch die Vena jugularis 
externa hindurch einen elastischen Katheter einführte; während des 
Bestehens eines -+- RD von 125 Millim. Hg stieg die Spannung des 
Blutes im rechten Vorhof, die vor Ausübung des RD 45 Millim. Hg 
betrug, auf 30 6 Millim. Hg und kehrte nach dessen Aufhebung nur 
sehr allmählich nahezu auf ihren frühern Werth zurück, — ein genü- 
gender Beweis, wie bedeutend die durch die Athmung gesetzten 
Spannungsunterschiede unter Umständen werden können. 

Die zweite mechanische Wirkung des -|- RD, die Zusammen- 
drückung des Herzens und der grossen Gefässe , wird durch die 
Autopsie hinlänglich bestätigt. 

Die gemeinschaftliche Folge dieser doppelten Wirkungsweise 
des -f- RD ist also eine Minderung der Blutfüllung des Herzens und 
folglich auch eine Minderung seines Nutzeffectes und spricht sich in 
unseren Versuchen darin aus, dass während der Dauer des beste- 
henden -j- RD der mittlere Blutdruck im Aortensysteme bei fort- 
dauerndem Herzschlage eine Abnahme erleidet, die Spannung 
des Venenblutes dagegen durch Stauung gesteigert wird. 

Im Allgemeinen kann behauptet werden, dass die Abnahme, die 
der arterielle Blutdruck erfährt, zu der Grösse des ausgeübten -j- RD 
im Verhältniss steht; sie ist schon bei einer geringen Höhe des RD 
genügend ausgesprochen , erreicht aber einen um desto höhern 
Werth, je weiter der Druck gesteigert wird, und kann dann eine 
ungemein bedeutende werden; so habe ich Fälle beobachtet, wo der 
arterielle Blutdruck bis auf ein Zehntel seines ursprünglichen Wer- 
thes herab sank. 

Dieses Absinken des arteriellen Blutdruckes zum Herzen ist also 
eine Folge der durch den gehinderten Bückfluss des Blutes zum Herzen 
bedingten geringern oder grössern Blutleere der Arterien ; so lange 
aber diese letztere keinen zu hohen Grad erreicht, so lange über- 
haupt anstatt des Abfliessenden noch etwas Blut in's Herz nachströ- 
men kann, so lange bleiben auch die Zusammenziehungen des Her- 
zens für den Blutdruck wirksam, d. h. in der Blutdruckcurve sicht- 
bar; erreicht dagegen in Folge des steigenden -f- RD die Blutleere 



370 Einbrodt. 

der Arterien einen bedeutenden Grad, so vermögen die Zusammen- 
ziehungen des Herzens den geringen Blutinhalt im Arteriensystem 
nicht mehr in genügende Spannung zu versetzen; es verschwindet 
jetzt in der Blutdruckcurve der Ausdruck der Herzschläge , trotz 
ihres Fortbestehens, und der Blutdruck wird nun horizontal verzeichnet. 
Es muss hervorgehoben werden , dass diese für unsere Versuche 
mit dem -\- BD so charakteristische Erscheinung der horizontalen 
Aufzeichnung des arteriellen Blutdruckes unter Umständen unge- 
wöhnlich lange andauern kann; so finden sich in der beigefügten 
Tabelle Fälle verzeichnet, wo der Blutdruck im Laufe von mehr als 
zwei Minuten horizontal verzeichnet wurde (Versuche Nr. 37 und 
423, Tabelle I). Ich hebe hier noch besonders hervor, dass ich mich 
bei dieser Erscheinung von dem Fortbestehen der Bewegungen 
des Herzens mittelst in's Herz eingestochener Nadeln überzeugt 
habe. 

Dass die Abnahme, die der arterielle Blutdruck erfährt, und sein 
horizontales Verzeichnen bei fortbestehendem Herzschlage ihre 
Erklärung in der eintretenden Blutleere der Arterien finden muss, 
kann noch auf einem andern Wege bestätigt werden; führt man 
nämlich, wie ich den Versuch am Hunde angestellt habe, in den 
rechten Vorhof durch die V. jugularis externa hindurch einen 
Katheter ein, an dessen Ende eine feine Blase (die Hainblase eines 
Kaninchens) aufgebunden ist, und versucht es, die Blase durch den 
hohlen Katheter hindurch im rechten Vorhof aufzublasen , so wird 
man genau dieselben Erscheinungen wie für den -f- RD beobachten; 
auch hier erfährt der arterielle Blutdruck mit wachsendem Aufblasen 
eine steigende Abnahme; auch hier wird diese dem Herzschlage ent- 
sprechende Excursion der Druckcurve schwach und klein, auch hier 
endlich wird bei genügendem Aufblasen der Blutdruck horizontal ver- 
zeichnet und sogar Herzstillstand erzeugt; diese Thatsachen können 
nicht auffallen, da sie eine naheliegende Erklärung zulassen. Durch 
das Aufblasen werden nämlich die Venenmündungen verlegt (wie ich 
mich durch Autopsie überzeugt habe) und das Einströmen des Blutes 
in's Herz gehemmt, resp. aufgehoben, also Blutleere im arteriellen 
Systeme erzeugt; auch hier wird also der Nutzeffekt des Herzens 
gemindert, und diese Minderung spricht sich auch hier in dem Absin- 
ken der Excursionen der einzelnen Herzschläge und des mittlem 
Blutdruckes aus. 



Über den Einfluss der Athembewegungen auf Herzschlag uud Blutdruck. 371 

Der mittlere Blutdruck im Arteriensystem erfährt bei beste- 
hendem -f- BD nicht selten Veränderungen, die theils mit den Athem- 
bewegungen zusammenhängen und in diesen ihre Erklärung finden, 
theils aber, durch andere Umstände herbeigeführt, unabhängig davon 
auftreten. 

Wenn bei bestehendem + BD die vorher ausgebliebenen Athem- 
bewegungen sich wieder einstellen, so ändert sich momentan auch 
der Werth der Blutspannung; sowie eine Inspiration eintritt, erfährt 
der Blutdruck einen Zuwachs, wobei auch die Zahl der Herzschläge 
vermehrt wird; in der Mehrzahl der Fälle erreicht jedoch der Blut- 
druck seinen ursprünglichen Werth dabei nicht; wurde vorhin der 
Blutdruck horizontal verzeichnet , so werden nun während der 
Zunahme des Blutdruckes auch die Herzschläge in der Blutdruck- 
curve wieder sichtbar. In der weitaus grössten Mehrzahl der Fäll e 
dauert jedoch dieses Ansteigen des Blutdruckes nicht lange; ist die 
Inspiration vorüber, so sinkt auch der Blutdruck, unter gleichzeitiger 
Abnahme der Zahl derHerzschläge, nahezu zu seinem frühern Werthe 
zurück, um unter Umständen wieder horizontal verzeichnet zu werden. 
Eine Inspiration kann aber, bei bestehendem BD, wie wir gesehen 
haben, mehrere Mal auftreten, und dem entsprechend steigt auch 
der Blutdruck jedesmal an. Die Tabelle enthält für diese Beob- 
achtung genügende Zahlenbelege (Versuche Nr. 10, 18, 26 der 
Tabelle I). 

Der Grund für diese Erscheinung ist leicht einzusehen; durch 
die auftretende Inspiration wird das Einströmen von Blut in's Herz, 
wenn auch vorübergehend , wieder ermöglicht und es werden daher 
in dem nachfolgenden Zeitmomente die Arterien wieder mit Blut ver- 
sehen; die Füllung und Spannung erfährt also eine rasche und bedeu- 
tende Steigerung. Auf die Ursache der Zunahme der Zahl der Herz- 
schläge komme ich an einer andern Stelle zu sprechen. Aber diese 
Beihe von Vorgängen kann nicht lange anhalten, nach vollbrachter 
Inspiration bleiben die Athembewegungen bei fortbestehendem -j- BD 
wieder aus , das abfliessende Blut wird nicht genügend durch neu- 
zuströmendes ersetzt , die Blutleere der Arterien macht sich von 
Neuem geltend. 

Aber selbst, wenn bei hohem -J- BD keine Athembewegungen 
eintreten, so wird doch zuweilen für den Blutdruck (und Herzschlag) 
dieselbe Beihe von Erscheinungen wahrgenommen und zwar ent- 



372 E i n I» r o (1 t. 

weder in Folge von Bewegungen der Gliedmassen und des Kopfes 
und Zusammenziehungen der Bauchmuskeln oder scheinbar spontan, 
ohne äusserlich wahrnehmbare Ursache (Versuche Nr. 11 , 19 , 43 
der Tabelle I). Diese Erscheinung fällt in ihrem Grunde mit der 
oben erwähnten zusammen. Was dort die Inspiration bewerkstelligte, 
das leistet hier der durch die Bewegungen eingeleitete Druck auf 
die Venen oder die in den Venen in Folge der Aufstauung bis zu 
einem gewissen Grade gesteigerte Spannung ; alle diese Einflüsse 
werden nämlich nur dadurch wirksam, dass sie eine vorübergehende 
Füllung des Herzens (resp. der Arterien) ermöglichen. Durch die 
Bewegungen der Gliedmassen, durch Contractionsanstrengungen der 
Bauchmuscheln wird nämlich mehr oder weniger der Verschluss der 
Venen aufgehoben und das Blut iVs Herz wieder eingepresst, oder 
es steigt (so müssen wir die spontane Blutdruckerhöhung erklären) 
die Spannung in den Venen in Folge der Stauung allmählich bis zu 
dem Grade an, dass sie endlich den Verschluss der Venenmündungen 
überwindet und eine bestimmte Quantität Blut , die für den Strom 
wieder nutzbar gemacht wird, in's Herz einpresst. — Aber auch 
hier, wie nach eingetretener Inspiration, kann das Steigen des Blut- 
druckes nicht lange anhalten; der auf die Venen durch Bewegungen 
oder Bauchpresse ausgeübte Druck ist immer nur vorübergehend 
und in Folge der theilweisen Entleerung des Blutes aus den Venen 
sinkt auch die Spannung in ihnen; es wird daher jede Ursache zum 
weitern Einströmen von Blut in's Herz aufgehoben, die Arterien ent- 
leeren sich wieder des ihnen zugeführten Blutes, und ihr Inhalt kommt 
dadurch neuerdings unter geringere Spannung. Neue Bewegung, 
neue Stauung des Blutes und Steigerung des Druckes in den Venen 
kann den Vorgang nach einer gewissen Zeit wieder hervorrufen, 
und es kann daher die Steigerung des arteriellen Blutdruckes im Laufe 
des Versuches nach längeren oder kürzeren Zwischenräumen perio- 
disch wiederkehren. 

Dass die hier versuchte Deutung der spontanen Steigerung des 
Blutdruckes bei bestehendem -f BD die richtige ist, beweist ein sehr 
einfacher Versuch; wird nämlich während der Dauer eines -f BD, 
wenn der Blutdruck gesunken ist oder selbst horizontal verzeichnet 
wird, die Ursache der Erscheinung nachgeahmt, d. h. ein Druck mit 
der Hand auf die Halsvenen oder auf den Bauch ausgeübt, so erscheint 
sofort eine Steigerung des Blutdruckes, die mit einer Zunahme der 



Über den Elnfluss der Athembeweguuigen auf Herzschlag und Blutdruck. 373 

Frequenz der Herzschläge im Zusammenhange auftritt (Versuche 
Nr. 44, 45 der Tabelle I). 

Wir haben oben gesehen, dass der hohe -\- RD in Folge einer 
zweifachen Wirkungsweise die Zufuhr des Blutes zum Herzen mehr 
oder weniger erschwert und aufhebt, das Blut in den Venen staut 
und dessen Spannung daher vermehrt. Es ist aus theoretischen 
Gründen ohne Weiteres klar und bedarf wohl kaum des Beweises, 
dass der bestehende hohe -f- RD eine Zunahme in der Spannung des 
Venenblutes nothwendig zur Folge haben inuss; ich habe mich aber 
zum Überfluss auch von dieser Thatsache durch directe Messung des 
Venendruckes überzeugt. Lässt man den Druck in der V. jugularis 
externa graphisch verzeichnen und übt dabei einen hohen -\- RD aus, 
so wird man regelmässig finden, dass während der Dauer desselben 
die Spannung in der Vene eine bedeutende Zunahme erfährt, die 
so lange anhält, als der -f- RD selbst und nach dessen Lösung wieder 
ausgeglichen wird. So fand ich, um ein Beispiel anzuführen, in einem 
Versuche während der Ausübung eines -f- RD von 65 Millim. Hg 
eine Erhöhung des Venendruckes von 27 Millim. Hg auf 1 1-7 Millim. 
Hg, also mehr als um das Vierfache; in einem andern Versuche bei 
einem -f- RD von 125 Millim. Hg stieg während der Dauer desselben 
die Spannung in der Vene von ihrem ursprünglichen Werthe von 
4-5 Millim. Hg auf 171 Millim. Hg. 

c) Der positive R e s p i r a t i o n s d r u c k verändert die 
Schlagfolge des Herzens und zwar auf doppelte Weise, 
indem er einmal eine d i r e c t e H e r z r e i z u n g e r z e u g t u n d 
zweitens eine V a g u s r e i z u n g bedingt. 

Bei bestehendem -f- RD verhalten sich die Herzschläge sehr ver- 
schieden, wie es ein Blick auf die beigefügte Tab. I leicht lehren wird. 

In der Mehrzahl der Fälle erleidet die Zahl der Herzschläge 
während der Dauer eines niedrigen oder massigen -f- RD (etwa bis 
30 oder 40 Millim. Hg) eine Abnahme, die Herzschläge werden sel- 
tener; es kommen aber auch Fälle vor, wo die Zahl der Herzschläge 
keinerlei Veränderung erfährt oder selbst eine sehr geringe Zunahme 
beobachtet wird; doch sind die beiden letzten Fälle immer selten im 
Vergleiche zum ersten. Steigt der -f RD höher, so nimmt die Zahl der 
Herzschläge meist zu, doch kommen auch hier, wenn auch nur sehr 
selten, Ausnahmen vor. Erreicht endlich der -j- RD seinen höchsten 
Sil/.l». d. mathem.-naturw. Cl. XL. Bd. Nr. 10. 20 



374 Einbrodt. 

Werth, so übt er wieder einen mindernden Einfluss auf die Zahl der 
Herzschläge, wobei aber wiederum Ausnahmen vorkommen können, 
und bewirkt endlich sogar Stillstand des Herzens (Versuche 
31, 32, 40, 41, 42 der Tabelle I). 

Von dem wirklichen Eintreten eines Stillstandes der Herzbewe- 
gung, was für den Menschen z. B. von Vierordt *) geleugnet wird, 
habe ich mich mit Hilfe des schon erwähnten Fühlhebels sowohl als 
auch mittelst direct in's Herz eingestossener Nadeln auf das Sorg- 
fältigste überzeugt. 

Der Stillstand des Herzens kann ziemlich lange anhalten ; so 
habe ich ihn in mehreren Fällen über 30 Secunden lang dauern 
gesehen ; es kann sich aber auch bei fortdauerndem -|- RD nach 
kürzerer oder längerer Zeit derHerzschlag wieder einstellen; nur bei 
sehr hohem -f- RD verharrt das Herz gewöhnlich so lange in Still- 
stand, als der Druck fortbesteht. 

Überlegt man etwas näher das so eben besprochene Verhalten 
in der Zahl der Herzschläge bei bestehendem -\- RD, so wird ohne 
Weiteres klar, dass man es hier nicht mit einem einfachen Einflüsse 
zu thun hat , und man gelangt, indem man die Bedingungen näher 
analysirt, zu der Überzeugung, dass der -f- RD, wie wir es schon 
oben vorgreifend ausgesprochen, nach zwei Richtungen hin wirksam 
ist, indem er 1. eine directe Herzreizung einleitet und 2. eine 
Vagusreizung bedingt. Nimmt man diese beiden Wirkungen des 
-J- RD als wirklich bestehend an, so lässt sich aus ihrer gegenseitigen 
Wechselwirkung, unter Berücksichtigung der Thatsachen, die über 
die gleichzeitige Reizung des Herzens und des N. vagus mit Induc- 
lionsströmen bekannt geworden sind 2 ) , das so verschiedene Ver- 
halten in der Zahl der Herzschläge bei bestehendem -|- RD unschwer 
ableiten. Fassen wir daher die Gründe etwas näher in's Auge, die 
unsere Annahme zu unterstützen scheinen. 

Für eine unmittelbare Herzreizung sprechen mehrere 
Umstände und zunächst schon die mechanische Wirkung des -J- RD, 
in Folge derer die Lungen bedeutend aufgetrieben werden und auf 
das Herz einen Druck ausüben müssen ; es stimmt mit dieser 



M Gruudriss der Physiologie <lcs Menschen. I.'l'h. |>. 104. Anmerkung'. 
*) Wiener Sitzungsberichte, IUI. XXXVIII, p. 352. 



Über den EinHuss der Athembeweg-ungen auf Herzschlag und Blutdruck. 375 

Anschauung die Thatsache, dass eine Zunahme in der Zahl der Herz- 
schlage (als Folge einer Herzreizung) nur äusserst selten während 
des Bestehens eines geringen -f- RD beobachtet wird, fast constant 
dagegen auftritt, wenn der -j- RD einen höhern Werth erlangt, denn 
der Druck, den das Herz durch die Lungen erfährt, kann im ersten 
Falle nicht beträchtlich sein und daher keine Reizung bedingen, 
nimmt aber zu bei steigendem RD. 

Es spricht zweitens für unsere Anschauung die schon oben 
erwähnte Erfahrung, dass die Zahl der Herzschlüge augenblicklich 
und bedeutend vermehrt wird, wenn bei bestehendem RD Blut in's 
Herz eingestossen wird, sei es in Folge einer eingetretenen Inspi- 
ration oder der bis zu einem gewissen Grade gesteigerten Spannung 
in den Venen oder endlich in Folge von Druck auf den Bauch und 
die Halsvenen , von Gliederbewegungen etc. In allen diesen Fällen 
befindet sich das Herz in einem Zustande, in Folge dessen es durch 
neu eintretende Blutmassen gereizt werden muss; wenn nämlich die 
Hemmung, welche der -j- RD dem Blute ausserhalb der Brust ent- 
gegensetzt, durch Anstauung oder durch Muskelbewegung, oder 
endlich durch mechanischen Gegendruck überwunden wird , so 
geht das Blut mit Pressung in's Herz ein und dasselbe erfolgt nach 
eingetretener Inspiration, denn das Blut langt jetzt unter hoher 
Spannung an; nun wird das Herz von innen und aussen, durch Blut 
und Lunge gedrückt , es muss also eine lebhafte Bewegung einge- 
leitet werden; gerade wie auch das lebende Herz, wenn es zwi- 
schen den Fingern gedrückt wird, schneller schlägt. 

Drittens kann zu Gunsten einer directen Herzreizung die nicht 
selten von mir beobachtete Erscheinung angeführt werden, dass dem 
Stillstande des Herzens nicht immer eine Verlangsamung der Herz- 
schläge vorangeht, sondern dass zuweilen, so zu sagen, ein Über- 
springen stattfindet von frequentem Herzschlag zu vollkommenem 
Stillstand der Herzbewegung. 

Die angeführten Wahrnehmungen scheinen unsere Annahme 
einer unmittelbaren Herzreizung zu rechtfertigen, und ich möchte 
nur hervorheben, dass der Druck der Lunge auf die äussere Ober- 
fläche des Herzens wahrscheinlich mehr als begünstigendes Moment 
betrachtet werden muss, während die wahre Ursache der Reizung 
auf der innern Oberfläche des Herzens stattfindet und sich aus dem 
mit Pressung einströmenden Blule ableitet. 

26* 



376 Binbrodt. 

Der erhöhte -\- RD bedingt aber auch Vagusreiz ung, 
welche, wenn kein directer Reiz auf das Herz wirkt, eine 
Verlangsamüng der Herzbewegung einleitet. 

Mit dieser Anschauung steht zunächst die Thatsache in Über- 
einstimmung, dass die Verlangsamung der Herzschläge-bei bestehendem 
-\- RD vorzugsweise bei niedrigem Druck eintritt, der das Einströmen 
von Blut in den Brustkasten nicht aufhebt; hier kann die Vagus- 
reizung aus einem doppelten Grunde sich geltend machen, einmal 
nämlich , weil bei niederem Drucke die Zusammendrückung des 
Herzens durch die Lungen nicht bedeutend werden kann und dann 
weil die Ursache zur unmittelbaren Herzreizung von der innern 
Oberfläche des Herzens aus wegfällt, nämlich das unter hohem 
Druck einströmende Blut. 

Ebenso spricht für unsere Anschauung die Erfahrung , dass die 
Verlangsamüng derHerzbew egung auch bei sehr ho he in -f- RD auf- 
tritt, welcher alles Zuströmen zum Herzen hemmt; hier wird freilich 
auf die äussere Oberfläche des Herzens durch die unmässig ausge- 
dehnten Lungen schon ein stärkerer Druck ausgeübt ; wahrscheinlich 
wird er aber, wie wir schon erwähnt, für sieh allein keine genügende 
Heizung des Herzens einleiten können, und da der Zufluss des Blutes 
zum Herzen vollkommen aufgehoben ist und durch die oben genannten 
Bedingungen nicht mehr hergestellt wird, so fehlt hier die^directe 
Herzreizung. 

Es spricht zweitens für uns der bei hohem -j- RD nicht selten 
eintretende Herzstillstand; freilich erreicht bei gehemmte r 
Herzbewegung die die Vagusreizung bedingende Ursache (die wir 
sogleich kennen lernen werden) nicht ihr Maximum, aber dieses wird 
durch das Fehlen der directen Herzreizung wiederum compensirt. 

Viertens kann hier angeführt werden , dass wenn bei beste- 
hendem -\-RD in Folge früher besprochener Umstände eine bestimmte 
Quantität Blut von Neuem in's Herz anlangt und der Blutdruck dann 
unter Eintritt beschleunigter Herzbewegungen steigt, die Herzschläge 
alsbald wieder verlangsamt werden und der Blutdruck wieder eine 
Abnahme erfährt. 

Endlich findet hier auch die Beobachtung ihren Platz, dass, 
wenn nach Lösung eines hohen -\-RU der Blutstrom wieder unter 
grosser Spannung zu tliessen beginnt, die Herzschläge, wie weiter 
unten gezeigt werden soll, fast jedesmal verlangsamt werden. 



Ober rfen Rinfluss der Athembewegungen auf Herzschlag und Blutdruck. 377 

Wenn schon durch wichtige und zahlreiche Thatsachen die 
Annahme einer Vagusreizung gefordert wird, so wird sie durch den 
direcfen Versuch, durch den Erfolg der Vagusdurchsehneidung 
ausser allen Zweifel gestellt. Durchschneidet man am Hunde beide 
N. vagi und lässt ihn darauf unter hohem -\-RD athmen, so bleiben 
alle sonstigen Erscheinungen und Wirkungen des -\-RD genau die- 
selben, aber die Herzschläge erleiden nunmehr keine Verla ng- 
samung und selbst der höchstmöglich gesteigerte Druck vermag 
keinen Herzstillstand mehr herbeizuführen. Ich habe diesen 
Versuch oft wiederholt, namentlich in denjenigen Fällen, wo ich 
vor der Durchschneidung einen ausgezeichneten Stillstand beobachtet 
hatte und erhielt dabei constant dasselbe Resultat. 

Durch die vorhergehende Betrachtung glaube ich also darge- 
legt zu haben, dass der -\-RD eine Vagusreizung bedingt, zu der 
sich unter Umständen, die der Analyse mehr oder weniger zugäng- 
lich sind, noch eine directe Herzreizung hinzu gesellt. Aus ihrer 
beiderseitigen Wirkung, aus dem wechselnden Überwiegen der einen 
oder der andern, mag dieses von zufälligen Bedingungen des Ver- 
suches oder von constitutionellen Bedingungen des Organismus ab- 
hängen, erklärt sich dann ungezwungen der im Versuch so ver- 
schieden auftretende Einfluss des -}-/?/) auf die Schlagfolge des 
Herzens. 

Wir müssen es jetzt versuchen, dem Grunde des veränderten 
Erregungszustandes der N. vagi näher nachzugeben. 

d) Der positive Respirationsdruck erzeugt Him- 
dr uck. 

Das Blut , dessen Einströmen in's Herz in Folge des -\-RD ge- 
hemmt und sogar aufgehoben wird, sammelt sich in den grösseren 
Venen an und bedingt daselbst eine Stauung, die der Messung zugäng- 
lich ist; in Folge des so behinderten Abflusses des Blutes aus den 
oberen Körpermassen muss eine Stauung des Blutes vorzugsweise 
in den Kopfvenen eintreten; die Schwellung der Hals- und Gesichts- 
venen gibt schon ein Zeugniss davon, der directe Versuch bestätigt 
dieses auf das Vollkommenste und erhebt eine Überfüllung der venösen 
Sinus der harten Hirnhaut mit Blut über allen Zweifel. J Bei diesen 
Versuchen verfuhr ich auf die Art, dass ich beim Hunde in der 
Mittellinie des Schädels zwischen beiden Musculi temporales, 



378 Einbrodt. 

zienilicli dicht vor der crista occipitalis externa eine kleine (unge- 
fähr 1 J / 2 Millim. breite) Öffnung mittelst eines Bohrers anbrachte, in 
dieselbe eine mit einer Schraubenwindung versehene und genau 
passende Caniile einschraubte und diese letztere mittelst eines kurzen 
Kautschukschlauches mit einer gebogenen Glasröhre von entspre- 
chender Weite in Verbindung brachte, die bis zu einer gewissen 
Höhe mit Wasser gefüllt war. — Der Eintritt einer kleinen Quantität 
Luft in die Schädelhöhle konnte hierbei natürlich nicht vermieden 
werden, hatte aber für unsere Zwecke keine weitere Bedeutung. 
Mittelst einer stumpf zugespitzten Nadel würde durch die Canüle 
hindurch, ohne Beschädigung der Hirnsubstanz, in den Sinus longitu- 
dinalis der harten Hirnhaut eine feine Öffnung gemacht, wovon ich 
mich jedesmal durch Autopsie überzeugte; die in der Röhre befindliche 
Wassersäule führte unter dem Einflüsse der Respirationsbewegungen 
und des Herzschlages die bekannten Schwankungen aus. Wurde nun 
der Stand des Wassers in der Röhre notirt , während das Thier frei 
in die Luft athmete und darauf durch Schliessen des Hahns rasch 
ein -\- RD ausgeübt, so stieg auch (wenn nur während der Opera- 
tion kein zu starker Btutverlust eingetreten war) momentan mit der 
Einführung des -\-RD das Wasser in der Röhre, erhielt sich wäh- 
rend der ganzen Dauer seiner Ausübung auf derselben Höhe und 
sank nach Aufhebung desselben auf seine frühere Höhe zurück. Um 
ein Beispiel anzuführen, so stieg es in einem meiner Versuche bei 
einem -\-RD von 30 Millim. Hg um 20 Millim., in einem andern, bei 
einem -\-RD von 66 Millim. Hg um 40 Millim. Besonders hervor- 
zuheben ist die Wahrnehmung, dass dieses Resultat schon bei 
niederm -\-RD eintritt. Die Autopsie von Hunden, die in Folge hohen 
und auffallenden -\-RD zu Grunde gehen, bietet auch eine Bestäti- 
gung unserer Voraussetzung; es finden sich nämlich immer eine 
Überfüllung der Hirngefässe mit Blut und unter Umständen selbst 
papilläre Blutergüsse in die Hirnsubstanz. 

Die Versuche endlich, die man mit dem -\-RD an sich selbst 
anstellen kann, lehren wiederum dasselbe, denn sie bieten alle Er- 
scheinungen einer ausgesprochenen Congestion nach dem Kopfe dar. 

Fragt man, unter welchen Umständen dieser Hirndruck am 
grössten sein und am längsten anhalten wird, so lässt hier der Ver- 
such im Stiche, aber aus theoretischen Gründen lässt sich aussagen, 
dass dieses der Fall sein wird — 1. wenn der Zutluss von Blut unter 



Ober den Einlluss der Atheiiibewpgiwgen auf Herzschlag- und Blutdruck. 370 

hohem Drucke geschieht, ohne dass der Abfluss erleichtert ist, sei 
es, dass dieses durch die eingetretenen und nicht sogleich zu beseiti- 
genden Hemmungen im Capillarsystem oder durch den noch beste- 
henden -|- BD bestimmt wird. 2. Wenn durch Bewegungen der 
unteren Körpertheile oder durch Druck auf den Bauch wieder Blut 
in's Herz getrieben wird, wahrend es aus dem Kopf am Abfliessen 
gehindert ist. 

Dieser Hirndruck ist es nun, auf den der veränderte Erregungs- 
zustand der N. vagi bezogen werden muss und der uns zu der An- 
nahme zwingt, dass die Ursache der Erregung der N. vagi an deren 
centrale Ursprungsstellen, in das verlängerte Mark zu verlegen ist. 
Dafür spricht 1. der Umstand, dass, wenn die Beizung am Herzende 
der N. vagi vorhanden wäre, die Verlangsamung der Herzschläge 
auch nach der Vagusdurchschneidung fortdauern müsste; 2. zeigt 
aber auch der directe Versuch, dass die Stauung des Blutes, resp. 
der dadurch ausgeübte Druck, nicht aber Sauerstoffmangel oder der 
wenn auch factisch vergebliche Versuch zur Athembewegung die 
Ursache der Vagusreizung ist. Wird nämlich bei bestehendem -\-RD 
und dadurch verlangsamter Herzbewegung ein Aderlass aus einer 
das Hirnblut aufnehmende Venen bewerkstelligt (was ich an der 
Vena jugularis externa that) , so wird sofort der Herzschlag 
beschleunigt, wobei auch der Blutdruck in d. a. carotis eine Steige- 
rung erfährt; schnürt man die geöffnete Vene wieder zu, so tritt 
auch wiederum Verlangsamung der Herzschläge unter Abnahme des 
arteriellen Blutdruckes ein (Versuch Nr. 46, 47, 48 der Tabelle I). 
Das hier eintretende Steigen des arteriellen Blutdruckes erklärt sich 
daraus, dass durch die Herzbewegung das etwa vorhandene Blut 
wieder nutzbar gemacht wird. 

3. Die Erscheinungen, welche eintreten, wenn der -f~ Hl) 
von seinem Maxim um wieder auf Null herab gesunken, 
bieten wenig Charakteristisches, denn sie bestehen im Allgemeinen 
nur in einer länger oder kürzer dauernden Nachwirkung und einer 
darauf folgenden Ausgleichung derjenigen Einflüsse, die der -\-RD 
während seines Bestehens bedingt hatte. 

Die Athem be wegu ngen stellen sich auch nach Aufhebung 
des -\-RD wieder ein und zwar sofort, wenn der Druck ein massiger 
war (bis etwa 25 bis 30 Millim. Hg), wobei sie frequenter und tiefer 
werden, oder erst eine geraume Zeit nachher, wenn der Druck 



380 Einbrodt. 

bedeutend war; je höher «ler -^-RD steigt, um so später kehren auch 
die Athemhewegungen nach dessen Lösung wieder. Waren bei 
niedrigem -{-RD die Athemhewegungen gar nicht ausgehliehen, 
so erleiden sie nach Aufhebung desselben nur insofern eine Verän- 
derung, als sie jetzt an Tiefe und Frequenz zunehmen. — Der Um- 
stand, dass nach einem hohen -\-RD die Athemhewegungen noch 
längere Zeit hindurch ausbleiben, muss wahrscheinlich auf Rechnung 
einer Veränderung gesetzt werden, die der Erregungszustand der 
automatischen Respirationsorgane erfahren hat , und wird durch Er- 
müdung derRespirationsmuskeln und die durch übermässige Ausdeh- 
nung der Lunge bedingte Abnahme ihrer elastischen Kräfte (?)wohl 
wesentlich unterstützt. 

Der arterielle Blutdruck steigt nach Aufhebung des 
-\- RD in der weitaus grössten Mehrzahl der Fälle rasch und bedeu- 
tend an, denn das in's Herz aus den Venen ankommende Blut langt 
unter hoher Spannung an und wird für den Strom sogleich nutzbar 
gemacht. Diese Steigerung des Blutdruckes hält aber in der Regel 
nicht lange an und im weiteren Verlaufe der Zeit kehrt der Blut- 
druck nach einigen Schwankungen nahezu zu seinem ursprünglichen 
Werthe zurück, denn dieses Steigen kann ja nur so lange anhalten 
als die höhere Spannung in den Venen anhält und diese letztere 
wird unter gewöhnlichen Umständen durch das nun ermöglichte 
Einströmen von Blut in's Herz ziemlich rasch ausgeglichen; genau 
lässt sich natürlich die Dauer des Ansteigens nicht voraus bestim- 
men, eben so wenig voraussagen, ob nach Aufhebung des -\-RD der 
Blutdruck schliesslich zu seiner früheren Höhe zurückkehren wird 
oder dieselbe längere Zeit hindurch übersteigen oder endlich auch 
unter derselben zurück bleiben wird ; im Versuche kommen alle drei 
Fälle, ziemlich gleich oft zum Vorschein; natürlich wird hier Alles 
darauf ankommen, wie rasch im einzelnen Falle die Spannung in den 
Venen ausgeglichen wird und wie sich das Verhältniss des weitereu 
Zuflusses von Blut zum Abflüsse gestattet. 

Das Verhalten des Blutdruckes nach Aufhebung des -f- RD er- 
fährt fast constant eine Modifikation , wenn dieser letztere einen 
sehr bedeutenden Werth erhält (etwa über 75 bis 150 Millim. Hg)', 
in diesem Falle nämlich steigt der Blutdruck nicht sogleich wieder 
an, sondern behauptet sich auf seiner früheren Höhe oder erfährt 
selbst in extremen Fällen ein weiteres Sinken, um nach einer 



flier den Einflusa der Athembewegungen auf Herzschlag und Blutdruck. 381 

bestimmten, in verschiedenen Fällen variablen, aber im Ganzen 
kurzen Zeit in gewohnter Weise anzusteigen (Versuche Nr. 21 , 22 
der Tabelle I). Wie schon angeführt, gilt genau dasselbe für dieAthem- 
bewegungen, auch sie bleiben nach Lösung eines sehr bedeutenden 
-f- RD eine Zeit lang noch aus; hier muss nun hervorgehoben 
werden, dass diese beiden Erscheinungen immer Hand in Hand gehen 
und dass der Blutdruck sofort zu steigen beginnt, wenn die Respi- 
rationsbewegungen sich wieder einstellen. In dem Ausbleiben der 
Athembew r egungen und der dadurch bedingten ungenügenden Zufuhr 
von Blut findet also die für den Blutdruck hervorgehobene Erscheinung 
ihre Erklärung. 

Die erhöhte Spannung in den Venen wird nach Auf- 
hebung des -\- RD mehr oder weniger rasch ausgeglichen, aber 
auch hier wiederum findet dasselbe Statt wie für den Arteriendruck ; 
auch hier nämlich erfolgt nach Lösung eines sehr hohen -J- RD die 
Abnahme des Venendruckes nicht momentan, sondern erst einige 
Zeit später und allmählich; so habe ich zuweilen nach einigen 
Secunden eine geringe Nachwirkung, daher eine im Vergleich zur 
ursprünglichen etwas höhere Spannung constatiren können; im All- 
gemeinen kann jedoch ausgesagt werden, dass der Venendruck 
eher, als derjenige in den Arterien, zu seiner früheren Höhe 
zurückkehrt. 

Die Herzschläge sind nach Aufhebung des -\- RD fast ohne 
Ausnahme gross, stark und sehr selten; unter mehr als 100 Fällen 
habe ich nur einige wenige beobachtet (die auch alle als interes- 
sante Besonderheiten in dieTabellel aufgenommen sind — Nr. 7, 9, 
II, 12, 14, 17), in welchen nach Lösung des -\-RD frequenter Herz- 
schlag notirt worden ist, und noch muss dabei erwähnt werden, dass 
es gerade diejenigen Fälle waren, wo auch während der Dauer 
des -|- RD die Zahl der Herzschläge eine Zunahme erfahren hatte. 
In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle tritt aber immer eine 
Verlangsam ung des Herzschlages ein; sie macht sich schon bei 
einem geringen -\- RD geltend, wächst aber im Ganzen mit steigen- 
dem Drucke, unter Umständen kann sie eine sehr bedeutende werden: 
so finden sich in der Tabelle Fälle verzeichnet, wo die Zahl der 
Herzschläge vor Ausübung des -\- RD sich zu derjenigen nach Auf- 
hebung desselben wie 1 zu 0-41 und 1 zu 0-38 verhielt. — Nach 
Aufhebung des -|- RD hält diese Verlangsamung des Herzschlages 



382 Bin br od t. 

noch eine gewisse Zeit an , wird aber allmählich immer schwächer 
und schwächer, bis schliesslich die Zahl der Herzschläge zu ihrem 
früheren Werthe zurückkehrt. Diese allmähliche Ausgleichung der 
Nachwirkung geschieht in manchen Fällen so stetig und progressiv, 
dass sie sehr deutlich in der Blutdruckcurve mit den Augen verfolgt 
werden kann; ausgezeichnete Beispiele bieten die Versuche Nr. 33 I, 
34 und 43 der Tabelle I. Es wird wohl nach dem früher Gesagten nicht 
auffallen, wenn wir diese Verlangsamung des Herzschlages als Nach- 
wirkung der bestandenen Vagusreizung auffassen. Dass diese sich vor- 
zugsweise geltend macht, während die bei bestehendem -f- RD auch 
auftretende unmittelbare Herzreizung nach Aufhebung des Druckes nur 
äusserst selten zur Wirkung gelangt, findet die nöthige Begründung 
in dem Umstand, dass die Ursache der Vagusreizung, der Hirndruck 
nämlich, auch nach Lösung des -f- RD , wie wir sogleich erfahren 
werden , einige Zeit bestehen bleibt, während dieses für die 
unmittelbare Herzreizung nicht der Fall ist. Bestätigt wird diese 
Annahme durch den Erfolg der Vagusdurchschneidung, wo die Ver- 
langsamung des Herzschlages auch nach Aufhebung des -j- RD 
absolut fehlt. 

Was schliesslich die Stauung des Blutes in den Hirn- 
venen betrifft, so muss hier der Umstand hervorgehoben werden, 
dass nach einem bedeutenden -\-RD die Ausgleichung dieser Ver- 
änderung auch nur sehr allmählich erfolgt, was wahrscheinlich Hem- 
mungen im Capillarsystem zuzuschreiben ist, dass dagegen diese Aus- 
gleichung sofort eintritt, sowie eine Inspiration sich einstellt, die den 
Abfluss von Blut aus dem Kopfe begünstigt. 

Der künstlich erzeugte -f- RD wird von Hunden lange Zeit 
hindurch ohne nachtheiligen Einfluss ertragen und zwar sowohl das 
lange Bestehen desselben als auch die während einer längeren Zeit 
fortgesetzte wiederholte Ausübung; ein Zeugniss davon geben die 
Versuche Nr. 37, 42, 44, 45, 40, 48 unserer Tabelle I, wo die Dauer 
eines einmal ausgeübten -f- RD mehr als 2 Minuten betrug, wobei 
noch ausserdem zu berücksichtigen ist, dass die den Lungen zuge- 
führte Luft während dieser Zeit nicht erneuert wurde, und die Ver- 
suche Nr. I — 16, die alle an einem und demselben Hunde in der ange- 
führten Reihenfolge im Laufe von 3 bis 4 Stunden gewonnen sind. 

Erwähnen muss ich aber, dass nach zu lange fortgesetzter 
Ausübung eines übermässig gesteigerten -J- RD zuweilen, namentlich 



Über den Einfluss der Athembewegungen auf Herzschlag und Blutdruck. 383 

bei heruntergekommenen Hunden, sich Anfälle von Krämpfen ein- 
stellen, die meist periodisch nach längeren oder kürzeren Zwischen- 
räumen wiederkehren; aber selbst diese lassen sich durch länger 
anhaltende Ruhe fast immer beseitigen. Ihr Ursprung ist wahr- 
scheinlich in der beobachteten Stauung des Blutes in den Central- 
theilen des Nervensystems zu suchen; das Wie ihrer Entstehung 
bleibt aber natürlich vollkommen dunkel. 

Endlich kann man selbst den Tod des Thieres durch den -f RD 
herbeiführen, aber dieses gelingt nur , wenn ein ungemein hoher 
-\- RD während sehr langerZeit, namentlich bei kleinen und elenden 
Hunden, ausgeübt wird; ob der Tod in Folge des Stillstandes der 
Herzbewegung oder wegen der schliesslich sich einstellenden Athem- 
noth aus Sauerstoffmangel erfolgt, mag dahingestellt bleiben. 

Auch an mir selbst habe ich die Versuche über die Wirkung 
des 4- RÜ angestellt, theils um die subjectiven Erscheinungen kennen 
zu lernen, theils aber auch um die an Hunden gewonnenen Erfah- 
rungen direct am Menschen zu prüfen. Dabei wurde die Nase zu- 
gehalten und die Tracheacanüle mit dem Munde möglichst genau 
umschlossen; ein Gehülfe prüfte den Puls an der Arteria radialis und 
sorgte für die Herstellung des -\- RD. Die Erscheinungen, die dabei 
auftraten, waren constant und standen nahezu im Einklänge mit den 
am Hunde wahrgenommenen. Bei schwachem Drucke gelang es, die 
Athembewegungen durch starke Anstrengung der Exspirations- 
muskeln mühsam zu unterhalten; bei einem höhern -J- RD trat ein 
peinliches Gefühl von Beklemmung ein, das zu gewaltsamen, aber bei 
hohem Drucke durchaus fruchtlosen Ausathmungsversuchen zwang; 
mit steigendem Drucke entstand Röthe und Schwellung des Ge- 
sichtes und Halses, die Augen thränten und traten hervor, es stellte 
sich Ohrensausen ein, kurz alle Erscheinungen einer ausgesprochenen 
Congestion nach dem Kopfe; bei längerer Dauer des Versuches ent- 
stand sogar Schmerz in der Hinterhauptgegend. W T as den Puls be- 
trifft, so glaube ich bemerkt zu haben, dass bei niederm -f- RD eine 
Zunahme der Zahl der Herzschläge eintrat, die bei steigendem Drucke 
einer Verlangsamung der Pulsschläge wich, also ein von der bei 
Hunden gemachten Wahrnehmung etwas verschiedenes Verhalten; 
doch will ich auf diesen Umstand keinen besondern Werth gelegt 
wissen, da die Zählung der Pulsschläge nicht mittelst der graphi- 
schen Methode , sondern blos durch den tastenden Finger geschah. 



384 Einbrodt. 

Bei einem hohen -f RD wurden die Pulsschläge äusserst schwach 
und konnten schliesslich nicht mehr wahrgenommen werden ; oh 
wirklicher Herzstillstand eintrat, ist hier schwer zu entscheiden. 
Diese Versuche bieten eine mögliche Erklärungsweise für die 
Meinungsdifferenz, die in Betreff der Zahl der Pulsschläge zwischen 
Ed. Weber und Donders besteht. 

Nach Lösung des -f- RD war der Puls ohne Ausnahme gross, 
selten und stark, was auch Donders 1 ) für seine Versuche hervor- 
hebt. Trotz aller Willensanstrengung war es bei einem hohen -f RD 
wegen des peinlichen Gefühles der Beklemmung und Athemnoth 
unmöglich, diese interessanten Versuche lange Zeit fortzusetzen. 

Die Versuche mit dem -\- RD bieten, ganz abgesehen von ihrem 
Werth für die richtige Auffassung des Einflusses der Athembewe- 
gungen, auch insofern einiges Interesse, als sie die von Brunner 2 ) 
ausgeführten Messungen der Spannung des ruhenden Blutes bestäti- 
gen; durch den hohen -f- RD werden nämlich die dazu erforderlichen 
Bedingungen — Stillstand der Bewegungen des Herzens, des Brust- 
kastens und der Gliedmassen — unter Beihilfe der Opiumbetäubung 
wirklich erzeugt und zwar, für den unerlässlichen Stillstand der 
Respirationsbewegungen wenigstens , leichter und sicherer als 
durch das von Brunn er eingeschlagene Verfahren. Unter diesen 
Bedingungen stellten sich nun in meinen Versuchen für den abso- 
luten Werth des Blutdruckes Zahlen heraus, die zwar von einander 
bei verschiedenen Hunden nicht unbeträchtlich abweichen, aber mit 
den von Brunn er gefundenen eine auffallende Übereinstimmung 
darboten. Es liegt für unsere Zwecke zu weit , hier darauf näher 
einzugehen; es genügt, daraufhingewiesen zu haben. 

Legen wir uns schliesslich die Frage vor, welche von den 
beobachteten Wirkungen des -{- RD für unsere Aufgabe besonders 
wichtig zu sein scheinen, so müssen wir, unter Hinweisung auf die 
spätere Begründung, drei Wirkungen des -}- RD , als massgebend 
für die richtige Beurtheilung des Einflusses der Athembewegungen 
auf Herzschlag und Blutdruck, besonders hervorhoben — zuerst die 
beschleunigende Kraft, die der -f- RD während seines Ansteigens 
ausübt, dann den während der Dauer des -\- RD auftretenden 



i) L. c. p. 245. 

2 ) Über die mittlere Spannung im (iet'ässsytein. Zürich 1854. 



Über den Einfluss der Athembewegungen auf Herzschlag und Blutdruck. OOO 

erschwerten Rückfluss des Blutes zum Herzen und die dadurch bedingte 
Abnahme des Nutzeffectes des Herzens und der Spannung im Athem- 
systeme und endlich die Stauung des Blutes in den Venen und Capil- 
laren des Gehirns und die daraus resultirende Vagusreizung. 



Die nachstehende Tabelle enthält die nöthigen Zahlenbe^ge 
für die bis dahin aufgestellten Behauptungen, die Versuche sind in 
ihr bei jedem einzelnen Hunde in derjenigen Reihenfolge ausgeführt, 
in welcher sie gewonnen wurden; die Grösse des-\-RD, die durch 
die Höhe der auf der Luft lastenden Wassersäule bedingt ist und in 
den Versuchen durch Ablesen des Standes dieser letzteren an der 
graduirten Glasröhre bestimmt wurde, ist in der Tabelle auf Mill. Hg 
reducirt. Das Unsichtbarwerden der Pulsschläge in der Blutdruck- 
curve, d. h. das horizontale Verzeichnen des Blutdruckes ist durch 
„horizontal" ausgedrückt. In den Bemerkungen bedeutet EBw — Re- 
spirationsbewegungen, HSchl — Herzschlag, HSt — Herzstillstand. 

Bei Gebrauch der Tabelle ist endlich zu berücksichtigen, dass, 
wenn die in der Abhandlung als Besonderheiten bezeicbneten Fälle in 
der Tabelle verhältnissmässig oft vorkommen, dieses dem Umstände 
beizumessen ist, dass des beschränkten Raumes wegen weniger als 
die Hälfte der wirklich angestellten Versuche in der Tabelle aufge- 
nommen wurde, so dass für die constant auftretenden Fälle nur 
einige Beispiele gewählt worden sind, während gerade die Aus- 
nahmsfälle , als interessante Belege für die Mannigfaltigkeit der 
Erscheinungen, nahezu alle in der Tabelle ihren Platz gefunden 
haben. 



380 



Ein b r o d t. 



I. Tabelle für deu posi- 



l 




£ 


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Vor Ausübung 
des RD 


Während < 


er Dauer des RD 


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c 

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00 

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Zeit nach Beginn des Rl) 
in Secunden 


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"i = c= 


Mittlerer Blut- 
druck in Mm. 


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t 5 -= 


i 


1 


il 


25-8 


130 


83-2 


( 7-9 
)Von 9-3bis2S-8 


106 
34 


0-81 
0-26 


82-3 
81-0 


0-98 
0-97 




2 


8 


13-2 


120 


95-4 


( Unmittelbar 


HO 
100 


0-91 

0-90) 

0-8H 


96-2i 


100 




3 


II 


22-0 


HO 


105-9 


\ 6-0 


90 


101-7 


0-96 














( 18-0 


40 


0-36) 


















( 2-0 


70 


0-88) 








4 


11 


23- 1 


80 


118-3 


\ 8-0 
( 16-0 


85 
73 


1-061 
0-93) 


117-2 


0-99 




8 


13 


20-9 


60 


110-7 


— 


60 


1 00 


110-7 


1 • 00 




6 


14 


22-8 


60 


108-0 


( 4-7 ) 
)Von 4-7 bis 22 -8f 

( Unmittelbar 


50 
45 


0-90J 
1-00 


81-0 
113-3 


(»•75, 
1-04} 

— ) 




7 


18 


21-4 


45 


112-6 


) 5-2 

(Von S-2 bis 21-4 


(84 2 
|52 3 


1-86/ 
l-15j 


100-8 
125-1 


0-89/ 

inj 




8 


2G 


172 


SS 


113-8 


(Von bis 8-0 
\ „ 80 „ 14-0 

( Unmittelbar 


65 

50 

50 


1-18( 

0-90j 

0-86 


95-4 


0-83 

i 




9 


33 


22-8 


58 


139-2 


3-6 
60 

(Von 6-0 bis 22-8 


100 

90 


l-72i 

l-55f 


1026 
127-7 


0-75 




10 


4S 


19 3 


SO 


Hill 


(Von bis 6-0 
j „ 6-0 „ 19-3 4 

(Von bis 7-3 


55 

95 

50 


110 
1-72 

111 


87-0 
112S 


0-75 
0-96 




1 1 


02 


21-4 


45 


128-4 


„ 7-3 ,. 8-6 
) „ 8-6 .. 21 -4 
( 190 

(Von bis 9-3 


boriz 
109 

59 


ontal 
2-42 

1 • 1 5) 
2-lof 


76-3 
114-3* 


0-59 
0-88 




12 


74 


17-6 


SO 1 


\ to-o 


— 


S7-3 


0-63 














( „ 10-0 bis 17.6 


1(19 







Über den Eintluss der Athembewegungen auf Herzschlag- und Blutdruck. d cW 



tiven Respirationsdruck. 



Nach Aufhebung: des HD 



Zeit nach Aufhebung des 
111) iu Secunilen 



- - 


^ *c 






M S 


N ^ 


X. " 






51 II 


— » 


- CO 




_- £ 


"5 — £" 






SJ 


> 


80 


0-61» 

0-76( 


100 


80 


0-66 


68 


0-61) 
0-99J 


109 


80 


100 


00 


1-00 


60 


1-00 


54 


1-20 


38 


69) 


85 


1-545 


60 


1-03 


40 


0-80) 


50 


1 • 00f 


90 


2-00 

t-oo) 


45 


54 


1-08] 


50 


1-00) 



■1 3<3 

= £ ^ 



It e in e i' k II ii g e n 



2 • 
6-0 



Unmittelbar 
7-0 



3-0 



Von bis 8-0 
„ 8-0 „ 10-0 



5-0 



Von Obis 11-0 
Zu Ende d. Versuch. 



Von bis 3 5 
Zu Ende d. Versuch. 

Unmittelbar 
Zu Ende d. Versuch. 



84-3 
96-2 

103-2 

114-9 

113-4 
113-6 

119-7 

125-5 



1-01 

l-ooj 

0-97 

0-97 

1-02 
1-04J 

1-06J 

110 



Fortdauer der RBw. während des 
RD. 

Fortdauer der RBw. 
1 Das Steigen des Blutdruckes war 
hier Folge einer Inspiration. 



Fortdauer der RBw. 



123-2 1-06 



122-6 



1 22 • 5 



95 



o-ss 



Fortdauer der BBw. 



Fortd.d. RBw. b.veränd. Rhythmus. 

Erschwerte Fortdauer der RBw. 
bei sehr verändertem Rhythmus. 

Erschwerte Fortdauer der RRw. 
bei verändertem Rhythmus. 

2 Während der Inspiration. 

3 Während der Exspiration. 

Ausbleiben der RBw. während der 
Dauer des RD. 



Ausbleiben der RBw. 



Ausbleiben der RBw. 
* Während dieser Zeit fand eine 
Inspiration Statt. 

Ausbleiben der RBw. und horizon- 
tales Verzeichnen d. Blutdruckes 
bei fortbestehendem Herzschi. 

5 Ist eine sog. spontane Erhebung. 

Ausbleiben der RBw. 



388 



E i n li r o d t. 



«J 




£ 


a 
s 


Vor Ausübung 
des HI) 


Während 


ler Dauer des 


RD 






3 


6? 


an 

2 


x * 


1* 


Zeit nach Beginn des BD 


X ij 




2 5 


s i ii 


TS 


T3 


-c 


I s 


i o 




ii Secunden 


— O 




-5 o 


!■!"' 


£ 


£ 


= 


= 


M 


s 




N 


> 


s 


> 




13 


96 


22- 5 


54 


i ,, j f Unmittelbar 
133-1 { 12-0 

1 (Von bis 6-2 


54 
136 

54 


1-00 
2-51 

1-08) 


69-4 


0-52j 




14 


118 


17-6 


50 


110-2 { „ 6-2 „ 10-2 


horizontal 


37-8 


0-34 














( „ 10-2 „ 17-6 


118 


2-361 


















(Von bis 4.4 


50 


1-11 


110-6 


1-08^ 




IS 


26 


14-3 


45 


101-7 


) n 4-4 „ 6-5 
) „ 6-5 „ 10-7 
( „ 10-7 „ 14-3 

(Von bis 5*5 


1001 
54 

54 


2 22 

1-20 

1-20 


81-9 
110-2 


0-80 

1-08J 

- ) 




IG 


37 


14-3 


45 


109-7 


) „ 5-5 „ 6-3 
j „ 6-3 „ 14-3 


118 


2-62 


72-0 


0-65/ 
0-95J 














[ 14-3 


— 


— 


104-4 


II 


17 


29 


10-4 


65 


90-0 


/Von bis 7-5 

7-5 
\ „ 7-5 „ 14-2 
] 14-2 


50 

50 

84 


O-Sli 

1-00 
1-68 


: ; 2-4 

62-0 
89-3 


0-58 

\ 

0-71 j 

l-03[ 




18 


18 


49-3 


50 


86-6 


/ „ 14-2 „ 17-4 
\ „ 17-4 „ 18-32 


62 

90 


1-24 

1-80 


97-6 


\ 

112( 












/ „ 18-3 „ 26-9 8 


43 


0-80 


58-9 


• 67\ 












f „ 26-9 „ 34-9* 


84 


1-68 


— 


\ 












, „ 34-9 „ 49-3 5 


65 


1-30 


920 


106 












1 (Von bis 11 2 


31 


0-66 





0-43/ 
1 • 38 
0-74) 




19 


51 


44-3 


47 


qu . 7 i ) » 1 1 • 2 „ 23 • 3 
1 . 23-3 „ 32- 1" 


horii 

84 


ontal 
1-78 


43-2 
136-3 














( „ ^2-1 „ 44 3 


28 


0-59 


73-8 




20 


70 


20-3 


112 


144 


— 


hom 


ontal 


28-8 


• 20 




21 


80 


11-2 

l7-4\ 


125 


127-8 


— 


horii 
47 


.ontal 
0-50 


540 
14-4 


0-42 
0-22 






\ 


11 4-s/ 






\ 


horizontal 


18-9 


0-30 


III 


22 


66 1 


\ 


94 


62-9 


l 












( 


III 4-91 






{ 


horis 


ontal 


19« 


(»•31 



Über de n Einfltiss der Athemhewegungen auf Herzschlag und Blutdruck, oötl 



Nach Aufhebung des RD 


B e in v r k 11 n g e 11 


Zeit nach Aufhebung- des 
RD in Secnnden 


-? 7 

i | 

■c = 

— CO 

>* 


Ü o 

I| 1! 

ix* 
> 


Mittlerer Blut- 
druck in Mm. 

Hg 

Verhiiltnis.sijlil d. 
Blutdruckes vor 
| dem RI) = 1 


Zu Ende d. Versieh. 


54 


1-00 


131-6 


0-98 j 


Ausbleiben der RBw. und horizon- 
tal es Verzeichnen d. Blutdruckes. 


(Von bis 3-8 


63 


l-26( 


102-8 


0-93J 


Ausbleiben der RBw. und horizon- 


\ „ 3-8 „ Ende 


54 


l-08( 


tales Verzeichnen d. Blutdruckes. 










( 


Mühsame u. unvollkommene Fort- 




45 


1-0(1 


117-2 


1-13J 


dauer der RBw. 
1 Fällt auf eine Inspiration. 


Unmittelbar 






125-0 


113, 




VonO bis 69 


45 


1-00 


— 


( 


Ausbleiben der BBw. 


Vor Ende 


37 


0-82 


110-2 


i-ooj 




J VonO bis 3-0 
( Zu Ende 


96 
65 


1-47 
100 


71-1 
79-4 


0-79) 
0-88) 

( 
\ 


Ausbleiben der BBw. 

Ausbleiben der RBw., die sieh 
während der Dauer des RD 


Von bis 4-8 
„ 4-8 „ Ende 


50 
56 


1-00 
1-10 


100-0 
89-1 


116' 
102\ 


theilweise wieder einstellen. 
3 Inspiration. 
3 Exspiration. 
* Inspiration. 
5 Exspiration. 


Unmittelbar 
Zu Ende d. Versuch. 


25 
37 


0-53 

0-80 


133-2 


1-34) 


Ausbleiben der RBw., Fortbeste- 
hen der Herzschi. 
6 Ohne eingetretene Inspiration. 


— 


112 


1-00 


144-8 


i-ooj 


Ausbleiben derRBw. Beide N. ragt 
durchschnitten; kein HSf. 


( Unmittelbar j 
\ Zu Ende j 


125 


i-ooj 


29-7 
1530 


0-23J 
1-191 


Ausbleiben der BBw. 
Beide N.vagi durchschnitten ; kein 
HSt. 





52 


0-55 


40-5 


0-64( 


9 "6 nach Lös. erfolgt neuer Seh luss 


— 


44 


0-46 


48-3 


0-76\ 


14' 1 nachLös. wieder neuerSchluss 


\ Unmittelbar 
J Zu Ende 


58 
76 


0-6l) 

0-80( 


65-6 


104J 


Ausbl. der RBw., die sich sogleich 
nach Aufhebung des RD. wieder 
einstellen. Fortdauer d. HSehl. 



Sttr.b. (I mathein. -naturvt , 



\L. IM. Nr. 10. 



27 



390 



E i n b rodt, 



Vor Ausübung 
des M> 



Während der Dauer des RD 



Zeit naeh Beginn des HO j»> 
in Secunden 



— *u 



; ?^i 



IV 



23 



24 



2G 



74 



14 



21 



:{7 



28 

29 

30 
31 

32 



66 
92 

in 

130 



33 



66< 



110-2] 
[111-0I 



24-3 
25-2 

23-2 

26-4 

19-9 

15-6 

130 
20- 1 
18-7 

hos! 

II 18 7 



70-8 

54 
46-2 

490 

59-3 

61 -6 

53-5 

510 
46-7 
91 I 



47 0-61 
58 0-76 



46 

60 



1-00 
1-00 



Von 



bis 4-5 
4-5 „ 10-8 
10-8 25-21 



(Von bis 72 
„ 7-2 „ 16 6 
| „ 16-6 „ 26-4 2 

(Von bis 7-5 
•9 



66 1-24 

horizontal 
60 113 



50 0-94 
horizontal 
33 0-62 



(Von bis 7-i 
{ „ 7-5 „ 19-! 

r: 



36 



100 



(Von bis 5-2 
5-2 „ 15-6 



horizontal 

40 |l-00 
horizontal 



105; 70 2 



Von bis 4-5 
„ 4-5 „ 130 

(Von bis 4-5 
\ „ 4-5 „ 201 

( Unmittelbar 
(Währ. d. übr. Dauei 



40 



0-87 



horizontal 



horizontal) 
33 



ontal) 
1-00} 



horizontal 



horizontal 



19-8 
19-8 



531 
35-6 



36-0 
49-7 



25-2 
49-4 



23-4 

19-8 

19-8 

32-2 

109-5 
54-9 

14-4 

19-9 



0-28 
0-28 



0-98 
0-77 



0-73' 
l-0l! 



0-42' 
0-83 



0-38 

0-37 

0-38 
0-60 

1-20 

0-68 

0-20 

0-28 



Über den Einfluss der Alhembewegungen auf Herzschlag und Blutdruck. 391 



Nach Aufhehun 


g des RD 


IE e in e r k n n g c n 


Zeit nach Aufhebung des 
RD in Secundeu 


X £ 

t. «3 


*C TS 

2 > 
.2 15 ^ 

i= £q 


CQ 


t ea 4 










[ 


Ausbleiben d. Athembewegungen, 


<. Unmittelbar 


Ol 
38 
70 


0-80 
0-70 
100 


57-3 
02-7 
07-2 


0-80 
87 
0-94) 


das noch einige Zeit nach Auf- 
hebung des BD anhält. 

Fortdauer der HSclil. 

Der zweite Schluss geschah nach 
Lösung des ersten. 


— 


40 


0-87 


47-3 


0-89 


Fortdauer d. RBw. 


— 


40 


0-70 


30-9 


1-23 


Ausbleiben u. Wiederkehr d HBw. 


Unmittelbar 
Zu Ende 


40 
33 


0-80 
i-00 


33-7 
33-0 


1-13 

i-08) 


Ausbleiben und theil weise Wieder- 
kehr der RBw. 
Fortdauer der HSchl. 
1 Bezieht sich auf eine Inspiration. 


Von bis 4 - 5 
„ 4-5 „ Ende 


40 
33 


0-86) 

0-02f 


77-0 


1 


Ausbleiben und theilweise Wieder- 
kehr der RBw. 
Fortdauer der HSchl. 
2 Fällt auf eine Inspiration. 


Von bis 3-2 
„ 3-2 „ Ende 


horii 
30 


.ontal 
100 


23-4 
98-3 


0-38 
1-39 


Ausbleiben der RBw. 
Fortdauer der HSchl. 


(Von bis 3-0 
<Unmittelbar darauf 
( Zu Ende 


horii 
33 


;ontal 
0-82 


19-8 

82-7 
49-9 


37) 
1-341 

0-92) 


Ausbleiben der RBw. 
Fortdauer der HSchl. 


Von bis 4-2 
„ 4-2 „ Ende 


hori 
20 


sontal 
0-30 


10-2 

40-8 


0-31 
0-91 


Ausbleiben der RB. 
Fortdauer der HSchl. 


(Von bis 6-9 
\ „ (1-9 „ Ende 


hori 
33 


sontal 
1-00 


21 

72-8 


■ 40 
1-53 


Ausbleiben der RBw. 
Stillstand des Herzens 


Unmittelbar 
Zu Ende 


— 


— 


300 

77-4 


0-33 
0-81 


Ausbleiben der RBw. 
Stillstand des Herzens. 

Ausbleiben d. RBw., das noch eine 


[Von bis 15-3 
1 „ 13-3 „ 20-4 
I „ 20-4 „ 23-5 
( „ 25 S „ 32-6 


Ol 

70 

88 

100 


0-38 v j 
0-72' 
0-83( 
i-OOJ 


33-2 


0-73| 


Zeit lang die Lösung des RD. 
überdauert; Fortdauer des Herz- 
schi., der während des horizon- 
talen Verzeichnens des Blut- 
druckes schwach und selten ist. 
32 "0 nach Lösung neuer Schluss. 


Unmittelbar 


44 ■' 


0-41 


47-7 


0-70J 


3 Der Versuch wurde abgebrochen, 
ehe die Nachwirkung für die 
Herzschi, ausgeglichen war. 



27 



392 



E i n I) r o d t. 



— 

s 

> 


a 


£ 


a 


Vor Ausübung 
des Rl) 


Während 


der Dauer des 


no 




_ 5 

"S = 

S! 


CS * 


■JL «0 

ca ■- 

-r "5 


>3 


1 ■> II 

''■? z^ 

z = == 


Mitllcrer Dlut- 
ilruek in Mm. 




VI 


34 


39 


11-3 


88 


127-5 


— 


horizontal 


54-0 


0-42 






( 


I170l 






| - 


horizontal 


15 3 


011 




35 


74/ 


/ 


108 


130-1 


1 












I 


1118-7 






| " 


horizontal 


25-2 


0-18 




36 


70 


31-1 


124 


142-2 




hori 


:ontal 


54-9 


0-38 


VII 


37 


G2 


147-7 


07 


109-8 


Vonl5-8his2 ! 1l"0 


hori 


sontal 


19-8 


018 


VIII 


38 


88 


43-7 


50 


85-3 


Von 4 bis 43-7 


hori 


'.onlal 


20-8 


24 


IX 


39 


125 


76-6 


sehr 
häufig 


— 


— 


hori 


sontal 


— 


— 




4ii 


125 


66-7 


24 


78-5 


( Unmittelbar 


hori 


sontal 


171 

89-2 


(t-21 
1-04} 




41 


125 


101-2 




75-6 


< Später während d.) 
( ganzen Dauer ) 


hori 


'.ontal 


30 1 


0-39J 


X 


42 


125 


143-2 


5(1 


122-4 


Von0-4l>is2 ! 13 r 8 

I 


hori 


contal 


35 • 1 


0-28 



Über den Einfluss der Athembewegungen auf Herzschlag und Blutdruck. ö9o 



Nach A< 


fhelun 


g des BT) 


tt v III e l ■ k II II g V li 


Zeit nach Aufhe- 
bun g- des I}D in 
Seeunden 


B S 
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-1 " 

« 5 4s 


U'on bis 14 -ö 
„ 14-5 „ 193 
/ „ 19-5 „ Ende 1 


38 
64 

88 


0-65 
0-73) 

i-oof 


97-4 
125-9 


0-7o( 
0-98 


Ausbleiben d. RBw., Fortdauer d. 

Herzschi., der schwach ist und 

sehr selten. 
'Hier erst traten (1. RBw. wieder ein. 


(Von bis 4*2 
,, 42 „ 14 4 


42 
47 


0-38) 
0-43J 


91-7 


0-67i 


Ausbleiben der RBw. 

Herzst., der zuweilen von einer 


/ „ 14-4 „ 47 9 


52 


0-48 


135-2 


0-99J 


Zusanimenziehung unterbrochen 


„ „ 2-7 

„ 2-7 „ 10-0 

( „ 10-0 „ Ende 


88 
52 


0-81( 
0-48J 


117-4 


0-86) 


wird. 
47 - 9 nach Lösung des ersten 


58 


0-53 


126-8 


0-931 


Schlusses erfolgt neuer Schluss 










( 


Ausbleiben der RBw. 




124 


1-00 


140-8 


0-99- 


Beide Vagi durchschnitten; kein 
Herzst. 


( l'nntitlelbar 
| 32 


30 

26 


0-44) 
• 3S( 


147-0 


1 • 33 { 


Ausbleiben der RBw. Fortdauer 
des Herzschi. 


( Unmittelber 


34 


0-68 


1540 


1 • 80 


Ausbleiben der RBw. Fortdauer 


| Zu Ende 


30 


0-60 


84-0 


0-98 


eines schwachen Herzschi. 
Ausbleiben der RBw. 


vVon bis 5-0 
\ „ 5-0 „ 30 
1 „ 30-0 „ 64-0 ä 
die von grossen Pau 
JVon 64-0 bis 72-0 
/ Nach 72-0 


horii 

40 
ussers 
sen un 

26 


.ontal 

tlangsa 
terbroc 

vie vor 


nie Herz 

hen wc 

- 
Seh] usf 


schlj 
■den 2 


Herzst., der zuweilen durch schwa- 
che unregelmässige Herzschi, 
unterbrochen wird. 

3 Während dieser Zeit traten vier 
grosse Pausen im Herzschi, ein, 
von denen die erste i y 8 dauerte, 
die zweite 1''5, die dritte 5 r 2 


V 










und die vierte 5" 1. 


( Von bis 12-4 

Nach 12 
( Zu Ende 


horii 

24 

36 


ontal 

100) 

l-50f 


24-3 
70-1 


0-30] 
0-891 


Ausbleiben der BBw. 
Stillstand des Herzens. 


— 


— 


— 


70-5 


0-93J 


Ausbleiben der BBw. 
Stillstand des Herzens. 


j Von bis 18-0 
j Nach 18-0 
' Zu Ende 


hori 

106 


soiital 
212 


26 i 

175-1 
129-6 


0-21) 
1-43} 
105) 


Ausbleiben der RBw. Stillstand 
des Herzens. 



394 



Ei n li r o d t. 



Vor Ausiibur 
des RD 



Während der Dauer des RD 



\\ 



\\\ 



33 



MI 



44 HO 



45 



40 



HO 



HO 



XIII 



Zeit nach Beginn des RD 
in Seeumlen 



91 G 



70-4 



55-4 



65-3 



70 29-2 



48 HO 



100-2 



100 



108-0 



36 



35 



126 9 



114-9 



32 114-7 



100 



94 



'Von 

4 

8 

19 

27 

3i 

38 

» 44 

\ „ SO 

„ 55 

. 59 

/ n 62 

I „ 66 
I „ 73 

\ » 77 



bis 4 • 4 



[Von I 
50-4 
« 50-4 



19 
2? 
32 
38 
44 
SO 
SS 
59 
62 
66 

?:; 

77 
91 

i 26 

70 



.V.-n bis H 
„ 110 „ 18 

1 „ 18-7 „ 30 



155-2 



Von bis 15-8 
15-8 
„ 1 5 -8 „ 45 • 5 3 
,, 45*5 „ 65*3 



(Von bis 6-8 
1 „ 6-8 „ 11-9 
j „ 11-9 
„ 15-3 



55 

40 

hör 

115 

50 

30 

70 

120 

7<> 

65 

HO 

120 

90 

115 

105 

27 

72 



0-55 
0-40 
izontal 
1 15 
0-5(0 
0-30J 
0-70/ 



20 

T(» 

65 

10 

20 

0-90 

115 

1-05 

0-75 

2 • 00 



31 0-88 
horizontal 

68 1-93 



36 

82 
32 



112 

2-56 
1-00 



69 0"69 

horizontal 

15-3 5 :225 |2-2S 

29 2 horizontal 



Von bis 11-3 
„ 11-3 „ 36-7 
,. 36-7 „106 26 



88 |0-83 

horizontal 

100 !0-94 



25-2 
123-5 



50-4 


0-46 


107-5 


0-99 


64-3 


0-59 



105-4 



55-8 
92-2 



60-3 
89-3 



55-8 
89-3 
48-6 



43-2 
133 2 



0-23 
1-141 



0-97 



0-43> 
0-72) 



0-56 

0-77 



0-48' 
0-77; 
0-42\ 



0-28 
0-85 



Über den Einfluss der Athembewegungen auf Herzschlag und Blutdruck. 395 



Nach Aufhebung des RD 



Zeit nach Aufhebung des 
RD. in Secunden 



jJ3 



lt o in e I k II II g V II 



Von bis 6-4 
„ 64 „ 9-7 
„ 9-7 „ Ende 



Zu Ende 



Von bis 8-5 
,, 8*5 ,, Ende 



45 

80 

100 



0-45 
0-80 
1-00 



36 



35 



1-00 



100 



60* 1-87 



105 
64 



53 



1-05 
0-64 



0-56 



130-0 

108-2 



110-7 



103-3 



94 4 



0-87 



O-8'J 



) 

0-82 j 



137-9 



0-88 



Ausbleiben der RBw. 

Fortdauer des Herzschi. 

Das Steigen des Blutdruckes und 
die Zunahme in der Zahl der 
Herzschi, erscheinen hier spon- 
tan, d. h. unabhängig von In- 
spiration oder Druck auf die 
Venen etc. 



1 Es wird während dieser Zeit ein 

Druck auf die Halsvenen und den 
Bauch ausgeübt. 

2 Während dieser Zeit wird auf 
die Halsvenen und den Bauch 
gedrückt. 

Ausbleiben der RBw. 

3 Von 15*8 bis 45-5 nach Beginn 

des RD wird ein Aderlass aus 
der Vena jugularis externa 
dextra bewerkstelligt. 

4 Hier traten sehr stürmische RBw. 
auf. 

Ausbleiben der RBw. 

5 Während dieser Zeit wird die 

Vena jugularis externa dexterna 
geöffnet. 

Ausbleiben der RBw. 

6 Während dieser Zeit wird die 

Vena jugularis externa dextra 
geöffnet 



396 E i n I) r od t. 



Wir gehen jetzt über zu dem 
B. negativen Respirationsdruck. 

Ein negativer Druck auf der innern Lungenoberfläche kann, 
ebenso wie der positive, sehr leicht künstlich erzeugt werden, und 
zwar wenn eine unter niederer Spannung stehende Luft mit dem 
Lungenraum des Thieres in Communication gesetzt wird. Ich be- 
nutzte dazu den schon oben beschriebenen Apparat, der folgender- 
massen modificirt wurde. Der Luftbehälter , in den jetzt eine kurze 
Röhre blas unter den Hals reichte, wurde bei freiem Luftzutritt bis 
zu einer gewissen Höhe mit Wasser gefüllt und darauf mittelst einer 
Rolle in die Höhe gehoben und beliebig hoch fixirt; mit dem am 
Roden der Flasche befindlichen Hahn war eine lange Abzugsrohre 
durch Kautschuk verbunden, deren unteres Ende unter Wasser 
stand; war nun durch Drehung des Hahns die Abzugsröhre mit 
Wasser gefüllt , so wurde der Luft der Eintritt in die Glasflasche 
verwehrt, und nun konnte durch Auslassen von Wasser und Ein- 
stellung der Flasche auf verschiedene Höhen eine sehr bedeutende 
und beliebig abzuwechselnde Verdiinnung der Luft erzielt werden; 
ein mit der Flasche in Communication gesetztes Manometer erlaubte 
die Grösse der Luftverdünnung oder, wie wir es gleich nennen 
wollen, die Höhe des — RD ') direct abzulesen. Die Zuführung der 
Luft zu den Lungen geschah auf dieselbe Weise, wie beim -\- RD. 

Fragen wir auch hier zunächst, inwiefern die niederen Drucke, 
die man auf der innern Lungenoberfläche erzeugt, mit denjenigen 
übereinstimmen, die durch die gewöhnliche Inspirationsbewegung 
bedingt sind, so muss auch hier hervorgehoben werden, dass die 
den beiden Vorgängen gemeinsame Wirkung, die Druckerniedrigung 
auf der innern Lungenoberfläche und auf die Rrusteingeweide, 
durch den künstlichen — RD in einem viel höhern Masse erzeugt 
wird, als dieses jemals durch eine Inspiration, selbst die tiefst- 
mögliche, herbeigeführt werden kann. 



') — HD = negativer Respirationsdruck. 



Über den Einfluss der Athembewegungen auf Herzschlag und Blutdruck. 307 

Aber wie beim positiven , so besteht auch heim — RD ein 
wesentlicher Unterschied, der darin liegt, dass die Brusteingeweide 
in Folge des künstlichen — RD gegen die Brustwand gezogen und 
gedrückt werden. Setzt man voraus (und wir werden sehen, dass 
man für hohe negative Drücke diese Annahme zu machen berechtigt 
ist), dass der Unterschied, der zwischen dem Drucke auf der Brust- 
wand und dem auf der innern Lungenoberfläche besteht, ein unver- 
änderlicher ist, so ist die genannte Wirkung leicht ersichtlich; die 
Lunge nämlich ist beim künstlichen — RD zusammengefallen und 
ihre Saugkraft sehr vermindert, der von der Brustwand umschlossene 
Baum dagegen auf ein kleineres Volum zusammengedrückt als das- 
jenige, welches er bei der elastischen Gleichgewichtslage der Brust- 
wand einnehmen würde; es muss daher die Brustwand ihrem ela- 
stischen Gleichgewichte zuzustreben suchen und demnach einen 
ziehenden Einfluss auf die Brusteingeweide ausüben. Unter der 
obigen Voraussetzung eines constanten Druckunterschiedes kann 
aber keine Luft in die Lunge dringen, das Herz dagegen wird von 
den Körpervenen gespeist, die unter dem normalen Luftdrucke 
stehen; es muss daher das Herz und die in der Brusthöhle gelegenen 
grossen Gefässe in Folge des anlangenden Blutes anschwellen; in 
dem Masse nun, wie das Blut nachströmt, wird die Brustwaud und 
namentlich der dem Herzen anliegende Theil derselben ihrer Gleich- 
gewichtslage zustreben und dadurch werden auch die anderen Wand- 
theile wieder abgespannt. Es wird daher der von der Brustwand um- 
schlossene Baum hei jedem Einströmen von Blut erweitert, bei jedem 
Abströmen dagegen zusammengedrückt werden. Es fragt sich nun, 
ob das Blut gehörig nachdringen kann oder ob es daran dadurch 
gehindert wird, dass die Venen an ihrer Eintrittsstelle in die Brust 
durch den ziehenden Einfluss der Brustwand zusammengedrückt 
werden. An der Vena cava inferior ist dieses, wie die Section lehrt, 
nicht der Fall, da das stark in die Brust empor gehobene Zwerchfell 
das Foramen quadrilaterum aus einander zerrt; die am lebenden 
Thiere blossgelegten Venae jugulares sieht man zwar unmittelbar am 
Eingange in die Brust bei jeder Inspiration etwas zusammenfallen, 
aber sich ebenso auch wieder rasch öifnen , sowie Blut von oben 
nachströmt; man wird sich daher von der Wahrheit nicht weit 
entfernen, wenn man einen dauernden, an Grösse aber während 
der verschiedenen Bespirationsacte wechselnden Strom durch die 



398 Binbrodt. 

Venen annimmt — und zwar in Folge des Unterschiedes, der zwi- 
schen dem äussern Luftdrucke und dem in der Brusthöhle vorhan- 
denen hesteht. 

Wir unterscheiden die Wirkungen , die der — RD auf die 
Athembewegungen und auf den Blutstrom äussert. 

1. Wirkungen des negativen Respirationsdruckes 
auf die Athembewegungen. 

Die Verdünnung der Luft, die zur Bewerkstelligung des — RD 
erforderlich ist, erzeugt sehr bald Sauerstoffmangel und ruft damit 
Athembewegungen hervor; nie sieht man daher einen Stillstand der 
Athembewegungen eintreten; dieses ist einer der Hauptunterschiede, 
die zwischen dem -f- und — RD bestehen; dort sahen wir unter der 
mechanischen Wirkung das -J- RD die Athembewegungen ausbleiben 
und diesen Stillstand der Respiration, in Folge der Zufuhr einer 
verdichteten Luft, mitunter lange fortbestehen, ohne Athemnoth her- 
beizuführen; hier dagegen tritt wegen des Sauerstoffmangels ein 
Stillstand der Athembewegungen niemals ein, die Respiration besteht 
während der ganzen Dauer des — RD fort , erleidet aber insofern 
eine Veränderung, als es jetzt die Inspiration ist (beim -f- RD war 
es die Exspiration), die nur mit grosserMühe und unter bedeutender 
Contractionsanstrengung der Inspiratoren vollbracht werden kann, 
da zu ihrer Bewerkstelligung der auf der Brustwand lastende höhere 
Druck überwunden werden muss. Wenn der Unterschied im innern 
und äussern Luftdrucke nicht allzu gross ist (etwa bis SO Mm. Hg), 
so wird auch noch durch die Brustbewegungen ein Luftwechsel er- 
zeugt; erreicht er dagegen einen grössern Werth , so bleibt das 
Manometer, welches zur Messung der Spannung des Luftraums 
dient, in den die Lunge mündet, unverändert, es verändert sich also 
auch die Capacität der Lungenhöhle nicht; aber es ändert sich bei 
den Respirationsbewegungen die Form des Brustkastens und viel- 
leicht auch der Binnenrauin desselben; die knöchernen Theile der 
wahren Rippen nämlich heben sich und ihr Zwischenraum wird er- 
weitert, zugleich aber biegen sich die knorpeligen Theile in den 
Brustraum hinein und die weichen Bauchdecken werden in dem 
Brustraum hinein gezogen; denkt man sich einen Querschnitt durch 
die Brust angelegt, so würde er bei der Inspiration etwa die Form 
annehmen, wie sie die getüpfelte Contour in der beistehenden Zeich- 



Über .ten Einfluss der Athembewegungen auf Herzschlag und Blutdruck. 309 




ming (Fig. 2) versinnlicht. Wenn sich bei 
diesen Bewegungen der Binnenraum der 
Brust wirklieh ändert, was mit Sicherheit 
nicht zu entscheiden ist, so könnte dieses 
nur mit Hilfe des nachströmenden und aus- 
fliessenden Blutes geschehen. 

Jedenfalls aher werden durch die Be- 
wegungen und die durch sie bedingte Form- 
änderung des Thorax die in der Brusthöhle 
enthaltenen Weichtheile einen Druck oder 
eine Zerrung erleiden müssen; es könnten 

z. B. möglicherweise die Vorhöfe des Herzens oder die Venen zu- 
sammengepresst und die Ventrikel aus einander gezerrt werden oder 
es könnte auch das Umgekehrte stattfinden. 

Wirkungen des negativen Bespirationsdruckes auf 
den Blutstrom. 

Der negative Druck äussert, ebenso wie der positive, einen Ein- 
fluss sowohl auf den Blutdru ck als auch auf die Schlagfolge 
des Herzens. 

1. Auf den Blutdruck erlangt der — RD einen Einfluss auf 
doppelte Weise — durch die beschleunigenden Wirkungen 
der Brustbewegungen und durch die Blut ü b e r f ü 1 1 u n g des 
Herzens. 

Die beschleunigenden Wirkungen der Brustbewegungen treten 
beim künstlichen — RD sehr deutlich hervor und richten sich in der 
Grösse ihres Einflusses nach der Grösse des Unterschiedes zwischen 
innerem und äusseren Luftdrucke, nach dem Umfange der Brustände- 
rung und nach der Anfüllung des Herzens mit Blut. Je grösser der 
Unterschied zwischen der äussern und innern Spannung wird, um so 
weniger umfangreich freilich werden die Bewegungen, die überhaupt 
noch nach innen hin ausgeführt werden können, aber von der 
andern Seite wird gerade dadurch eine günstige Bedingung gestellt, 
denn da dann die Lungenhöhle unveränderlich wird und der Dnick- 
unterschied constant, so wird auch das Herz am meisten mit Blut 
gefüllt und es kann daher auch jeder von der Brustwandung aus- 
geführte Stoss jetzt am wirksamsten werden. Dem entsprechend 
zeigt auch die Messung in der Arteria Carotis, dass sich jede Brust- 



400 Einbrodt. 

bewegung im Blutdruck deutlich ausprägt, und zwar steigt mit jeder 
Exspiration der Druck von seinem niedern Werthe ungemein beträcht- 
licb an (siehe die Maxima für den Blutdruck in den Versuchen Nr. 1 1 
und 12 der Tabelle II) und um desto mehr, je grösser der Druck- 
unterschied der äussern und innern Luft ist, und sinkt bei jeder 
Inspiration wieder herab. 

Aber auch der Mittelwerth des Blutdruckes erleidet bei einem 
bedeutenden — RD eine sehr grosse Steigerung (Versuche Nr. 5, 6, 
7, 9, 1 1, 12 der Tabelle II), deren Grund in der durch den negativen 
Druck bedingten Überfüllung des Herzens mit Blut zu suchen ist; 
dadurch nämlich wird es ja möglich, dass durch jeden Herzstoss viel 
Blut ausgetrieben und die Spannung entsprechend erhöht wird. 
Die Existenz der angezogenen Blutüberfüllung des Herzens und der 
grossen Gefässe, die schon aus theoretischen Gründen nicht geleugnet 
werden kann, wird durch die Autopsie ausser allen Zweifel gesetzt; 
Iässt man einen Hund unter hohem — RD zu Grunde gehen und nimmt 
seine Section vor, so findet man, wenn vor Eröffnung der Brusthöhle 
die Venen an der obern Apertur der Brust und die Vena Cava inferior 
unter dem Zwerchfell unterbunden werden, eine ungemein bedeutende 
Blutüberfüllung des Herzens und der grossen Gefässe; um über ihre 
Grösse ein Urtheil zu gewinnen, sammelte ich das aus dein Herzen 
abfliessende Blut, bestimmte durch Wägung seine Quantifät und 
berechnete aus dem gefundenen Gewichte des Blutes und dem 
des Körpers die Gesammtmasse des Blutes; es stellte sich heraus, 
dass das im Herzen und den grossen Gelassen angestaute Blut 
annähernd den siebenten Theil der Gesammtmasse des Blutes aus- 
machte, eine gewiss sehr hohe Zahl, wenn man sie mit derjenigen 
zusammenhält, die für den -j- RD auf dieselbe Weise gewonnen 
wurde 1 ). Im ersten Momente nach dem Einführen eines grossen 
Druckunterschiedes findet noch ein sehr unbedeutendes Sinken des 
Blutdruckes Statt, was wohl damit zusammenhängt, dass die Blutan- 
fiillung noch nicht genügend ist und der druckmindernde Einfluss der 
Spannungsabnahme daher prävalirt, aber alsbald steigt dann der 



') Aus dein Sectionsbefunde wäre noch anzuführen, dass man die Lungen sein- zusam- 
mengefallen findet, das Zwerchfell gespannt und in die Brusthöhle hineingetrieben, 
die Baucheingeweide, ausser der V. cum inferior und der Vena portamm ausgespro- 
chen blutleer. In einem Falle sah ich ein bedeutendes Lungenoedem und starke An- 
häufung' von Schaum in der Trachea. 



Über Jen Ein fluss der Atliembeweg-ungeu auf Herzschlag und itlutdruck. "AUl 

Blutdruck an, trotz der langsamen Herzschläge, und noch bedeutender 
wird dieses Steigen, wenn die N. vagi durchschnitten sind. 

Bei der Ausübung eines niedern — RD findet man auch eine 
sehr geringe Abnahme des mittlem Blutdruckes in den Arterien 
(Versuche Nr. 2,3,4 derTab. II), was wohl mit den langsamen Herz- 
schlägen zusammenhängt; diese Annahme würde wahrscheinlich ihre 
Erledigung finden, wenn man einen niedern — RD nach einer Vagus- 
durchschneidung ausüben würde; leider ist der Versuch von mir für 
einen niedern — RD nicht angestellt worden. 

Nach Aufhebung des hohen — RD steigt der Blutdruck in der 
ersten Zeit immer sehr hoch, wahrscheinlich in Folge dessen, dass 
die Blutüberfüllung der Brust noch eine Zeit lang bestehen bleibt, 
während der das Steigen des mittleren Blutdruckes mindernde Einfluss 
des Spannungsunterschiedes aufhört, es fällt ja dann der Grund für 
das rasche Absinken des Blutdruckes bei jeder Inspiration weg, und 
es tritt jetzt das Gegentheil auf, das Steigen und Sinken des Blut- 
druckes erfolgt dann, wie beim gewöhnlichen Athmen, d. h. es steigt 
der Blutdruck mit jeder Inspiration (wie wir es hier schon vorgrei- 
fend erwähnen müssen) und sinkt mit jeder Exspiration. 

2. Die Schlagfolge desHerzens erleidet insofern eine Ver- 
änderung, als der Herzschlag während der Ausübung eines — RD 
in überwiegender Mehrzahl der Fälle verlangsamt wird und zwar im 
Allgemeinen um so mehr, je höher der Druckunterschied in der Luft 
steigt (Versuche Nr. 1, 2, 3, 4, 6, 7, 8, 9 derTab. II). Es kommen 
aber auch, wenn auch nur selten, Fälle vor, wo diese Verlangsamung 
im ersten Momente fehlt (Nr. 5 und 8), oder wo sogar eine ge- 
ringe Zunahme in der Frequenz der Herzschläge beobachtet wird 
(Nr. 10 und 11); diesen letzten Fall habe ich nur hei sehr hohem 
— RD gesehen und die Zunahme ist überhaupt eine sehr unbe- 
deutende. 

Für die Verlangsamung des Herzschlages können zwei Ursachen 
angegeben werden; — 1. eine Vagusreizung im Beginne des 
Versuches, die durch die Folgen der Vagusdurchschneidung auch 
hier bewiesen wird, aber nie den Grad erreicht, den sie beim -\- RD 
besitzt, und 2. eine beginnende Herzlähmung bei andauerndem 
Aufenthalte in verdünnter Luft. 

Die Ursachen der Vagus r ei zung liegen hier nicht in dem 
Grade klar vor Augen, wie es bei dein -f RD der Fall war, doch 



402 E i n b r o d t. 

steht diese Annahme durchaus in keinem Widerspruche mit der Exi- 
stenz einer Vagusreizung heim -f- RD, was sich leicht ergibt, wenn 
man die Unterschiede überlegt, die beide Drücke für die Ursprünge 
der N. vagi zur Folge haben müssen. Gesucht kann der Grund der 
Vagusreizung werden — 1. in dem Sauerstoffmangel des verlänger- 
ten Markes, was durch die in den Respirationsbewegungen hervor- 
gebrachte Veränderung unterstützt wird ; 2. in der möglichen Mit- 
erregung durch die heftigen Athmungsanstrengungen; 3. in den unge- 
mein bedeutenden Variationen des Druckes bei den Athembewegun- 
gen. Unterstützt wird diese letzte Annahme durch die Wahrneh- 
mung, dass nach Aufhebung des Druckunterschiedes der bis dahin 
langsame Herzschlag erst dann eine Beschleunigung erfährt, wenn 
die Athembewegungen sich wieder beruhigen. 

Die zuweilen auftretende geringe Beschleunigung des Herzschla- 
ges ist wohl dem raschen und bedeutenden Einströmen von Blut 
zuzuschreiben, wodurch das Herz, wenn es sonst erregbar ist, zu 
lebhafteren Bewegungen veranlasst wird; es kann daher auch beim 

— RD eine directe Herzreizung herbeigeführt werden, doch erreicht 
sie niemals einen solchen Grad, um trotz der bestehenden Vagus- 
reizung zur ausgesprochenen Wirkung zu gelangen, wie wir es beim 
+ RD gesehen haben. 

Wenn nun, trotz der bestehenden Vagusreizung, niemals beim 

— RD ein Herzstillstand erfolgt, so wird dieses wahrscheinlich der 
Schwäche der Vagusreizung und dem entgegengesetzten Einflüsse 
der Herzreizung einerseits und noch mehr der constanten Überfüllung 
des Herzens mit Blut zuzuschreiben sein. 

Nach Durchschneidung der N. vagi erfährt der Herzschlag auch 
durch — RD keine Veränderung, wenn der Druck nicht zu lange 
ausgeübt wird; geschieht das letzter, so wird auch hier der Herz- 
schlag verlangsamt. Diese Verlangsamung steht mit dem Sauerstoff- 
mangel in inniger Beziehung, was durch die Wahrnehmung unter- 
stützt wird, dass das Blut nach lange anhaltendem — RD in den bloss- 
gelegten Arterien dunkler gefärbt erscheint. 

Aus den an mir selbst angestellten Versuchen ist hier nur so 
viel anzuführen, dass die Athembewegungen dabei bestehen blieben, 
wenigstens bei niedern Drücken, aber die Inspiration ausserordentlich 
mühsam und beschwerlich wurde und bei hohem Druckunterschiede 
gar nicht mehr bewerkstelligt werden konnte, und dass überhaupt 



Über den Einfluss der Alhembeweguugen auf Herzschlag und Blutdruck. 403 

die Versuche mit dem — RD während einer noch viel kurzem Zeit 
ertragen werden als die mit dem -\- RD. 

Dieser Umstand, dass nämlich der künstlich gesetzte — RD so 
schlecht ertragen wird, setzt auch den Versuchen an Hunden Hin- 
dernisse in den Weg, und ihm ist es beizumessen, wenn man hier 
nicht zu so scharfen Resultaten gelangt wie bei -\- RD; es treten 
hier mehr störende Momente auf , es bleiben die Bewegungen der 
Brust und ihr störender Einfluss, es tritt sehr bald Sauerstoffmangel 
und Athemnoth ein, es erscheinen sogar Erstickungsanfälle u. s. w. 

Werfen wir endlich auch hier die Frage auf, welche von den 
beobachteten Wirkungen des — RD, als für den Einfluss des nor- 
malen Athmens massgebend, besonders hervorzuheben sind, so lässt 
sich, unter Berufung auf die spätere Begründung , wenn man von 
den beschleunigenden Wirkungen der Brustbewegungen absieht, die 
unter normalen Verhältnissen nie einen so hohen Einfluss gewinnen, 
nur auf die Blutüberfüllung des Herzens und die dadurch bedingte 
Zunahme des Blutdruckes hinweisen. 

Ich lasse auch hier eine Tabelle folgen, die die nöthigen Zahlen- 
belege enthält. 



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Sitzli. il. mathem.-naturw. C\. XL. Bd. Nr. 10. 



406 Einbrodt. 



II. 

Indem wir im Vorhergehenden zu der Überzeugung gelangt 
sind, dass die künstlich gesetzten Drücke in ihren Grundbedingungen 
dem gewöhnlichen Ein- und Ausathmungsdrucke entsprechen , aber 
eine viel höhere Gradation der Erscheinungen bewirken, haben wir 
den ersten Theil unserer Aufgabe gelöst und gehen daher jetzt zum 
zweiten über — nämlich zur Feststellung des Einflusses der 
normalen A t h e m b e w e g u n g e n. 

Dieses wird uns um so mehr zur Pflicht, als die aus den obigen 
Versuchen gewonnenen Thatsachen mit gangbaren Annahmen über 
den Einfluss des normalen Athmens , die ich hier nicht wieder- 
zugeben brauche , im Widerspruche stehen. — Es liegt uns also 
ob, diese Annahmen noch einmal zu prüfen und, falls sie sich bestä- 
tigen sollten , dem Grunde des beobachteten Widerspruches nach- 
zugehen. 



Um den Einfluss der Respiration auf Herzschlag und Blutdruck 
möglichst genau verfolgen zu können, verfuhr ich auf die Art. dass 
ich die Athembewegungen sowohl als auch den Blutdruck an einem 
und demselben Thiere gleichzeitig graphisch verzeichnen Hess und 
die einander in der Zeit entsprechenden Stücke der gewonnenen 
Curven mit einander verglich, wobei als Ausgangspunkte der Vei- 
gleichung nach Volkmann n"s bekannter Art gewonnene Schluss- 
zeichen dienten. Zur Vergleichung der Athembewegungen bei unver- 
änderter Stimmritze diente theils wiederum der Fühlhebe] , theils 
geschah dieses aber auf eine andere Weise: in das eine Nasenloch 
des Thieres wurde nämlich eine Glasröhre von entsprechender Weile 
eingeführt und daselbst mittelst einer eigenen Vorrichtung, deren 
Beschreibung hier kein Interesse haben würde , fixirt; durch einen 
mit Wasser gefüllten Kautschukschlauch stand diese Röhre mit einem 
kleinen leichten Manometer in Verbindung, dessen Schwimmer die 



Über den Einfluss der Athembewegungen auf Herzschlag und Blutdruck. 407 

durch das Athmen erzeugten Schwankungen im Luftdrucke an der 
Kymographiontrommel verzeichnete. Ich bemerke zugleich aus- 
drücklich , dass beide Verfahrungsarten genau übereinstimmende 
Resultate geliefert haben. 

Zu den Versuchen wurden stets Hunde verwendet, da diese 
Thiere alle möglichen Verhältnisse der Athmungsbreiten darbieten 
und da wegen der Beweglichkeit ihres Brustkastens die Brusteinge- 
weide starke Volums- und Druckänderungen erfahren können. Die 
Hunde wurden vor dem Versuche nicht narkotisirt, da mir aus eigener 
Erfahrung nur zu wohl bekannt war, wie gross die Veränderung im 
Respirationsrhythmus ist, die durch das Opium eingeleitet werden 
kann. Die Aufzeichnung des Blutdruckes geschah an der Arteria 
Carotis oder criiralis in bekannter Weise. 

Eine genaue Vergleichung der auf diese Art gewonnenen Puls- 
und Respirationscurven ergab nun für die Abhängigkeit des Herz- 
schlages und des Blutdruckes von den Athembewegungen folgende 
Thatsachen. 

Wir unterscheiden dabei folgende drei Fälle: 

1. Die Athembewegungen sind wenig umfangreich und erfolgen 
rasch nach einander, wobei die Zahl der Herzschläge eine gerin- 
gere sein kann als die Zahl der Athembewegungen oder sie auch bis 
fast um das Doppelte übertreffen kann. In diesem Falle kommt es zu 
keinem deutlich ausgesprochenen Einflüsse der Athembewegungen 
auf Herzschlag und Blutdruck. Aber, wie schon Ludwig *) angibt, 
bleibt dieses nur so lange bestehen, als die Zahl der Respirationen 
keine Änderung erleidet und der Einfluss der einzelnen Respirations- 
acte wird sogleich wahrnehmbar, wenn die Athembewegungen an 
Zahl abnehmen oder an Tiefe und Ausgiebigkeit gewinnen. 

Als Beispiel diene die Figur 3. 

2. Die Athembewegungen sind umfangreich und erfolgen lang- 
sam, namentlich die Exspiration, während die Inspiration ziemlich 
rasch vollendet wird, aber tief ist; jeder einzelne Act der Respi- 
rationbewegung besitzt die Dauer mehrerer Herzschläge und die 
Zahl dieser letzteren ist keine zu beschleunigte. Dieses ist ein Fall, 
der bei Hunden am häufigsten vorkommt. — Unter diesen Bedin- 



') Mülle r's Archiv 1837, pag. 14(j. 

28* 



408 Einbrodt. 

gungen verhalten sich die Erscheinungen beobachtungsgemäss folgen- 
dermassen. 

a) Während der Inspiration wird die Zahl der Herzschläge 
vermehrt, was besonders zu Ende der Inspirationsbewegung deut- 
lich hervortritt. Die Beschleunigung der Herzschläge während der 
Einathmung ist bei Hunden unter den genannten Bedingungen eine 
fast regelmässige Erscheinung und nicht selten so sehr ausgespro- 
chen, dass sie auch ohne feinere Hilfsmittel durch blosses Auflegen 
der Hand auf die Brust in der Herzgegend gut constatirt werden 
kann; — fehlen die vorhin genannten Bedingungen, so fehlt auch 
diese Erscheinung , nie ist aber von mir beim Hunde eine Verlang- 
samung der Herzschläge während der Datier einer Inspiration beob- 
achtet worden. Der Blutdruck erfährt während der Einathmung eine 
Zunahme, die allmählich, aber stetig erfolgt, d.h. jeder neue Herz- 
schlag trifft eine höhere Spannung als der vorhergehende. Diese 
Steigerung des Blutdruckes fällt jedoch in ihrem Anfange nicht 
genau mit dem Eintritte der Inspiration zusammen, sondern erfolgt 
erst während ihrer Dauer; im ersten Beginn der Einathmung sinkt 
der Blutdruck noch etwas unter den Werth herab, den er in der 
Ausathmungspause besass ; ebenso erreicht aber auch das Steigen 
des Blutdruckes mit der vollendeten Inspiration sein Ende noch nicht, 
sondern überdauert sie noch auf einen gewissen Zeitraum, mit andern 
Worten: der höchste Punkt eines Pulscurvenstückes, das einer gan- 
zen Respirationsbewegung entspricht, fällt nicht auf die Zeit der 
Inspiration. 

b) Während der Exspiration erleidet die Zahl der Herz- 
schläge eine Verlangsamung, die, im Beginn der Ausathmung 
noch nicht ausgesprochen, im Verlaufe derselben deutlich auftritt. 
Der Blutdruck wird im Beginne der Exspiration rasch bis zu dem 
ihm im einzelnen Falle zukommenden Maximalwerte gesteigert, 
erleidet aber darauf im weiteren Verlaufe der Exspiration eine 
Abnahme, indem jetzt jeder neue Herzschlag eine geringere 
Spannung antrifft, als der vorhergehende. 

c) Die Exspi rationspause verändert die Zeit der Herz- 
schläge und den mittleren Blutdruck nahezu nicht. 

Im Allgemeinen gestaltet sich also der Gang der Pulscurve 
während einer Bespirationsbewegung, wenn der Einfiuss dieser letz- 
teren deutlich ausgesprochen ist, so, dass der mittlere Blutdruck im 



Über den ßinfluss der Aihembewegungen auf Herzschlag und Blutdruck, 4-00 

ersten Momente der Inspiration eine geringe Abnahme erfährt, unmit- 
telbar darauf aber allmählich und stetig ansteigt, wobei der Herz- 
schlag beschleunigt wird; das Steigen des Blutdruckes dauert auch 
noch zu Anfang der Exspiration fort und erreicht in dieser Zeit 
den höchsten Punkt; darauf folgt zuweilen (nicht immer) eine län- 
gere Pause in den Zusammenziehungen des Herzens, wobei der 
Blutdruck natürlich tief absinkt; immer dagegen tritt im weiteren 
Verlaufe der Exspiration eine Abnahme des Blutdruckes ein, wobei 
zugleich die Herzschläge selten werden. In der darauf folgenden 
Ausatbmungspause ändert sich in der Begel weder Herzschlag noch 
Blutdruck. 

In seltenen Fällen fehlt die Veränderung in der Schlagfolge 
des Herzens, aber die Zu- und Abnahme des Blutdruckes ist darum 
nicht weniger deutlich ausgesprochen. 

Als Belege für die aufgestellten Behauptungen mögen die 
Figuren 4, 5, 6 auf der Tafel dienen. 

3. Die Bespirationsbewegungen sind tief und langsam, die Herz- 
schlagsgeschwindigkeit dagegen sehr bedeutend. Dieser Fall tritt 
constant nach Vagusdurchschneidung ein. Die Veränderungen in der 
Schlagfolge des Herzens fallen dann weg, die Zahl der Herzschlage 
bleibt sich während In- und Exspiration vollkommen gleich, die Ver- 
änderungen im Blutdrucke bleiben dagegen bestehen oder treten 
sogar noch reiner hervor. 

Wiederum lasse ich ein Paar Beispiele folgen, siehe die Tafel 
Figuren 7 und 8. 

Hierher gehört auch der bei Ludwig *) Taf. XIII, Fig. 23 A 
abgebildete Fall. 

Wie leicht ersichtlich, stehen die so eben vorgebrachten That- 
sachen im Einklänge mit den Ergebnissen der Versuche über künst- 
lich gesetzte hohe Bespirationsdnicke; es sei uns erlaubt, diese 
Übereinstimmung in wenigen Worten hervorzuheben. Im Beginn der 
Ausübung eines — RD erfährt der Blutdruck eine geringe Abnahme, 
im Beginne der Inspiration fanden wir dasselbe; aber hier wie dort 
ist diese Erscheinung wenig ausgesprochen; im weiteren Verlaufe 
des bestehenden hohen — RD tritt eine bedeutende Steigerung des 



!) L. C. 



410 E i n b r o H I. 

arteriellen Blutdruckes ein, im Verlaufe der Inspiration findet auch 
eine Zunahme desselben Statt; durch den hohen -f- RD erhält der 
Blutdruck während des ersten Zeitmomentes einen Zuwachs, die 
beginnende Exspiration leistet dasselbe , während der Dauer seines 
Bestehens mindert der hohe -f- RD die Spannung im arteriellen 
Systeme und macht den Blutdruck sinken; im Verlaufe der Exspi- 
ration kehrt dieselbe Erscheinung wieder; während der Dauer des 
hohen -f- RD nimmt die Zahl der Herzschläge ab, die Exspiration 
bedingt dasselbe. Zugleich ergeben sich aber auch einige Unter- 
schiede. — Der -f- RD erzeugt zuweilen eine Zunahme in der Zahl 
der Herzschläge, die Exspiration thut dieses nie; der hohe — RD 
verlangsamt in den meisten Fällen den Herzschlag und bewirkt nach 
jedem Ansteigen auch ein Absinken des Blutdruckes, die Inspiration 
mehrt die Frequenz der Herzschläge und bewirkt ein stetiges Anstei- 
gen des Blutdruckes. 

Andererseits stehen aber die von uns dargelegten Thatsachen 
über den Einfiuss des Athmens theihveise im Widerspruche mit den 
bisher allgemein üblichen Annahmen, denn wir haben ja gefunden, 
dass die Erhöhung des Blutdruckes nur im Beginne der Exspiration 
stattfindet und im weiteren Verlaufe derselben einer Abnahme weicht, 
während gelehrt wird, dass der Blutdruck während der ganzen 
Dauer der Exspiration zunimmt; ferner dass die Zahl der Herzschläge 
während der Exspiration abnimmt, im Laufe der Inspiration dagegen 
zunimmt , während angenommen wird , dass die Exspiration den 
Herzschlag beschleunigt, die Inspiration verlangsamt; dass im Laufe 
der Inspiration eine Zunahme des Blutdruckes stattfindet, während 
man bisher glaubte, dass die Inspiration den Mittelwert!) der Blut- 
spannung herabsetzt. 

Wir müssen es daher jetzt versuchen, den Bedingungen der 
beobachteten Thatsachen näher nachzuforschen, den Widerspruch 
aufzuheben und die Ursachen der Analogie und der Unterschiede 
zwischen gewöhnlichem Athmen und künstlich erzeugtem hohen 
Respirationsdrucke zu begründen. 

1 . Veränderungen in der Schlagfolge des Herzens. 

Der Grund für die unter dem Einfiuss des Athmens eintretende 
Veränderung in der Schlagfolge des Herzens, namentlich für die 
Verlangsamung derselben während der Ausathmung, inuss in einem 



Über den EinHuss der Atheiiiliewe^uiigen auf Herzschlag und Blutdruck. 4 1 

veränderten Erregungszustände der Nervi vagi und zwar ihrer cen- 
tralen Ursprungsstellen gesucht werden; diese Annahme wird gefor- 
dert durch den constanten Erfolg der Vagusdurchschneidung, die 
immer und unter allen Umständen ein Ausbleiben dieser Veränderung 
während des Athmens zur Folge hat. Beim -}- BD haben wir uns 
überzeugt, dass die Vagusreizung dem in ihrem Gefolge auftreten- 
den Hirndrucke ihren Ursprung verdankt. Beim gewöhnlichen Aus- 
athmen muss derselbe Grund für die Vagusreizung, wenn auch in 
einem viel niederen Grade angenommen werden; unter dem Ein- 
flüsse der Exspiration wird ja das Zurückströmen des Blutes, wie 
schon lange bekannt, erschwert und es erfolgt daher eine grössere 
Anhäufung von Blut in den Capillaren und Venen des Gehirns und 
in Folge dessen eine Erregung der centralen Vagusfasern; unter- 
stützt wird unsere Annahme durch die bekannte Thatsache, dass 
das Gehirn während der Exspiration eine geringe Erhebung erlei- 
det, und durch die Wahrnehmung von Berlin 1 ), dass das Gehirn 
hoch stehen bleibt, wenn Luft in die Lunge mit grosser Kraft 
geblasen wird. Es spricht dafür weiter die von uns gemachte 
Erfahrung, dass schon ein sehr geringer -\~ BD einen deutlich aus- 
gesprochenen Hirndruck erzeugt, und die schon früher betonte 
Wahrnehmung, dass der Hirndruck die Lösung des -f- BD über- 
dauert, nach eingetretener Inspiration dagegen rasch ausgeglichen 
wird. Während der Inspiration nun fliesst das Blut leicht und 
rasch in die Brusthöhle zurück, das Gehirn wird vom über- 
schüssig angehäuften Blute befreit und sinkt zurück; es fällt 
somit die Ursache der Vagusreizung weg, die Herzschläge werden 
wieder frequ enter. 

Mit dieser Anschauung stimmt auch die Zeit des Auftretens der 
besprochenen Veränderung; die Beschleunigung des Herzschlages 
nämlich fällt nicht auf den Beginn der Inspiration, die Verlangsamung 
nicht auf den Eintritt der Exspiration, sondern beide treten erst im 
Laufe der Athembewegung hervor und erlangen ihren grössten Werth 
während der Höbepunkte der In- und Exspiration, wo die weiteren 
Folgen derselben für die Vertheilung des Blutes schon Zeit hatten 
sich zu entwickeln oder auszugleichen. 



') Citiit bei Donders, I. c. pag. 311, Bd. III. 



412 Ein 1. i- o d t. 

Das Frequenterwerdeu des Herzschlages, das wir als Folge einer 
unmittelbaren Herzreizung hei bedeutendem, aber nicht allzu hohem 
-\- RD auftreten sahen, findet bei der normalen Ausathmung niemals 
Statt, denn die Bedingungen, die dort für diese Erscheinung angeführt 
werden, werden durch die normale Athmung nicht gesetzt, das Herz 
wird nicht zusammengedrückt, das Blut wird in's Herz nicht mit 
Pressung eingeführt. Ebenso sahen wir beim hohen — RD eine 
Vagusreizung Platz greifen und eine Verlangsamung der Herz- 
schläge sich einstellen; auch für diese fehlen bei der normalen Ein- 
athmung alle Ursachen und der Herzschlag wird daher nie ver- 
langsamt. 

Für die Erklärung der Beschleunigung der Herzschläge während 
der Inspiration könnte ausser dem Nachlasse der Vaguserregung auch 
noch eine unmittelbare Herzreizung in Folge des in bedeutenden 
Massen zuströmenden Blutes in Anspruch genommen werden; doch 
liegt dazu kein zwingender Grund vor, da die Masse des Blutes 
und die Kraft seines Einströmens bei der Einathmung jedenfalls 
geringer sein werden, als bei sehr hohem — RD. Das Ausbleiben 
einer Veränderung in der Schlagfolge des Herzens nach der Durch- 
schneidung der N. vagi wiederspricht nicht der immerhin möglichen 
Annahme einer directen Herzreizung, denn wenn auch dann keine 
Zunahme in der Zahl der Herzschläge bei der Inspiration stattfindet, 
so ist dieses einfach eine Folge der schon nach Durchschneidung 
ungemein grossen Geschwindigkeit des Herzschlages, die nicht wohl 
eine noch weitere Steigerung derselben zulässt. 

Es ist ohne Weiteres klar, dass auf die Herzschlagsänderung 
während der Athembewegungen die Nachgiebigkeit des Brustkastens 
sowohl als auch die verschiedene Tiefe und Dauer der einzelnen 
Respirationsacte einerseits, die constitutionelle Einrichtung des ver- 
längerten Markes und die verschiedene Erregbarkeit der N. vagi von 
der andern Seite einen massgebenden Einfluss ausüben werden. 
Man könnte demnach versucht sein, ein bestimmtes Verhältniss zwi- 
schen den Eigenschaften der Athembewegungen und der Herzschlags- 
änderung aufzustellen, aber ein solches Vorhaben kann auf eine all- 
gemeine Giltigkeit keinen Anspruch haben, denn 1. wird selbst 
die gleiche Bewegung der Brustwand bei verschiedenen Individuen 
weder zu einer gleichen Strömung des Blutes im Kopfe, noch zu 
einem gleich grossen Einströmen von Blut in's Herz führen; 2. wird 



Cber den ßiufluss der Athembewegungeu auf Herzschlag und Blutdruck. 4 I 3 

auch die bei verschiedenen Individuen in so grossen Breiten wech- 
selnde Blutmenge eine wichtige Bolle dabei übernehmen, und 3. end- 
lich ist auch das Verhältniss zwischen der Reizbarkeit der Vagus- 
wurzeln und derjenigen des Herzens bei verschiedenen Individuen 
sehr verschieden. 

Im Allgemeinen kann daher nur so viel ausgesagt werden, dass 
die Herzschlagsänderung, die unter Umständen sogar fehlen oder 
wenig ausgesprochen sein kann, bei verschiedenen Thierarten sowohl 
als auch bei verschiedenen Individuen derselben Art je nach dem 
Vorwiegen oder Fehlen der vorhin genannten Bedingungen eine 
verschiedene Grösse sein wird, und im Ganzen um so grösser, je 
nachgiebiger die Brustwand ist und je langsamer und tiefer die 
Athembewegungen erfolgen. Bedauern muss ich es, dass es mir 
nicht vergönnt war, diese Versuche auch auf andere Thiere als 
Hunde auszudehnen. 

In welcher Grösse die besprochene Änderung in der Schlag- 
folge des Herzens auch für den Menschen ihre Anwendung findet, 
müssen wir dahingestellt lassen, aber erwähnen muss ich, dass 
ich sie auch am Menschen beobachtet habe und dabei eine Zu- 
nahme der Zahl der Herzschläge während der Inspiration und 
eine Abnahme während der Exspiration gefunden; an mir selbst 
fehlt diese Erscheinung vollständig und die Zahl der Herzschläge 
bleibt selbst während möglichst tiefer In- und Exspiration genau 
dieselbe. 

2. Veränderungen im Blutdruck. 

Für die Veränderungen, die der Blutdruck während der Athem- 
bewegungen erleidet, bestehen zwei Ursachen: 1. die beschleu- 
nigenden Kräfte, die die Bewegungen der Brustwand ausüben 
und 2. die am Herzen hervorgebrachte Füllung mit Blut. 
Als begünstigendes Moment kann auch die veränderte Schlag- 
folge des Herzens angeführt werden. 

Die beschleunigenden Kräfte, die durch die Brustbewegungen 
erzeugt werden, hängen von dem Druckunterschiede der Luft auf 
der äussern und innern Lungenobertläche ab und machen ihren Ein- 
fluss namentlich beim Beginne der In- und Exspiration geltend, wäh- 
rend der Einfluss der Blutfüllung mehr im weiteren Verlaufe der 
Respirationsbewegungen hervortritt. 



414 Einbrn.il. 

Durch die Einathinung werden das Herz und die grossen Ge- 
fässe, die an der äussern Lungenoberflache liegen, unter geringe 
Spannung versetzt, und dem entsprechend sinkt auch im Beginne 
der Inspiration, wenn sie nur nicht eine zu kurze ist, der mittlere 
Blutdruck um ein Geringes unter den Werth herab, der ihm wäh- 
rend der vorhergehenden Ausathmungspause zukam. Analog dieser 
Erscheinung sahen wir auch beim — RD im ersten Momente meist 
eine Abnahme des Blutdruckes erfolgen. Aber diese Abnahme kann 
bei der Inspiration nicht lange anhalten; in Folge des gesetzten 
Spannungsunterschiedes strömt eine bedeutende Quantität Blut dem 
Herzen zu, und wird durch das erregbare Herz sofort für den 
Strom nutzbar gemacht; der Inhalt des arteriellen Systems wird 
dadurch unter höhere Spannung versetzt, und dieses spricht sich 
darin aus, dass im weitern Laufe der Inspiration der arterielle Blut- 
druck eine Zunahme erfährt; da sich nun dieFiillung des Herzens und 
folglich auch die der Arterien so lange erhält, als die Inspiration 
selbst, so erfährt auch der Blutdruck während der ganzen Dauer 
der Inspiration keine Abnahme mehr. Der hohe — RD bewirkt 
dieselbe Füllung am Herzen und dem entsprecbend sahen wir 
auch dort eine Steigerung des mittlem Blutdruckes während der 
Dauer seines Bestehens auftreten. — Wie man sieht, wird also der 
erste druckerniedrigende Eintluss der verminderten Spannung im 
weitern Verlaufe der Inspiration durch die Anfüllung des Herzens 
mit Blut nicht nur in seiner Wirkung gehemmt und beeinträchtigt, 
sondern auch factisch aufgehoben. Diese Thatsache, die sich aus 
dem Vergleiche der Puls- und Bespirationscurven ergibt, wird auch 
schon durch theoretische Erwägungen wahrscheinlich gemacht, denn 
die Abnahme, die die Spannung auf der äussern Lungenoberflache 
erfährt, ist bei einer gewöhnlichen Inspiration nicht bedeutend und 
genügt selbst bei sehr hohem — RD, wie wir gesehen haben, nur 
um auf jedes Steigen ein Sinken folgen zu lassen, nicht aber um den 
Eintluss des Blutzullusses ganz aufzuwiegen und eine dauernde 
Erniedrigung des mittlem Blutdruckes herbeizuführen; die Füllung 
des Herzens dagegen wird selbst durch eine gewöbnliche Einath- 
mung in genügendem Masse hervorgebracht, besonders wenn man 
die grosse FJächenausdehnung der Venen in Anschlag bringt und den 
Umstand berücksichtigt, dass auch der Abfluss aus den Arterien wäh- 
rend der Inspiration im Vergleiche mit dem während der Exspiration 



Über den Einfluss dei' Atheinbeweguiigen auf Herzschlag und Blutdruck. \ ] ,'> 

ein geringerer ist; daher kann hier auch die Zunahme des Blut- 
druckes eine stetige sein. 

Stellt sich nun nach Ablauf der Inspiration die Exspiration ein, 
so summiren sich in ihrem Beginne zwei Einflüsse, um den Blutdruck 
rasch bis zur bedeutendsten Höhe ansteigen zu lassen: die beschleu- 
nigende Kraft der Brustbewegung, die aus der Zunahme der auf den 
Brusteingeweiden lastenden Spannung hervorgeht und die vorher 
bestandene Blufanfiillung des Herzens, die jetzt erst allmählich zur 
Ausgleichung gelangt. Der Wirkung dieser beiden Einflüsse, nament- 
lich aber des erstem ist das beobachtete Steigen des Blutdruckes im 
Beginne der Ansathmung beizumessen; dem entsprechend haben wir 
auch beim -\- BD gesehen, dass er die Spannung des Blutes vermehrt, 
wenn er von Null bis zu seinem Maximum ansteigt. Aber im weitern 
Verlaufe der Exspiration wird der Abfluss des Blutes aus dem Herzen 
und Arterien begünstigt, das genügende Nachströmen aus den Venen 
dagegen erschwert, der NutzefTect des Herzens wird dadurch herab- 
gesetzt, der Inhalt des arteriellen Systems unter geringere Spannung 
gebracht; der drucksteigernde Einfluss der erhöhten Spannung wird 
im Verlaufe der Exspiration durch die eintretende Blutleere der 
Arterien aufgewogen und vernichtet, daher das beobachtete regel- 
mässige Sinken des Blutdruckes während der Ausathmung; ebenso 
sahen wir auch beim künstlichen -f- BD selbst bei einem verhältniss- 
mässig niedrigen, den Blutdruck im arteriellen Systeme, trotz der 
erhöhten Spannungszunahme, in Folge des gehemmten Bückflusses 
des Blutes zum Herzen eine Abnahme erleiden, die um so grösser 
wurde, je höher der -f- BD stieg, und den Blutdruck bei einem 
gewissen Grade der Blutleere, trotz des fortbestehenden Herzschlags, 
horizontal verzeichnet werden. — Die durch die Exspiration bedingte 
geringere Blutfüllung des Herzens und der Arterien hält aber wäh- 
rend der ganzen Dauer der Ausathmung an, und dem entsprechend, 
haben wir auch nie im weitern Laufe der Exspiration eine Steigerung 
des Blutdruckes beobachtet. 

Ausser den beiden Elementen, die wir bisher zur Erklärung der 
Veränderungen im Blutdrücke beim Athmen benutzt haben , könnte 
als drittes Element, das den beiden ersten jedenfalls aber an Wirk- 
samkeit nachsteht, die Veränderung in der Herzschlagsgeschwindig- 
keit angeführt werden; ihr Einfluss spricht sich darin aus, dass in 
denjenigen Fällen, wo sie deutlich ausgesprochen auftritt, das An- 



4 1 (> Ein I» r o ri t. 

steigen während der Inspiration und das Absteigen während der 
Exspiration viel rascher geschieht als in denjenigen Fällen, wo die 
Herzschlagsänderung fehlt. Dagegen kann aber das wirkliche Bestehen 
und wechselnde Überwiegen der beiden ersten Elemente gerade in 
diesen letztern Fällen, z. B. nach Vagusdurchschneidung, reiner 
beobachtet werden, einerseits weil nun die Veränderungen in der 
Schlagfolge des Herzens vollkommen ausbleiben und die Excursionen 
der Herzschläge und des Blutdruckes geringer werden, das Über- 
wiegen der Blutfüllung über den Spannungsunterschied oder vice 
versa daher nicht mehr so schnell erfolgt, andererseits aber weil in 
Folge der Vagusdurchschneidung die Athembewegungen selbst tiefer 
und langsamer werden und daher einen grössern Einfluss erlan- 
gen können , namentlich aber bedeutendere Spannungsunterschiede 
setzen. 

Dass bei Beurtheilung des Einflusses der Athembewegungen 
auf den Blutstrom die Berücksichtigung der durch das Athmeu 
gesetzten Spannungsunterschiede allein, wie es bisher gethan wor- 
den, nicht ausreicht und man daher auch ihre weiteren Folgen zur 
Erklärung der beobachteten Thatsachen mit benutzen muss, wie ich 
es hier versucht habe, beweist der schon längst bekannte Umstand, 
das die Spannungs -Zu- und Abnahme in der Brusthöhle und im 
Gefässinhalt nie die gleiche Grösse erreichen und, wie wir jetzt 
gefunden, nicht einmal im ganzen Laufe der einzelnen Athemacte 
einander parallel gehen. 

Es ist nach dem Vorhergehenden klar, dass der Gesammt- 
einfluss der Athembewegungen eine grosse Abhängigkeit 
zeigen wird von den constitutionellen Einrichtungen des verlän- 
gerten Markes und der verschiedenen Erregbarkeit der iV. vagi; 
wenn z. B. die Beizbarkeit der Vagi gross ist, die automatischen 
Erreger der Respiration aber unbedeutend und die Athembewegungen 
daher einander nicht rasch folgen, so gewinnen die Athembewe- 
gungen auf Herzschlag und Blutdruck einen grossen Einfluss, und 
alle Folgen desselben prägen sich dann, unter sonst gleichbleibenden 
Umständen, am deutlichsten aus. Ist dagegen die Vagusreizung 
gering, theils weil seine Beizbarkeit unbedeutend ist, und theils auch 
weil die automatisch auf ihn wirkenden Erregungsmitte] niedrig sind, 
so sind die Veränderungen in der Pulscurve nur abhängig von den 
beschleunigenden Wirkungen des Brustkastens und von der Blut- 



Über den Einfluss der Athembewegungea auf Herzschlag und Blutdruck. 417 

fiillung des Herzens, und das An- und Absteigen erfolgt nicht mehr 
so rasch wie im ersten Falle; endlich kann aber die Reizbarkeit der 
Vagi zugleich mit den automatischen Reizen beträchtlich sein; dann 
spricht sich der Einfluss des Athmens am wenigsten aus; die Inspi- 
ration kann dann nur unbedeutend beschleunigen, die Exspiration 
nur unbedeutend verlangsamen, und die Zu- und Abnahme im Blut- 
drucke ist keine ausgesprochene, da die Excursion jedes einzelnen 
Herzschlages immer grösser ist, weil in Folge der langen Pausen 
sich immer genügend Blut sammeln kann. 



Die mitgetheilten Versuche geben noch zu folgenden Bemer- 
kungen Veranlassung. 

1. Sie bestätigen die Annahme eines Tonus der N. vagi, wenn 
nämlich dieser Ausdruck nur im Sinne einer in kurzen Zwischen- 
räumen periodisch wiederkehrenden Reizung gebraucht wird, und 
verlegen die Ursache desselben in die durch die Ein- und Aus- 
athmung ungleich gemachte Vertheilung des Blutes im Gehirne und 
verlängerten Marke. Dadurch lassen sie uns zugleich den Einfluss 
der constitutionellen Blutmenge auf den Herzschlag besser einsehen 
und erklären namentlich den bei Verblutung oder Blutleere über- 
haupt gewöhnlich eintretenden frequenten Herzschlag. 

2. Sie lehren uns die Möglichkeit kennen, den Blutdruck ohne 
Blutentziehung oder Einspritzung nach Belieben sinken oder steigen 
zu lassen, und zwar in solchen Grenzen, wie dieses durch kein 
anderes Mittel hervorgebracht werden kann, und geben uns daher zur 
richtigen Schätzung von plötzlichen und bedeutenden Änderungen im 
Werthe des Blutdruckes einen neuen Massstab an die Hand. Freilich 
behält diese Wahrnehmung nur ein beschränktes Interesse, denn sie 
kann wegen der zugleich eingeführten grossen Störungen keine 
Anwendung in der praktischen Physiologie finden; dagegen bietet 
der oben beschriebene Versuch des Einfahrens einer Blase in den 
rechten Vorhof, bei genügender Vorsicht in der Anwendung, ein 
gutes Mittel an die Hand, den Blutdruck bedeutend und dauernd herab- 
zusetzen. 

3. Sie geben uns endlich eine Bestätigung der Br unner 1 schen 
Beobachtungen und erlauben die Frage über die Spannung d<;s 
ruhenden Blutes weiter zu verfolgen. 



418 Einbrodt. Über den Einfluss der Athembewegungen etc. 

Durch die mitgetheilten Beobachtungen und die aus ihnen abge- 
leiteten Anschauungen glauben wir ein besseres Verständniss der 
Athembewegungen auf den Kreislauf angebahnt zu haben; aber da 
wir uns nicht verhehlen, wie überaus Vieles in diesem Gebiete der 
Physiologie noch geleistet werden muss, so enthalten wir uns für den 
Augenblick aller auch jetzt schon möglichen Folgerungen, und 
betrachten die vorliegende Untersuchung nur als eine Vorarbeit, die 
in Folge der erlangten sichern Einsicht in die Grundelemente der 
Frage ein weiteres Vordringen wesentlich unterstützen wird. 



Einbrodt. Ifiler den Enflussder A-tkembewegungen auf Hcrtsclilkg und Blutdruck 




**&*& 






Sitauntfso '1 k Akud 4.W maih iialiim- CT. XI R.l X° 10 ISliO. 



Kner. Über Bclonesox belizanus, nov. gen. et spec. 410 



Über Belonesox belizanus, nov. gen. et spec. aus der Familie 
der Cyprinodonten. 

Von dem c. M. Prof. ßudolf Kue r. 

(Mit i Tafel.) 

Unter einer Anzahl von Fischen, die mir jüngst das Hamburger 
städt. Museum zusandte, fand sich das hier in natürlicher Grösse ab- 
gebildete Fischchen vor, dessen Beschreibung ich vorauszuschicken 
für zweckmässiger halte, bevor ich zur systematischen Stellung und 
Charakteristik dieser interessanten Gattung mich wende. Die Kopf- 
länge ist B^mal in der Gesammtlänge enthalten, die grösste Höhe 
des Rumpfes beträgt weniger als die halbe Kopflänge, jene am Schwanz- 
stiele ist gleich einem Drittel der letztern und auch gleich der Kopf- 
breite zwischen den Deckeln; die Länge des Schnabels übertrifft ein 
Drittel der Kopflänge. Der obere Mundrand wird blos von den in ein 
Dreieck verlängerten Zwischenkiefern gebildet, vor deren Spitze der 
Unterkiefer noch etwas hervorragt. Beide genannten Kiefer sind mit 
mehreren Reihen gerader, langer Spitzzähne bewaffnet, von denen 
die äusseren, am Rande stehenden, die kürzesten, die der innersten 
Reihen viel länger sind und den Namen wahrer Nadel- oder Pfriemen- 
zähne verdienen. Im Zwischenkiefer halten sie die ganze Breite des- 
selben besetzt, und es stehen deren an der breitesten Stelle (Fig. b, 
bei a, ß) 12 in einer Querreihe, wie Fig. c ersichtlich macht, welche 
den an dieser Stelle genommenen Durchschnitt darstellt. Im Unter- 
kiefer steht jederseits nur eine dreifache Zahnreihe, da die Mittel- 
linie hier zahnlos bleibt. 

Zunge, Pflugschaar und Gaumenbeine sind zahnlos. Der Zwi- 
schenkiefer ist vorschiebbar, senkt sich hiebei zugleich mit dem Un- 
terkiefer nach abwärts und wird von dem schmalen, seitwärts hinter 
den Mundwinkel liegenden Oberkiefer in nicht vorgestrecktem Zustande 
an seiner Einlenkungsstelle überdeckt. Das ziemlich grosse Auge 



420 Kner. 

steht hinter halber Kopflänge und zwar genau zwei seiner Durchmes- 
ser von der Kiemenspalte, aber weniger als einen vom Rande des 
Oberkiefers entfernt. Die Breite der fast flachen Stirn zwischen den 
Auge;>. betrügt l\ f 2 Durchmesser. Über dem vordem Augenrande ist 
nur eine einfache Narine sichtbar. Die Kiemenspalte ist weit, die Zahl 
der Kiemenstrahlen 6; die vier langgestreckten Kiemenbögen sind 
mit kaum sichtbaren spitzigen Rechenzähnen dicht besetzt , die 
Schlundknochen tragen Packete von Hechelzähnen; eine fransige 
Nebenkieme fehlt. 

D. 9, A. 2/9, V. 6, P. 12, C. 20. 

Die Stellung und relativen Verhältnisse der Flossen sind aus 
der Abbildung am besten ersichtlich; die Strahlen aller Flossen sind 
fein gegliedert, und nur an derCaudale doppelt dichotomisch, an den 
übrigen Flossen aber einfach gabelig getheilt. Deckelstücke, Wan- 
gen und Oberseite des Kopfes sind bis an den Rand des Zwischen- 
kieferrohres beschuppt, blos der Oberkiefer, das vordere ziemlich 
breite Suborbitalstück und die beiden zahntragenden Kiefer bleiben 
nackt. Die Schuppen sind fast kreisrund, weich, ganzrandig, ohne 
Radien, nur mit groben concentrischen Streifen und Furchen ver- 
sehen. Längs des Rumpfes bis zur Schwanzflosse liegen 40 Schuppen 
in runder Zahl. Der After mündet ziemlich weit vor der Urogenital - 
Öffnung, die unmittelbar vor der Analflosse sich befindet. 

Die Färbung erscheint am Spiritus-Exemplare am Rücken hell 
braun und wird an den Seiten gegen den Bauch zu noch lichter; 4 — 5 
Längsreihen schwarzbrauner Flecken und Punkte zieren den Rumpf 
bis zur halben Höhe herab und erstrecken sich vom Ende des Kopfes bis 
zur Basis derCaudale, die Mitte der letzteren hält ein grosser schwarz- 
brauner Augenfleck besetzt; Kopf und alle Flossen sind ungefleckt. 

Diese Gattung erinnert unwillkürlich an die Hechte; durch die 
gestreckte Totalgestalt, durch die weit zurückstehende, weichstrah- 
lige Rückenflosse, die erst über dem Ende der Anale beginnt, durch 
cykloide Schuppen und selbst durch die lang gezogenen, stark bezahn- 
ten Kiefer. Sie unterscheidet sich aber scharf nicht nur von den Hech- 
ten, sondern allen (ihrigen Malacopteren; durch die ganz eigentümliche 
Vorstreckbarkeit des Zwischenkiefers. Dieser mahnt von oben gese- 
hen (Fig. b) allerdings etwas an den Oberschnabel mancher Arten 
Uemirhamphus , doch fehlt letzteren die Vorschiebbarkeit und wäh- 
rend bei ihnen, sobald der Mund aufgesperrt wird, der Zwischenkiefer 



Über Belonesox belizantts aus der Familie der Cyprinodonten. 4-21 

in die Höhe gezerrt wird, so neigt er sich bei dieser Gattung zu f 
gleich mit dem Unterkiefer im vorgestreckten Zustande nach abwärts 
wie Fig. 1 ersichtlich macht. Zu diesem Behufe steht auch der schmale 
ganz ausser dem Bereiche der Mundspalte zurückgedrängte Ober- 
kiefer mit der intermaxillaren in eigenthümlicher Gelenkverbindung. 
Nicht minder charakteristisch ist aber auch die Bezahnung, durch 
welche sich diese Gattung sowohl von den Hechten, als den Scomber- 
esoces unterscheidet. 

Fasst man die verschiedenen Mahnungen dieses Fisches au die 
beiden genannten Familien zusammen, so dürfte der vorgeschlagene 
Gattungsname nicht unpassend erscheinen. Im Systeme kann dieser 
Gattung wohl kein anderer Platz als in der Familie der Cyprinodon- 
ten angewiesen werden und zwar zunächst der Gattung Hydrargyra. 
Die gestreckte Totalgestalt, die einzige weit rückwärts stehende und 
gegliederte Bückenflosse, der flache Oberkopf, der vorstreckbare Zwi- 
schenkiefer, die cykloiden Schuppen und die Zahl der Kiemenstrahlen 
sprechen sämmtlich zu Gunsten dieser Stellung. Die schnabelähnliche 
Verlängerung der Kinnladen, so wie deren starke und eigenthümliche 
Bezahnung werden aber die Begründung einer eigenen Gattung 
gerechtfertigt erscheinen lassen. 

Da das beschriebene Exemplar ein dem Hamburger städt. Museum 
gehöriges Unicum ist, so konnte ich nur die äussere Untersuchung 
desselben vornehmen. Es stammt aus Belize in Honduras und wurde 
mit der Bezeichnung: „Alligatorlisch" eingesendet und dabei bemerkt, 
dass er kaum grösser werde und sehr selten sei. Nachträglich theilte 
mir Herr Custos Sigel brieflich mit, dass dieser Fisch nicht blos 
bei Belize, sondern in allen kleinen Flüssen von Honduras vorkomme, 
jedoch überall selten sei, mitunter eine Länge von 12 Zoll erreiche 
und nur schwer, mit Angeln gar nicht zu fischen sei 1 ). 



') Ich kann nicht umhin . bei diesem Anlasse mein Bedauern auszusprechen, da« den 
Süsswassertisehen Central-AmerikaVs bisher noch zu wenig- Beachtung zugewendet 
wurde; mindestens besitzen die Wiener Museen deren nur wenige durch die Herren 
Baron Friedrichsthal und Prof. Hei I er, sie alle geben aber Zeugniss von der 
eigentümlichen Fischfauna jener Gewässer, in denen sich zwar vermittelnde For- 
men i. wischen Nord- und Südamerika vorlinden, aber wie es scheint, auch nicht wenige 
ganz selbstständige. Zum Belege erlaube ich mir blos auf die Gattung- Xiphophoru* 
Heck, hinzuweisen und zu bemerken, dass last alle Alten von Siiuroiden, Chiomiden 
und Cyprinodonten, die wi raus Mexico besitzen , von denen Südamerika"* verschiednn 
seien. 
Siub. (I. mulhem.-naturw. Cl. XL. IM. Nr. 10. 29 



42^ k " '' ''• ÖBer Belonesox belitanu.8 aus der Familie der Cyprinodonten. 

DerCha rakt er der Gattung dürfte sich in folgender Weise 
construiren hissen : „Os rostriforme, ad infra protractile, ossa inter- 
et inframaxillaria dentibus confertis acutissimis obsila, a margine 
externo ad intus longitudine crescentibus, palatum et lingua eden- 
tula; radii branchiostegii sex ; — pinna dorsalis supra analis finem 
incipiens, caudalis margo rotundutus ; linea lateralis nulla". 

Der Charakter der Species lässt sich vorläufig durch die 
Merkmale feststellen: „Trunci latera punctis fusco-nigris seriatim 
p&sitis not ata. macula nigra magna ad pinnae caudalis busin." 



Erklärung der Abbildungen. 

Fig. 1. Belonesox belizanus, in natürlicher (irösse. 

a Kopf etwas vergrössert und schief gestellt, am die Rezalinung des 

Zwischenkiefers sichtbar zu machen. 
Ii Kopf von oben. 
c Durchschnitt des Zwischenkiefers bei a, {1. 



Kner. I Ihm' Belenesox belizanus nov.<?en. el spec 




AfaZürl Grösse 



/'///. / . 








BelenpsuK belizanus 



1 • ! ■ 

Sitzun«sb.d k Äiad.dW.Tnath.naturw.Cl.XL.Bd.NHO . 1860. 



Kner. Übersicht der ichthyologischen Ausheule etc. 4-23 



Übersicht der ichthyologischen Ausbeute während der 
Beine Sr. kais. Maj, Fregatte Novara. 

Von dein c. M. Dr. Rudolf Rner. 

Im November des verflossenen Jahres erhielt ich die ehrenvolle 
Aufforderung, die wissenschaftliche Untersuchung und Bearbeitung 
der Fische zu übernehmen, welche während der Weltfahrt von 
Sr. Maj. Fregatte Novara durch die beiden Zoologen Herrn von 
Frauen fehl und Zelebor gesammelt wurden. Ich habe mich in» 
Vereine mit meinen beiden jungen Freunden und ehemaligen Schülern 
den Herren Dr. Joh. Canestrini und Franz Steindachner mit 
Eifer dieser Aufgabe unterzogen und glaube nun heute die Ergeb- 
nisse unserer Untersuchung der hochansehnlichen Classe aus dem 
Grunde vorlegen zu dürfen, weil die hohe kaiserliche Akademie sich 
vom Anbeginne für jenes österreichische Unternehmen mit dem leb- 
haftesten Interesse betheiligte. 

Was zunächst die Totalsumme der gesammelten Fische' anbe- 
langt, so gibt diese an sich schon rühmliches Zeugniss von dem regen 
Eifer der Sammler, denn sie beläuft sich nahe an 2000 Exemplare, 
deren meist vortrefflicher Erhaltungszustand überdies für das Ge- 
schick und die Sorgfalt spricht, mit welcher die gesammelten Objecto 
behandelt und conservirt wurden, ein Verdienst, das nicht gering 
anzuschlagen ist, wenn man die Schwierigkeiten bedenkt, welche 
sich dem Sammler in tropischen Landen überhaupt und insbesondere 
während einer ruhelosen Weltfahrt entgegenthürmen und durch 
welche nicht selten die schönsten Früchte des Fleisses verdorben 
und vernichtet werden. 

Um nicht durch Länge zu ermüden und doch einen möglichst 
klaren Überblick zu verschaffen, fasse ich die bisherigen Resultate 
unserer Untersuchungen in folgende Rubriken zusammen: 1. Über- 
sicht der sicher bestimmten Gattungen und Arten; 2. jener, die für 

29 



4-ü£() Kner. Übersicht der ichthyologtscheii Ausbeute 

Hinsicht zu besprechen; ebenso auch die Gattung' Helotes, und 
Bovichthys, welche letztere von der Insel St. Paul mit einer wie 
es scheint neuen Art vorliegt. 

Von Sparoiden gehören hieher die Gattungen Nemaddctylus 
und Latris von Richardson, beide durch Arten aus St. Paul ver- 
treten, und eine Maenide aus Auckland. Von Squamipennen sind 
wahrscheinlich ein Pimelepterus und eine Scorpis aus Neuholland 
neu. — Unter den Labyrinthiisehen ist Ophicephalus pekingetisis 
B a s i I e w s k i hervorzuheben ; die bekanntlich sehwierig zu bestimmen- 
den Mugiloiden dürften mit ein paar neuen Arten vertreten sein , die 
Gobien und Blennien hingegen mit mehreren; unter ihnen findet sich 
auch eine nov. Spec. von Cristiceps aus Sydney und ein Blennoid 
vor aus Neuseeland mit dreifacher Seitenlinie, den ich einstweilen 
als nov. gen. ansehen muss. — Ferner ist ein Lepadoyaster aus Syd- 
ney wahrscheinlich neu, und die bis jetzt überhaupt noch ungenügend 
untersuchten Eche7ieis-Avten sind ebenfalls einer genaueren Beach- 
tung werth. — Aus der Familie der Chromidcn erscheint ein gros- 
ser, schöner Uaru Heck, von Rio Janeiro (mit 13 Stacheln in der 
Anale) als eine neue Art. — Von den Cyprinoiden sind sämmtliche 
Gattungen und Arten einer näheren wissenschaftlichen Untersuchung 
und Besprechung bedürftig; denn selbst von den durch Hamilton 
Buchanan, Cantor, Bleeker und Andere bekannt gewordenen 
Arten liegen nur ungenügende Beschreibungen und Abbildungen vor. 
und namentich ist auf die Schlundzähne derselben nirgends Bedacht 
genommen. — Die von Cuvier dieser Familie beigezählte Gattung 
Gonorhynchus , welche mit einer Art (ob Gronocii Val. oder ylos- 
sodontvs Rüpp. ?) vom Cap der guten Hoffnung vorliegt, verdient in 
mehrfacher Beziehung eine gründlichere Erörterung. — In ähnlicher 
Weise erheischen sämmtliche Siluroiden noch eine Untersuchung, 
indem selbst von den bekannten indischen Gattungen und Arten über 
Schwimmblase, Sexualorgane u. s. w. bisher erwünschte oder genü- 
gende Angaben fehlen. Von echten Salmoniden liegt eine kleine Art 
aus Neuseeland vor, die ich bisher nirgends auffinden konnte. — 
Welche und wie viele Arten sich aus den Familien der Pleuronecti- 
den und Anguilloiden etwa als neu herausstellen werden, lässt sich 
vorläufig nicht bestimmen; das zu diesem Behufe durchzuarbeitende 
Material ist an sich zu bedeutend und liegt in zu vielen verschiedenen 
Werken zerstreut vor, als dass selbes in dieser kurzen Zeit zu 



während der Reise Sr. Majestät Fregatte Novara. 427 

bewältigen möglich war. Die neueren von Kaup über diese Familien 

veröffentlichten Arbeiten sind leider nicht sehr geeignet, um sich mit 
ihnen schnell und sicher zurecht zu linden. Das Gesagte findet, wenn 
gleich im minderen Grade auch auf die Ordnungen der Plecfognathen 
und Lophobränchii Anwendung. 

Aus dem Ganzen geht hervor, dass die Anzahl der theils neuen, 
theils nur selten beobachteten oder mindestens zu wenig bekannten 
Arten bedeutender ist, als zu erwarten war, wenn man bedenkt, 
dass dieNovara doch nur grösstenteils häufig besuchte Küstenpunkte 
und Inseln berühren konnte. 

5. Was endlich die geographische Verbreitung und die Fund- 
orte der gesammelten Gattungen und Arten betrifft, so gehört die 
überwiegende Mehrzahl derselben, wie leicht erklärlich, dem indischen 
Ocean und der Südsee an. Viele von ihnen zeigen eine sehr weite 
geographische Verbreitung, und nicht selten liegen Arten vor, von 
welchen Exemplare aus Ceylon, Madras, Hongkong, Sydney und 
Tahiti stammen. Dass inselreiche Meere durchschnittlich ausgedehn- 
tere Verbreitungsbezirke möglich machen und wirklich aufzuweisen 
haben, liegt in der Natur der Sache, dass aber manche Gattungen des 
inselarmen Oeeans der südlichen Hemisphäre nicht minder weit ver- 
breitet sind, davon gibt z. B. die Gattung ßovichthys Zeugniss-, die 
sich von St. Paul bis zur Westküste von Südamerika vorfindet. Hin- 
sichtlich der verschiedenen Stationsplätze haben an marinen Formen 
die meisten Seltenheiten und Novitäten geliefert: die Insel S. Faul, 
Neuseeland und Valparaiso; leider ist die Gesammtzahl der an diesen 
Punkten acquirirten Fische nicht eine bedeutende. — Was die Süss- 
wasserlische anbelangt, so musste leicht hegreiflicher Weise deren 
Anzahl im Vergleiche zu den marinen gering sein; die aber im 
Voraus gehegte Erwartung, dass sie besonderes Interesse bieten wer- 
den , fand jedoch auch volle Rechtfertigung. Die Fauna der Süss- 
wasser hängt ungleich weniger von den geographischen Breitegraden 
ab. wie vielmehr von den Niveauverhältnissen der Länder, die sie 
durchziehen, und die überall gemachte Erfahrung, dass Gebirgs- 
rücken, welche grössere Wasserscheiden bilden, in sonst einander 
benachbarten Flussgebieten eine völlig abweichende Fischbevölkerung 
bedingen, fand auch wieder durch die Novara-Sammlungen ihre Bestä- 
tigung. Während die Cyprinoiden von Ceylon, Java und Madras 
grosse Übereinstimmung unter einander und mit denen des Ganges- 



428 Suess. Über die Spuren 

Stromes zeigen, erweisen sich jene des Flusses bei Schanghai durch- 
wegs von ihnen verschieden. Das oben Gesagte wird allein schon 
genügen, um die lebhafte Spannung erklärlich zu finden, mit welcher 
ich der Ankunft der Sammlungen von Süsswasserfischen noch ent- 
gegensehe, die Prof. Dr. von Hochstädter während seines längereu 
Aufenthaltes auf Neuseeland zu Stande brachte, und die ohne Zwei- 
fel eine würdige Schlusszier des Novara-Unternehmens sein werden. 



Über die Spuren eigentümlicher Eruptions - Erscheinungen 

am Dachstein - Gebirge. 

Von Prof. Eduard S o e s s. 

(Vorgelegt in der Sitzung der math.-naturw. Classe vom il. April 1860.) 

Im Jahre 1857 hat Herr Fr. v. Hauer einer Abhandlung, wel- 
che den Titel führt: „Ein geologischer Durchschnitt der Alpen von 
Passau bis Duino" i ), eine von mir verfasste Notiz über das Dach- 
stein-Gebirge einverleiht, in welcher ich bemüht gewesen bin eine 
allgemeine Schilderung des Baues dieses mächtigen Kalkstockes zu 
geben. Es ist bei dieser Gelegenheit gezeigt worden, dass man vom 
Hoch-Golling, also von Süden her, dem Dachstein -Gebirge sich 
nähernd, auf regelmässig nach Nord fallende Lagen von Granaten 
führendem Glimmerschiefer, Chloritschiefer und Thonschiefer mit 
eingelagerten Massen von Grauwacke-ähnlichen Gesteinen trifft und 
endlich jenseits des Enns - Thaies den Werfener Schiefer erreicht, 
welcher, eben so nach Nord fallend, die steile Wand unterteuft, 
welche der Dachstein nach Süden hin bietet. Jenseits des ganz und 
gar aus Alpenkalk bestehenden Dachstein - Gebirges nun tritt von 
diesen älteren Gesteinen nur der Werfener Schiefer wieder zu Tage, 
und zwar zunächst auf der Bruchlinie, welche vom Hallstätter Salz- 
berge durch den Ressenhach -Graben in das Gosauthal läuft. 

Es ist ferner ausführlich geschildert worden, wie auf der Höhe 
des Dachstein -Plateau^ die Formen der Berge und das wiederholte 
Auftreten der mittleren Lias- Schichten in sehr verschiedenen Höhen 
das Vorhandensein zahlreicher und bedeutender Verwerfungen ver- 



L ) Sitzungsberichte, lid. XXV. 



eigentümlicher Eruptions-Ersclieinungen am Dachsfein-Gehirge. 420 

rathen, welche theil estwa NS. im Fallen, theils ungefähr OW., also 
im Streichen der Kalkschichten liegen. 

Wenn man auf diesem ringsum von jähen Abstürzen umgrenzten 
Hochplateau sieht, wie die zahllosen Risse und Klüfte den ganzen 
Abfluss des Gletschers und den durch die Furchen der Karrenfelder 
herabtriefenden atmosphärischen Niederschlag verschlingen, wenn 
man die weiten, weissen, zerrissenen Kalksteinfelder überschaut, ist 
man nicht wenig überrascht, hier oder da ein Bohnerz, ein loses 
Stück milchweissen Quarzes oder gar ein Stückchen Grauwacken- 
schiefer zu finden. Die erste Nachricht von dem Vorkommen dieser dem 
Kalksteine offenbar ganz fremden Gesteine auf der Höhe des Dach- 
stein-Gebirges ist schon in den Vierziger Jahren durch Prof. S i m o n y 
nach Wien gebracht worden. Man hat damals die Vermuthung geäus- 
sert, dass diese Steinchen durch Gletscher von den krystallinischen 
Gebirgen, welche den jenseitigen, südlichen Abhang des Enns-Thales 
überragen, herbeigeschafft sein könnten, und später 1 ) hat man 
gemeint, dass sie die Reste einer ausgebreiteten und nun zerstörten 
Sandstein- oder Conglomerat- Bildung seien. Aber abgesehen davon, 
dass die orographischen Verhältnisse beide Annahmen in hohem 
Grade unwahrscheinlich machen, werden sie von den Erscheinungen, 
welche ich hier zu schildern habe, so vollständig widerlegt, dass 
es überflüssig wäre noch etwas Weiteres zu bemerken. 

In der oben erwähnten Schrift des Herrn v. Hauer *) habe ich 
(S. 305) erwähnt, dass ich diese Vorkommnisse den Geyser-Gebilden 
des Herrn Dumont zuzählen möchte, und dass sie den Gegenstand 
einer selbstständigen Notiz bilden sollten. So befremdend schienen 
mir jedoch die Erscheinungen, welche ich beobachtet hatte, dass 
ich Anstand nahm, eine ausführlichere Schilderung derselben zu veröf- 
fentlichen, bevor ich mich nochmals von ihrer Richtigkeit überzeugt 
hatte. Im vergangenen Herbste habe ich nun Gelegenheit gefunden 
in Gesellschaft der Herren Stoliczka und v. M oj ssisso vi ts die 
betreffenden Punkte nochmals zu prüfen. Die Frucht dieses neuen 
Besuches ist die Befestigung meiner Ansicht gewesen, dass das 
Dach stein -Gebirge einst der Schauplatz eige nth um li- 
eh e r Eruptions-Er schein ungen gewesen ist, indem 

1 1 Jahrb. <l. k. k. geol. Reichsanst. 1851, l. [>. 160. 

-) Auch im Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. 18154, |>. i:»9. 



4-»}0 Suess. Über die Spuren 

irgend eine Kraft durch die Verwerfungsklüfte des 
Kalksteines die Trümmer tief darunter liegender, 
älterer G e b i r g s a r t e n viele tausend F u s s hoch e m p o r g e- 
schleudert hat. 

Schlägt man von der Wies-Alpe (ö280 Fuss) i\en Weg nach der 
Gjaid-Alpe (5542 Fuss) ein und hält man sich dabei so weit links, dass 
mau den zunächst stehenden Lahnbeck- Kogel umgeht, so trifft mau 
auf der SO. -Seite desselben und im Angesichte des Hauchenkogels 
und des Krippensteins am Grunde eines kleinen Hohlweges eine 
Spalte im Dachstein -Kalk, welche NS. streicht und lothrecht in den 
Kalk hinabgeht. Diese Spalte hat eine ganz unregelmässige Breite, 
indem sie sich bald zu 18 Zoll erweitert, bald wieder zu 2 Zoll ver- 
engt; ihre Wände sind , so weit man dieselben sehen kann, mit unre- 
gelmässigen, rundlichen Höhlungen und Buckeln bedeckt. Der grösste 
Theil der Spalte ist mit einer gelblichen, kalkig-thonigen Masse aus- 
gefüllt, in welche unzählige sehr kleine Quarzstückchen eingebacken 
sind. Hie und da bemerkt man in dieser Masse auch ein etwas grös- 
seres , immer wohlabgerolltes Stückehen von gelbem Hornstein , und 
wenige Schritte abseits findet man unter dem Krummholze zahlreiche, 
kaum bohnengrosse Gerolle von diesem gelben Hornstein. von denen 
sich die meisten durch den höchst eigenthümlichen, glänzenden 
Schliff ihrer Oberfläche auszeichnen. — Etwas weiter trifft man in 
derselben Spalte eine fest zusammen gebackene Masse, welche haupt- 
sächlich aus diesen glänzenden, gelben Hornstein -Gerollen besteht, 
und von diesen sind einzelne in den Dachsteinkalk, welcher die Wände 
derSpalte bildet, so eingebettet, wie in derNagelfluhe ein Geschiebe 
öfters in ein anderes eingebettet ist, oder vielleicht richtiger so, wie 
nach den Schilderungen des Herrn Merian zu Boppe bei Befort die 
Bohnerzkörner in den Kalkstein biueingetrieben sind. Mau kann hie 
und da bemerken, dass der Dachsteinkalk in feinere Spalten zerklüftet 
ist und dass die Hornstein-Gerölle seihst in die engsten derselben so 
weit als nur möglich hineingedrungen sind ; einzelne von diesen Gerol- 
len sind sogar gewaltsam zerdrückt. — Die Schichten des Kalksteines 
streichen hier OW. und fallen mit etwa 36° nach S. , so dass die 
Spalte im Fallen liegt; man kann sie etwa 6 Klafter weit verfolgen. 
Bald darauf folgt eine abweichende Lagerung des Kalksteines. — 

Jenseits der Gjaid-Alpe, an dein Wege zur Schönbüchl-Alpe, in 
einer Höhe von etwa 5560 Fuss belinden sich jene Stellen, an denen 



eigentümlicher Eruptions-Erschei igen am Dachstein-Gebirge. - (- »> I 

man ähnliche Erscheinungen am deutlichsten und in der grössten 
Entwicklung sehen kann. 

Bald nachdem man die Gjaid-Aipe verlassen hat, kann man 
schon, besonders wenn man etwa hundert Schritte vom Fusssteige 
nach rechts abweicht, ziemlich viele zerstreute Stücke von weissem, 
seltener von schwärzlich -blauem oder röthlichein Kiesel finden. 
Diese Stücke erreichen ein Gewicht von 10 — 12 Loth und die gröss- 
ten unter ihnen sind nicht so sehr abgerollt, als vielmehr au ihren 
Ecken und Kauten abgestossen, während die einspringenden Win- 
kel schart' geblieben sind. Kurz bevor man die Hälfte des Weges zur 
Schönbüchl-Alpe zurückgelegt hat, bemerkt man linker Hand, hart 
am Fusssteige eine weite, trichterförmige Vertiefung, (\evau Grund 
mit gelbem Letten und zahlreichen kleinen Steinchen angefüllt ist, 
und etwa einen Büchsenschuss weiter sieht man, ebenfalls links hart 
am Fusssteige, eine sehr beträchtliche Menge solcher Steinchen in 
Gestalt eines halben Kegels au eine Hervorragung des Dachsteinkal- 
kes angelehnt. Diese Anhäufung ist dem Trichter zugekehrt; sie 
besteht zum Theile aus losen Steinchen und zum geringeren Theile 
ist sie zu einem festen, braunen, eisenhaltigen Conglomerat zusam- 
meugekittet. Sie erinnert durch ihre Lage an die Wälle von ausge- 
worfenem Sand, welche in der Wallachei nach dem Erdbeben vom 
Jahre 1838 um einzelne Erdspalten herum beobachtet worden sind '). 

Die Steinchen sind hier in der Regel nicht grösser als eine Bohne, 
manche von ihnen viel kleiner, bis zum Sandkorne hinab. Sehr vor- 
herrschend sind weisse, graue und gelbliche Quarze, und viele von 
diesen zeichnen sich durch den Glanz ihres Schliffes aus; bei den weis- 
sen Quarzen ist dieser Glanz so auffallend , dass er von den Älpler- 
innen bemerkt worden ist, und diese öfters solche „Augensteine" 
nach Hallstatt oder Schladming hinabbringen. Es sind flache, an den 
Bändern abgerundete Scherben von einem gliinmerhaltigen schief- 
r igen Gestein dazwischen, aber doch nichts was ich mit voller 
Bestimmtheit dem Glimmerschiefer unserer Centralkette gleichstellen 
könnte. Seltener findet man hie und da ein kleines, ganz wasser- 
helles Körnchen, das sich, sonderbar genug, als ein Gerolle von 
Kalkspath herausstellt. 



1 1 Schueler, Bericht an das fürstl. Wall. Minist, u. s. w. ulier die Wirkungen des 

Erdbebens von lS'oü. 



4*»-w S u e s s. Über die Spuren 

In der Umgegend dieser Stelle habe ich insbesondere gegen 
Westen hin noch viele grössere Stücke gesammelt, so namentlich 
ein Bruchstück von einem ungewöhnlich grossen Stücke von blau- 
schwarzem, gebändeltem Kieselschiefer. — 

Etwa 250 Klafter westlich von dem eben erwähnten Kessel trifft 
man auf den Steig, welcher von Ober -Traun nach Schladming führt, 
und der hier eine kleine Strecke weit wie ein Gartenweg mit kleinen 
Kieseln überstreut ist. Kehrt man auf diesem Steige gegen die Gjaid- 
Alpe zurück , so sieht man denselben durch eine etwa 3 Klafter breite 
Spalte führen, an deren nördlichem Ende hart am Steige diese son- 
derbaren Bildungen anstehend zu sehen sind. 

Sie sind nämlich an dieser Stelle zum grossen Theile verhärtet 
und stossen mit etwa horizontaler Schichtung vom Dachsteinkalke 
ab. Die Entblössung zeigt nur eine Mächtigkeit von einigen Füssen, 
aber man unterscheidet Bänke, welche reicher, und solche, welche 
ärmer an „Augensteinen" sind; eine dünne Lage enthält viele eckige 
Stückchen von Dachsteinkalk. Das ganze Gebilde ist durch eine 
ungefähr 4 Linien dicke Lage von Brauneisen von dem Dachstein- 
kalk getrennt, an den es sich anlehnt, und stellenweise sieht man 
diese Binde von Brauneisen auch dort an dem Kalkstein haften, wo 
durch spätere Abschwemmung das Conglomerat entfernt worden sein 
mag. Auch hier trifft man Stücke von Kalkstein, in welche kleine 
Kiesel eingebettet sind. — Diese Stelle hat mir im Allgemeinen mehr 
den Eindruck einer Bachrinne oder eines Abflusses aus einem Tüm- 
pel als den einer Eruptionsspalte gemacht. — 

Zwischen den Lahnbeckkogeln und gegen den Zwölferkogel bin 
lassen sich ähnliche Erscheinungen an ziemlich vielen Punkten beob- 
achten. Diese Gegend ist auch in soferne lehrreich, als hier grosse 
und besonders tiefe Klüfte im Kalksfein zu sehen sind. Hier sind die 
Augensteine nicht nur von gelbem, sondern oft auch von einem dun- 
kelrothen Thon begleitet. 

Herr K. v. Hauer hat die Güte gehabt, zwei Sorten dieser 
Thone zusammen mit einem weissen, sehr kalkhaltigen Thone und 
einem Stück einer Gangmasse mit Quarzkörnern, aus der Gegend 
zwischen der Gjaid- und Modereck- Alpe zu analysiren. Diese Analy- 
sen sind im Jahre 1853 im Jahrbuche der k. k. geolog. Beichsanstalt 
IV, 830) veröffentlicht worden. 



eigenthünilicher Eniptions-Erseheinungen am Dachstein-Gebirg'e. 4od 

Bei dieser Gelegenheit hat Hr. K. v. Hauer in den rothen 
Thonen des vorderen Lahnbeckkogels zahlreiche mikroskopische 
Kieselreste entdekt, welche Hr. Dr. Reissek für Spongien- 
Reste hält, welche eine besondere Ähnlichkeit zu haben scheinen 
mit den von Ehren berg aus der Berliner Erde beschriebenen For- 
men. Hrn. Reissek ist ferner aufgefallen, dass er in der ihm über- 
sandten Probe keine Spur von Diatomaceen oder Rhizopoden auf- 
finden konnte i ). — Ausserdem lassen sich noch viele isolirte Funde 
auf dem Dachstein-Plateau anführen; der bemerkenswertheste davon 
ist, dass Hr. Prof. Simony bereits vor vielen Jahren in der Gegend 
des Gjaidsteins ziemlich viele und beinahe faustgrosse Stücke von 
Bohnerz gefunden hat. Ich selbst habe z. B. unmittelbar an der alten 
Zirbel, welche an der Spitze des Rauhenkogels (etwa 6100 Fuss) 
sieht, im Humus ein auffallend grosses Quarzstück, dann am Abhänge 
des Grünberges gegen die Wies-Alpe Klüfte mit rothem Thon u. s. w 
angetroffen. 

Es würden diese Bemerkungen über das Vorkommen fremd- 
artiger Gesteine auf der Höhe des Gebirges sehr unvollständig bleiben, 
wollte ich nicht ein merkwürdiges Vorkommen ähnlicher Gesteine 
an dem nördlichen Fusse desselben Gebirges erwähnen, auf welches 
ebenfalls zuerst, und zwar schon vor einer Reihe von Jahren, der 
um die Kenntniss dieser Gegend hochverdiente Prof. Simony auf- 
merksam gemacht hat. 

Im Thale von Obertraun, am Fusse des Hoch-Koppen und nur 
etwa 70 — 80 Fuss über dem Spiegel des Hallstätlei* See's befindet 
sich die K opp enbrül ler Höhle. Sie liegt ganz im Dachstein- 
kalk. Indem man sich ihrem Eingange nähert, bemerkt man am 
Traun -Flusse kleinere Partien eines lockeren Conglomerates, das 
vorherrschend aus krystallinischen Gesteinen besteht. Der Eingang 
selbst ist sehr weit, sein Dach ist keineswegs von Schichtflächeu 
gebildet, sondern gewölbartig ausgehöhlt und vor und in demselben 
liegen grosse, abgerundete Blöcke von Kalkstein, von denen einige 
die Dachsteiu-Bivalve enthalten. Auf der Oberfläche einzelner Blöcke 
bemerkt man kettenförmige Anbohrungen , ungefähr nach Art der 
\ioen, jedoch grösser; diese Spuren folgen nicht den feinen Kalk- 
spathgängen des Gesteines, möglicherweise rühren sie von Pflanzen 



') Jahrb. der k. k. geol. Reichsanst. V, p. 198. 



434 



S n e s s. Ober di<' Sparen 



her. Zwischen den Blöcken liegen Gerolle von feinem Quarz, von 
der Grösse einer Nuss bis zu einer halben Faust, an manchen haftet 
Glimmerschiefer; auch kleinere Scherben von Werfener Schiefer 
findet man hier. 

Gegen innen verengt sich die Höhle durch Massen, welche von 
der linken Seite herabgestürzt sind, und man gelangt bergabsteigend 
zu einem kleinen Tümpel, an dem man sich rechter Hand vorbei- 
hilft. Es ist dies eine jener periodischen Quellen, wie sie am nörd- 
lichen Fusse des Dachstein-Gebirges so häutig sind, und welche zur 
Zeit wenn der Schnee auf der Höhe schmilzt, plötzlich grosse 
Wassermengen von sich geben. — Diese Stelle ist die tiefste in 
der Höhle, und hat man sie überschritten so steigt der Boden, der 
aus Schichtflächen zu bestehen scheint, ziemlich rasch bergan; die 
Richtung der Höhle wendet sich hier nach links. Man sieht auf dem 
Boden nun, so weit die Höhle reicht, Sande und gelbliche Thone, 
welche durch natürliche Schlemmprocesse von einander gesondert 
werden, und hier und da kleben selbst an der Decke der Höhle boh- 
nengrosse Quarz -Gerolle und mancherlei andere Gesteine. Stellen- 
weise ist der Sand mit Gerollen und eckigen Kalkbrocken zu einer 
festen Masse zusammengekittet; Brauneisenstein sah ich nicht. 

Im Hintergrunde der Höhle trifft man auf eine etwa 2 Klafter 
hohe senkrechte Wand, und hat man sich auf diese hinaufgeholfen, 
so kann man zu einem fast senk- 
recht aufsteigenden Schlot ge- 
langen, in welchem jedoch so 
viele lose Trümmer von Kalk- 
stein liegen, dass es unmöglich 
ist in denselben hinauf zu stei- 
gen. Noch auf dieser letzten 
Wand, welche um ein Beträcht- 
liches höher liegt als der Was- 
ser-Tümpel, sieht man weisse 
Quarze in Menge. Mir sind an 
dieser höchsten erreichharen 
Stelle Platten von einer weissen, 
mürben Substanz aufgefallen, 
welche von der Wand der Höhle 
in etwas schräger Richtung frei 




eigenthümlicl er Eniptions-Erschi inungen am Dachstein-Gebirge. 4oÖ 

herausragen, und die mir den Stand des Wassers in der Höhle zu 
irgend einer früheren Zeit anzudeuten schienen. 

Der Sand der Koppenbrüller Höhle zeigt eine nicht geringe 
Mannigfaltigkeit in seiner Zusammensetzung. Wenn man zuerst die 
grösseren Gerolle, nämlich verschieden gefärbte, doch meistens 
weisse Kiesel, dann Kieselschiefer und abgerollte Fragmente von 
Glimmerschiefer und Grauwacken ähnlichen Gesteinen und kleinere 
Stücke von Werfener Schiefer entfernt hat, fällt zunächst die grosse 
Anzahl dunkler, erbsengrosser Kugeln auf. Von diesen besteht ein 
Theil aus schwarzem Hornstein, ein anderer Theil aus Granaten, 
und während von diesen letzteren einige zu vollständigen Kugeln 
abgerundet sind, haben andere ihre Krystallflächen noch recht wohl 
erhalten. Man kann an den grösseren Granaten alle Grade der Ab- 
rollung oder vielleicht richtiger gesagt der Abstossung beobachten. 
Ausserdem sind viele kleinere, heller gefärbte Granaten zu finden. In 
dem feineren Sande trifft man Titaneisen in grosser Menge, die 
wasserhellen Kalkspathkörner wie in der Nähe der Gjaid-Alpe, dann 
kleine Vesuviane und eine Anzahl anderer Mineralien. 

Wenn man nun die Vorkommnisse der Koppenbrüller Höhle 
mit jenen des Hochplateaifs vergleicht, zeigt es sich, dass während 
in der Höhe sich keine ganz sicheren Spuren des Glimmerschiefers 
nachweisen Hessen und z. B. Titaneisen und Granaten von mir bisher 
auf der Höhe nicht gefunden worden sind, — die Koppenbrüller 
Höhle dagegen, in einem etwa 3800 — 4100 Fuss tieferen Niveau 
nicht nur Spuren von Werfener Schiefer und Grauwacke, sondern 
auch ganz unzweifelhafte Spuren, ja ganze Stücke von Glimmer- 
schiefer enthält. Es liefert sogar der Glimmerschiefer hier, was den 
feineren Sand betrifft, zum mindesten die Hälfte des ganzen Mate- 
riales. — 

Es lassen sich nun, glaube ich, aus diesen Vorkommnissen fol- 
gende Schlüsse ziehen. Das Auftreten dieser fremdartigen Gesteine 
in Klüften und Höhlen, ihr Eindringen in die engsten Spalten des 
Kalksteines, die gewaltsame Zerdrückung mancher unter ihnen, ihr 
zeitweiliges Einsinken oder Eindringen in den Kalkstein selbst, ihr 
eigenthümlicher, glänzender Schliff, die Art der Abrunduug der 
grösseren Quarzstücke , welche, wie ich erwähnt habe, mehr ein 
Abstossen der Kanten und Ecken ist, dann die Verschiedenheit des 
Vorkommens an einzelnen Punkten , indem man an der Gjaid-Alpe 



436 Soest. Über die Spuren 

allerlei Spuren der Grauwacke, an einem Orte an den Lahnheck- 
kegeln nur gelbe Hornsteine, an anderen Orten gegen den ZwÖlfer- 
kogel hin wenige Quarze, dafür viel rothe und gelbe Thone, in der 
Koppenbrüller Höhle aber noch sehr viele Spuren von Glimmer- 
schiefer dabei antrifft, — alle diese Umstände schliessen ihr Herbei- 
führen durch Gletscher oder durch eine Wasserbedeckung voll- 
ständig aus. Als man vor einiger Zeit in der englischen Kreide ein- 
zelne exotische Gerolle gefunden hatte, konnte man annehmen, die- 
selben seien in Seegräsern hängend dahin gebracht worden. Auch 
diese Vermuthung lässt sich hier nicht anwenden, und es bleibt 
nichts übrig als zuzugeben, dass diese Gesteine durch die Klüfte 
selbst, in denen man sie theilweise noch findet, heraufgekommen 
sein müssen. Sie entsprechen auch in der That durchaus solchen 
Felsarten, wie man sie von Süden her das Dachstein-Gebirge unter- 
teufend sehen kann. 

Es ergeben sich aus dem Baue dieser südlichen Gegenden 
einige, freilich nur annähernde Vermuthungen über die Tiefe, aus 
welcher diese Gesteine heraufgekommen sein mögen. 

Die mittlere Seehöhe der Vorkommnisse am Hochgebirge mag 
ooOO Fuss betragen. In meiner oben angeführten Notiz über das 
Dachstein-Gebirge habe ich angegeben, dass die an der südlichen 
Wand des hohen Dachsteins ausgehenden Schichtenköpfe nöthigen, 
die Mächtigkeit des Kalkes (nach Abzug der Hierlatz -Schichten) 
mindestens auf 3311 Fuss zu schätzen, habe aber zugleich er- 
wähnt, dass die Spitze des Dachsteines vielleicht nicht aus den höchsten 
Lagen des Dachsteinkalkes bestehe. Mein neuer Besuch des Gebirges 
hat mich hierin bestärkt. Man hat an der dem See zugekehrten Seite 
des Hierlatz im Kalksteine eine dünne Bank aufgefunden, welche 
Rhynchonella pedata in grosser Menge enthält. Diese Bank, welche 
an der Ost-Seite der Hierlatz-Wand ziemlich hoch liegt, lässt sich 
eine gute Strecke weit verfolgen und senkt sich gegen Westen, also 
gegen das Echernthal hin abwärts; sie verräth dadurch die westliche 
Neigung der ganzen Hierlatz- Masse und die Unmöglichkeit einer 
Verwerfung an ihrer Nordseile. In Folge dessen muss man den Kalk- 
steinen oliue den Hierlatz-Schichten eine Mächtigkeit von mindestens 
4800 Fuss zuerkennen, indem hier zu der Höhe der Hierlatz- Wand 
statt der abzuziehenden Mächtigkeit der Hierlatz-Schichten jene der 
Hallstätter Schichten hinzuzufügen kömmt. 



eigenthümlicher Eruptions-Erscheinung-en am Dachstein-Gebirge. 4«) 7 

Man wird nicht viel irren, wenn man annimmt, dass die 5500 
Fuss hohen Vorkommnisse von Auswürflingen auf den höchsten 
Schichten des Dachsteinkalkes liegen. Sie werden demnach etwa 
4800 Fuss tiefer, d. h. in einer heutigen Seehöhe von 700 Fuss bei 
ihrem Aufsteigen aus dem Gebiete der Werfener Schiefer und Gutten- 
steiner Kalke in die Klüfte der Hallstätter Schichten getreten sein. 

Viel schwerer ist es , die Mächtigkeit der tieferen Lagen zu 
bestimmen. Der Ennsfluss (2316 Fuss) liegt noch im Gebiete der 
Grauwacke, und da ich die untere Grenze des Kalkes an der süd- 
lichen Dachstein- Wand in 6000 Fuss erreicht zu haben glaubte, 
gäbe dies für jenes Niveau der Grauwacke, in welchem heute die Enns 
fliesst, einen verticalen Abstand von der unteren Kalkgrenze von 
3784 Fuss. Diese Zahl ist, da die Schichten nicht horizontal liegen, 
jedenfalls kleiner als ihre Mächtigkeit; sie ist sogar bedeutend kleiner, 
weil ihre Neigung nach Norden nirgends gering, an einzelnen Punkten 
jedoch, wie z. B. in den Aufrissen des Karbaches am Brandriegel 
sehr beträchtlich ist. Man wird die Mächtigkeit dieser Gesteine auf 
mindestens 4500 Fuss schätzen müssen. Nun bestehen aber alle die 
der Grauwacke zugezählten Gesteine, welche hier mit inbegriffen 
sind, aus grauen oder grünen Schiefern und kieselreichen oder 
dolomitischen bröckligen Kalksteinen, aber es ist kaum ein Gestein 
zwischen der Dachstein- Wand und dem Ennsflusse, das man für die 
Heimath der Augensteine halten könnte. 

Erst jenseits Schladming, im Unterthal, trifft man auf schwarze 
und schwarzgraue flasrige Schiefer, welche viel weissen Quarz ent- 
halten. Grosse Quarzblöcke liegen im Bachbette und werden von 
hier in das Bergwerk an der Zinkwand geschafft. Aus diesem Niveau 
glaube ich stammen die Augensteine; um es zu erreichen, wird 
man zu der früheren 4500 Fuss wenigstens noch 600 Fuss hinzu- 
zufügen haben. Sieht man nun auch ab davon, dass die Grauwacke 
und die Werfener Schiefer unter dem betreffenden Theil des Dach- 
steingebirges sich wahrscheinlich nicht in horizontaler Lage be- 
iinden, dass also hier für das schiefe Durchsetzen der Schichten zu der 
so gewonnenen Mächtigkeit noch eine Grösse hinzuzufügen wäre, so 
ergibt sich, dass die muthmassliche Quelle der Augensteine etwa 
9900 Fuss unter ihrem Vorkommen auf der Höhe des Gebirges, 
d. h. heute etwa 4400 Fuss unter dem Meeresspiegel befinde. Dieses 
muss aber als ein Minimum betrachtet werden. 

8it/.l>. d. mnthem.-naturw. Cl. XL. Bd. Nr. 10. 30 



438 Suess. Über die Spuren 

Die Vorkommnisse der Koppenbrüller Höhle und insbesondere 
jene welche aus dem Glimmerschiefer herrühren, kommen jedoch 
ohne Zweifel aus einer noch viel bedeutenderen Tiefe. Da diese 
Höhle noch im Dachsteinkalke liegt, wird man bis zu den Gutten- 
steiner Schichten wenigstens einige hundert, z. B. 600 Fuss für 
den noch tiefer liegenden Theil des Dachsteinkalkes und für die 
Hallstätter Schichten anzunehmen haben; hiezu kommen wie oben 
etwa 5100 Fuss bis zu der Heimath der Quarze, und ein Gang durch 
das Unterthal jenseits Schladming oder ein Blick in die geologische 
ßeschreibuug des Enns - Thaies von Hrn. Stur J ) lehrt, dass 
man hiezu noch eine ganz ausserordentlich grosse Tiefe wird 
rechnen müssen, um bis auf den granatenführenden Glimmer- 
schiefer des Hoch-Golling zu gelangen, — eine Tiefe, welche so 
gross ist, dass ich bei der beträchtlichen Entfernung des Hoch- 
Golling vom Enns - Thale und dem wie es scheint ununter- 
brochenen Nordfallen der dazwischen liegenden Gesteine, nicht 
wage, eine Vermuthung über dieselbe auszusprechen. — Der 
Ursprung der Quarze käme an dieser Stelle nach meinen Annahmen 
mindestens 5700 Fuss unter das Niveau der Höhle, also 4000 Fuss 
unter das Meer zu liegen. — 

Ähnliche Erscheinungen sind in unseren Alpen keineswegs auf 
das Dachsteingebirge beschränkt. Schon im April 1847 zeigte Hr. 
Hofrath Haidinger 3 ) der Gesellschaft der Freunde der Natur- 
wissenschaften einen dreiviertel Zoll grossen Granatkrystall aus 
Chloritschiefer, welcher auf dem Hochplateau des aus Alpenkalk 
bestehenden Tännengebirges gefunden worden war. — „Nebst dem 
Granat wurden auch von ähnlichem Vorkommen Krystalle von 
Schwefelkies übergeben, von der Gestalt wie man sieHiäufig in ge- 
wissen Thonschiefern der Central-Alpenkette, wohl allerdings auch 
in Mergeln und Gypsen des Salzgebirges antrifft. Das Tännengebirge, 
in unmittelbarem Zusammenhange mit den Hallstätter Gebirgen, be- 
steht aus Kalkstein; Chloritschiefer mit Granaten, oder Thonschiefer 
mit Schwefelkies kommt nirgends vor. Erst ziemlich tief unten im 
Salza-Thale treten bei Werfen Schiefergesteine hervor." Ebenda 
erwähnt Hr. Haidinger, dass Simony Geschiebe von Quarz auf 



') Jahrb. d. geol. Reichsanst. 1853, p. 461. 
*) Berichte d. Freunde d. Naturw. II, :$Oi. 



eigeuthüinlicher Eruptions-Erscheinungen am Dachstein-Gebirge. 439 

dem Dachsteinplateau 8000 Fuss über die Meeresfläehe gefunden 
habe und dass die nächsten Granaten im Glimmerschiefer wohl jene 
ans der Gegend von Schladming in Steiermark seien. 

Hr. v. Hauer hat in der Nähe des erzherzoglichen Jägerhauses 
auf der Zeller Staritze bei Maria-Zeil, also mitten im Gebiete der 
Kalk-Alpen, mit Bohnerzen feinen Quarzsandstein und Quarzstiicke 
gefunden. — Herr D. Stur hat in der Gegend des Grimming 
östlich von Aussee auf Kalkbergen mehrfach rothe Thone beob- 
achtet. 

Herr Trigonometer v. Feuerstein hat mir Augensteine von 
mehr als Bohnen-Grösse mitgetheilt, welche er am Monte Spinal, und 
zwar auf dem Übergange vom Val di Nambino in's Selva-Thal und 
Val di Sole in grosser Menge unter dem Humus auf Kalkstein ge- 
funden hat. Ich zweifle nicht im Geringsten daran, dass man, bei 
grösserer Aufmerksamkeit auf ähnliche Erscheinungen, dieselben 
an sehr vielen Stellen in unseren Kalkalpen wiederfinden werde. 

Es lässt sich nicht leugnen, dass alle diese Phänomene durch 
ihr Auftreten in Spalten, die rothen Thone, die Quarze und andere 
Fragmente krystallinischer Gesteine, das stellenweise Mitvorkommen 
von Bohnerz und viele andere Eigenthümlichkeiten den Bohnerz- 
Vorkommnissen Krains, Mährens, der Schweiz, des westlichen 
Deutschlands und Frankreichs vollkommen gleichzustellen sind. Ihr 
hauptsächlichstes Interesse liegt eben nur darin, dass sie durch ihr 
Auftreten auf so isolirten und doch in Bezug auf ihre Unterlage 
hinreichend bekannten Kalkgebieten einen noch klareren Beweis für 
die eruptive Natur der Bohnerz-Gebilde liefern, als dieser durch die 
geistreichen Bemerkungen von Merian, Alberti, Quiquercz 
und Anderen bereits gegeben worden ist. 

Es ist möglich, dass man in den Kreis dieser Erscheinungen 
auch eine Heihe von Vorkommnissen werde ziehen müssen, welche 
von verschiedenen Autoren hier und da erwähnt werden. Phillips 
führt im Cowley-Park in der Nähe der Malvern-Berge in zwei Höh- 
lungen im Syenit gerötheten „Dritt" an, in welchem sich Gerolle von 
Quarz bemerkbar machen, und in welchem im Allgemeinen die Gerolle 
aller Art auf ihrer Oberfläche auf eine merkwürdige Weise glasirt 
(glazed) sind, „ein Merkmal, welches man auch im untersten neuen 
rothen Conglomerat zu Haffield Park und südlich von den Malverns 

30* 



440 S ii e s s. Über die Spuren 

bemerkt. Es ist wahrscheinlich vom selben Alter und ist von sehr 
beschrankter Ausdehnung" ')• 

In dem Kalkstein von Osmanville in der Normandie, der wahr- 
scheinlich mit unseren Kössener Schichten und Dachstein- Kalk 
von gleichem Alter ist, lehrt die „Explication de la carte geol. de 
France" (II, p. 171) Ähnliches kennen. In den Steinbrüchen von 
Picauville wird nämlich angeführt: „7 Kleine Lage von wenig 
zusammenhängendem Sandstein, welche eine sehr markirte Bank 
in den verschiedenen Steinbrüchen bildet, die zu Picauville und in 
geringer Entfernung davon zu Beaute abgebaut werden. Die Körner, 
hauptsächlich Quarze, sind sehr glänzend, und obwohl sie offenbar 
gerollt sind, bietet ihre Oberfläche einen Glanz, der Quarz-Geröllen 
selten zukömmt. 10 — 12 Decim." 

Hr. Rolle theilt mir mit, dass er zwischen Möttnig und Kränzen 
(westlich von Cilli) ein Conglomerat gefunden habe, welches eigrosse 
und grössere Gerolle theils von Quarz und theils von Übergangskalk 
enthält. Die Quarzgerölle zeichnen sich theilweise durch eine auf- 
fallend glatte, glänzende Oberfläche aus, einige von ihnen zeigen 
wieder verkittete Sprünge; viele sind von Eisenoxyd dunkelroth und 
metallisch stahlgrau angelaufen. Hr. Rolle vermuthete im Jahre 
1856, dass dieses Conglomerat den Werfener Schichten angehöre. 

Obwohl ich weit davon bin zu glauben, dass alle diese Vor- 
kommnisse mit Eruptions- Erscheinungen in Verbindung stehen 
müssen, dürfte es doch der Mühe lohnen, dieselben von diesem 
Standpunkte aus von Neuem zu betrachten. 

Dass ähnliche Erscheinungen auch in den Ost-Alpen in sehr ver- 
schiedenen Zeitpunkten eingetreten sein mögen, ist ganz zulässig. 
Die bohnerzführenden Thone Krains enthalten Reste von Elephanten, 
Bären und Bibern, aber ich weiss nicht, wie viel von diesen Resten 
durch Umschwemmung hineingerathen sein mag. Über das Alter der 
Erscheinungen am Dachsteingebirge kann ich nicht mehr als eine 
noch sehr zweifelhafte Vermuthung wagen. Es ist eine bekannte 
Thatsache, dass in mehreren Thälern unserer Kalkalpen ein Con- 
glomerat gefunden wird, das unter dem Namen „Gosau-Conglo- 
merat" der Kreideformation zugezählt wird , und das aus Kalk- 
stücken besteht, welche in der Regel durch ein rothes, thoniges 



') Mem. Üeol. Survey off., II, 1, p. 37. 



eigentümlicher Eruptions-Erscheinuugen am Dachstein-Gebirge. 441 

Bindemittel vereiniget sind und zwischen denen man hier und da 
ein Qnarzkorn, ein Stück Grauwackenschiefer oder ein Stückchen von 
dunkelrothem Jaspis hemerkt. Schon vor langer Zeit hat Leopold 
v. Buch ») zwischen der Äbtenau und dem Gosauthale ein Conglo- 
merat bemerkt, „das viel schwärzlich-graue und schwarze Thon- 
schiefer-Stücke, milchweisse muschlige Quarz-, einige Wetzschiefer- 
und Zeichenschiefer-Stücke in grobkörnigem Gemenge enthält". 
Man sieht dasselbe besonders schön am Passe Gschütt und in der 
Nabe der Lisel-Alm beim Ansteigen aus dem Gosauthale auf den 
Zwieselberg; es hat dasselbe eine erstaunliche Ähnlichkeit mit den 
verhärteten Bänken in der Nähe der Gjaid-Alpe, nur findet man 
hier auch Bruchstücke von Conchylien (Ostrea?) und von Korallen 
der Masse beigemengt, und ich habe keinen auffallenden Schliff an 
den Quarzkörnern bemerkt. Diese der Kreideformation angehörigen 
Conglomerate findet man übrigens mehrfach, insbesondere in Sed- 
gwick und Murchison's Abhandlung über die östlichen Alpen 2 ) 
beschrieben, wo auch an mehreren Punkten im Gosauthale rothe 
Conglomerate mit Quarz-Geschieben erwähnt sind. 

Auch in vielen anderen Thälern unserer Kalkalpen sind ähn- 
liche Conglomerate aufgefunden, welche zugleich durch ihre fremd- 
artigen Einschlüsse und ihr rothes thoniges Bindemittel an die eben 
vom Dachstein -Plateau beschriebenen Bildungen erinnern; die 
Schriften unserer Beichsgeologen enthalten mannigfache Nachweise 
darüber. Es ist aber das Vorkommen von krystallinischen Gesteinen 
in diesen Conglomeraten um so auffallender, als die Gosau-Bildungen 
nirgends in das Gebiet der krystallinischen Centralkette hinein- 
greifen. Vielfach in die engen Thäler der Kalkzone eingelagert, 
fehlen sie doch vollständig nicht nur in den Querthälern der Central- 
kette, sondern auch in jenen grossen Längsthälern, welche diese 
von der Kalkzone trennen. Wenn man als den Grund dieser Erschei- 
nung angeben wollte, dass der Durchbruch der gesammten Central- 
kette erst nach Bildung der Gosau-Ablagerungen erfolgt sei, so miisste 
man andererseits doch zugestehen, dass diese in ihrer Verbreitung 



') Geognost. Beobachtungen auf Reisen, I. 185. 

? ) Transactinns of the geol. Soc, 2. ser. III. 353; vgl. auch Boue, Me'm. geol. p. 231; 
Klip stein, Beiträge, p. 25; Reuss, Beiträge zur Charakteristik dei Kreide- 
Schichten in den Ostalpen, p. 20, 23, 31 u. a. a. 0. 



44<£ S u e s s. Üher die Spuren eigenthiiml. Eruptions-Erscheinungen etc. 

auf eine höchst auffallende Weise den Bruchlinien folgen, auf denen 
die Werfener Schiefer unter den Kalksteinen zu Tage treten, und dass 
sie in schon vorhandene Brüche im Kalkgebirge eingelagert worden 
sind. Selbst für die Neocom- Gesteine hat Hr. v. Hauer bereits 
eine ähnliche Beschränkung auf die Bruchlinien beansprucht *)• 

Es hat mir sogar immer geschienen, als müssten diese Spalten 
zur Zeit der Gosau-Ablagerungen breiter gewesen sein als sie jetzt 
sind. In den am genauesten untersuchten Einlagerungen von Kreide- 
schichten in die Spalten der älteren secundären Kalksteine sieht 
man dieselben stets in überaus steiler Richtung an dem Kalkgebirge 
aufsteigen. So ist es an der Traunwand im Gosauthale, und nach 
den Profilen von Peters, Reuss, Czjzek u. A. noch an vielen 
Punkten. An der Wand bei Wiener-Neustadt aber sind die Kalk- 
steine, wie Czjzek gezeigt hat, sogar über die Kreideschichten 
hinübergeschoben. Auch die sehr reiche Fauna der einzelnen Gosau- 
Vorkommnisse macht eine offenere Verbindung derselben unter 
einander und mit dem Meere nothwendig. 

Zu Hinter-Laussa bei Altenmarkt befindet sich in den Gosau- 
Bildungen ein Lager von Bohnerz, welches von Boue ausführlich 
geschildert worden ist 2 ). 

Alle diese Thatsachen machen es wahrscheinlich, dass die 
Eruptions-Erscheinungen am Dachstein-Plateau der Kreideformation 
angehören, jedoch ist ein weiteres Verfolgen ähnlicher Beobachtungen 
nothwendig, bevor man diese Ansicht als hinreichend begründet 
betrachten kann. 



') F. v. Hauer, Ein geologischer Durchschnitt u. s. w. p. 347. 

~) Notiee sur les environs de Hinter-Laussa pres d'Altenmarkt en Aulliche (Memoire« 
geol. et paleont. p. 220—224). 



SITZUNGSBERICHTE 



Seite 3a9. Zeile 14 von oben, lies: Bebnesox, statt: Beki 



MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 



XL. BAND. 



SITZUNG VOM 19. APRIL 1860. 



m 11. 



19 



SITZUNGSBERICHTE 



dei: 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 



xl. band. 



SITZUNG VOM 19. APRIL 1860. 



N°= 11. 



19 



443 



XI. SITZUNG AM 19. APRIL 1800. 



Herr Hofrath W. Haidinger übersendet eine Abhandlung: 
„Eine Leitform der Meteoriten". 

Herr Regierungsrath A. Ritter v. Ettingsbausen theilt den 
Inhalt der in der letzten Sitzung vorgelegten Abhandlung der Herren 
H. Helmhol tz und G. v. Piotrowskk „Über Reibung tropfbarer 
Flüssigkeiten" mit. 

Herr Prof. Dr. Karl Hornstein , Adjunct der k. k. Sternwarte, 
hält einen Vortrag: „Über Helligkeitsmessungen bei kleineren Fix- 
sternen", dem ein Anhang „Ephemeriden für die Helligkeiten der 
Asteroiden im Jahre 1860", von Hrn. Rud. Sonndorfer beige- 
geben ist. 

Herr Custos-Adjunct Ritter v. Frauen fehl liest über „Dia- 
gnosen einiger neuer Insecten und Untersuchung mehrerer Sandproben 
von verschiedenen Kostenpunkten, welche Sr. M. Fregatte Novara 
auf ihrer Weltfahrt berührt hat". 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Academy of natural sciences of P h i 1 adelp h ia. Journal. Vol. IV. 

p. 2. 1859; 4°- — Proceedings. 1859, January — September. 

Philadelphia, 1860; 8»- 
Accademia Pontificia de nuovi Lincei. Atti, Anno XII, sess. 4, 6. 

Roma, 1859; 4«- 
Astronomische Nachrichten, Nr. 1248- Altona, 1860; 8°- 
Au Stria, red. von Dr. G. Höfken. XII. Jahrg.. Heft 16. Wien, 

1860; 8°- 
Berrande, Depot ogranique dans les loges aeriennes desOrthoceres. 

(Extr. du Bull, de Ia soc. geol. de France, 2 e serie, t. XVI, 1859.) 

3t 



444 

Beneden, B. J. van, Iconographie des Helminthes ou des vers 
parasites de 1' hemme. Louvain, 1859; Fol. 

Cosmos. Tome XIV, 1859, l e ' semestre. Table alphabetique par 
noms d'auteurs. 

Explorations and survey for a railroad route from the Mississippi 
river to the pacific ocean. Vol. X. Washington, 1859 ; 4°- 

Fuchs, Alb., Dr. Jos. Grailich. Nekrolog. Pressburg, 1860; 8°- 
(Separatabdruck aus den Verhandlungen des Vereins für Natur- 
kunde zu Pressburg. IV. Jahrg.) 

Gesellschaft, Zoologische, in Frankfurt a. M. Der zoologische 
Garten, herausgegeben von Dr. D. F. Weinland. I. Jahrgang, 
Heft 1—6. Frankfurt a. M , 1860; 8* 

II a 1 1, James (State Geologist), and Withney (Chemist and Mine- 
ralogist), Beport of the geological Survey of the States of Jowa : 
Embracing the results of investigations made during portions of 
Ihe years 1855, 56, 56. Vol. I, partl. Geology; part. 2.Palaeon- 
tology. Publiched by the authority of the states of Jowa. 1858; 4°- 

May den, F. V., Geological sketch of the estuary and fresh water 
deposit forming the bad lands of Judith river, with some reniarks 
lipon the surrounding formations. Bead before the American 
Philosophical society, March 4th, 1859. Philadelphia, 1859; 4°- 

Istituto, I. B. Veneto di scienze, lettere ed arti. Atti, Tomo V, ser. 3, 
disp. 4. Venezia, 1859—60; 4°- 

Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer, red. von 
G. F. Walz und F. L. Win ekler. Band XIII, Heft 2, 'S. Heidel- 
berg, 1860; 8°- 

Jena, Universität. Akademische Gelegenheitsschriften für 1859 — 60. 

Leidy, J. Extinct vertebrata from the Judith river and great lignite 
formations of Nebraska. (From the Transactions of the Ameri- 
can Phil, soc.) Philadelphia, 1859: 4°' — Descriptions of some 
remains of fishes from the carboniferous and devonian formations 
ofthe U. S. — Description of some remains of extinct mainnia- 
lia. (Extr. from the Journal ofthe Acad. of Nat. sc. of Philad.) 
Philadelphia, 1856; 4°- — The ancient fauna of Nebraska: or, a 
description of remains of extinct mammalia and chelonia, from 
the mauvaises terres of Nebraska. Und: A memoir on the 
extinct slothe trib of North America. Smifhsonian contribution 
to knowledge. Philadelphia; 4"- 



445 

Lyceum of natural history ofNew-York. Annals. Vol. VII, Nr. 1 — 3. 

New- York, 1859; S () - 
Magliozzi, Montano, Notizie storiche intorno l'invenzione e l'uso 

della bussola presso tutti i popoli auticlii e moderni. Napoli, 

1859; 8o- 
Owen, David Dale, First report of a geological reconnoissance of 

the northern counties of Arkansas, inade during the years 1857 

and 1858. Little Hock, 1858; 8°' 
Patent Office., report 1857. Mecanics Vol. I, II, III; Agricultuie I. 

Washington, 1858: So- 
Report of the Superintendent of the Coastsurvey, showing the pro- 

gress of the survey during the year 1857. Washington, 1858; 4 0, 
Smithsonian Institution. Annual report of the board of regents of 

the S. I. showing the Operations , expenditures, and condition of 

the Institution for the year 1858. Washington, 1859; 8°- 
Societe Imp. des Naturalistes de Moscou, Bulletin. Annee 1859, 

Nr. IV. Moscou, 1859; 8°- avec 1 planche. 
Society of natural history of Boston. Proceedings, Vol. VI, 1850 

to 1859. Boston, 1859; 8°- 
Verein, Botanischer, für die Provinz Brandenburg und die angren- 
zenden Lander. Verhandlungen, red. von Dr. P. Asche rson. 

Erstes Heft. Berlin, 1859; 8»- 
— Österreichischer Ingenieur. Zeitschrift, red. von Dr. Jos. II er r. 

Februar, 1860. 
Wiener medizinische Wochenschrift, red. von Dr. Wittelshö fer. 

Jahrgang X, Nr. 15. 1860; 4<>- 



447 



ABHANDLUNGEN UND MITTHEILUXGEN. 



Diagnosen einiger neuer lnsecten und Untersuchung mehrerer 

Sandproben verschiedener Küstenpunkte, gesammelt während 

der Reise Sr. Maj. Fregatte Novara 

von Georg v. Frauen fehl. 

Seine kaiserliche Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog 
Marine-Obercommahdant F e r d i n a n d M a x beabsichtigen die Her- 
ausgabe eines wissenschaftlichen Werkes, welches die Ergebnisse 
der Reise der k. k. österreichischen Fregatte Novara enthalten soll, 
und haben mich mit der Redaction des zoologischen Theiles beauf- 
tragt. Von dem Gesichtspunkte geleitet, dass dieses Werk ein Ehren- 
tempel für die naturwissenschaftlichen Kräfte unsers schönen Vater- 
landes werden soll, war ich bemüht, für die betreffenden Abtheilun- 
gen jene Herren um freundliche Theilnahme zu ersuchen, die sich 
denselben hier gewidmet haben und erhielt die bereitwilligste Zusage 
von den P. T. Herren Brauer, Brunner von Wattenwyl, 
Canestrini, D i e s i n g , E g g e r , Felder, F i t z i n g e r , 6 i r a u d, 
H y r 1 1 , J ä g e r , K n e r , K o 1 1 a r , L e d e r e r , v. P e I z e I n , R e d t e n- 
b a c h e r , S c h i n e r , Schwarz v. M o h r e n s t e r n , S t e i n d a c h- 
ner, Zelebor, deren Namen ich Seiner kaiserlichen Hoheit vor- 
legte. 

Da mehrere dieser Herren schon Ordnung und Bestimmung ein- 
zelner Abtheilungen vornahmen, wobei sich einiges noch Unbeschrie- 
bene ergab, so erbat ich zugleich die Anordnung, dass Diagnosen 
und sonstige Begründungen des wissenschaftlich Neuen zur Wahrung 
der Priorität in kurzen Auszügen veröffentlicht werden dürften , was 
gnädigst bewilligt ward mit der Bestimmung, dass derlei Arbeiten im 



44$ v. Fra uenfeld. Diagnosen einiger neuer Inse den nnd 

Selioosse der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien 
niedergelegt werden sollen. 

Dieser Bestimmung gemiiss erlaube ich mir der Classe, so wie 
es in voriger Sitzung über die Fische geschah, weiteres hieher 
Gehöriges vorzulegen. 

Herr Dr. Caj. Felder, der sich der Bearbeitung der Makro- 
lepidoptern unterzogen hat, erhielt von dem aus Österreich in hol- 
ländische Dienste getretenen, nunmehr verstorbenen Dr. D oleschall, 
dessen Name durch seine in den Berichten der Classe niedergelegten 
Arbeiten über Spinnen aufbewahrt ist, während der Abwesenheit 
der Novara einige Sammlungen von Iusecten aus Amboina. Da unter 
den milgebrachten Sammlungen der Novara gleichfalls mehreres von 
Herrn Dr. D oleschall herrührt, so wie unter dem übrigen aus 
jener Gegend von uns Gesammelten so vieles Übereinstimmende 
sich findet, so vereinte Herr Dr. Felder dieses ganze Materiale, 
um einerseits sowohl ein Gesammtbild des von dort erlangten Neuen 
zu geben , als auch um jenem leider so früh verstorbenen Natur- 
forscher unsers Vaterlandes ein würdiges Denkmal zu setzen. 

Ich beehre mich sonach, den mir von Herrn Dr. Felder über- 
antworteten Theil, die Diagnosen von I>5 Arten neuer amboinischer 
Tagfalter, ehrerbietigst vorzulegen. Unter diesen finden sich zwei 
neue Gattungen Helcyra und Chaetocneme. 



Lepidopterorum Amboinensium spenes novae diagnosibus 
collustratae a Dr. C. Felder. 

I. Uliopalocera. 

1. Pieris flcmcntinti Feld. 

Alis supra glaucis, basi fusco-aspersis , anticarum venis upitd e<v- 

tima fortiter nigro - atomatis , sublim anticis albido-cine- 

reis, apice late brunnescente . posticis omnino brunnescen- 

tibus, immaculutis. rf 

Coli. Felder. — Affinis V. Celestinae Bolsd., sed noslrum speeimen plus quam 

tertiaparte minus et alarum posticarum pagina inferiore bene distinetum. — 

2. Terias lorna Fei d. 

Alis supra sulphureis, /'eres omnino dense fusco-aspersis , anticis 
limbo lote fusco, introrsum dentato, äpud angulum bttemum 



Untersuchung mehrerer Sandprohen verschiedener Kostenpunkte. 440 

desinente, posticis limbo externo et postico fuscis, angulum 
analem haud pertingentibus , subtus anticarum disco luvte 
flaoo, earum extimo posticarumque superficie omni dense 
fuscoatomatis. rf 

Coli. Felder. — Habitu quodammodo ad T. Zoen Hopf, aeeedens , plane 
vero ab omnibus speciebus sectionis T. Dronae Horsf. alarum pagina 

inferiore diver na. 

3. Danais Cratippus Feld. 

Alis supra rufescenti-fulvis , anticis apice lote nigro, fascia ma- 
culisque sparsis albis ornato . posticis maculis discalibus 
margineque externo fere impunctato late nigris, subtus anti- 
cis plaga apicali ochracea, posticis pallide ochraceis, maculis 
numerosis albis in margine nigro. 
Colt. Felder. — Media in/er I). Chrysippum L. et D. Petiliam Stoll. Uli 
magnitudine, hinc signaturis affinis. 

4. Acrant molnecana Feld. 

Alis anticis hy aUnis , venis margineque omni fuscis, posticis 

nigro fuscis, fascia discali ineurvata nigro binotata albido- 

flavescente, subtus maculis insuper binis costalibus albidis 

aliisque Septem subquadratis marginalibus grisescentibus. ,p 

('oll. Felder. — Speeies habitu et robustitate distinetissima , ad see- 

tionem A. Andromaches Fabr. pertinens. 

i>. flessaras Crameri Feld. 

Papilio Lampetia Cra m. Pap. Ex. t. 148 E. F. non L. etCra in. t. 349 A. B. 

Alis supra basi brunnescentibus, extimo nigris, fascia discali lata 
diffusa lutescente, anticarum nigro -bipunet ata, posticarum 
slriga maculari albida ocellisque quinis pupillatis ornata, 
subtus omnibus pallide fulvis, extus obscurioribus, fascia dis- 
cali flavida, altera adjeeta exteriore maculis subargenteis 
medio fulvis nigroque pupillatis constanti lunulisque angustis 
marginalibus subargenteis, fusco extus cinetis. 

Coli. Felder. — Affinis M. Lampetiae L. , minitne vero ejus mas , ut 
Cramerus I. e. supposuit. 

H. Athymn Jocaste F e I d. (Wien. Entom. Monntschrift III. p. 182.) 

Alis supra nigro- fuscis , anticis fascia longitudinali discali inter- 
rupta, altera interna macula rotunda terminata , tertia c.c- 



450 v. Frauenfeld. Diagnosen einiger neuer Insecten und 

terna maculari, medio refracta, macula costali bipurtita 
binisque adjectis apicalibus fulvis , posticis f'ascüs binis 
transversis strigaque submarginali fulvis, subtus omnibus 
pallidioribus , f'ascüs paginae superioris maculisque margi- 
nalibus in (Jre fulvescentibus , in J^na albidis , posticis insu- 
per fascia basali marginem internum occupante strigisque 
duabus discalibus concoloribus. 
Coli. Felder. — A. Neftae Cr am. affinis. 

7. AdoliaS NillllS Feld. (Wiener Entom. Monatsehrift III. p. 185.) 

Alis fuscis, supra virescenti — sujfusis, unticis utrinque lilu- 
ris binis cellularibus caerulescentibus , maculis sex discalibus 
nigricantibus albo-notatis punctisque exterioribns albis, tri- 
plici serie digestis, posticis supra maculis septem margina- 
fibus elongalis albis, intus virescentibus, medio macufas atras 
includentibus , subtus serie triplici macularum difformium, 
maculis prima virescentibus, secundae atris , tertiae albi, 
marginatibus. 

Coli. Felder. — A. Nesiiimcho Boisd. affinis. 

Heleyrn V e 1 d. 

Caput parvum. Ocuti nudi. Antennae mediocres , ctava obtusus 
ovata. Palpi squamati, ascendentes , caput dup/o superantes. 
Atae cellulis apertis, anticae venu subcostali quadriramosa, 
ramo primo in cellulae medio. secundo post ejus exfimuni. 
tertio ante apicem alae Oriente, venu discoce/tulari prima 
sat longa, longitudinuli venisque binis discoidalibus unacum 
orientibus , posticae venu praecostali post venae subcosta/is 
originem emissa, subsimplici. 
Genus alarum anticarum venia inier caeteras Nymphalidas sat distinc* 
tum, Apaturis fortasse vicinum. 

8. Helcyra fhionippc Feld. 

Alis utrinque argenteo- albis , anticis extimo f'usco alboque tri- 
maculato, posticis supra maculis duabus analibus murgineque 
a/bo lunululo fusco- nigris . subtus fascia exteriore macu- 
larum subocellarium nigrurum lutea intus cinetarum. cf 
Coli. Felder. 



Untersuchung mehrerer Sandproheo verschiedener Kostenpunkte. 451 

9. Anops Barsine Feld. 

Alis supra (fris cupreo-rutilantibus , anticis costa, limbo apicali 
margineque postico introrsum dentato nigris, posticis anguste 
nigro - marginatis , basi fusca dimidiogue interno f'usco vil- 
loso, pnae fuscis, anticarum macula majori media, posti- 
carumque macula parva subapicali albis, subtus omnibus 
albis, strigis binis externis interrupte flexuosis canescentibus 
punctisque minutissimis marginalibus nigris. 

Coli. Felder. — ^nostrae speciei A. Cinyrae C ra m. proxime accedil, lim- 
bis auteni alarum multo latioribus differt. 

1 0. Myrina Isabella D o I e s c h ;i 1 1 . 

Alis supra atris, posticis macula magna cyanea apicem occu- 
pante, regione anali caudaque, fulvo testaceis , subtus anticis 
brunneis, fasciis binis discalibus fuscis, posticis fulvo-ocbra- 
ceis, antice brunnescentibus maculis basalibus strigisque 
binis discalibus interrupte flexuosis, apud costum in fa- 
sciam confluentibus fuscis difutius cinctis , maculis duabus ad 
caudae basin cyaiieo- virescenti intus aspersis appendicu- 
loque anali nigris. 

Coli. Felder. — M. Sugrivae Horsf. valde affinis, tertia autem fere parte 
minor et praesertim macula cyanea alarum posticarum apicem pertin- 
gente discrepans. 

I I. Myrina Jolcus Feld. 

Alis supra fuscis, posticis area anali caudaque albis, macula grossa 
ad hujus basin appendicu/oque anali nigris, subtus omnibus 
albis, anticis fasciis binis brunneis, posticis maculis basalibus 
strigisque binis discalibus interrupte flexuosis fuscis, maculis 
duabus ad caudae basin cyaneo-pulverulentis appendiculoque 
anali aterrimis. p 

Coli. Felder. — Signatura paginae inferioris a praecedenfe specie purum 
differt. 

12. Myrina Sipylus Feld. 

Ali supra fuscis , posticis bicaudatis, maculis inaequalibus mar- 
ginalibus atris, in <$re areac anali gfaucae imj)usitis, in pna 
albido cinctis, subtus omnibus glauco-albis, litura discali stri- 
guque maculari exteriore luteis, fusco alboque cinctis, posticis 



452 v - Frauenfeld, Diagnosen einiger neuer Insecten unH 

macula concolore ad costae basin aliisque binis analibus 

atris, exteriore late flaro intus cincta. 

Coli. Felder. — Affinis M. Erylo Godt. , optime untern distincla pagina 
inferiore omnium tdarum posticarumque pagina superiore in { Pre. 

13. Myrina Epirus Feld. 

Alis caudatis, supra nitide caeruleis, anticis costa apice mar- 
gineque postico late fuscis, in pna plaga discali alba, po- 
sticis macula lutea in appendiculo anali, subtus omnibus 
cinereo - albidis , fascia discali binisque marginalibus cano- 
fuscis, posticis maculis quatuor analibus flavis, triam e.vte- 
riorum medio appendiculoque aualis atris, cyaneo-notatis. 

Coli. Felder. — Speeies venusta ad sectionem M. Chilrae Horsf. et 
lYI. Nedymohdis Gram, pertinens. 

14. Myrina Syrinx Feld. 

Alis tricaudatis, supra fuscis, anticis fascia discali abbreviata alba, 
subtus omnibus ochraceis , fascia communi discali alba, po- 
sticis maculis quatuor analibus atris, cyaneo-virescenti intus 
cinctis. p 
Coli. Felder. — M. Onychi Douhlily. sat affinis videtur. 

15. Ambhpodia Eridanus Feld. 

Alis caudatis, supra pallide caeruleis , costa margineque late fu- 
scis, anticis apud discum albidis, nigra- renalis maculaque 
discali nigra, posticis maculis tribus analibus obscuris cinereo- 
cinctis, subtus omnibus brunneis, alboannulalis, lunulis mar- 
ginalibus afbis duplici serie digestis , anticis i/ttus albican- 
tibus, posticis maculis binis analibus atris, cyanescenti intus 
cinctis tertiuque interjeeta cyanca P 

Coli. Felder. — A. Camdconi Doubl dy. proxime accedens , tertia parte 
(tut ein minor. 

1 6. Amblypodia annulata Feld. 

Alis caudatis, supra plus miuusre fuscis , rfris basi discoque ci/a- 
neo purum aspersis, pnae disco caeru/escentibus lituraque 
fusca notulis. subtus omnibus fuscescenlibus alba annulosis 
lunulisque marginalibus duplici serie digestis albis, po- 



Untersuchung mehrerer Sandproben verschiedener Kiistenpunkle. 45o 

sticis maculis tribus analibus atris cyanescenti parum infus 
cinctis. 

Coli. Felder. — A. Eridano certe praxi ma seil minor et oosettre colo- 
rata. 

17. Amblypodia Oleander Feld. 

Alis caudatis, supra saturate violaceo - cyaneis , tfris anguste-, 
pnac leite fusco marginatis, sttbius omnibus saturate brunneis, 
maculis basalibus, fascia marginali obsoleta, anticarum fascia 
exteriore, posticarum fascia media postice infie.va f'uscis dilu- 
tius cinctis, anticis area interna, posticis striga exteriore 
dilutiore, appendiculo anali atro lunulisque binis adjacen- 
tibiis atris, intus täte vir escenti- cinctis. 
Colt. Felder. — A. Meandro ßoisd. aal affinis videtur. 

18. Ainblypodia nobilis Feld. 

Alis caudatis, supra dilute violaceo - cyaneis , angustissime fusco- 
marginatis, subtus brunneis, maculis basalibus, in posticis 
confluentibus, fascia exteriore medio refraeta (posticarum in 
regione anali infie.va) alteraque marginali obsoleta fuscis, 
dilutius cinctis, anticis intus dilufioribus, posticis appendiculo 
anali maculisque adjacentibüs aterrimis virescenti infus 
cinctis. 
Coli. Felder. — Praeeedenti affinis, sed major et colore paginae stipe- 
rioris signatttrisque paginae inferioris faelle distinguenda. 

19. Amblypodia disparilis Feld. 

Alis fere ecaudatis, supra cfris cueruleis, fusco-marginatis, pnae 

fuscis. plaga discali diffusa alba, subtus ulriusque se.vus albi- 

dis, plus minusve fusco atomatis, litura discali, anticarum serie 

duplici posticarumque triplici macularum marginalium fuscis. 

Coli. Felder. — Species forma et colore alarum aeque distineta. 

20. Amblypodia Critala Feld. 

Alis utrinque fuscis, fascia lata discali alba, posticis repando- 

dentatis, caudatis. supra lunulis non nullis analibus glaucis, 

subtus maculis sex posterioribus magnis cyanescentibus, 

medio nigris. p 

Coli. Felder. - Species inier congeneres distinetissima et signaturis 

Thysonoto Davidi Omni. (\). Sehne Boisd.) band absimüis. 



\ ,') 4 v. Frauenfeld. Diagnosen einiger neuer Insecten und 

21. Dipsas lycaenoides Feld. 

Alis posticis dentatis, fasciculis binis pilorum analibus caudae- 
fbrmibu8, supra omnibus violaceo-plumbeis , pilosis, subtus 
brunneo-canescentibus, lineis binis submarginalibus angulosis, 
anticis lituris binis discalibus strigisque t/uabus catenulatis 
exterioribus albis, posticis omnino albo-catenulatis , macula 
subanali atra, lunula aurantiaca intus terminata. cf 

Coli. Felder. — Species forma (darum ab omnibus eongeneribus diver- 
sissima et eolore signaturisque Lycaenis quibusdam similis. 

22. Thecla Ilias Feld. 

Alis ecaudatis, supra rfris violaceo caeruleis, fusco marginatis, 
p?iae fuscis, anticarum area discali, posticarum plaga basali 
caerulescentibus, subtus omnibus albis, posticis puncto interna 
nigro. 

Coli. Felder. — Species propter oculorum nuditatem et formam alarum 
sectioni Tb. xanthospiljte Hübn. (Hübnerii Godt.) associanda. 

23. Thecla Philotas Feld. 

Alis ecaudatis, supra tfris obscure violaceo- caeruleis , nigro mar- 
ginatis. pnae fuscis, anticarum area discali caerulescente, 
subtus omnibus pallide brunneo- canescentibus, impnnctatis. 

Coli. Felder. — Praecedenti simillima, eolore autem paginae inferiori» 
bene dignoscenda. 

24. Thecla Doleschallii Feld. 

Alis supra violaceo-caeruleis , anticarum apice margineque om- 
nium nigro fuscis, subtus albis, mar g ine externo fusco. anti- 
carum serie maculari plumbea, posticarum striga plumbeo- 
virescente divisa, anticis costa late fusca plumbea-virescenti 
notata posticis faseiis tribus atris transversis plumbeo - vire- 
scenli cinetis . dimidio interno in/er fascias late plumbeo- 
rirescenti atomato. q 

Coli. Fehler. — Species sig natura et eolore paginae in f er iuris a eaeteris 
Th. Polycleto L. affinibus sat discrepans. 

2li. Thecla Aiiaclctus Feld. 

Alis supra rfris obscure cyaneis, triangulo apicali anticarum. costa 
margineque omni um fuscis. pnae fuscis , basi discoque nitide 
egancis. anticarum plaga media alba, subtus anticis cinereis, 



Untersuchung mehrerer Sandproben verschiedener Kostenpunkte. 4o«> 

fascia longitudinali, altera transversa limboque apicali ochra- 
ceis plumbeo-virescenti notatis, posticis ochraceis, fasciis 
quatuor inaequalibus testaceis , plumbeo - virescenti cinctis 
maculisque marginalibus plumbeo-virescentibus. 

('tili. Felder. — Species quam maxime elegans Th. Livio Fahr, ratde 
ciffiiiis videtur. 

26. Thecla Chrysanthis Feld. 

Alis supra rnfo-fuhis, anticis undique nigro limbatis, posticis 
limbo costali fasciaque anali nigris , subtus omnibus ruf'o- 
ferrugineis , anticis disco intusque f'uhescentibus striis ante- 
rioribus plumbeis, macula anali nigra, posticis maculis per- 
multis diffbrmibus albidis plumbeo-atroque cinctis, striolisque 
submarginalibus plumbeis. Q^ 
Coli. Felder. — Species venustissima ex affinitate Th. Apellis Fabr. 

27. Lycaena Panormns Feld. 

Alis caudatis, supra glaucis , posticis macula sub anali biuisque 
analibus minoribus atris, subtus omnibus albidis, fasciola 
discali, altera exteriore catenulata lunufisque biseriatis mar- 
ginalibus brunneis, posticis maculis binis costalibus nigris 
albo cinctis tertiaque majori sub anali lunula grossa fulva 
intus amplexa. rf 
Coli. Felder. — L. Kandarpae Horsf. nimilis, colore atttem f (teile distiu- 
yuenda. 

28. Lycaena Hyrcauns Feld. 

Alis caudatis, supra rfris violaceo-caerulescentibus, pnaebrunneis, 
disco albido variis, caeruleo uiteutibus, annulis marginalibus 
obsoletis albis , anticis fascia saturatiore catenulata bifida, 
subtus brunneis, strigis permuftis distinetis albis anastomo- 
santibus (anticarum discalibus obliquis) maculisque margina- 
libus albis brunneo notatis, posticis ocellis binis analibus «Iris, 
luteo cinctis annuloque virescente ornatis. 

Coli. Felder. — L. Telicano Herbst quam maxime affin in, sed praedpue 
strigarum paginae iriferioris alarum anticarum directione recedens. 

29. Lycaena Nemea Feld. 

Alis caudatis, supra tfris argenteo - caeruleis , pnae multo palli- 
dioribus, fusco limbatis, posticis maculis striolisque margina- 



4-ÖO v. F r nuenfelil. Diagnosen einiger neuer Inseeten und 

libus albis, subtus omnibus bntnneo - canescentibus , lunulis 
submarginalibus biseriatis albis, anticis strigis quatuor inae- 
qualibus albis, posticis omnino albo strigatis, macula sub- 
apicali atra apud costam, lunula postica fulva, ocello adja- 
cente atro cyaneo binotato, lunula fulva intus cincto alteroque 
multo minore anali ejusdem coloris. 

Coli. Felder. — Affin is L. Anito Cr am. colore et signaturis verp di- 
stincti8sima. 

oO. Luaena Alecto Feld. 

Alis caudatis, supra pallide argenteo-caeruleis , fusco marginatis, 
posticis lunulis striolisque marginalibus albidis , subtus omni- 
bus brunneis, strigis binis macularibus posterioribus linea- 
que marginali albis, anticis strigis quatuor externis inaequa- 
iibus albis, posticis strigis sex interruptis albis (anterioribus 
quatuor angulo anali inflexisj ocello magno subanali atro 
lunula fulva circumcincto , cyaneo nutato alteroque anali 
multo minore concolore. AD 
Coli. Felder. — Affini« L. Elpidi Godt. 

3 1 . Lycaena Astraptes Feld. 

Alis caudatis, supra (fris nitidissime violaceo - caeruleis , anticis 
margine externo fusco, pnae caeruleis, costa margineque late 
fuscis , posticis lunulis albidis submarginalibus striolisque 
marginalibus albis, subtus omnibus brunnescentibus , lunulis 
marginalibus biseriatis albis, anticis strigis quatuor albis 
obsoletis, posticis omnino obsolete albo strigatis, ocello sub- 
anali atro, intus auranliaco cincto, virescenti notato alteroque 
anali minimo concolore. 

Coli. Felder. — L. Plutoni Fabr. simUlima, at pagina superiore angu- 
slius fusco marginata ocellisque paginae inferioris multo majoribus 
constanter diversa. 

32; Lycaena Pactolus Feld. 

Alis caudatis, supra tfris obscure violueeo-plumbeis, pnae argen- 
leo-caerulescentibus, undique late fusco marginatis, lunulis 
grossis submarginalibus albidis striolisque marginalibus albis. 
posticis tituru disca/i fusea . subtus omnibus cano-brunneis, 
strigis binis externis subma Ciliar ibus lineaque marginali 



Untersuchung mehrerer Sandproben verschiedener Küstenpunkte. 45 < 

albis, anticis strigis quatuor inaequalibus latis albis, posticis 
omnino leite albo strigatis, ocello subanali atro, intus fulves- 
centi cineto, extus litura plumbeo-virescente ornato alteroque 
minore anali ejusdem coloris. 

Coli. Felder. — L. Emolo Godt. affinis. 

33. Lycaena Hermus Feld. 

Alis caudatis, supra violaceo-plumbeis brunneis, lunulis margina- 
libus biseriat'is albidis, anticis strigis quatuor inaequalibus 
angustis lineaque marginali obsoleta albis, posticis omnino 
anguste albido strigatis, ocello subanali atro lunula fulva 
circumcincto, extus virescenti consperso binisque anaübus 
multo minoribus concoloribus. (J 1 

Coli. Felder. — Praecedenti affinis, sed Statur a minore, eolore et pac/inae 
inferioris strigis multo angustioribus facile dignoseenda. 

34. Lycaena Calauria Feld. 

Alis caudatis, supra plumbeo-violascentibus, subtus cano-brunneis, 
lunulis externis biseriat'is lineaque marginali distineta albi- 
dis, anticis strigis sex inaequalibus albidis, posticis omnino 
albido strigatis, ocello subanali atro lunula fulva circum- 
cincto, extus annulum plumbeum includente alteroque anali 
minore concolore. cT 

Coli. Felder. — Praecedenti similis, minor autem et pagina inferiore optime 
distineta. 

35. Lycaena Helicon Feld. 

Alis caudatis, anticis acutis, jjosticis apice angulatis, supra Omni- 
bus lilacino-plumbeis , cano pilosis, subtus brunneo-canescen- 
tibus, lunulis exterioribus biseriat'is lineaque marginali obso- 
leta albidis, anticarum strigis sex subflexuosis postica- 
rumque totidem interruptis tenuibus albis fusco einet is, his 
ocello subanali atro lunula fulva circumcincto , extus fortiter 
virescenti asperso alteroque multo minore anali ejusdem co- 
loris. cf 

Coli. Felder. — Ab omnibus praecedentibus forum , eolore et pilositate ala- 
rum recedit. 

36. Lycaena Ancyra Feld. 

Alis caudatis, supra violaceo-plumbeis , posticis macula subanali 
nigra, subtus omnibus canis, faseiis tribus discalibus catenu- 
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XL. Bd. Nr. 11. 32 



4-00 v. Frauenfeld. Diagnosen einiger neuer Insecten und 

latis iriaequalibus (postiearum binis externis cobaerentibus) 
lunulisque submorginalibus brunneis, albo - cinetis , posticis 
lunula subanali aurantiaca maculae atrae supposita altera que 
anali obsoleta concolore. cf 

Coli. Felder. 

37. Lycaena Nora Feld. 

Alis caudatis, supra cfris violaceo -plumbeis , in fuscum vergen- 
tibus, h P)iae f'uscis , posticis maculis marginalibus nigris alba 
einet is, subtus rfris pallide brunnescentibus, flavido tinetis, 
Pnae ochraeeis, lunulis marginalibus biseriatis f'uscis, singulis 
faseiis tribus catenulatis inaequalibus lutescentibus fusco 
alboque einet is, posticis ocello subanali atro, lunula fuloa 
circumcincto , extus annulo plambeo ornato binisque analibus 
minimis concoloribus. 

Coli. Felder. — l'ruecedentibus multo minor et paginae inferiore colore 
optime distinguenda. 

38. Lycncna Perugia Feld. 

Alis caudatis, supra violaceo -plumbeis subtus brunnescentibus 
lunulis submarginalibus biseriatis f'uscis alba cinetis. faseiis 
tribus catenulatis inaequalibus {binis externis albidis fusco 
albidoque cinetis, postiearum confluentibus) posticis ocello 
subanali atro lunula fulra eireumeineto , extus virescenti con- 
sperso binisque multo minoribus analibus rireseenti-aspersis 
ejusdem coloris. rf 
Coli. Felder. 

39. Lycaena Nieonia Feld. 

Alis caudatis, supra f'uscis , disco alba, subtus brunneo-canescen- 
tibns, disco alba suffuso , faseiis tribus catenulatis inaequa- 
libus (binis externis uibis fusco cinetis, postiearum conflue/t- 
libns) . maculis grossis marginalibus biseriatis f'uscis, alba 
cinetis, posticis ocello subanali oruli atro, intus fu/ro- , extus 
virescenti cineto binisque analibus minimis concoloribus. £> 
Colt. Felder. — Praeeedenii pagina inferiore similis et forte ejus femina. 

40. Lycaena Palmyra Feld. 

Alis caudatis. ciliis a/bis fusco intersectis, supra f'uscis. basi cueru- 
lescentibus, anticis fascia disculi alba, posticis maculis sab- 



Untersuchung' mehrerer Sandproben verschiedener Kiistenpunkte. 4-59 

marginalibus siriolisque marginalibus albidis, subtus Omni- 
bus brunneo - canis , lunulis submarginalibus biser iatis con- 
ßuentibus albis, fasciis tribus inaequalibus catenulatis satura- 
tioribus, albo cinctis (posticarum binis cxternis cohaeren- 
tibus) , anticis fascia discali alba, posticis ocello subanali 
atro intus lunula aurantiaca trigona, eoctus annulo virescente 
circumcincto alteroque anali concolore minore, p 
Coli. Felder. — L. Perusiae afßitis. 

4 1 . Lycaena Tauagra F el d. 

Alis ecaudatis , supra rfris pattide violaceo - caeruleis , brunneo 
marginatis, pnae cano-brunneis , intus caerulea tinetis, po- 
sticis lunulis analibus albidis, subtus brunneo- canescentibus t 
litura discali serieque duplici macularum marginalium brun- 
nescentibus albido cinctis obsoletis, anticis punetis exterioribits 
linea digestis, posticis punetis basalibus et discalibus sparsis 
concoloribus. 

Coli. Fehler. — Affinissima L. Lysimoni Huhn, et L. Ufoaldo (i ram. pagiita 
autem inferiore obsolet« punctata constanter differt. 

42. Lycaena Cardia Feld. 

Alis ecaudatis, supra angustissime fusco marginatis , rfris dilute 
caeruleis, pnae pallide violascentibus , posticis maculis mar- 
ginalibus fuscis albo cinctis, subtus omnibus albis, litura di- 
scali, striga maculari externa, linea submarginali undulata 
macutisque marginalibus fuscis, posticis punetis binis Costa- 
libus aliisque basalibus atris. 
Coli. Felder. — L. Argiolo L. et L. Caelestina Koll. affinis. 

43. Lycaena Strongyle Feld. 

Alis supra fuscis, anticis aculis, plaga interna alba subtus omni- 
bus albis, litura discali, striga posteriore maculari, linea 
submarginali angulata macutisque marginalibus fuscis, po- 
sticis macula costali prope apicem aliisque basalibus atris. cf 

Coli. Felder. — Species forma el pagina superiore (darum sat distincla, 
pagina autem inferiore L. Argiolo L. et ejus afßnibus aecedens. 

44. Thysoootus Dymetus Feld. 

Alis ecaudatis, supra (Jris violaceo- caeruleis , pnae nigro- fuscis, 
fascia lata discali alba, subtus omnibus obscure fuscis, area 



4o0 v. Frauenfeld. Diagnosen einiger neuer Inseeten und 

discalialba, singulus fascia basaü tfris ci/anescente, Pnae 
virescente, posticis maculis marginalibus atri's, rfris cyaneo-, 
pnae plumbeo cinctis. 

Coli. Felder. — Th. Cyaneo Cram. (D. Epioorito B o i s d.) affinis, alis 
autem ecaudatis jam distinyuenda. 

45. Lucia Phamos Feld. 

Alis supra brunneo-fusds , subttis albido - canescentibus , annulis 
basalibus strigisgue permultis interrupte flexuosis fuscis, an- 
ticis macula discali alba. 
Coli. Felder. — L. Epio Westw. proxime aecedens, sed miliar. 

Cliaetocüeme Feld. 
Antennae clava distineta, apice in mucronem longum rectum 
defle.va. Palpi crassi, villosi, articulo ultimo minimo, rix 
exserto. Alae anticae cellula elongata, alae longitudine tri- 
ente breviore, vena seeunda discoidali in medio venae disco- 
cellularis Oriente, ramis medianis longe inter se distantibus. 
Alae posticae angulo anali haud producta, ramo mediano 
seeundo et tertio valde approximatis. Tibiae pedum postico- 
rum dorso jubatae, calcaribus tantum duobus apicalibus iu- 
aequalibus munitae. 

(jleiius Gonilobae Westw. proximum , tibi in autem posticis bicedearatis 
recedens. 

40. fltaetocnciiif (ottus Feld. 

Alis integerrimis, ochraeeo-ciliatis, supra fulvo-cervinis, subtus 
saturatioribus , anticis fascia discali abbreviata och raren. 
supra obsoleta. 
Coli. Felder. — H. Helirio Cram. surinamensi non absimilis. 

47. Chaetocneme Ceriutiius Feld. 

Alis utrinque fuscis, violaceo nitentibus, anticis fascia discali- 
transversa albo-hyulinu, £>nae abbreviata. 
Coli. Felder. — Praecedente major alisque latioribus instrueta. 

48. Isniene Doleschallii Fei d. 

Alis supra fuscis, basi cyaneo-virescentibus , subtus virescenti 
fuscis. singulis macula discali argentea, anticis intus viola- 



Untersuchung mehrerer Sandproben verschiedener Kostenpunkte. 4Ö1 

ceis maculisque binis argenteo - cynnescentibus transverse 
positis. 
Coli. Felder. — J. Celaeno Cr am. forma alarum accedens. 

40. Isinene Th.vinbron Feld. 

Alis supra fuscis, basi cervino pilosis, anticis elongatis, punctis 
tribus discalibus hy aUnis, subtus omnibus brunneis , cane- 
scenti-atomatis, posticis macula albida versus angulum analem 
obcurius chloratum. 

Coli. Felder. — J. Ladoni Cram. valde affinis, sed ab ejus icone absque 
dubio diversa. 

50. Pterjgospidea Nestus Feld. 

Alis supra fuscis, anticis utrinque puncto costali, aliisque disca- 
libus et apicalibus hyalinis, posticis fascia anali submaculari 
diffusa alba, subtus dimidio interno late alba, maculis binis 
subapicalibus aliisque grossis analibus fuscis. 
Coli. Felder. — Pt. Japeto C r a ni. proxime accedens , sed constanter 
diversa, nee ejus varietas. 

51. Pampliila Augiades Feld. 

Alis cfris supra fuscis, anticis utrinque fascia costali alteraque 
transversa discali adhaerente fulvis, posticis macula cellu- 
lari fasciaque postica transversa fulvis, subtus omnibus fu/vo- 
ochraeeis, anticis intus nigricantibus , posticis punctis nigris 
fasciam cingentibus , ßnae supra ferrugineo - fuscis , basi 
ferrugineis , anticis utrinque fascia submaculari ferrugineo- 
fulva, posticis supra fascia postica concolore, subtus omnino 
ferrugineis. 
Coli. Felder. — P. Augiae L. affinissima, sed fere duplo major. 

52. Pamphila Eurotas Feld. 

Alis supra fuscis, anticis utrinque dimidio basali fasciaque discali 
angusta apice refraeta fulvis, striga disci velutina, posticis 
puncto cellulari fasciaque lata media fulvis, subtus omnibus 
fulvis, anticis dimidio interno. posticis angulo anali nigri- 
cantibus, bis maculis nigris fasciam cingentibus. rf 
Coli. Felder. — Praecedenti similis, at minor. 



4l>^ v- Frauen fei d. Diagnosen einiger neuer Insecten und 

83. Pamphila Warnas Feld. 

Alis nigra ciliatis, supra fuscis, anticis utrinque fascia ad Costa e 
basin alteraque (fiscal i apice refracta fulvis, rfris supra 
linea veluiina, posticis utrinque puncto cellulari fasciaque 
lata adjacente fulvis, subtus anticis fere omnino nigris, po- 
sticis fnlvescentibus, dense nigro atomatis. 

Coli. Felder. -- P. flavo - vittatu Latr., cui affinis , plus quam duplo 
major. 

54. Pamphila Sunias Feld. 

Alis fulvo ciliatis, supra fuscis, anticis utrinque fascia ad costae 
basin alteraque discali angusta refracta fulvis, posticis Ma- 
cula cellulari fasciaque exteriore incurvata, supra ad api- 
cem interrupta fulvis, subtus omnibus fulvis, anticis dimi- 
dio interno nigricante , posticis atomis nigris fusciam rin- 
gen libus. 

Coli. Felder. — Praeeedenti proxima , tertia vero parle minor et praecipue 
ciliis fulvis paginaque inferiore alarum constanter diversa. 

55. Pamphila Archias Feld. 

Alis fulvo ciliatis, supra fuscis, anticarum fascia ad costae Im sin. 
altera discali sinuata , posticarum puncto cell