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Full text of "Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Mathematisch-Naturwissenschaftliche Classe"

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COMPARATIYE ZOÖLOGY, 

AT HARVARD COLLEGE, CAMBRIDGE, MASS. 
jFounücti 1)2? jm'batc sufcscrfptfmt, in 1861. 

From the Library of LOUIS AGASSIZ. 

No. /32,. 



SITZUNGSBERICHTE 



DER KAISERLICHEN 



AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 



MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 



NEUNUNDVIERZIGSTER HAND. 



WIEN. 

AUS DER K. K. HOF- UNI) STAATSDRUCKEREI. 

IN COMMISSION BEI KARL SEROLD'S SONN, BUCHHÄNDLER DER KAIS. AKADEMIE 
DER WISSENSCHAFTEN. 

1804. 



SllZI.!MiN«KBH:il*M 



DEK 



MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN 

CLASSE 



DER KAISERLICHEN 



AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 



XLIX. BAND. I. ABTHEILIJM. 

Jahrgang 1864. — Heft I bis "V. 

v ' (litt 27 «nftln.) 



WIEN. 

AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. 

IN CUMMISSION BEI KARL GEROLD'S SOHN. BUCHHÄNDLER DER KAIS. AKADEMIE 
DER WISSENSCHAFTEN. 

1864. 



IN II A LT. 



I. Sitzung vom 8. Jänner 1864: Übersicht 3 

v.Zepharovich, Krystallographische Studien über denldokras. 

(Mit 13 Tafeln.) 6 

Ettingshausen, C.v., Beiträge zur Kenntniss der Flächonskelete 

der Farnkräuter. II. (Auszug.) 135 

II. Sitzung vom 14. Jänner 1864: Übersicht 136 

Leitgeb , Zur Kenntniss von Harlwegia commosa Nees. 

(Mit 1 Tafel.) 138 

Hyrtl, Über eine Eigentümlichkeit des Schlundes von Catla 

Buchanani. (Mit 1 Tafel.) 161 

— Über das Verhalten der Leberarterie zur Pfortader bei 

Amphibien und Fischen. (Mit 1 Tafel.) 167 

III. Sitzung vom 21. Jänner 1864: Übersicht ......... 176 

Baue, Der albanesische Drin und die Geologie Albaniens, 

besonders seines tertiären Beckens 179 

IV. Sitzung; vom 4. Februar 1864: Übersicht 195 



V. Sitzung vom 18. Februar 1864: Übersicht 198 

Steindachner, Ichthyologische Notizen. (Mit 2 Tafeln.) . . 200 
Rcuss, Über fossile Lepadiden. (Mit 3 Tafeln.) 215 

VI. Sitzung vom 25. Februar 1864: Übersicht 247 

Boue, Über die Geogenie der Mandel-, Blatter- oder Schaal- 
steine, der Variolithen, der Serpentine und der kieseli- 
gen Puddingsteine 249 

Hyrtl, Über Wirbelassimilation bei Amphibien. (Mit 1 Tafel.) 264 

VII. Sitzung vom 10. März 1864: Übersicht 273 

Leitgeb, Über kugelförmige Zellverdickungen in der Wurzel- 
hülle einiger Orchideen. (Mit 1 Tafel.) 275 

VIII. Sitzung vom 17. März 1864: Übersicht 287 

Unger, Über einen in der Tertiärformation sehr verbreiteten 

Farn. (Mit 2 Tafeln.) 289 

IX. Sitzung vom 31. März 1864: Übersicht 298 

Boue, Über die neuen Karten der zwei serbischen Kreise von 
Uschitze (Ujitze) von Steph. Obradovitsch und von 
Knjesevatz (ehemals Gorguschovatz) von K. Kiko. 
(Mit 1 Tafel.) 301 



VI 

Seite 

X. Sitzung vom 14. April 1864: Übersicht 327 

Tschermak, Einige Pseudomorphosen. III. (Mit 1 Tafel.) . . 330 
Diesing , Revision der Cephalocotyleen. Abtheilung: Cyclo- 

cotyleen r 357 

liosow, Experimente über die Durchschneidung des Seh- 
nerven 431 

XI. Sitzung vom 21. April 1864: Übersicht 437 

ßoue, Über die säulenförmigen Gesteine, einige Porphyr- 
districte Schottlands, so wie über die vier Basalt- 
gruppen des nördlichen Irlands und der Hebriden . . 439 

Kner , Einiges über die Thymusdrüse bei Fischen und die 

Schwimmblase der Stachelflosser 455 

XII. Sitzung vom 28. April 1864: Übersicht 460 



XIII. Sitzung vom 12. Mai 1864: Übersicht 463 

v. Hochstetter , Über das Vorkommen und die verschiedenen 
Abarten von neuseeländischem Nephrit (Punamu der 
Maoris) 466 

Kner, Specielles Verzeichniss der während der Reise der 

kais. Fregatte „Novara" gesammelten Fische .... 481 

Boue , Über die canalartige Form gewisser Thälcr und Fluss- 
bette 487 



SITZUNGSBERICHTE 



DER 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 

MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 

XL1X. BAND. 

ERSTE ABTHEILÜNGr. 
1. 

Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik, 
Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie. 



I. SITZUNG VOM 8. JÄNNER 1864. 



Herr Hofrath W. Hai ding er übermittelt eine Abhandlung, 
betitelt: „Sternschnuppen, Feuerkugeln und Meteoritenschwürnie 
im Zusammenhange betrachtet". 

Derselbe übersendet ferner den „zweiten Bericht über das zu 
Athen am 18. October 1863 beobachtete Feuermeteor (e von Herrn 
Dr. Julius Schmidt, Director der Sternwarte zu Athen. 

Herr Dr. Ernst Mach erklärt sich, mit Schreiben vom 
6. Jänner, bereit, die ihm von der Classe übertragene wissenschaft- 
liche Untersuchung der Schallleitung im menschlichen Gehörorgan 
auszuführen, und dankt für die ihm zu diesem Zwecke bewilligte 
Subvention von 500 fl. ö. W. 

Herr Dr. Rud. Edler v. Vivenot junior übermittelt eine 
Abhandlung: „Beobachtungen über die Verdunstung und deren 
Beziehung zu Temperatur, Feuchtigkeit, Luftströmungen und 
Niederschlägen". 

Herr Fr. J. Öhri, pens. k. k. General-Auditor zu Güns, über- 
sendet eine Abhandlung, betitelt: „Die Welt" mit dem Ersuchen 
um deren Beurtheilung. 

Herr Prof. C. Ludwig legt eine Abhandlung vor: „Über die 
Bindung und Ausscheidung der Blutkohlensäure bei der Lungen- 
und Gewebeathmung" von Herrn Dr. W. Preyer. 

Das c. M., Herr Prof. C. Ritter v. Ettingshausen, über- 
reicht sein eben erschienenes Werk, betitelt: „Photographisches 
Album der Flora Örterreichs, zugleich ein Handbuch zum Selbst- 
unterricht in der Pflanzenkunde" und knüpft daran einige erläu- 
ternde Bemerkungen. Derselbe übergibt ferner den zweiten Theil 
seiner für die Denkschriften bestimmten Abhandlung: „Beiträge zur 
Kenntniss der Flächen- Skelete der Farnkräuter". 

Herr Dr. J. Wiesner, Docent am k. k. polytechnischen 

Institute, legt die erste Abtheilung einer Abhandlung „über die 

Zerstörung der Hölzer an der Atmosphäre" vor. 

1* 



4 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Ännales des mines. YI e Serie. Tome IV. 4 e Livraison de 1863. 

Paris, 1863; So- 
Astronomische Nachrichten. Nr. 1452— 1455. Altona, 1863; 4°- 
Clausius, R., Über den Unterschied zwischen activem und 
gewöhnlichem Sauerstoffe. (Aus der Vierteljahresschrift der 
naturf. Ges. zu Zürich. Bd. VIII.) 8<>- 
Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences. 

TomeLVII. No. 22—25. Paris, 1863; 4o- 
Cosmos. XII' Annee, 23 e Volume, 25 e — 26 e Livraisons. 1863. 

XIII e Annee, 24° Volume, l re Livraison. Paris, 1864; 8»- 
Ettings hausen, Const. Ritt. v. , Photographisches Album der 
Flora Österreichs, zugleich ein Handbuch zum Selbstunterricht 
in der Pflanzenkunde. Mit 173 Tafeln. Wien, 1864; So- 
Genootschap van Künsten en Wetenschappen, Bataviaasch: 
Verbandelingen. Deel XXIX. Batavia, 1862; 4<>- — Tijdschrift 
voor indische Taal-Land-en Volkenkunde. Deel XI. Aflevering 
1-6. Batavia ,1861; Deel XIL Aflev. 1 — 6. Batavia, 1 862 ; So- 
Gesellschaft, naturforschende, in Danzig: Schriften. Neue 

Folge. I. Bd., 1. Heft. Danzig, 1863; So- 
Gewerbe-Verein, nieder -österr. : Verhandlungen und Mitthei- 
lungen. Jahrg. 1863. 10. u. 11. Heft. Wien; So- 
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XIII. Jahrg., 1863. 

Nr. 36. XIV. Jahrg. Nr. 1. Wien, 1864; 4<>- 
Larrey, Baron H., Notice sur l'hygiene des hopitaux militaires. 
8°- — Discours prononce aux obseques de M. Alphonse Robert. 
Paris, 1862; 8»- — Discours prononce le 6 Janvier 1863 ä 
l'Academie Imp. de Medecine. Paris, 1863; 8°' 
Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Jahr- 
gang 1863. XI. Heft. Ergänzungsheft Nr. 11. Gotha; 4o- 
Mondes. 1" Annee, Tome II r , 21 c — 23* Livraisons. Paris, Leipzig, 

Tournai, 1863; So- 
Mo niteur scientifique. 168. Livraison. Tome V e , Annee 1863, 

Paris, 1863; 4o- 
Museum Francisco - Carolinum. 22. Bericht. Linz, 1862; So- — 
Urkunden - Buch des Landes ob der Enns. II. Band. Wien, 
1856; 8o- 



Pengelly, William, and Oswald Heer, On the Lignite Formation 
of Bovey Tracey, Devonshire. (From the Philosophical Trans- 
actions. Part II. 1862.) London, 1863; 4°- 
Pucheran, Essai de Determination des caracteres generaux de la 

Faune de la Nouvelle- Guinee. 4°- 
Revoltella, P. , Österreichs Betheiligung am Welthandel. (Als 

Manuscript gedruckt.) Triest; So- 
Schönemann, Th., Das Horizontal-Dynamometer und seine An- 
wendung auf die Mechanik. Nebst Ableitung eines neuen 
Princips für den Ausfluss tropfbarer und luftförmiger Flüssig- 
keiten. Berlin, 1864; So- 
So ci et e Imperiale de Medecine de Constantinople: Gazette medicale 

d 1 Orient. VII e Annee, Nr. 8. Constantinople, 1863; 4«- 
Society, The Royal Astronomical : Memoirs. Vol. XXXI. London, 

1863; 4o- 
— The Asiatic, of Bengal: Journal. Nr. 2. 1863. Calcutta, 
1863; 8o- 
Verein, OfFenbacher, für Naturkunde: 4. Bericht über seine 
Thätigkeit. OfFenbach a/M., 1863; So- — Denkschrift, der 
Dr. Job. Christ. Senckenbergischen Stiftung zu ihrer Säcular- 
feier gewidmet. OfFenbach; 4o« 
Wiener medizinische Wochenschrift. XIII. Jahrgang, 1863. 

Nr. 51 — 52. XIV. Jahrg. Nr. 1. Wien, 1863 ; 4<>- 
Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts - Gesell- 
schaft. XIII. Jahrgang, Nr. 11. Gratz, 1863; 4<>< 
Zimmermann, Karl, Jakob Reuter. Ein Nekrolog. Wien, 1863; 8°* 



Zepharovich. 



Krystallo graphische Studien über den Idokras. 
Von V. Ritter v. Zepharovich. 

(Mit 13 Tafeln.) 
(Vorgelegt in der Sitzung am 9. Juli 1863.) 

I. Allgemeiner Theil. 

Für die Grundgestalt der Idokras -Krystallformen liegen in 
den neueren mineralogischen Handbüchern zwei ziemlich abwei- 
chende Winkelangaben vor : 

«i,i rT^ i S0 ° 31 ' a f 0-535104:1 

(Hl):(lii) = j so 39 , daraus c:«=| . S37199!l 



die erstere enthalten in den Werken von Mohs 1821 — 1839 (wohl 
nach Haidinger's Messung), welche in die Mineralogien von 
Brooke und Miller 1852, Dana 1855, Dufrenoy 1856 und 
Zippe 1859 überging; die letztere nach den Messungen Kupf- 
fer's 1825 und v. Kokscharow's 1853, in den Handbüchern 
von Naumann (die neueren Auflagen) und Descloizeaux 1802. 

Kupffer 1 ) erhielt den obigen Werth durch 14malige Mes- 
sung eines Kantenwinkels an einem Krystalle aus Piemont mittelst 
eines Wollaston'schen Goniometers in seiner ursprünglichen Ein- 
richtung. 

Kokscharow 3 ) bestimmte mit einem Mitscherlich'schen 
Goniometer au zwei ausgezeichneten Krystallen aus dem Ural, (1) 
von Poljakows, (2) von Acbmatowsk, die Polkante von 

mn P° 39 ' 30 ' W 

1 J ~~ (50 39 — (2) 

(1) aus drei und (2) aus zwei vollkommen übereinstimmenden 
Messungen an zwei verschiedenen Kanten, und 

(111): (001) = 37° 13' 25 (1) 

als Mittel aus 17 Messungen von drei Kanten eines Krystalles. 



») Preisselirift, 182!>. S. 96. 

2) Maler. /. Mineralogie Russlands 1S53, 1. Bd S. 122. n". 



Krystallographische Studien über den Idokras. 7 

Die nahe Übereinstimmung dieser Winkel mit Kupffer's 
Messung veranlasste Kokscharow die letztere, oder das Para- 
meter-Verhältniss c : a = 0*5372 : 1 seinen Messungen zu Grunde 
zu legen. Dass dieses Verhältniss für die Krystalle von Poljakowsk 
angenommen werden dürfe, folgt aus einer Vergleichung der meist 
nur ganz unbedeutend von einander abweichenden Ergebnisse von 
Piechnung und Messung verschiedener Kanten an 7 Kryst. der ge- 
nannten Localität. 

Kokscharow folgert noch weiter aus seinen Beobachtun- 
gen, dass auch an den Krystallen aus Achmatowsk und Piemont 
und wahrscheinlich auch an jenen vom Vesuv der Polkantenwinkel 
von {111} 50° 39' oder 39 ^V betrage. Er fand nämlich an einem 
Krystalle aus Piemont 

(lil):(Tll) = 50° 39' 
(Hl) : (001) = 37 14 

und an einem Ki^stalle vom Vesuv 

(111): (HO) = 52° 46 %' 

durch in der Zahl von 1. 2 und 1 vorgenommene Messungen. 

Die Winkelfrage schien mir aber wie für die vesuvischen, auch 
bezüglich der piemontesischen Kryst. noch eine offene zu sein, denn 
auch die sorgfältigsten Beobachtungen in so geringer Anzahl, wie 
sie von Kupffer und Kokscharow für die bezeichneten Fundorte 
vorliegen, dürften wohl nicht zur Feststellung der krysfallographi- 
schen Constanten für eine bestimmte Localität genügen. 

Ich habe mir die Aufgabe gestellt, zunächst die Gestaltungs- 
verhältnisse der Krystalle von der Mussa-AIpe in Piemont, welche in 
dem k. k. Mineraliencabinet zu Wien reichlich vertreten sind, einem 
möglichst eingehenden Studium zu unterziehen und gleichzeitig beson- 
dere Rücksicht zu nehmen auf die vonB reithau pt in seinen „vorläu- 
figen Nachrichten" vom Jahre 1829 J ) und in jenen vom Jahre 1860 2 ), 



l ) Schweigger's Jahrbuch 1829, XXVII, S. 83 ff. — Gegen Bre ithaup t's Ansich- 
ten über die einfachen Krvstallformen hat sich schon damals Glocker (mineral. 
Jahreshefte, 1831 u. 1832, S. 33) bestimmt ausgesprochen. 

~) Berg- und hüttenmiinn. Zeitung von Bornemann und Kerl, 1800, Nr. 10 und 
v. Hingenau's österr. Zeitschr. für Berg- u. Hüttenwesen, 1S60. 



ö Z e p li a r o v i c h. 

und in allen inzwischen erschienenen einschlägigen Publicationen, 
festgehaltene Asymmetrie der Idokras-Pyramiden {111} und {101}, 
obgleich Kokschar ow, 1853, dieser Angabe, gestützt auf seine 
anerkannt genauen Messungen, entschieden entgegengetreten 
war !)• 

Das vorzügliche Material, welches mir auch von anderen Fund- 
orten in Wien zu Gebote stand, veranlasste jedoch bald die anfäng- 
lich engeren Grenzen der Arbeit zu überschreiten, so dass sie sich 
schliesslich auf alle (138) messbaren Krystalle, die ich erhalten 
konnte, erstreckte und sich nun auf die folgenden Localitäten, denen 
ich die Anzahl der gemessenen Krystalle beisetze, bezieht: 

Monte Somma, Neapel 17 

Mussa-Alpe, Piemont 99 

Zermatt, Schweiz 13 

Pfitsch und Monzoni, Tirol 7 

Eker, Norwegen 2 

Im Ganzen sind mir weit über 200 Kryst. nebst brieflichen 
Mittheilungen zugekommen von den Herren Dir. M. Hörnes, Prof. 
F. v. Hochs tett er und Hofrath W. Haidinger in Wien, Dr. V. v. 
Lang in London, Prof. A. Kenngott in Zürich, Dr. A. Krantz 
in Bonn, von den Prof. Q. Sella und B. Gastaldi in Turin, 
und A. Scacchi in Neapel, von Dr. Th. Kjerulf in Christiania, 
Dir. L. Li ebener in Innsbruck, F. Hessenberg in Frankfurt, 
Dr. 0. Speyer in Cassel und Prof. S. Aichhorn in Graz, welchen 
ich für ihre freundliche Bereitwilligkeit meine Arbeit zu fördern, zu 
besonderem Danke verpflichtet bin. 

Die Messungen habe ich mit meinem, mit zwei Fernrohren 
versehenem Reflexions - Goniometer (Mitscherlich's Construction) 
ausgeführt. Die Theilung des Limbus, 9 Zoll im Durchmesser, gibt 
10 Minuten direct, mit dem Nonius 10 Secunden und beträgt der 
wahrscheinliche Fehler einer Ablesung — nach einer bei früherer 
Gelegenheit vorgenommenen Ermittelung — 5 3 / 4 Secunden, so dass 
die Angaben des Instrumentes, ohne einen erheblichen Fehler be- 
fürchten zu lassen, unmittelbar benützt werden können. 



i) A. r. o. S. 131. 



Krystallographisehe Studien über den [dokras. 

Den Ergebnissen meiner Messungen lasse ich hier eine tabel- 
larische Übersicht der am Id. auftretenden Krystallgestalten und 
deren Bezeichnungsweise durch verschiedene Krystallographen 
vorangehen. Die Tabelle gibt in den drei ersten Hauptcolonnen die 
Symbolik sämmtlicher Formen nach Whewell — Miller, Weiss 
und Naumann; die eingeklammerten Buchstaben der mit (Z) und 
(TT) überschriebenen Rubriken beziehen sich auf die Figuren dieser 
Abhandlung und der Tafeln X und XI zu Kokscharow's Minera- 
logie Russlands. 



10 



Z e p h a r o v i c h. 



Millei 




Weiss 


Naumann 




Desclnizeaux 
1862 




Dufrenoy 
1856 


Dana 
1855 




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Krystallograpltische Studien über de*n Idokras. 



11 



Hausmann 


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1801 










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R. de l'lsle 1783. 
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v. Kobell 1833. 
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PresI 1837 (?) 
de l'lsle, Hauy 
Haidinger (?) 

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de 1' Isle, Hauy 

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Haidinger (?) 
de risle, Weiss 1826 
Dana 1855 


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Hessenberg 1858. 
Hauy 1801 
Haidinger (?) 

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Z 

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Haidinger (?) 
Weiss 1826 
de l'lsle, Hauy 
Kokscharow 1853 
Hauy 1801 (?) 
G. Rose (?) 


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de l'lsle, Hauy 
Haidinger (?) 
de l'lsle, Hauy 


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* In Mobs 


' Grundi'iss, 


824, 


nicht entlial 


ene 


Formen. 







1 2 Zepharovich. 

Die übrigen Colonnen der vorstehenden Tafel enthalten, um die 
fortschreitende Kenntniss darzustellen, in chronologischer Reihung die 
Synonymik nach den Angaben der wichtigsten mineralogischen Hand- 
bücher, gleichfalls mit den auf Abbildungen bezüglichen Buchstaben 
in Klammern. In die letzte Rubrik endlich sind die Namen Jener 
gestellt, welche die einzelnen Formen zuerst beobachtet oder mit- 
getheilt — bei den älteren Daten so weit, als sich dies in der mir 
zu Gebote stehenden Literatur ermitteln Hess. 

Nach dieser Übersicht und der stereographischen Projection 
Fig. 74 sind am Mokras 46 verschiedene einfache Krystallformen 
nachgewiesen und zwar: 

1 Pinakoid, 

, t. \ 17 normaler ) _, „ 

21 tetragonale Pyramiden s M ,. , } Stellung, 

° (5 diagonaler) 

17 oktogonale Pyramiden, 

2 tetragonale Prismen. 
4 oktogonale Prismen. 

Diese Zahl Hesse sich wohl noch erhöhen, da mehrere Sym- 
bole in vorstehender Tafel als Repräsentanten einer Reihe sehr nahe 
liegender Flächen aufzufassen sind ')• Von den bezeichneten Kryst.- 
Formen waren 24 schon früher bekannt. Ich habe sie alle beobachtet 
mit Ausnahme der Pyramide (551), welche ohne weitere Bemer- 
kung in Dana's Mineralogy 1855, pag. 198, angegeben ist. 

Die daselbst, so wie in allen grösseren Werken citirte Pyramide 
(441) habe ich als noch nicht bestimmt nachgewiesen in dasFormen- 
verzeichniss nicht aufgenommen. Die erste Anzeige derselben stammt 
von Hauy nach R. de lTsle's Beschreibung und Zeichnung a ). Aus 
letzterer folgt aber, wenn den Hauy'schen Flächen s der Index (131) 
zukommt, deutlich r = (331) und nicht (441) wie Hauy annahm, 
und in seiner var. encadree und enneacontacdre zeichnete 3 ). Mes- 
sungen zur Bestimmung von r hat Hauy, wie er dies auch aus- 
drücklich bemerkt, nicht vorgenommen 4 ). 

i) Einen bestimmten Nachweis einer Aufeinanderfolge von 4 Flächen, in der Tafel durch 
den Index (61,20,20) zusammengefasst, hat Kokscharow geliefert (s. d. Ab- 
schnitt Russland). — In den meisten Fallen ist die durch Krümmung' angezeigte 
Mehrzahl der Flachen nicht sicher zu deuten. 

8) Krystallographie, 1763. II, p, 293, Hyacinthe var. o'; PI. IV. Fig. 124. 

S) Traite de miner. 1 edit. 1801, II, p. 416. Atlas XLV1I, Fig. 73 u. 74. 

4 ) Dessen ungeachtet bildet Quenstedt in seiner Mineralogie wiederholt (1855 und 
1863) Hauy's Fig. 74 getreulich ah. 



Kryslallographische Studien über den Idokras. 1 3 

Eine zweite Erwähnung der Pyramide (441) findet sich in den 
Werken von M o h s ») nach II a i d i n g e r's vielfältig reproducirter Zeich- 
nung eines Kryst. vom Vesuv im Joanneum zu Graz; auch hier stützte 
sich die Bestimmung nicht auf Messungen. Haidinger hatte selbst, 
nach neueren genauen Beobachtungen G.Rose's, die durch (331) be- 
richtigte Figur für sein Handbuch der bestimmenden Mineralogie ') 
neu gezeichnet. Auch ich habe in meinem reichhaltigen Materiale 
nicht einmal (441) gemessen, dafür aber ungemein häufig (331). 

Haidinger berichtigte gleichzeitig auch die (411) seiner älte- 
ren Zeichnung in (KU), da G. Rose erstere ebenfalls nicht, häufig 
aber (511) beobachtete, und die erste Angabe von (411) wahrschein- 
lich auf einer ungenauen Bestimmung Hauy's beruhen dürfte. Die 
(411) habe ich selbst nur einmal angetroffen, daher sie zu den selten- 
sten Formen gehören dürfte; eben dahin sind von den bereits bekann- 
ten noch zu rechnen (114). (112)3), (221), (201), (313) u. (423)*). 

Im Verlaufe meiner Untersuchungen habe ich ausser der Mehrzahl 
der 24 älteren, noch Flächen 22 anderer Kryst.-Formen kennen gelernt. 
Nicht bei allen war durch ein häufigeres Auftreten eine grössere Anzahl 
von Bestimmungen ermöglicht oder gelangen dieselben mit befriedi- 
gender Sicherheit; es scheint mir daher zur Beurtheilung des Ver- 
trauens, welche die Angaben der neuen Flächen verdienen, wünschens- 
werth einige Bemerkungen über die Umstände, unter welchen die Beob- 
achtungen angestellt wurden, hier anzuschliessen; die näheren Nach- 
weise der Messungen bleiben der Besprechung der einzelnen Fälle, 
welcher auch meist Abbildungen beigegeben wurden, vorbehalten. 

I. Tetragonale Pyramiden, beobachtet in der Zone 
[001 . 110]. 

1-7. a(l,l,20), ,3(1,1,10), 7(118), o(117), s(116), £(118), 
y.(335) an Krystallen von der Mussa-AIpe in Piemont. 
5. =(116) an einem Krystall von Rympfischweng bei Zermatt. 
3. v(H8) „ „ „ „ Eker, Norwegen. 

8 - X(445) i Putsch Tirol 

9.^(880)1 * " " ' 

i) Grundriss d. Min. 1824, S. 408, Taf. VI. Fig. 95. Anfangsgr. d. Min. 1839, S. 393, 
Fig. 132, I5d. I. 

2) 1845, S. 214, Fig. 314. 

3 ) Ich fand diese beiden zuerst in P resl's Mineral., Prag 1837, Af.l. VIII, Fig. 293 erwähnt. 

4) Wahrscheinlich hat Haidinger (221), (201) und (313) zuerst beobachtet. (423) 
fand Hesse nberg (Min. Notizen Nr. 2, 1833) an einem Kryst. vom Vesuv. 



14 Z e |> li ;s r o v i C li. 

Alle diese Formen zeigten sieh gewöhnlich mit deutlichen, aber 
meist schmalen und gekrümmten Flächen. Eine scharfe Reflexion 
des Fadenkreuzes war daher nur ausnahmsweise zu erhalten. An der 
Stelle des mehr weniger gestreckten Scheines, welcher sich im Beob- 
achtungsfernrohre zeigte, war es meist sicherer, bei vorgeschobener 
Loupe den Beginn und das Ende des Einspiegeins der Fläche zur 
Einstellung zu benützen und aus diesen beiden Ablesungen das 
Mittel für den Kantenwinkel zu nehmen. Auf diese Weise wurden 
bei mehreren gleichartigen Flächen an einzelnen Individuen ziemlich 
übereinstimmende Resultate erzielt. 

Im Ganzen ergaben 62 Bestimmungen der obigen 9 neuen Pyra- 
miden beim Vergleich der gemessenen und berechneten Werthe der 
Kante (001 : hhl) einen Fehler von 90 Minuten, welcher mit Rück- 
sicht auf die Beschaffenheit der besprochenen Flächen sogar auffal- 
lend gering zu nennen ist. 

Die bezeichneten und die übrigen flachen Pyramiden erscheinen 
in der Regel einzeln, oder die häufige (113) mit einer noch flacheren 
combinirt, als schmale Abstumpfung zwischen (001) und (111). 

Nur ausnahmsweise wurde an einer Localität — Rympfischweng 
bei Zermatt — die (113) breit angelegt beobachtet. 

II. Tetragonale Pyramiden in der Zone [001 . 100]. 

1. v(102) Mussa-Alpe (2*) 

3:Si)i MoDteSomma(i#) 

mit äusserst schmalen, gekrümmten Flächen, welche nur sehr an- 
nähernde Messungen zuliessen. Fehler derselben gegen die Berech- 
nung für £ 102 j = 23 / 52 ,/ bei 4 Messungen 

(302) = 39 47 „ 1 

(301) = 3 52 „ 1 

III. Oktogonale Pyramiden. 

^^Ipfitschri*) 

2. <r(315)f l } 

äusserst schmale Abstumpfungen , erstere Fläche einer Kante 
(101 : 111), letztere einer Kante (113:101). Differenz von je 
einer, wegen sehr geringer Flächenbreite, unsicheren Messung für 

(747) = 11' 21" 
(315) == 9 20 
*) Anzahl der Kryst., rii »eichen <li >■ Flächen lieohachtel wurtlnt. 



Krystallogt-aphische Studien über <l<"ii Idokras. 1b 



" B r 7 qw\ I ßympfischweng bei Zermatt (2*) 



Leide Flächen sicher bestimmt durch den Nachweis ihrer Lage in 
zwei verschiedenen Zonen. 

(212) sehr schmale, kurze Fläche beobachtet in den Zonen 
[111, 101] und [113, 311]. 

(737) breitere und längere, stark glänzende Fläche, spiegelnd 
in den Zonen [111, 101] und [113, 312]. 

5. 2(833) Mussa-Alpe (1 *) 

schmale , wenig- glänzende Abstumpfungen zwischen (121) und 
(131). Fehler von 3 unsicheren Messungen gegen die Rechnung 

== 5' 42". 

6. p(319) 



7. K629)) MuSSa - Alpe(1#) ' 
beide ziemlich breit entwickelt in der Zone [001, 132], erstere zu- 
nächst (001) gelegen, glatt aber gekrümmt; letztere an (132) an- 
liegend, ganz matt, bei starker Beleuchtung nur wenig schimmernd, 
daher nur approximative Messung möglich; Differenz für 

(319:001) = 2' 46" 
(629:001) = 16 38 

An demselben Krystalle erscheint ausser (132) noch (131). 

8. w{l\i) Mussa-Alpe (1*) 

schmale schimmernde Fläche zwischen (131) und (010) gelegen. 
Diff. von 2 approximativen Messungen gegen die Rechnung =-. 25' 30". 

IV. Oktogonale Prismen. — Zwischen den beiden tetra- 
gonalen Prismen erscheinen häufig Flächen oktogonaler, unter 
welchen mit für verlässliche Einstellung hinreichender Breite 
und Glätte, vorwaltend nur /"(120) ausgebildet ist; viel seltener 
zeigt sich gut bestimmbar Ä(130) ; ausserdem treten noch als 
Zwischenglieder mehrfach schmale Flächen auf, durch Abrundung 
ihrer Kanten in einander übergehend, welche einzeln sicher zu 
deuten, unmöglich ist. Nur in 2 Fällen wurde eine Bestimmung 
versucht. 

1. ? (S30) Mussa-Alpe (2*). 
breite, dicht geriefte, glanzlose Flächen, zu zwei au Stelle einer 



Jß Zepharovich. 

(110) Fläche erscheinend. 15 Messungen mit dem Contract-Gonio- 
meter gaben einen Fehler für 

(530:100)) 

(3S0 : 010)) 

2. ^(740) Eker Norwegen (1 *). 
deutliche, dicht geriefte Abstumpfung der Kante (110:210). Fehler 
wiederholter Reflexions-Beobachtungen für 

(740:110) = 8' 18" 

(740 : 210) = 17 12 

Ermittelang des Parameter-Verhältnisses für {111}. 

Zur Berechnung der Elemente eines tetragonalen Krystall- 
Systemes genügt ein Kantenwinkel, und es wird sich die Verlässlich- 
keit der Rechnung mit der Zahl der Beobachtungen, auf welche sie 
gegründet ist, steigern. 

Die Theorie setzt voraus, dass die Kanten einer tetragonalen 
Pyramide von zweierlei Art, die gleichnamigen aber zu 8 und 4, 
oder deren Modifikationen durch andere Flächen, von absolut glei- 
cher Grösse seien, eine Bedingung, welche ich an den grünen Id.- 
Krystallen von der Mussa-Alpe in Piemont, unter 56 untersuchten 
Individuen nur an einem einzigen erfüllt gefunden. Ich habe hier 
insbesondere die Messungen der Kanten (001 : 111), an dem fast 
immer nur einseitig ausgebildeten Ende der Kiyst. im Auge, deren 
auf den genannten Fundort bezügliche, im Ganzen 160 und mit 
Weglassung der approximativen, 139 mir vorliegen. 

Eine Gesetzmässigkeit in der Ungleichheit der Kanten, 
wie sie Breithaupt *) angibt, derart dass die Gestalten {111} und 
{101} als tetragon-pyramidale Triploeder und Diploeder aufzufassen 
wären, muss ich nach sorgfältiger Prüfung meiner Messungen in 
dieser Richtung entschieden in Abrede stellen. — Die Fälle, in 
welchen überhaupt die Entscheidung dieser Frage möglich war, 
beschränken sich nur auf wenige, denn es ist hiezu erforderlich, 
dass von {111} nicht nur alle 4 Flächen vorhanden seien, sondern 
dass dieselben auch, vermöge ihrer Beschaffenheit, eine sichere 
Messung zulassen, Bedingungen, welche nur ausnahmsweise gleich- 



') VolUtänd. Hdbch. d. Miner. 18M\, III. S. 648. 



Krystallographisehe Studien über den Idokras. j, 7 

zeitig erfüllt erscheinen. Ich werde an geeigneter Stelle einige von 
diesen 18 Fällen anführen und hebe hier nur heraus, dass die von 
Breithaupt für die Mussa-Krystalle angegebenen Werthe 1 ): 



oP: 


■ + 


P 

T 


= 


37° 


5' 




: — 


p' 
T 


= 


37° 


13' 






F 


= 


37° 


10' 



an denselben — wenn auch nur annähernd — nicht einmal, und 
eine entsprechende Position gleicher und ungleicher Kanten nur an 
2 Kryst. beobachtet wurde, während in 8 Fällen die beiden be- 
nachbarten Kanten sich als gleich erwiesen. 

Von 2 anderen Kryst. hatte der eine alle 4 Kanten gleich , der 
andere 2 Paare gleicher und gegenüberliegender Kanten; an den 
übrigen 6 Kryst. hingegen waren sämmtliche 4 Winkel von ver- 
schiedener Grösse. 

N. v. Kokscharow's Messungen 2 ) der Kante (001 : 111) an 
je einem Kryst. von Poljakowsk und aus Piemont und der Polkanten 
von (111) an einem Kryst. von Achmatowsk sprechen ebenfalls ganz 
bestimmt gegen Breithaupt und erwiesen überdies die mess- 
baren Kanten selbst in den Secunden übereinstimmend. 

Derart regelrecht gestaltete Kryst. sind überhaupt, und beim 
Id. insbesondere, als grosse Seltenheiten zu betrachten; ich selbst 
konnte, wie erwähnt, nur einen solchen Fall mit vier gut messbaren 
und gleichen Kanten verzeichnen; hingegen ergibt der Überblick 
meiner 139 Beobachtungen an den grünen Mussa-Kryst. ein Schwan- 
ken des Kantenwinkels von (001 : 111) zwischen 37° 2' u. 37° 38', 
am häufigsten zwischen 37° 10' u. 37° 17' (hei 94 Messungen) und 
ein völlig regelloses Auftreten von gleichen und ungleichen Kanten, 
wenn mehrere solche an einem Kryst. zur Messung sich eigneten. 

Man wird daher, entweder für die manchfaltigen genau be- 
stimmbaren Individuen mit ungleichen Kantenwinkeln, eben so ver- 
schiedenartige geometrische Anschauungsweisen wählen, oder sich 



*) A. a. 0., 1836, und vorläufige Nachricht über 13 Krystallisations-Systeme u. s. w. 

Berg- u. hiittenmänn. Ztg. 1860, Nr. 10. 
*) Materialien zur Miner. Russlands, 1853. 1, 122—125. 
Sitzb. d. mathem.-naturw. CI. XLIX. Bd. I. Abth. % 



1 $ Zephnroric h. 

entschliessen müssen aus dem besonderen das allgemeine, mit 
Zugrundelegung einer einfachen Annahme, abzuleiten. Der letztere 
Vorgang ist wohl der naturgemässe und auch der bisher geübte und 
es wird demnach die Grundgestalt der Idokrasformen so lange als 
sy m metrisch - tetragonal zu gelten haben, bis nicht für das 
Gegentheil zahlreiche Beobachtungen beigebracht und dieselben 
mehrseitig bestätigt werden *). 

Die Kryst. waren bei ihrer Bildung- den verschiedenartigste 
Einflüssen unterworfen, Einflüsse, über deren Art wir meist nur Ver- 
mutungen aufstellen können, deren Grösse sich aber in manchfaltigen 



l) Breithaupt wirdi öffentlich ausführliche Belege für seine bereits 1829 in eine 
„vorläufig g Nachricht" gebrachten Ansichten über Idokras u. a. Kryst. liefern, und 
dürfen wir dieselben, nachdem die „vorläufige Nachricht" vom Jahre 1860 ein Werk 
über Krystailisations-Systenie demnächst in Aussicht stellt, nun wohl bald erwarten 
Bishin wird die Erfahrung , dass am Id. die erwähnten Abweichungen Zufälligkeilen 
sind und die Annahme einer symmetrisch gebauten Grundform desselben, als unbe- 
stritten gelten. In den Äusserungen a. a. 0. 1860, über die Resultate der Messungen 
K o ksc harow's vermissten wir einige specielle Angaben über die Zahl der von B. 
gemessenen Kryst. und dessen Instrument — da die Winkel für den Id. aus Piemont 
in dem Aufsatze von 1860 und in der Mineralogie von 1836 identisch, sind Messungen 
und Goniometer wohl von altem Datum — schon als vorläufige Stütze seiner Worte: 
„Meine Messungen an den Idokrasen habe ich nicht allein mit aller möglichen Ge- 
nauigkeit und ausserordentlichen Vervielfältigung, sondern auch zum grössten Theile 
an Exemplaren, welche nichts zu wünschen übrig Hessen, ausgeführt, wie z. B. an 
dem aus Piemont". Ferner sagt B. : „Herr v. Kokscharow will nur den Winkel 
= 142° 46 3 / 4 bei allen 4 Flächen gefunden haben. Jene Unterschiede (142° 53' — 
142° 47') gehören freilich zu den zartesten, zu den schwierigsten, welche mir vor- 
gekommen sind " Und doch beträgt jeuer Unterschied 8 Minuten! gewiss 

kein zarter für ein feines Instrument. „Es wäre doch wahrlieh auch mehr als 
sonderbar gewesen, solche Winkelverschiedenheiteii finden zu wollen, und 
zwar an vielen Kryst., aber an allen mit einer und derselben Art gestörter Symmetrie 
welche ich weder erwartet noch gesucht hatte. Übrigens mnsse ich mir über Id. 
welche ich nicht untersucht habe, kein Urtheil an, warum sollte es nicht auch solche 
geben, welche symmetrischen Flächenbau besitzen? Aber die von mir asymmetrisch 
gefundenen werden, wenn sie durchsichtig sind, gewiss ohne Ausnahme optisch 
zweiaxig sein." Es wird demnach ferner noch die letztere Annahme — auf welche 
sogleich der bestimmte Ausspruch: „So viel ist gewiss, dass die optische Zwei- 
axigkeit tetragonaler und hexagonaler Substanzen bei absolut symmetrischer Lage 
der pyramidalen und rhomboedrischen Flächen nicht exi stiren kann", folgt — durch 
krystallographische und optische Untersuchung vieler einzelner Individuen zu be- 
gründen sein. 

Wie es sich in optischer Beziehung mit dem Id. u. a. verhält, bat Haidinger, 
B*s. Äusserungen über,, Zunft- und Innungszwang und die ewigen Gesetze des Ewigen" 
abweisend, nach Brewster's, B i t's und seinen eigenen Beobachtungen nach- 
gewiesen. (Jahrb. der geol. Reichsanstiilt, XI. 1860, Vrhdlg. S. 63.) 



Rrystallographische Studien über den Idokras. 19 

Missbildungen, liis herab zu nur mit feinen Instrumenten nach- 
weisbaren Winkeldifferenzen zu erkennen gibt. Wohl nur wenig 
Individuen in begünstigter Stellung mögen sich nach den ihrer 
Substanz eigentümlichen Gestaltungsgesetzen ungestört haben aus- 
bilden können. 

Abgesehen von den Winkeldifferenzen der Krystalle verschie- 
dener Fundorte, welche sich oft in Zusammenhang mit, durch die 
Verschiedenheit der Bildungsstätten bedingten Umständen bringen 
assen, mögen auf die regelmässige Entwicklung einzelner Individuen 
eines bestimmten Krystallisationsraumes insbesondere die Einwir- 
kungen benachbarter Gebilde und der Schwerkraft sich störend 
geäussert haben. Dabei können aber bei langsamer Bildung die 
Krystallflächen doch vollkommen eben und glänzend geworden sein, 
so dass die Flächenbeschaffenheit allein, nicht auch geometrische 
Regelmässigkeit voraussetzen lässt *). Nicht selten h-<be ich an den 
Mussa-Kryst. mit tadellosen Flächen bedeutende Bildungsfehler ver- 
eint gefunden, und Hessen sich letztere oft nachweisbar auf die Ver- 
wachsung mit anderen Kryst. desselben Drusenraumes zurückführen, 
während es in anderen Fällen unmöglich scheint für abnorme 
Kantenwinkel eine Veranlassung aufzufinden. 

Es war daher, bei den nicht geringen und regellos um die End- 
fläche vertheilten Abweichungen der Kanten (001:111) eine grosse 
Zahl von Messungen erforderlich, um den wahrscheinlichsten Mittel- 
werth dieser Kante zu erhalten. Bei Verwertbung vieler Messungen 
wird aber die relative Güte derselben, welche von der Flächen- 
reflexion abhängt, nicht ausser Acht zu lassen sein. Erfahrung s- 
mässig sind die, durch Störungen des Krystallisations-Processes ver- 
anlassten, Winkelschwankungen viel bedeutender als die Beobach- 
tungsfehler, sobald ein genaues Messungsinstrument angewendet 
wird, oder liegen, wie dies Dauber nachgewiesen, selbst bei den 
besser krystallisirten Mineralien, die aus ersteren berechneten Ge- 
wichte innerhalb weiterer Grenzen als die aus letzteren abgeleiteten. 
Ebenso folgt aus den gründlichen, mühevollen Untersuchungen D;< u- 
ber's, dass eine Schätzungsbestimmung der Gewichte auf Grund- 
lage der Flächen-Beflexionsgrade statlbaft sei, sobald man sich — 



i) H. Da üb er, Rothbleiera. Ber. d. Wr. Ak. d. W. 1860, XLII. Sep. Abdr. S. 22. 

3* 



20 7. e |> li ii r o v i c li. 

um nicht den Werth einzelner Beobachtungen auf Kosten der übri- 
gen unverhältnissmässig zu erhöhen — auf wenige Abstufungen 
beschränkt. Dauber hat auch eine genäherte Berechnung der 
Gewichte der besten und schlechtesten Bestimmungen am Rothblei, 
erz vorgenommen J ), wobei sich ergab, dass sich dieselben wie 3 zu 
1 verhalten, welches Resultat zufällig übereinstimmt mit den von 
ihm bei dieser und früheren Untersuchungen a priori angenomme- 
nen Schätzungswerthen. 

Ich habe auch diesmal, wie bei anderen Arbeiten, aufsteigend 
je nach der Schärfe, mit welcher das reflectirte Fadenkreuz zu 
beobachten war, meine Messungen mit 1,2,3 bezeichnet, und die 
einzelnen Ablesungen mit diesen Zahlen als Factoren, bei der Be- 
stimmung des Mittelwerthes in Rechnung gestellt, und glaube den, 
derart aus vielen Messungen erhaltenen Resultaten einen weit 
höheren Werth beilegen zu dürfen, als jenen, welche sich aus einer 
anfänglich durchgeführten Rechnung ergaben, zu welcher ich nur 
wenige, aber ausschliesslich ausgezeichnete Messungen — 
deren Gewichte nach der Methode der kleinsten Quadrate, aus den 
Abweichungen der einzelnen Repetitionswerthe von dem arithmetischen 
Mittel, berechnet wurden — zugezogen habe. Der letztere Vorgang 
musste um so mehr verworfen werden, als sich an den scheinbar 
vollkommensten grünen Krystallen von derMussa-Alpe, eben in jener 
Zone, in welcher die gemessenen Flächen lagen, bedeutende Bil- 
dungsfehler nachweisen Hessen, ein Umstand, der immer zu befürch- 
ten ist, sobald man Rechnungen nur wenige, wenn auch noch so 
genaue Messungen zu Grunde legt a ). 



i) A. a. o. S. 34. 

2 ) Es ergaben 10 bis 14malige Repetitionen bei tadellos spiegelnden Flüchen an den 
Krystallen: Nr. 3. 

(lTi : 001) = 37° 14' 39-5" (Tll : 001) = 37° 14' 25" 

(lTl : lTO) = 52 44 10 (Tll :IlO) = 52 44 15 

daher: (001 : lTO) = 89 58 495 (001 : TlO) = 89 58 40 

Diff. geg. 90° = — 70-5'' — 80" 

Diff. geg. 180 = — 1505" 

Nr. 10. 

(lTl : 001) = 37° 14' 30" (111 : 001) = 37° 16' — 

(111: 110) = 52 44 28-6 (111: 110) = 52 44 12" 

daher: (001 : 1 10) = 89 58 580 (001 : HO) =90 12 

Diff . gesr. 90° = —61-4" + 12" 



Krystallographische Studien über den Idokras. 21 

Bei der Wahl des Vorganges für die Ermittelung der krystallo- 
graphischen Constanten, kann es keinem Zweifel unterliegen, dass die 
Methode, welche die Berechnung auf eine gros sere Zahl von, in 
möglichst verschiedenen Zonen gelegenen Kantenmessungen, 
als für ein gegebenes Krystall system erforderlich ist, gründet, jener 
vorzuziehen«sei, welche sich auf die unbedingt verlangte Zahl von 
Bestimmungen beschränkt. In der letztgenannten, von den meisten 
Krystallographen befolgten Weise, liegt in der Monographie des 
Euklases von J. Schabus ') eine sehr sorgfaltige Arbeit vor. Den 
ersteren Weg haben zuerst, mit Anwendung der Lehren der Wahr- 
scheinlichkeits-Rechnung, Kupffer und Neumann eingeschlagen 
und wurde derselbe von Dauber in seinen zahlreichen mit grösster 
Genauigkeit durchgeführten Arbeiten weiter verfolgt und die Me- 
thode derartiger Untersuchungen zu einem hohen Grade der Aus- 
bildung gebracht. Ihrer allgemeinen Anwendung dürfte sich aber 
manche Schwierigkeit bei Durchführung der Rechnung, die ein voll- 
kommenes Vertrautsein mit der Methode der kleinsten Quadrate vor- 
aussetzt, entgegenstellen. 

Einfacher als auf diese directe Weise gelangt man zu den 
wahrscheinlichsten Werthen der Elemente eines Krystallsystemes, 
wenn man den auch in der Astronomie bei analogen Aufgaben ange- 
wandten ind irecten Weg einschlägt. Diese Rechnungsart bringe 
ich nun hier zur Anwendung, und bin für den Vorschlag derselben 
meinem verehrten Freunde V. v. Lang und für manche freundliche 
Beihilfe meinem Collegen Prof. K. Hornstein ganz besonders ver- 
pflichtet. 



Nr. 22. 

(TTl : 001) == 37° 16' 7-5" 

(TTl : HO) =52 44 37-8 
daher: (001:110) =90 453" 

Diff. geg. 90° = + 45 3 

Auch die Summe der Werthe -4^ (mit gerechneten Gewichten p der einzelnen 
Repetitionswerthe »;) aus 8 Bestimmungen von (111) : (001) und aus den obigen 
5 von (111) : (HO) gibt 89° 59' 26", also einen Fehler von — 34" gegen 90°. Hin- 
gegen gleichen sich die obigen Werthe (mit geschätzten Gewichten) aus 139 Messun- 
gen von (111):(001) und 54 Messungen von (111): (HO) zu +6 aus (s. Tabelle 1, 
Seite 16). 
i) Denkschriften d. Wr. Ak. d.W. VI. Bd. 1834. — Brei tha u pt's Annahme des anorthi- 
schen Systemes für den Euklas wird hierin vollständig widerlegt. (Sep. Abdr. S. 12.) 



22 



Z e p h a r o v i c h. 



Für die grünen Kry stalle von der Mussa-Alpe in Piemon 
gründet sich die Rechnung auf die Messungen der folgenden sieben 
in verschiedenen Zonen gelegenen Kanten. 



Kante 


31 -- 


S(mp) 


n 


SO) 


"i 


£ = (111:001) 


37° 


14' 38" 


139 


219 


14-798 


V» (111: 110) 


52 


45 28 


54 


93 


9-644 


JV=(11I :TTl) 


74 


20 10 


14 


28 


5-292 


= (ill :Tll) 


50 


40 4 


33 


63 


7-937 


P=(lll : 100) 


64 


40 


43 


67 


8-185 


£ = (111:331) 


29 


4 44 


15 


23 


4-796 


£ = (111:132) 


16 


49 30 


8 


14 


3-742 



Aus L «= 37° 14' 38" folgt das Parameter- Verhältniss 

c.a-.a = 0-537578 : 1 : 1 

und aus diesem berechnen sich die Kanten 

M' = 52° 45' 22° 
N' = 74 29 16 
0' = 50 40 30 
P' = 64 39 45 
Q' = 29 4 52 
TT = 16 50 9 

Die Änderung des Parameters a um einen kleinen Beirag, etwa 
um a = 0-00578, gibt 

c : (a-f a) : (rt+a) = 0-537578 : 1-00578 : 1-00578 
= 0-534485 : 1 : 1. 

und aus diesem geänderten Verhältnisse folgen die Kanten 

V = 37° 5' 5" 

W = 52 54 55 

JV' = 74 10 10 

O ü = 50 28 26 

P' = 64 45 47 

Q° = 29 7 6 

Ä' = 16 46 40 



Kiystallographisehe Studien über den [dokras. 23 

Das wahrscheinlichste Verhältniss der Parameter wird nun 

c : (a -f- xa) : (« -f a? «) . 

Den Factor a? für die früher angenommene Änderung der a 
fi idet man aus den Gleichungen 

= (L" — L')x = — 573 x 

= M' — M+ (M" — M')x = — 6 + 573.t- 

= N' - TV + (iV" — A 7 ')a? = — 6 — 114607 

= 0' —0 +(0" — 0')x — 26 — 724a? 

= /" — P + (/>" — F)a? =10+ 362a? 

0= Q' — Q+ ((?"- (?')*? = 8- 134a? 

= fi —B + (TT - R)x = 39 — 209o? 

mittelst der Methode der kleinsten Quadrate nach der Formel 

• r - [*«]• 

Mnltipücirt man nämli h jede der letzten sieben Gleichungen 
mit der entsprechenden Gewiehtswurzel für L, M, N u. s. f. (aus 
der ersten Tafel, Seite 16) und bezeichnet das erste Product auf der 
rechten Seite des Gleichheitszeichens mit h und das zweite mit b, so 

erhält man 

= b t x 

= h-, -f b z x 

= h z + h& u - s - f- 

Durch Multiplicatlon jeder dieser Gleichungen mit dem Coef- 
ficienten von x und durch Addition der gleichnamigen Pioducte 
ergibt sich 

o = [*, h . . . . + b n i h ] + [(b.y .... + (b.yqx 

und hieraus wie oben 

.. = _M = _=ü^_ 5 = + 0011818 
[62] 1820390SS ' 

Das wahrscheinlichste Axenverhältniss ist hiernach für die 
grünen Mussa-Krystalle 

c:(a + y.x) = 0-537578 : 10000683 
c: g : a : = 05375414: 1 :1 

Die folgende Tafel (I) gibt die Differenzen der aus dem eben 
erhaltenen Verhältnisse berechneten und der gemessenen Winkel. 



24 



Z e p h a r o v i eh. 



Kante 


Gemessen 


n 


Gerechnet 


Diff. 


(111:001) 


37° 14' 37-t" 


139 


37° 14' 31-3" 


+ 6-4° 


(111:110) 


52 . 45 . 27-5 


54 


52 . 45 . 28-7 


— 1-2 


(111:111) 


74 . 29 . 9-6 


14 


74 . 29 . 2-6 


+ 7-o 


(111:111) 


SO . 40 . 4-3 


33 


50 . 40 . 20-6 


— 16-3 


(111:100) 


64 . 39 . 59-9 


43 


64 . 39 . 49- 


+ 10 2 


(111 : 331) 


29 . 4 . 43-7 


15 


29 . 4 . 52-8 


— 9-i 


(111:132) 


16 . 49 . 30 


8 


16 . 50 . 7-3 


— 37-3 



Die positiven und negativen Differenzen in der letzten Colonne 
gleichen sich bis auf 3" aus, wenn man die letzte Differenz, 
welche auf den mit der geringsten Zahl von Messungen erhaltenen 
Winkel fällt, nicht berücksichtigt; mit Hinzurechnung derselben 
bleibt ein Rest von 40". 

Vergleicht man aber die aus 

c: a = 0-537578:1 

gerechneten Grössen mit den gemessenen, so gleichen sich die 
Fehler mit einem Reste von 58*7" aus. Es stellt sich also, wie 
auch a priori zu erwarten, das Resultat — wenn auch in diesem 
Falle nicht um einen bedeutenden Retrag — günstiger, wenn zur 
Ermittelung der Constanten mehr Winkel, als absolut erforderlich, 
hinzu gezogen werden. 

Renützt man aber nicht, wie es hier geschehen, alle guten Mes- 
sungen der genannten Kanten mit den Schätzungs-Gewichten 1 — 3, 
sondern nur die ausgezeichnetsten Repetitions-Reobachtungen (26 
für 5 verschiedene Kanten) mit berechneten Gewichten, so stellt 
sich das Axenverhältniss, nach Durchführung der obigen Rechnung 



auf 



c:a = 0-5376399:1 



oder wenn man 5 Restimmungsreihen, die sich auf die mit dem 
Seite 20, Anm. 2 besprocheneu Rildungsfehler behaftete Kante 
(111:110) beziehen, hinweglässt 

c:a = 0-5376065:1. 

Diese beiden letzteren Resultate verdienen aber unbedingt 
geringeres Vertrauen als das erst genannte, welches sich auf eine 
fast 12mal grössere Anzahl von Daten stützt. 



Krystallogr:i|>hische Studien über den [dokras. 



25 



Kokscharow war sehr glücklich in der Wahl der Krystalle 
für seine Messungen, er fand erst in der vierten Stelle von mei- 
nem aus 306 Bestimmungen folgenden Resultate, abweichend: 

c:a = 0-537199:1 
und es differiren seine Kanten-Bereehnungen von den meinen nur um 
beiläufig eine Minute. 

Ich habe dieselben, zum Theil vervollständigt, in die Tabelle 
(S. 30 — 37) aufgenommen. Sie beziehen sich nicht nur auf die von 
Kokschar ow untersuchten russischen Krystalle von Polja- 
kowsk und Achmatowsk, sondern dürften wahrscheinlich auch für die 
rothbraunen Krystalle von der Mussa-Alpe und die Kry- 
stalle von Rympfischweng bei Zermatt zu gelten haben. 

Die meist vorzüglichen Beobachtungen an 18 rothbraunen 
Mussa-Krystallen erwiesen fast allgemein Winkel (M), welche 
von jenen der grünen Krystalle derselben Localität (iW) abweichen 
und sich gleichzeitig den Koks charo w'schen Berechnungen (B) 
mehr weniger anschliessen, wie es die folgende Vergleichung zeigt 



Kante 


G e m e s s ( 


i n 




Gere 


c h n e t 


(W) 


n \S(p) 


(B) 


(M) 


(111:001) 


37° 13' 52" 


15 


34 


37° 


13' 30" 


37° 14' 31' 


(111:110) 


52 46 5 


5 


10 


52 


46 30 


52 45 29 


(111:100) 


64 40 3b 


8 


16 


64 


40 30 


64 39 50 


(111 :331) 


29 5 48 


6 


13 


29 


5 15 


29 4 53 


(331 : 001) 


66 IT 35 


8 


18 


66 


18 30 


66 19 24 


(331 : 100) 


49 38 43 


3 


5 


49 


38 45 


49 38 24 


(132:001) 


40 20 


23 


51 


40 


20 30 


40 21 44 


(132 : 110) 


73 11 30 


1 


2 


73 


11 


73 9 53 



0) 



20; S(p) = 44. 



Die beiden ersten Messungen mit ihren Gewichten geben 
combinirt 

(111:001) = 37° 13' 53' 
(111 : 110) = 52 46 7 

Von Rympfischweng bei Zermatt hatte ich nur 4 Krystalle 
zur Verfügung, von welchen einer keine genauen Messungen zu- 
liess. Während die Mittelwerthe aus allen Beobachtungen an die- 
sen Krystallen den Berechnungen Kokscharow's überhaupt ziem- 
lich nahe kommen, erwies das ausgezeichnetste Individuum eine 



26 



Z e p h a r o v i c h. 



so auffallende Übereinstimmung mit den letzteren in fünf verschiede- 
nen Kanten (siehe folgende Tafel), dass ebenfalls für diese Krystalle 
vorläufig die obige Annahme gerechtfertigt sein dürfte. 



Kaute 


G e in e s s 


e n 




Gerechnet 


Rympfischweng 


n 


S(p) 


(B) 


(111 : 110) 


52° 46' 27" 


2 


3 


52° 46' 30" 


(111:101) 


25 19 20 


1 


3 


25 19 30 


(111 : 331) 


23 41 30 


1 


2 


23 41 30 


(132:001) 


40 20 30 


1 


3 


40 20 30 


(132:131) 


19 10 30 


1 


3 


19 10 30 



Aus den Messungen aus 3 Krystallen ergibt sich 



Kante 


Geness 


; n 




Gerechnet 


Rympfisehweng- 


n 


«00 


(J) 


(111:001) 


37° 13' 12' 


4 


7 


37° 13' 30' 


(111:110) 


52 46 46 


8 


9 


52 46 30 


daher 










(001:110) 


89 59 58 









und aus diesen beiden und der ersten in obiger Tafel folgt mit 
Rücksicht auf die Gewichte 



(*) 



(111:001) = 37° 13' 17" 



13; £(» = 19. 



(111:110) = 52 46 43 

Die Resultate («) und (6) differiren in so geringem Grade, 
dass eine weitere Combination derselben erlaubt ist; demnach würde 
sieh für die braunen Mussa-K ry stall e und jene von Rympfi- 
sehweng ergeben : 

(111 :001) = 37° 13' 42"j 



(«) 



(111 : 110) == 52 46 18 



n = 33; S(p) = 63. 



Mit etwas verschiedenen Dimensionen im Vergleiche der vor- 
erwähnten, sind die Krystalle vom Findelen-Gletscher bei 
Zermatt, von Pfitsch in Tirol und vom Vesuv ausgebildet, 
wie sich dies aus den vorliegenden Messungen ergibt, und dürfte 
für dieselben ein gleiches ParainetT-Verhältniss anzunehmen sein. 



Krystallographische Studien über den Idokias. 



27 



Hinsichtlich der Grösse fallen die Winkel zwischen die aus 
(111 : 001) = 37° 13</ 3 '(5) und = 37° T(C) (s. S. 30) be- 
rechneten. 



Berechnet 


Gemessen 


Zermatt 


n <(p^ 


Putsch 


n 


o> 


Vesuv 


n 


</<) 


(111:001) 
37° 13</ 2 (ß) 
37° 7 (C) 

(111:110) 
52° 46V 3 (#) 
52° 53 (C) 


37° 12' 41" 

52 47 7 


4 
6 


4 
6 


37° 12' 39" 
52 46 55 


14 

8 


28 
12 


37° 12' 21" 

52 47 29 


8 
19 


8 
19 


89° 59' 48" 


89° 59' 34" 


89° 59' 5U" 



Durch Combination der obigen Wert he mit Berücksichtigung 
der Gewichte erhält man: 





Zermatt n 


O) 


Putsch 


n 


00 


Vesuv 


n 


0> 


(111:001) 
(111: HO) 


37° 12' 48") 
52 47 12 ( 


10 


10 


37°12'34") 
52 47 2G j 


22 


40 


370 12' 28") 
52 47 32 ) 


27 


27 



welche Resultate sich so nahe stehen, dass eine weitere Combina- 
tion derselben gestattet ist. Demnach würde für die Krystalle vom 
Findelen-Gletscher bei Zermatt, von Pfitsch und vom Vesuv folgen 

((111:001) = 37° 12' 34")) 
(IÜ) 1(111:110) = 52 47 26 ) j " = ™ ' S W = ?? 

zufällig übereinstimmend mit den speciell für Ptitseh gefundenen 
Daten. 

Bezüglich des Vertrauens, mit welchem die obigen Resultate 
aufzunehmen sind, ist zu beachten, dass weder für Zermatt, noch 
für Vesuv Messungen in solcher Anzahl angestellt Averden konnten, 
als bei den grösseren Unterschieden •), welche selbst die sichersten 
zeigten, wünschenswerth gewesen wäre. Es schien daher hier auch 
angezeigt bei Bestimmung des Mittels, die einzelnen Beobachtungen 

i ) Beobachtete Grenzweithe : 



(111:001) '370 V 45 (p!3 - 37» 14 (p)3 37» 10' 20 (1) — 37<> 15' 29(1) 
(111:110) 52 43 10(p)3— 52 58 45 (p)3 52 44 20(3) — 52 55 16(1) 



28 



Z e p h a r o v i c h . 



ohne Rücksicht auf deren Güte alle gleich anzusetzen. Auch der 
von Kokscharow an einem Vesuv-Krystalle beohachtete Winkel 
(110: 111) = 52°46'/ ä ' wurde ebenfalls mit dem Gewichte 1 in 
die Rechnung einbezogen. 

Die Kryst. vom Findelen-Gletscher und vom Vesuv stehen sich 
überhaupt in vielen Beziehungen nahe; ihr meist dicht gedrängtos 
Erscheinen in Drusen und die häufige Einigung kleiner Individuen 
zu einem Grujtpenkrystall, so wie Verziehung und starke Parketü- 
rung der Flächen, haben grosse Abweichungen in den Winkeln zur 
Folge, oder machen viele Krystalle zu Messungen ungeeignet. So 
konnten unter 60 isolirten Krystallen nur 26 näher untersucht wer- 
den und zwar 18 vom Vesuv und 9 von Zermatt. 

Weit günstiger sind die Krystalle von Pfitsch gestaltet, von 
welchen 5 kleine ausgezeichnete Individuen gute, wenig von einan- 
der abweichende Resultate gaben. — Es folgen hier noch einige der 
besseren Messungen an Kryst. vom Vesuv, welche alle zwischen 
den aus 37 13«/ 8 '(#) u. 37° T (C) berechneten Werthen liegen*). 





Berechnet 


G e in e s 


s e u 




S(mp) 

■i(p) 


n 


*Ü0 


(111:111) 


50° 39' 
50 31 


(#) 

(O 


50° 32%' 


2 


4 


(331 : HO) 


23 41*/ a 
23 19 


(#) 

(C) 


23 30 


8 


10 


(132:001) 


40 20% 
40 14 


(*) 

(O 


40 17 


2 


2 


(132:100) 


52 7 
52 13 


(£) 

(C) 


52 9i/ 8 


5 


10 


(111:101) 


25 191/a 

25 I51/3 


(*) 

«?) 


25 17*4 


6 


12 


(131:001) 


59 31 
59 25 


(C) 


59 30 


2 


2 


(131 : 100) 


35 91/2 
35 15 


(B) 
(C) 


35 I31/4 


2 


5 


(151 : 100) 


22 55 
22 58 


(*) 
(C) 


22 571/3 


3 


4 



*) Ebenso verhalten sich die Messungen an P f'i ts c h - Krystallen : 
(111:111) = SO« 37' 8" ni. (Sp)ll 
(331 : 110) = 23 36 52 3 4 

(132:001) = 40 18 US Z 4. 



Krystallographische Studien über den Idokras. 



2<> 



Hingegen verhalten sieh mit den obigen nicht übereinstimmend 
die folgenden Messungen (Vesuv) 





Berechnet 


Gerne 


s s e n 






n 


«O) 


(111 : 100) 
(111:331) 
(101 : 001) 
(101 : 100) 


64° 401/,' (#j 

29 51/4 „ 
28 I43/4 . 
61 451/4 „ 


64° 40y 12 

29 41/4 
28 i4% 
61 45% 


3 

3 

1 

10 


4 

4 

1 

21 



An 3 braunen Krystallen vom Monzoni-Berge im Fassa- 
Tliale ergaben approximative Messungen 





Gemessen ' n S(p) 


Combination der Messungen 


(111:001) 
(111: 110) 
(111: 100) 
(tli:Tll) 


37° 2' 28" 
52 54 38 
64 48 23 
50 26 17 


2 

9 

13 

7 


2 

10. 
13 

8 


37° 4' 55" 
52 55 5 
64 47 48 
30 24 24 


l n 
jli 

■20 


12 
21 



welche Werthe von den früheren bedeutend verschieden sind, aber 
noch fernerer Beobachtungen zur Bestätigung bedürfen. 

Eben so scheint auch an den Krystallen von Eker in Nor- 
wegen (s. d.) nach den bisherigen ungenügenden Bestimmungen 
der Kante (001 : 111) ein kleinerer Werth als 37° 7 eigen zu 
sein. 



Die folgende Tabelle enthalt — behufs fortzusetzender Ermit- 
telung der an verschiedenen Idokras-Localitäten oder Gruppen von 
solchen, nicht identischen krystallographischen Constanten — Be- 
rechnungen der wichtigsten Kantenwinkel aus den Abmessungen, 
wie sie sich nach meinen eigenen Beobachtungen (Z. Col. 1), jenen 
von Kupffer und Kokschar ow (K. Col. 2) und von Haidin- 
ger (M. Col. 3) ergeben. Bei ferneren Untersuchungen wäre 
demnach 

Col. 1 für die grünen Mussa-Krystalle, 



30 



Z e p h a r o v i c h. 



Col. 2 für die brauuen Krystalle von Mussa, jene von Rympfi- 
sehweng bei Zermatt und vom Ural, 

Col. 2 u. 3 für die Krystalle vom Findelen- Gletscher bei Zer- 
matt, von Putsch und vom Vesuv und 

Col. 3. für die braunen Krystalle von Monzoni in Tirol und 
jene von Eker in Norwegen zu vergleichen. 



Winkel der Normalen berechnet uü 






c: «=0-537541:1 


c:«=0'537199:l 


c:«=0-535104:l 




z 


A' 1 ) 


if 2 ) 


/(Hl) : c(OOi) 


*37° 14' 31" 


37° 13 y a ' 


*37° 7' 


P m'(HO) 


*52 45 29 


52 461/a 


52 S3 


«'(100) 


*64 39 50 


64 40«/ 8 


64 45 


,I(iTi) 


*50 40 20 


*50 39 


50 31 


j»»(lli) 


*74 29 2 


74 27 


74 14 


a'(1.1.20):c(00i) 


2 10 37 


— 


— 


y ao p /(Hl) 


35 3 54 


— 


— 


m'(HO) 


87 49 23 


— 


- 


a»(1.1.20) 


3 4 41 


— 


— 


/3'(1.1.10):c(001) 


4 20 50 


— 


— 


y i0 p /(in) 


32 53 41 


— 


— 


m'(UO) 


85 39 10 


— 


— 


j32(l.T.10) 


6 8 42 


— 


— 


X'(119) : c(001) 


4 49 41 


— 


— 


%P :/(Ul) 


32 24 50 


— 


— 


:m'(UÖ) 


85 10 19 


— 


— 


X 2(lT9) 


6 49 25 


— 


— 


7(118) : c(001) 


5 25 42 


— 


— 


%P /(i 11 ) 


31 48 49 


— 


— 


m'(liO) 


84 34 18 


— 


— 


V 2(1T8) 


7 40 16 


— 


.._ 


-5(117) : c(001) 


6 11 53 


— 


— 


y 7 p /(iio) 


31 2 38 


— 


— 


m'(110) 


83 48 7 


— 


— 


§8(117) 


8 45 25 







') Berechnet aus Kupffer's Messungen von Koksclurow (Min. Russlands. Bd. 1, 
S. 117 — 120) zum Tlieil von Descloizeaux (Min. 1»Ü2, p. 278) und mir ver- 
vollständigt. 

J ) Die Berechnungen aus Haidinger's Messung (Molis, Charakteristik 1821). ent- 
nommen Brooke and Miller's Mineralogy 1852 (s. mi'i-li Dufrenoy's Miner III, 
1886, p. 61Ä). 



Krystallographisehe Studien über den Idokrns. 



31 





z 


K 


M 


£'(116) 


: o(001) 


7° 13' IS" 








%p 


P'(H1) 


30 1 16 


— 


— 




m'(HO) 


82 46 45 


— 


— 




£ "(1T6) 


10 11 54 


— 


— 


S(H5) 


: c(001) 


8 38 42 


— 


— 


V&P 


/(Hl) 


28 35 49 


— 


— 




m'(ilO) 


81 21 18 


— 


— 




£"(115) 


12 12 10 


— 


— 


V(1H) 


: t(001) 


10 45 39 


— 


— 


v*p 


/(Hl) 


26 28 52 


— 


— 




m'(llO) 


79 14 21 


— 


— 




*'(ii4) 


15 10 23 


— 


— 


3(113) 


: c(001) 


14 13 10 


14° 12%' 


14° 10' 


v*p 


/(Hl) 


23 1 21 


23 % 


22 57 




ro'(HO) 


75 46 50 


75 47% 


75 50 




«'(100) 


79 59 59 


80 % 


80 3 




3"(H3) 


20 18 


19 S9«/ 8 


19 55 


t '(112) 


: c(001) 


20 48 42 


20 48 


20 44 


W 


/(Hl) 


16 25 49 


— 


— 




m'(HO) 


69 11 18 


69 12 


69 12 




«'(100) 


75 26 58 


75 27 


75 31 




t "(lT2) 


29 6 4 


29 5 


28 59 


x'(335) 


: c(001) 


24 31 7 


— 


— 


%P 


/(Hl) 


12 43 24 


— 


— 




»«'(HO) 


65 28 53 


— 


— 




x"(335) 


34 7 42 


— 


— 


X'(445) 


: c(OOl) 


31 18 22 


— 


— 


%P 


/(Hl) 


5 56 9 


— 


— 




m'(HO) 


58 41 38 


— 


— 




X"(445) 


43 6 47 


— 


— 


f/(885) 


: r(OOl) 


50 34 28 


— 


— 


\P 


/(Hl) 


13 19 57 


— 


— 




m'(HO) 


39 25 32 


— 


— 




«'(100) 


56 53 35 


— 


— 




f*"(885) 


66 12 51 


— 


— 


5'(221) 


: c(OOl) 


56 39 58 


56 3!) 


56 33 


2P 


:/(lll) 


19 25 27 


19 25 % 


19 26 




m'(HO) 


33 .20 2 


33 21 


33 27 




«'(100) 


53 47 17 


— 


53 51 




Ä"(221) 


72 25 27 


72 24% 


72 19 


f'(33i) 


: f(001) 


66 19 24 


66 18i/ 2 


66 41 


3/* 


/(Hl) 


*29 4 53 


29 S% 


29 34 



32 



Z e p 1) a r o v i c h . 





z 


K 


M 


<(331) 6(221) 


9° 


39' 26" 


— 







m'(UO) 


23 


40 36 


23° 4iy 3 ' 


23° 19' 




«'(100) 


49 


38 24 


49 38% 


49 41 




<2(331) 


80 
28 


43 11 
15 36 


80 42% 


80 39 


o'(iOl) 


: f(001) 


28 14% 


28 9 


Pco 


«'(100) 


61 


44 24 


61 451/4 


61 51 




m'(HO) 


70 


26 24 


70 27 


70 31 




o 4 (011) 


39 


7 13 


39 6 


38 59 




p'(iii) 


25 


20 10 


25 19i/ 3 


25 15% 


v'( 1 02) 


: c(00i) 


15 


2 38 


— 


— 


%/><*> 


o'(10l) 


13 


12 58 


— 


— 




a'(lOO) 


74 


57 22 


— 


— 




v*(012) 


21 


9 6 


— 


— 




i'(H2) 


14 


33 2 


— 


— 


£'(302) 


: c(00i) 


38 


52 47 


' — • 


— 


%Pe« 


o'(10i) 


10 


37 11 


— 


— 




«'(100) 


51 


7 13 


— 


— 




£ 4 (032) 


52 


41 55 


— 


— 


»'(201) 


: c(OOl) 


47 


4 20 


47 3% 


46 57 


2Poo 


o'(101) 


18 


48 44 


18 49 


18 48 




o'(100) 


42 


55 40 


42 56% 


43 3 




»4(021) 


62 


21 48 


62 20 V» 


62 13 




y(iii) 


31 


10 54 


— 


— 


t:'(301) 


: c(00i) 


58 


11 48 


— 


— 


3P~ 


o'(lOl) 


29 


56 12 


— 


— 




o'(100) 


31 


48 12 


— 


— 




7T*(031) 


73 


52 30 


■— 


— 


t/(747) 


: c(0.01) 


31 


45 44 


— 


— 


py 4 . 


«'(100) 


62 


48 14 


— 


— 




a 4 (010) 


74 


51 39 


— 


— 




v2(747) 


30 


16 42 


— 


— 




u 8(477) 


15 


55 20 


— 


— 




p'(lll) 


10 


11 59 


— 




n (212) 


: c(001) 


31 


20 


— 


— 


n 


ö'(lOO) 


62 


33 55 


— 


— 




«4(010) 


76 


40 51 


— 


— 




f(210) 


58 


59 40 


— 


— 




»8(212) 


26 


38 18 


— 


— 




« 8 (122) 


18 


45 


— 


— 




p'(lll) 


12 


1 1 


— 


— 




i'(U2) 


12 


53 3 




, 



Krystallographische Studien über den Idokras. 



33 





Z 


K 


M 


f(423) : c'(0 ül ) 


38° 


42' 21" 









4/ 3 />2 «'(100) 


So 


SO 32 


— 




— 


«4(010) 


73 


4S 38 


— 




— 


f(210) 


51 


17 39 


— 




— 


*a(423) 


32 


28 44 


— 




— 


J8(243) 


22 


48 37 


— 




— 


/(Hl) 


11 


24 18 


— 


11° 


22' 23" 


«'(212) 


7 


42 1 


— 




— 


t'(211) : c(001) 


SO 


14 27 


50° 13%' 


50 


7 


2P2 «'(100) 


46 


33 40 


46 34 «/ 3 


46 


40 


« 4 (010) 


69 


53 31 


— 


69 


56 


f (210) 


39 


45 33 


39 46 ! :, 


39 


53 


m'(HO) 


43 


10 23 


43 11 




— 


,2(211) 


40 


12 57 


40 12y 4 


40 


6 


«8(121) 


28 


8 20 


28 7% 


28 


5 


s*(l21) 


93 


39 14 


— 




— 


/(Hl) 


18 


6 10 


18 6 




— 


-.2(112) 


46 


49 37 


— 




— 


o*(011) 


43 


26 20 


— 




— 


»'(212) 


19 


14 7 


— 




— 


Z'(423) 


11 


32 6 


— 




— 


d'(42i) : c(OOi) 


67 


24 49 


67 24 


67 


20 


4P2 «'(100) 


34 


19 40 


34 20 


34 


24 


«4(010) 


6S 


36 44 


65 37 


65 


38 


f(210) 


22 


35 11 


— 


22 


40 


m'(HO) 


28 


50 45 


28 51 




— 


f/°-(421) 


48 


46 33 


48 46 


48 


44 


^8(241) 


33 


57 8 


33 57 


33 


56 


&'(22i) 


19 


27 37 


— 




— 


«'(331) 


16 


58 34 


— 




— 


«4(021) 


SS 


40 20 


— 




— 


«'(211) 


17 


10 22 


— 




— 


j8(121) 


3S 


33 51 


— 




— 


w'(737) : o(001) 


30 


19 13 


— 




— 


P% «'(ioo) 


62 


21 13 


— 




— 


«4(010) 


78 


31 46 


— 




— 


oj2(737) 


22 


56 28 


— 




— 


oj8(377) 


21 


36 46 


— 




— 


/(Hl) 


13 


51 56 


— 




— 


5(113) 


17 


50 30 


- 




— 


o'(101) 


11 


28 14 


— 




— 


(«'2 12) 


1 


50 55 

-r IV RJ I A 


Ml, 


3 





34 



Zepharovich. 



z 


K 


M 


«'(833) : c(001) 


56° SO' SO" 


— 


— 


%P% «'(100) 


38 22 48 


— 


— 


rt*(010) 


72 54 16 


— 


— ■*■ 


«-(833) 


34 11 28 


— 


— 


2 S (383) 


40 32 22 


— 


— 


/(Hl) 


26 17 2 


— 


— - 


O*(011) 


51 37 12 


— 


— 


s'(211) 


8 10 52 


— 


— 


p'(319) : ^(001) 


10 41 44 


— 


— 


i/ 3 P3 «'(100) 


79 51 34 


— 


— 


«4(010) 


86 38 8 


— 


— 


«'(310) 


79 18 16 


— 


— 


p*(319) 


6 43 44 


— 


— 


P s(i39) 


9 31 18 


— 


— 


*'(315) : c(001) 


18 46 36 


— 


— 


%PB «'(100) 


72 13 12 


— 


— 


« 4 (010) 


84 9 28 


— 


— 


Ä'(310) 


71 13 24 


— 


— 


(72(315) 


11 41 4 


— 


— 


ff 8(13S) 


16 33 10 


— 


— 


t'(629) : c(001) 


20 41 38 


— 


— 


%P3 «'(100) 


70 24 46 


— 


' — 


«4(010) 


83 35 2 


— 


— 


«'(310) 


69 18 22 


— 


— 


t2(629) 


12 49 56 


— 


— 


t8(269) 


18 Xi 8 


— 


— 


a;'(313) : c(001) 


29 32 12 


29° 31 V 


— 


P3 «'(100) 


62 6 58 


62 8 


— 


«4(010) 


81 1 53 


81 2 


-- 


«'(310) 


60 27 48 


— 


— 


a-2(3T3) 


17 56 14 


17 55% 


— 


a;8(133) 


25 28 24 


25 27% 


— 


p'(lll) 


16 22 3 


— 


— 


5'(113) 


17 53 1 


— 


— 


o'(101) 


8 58 7 


— 


— 


oj'(737) 


2 30 7 


— 


— 


«'(212) 


4 21 2 


— 


— 


»'(312) : c(001) 


40 21 44 


40 20' , 3 


40° 14' 


3/.P3 «'(100) 


52 5 35 


52 7 


52 13 


«4(010) 


78 10 57 


78 11 


78 13 


//(310) 


49 38 16 


— 


— 


?«'(110) 


54 36 9 







Krystallograpliische Studien üher den Idokras. 



35 





z 


K 


M 


«'(312) : w-(UO) 


73 


9 53 


73° 11' 


— 


/H3T2) 


23 


38 6 


23 38 


23° 34' 


2*8(132) 


33 


40 15 


33 39 ' '., 


33 35 


/(11t) 


*16 


50 7 


16 49 */ 4 


16 47Va 


3(113) 


28 


14 53 


— 


— 


.'(ii2) 


23 


21 23 


— 


— 


t 2(112) 


35 


23 51 


— 


— 


o'(101) 


13 


50 15 


— 


— 


v 4(0 12) 


37 


54 26 


— 


— 


£'(302) 


11 


49 3 


— 


— 


m'(212) 


10 


28 20 


— 


— 


«'(■737) 


10 


24 23 


— 


— 


•r'(313) 


10 


49 32 


— 


— 


/'(423) 


5 


25 49 


— 


— 


,'(211) 


11 


25 46 


— 


— 


s'(3ii) : c(001) 


39 


31 56 


59 31 


59 25 


3P3 «'(100) 


35 


8 47 


35 9y 3 


35 15 


ö*(010) 


74 


11 


74 11 


74 12 


A'(310) 


30 


28 4 


— 


— 


m'(110) 


39 


33 48 


39 35 


— 


m 8 (110) 


67 


19 40 


— 


— 


«2(311) 


31 


38 1 


31 37 Vi 


31 36 


«8(131 ) 


43 


20 40 


45 2014 


45 15 


/(Hl) 


29 


31 3 


29 31 


29 30 


^(111) 


50 


26 12 


— 


— 


ö'(22i) 


22 


40 20 


— 


— 


«'(331) 


24 


32 36 


— 


- 


o*(011) 


34 


51 13 


— 


— 


o'(833) 


3 


14 1 


— 


— 


2(211) 


11 


24 53 


11 25 


— 


o"(421) 


10 


43 3 


- 


— 


t'(312) 


19 


10 12 


19 10 1/4 


— 


»2(312) 


33 


36 5 


— 


— 


,t'(313) 


29 


59 44 


— 


— 


Ä'(61, 20, 20) : 










c(001) 




— 


59 531/4 


— 


F-(6i, 20,20) 




— 


31 16 1/4 


— 


£8(20,61,20) 




— 


45 59 % 


— 


«'(311) 




— 


26% 


— 


s*(3Ti) 




— 


31 27i/ 3 


— 


y'(411) : c(001) 


65 


42 56 


65 42 


65 37 


4P4 «'(100) 


27 


50 5 


27 51 


27 55 



36 



Zepharovich, 





z 




K 1 


M 




2/'(4il) :rt 4 (010) 


77° 


13' 40" 


77° 


14' 


77° 14' 


4P4 2/2(4H) 


25 


32 40 


25 


32 


— 


2/8(141) 


55 


56 6 


55 


56 


— 


/(Hl) 


36 


49 45 




— 


— 


o*(01i) 


62 


9 55 




— 


— 


s'(3U) 


7 


18 42 




— 


— 


d'(421) 


11 


36 57 




— 


— 


»'(511) : c(001) 


69 


57 22 


69 


57 


69 53 


5P5 a'(lOO) 


22 


53 59 


22 


55 


22 58 


«4(010) 


79 


23 


79 


23 


79 23 


»2(511) 


21 


14 


21 


14 


21 14 


»8(151) 


62 


48 44 




— 


— 


/(llf) 


41 


45 51 




— 


— 


«'(331) 


31 


24 22 




— 


— 


o 4 (011) 


67 


6 1 




— 


— 


2/'(4U) 


4 


56 6 




— 


— 


s'(311) 


12 


14 48 




— 


— 


d'(421) 


14 


25 48 




— 


— 


w'(711) : c(OOi) 


75 


15 36 




— 


— 


7P7 o'(iOO) 


16 


47 23 




— 


— 


«H010) 


82 


8 21 




— 


— 


«?2(71i) 


15 


43 7 




— 


— 


w 8 (171) 


70 


56 14 




— 


— 


p'(lli) 


47 


52 27 




— 


— 


o*(0U) 


73 


12 37 




— 


— 


»'(511) 


6 


6 36 




— 


— 


s'(311) 


18 


21 24 




— 


— 


m'(HO) : «'(100) 






45° 


0' 0" 




OOP w?2(lT0) 






90 







?'(530) : ö'(IOO) 






30 


57 50 




~P% „/(HO) 






14 


2 10 




y3(530) 






61 


55 40 




?«(350) 






28 


4 20 




f(740) : «'(100) 






29 


44 42 




ooP% ro'(UO) 






15 


15 18 




•^(740) 






59 


29 24. 




4*s(470) 






30 


30 36 




f (210) : «'(100) 






26 


33 54 




col'Z Wi'(HO) 






18 


26 6 




/*(210) 






53 


7 48 




/■8(120) 






36 


52 12 





Krystallogrnphische Studien über den Idokras. 



37 





Z j K 


M 


Ä'(310) : ö'(100) 
~P3 ra'(liO) 

A2(3T0) 
A 8 (130) 


18° 2G' 6" 
26 33 54 
36 52 12 
53 7 48 





Für die Grundpyramide des Idokras finden wir, nach Ergän- 
zung der mitgetheilten Angaben durch einige von älterem Datum 
folgende Winkel verzeichnet: 





Fundort 


(111 : 001) 


R. de l'Isle 

Kristallographie 1783, II. 
p. 292 


Vesuv 


Contact - Goniometer 
35° - - 


R. J. H a u y, 

Mineralogie, 1801,11. p. 416. 


Vesuv (?) 


37° 6" - 


Fr. Mobs, 

Charakteristik 1821 — Mi- 
neralogie 1839 .... 




Reflexions-Goniomet. 
37° 7' — 


W. Philipps, 
Mineralogy, 1823 





37° 12' — 


A. Kupffer, 
Preisschrift, 1823, p. 95. . 


Piemont 


37° 13' 28" 


Wilui 


36° 40' 36° 


C. Naumann, 




37° 5' 15" 


N. v. Kokscharow, 
Mineralogie Russlands, 1853, 
p. 130 


Poljakowsk > Ural 
Achmatowsk j 
Piemont 
Vesuv 


37° 13' 50" 

oder 
37° 13' 28° 


V. v. Zepharovich. . . 


Mussa, grüne Var. 


37° 14' 31° 


Mussa, braune Var. 
Rympfischweng bei 
Zermatt 


37° 13' 42" 


Findelen -Gletscher bei 

Zermatt 
Pfitsch 
Vesuv 


37° 12' 34° 


Monzoni, Fassathai, 
braune Var. 


?37° 4' 55° 


Eker, Norwegen 


?37° 3' — 



38 



Z e p h a r o v i c h. 



Hauy und Philipps haben noch folgende Kanfenwiukel an- 
gegeben: 







Hauy 


Philipps 






berechnet 


gemessen 


3(113) 


: c(001) 


14° 9' 


13° 54' 




irfili) 


22 57 


— 


6(221) 


: c(OOi) 


— 


55 30 


<(331) 


: c(OOl) 


— 


66 30 


o(101) 


: a(lOO) 


61 52 


— 




:p(lli) 


25 15 


— 


2(211) 


: «(100) 


46 42 


41 30 




:K1H) 


18 3 


— 


i(312) 


: c(OOl) 


— 


39 48 




: «(100) 


— 


51 55 


«(311) 


: «(100) 


35 16 


34 55 


2/(411) 


: «(100) 


27 57 


— 




:*(!!!) 


36 48 





II. Besonderer Theil. 



Die Idokras-Krystalle nach ihren Fundorten *). 

Neapel 3 ). 

Die von Einigen speciell Vesuvian 3 ) genannten Id. -Varietäten 
stammen nebst mannigfachen anderen Mineralien aus losen Blöcken, 
den „Auswürflingen der Somma", welche in und auf den Trachyt- 
Tuffen am äusseren Abhänge der Somma am Vesuv lagern 4 ). 



*) In den Ländern: Neapel, Toscana, Piemont, Schweiz, Tirol, Banat, Ungarn, Salzburg', 
Mahren, Böhmen, Sachsen, Baiern, Hessen, Preussen, Spanien, Frankreich, Irland, 
Schottland, Norwegen, Schweden, Russland und in Nordamerika. 

2 ) J. Roth. Der Vesuv und die Umgebung von Neapel. Berlin 1837, S. XXXIV ff. 

3 ) Der auch im Allgemeinen übliche Name wurde zuerst von Werner, dem vor ibm 
als vulcanischen Hyazinth (die braunen Var.), Chrysolith (grün, oder gelblich, 
durchscheinend) oder Schörl (grün) beschriebenen Minerale ertheilt. (In älterer 
Zeit nannte man auch — so Kirvan — den Leuzit, Vesuvian). Hauy wählte 1S01 
den Namen Idokras, für das nun auch vom Wilui gebrachte Mineral. 

4 ) Schon de l'lsle war über Localität und Vorkommen des Id. wohl unterrichtet; er 
schreibt in seiner Cristnllogr ITS'.i, 2. ed. II, p. 200: „Elles — les hyacinthes du 



Krystallographische Studien über den Idokras. 39 

Diese Tuffe reichen hier bis zu etwa 1900 Fuss über das Meer, 
bis zur Eremitage hinauf; aus ihnen erhebt sich mit ihren dunklen 
Leucitgesteinen die Somma, den eigentlichen Vesuvkegel als wall- 
artiges Segment umfassend. 

Die häufig Drusenräume umschliessenden Auswürflingsblöcke 
bestehen entweder aus mehr weniger dolomitischen, krystallinisch- 
körnigen Kalken oder aus Gemengen krystallisirter Silicate. Für die 
Kalkblöcke mit krystallisirten Silicaten und jene Silicatblöcke, 
welche Idokras und andere kalkreiche Silicate enthalten, dürfte die 
Annahme am wahrscheinlichsten sein, dass sie beim Durchbruche 
feurig-flüssiger Gesteine durch Apenninenkalk an den Berührungs- 
stellen durch Zusammenschmelzen gebildet und später mit empor- 
gerissen wurden. Als gleichzeitig ausgeschleuderte Schollen des 
durchbrochenen und veränderten 'Apenninenkalkes wären dann die 
nur aus Kalk bestehenden Blöcke zu betrachten. Die Kalkmassen 
sind nicht selten rundlich aber doch nicht glatt genug, um sie als 
Geschiebe betrachten zu dürfen; auch können sie nicht aus den Laven 
der Somma ausgewittert sein, da sie nicht in oder zwischen solchen, 
sondern in den Tuffen vorkommen. Hingegen sprechen für ihre Auf- 
fassung als einzelne Auswürflinge, ähnlich vulcanischen Bomben, die 
oft an ihrer Aussenfläche haftenden Augite. 

Andere Silicatblöcke als die früher erwähnten lassen sich auf 
Trachyte oder Augitophyre mit grösser als gewöhnlich entwickelten 
Cemengtheilen beziehen; zu den ersteren, zu welchen auch die 
Silicatblöcke der phlegräischen Felder gehören, sind die bisweilen 
granitähnlichen, stets quarzfreien Gemenge aus Sanidin, Amphibol 
und Augit, oft mit Nephelin, Sodalith, Glimmer und Magnetit zu 
rechnen; zu den letzteren, jene, welche aus Olivin, Augit und Glimmer 
zusammengesetzt sind. 

Die in den vorstehenden Zeilen nach I. Both vorgetragene 
Ansicht über die Bildung der Contactminerale in den Sommablöcken, 

Vesuve — ne sont point un produit du feu des volcans, .... elles faisaient partie 
des l-oches primitives du second ordre, qui se sont trouvees dans la spbere d'acti- 
vite du foyer voleanique; c'est ä l'epoque des premieres et des plus anciennes ex- 
plosions, qne les volcans les ont rejetees. Aussi le Vesuve n'offre-t-il de ees sub- 
stances que dans les laves de la Somma, ou eta.it Fanden cratere de ce volcan; 
et c'est en vain qu'on espeierait en rencontrer aus environs du cratere actuel, ou 
Ton ne voit que des matieres tres-denaturees par le feu." — Vergl. auch Mobs, v. 
d. Null's Min. Cab. 1804, S. 73. 



40 *• e 1' '' ilrov ' c h. 

ist die der ultra-plutonischen Schule, wälirend die neuere chemische 
Geologie bekanntlich in der kristallinischen Beschaffenheit der 
Kalksteine und deren Reichthum an Silicaten in der Nachbarschaft 
eruptiver Massen, die Wirkung erhitzten Wassers und Dampfes — 
für deren Aufsteigen eben an den Berührungsstellen verschiedener 
Gesteine die Wege vorhanden waren — sieht. Von diesem Stand- 
punkte aus äussert sich Prof. K. Peters 1 ) über die Genesis der 
Somma-Minerale in folgender Weise : „Was nun die Vesuvblöcke 
anbelangt, welche dem Plutonismus bei Beurtheilung der Contact- 
Mineralien eine so wichtige Stütze darboten, so möchte ich die Ar- 
gumentation (der Plutonisten) jetzt umkehren und sagen: Weil die 
Contactgemenge zwischen Syenit und Kalkstein auf dem Wege 
feuriger Schmelzung nicht entstanden sein können und kein echtes 
Feuergestein (Trachyt, Dolerit), wo es Kalksteingebirge durchsetzt, 
von dergleichen Gemengen begleitet ist, so sind auch die Vesuv- 
blöcke in ihrem gegenwärtigen mineralreichen Bestände nicht aus 
einer Zusammenschmelzung desApenninenkalksteines mit den 
alten Laven im Schlotte des Vulcans hervorgegangen, sondern sie 
sind Trümmer eines alten Contactgebildes, welches in der_Region 
der gespannten Wasserdämpfe im festen Kalksteingebirge entstand 
und wahrscheinlich erst später in den Bereich des Lavaschlottes 
gerieth. Es ist sogar sehr fraglich, ob eine in den Kalkstein injicirte 
Lava (Leucitophyr oder Augitophyr) oder eine andere ältere Fels- 
art das Materiale dazu geliefert hat. Da wir im Banat und bei Rez- 
bänya Syenite kennen gelernt haben, welche (im Kalkstein analoge 
Contacterscheinungen veranlassend) dem Alter nach der letzten — 
dritten — Gruppe von Eruptivgesteinen angehören, nicht älter, viel- 
leicht sogar jünger sind als der Grünsteintrachyt, so wäre es selbst 
denkbar, dass dieselben vulcanischen Massen des Vesuvherdes, 
welche an der Atmosphäre zu Augitophyr und Leucitophyr erstarrt 
sind, in der Region des gepressten Wasserdampfes, innerhalb des 
Apenninenkalksteines, sich zu granitartigen Gesteinen ausbilden und 
als solche die Entstehung der Contactgebilde bedingen mussten." 



*) Die Contactgebilde im Kalksteingebirge und der gegenwärtige Stand der ehem. 
(ieologie. (Schriften des Vereines zur Verbreitung naturwissenschaftl. Kenntnisse 
in Wien. 1801.) 



Rrystallographische Stadien über den Idokras. 4-1 

Kry stalle von der Somrna. Unter den Mineralien der 
Somma-Auswiirflinge ist der von hier zuerst bekannt gewordene Id. 
durch Grösse 1 ) oder Flächein eichthum seiner Kryst. besonders aus- 
gezeichnet. Bei gewöhnlich dunkler Färbung — grünlich- oder roth- 
braun, bräunlich-, röthlich- oder gelblich-grün — und meist gerin- 
gen Graden von Pellucidität, besitzen die Flächen vorzüglich der 
kleineren Individuen häufig einen so hohen Grad von Ebenheit und 
Glanz, dass sie zu den besten Erwartungen am Goniometer berech- 
tigen. Aber die Schälte und Übereinstimmung der Messungen lässt 
meist viel zu wünschen übrig; mehrfache Fadenkreuze werden von 
den anscheinend ebensten Flächen gespiegelt und an einzelnen Kry- 
stallen weichen die gleichnamigen Kanten oft nicht unbeträchtlich 
von einander ab, insbesondere wo die Kryst. mit anderen in den 
Drusenräumen zusammentreffen. In denselben ist dichtes Gedrängt- 
sein verschiedener individualisirter Minerale ganz bezeichnend für 
den Fundort; häufig sind die Id. dadurch in ihrer Ausbildung gestört 
und auch unter sich regellos oder in paralleler Stellung verwachsen. 
Aggregate letzterer Art, wie die in Fig. 10 und 11 dargestellten, 
konnten bei weiterer Entwicklung, wenn die einzelnen Individuen 
noch mehr zurücktreten, einen scheinbar einfachen Gesammtkrystall 
ergeben, an dem die geknickten oder verzogenen Flächen noch auf 
die Zusammensetzung hinweisen. Nicht aber ausnahmslos wird ein 
solcher Schluss statthaft sein, da mancherlei Verhältnisse und Einflüsse 
während der Krystallbildung sich in ähnlichen Resultaten äussern 
mögen. Nachweisbar an mir vorliegenden Exemplaren haben fremd- 
artige Einschlüsse, wie von Glimmerblättchen, Gruppen von Augit- 
säulchen oder Sodalithköi neben, ein Individuum beim Fortwachsen 



!) Die grössten Krystalle, gut ausgebildete Säulen mit .vorwaltender Endfläche errei- 
chen 30 Millim. Höhe und 40 Millim. Breite ; an einem Bruchstücke wurden selbst 
CO Millim. Höhe und 40 Millim. Breite gemessen. Gewöhnlich sind die Vesuvian- 
Kryst. 10 — 15 Millim. hoch und 4 — 6 Millim. breit. Monticelli und Corelli, 
miner. vesuviana. Napoli 1825, p. 243. — In den ungemein reichen Vesuv-Schiänken 
des Universitäts-Museums in Neapel zeigte mir Prof. S c acch i u.a. auch pracht- 
volle Idokrase. An einem unvollkommenen Kr. — schwarz von Orthoklas und Am- 
phibol durchdrungen — (001) . (110), konnte ich HO Millim. Höhe und 31 Millim. 
Breite messen. Ein anderer, ein schwarzbrauner kurzsäuliger Kr. gab 24 u. 45 Mm.; 
in seiner Gestalt, mit den vorherrschenden (001) u. (Hl») und den sehr untergeord- 
neten (111), (100) u. (120), erinnert derselbe an die Kr. von Egg in Norwegen. 



42 Z e p h ar o'v i c h. 

in einzelne sich selbstständig entwickelnde Theile getrennt oder 
schliesslich bei dem Streben dieselben zu überdecken , Verzerrun- 
gen der Flächen bewirkt. 

An Somma-Krystallen, welche theils säulig, theils tafelig und 
nur zuweilen an beiden Enden ausgebildet erscheinen, wurden Flä- 
chen der folgenden Formen beobachtet: 
((001), (H3), (112), (111), (221), (331), (101), (302), (201), (301), 

\ OP, y 3 P. %P, P, 2P, 'SP, Poo, %Poo, 2Pce, 3Poo, 

((243), (121), (241), (132), (131), (151), (HO), (120), (130), (100). 
( %P2, 2P2, 4P2, %P3, 3P3, 5PS, o=P, <n>P2. ccP3, <x»P~. 

Von diesen sind (302) und (301) neu . (243) wurde von 
Hessen berg 1 ) aufgefunden. Die bereits bekannte (201) habe ich 
nur anSomma-Kryst. und (151) ausserdem nur an einem Kryst. von 
Egg in Norwegen beobachtet. 

Die Fig. 1 — 11 stellen einige der einfachsten und complicir- 
teren Combinationen dar 3 ). 

Eine Abbildung, entworfen nach einem kleinen Kryst. desselben 
Fundortes im Joanneum zu Graz, gab Haidinger in seiner Mine- 
ralogie 1845, Fig. 314, S. 214. In derselben wurden die früher s) 
mit 4P und 4P4 bezeichneten Formen nach den Beobachtungen 
G. Rose's als 3P und oPo berichtigt. Letzterer hatte — wie Hai- 
dinger damals auf einer Skizze des erwähnten Kryst. bemerkte — 
4P4 niemals, dafür aber häufig 5 Po beobachtet. Ich selbst kann 
letzteres vollkommen bestätigen; 5 Po habe ich an mehreren Kryst. 
von der Somma, die zuerst von Hauy beobachtete 4P4 hingegen 



i) Mineral. Notizen Nr. 2. Abhdlg. d. Senk. natf. Ges. zu Frankfurt a. M. Bd. II. 

2 ) Vergl. auch Fig. 47 n. 48. — Ich habe, wenn es nicht besonders wünschens- 
wert!) schien, vermieden bereits vorliegende Krystallzeichnungen wieder abbilden 
zu lassen. — Zeichnungen von Somma-Kryst. entbiilt R. de l'lsle Cryst. II. Taf. IV. 
Fig. 23, 20, 123, 124, 125, 127, 128; Levy, Atlas, XXXIII, Fig. 2, 4, G, 8, XXXIV, 
Fig. 12. 13, 18—21; Presl, Atlas, VIII, Fig. 286, 291, 292, 294, 300, 302; D u- 
frenoy, Atlas Tal'. 131, Fi-. 36, 37, 40. 41, 4(i. (Dir Fig. 36 u. 37 „une var. 
de crislaux trcs frequente ; on en connait du l'ie'monl , de Siberie, du Tirol ei <lu 
Vesuve« mit (00i)P, und (101)e* am Säulenende, statt (ooi) und (III): die Ver- 
wechslung 1 scheint auf der Annahme zu beruhen, dass an den Krysl. stets (HQ)M, 
breiter als (100)A* sei) u. Desc I oizeaux, Atlas, XVIII. Fig. 103. 

•*) In den Werken von Mobs 1824 und 1839. Diese Fig. ist unverändert, auch nach 
Haidinge r 1 s Berichtigung in die Mineralogien von Brooke u. Miller I852 s 
Dana IS.'i.'i uml Des cl oizeaux I862 übergegangen, 



Kryslallographische Studien über den Idokras. 4-3 

nur an einem Kryst. von der Mussa-Alpe angetroffen, wornach letz- 
tere Form zu den seltensten zu rechnen ist. Die Pyramide 4P dürfte 
aber vorläufig - , da keine Messungen für dieselbe vorliegen, aus der 
Reihe der Krystallformen des Idokrases ganz zu streichen sein 
(s. S. 12). 

Die Ähnlichkeit in den Gestalten der einfacheren Combinationen 
in ihrer Einigungsart und in den Kantenwinkeln (s. S. 27 u. 28), 
welche an den Kr. vom Vesuv und jenen vom Findelen-Gletscher bei 
Zermatt bemerkbar ist, lässt sich auch weiter in der Beschaffenheit 
ihrer Flächen verfolgen. Auch hier sind vollkommen ebene Flächen 
nicht seilen, und geben meist nur die in den Combinationen vor- 
waltenden (001) und (111) Parkettirung oder Riefung zu erkennen, 
übereinstimmend mit den an den Zermalter Krystallen beschriebe- 
nen (vergl. Fig. 10 u. 11, 50 u. öl). Als bezeichnend für die übri- 
gens durch ihre Begleiter hinreichend kenntlichen Vesuv -Krystalle 
dürfte sich vielleicht auch nach weiterer Vergleichung bervorheben 
lassen, dass an denselben die Lamellen auf (001) nicht selten 
krummlinig, gewellt, zuweilen auch fast kreisrund begrenzt sind, 
wobei sich der Mittelpunkt der concentrischen, durch schichten- 
förmigen Aufbau bedingten Linien, meist in einer Ecke oder Kante 
der Endfläche befindet (Fig. 11). Die früher erwähnten Einknickun- 
gen, so wie blasenartige Erhebungen, gelangen auf dieser Fläche 
vorzugsweise zur Erscheinung. — Die Prismen sind zart vertical 
und gewöhnlich (100) und die achtseitigen in weiteren Abständen 
als (HO), gerieft. 

Manche Krystalle zeigen bei starker Vergrösserung auf sämmt- 
lichen Flächen sehr feine Poren, wie von Messerspitzen herrührend; 
grössere narbige Unterbrechungen der Oberfläche werden oft durch 
balbumschlossene und später wieder zerstörte oder herausgefallene 
Minerale veranlasst. 

Die Liste der die Jdokras-Krystalle in den Drusenräumen be- 
gleitenden Minerale ist eine zahlreiche. Ich füge den Angaben über 
diese *) einige Notizen bei. 

Amphibol OP. — P. ooP. und Augit — P. P. Poo. ooP. ooPoo. 
(ooPbo), grüne bis schwarze, oft sehr nette Kryställchen. — Calcit, 



!) Monticelli u Covelli, I. c; Roth, I.e.; L e v y, Deseriut. d'uue collection, 
1838. 



44 Z e [i li a r o v i c h. 

weiss, blaulich- oder graulich weiss t). — Fluorit, wasserhell, in Oktae- 
dern und späthigen Partien. — Glimmer (Magnesiaglimmer, Biotit 
und Phlogopit) Täfelchen von verschiedener, meist dunkelgrüner 
Farbe. — Granat braun, gelblichroth; ooO, ooO. 202, und gehäufte 
Körnchen. — Hauyn. — Humit. — Magnetit. — Mejonit. — Ne- 
phelin. — Olivin. — Orthoklas (Eisspath), flächenreiche Kryställ- 
chen : OP. Poo. 2Poo. ooP. (ooP3). (00P00). — Phillipsit. — 
Pleonast. — Sodalith, wasserhelle ooO, ooO. 202; körnige Aggre- 
gate. — Wollastonit. — Von diesen findet man ganz oder theilweise 
von Id. -Kr. umschlossen: Amphibol, Augit, Calcit, Glimmer, Granat, 
Sodalith und Magnetit. 

Die mikroskopischen Untersuchungen Sorby's der Somma- 
Minerale, Idokras, Calcit, Nephelin, Amphibol und Eisspath erwiesen 
in denselben Hohlräume, welche er ihrem Inhalte nach als „fluid-, gas- 
und glass-cavities" unterscheidet, und welche ihn in ihrem Zusammen- 
vorkommen zu dem Schlüsse führen: „that the peculiar minerals, 
characteristic to the hlocks ejected from Vesuvius, were formed at a 
dull red heat, under a pressure equal to several thousand feet of rock, 
when water, containing a large quantity of alkaline salts in Solution, 
was present along with melted rock and various gases and vapours 2 )". 
Die oben genannten Minerale enthielten alle „Fluid - Cavities", 
Nephelin und Eisspath, ausserdem auch „Gas- und Glass-Cavities". 
Die Flüssigkeit in den häufigen Höhlungen des Id. ist überreich an 
Krystallen; nach der Ähnlichkeit mit jenen in den Fluid-Cavities, im 
Calcit und Nephelin sind es z. Th. Würfel des Chlorkalium und 
Chlornatrium. Die durch Contraction der Flüssigkeit in derselben ge- 
bildeten Blasenräume erweisen durch ihre Grösse — sie erreichen bis 
ein Drittel des Hohlraumes — dass bei der Krystallbildung eine 
Temperatur von 38° C, Rothglühhitze, geherrscht habe. 

Die Mannigfaltigkeit der Erscheinungsweise der Somma-Id. 
wird noch erhöht durch die Verschiedenheit der Unterlage, auf 



!) Der blauliche Calcit der Sommablöcke enthält nach Bischof organische Substanzen 
(ehem. Geol. II. 1031). Roth fand solchen nach der Formel CaO.C0 8 +MgO.HO — 
also entsprechend dem Pencatit von Predazzo zusammengesetzt. (Zeitschrift der 
deutsch, geol. Ges. III, 18Si, S. 142.) 

2 ) Sorby, on the microsc. strueture ot crystals, indicat. the origin ofmin. and rocks, 
Quart. Journ. geol. soc. XIV, 185.S, 482; s. Tat'. Will. Fig. TS. 79, 1)2, IKJ. 



Krystallographische Studien über den Idokras. 4-i) 

welcher sie nebst vielartigen Begleitern sich entwickelten. Es sind 
theils körnige Kalksteine, theils krystallinisch-körnige Gemenge von 
Silicaten, vorwaltend ausAugit, Granat, Glimmer, Id., Olivin undSoda- 
lith in wechselnden Verhältnissen bestehend, welche die krystall- 
reichen Hohlräume enthalten. An den Wandungen derselben bemerkt 
man in den Kalkblöcken häutig späthigen Calcit von weisser, bläu- 
lich- oder graulichweisser Farbe; zuweilen erscheint auch weisser 
Calcit von blauem durchadert — also auch hier die an anderen 
hlokras-Localitäten bekannte eigentümliche Färbung des Calcites. 
Auf der körnigen oder lamellaren Calcit - Unterlage haben sich 
hin und wider kleine Calcit- Rhomboeder ausgebildet. In einem 
Drusenraume fand ich an Exemplaren im Wiener k. k. Mineralien- 
Cabinet sämmtliche Kryst., Id., Amphibol und Glimmer mit einer 
äusserst dünnen, schimmernden weissen Kruste von jüngerem Calcit 
überdeckt. Eigentümlich zeigten sich an einem anderen Stücke 
kleine halbkugelige oder geflossene Gestalten von weissem, mattem 
Calcit, auf Id. -Kryst. hie und da gleichsam wie aufgeträuft; die 
Unterlage bildet körniger Kalk mit reichlich eingemengtem Glimmer, 
wie dies so häufig vorkommt. 



Cooibinationen und Kantenwinkel, beobachtet an einigen Krystallen 
von der Summa. 

Fig. 1, 2 und 3. Einfache Combinationen mit Flächen von 

c(001),i»(lll), o(10i), w(110), /"(120), «(100), 

an welchen oft ganz schmal noch (331) und (131) erscheinen. 
Zuweilen ist (001) noch mehr als in Fig. 1 ausgedehnt bis zum 
völligen Verschwinden von (Hl). 

Fig. 4. c(001). $(l\Z).p(\il).b(22l).t(331). o(101). 
<121).;(132).s(131).™(110)./(120).rt(100). 

Gemessen Gew. Gemessen Gew. 

pirrn — 52° 42' .... (2) ;? /« 4 = 34° 30' (3) 

t^m k = 23 i0\' 2 .... (2) /> 4 = 18 20 (2) 

Fig. 5. c(001) . 3(113} -Kill). *( 221 )- *(331). o(101). 
t(132).s(131).u(151).m(110)./(120).4100). 



46 Zepharovic h. 

Gemessen Gew. Gemessen Gew. 

p zPi = 50° 36 y 3 ' . . . . (3) pa 4 = 64-47%' (2) 

p 20l = 25 20i/ 2 .... (2) p 4 3 4 = 22 -28i. 4 (2) 

Pi0i = 25 16y 3 . . . (2) «'«4 = 61 46 (3) 

Pk m k = 52 50 .... (2) ?>4 = 52 «2% (2) 

Fig. 6. c(001) . .5(113) . j»(lll).-f(331).o(101).€(302). 
7t(301).2*(132).s(131).rf(241).m(110)./(120).«(100). 

Gemessen Gew. Gemessen Gew. 

o z a % = 61° 46' .... (2) «,o == 90° 13' (1) 

o z c = 28 Uy 2 .... (1) ö 4 e = 89 47 (1) 

90 — y s 180 - 

Die neuen Flächen £ = a / z Poo und ?r = 3jPoo äusserst schmal, 
rc überdies gekrümmt; als Mittel aus je drei sehr approximativen 
Messungen ergab sich ^«j =51 49' und ^aj =31 44 1 / 3 '. 

Bemerkenswerth ist, dass die o t mit der sonst nicht mehr 
beobachteten Zuschärfung ihrer Kante gegen c, äusserst verzogen 
gleichsam unfertig und mit abnormer Neigung gegen c und a 
erscheint. Ich fand nämlich 

o x c = 24° 41 ' 
oi ai = 64 46 

89° 27' 

Fig. 7. Idealisirtes Bild der Combination Fig. 5, welche so 
wie die Fig. 2, 3 und 4 nach tafelartigen Krystallen im Wiener 
Mineraliencabinet entworfen sind. 

F.g. 8. c(001) . 5(113) . p(lll) . *(331) . o(101) . «(201). 
4241)./(132).s(131).v(t51).w(110)./(120).«(100). 

Sehr glattflächiges Krystallfragment erhalten von Dr. Krantz. 

Gemessen Gew. - Gemessen Gew. 

Pi c = 37° 9' . •. . . (2) «, i\ = 14° 29' .... («) 

M , c = 47 1 . . . . («) M] $ { = 19 4 .... (a) 

m, «i =42 56 .... (I) t< 8 c =69 48i 3 . . . . ( fl ) 

Mj ot = 18 22</ 3 ... (1) t> 8 t> 7 = 21 34 .... (1) 

,/, s , = 10° 45* .... (o). 

Fig. 9. c(00i).p(Hi).o(i01) . m(201)./(243) . z(121). 
rf(241).i(l32).s(131).w(i81).w(100)./(120).a(100). 



Krystallographische Studien über den Nokias. 



47 



Hesse nberg, dessen trefflichen mineralogischen Notizen 
(Nr. 2, 1. c.) diese Zeichnung entlehnt ist, fand an den neuen, vor- 
züglich spiegelnden Flächen von l = */ 3 P2. 

lp =, 11° 20'. 

Neben dem Idokras Hess sich im Gesteine und in dessen Hohl- 
räumen noch unterscheiden: Sodalith, Nephelin, Granat, Diopsid 
und Hornblende. 



IHittelwerthc aus allen Hessnn; 


jen an Rrystallen 


Ton der . 


"ioinnui. 


W i u k e 1 de r Norm 


a 1 e n 


n 


S(P) 


/(Hl) : c(00i) 


37° 12',' 


8 


8 


»j'(HO) 


52 471', 


19 


19 


p*(iil) 


50 32% 


2 


4 


«'(100) 


60 40 


3 


4 


3'(H3) : r(00i) 


14 16 


3 


a 


/(Hl) 


22 59i/o 


8 


5 


S'(221) : m'(HO) 


33 18 y a 


2 


a 


*'(331) 


9 34 


2 


2 


<(331):m'(110) 


23 30 


8 


10 


/(Hl) 


29 4y 4 


3 


4 


f(210) 


26 2% 




« 


o'(lOi) : c(001) 


28 141/, 




1 


«'(100) 


61 45V 2 


10 


21 


3(101) 


56 303 /4 




1 


/(Hl) 


25 171/. 


6 


12 


£'(302) : «'(100) 


51 49 




a 


w'(201) : c'(OOl) 


47 1 




« 


«'(100) 


42 56i/., 




1 


o'(lOl) 


18 35 




1 


/(Hl) 


31 . 914 




2 


m'(HO) 


59 3 




1 


-'(301) : «'(100) 


31 441 ' 3 




a 


2(211) :m'(H0) 


43 8% 




1 


d'(421):t>(001) 


67 19 




« 


f(210) 


22 40 




« 


«'(100) 


34 29 




« 


///(HO) 


28 37 




2 


/(Hl) 


33 3 




« 


<(331) 


16 59 




2 


s'(311) 


10 42 




3 


»'(511) 


14 27 




1 



48 



Z e i> h a r o v i c h. 



Winkel der Nor in 


a 1 e o 


n 


S(v) 


t*(312) : c(00i) 


40° 17' 


2 


2 


ö'(iOO) 


52 9% 


5 


10 


^(3l2) 


23 32y 3 


1 


1 


^(1 32) 


33 32" 4 


1 


3 


j»'(lli) 


16 45% 


4 


8 


*'(331) 


33 17 


1 


2 


m'(110) 


54 32 


2 


2 


o'(iOi) 


15 46 


1 


2 


w'(201) 


14 23 


2 


2 


,'(211) 


11 20 i/ a 


1 


1 


s'(311):c(001) 


59 30 


2 


2 


a'(lOO) 


35 13i/ 4 


2 


5 


/(Hl) 


29 32 1/ 3 


2 


2 


jȊ(lll) 


50 22 


1 


2 


m'(HO) 


39 43% 


2 


2 


«'(201) 


19 11 


3 


1 


? '(312) 


19 13 


2 


3 


t/(511) : c (001) 


69 48i/ 3 


1 


a 


a' (100) 


22 571/3 


3 


4 


»3(511) 


21 34 


1 


1 


/(Hl) 


41 43 


3 


« 


«'(331) 


31 23 


1 


2 


f(210) :«'(100) 


26 32 


9 


12 


m'(110) 


18 31 1/3 


6 


8 


a'100:c(100) 


90 5 


5 


5 


?n'(110) 


44 59ii ,' 18 


14 


18 



Das spec. Gewicht fand ich 

Magnus J ) 

Rammeisberg 2 ) 



3-447, 3-445 an 2 Kr. 
3-420, 

3-382, gelbbraun, 
3-428, dunkelbraun, 
Mittel = = 3-426 (5) 



Id. wurde auch als Gemengtheil der krystallinischen Auswurfsmassen am Mte. Vul- 
ture bei Melfi von Tenore und Gussone ang-eg-eben (Memoria sulle pere- 
grinazioni eseguite nel 1833—1838. Napoli 184'i, pag. 108). Scacchi und Pal- 
mieri konnten aber den Id. daselbst nicht auffinden. (11 Monte Yulture ed il tre 



i) Poggend. Annal. 1830, 477. 
a ) Mineralchemie, 1860, 734. 



Krystallographische Studien über den Idokras. 49 

muoto del dl 14 Agosto 1851. Napoli 1852; pag. 112.) Weder zeigen sieh liier die 
an der Somma so häufigen Kalkblöcke, noch kommt Caleit im Gemenge der Aus- 
würflinge vor. Letztere bestehen wesentlich aus Augit, Glimmer und Olivin, zu 
welch' ersterem sich noch als besonders bezeichnend für die Localiliit. grauer oder 
blauer Hauyn und Titaneisen, und Apatit gesellen. (L. c. pag. 81.) 



Toscaua. 

Von Pitigliano (lei Sovana am Fiora Fl. unweit der römi- 
schen Grenze) bewahrt das Wiener Mineraliencabinet grosse Plat- 
ten, bedeckt mit Drusen von braunen Id. -Kr. — (OOl).(l 1 1).(33I). 
(101). (3H). (110). (120). (100), begleitet von Granat — ferner 
krystallinisch-körnige Id. -Aggregate. An einem Exemplare von die- 
sem Fundorte 1 ) beobachtete R. Blum in Drusenräumen einer dich- 
ten Granatmasse auf einem körnigen Gemenge von Granat, Id. und 
Augit (Pyrgom), Kr. dieser Minerale in manchfacher Berührung mit 
einander, sich wechselseitig überdeckend oder umschliessend und 
daher von gleichzeitiger Bildung. So sind auf einem grossen, gelb- 
lich-braunen Id.-Kr. (100). (HO) . (130) . (001) . (111), viele 
wein- und honiggelbe Granat-Kr. oo0.30 3 / 2 abgesetzt oder in den- 
selben tiefer eingedrungen, so dass nur noch einzelne Kanten und 
Ecken des letzteren vorragen. Auch Augit-Kr. sind auf- und einge- 
wachsen; eben so findet man in Granat und Augit, mehr weniger 
eingesenkt, kleine Individuen von Id. 3 ). — Das Vorkommen des Id. 
zu Pitigliano darf man wohl mit der eruptiven Thätigkeit des nach- 
barlichen alten Trachyt-Vulcanes, des Monte Amiata, in Verbindung 
bringen, und für denselben eine analoge Genesis wie für dieSomma- 
Kr. annehmen. 



i) G. Santi (Viaggio secondo per la Toscann, Pisa 1798, p. 46—48) fand Id. in den 
Feldern oberhalb der Madonna del Gradone bei P i t i g I i a n o am linken Ufer des Fiora 
Fl. in ansehnlichen Massen, — ferner 1V 2 Meile davon, beim Pantano-Hofe, mit braunem 
Granat (Colophonit). 

2) Leonh. u. Br. Jahrb., 1851, S. 659. 



Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLIX. ßd. I. Abth. 



1)0 Z c ]i h a r ii v i eh. 



Piemont. 

So zahlreich in allen Sammlungen die prachtvollen Krystalle 
von der „Mussa- Alpe" oder„AIa" vertreten sind, so spärlich und 
ungenau sind üher das Vorkommen daselbst Berichte in der Lite- 
ratur zu finden ')• Es war m ^ v daher hoch erfreulich meinen Wün- 
schen und Fragen, von Seite der Herren Professoren Q. Sella und 
B. Gastaldi in Turin, so reichlich entsprechen zu sehen. Ein an- 
sehnliches Materiale von 98 Id.-Krystallen wurde mir freundlichst 
aus dem Turiner Museum anvertraut; darunter waren viele ausge- 
zeichnete zu eingehenden Untersuchungen geeignet. Prof. Sella 
theilte mir mit, dass er selbst zahlreiche Messungen an dem man- 
ganliältigen Id. vorgenommen, und wollte mir seine Resultate bereit- 
willigst zur Verfügung stellen. Aber die bald darauf erfolgte Berufung 
desselben zu einem hohen Staatsamte machte leider die Sichtung 
und Zusammenstellung der Beobachtungen unmöglich. Möge Sella 
bald Gelegenheit gegeben sein, was ich nun über diese Krystall- 
Varietät aufzeichnen konnte, zu ergänzen und zu berichtigen. 
Prof. Gastaldi hatte selbst vor längerer Zeit, in Verfolgung 
geologischer Studien, die Localität besucht und mich von seinen 
Erfahrungen freundlichst in Kenntniss gesetzt; eben so verdanke ich 
demselben eine Reihe von instructiven Exemplaren, welche ein treff- 
liches Bild des Vorkommens geben. 

Die Mussa-AIpe liegt unweit vom oberen Ende des beiLanzo 
in die Turiner Ebene mündenden Ala -Thal es am Fusse der Testa 
ciarva, einem hohen Felsen mit Gletscher-Furchen beiläufig 6000 
Fuss über dem Meere. 

Oberhalb der Alpe an der Testa ciarva ist die durch Mineral- 
reichthum ausgezeichnete und vielfach ausgebeutete Fundstelle er- 
öffnet, in Granat- und Idokrasmassen, welche den krystallinischen 
Schiefern der alpinen Centralkette angehören. Aus der Ähnlichkeit 
des ganzen Vorkommens dürfte wohl anzunehmen sein, dass, wie 
in Zermatt (Ob.- Wallis), so auch in Mussa diese Minerale lager- 
oder nesterartige Ausscheidungen in chloritischem Schiefer bilden. 



!) Konvois in hat das Mineral als „Peridot-Idokras" bekannt gemacht mit der An- 
gabe, dass es den, aus Serpentin bestehenden Felsen Testa ciarva in Adern durch- 
ziehe. Journ, <le Phys. LX1I, 409. — A. Brogniart, Min, 807. 



Krystallographische Studien über den Idokras. 5 ! 

IVlir vorliegende Stücke zeigenden allmählichen Übergang von chlorit- 
oder kalkschieferartigem Gestein in die Granat- oder Idokrasmasse, 
welche als Träger der schönen Krystalldrusen erscheint. 

Der Farbe nach sind von den Id.-Krystallen der Mussa-Alpc, 
zwei auch in krystallograpliischer Hinsicht zu trennende Varietäten 
zu unterscheiden, die grün und die braun gefärbten. — Die grü- 
nen Krystalle bilden Drusen auf gleichartiger gelblich-grüner Id.- 
Unterlage, welche stetig von krystallinischer Gestaltung zu grobkör- 
nigem bis dichten» Gefüge übergeht. Die licht- bis dunkelbraunen 
Krystalle hingegen, nach Sismonda's Untersuchung 7-1 Mangan- 
oxydul enthaltend 1 ), sind auf feinkörnigem bis dichtem, röthlich- 
grauem oder braunem Granat in Drusen- und Klufträumen aufgewach- 
sen; seltener lagern sie in stengeliger, egeranartiger Ausbildung 
unmittelbar auf dem Schiefer. 

In den Drusenräumen erscheinen als Begleiter des Id. hell 
lauch- bis schwärzlich-grüne Klinochlor-Täfelchen 3 ), Schüppchen 
und Täfelchen von silberweissem oder grünlich-grauem Talk, ausge- 
zeichnete Krystalle von wasserhellem oder weissem Apatit und hyazinth- 
rothem Granat, dannDiopsid- undCalcit-Kr., erstere in der lichtgrau- 
grünen „Alalit" genannten Varietät. Diese mannigfaltige Kr. - Ent- 
wickelung zeichnet insbesondere, wie es scheint, die Hohlräume des 
Granatgesteines aus; die hier vorkommenden braunen Id. erscheinen 
meist in schlanken Säulen, liegend, nicht selten gekrümmt, geknickt 
oder zerklüftet — so wenn sie Klinochlorblätter überbrücken — oder 
aufgerichtet und an den freien Enden einfach, auch zuweilen flächen- 
reich begrenzt. Besser ausgebildete Individuen aller genannten 
Minerale fand ich eingeschlossen in Calcit, der an meinen Exem- 
plaren stets oberflächlich deutliche Spuren ätzender Einwirkung 
trägt. Eben so umhüllen Id.- und Granat-Kr. häufig Klinochlor- oder 
Talkblättchen s). 



i) Mem. della R. Acad. d. so. di Torino I. Seria XXXVII, 93. 

2) Von Descloizeaux optisch untersucht. Miner. I, 1862, 444. 

3 ) In einer schönen Druse, auf äusserst feinkörnigem, rothgrauen, zum Theil mit 
Klinochlor gemengten Granat, beobachtete ich, den Grund vorwaltend mit sechs- 
seitigen Klinochlor-Täfelchen und Hyazinth-Granaten ausgekleidet; letztere in ge- 
häuften Körnchen und nach einer trigonalen Axe verlängerten kleinen oaO. Aus diesen 
ragten stellenweise empor: dicke und zart nadelfönnige, stark geriefte braune 
Id. -Prismen, rothbraune grössere Granaten ooO . 202. ooOoo , eine Gruppe sehr 

4* 



i) 2 Zepharo v ich. 

Minder reichlich scheinen sich die Begleiter der grünen Id. 
einzufinden. Vornehmlich ist es der hyazinthrothe Grossular, der 
sich durch wohlgebildete, mitunter ansehnliche Kr. (211) . (Oll) 
bemerkbar macht. Auch dieser ist gleichzeitig mit dem Id. gebildet; 
feine Nadeln des letzteren dringen vielseitig in die Granat-Kr. 
ein, welche zuweilen ganz frei in die spiessigen Aggregate ein- 
gesenkt sind. — Blum fand manche Kr. von der Mussa-Alpe etwas 
fettglänzend und weich, so dass sie leicht mit dem Messer zu ritzen 
sind; ihm scheint dies auf eine beginnende Umwandlung in Steatit 
zu deuten *)• 

Nach den angegebenen Verhältnissen , insbesondere der ver- 
schiedenartigen Unterlage, durch Gastaldi an den zahlreichen 
Suiten der Turiner Sammlung festgestellt, dürfte das Vorkommen 
der grauen und braunen Id. -Varietät auf getrennter Lager- 
stätte — schon aus der verschiedenen chemischen Beschaffenheit 
wahrscheinlich wohl anzunehmen sein. Überdies zeigte keines der 
Stücke, welche ich untersuchen konnte, die beiden Kr. -Varietäten 
neben einander. Die seltene braune Färbung der oberen oder der 
mittleren Partie mancher grüner Kr. — sollte sie ebenfalls durch 
Mangan bewirkt sein — kann bei der muthmasslichenNachbarschaft 
der beiden Lagerstätten nicht befremdend erscheinen. 



netter wasserheller vielflächiger Apatit-Täfelchen, endlich eine krystallinisehe Partie 
von Calcit, einzelne Granat und Apatit-Kryställchen einhüllend — alle anscheinend 
von gleichzeitiger Bildung. — Ein ähnliches Stück von Mussa beschrieb Kenngott 
und bestimmte am Apatit: OP . i/ 2 P . P . 2P . P2, . 2P2. —J 3 , "g ' °° P ' °° P . = 
ooPZ, am Granat ooO.IOZ.mOn.ooOl. (Übersicht der miner. Forsch. 1861, 17.) — 
Mit der Angabe „äusserst selten" enthielt Gastaldi's Sendung von Mussa auch ein 
Exemplar: brauner Id., und Hyacinth-Granat eingewachsen in einem verwitterten 
Minerale, sehr ähnlich dem Laumontit. Dieses bildet eine 15 Millim. starke plalten- 
förmige Masse, welche nach einigen Resten auf einer Breitseite zu schliessen, auf 
derbem Granat lagerte, und auf das Innigste durchweht ist von Id. -Nadeln, die von 
12 Mm. Länge und 1 Mm. Breite bis zur Dünne der feinsten Haare herabsinken, so 
<Jass von diesen freie Partien nur äusserst spärlich anzutreffen sind. Ausser kleinen 
vielflächigen Granaten erscheinen noch Calcit-Theilchen und einzelne Klinoehlor- 
Schüppchen in der krümmeligen, gelblich- oder graulich-weissen Masse eingesprengt. 
Im Kölbchen erhitzt gibt dieselbe viel Wasser ab und wird dunkelgrau; das Pulver 
wird mit C1H digerirt vollständig, unter Abscheidung von gallertartiger SiO 3 , zer- 
setzt; ausserdem wurden noch CaO und AIO 3 mit Spuren von Fe~0 3 nachgewiesen. 
Vor dem Löthrohre schmelzbar unter starkem Schäumen zu einer weissen email- 
artigen Perle. Nach diesen Reactionen dürfte das Mineral wohl Laumontit sein, 
i) Pseudomorpbosen, 1843. S. 137. 



Krystallographische Studien iiher den Idokras. i) o 

Auch dass von zwei anderen Localitäten Piemonts nur mangan- 
hältiger Id. — wahrscheinlich unter gleichen geognostischen Ver- 
haltnissen vorkommend — bekannt ist, spricht für obige Ansicht. Es 
sind dies nach Gastaldi das Thal von Ceresole (Locana), das 
zweitnächste Parallelthal zu jenem von Ala, jenseits der Kette des 
Monte Levanna, und Gressoney (nördlich von Ivrea) am südlichen 
Fusse des Monte Rosa. An beiden Fundstellen sind die Kr. sehr 
selten. Von der ersteren stammen schöne, grosse, rüthlich-schwarze 
Kr. mit Apatit, Calcit, Talk und Augit 1 ); also ganz ähnlich dem Vor- 
kommen von Mussa. 

Im Ala-Thale lieferte auch die Localität Corbassera Id. -Kr.; 
dieselbe scheint aber gegenwärtig ganz ausgebeutet zu sein 2 ). 



Krystalle von der Mnssa-Alpe im Ala-Thale. 

A. Grüne Varietät. 

An 81 Krystallen Hessen sich Flächen der folgenden Formen 
bestimmen: 
1(001). (1,1,20), (1,1,10), (119), (118), (116), (115), (114). (113), 

( op, i/ 80 p, y io p, %p, y 8 p, y 6 p, y 5 p, y^p, y z p, 

( (112), (335), (111), (221), (331), (102), (101), (121), (383), (139), 

( V Z P, %P, P 2P, 3P, KPco, P*o, 2P2, %P%, y s P3, 

j(269), (132), (131), (141), (171), (110), (330), (120), (100). 

\ 2/.P3, %P3, 3P3, 4P4, 7P7, ~P, ~PV 3 , <x>P2, ooP<n>. 

Sobald die grünen Mussa -Kr. zu einer freieren Entwicklung 
gelangten, zeigen dieselben eine säulenförmige Ausbildung mit vier- 
oder mehrseitigem Umriss , wobei die Fläche von (110) in der 
Regel weit breiter als die übrigen Prismen ausgedehnt sind, zum 
Unterschiede von den rothbraunen Krystallen derselben Localität, 
bei welchen (100) vorherrscht. Durch überwiegend vortretende 
Flächen einzelner Prismen werden zuweilen eigenthümliche Säulen- 
umrisse veranlasst, wofür die Figuren 27 und 28 Beispiele geben. 
Bei der Schwierigkeit, welche sich der Messung der Prismen- 



i) G. Leouhards topogr. Min. 1843, 293. 

a ) In einiger Entfernung von Mussa findet man, nach Gastaldi, in den krystallinischen 

Seliiefern Magnetit, liegleitet von ßornit und Granat, ferner Amphibol, Sphen und 

Gänge (Filons) von Smaltin und Rnmmelsbergit. 



J) 4- Z e p li ;i r o v i c li. 

flachen, ihrer Furchung und Krümmung wegen, entgegenstellt, habe 
ich mich mit der Nachweisung der vorgenannten begnügt; die Be- 
stimmung Yon (350) an zwei Krystallen, welche in Fig. 16 und 17 
abgebildet sind, wurden mit dem Anlege-Goniometer vorgenommen 
und nur hervorgehoben, als ein durch breitere Ausdehnung bemer« 
kenswerther Fall des Vorkommens von Übergangsflächen zwischen 
(110) und (100). 

Eine so reichliche Entwicklung der Zone [001.111], wie sie 
hier vorliegt, hat sich an keinem andern Fundorte wieder gezeigt; 
sie bekundet ein Übergangsstreben zwischen den beiden Haupt- 
flächen (001) und (111), welches überdies noch angedeutet wird, 
durch die häufige, eine sichere Messung erschwerende Krümmung, 
der immer mit sehr geringer Breite auftretenden, intermediären 
Flächen. Zwischen (111) und (HO) hingegen war allein (ein 
paar Ausnahmen abgerechnet) (331), wenn aucli häufig nur ange- 
deutet, in fast allen Fällen zu beobachten, und zwar scharf- 
kantig gegen die genannten Nachbarflächen begrenzt. Die Kante 
(331.110) zeigt oft in Folge der Unebenheit der Prismenflächen 
einen krummen oder gezahnten Verlauf. 

Über die grosse Mannigfaltigkeit der Combinationen an den 
freien Enden der Krystalle gewinnt man am leichtesten einen Über- 
blick, wenn man dieselben nach der Entwicklung der Fläche (001) 
zu gruppiren sucht. Es ergeben sich dann drei Haupttypen. 

Hab. 1. Die Endfläche wenig ausgedehnt. — Hierher gehören 
die häufigsten und einfachsten Combinationen, welche unter dem 
Schema (111). (001) — (101). (/</</) h<l . (331). (121). (132). 
(131) zusammengefasst werden können (Fig. 12, 16, 18, 21, 22, 
23,25), und die vielflächigen, selteneren Fälle, wenn (111) u. (101). 
gemeinschaftlich oder letztere allein, vorwalten (Fig. 15, 20, 27), 
oder nebst diesen beiden noch andere Pyramiden stärker entwickelt 
sind, wie in dem Krystalle Fig. 19, an welchem die für Mussa 
sehr seltenen Formen t(H2), 6(221) und v/(141) auftreten. 

Hab. 2. Die Endfläche breit angelegt oder allein die Säulen 
abschliessend. — In innigem Anschluss an den ersten Habitus gelangt 
dieser doch minder häufig zur Ausbildung und hat dann meist sel- 
tene Flächen im Gefolge, wie (833), Fig. 24, (113), (102), 
(139) und (269) Fig. 28, oder ist durch das Fehlen oder Zu- 
rücktreten von (Hl) bemerkenswert!! (Fig. 30). Auch an doppel- 



Krystallogranhische Studien über den Idokras. 55 

farbigen Krystallen beobachtete ich diesen Habitus, der an denroth- 
braunen Mussa-Kr. der vorwaltende ist, so an dem pistaziengrünen, 
von einem hellbraunen Bande quer durchzogenen Kryst. , Fig. 32, 
von der Form (001). (1 10). (100); und an einem 17 Mm. hohen 
und 11 Mm. breiten Individuum, Fig. 29, welches unten pistaziengrün, 
oben bräunlichroth gefärbt ist, und um (001) einen grossen Reich- 
thum an Flächen, mit einer eigenthümlichen Zeichnung auf (001) 
(111) und (331) zeigt. 

Hab. 3. DieEndfläche nicht vorhanden. — Dies ist der seltenste 
Fall, welcher ausser an sehr kleinen Kr., von der einfachsten Com- 
bination (1 11) . (131). (HO) ebenfalls, wie zum Theil Habitus 2. 
an einem zweifarbigen Individuum bemerkt wurde; eine schlanke, 
16 Mm. hohe, ölgrüne, unten schön hyacinthrothe Säule (110). (100), 
wird vorwaltend achtseitig zugespitzt durch (131), Fig. 33, und 
erinnert in dieser Ausnahmsgestalt an die Krystalle des uralischen 
Id. von PoJjakowsk und an jene aus dem Saas-Thale in der Schweiz. 

Die Art, wie die früher genannten Flächen an den Säulenenden, 
oft zu sehr unsymmetrischem Ansehen, zur Ausbildung gelangten, 
ist in den Fig. 13, 15, 18 u. a. möglichst naturgetreu dargestellt. 

Die Flächen von (001), (111), (331), (101) und (131) zei- 
gen mit wenig Ausnahmen jede in eigener Weise eine bestimmte 
Oberflächen-Beschaffenheit, welche vorzüglich geeignet is f , 
bei unsymmetrischen Krystallen die Orientirung zu erleichtern. 

Die glänzende (001) ist nur selten vollkommen eben; meistens 
gewahrt man auf derselben, gewöhnlich nur bei starker Vergrös- 
serung , parketartig oder regellos vertheilte, quadratische Täfel- 
chen. Wo dieselben mit grösserer Deutlichkeit entwickelt sind, 
lassen sich in grösster Mannigfaltigkeit neben einander lagernde, 
äusserst flache Pyramiden und die verschiedensten Combinations- 
erscheinungen dieser mit (001) erkennen; das Ganze, äusserst 
wenig über die Endfläche des Krystalles erhaben und nur bei gewis- 
ser Stellung gegen das einfallende Licht erkennbar. 

In anderen Fällen beobachtet man als Begrenzung ausgedehn- 
terer, stufenweise übereinander folgender Blätter, in ein oder meh- 
rere Systeme gesondert, zarte Linien, welche gerade oder wellig 
verlaufend, rechtwinkelig zusammenstossen oder concentrische, oft 
lappig ausgefranste Ringe bilden. Letzteres ist seltener, und dann 
liegen die Mittelpunkte der Ringsysteme in den Ecken oder an den 



56 Zepharovic h. 

Rändern von (001). Zuweilen enden die sich überdeckenden, und 
von einer Ecke der Fläche ausgehenden Lamellen ganz unregelmässig 
und ziehen schief über dieselbe hin. 

Die genannten Fläclienzeichnungen treten nicht selten com- 
binirt auf, insbesondere ist häufig die klein -quadratische Täfelung 
auf linear-gezeichneter Grundlage zu finden. An einem beiderseits 
ausgebildeten Krystalle fand Kenngott 1 ) eine Basisfläche getä- 
felt, die andere einfach gerieft parallel der Combinationskante mit 
(111); von einer zweiten Riefungsrichtung war keine Spur zu sehen- 

Die Vertiefungen auf (001) sind entweder durch Lücken in 
der Einigung der Flächentheilchen oder durch nachherige Erosion 
veranlasst, und zeigen ebenfalls quadratische Umrisse. 

Derart ist stets (001) entsprechend der Gestalt der kleinsten 
Theilchen,wo sich diese nicht unter einer vollkommenen Ebenheit und 
Glätte der Fläche der Beobachtung entziehen, charakteristisch markirt, 
und es darf wohl diese Erscheinung nicht als ein Ausdruck der selbst- 
ständigen Vergrösserung einzelner wie in einem Bündel vereinter 
Kryställchen aufgefasst werden; ein Individuum vergrössertesicb, in- 
dem auf seinen Flächen bereits grössere erkennbare contourirte Blätt- 
chen sich ablagerten, oder die kleinsten Theilchen sich auf denselben 
in regelmässigen Umrissen zusammen fanden. An einzelnen Stellen 
der Flächen macht sich zuweilen ein lebhafteres Aufbauen bemerk- 
bar und bedingt grössere Unebenheiten; bald sind es die Kanten 
gegen (Hl), die rascher sich erheben und wallartig ein vertieftes 
rechteckiges Feld umschliessen, bald ist es die Mitte der Fläche, 
die, wie ein hervortretendes Stockwerk, mit den Flächen (001), 
(111), (110) höher aufstrebt. Solche Fälle scheinen aber bei den 
Mussa-Kr. zu den Ausnahmen zu gehören und im Allgemeinen 
das Wachsen, vorzüglich an den freien Krystallenden, ein gleich- 
massig und langsam fortschreitendes gewesen zu sein. 

Häutig haben aber zwei oder mehrere benachbarte Krystalle 
löt'lbauend sich seitlich berührt und, die Lücken ausgleichend, zu 
einem Gruppen-Kr. vereint. In vielen Fällen ist ein solches Zu- 
sammentreten noch deutlich nachzuweisen; über die oberen Flä- 
chen ziehen dann die Trennungslinien der Individuen hin, anfangs 



<} Ubers. <1. minor. Forsch«».. 18öS, S. 100 



Krystallographische Studien über den Idokras- 57 

noch gerade oder gesetzmässig winkelig, — gekrümmt, wenn die 
Ausgleichung weiter vorgeschritten aber noch nicht vollständig 
gelungen; so erscheint die (001) oft wie gebrochen, mehrfach in 
Felder getheilt. Dasselbe zeigt sich auf den Flächen von (111). 

Nur höchst selten wird man unter den vier glänzenden Flä- 
chen der Pyramide (111) Eine vollkommen eben finden; das fort- 
wachsen durch aufgelagerte Lamellen bedingt hier verschieden- 
artige Zeichnungen, die sich aber leicht auf einander beziehen 
lassen. Den Ausgangspunkt gibt die einzelne pentagonale Lamelle 
mit drei Winkeln von 90° und zweien vonl35°, die, in idealer Regel- 
mässigkeit gedacht, entweder eine in ein Quadrat und ein gleichseiti- 
ges Dreieck zerlegbare Figur bildet (s. Fig. 24), oder auch in eini- 
gen Fällen ein Quadrat darstellt, in welchem ein Winkel durch eine 
einzelne Seite ersetzt ist (s. Fig. IS). Immer sind nun diese Pen- 
tagone so auf den Flächen von (111) anzutreffen, dass ihre einzelne 
Seite mit der Kante (001 : 111) parallel liegt, und bei jenen der 
ersten Art, die beiden gegenüber liegenden Seiten, den Kanten von 
(111) mit (132) und (312), das Seitenpaar aber den Kanten von 
(111) mit (010) und (100) gleichlaufend sind; während bei den 
Pentagonen der zweiten Art die beiden Seitenpaare den Kanten von 
(111) mit den vier Flächen von (100) parallel liegen. Nie wird man 
die Penfagonal-Lamellen in einer anderen Stellung gelagert, desto 
öfter aber sie von ihrer idealen Figur abweichen sehen; als Dreiecke, 
als breite oder spitze infulartige Schuppen gestaltet und häufig von 
stufig oder gekrümmt verlaufenden Linien eingeschlossen. Diese ein- 
zelnen Lamellen lagern nun entweder über einander mit gleichlaufend 
zurücktretenden Rändern, oder sie sind zahlreich neben einander über 
die (111) Flächen in verschiedenen Abständen zerstreut. Haben sich 
aber solche Lamellen zu geschlossenen Reihen vereint und diese 
über einander sich auf die Fläche gelagert, so wird auf derselben, 
je nach ihrer innigeren seitlichen Fügung eine band- oder mauer- 
steinartige Zeichnung in feinen Linien erscheinen; die Bänder zie- 
hen parallel der Kante (001 : HO) über (111) hin und veranlassen 
bei abnehmender Breite eine zarte Riefung der Fläche, oft auch — 
auf einen minder ruhigen Vorgang deutend — zeigen die einzel- 
nen Blätterschichten einen unregelmässigeren, welligen oder ge- 
krümmten Rand; immer aberscheint die Überdeckung der Fläche 
von den Kanten mit (001), (110) und (101) aus (letzteres 



58 Zepharovich. 

wohl am seltensten) gegen die Mitte zu gestrebt zu haben. Unter 
allen untersuchten Mussa-Krystallen habe ich keinen gefunden, der 
nicht von den beschriebenen Erscheinungen, eine oder mehrere auf 
die mannigfaltigste Weise verbunden, wenigstens auf einer der (111) 
Flächen deutlicher gezeigt hätte. — Mit der Figur der aufsitzenden 
Lamellen stehen auch die Vertiefungsgestalten , die man zuweilen 
auf derselben Fläche gewahrt, in Zusammenhang; auch sie haben 
nach Begrenzung und Anordnung eine sehr grosse Verschiedenheit 
aufzuweisen. 

In den Polkanten der Pyramiden (111) liegen, bald mehr, bald 
minder breit, an vielen Krystallen die Flächen von (101) zuweilen 
weniger glänzend als die ersteren oder auch nur schimmernd, mit 
zartgekörnter chagrinartiger Oberfläche. Lebhafter glänzende Flä- 
chen lassen aber bei einiger Vergrösserung, Ablagerungen mandel- 
oder zitzenförmiger Schüppchen, alle mit den Spitzen gleichförmig 
und zwar meist nach abwärts, gegen (100) gewendet und ge- 
wöhnlich dachziegelartig angeordnet , erkennen. Im Allgemeinen 
zeigt sich demnach eine analoge Bildung der Flächen von (111) 
und (101). 

Gegen die Säule folgen nur an vielen Krystallen, ringsum als 
schmales Band, die Flächen (331) und (131), beide mit schwacher 
Riefung versehen; auf (131) deutlicher und über die ganze Fläche 
hinziehend parallel der Kante (111:100), und in einigen Fällen 
sichtlich durch lamellaren Bau veranlasst; auf (331) meist absatz- 
weise, in der Richtung der Kante (111:110) und diese Erschei- 
nung, wie es zuweilen nachzuweisen gelingt , im Zusammen- 
hange mit rechtwinkeligen Schüppchen, wie solche auch auf (111) 
zu beobachten sind. 

Die Flächen von (132) sind gewöhnlich nur wenig ausgedehnt, 
aber auch bei weiterer Entwickelung zeigen sie sich vollkommen 
glatt; nur an einem Krystalle waren schwache Linien wahrzu- 
nehmen, z. B. auf/ 8 parallel zu p 1 und m l . 

Die Säulenflächen sind stets verlical gefurcht, (HO) tiefer und 
in geringeren Abständen als (100). Zuweilen sind die Furchen dort 
so tief, dass sich die Fläche ganz oder stellenweise in eine gedrängte 
Reihe einzelner Nadeln auflöst, diese selbst ordnen sich wieder in 
Lagen und sind in diesen gegen die Mitte des Krysl alles fortschrei- 
tend immer inniger mit einander verwachsen, wie dies an steilen 



Krystallographisehe Studien über den Idokras. oi) 

Bruchflächen deutlich sichtbar wird 1 ). Scheinen demnach die Säulen 
durch Anlagerung prismatisch gestalteter Theilchen in einer derJHaupt- 
axe parallelen Richtung sich zu erweitern, so fand dies nicht immer in 
gleich geordneter Weise Statt, denn an vielen Kr. bemerkt man über 
die (110) Flächen ganz regellos, äusserst kleine Nüdelchen einzeln 
oder in Häufchen hingestreut. Den Seitenflächen grösserer Individuen 
haben sich zuweilen auch in nicht paralleler Stellung kleinere wohl 
ausgebildete Kr. angefügt und ragen nun halb umschlossen aus den 
ersteren hervor. — Solche Erscheinungen kann man wohl mit ruhigem 
Fortschreiten der Krystallisation nicht in Einklang bringen; sie erklä- 
ren aber, da sie in jeder Periode der Ausbildung eines Kr. eingetreten 
sein können, manche der auffallenden Ergebnisse optischer Unter- 
suchung anscheinend vollkommen regelmässig gebildeter Kr. So be- 
obachtete W. Haidinger an einer der Axe parallel geschnittenen, 
zwischen gekreuzte Turmaline unter 45° eingelegten Platte vom Id. 
aus Piemont, höchst sehenswerthe Mosaikzeichnungen in grösster 
Farbenpracht, ganz analog den von Brewster beschriebenen 
Erscheinungen am Apophyllit 3 ). 

Combinationen 

an grünen Mussa-Kr. , welche mir bemerkenswerth schienen, durch 
das Auftreten seltener oder neuer Flächen oder durch eigenthüm- 
liche Verzerrungen sind in den Figuren 12 — 34 dargestellt, 
theilweise mit Angabe der Flächenmerkmale nach der Natur und 
geordnet nach den erwähnten, durch die Ausdehnung der Endfläche 
bedingten, dreierlei Typen 3 ). Die folgenden Zeilen werden auch 



4 ) Bei der Besprechung der optischen Verhältnisse des Id. im Allgemeinen erwähnt 
Descloizeaux: La plupart des cristaux, ayant une structure fibrcuse, ily a souvent 
dislocation des anneaux et de la croix noire, visibles dans les lames normales ä Taxe 
(Miner. I, 1862, p. 280). 

*) Jahrb. d. geol. Reichsanstalt XI, 1860, Verhdl. S. 63. 

s ) Einfache Combinationen werden ferner repräsentirt durch die 2. Vesuv- und die; 
8. Tiroler Kr. -Zeichnung auf den Tafeln dieser Abhandlung u. die Fig. 1 u. 2, Taf. X 
des Kok sc ha r o w'schen Werkes. Mussa-Kr. sind ferner dargestellt in Presl's 
Atlas, Taf. VIII, Fig. 290, 296 u. 299 (in den Fig. ist statt h = °oP3 u. n = */ 2 P 
wohl richtiger f=°°P2 u. i 3 P zu setzen; b = 2P, r=3P, z = 2P2 u. ü". s. d. 
Abschnitt Eker, Norw.), in Levys All. Taf. XXXTII, Fig. 4, 5, 9, 10, 11, 13, 14, 
16, 17, 18, 19, in Mohs' .Miner. 1839, II. Taf. XVIII u. XIX. Fig. 134 u. 135 und 
in Dufrenöy's Miner. 1856, Taf. 151 und 152, Fig. 33, 36, 37 (s. S. 36, Anm. 2) 
38, 43 u. 44. 



60 Zepharoyich. 

Gelegenheit bieten, die in den ersten Blättern mitgetheilten Resul- 
tate, bezüglich der Symmetrie- Verhältnisse der Kantenwinkel 
(001 : 111), an einzelnen Individuen näher nachzuweisen. 

1. Fig. 12 u. 13. W. MK.; H. S. II. Nr. 2579"; grasgrün mit 
ülgrünen Flecken: 9-5 Mm. hoch. 

c(001).* £ (116), p(ili), *(331), o(101), s(131), ™(110), /"(120), 

«(100). 

sc = 7° 17' («) 2*) nmtk = 52° 48' (1) 

zp = 30 8 O) 2 p^ = 29 6 (1) 

f 4 », 4 = 23° 37* (1) 

2. Fig. 14 u. 15. Wr. Mk.; H. S. II, 2579"; dunkel pistazien- 
grün, 11 Mm. hoch. 

c(001), *7(118),p(lll),c(101),s(131),M<171),wi(110),«(100). 

VC = 5° 18' O) 2 w 6 s 6 = 18° 45' («) 

v/ > = 31 46 (a) 2 ^ 2 c = 38 14 (2) 

« V ' 3 = 16 49% («) ^ 3 m 2 = 52 44 (1) 

^m 2 = 23° 39' (1) 

3. Fig. 16. Wr. polytechn. Institut. 

£■(001), 3(113), 7>(1H), *(331), o(I01), m(110), *?(530), 

/"(210), «(100). 

Vz c = 37° 12' (1) 

p 3 c = 37 15% (1) 

Pi c = 37 16% (1) 

Drei Flächen des (HO) sind sehr dicht und tief vertical ge- 
rieft, an Stelle der vierten erscheinen 2 gleich geriefte Flächen 
unter sehr stumpfem Winkel gegen einander geneigt. 11 Messun- 
gen mit dem Anlege-Goniometer gaben im Mittel 

m<? = 76° 28' (Suppl.) woraus 

«<? = 31 28 

folgt. Die Abweichung von 30' gegen den berechneten Werth von 
af — 30 58' — wobei sich die Wahl der Indices (530) durch 
ihre Einfachheit empfiehlt — ist bei der Unsicherheit der Messung 
nicht auffallend. 



') K. k. Mineralien-Cahinet zu Wien; II. Ilundsammlung. 

* Neue Fliehen. 

-) Die Klammem enthalten fortan das Gewicht der einzelnen Messungen mit (a) appro- 
ximativ bis (3) grösster Grad der Genauigkeit bezeichnet. Die nachfolgenden Ziffern 
geben die Anzahl der Beobachtungen, ans welchen das Mittel genommen wurde. 



Krystallographische Studien über den Idokras. 6 1 

Ganz ähnlich verhielt sich ein Kr. aus Prof. Kenngo tt's 
Sendung: 

4. Fig. 17. a<p = 30° 30' aus 4 Messungen. Als Mittel dieser 
und der früheren Hestimmung folgt 

a<p = 31 3 /V aus 15 Messungen. 
Erwähnenswerth ist dieser Kr. noch durch eigentümliche 
Flächenmerkmale, welche durch eine spätere Anätzung veranlasst 
scheinen. Auf der getäfelten (001) bemerkt man, der Fügung der 
Flächentheilchen entsprechend, bis l^/z Mm. breite Rinnen, äus- 
serst wenig vertieft, im Grunde rauh und glanzlos; auf den minder 
glänzenden (111) und (101) hingegen Vertiefungen zum Theil — 
auf (111) — mit den Umrissen gleichschenkliger Dreiecke. 

5. Fig. 18. Wr. Mk.; 11. S. II; 2579", grasgrün, 9 Mm. hoch, 
6 und 4 Mm. breit. 

c(001), KH1), *(331), <121) 5 ^(132), s(131), m(110),/(120). 

a(100). 

c Pi = 37° 15' — (3) pi m x = 52° 45* 10" (3) 

cp z = 37 12 40" (2) p 2 m z = 52 49 40 (2) 

cp 3 = 37 15 - (2) p 3 m 3 = 52 44 20 (1) 

fcp 4 = 37 11 20 (2) p 4 ro 4 = 52 44 40 (3) 

p lPs = 50° 40' 36" (3) 

Pi ptl = SO 42 - (3) 

6. Fig. 19. Turiner Sendung. Dunkel grasgrüner kleiner Kr. 
mit den seltenen Flächen i, b und y. An dem einen nicht vollstän- 
dig ausgebildeten Ende erscheinen. 

c(001), t(il2), jj(lii), 6(221), *(331), o(101), z(121), s(131), 

2/(141). 

cp 2 = 37° 2t' (1) cb x = 56° 45' («.«) 

cpik = 37 2y 7 (2) Pi ö 4 = 64 45 (2) 

c Pi = 37 9 (1) pi fl 4 = 64 42 (1) 

a t =21 21 (a) y 7 «4 = 28 4 (V) 

Von 1/(141) zeigte sich nur die y 7 als schwach geriefte 
schmale Fläche, unterhalb s 7 mit etwas concaver Krümmung. 
ya berechnet = 27° 50'. Dieser Fall ist überhaupt der einzige, 
welcher für y vorliegt (s. S. 7 u. 36). — Die gekrümmte ziemlich 
breite i(112) und die schmale 6(221) waren wegen mangelhafter 
Ausbildung des Kr. ebenfalls nur an einer Stelle messbar. 



G2 Z e p h a r o v i c li. 

7. Fig. 20. Wi\ Mk. 18G2. X. 31; olivengrün. 

t(001), */3(i, 1,10), .3(113), t(112), K 111 )' '(331), o(101), 
«(121), /(132), s(131), m(UO), /"(120), «(100). 

Bemerkenswert!] durch die Ausdehnung von (101) und zweier 
gegenüber liegender Flächen von (111), welche letztere dadurch 
in die beiden sphenoidischen Hernieder zerlegt erscheint. Noch 
auffallender wird dies durch das Auftreten der ß, .3- und t. 

ß ist sehr wenig gekrümmt und schwach horizontal gerieft. 



n c = 37° 


15%' 


(2) 


i 3 p = 16° 


36' 


00 


p^c = 37 


17% 


(1) 


fec = 66 


18% 


(2) 


ftc = 37 


10 


(1) 


tzlh = 29 


4 


(2) 


ßtc = 4 


16 


(«) 2 


£ 2 ?n 3 = 23 


42 


(2) 


Z 2 c = 14 


9 


(«) 


hPi = 16 


49 


(3) 3 


i 3 e = 20 


43 


(1) 


«"g»?! = 54 
= 3< 17 


50 


(2) 



8. Fig. 21. Wr. Mk. 1860, VI, 33, N. 162; dunkel pistazien- 
grün; 14 Mm. hoch, 5 Mm. breit. 

c(001), £(113), Kill), *(331), 0(101)! »(121),i(132), ,<131), 
w(110), «(100). 

Pl e == 37° 13%' (1) Pl n h = 52 42% (1) 

p 3 c = 37 9 (2) p 3 m 3 == 52 46 (1) 

p z c = 37 15 (2) Vz m 2 = 52 51 (1) 

9. Fig. 22. Wr. MK. 1860, VI, 32, N. 160; hell grasgrün; 
9 Mm. hoch, 4 Mm. breit. 

c(001), i(112), K1H), '(331), o(101), <121), i(132), s(131), 
W2(110), /(120), «(110). 

Pl c = 37° 10' (1) pitrii = 52° 45' (a) 

p s c = 37 16 (2) p 3 m s = 52 44 (2) 

lh c = 37 16 (2) * p z m z = 52 46 (3) 

p k c = 37 13 (2) p kmil = 52 44 (2) 

10. Fig. 23. Wr. MK. Kryst. S.: 1172; 5 Mm. breit. 
c(001), *£(115), ;>(111), *(331), o(101), s(131), m(U0), 

/(120), «(100). 

p z c = 36° 16%' (i) p % c = 37° 10%' (l) 

Vk c = 37 16% (1) ?t= 8 29 (a) 3 

11. Fig. 24. Wr. MK. 2579"; grasgrün, gegen oben in pista- 
ziengrün übergehend; 11 Mm. hoch, 5 und 6 Mm. breit. 



Krystallographische Studien über den Idokras. Oo 

c(001), p(lll), ^(331), *(121), *ö(383), /(132), s(132), 
m(U0), «(100). 

,,,,. = 37° IS 1 /.' (1) Pi m t = 52° 44V 3 ' (1) 

p s c =» 37 13 (1) 2>3?« 3 = 52 46 (1) 

p 2 c = 37 lSVa (1) Pz»i2 = 52 44 (1) 

Pl p 3 = 50 40 (2) q lPi = 26 16'/ 2 («) 2 

?li?4 = 50 40 (2) q z a t = 38 28 (o) 

p si > a = 50 41 (2) p z a t = 64 40 (1) 

pm = 50 40% (1) M = 64 42 (2) 

12. Fig. 25. Wr. MK. : Nr. i 6 / 33 ; ölgrün; 12 und 9 Mm. breit. 
c(001), *v(H8), p(Hl), *(33t), o(101), s(131), ro(HO), 

/(120), «(100). 

Pt c = 37° 14i/o' (1) Pi a 3 = 64° 40' (2) 

pii c = 37 13 (2) fc = 5 47 (a) 3 

13. Fig. 26 nach einer von Fr. Hessenberg mitgetheilten 
Skizze eines Kr. seiner Sammlung entworfen. 

c(001), x(H9), ^(111), 6(221), *(331), o(100), s(131), »1(110), 

«(100). 
Bemerkenswerth durch die an kleinen Flächen reiche Zone 
[001, HO] mit (119), welche Pyramide schon 1835 von F. v. 
K ob eil ebenfalls an einem Kr. aus Piemont (cptoma) beobachtet 
wurde 1 ); ich fand dieselbe nur in Hausmann's Mineralogie citirt. 
Die 4 Flächen der (119) vollkommen spiegelnd; Hessenberg 
bestimmte 

X c = 4° 48%' 
# 
die Berechnung erfordert 4 49.3/J. Kobell fand dieselbe Kante 

annähernd 5 (Reflex. -Gon.). 

14. Fig. 27. Wr. polyt. Inst.; ölgrün; 8 Mm. hoch, 9 Mm. 
breit. 

c(00i), *a(U 1, 20), *|3(1, 1, 10), p(lll), *(331), o(101), 
s(131), m(110), «(100). 
Nur die Endfläche dieses durch die fast trigonale Säule eigen- 
tümlichen Kr. spiegelte. Die ungewöhnliche Entwicklung von 



i) Erdmann und Schweiger — Seidel J. f. pr. Chemie, V, 1835, S. 213. > 
Glocker, Min. Jahresheft. 1833, S. 175. Bei Angabe der berechneten Winkel ist statt 
9" und 173« zu setzen 6° u. 175°. Der gleiche Fehler findet sich auch in Haus- 
mann's Min. II, 1. S.572. 



Q 4. Z e p li a r o v i c h. 

(101) reiht ihn an den früheren Fall und Fig. 20 an. Für die 
neuen Pyramiden mit ebenen, glatten, deutlich begrenzten Flächen, 
fand ich durch mehrfache Repetition annähernd 

cc 2 c = 2° 27' 
« 4 c = 2 4 

<xc'= 2° 15 V berechnet . . 2° 10y 8 ' 
fcc == 4 19 „ . . 4 21 

15. Fig. 28. Wr. MK. 257S; grosser olivengrüner Kr., unten 
durch eine (111) Fläche begrenzt. An dem einen gut ausgebilde- 
ten Ecke bemerkt man in der Zone [001, 130] über der glänzenden 
(132), deutlich eine ganz matte Fläche (r) und eine zweite weniger 
breite (p) glatt und gekrümmt. 

c(001), £(113), p(lll), o(101), <121), *p(139), *r(269), 
i(132), s(131), m(liO), /(120), «(100). 

Sehr unsichere Messungen gaben 

pc = 10° 44i/ 2 ' berechnet. ... 10° 41% ' 
zc = 20 25 „ .... 20 45i/ 8 

woraus annähernd obige Indices folgen. An diesem Kr. erscheinen 
demnach in einer Zone 

«WSGO, %f3<V>, %P3(0. 3P3(0- 

16. Fig. 29. Polyt. Inst. Zürich. Schöner säulenförmiger Kr. 
mit meist vollkommen spiegelnden Flächen; 17 Mm. hoch, 11 und 
9 Mm. breit; zunächst (001) bräuulichroth, unten pistaziengrün, 
durchsichtig. Auf (001), (111) und (331) eigenthümliche, an an- 
dern Mussa-Kr. nicht beobachtete Flächenzeichnungen. 

c(001), Hill), ^(331), <121), i(132), s(131), w(110),/(120), 

«(100). 

i 8 c = 40° 17' 52" (3) 
i s i 7 = 23 47 40 (3) 
i sPi =16 56 15 (2) 



c Pi = 37° 


15' 


20° 


(3) 


c Pi = 37 


5 


20 


(2) 


ct t — 66 


18 


33 


(3) 


ci 3 = 66 


18 


43 


(3) 


ctit = 66 


12 


50 


(2) 


Pi t t = 29 


3 


13 


(3) 


p 4 < 4 = 29 


6 


50 


(2) 


h m s ~ 23 


41 


20 


(3) 


i 7 c = 40 


13 


20 


(3) 


ige = 40 


10 


— 


(2) 



<8 S 8 


= 19 


12 


10 


(2) 


*S#7 


= 33 


38 


45 


(2) 


S 8 C 


= 59 


29 


57 


(2) 


s$s 7 


= 31 


40 


40 


(1) 


«sPi 


= 29 


34 


15 


(2) 


*Vi 


= 24 


32 


20 


(2) 


.V7M4 


= 39 


34 


20 


0) 



,c = 90° 0' 0" (3) 



Kryslallographische Studien iiirer den Idokras. tu) 

17. Fig. 30. Wr. MK., 2579"; grasgrün; 7 Mm. hoch, 4 und 
2 Mm. breit. Die Parkettirung auf (001) sehr deutlich. 
c(001),p(lii), *(331), «(121), s(131),m(110)./(120), «(100). 

cpt = 37° 13' (2) 

18. Fig. 31. Turiner Sendung. Obige Combination ohne «(121). 

19. Fig. 32. Turiner Sendung; 16 Mm. hohe Säule pistazien- 
grün, quer durchzogen von einem breiten hellbraunen Bande. 

e(001), m(110), «(100). 

Scharfe Kanten zwischen der rissigen wenig glänzenden End- 
fläche und den gerieften (in stark, a schwach) Prismen. 

20. Fig. 33 und 34. Wr. MK. : Nr. 4 6 / 33 , ölgrün am ausge- 
bildeten Ende, unten hyazinthroth, 16 Mm. hoch, 2 und 4 Mm. 
breit. Sehr approximative Messungen bestimmten 

p(lll), <131), w(110), «(100). 

Eine der am Id. überhaupt seltenen Combinationen ohne End- 
fläche l )» noch besonders bemerkenswerth durch die formgebende s 
in der Zuspitzung der Säule. (Vergl. auch Saasthal in der Schweiz, 
Seite 86, und Poljakowsk im Ural.) 

Unter den abgebildeten Kr. waren einige, die mehrfach die 
Kante cp zu messen gestatteten, ich lasse diesen eben erwähnten 
Fällen noch andere folgen als Belege für die S. 16 u. 17 im Allge- 
meinen angegebenen Messungs-Resultate. 

I. Alle vier Kanten von gleicher Grösse. 

21. (c*ytpbt*vosmaJ. 7(118). v(102). 

Pi c = 37° 14' 55" (2) 7 c = 5° 22%' (a) 3 

p s c — 37 15 — (3) >.c = 20 47 V 4 («) 4 

p 3 c = 37 15 — (1) vc = 15 24 (n) 3 

p k c = 37 15 - (2) 

II. Zwei Paare gleicher gegenüber liegender Kanten. 

22. (cpoma). 

Pi c = 37" 15i/ 2 ' (2) p 2 c = 37° 133 /4 ' (2) 

Ps c = 37 15 (2) 1hf • = 37 13% (2) 



*) Von der Mussaalpe erhielt ich solclie Combinationen: (ptma) und (ptoni). 
Sit?.b. d. mathem.-naturw. Cl. XL1X. Bd. I. Ahth. 5 



Oß Z e [> li a r o v i c h. 

Dieser und der frühere Fall wurden nur einmal, beide an vor- 
züglich und gleichmässig ausgebildeten Kr. der Turiner Sendung, 
beobachtet. 

III. Zwei gegenüber liegende Kanten gleich. 

23. (cpma). 

Pi c = 37° 15%' (2) p z c = 37° 14' (3) 

Ps c = 37 15y 4 (2) pit c = 37 16 (2) 

24. (c*y.pisma). x(335). 

Pi c = 37' I514 ' (2) p z c = 37° 14«/ a ' (3) 

j,,e === 37 15 (2) /? 4 c = 37 18 (a) 

x lC = 24" 7' O) 

Xj^! =13 — (sa) 

25. {cpsmaj. 

Pi c = 37° 15y 2 ' (2) />,»», = 52° 44% ' (1) 

p 3 e = 37 15 (3) p 8 m 3 = 52 441/, (3) 

p z c = 37 12% (3) p 2 mo = 52 44 (2) 
(Vergl. auch Nr. 10, S. 62.) 

IV. Zwei Nachbarkanten gleich. 

26. (cpzismfa}. 



Pl c = 37° 


11 y% 


(2) 


Pi m i — ^2 


' 46%' (3) 


p^c = 37 


11 


(2) 


Pl s t = 29 


30% (3) 


p 3 c = 37 


9% 


(1) 


jooSj = 50 


25% (3) 


Pzc = 37 


14 


(1) 


p z i z == 16 


49% (2) 


IhPi = 50 


41 


(3) 


Sjflj = 37 


1Vz (2) 


P1P2 = 50 


38 


(3) 


• s V"i = 39 


33 (2) 


J9jär 4 = 64 


42 


(2) 






Pi a i = 64 


42% 


(2) 






27. (cpozismfa) 


I. 






p 3 c = 37° 


16 %' 


(3) 


J»s»'3 = 52° 


44%' (3) 


p K c = 37 


16% 


(3) 


^ 4 m 4 = 52 


46 (2) 


/?,c = 37 


15 


(3) 


p 3 a z = 64 


39 (3) 


p z c = 37 


12% 


(2) 


p 3 a 3 = 64 


34% (3) 


P3^4 = 50 


41% 


(3) 


J»4«3 = 64 


45% (2) 


/? 4 />, = 50 


40% 


(2) 


Pi«i = 64 


37% (2) 


p,p 2 = 50 


42% 


(2) 


^2 «2 = 64 


36% (2) 


28. (cpoma). 








Pzc = 37° " 


15' 


(3) 


P\ m i — 52° 


50' (2) 


p 3 c = 37 


14% 


(3) 


P3™3 = 52 


46 (1) 


p k c = 37 


11% 


(1) 


PtPs = 74 


25 (3) 


/,,<• = 37 


9% 


(2> 


f2j»3 = 50 


38 >/ 2 (3) 



Krystallographische Studien über den [dokras. 07 

29. (cqptoismfa). 

Pz c = 37° 13* (1) 
p 3 c = 37 13 (2) 

lh c = 37 14" 4 (2) 

30. (cpzismaj. 

pik c = 37° 14i/ 3 ' (3) 
}h c = 37 14i/ 3 (3) 
p 2 c = 37 22 1/ 6 (1) 

V. Ungleichheit aller m es s baren Kanten war am häu- 
figsten zu beobachten. Ausser den unter Nr. 3, 7, 8, 9, 11 und 12 
angeführten Fällen seien nur noch die folgenden erwähnt. 

31. (cpsmaj. 

lh c = 37° 16' — (1) 

p z c = 37 11 20" (1) pom 2 = 52° 42' 45° (1) 

p 3 c = 37 15 11 (3) p 3 m 3 == 52 44 15 (2) 

p k c = 37 17 53 (3) p 4 w 4 = 52 48 — (l) 

da demnach 

Ergänzung 1 zu 90° 

C m z = 89° 54' 5° -J- 5' 55" 

cmit = 90 5 53 — 5 53 

~~ 179° 59' 58" + 2 

und 

cn h = 89 59 26 + 34 

hat die c in der Zone [m 2 cnh] eine von der normalen bedeutend 
abweichende Lage. 

32. (cnptsma). 

p t c = 37° 15' (i) p s c = 37° 20' (1) 

poc = 37 10 (1) p K c = 37 17 (1) 

33. (epmfa). 

Pi c = 37° 16 i/o' (2) p 3 c = 37° 11%' (2) 

p z c = 37 13 (1) p k c = 37 5% (2) 



68 



Zepharovich. 



Mittelwerthe aus allen Messungen au 


grünen Mussa-Krystalleu *). 


Winkel der Normalen 


n 


S(P) 


/(Hl) ; c(001) 


37° 14' 


37-?"* 


139 


219 


m'(ilO) 


52 45 


27-s * 


54 


93 


m2(iT0) 


90 


44 


7 


9 


o'(ÜO) 


64 39 


59-9 * 


43 


67 


^(111) 


50 40 


4-3 * 


33 


63 


^ 3 (lll) 


74 29 


9-6 * 


14 


28 


«'{1,1, 20) :c(00i) 


2 15 


50 


2 


a 


£'(1,1,10) : c(OOi) 


4 22 


25 


5 


a 


^'(118) : c(OOi) 


5 28 


36 


13 


a 


/(Hl) 


31 43 





2 


a 


3'(117) : c(001) 


6 24 


43 


7 


a 


£'(116) : c(001) 


7 21 


19 


11 


a 


/(Hl) 


30 6 


26 


3 


a 


£'(115) : c(001) 


8 28 


32 


19 


a 


/(Hl) 


28 27 


21 


3 


2 


>j'(114) : c(001) 


10 19 


34 


18 


a 


/(Hl) 


26 34 





3 


a 


3(113) : c(001) 


14 17 


55 


6 


a 


/(Hl) 


22 55 


58 


3 


4 


i'(Ü2) : c(001) 


20 52 


10 


6 


6 


/(Hl) 


16 36 





1 


a 


x'(335) : e(001) 


24 7 





1 


a 


£'(221) : c(001) 


56 48 


32 


3 


sa 


m'(ÜO) 


33 17 





4 


a 


<(331) : c(OOi) 


66 17 


40 


2 


3 


/(Hl) 


29 4 


43-7 * 


15 


23 


m'(HO) 


23 41 


53 


18 


26 


o'(101) : c(OOi) 


28 9 


15 


15 


17 


a'(100) 


61 47 


26 


4 


6 


/(Hl) 


25 20 


46 


18 


21 


v'(102) : c(001) 


15 26 


30 


4 


a 


z'(2H) : ß(100) 


46 34 


30 


2 


2 


m'(HO) 


43 17 





1 


2 


/(Hl) 


18 7 


17 


12 


5 


2(833) : a'(100) 


38 28 





1 


a 


/(Hl) 


26 16 


30 


2 


a 



1) Die ans den mit * bezeichneten, gemessenen Winkeln berechneten Werlhe sind in 
der Tafel S. 30— 37, Coloune /. enthalten. 



Krystallngraphische Studien iilier den Idokras 



69 



Winkel der Normalen 


n 


S(p) 


p'(319) : c(00i) 


10 44 


30 


1 


a 


r'(629) : c(00i) 


20 25 





1 


a 


«'(312) : c'(OOl) 


40 22 


47 


6 


10 


« 4 (0 10) 


78 11 


50 


2 


5 


m'(HO) 


54 41 


56 


4 


7 


Wo(lTO) 


73 12 


18 


4 


5 


4(312) 


23 43 


24 


2 


5 


/(Hl) 


16 49 


30 * 


8 


14 


»'(211) 


11 17 





1 


2 


g'(31i) : c(001) 


59 30 





2 


5 


«'(100) 


35 8 


47 


10 


12 


m'(HO) 


39 33 


26 


7 


4 


p'(lil) 


29 29 


58 


24 


30 


* 8 (131) 


45 20 





1 


1 


ftCiii) 


50 26 


16 


7 


10 


*'(211) 


11 25 


50 


2 


1 


z'(312) 


19 8 


26 


3 


5 


?' 3 (3T2) 


33 37 


36 


3 


5 


y(4H) : «'(100) 


28 4 





1 


1 


io(711) : fl'(lOO) 


16 49 


20 


1 


a 


«'(131) 


18 45 





1 


a 


m'(HO) : c(001) 


89 59 


45 


11 


25 


«'(100) 


44 58 


25 


10 


17 


?'(530) ; «'(100) 


31 





15 


sa 


f (210) : fl'(iOO) 


26 32 


46 


2 


3 


m'(HO) 


18 24 





1 


1 


«'(100) : c(001) 


90 


57 


9 


13 



Für die in der Tafel enthaltenen 88 Messungen der Kante (001 : 
hhl) an 10 flachen Pyramiden beträgt die Abweichung gegen die 
Berechnung 102 Minuten; übergeht man aber die nur einfache Be- 
stimmung von x'c, so stellt sich die Abweichung bei 87 Messungen 
auf 78 Minuten. 



Die grüne Farbe der Mussa-Kr. zeigt sich in den verschie- 
densten Abstufungen, spargelgrün, grasgrün bis pistazien-, öl- und 
olivengrün, mit vielerlei Graden der Pellucidität. Manche sind an 
den beiden Enden verschieden, z. B. gras- und pistaziengrün, oder 
grün und roth gefärbt; zuweilen erscheint auch eine grüne Säule 
von einem braunen Bande quer durchzogen. 



t Z e p h a r o y i c h. 

Das Dichroskop, parallel mit der Endfläche gehalten, zerlegt 
das Grün der Kr. oft mit auffallendem Unterschiede in eine (jB) 
smaragd- oder grasgrüne Axen- und eine (0) grünlich- oder bräun- 
lichgelbe Basisfarbe. — Dichroismus war an einigen Kr. zu beob- 
achten , einen fand ich bräunlichgelb in der Richtung der Axe, 
ülgrün senkrecht darauf gesehen. 

Das speci fische Gewicht der grünen Mussa-Kr. ergab 
sich im Mittel von 24 sorgfältigen Bestimmungen 

3-408 
mit den Grenzen . . 3-364 — 3-479. 
Rammeisberg fand 3-407*). 

B. B raune Varietät. 

Die Kr. dieser manganhältigen Varietät von der Mussa-Alpe 
erscheinen gewöhnlich als schlanke Säulen, deren Umriss durch das 
vorwaltende (100) bedingt wird; die Flächen von (110) und an- 
deren Prismen — von welchen nur ausnahmsweise (120) und (130) 
nachgewiesen werden konnten — treten in der Regel gegen die 
ersleren Zurücks). Nur zuweilen stellt sich eine (110) Fläche breiter 
ein und bewirkt einen vorherrschend dreiseitigen Umriss. Annähe- 
rungen vielflächiger, vertical geriefter Säulen an cylindrische For- 
men kommen zumal bei den dickeren Kr. Yor. 

In der Art, wie die Säulen zum Abschlüsse gelangen, lassen sich 
dreierlei Typen unterscheiden. 

Hab. 1. Die (001) erscheint allein an dem freien Krystallende. 
Fig. 35. 

Hab. 2. Um die vorwaltende (001) ist ein schmaler Flächen- 
kranz entwickelt. Fig. 36 und 37. 

Hab. 3. Die (001) und die Randflächen sind gleichmässig 
ausgedehnt. Fig. 38. 

In diesen Typen wurden beobachtet: 
|(00i), (117), (115), (111), (331), (101), (132), (131), (110), (120), 
\ oP fiP %P P 3P P~ »4P3 3P3 coP o*P2 

((130), (100). 

\ ooP3 ooPos 



i) Minernlchemie 1860, S. 736. 
') Vergl. S. li'i. 



Krystallographische Studien über den Idokras. 7 1 

Der Hab. 2 erinnert an manche Kr. vom Findelen-Uletscher 
hei Zermatt; auch die Flächenmerkmale einzelner Krystallformen 
stimmen zum Theil mit jenen der Zermatter, zum Theil mit jenen 
der grünen Mussa-Kr. überein (s. Fig. 39 u. 40). So fehlt hier 
auf c(001) nur sehr selten die Täfelung durch mehr weniger häu- 
fige, quadratische, mit den Kanten zu (110) parallel gelagerte 
Blättchen und sind auch einzelne Lamellen-Enden in Linien in dieser 
Richtung hinziehend, zu bemerken. 

Auf p(lll) treffen wir theils pentagonale Blättchen wie an den 
grünen Mussa-Kr. oder auch reetanguläre wie an den Kr. vom Fin- 
delen-Gletscher; ausserdem auch noch zuweilen horizontale Rie- 
fung. Dieselbe Fläche der Kr. von Rympfischweng bei Zermatt 
trägt die fünfseitigen Blättchen in gewendeter Lage. 

#(331) ist immer parallel mit der Kante zu (110) gerieft oder 
treppig abfallend. 

Auf s(131) zeigen sich oft sehr deutlich Schuppen, dreiseitig 
begrenzt durch Linien parallel den Combinations-Kanten mit den 
benachbarten Flächen von (132), (110) und (100); sie liegen einzeln 
oder dachziegelartig übereinander auf der überdies oft noch parallel 
mit (100) gerieften Fläche. Hier lässt sich das Entstehen der für 
die Flächen von (131) überhaupt charakteristischen Riefung, durch 
das seitliche Verschmelzen und das Überlagern mit dem nach (100) 
gerichteten Rande einzelner trigonaler Schuppen verfolgen. 

Auch auf £(132) zeigen sich dreiseitige Blättchen, aber hier 
liegen sie umgekehrt mit einer Spitze gegen (001) gewendet 1 ), 
und durch Linien parallel den Kanten mit den benachbarten Flächen 
von (Hl) und (132) und der unterhalb liegenden Fläche von (131) 
begrenzt. Eine dieser Seitenlinien und zumeist die zu einer anlie- 
genden Fläche von (111) parallele, ist auch als Riefungsrichtung 
zu beobachten. Es gelingt nur selten diese Merkmale auf (132) 
nachzuweisen, sie verschwinden meist unter vollkommener Ebenheit 
derselben. 



f ) Nur an einem Kr. fand ich auf 1 Flächen von (132) die Schüppchen mit der Spitze 
nach ahwärls gerichtet, während sich auf drei anderen noch vorhandenen Flächen 
einfache Riefung- zeigte. 



t Z Zepharövich. 

Combinalionen. 

Fig. 35. c(001), «(100), m(110). 

Viel häufiger als grüne sind braune einfache achtseitige Prismen 
als Grundgestalt vielseitiger oder cylindrischer Säulen in den ver- 
schiedensten Höhe- und Breite- Dimensionen, und ist an diesen 
zum Unterschiede von ersteren, meist « breiter als m angelegt 
(s. Fig. 32). 

Fig. 36 und 37. c(OOl), p(lll), *(331), /(132), s(13I), 
«(100), w(110). 

Repräsentanten des zweiten Typus, nach obigem der nächst oft 
vertretene. Seltener sind (111) und (331) allein anzutreffen. 
Immer treten die Pyramidenflächen unvollzählig auf, so dass sie aus- 
schliesslich oder vorherrschend nur an einer Seite von (001) er- 
scheinen. — Dieselbe Unregelmässigkeit der Ausbildung gilt auch 
für den dritten Typus, dargestellt durch 

Fig. 38 mit den oben bezeichneten Flächen. 

Viele von diesen Kr., welche ich sämmtlich den Herren Sella 
und Gastaldi in Turin verdanke, Hessen vorzügliche goniome- 
trische Beobachtungen zu, aus welchen ein Parameterverhältniss, 
etwas abweichend von jenem für die grünen Kr. derselben Localität 
folgt (s. S. 25). 

Aus einer grösseren Reihe specieller Daten gebe ich hier 
einige 

Messungen einzelner Krystalle. 

1. c(001), .p(l'li). *(331), o(101), i(132), s(131), «(100), 
j»(110). 

Fig. 39, gelblich rothbraune, durchsichtige, 17 Mm. hohe und 
4 Mm. breite Säule. 

p iC = 37° 1414' (i) p 4ö4 _, 64° 40' (2) 

p iC = 37 13% (2) ent = 90 ( 3 ) 

;j 4W?4 = 52 48 ' (1) r «, = 90 ( 1 > 

rm 4 = t)0 1 (1) ca 3 = 90 3</ 3 (1) 

ca s = 90° 2i/2 (1) 

2. c(001),^(lll), *(331), e'(132), s(13i), «(100), w*(110). 
Fig. 40, ausgezeichnet schönes . glatt und glänzend-flächiges 

Individuum; rothbraun, durchsichtig. 

Pk c = 37° lo 3 4 ' (2) /,s 7 = 19° 10' (2) 

Pi c = 37 IG 1 i 8 «a = 19 10 8 / 4 i 1 » 



s 8 c = 59 


33 % 


(2) 


ca t == 90 





(3) 


ca 2 = 90 


1 


(3) 


ca s == 90 


2 


(3) 


ca k = 90 


1 


(3) 



Krystallograghische Studien über den Idokras. 73 

Pl m t = 52 44% (3) 

cm, =90 1 (3) 

' Wl = 50 42% (2) 

Pl a t = 64 41 (2) 

z 7 c = 40 18% (3) 

3. Hochsäuliger Kr. ganz ähnlich dem in Fig. 40 dargestell- 
ten; mit den Prismen noch das seltene A(130), vertical gerieft, 
bestimmt durch die Zone [ci 7 s 7 h 7 ~]. 

Pi c = 37° 12'/ 10 * (3) i 7 c = 40° 21' (3) 

p 2 c = 37 12 (3) i 8 c = 40 20 % (3) 

Pi c = 37 13 % (3) t'^s = 33 39i/ 4 (3) 

p iPa = 50 39% (3) t lft = 16 49 V, (3) 

Pl/ , 4 = 50 41 V a (2) t tf4 == 16 48 '/ 2 (2) 

^,04 = 64 371/3 (2) i, Pk == 16 493/4 (3) 

p ä a 2 = 64 43 % (2) i sPi = 16 50 1/4 (3) 

p k a k = 64 49 (2) ij«, = 19 8 (3) 

t z c = 66 18% (3) **8* 8 = 19 10 (2) 

i lC = 40 19% (3) i'cmt — 73 11 % (2) 

* 8 c = 40 21% (3) s iPi = 29 34% (3) 

s löl = 35° 5«/ 4 (3) 

4. Ähnlich den beiden vorigen, mit einer Fläche von o(117); 
« 2 und a 3 mit verworren gelagerten Säulchen bedeckt. 

lh c = 37° II1/4' (2) n h c = 90° 1%' (3) 

P4C = 37 16i/ 2 (2) oV s 6 14% (a) 

^ lC = 37 14% (3) ^c == 40 21% (3) 

Pinil = 52 46% (3) ioc = 40 2iy 6 (3) 

i 8 c = 40° 231/4 (3) 

Jj. Breite Säule geschlossen durch die sehr glatten c(00i), 
p(lll), *(331), i(132) und s(131); rothbraun durchsichtig. 

Pi c = 37° 14%' (3) i a c = 40° 20%' (3) 

t iPi = 29 4% (3) i 8 s 8 = 19 11% (3) 

t x nn = 23 41 Va (2) * 8 ^ = 59° 32' 

cm, = 90° %' sie = 59 37% (3) 

hai = 49° 38' (3) 

*,*„ = 24 32i/ 3 ( 3) 

s s(h = 74° 10% ' 

Pl z 8 = 16 50 (3) 

6. Kleines glattflächiges Kr.-Fragment, Combination wie oben 
mit sehr wenig ausgedehntem (101). 

Pk c = 37° 13'/ 2 ' (3) 

i lC = 40 221/4 (3) 
s 7 e = 59 33 Vi (3; 



74 



Z e p Ii a r o vi c h. 



Mittelwerthe aus allen Messungen an braunen Mussa-Krystallen '). 



Winkel der Normalen 


n 


S(P) 


/(Hl) :c(001) 


37° 13' 52" 


15 


34 


m'(HO) 


52 46 5 


5 


10 


«'(100) 


64 40 35 


8 


16 


^ 2 (lil) 


50 40 56 


3 


7 


d'(117) : c(001) 


6 14 49 


1 


« 


£'(115) : r(001) 


8 34 40 


1 


« 


<'(331) : c(001) 


66 17 35 


8 


18 


/(lll) 


29 5 48 


6 


13 


m'(HO) 


23 40 52 


4 


6 


«'(100) 


49 38 43 


3 


5 


z'(312) : c(OOi) 


40 20 


23 


51 


A'(310) 


49 18 59 


1 


2 


»n 2 (lTO) 


73 11 30 


1 


2 


/>'(111) 


16 50 29 


6 


15 


*'(131) : c(001) 


59 32 21 


16 


36 


«'(100) 


35 4 24 


3 


7 


« 4 (010) 


74 11 13 


3 


6 


A'(310) 


30 16 11 


1 


1 


//(Hl) 


29 34 38 


4 


8 


*'(331) 


24 32 20 


2 


7 


f(312) 


19 11 39 


14 


29 


4(312) 


33 39 9 


4 


9 


m'(HO) : c(001) 


90 45 


8 


15 


«'(100) 


45 51 


4 


7 


«'(310) : ^(001) 


90 1 


1 


2 


«'(100) : c(001) 


90 1 14 


13 


30 


ß 4 (010) 


90 18 


4 


8 



Die Farbe des Mangan -Id., ein helleres oder dunkleres 
Braun, — Haarbraun, Nelkenbraun oder ein reines Dunkelbraun — 
gibt durch das Dichroskop, senkrecht auf die Prismenaxe betrachtet, 
zwei sehr ähnlich gefärbte Bilder, wovon das E mehr in's Gelbe, das 
mehr in's Rothe neigt. Säulen von 7 Mm. Durchmesser sind noch 
durchsichtig. 



') S. Tafel der Berechnungen S. 30 — 37, Colonne K. 



Kryst allographische Studien über den Idokras. i «) 

Das specifische Gewicht fand ich im Mittel aus 14 VVä- 
gungeh 

3-479 
mit den Grenzen 

3-424 — 3-582 

also höher als jenes der grünen Kr. von dieser Localität, entspre- 
chend den Resultaten der chemischen Untersuchung *) der beiden 
Varietäten. 

Schweiz» 

Nordwärts der piemontesischen Localität Gressoney, jenseits 
der Gletscherfelder des Monte Rosa, liegen in der alpinen Hoch- 
region die Fundorte, im Nikolai-s) und im Saas-Thale, dem 
westlichen und östlichen Arme des Visp -Thaies in Ober- Wallis. 
Über diese verdanke ich die folgenden Angaben meinem verehrten 
Freunde Prof. Kenngott in Zürich. 

An der Rymp fisch weng, gegen den Grat der Täsch-Alpe zu, 
und an dem benachbarten Strahl hörn, welche beide denFindelen- 
(Finnelen-)Gletscher — imNikolai-Thale bei Z er matt — nordwärts 
begrenzen, erscheinen in dem chloritischen (Pennin) Schiefer grössere 
Ausscheidungen von derbem braunen Id. mit eingemengtem Pennin; 
in diesem sind in Nestern, Klüften und Adern, liegend oder stehend, 
Id.-Krystalle aufgewachsen, einzeln oder unregelmässig gruppirt, 
zuweilen auch in paralleler Stellung aneinander gefügt. Als Begleiter 
finden sich Pennin 3 ), bisweilen die Basisflächen des Id. schuppig 
überdeckend, Granat 4 ), seltener kleine weisse Calcit-Krystalle 
( — i / 2 R) und nadel- oder schilfförmige weisse Kryställchen von 
Grammatit. 

Vom Mittags hörn, südlich von Saas im Saasthale, gegen 
den Feegletscher zu, stammen nadeiförmige bis stengelige braune 
Id.-Krystalle. Ausgezeichneter und jenem von Mussa sehr ähnlich ist 
das Vorkommen vom Feegletscher selbst, besonders auf der insel- 
förmig aus dem Eise steil aufragenden „Gletscheralp". Die schönen 



i) Rammeisberg, Min. Chemie; Descloizeaux Min. I. 281 f. 

2 J Schon 1806 von Escher als ein bekannter Fundort bezeichnet (Leonh. Taschen!» 

I. 333). 
3 ) Kenngott. Übers, miner. Forschungen. 1858, 62. 
*) F. Wiser, Leonh. u. Br. Jahrb. 1843, 299. 



7" 6 Zepharovich, 

Drusen von Id. in gleich gewählter Begleitung wie zu Mussa, erschei- 
nen in Nestern und Klüften eines Gemenges von hellgrünem Id. und 
dunkelgrünem Pennin. Nach Hess e nberg J ) ist das Muttergestein 
ein dichtes Gemenge von Granat und Diopsid-Massa, wie auch auf 
der Mussa- Alpe 3 ). 

Am Hügel oberhalb der Kirche von Tarasp, am Inn imUnter- 
Engadin, sind nach Wiser 3 ) kleine mehr weniger deutliche 
Säulchen — gelblichgrün, durchscheinend bis halbdurchsichtig, 
fettig glasglänzend — in silberweissem, stellenweise etwas grau- 
lichem Talk eingebettet 4 ). 



I. Krystalle von der Rympfischweng bei Zermatt. 
Ein ganz eigentümlicher Combinations-Typus, das Vorkommen sel- 
tener, zum Theil ganz neuer Flächen, eine tiefschwarze Farbe und 
gänzliche Undurcbsichtigkeit verbunden mit lebhaftem Glasglanze, 
unterscheiden diese Krystalle in auszeichnender und auffallender 
Weise von denen anderer Fundorte 5 ). Die grösste der mir vorlie- 
genden Säulen, ringsum nicht vollständig ausgebildet, misst im 
Querschnitte IS und 11 Mm. Sehr kleine Kryställchen zeigen sieb 
daneben in Drusen und sind bei gleichem äusseren Ansehen durch- 
scheinend mit rothbrauner Farbe. 



i) Mineralog. Notizen Nr. 5. Frankfurt 1863, S. 23. 

2 ) Champeaux fand Id. in den Moränen des Saas-Thales. (ßernouilli geogn. 
Übers, der Schweiz 1811, S. 1.S0.) — Einen Fund von einer andern Localität in 
Ober- Wallis — kolophoniumbrauner Id. aus dem A n t i g r e i o - Thale (Seitenast 
des Binnenthaies) bei Viesch — erwähnt ßernouilli in einem Schreiben an K. 
Leonhard. (Taschenb. VII, 1813.) 

3) Leonh. u. B r. Jahrb. 1849, 803. 

*) Als Seltenheit fand Wiser (Leonh. und ß r. Jahrb. 1841. 92; 1S43, 303) ein 
schwarzes glänzendes Säulchen von Id. (?) oder Rutil (°©/\ °o/>oo, °©P3, P, 
Poo, oP) umgeben von kleinen Bitterspath-Rhomboedern in dem feinkörnigen 
schneeweissen Dolomit von Campo longo, bei Dazio grande in Tessin , einge- 
wachsen. — Die Angabe des Vorkommens von Fieudo am St. Gotthard 
selbst (Südseite), beruht nach Wiser auf einer unrichtigen Bestimmung des 
zirkonähnlichen aber wenig über 4 harten Minerales (s. G. L eo nhard's topogr. 
Miner. 1843, 292). 

5 ) Nach Übereinstimmung in Form und Farbe ergab sich auf den ersten Blick, dass 
auch ein ausgezeichnet schöner Krystall aus dem k. k. Mineraliencabinet in Wien 
(Nr. * ö /s5) angeblich vom Vesuv, von demselben Fundorte stammen müsse, eben so 
auch zwei andere Krystalle, welche in den Fig. 4ö u. 4C abgebildet sind. 



Krystallographische Studien über den Idokras. 7T 

Ali den, in den Fig. 41 — 46, Taf. VII u. VIII, dargestellten Kr. von 
der Bympfischweng Hessen sich Flächen folgender Formen ermitteln: 

(00t), (116), (114), (113), (111), (221), (331), (101), (212), (737), 

0P %P i/ 4 P y 3 P P 2P 3P P~ PZ P% 

(313), (312), (311), (110), (120), (100). 

P3 3 / 2 P3 3P3 coP co PI coPoo 

Die neue oktogonale Pyramide (737) erscheint mit schmalen, 
langen und ganz glatten Flächen als Abstumpfung der Combinations- 
kante von (113) und (132), ausserdem fallt sie mit (313) in die 
Zone [101, 111] und zwiscben diese Flüchen, und ist daher durch 
ihre Lage vollkommen bestimmt. Der geringen Breite wegen wirrt 
das Fadenkreuz nur undeutlich reflectirt. Die gleiche allgemeine 
Position hat ferner eine zweite neue oktogonale Pyramide (212), 
von welcher eine Fläche mit sehr geringer Ausdehnung auch in der 
Zone [113, 311] beobachtet wurde — und die seltene (313), für 
welche bereits von Kokscharow Messungen vorlagen 1 ). 

So wie*Art und Entwicklung der Formen im Ganzen ein eigen- 
tümliches Gepräge diesen Krystallen ertheilen, ergaben sich auch 
feinere Unterschiede von jenen anderer Fundorte durch die Spuren, 
welche die krystallbauende Thätigkeit auf den Flächen zurück- 
gelassen. 

Auf der breit angelegten c(00l) findet man Avieder das bekannte 
System von feinen Linien, welche von den vier Kanten mit (hhf) 
aus und denselben parallel, gegen das Innere sich folgen und sich 
als das Piesultat einer treppenförmigen Schichtung äusserst dünner 
rechtwinkeliger Lagen darstellen. 

War die Fläche, wie in Fig. 42, durch einen andern Krystall 
der Druse in ihrer seitlichen Fortbildung gehemmt, so ist eben an 
den Berührungsecken mit dem Hindernisse eine raschere flach- 
pyramidale Aufschichtung quadratischer Blättchen bemerkbar. Auf 
den Eintritt eines lebhafteren Bildungsvorganges dürfte es hindeuten, 
wenn, wie in Fig. 44 dargestellt, die eben beschriebene Fläche 
regellos mit einer Unzahl kleiner Schüppchen besäet erscheint. Bei 



i) Mater, zur Miner. Russiands Bd. I, S. 104, Taf. XI, Fig. 14. Ausser der Pyramide 
P3 erwähnt Kokscharow an Achmatowsker Krystallen eine zweite unbestimmte 
Pyramide Pn als Abstumpfung der Kanten zwischen P und Poo , welche wahr- 
scheinlich mit einer der obigen Formen PI oder P 7 ' 3 identisch sein dürfte. 



78 Zepharoyich. 

einiger Vergrösserung zeigt sich diese Fläche wie dicht gepflastert 
mit Täfelchen, deren jedes seitlich durch äusserst schmale Pyrami- 
denflächen eingerahmt ist, die grössten mit geradlinig-rechtwinke- 
liger, die kleineren und kleinsten mit rundlicher Begrenzung, stark 
abgestutzten konischen Gestalten ähnlich und eine chagrinartige 
Oberfläche erzeugend. — Immer aber sind die rechtwinkeligen 
Täfelchen, wo sie auch auf der abgestuften Unterlage erscheinen 
mögen, mit ihrer Einfassung parallel zu der Kante (001:111) 
gelagert und nicht selten sind die grössten unter ihnen seihst 
wieder mit einzelnen rundlichen Blättchen oder Häufchen von sol- 
ohen bedeckt. 

Auch die schmale Pyramide #(113) gibt an demselben Kr., 
Fig. 44, einen raschen Bau zu erkennen; zart drusig anzusehen, ist 
sie in ihrem unvollendeten Zustande aus kleinen Hervorragungen 
zusammengesetzt, von denen einige in Form von Dreiecken mit der 
Spitze gegen (001) gewendet, bei der Einstellung von (113) 
reflectiren, während die Mehrzahl, kleine Dreiecke in der gewen- 
deten Stellung, mit der glatten, zunächst sich anschliessenden 
(111) Fläche einschimmern. An dem Kr. Fig. 42 und einem ande- 
ren ganz ähnlichen hingegen, ist die Pyramide (113) mit ebener 
glänzender Oberfläche am weitesten in dem Flächenkranze zwischen 
(001) und den Prismen ausgedehnt und bedingt hierdurch den 
eigentlichen Combinations-Typus. Äusserst zarte, oft dichotome Linien 
ziehen auf ihr ziemlich gleichlaufend mit der Kante (001:111) 
hin, nur wenig die glatte Oberfläche störend, während dreiflächige 
Vertiefungen dieselbe stellenweise unterbrechen. Diese Vertiefun- 
gen erscheinen als kleine mit der Spitze gegen (111) gerichtete 
deltoidische Dreiecke, deren Seiten parallel sind zu den Kanten 
der genannten Fläche mit (001), (011) und (101) und es erglän- 
zen die einzelnen einwärts gerichteten Flächen der Vertiefungen zu- 
gleich je mit den an (113) grenzenden (101), (011) und (Hl). 
Einzeln oder wie nach einer Schnur aneinander gereiht, erstrecken 
sich diese Vertiefungsecken, auch über die schmale Leiste, als 
welche, zwischen (001) und (113), die Flächen (116) oder (114) 
erscheinen. — Vergleichen wir in den besprochenen Kr. die Dreiecke, 
welche die Lage von (llii) selbst besitzen, mit jenen der Vertie- 
fungsgestalten auf (113), so finden wir dieselben in entgegen- 
gesetzter Stellung, wie es in der That auch der Vorstellung über 



Krystallographische Studien über <len rdokras. 79 

die gegenseitige Lage von Flächenelementen und Lücken, durch 
mangelhafte Einigung derselben, entspricht. 

In gleicherweise wie an den Mussa-Kryst. sind an den Kryst. 
dieses Fundortes die Flächen von p(i\i) und &(132) gezeichnet, nur 
hefinden sich hier auf (111) die Lamellen, sobald sie bestimmt cou- 
tourirt sind, in einer umgekehrten Lage. Die penlagonalen Ta- 
felchen (1. Art, siehe S. 57) sind nämlich mit dem stumpfen 
Winkel gegen aufwärts (001) gewendet, während derselbe an den 
Mussa-Kr. abwärts gegen (110) gerichtet ist. 

Leicht hemerkt man auf den Flächen von (132) (Fig. 42 und 
44) Lamellen, begrenzt in paralleler Richtung mit den Kanten gegen 
die anliegenden (111) und (011); sie lagern dachziegelartig über 
einander und kehren den Winkel von 90° gegen (001) Neben 
diesen oder auch auf die ebene Fläche sind hingestreut sehr kleine 
Schüppchen, welche begrenzt sind durch zwei längere Seiten eben- 
falls gleichlaufend mit den Kanten (132 : 111) und (132 : 011) und 
durch zwei kürzere Seiten, die einen sehr stumpfen Winkel bilden. 
Die beiden letzteren Seiten scheinen, als gebrochene Linie auf- 
gefasst, die Richtung der Kante (132 : 131) einzuhalten. 

Die Pyramide £(331) ist sehr fein horizontal gerieft. Auch 
auf $(131) zeigen sich wie auf (132) Lamellen und einzelne Blätt- 
chen. Hier sind die Blättchen Dreiecke mit parallelen Seiten zu den 
Kanten von (131) mit (132), (010) und (110) und haben die- 
selben den stumpfen Winkel nach abwärts — gegen (HO) — 
gerichtet *). 

Die Prismen sind vertical gerieft und zwar ?w(110) stärker als 
«(100); auf ersterem ist der lamellare Bau deutlich ausgeprägt 
durch mehr weniger breite glänzende Bänder zwischen schimmern- 
den Streifen, letztere durch die einzelnen wellig begrenzten La- 
mellen bedingt. 

Fig. 41 und 42. c(001), *<116), 5(113), p(iii), 6(221), 
£(331), o(101), *w(212), *w(737}, .r(313), e(312), s(311), 
w(110), «(100). 

An diesem ausgezeichneten, 11 Mm. hohen und breiten, mit 
mehreren kleineren verwachsenen Kr. Hessen sich mit grösster 



i) Estragen demnach die Flachen (132), (131) und (331) an den Krystallen von 
Rympfischweng- und an den rothbraunen Mussa-Krystallen, die gleichen Merkmale. 



80 



Z e p h a r o v i e h. 



Genauigkeit die auf Seite 26 genannten Winkel messen, welche 
mit den aus dem Axenverbältnisse: a : c = 1 : 0*537 1 99 berech- 
neten übereinstimmen. 

An demselben Kr. ist die Neigung 

c(001)://(lll) = 37° 11' SO' 
c(001):^ 3 (TTl) = 37 12 2 
c(00i):_p 4 (lli) = 37 1 22 

und es liegt die eine so abweichende Kante (cp 4 ) gegenüber jener 
((*p 2 ), an welcher die Verwachsung mit einem anderen Individuum 
stattfand, wodurch sich die auffallende Differenz gegen die beiden 
anderen fast gleichen Kanten erklärt; aus p 4 m 4 folgt p 4 c = 37 
13' 29". Die breit angelegte c gibt überhaupt mehrere Fadenkreuze 
neben einander und daher keine verlässlichen Resultate. Dasselbe 
gilt auch für die beiden anderen Kr. von demselben Fundorte. 

Der Seite 76, Anm. 5 erwähnte Kr. aus dem Wiener Mineralien- 
Cabinet, ein niederes Säulenfragment. 15 und 10 Mm. breit, ist ganz 
ähnlich der Projection Fig. 42; es fehlen nur die Flächen von 
(212) und (221), und statt (116) erscheint (114); (113) ist 
ebenfalls sehr breit entwickelt. 

Eine auffallende Abweichung von der idealen Lage besitzen 
die breiten Flächen von (113) an den beiden oben besprochenen 
Exemplaren. Ich erhielt an dem in Fig. 41 und 42 dargestellten 
Kr. (A), an einem kleineren angewachsenen (Z?), und dem Kr. aus 
dem Wiener Cabinete (C) : 







G e in e s 


s e 


n 




Gerechnet 


(4) 


n | (5) 


■ 


(CJ 


n 


Sc 


13° SÄVa' 


4 


— 


— 


13° 47i/ 3 ' 


2 


14° 12%' 


Sp 


23 isy 4 


3 


23° 11' 


1 


23 26% 


1 


23 0% 


Sm 


76 5 


1 


— 


— 


— 


— 


75 47 % 



Es ist jedenfalls bemerkenswert!), dass an drei verschiedenen 
Kr. die Winkel von $ zu den benachbarten Flächen nicht einen 
bedeutenderen Unterschied unter sich aufweisen, ein Umstand, der 
insbesondere bei der Genauigkeit der Messungen am ersten Kr. 
veranlassen müsste, die Fläche nicht als (113) zu betrachten, wenn 
übereinstimmende Beobachtungen an mehreren und auch an kleine- 
ren Kr. vorliegen würden. 



Krystallographische Studien über den Idokras. 



81 



Mit Übergebung der directen Messungen von Sc — wegen der 
Beschaffenheit von c unsicher — ergibt sich als Mittel 

pä = 23° 17%', n = 5 

und daraus würde — wenn pc — 37° 13 1 /.}' angenommen wird — 

de = 13° 55% ' 

und für ^ der Index (1, 1, 3062) folgen; an ähnliche erinnernd, 
welche Kokscharow für zwischen (311) und (411) liegende 
oktogonale Pyramiden berechnet hat. 

Wie in der Zone mc , weichen auch die Berechnungen der 
Kanten von $■ und Flächen anderer Zonen, mehr weniger von den 
Messungen ab. So ist am Kr. (Ä) 





gemessen 


n 


berechnet 




28° 24' 50" 
17 57 28 


1 
3 


28° 14' 1" 
17 49 55 



Nimmt man aber statt dem normalen Winkel (113 : 001) 
= 14° 12 3 / 4 ' den wirklich gemessenen der einen Kante 
#(1, 1, 3-06) : c(001) = 13° 57' 10" in Rechnung, so folgt 

ä'i* = 28° 26' 21" to*y = 18° 2' 15" 

welche Werthe mit den obigen Messungen natürlich gut stimmen 
und die Richtigkeit der Indices (737) der neuen Fläche w mit be- 
stätigen. Noch wurden gemessen die Kanten 

y * = 20° 35' 5" 3'»' = 18° 8' - (a) 

SV = 47 20 5 S'x' = 17 55 - («) 

Unterhalb t' zeigte sich am Kr. Fig. 41 eine schmale Fläche, 
welche schwach das Fadenkreuz reflectirte; die unsichere Messung 
ergab den Winkel zu 

m' = 21° 51' 37" 

woraus der Winkel zu 

t' = 1° 50' 

folgen würde, während eine directe aber ganz approximative Messung 
denselben mit 2° 3' 40" bestimmte. Nach der ersteren Angabe 
würde die Fläche mit (3-28; 3-28; 1) annähernd = i%Pzu be- 
zeichnen sein. 

Sitzb. d, mathem.-naturw, Cl. XUX. Bd. I Abtli. q 



82 



Zepharovic h. 



Fig. 43 und 44. c(001), *<116), .5(113), ^(111), *(331) 
o(101), *(312), s(311), *w(737), »i(iiö), «(100), 

Breite niedere Säule mit 10 Mm. Seite, begleitet von kleinen 
weissen Calcit-Kr. (— y a R); (001) und (113) nicht gut reflecti- 
rend; sämmtliche Flächen deutlich parkettirt oder gerieft. 

Fig. 45. c(001), 3(113), p(lll), *(331), o(101), #(313), 
t(312) s(311), «(110), f(210), «(100). 

Die Skizze zu dieser Zeichnung verdanke ich Herrn Hofralli 
Haidinge'r. Dieselbe hatte die Überschrift: „schwarzer Id. von 
Brozzo, Piemont". Dort kommt aber nach Gastaldi's freundlicher 
Mittheilung Id. nicht vor. Die Ausbildung der Combination, das 
Auftreten der seltenen (313), so wie die Farbe lassen annehmen, 
dass der Kr. von dem hier behandelten Fundorte stammte. 

Fig. 46. c(001), 3(113), p(lil), o(101), s{311), m(110), 
«(100). 

Entworfen nach einem 11 Mm. breiten und 8 Mm. hohen Frag- 
mente eines grossen schwarzen Kr. aus dem Wiener polytechnischen 
Institute ohne Angabe des Fundortes. Die Ausdehnung von (113), 
die Oberfläche derselben und von (001), (101) und (110) ent- 
sprechen vollkommen den Kr. von Rympfischweng. Mit dem Contact- 
Goniometer bestimmte ich: 



3c 



14° 7" 
75 53 



90° 0' 



Mittelwcrthe aus allen Messungen der Krystalle von Rynipfischweng. 



Winkel der Normalen 


n 


S(P) 


;/(lll) : c(001) 


37° 13' 


12" 


4 


7 


ro'(HO) 


52 46 


46 


7 


9 


e'(116) : c(001) 


7 18 


15 


2 


a 


vj'(H4) : c(001) 


10 21 


- 


1 


a 


*'(33i) :/(1ll) 


29' 4 


47 


4 


7 


m'( 110) 


23 42 


10 


3 


4 


o'(IOl) : ,(001) 


28 4 


45 


2 


5 


a'(10Ö) 


61 52 


— 


1 


1 


//(1I1) 


25 19 


20 


1 


3 



Krystiillog-iaiihische Studien über den [clokr; 



s:t 



Winkel der Normalen 


n 


S(P) 


»'(212) :/(Hl) 


11 4o — 


1 


a 


s'(311) 


29 39 13 


1 


a 


w'(737) 


2 6- 


1 


a 


w'(737) :/(lll) 


13 52 16 


3 


5 


o'(101) 


11 25 2 


2 


u 


? '(312) 


10 29 3 


5 


a 


.r'(313) 


2 27 - 




a 


a/(313) : c(001) 


28 53 - 




a 


o'(10i) 


7 31 15 




a 


i'(312) 


11 27 - 




a 


t'(312) : c(001) 


40 19 10 


2 


4 


«"(312) 


23 40 35 


2 


4 


s'(311) 


19 11 15 


4 


10 


6(311) : a'(100) 


35 8 - 




2 


/(lil) 


29 34 10 




2 


«"(311) 


31 42 10 




3 


o'(lOl) 


33 37 - 




2 


m'(110) : e(001) 


90 - - 




2 


m"(110) 


90 - - 




2 


«'(100) 


45 2 50 


3 


7 



Die vorstehenden Messungen sind mit der zweiten Colonne der 
berechneten Werthe (K), Seite 30 — 37, zu vergleichen. Die Über- 
einstimmung der Messung und Rechnung für die Flächen von (212), 
(737) und (313) kann, da dieselben ihrer geringen Entwicklung 
wegen nur eine approximative Bestimmung zuliessen, wohl als eine 
ganz genügende betrachtet werden. Die Indices dieser Flächen 
folgten unabhängig von den Messungen aus ihrer sicher nachweis- 
baren Lage je in zwei verschiedenen Zonen. 



$4 Z e p h a r o v i c li. 

II. Einen ganz andern Typus besitzen jene Individuen, welche ich 
unter der Bezeichnung: „Krystalle vom Find elen- (Finnel-) 
Gletscher bei Zermatt" von Prof. Kenngott, und „Zer- 
matt« allein, von Dr. Krantz erhielt. (Fig. 47 — Sl.Taf.VIIIu.IX.) 

Es sind kleine kurzsäulige Combinationen von dunkelbrauner 
Farbe und undurchsichtig, oder bei kleineren Dimensionen und 
hellerer Färbung, durchsichtig mit einem Stiche in's Grüne, mit den 
Formen: 
(001), (111), (113), (331), (101), (312), (311), (HO), (120), (100). 
oP P %P 3P Pcc %P3 3P3 eoP ocFZ ocPoo 

Die (001) schliesst, oft vorwiegend ausgedehnt, die Säule, 
den Pyramiden nur wenig Raum zur Entwickelung lassend. Sie ist, 
wie auch an den Krystallen anderer Fundorte, durch kleine recht- 
winkelige, oft quadratische Blättchen getäfelt, welche zuweilen nach 
den Diagonalen schwach erhöht oder mit sehr stumpf angesetzten 
Leistchen eingerandet sind. Ausserdem gewahrt man auf dieser 
Fläche Aufschichtungen von rechtwinkeligen Lamellen, diese mit 
ihren Seiten immer parallel zu dem Prisma (HO) und daher auch 
zu den einzelnen Täfelchen, gestellt. Zuweilen zeigt sich nur an 
einer Stelle von (001) ein System von übereinander lagernden 
kleineren Blättehen, während man in arideren Fällen verschiedene 
solche Systeme oft scharf gegen einander abgegrenzt, wahrnimmt; 
dann gelingt es auch meist auf den Pyramiden oder Prismenflächen 
eine Trennungslinie weiter zu verfolgen, zwei oder mehrere Indivi- 
duen nachzuweisen, die in ihrer Vereinigung den scheinbar ein- 
fachen Kr. bilden. Häufig sind solche Kr. -Aggregate schon durch 
mehr weniger auffallende Unterschiede in den Dimensionen der ein- 
zelnen, parallel oder doch annähernd parallel geeinten Individuen 
bezeichnet. Die kleinen Parkettäfelchen aber sind ohne Beziehung 
zu den Lamellensystemen ganz regellos über dieselben verbreitet, 
sie sitzen eben so auf den einzelnen Stufen, wie auf den obersten 
Lagen; nur ausnahmsweise bringen sie hie und da eine Überein- 
anderfolge von Lamellen zum Abschluss. Es darf daher die Par- 
kettirung der Basisfläche an und für sich nicht als ein Ergebniss 
der Kr.-Einigung des Id. aufgefasst werden. 

In ähnlicher Weise, wie auf (001) gibt die Beschaffenheit auf 
der (lll)-Fläche den Fortschritt eines regelmässigen lamellaren 
Aufbaues zu erkennen durch Linien, welche parallel mit der Kante zu 



Krystallogrnphische Studien über den Idokras. OO 

(001) oder senkrecht gegen dieselbe, häufig aber in diesen beiden 
Richtungen und in einer Diagonale der Fläche aneinander stossend, 
eine zarte Riefung bewirken. Auch rechtwinkelige Täfelchen ein- 
zeln oder in geschlossenen Reihen, oft mehrfach von feinen Linien 
eingerahmt, zeigen sich auf den Pyramidenflächen (Fig. SO und 51) 
ähnlich wie an den Kr. vom Vesuv (Fig. 10 und 11). 

Die achtseitigen Pyramiden sind glattflächig und die Prismen 
vertical gerieft; die letzteren gehen oft mit gerundeten Kanten in 
einander über, fassartige Gestalten bildend. 

Eine weitere Übereinstimmung der Kr. vom Vesuv und von 
Zermatt herrscht im Äusseren in den einfachen Combinationen 
(s. Fig. 1 u. 2, und Fig. 47 u. 48) , nur dass an den letzteren die, 
an Vesuv-Kr. fast nie fehlenden Flächen von (101), nur als Selten- 
heit beobachtet wurden. 

Zu genauen Messungen waren die Kr. dieses Fundortes mit 
ihren wenig ebenen Flächen nicht geeignet. Aus 10 Messungen der 
Kanten cp und pm folgt, wie Seite 27 angegeben: 

ci > = (001 :111) = 37° 12' 48" 
welcher Werth mit dem an Vesuv-Kr. erhaltenem verglichen, sich 
nur um 20" grösser zeigt. 

Sämmtliche Messungen von cp ergaben die Grenzwerthe 

37° 5' 23" — 37° 18' 29' 

jene von pm „ n 

J ' 52° 43' S2 - S2° 55* 16 

wobei die mehrfach messbaren gleichen Kanten eines Kr. um 3, an 

einem andern um 8 und um 11 Minuten differirten. 

An dem vorzüglichsten Kr. erhielt ich 

pc = 37° 12' 20" ) 

pm = 52 47 S8 t Gew. 3 

mc = 90 — - ) 

und es erklärt sich die Differenz von 18" der beiden ersteren 

Messungen gegen die letzte dadurch, dass die Fläche p nicht genau 

in die Zone mc fiel. 

An demselben Individuum, wo dasselbe aber seitlich mit einem 

andern verwachsen war, bestimmte ich 

p"c = 37° 0' i7", Gew. 2. 

Endlich ergab sich als Mittel je dreier approximativer Messungen 

sc = 39° 31' 8" 
ig = 40 23 40 



o !) Zepharoric li. 

III. Krystalle aus dem Saasthale. An den nadeiförmi- 
gen, zum Theil flächenreichen Kr. vom Mittagshorn südlich von 
Saas erscheinen nach Prof. Kenngotfs brieflichen Mittheilungen 
(110), (100), (Jiko), (001), (111), (221) und zwei bis drei okto- 
gonale Pyramiden, und an den kurzen, breiten, grasgrünen Kr. vom 
Feegletscher am Mittagshorn, die Combinationen: (110). (111); 
(HO). (111). (001); (110). (100). (111). (001) mit zwei Pyra- 
miden (hkl). 

Fig. 52, Taf. IX, gibt eine ungewöhnliche Id. -Form von dieser 
Localität, abgebildet und beschrieben von Fr. Hessenberg *): 

m(110) . «(100) . s(13i). 
„Mit nur sehr untergeordnetem oder auch ganz fehlendem (111) 
erseheinen demnach dje Kr. durch (131) allein, steil und völlig zu- 
gespitzt, und dabei säulig stark verlängert. An (131) wurde die 
Kante: 

gemessen berechnet (A') 

Y = 134° 20' = 134° 40' 
A' = 148 43 = 148 22 

Die Kr. sind grasgrün, in's Braune fleckig verlaufend, wie es von 
den Tavetscher Sphenen bekannt ist, erreichen eine Länge bis 
10 Mm. und Dicke bis 2 Mm., finden sich aber auch daneben äus- 
serst zahlreich in winziger Kleinheit.* 

Hessenberg's Mittheilung gewinnt dadurch an besonderem 
Interesse, dass sie einen weiteren Beleg liefert zu der, durch die 
Begleiter bewirkten und bereits von Kenngott 3 ) hervorgehobenen 
grossen Analogie der Id. -Vorkommen im Ala- und im Saas-Thale. Ich 
beobachtete nämlich die gleiche Combination ebenfalls an einem 
isolirten grünen Kr. von der Mussa-AIpe (s. S. 65 Fig. 33 u. 34). 
An beiden Localitäten sind mit dem Id., Krystalle von Diopsid, 
Hyazinth-Granat, Klinochlor, von Apatit und Calcit, in Drusen auf 
gleichartiger Unterlage aufgewachsen. 



») Miner. Notizen Nr. li. Frankfurt 1863, S. T.i. Taf. 2, Fig. 21. 
2 ) Ühers. der miner. Forschungen 1838, S. 102; I861j S. 17. 



Krystallographische Studien über den Idokras iS7 

Tirol.i) 

I. Die Vorkommen von der Porgumer A!po am Wild- 
kreuzjoch in Pfitsch («) und von der Seh warzenst ei n- 
Alpe im Zillerthale (6), sonst ganz ähnlich, unterscheiden 
sich nur durch die Gesteinsunterlage; an der ersten Fundstelle (a) 
Allochi'oit und dichter Id., an der zweiten (b) Chloritschiefer. Die 
kleinen höchstens 10 Mm. hohen Kr., mit lebhaft glasglänzenden 
Flächen, ölgrün in"s Spargelgrüne oder Nelkenbraun, halbdurch- 
sichtig, einzeln oder in Drusen vereinigt, sind begleitet von Diopsid, 
rothein und schwarzem Granat, Calcit und Klinochlor, welch' letz- 
terer oft in den Id. -Kr. eingewachsen ist. 

Fr. Hessenberg beschrieb eine Druse aus Pfitsch mit roth- 
braunem Granat (in der seltenen Combination 202 . ooO . 3 /<iO . 
30 3 / 2 )> Id., Klinochlor und Diopsid auf einer fast dichten Unterlage, 
scheinbar einem Gemenge aus den genannten Mineralen 2). Kenn- 
gott hält nach Form und Farbe den Granat für Grossular, da auch 
das übrige Vorkommen jenem von der Mussa-Alpe ähnlich sei 3 ). 

Ein grünes derbes Mineral mit splitterigem Bruche aus dein 
Pfitsch-Thale wird ebenfalls zum Id. gerechnet 4 ). 

II. Wenig ausgezeichnet ist der Id. aus Pregratten. Lie- 
bener theilte mir mit, dass er von der Dorfer Alpe (nordöstlich 
von Wind.-Matrei) ein Exemplar erhielt, an welchem sich bei 
12-S Mm. lange und 3-75 Mm. breite säulige Kr. zeigten in einem 
(wahrscheinlich früher mit Calcit erfüllten) Hohlrau ue der gleichen, 
stengelig zusammengesetzten, lichtgrünen, kantendurchscheinenden 
Id. -Masse, welche dichten, ziegelrothen Allochroit zur Unterlage 
hat. Das Vorkommen gehört höchst wahrscheinlich dem Chloi itschiefer 
an. Früher schon gelangten von demselben Fundorte Id. in kleinen 
Kr. und derben Stücken nach Wien. — Von der Eichhalmspitz am 
Ende des Dümmelbach-Grabens (Wind. - Matrei WNW.), bewahrt 



>) L. Liebener und J. Vor haus er, Die Miner. Tirols, Innsbruck 1832, S. 140. > 
Zep har o vi ch, Miner. Lex. S. 464. — Neuere auf den Id. bezügliche Raten hat 
mir unlängst L. Liebener freundlichst mitgetheilt. 

2) Miner. Notizen Nr. 2, Frankfurt, 1838,- 9. 

3 ) Übers, der miner. Forschungen, 1838, 101. 
*) Ramm elsberg, Miner. Chemie, 1860, 737. 



8$ ZephaVovich. 

das Wiener Mineralien-Cabinet ein dem obigen ähnliches Vorkommen. 
(H. S. Nr. I. 3480.) 

Man darf wohl erwarten, auch anderwärts in der Verbindungs- 
linie der beiden letztgenannten Localitäten Id. aufzufinden. Jen- 
seits der Tauernkette im Pinzgau ist ebenfalls Id. bekannt (siehe 
Salzburg). 



I. a) Krystalle von der Porgumer Alpe am Wild 
kreuzjoch in Putsch. 

Die ungemein netten Kryställchen von diesem Fundorte zeich- 
nen sich durch ihren Flächenreichthum, bei pyramidalem oder tafeli- 
gem Typus aus. An sechs Kr. aus dem Wiener Mineralien-Cabinete 
beobachtete ich an den Taf. IX u. X, Fig. 53 und 57 dargestellten 
Combinationen die Formen: 

U001), (113), (445), (111), (885), (221), (331), (101), (201), (477) 
\ OP %P %P P %P HP 3P Poo 2Poo P% 

((121), (241), (135), (132), (131), (HO), (120), (130), (100). 
( 2P2 4P2 %P3 %PS 3P3 c»P ~/>2 **P3 ~Poo 

Mehr als an anderen Localitäten lässt hier Ebenmass in der 
Ausdehnung gleichartiger Flächen die Kr. wenig von der idealen 
Regelmässigkeit abweichen; dabei sind die Flächen meist vollkom- 
men eben und lebhaft glänzend. 

Nur an einigen Individuen Hessen sich auf (001) bei starker 
VergrÖsserung gewellte Linien oder eine schwache Erhebung nach 
den Diagonalen und auf (111) eine zarte Riefung in zweifacher 
Richtung — parallel zu den Kanten mit (001) und mit (132) — 
erkennen. 

Von den oben genannten Formen sind die octogonalen Pyrami- 
den (135) und (477) und die tetragonalen (445) und (885) neu; 
es sind aber die Beobachtungen , auf welche sich diese Indices 
gründen, sämmtlich nur wenige und unsichere. 

Die Ergebnisse der Messungen von (001:111) = 37° 12' 34" 
sind, wie S. 27 mitgetheilt, mit den an Kr. von der Sonuna und 
vom Findelen-Gletscher erhaltenen Werthen fast übereinstimmend. 
Obgleich die Mehrzahl der Beobachtungen zu den besten zu zählen 
sind, schwanken dieselben doch zwischen weiteren Grenzen, für 



Krystallographfsche Studien ülter den [dokras. 89 

(OOi : 111) zwischen 37° 10' (3) und 37° 15' 50" (3) 

(111 : HO) „ 52 47 42" (3) „ 52 43 28 (2) 

so dass eine Vervielfältigung derselben, behufs einer sicheren Er- 
mittlung des Axenverhältnisses noch zu wünschen wäre. Eine weitere 
Bestätigung des obigen Resultates , dass der wahre Werth der 
(001 : 111) zwischen 

37° 7' (17) und 37° 13*4' (Z) 

falle, liegt in dem gleichen Verhalten aller übrigen mit einiger Sicher- 
heit bestimmbarer Kanten. Aus 

(001 : 111) = 37° 12' 30" 
folgt 

a : c = 1 : 0-53690 
und daraus 

(111 : lTl) = 50° 37' 50", 

welchem Werthe das Mittel der drei besten Messungen dieser Kante 
50° 37', 37s /4 ' im d 38' = 50° 37' 35" recht nahe kommt. 

Combinationen und Messungen einzelner Krystalle von Putsch. 

1. Fig. 53 u. 54. c(001), .3(113), p(lll), ^(331), i(132) f 
s(131), »i(110),/(120), «(100). 

Kleiner, auf der Seite von p* unvollständiger Kr. mit annähernd 
vollendeter Symmetrie in seiner stark glänzenden Fläche. Nur das 
Rudiment p 3 zunächst der Anwachsstelle zeigte sich matt. Die Mes- 
sungen ergaben eine abnorme Lage von (001) zwischen zwei gegen- 
über liegenden (lll)-Flächen. 

epi = 37° li/ 3 ' (2) pY» = 74° 20' (3) 

c p 3 __ 37 19 (i) p i p z = go 34i/ 3 (3) 

cpt = 37 11 '/ 4 (2) p*p* = 50 38 (3) 

2. An zwei anderen, mehr tafeligen Kr. waren folgende Kanten 
messbar 

epi = 37° 13' 10" (2) cp* = 37° 11' 50" (1) 

cpz = 37 11 50 (2) ep* = 37 12 30 (1) 

3, epi = 37° 10 («) cp 3 = 37° 11' 40° (1) 

cp % = 37° 13' 7" (3) 



90 Zepharovich. 

4. Fig. 55 u. 56. c(001). 5(113) . p(lli) . 0(221) .^(331) . 
o(101) . «(201) . <121) . tf(241) . m(liO) ./(120) . Ä(130) . «(100). 

Fragment eines glattflächigen, theilweise an der unteren Seite 
ausgebildeten Kryställchens (Wr. M. Cab. 3457", 1857) mit dem 
seltenen (130) . c und a gaben mehrfache Fadenkreuze; andere 
Flächen mit einfachen Bildern fielen nicht richtig in ihre Zonen. 

pY~ = i05° 35" 24" (3) daraus \ V *°\ = 37° 12' 18° (3) 

pi m i = 82 45 20 (2) „ p}c =37 14 40 (2) 

pH* = 16 52 30 (2) p'{ = 16 36 (2) 

i'i'i = 23° 37' 50" (2) 

5. Fig. 57. c(001) . 5(113) . *A(445) . p(lii) . V(885). 

6(221) . o(101) . *u(477) • M 135 ) • *( 132 ) • s ( 131 ) • m(UO). 
«(100). 

Grasgrünes, durchsichtiges Kr. - Fragment (Wr. Min. C;ib. 
Nr. 146) mit den neuen äusserst schmalen Flächen 1, ix, a und -j, 
für welche ausser ihrer Zonenlage die folgenden, sehr approxima- 
tiven Messungen bestimmend waren : 

berechnet aus 
a: c = 1 : 05369 

\2p* = 6° 5' (a) 1 5° 56' 0° 

l*c = 31 16 (a) 6 31 16 30 

X2 m ' = — _ _ 58 43 30 

jiy = 13 5 («) 3 13 19 55 

fx'c = — — — 50 32 25 

(t'm* == — — - 39 27 35 

Aus der Messung \x p' würde sich für /jl der Index (83,83,50) 
ergeben; die Unsicherheit derselben gestattet aber die Annahme 
von (885), wornach sich dann an diesem Kr. das Auftreten von 
vier Pyramiden der Grundreihe, in denen paarweise sich die Axen- 
längen wie 1:2 verhalten, herausstellt, nämlich » 

P, 2/' und %P, %P. 

(477) ebenfalls äusserst schmal, zeigte sich als Abstumpfung der 
Kante p'o'. Zur Messung konnte, wie überhaupt bei allen sehr klei- 
nen Flächen, nur unmittelbar der Lichtreflex derselben, durch das, 
mittelst einer vorgeschobenen Loupe in ein sehwaches Mikroskop 



Krystallographische Slinlien über den Idokras. {) 1 

umgestaltete Beobachtungsfernrohr gesehen, benützt werden. Die 
Einstellung des intensivsten und von den benachbarten Kanten 
scharf begrenzten Flachenglanzes gelingt ganz gut und gibt ange- 
näherte Besultate, auf welche man, wenn wegen zu geringer Aus- 
dehnung der Flachen das Fadenkreuz des Beleuchtungsfernrohres 
nicht mehr erkennbar ist, verzichten müsste. Ich fand auf diese 
Weise als Mittel der Messungen 

v'p' = 10° - (a) 

woraus u = (1; 1-73; 1-73) folgen würde. Die Berechnung aus 
obigem a r c fordert für u = (477) 

v'p' = 10° 11' 21" 
•jV = IS 7 34 
•j'c = 31 43 54 

Zwischen (101) und (111) sind demnach im Allgemeinen am 
Id. bereits folgende Gestalten aufgefunden: 

((101) (133), (377), (122), (477) (111) 

( Pc» P3 P% PI P% P 

Die sehr schmale Fläche in der Kante ^^(llS : 101) gehört 
wahrscheinlich der (135) an; die Indices ergeben sich aus der 
Lage in den Zonen 

[113, 101] und [001, 3T2] 
welch' letztere aber nicht mit Sicherheit nachzuweisen war. 

Gemessen Gerechnet 

(j2(31S): c(001) = 18° 36' .... 18° 45' 20" 

Ferner wurden an diesem Kr. gemessen: 

pi c = 37° 14' 50" (3) 
ptc = 37 15 50 (3) 



92 



Zepharovich. 



Mittelwerthe aus allen Messungen an Krystallen von Pfitsch. 



Winkel der Normalen 



m 



? /(lii):c(00l) 


37 c 


' 12 


39° 


14 


m'(HO) 


52 


46 


55 


8 


p»(iTl) 


50 


37 


8 


4 


/(lll) 


74 


22 


28 


3 


3(113) : c(001) 


14 


9 


12 


10 


/(tH) 


23 





8 


4 


X'(445) : c(OOl) 


31 


16 





1 


/(Hl) 


6 


5 





1 


^'(885): //(Hl) 


13 


5 





1 


6(221) :/(Hl) 


19 


25 


40 


3 


o'(lOl) : c(OOi) 


28 


9 


30 


2 


«'(100) 


61 


49 


55 


2 


«'(201) : o'(lOl) 


18 


51 





1 


«'(100) 


42 


52 





1 


i/(747) :/(lll) 


10 








1 


«"(421) : c(001) 


67 


22 





1 


m'(HO) 


28 


55 


45 


1 


«'(311) 


10 


43 


30 


2 


a'(315) : c(OOl) 


18 


36 





1 


/'(312) : c(001) 


40 


18 


55 


2 


^2(312) 


23 


36 


36 


3 


/(Hl) 


16 


46 


17 


4 


«'(201) 


14 


25 





2 


s'(311) : «'(201) 


19 


16 





1 


f(210) :ro'(110) 


18 


20 


30 


1 


«'(310) :m'(110) 


26 


36 


30 


1 



28 
12 
11 
8 
3 
1 
a 
a 
a 
a 
2 
1 
a 



I. b) In einer Druse von der Seh warzenstein - Alpe im 
Zillerthale (Wr. Min. Cab. 3444) beobachtete ich an etwa 9 Mm. 
hohen, ölgriinen, durchseheinenden Säulen, begleitet von grossen 
Klinochlortafeln, die Combination: (001). (111) .(HO) . (100). Auf 
(001) zeigten sich quadratische und rundliche ßlättchen, auf (111) 
bedeutendere Unebenheiten, durch die vorgreifenden Ränder sich 
überlagernder Lamellen. Eine von aussen nach innen vordringende 
Zersetzung der Kr. beginnend mit einem graugrünen, matten Über- 
zuge ist zu bemerken; manche Kr. sind durch und durch verändert 
und dabei im Innern löcherig geworden; andere sind im oberen 
Theile noch frisch, zunächst der Anwachsstelle aber angegriffen. 



Krystallographische Studien über den Ido-kras 93 

III. Über die altbekannten ergiebigen Id. -Fundorte im Fassa- 
und Heims - Thale entnehme ich in gedrängter Kürze, das Fol- 
gende, dem ausgezeichneten Werke v. Richthofen's : Geogno- 
stische Beschreibung der Umgegend von Predazzo, St. Cassian und 
der Seisser Alpe •). — Im Monzoni - Gebirge (Ostseite des 
Fassa-Thales) und bei Predazzo (Fleims-Thal) haben während der 
Trias-Periode bedeutende Eruptivmassen 2 ) die Sedimentgesteine 
durchbrochen und in denselben eine Reihe von Contacterscheinun- 
gen veranlasst, welche den classischen Ruf jener Gegenden für 
Geologie und Mineralogie mit begründeten. Unter diesen sind jene 
die bemerkenswerthesten, welche an den Grenzen eines eigentüm- 
lichen Syenites „Monzon-Syenit" s ) und des, diesem gangförmig 
untergeordneten Hypersthenites 4 ) mit den oberen Triaskalken auf- 
treten. Im Monzoni-Gebirge sind Granat, Id. und Gehlen it 
bezeichnend für den Contact von Syenit und Kalk, und es liegen die 
Fundstellen dieser Minerale an dem Ost-, Nord- und Westrande des 
Gebirgsstockes, der aus Syenit bestehend von mächtigen Kalkalpen 
umfasst wird, nur gegen Süd an die Quarzporphyre des Monte 
Bocche und im Südwest an den Augitporphyr der Pesmeda-Alpe 
sich anschliessend. Aber auch auf dem Monzoni selbst findet man 
an vielen Orten aufgelagerte Kalkmassen, welche sich durch Ein- 
schlüsse der charakteristischen Contactminerale als die Reste einer 
früheren zusammenhängenden Kalkbedeckung zu erkennen geben. — 
Hypersthenit trat später gangförmig im Monzonsyenit auf und kam 
ebenfalls vielfach mit dein Kalke in Berührung. An diesen Stellen 
erscheinen aber, wie dies Rieht hofen zuerst hervorgehoben, 
andere Contactgebilde als die vorgenannten des Syenites, nämlich: 
verschiedene Varietäten von Augit (Fassai't im Kalk, Pyrgom in 
Hohlräumen des Hypersthenit) Magnesiaglimmer, Brandisit 



!) Mit einer geogn. Karte und vier Profil-Tafeln. Gotha. J. Perthes 1860. — Eine 
frühere Mittheilung v. Ri ch t ho f en's im Jahrb. der geolog. Reichsanst. VIII. Bd. 
1857, 164 bezieht sich abschliessend auf die Contacterscheinungen. 

a J Monzonsyenit, Tunnalin-Granit, Augit- und Uralit-Porphyr und Melaphyr. 

s ) Quarzfreies krystallinisch- körniges Gemenge von Orthoklas, Oligoklas und Am- 
phibol mit stetem Glimmergehalt. 

*) Krystallinisch-körniges Gemenge von Hypersthen u. Labradorit mit Glimmer, Titan- 
eisen und Augit. Nach Richthofen, innerhalb des noch nicht völlig erstarrten 
Syenites langsam erkaltete Augit-Porphyrmasse. 



\) 4 Z e j> li ;i r o v i u li. 

und Pleonast. Einige Fundorte liefern beiderlei Contact-Minerale 
gemeinschaftlich; dann stehen auch Syenit und Hypersthenit nach- 
barlich an. 

Folgende Fundstellen von Id. sämmtlich am Contacte von Syenit 
und Kalk, gehören dem Monzoni-Gebirge an i ). 

a) Nordgehänge des Monzoni. An mehreren meist unzu- 
gänglichen Stellen (die reichste unmittelbar über der Alpenhiitte 
im Val di Monzoni) erscheint in blauem körnigen Kalk ölgrüner 
Id., welcher theils krystallinisch-zellige, mit Kalk innig durchwach- 
sene Massen bildet, theils in Krystallen in den letzteren hinein- 
ragt. (R.) 

b) Auf der nordöstlichen Seite der Spitze des Monzoni 
lagert eine Bank von krystallinisch-stengeligem mit blauem Calcit 
durchwachsenem Id. 12 — 15' hoch und breit; wohl im Allgemeinen 
einer der ergiebigsten Fundorte. Farbe braun, in's Gelbliche, Graue 
und Grüne. Krystalle sind hier selten. (L.) 

c) Sülle Palle auf den höchsten Bergwiesen des Süd- 
abhanges, kurzsäulige oft vollkommen ausgebildete, 12 Millim. hohe, 
durchscheinende, leberbraune Kr. in's Nelken- und Gelblichbraune, 
mit Fassai't in blauem Calcit eingewachsen; oder in Hohlräumen 
von krystallinischen, porösen Fassai't -Aggregaten, aus welchem der 
Calcit oft schon vollständig entfernt ist. Der Fassai't gewöhnlich in 
kleinen, sehr frischen Kr., während der Id. in dessen Nähe verwit- 
tert und rauh, manchmal an den Kanten wie geschmolzen erscheint. 
Derselbe wird nicht selten von weissem Steatit, in kleineren zuge- 
spitzten sechsseitigen Säulen, begleitet. (L.) 

d)Toa\ della foja (Südwest-Abhang). Die Fundorte auf dem 
westlichen Walle dieses Tobeis, der ihn vom Pesmeda-Thal scheidet, 
sind interessant durch das Nebeneinandervorkommen der Contact- 
Minerale des Syenit und des Hypersthenit, welche beide in der 
Nähe anstehen; neben Granat und Id. finden sich Pleonast, Fassai't 
und Brandisit. (R.) Der Id. erscheint hier in krystallinischen, 
schlackenartigen, geträuften, zerfressenen und eingesprengten Pai- 
ien, mit blauem Calcit und Steatit (nach Pleonast und Glimmer), 
eingewachsen in dichtem Fassai't; olivengrün in's Braune. (L.) 



') Nach Liebener und V o rli a user I. c. S. 140, und Liebener's brieflichen 
Mittheilungen 1863 (F,.), mich Richthofeo l.-c. S. Ä56. (li.) 



Kryttallographische Studien über ilen Idokras. yö 

e^AllePallerabbiose (Südwest-Abhang). Auch hier treten 
Syenit und Hypersthenit, letzterer weit überwiegend, auf. (R.) Über 
25 Mm. grosse kurzsäulige, meist unvollkommene und verdrückte 
Kiy stalle, gummiguttgelb, in's Zeisig- und Olivengrüne') und kry- 
stallinische Partien; eingewachsen in schmutzig gelblich-weissen 
bis lichtgrauen körnigen Kalkstein, zuweilen von derbem Pleonast 
begleitet. Oft» umgibt Steatit die Id. -Kr. und erfüllt auch ausgefres- 
sene Stellen in denselben. (L.) R. Blum beschreibt schalig zu- 
sammengesetzte Kr. von aussen nach innen in Steatit übergehend 
von dieser Localität 3 ). 

f) Alle Seile (Nord-Abhang). Grüner Granat, drusenförmig in 
einem krystallinisch-zelligen Silicatgestein, welches die Grenze von 
Syenit und Kalk bezeichnet und wesentlich aus Granat und Id. -Masse 
zu bestehen scheint; stets dicht von Calcit umhüllt. Gehlenit erfüllt 
den Kalk in weiterem Abstände mit einer Uiuahl von Krystallen und 
ist von keinem anderen Minerale begleitet. — In der Nähe tritt auf 
Klüften des Syenit häufig ein Überzug von Epidot, wahrscheinlich 
als Product späterer Infiltration auf. (R.) 3 ) 

Ungleich mannigfaltiger als der Eruptivstock des Monzoni, ist 
jener von Predazzo gegliedert. Dreierlei Gesteinsmassen stiegen 
in kurzer Zeit nach einander empor, zuerst Syenit, ähnlich jenem 
von Monzoni, dann Turmalin-Granit und endlich Melaphyr; später 
folgten noch viele andere Eruptionen. Wie am Monzoni, erscheint 
auch hier am Contact von Syenit mit den Triaskalken, der Id. nebst 



i) Var. „Monzonit", s. D ufrenoy's Miner. 1836, III, p. 617. . 

2) Psendomorphosen, 1843, S. 137. 

3 ) Das Vorkommen der Contactproduele von Hypersthenit u. Kalk bringt v. R ich t- 
hofen in die beiden Abtheilungen: 

A. In Drusenriiumen im Hypersthenit: a) Toal de Rizzoni, mittlerer Theil (Süd- 
Abhang) : Pyrgom, einaxiger Glimmer, Labradorit, Titaneisen, Sphen. h) Allochet 
(Südost-Abhang), der zweite tiefere Fundort, nach Liebener, mit Malakolith, 
Labradorit und Sphen, seheint hierher zu gehören. 

B. Ausserhalb der Grenze des Hypersthenit im Kalke eingewachsen: aj Palle 
rabbiose (s. oben e) : Fassait, Brandisit und Pleonast. b) Alpe Pesmeda : Fassait, 
Serpentin und Steatit-Pseudomorphosen, (nach L.) dieser Abtheilung eigenthiimlieh. 
cj Toal della Foja : Fassai't, Pleonast, Brandisit. dj Toal de Rizzoni: Pleonast in 
Batrachit. — Endlich sind Fundorte von Infiltration« -Mineralien, A. auf Klüften im 
Syenit; Allochet : -Quarz, Epidot, — Granat u. andere (?) ; Alle Seile: Epidot; Toal 
de Rizzoni: Prehnit (L.), B. auf Klüften im Hypersthenit; Nord-Abhang, angeblich 
über der Sennhütte: Chabasit. 



96 Ze p-ha r o v i e h. 

andern Silicaten vorzüglich an den gegenüber liegenden durch die 
Thalebene des Avisio getrennten Abhängen der Sforzella und des 
Monte Margola. Die ersteren Fundstellen ungemein ergiebig an 
schönen grossen Krystallen liegen an dem berühmten steilen Ab- 
hänge oberhalb Canzacoli 1 ). Der Marmor, welcher hier gebro- 
chen wurde, sich aber nicht verwendbar zeigte, ist ein mit Magnesia- 
hydrat (Brucit) gemengter krystallinisch- körniger Kfllkstein, unten 
grauer „Pencatit« (CaO.CO, + MgO.HO), oberhalb weisser „Pre- 
dazzit" (2CaO . COo -f MgO . HO), die durch den aufsteigenden 
Syenit veränderten, dolomitischen, dunkeln Virgloria- und hellen 
Mendolakalke der oberen Trias. An der ganzen Grenzlinie gegen 
den Syenit erscheint der Predazzit mit fremdartigen Substanzen 
imprägnirt, und geht allmählich durch ein festeres kalkhaltiges Feld- 
spathgestein in typischen Syenit über. Im Predazzit sind vollkommen 
frisch Granat und Id. 3 ) beide von Calcit durchdrungen ausgeschie- 
den. Besonders letzterer erscheint in ansehnlichen bis 6 J / 3 Cm. 
grossen Kr. von dunkel ölgrüner, selten in's Braune oder Gelblichgrüne 
ziehender Farbe, einzeln eingewachsen oder in Drusen von einigen 
Kubikfuss Inhalt. Auch Gehlenit in den grössten bekannten Krystallen 
kommt zur weiteren Übereinstimmung mit dem Monzoni hier vor. — 
Die schönsten Id. finden sich in der Höhe, nächst der Grenze, in 
einer isolirten, von Syenit umschlossenen Masse, die vielfältig von 
Sammlern ausgebeutet wurde 3 ). 

Am Westabhange des Monte Margola 4 ) hat der Syenit, von 
zwei Hypersthenitgängen, wie am Monzoni, durchsetzt, die rothen 
thonigen Campiler Schichten (untere Trias) in ein grünes jaspis- 
artiges, unregelmässig zerklüftetes Gestein, und die dolomitischen 
Mendola-Kalke (obere Trias) in Predazzit verwandelt. In Letzterem 
kommen Id. -Kr. und viele andere Silicate meist nur als Verunreini- 
gung des geschmolzenen Kalkes vor; Contactproducte von Hyper- 
sthenit und Kalk sind hier nicht vorhanden. 



i) Richthofen I. c. S. 274 ff. 

3 J liier zuerst von Boue beobachtet (Leonhard, Miner. Taschenbuch 1824. S. fiOS). 

3 ) Gegenüber von Mezzavalle oberhalb Predazzo (am NW. -Abhänge des Monte Mulatto) 
schliesst der Syenit zwei mächtige Blöcke von körnigem, prcda/.zitähnlichem Kalk- 
stein ein, in welchem auf Klüften der fiymnit vorkommt. 

*) Richthofen I. c. S. 260. 



Krystallographische Studien über den Idokras. vi 

Th. Kjerulf 1 ) beobachtete (1852) an der Nordwand des 
Monte Margola bei der Boscampo-Brücke, Id., Gymnit und grosse 
Pleonast-Krystalle in Schichten von feinkörnigem Marmor, welche 
durch einen Augitporphyrgang, der senkrecht zwischen dem Kalk- 
stein und Syenit aufgestiegen ist, abgeschnitten wurden. Letzterer 
selbst wird wieder von schmalen Gängen rothen Feldspath-Porphyrs 
durchsetzt. Dre genannten Minerale linden sich am Contact des 
Angifporphyrs und der Kalksteinschichten nesterweise in den dichten 
gelblichen Kalksteinmassen. — Derselbe gelbliche Kalkstein (CaC 
mit wenig Si u. AI) umschliesst nach Kj erulf an der Fundstelle „alle 
Seile" am Monzoni, Nester von Id., Granat und Gymnit. Eine verticale 
Scheidungslinie trennt ihn von weissem körnigen Marmor, welcher 
Gehienit von Calcit umhüllt, enthält. Bechts von der Scheidungslinie 
im gelblichen Kalkstein steht Melaphyr an. 

Bezüglich der Entstehung der Contact- Minerale stellt sich 
Bichthofen, auf die Analogie mit den Sommablöcken hinweisend, 
entschieden auf die Seite des reinen Plutonismus (I. c. S. 254). 

Wie in Südtirol gehört der Id. aus der 

Woiwodina (ISanai) uuil lii^ara 

einer Zone von Contactgebilden an, welche in gleicher Weise an 
der Grenze von syenitischen Eruptivmassen und Kalksteinen auftre- 
tend, durch ihre Erzführung besondere Bedeutung für die Bergbaue 
im Banat und von Bezbänya in Ungarn erlangen. Über die letzteren 
verdanken wir wichtige Aufschlüsse den geologisch-mineralogischen 
Studien aus dem südöstlichen Ungarn von Prof. K. Peters 3 ), welche 
schöne Arbeit auch reich ist an werthvollen Momenten für die 
Lösung der genetischen Fragen in anderem als dem obenerwähnten 
Sinne. Das Banater Gebirge hat J. Kuderna tsch 3 ), aber vor- 
herrschend sfratigraphisch, gründlich durchforscht. 



i) Om Forholderne veil Monzoni og- Preoazzo in Sydtyrol. Nyt Magazin för Natur videns- 
kaberne. Cliristiania. IM. VIII. S. 134. Profil 12, u. S. 143 Prodi 4. — Das Obige 
verdanke ich einer briefliehen Mittheilung Hrn. Dr. Th. Kjerulf's. 

*) Sitzb. d. k. Akad. d. Wissenseh. in Wien, math.-nat. Cl. XLIII. Bd. 1861 (mit einer 
geogn. Karle u. einer Profiltafel.) I.Theil, S. 384; XLIV. Bd. 1861, II. Th. S. 81 (mit 
■1 Tafeln). 

S) Ebendaselbst XXIII. Bd. 1837, S. 39 (mit 1 Karte und 4 Profiltafeln), S. 66 wird 
auch der Contact- Verhältnisse gedacht. 
Sitzb. (1. luatliem.-naturvv. Cl. XLIX. Bd. I. Abth. 7 



98 Z e p h si r o v i eh. 

Vollkommene Analogie der geognostischen Verhältnisse herrscht 
nach den vorliegenden Untersuchungen in diesen beiden Gebieten. 
Nach Peters ist derRezbänyaer Syenit 1 ) identisch mit dem Banater, 
aber verschieden von jenem Südtirols. Nordöstlich vonPetrösz kommt 
er auf einer langen, ihrer eisenreichen Contactgebilde wegen, höchst 
wichtigen Strecke, mit Liaskalkschichten in Berührung, im Valle 
sacca aber ist er als plumper, bnchtiger Stock in sehr junge, wahr- 
scheinlich die jüngsten -Kalkschiehten des Gebietes (Neocomien) 
hineingetrieben. — Im Valle sacca (V. seca, trockenes Thal) sind 
die Contactgebilde im Seitengraben Poroze ganuli als das bekannte 
Gemenge von Calcit mit Grossular, Id., Epidot und Tremolith ent- 
wickelt, während an anderen Stellen (so an der Emerici-Seheidung) 
in der Contactzone Magnetit mit wasserhaltigen Magnesia-Silicaten 
oderLimonit, als wahre Ausfüllungsmasse, mit eingebetteten Syenit- 
brocken auftreten. 

Kalksilicate sind auch im Werksthal, wahrscheinlich am Con- 
tacte eines grünsteinartigen Syenitporphyrs mit Kalkstein in gros- 
sen Massen vorgekommen. Speciell über den Id. sagt Peters a. a. 
0. S. 129. „So innig verwandt die Rezbanyaer und Oravitzaer Con- 
tactgebilde auch sind, in der quantitativen Entwicklung derMineral- 
species zeigen sie doch wesentliche Unterschiede. Der Id. im 
Banater Calcitgestein so trefflich krystallisirt, tritt hier nur als ein 
höchst untergeordneter Begleiter, richtiger gesagt als Stellvertreter 
des Grossular, nie in ausgebildeten Kr., zumeist nur derb in körnig- 
stengeligen Aggregaten auf. Übrigens ist es wohl möglich, dass er 
früher besser entwickelt vorkam." 

Ein interessantes Exemplar aus einer nicht näher bekannten 
Stelle der Contactzonen beschreibt Peters a. a. 0. S. 131. Grosse 
Individuen des gelblich-grünen Id. — von nicht mehr ganz frischem 
Ansehen, mit beträchtlichem Wassergehalt — umschliessen mit 
deutlich homoaxen Theilchen, Körnchen von Calcit und Grossular 
und Blättchen eines eigenthümlichen Glimmers — der Mitgemeng- 
theile des Contact - Calcitgesteines, und wären somit in dem- 
selben Sinne als Perimorphosen aufzufassen, wie die Calcit ein- 



') A. a. 0. S.477. Bin qutirzhältiges körniges, oft porphyrartig-es Gemenge von Ortho- 
klas, Oligoklas, Glimmer und Ainphibnl. 



Krystallographische Studien übet' den Mokras. 9{) 

schliessenden Id. und Granaten von Cziklova, vom Monzoni und 
von Predazzo. 

Ausser diesen Einschlüssen ist es auch die fast constante bläu- 
liche Färbung des begleitenden Caleites, welche das Vorkommen 
des Id. an den genannten Localitäten zu einem sehr ähnlichen 
gestaltet. 

Von besonderer Wichtigkeit für die Geschichte der Contact- 
bildungen ist Prof. Peters' Entdeckung eines wasserhaltigen Magnesia- 
horates, des Szajbelyit ')> welches in mikroskopischen Nadelgruppen 
und rundlichen linsengrossen Körnchen massenhaft in einem Kalk- 
steine aus den Contactzonen von Rezbänya ausgeschieden ist. Nach 
der Analogie heutiger Vorgänge (Volterra, Volcano) weiset die 
Borsäure auf Wasserdämpfe hin , welche in früheren geologischen 
Perioden auf den Contactklüften emporgedrungen , bei der Ausfül- 
lung derselben eine wesentliche Rolle gespielt hahen mögen. — 
Auch erscheint es sehr möglich, dass wasserhaltige Thonerde-Kalk- 
oder Thonerde-Magnesia-Silieate (wie das von Peters ßiharit 2 ) 
genannte Mineral), insoferne sie an der Stelle der normalen Con- 
tactgemenge vorkommen und keinerlei Spur eines secundären Ur- 
sprunges an sich tragen, wirklich primäre Gebilde seien, also das 
erste Product, welches aus der Vereinigung der heissen Auslau- 
gungsproducte des Kalksteines und der kürzlich emporgedrungenen 
Eruptivmassen resultirte. — Die Contactzonen von Rezbänya sind 
auch insofern sehr interessant — ich folge hier weiter den Worten 
meines verehrten Freundes — als sie anstatt der Kalksilicate in 
manchen Gegenden magneteisenreiche Gemenge darbieten, also 
beweisen, dass keineswegs die Natur der einander berührenden 
Felsarten die Art der Contactgebilde allein bestimmte, sondern 
dass dieselbe vielmehr von hinzukommenden Stoffen abhängig war. 
Übrigens gibt es viele Stellen, wo weder die einen noch die andern 
vorhanden und im Kalkstein kaum Spuren einer Metamorphose zu 
bemerken sind 3 ). 

Aus der Zone von Contactgebilden, welche unter gleichen 
Umständen wie bei Rezbänya längs dem westlichen Saume des 



!) A. a. 0. S. 143 u. XLV1I. Bd. S. 347 — 354. 

2 ) Ebendaselbst, XLIV. Bd., S. 132. 

3 ) K. F. Peters. Die Contactgebilde im Kalksteingebirge und der gegenwärtige Stand 
der ehem. Geologie. Schriften desVer. z. Verbreitung nalurw. Kenntn. in Wien, 1861. 

7 * 



100 Z e p h a r o v i c h. 

Banaler Gebirgsstockes auftreten, ist mir Id. nur von Cziklova bei 
Oravitza und Dognacska bekannt geworden. Bei Cziklova fand 
ich ihn jenseits des Temeseher Gebirges in derben Massen und in 
schönen, zum Theil grossen und vollständig ausgebildeten Kr., von 
säuligem oder pyramidalem Habitus, eingewachsen in bläulichem 
Calcit. An einer andern Stelle der gleichen Scheidung von Syenit 
und Kalkstein, jedoch näher dem Orte zu, auf dem Wege in das 
Temeseher Gebirge fehlt der Id., dafür erscheinen im blauen Calcit 
brauner und grüner Granat nebst Wollastonit 1 ). — Also auch hier 
das von Peters in Rezbänya beobachtete Verhältniss zwischen 
Granat und Id. 

Von Dognacska bewahrte die Mineraliensammlung des Joan- 
neums in Graz, Drusen von grossen Id. -Kr. auf gleichartiger derber 
Masse, von blauem Calcit begleitet. 

Nach Kudernatsch 3 ) sind bei Szäszka einzelne Frag- 
mente der ehemaligen Kalkdecke, einige von kolossaler Grösse, 
mitten im Syenite in demselben eingesenkt, und haben bergmän- 
nische Arbeiten an den Berührungsflächen der beiden Gesteine 
mehrorts auch hier die charakteristischen Contactbildungen nach- 
gewiesen 3 ). 

ftrystalle aus Südtirol und dem Banate. 

Durch unverkennbare Analogien im Vorkommen und weitere 
Übereinstimmung in mineralogischen Merkmalen, bilden die Kr. vom 
Monzoni und von Predazzo, dann jene von Cziklova und Dognacska 
eine natürliche Gruppe. 

Eine besondere Oberflächen-Beschaffenheit scheint den Flä- 
chen der Kr. von diesen Fundstätten, insbesondere den tirolern 
eigenthümlich zu sein — eine über Pyramiden- und Prismen-Flächen* 
sich erstreckende damascirte oder landkartenähnliche Zeichnung, 
hervorgebracht durch rinnenartige, sich mannigfaltig verzweigende, 
oder rundlich begrenzte Unterbrechungen der obersten, glatten, 
lamellaren Kr.-Schichten. 



J ) Zepharovich, Min. Lex. S. 466 u. 473. — Kudernatsch (a. o. a. 0. S. 67) 
gibt als Localität der Kalksilicate bei Cziklova den Rücken Parlavoi an. 

2) A. ... ii 0. S. «7. 

3 ) In Ackner'a Mineralogie Siebenbürgens 1855 wird Aisö-Va'cza westl. von Rörtfs- 
bitnyii als Fundort von Id. (mit Magnetit) genannt . 



Rrystallographische Studien ülier den (dokras. 101 

Dieses, wie durch ätzende Einwirkungen veranlasste Aussehen, 
zeigte sich an dunklen (braunen) und lichten (gelblich-grünen bis 
gelben) Kr. vom Monzoni und von Predazzo. Auch erwiesen sich die 
Prismenflächen frei von der sonst allgemeinen, verticalen Riefung. 

Die Kr. von le Palle am Monzoni sind durch ihr Vor- 
kommen mit Fassait, so wie durch ihre leberbraune Farbe und 
Gestalt leicht kenntlich. Die bis 20 Mm. hohen Kr. sind entweder 
mit Fassai't-Kr. in blauem Calcit eingewachsen, oder sie sitzen in 
Drusen von Fassait, zuweilen in Höhlungen schwammig -löcheriger 
Aggregate von Fassai't-Kryställchen, oft nur mit einer kleinen Stelle 
anhaftend und allseitig entwickelt. Vorzüglich an den eingewachse- 
nen Id. -Kr. sind die Prismen nur wenig ausgedehnt, zumal (110), 
welches oft als schmales horizontales Leistchen erscheint, während 

(100) als grosse Rhombenfläche die Mittelecke der (111), die im 
übrigen vorwaltend die Kr. begrenzt, hinwegnimmt. (001) ist ent- 
weder nicht oder nur sehr wenig ausgedehnt vorhanden. Derart haben 
diese Kr. bei gleichmässiger Entwickelung von (111) und (100) 
einige, auch durch nicht sehr auffallende Winkeldifferenz gehobene 
Ähnlichkeit mit Rhomben-Dodekaedern. Mohs hat schon einen 
solchen Kr. vom Monzoni abgebildet J ) mit der Combination (111). 
(100). (130). (HO), in welcher für das seltene, nicht durch Mes- 
sung bestimmte (130), wohl (120) anzunehmen wäre. 

Eine reichere Combination aus dem Wiener Mineralien-Cabinete 
istTaf. X, Fig. 58, abgebildet: 

c(001) .p(lll) . Ä(221) . *(331) . «(100) .m(110) /(120). 
Nur an einem Individuum fand ich die Kanten von (111) durch 

(101) schwach abgestumpft. 

Nicht sehr verlässliche Messungen an drei Krystallen ergaben: 
pip« = 74° 5' 15° n 2 S(p) 2 



pipz = SO 


26 


17 


n 


7 


» 


8 


p'm> = 52 


54 


38 


n 


9 


n 


10 


p'af = 64 


48 


23 


n 


13 


» 


13 


lfm' = 23 


26 


— 


n 


3 


„ 


a 


fa' = 26 


54 


— 


n 


2 


« 


a 


fm = 18 


5 


— 


» 


2 


» 


a 



i) Miner. 2. Aufl.; If. Taf. XVIII. Fig. 133. — Ebenso von K o h e 1 1 in Kastner's 
Archiv, VII. Bd. 1826, Taf. 13. 



102 -Z eph a ro vich. 

aus welchen, wie S. 29 bemerkt, ein von den Kr. der anderen 
untersuchten Localitäten bedeutend abweichendes Parameter-Ver- 
hältniss folgen würde. 

Mit den dodekaederähnlichen Kr. kommen an demselben Stücke 
zuweilen kurzsäuligeKr. vor, geschlossen durch (111) mit (001) und 
(101) in sehr geringer Ausdehnung, vielfach mit einander verwachsen, 
auch in paralleler Stellung, so dass gleichzeitig die gleichartigen 
Flächen erglänzen; die Zwischenräume sind durch blauen Calcit 
erfüllt, der oft deutliche Anäizung erkennen lässt. 

Auch die an den Palle rabbiose vorkommenden Kr. „Mon- 
zonit (f *) sind hinreichend charakterisirt durch ihre vorwaltend gelhe 
Färbung, so wie durch das Fehlen des blauen Calcites; sie sind in 
einem dolomitischen körnigen Kalksteine eingewachsen und zuwei- 
len von Pleonast begleitet. 

An grünlich- gelben oder hell gelblich-grünen Kr. von diesem 
Fundorte fand ich das Prisma (110), meist mit schmalen, rissigen 
Flächen, geschlossen durch (111), mit schwachen Abstumpfungen 
von (001), (101) und (100). 

Die anderen oben genannten Fundstellen am Monzoni liefern Id. 
von verschieden grüner Farbe; fast überall erscheint der bläuliche 
Calcit als ihr Begleiter. Von allen diesen Localitäten sind unter der 
Bezeichnung „Fassathal" oder „Monzoni" häufig Exemplare in den 
Sammlungen vertreten 2 ). An einer grösseren Anzahl solcher, von 
grünlich-gelber oder licht bigrüner Farbe fand ich mit kurzsäuligem 
Habitus Combinationen von 

(001), (111), (331), (101), (HO), (100) 

mit vorherrschendem (111) und (110), an denen zuweilen noch 
(131) erscheint. Fig. 59, Taf.X, zeigt einen solchen grünlich-gelben 
grossen Kr. vom Monzoni, eingewachsen in blauem Calcit; von 
letzterem waren zahlreiche Theilchen in der Kr. -Masse eingeschlos- 
sen oder Eindrücke auf den Flächen bewirkt. Die Einschlüsse haben 
oft zu einer jüngeren Bildung von Calcit, der sich in Kr. in den 
Hohlräumen ansiedelte, das Material geliefert. 



i) S. S. 95, Anm. 1. 

B ) Abbildungen von Kr. aus Fassa inLevy's All. XXXIII. Fig. 7 (cptosma), Presl's 
AU. VIII. Fig. 282, 28b (Monzoni) u. Dufrenoy's All. Taf lö'i, Fig. 42. 



KrystallographUche Studien über Jen Idükras. 1 03 

Die Kr. von Canzacoli bei Predazzo sind dunkel ölgrün, 
selten in's Braune oder Grüne ziehend; sie erreichen zuweilen eine 
ansehnliche Grösse ; bei theils säuligem (Fig. 60), theils pyrami- 
dalem Typus und sind einzeln oder gruppenweise im Predazzit ein- 
gewachsen. 

Auch hier fehlt nicht der blauliche Calcit, doch ist er hier 
spärlicher und mehr grau gefärbt als am Monzoni. 

Zu Messungen sind die Kr. der vorgenannten Localitat so wie 
die Banater wenig geeignet, da die Flächen ausser durch die er- 
wähnten Vertiefungen uneben, meist auch rissig sind. Die folgen- 
den wurden an einem halbdurchsichtigen Bruchstücke eines kleineu 
grünlich-gelben Kr. vom Monzoni ausgeführt. 

p'a' = 64° 56' 54° 
p'p k = 50 42 45 

Vertheilt man den Fehler dieser Messungen (p'a -f- i /ap'Pk = 
90° 18' 15") gleichmässig, so ergibt sich 

p'a' = 64° 47' 45° 
p'pt = 50 24 30 

welche Werthe zufällig stimmen mit den aus einer grösseren Anzahl 
von Messungen an braunen Monzoni-Kr. erhaltenen. 

Das speci fische Gewicht der letzteren fand ich durch 

zwei Wägungen 3 401 

Rammeisberg 3-385 <) 

Mittel 3-393 

eines hellgelben Id. vom Monzoni . . 3*344 
Die bis über 25 Mm. grossen kurzsäuligen oder pyramidalen, 
öl- oder zeisiggrünen Kr. von Cziklova zeigen Gestalt und Ober- 
fläche der Fassa-Kr. und sind ebenfalls in bläulichem Calcit ein- 
gewachsen, von welchem sie Theile umhüllen. 

Fig. 61. c(001)./>(lll).»«(110).«(100). Dieselbe Combi- 
nation mit (120) gab auch Haidinger von Cziklova an 3 ). 

Fig. 62. ^(lll).o(101).a(100); beiderseits vollständig aus- 
gebildeter pyramidaler Kr. (Wr. Min. Cab.) ölgrün mit 38 Mm. 
langen Mittelkanten, bemerkenswert!! durch den Mangel des Prisma 



i) Miner. Chemie. 1SG0, 104. 

2 J Molis. .Miner. transl. by Haidinger II, iö'^i, :* J4 . 



104 Zepharovich. 

(110). Schone Drusen, fast vollständig ausgebildeter Pyramiden 
(111) ohne Abstumpfung an Ecken oder Kanten, bewahrt die berg- 
akademische Sammlung in Leoben. 

An anderen Kr. fand ich in geringer Ausdehnung Flächen von 
(331), s(131) u. f. (120). 

Spec. Gewicht . . =3-368 Magnus. 

3-378 Rammeisberg (hellbraun). 

An lichtölgrünen säulenförmigen Kr. von Dognacska beob- 
achtete ich Flächen von (001), (111), (331), (101), (131), (110) 
und (100). 

An die Banater Localitäten scbliesse ich hier als muthmasslich 
von einer derselben stammend, ein eigenthümliches Vorkommen an, 
welches Kenngott beschrieben i). 

Gelblich-braune Id. -Kr. : (111) mit äusserst kleinen Flächen 
von (001), (1U) l < 2 > ( 112 )> ( 101 )> ( 10 °) und (HO), ein- 
gewachsen in gelblich-weissem mit Dendriten gezierten Milch-Opal 
von unbekanntem Fundorte. Von den Pyramidenflächen zeigte sich 
(TU) glatt, während (111) und (111) in der Richtung von (100), 
und (111) in der Richtung von (OlO) zart aber deutlich gerieft 
waren, eine sehr auffallende Erscheinung, die auf ein Zerfallen der 
(111) in drei Theilformen, — aber in ganz anderem als im Sinne 
Breithaupt's — zu deuten scheint. Die Riefung der beiden Nach- 
barflächen (Hl) und (Hl) Hesse sich allenfalls mit der an diesem 
Kr. ziemlich deutlich auftretenden Spaltbarkeit nach {100} bezie- 
hungsweise der Anlagerung der Krystallelemente in dieser Richtung 
in Verbindung bringen, womit aber die Beschaffenheit der beiden 
anderen Flächen nicht vereinbar wäre. Man wird verleitet, die ganze 
Erscheinung als eine zufällige aufzufassen, da aus der (111) ein ein- 
gesenktes, gleichgestaltetes Kryställchen hervorragte, dessen sämmt- 
liehe Pyramidenflächen aber, ganz glatt keine Spur von Riefung 
erkennen lassen, sich also identisch mit der einen (TU) des Trä- 
gers erweisen. Der Combinations-Typus des besprochenen Kr. ent- 
spricht vollkommen jenem von C z i k 1 o v a. — Von Dognacska be- 
wahrt die Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien, 



i) Sitzb. d. Wr. Ak. <!. W. 1834, XII. S. 72'». 



Kryslallographische Studien über den Idokras. . 105 

aus der Viniera mare-Grube — also zweifellos aus dor Id. führen- 
den Contactzone — einen Opal, schmutzig gelblich-grau in's Milch- 
weisse mit blauen Pünktchen und Dendriten '); Analogien des Vor- 
kommens, auf welche die obige Annahme sich stützt. 



Salzburg* 

In drei Querthälern des Pinzgaues, welche die Hochkette 
der Tauern zum Salza-Thale entsendet, im Rauris-, Slubach- und 
im Hollersbach-Thale hat sich Id. gezeigt. Die Fundorte in den 
beiden letzteren Thälern liegen beinahe gegenüber den Tirolern im 
Dorfer- und Dümmelbachgraben Pregrattens; inzwischen erhebt 
sicli die Tauernkette. 

Im oberen Rauris- Thale, unterhalb der DiecheI-(T ür- 
chel-)Wand: Kr. im Quarz des Glimmerschiefers 3 ). 

Reich ersberger Alpe im S tubach - Thal e , derbe, 
dichte, zum Theil schalige Massen, mit flachmuscheligem oder split- 
terigem Rruche, öl- bis pistaziengrün, mit wenig rothem Granat, 
grünlich-grauem Anthophyllit (Bronzit?) und Amphibol auf Lagern 
im Glimmerschiefer 3 ). — Wahrscheinlich ist dieses, früher als Granat 
bestimmte Vorkommen dasselbe, welches von Hlasiwetz analy- 
sirt (H — 7, S, spec. Gew. = 3-378) 4 ) und von Descloizeaux 
optisch untersucht (JI = 6) 5 ) wurde. 

Scharnkahr im Hollersbach - Thale, kleine, acht- und 
mehrseitige Säulen, ohne Endfläche, pistaziengrün, durchscheinend, 
mit Granat-Kr. auf derbem Granat 6 ). 



i) Zepharovich, Min. Lexikon, 1839, S. 303. 

a ) C. Ehrlich, Über die nordostlichen Alpen. Linz 1856. 

3 ) L. v. Köchl. Üie Mineralien des Herzogthums Salzburg. Wien 1859, S. 87. 

4 ) Kenngott, Übersicht der Res. miner. Forschungen, 1856 — 57, S. 115. 

5 ) Miner. I, 1862, p. 284. „Une variele du Salzbourg- en masse compacte schistoi'de, ä 
cassure ecailleuse, translucide, parait au microscope composee, d'une inullitude de 
petites ecailles, agissant irregulierement sur la lumiere polarisee." 

ö ) v. Köchl, a. o. a. 0. 



106 Zepharövich. 

Mähren i). 

Bei Blau da kleine Kr. (001). (110) und längliche Körner 
von schmutzig pistaziengrüner Farbe. — Nedwieditz, Olschy und 
Strzitersch, kleine Kr. (001) . (111) . (110) . (100), ölgrün, 
eingewachsen in feinkörnigem Kalkstein. — Popuwek, Kr. (001), 
(110) in Drusen und körnig, in grünlichem körnigem Quarzit 
(Obergestein des Syenites). — Längliche Körner bei Wiesen- 
berg eingesprengt in FeMspath, bei Fröschau uml Lugau im 
Granulit. 

Böhmen. 

In dem Burgstallgiaben nördlich bei Haslau (nordwestlich 
von Eger) steht, anscheinend lagerförmig im Granit, ein eigenthüm- 
liches schieferiges Gestein an, der „Egeranschiefer", wesentlich ein 
klein- bis feinkörniges Gemenge von Calcit, Sahlit, Grammatit und 
Glimmer, in welchem Egeran, gelbbrauner Granat, Quarz, Periklin, 
weisser bis wachsgelber Opal und Pyrit, letzterer in geringer Menge, 
nester- oder lagerweise vorkommen. 

Diese Schiefer scheinen eine Art Lagermasse von etwa 300 
Klafter Länge zwischen einem gleichkörnigen und einem porphyr- 
artigen Granit zu bilden und von letzterem durch feinkörnigen 
Granit geschieden zu werden. Ob dieselben jedoch einer selbststän- 
digen Bildung angehören, oder ob sie — wie es manche Umstände, 
mit Hinblick auf andere Localitäten, nicht unwahrscheinlich machen — 
als Liegendschichten mit einem, bei der Thalbildung aber gänzlich 
fortgeführten Kalksteinlager in näherer Beziehung gestanden, lässt 
sich gegenwärtig mit Gewissheit nicht mehr entscheiden ~). 

Werner betrachtete den Id. von Eger (Haslau) als neues 
Mineral und benannte es nach dem Fundorte. Monteiro erkannte 
dasselbe als Varietät des Id. und sandte davon Stücke an Haüy, 
der dies vollkommen bestätigt fand "). 



') F. A. K o lenati. Mioer. Mährensu. österr. Schlesiens. Brunn 1834. Zepharoi ich. 

Miner. Lexikon. S. 466. 
8 ) A. E. Ken ss. Abhdl. d. geol. Reichsanst. 1. S. 26 ff. — Jokeiy. Jahrb. d. geolog. 

Reichsanst. 18i>6, VII. S. HU). 
3) Iliiiiy. Min. 2. Kdit. 1822. II. p. 551. 



Kiystallographische Studien über den Idokras. J i 

Das Bezeichnende für den Egeran, der spater noch an manchen 
anderen Orten bekannt wurde, ist das Erscheinen langer, dünner, 
längs geriefter und quer rissiger Prismen in Aggregaten von radial- 
büscheliger oder parallel-stengeliger Textur. In diesen entwickel- 
ten sich stellenweise deutlichere Individuen mit (110), (100), 
(001), vorwaltend (110) zuweilen noch ein oktogonales Prisma *), 
äusserst selten schmale Flächen von (111) meist als Abrundung der 
Kante (HO, 001). 

Die grösseren Individuen zeigen eine schalige Zusammen- 
setzung, welche sich durch innere Lücken und auch oberflächlich 
durch Lichfreflexe auf den tieferen Lagen bemerkbar macht. Farbe 
meist dunkel haar-, gelblich-, oder rüthiichbraun, in's Leberbraune 
und Olivengrüne; zuweilen erscheint eine obere Lage zunächst 
(001) lichter als die übrige Säule gefärbt 3 ). 

Die Zwischenräume der stengeligen Aggregate sind gewöhn- 
lich mit Periklin, seltener mit Quarz erfüllt, welche die frei gebil- 
deten Enden der Egeransäulen umschliessen , in diesen aber auch 
als Einschluss sich finden 3 ). Einzelne Id. -Individuen sind zuweilen 
in graulich-weissen Fettquarz eingesprengt; entfernt, hinterlassen 
dieselben in der sie dicht umgebenden compacten Quarz- oderFeld- 
spathmasse deutlich läugsgeriefte Abdrücke. Nach Zippe erschei- 
nen auch vollkommen ausgebildete Individuen in körnigem, mit 
Grammatit gemengtem Kalkstein eingewachsen, so dass sie an der 
Begrenzung gleichsam mit einander verschmolzen sind *). 

Die Egeranprismen lassen, wo sie mit dem Periklin in Berüh- 
rung kommen, eine nachträglich erfolgte, durch ihre schalige 
Textur begünstigte Zerstörung nicht verkennen; sie erscheinen 
oberflächlich gleichsam in einzelne Nadeln zertheilt, oder ange- 
fressen, während die in Quarz oder Calcit eingeschlossenen unver- 
ändert bleiben 5 ). 



i) Ähnlich Fig-. 279. Taf. VIII in Presl's Atlas. 

2 ) Nr. 3471. H. S. Nr. I im Wr. Miner. Gab. 

s ) E. Söchting-, Einschlüsse von Mineralien u. s. w. 1860, 97, nach R. Blum. 

4 ) Die Miner. Böhmens. Verhandl. der Gesellsch. des bnhm. Museums 1841, S. 43. > 

Zepharovich. Miner. Lexikon, 1859, S. 466. 
5 J Von mir gesammelte Suite im miner. Museum der Universität Krakau. 



108 Z e p li a r o v i c h. 

Spec. Gewicht 3-399 (Mobs); 3.411 (Rammeisberg), 
enthielt 1S4 MgO, 1-32 KO. ')• 

Im südlichen Böhmen ist das Kalksteinlager im Urthon- 
scliiefer von Kunicek (nördlich von Zahradka, nordöstlich von 
Mirotitz) durch reichliches Id. -Vorkommen bemerkenswert!]. Un- 
mittelbar im Hangenden desselben erscheint ein dichtes, grünlich 
graues Felsitgestein mit körnigem bis dichtem Id. als Ausfüllung 
oder Überzug in Klüften; stellenweise sind krystallinische Partien 
auch einzelne mehr oder weniger gut ausgebildete Kr. dem Ge- 
steine selbst eingesprengt. Ebenso finden sich körnige Id. -Aggre- 
gate zum Theil mit Calcit gemengt in den obersten Kalkschichten 
als Kluftausfüllung. Die Bildung des Id. dürfte hier nach Jokely 
mit der Zersetzung des hangenden Felsitgesteines in einiger Bezie- 
hung stehen. Ausser Id. enthält der Kalkstein noch einzelne Glim- 
merschuppen und auf Kluftflächen einzelne, meist in eine weiche 
talkartige Masse veränderte Amphibolsäulen -). 

In dem Kalksteinlager von Klementinow bei Ilorazdiowitz 
(in dünnschiefrigem Gneiss) kommt nach Hochstetter \d. ein- 
gesprengt vor. Der krystallinische körnige Kalkstein wird häufig 
von ansehnlichen Partien Grammatites durchzogen 3 ). 



Baiern 4 ). 

A. In den Ausläufern des Frankenwaldes und im Fichtel- 
gebirge. — In Oberfranken: Wurlitz (Landgericht Schüsslitz) 
kleine grüne Kr.; auch derb, in's Dichte übergehend, von verschie- 
denen Farben, nesterweise in Serpentin (G u. H). — Wustuben 
in der Gegend von Baireuth, Egeran in Quarz (G). — Göss- 
weinstein bei Pottenstein, Egeran (B). — An der neuen Strasse 
bei W uns i edel, röthlich-braune, säulenförmige Kr., selten mit 



i) Min. Chem. 736. 

2) Jahrb. d. geolog. R. Anst. lSfiö, VI. S. 696. 

3) A. a. 0. S. 486. 

4) Mineralog. Verzeichnisse von Frd. Schmidt (S), C. W. H ii m b e I (fi) u. Horn- 
berg(//j im Correspondenzblatt des Zoolog, min. Ver. /.. Regensb. Jahrg. X. XI. 
XII, 1856— 1858, und von A. F. ISesnard (#): Miner. Baierns, Augsburg 1So4. — 
G. Leonhard (AJ topogr. Mineralogie. 



Krystallographische Studien über den Idokras. 109 

Epidot, Quarz und Albit, und zu Gö ring s reu th (Landgericht 
Wunsiedel); an beiden Orten accessorisch im Quarz eines dem 
sächsischen Erlan ähnlichen Gesteines, — gangförmig im Glimmer- 
schiefer und Gneiss (H u. S). — Göpfersgrün bei Wunsiedel, 
Egeran; gut ausgebildete Kr. in büscheligen Gruppen, radiale Ag- 
gregate. Im Glimmerschiefer (S u. L). [Nach G um bei (die 
geog. Verhältn. des Fichtelgebirgos; Bavaria , 3. Bd.) bilden der 
Erlan von Göringsreuth u. s. w. und das Id. führende Gestein bei 
Göpfersgrün Lager im Thonschiefer.] 

B. Im Böhmerwaldgebirge. — In der Oberpfalz: Wildenau 
(Landgericht Tirschenreuth), Egeran und derber Id. (B). — Am 
Mühlbiihl, Fuchsberg bei P leistein (Landgericht Vohenstrauss) 
Kr. mit Quarz; derber Id. zu Höfen und Stöckarn (B). — Süd- 
östlich von Hauxdorf bei Ebendorf im Steinbruch, mit Quarz und 
Glimmer, gangartig; Gottesacker bei Tirschenreuth, dicht, derb 
mit Epidot; an beiden Orten in Gneiss (G). — In Niederbaiern : 
bei Pfaffenreuth (Landesgericht Wegscheid) säulige Kr. mit 
Granat und Grammatit (B). 

Sachsen *)• 

In der Gegend von Breit enbrunn und S chwarze nbe rg 
treten im Glimmerschiefer Lagerstätten (lagerartige Gänge?) auf, 
welche («) aus Grünsteinen, (6) aus solchen in Begleitung von Kalk- 
stein und Dolomit oder (c) aus einem Gemenge von Kalkstein oder 
Dolomit und Grünstein, aus Erlan, bestehen, und sich durch grosse 
Manchfaltigkeit der daselbst einbrechenden Minerale — Magnetit, 
Kassiterit, Kiese, Galenit, Blende, Kalk- und Magnesia-Silicate, 
Quarz, Calcit u. s. w. — darunter auch Granat und Id. bemerkbar 
machen. In den erzhaltigen Grünsteinen hat man Id. angetroffen, 
in den Gruben bei Breitenbrunn («) — derb, dunkel nelken- 
braun, grobkörnig in's Schalige, mit Kassiterit, Magnetit, Pyrit und 
Glimmer — bei Wildenau (6) — olivengrün und leberbraun, 



i) Naumann, Erläuter. zur geogn. Karte von Sachsen. II. S. 219 ff. 1845. Strahlstein, 
Kies-, Erz- und Kalklager von Rreitenbrunn und Schwarzenberg von ß. Cotta. — 
Freiesleben, Beiträge zur miner. Kenntniss von Sachsen, 1817 (geogn. 
Arbeiten, V) u. Magazin für die Oryktographie von Sachsen, 1. Heft, 1828, S.26. 



110 Z e p h a r o v i c h, 

derb, zum Theil stengelig und krystallisirt im Grünstein — und Lei 
Bermsgrün (6). Interessant sind besonders die Gesteine, welche 
in der Grube Magdeburger Glück der Bermsgrüner Lagergruppe l ) 
einbrachen durch den grossen Beichthum an verschiedenen Mine- 
ralien, unter denen sich hohle und zum Theil schalig zusammen- 
gesetzte Id. -Kr. besonders auszeichnen, welche in ein kalkarliges 
Gestein mit Wollastonit eingewachsen sind und im Querhruche ab- 
wechselnde Kalk- und Id.-Binge zeigen. Auch auf Wellner's Fund- 
grube ist öl- und olivengrüuer und leberbrauner Id. in Kr. und derb, 
körnig und stengelig, in und mit Granat vorgekommen. — Ferner 
fand man Egeran in geringer Menge auf Klüften im Erlan-Lager am 
Hohen Bade bei Grünstäd tel 3 ), und einen egeranartigen Granat 
an der Gölzsch bei Auerbach 3 ) in fast dichtem Grünstein, wel- 
cher als Lager im Thonschiefer aufsetzt und Nester von Quarz, 
derben und eingesprengten Pyrit enthält 4 ). 

Grossherzogthum Hessen. 

Der körnige Calcit von Auerbach an der Bergslrasse im 
Odenwald führt ausser den bekannten Granat- Perimorphosen 
nebst den daselbst vorkommenden Pseudomorphosen von Epidot 
nach Granat, — Gegenstände, schon vielseitiger interessanter Erörte- 
rungen von A. Knop 5 ), Tb. Scheerer 6 ), B. Blum 7 ) und 0. 
Volger 8 ) — auch ähnliche Gebilde von Id. 

Nach C. Fuchs 9 ) bildet der Kalkstein ander bezeichneten 
Stelle eine 10' — 40' und darüber mächtige Spaltenausfüllung von 
beträchtlicherLangserstreckung zwischen Syenit im Hangenden und 



i) Erläuter. S. 237. (Vergl. K. v. Leonhard, Hültenerzeugnisse, 1858, S. 392.) 
-) A. a. U. S. 239. 
S) A. a. 0. S. 277. 

4 ) Zschorlau unfern Schneeberg, wurde noch als Fundort angegeben von schönen, 
dunkelbraun en Kr. mit Strahlstein, Limonit, Magnetit und Quai/. , im Glimmer- 
schiefer (G. Leonhard, Topogr. Miner. 1843,293; R. Blum, Oryktogn. 1804,316). 

5 ) Leo uli. ii. Br on u. Jahrb. 1858, 33. 

6) A. a. ü. 1859, 51. 

7 ) Pseudomorphosen 2. Nachtrag', 1852, pag. 11. 

s ) Leonh. u. Bronn. Jahrb. 1858, 393 u. a. a. 0. (s. d.) 

9 ) Der körnige Kalk bei Auerbach, Heidelberg 18Ö0. > Leonh. u. Bronn. Jahrb. 
1861, 495. 



Krystallographische Studien über den Idokras. 

Schriftgranit und Gneiss im Liegenden: von dem letzteren zum 
Calcit vermittelt eine eigenthümliclie Zone von Kalkthon-Siliraten 
den Übergang 1 ). 

An Handstücken beobachtete A. Knop aufeinander folgende 
Lagen in der Ordnung: 1. körniger Marmor (Gangausfüllung), 
2. Calcit, 3. Wollastonit, 4. Granatfels, 5. Schriftgranit in Dioiit 
übergehend und grobkörnigen Granit als Nebengestein. Aus Granat 
und Epidot besteht die dichte, zuweilen körnige Masse der Granat- 
fels-Zone: in Drusenräumen erscheinen daselbst bis flintenkugel- 
grosse Individuen von dunkelbraunem Granat — die Perimorphosen 
nicht weniger als 11 verschiedene Mineralsubstanzen umschliessend 
— Krystalle von farblosem Granat und bis 2" lange Epidot-Prismen. 
Fernere Bestandteile des Granatfelses sind, wie Knop weiter 
berichtet, ausser, die Hohlräume erfüllendem Calcit, nicht selten 
eine lauchgrüne chloritische Substanz in sechsseitigen Tafeln und 
Id. 3 ). Dieser ist häufig wegen Ähnlichkeit von Farbe und Bruch, 
nicht vom Granat zu unterscheiden; mitunter jedoch ist er dunkler, 
tief mumien-braun gefärbt und tritt hie und da auch wohl in Granat- 
drusen krystallisirt hervor, (001), (111), (221), (110), (210), 
(310), (100). Bisweilen zeigen sich grosse, schalig zusammen- 
gesetzte Individuen, welche einen Kern von Calcit, Diopsid, Granat. 
Wollastonit und Quarz umschliessen. 

Eine andere schwefelgelbe Id. -Varietät, ähnlich jener von 
Monzoni, fand sich früher in ziemlich grossen eingewachsenen Kr.; 
auf den Bruchflächen nicht selten cariös und in den zerfressenen 
Höhlungen mit sehr kleinen vielflächigen Kryställchen besetzt. Auch 
im körnigen Kalk (obige Zone 1) kommt Id. in mangelhaft aus- 
gebildeten, stark vertical-gerieften Kr. vor. 

Bemerkenswerth ist noch das Vorkommen einzelner Kr. oder 
Gruppen weniger Individuen von Molybdänit im Granatfels, nament- 
lich an der Bangertshöhe bei Hochstätten; weniger ausgezeichnet 



l ) Die graublaue Färbung der Kalksteine ist nach Bischof organischen Ursprunges ; 
sie brennen sich weiss. (Cliem. Geol. II. 1018.) 

3 ) Nach G. Leonhard sind die Kr. von Auerbach jenen vom Vesuv zum Verwechseln 
ähnlich (Topogr. .Min.). — Auch einzelne gelbliche Oligoklas-Lamellen mit deut- 
licher Riefung und Glimmer wurden im Granatfels von H. Fischer beobachtet, 
wesshalh ihn derselbe als eine sehr granatreiche Varietät des „Kinzigit" betrachtet. 
Leonh. u Bronn. Jahrb. 1861,641. 



j 1 2 Zepharovich. 

ist derselbe auch auf den Granatfels-Zonen im Banate von Oravicza 
und Szaszka bekannt geworden. Es lässt sich überhaupt zwischen 
den Contactgebilden von Auerbach, und jenen des ßanater und 
Rezbänyaer Gebirges eine Analogie nicht verkennen, im mineralogi- 
schem Sinne hergestellt durch das gemeinschaftliche Vorkommen der 
Silicate, von Granat und Id. (beide inPerimorphosen), Epidot, Wolla- 
stonit , faserigen Amphibol - Varietäten , Apophyllit , sämmtlich in 
und mit meist graublauem Calcit und metallischen Substanzen, wie 
Chalkopyrit, Tetraedrit, Mispickel, Pyrit, Magnetit, Eisenglanz, 
Hämatit, Galenit, Azurit, Malachit und Chrysokolla; die letzteren, 
die metallhaltigen Minerale, in Auerbach wohl nur als Seltenheiten 
gegenüber der reichlichen Entwickelung in den bezeichneten wich- 
tigen bergbaulichen Districten Österreichs. Aber auch für weitere 
Verfolgung der genannten Analogie in geologischem Sinne fehlen 
zum Theil wenigstens nicht nach den über Auerbach mitgetheilten 
Verhältnissen die Anhaltspunkte. 

Preussen. 

Mit den früher erwähnten sächsischen bieten die Erzlager- 
stätten von Kupferberg und Rudelstadt in Schlesien — nach 
Webskys Darstellung *) — manche Analogien dar. Die Kupfer- 
erzgänge daselbst treten vornehmlich in Dioritschiefern auf, welche, 
dem Glimmerschiefergebirge angehörig, von Kalksteinen und Dolo- 
miten begleitet werden. Ausserhalb des eigentlichen Erzrevieres 
erscheinen bei Rothenzechau und Alt- Kein nitz in Verbin- 
dung mit den Dolomiten, augitische Saalband-Bildungen, aufweichen 
Id. beobachtet wurde. An letzterem Orte tritt die Augitmasse, etwa 
2 Lachter mächtig — zwischen Dolomit und Quarzschiefer — auf 
und wird von Calcitgängen durchzogen, auf deren Seitenflächen Kr. 
von Hyazinthgranat, Ripidolilh untl Id., zum Theil in bis zollgrossen 
Individuen sich zeigen. In der Mitte dieses augitischen Saalbandes 
erscheint durch Übergänge mit dem Nebengesteine verbunden, eine 
1 — 2 Zoll starke Lage von ölgrünem durchscheinendem Serpentin, 
welcher Chrysotilschnüre und fein eingesprengte Arsenikkies-Kr. 
enthält. 



») Zeilschr. d. deutschen geolog. Ges. V. Bd., 18Ö3, S. 371$. 



Krystallograpbiscbe Studien über den Idokras. llö 

Nach Klöden fand sich nur einmal in der Nähe von Pots- 
dam ein innig verwachsenes Aggregat von Id.-Kr. als Geschiebe 
von 9 Zoll Durchmesser *)• 

Spanien. 

Nach älteren Angaben zu San Lorenz o in der Provinz 
Segovia, grünlichgrau in vierseitigen Säulen, mit Granat und 
Magnetit auf Gängen im Gneiss 2 ). 

Frankreich» 

Die Kalksteine der Pyrenäen enthalten nebst anderen acces- 
sorischen Gemengtheilen auch Id.-Kr. mit Flächen von (001), 
(110), (100) und (Hl) 3 ). In der Umgegend von Cauterets 
(Arond. Argeies) findet man in dichtem, grauen Kalkstein, grosse 
braune Granat-Kr., welche einen deutlich krystallisirten Kern von 
dunkelgrünem Id. umgeben. Beide Minerale sind so bestimmt von 
einander geschieden, wie Fluorit und Quarz an manchen Exemplaren 
von Derbyshire *). — Am Pic d'Arbizon (östlich von Viella) 
ward bräunlich-grüner Id. in krystallinischem Kalkstein von Granat 
und Axinit begleitet 5 ). » 

Irland. 

In der Grafschaft Donegal (Provinz Ulster) sind Fundorte: 
Derrylvaghan , Aggregate haarbrauner geriefter Prismen in 
grünlich -weissem Kalkstein; Barnes Gap be Kilmacrenan; 
bei Latte rmacher ward; Bambeg bei Gweedore, zuweilen 
ziemlich ausgebildete Krystalle (110), (100), (001) — (210), 
(310), (111), (101), (201) von haarbrauner Farbe mit schönen 
Granat-Kr. in körnigem Dolomit 6 ). 



tj Leo ah. u. Br. Jahrb. 1834, 417. 

2 ) Anales de bistoiia natural, VI. > K. C. (a ) u. G. L e o n ii a r d topogr. Miner.; 
0) 111, 1809. 

3 ) K. C. Leonhard. Oryktognosie, 1826,483. 

4) Descioizeanx. Min. I, 1862, p. 542. 

5 ) Leymerie, Min. II, p. 136. 

6 ) Greg- and Lettsom, Mineralogy of Great Britain and Ireland, London 1858, 
l>. 102. 

Sitzb. d. matbem.-naturw. Cl. XUX. Bd. I. Abth. 8 



\ [ J^. Zephnrovich. 

Schottland. 

Grafschaft Äberdeen: Glen Gairn in Kalksteinbrüchen, (110), 
(100), (001) — (210); am Guwn - Flusse »). — Auf der Insel 
Skye, anderthalb Meilen südlich vonBroadford am Wege nach 
Kilbride 3 ). 

Norwegen. 

Über die Fundorte der schönen, ihrer schaligen Textur wegen 
oft genannten Id. -Kr. dieses Landes, liegen in der Literatur nur 
spärliche und aus älterer Zeit stammende Nachrichten vor. Meinem 
Ansuchen um bezügliche Mittheilnngen hat mein verehrter Freund, 
Dr. Th. Kjerulf in Christiania, in besonders dankenswerter 
Weise auf das Bereitwilligste entsprochen durch Übersendung eines 
reichhaltigen Manuscriptes 3 ), welches ich diesem Abschnitte, sowie 
der später folgenden Beschreibung der Kr. zu Grunde lege. 

Drei verschiedene Vorkommen von Id. sind in Norwegen bekannt: 
I. im Kirchspiel Eker bei Drammen, II. beim Hofe Egg (Eeg, 
Eg) dicht bei Christiansand, und III. der „Cyprin" im Kirchspiel 
Souland in Telemarken und am Strömsheien im Sätersthal. 

I. Kirchspiel Eker, westlich vonDrammen: kleine, oft flächen- 
reiche Kr.; pistaziengrün bis oliven- und grasgrün. 

Ältere schriftliche Notizen Prof. Esmark's über norwegische 
Fundorte erwähnen: Id. krystallisirt in Allochroit vom See Ekern; 
ferner Id. und dichter Kalkstein. — Nach Prof. Keilhau 4 ) kommt 
stellenweise als Seltenheit Id. mit jenen Contactmineralien vor, welche 
an den Grenzen von Granit und Übergangsschiefer oder Kalkstein 
erscheinen: die häufigeren Contactgebilde sind Granat oder Allochroit 
nebst Epidot. Keilhau's Übergangsschichten gehören nachKjerulf, 
im Eker Kirchspiele, der ober- und untersüurischen Formation an. 
In der Nähe der grossenGranitmassen erlitten dieselben verschieden- 
artige Veränderungen. — Im Hammer -Fjeld nahe am Ekern-See 



i) A. o. n. o. 

-) An der Grenze zwischen Trapp u. K;ilk. <;. Leonhnrd. Topogr. Miner. 184:i, 292. 

8) Vom 24. April 1863. 

*) (i;ie;i norvegica. I. Theil. 



Krystallographisehe Studien über den Idokras, 115 

werden nachTellef D ahl's neueren Erhebungen, silurische Schiefer 
von Granit durchsetzt und demselben zunächst lagern Id. und Granat 
zwischen den einzelnen Schieferschichten; Calcit erfüllt die freien 
Räume der Kr. -Drusen. Unweit von der Contactfläche ist in den 
Schiefern ein 4 Fuss mächtiger Trapp-Gang aufgestiegen 1 ). 

Die Id. -Drusen erscheinen entweder unmittelbar auf dem hell— 
und schmutzigfarbigen gehärteten Schiefer 3) oder auf unbestimmt 
granatartiger Unterlage („allochroitisch" der älteren Autoren) und 
sind die nicht selten auf beiden Breitflächen eines Handstückes auf- 
sitzenden Kr. zuweilen von verschiedenem Typus. Als Begleiter 
erscheinen gelblich- weisser, selten sehr licht fleisch-rother Skapolith 
und Calcit; sie sind späterer Bildung, da körnige Partien des letz- 
teren, zuweilen mit Spuren von violblauem Fluorit, mit Id. bedruste 
Allochroitplatten überdecken, oder mit Kr. ausgekleidete Hohl- 
räume in derber Id. -Masse erfüllen ; auch gelblich-weisser, weicher' 
in Zersetzung begriffener Skapolith ist als Ausfüllung solcher klei- 
nerer Höhlungen zuweilen zu beobachten. Selten findet man äusserst 
kleine, röthlich-honiggelbe Granat-Kr., = z Oo, 00O, mOn, mit dem 
Id. verwachsen. 

II. Egg bei Christiansand: Kr. mit ansehnlichen Dimensionen 
und ausgezeichnet schaliger Textur; dunkel grünlich -braun bis 
kölophonium-braun. 

In dem nördlichen Theile der Umgegend von Christiansand 
erscheinen nach Tb. Scheerer 3 ) mitten im Gneisse, Nieren von 
krystallinisch-grobkörnigem Kalkstein, zum Theil von sehr ansehn- 
lichen Dimensionen, an deren Grenzflächen gegen den Gneiss, 
Granat- und Id. -Massen, als mehr weniger breite Einfassung auf- 
treten. Der marmorartige Calcit der Nieren ist fast durchaus mit 
zahlreichen kleinen Augit-Kr. erfüllt; an einzelnen Punkten werden 



i) Ganz analog beobachtete Kjerulf neulich in der Umgegend von Christiania, 
bräunlichen Granat und grünen Epidot in Krystallen und derb, streifenweise zwi- 
schen den Schichten von obersilurischem Kalkstein, der in der Nähe der grossen 
Porphyrgebiete in Marmor verändert ist. Die Silicatstreifen treten deutlich aus den 
angewitterten .Marmorschichten hervor. 

'-) Am See Ekern wahrscheinlich der unteren silurischen Abtheilung angehörig. 
(Kjerulf, das Christiania-Silurbecken, S. 33 u. 47.) 

s ) Nyt Magazin för Naturvidenskaberne, 4. Bd. S. 158— 159. — Geogn. mineralog. 
Skizzen, gesammelt auf einer Reise an der Siidküste Norwegens. Leonh. und 
Dr. Jahrb. 1843, S. 664, Taf. VII, Fig. 3. 

8* 



\ \ ß ZepharoYich. 

dieselben durch Kr. von Skapolith, sehr selten von Chondrodit (?) 
und Pleonast verdrängt; ausserdem findet man noch im Calcit ein 
grünes feldspathartiges Mineral, Magnetit, Pyrrhotin und Molyb- 
dänit. In der Nähe der Höfe Egg und Eie sind Granat und Id. 
in bedeutenden Massen entwickelt, stellenweise bis zur Verdrän- 
gung des Calcites. Nebst Granat und Id. kommt an der ersteren 
Localität noch Skapolith, Augit und Magnetit, an der letzteren Ska- 
polith und Sphen vor. 

Tellef Da hl besuchte während der geologischen Aufnahme 
Norwegens im Jahre 1861 die Fundstelle Egg; nach seiner Mit- 
theilung (Manuscript) ist das Vorkommen daselbst ein Analogon 
jener Ganggesteine *) in der Gegend von Arendal, welche beinahe 
ganz aus körnigem Calcit bestehen. Beim Hofe Egg erscheinen in 
den von schwebenden Pegmatit- Gängen durchzogenen Gneiss- 
schichten (azoische Straten), conform der Schichtung liegend, 
solche Calcitgänge, welche durch eingestreute Skapolith- und Augit- 
Kr. eine Art Parallelstructur erhalten haben. An den Grenzflächen 
von Calcit und Gneiss, auf dem letzteren aufgewachsen, lagern 
Granat und Id., beide meist in inniger Verwachsung. Die derben 
Massen sind die Träger gleichartiger grosser Kr.; mitunter erschei- 
nen platte Stücke beiderseits mit Drusen besetzt. Die Id. zeigen 
zuweilen Eindrücke von Granaten ooO stammend, Einschlüsse von 
solchen, von späthigem Calcit und von kleinen Quarztheilchen; ferner 
findet man Verkittungen geborstener Kr. durch Quarz- und Id.- 
Masse und Ausfüllungen der Kr. -Zwischenräume in den Drusen 
durch Quarz. 

Sillem beschrieb achtseitige Id. -Säulen, welche ganz inWer- 
nerit umgeändert, aus mehreren übereinander folgenden Lagen ge- 
bildet scheinen und oberflächlich mit einzelnen deutlichen Wernerit- 
Kr. besetzt waren. Andere Kr. bestehen aus einem Gemenge von 
Wernerit und Granat, in welchem bald das eine, bald das andere 
Mineral vorherrscht 2 ). 



') Granat, \ugil u, Caleil in sehr wechselnden Verhältnissen gangförmig (eruptiv) in 
krystalünischen Schiefern. Th. Kjernlf u. Tellef Dahl: Über das Vorkommen 
der Eisenerze bei Arendnl, Näs u. Kragerö. Leonh. u. Bronn's Jahrb. 1862, .'S7.'>. 

; ) Leon h. u. B r. Jahrb. 1834, 417. 



Krystallographisehe Sludien über den Idokras. 117 

III. Über das Vorkommen des „Cyprin" am Hofe Kleppan im 
Kirchspiel Soul and, District Telemarken, berichtet Th. Sc hee- 
rer 1 ): Grössere und kleinere Adern und Nieren von Quarz, häufig 
in einem hornblendereichen Gneisse, enthalten stellenweise Thulit, 
Cyprin, gelben Granat, violblauen Fluorit und derben Pistazit. — 
Vom Strömsheien am Stroms -See in Sätersdalen erhielt die 
Universitätssammlung in Christiania Exemplare von Cyprin mit 
violetem Fluorit und grauem Quarz. Nach Kjerulf ist auch dort 
Hornblende-Gneiss die Gebirgsart und stammen die Stücke wahr- 
scheinlich aus Granitgängen oder aus der Nähe derselben. 

Wie über das Vorkommen enthielten die brieflichen Mitthei- 
lungen Kjerulfs auch sehr werthvolle Daten über krystallogra- 
phiselie Verhältnisse, welchen ich meine Beobachtungen an Exem- 
plaren des Wiener mineralogischen Cabinetes anschliesse. 

I. Krystalle von Eker. Kleiner und meist flächenreicher als 
jene von Egg, unterscheiden sich dieselben von den letzteren auch 
durch die minder hervortretende schalige Textur, sowie durch ihre 
grüne Farbe. Unterlage und Begleiter sind oft an beiden Fundorten 
ähnlich. Die grössten Eker - Kr. erreichen 20 Mm. in Höhe und 
Breite; diese Dimensionen sinken aber bis 2 Mm. und noch weiter 
herab, gewöhnlich sind sie breiter (7 Mm.) als hoch (5 Mm.). 
Farbe: pistaziengrün, bis gras- und olivengrün; oft erscheint die 
mittlere Partie der Säulen von einem lichteren, gelbgrünen Bande 
durchzogen. 

Beobachtete Formen: 

((001), (118), (113), (111), (101), (132), (131), (241), (131), (110), 
\ OP %P y 3 P P Poo %PZ 3P3 4P2 5P3 <x>P 

((470), (120), (130), (100). 

\ ooP7/ 4 coP2 ~P3 coPeo 

Es lassen sich zwei Krystall-Typen unterscheiden. 

Hab. a) Flächenarme Krystalle. Würfelähnliche oder 
breitsäulige Formen, entweder durch (001) allein oder durch (001) 
(111), (118), (113) und (101) geschlossen. 



*) Nyt Mag-, f. Naturv. 4. Bd. 406. 



118 Z e p h a r o v i c h. 

In beiden Fällen herrscht unter den Prismen-Flächen das ver- 
tical geriefte (HO) vor; (120) ist gewöhnlich mit abwechselnd 
breiteren Flächen und das ungeriefte (100) ganz schmal ausgebil- 
det. Die Fig. 63—67 *), Taf. XI geben ein Bild der Formen und der 
Oberfläche von (001), letztere erinnert an die Kr. vom Vesuv. 
(101) scheint stets matt zu sein. 

Hab. b) Flächen reiche Krystalle mit den früher ge 
nannten Formen und oktogonalen Pyramiden. 

Fig. 68, Taf. XII ist nach einem Kr. des Wiener Cabinetes 
(Nr. ~) entworfen, dessen Flächenausbildung an dem oberen und 
unteren Pole die Fig. 69 und 70 zeigen 2 ). 

c(001), 3(il3),p(lll), o(lOl), tf(24i), ^(132), s(131), 
v(151), w(110), f>(470), f(l20), A(130), «(100). 

Die Flächenbeschaffenheit liess nur für die Combinations- 
Bestimmung genügende Messungen zu, insbesondere war auf (001) 
die Reflexion undeutlich. Aus den besseren Daten: 

Gewicht Gewicht 

p'w! = S2° 57' (2) p'S' = 22° 57' (1) 

p^ = 23 5 % (1) nk =.*6 41 (1) 

i 7 t 8 = 23 . 28 J/ 3 (3) 

mit Ausnahme von_p3, würde ein kleinerer Werth als 37° 7' (Mobs) 
für pc folgen. 

Als neu wäre das Prisma (470) = ooP 7 / 4 zu bezeichnen, von 
welchem eine dicht geriefte Fläche zwischen m und f zu beob- 
achten war. Ich fand annähernd durch wiederholte Messungen: 

Gewicht Berechnet 

fm' = 15° 7' (1) 15° 15' 18" 

ff = 3 28 (a) 3 10 48 

daraus 

m'f = 18 50 (1) 18 2G 6 



*) Fig. 63 u. 64 nacli Kjerulf's Handzeichnungen. 

2 ) Andere Zeichnungen von Eker-Kr. gibt D ul'reno y's Atlas, 1856, Taf. 1 St, Fi}» - . •">.'»: 
ferner Presl's Atlas, Taf. 8, Fig. 283, 287, Ü93, 295, 21)7 u. 298. ( /') OP, (i) ' J\ 
(«)» .,/'. (<•)/'. (p)Foo, ( a )3 .,/';>,, (,v) ;;/>;;, (d)ooP, f(ooP2, (A)oo7>3, (M)coPco. 
Die Angaben von (/) und (ii) dürften nichl auf Messungen lieruhen. 



Krystallographische Studien über den [dokras. 119 

ferner für die seltene Fläche (130) = ooP3, hier ebenfalls einmal 
äusserst schmal und glatt auftretend: 

Gewicht Berechuet 

h'f = 7° 43' (a) 8° 7' 48" 

h'a = 18 38% («) 18 2G 6 

Andere Flächen von f= (120) ergaben ebenfalls wie die oben 
bezeichneten, grössere Abweichungen von der normalen Lage, so 

/> 3 = 17° 49' (1) f b a 3 = 26° 38% ' (3) 

fctn, = 18 50 (1) f 7 f 8 = 52 48% (1) 

Als Mittel der Messungen mehrerer Kanten eines ähnlichen 
Kr. wie der oben besprochene, fanden Kjerulf und Irgens mit 
einem gewöhnlichen Wollaston'schen Goniometer bei Tageslicht: 

n Grenzwerthe 

pc = 36° 56' 12 36° 48 — 37° IS' 

pp = 74 8 10 73 40 — 74 20 



daraus pc = 37 — 22 

ic = 40 18' 3 sc = 58 58 1/ 3 2 (a) 

n 

pS = 22° 36 V 3 ' T 

welche Werthe (ausgenommen ic) ebenfalls zu dem von mir oben 
angegebenen Ergebnisse führen. 

An einem zweiten Kr. ergab sich aus sechs Messungen pp == 
74° 8' (mit den Grenzwerthen 74° 0' — 74° 14') oder pc = 37° 4'. 

Ferner bestimmte Kjerulf durch Messung eines dritten, 5 Mm. 
breiten und 3 Mm. hohen Kryst. 
c(001), $(m), p(iii), (101), (132), (131), m(110), (100) 





n 


Grenzwerthe 


pc = 36° 42' 


10 


36° 25' —37° 5' 


pp = 73 27 


10 


37 10 —73 35 



daraus pc = 36° 42%' 20 

Es war mir sehr erwünscht, denselben Kr., der einen so auf- 
fallend geringen Werth der Kante pc ergab, auch selbst unter- 
suchen zu können. Obgleich glatt, Hessen sich doch auf den Flächen 
freie, die Ebenheit störende Bruchlinien erkennen; nur oben zum 
Theil vollständig ausgebildet, erschienen durch seitliche Verwach- 
sung in der Druse gehindert, von den Prismen nur ein paar kleine 



120 Zepharovich. 

Flächentheile; aus diesen beiden Umstanden konnte schon auf die 
Winkel-Anomalien geschlossen werden. 

Die Ergebnisse der Messungen mit meinem vollkommenen In- 
strumente sind für die drei vorhandenen Flächen von (111) 

Gewicht Gewicht 

p'c = 37° 6' 22" (1) p'"c = 36° 30' 52" (2) 

p'm' = 52 43 45 (1) p'"m'" = 53 24 45 (1) 

89° 50' 7" 89° 55' 37" 

p"c = 36 58 37 (2) 

Zwei (Ill)-Flächen, und (001), letzteres unsicher, gaben das 
Fadenkreuz; reducirt man die pm auf pc, so ergibt sich aus den 
vorstehenden fünf Messungen mit Rücksicht auf die Gewichte, als 

Mittel 

pc = 36° 50' 58", 

von dem obigen Werthe Kjerulfs um circa 8 Minuten abwei- 
chend, welche Differenz zum grossen Theil auf Rechnung der ver- 
schiedenen Güte der beiden Instrumente zu setzen ist. Mittelst drei 
annähernden Messungen fand ich ferner 

5c = 14° 6'. 

Die Krystalle der beiden Typen, von Skapolith undCalcit begleitet, 
sind entweder auf verändertem silurischen Schiefer oder granatartiger 
Masse aufgewachsen; kommen beide, wie bereits erwähnt, an einein 
Handstücke yor, so sind jene vom Typus a weniger glänzend im 
Vergleiche zu b. 

Zwei Bestimmungen ergaben das speci fische Gewicht 
= 3*451. Rammeisberg fand am Id. von Hongsund im Kirch- 
spiele Eker das spec. Gewicht 3-384 l ). 



II. Rrystalle voii Egg. Vor beiläufig 40 Jahren brachte der 
Kopenhagener Mineralienhändler Nepperschmidt die anfänglich 
für Epidot gehaltenen Kr. nach Deutschland, wo sie alsbald durch 
ihre ungewöhnliche Grösse und ausgezeichnet schalige Textur die 
Aufmerksamkeit der Mineralogen auf sich lenkten. 



i) Mineralchemie, lbCl). 734. 



Krystallographische Studien über den [dokras. 121 

Weiss •) gab 1829 eine genaue Beschreibung der Egg.- Kr., 
welche durch die Bekanntmachung der an denselben auftretenden, 
damals neuen oktogonalen Pyramiden (132) = 3 / 2 PS ~) besondere 
Wichtigkeit erhalt. Weiss schliesst seine Abhandlung über diese 
Kr., welche bezüglich ihrer Schalentextur vollkommene Seitenslücke 
zu den grossen Epidot-Kr. von Arendal und den Wolframiten von 
Altenberg liefern, mit den Worten: „Was sich schon aus der dick- 
schaligen Structur der Yesuvian-Kr. vermuthen lässt, die Analogie 
in der Lagerstätte derselben und jener von Arendal, wird sich ver- 
muthlich immer mehr bestätigen, und schon gehören die Skapolithe 
und die völlig kalkspathartigen, grobkörnigen Kalksteine von Egg, 
zu den Belegen dieser Analogie". In der That haben die neuesten 
geognostischen Untersuchungen Tellef Dahl's (s.S. 116) die Ähn- 
lichkeit der beiden mineralreichen Lagerstätten erwiesen. Aber der 
in Egg so häufige Id. fehlt nach den norwegischen Berichten 3 ) 
in Arendal. G. Leonhard 4 ) sah Kr. von Arendal in einer Ber- 
liner mineralogischen Sammlung — dieselben stimmen nach der 
Beschreibung vollkommen mit jenen von Egg überein — und nennt 
Arendal als Fundort .in seinem trefflichen Handwörterbuche der 
topographischen Mineralogie 5 ). Wahrscheinlich beruhen diese An- 
gaben auf einer Verwechslung der Fundorte, bei der Ähnlichkeit 
des Vorkommens leicht möglich. 



*■) Über den Vesuvian von Egg' bei Christiansand. Verhandlungen der naturforschenden 
Freunde zu Berlin I. Bd. 4. Stück, S. 261. Vergl. auch L eo u ha rd's Taschenbuch 
1826. 1. 467. 

3) Die neue Pyramide (a : '/ 3 a : «/ g c) mit den Polkanten -Winkeln 23° 30' u. 33° 30', 
und (a : i/ 3 a : i/ 2 c) : ( a '■ a '■ c ) = 16° 45', beobachtete Weiss auch an Krystallen 
vom Vesuv ; ferner sagt eine Anmerkung, dass ihm ausserdem (« : a : 3c) vorge- 
kommen sei. — Diese beiden Formen scheinen aber, — falls sie Weiss nicht 
schon früher als a. a. 0. mittheilte (cü. in Leo n hard's Taschenbuch) schon be- 
kannt gewesen zu sein. Philipps, Mineralogy. 1. Aufl. 1823, enthält Messungen, 
welche er an (132) u. (331) vorgenommen hatte (s. S. 38). 

3 ) Hausmann. Reise durch Scandinavien in den Jahren 1806 u. 1807. II. Th. S. 143 
bis 150. — Th. Kj e r u If und Te lief Dah I. Die Mineralien von Arendal, Trede- 
strand, Kragerö und Langen" nach ihrem geologischen Vorkommen geordnet. 
(Leonh. u. Bronn. Jahrb. 1S62, 580.) — Th. Scheerer. Reise au der Siidkiiste 
Norwegens. (Leonh. u. B r. Jahrb. 1S43, S. 648— 660.) — Weybie. Beiträge 
zur topogr. Mineralogie des pistrictes Arendal. (Leonh. u. Bronn. Jahrb. 1849. 
S. 559.) 

4 ) Leonh. u. Br. Jahrb. 1841, 8.75. 

5) 1843, S. 292. 



J *> 2 Z e p h a ro v i c h. 

Nach Weiss sollen die Kr. von Egg bis über einen halben 
Fuss Höhe erreichen und sind dieselben gewöhnlich mehrere 
Zolle hoch und breit. Das grösste Exemplar der Universität Chri- 
stiania misst 9 Cm. in der Höhe und 7 Cm. in der Breite, die 
kleinsten sind ungefähr 1 Cm. breit. Die meisten zeigen die 
bekannte schalige Zusammenfügimg und zwar parallel den Säulen- 
flächen und der Basis an ein- und aufgewachsenen Kr. des Wiener 
Cubinetes folgen sich die einzelnen Schalen gleich den Gläsern 
eines Einsatzes, und wurde durch Ablösung der obersten Lagen 
ein kleinerer glattflächiger Kr. im Innern enthüllt. An abgebro- 
chenen Kr. zeigt sich die schalige Fügung besonders deutlich; 
die gegenseitige Verwachsung der einzelnen Schichten ist mehr 
weniger innig. Zuweilen zeigen sich zwischen denselben kurze 
Hohlräume oder poröse Stellen, die dann auch im Äussern auf der 
Endflache in regelmässiger Anordnung sichtbar werden. 

G. Leonbard fand die Kernform häufig von Schalen mit 
abgeleiteten Formen umgeben, welche um so glanzloser und rauher 
wurden, je mehr sie sich der äusseren Rinde näherten. Nebst diesen 
Zeichen chemischer Einwirkung tragen fast alle Kr. in ihrer zer- 
borstenen rissigen Oberfläche deutliche Spuren erlittener mecha- 
nischer Gewalt. Manche wurden breit zerklüftet, und später wieder 
durch Id.- oder Quarzmasse verkittet. An den dunkelgrünlich- bis 
kolophoniumbraunen undurchsichtigen Kr. zeigen sich nicht selten 
von den tieferen Schichten oder Sprüngen her, hell leuchtende, 
rothe, gelbe oder grüne Reflexe in Flecken, Adern oder Pünktchen. 

Eine grosse Zahl von Flächen ist nur in der Prismen-Zone 
entwickelt, denn häufig werden die vier- oder achtseitigen Säulen 
durch Abstumpfung oder Zuscbärfung der Kanten unbestimmt viel- 
seitig; dieselben gehen über in vollkommen cylindriscbe Formen. 
Dagegen sind die Prismen meist nur durch eine Fläche, (011), ge- 
schlossen; zuweilen treten noch in sehr ungleicher Ausdehnung die 
Flächen von (111) hinzu; andere untergeordnete Flächen sind 
seltener. 

Nachgewiesen wurden: 

c(001), p(iii), o(101), *(132), m(ilO), f(t20), «(100). 

Zu Messungen mit dem Reflexionsgonioineter sind diese Kr. 
nicht geeignet. 



Krystallographische Studien über den Idokras. 12o 

Weiss hat an einer Combination : (001), (111), (132), 
(101), (120), (100), (a. a. Taf. X) die Indices der Fläche (132) 
berechnet aus den Messungen 

ic = 40° 12' ip = 16° 45' 

fä = 23 30 f^ = 33 30 

Die Endfläche ist meist glatt aber gewöhnlieh rissig, verzogen, 
oder eingeknickt. Nur selten und spärlich trägt sie quadratische 
oder rundliche, lamellar aufgeschichtete Blättchen, oder ist parallel 
zur (HO)-Kante mit zarten Linien eingefasst. Die ebenfalls rissigen 
Prismen-Flächen sind vertical gerieft, (110) weit dichter als (100), 
auf ersterem schneiden die kantigen Furchen oft tief ein (Fig. 71). 
Eine eigentümliche Riefnng auf (100) parallel der Kante, mit 
der einen anstossenden Fläche von (Hl) wurde von Kjerulf 
beobachtet. 

Nach Weiss entsprechen die derben Id. -Varietäten von Egg 
auf das Vollkommenste dem Egeran von Haslau sowohl in Farbe als 
in der charakteristischen geradstengeligen Textur. 
Spec. Gewicht = 3436 i). 



III. Von der ihres Kupfergehaltes wegen Cyprin genannten 
himmelblauen bis spangrünen Id. - Varietät 2 ) sind vollständige und 
gut ausgebildete Kr. selten zu sehen. Jene aus Souland zeigen 
vertical geriefte einfache Säulen von himmelblauer Farbe: (001), 
(HO), (100) bis 13 Mm. hoch und 8 Mm. breit, welche häufig 
mit einander gleich gerichtet, seitlich verwachsen sind und dann 
bei geringer Breitendiinension tief furchige Bündel -Aggregate 
bilden. Schalige Textur ist nicht vorhanden. Auf der feuchtglän- 
zenden (001) bemerkt man die bekannte Parkettirung durch zahl- 
lose quadratische Blättchen. Das schwachgeriefte, stark glasglän- 
zende (110) ist nach Kjerulf mit unregelmässigen, meist tropfen- 
förmigen Conturen gezeichnet; derselbe beobachtete auch an einem 
circa 9 Millim. hohen und 2 Millim. breiten Kr. die auffallende, in 
Fig. 72, Taf. XII dargestellte Riefung, diagonal auf (HO) und 
horizontal auf (100). 



J ) Rammelsii erg. Mineralchemie, 1860, 735. 

f -) Stark doppelt strahlenbrechend nach Descloizeaux, Miner. 1862, I. 283. 



124 Zepharovich. 

Die Cyprine kleiden mit Thulit, Granat, Fluorit und Epidot, 
Hohlräume in rauchgrauem körnigen oder dichten Quarze aus und 
schliessen zuweilen Fluorit-Theilchen ein. 

In Strömsheien kommen nur stengelige Individuen (bis 
20 Mm. lang und 10 Mm. breit) von himmelblauer bis spangrüner 
Farbe, von violetem Fluorit begleitet, in grauem Quarze vor. 
Spec. Gewicht des Cyprin = 3-228 *)• 

Schweden. 

Gökum eine Meile südwestlich, von den Üanemora-Gruben in 
Upland: die (2 1 / a procent.) magnesiahältige Varietät „Loboit"-), 
in weissgrauem körnigen Kalkstein. Vier- oder achtseitige, meist 
längsgeriefte und querrissige Prismen, bisweilen durch eine glän- 
zende ebene Endfläche, äusserst selten durch Pyramiden geschlos- 
sen, stets seitlich zu Aggregaten verwachsen; dunkel olivengrün, 
an den dünnsten Kanten durchscheinend. 

Nach Blöde ist der Loboit zum Egeran zu rechnen. Der 
Kalkstein enthält ferner weissen feinstrahligen Wollastonit und 
Allochroit 3 ). 

Spec. Gewicht = 3-393 (Murray). 

Lindbo am Billsjö-See in Westmannland (Vestanfors- 
Kirchspiel): achtseitige Id. -Prismen in weissgrauem körnigen Kalk- 
stein, welcher ausserdem Kaneelstein, hellbraunen, brandgelben 
und schwarzen Granat, Amphibol, Skapolith, Augit, Glimmer, Quarz, 
Magnetit und Molybdänit führt 4 ). 

Fahlun in Dalarne. Kurze nadelförmige starkglänzende 
Kryställchen (HO), (100), dunkel olivengrün, durchscheinend mit 
(und zum Theil in) braunem Fahlunit eingewachsen in graulich- 
grünem Talkschiefer 5 ). — Von Tunaberg in Södermanland 
hat Rammeisberg einen grünlich braunschwarzen Id. mit dem 

spec. Gewicht = 3383 
analysirt 6 ). 



') Nach Kichardson in Thomson's Miner. I. > Dufrenoy's Miner. 1886,111, |>. 162. 

2 ) Von Berzelius nach J. v. L o h o, der sie beschrieben, benannt. 

:; ) W. II isi nger's miner. Geogr. von Schweden. 1. Aufl. v. K. A. Blöde 1819 , 

S. 168 u. 39S; 2. Aufl. von F. Wöhler, 1826. S 109. 
*) II isi nger's miner. Geographie, v. Wöhler, S. 146; v. Blöde, S. 126, 390, ,'iU. 

5 ) Kenngott, miner. Notizen, Ber. der Wr. Akad. d. Wissenseh. 1858, XV, 234. 

6 ) Miner. Chem., 1860, 735. 



Krystallograpliische Studien über den Idokras. 1 Zo 

Russland. 

N. v. Kokscharow's Materialien zur Mineralogie Russlands 
enthalten im i. Bande, S. 92 — 140, eine ausführliche Monographie 
der russischen Idokrase, auf welche werthvolle krystallograpliische 
Arbeit schon wiederholt hingewiesen wurde ; hier sollen aus der- 
selben noch die Angaben folgen, welche sich auf die einzelnen 
Localitäten beziehen. Solche sind bekannt: I. in den Kirchspielen 
Imbilax, Mäntzälä, Kimito und Bjerno in Finnland; 
II. im Slatouster und Katharinenburger Bergrevier des 
Uralgebirges, und III. am Wilui- Flusse in der Jakutsker 
Oblast im östlichen Sibirien. 

An den Kr. bestimmte Kokscharow die Formen: 

((001), (113), (111), (221), (331), (101), (201), (121), (133), (AAQ, 
\ 0P i/ s P P 2P SP Pco 2Poo 2P2 P3 Pn 

' P ich t o u z x h 

(132), (131), (hhV), (HO), (120), (100). 
%P3 3P3 mPm c*P <x>P2 <x>P<%> 

a s (m > 3 ) d M 

n. m. w. k. 

I. Finnland. 

Fast alle oben angegebenen Kirchspiele liefern die über 
10 Procent magnesiahältige Varietät den „Frugardit"; in Mäntzälä 
kommt aber auch noch der kali-, natron- und magnesiahältige 
„Jewreinowit" vor. Vorzügliche Frugardit-Kr. stammen von 
Frugard im Kreise Nyland l ) und aus dem Marmorbruche Ho- 
ponsuo in Imbilax: (110). (100) mit (001). (111) oder (001). 
(111:001) = 37° 15" 

Die Kanten wenig abgerundet; (HO) hell olivengrün, (001) 
dunkel bis schwarzbraun. Beim Zerschlagen grösserer Stücke ge- 
wahrt man krystallinische Flächen, selbst vollkommen ausgebildete 
Krystalle. 

Spec. Gewicht = 3-349. 

Der Jewreinowit erscheint in kleinen stengeligen Par- 
tien mit zwischengelagerten Kr., hellbraun, zuweilen auch farblos 



!) Von hier bewahrt das Wr. Miner. ('ab. feinslengelige , dem „Egeran" ähnliehe 
Aggregate. Einen bräunlich-grünen undurchsichtigen grossen Kr. OP, o«P, ogPI, 
°°i >no aus Finnland mit Roman/.owit vorkommend, hat Levy abgebildet, Atlas 
XXXIII, Fig. 3, auch Dufrenoy, Atlas, pl 151, fy 32. 



"126 Zepharovicli. 

in grobkörnigem Marmor. — Arppe analysirte einen Jewreinowit 
von Frugard von hellblauer Farbe und spee. Gewicht = 3-386. 
Derselbe fand auch braunen Id. (sp. Gew. = 3-37) mit 4*32 Magnesia 
(1-06 Zinnoxyd) mit Granaten, krystallinisch und in Kr.-Fragmenten 
bei Lupikko, unweit von Pitkäranta bei Schürfarbeiten, welche 
ausser grösserer Menge von Chalkopyrit und Blende, noch Magnetit, 
Arsenikkies, Fluorit, Calcit, Serpentin. Pyroxen und ein dem Metaxit 
sehr ähnliches Mineral „Metaxoit" lieferten 1 )> 

II. Uralgebirge. 

1. Grube Achmatowsk im Nasjamsker Gebirge (Di- 
strict Slatoust). An den Berührungsstellen von Calcitgängen und 
Chloritschiefer erscheinen schöne Kr. im Calcit eingewachsen oder 
Hohlräume des Schiefers auskleidend. Es lassen sich vier Kr.- 
Varietäten unterscheiden : 

A. Prismatische Krystalle. 

a) Licht pistaziengrün, zuweilen oberflächlich dunkelbräunlich- 
grün, an den Kanten durchscheinend, bis 40 Mm. hoch, mit Flächen 
von (001), (111), (331), (132), (131), (110), (120), (100). 
Fig. 2, 7, 8 3 ); in den Combinationen vorherrschend (001) u. (HO), 
Fig. 2, oder (331) und (110), Fig. 7 und 8; (HO) fein verlical, 
gerieft, die übrigen Flächen glatt und glänzend. 

(111): (111) = 50° 39'. Spec. Gew. = 3-354 K. 

b) Dunkelbraune, ziemlich grosse Kr. (bis 30 Mm. und mehr 
im Durchmesser) Fig. 4: (001)*. (111). (HO)*. (120). (100). 

B. Pyramidale Krystalle. 

c) Dunkel pistaziengrün in's Olivengrüne, halb durchsichtig bis 
durchscheinend; kleine, höchstens 10 Mm. breite Kr., pyramidal 
oder tafelig, je nachdem (111) und (101) oder (001) vorwalten; 
die Prismen sind untergeordnet oder fehlen gänzlich. 

(001). (111) . (331). (101). (201) . (132) . (131). (1 10). (100). 
Fig. 9, 10, 11, 12 2 ), die Flächen von (111) undeutlich spiegelnd. 
Spec. Gewicht = 3400 K. 



i) Verhandl. der k. Ges. f. Min. zu Petersburg, 1862, S. 144. 

~) Diese und die folgenden Fig. s. Taf. X und XI in Kokscharow's Atlas. 

* Vorherrschende Flüchen. 



Krystallographische Studien «i I > t» i- den Idokras. 



127 



d) Dunkel rothbraune, ziemlich grosse Kr., 30 Mm. und mehr 
im Durchmesser, mit schwach spiegelnden Flächen von 
(001), (113), (111), (221), (331), (101), (133), (IM) (/c> 3), 

(HO). 

Träger der Combination: in Fig. 13: (001 ). (111). (110), in 
Fig. 14: (001). (111). (331). (101). Spec. Gew. = 3-364 K. 

2. Im Kumntschinsker Gebirge, beiläufig % Meile von 
der Grube Poljakowsk (Slatoust). „Heteromerit" (zum Theil) 
dicht körnig oder stengelig, in Höhlungen und Klüften kleine aus- 
gezeichnete glattflächige, halb- bis vollkommen durchsichtige Kr., 
pistaziengrün in\s Spargelgrüne 0. 

Die säuligen Combinationen von P(001), c(lll), (331), 
<12i), «(132), «(131). (IM) A->3, (110), (100), erlangen 
durch breit angelegte Flachen von (131) einen eigentümlichen 
Typus, Fig. 5 und 6. 

Unterhalb (131) erscheinen gewöhnlich noch mehrere äusserst 
nahe liegende schmale glänzende Flächen von (1£1) &>3. Die 
Resultate der sorgfältigen Messungen Kokscharow's sind: 

u) an einem Krystalle: 



cP = (111): (001) = 37° 13" 25' 
cc = (111): (111) = 50 39 30 

b) an 7 Krystallen: 

«(211): e(iii) = 18° 6' — " 

«(312) : a"(3T2) = 23 37 30 

„ : «'(132) = 33 39 — 

„ : ^(111) = 16 49 45 

s(311) : P(0W) = 59 29 50 

„ : 6"(3T1) = 31 41 2 

„ : «'(131) = 45 16 25 

„ : c(lil) = 29 28 42% 

„ : j(211J =11 21 — 

„ : «(212) =19 10 - 



Anzahl A. Messungen 

17 
3 



5 
2 
1 
3 
55 
14 



»eraess. Kanten 

3 
2 



1 
2 
1 

4 
30 
7 
4 
2 
1 
1 



Sämmtliche gemessene Winkel stimmen vorzüglich mit den 
gerechneten überein, nur die auf s(131) bezüglichen ergeben Ab- 
weichungen, welche aber höchstens für ss' den Betrag von 7 Minuten 



l ) Das Vorkommen angeblich nesterweise in Serpentin, welcher ein feldspathartiges 
Gestein in Schnüren durchzieht (Kokscharow a. a. 0. Anm. S. 127). 



128 Zepharo vich. 

erreichen. Vier Flächen (n, w, m, fc) der Form (IM) &>3 
Hessen sich sicher bestimmen. Die Messungen ergaben: 

P(001) : n = 59° 45' 45 

P(001) : w = 59 51 15 

P(OOi) : m = 59 55 15 

P(OOi) : k = 59 58 45 

und aus diesen folgen die Zeichen: 

n = (3.03P3.03) 
w = (3.04P3.04) 
m = (3.05 P3. 05) 
k = (3.07 P3. 07) i) 
Spec. Gewicht = 3-397 (2) 2). 

3. Medwediewa im Schischimsker Gebiete (Slatoust) 
„Heteromerit" (zum Theil 3 ), meist kleinkörnig bis dicht öl- und 
zeisiggrün in's Gelbe; sehr kleine, höchstens 5 Mm. hohe, durch- 
sichtige grüne, ringsum ausgebildete, säulige Kr. Fig. 1 : (001). (111)* 
(110)*. (100), eingewachsen in weissem dichten Granat (Gros- 
sular). — Ausser dieser nicht mehr vorkommenden Varietät finden sich 
noch gegenwärtig, sehr selten im Mineralbruche der Schischimskaja 
Gora Drusen erbsengelber Kr. auf dichtem gelblichen Granat. 

Spec. Gewicht = 3-379 (3). 

4. In der Gegend der Kyschtymsker Hütte (District 
Kyschtym) und der Mramorsker Hütte (District Katherinen- 
burg) findet man derben dichten Idokras von apfelgiüner Farbe; 
am ersteren Orte als Seltenheit in Geschieben der Goldseifenwerke 
in der Nähe des Flüsschens Barsowka, begleitet von Barsowit, 
Korund, Spinell u. s. w. 

Spec. Gewicht = 3-30-3-37. Hermann *). 



1) Da der Unterschied der Winkel nP und kP ein kleinerer ist als jener von sP und nP, 
so lassen sieli die vier ersteren Flächen als zusammengehörig betrachten und durch 
eine Fläche von mittlerer Lage repräsentiren, um das Erscheinen derselhen über- 
haupt an dieser Stelle festzuhalten. Zu einem gleichen Vorgänge ist man genöthigt, 
wenn, wie so hänfig bei ähnlichen Fällen, wegen Krümmung oder Riefung, eine 
sichere Messung nicht möglich wäre. Das Mittel der obigen vier Messungen 59° UV 
45" weicht nur um '.10 Secunden ab von dem gleichen berechneten Winkel für 
05.05 KJ.05) = }| Pf £ . 

'-') Mitte] aus zwei Bestimmungen. 

■ ! ) Kenngott, Sitzb. d. Wr. Akad. d. Wissensch. VII. L68. — Obers. 1854, 100. 

4) Kr dm. u. Mar eh. .!. f. prakt. Chemie XLIV. 193. - Leonh. und Br. Jahrb. 
1841», 210. 



Krystallogiaphische Studien über den Idokras. 129 

Der Id. von der Mramorsker Hütte wurde früher für Pechnit 
gehalten. • 

III. Sibirien. 

Die „Wiluit" genannten Id.-Kr. kommen mit Grossular und 
Achtaragdit in einem tuffartigen erdigen, stellenweise ziemlich har- 
ten und halbopal- ähnlichen Gesteine von grauer Farbe am Achta- 
ragda (einem Nebenflusse desWilui) reichlich eingewachsen vor 1 ). 
Säulen (HO). (100) durch (111). (001) oder (001). (111) ge- 
schlossen. (110) ist manchmal fein vertical gerieft, auch kurz 
gekerbt, vorherrschend parallel den Prismen-Kanten, oder grosse 
rechtwinkelige Lamellen tragend. Auf (001) beobachtete ich als 
Seltenheit rundliche Blättchen. Ausnahmsweise und mit schmalen 
Flächen sind (331), (131) und (120) vertreten (Fig. 1—3). Ge- 
wöhnlich 20 Mm. hoch und 10 Mm. breit; zuweilen bis SO Mm. 
hoch und 40 Mm. breit. Schalige Textur; aussen zeigen die Kr. 
fast stets eine matte, sehr weiche gelbliche Lage, wohl durch Ver- 
witterung entstanden; dann folgen abnehmend dünnere Schichten, 
welche einen glänzend-flächigen Kern umhüllen. Zu genauen Mes- 
sungen sind diese Kr. mit ihren unebenen, bis auffallend verzogenen 
Flächen nicht geeignet. Kupffer und Kokscharow fanden p' p 
beiläufig 50 . Dunkel braun-grüne, dünne ßlättchen sind grünlich- 
gelb durchscheinend. 

Spec. Gewicht = 3-394 (4). 

Von manchen Wiluiten werden Grossular -Kr. (meist ooO) 
ganz oder theilweise umschlossen. 

Nord-Amerika 2 )» 

Canada. Grenville, Ost-Canada (Wollastonit, Hyazint, 
Granat, Augit, Zirkon, Skapolith, Calcit). — Clarendon, West- 
Canada, grosse bräunlich-gelbe Kr. mit braunem Turmalin in Kalk- 
stein. 



i) Im Jahre 1790 von Lachsmaun aufgefunden. Nova acta Petropolitana, XII, 300. 

Pallas, nord. Beiträge, V. 282. 
2 ) J. D. Oana's Mineralogy II, 1855, S. 199; Idocrase; S. 476 ff. Catalogue of ame- 

rican localities of minerals. — Wo nicht Näheres über den Id. bemerkt ist, sind 

einige der an denselben Localitäten noch vorkommenden Minerale in Klammern 

beigesetzt. 
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLIX. Bd. I. Abth. 9 



|30 Zepharovich. 

Maine. — In körnigem Kalkstein zu Phippsburg, Rum- 
ford und Parsonsfield, schöne Kr. und derbe Massen mit gelbem 
Granat, Augit u. s. w. ; ebenso zu Poland und Sandford. Von 
letzterem Orte stammen ausgezeichnete egeranartige *) und flächen- 
reiche Kr. Dana gab die Zeichnung eines solchen, s. Taf. XII, Fig. 73 : 

^(OOl),^ 111 )- *( 331 )' ö( 101 )« «(201). rf(241), i(132),s(131), 
i»(il0),/'(120) > Ä(130), «(100). 

Der Combinations- Typus erinnert an manche Mussa - Kryst. 
(s. Fig. 37). Begleiter sind Epidot und Molybdänit (durchWebster 
1848 entdeckt). Die Kr. aus Maine besitzen oft eine Schalen-Textur, 
so dass sich glatte und glänzendflächige Kerne entblössen lassen 3 ). 
Spec. Gew. = 3*434, eines grossen, grünlich-braunen Kr. 3 ). 

Nach Tammau stehen die Kr. von Sandford bezüglich ihrer 
Form, Farbe und sonstigem Äusseren in der Mitte zwischen jenen 
von Egg in Norwegen und Haslau in Böhmen. In der derben Id.- 
Masse öffnen sich zuweilen grössere und kleinere, mit Calcit oder 
Quarz ausgefüllte Drusenräume, in denen die schönsten Kr. er- 
scheinen. Er bildet ein mächtiges Lager oder einen kolossalen Gang 
von 200' Breite zwischen Granit und Trapp 4 ). 

Das Wiener Mineraliencabinet bewahrt (H. S. I, 3470) von 
diesem Fundorte, Drusen, grosser, dunkelgrüner, geriefter, 4- oder 
8seitiger Säulen, deren Zwischenräume mit grauem Fettquarze 
erfüllt sind. Gegen einander verschobene Theile einzelner durch- 
klüfteter Kr. wurden durch Albit wieder verkittet. Die Endfläche, 
welche allein die Säulen abschliesst, ist nach den vier Kanten mit 
(110) gerieft, derart, dass die feinen Linien in den Diagonalen von 
(001) zusammentreffen, oder es zeigen sich auf der glatten Fläche 
und zwar zunächst der Trennungslinie zweier verwachsener Indi- 
viduen, einzelne Systeme mit abnehmenden Dimensionen über ein- 
ander gelagerter vierseitiger Blättchen. — Die oberste Schichte der 
deutlich schalig zusammengesetzten Säulen ist zuweilen in ein- 
zelne wellig oder zahnig begrenzte Lappen aufgelöst; stellenweise 



*) Shepard. Mineralogy, 1832. 

2 ) Dana a. a. 0. 199 unter „Altered forms". 

3 ) Rarameisberg. Min. Chemie. S. 736. 

*) Zeitschr. d. deutsch, geolog. Gesellsch. VI. S. 337. — Kenngott, Übersicht 1836— 
1«K7 s tat 



1837, S. 113. 



Krystallographische Studien über den Idokras. 131 

erscheinen die Prismen-Flächen selbst wie mit einzelnen Nagelköpfen 
besetzt. 

New-Hampshire. Am her st (Granat, Pargasit, Calcit). 
Massachusetts. W Orchester. Egeran (001), (100) 
(110) !) mit Granat in Quarz; gegenwärtig ausgebeutet. 

New-York. LongPond, Essex Co. (Granat, Augit, Magnetit, 
blauer Calcit). — Antwerp, Jefferson Co. nächst dem Vroomans- 
lake (Augit, Calcit, Pyrit, Chalkopyrit). — Eine halbe Meile (engl.) 
südlich von Amity, Orange Co. Graulich- und gelblich-braune Kr. 
zuweilen von einem Zolle im Durchmesser, in körnigem Kalkstein ; 
nächst dem Orte und eine Meile östlich davon, gelbe, grünlich-gelbe 
und gelblich-braune Kr. Nach Shepard, säulige Combinationen von 
(001), (111), (100), (110) i). - In der Nähe findet sich auch in 
weissem Kalkstein die von Thomson „Xanthit" genannte Id. -Va- 
rietät, in kleinen gerundeten, locker zusammenhängenden Körnern 
und in blätterigen, leicht körnig zerfallenden Massen; graulich-gelb, 
durchscheinend. Härte und specifisches Gewicht sind niederer als 
gewöhnlich, daher wahrscheinlich in zersetztem Zustande 2 ). — 
Gouverneur, St. Lawrence Co. (Apatit, Augit, Skapolith, Calcit). 
New-Jersey. Newton, gelblich -braune schöne Kr, mit 
Korund und Spinell (Amphibol, Turmalin, Skapolith, Calcit). 

Als Fundorte werden noch angegeben: a) Moria h am west- 
lichen Ufer des Champlain-See's in New-York, Id. mit Wolla- 
stonit (Shepard und Hermann, Sillim. amer. J. XVII, 145; 
bj Salisbury in Conecticut, röthlich- braun, körnig; spec. 
Gewicht = 3-508 (Thomson, Ann. of New-York, 1828, IX) und 
c) Polk Co. in Tennesee, lange, stark geriefte Säulen, begleitet 
von Pyrit und Chalkopyrit; spec. Gewicht = 3-359. (Mall et, 
Sillim. amer. J. [2] XX, 85). s) 



i) Shepard, Mineralogy 1852. 

2 ) Hausmann. Mineralogie II, 1, S. 579. 

s ) Leonh. u. Br. Jahrb. (a) 1830, 494; (b) 1833, 425; (e) 1859, 819. 



132 Zepharovich. 



Nachtrag. 

Nachdem die ersten Bogen dieser Abhandlung bereits im Druck 
vollendet waren, gelang es mir, in der reichhaltigen Sammlung des 
Joanneums in Graz jenes Exemplar mit Somma Idokras-Krystallen 
aufzufinden, von welchem Haidinger einen in seinem Handbuche 
der bestimmenden Mineralogie 1845, Fig. 314, S. 214 abgebildet. 
Es trägt die Bezeichnung XX. K. IV. Seh. 184. Ich kann nun das 
Seite 13 und 42 Erwähnte nach den Besultaten der Messungen die- 
ses Kr. bestätigen. In vielflächiger Combination treten in der That 
(331) und (511) auf, nicht (441) und (411). 

Die Messungen ergaben für diese beiden Formen: 

(221): (331) = 10° 13* (311) : (511) = 12° 18' 

(331) : (110) = 23 15 (511) : (100) = 22 54 Va 

Nebst den genannten (221), (331), (110), (311), (511) und 
(100) erscheinen an dem Kr. noch, wie schon Haidinger ange- 
geben (001), (111), (101), (312), (211), (421), (210), (310) 
und überdies noch zwischen der breit angelegten (Hl) und der 
eingetieften (001), als schmale Leiste, (113). Der innige Anschluss 
an die Nachbar-Individuen in einem Drusenraume lässt nur geringe 
Theile des gemessenen Kr. frei, und daher auch den erhaltenen 
Winkelwerthen kein grosses Gewicht beilegen, obgleich diese meist 
auf ebene, gut reflectirende Flächen sich beziehen. 



Krystallographische Studien über den Idokras. 1 OO 

Geognostische Übersicht der Idokras -Localitäten. 

I. Im krystallinischen Schief ergebirge und dem- 
selben untergeordneten Gesteinen. 

A. Als lager-, kluft- oder nesterartige Ausscheidung a) in 
chloritischem Schiefer oder bj in Glimmerschiefer: 

a) Ala, Cerosole, Corbassera , Gressoney in Piemont. — Saas, 
Zermatt, in der Schweiz. — Pfitsch, Pregratten, Zillerthal, 
Tirol. 

b) Hollersbach- und Stubach-Thal, Salzburg. 

B. In Quarz: Rauris-Thal, Salzburg. — Haslau, Böhmen. — 
Göringsreuth, Hauxdorf, Wustuben und Wunsiedel, Baiern. — 
Sätersdalen und Souland, Norwegen. — Worchester, Massachusetts. 

C. Im Kalkstein : Nedwieditz, Olschy und Strzitersch, Mähren. 

— Haslau, Klementinow, Kunicek, Böhmen. — In den Pyrenäen, 
Frankreich, — Derryloaghan, Irland. — Glen Gairn, Schottland. 

— Gökum, Lindbo, Schweden. — Frugard, Hoponsuo, Finnland. — 
Amity, New-York. — Sandford, Parsonsfield, Phippsburg, Poland, 
Rumford, Maine. — Clarendon, Canada. 

D. Auf Calcit- und Silicat -Gängen im Gneiss: Egg, Nor- 
wegen. 

E. Auf Calcit -Gängen im Chloritschiefer: Achmatowsk, Ural. 

F. Auf Erzlagerstätten (Grünsteine und Kalksteine) im Glim- 
merschiefer: Breitenbrunn, Schwarzenberg, Sachsen. — Rothen- 
zechau und Alt-Kemnitz, Preussisch-Schlesien. 

G. Im Erlan : Grünstädtel, Sachsen. 
H. Im Grünstein: Auerbach, Sachsen. 

II. An Calcit gebunden als Contactgebilde. 

A. Zwischen Granit und Gneiss: Auerbach, Grossherzogthum 
Hessen. 

B. Zwischen Granit und silurischen Schiefern und Kalksteinen: 
Eker, Norwegen. 

C. Zwischen jüngeren Eruptiv- und Sediment-Gesteinen (tra- 
chytischen oder syenitischen Gesteinen und Trias- bis Kreidekalken): 
Monzoni-Berg, Predazzo, Süd-Tirol. — Erzlagerstätten vonCziklova, 
Dognacska, und Szäszka im Banat und von Rezbänya in Ungarn. 



134 Zepharovich. Krystallographische Studien über den Idokras. 

Die Auswürflinge am Monte Somma, Neapel und wahrscheinlich 
auch jene von Pitigliano, Toscana. — Insel Skye, Schottland? 

III. In einer tuffartigen Ablagerung. 
Am Wilui-Fl., Sibirien. 

IV. In Geschieben. 
Bei Pottsdam, Preussen. — Am Barsowska-Fl., Ural. 



ANHANG. 



Schweiz: Tarasp. 

Siebenbürgen: Also Väcza. 

Mähren: Blauda, Fröschau, Lugau, Popuwek, Wiesenberg. 

Baiern: Göpfersgrün, Gössweinstein, Höfen, Pfaffenreutb, 
Pleistein, Stökarn, Tirschenreuth, Wildenau, Wurlitz. 

Spanien: San Lorenzo. 

Irland: Gweedore, Kilmacrenan, Lattermacherward. 

Schweden: Fahlun. 

Russland: Lupikko (Finnland), Poljakowsk, Mramorsker 
Hütte, Medwiedewa (Ural). 

Vereinigte Staaten von Nordamerika: Amherst, Gouverneur, 
Long-Pond, Moriah, Newton, Polk Co., Salisbury. 

Canada: Grenville. 



Zojiharovicli . Irfokras 



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Taf.I. 





Fw. fi. 




Fy.d 



Vig.6. 




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Sitwm&b d k Akadi¥raath n.-iltiw.CI XL1X DiUAbdi 186* 



Ze|)harovirh Idokivis 



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SiUiimisli il.k. Ak.nl.il AV. niiilli.ii;iliirw II XIA'lllllid.UMIi. llltiü 



v. Ett ingshn use n. Beiträge z. Kenntniss d. Flächenskelete u. s. w. 135 



Beiträge zur Kenntniss der Flächenskelete der Farnkräuter. 
Von dem c. M. Prof. Dr. Const. Ritter v. Ettingshausen. 

(Auszug aus einer für die Denkschriften bestimmten Abhandlung.) 
II. 

Diese Abhandlung schliesst sich den im XXII. Bande der Denk- 
schriften der mathem.-naturw. Classe veröffentlichten Beiträgen zur 
Kenntniss der Flächenskelete der Farnkräuter an und enthält die 
Bearbeitung der Nervationsverhältnisse mehrerer Gattungen aus 
den Familien der Aspleniaceen, Aspidiaceen, Hymenophylleen 
und Schizaeaceen. 

Über den Zweck dieser Arbeiten wurde bereits in der oben 
citirten Abhandlung das zur Begründung Nöthige auseinanderge- 
setzt und insbesondere auf den Umstand hingewiesen , dass die 
Mehrzahl der in den Schichten der Secundärformationen so reich- 
lich vorkommenden fossilen Farnkräuter bis heute noch ungenü- 
gend bestimmt oder vielmehr nur beliebig benannt ist. 

Die für die Flora der Vorwelt aufgestellten Farngattungen 
sind zumeist nur Sammelplätze für das noch nicht geordnete Mate- 
rial. Zur richtigen Bestimmung der vorweltlichen Farne ist aber die 
genaue Kenntniss der Flächenskelete der jetztweltlichen, welche 
die Botanik in ihrem gegenwärtigen Zustande noch keineswegs 
bietet, unumgänglich nothwendig. In der vorgelegten Abhandlung 
bilden daher vorzugsweise solche Gattungen und Arten Gegenstand 
der Bearbeitung, welche für die vergleichende Untersuchung der 
vorweltlichen Farnformen von Wichtigkeit sind. Die Flächenskelete 
sollen durch den Naturselbstdruck zur Anschauung gebracht werden. 



136 



IL SITZUNG VOM 14. JÄNNER 1864. 



Das w. M. , Herr Prof. H. Hlasiwetz in Innsbruck, übersendet 
die folgenden zwei Abhandlungen für die Sitzungsberichte: 

„Über das Berberin", von Hlasiwetz und H. v. Gilm, und 

„Über zwei neue Zersetzungsproducte aus dem Guajakharz" 
von Hlasiwetz und L. Barth. 

Herr Hofrath Prof. Jos. Hyrtl legt eine Abhandlung vor „Über 
eine Eigentümlichkeit des Schlundes von Catla Buchanani" ; ferner 
eine zweite „Über das Verhalten der Leber-Arterie zur Pfortader 
bei Amphibien und Fischen". 

Herr Director E. Fenzl macht eine Mittheilung aus einem 
Schreiben des c. M., Herrn Dr. J. J. Tschudi, über einen Fisch 
aus dem Rio Itajahy in Brasilien. 

Herr Dr. F. Prym überreicht eine Abhandlung: „Neue Theorie 
der ultraelliptischen Functionen". 

Herr Dr. H. Leitgeb legt eine Abhandlung: „Zur Kenntniss 
von Hartwegia commosa Nees" vor. 

Herr Dr. J. E. de Vry, Inspector für chemische Untersuchungen 
in Niederländisch -Indien, der eben auf einer Urlaubsreise in seine 
Heimath begriffen ist, macht eine Mittheilung „über die Cultur des 
Chinabaumes auf Java und mehrere andere dort vorkommende 
Droguen". 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Astronomische Nachrichten. Nr. 1456. Altona, 1864; 4°* 
Cosmos. XIII" Annee, 24 c Volume, 2 e Livraison. Paris, 1864; So- 
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XIV. Jahrg. Nr. 2. Wien, 

1864; 4o- 
Mondes. 2 e Annee. Tome III. l re Livraison. Paris, Tournai, Leipzig, 

1864; 8o- 
Moniteur scientifique. 169 e Livraison. Tome VI", Ann£e 1864. 

Paris; 4°- 
Programm des k. k. Gymnasiums zu Feldkirch für das Schuljahr 

186V». Innsbruck, 1863; 4<>- 



137 

Reichsforstverein, österreichischer: Österreichische Viertel- 
jahresschrift für Forstwesen. XIV. Bd. Jahrgang 1864. 1. Heft. 
Wien, 1864; So- 
So ciete Imperiale desNaturalistes deMoscou: Bulletin. Tome XXXVI. 

Annee 1863, No. 3. Moscou, 1863; So- 
Wiener medizinische Wochenschrift. XIV. Jahrg. Nr. 2. Wien, 

1864; 4o- 
Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft. 
XIII. Jahrg. Nr. 5. Gratz, 1864; 4°- 



1 38 L e i t g e b. 



Zur Kenntniss von Hartwegia commosa Nees. 
Von Dr. Hubert Leitgeb. 

(Mit 1 Tafel.) 

Schon im Jahre 1828 theilte Göthe in einem Briefe, den er 
an Nees v. Esenbeck *) richtete, diesem mit, dass sich in 
seinem Besitze eine Pflanze befinde, die ihn wegen ihrer ungemeinen 
Productivität besonders interessire, und verlangt von Nees nähere 
Angaben über diese Pflanze. — Göthe erzählt, dass diese Pflanze 
„aus der Mitte des Blätterbüschels, der die Lilienart kennzeichne, 
einen fadenartig herabhängenden Blüthenstengel treibe, an welchem 
die sechsblättrigen Blümchen erst seltener, dann gedrängter her- 
vorkommen, bis sie sich endlich quirlartig entwickeln und ganz 
abschliesslich einen Blätterbüschel treiben. An diesem haben die 
Blattenden etwas fettes, zwiebelartiges und, indessen die Blätter 
selbst wieder aufwärts streben, zeigen sich unten kleine Wärzchen, 
die an Licht und Luft zu vertrocknen scheinen, unter günstigen 
Umständen, einer feuchten Umgebung, jedoch sich zu Luftwurzeln 
entwickeln, in der Stärke eines schwachen Federkieles, über einen 
Zoll lang, worauf denn die schwebende Pflanze abermals einen 
fadenartigen Stengel treibt; und so immer weiter fort. Es kommen 
also gewissermassen Luftstolonen zur Erscheinung, deren verbin- 
dende Fäden jedoch blühen, und wo sie zu Hause sind, gewiss 
Frucht tragen. Bringt man einen solchen Blätterbüschel mit seinen 
Luftwurzeln in die Erde , so zeigt sich ein sonderbares Ereigniss; 
diese Luftwurzeln streben wieder aus dem Boden nach Luft und 
Licht, schwellen auch wohl stärker an, begeben sich aber mit ihren 
Enden wieder in die Erde, verdünnen sich und werden zu den alier- 
feinsten sich verzweigenden Fäden u. s. w. w So weit Göthe. 

Weitere Kenntniss über diese Pflanze haben wir von Professor 
Schult es 3 ), der seine Angaben einer ungedruckten Abhandlung 



i) Acta N. Cur. Vol. XV, 2 (1831), pag. 363—374. 
2 ) Syst. Veg. VII, 2 pag. 1693 n. 27 a. 



Zur Keiintniss von Hartwegia commosa Nees. ld'' 

Sternberg's entlehnte, und sie nur in systematischer Beziehung 
betrachtet und unter dem Namen Anthericum Sternbergianum aufführt. 
Nees v. Esenbeck fügt diesen Angaben ebenfalls nur 
systematische Notizen bei und bildet aus mehreren ihm genug wich- 
tig scheinenden Merkmalen einen neuen Gattungscharakter, und 
nennt die Pflanze Hartwegia commosa. 

So viel mir bekannt, liegen über diese Pflanze weiters weder 
morphologische, noch anatomische Untersuchungen vor, welche die 
oben erwähnten, unvollkommenen Beobachtungen Göthe's näher 
erläutert hätten. 

Obwohl meine Untersuchungen hauptsächlich nur die Kenntniss 
des Baues und der Function der Luftwurzeln zum Zwecke hatten, 
war es mir doch auch interessant, die morphologischen Verhältnisse 
dieser Pflanze etwas näher zu erforschen, überhaupt die ganze 
Lebensgeschichte derselben , namentlich aber die gegenseitigen 
Beziehungen der beiden von Göthe geschilderten Fortpflanzungs- 
weisen kennen zu lernen. 

Was erstens die systematische Stellung dieser Pflanze anbe- 
langt, so wurde sie von Sternberg und später von Schultes 
der Gattung Anthericum beigezählt. Übrigens schliesst sich die 
Pflanze, wie Nees v. Esenbeck zeigte, durch viele morpholo- 
gische Merkmale, wie die an dem Grunde befestigten Staubbeutel, 
die kleine Narbe und die scharf dreieckige Kapsel mit hervorsprin- 
genden häutigen Rändern der Kanten viel näher der Gattung Chlo 
rophytum an. Allerdings unterscheidet sich dieselbe durch ein ande- 
res Merkmal auch von dieser Gattung, indem die Staubbeutel nach 
der Stäubung sich nach rückwärts einrollen; und dies vorzüglich 
bewog Nees v. Esenbeck, die Pflanze von Chlorophytum zu 
trennen und unter dem Namen Hartivegia als Repräsentanten einer 
eigenen Gattung aufzustellen. — Da sie aber in allen übrigen Merk- 
malen mit Chlorophytum übereinstimmt, sich auch im Habitus 
besonders im Jugendzustande von den Arten dieser Gattung nicht 
unterscheidet und erst in späteren Lebensstadien durch die merk- 
würdige Proliücation ein ganz eigentümliches Aussehen erhält, 
dürfte sich die Gattung Hartwegia kaum selbstständig erhalten las- 
sen, sondern viel passender, wie es auch Endlicher *) gethan, 
in die Gattung Chlorophytum einbezogen werden. 

t) Genera plautarum. 



140 Leitgeb. 

Eine mehrere Jahre alte Pflanze zeigt folgendes Aussehen 
(Fig. 1) : 

Aus einem grundständigen Blätterbüsehel entspringen mehrere 
fast gleich starke herabhängende Stengel, die an ihrem unteren 
Theile mit ziemlich langen Deckblättern besetzt sind, und gegen 
die Spitze zu sich verzweigen. Der Hauptspross wie sämmtliche 
Seitenzweige tragen an ihrem Ende Blätterbüschel , die auch 
hie und da an tieferen Stellen aus den Achseln der grossen lan- 
zettförmigen Deckblätter entspringen und an ihrem Grunde nicht 
selten von federkieldicken Luftwurzeln durchbrochen werden, die, 
falls die Pflanze im Zimmer gezogen wurde, von grünem Aussehen 
sind, scheinbar keine Wurzelhaare tragen, und nie über einen Zoll 
lang werden; an in Wärmhäusern gezogenen Exemplaren aber mit 
einem dicken aus Wurzelhaaren gebildeten Filzüberzug bekleidet 
sind, und oft eine Länge von einen halben Fuss und darüber errei- 
chen. — Ausser diesen die Blätterbüschel tragenden Stengeln ragt 
aus dem grundständigen Blätterbüschel noch ein unverzweigter 
Stengel hervor , der an seiner oberen Hälfte Blüthen trägt , die 
anfangs einzeln und entfernt, gegen die Spitze zu aber dichter 
gedrängt und büschelförmig gestellt erscheinen. An der Spitze 
dieses Stengels bemerkt man ebenfalls ein Blätterbüschel, das 
jedoch, so lange das wie natürlich an den untersten Stellen des 
Stengels beginnende Aufblühen noch nicht bis über die Mitte des 
Stengels vorgeschritten ist, sich noch sehr unentwickelt zeigt, und 
erst dann rascher ausbildet, wenn die Blüthenperiode an diesem 
Spross beendet ist. Hie und da tragen auch die die Blätterbüschel 
tragenden Stengel solche Blüthen tragende Sprossen. — So er- 
scheint uns eine ältere Pflanze, und es fragt sich nun, in welcher 
Weise sie zu dieser Ausbildung gelangt: 

Wenn man einen ziemlich entwickelten Blätterbüschel, an dem 
sich ein oder mehrere Ansätze zu Luftwurzeln gebildet haben, von 
der Mutterpflanze trennt, und in die Erde setzt, so wächst meist 
schon im ersten Jahre aus dessen Mitte ein fadenartiger Stengel 
hervor, der anfangs aufrecht ist, bei zunehmender Länge aber 
überhängend wird. Es entsteht dadurch, dass der Vegetationskegel 
des Blätterbüschels, der sich uns als ein Zweig mit unentwickelten 
Internodie'n ähnlich den Blätterbüscheln der Lärche darstellt, aus 
sich lauter entwickelte Internodien herausbildet, und so in eine Yer- 



Zur Kenntniss von Hartweijiu commosa Nees. 1 4- 1 

längerte Axe übergeht. Diese erreicht, wie schon oben angegeben 
wurde , hie und da eine Länge von 3 Fuss und schliesst dann 
wieder mit unentwickelten Internodien ab, so dass also an ihrer 
Spitze sich wieder die Anlage zu einem Blätterbüschel bildet. 
(Offene Knospen.) 

In den Achseln der an der verlängerten Axe regelmässig auf- 
tretenden Deckblätter bilden sich Zweigknospen, die in der Achsel 
ihres untersten Blattes schon sehr früh ebenfalls wieder eine wei- 
tere Knospenanlage erkennen lassen. Während nun die an der 
unteren Hälfte der verlängerten Axe befindlichen Zweigknospen 
sammt ihrer Axillarknospe unentwickelt bleiben, oder erst später oft 
erst nach Jahren zur Entwickelung gelangen '), sehen wir in der 
oberen Hälfte des Stengels ein sehr reges Wachsthum thätig. Es 
äussert sich in der Weise, dass die Zweigknospp von ihrer Axillar- 
knospe in der Ausbildung überholt wird , welche letztere sich zu 
einer einzigen Blüthe, oder einem traubenartigen Blüthenstande aus- 
bildet. Während in dem unteren Theile des Stengels aus jeder 
Zweigknospe sich nur eine solche Axillarknospe entwickelt, gelan- 
gen in den oberen Theilen bis zu vier solcher axillarer Blüthen- 
knospen zur Entwickelung, durch welchen Umstand, verbunden mit 
der gedrängteren Stellung der Blätter, die Blüthen von Göthe als 
quirlartig gestellt bezeichnet wurden. 

Wenn man mehrere Durchschnitte von Knospen , die aus ver- 
schiedenen Theilen des Stengels genommen sind, mit einander ver- 
gleicht (Fig. 2, 3 und 4), so sieht man, dass am unteren Ende des- 
selben die Zweigknospe überwiegend entwickelt ist, und ihre Axil- 
larknospe ganz unterdrückt erscheint , in den mittleren Theilen 
desselben, die erstere schon eine ziemliche Ausbildung erreicht hat, 
bevor sie von ihrer Axillarknospe in der Entwickelung überholt wird; 
während der Spitze des Stengels zu die Zweigknospe schon in 
ihrem ersten Stadium der Entwickelung ganz zurückgedrängt er- 
scheint. So gelangen denn die Blüthen früher als die sie tragendet« 
secundären Axen von unten nach oben zur Entwickelung. Gegen 
Ende der Blüthenperiode entwickelt sich nun der terminale Büschel 
rascher, während er zugleich der nach abwärts geneigten Rich- 



i) Man bringt sie auch durch Abschneiden des darüber befindlichen Stengeltheiles 
leicht zur Entwickelung. 



142 Leitgeb. 

tung der Axe entgegen, durch eine am Grunde eintretende Krüm- 
mung nach aufwärts strebt. In der zweiten Vegetationsperiode, die 
an in Wärmhäusern gezogenen Exemplaren, natürlich von der ersten 
durch keinen Zwischenraum getrennt ist, beginnt auch an der gan- 
zen verlängerten Axe ein neues Leben. Indem nämlich die Blüthen 
bald nach der Stäubung der Antberen verwelken, und meist sammt 
eines Theiles des Blüthenstieles an der Gliederungsstelle desselben 
sich von seinem unteren Theile trennen und abfallen, gelangen nun 
auch die bisher unterdrückt gewesenen Zweigknospen zur freieren 
Entwicklung und treten als ßlälterbüschel von unten gegen oben 
fortschreitend aus den Achseln der sie früher ganz bedeckt haben- 
den Deckblätter hervor. Immer bemerkt man anfangs an ihnen noch 
die Reste der Blüthenstiele (oder vertrockneten Traubenspindeln), 
die an den übereinanderstehenden Knospen abwechselnd einmal 
rechts, einmal links auftreten. 

Hie und da entwickelt sich die eine oder die andere Zweig- 
knospe in der Weise, dass sie ihre Internodien streckt und so zu 
einem entwickelten Zweige wird, der sich dann selbst wieder wie 
die Hauptaxe verhält und blüthentragend wird (Fig. 5). Wenn 
jedoch durch besonders günstige Umstände (ich beobachtete es nur 
ein paar Male) die Blüthen nicht abfallen, sondern sich weiter zur 
Fruchtkapsel *) entwickeln, so bleibt auch in diesem Falle die 
Zweigknospe in ihrer Entwickelung so lange unterdrückt, bis die 
Frucht sich von der Axe getrennt hat. Eine Entwickelung der Zweig- 
knospe kann auch in dem Falle nicht eintreten, wenn ihre Axillar- 
knospe statt zur Blüthenknospe sich selbst zu einem Zweige aus- 
bildet. 

In der folgenden Vegetationsperiode entwickeln sich nun diese 
Blätterbüschel in der Weise weiter, dass sie ihre Blätternnzahl ver- 
grössern, während zu gleicher Zeit an der Basis der Blätter zahl- 
reiche Luftwurzeln hervorbrechen. — Nur in seltenen Fällen ent- 
wickeln sich aus dem Vegetationskegel dieser Büschel, so lange sie 
mit der Mutterpflanze in Verbindung sind, wieder verlängerte Inter- 
nodien; dies geschieht, wie schon oben gezeigt wurde, in der Regel 
erst dann, wenn der Büschel seine Wurzeln in den Boden senden 



i) Leider gelang es mir nie, reife Samen zu erhalten, um die Keimung der Pflanze 
studiren zu können. 



Zur Kenntniss von Hartvoegia commosa Nees. 14-ö 

und so selbslständig werden kann. — Die Zweige mit entwickelten 
Internodien verfolgen unterdessen denselben Lebenscyklus, wie er 
für die primäre Axe angegeben wurde, und kommen zur Bildung von 
Blüthen und Blätterbüscheln, — das ursprüngliche Blätterbüschel 
bildet aus seinen Axillarknospen entweder wieder einen Stengel 
oder Blätterbüschel , und so entsteht nach mehreren Jahren ein 
Pflanzenstaat, dessen Individuen unter sich organisch verbunden 
bleiben. 

Die Blüthenstiele. 

Es ist schon oben erwähnt worden, dass die Blüthen nach der 
Stäubung der Antheren sammt einem Theile des Blüthenstieles in 
der Regel abfallen. — Die Trennung erfolgt an der Gliederungs- 
stelle *) des Blüthenstieles (Fig. 8) und wird durch einen ganz 
merkwürdigen Vorgang bewerkstelligt, der dem Abfallen der Blätter, 
wie es Mohl 3 ) zeigte, nicht unähnlich ist. 

Wenn man durch ganz junge Blüthenknospen, an denen die 
Blüthenstiele noch kaum wahrzunehmen sind, Längsschnitte macht, 
so sehen wir noch keine Spur dieser später schon von aussen so 
auffallenden Gliederung. — Sowohl die Zellen der Epidermis als 
auch der unter derselben gelegenen Schichten sind ganz gleich- 
massig ausgebildet, und weder dem Inhalte noch der Grösse nach 
von einander unterschieden. Alle zeigen sich mit Inhalt dicht erfüllt, 
und in jeder derselben bemerkt man einen deutlichen Zellkern. — 
An etwas entwickelteren Knospen zeigt sich schon ein anderes Ver- 
hältniss. Während nämlich die meisten Zellen sich durch Streckung 
in der Richtung des Blüthenstieles vergrössert haben, bleiben meist 
drei in der unteren Hälfte gelegene Zelllagen in ihrer Entwickelung 
zurück, und erscheinen also verkürzt, wodurch sich diese Zellpartie 
scharf von den oben und unten gelegenen Zelllagen abhebt (Fig. 11). 
Dies geschieht aber nicht etwa in Folge des Absterbens dieser 
Zellen, denn alle auch die kleingebliebenen zeigen sich noch mit 
Inhalt erfüllt, und haben einen auffallend grossen Zellkern. Dieser 



i) Es ist wohl keinem Zweifel unterworfen, dass wir es hier mit unterdrückten cymö- 
sen Blüthenständen zu thun haben, denn man findet hie und da Blüthenstiele, 
welche an der Gliederungsstelle ein zartes Deckblättchen tragen, in dessen Achsel 
sich wieder eine Blüthenknospe befindet. 

2) Bot. Zeitg. 1860, pag. 1, 9, 132. 



144 Leitgeb. 

Unterschied tritt zuerst in den unter der Rindenschichte gelegenen 
Zelllagen auf, lässt sich aber bald auch in der Rindenschichte und 
in der Epidermis wahrnehmen. In letzterer bleiben nun ebenfalls 
drei Zelllagen in ihrer Grössenzunahme zurück, während die weiter 
oben und unten gelegenen Zellen sich in radiärer Richtung bedeu- 
tend strecken, was zur Folge hat, dass an dieser Stelle eine Art 
ringförmige Einschnürung entsteht (Fig. 12). Öfters geschieht dies 
jedoch nicht im ganzen Umkreise des Blüthenstieles, sondern an der 
einen Hälfte desselben entwickeln sich die betreffenden Epidermis- 
zellen ebenfalls in radiärer Richtung, während sie in der anderen 
Hälfte unentwickelt bleiben, wodurch eine Krümmung des Blüthen- 
stieles erzeugt wird (Fig. 13). 

So zeigen sich die Verhältnisse vor der EntfaltungderBlüthen. — 
Ist diese eingetreten , so beginnt in dieser rundzelligen Schichte 
eine rasche Zellbildung durch Entstehen von Längsscheidewänden 
(Fig. 11 a), wodurch die Dicke dieser Schicht nicht vergrössert 
wird , das aber zur Folge hat, dass der Blüthenstiel an dieser Stelle 
wulstig aufgetrieben erscheint. — Ist nun die Blume verblüht, so 
trennen sich die Zellen dieser Schicht ohne zu zerreissen aus ihrer 
Verbindung, und zwar in der Weise, dass eine Zelllage mit dem 
an der Blüthe haftenden Theil des Blüthenstieles in Verbindung 
bleibt, während zwei Zelllagen mit dem untern Theile des Blüthen- 
stieles verbunden bleiben. Diese Trennung tritt zuerst nur stellen- 
weise ein, so zwar, dass sich zuerst die innerhalb der Rindenschichte 
gelegenen Zellen aus ihrem Verbände lösen, die Zellen der Rinden- 
schichte hingegen zuletzt sich trennen, während die betreffenden Zellen 
der Epidermis, die , wie wir oben sahen, durch rascheres Wachsthum der 
oben und unten gelegenen Zellen eingedrückt wurden, schon früher 
abstarben, wodurch natürlich ihre Verbindung aufgehoben wurde. 
Diese Trennung geht jedoch nicht immer in einer vollkommen ebenen 
Fläche vor sich, sondern richtet sich ganz nach der Lage der rund- 
zelligen Schichte, die öfters denn auch in Folge des ungleichen 
Wachsthumsprocesses in den verschiedenen Schichten des Blüthen- 
stieles von der Zeit seiner Anlage an, entweder schief gestellt oder 
gekrümmt erscheint. 

Wenn man unmittelbar nach der Loslösung des betreffenden 
Theiles die an der Trennungsstelle gelegenen Zellen untersucht, so 
zeigen diese nach aussen vollkommen abgerundete Wände , doch 



Zur Kcnnlniss von Vartweyia commosa Nees. 14») 

nicht dies allein zeigt für ihre Lebensfähigkeit, da sie auch noch 
immer einen deutlichen Zellkern besitzen und mit Inhalt gefüllt 
erscheinen. Es mag nicht unerwähnt bleiben, dass man noch vor der 
Trennung gerade in dieser rundzelligen Schichte eine bedeutende 
Anhäufung von Zellinhalt bemerkt. 

Wir haben in der Ablösung der Blüthen also einen ganz merk- 
würdigen Fall vor uns, der wohl sehr an das Ablösen anderer 
Organe, wie es Hugo v. Mo hl schilderte, erinnert, aber damit nicht 
zu verwechseln ist (obwohl auch Mo hl J ) bei Sedum maximum 
einen ähnlichen Fall anführt). Hier nämlich ist die Schichte, in der 
später die Trennung erfolgen soll, schon sehr früh, noch vor der 
Ausbildung des betreffenden Organes angelegt und entspricht in 
ihrer Entvvickelung ganz derrundzelligenSchichte, deren Entstehung 
Mo hl 3 ) ausführlich beschrieb. — Wir beobachten hier keine Bil- 
dung einer eigenen Trennungsschichte , sondern die Trennung 
erfolgt in dieser rundzelligen Schichte , in der jedoch allerdings, 
jedoch geraume Zeit vor der Trennung eine Veränderung vor sich 
geht. Diese besteht darin, dass die Zellen dieser aus drei Zelllagen 
bestehenden Schichte sich durch Längsscheidewände theilen, wo- 
durch, wie schon oben angedeutet wurde, der Blüthenstie! von 
aussen wulstig aufgetrieben erscheint. 

Ich habe oben bemerkt, dass die an der Trennungsfläche gele- 
genen Zellen abgerundet erscheinen, ich habe hier noch zu erwäh- 
nen, dass diese Abrundung der Zellen auch an unter Öl beobachteten 
Präparaten wahrzunehmen ist. Mohl undlnmann erklären das 
Auseinanderweichen der Zellen als einen vitalen Act, nicht etwa als 
eine Todtenerscheinung des betreffenden Gewebes, und ohne dass 
ersterer es ausspricht, muss man annehmen, dass das Auseinander- 
weichen der Zellen durch das Aufgelöstwerden der Intercellular- 
substanz und durch die Eigenschwere des sich loslösenden Pflan- 
zentheiles bewirkt werde. 

Oftmalige Beobachtungen lassen mich keinen Augenblick 
zweifeln, dass bei dieser Ablösung eine von der Zelle selbst aus- 
gehende Kraft thätig sei. Wenn man zarte Schnitte von noch nicht 
losgelösten Pflanzentheilen, bei denen aber die Trennung jedenfalls 



x ) L. c. pag\ 14. 
3 ) L. c. |>a ff . 11. 
Sit/.!». .1. iiiiUliem.-iMtur.v-. Cl. XLIX. Bd. I. Abtli. 10 



146 Leitgeh. 

in kurzer Zeit hätte eintreten müssen, unter das Präparirmikroskop 
legt, so kann man nicht selten beobachten, dass an mehreren Stellen 
in dem Momente , als man mit der Präparirnadel das Präparat 
erschüttert, diese Ablösung nicht allmählich sondern in einem Ruck 
geschieht , so dass die betreffenden Partien förmlich auseinander 
geschnellt werden. — Allerdings mag hier die reichlichere, durch 
Endosmose bewirkte Wasseraufnahme das ihrige dazu beigetragen 
haben, aber soll denn dieselbe Kraft nicht auch in der Pflanze wirk- 
sam sein? Dass aber zur Zeit der Ablösung die betreffenden Zellen 
mit Saft gefüllt erscheinen, dass überhaupt um diese Zeit in der 
rundzelligen Schichte eine starke Anhäufung von Zellinhalt wahrzu- 
nehmen ist, habe ich schon oben erwähnt. 

Gewiss muss früher die Intercellularsubstanz aufgelöst werden, 
aber das Abfallen der Blüthen ist zu rasch, als dass man es aus dieser 
einen Ursache verbunden mit der Eigenschwere des Pflanzentheiles 
erklären könnte. Man müsste sonst wenigstens hie und da halb los- 
gelöste Blüthen, an dem unteren Theile des Blüthenstieles herab- 
hängend, beobachten können, was jedoch, so weit meine Beobach- 
tungen reichen, nie der Fall ist. — Ich habe oben erwähnt, dass die 
Lostrennung zuerst in dem inneren Theile stattfindet. Hier nun 
drücken die mit Saft erfüllten Zellen der Trennungsgeschichte , da 
sie sich abzurunden, also auszudehnen streben, vermöge der Elasti- 
cität der Zellmembran die betreffenden Theile des Blüthenstieles von 
einander; diese hängen jedoch noch in der Rindenschichte zusam- 
men , und erst wenn auch hier die Lostrennung weiter vorge- 
schritten ist, wird der betreffende Pflanzentheil abgestossen. 

Ich greife jedenfalls meinen Beobachtungen vor , wenn ich 
vermuthe, dass dies wohl auch bei den Blättern der Fall sei — 
und in der That, wenn man den Blätterfall beobachtet, und sieht, 
wie plötzlich die Trennung eintritt, kann man nicht umhin, auch 
hier eine Art abstossende Kraft zu vermuthen. 

Die älteren Theile des Gefässbündels und die Gelasse nehmen 
an diesem ganzen Processe keinen Antheil, sondern zerreissen, 
wenn die Lostrennung der übrigen vollendet ist. 

Ist auf diese Weise die Trennung erfolgt, so schliesst sich 
die Wunde durch Vertrocknung der Zellen, welcher Process sich 
jedoch nicht blos auf die rundzellige Schichte erstreckt, sondern 
eine oft auch mehrere Lagen der langgestreckten Zellen mit ergreift. 



Zur Keniitiiiss von Hartwegia commosa Nees. 147 

Die Luftwurzeln. 

Ich habe schon oben erwähnt, dass an der Basis der Blätter- 
büschel, bald nach ihrer Entwicklung Luftwurzeln hervorbrechen. 
Sie entstehen wie alle Nebenwurzeln am Verdickungsringe der ver- 
kürzten Axe und treten in horizontaler Bichtung nach aussen. 
Durch den Druck, den sie in Folge ihres Wachsthumes auf die 
Basis des Blattes ausüben, wird dieses an der Berührungsstelle in 
Form eines Wärzchens aufgetrieben und an dieser Stelle endlich der 
Länge nach zerrissen. Dabei nimmt hier die sich verlängernde Wur- 
zel nicht selten Stücke des Blattes mit sich, die man dann nicht 
allein an der Wurzelhaube, sondern auch noch tiefer, dem Grunde 
der Wurzel zu als braune Schuppen an der Epidermis haften findet. 

Im Allgemeinen weicht der Bau dieser Luftwurzeln nicht von 
dem anderer Nebenwurzeln ab. Im Verdickungsringe unterscheidet 
man einen Kreis von (8 — 13) Gefässbündeln, die ein mit vielen In- 
tercellulargängen durchzogenes Mark einschliessen. Der Bindentheil 
besteht aus einem dünnwandigen und sehr lockeren Parenchym, das 
von vielen der Länge nach verlaufenden Intercellulargängen durch- 
zogen ist, und dessen Zellen mit Chlorophyll erfüllt sind, das meist 
um den wandständigen Zellkern gelagert ist. In der Mitte des Bin- 
dentheiles beobachtet man am Querschnitte einen Kreis sich beson- 
ders durch ihre Grösse auszeichnender Zellen, welche Krystalle 
(Baphiden) führen, die allerdings auch in anderen Zellen, wiewohl 
seltener vorkommen. Da sie zugleich auch in Längsreihen gelagert 
sind (Fig. 16), so bilden sie gewissermassen eine Art Mantel, durch 
den die Binde in einen äusseren und inneren Theil getrennt wird. 
Auffallend gross und oft ganz mit Krystalldrusen erfüllt, treten sie 
besonders an in Wasser gewachsenen Luftwurzeln auf. 

Die Epidermis besteht aus dünnwandigen, tafelförmigen Zellen, 
und ist je nach dem Medium, in welchem die Wurzel sich entwickelte, 
verschieden ausgebildet. So lange die Wurzel noch klein und nicht 
über eine Linie lang ist, sind die Epidermiszellen nur zu kleinen 
Papillen verlängert, die sich, falls die Pflanze in trockener Luft ge- 
halten wird, auch nie zu wahren Wurzelhaaren entwickeln, wie in 
solchen Fällen auch die Luftwurzeln nie eine bedeutende Länge (nie 
über iy 8 — 2 Zoll) erreichen. In feuchter Luft jedoch, wo die Luft- 
wurzeln oft bis 8 Zoll und darüber lang werden, wachsen diese 

10* 



148 Leitgeb. 

Papillen zu sehr langen Wurzelhaaren aus, wodurch dann die Wurzeln 
wie mit einem weissen Filze überzogen erscheinen. 

Nicht selten beobachtet man Luftwurzeln, die in der Art aus- 
gebildet erscheinen, dass sie ihrer Länge nach an gewissen Stellen 
ringförmig eingeschnürt erscheinen. Bei näherer Untersuchung 
findet man, dass an solchen Stellen keine oder nur sehr kurze Wur- 
zelhaare sich entwickelt haben, was darin seinen Grund hat, dass 
zur Zeit, als sich diese Stellen gebildet hatten, die umgebende Luft 
trockener als gewöhnlich war. 

Wenn Wurzeln in Wasser gezogen werden, so bilden sich an 
der Epidermis weder Papillen noch Wurzelhaare; die Epidermis- 
zellen bleibenauch kleiner und schliessen enge an einander (Fig. 21). 
Dies ist auch bei älteren in der Erde befindlichen Wurzeln der Fall, 
während hingegen ihre ungemein feinen Verzweigungen dicht mit 
Haaren bedeckt sind. 

Einen ganz merkwürdigen Bau zeigt die unmittelbar unter der 
Epidermis gelegene Zellschichte. Sie wird für uns nicht blos wegen 
der eigentümlichen Ausbildung der sie zusammensetzenden Zellen 
von hohem Interesse, sondern erhält eine um so grössere Bedeutung, 
je constanter wir sie an so vielen der verschiedenartigsten Pflauzen- 
familien angehörigen Pflanzen , die Luftwurzeln bilden, auftreten 
sehen. 

Wir finden sie zum Beispiele an den Luftwurzeln aller Orchi- 
deen 9» a ' s die unter der Wurzelhülle oder wie hier unmittelbar 
unter der Epidermis liegende Schichte, wir beobachten sie an den 
Luftwurzeln der meisten Aroideen u. s. w. Überall zeigt sie dieselbe 
Ausbildung, dieselbe regelmässige Anordnung ihrer Zellen; und 
eben diese Stabilität ihres Auftretens an fast allen solchen Wurzeln, 
welche entweder ganz oder wenigstens theil'weise zur Nahrungsauf- 
nahme aus der Luft dienen und die überall nahezu gleiche Ausbil- 
dung ihrer Zellen, lässt ihre hohe Wichtigkeit für die Function der 
Luftwurzel schon im Vorhinein ahnen. 

Schon ein Querschnitt durch eine Luftwurzel, möge diese sich 
nun in was immer für einem Medium ausgebildet haben, zeigt diese 



i) Die allgemeine Verbreitung dieser Zellschichte bei Orchideen zeigte Oude- 
n ans in seiner Abhandlung über die Oberhaut der Orchideen (Über den Sitz der 
Oberhaut bei den Luftwurzeln der Orchideen. Abhandl. d. mathem.-phys. Cl. d. 
königl. Akad. d. Wissensch. zu Amsterdam, 18<>l) und nannte sie Endo dermis. 



Zur Kenntniss von Hartwegia comrnosn Nees. 149 

Schichte in ganz auffallender Weise, indem die Zellen nicht allein 
durch ihre grössere Weite und die äusserst regelmässigem Anord- 
nung, die sich in der vollkommen radiären Lage der Seitenwände 
kund gibt , von den Epidermiszellen, wie von den darunterliegenden 
Rindenzellen verschieden sind, sondern sich zugleich durch die Art 
ihres Inhaltes von beiden sie begrenzenden Zellschichten wesentlich 
unterscheiden. Während nämlich die darunter liegenden Rinden- 
zellen Stärkemehl führen, dessen Körner an in Wasser oder Luft 
gezogenen Wurzeln in den der Epidermis näher liegenden Schichten 
mit Chlorophyll überzogen sind, die Epidermiszellen aber scheinbar 
inhaltslos erscheinen, und an älteren Wurzeltheilen nie einen Zell- 
kern wahrnehmen lassen, sehen wir viele Zellen dieser Schichte mit 
einem auffallend grossen Zellkern versehen, der nicht selten in einer 
die Zellen ganz ausfüllenden granulösen sich durch Jod gelbbraun 
färbenden Masse gelegen ist. Diese Zellen, die den granulösen Inhalt 
führen, lassen sich bei genauer Betrachtung von den anderen Zellen 
dieser Schichte auch dadurch unterscheiden, dass ihre äusseren 
Wände dünnwandiger sind, convex aufgetrieben erscheinen und über 
die umliegenden Zellen in die Epidermis hineinragen. Auch sind 
diese Zellen dadurch ausgezeichnet, dass ihnen nie ein Zellkern man- 
gelt, der immer an der äusseren Wand der Zelle befind- 
lich ist. 

Die Verschiedenheit dieser Zellen tritt aber viel auffallender 
an einem Längsschnitte zu Tage. Der Radialschnitt (Fig. 14) zeigt 
uns, dass diese Zellschichte aus zwei Arten von Zellen besteht; 
aus kürzeren kegelförmigen, die sich am Querschnitte schon durch 
ihre convexe äussere Wandung und durch ihren granulösen Inhalt 
ersichtlich gemacht haben, und aus lang gestreckten, die nur sel- 
tener einen Zellkern wahrnehmen lassen, denen auch der granulöse 
Inhalt fehlt, die aber dafür an ihren Wänden eine ungemein feine 
und ziemlich regelmässige Streifung erkennen lassen. Diese Streifen, 
obwohl sie nicht selten wie feine spiralförmige Verdickungsschichten 
aussehen, lassen aber schon im vorhinein eine andere Entstehung 
vermuthen , da sie meist nur in der Mitte der Zellhaut auftreten, 
gegen die Seiten hin aber allmählich schwächer werden, und diese 
sehr selten erreichen. Ein Tangentialschnitt (Fig. 15) zeigt uns den 
Grund dieser Streifungen in vollkommen klarer Weise. Er liegt in 
einer äusserst zarten Fallung der Zellmembran, wiewohl man hie 



150 L c i t g e h. 

und da an einer solchen Faltungsstelle eine wenn auch ganz schwache 
Verdickung der Zellwand bemerken kann. Dieser Schnitt zeigt denn 
auch die kleinen Zellen besonders schön, und man erkennt bei ver- 
änderter Einstellung ihre viel kleineren Basisflächen, wodurch sie 
sich, wie es auch schon der Längsschnitt lehrt, als kegelförmige 
(eigentlich kegelstutzförmige) Zellen kundgeben. 

Die Zellen mit gefalteter Zellmembran lassen sich auch wegen 
ihrer Grösse nach dem Schulz'schen Macerationsverfahren sehr 
leicht frei präpariren, und dann sieht man sehr deutlich, dass jeder 
Streifen genau einer Faltung entspricht (Fig. 17). 

Diese Zellschichte mit der eigenthümlichen Ausbildung ihrer 
Zellen zeigt sich mehr oder weniger deutlich an jeder Luftwurzel, 
besonders schön aber an solchen, die sich in Warmhäusern ent- 
wickelt haben, deren Epidermiszellen also zu sehr langen Wurzel- 
haaren ausgewachsen sind. 

Was die Entwicklungsgeschichte dieser Zellschichte anbe- 
langt, so entspringt sie wie die darüber liegende Epidermis dicht 
im Vegetationskegel der Wurzel (Fig. 18). Der Unterschied der 
beiden Zellarten dieser Schichte tritt jedoch erst da auf, wo die 
Epidermis allmählich unter der Wurzelhaube hervorzutreten be- 
ginnt. 

Eine merkwürdige Beziehung zeigen die kegelförmigen Zellen zur 
beginnenden Korkbildung, die man an den älteren Luftwurzeln sehr 
leicht beobachten kann. Wenn man nämlich ältere Luftwurzeln von sehr 
entwickelten Blätterbüscheln, seien diese nun mit der Mutterpflanze 
in Verbindung oder frei in feuchter Atmosphäre aufgehangen, unter- 
sucht, so kann man auf Quer- und Längsschnitten nicht selten die 
ersten Stadien der Korkbildung beobachten. Man sieht dann, dass 
die Korkbildung immer unmittelbar unter den kegelförmigen Zellen 
beginnt, und ohne sich seitlich weiter auszubreiten, nur in den Baum 
dieser Zellen hinein fortschreitet (Fig. 19, 20). Es zerreisst näm- 
lich die Epidermis immer zunächst oberhalb dieser kegelförmigen 
Zellen, deren obere Wandung dadurch blossgelegt und öfters eben- 
falls zerrissen wird, welchen beiden Fällen sogleich die Korkbildung 
ihren Anfang nimmt. Sie beginnt immer durch Bildung von Längs- 
scheidewänden (Fig. 20), und setzt sich in der Weise weiter fort, dass 
sich die nach innen gelegene Tochterzelle, und zwar wieder durch 
Längsscheidewände weiter theilt, welcher Vorgang sich unter die 



Zur Kenntniss von Hartwegia commosa Nees. 151 

von Sanio J ) als Korkbildung mit centripetaler Zellfolge bezeich- 
nete Entwickelungsart subsumiren lässt. An dieser localen Kork- 
bildung kann entweder nur eine einzige Zelle oder auch zwei oder 
drei Zellen tlieilnehmen, je nachdem nämlich an die untere Wandung 
der kegelförmigen Zelle nur eine einzige oder zwei oder drei Zellen 
angrenzen (Fig. 19). Immer aber erfolgt die Bildung der tangen- 
tialen Scheidewände von aussen nach innen, so zwar, dass immer 
die innere Zelle sich als Mutterzelle weiter theilt, wie es sich durch 
Vergleichung vieler Schnitte und durch Betrachtung der gegensei- 
tigen Mächtigkeit der Zellwandungen unter starken Vergrößerungen 
ganz unzweifelhaft herausstellt. 

Durch diese Korkbildung wird der Raum der kegelförmigen 
Zelle wie mit einem Pfropfen von innen aus verschlossen, und so die 
unmittelbare Einwirkung der Atmosphärilien auf die innen gele- 
genen Zellschichten vollkommen abgehalten. 

Function der Luftwurzeln. 

Wenn man einen Blätterbüschel, an dem sich erst Ansätze zu 
Luftwurzeln entwickelt haben, oder dessen Luftwurzeln in Folge 
der Trockenheit der umgebenden Luft nicht, oder nur hie und da 
mit Wurzelhaaren besetzt sind, von der Mutterpflanze trennt, und 
in trockener und feuchter Luft frei aufhängt, so geht er sehr bald 
zu Grunde, indem zuerst die Blätter und nach einiger Zeit auch 
die Luftwurzeln welk werden und nach Umständen verdorren oder 
verfaulen. Anders gestaltet sich die Sache, wenn sich an dem Blätter- 
büschel mehrere in feuchter Luft gewachsene Luftwurzeln betinden, 
und dieses dann in feuchter Luft aufgehängt wird. In solchen Fällen 
geht das Verwelken und schliessliche Absterben ungemein langsam 
vor sich, wie nachstehende Versuche beweisen: 

1. Von einer in einem Wärmhause stehenden Pflanze wurde 
ein Blätterbüschel losgetrennt, an dem sich zwei sehr lange (2") 
Luftwurzeln und zwei Blätter befanden. Letztere hatten zusammen 
eine Oberflache von 6 Quadratzoll, welche Fläche uns, wie wir 
gleich sehen werden, die Grösse der Verdunstungsoberfläche der 
Versuchspflanze A darstellt. Die Luftwurzeln wurden in einem 



•) Bau und Eutwickelung des Korkes. Jahrbücher f. wiss. Bot. II Bd. 18G0, pa». 45. 



152 



L e i t s- e b. 



Glascylinder, in dem die Luft durch einen Schwamm feucht erhalten 
wurde, dermassen eingeschlossen, dass die äussere Luft durch eine 
kleine Öffnung mit der im Cylinder eingeschlossenen communi- 
ciren konnte. Ebenso wurde eine zweite Pflanze B, deren Blattober- 
fläche (bei 3 Blätter) nur 5 Quadratzoll betrug, an der sich jedoch 
nur eine */ a Zoll lange Luftwurzel, an der sich keine Wurzelhaare 
zeigten, entwickelt hatte, ganz unter dieselben Verhältnisse. gebracht, 
und beide Pflanzen von Zeit zu Zeit gewogen. Es ergab sich folgendes 
Resultat: 



Datum 
des Versuchs 


Gewicht d 
in W. 


er Pflanze 
Gran 


Anmerkung 


A 


B 


December 20 


4S 


24-5 




27 


42 


19 




30 


41 


17 




Jänner 4 


40 


15-5 




8 


39-5 


13 




11 


38-5 


12 




13 


38 


11-5 




18 
24 
29 


37-5 

36 

38-5 


9 


Die Blätter der Pflanze B sind 
fast ganz verdorrt , die der 
Pflanze A noch frisch. 


30 


3S 




Die Pflanze A wird auffallend 
welker , daher der Versuch 
unterbrochen. 



Dieser Versuch, so wie mehrere andere, die nahezu dasselbe 
Resultat gaben, zeigt, dass in beiden Fällen die Pflanzen lang- 
sam zu Grunde gingen , dass jedoch der Gewichtsverlust bei der 
Pflanze B vom 20. December bis 18. Jänner fast noch einmal so 
gross war, als bei der Pflanze A, bei der die Luftwurzeln durch 
ihre Function den durch die Verdunstung erzeugten Gewichtsverlust 
theilweise deckten. 

2. Von einer in einem Wärmhause stehenden Pflanze wurde ein 
Blätterbüschel mit vier entwickelten Blättern und drei Luftwurzeln 
(1, \ x / z , 1 3 /* Zoll lang), die mit Wurzelbaaren dicht besetzt waren, am 
24. Jänner 1862 von der Mutterpflanze getrennt, und, nachdem die 
Trennungsfläche durch etwas Baumwachs war verschmiert worden, 



Zur Kenntniss von Hartwegia commosa Necs. 153 

im Glashause gewogen und dann wieder neben der Mutterpflanze 
frei aufgehängt. Die Pflanze zeigte ein Gewicht von 30-3 Gran. 
Durch zwei Wochen war an der Pflanze keine Veränderung zu 
bemerken, in der dritten Woche wurden die Blätter jedoch zusehends 
welker. Am 20. Februar, also nach beiläufig einem Monate, wurde 
die Pflanze wieder gewogen, und es ergab sich ein Gewicht von 
27 Gran. Sie hatte also während eines Monats nur 3-3 Gran an 
Gewicht verloren , war übrigens noch ziemlich frisch, während 
andere Pflanzen, die ganz unter denselben Umständen waren gehal- 
ten worden, deren Wurzeln aber klein blieben und keine Wurzel- 
haare hatten, in dieser Zeit schon ganz zu Grunde gegangen waren. 

3. Eine Pflanze wurde durch einen ganzen Sommer (1862) 
im Glashause, wo sie sich auch entwickelt hatte, frei aufgehangen. 
Im Winter wurde die welk gewordene Pflanze herabgenommen und 
in feuchte Erde gesetzt. Obwohl sich die alten Wurzeln noch sehr 
saftreich zeigten, gingen sie doch zu Grunde, dafür bildeten sich 
aber sehr bald neue Wurzeln und Blätter. 

4. Ein mit der Mutterpflanze noch in Verbindung stehender 
Blätterbüschel wurde am 12. Juni 1862 in einen Cylinder einge- 
senkt , in dem die Atmosphäre fortwährend feucht erhalten wurde. 
Die Pflanze zeigte mehrere, kaum eine Linie lange Luftwurzeln und 
zwei kaum fingerlange Blätter. Nach 8 Tagen hatten sich 6 Luft- 
wurzeln mit dichtem Filzüberzug gebildet, von denen vier über einen 
halben Zoll lang waren. Ami. August, also nach weiteren 40 Tagen, 
hatte jede dieser Wurzeln eine Länge von 2 Zoll erreicht und war 
über und über mit Wurzelhaaren versehen; die Blätter hatten sich 
wenig weiter entwickelt, nur war der Ansatz eines neuen Blattes 
hinzugekommen. — So wurde nun der Stengel, an dem sich der Blät- 
terbüschel entwickelt hatte, durchschnitten, letzterer aber ganz in 
seinen früheren Verhältnissen gelassen. Am 17. Jänner 1863, also 
nach fast 6Monaten, war die Pflanze noch ziemlich frisch; die Wur- 
zeln waren ganz gesund und saftreich, die Blätter hatten etwas an 
ihrem Turgor verloren. Auch waren keine neuen Blätter dazu 
gekommen. Das Gewicht hatte sich von 64 auf 52 Gran vermindert. 
Die dann untersuchten Luftwurzeln, die sich während der Versuchs- 
dauer ebenfalls nicht verlängert hatten, zeigten sich auch in ihrem 
Baue in nichts verändert. Die Haare waren ungemein lang und zahl- 
reich ; die kegelförmigen Zellen waren mit granulösem Inhalt erfüllt. 



154 Leitgeh. 

An den langgestreckten Zellen dieser Schichte zeigte sich die schon 
oben erwähnte Streifung; das weiter nach innen gelegene Zellen- 
gewebe enthielt viele und auffallend grosse Chlorophyllkörner, die 
dicht um den Zellenkern gelagert waren. Die Zellen der Kernscheide 
enthielten je einen Öltropfen, der gegen die Spitze der Wurzel an 
Grösse zunahm; ausserdem zeigten sich in der Rinde wie im Marke 
auffallend grosse, der Länge nach verlaufende Intercellularräume. 

Diese Versuche beweisen wohl zur Genüge, dass die Luftwur- 
zeln jedenfalls einen grossen Antheil an der Ernährung der Pflanze 
nehmen. Wenn die Stoffaufnahme auch nicht so gross ist, um eine 
Neubildung zu veranlassen, so wird durch die Thätigkeit der Wur- 
zeln wenigstens das bewirkt, dass das Leben der Pflanze durch län- 
gere Zeit in soweit erhalten bleibt, dass diese, wenn sie dann unter 
andere ihrer Ernährung günstigere Verhältnisse kommt, noch Kraft 
genug besitzt, um sich weiter entwickeln zu können. 

Ich will hier noch auf einen Umstand aufmerksam machen, den 
ich in Folge mehrjähriger Beobachtungen immer bestätigt fand. Es 
ist nämlich eine ausnahmslose Regel, dass Blätterbüschel, die noch 
an der Mutterpflanze hängen, wenn die Pflanze in trockener Luft 
gehalten wird, alle durch den Stengel zugeführten Nahrungsstoffe 
fast nur zur Bildung von neuen Blättern verwenden, die Luftwur- 
zeln aber fast gar nicht entwickelt werden; dass hingegen in feuch- 
ter Luft nach der Entwickelung der ersten Blätter fast nur mehr 
W r urzeln gebildet werden, die Blätter sich hingegen nur sehr wenig 
weiter entwickeln. — So kann man an in einem Zimmer gezogeneu 
Exemplare nicht selten Blätterbüschel beobachten, an denen sich 
bis zu 12 Blätter, aber nur ein paar kleine Luftwurzeln entwickelt 
haben, während sich an in Warmhäusern gezogenen Exemplaren 
meist nur 2 oder 3 Blätter, dafür aber oft bis zu 20 nicht selten 
fusslange Wurzeln vorkommen. 

Wenn man einen Blätterbüschel , an dem sich Luftwurzeln 
gebildet haben, von der Mutterpflanze trennt, und in die Erde setzt, 
so sehen wir an letzteren eigenthümliche Veränderungen eintreten. 
Während nämlich schon sehr grosse und mit Wurzelhaaren ver- 
sehene Wurzeln meist ganz zu Grunde gehen, und sich statt ihrer 
neue Wurzeln ausbilden, sehen wir, dass jüngere nicht viel über 
1 Zoll lange Wurzeln in der Weise weiter wachsen, dass sie sich 
bedeutend verdicken, dann aber allmählich wieder dünner werden, 



Zur Kenntniss von Uartwegia commosa Nees. 155 

und sich schliesslich in die feinsten Fasern verzweigen (Fig. 22). 
Dies geschieht auch, wenn man eine Luftwurzel eines noch mit der 
Mutterpflanze in Verbindung stehenden Blätterbüschels in Erde ein- 
setzt. In dieser Beziehung unternahm ich folgenden Versuch: 

An einer in einem Wärmhause stehenden Pflanze hatten sich 
mehrere ßlätterbiischel und an einem derselben mehrere sehr lange 
Luftwurzeln entwickelt. Die kürzeste von diesen war 2 1 / 3 Zoll lang. 
Diese wurde nun, ohne ihre Verbindung mit dem Blätterbüschel zu 
unterbrechen, am 27. October in einen daneben gestellten Garten- 
topf gegeben, und dieser dann mit Erde gefüllt. — Am 10. Decem- 
ber wurde nun die Wurzel an ihrer Verbindungsstelle mit dem 
Blätterbüschel abgeschnitten und untersucht. — Der Theil der 
Wurzel, der über der Erde geblieben war, hatte sein Aussehen wenig 
geändert, er schien mir etwas grüner geworden zu sein, da die Wur- 
zelhaare theilweise zu Grunde gegangen waren. Bei anatomischer 
Untersuchung zeigten sich die Wurzelhaare und auch die Epider- 
miszellen hie und da zerrissen, und an solchen Stellen bemerkte man 
in der dritten Zellschichte die schon oben erwähnte Korkbildung. 
Die Wurzel war ferners um 1 i/ a Zoll länger geworden, hatte an 
den neugebildeten Theilen eine glänzend weisse Farbe, und hatte 
anfangs nur allmählich, später aber plötzlich an Dicke zugenommen, 
so zwar, dass sich am Ende der Wurzel eine Art Knollen gebildet 
hatte, an dessen Ende nur mittelst einer Loupe der durch eine kaum 
merkbare Wurzelhaube bedeckte und etwas aus der Mitte hinaus- 
gerückte Vegetationskegel unterschieden werden konnte. 

An den zuerst gebildeten und nur wenig verdickten Theilen 
hatten sich zolllange Nebenwurzeln gebildet, die auch an mehreren 
Stellen der knollenartigen Verdickung entweder schon die Epidermis 
durchbrochen hatten oder noch ganz in den tieferen Partien der 
Binde lagen, was bei der durchscheinenden Beschaffenheit der 
Wurzel sehr schön beobachtet werden konnte. Die anatomische 
Untersuchung zeigte, dass wie natürlich die Zahl der Gefässbündel 
(9) gleich geblieben war. In dem knollenförmigen Theile waren sie 
aber weiter auseinandergerückt, und durch Parenchym von einander 
geschieden; aber auch die zwischen ihnen liegenden Cambiumpar- 
tien waren sowohl, was Zahl als Grösse ihrer Zellen betrifft, viel 
bedeutender entwickelt. Der Holztheil der einzelnen Gefässbündel 
hatte nur sehr wenig verdickte Zellen; so waren auch die Zellen 



156 Leitg-eb. 

der an anderen Wurzeln angezeichnet entwickelten Kernscheide 
nicht verdickt, und auch nicht so regelmässig in einen Kreis gestellt. 
— Sie sowohl v\ie die innerhalb gelegenen Zellen zeigten zahl- 
reiche Theilungen. Der Markkörper hatte ebenfalls an Zahl und 
Weite der Zellen zugenommen , zwischen denen man jetzt sehr 
grosse lntercellularräume bemerkte. Der hauptsächlichste Grund der 
Verdickung war aber in der Ausbildung der Zellen des Rindenkör- 
pers gelegen. Während dieser nämlich in den ober der Erde geblie- 
benen Theilen der Wurzel am Querschnitte nur 12 Zellreihen 
zeigte, war deren Zahl in den am stärksten verdickten Theilen auf 
20 gestiegen, wie auch die Zellen bedeutend an Weite zugenommen 
hatten. In denselben gewahrte man hie und da einen Zellkern, aber 
weiters keinen festen Inhalt. — Die Epidermis war vollkommen ent- 
wickelt, zeigte aber keine Wurzelhaare, die zweite Schichte in ihrer 
eigenthümlichen Ausbildung (Endodermis nach Ou dem ans) war 
wohl vorhanden, der Unterschied zwischen den langgestreckten 
und kegelförmigen Zellen war aber nicht so auffüllend, wie an an- 
deren Wurzeln; letztere hatten nur höchst selten Zellkerne und nie 
den schon oben erwähnten granulösen Inhalt, an ersteren war die 
Streifung, wiewohl sehr undeutlich, ebenfalls vorhanden. 

Die aus dieser verdickten Wurzel entspringenden Nebenwur- 
zeln zeigten die Ausbildung der kegelförmigen Zellen schon inner- 
halb der Rinde, noch viel ausgeprägter aber an den aussen gelege- 
nen Theilen; und da zeigten sich die Epidermiszellen nicht selten 
zu Haaren ausgezogen, an ihrer inneren, an die Endodermis anstos- 
senden Wand jedoch mit Poren besetzt, was besonders an jenen 
Zellen häufig auftrat , die über den kegelförmigen Zellen zu liegen 
kamen. 

Aus dem Umstände nun, dass sich diese Wurzeln durch län- 
gere Zeit (natürlich durch ihren Verdickungsring) verdicken, und 
dass sie auch in späteren Stadien noch im Stande sind, aus den ver- 
dickten Theilen Nebenwurzeln zu treiben, sehen wir, dass hier die 
Thätigkeit des Verdickungsringes durch längere Zeit noch fort- 
dauert, während sie bei oberirdischen Wurzeln, die sich allerdings 
auch hie und da jedoch nur in ihren jüngsten Enden verzweigen, 
durch Ausbildung der Kernscheide schon sehr frühzeitig erlischt. 

Schliesslich nur noch einige Worte über die Bedeutung der von 
Ou de maus mit dem Namen Endodermis bezeichneten Zellschichte: 



Zur Kenntnis« von Hartweyia commosa Nees. lo7 

Ich habe schon oben erwähnt, dass sie nicht dieser Pflanze 
allein eigentümlich isf, sondern dass sie sich ganz in derselben 
Ausbildung an den Luftwurzeln aller Orchideen und fast aller Aroideen 
findet, ja, dass sie in ihrem Auftreten viel allgemeiner ist, als die — 
als Wurzelhülle bezeichnete Umhüllung der Luftwurzeln vieler Pflan- 
zen. Ich erwähne noch, dass sie sich auch an den Luftwurzeln solcher 
Pflanzen findet, die keine Wurzelhülle besitzen, wie zum Beispiele 
Vanilla planifolia, Bulbophyllum, Raphidophora decursiva etc., wo 
sie ebenfalls unmittelbar unter der Epidermis liegt, und wo sowohl 
die kegelförmigen Zellen, was Form und Inhalt anbelangt, als auch 
die langgestreckten ganz auf dieselbe Weise ausgebildet vorkommen, 
nur dass letzteren hie und da die Streifung abgeht. Versuche, welche 
Unger ') mit Spironema fragrans anstellte (einer Pflanze, deren 
Luftwurzeln ebenfalls keine Wurzelhülle besitzen), beweisen, dass 
die Wurzelhülle durchaus nicht nothwendig ist, um eine Wurzel zu 
der ihr eigentümlichen Function der Pflanze ausschliesslich aus 
der Luft die Nahrung zuzuführen, tauglich zu machen, indem sie 
eben bei dieser Pflanze, die, wie die Versuche Unger's zeigen, 
durch blosse Luftnahrung nicht nur sich erhallen, sondern auch 
kräftig weiter wachsen kann, ganz fehlt, bei anderen wie bei 
Arachnanthe moschif'era aber nur auf zwei Zellenlagen beschränkt 
ist. In keinem Falle fehlt aber die Endodermis, und es ist wohl 
mehr als wahrscheinlich, dass hauptsächlich das Vorhandensein 
dieser Schichte eine Wurzel befähigt, als eigentliche Luftwurzel 
zu fungiren. Die Wurzelhülle dürfte ganz auf dieselbe Weise wir- 
ken, wie die dichtgestellten Wurzelhaare und wie ja schon Schlei- 
den andeutete, zur Condensation von Wasserdunst beitragen; das 
Geschäft jedoch , ähnlich der Epidermis an oberirdischen Theilen 
die tiefer gelegenen Zellenschichten vor Verdunstung zu schützen, 
dürfte aber hauptsächlich dieser Schichte zukommen. Wir finden 
nämlich bei fast allen Pflanzen die längeren Endodermiszellen an 
ihren äusseren Wänden mehr oder weniger verdickt , zugleich 
aber bei solchen Wurzeln , die keine Wurzelhülle besitzen , die 
ihnen anliegenden Wände der Epidermiszellen mit Verdickungsschich- 
ten besetzt, wo aber eine Wurzelhülle vorhanden ist, die Spiral- 



i) Sit^ungsber. d. kais. Akad. d. Wiss. 1854. Bd. XII, pag\ 393. 
2 ) GrmidzSge d. wiss. Bot. 3. Aufl. I. Bd. pag. 342. 



1 58 L e i t g e b. 

fasern an diesen Wänden enge aneinander gerückt, so zwar, dass 
fast kein freier Raum zwischen ihnen bleibt. Die kegelförmigen 
Zellen hingegen bleiben immer dünnwandig, oder wenigstens dünn- 
wandiger als die langgestreckten Zellen, während zu gleicher Zeit, 
in dem Falle, wo ihnen die Epidermis unmittelbar anliegt, die in- 
neren verdickten Wandungen derselben getüpfelt erscheinen, was 
hie und da auch über den langgestreckten Zellen der Fall ist. Dort 
aber, wo eine Wurzelhülle vorhanden ist, fehlen die Spiralfasern 
über den kegelförmigen Zellen entweder fast ganz, oder sind in 
anderer Weise als über den langgestreckten Zellen entwickelt. 

Ich glaube also zu dem Schlüsse berechtigt, dass, während 
die langgestreckten Zellen hauptsächlich die Function haben , die 
innen gelegenen Theile vor Verdunstung zu schützen, die kegel- 
förmigen Zellen ebenso die Wege zur Aufnahme der durch die 
Wurzelhülle oder Wurzelhaare condensirten atmosphärischen Dünste 
bilden, wie etwa die Spaltöffnungen an den oberirdischen Theilen 
die Zuleitung luftförmiger Nahrung vermitteln; dass also die Endo- 
dermis in ihrer Function die Verdunstung zu verlangsamen 
und doch Nahrungsaufnahme zu ermöglichen, der mit Spalt- 
öffnu ngen versehenen Epidermis oberirdischer Pflan- 
zentheile zu vergleichen ist. 

Es sind noch andere Gründe, welche mich dies vermuthen 
lassen, deren weitere Ausführung ich jedoch einer anderen Abhand- 
lung vorbehalte, die die Luftwurzeln der Pflanzen im Allgemeinen be- 
trifft, und die ich, wie ich hoffe, in Kürze werde vollenden können. 

Hiemit schliesse ich meine Betrachtungen über die eigenthiim- 
liche Lebensweise dieses sonderbaren Gewächses. Ich halte diese 
Pflanze vermöge ihrer Productivität, wie ihrer grossen Lebenszähig- 
keit, wie wenig andere geeignet, um an ihr Studien über die Func- 
tion der Wurzeln im Allgemeinen und besonders der Luftwurzeln zu 
machen. Mögen meine Andeutungen anderen Forschern, die glückli- 
cher als ich über einen chemischen und physikalischen Apparat ver- 
fügen, zur Anregung werden, in dieser Beziehung weiter die geheim- 
nissvollen Gesetze des Lebens zu entschleiern! 



Zur Keiiiitniss von Hartweyia commosa iSees. lOtf 



Erklärung der Tafel. 

Fig. 1. Eine mehrere Jahre alte Pflanze von Hartweyia commosa. Aus dem 
grundständigen Blatterbüschel entspringen zwei büseheltragende und 
ein einjähriger bliithentragender Stengel. —Verkleinert. (Diese Zeich- 
nung wie auch Fig. ä und 22 vordanke ich der Güte des Herrn Gym- 
nasial-Professors J. Mik ) 

„ 2. Durchschnitt einer Zweigknospe, die sich an dem untersten Theile des 
Stengels entwickelt hatte, a Vegetationskegel der Zweigknospe ; 
b ihre Axillarknospe; c erstes Blatt der Zweigknospe; d Schnittstelle 
des Deckblattes. 12mal vergrössert. 

„ 3. Durchschnitt einer aus den mittleren Theilen des Stengels genomme- 
nen Zweigknospe, die von ihrer axillaren Blüthenknospe in der Aus- 
bildung überholt wurde. Die Bezeichnungen wie früher. 16mal vergr. 

„ 4. Durchschnitt einer Zweigknospe, aus der Spitze des Stengels. Sie ist 
durch ihre axillare Blüthenknospe in ihrer Entwickelung ganz zurück- 
gedrängt. 40mal vergr. 

„ 5. Bliithentragender Seitenzweig in natürlicher Grösse. Die am unteren 
Theile stehenden Blüthen sind schon verblüht, die gegen die Spitze 
zu noch im Knospenzustande. An der Spitze beginnt sich das termi- 
nale Blätterbüschel zu entwickeln. Bei a eine Zweigknospe mit ent- 
wickelten Internodien. 

„ 6. Knospenlage des Perigons. 

„ 7. Diagramm der Blüthe. 

„ 8. Insertionsverhältnisse der Blüthe. 

„ 9. Querschnitt durch das üvarium. Vergr. 

„ 10. Staubgefäss aus einer Knospe, von der Innenseite gesehen. 

„ 11. Radialschnitt durch einen noch unentwickelten Blüthenstiel. Man be- 
merkt die drei verkürzten Zelllagen wie auch den Beginn der ringför- 
migen Einschnürung. Zwei Zellen sind in Längstheilung begriffen. 
250mal vergr. 

„ 12. Radialschnitt durch einen vollkommen entwickelten Blüthenstiel. Die 
Einschnürung ist weiter vorgeschritten. Die verkürzten Zellen haben 
sich um eine Lage vermehrt. Die punktirte Linie zeigt die künftige 
Theilungsstelle des Blüthenstiels. 250mal vergr. 

„ 13. Badialschnitt durch einen vollkommen entwickelten Blüthenstiel. Die 
Epidermiszellen dieser Seite haben sich ebenfalls in radialer Richtung 
verlängert. Daher ist keine Einschnürung entstanden. 250mal vergr. 

„ 14. Radialschnitt durch eine 2 Zoll lange Luftwurzel. Die unter der Epi- 
dermis gelegene Zellschichte (Endodermis) zeigt die mit Inhalt erfüllten 
kegelförmigen Zellen, und in ihnen den Zellkern. Die langgestreckten 
Zellen dieser Schichte sieht man fein gestreift. Die tiefer liegenden 
Rindenzellen sind chlorophyllhältig, das aber in der Zeichnung nicht 
angedeutet wurde. lOOmal vergr. 



lbO L e i t g e b. Zur Kenntnis« von Hartwegia commosa Nees. 

Fig. 15. Tangentialsehnilt einer Luftwurzel auf die unter der Epidermis liegende 
Zellsehichte. Man sieht die beiden Arten von Zellen, an den lang- 
gestreckten die gefaltefe Zellenmembran. 100m;] vergr. 

„ 16. Radialschnitt durch eine Luftwurzel. Die Epidermiszellen sind zu Haa- 
ren ausgewachsen. In der Rinde sieht man die grosszellige Krystall- 
drusen führende Schichte. Sonst wie Fig. 14. lOOmal vergr. 

„ 17. Zwei Zeilen mit gefalteter Zellmembran , durch chlorsaures Kali und 
Salpetersäure macerirt und dann frei präparirt. lOOmal vergr. 

„ 18. Längsschnitt durch eine Wurzelspifze. a Wurzelhaube; b Epidermis; 
c krystallführende Schichte (vide Fig. Iß). Die tieferen Zellen der 
Wurzelhaube wie die Wurzelzellen selbst, waren dicht mit Inhalt und 
Zellkernen erfüllt, das aber der Deutlichkeit wegen nicht gezeichnet 
wurde. lOOmal vergr. 

„ 19. Querschnitt einer lange Zeit in trockener Luft gewesenen Luftwurzel. 
Unter der kegelförmigen Zelle liegen zwei Rindenzellen, in denen die 
Korkbildung begann, und durch Längsscheidewände sich nach aussen 
fortsetzte. Die Zelle rechts zeigt 3, die links nur 2 Theilungen. lOOmal 
vergr. 

„ 20. Radialschnitt durch dieselbe Luftwurzel. Reginnende Korkbildung 
unter der kegelförmigen Zelle. Es zeigt sich erst eine einmalige Thei- 
lung 250mal vergr. 

„ 21. Epidermis einer in Wasser gewachsenen Luftwurzel. lOOmal vergr. 

„ 22. Ansicht des unterirdischen Wurzelwachsthums eines Rlätterbüschels in 
natürlicher Grösse. 
Die anatomischen Figuren sind sämmtlich mit dem SÖininering'schen Spiegel 
gezeichnet. 



Leitgel). Zur Kei f« viiii ll.,ii«. V i,, ro 




SiiBungsb.a k Akacl i W. ni.nli natur» ■.( , l..\l,Vimilil.l..\liih lfUi3 



H y r t 1. Über eine Eigenthümlichkeit des Schlundes von Catla Buchanani. I b 1 



Über eine Eigentliiimlichkeit des Schlundes von Catla 
Buchanani. 

Von dem w. M. Professor Hyrtl. 

(Mit i Tafel.) 

Catla Buchanani Val. besitzt eine ganz eigentümliche, bei 
keinem anderen Cyprinoid wiederkehrende Bildung des Schlundes. 

Nach der auffallenden Grösse des Kopfes und der damit 
zusammenstimmenden Länge der Kiemenbogen und ihrer Zwischen- 
spalten zu urtheilen, sollte der Schlund dieses Fisches eine unge- 
wöhnliche Weite besitzen. Ich war desshalb nicht wenig überrascht, 
als ich bei der Bereitung des Skeletes eines 10 Zoll langen Exem- 
plares, die von der Mundhöhle aus sichtbare Öffnung des Schlundes 
nur anderthalb Linien weit traf. 

Es wird diese auffallende Enge des Schlingweges durch eine 
abweichende Conformation der unteren Schlundkiefer bedungen. 
Diese sind nämlich bei Catla im Verhältniss zur Länge und Stärke 
der Kiemenbogen ungewöhnlich kurz, und tragen nur kleine und 
sehr niedrige Zähne *). Während sie bei den echten Cyprinoiden 
dem vierten Kiemenbogen an Länge nur wenig nachstehen, und ihn 
bei den meisten Gattungen an Stärke selbst übertreffen, erscheinen 
sie bei Catla derart verkürzt, dass sie von ihrem Suspensionspunkte 
an der Schädelbasis aus, sich nur ein wenig zwischen die vierten 
Kiemenbogen herabsenken, und zugleich mit ihren unteren Enden 
so rasch convergiren, dass sie sich alsbald treffen, durch Band- 
masse verbinden, und somit nur eine kleine Lücke zwischen sich 
übrig lassen , durch welche die Mundhöhle sich in den Rachen 
verlängert. 

Die Verbindungsstelle der unteren Enden beider Schlundkiefer 
stösst bei den übrigen Cyprinoiden (und allen Fischfamilien über- 



i) Cuvier (Hist. nat. des poissons, Tome XVII, pag-. 410) bemerkt von ihnen: les 
dents pharyngiennes sont seinblables ä celles des Choudrostomes, et lern- reunion 
constitue un groupe petit pour la grandeur du poisson. 

SiUb. d. mathein. -naturw. Gl. XLIX. Hd. I. Ablh. 1 1 



162 Hyrtl. 

haupt) dicht an die untere Commissur der vierten Kiemenbogen, 
hinter welcher sie unmittelbar zu liegen kommt. Bei Catla dagegen 
steht diese Verbindungsstelle der beiden Schlundkiefer noch 1 Zoll 
über der Commissur der vierten Kiemenbogen. Von der Verbin- 
dungsstelle der unteren Enden beider Schlundkiefer geht eine 
fibröse Leiste zur unteren Commissur der vierten Kiemenbogen 
herab, welche Leiste begreiflicher Weise die Medianlinie einhält, 
und den Raum zwischen den beiden vierten Kiemenbogen in zwei 
ganz gleiche Hälften theilt. So entsteht denn, wenn man die Sache 
zum ersten Male sieht, der Eindruck, als sei ein Schlund von gewöhn- 
licher Weite durch ein medianes Septum in zwei Theile getheilt 
worden. 

Auf der der Mundhöhle zugekehrten Kante dieser fibrösen 
Leiste sitzt eine doppelte Reihe jener langen und feinen Hornfäden 
auf, welche die bekannten Rechen an dem concaven Rande der 
Kiemenbogen vieler Fische bilden, bei Catla aber auch an der con- 
caven Seite der unteren Schlundknochen in einfacher Reihe vor- 
kommen, und, indem sich diese einfachen Reihen von beiden Seiten 
her längs des freien Randes der erwähnten fibrösen Leiste bis zur 
unteren Commissur der vierten Kiemenbogen fortsetzen, auf dieser 
Leiste eine Doppelreihe bilden müssen, wie sie sonst nur den 
Kiemenbogen zukommt. 

Diese fibröse Leiste mit ihrer doppelten Kammreihe hängt mit 
den vierten Kiemenbogen nicht durch verbindende Schleimhaut 
zusammen, sondern bleibt von ihnen durch, eine Spalte getrennt, 
welche so lang ist, wie der vierte Kiemenbogen selbst, und somit 
eine fünfte Kiemenspalte darstellt, von gleicher Länge mit der 
vierten *)• 

Indem nun die Schleimhaut in die enge Passage zwischen den 
beiden unteren Schlundkiefern trichterförmig eindringt, bildet sie 
zugleich eine Halbmondfalte, welche den ohnedies so beschränkten 
Raum noch mehr, und zwar von unten her verengert. 

Diese untere Falte am Racheneingang ist mit feinsten, weichen, 
sehr zierlichen, etwas geschwungenen, von beiden Seiten gegen 



i) Cuvier (üb. cit. pag. 413, 414) kannte die unpaare doppelte Kammleiste, schrieb 
sie alier höchst sonderbarer Weise dem Körper des Zungenbeines zu. Nur einem 
flüchtigen Blick in den Rachen des Fisches konnten sich die hier angeführten Ver- 

hällnissc enl/.iehen. 



Über eine Eigenthiimlichkeit des Schlundes von Catla Buchanani. iUö 

die Medianlinie zu convergirenden Leistchen gezeichnet, während 
über ihr ein mächtiges, schwellendes, weiches Schleimhaut-Polster, 
als irritables Gaumenorgan sich seinen Antheil an der oberen 
Begrenzung des Racheneingangs vindicirt. 

Dicht hinter diesem Anfange des Rachens erweitert sich der 
Schlingweg zu einer kleinen Höhle, ungefähr von der Grösse einer 
kleinen Weinbeere. In diese Höhle ragen die kleinen Schlundzähne 
hinein , deren jeder Schlundkiefer drei dicht zusammenstossende 
Reihen trägt !). Nur der erste Zahn der ersten Reihe sitzt fest, die 
übrigen sind beweglich, so dass sie sich mit der Nadel von einander 
entfernen, und hierauf wieder zu einer wie carrirt aussehenden 
Mosaikplatte zusammengesellen lassen. 

Der schiefe Abschliff ihrer Kronen ist so gerichtet, dass die 
Zähne beider Schlundkiefer unmöglich gegeneinander wirken können, 
wie es bei den Arten von Catostomus, Barbus, Squalius, Itlus, 
Alburnus, Leuciscus, der Fall ist, wo die spitzen und langen 
Schlundzähne von beiden Seiten her ineinander greifen. Wohl aber 
erscheinen sie mir vollkommen geeignet, in ihrer Gesammtheit eine 
Reibplatte abzugeben, welche gegen die ihr gegenüber stehende, 
am Basilartheile des Hinterhauptknochens angebrachte, und mit 
einer dicken Hornplatte überzogene Knochenscheibe wirkt 2 ) und 
mit dieser das Geschäft des Wiederkauens vollzieht. 

Dicht hinter den Schlundkiefern verengert sich der Rachen 
neuerdings etwas, um einen Canal (Oesophagus) von der Stärke 
eines Schreibfederkiels zu bilden, so dass die kleine, eben erwähnte 
ruminatorische Höhle einen besonderen Abschnitt des Verdauungs- 
tractus darstellt. 

Über Magen und Darmcanal habe ich nur zu berichten, dass 
der Oesophagus sich ohne scharfe Grenze in den Magen fortsetzt, 
dessen Pars cardiaca schlauchförmig und geradlinig, keine merk- 
liche Erweiterung bildet, sich einfach in die gleichfalls röhrenför- 
mige Pars pylorica umbiegt, welche ohne Dazwischenkunft einer 
Pylorusklappe, in den Darmcanal übergeht. Nur die im Zickzack 



!) 3 Zähne in der ersten Reihe, 3 in der zweiten und dritten. Ich bemerke, dass die 
Zahl der Zähne auf den Schlundkiefern der Cyprinoiden , bei einer und derselben 
Art, kleinen Schwankungen unterliegt, da sie gewechselt werden, und die reprodu- 
cirten Zähne die verloren gegangenen nicht immer vollzählig ersetzen. 

2) Wie bei Cyprinug, Tinea, Aulopyge, Capoeta, Laben und Rohita. 

11* 



164 Hyrtl. 

gestellten Zottenfalten des Darmes unterscheiden ihn von dem 
gleichfalls darmähnlichen Magen. 

Dass die Schlundkieferzähne der Cyprinoiden nicht beim 
eigentlichen Schlingact, sondern erst bei der Rumination der auf- 
genommenen Nahrung in Verwendung kommen, lässt sich auf dem 
Wege des Versuches constatiren. 

Man bringt bei uns häufig die Ellritze (Phoxlnus Marsiglü) 
zu Markte, wo sie, neben der echten Cobitis barbatula, als 
„Grundel" passirt. Ich hielt diese kleinen niedlichen Fische längere 
Zeit in meinem Aquarium, und fütterte sie den Winter hindurch mit 
enthülsten Haferkörnern, welche ich in heissem Wasser etwas 
schwellen Hess. Die Fische schnappten diese Körner, wenn sie 
längere Zeit kein Futter erhielten, begierig in grosser Menge auf. 
Wenn ich nun einen derselben, allsogleich nach beendeter Fütterung 
opferte, um zu sehen, in welchem Zustande sich die Haferkörner im 
Magen befanden , traf ich sie sämmtüch unverändert daselbst an, 
während die übrigen Fische nach eingenommener Nahrung sich 
gewöhnlich auf den Boden des Gefässes begaben, um mit aller 
Gemüthlichkeit zu ruminiren. Und dass sie dieses thaten, zeigte 
sich ganz deutlich an den Fragmenten von halb zermalmten Körnern, 
welche ich bei der Eröffnung ihres Rachens nicht eben selten 
zwischen den Schlundkiefern eingekeilt vorfand. 

Owen !) lässt sich über das Ruminiren des Karpfen folgender- 
massen vernehmen: 

The fishes, whieh afford the best evidence of this ruminating 
action, are the Cyprinoids (Carp, Tench, Bream), caught after 
they have fed voraciously on the ground-bait, previously hid in 
their feeding haunts, to ensure the angler good sport. A Carp in 
this predicament, laid open, shows well and long the peristaltic 
movements of the alimentary canal; and the successive regurgitations 
of the gastric contents produce actions of the pharyngeal jaws, as 
the half-bruised grains come into contact with them, and excite the 
singular tumefaction and subsidence of the irritable palate, as 
portions of the regurgitated food are pressed upon it. 

Owen geht selbst noch weiter, und schreibt das Wiederkäuen 
auch den Raubfischen zu. Hechte, welche kurz nachdem sie ihre 



• ) Leclures on llie Comparative Anatomy and Physiologe of Fishes. Loml. I84G, pag. 236. 



Über eine Eigentümlichkeit des Schlundes von Catla Buchanani. 1 ÖD 

Beute verschlungen, gefangen werden, zeigen an letzterer nur einige 
Spuren der Wirkung der Fangzähne, aber keine Verletzung durch die 
oberen und unteren Schlundzähne, deren Verwendung vielmehr darin 
besteht, die in den Schlundweg regurgitirten Myocommata , welche 
nach Auflösung der fibrösen Intermuscularsepta durch die Wirkung 
des Magensaftes lose werden und auseinander fallen, zu zerhecheln 
und zu krämpeln, um sie in einen breiigen Zustand zu bringen, 
und sie dadurch der Einwirkung der Verdauungssäfte zugänglicher 
zu machen. Wichtig ist es jedenfalls, um dem Gedanken an ein 
Wiederkäuen bei Fischen mehr Eingang zu verschaffen *)> dass jene 
Gattungen, deren Oesophagus so beschaffen ist, dass er ein Zurück- 
bringen des Mageninhaltes in den Schlund nicht gestattet (viele 
Knorpelfische 2 ), der Schlundzähne entbehren. 



Erklärung der Abbildungen. 

Fig. 1. Vordere Ansicht der Kiemenbögen und des Schlundes von Catla 
Buchanani. 
aa Kiemenbögen. 

b irritables Gaumenorgan. 
cc vorderer, concaver Rand der unteren Schlundkiefer, mit einer 
einfachen Reihe von nach aussen gerichteten Hornfäden besetzt. 
d mediane, fibröse Leiste, an welcher die beiden einfachen Faden- 
kämme der Schlundkiefer zu einer doppelten Reihe aggregirt 
sind. 
e halbmondförmige Schleimhautfalte am Eingange des engen 
Schlundes f. Die trichterförmige Schleimhautpartie vor dieser 
Falte, zwischen den beiden Schlundkiefern, ist mit zierlichen, 
etwas gesehlängelten Schleimhautkämmchen besetzt. 



') Nur den Scarus-Avten wurde von Aristoteles (lib. III. cap. 14) Rumination zuge- 
schrieben , welche sie jedoch nicht mit den Schlundzähnen, sondern mit jenen der 
Kinnladen vollziehen sollen. Plinius (lib. IX. cap. 17). 
Ebenso singt Oppian's Muse: 

Et Scarus solus pallenles ruminat herbas, 
Ac veluti pecudes revocat sul> gutture pastuin. 
[ch bemerke hiezu, das Scarus kein pflanzenfressender Fisch ist, sondern sich von 
Corallen nährt, welche ich in seinem Magen wiederholt antraf. 
2 ) Insbesondere Scyllivm, Selache, Seaphirkynchus , Acipenser, Polyodon, sietobutis. 



166 Hy r 1 1. Über eine Eigenlhiimliclikeit des Schlundes von Cutla Buckanani. 

Fig. 2. Hintere Ansicht der Kiemenbogen und des Schlundes mit der Ruminn- 
tionshöhle. 
aa die durch Bänder an die Schädelbasis angehefteten, unteren 

Schlundkiefer. 
bb zahntragender Theil derselben. 

cc unterer, stumpfer Fortsatz derselben zu Muskelinsertion. 
d Eingang in die Ruminationshöhle von der Mundhöhle her. 
e Ruminationshöhle mit den in sie frei hineinragenden, in drei 

Reihen gestellten Kronen der Schlundkieferzähne. 
f der aus der Ruminationshöhle sich nach hinten fortsetzende 
Oesophagus. 



Br »vrtl L'licr ein» Kig«.thüiulichkrii ib-s Sr.liUiiidesj von Catln ßui'hana 



- 











I 










SiUimgsb. d. k Akad.d.W'matK.iiaturv.Cl.XLIX.Bd I Abtk.l8G4. 



II v i- 1 I. Über das Vorhalten der Leberarterie zur Pfort.ider etc. 1 i 



Über das Verhalten der Leberarterie zur Pfortader bei 
Amphibien und Fischen. 

Von dem w. M. Professor Hyrtl. 

(Mit 1 Tafel.) 

Die isolirte Injection der Blutgefässe der Leber eines Amphi- 
biums aus der Familie der Salamandrinen , Derotremen und 
Phaenerobranchen , führt zur Erkenntniss einer eigentümlichen 
Anordnung dieser Gefässe, welche bei keinem warmblütigen Wirbel- 
thiere wiederkehrt. Die Gattungen der genannten Familie, welche 
ich untersuchte, und deren injicirte Leberpräparate ich aufbewahre, 
sind: Triton, Salamandra, Salamandroidis , Menopoma, Siredon, 
Siren und Menobranchus. Sie stimmen in folgenden Hauptpunkten 
mit einander überein. 

1. Verhalten der Pfortader. 

Die Pfortader, welche vor ihrem Herantritt an das untere Ende 
der inneren Leberfläche, die von der Harnblase (Allantois) , von 
den Nieren *) und theilweise vom dicken Darm heraufkommende 
J a c o b s o n'sche Bauchvene (Vena abdominalis anterior) aufnimmt, 
senkt sich nicht, wie es sonst bei allen Wirbelthieren Regel ist, in 
die Lebersubstanz ein, sondern zieht an der inneren Leberfläche bis 
zu deren vorderem Ende hin. Sie bleibt somit dieser ganzen Fläche 
entlang ein oberflächliches Gefäss. 

Während dieses Laufes gibt sie Äste ab und nimmt welche auf. 
Letztere, — drei an Zahl — sind Magenvenen, deren vorderste bei- 
läufig im Mittelpunkte der inneren Leberfläche an den Pfortaderstamm 
gelangt. 

Die Äste ersten Ranges, welche die Pfortader abgibt, bleiben, 
so wie der Stamm, oberflächlich. Sie gehen von beiden Seiten 
des Stammes aus. Ihre Gesammtzahl beträgt bei Triton 6, bei 



•) Deren sogenannte Pforladerii sie sammt den Hiiftvenen aufnimmt. 



1 Oö Hyrtl. Über das Verhalten der Leberarterie 

Salamandra 8, bei Menopoma 9, bei Siren 11. Sie senden, wenn 
sie zu den längeren gehören, nach einer Seite hin Zweige aus, und 
theilen sich dann gabelförmig, was die kürzeren, ohne jene Seiten- 
zweige abzugeben, bald nach ihrer Entstehung thiin. Diese primären 
Spaltungszweige, so wie deren fernere Bifurcation, liegen ebenfalls 
superficial. Weiter geht aber die Theilung in Gabelzweige nicht, 
denn schon nach den eben erwähnten drei Theilungen lösen sich 
die Pfortaderäste in das Capillarnetz der inneren Leherfläche auf. 
Jedem Aste und Zweige dieser oberflächlich lagernden Pfortader 
gehört ein capillarer Bezirk an, und diese Bezirke werden nicht 
durch Einschübe von Capillarbezirken der Vena hepatica getrennt 
gehalten, sondern fliessen bei vollständigen Injectionen der Pfort- 
ader so mit einander zusammen, dass für die Capillarien der Leber- 
vene kein Platz zwischen ihnen übrig bleibt. Man kann sich denken, 
welche Stärke diese Capillargefässe der Pfortader haben müssen. 
Sie ist denn auch in der That so beträchtlich, dass man füglich 
Anstand nehmen könnte, die betreffenden Gefässe capillar zu nennen. 
Man braucht nicht einmal die Loupe, um alle Attribute des Pfortader- 
Capillarnetzes vollkommen gut zu unterscheiden, vorausgesetzt dass 
sie mit grellfarbiger Masse injicirt wurden. 

Die Leber der genannten Familien ist flacher und platter 
als jene der Saurier, Chelonier und ungeschwänzten Batrachier, 
und ihre dem Magen zugekehrte Fläche bildet, wenn das Organ 
herausgenommen und auf seine äussere Fläche gelegt wurde, ein 
Planum, an welchem man die strahlige Vertheilung der oberflächlich 
liegenden Pfortaderäste mit einmal übersehen kann. 

"!, Beschränktheit des Rainificatiousbezirkes der Pfortader. 

Injicirt man die Pfortader gegen die Leber zu, mit einer Masse, 
welche der ausgezeichneten Weite der Capillargefässe wegen, nicht 
zu den feinen zu gehören braucht, so findet man, dass sich nur 
die innere Fläche der Leber über und über röthet; — 
die äussere aber zum grössten Theil uninjicirt bleibt. 
Die Pfortader hat somit nur Eine Leberfläche zu ihrem Ver- 
ästelungsbezirk. Allerdings tauchen kurze Ästchen der primären 
und seeundären Pfortaderzweige in die Lebermasse ein, jedoch nie 
bis zur entgegengesetzten äusseren Fläche der Leber. Diese kurzen 



zur Pfortader bei Amphibien und Fischen. 1 C9 

penefrirenden Ästchen werden, so wie die oberflächlichen, schon 
nach der dritten Theilung capillar. Das ihnen zugehörige Capillar- 
gefässsysfem breitet sich nicht an der äusseren Leberfläche aus, 
sondern erreicht dieselbe höchstens nur in kleinen, hie und da zer- 
streuten Inseln. 

Schneidet man eine von der Pfortader aus mit miltelfeiner 
Masse injicirte Leber senkrecht auf ihre beiden Flächen durch, so 
lässt sich an der Schnittebene die Tiefe absehen, bis zu welcher die 
capillaren Netze der Pfortader gefüllt wurden. Niemals aber zeigt 
sich ein dickerer, den primären, oberflächlichen Zweigen der 
Pfortader gleich starker Ast an dieser Ebene, und niemals sieht man 
einen penetrirenden Pfortaderast bis zur entgegengesetzten Leber- 
fläche reichen, wenn gleich die Capillargefässbezirke einzelner 
solcher Äste auf spärliche Weise jene Fläche in kleinen Gruppen 
erreichen. 

Injicirt man mit feiner Masse, so wird und muss allerdings 
auch die äussere Fläche der Leber sich röthen, indem die Masse 
aus den mächtigen Pfortadercapillaren in die eben so starken, von 
der äusseren Fläche der Leber gegen die innere vordringenden 
Capillaren der Lebervenen übergeht. 

3. Verhalten der Lebervenen. 

So wie kein Pfortaderast auf die äussere Fläche der Leber 
übergreift, eben so wenig erstreckt sich ein Lebervenenast auf die 
innere Fläche hinein. Denn die letztere gehört vorwaltend der 
Pfortader-, die erster e der Lebervene. Ich sage vorwaltend, da 
der Capillargefässbezirk der Pfortader an der inneren Leberfläche 
nur etliche, kleine, unregelmässig begrenzte Inseln für das Capillar- 
gefässbezirk der Lebervenen frei lässt und umgekehrt. 

Die Füllung der Lebervenen gelingt eben so leicht, als jene 
der Pfortader. Man hat es nur mit dem mächtigen Stamme der 
Cava inferior nahe am Herz zu thun, um eine starke Injectionsröhre 
in sie einzubinden, und sämmtliche Venae hepaticae von der Hohl- 
ader aus zu füllen. 

Hat man Pfortader und Hohlader mit verschieden gefärbten 
Massen vollständig injicirt, so zeigen die zwei Leberflächen über- 
wiegend nur eine der beiden Farben. Übung lehrt es, den richtigen 



1/0 Hyrtl. Ül>er das Verhalten der Leberarterie 

Consistenzgrad der Masse zu treffen. Ist die Masse zu fein 
genommen, so geht sie aus dem einen Venenbezirk natürlich auch 
in den anderen über, und behindert dann dielnjection des letzteren. 
Pfort- und Hohlader dürfen auch nicht gleich nach einander 
injicirt werden. Man warte einige Zeit, bis die Masse des erst 
injicirten Gefässes durch Verdunstung des Äthers hart geworden. 
Dann erst werde die andere Vene injicirt. Lässt man diese Regel 
ausser Acht, und injicirt schnell nach einander beide Venen, so wird 
die Injection der zweiten, die Masse in die erste zurücktreiben, 
stellenweise ihren Platz sich anmassen, und die gegenüber liegende 
Leberfläche eben so gesprenkelt erscheinen, wie es bei warm- 
blütigen Thieren zu sehen ist. An den scharfen Rändern der Leber 
ereignet es sich, dass bei Injection der Pfortader sich auch an der 
äusseren Oberfläche, dem Rande entlang, kleinste Gruppen von 
Capillargefässen füllen, und umgekehrt, bei Injection der Hohlvene 
(oder Lebervene) etwas Ähnliches an der inneren Oberfläche der 
Leber gesehen wird. Da nämlich die Summe der Capillargefässe, 
in welche sich ein letzter Pfortader- oder Lebervenenzweig auflöst, 
einen sogenannten Acinus bildet, also eine gewisse Dicke hat, so 
wird, wenn diese Dicke jener des Leberrandes gleicht, auch die 
entgegengesetzte Leberfläche, an ihren scharfen Rändern etwas von 
der erst injicirten Masse zu Gesicht kommen lassen. 

Bei den Schlangen verlauft der ganze Pfortaderstamm frei in 
einer Furche der dem Magen zugekehrten Leberfläche. Die Hohl- 
ader durchsetzt dagegen das Leberparenchym in seiner ganzen 
Länge und wird erst gegen das vordere Ende der Leber zu ober- 
flächlich. Sie nimmt die besonders von der äusseren Leberfläche 
herkommenden, weniger die im Parenchym eingebetteten Leber- 
venen auf. Durch Injection der Pfortader röthet sich desshalb zuerst 
die ganze innere Fläche der Leber, durch Injection der Cava die 
äussere. Die Leberarterie, welche der Pfortader folgt, senkt sich 
nur in die Capillarnetze der ersteren ein, wie es bei den ßatrachinen 
der Fall ist. 

4. Leberarterie. 

Jedem Pfortaderaste folgt eine Arterie. Die grösseren Äste, 
werden wohl auch von doppelten Arterien begleitet. So stark die 



zur Pfortader hei Amphibien und Fischen. 171 

Pfortaderäste sind, so schwach erscheinen die Arterien. Die an den 
oberflächlichen Zweigen der Pfortader hinziehenden Arterien sind 
um das 5 — lOfache feiner, als diese. Da die Zahl der oberflächlichen 
Pfortaderäste, wie früher gesagt, gering ist, werden auch nur spär- 
liche Arterienzweige vorkommen. Diese Arterienzweige werden sich 
nicht oft zu theilen brauchen, um wirklich capillar zu werden. Die 
letzten Ausläufer der Arterien aber bilden keine 
Netze, sondern münden sämmtlich an der inneren 
Leber fläche in die grobstämmigen Capillarnetze der 
Pfor tader ein. Man erstaunt, wenn man an Lebern, welche 
durch die Venen und Arterien mit verschieden gefärbten Massen 
injicirt wurden, zum ersten Male sieht, wie die feinsten arteriellen 
Gefässe, ohne Netze zu bilden, ja ohne sich dazu nur im Geringsten 
anzuschicken, sich in jene riesigen venösen Capillarnetze einsenken. 

Um dieses zu beobachten, bedarf es gerade nicht der Leber 
eines Amphibiums der genannten Familien. Jede Amphibienleber, 
— insbesonders schön die Leber der Chelonier — zeigt dieses Ein- 
senken feinster arterieller Gefässenden in weite Venennetze *)• 

Bei den Sauriern und Ophidiern fällt die Sache weniger auf, da 
die venösen Capillargefässnetze der Leber feiner sind, als bei den 
Chelonier n und nackten Amphibien. Immer ist es der der Pfortader 
angehörige Bezirk des venösen Capillargefässnetzes, in welchem 
die letzten, nicht zu Netzen verbundenen Reiserchen der Leber- 
arterie einmünden. Hat man die Pfortader irgend einer Amphibien- 
leber blau, und die Lebervenen durch die Cava roth injicirt, so 
wird die Injection der Leberarterie mit gelber Farbe immer nur 
den Pfortaderbezirk der Lebercapillaren grün färben, niemals aber 
den Lebervenenbezirk orange. Eine arterielle Injection der Leber, 
wie sie sich bei Säugethieren und Vögeln erhalten lässt, wird bei 
den Amphibien zur anatomischen Unmöglichkeit. Man erhält durch 
die arterielle Injection immer nur Pfortadernetze gefüllt. 

Wurde eine Salamanderleber blos durch Arterien injicirt, und 
schneidet man sie in beliebiger Richtung in parallele Scheiben , so 



*) Nur findet bei den Chelonier n der Umstand Statt, dass (wie es bei den ungeschwänzten 
Batrachiern der Fall ist) die Pfortader sieh nicht oberflächlich ramificirt, sondern 
ihre Zweige in das massige Parenchyra einsenkt, und die, diese Zweige begleitenden 
spärlichen Arterienästchen, auch in der Tiefe der Lebersubstanz in ungewöhnlich 
weite Pfortadernetze einmünden. 



1 72 Hyrtl. Über das Verhalten der Leberarterie 

sieht man an den Schnittflächen nur wenig Durchschnitte von 
Arterien. Alle ansehnlicheren Äste der Arteria hepatica bleiben, bis 
zu ihrem Capillarwerden, an jener Fläche der Leber, an welcher 
die Pfortaderzweige ausstrahlen. Auch die penetrirenden Zweigchen 
der Arteria hepatica reichen nie in die äussere Leberfläche hinein, 
sondern entleeren sich schon viel früher in die Capillaren der 
Pfortader. 

5. Gallengefässe. 

Man ist durch die ausserordentlich zahlreichen mikroskopischen 
Untersuchungen des Leberparenchyms dahin gelangt, nicht zu 
wissen, ob die Leberzellen innerhalb oder ausserhalb der Gallen- 
gefässramificationen liegen. Die Injection des Ductus choledochus 
der Amphibien ist eine der schwierigsten, die ich kenne. Die Fein- 
heit dieses Ganges, welche nur zu oft die feinsten Injectionsröhrchen 
übertrifft, sein Durchtritt durch das Pancreas, welches ihn völlig 
umwächst, und sein Gefülltsein mit Galle, erklären die Unsicherheit 
des Erfolges. Geduld und technische Gewandtheit kommen aber 
auch mit diesem Gange, dessen Auffinden bei kleinen Thieren schon 
ein anatomisches Kunststück genannt werden kann, zum Ziele; — 
besonders dann, wenn man, um der in den Gallengefässen enthal- 
tenen Galle einen Ausweg zu öffnen, zwei oder drei parallele und 
höchstens J / 3 Linie eindringende Schnitte über beide Leberflächen 
führt. Diese Schnitte öffnen das System der feinsten Gallenwege 
in genügender Weise, um, — natürlich nur partieenweise, — die 
Füllung der Gallengefässnetze zu ermöglichen. Diese Netze sind 
ausserordentlich feinstämmig. Der Durchmesser der Gallengefäss- 
capillarien steht weit unter dem Durchmesser der arteriellen 
Capillargefässe. Sie bilden vollständig geschlossene Netze, welche 
bei jeder Durchschnittsrichtung der Leber sich als dieselben weit- 
maschigen Retia darstellen. 

Da nun je ein feinstes Element dieses Netzes in einer Masche 
des venösen Capillargefässnetzes enthalten ist, diese Maschen aber, 
wie oben gesagt, sehr weit sind, so können sie durch die feinsten 
Gallengefässe doch nicht vollständig ausgefüllt werden. Der Raum, 
welcher zwischen Gallen- und Venencapillarien übrig bleiben muss, 
wird von den Leberzellen eingenommen. Diese liegen also 



zur Pt'ortader bei Amphibien und Fischen. 1 T3 

ausserhalb der feinsten Gallengefasse, deren Durchmesser unter 
jenem der Leberzellen steht, so dass es eine physische Unmöglich- 
keit wird, sich die Leberzellen im Innern der Gallengefässe, — 
etwa als Enchymzellen — postirt zu denken. 

Nie können terminale Netze der Gallenwege durch Injection so 
überzeugend dargestellt werden, wie eben in der Batrachier-Leber. 
Von Übergängen der feinsten Gallengefässe in weitere Säcke, 
welche die Leberzellen enthalten sollen *), ist nichts zu sehen. 

Scharf präcisirt und genau abgeschlossen , erscheint das 
Gallengefässnetz durch das gesammte Leberparenchym als Ein 
Ganzes, welches für sich bestehend, unabhängig von den Blut- 
gefässen so gut wie von den Leberzellen, weder in kleinere Antheile 
zerfällt, wie sie für jeden vermeintlichen Acinus zugelassen wurden, 
noch mit Hohlräumen in Verbindung steht, welche, als von der 
Capsula Glissonü gebildet, Complexe von Leberzellen in sich ein- 
schliessen sollen. Alles dieses wurde statuirt und auf geduldigem 
Papier abgebildet, um über die Schwierigkeiten nicht mehr weiter 
nachdenken zu dürfen, welche die Postirung der Leberzellen ausser- 
halb der Gallengefässe dem Übertritte der Galle aus den Zellen in 
die Gallengefässe bereiten muss. Um einen Vergleich zu machen, 
denke man sich ein feinstes Drathgitter durch die Lücken eines 
Gitters von massiven Eisenstangen durchgeflochten. Was zwischen 
Drath und Eisenstäben offen bleibt, denke man sich (wie bei Riegel- 
oder Fachwerken durch Ziegel) durch eine Zellenmosaik ausgefüllt, 
und man hat die rechte Idee vom Verhältniss der Gallenwege zu den 
Blutwegen in der Amphibienleber. Und wer dann noch an der 
Richtigkeit der Sache zweifelt, der betrachte die Injectionen von 
Gallengefässnetzen, über welche ich zu seinen Gunsten disponiren 
kann, und wird dann hoffentlich zu der Überzeugung kommen, 
dass der Streit über den Ursprung der Gallengefässe sich nur 
durch Injectionsresultate schlichten lässt, und dass das leidige 
Zerzupfen und Zerzausen uninjicirter Parenchyme zu Zerrbildern 
führt, welche man nur mit einer Regung von Unglauben betrachten 
kann. 



i) The smallest branches of the bile-ducts, are seen to dilate into much wider tubes, in 
which the liver-cells lie. Beale, on some points in the An atomy of the Liver 
pag. XIV. Fig. 27. 



174 Hyrtl. Über das Verhalten der Leberarterie 



6. Lebergefässe der Fische. 

Was die Fische betrifft, so verhalten sich die Störe den nackten 
Amphibien analog. Die Capillarnetze zwischen Vena portm und 
Vena hepatica sind eben so mächtig, wie bei diesen, und die Arteria 
hepatica mündet mit ihren letzten Reiserchen nur in den Pfortader- 
bezirk der Lebercapillarien ein. Durch isolirte Injection der Arteria 
hepatica füllten sich immer nur die Pfortadeieapillarien, niemals 
primär jene der Vena hepatica. Die Verzweigungen der Leber- 
Arterie und jene der Pfortader sind aber nicht blos auf die innere, 
dem Magen zugekehrte Fläche der Leber beschränkt, sondern 
durchziehen das gesammte Parenchym der Leber, so dass die Über- 
gänge derselben in die Pfortadercapillarien auch im Innern der 
Leber, ja selbst an der äusseren Oberfläche derselben gesehen 
werden. Bei den Knochenfischen erstrecken sich die Ramificationen 
der Leberarterie gleichfalls bis an die äussere Oberfläche des 
Organs; die Capillarnetze zwischen Pfortader und Lebervene aber 
sind eben so fein, wie sie bei warmblütigen Thieren gefunden 
werden. Bei den letzteren und beim Menschen, verbinden sich zwar 
die arteriellen Capillargefässe mit jenen der Pfortader und der 
Lebervene, mit ersteren jedoch so überwiegend, dass mikroskopische 
Injectionen der Pfortader sehr gerne auch in die Leberarterien über- 
gehen, während ein solcher Übergang von der Lebervene aus, 
schwieriger und nur in kleineren Bezirken sich ereignet. 

7. Autheil des arteriellen Lcberblutes an der fiallenbereitung. 

Die lange schon ventilirte Frage, ob das Blut der Arteria 
hepatica blos zur Ernährung des Leberparenchyms, oder auch zur 
Gallenbereitung verwendet wird, findet in den eben geschilderten 
Verhältnissen der Leberarterie zur Pfortader eine Beantwortung, 
welche weniger Misstrauen erregt, als die Barbarei resultatloser 
Vivisectionen, durch welche man die Betheiligung des arteriellen 
Blutes an der Gallensecretion zweifelhaft zu machen bemüht war. 

Wenn die letzten, feinsten Enden der Arteria hepatia sich 
sammt und sonders in die groben Capillarnetze der Pfortader er- 
giessen, so kann dieses nur die unabweisliche Folge haben, dass die 
üallenbereitim£ ihr Materiell aus einem Gemische von arteriellem 



(Ivrtl. Über das Verhalten 3er Leberarterie axnrPfortalerebc. 



i'uj. I . 




% 2 




I ■ ixv 

SitKunPsb.d.k.Akad.d.W.mafli.naUirv.Cl.XLIX.Bi. LAbtti .1864. 



zur Pfortader bei Amphibien und Fischen. 175 

und Pfortaderblut bezieht. Hätte das arterielle Blut keinen Antheil 
an der Gallensecretion , und wäre seine Verwendung nur auf die 
Ernährung des Leberparenchyms berechnet, so müssten sich die 
Arterien im ganzen Leberparenchym gleichförmig verzweigen, nicht 
aber ausschliesslich an einer Fläche desselben enden und im Pfort- 
adersystem aufgehen. Auch wird man zugeben, dass die Leber- 
aiterien, wenn ihnen nur eine nutritive Verwendung zukäme, nach 
Erfüllung derselben sich in die Anfänge der Lebervenen, nicht aber 
in die Enden der Pfortader entleeren müssten. 

Wie will man ferner die eben so alte als solide anatomische 
Beobachtung deuten, dass bei den Ophidiern ohne Ausnahme eine 
Summe von Lungenvenen 1 ) ihr arterielles Blut nicht in den Haupt- 
stamm der Vena pulmonalis , sondern in die Pfortader ergiesst 3 ), 
wenn es nicht im Plane der Natur liegen würde, der Leber eine 
Mischung von arteriellem und venösem Blute zur Gallenbereitung zu 
überliefern. 



Erklärung der Abbildungen. 

Von den angefügten Figuren stellt Fig. 1 die innere Flache einer Trifon- 

eber zweimal vergrössert dar. Die oberflächlich ausstrahlenden Verzweigungen 

der blau injicirten Pfortader werden von feinsten Arterienästchen begleitet, 

welche direct und ohne Netze zu bilden, in die grobstämmigen Netze der 

Pfortader einmünden. 

Fig. 2 gibt die Ansicht der äusseren Oberfläche eines Stückchens Schild- 
krötenleber (Cltersits morginatus) , an welcher die feinsten, stark gespreizten 
und spärlichen Arterienreiser sich gleichfalls in grobe Pfortadernetze einsenken. 



i) Auf den vorderen Abschnitt der Lunge der Schlangen, welcher durch die Arteria und 
Vena pulmonalis mit dem Herzen verkehrt, folgt eine relativ kurze Zone, welche ihr 
venöses Blut aus einer Verlängerung der Arteria pulmonalis erhält, ihr arterielles Blut 
dagegen der Pforfader übermittelt. Auf diese Zone folgt der dritte, längste Abschnitt 
der Lunge, an welchem das zellige Ansehen der inneren Oberfläche sich gänz- 
lich verliert, und welcher, da er von keinem Gefässe aus injicirbar ist, gefässlos 
genannt werden muss. Er dient nur als Reservoir für jene Luftnienge, welche das 
Thier nie unterlässt zu sich zu nehmen, wenn es aufgescheucht wird. Das zischende 
Geräusch, mit welchem diese Luft durch die engen Nasenöffnungen eingezogen 
wird, ist somit mehr Ausdruck der Furcht als des Zornes. 

s ) Sieh meine Strena anatomica, de novis pulmonum vasis in ophidiis nupeirime inventis 
Prag», is::7. 



176 



III. SITZUNG VOM 21. JANNER 1864. 



Herr Prof. Dr. Fr. Rochleder in Prag übersendet eine Ab- 
handlung: „Über die Constitution organischer Verbindungen und 
Entstehung homologer Körper". 

Herr Bergrath Fr. Ritter v. Hauer übergibt im Namen des 
Herrn Hofrathes W. Haidinger eine Abhandlung, betitelt: „Der 
Meteorstein von Beauvechin bei Tourinnes-la Grosse (Tirlemont) im 
k. k. Hof- Mineralien-Cabinete". 

Herr Prof. E. Brücke legt eine Abhandlung: „Über den Nutz- 
effect intermittirender Netzhautreizungen" vor. 

Herr Dr. A. Boue liest eine Abhandlung: „Über den 
albanesischen Drin und die Geologie Albaniens, besonders seines 
tertiären Beckens". 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 
Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin: Ab- 
handlungen aus dem Jahre 1862. Berlin, 1863; 4°- — 
Kirchhoff A. , Studien zur Geschichte des griechischen 
Alphabets. (Aus den Abhandlungen 1863); 4°' — Preisfrage 
der physikal.-mathem. Classe für das Jahr 1866. 

— der Wissenschaften, Königl. Bayer., zu München: Sitzungs- 
berichte. 1863. II. Heft 1 & 2. München, 1863; 8»- — 

— Königl. Schwed., zu Stockholm: Handlingar Ny Följd. IV Bd., 
1. Hft. 1861. 4°- — Öfversigt. XIX. Argangen 1862. Stock- 
holm, 1863; 8°- — Meteorologiska Jakttagelser i Sverige. 
III. Bd., 1861. Stockholm, 1863; Querquart. — Crustacea 
decapoda podophthalma marina Sueciae etc. enumerat 
A. Geös. (Acad. Scient. Suec. propos. die 14. Januarii 1S63.J 
8°* — Mitglieder- Verzeichniss. 

American Journal of Science and Arts. Vol. XXXVI, No. 107 

& 108. New Haven, 1863; 8°- 
Annalen der Chemie und Pharmacie, von Wühler, Liebig und 

Kopp. II. Supplementband, 3. Heft. Mit 1 Tafel. Leipzig 

und Heidelberg, 1863; 8°- 



177 

Argelander, F. W. A., Atlas des nördlichen gestirnten Himmels 

für den Anfang des Jahres 1855. V. Lieferung, enthaltend 

die Blätter Nr. 25, 28—31, 34—40. Bonn, 1859; Fol. 
Astronomische Nachrichten. Nr. 1457—1458. Altona, 1864; 4»- 
Bibliotheque Universelle de Geneve: Archives des sciences phy- 

siques et naturelles. N. P. Tome XVII e , No. 71 — 72. Geneve, 

Lausanne, Neuchatel, 1863; 8°- 
Blanche t, Rodolphe, Lettres adressees ä la Gazette de Lausanne 

sur les maladies des plantes et sur Thygiene de l'homme et 

des animaux. Lausanne, 1863; 8°* 
Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences. 

Tome LVII, No. 26. Paris, 1863; 4<>- 
Gesellschaft, Naturforschende, in Emden: 48. Jahresbericht, 

1862. Emden, 1863; 8°- 

— Deutsche geologische: Zeitschrift. XV. Bd., 3. Heft. Berlin, 
1863; 8o- 

— Schweizerische naturforschende: Verhandlungen. 1862. 
46. Versammlung. Luzern; 8°* — Chr. Christen er. DieHiera- 
cien der Schweiz. Mit 2 Tafeln. (Aus dem Programm der 
Berner Cantonsschule für 1863.) Bern, 1863; 4<>- 

— physikalisch-medicinische: Würzburger naturwissenschaftliche 
Zeitschrift. IV. Bd., I. Hft. Würzburg, 1863; 8»— Würz- 
burger medicinische Zeitschrift. IV. Bd., 3. & 4. Hft. Würz- 
burg, 1863; 8o- 

Grunert, Joh. Aug., Archiv der Mathematik und Physik. 

XLI. Theil, 2. Heft. Greifswald, 1864; 8<>- 
Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer, von 

F. Vorwerk. Bd. XX, Heft 5 & 6. Speyer, 1863; So- 
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XIV. Jahrg. Nr. 3. Wien, 

1864; 4<" 
Lotos. Zeitschrift für Naturwissenschaften. XIII. Jahrg. November 

und December 1863. Prag; So- 
Marey, E. J., Physiologie medicale de la circulation du sang, 

basee sur Tetude graphique des mouvements du coeur et du 

pouls arteriel avec application aux maladies de Tappareil 

circulatoire. Avec 235 figures. Paris, 1863; 8°- 
Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt. 

Jahrg. 1863. XII. Heft. Gotha; 4°' 

Sitzb. (1. inathem.-aaturw. Cl. XL1X. Bd. I. Abtli. 12 



178 

Mondes. II e Annee, Tome III, 2 e Livraison. Paris, Tournai, Leip- 
zig, 1864; 8°- 

Societas regia scientiarum Upsalensis: Nova Acta. Seriei 
tertiae Vol. IV. Fase. II. 1863. Upsaliae; 4°- 

Societe geologique de France: Bulletin. Tome XX e - Feuilles 
31_48. Paris, 1862 ä 1863; 8<>- 

Verein der Freunde der Naturgeschichte in Meklenburg: Archiv. 
17. Jahrg. Neubrandenburg, 1863; 8°- 

— für vaterländische Naturkunde in Württemberg: Württem- 
bergische naturwissenschaftliche Jahreshefte. XIX. Jahrgang, 
1. Hft. Stuttgart, 1863; 8<>- 

Wiener medizinische Wochenschrift. XIV. Jahrg., Nr. 3. Wien, 
1864; 4o- 

Zeitschrift für Chemie und Pharmacie, von E. Erlenmeyer. 
VI. Jahrgang, Heft 20. 1863; VII. Jahrgang, Hft. 1 & 2. Hei- 
delberg, 1864; 8o- 

— des österr. Ingenieur-Vereines. XV. Jahrgang, 10. & 11. Heft. 
Wien, 1863; 4o- 



B o u e. Der albanesische Drin und die Geologie Albaniens etc. 179 



Der albanesische Drin und die Geologie Albaniens, beson- 
ders seines tertiären Beckens. 

Von dem w. M. Dr. A. B o n e. 

Der albanesische Drin soll jetzt Scutari fast berühren, so 
lautet die auffallende Nachricht des Herrn General-Consuls v. Hahn, 
welcher sehr lakonisch beifügt: Seit vier Jahren istderFluss 
mit zwei Drittel Theilen seiner Wasser in sein altes 
Bett in nordwestlicher Richtung zurückgegangen und 
mündet nun auf diese Art theilweise in den Kiri oder Drinassi neben 
der Stadt. 

Um die Wichtigkeit dieser hydrographischen Veränderung 
würdigen zu können, muss man wissen, dass von Scutari nach 
Skela oder der ehemaligen Überfahrt des Drin bei seinem Austritte 
aus dem Gebirge eine gute Stunde Weges ist, während man von 
derselben Stadt bis zur zweiten unteren Überfahrt über den Drin 
bei Zadrima fast drei Stunden zählt. Diese rhombische Strecke 
Landes zwischen dem Drin und Kiri ist flach, cultivirt und mit 
mehreren Landhäusern bedeckt. Auf unserm Wege, ausser mög- 
lich bei Butschera, bemerkten wir in den Jahren 1837 und 1838 
keine Spuren von einem alten Flussbette. 

Andererseits kann ich versichern, bei Skela kleine Schiffe 
gesehen zu haben, welche wenigstens auf dem adriatischen Meere 
längs der Küste fuhren, was jest wohl nur mehr bei dem höchsten 
Wasserstande der Fall sein kann. 

Interessant ist es zu erfahren, dass diese Veränderung erst 
seit vier Jahren stattfand, und wirklich macht Herr Hequard in 
seiner Beschreibung Albaniens im Jahre 1858 keine Erwähnung 
davon. Möglich, dass ältere Autoren von jenem sogenannten alten 
Bette etwas berichten, besonders weil die Veste Rosapha und selbst 
Scutari dadurch vertheidigungsfähiger wird. 

Vor dieser Umgestaltung bildete der in die Bojana mündende 
Kiri nur zu Regenzeiten einen breiten reissenden Bach, zu anderen 
Zeiten lag nur ein tro; kenes Bett voll Gerolle im Süden der Festung, 

12* 



180 B o u e. Der albanesische Drin 

so wie am Fusse der westlichen niedrigen felsigen Verlängerung 
jenes Kalkkegels, welcher die Stadt von dem Kiri trennt. 

Mündet aber der Drin in den Kiri, so ist da natürlich ein Stadt- 
und Festungsgraben geschaffen, und da die Bojana westlich und 
nördlich den Fuss des Rosaphahügels bespült, so bleibt nur seine 
östliche Seite als Aufgang zu diesem steilen, dreieckigen Felsen. 

Jedenfalls erklärt diese zeitweilige Mündung des Drin in den 
Kiri seinen doppelten Namen als Drinassi. Vielleicht hat das gleich- 
zeitige Aufschwellen des Kiri und des Drin die Eröffnung dieses Ver- 
bindungscanales befördert. Bei meiner dreimaligen Anwesenheit am 
Ufer des Drin erhob sich dieses um 10 — 15 Fuss über dem Wasser. 

Es ist kein Zweifel, dass in geologischen Zeiten der Drin und 
der Kiri in dasselbe Wasserbecken mündeten, welches nicht nur 
die ganze Vertiefung des Scutarisees, sondern auch die Thäler der 
Bojana und der Zadrima begriff. Aber als Inseln erschienen, wenig- 
stens in der neueren tertiären oder älteren Alluvialzeit, über dem 
Wasser erstens ein grosser Theil der dreieckigen hügeligen Land- 
zunge zwischen den Bojana-, Butschera- und Zadrimagegenden 
und zweitens der schmale niedrige felsige Kamm, welcher von 
Ost nach West laufend, die Stadt Scutari südlich theilweise 
begrenzt. 

In Mittel -Albanien haben wir einen ziemlich ähnlichen Fall 
beim Scumbi und Devol, welcher leider bis jetzt von allen Geo- 
graphen bis Kiepert selbst nicht recht verstanden und auf den 
Karten schlecht aufgezeichnet wurde. Südlich von Elbassan liegt, 
namentlich zwischen beiden Flüssen, nur eine ungeheure Ebene 
anstatt der Gebirge der Geographen, und der schmälste Theil 
dieser Wasserscheide, ungefähr 2'/ 4 Stunden breit, ist ganz flach, 
fast ohne Bäume und Gesträuche, nur eine schöne grüne Wiese, 
ausser im hohen Sommer. Da aber das* Wasserquantum der beiden 
Flüsse besonders auf Regen im Gebirge angewiesen ist, so bemerkt 
man meistenteils nur die zwei mächtig breiten, sehr wenig aus- 
gehöhlten und mit Gerollen augefüllten Bette. Kommt eine Über- 
schwemmung, so rücken die Wasser viel näher an einander oder 
es erfolgt in Fällen grosser gegenseitiger Wassermenge eine Ver- 
einigung derselben, wenigstens in dem eben beschriebenen engen 
Isthmus. Endlich in einer gewissen Entfernung westlich nimmt das mit 
einigen niedrigen, tertiären und alluvialen Hügeln bedeckte Land 



und die Geologie Albaniens, besonders seines tertiären Beckens. 1 o 1 

zwischen dem Meere und dem Ausflusse des Scumbi und Devol die 
Gestalt einer wahren Insel an. 

Auf diese Weise würde die westliche Türkei an hydrographi- 
schen Seltenheiten reich sein, denn zu diesen zwei sonderbaren 
Fällen gesellen sich nicht nur die häufigen Katarotrons und unter- 
irdischen Flüsse, sondern auch die so seltene, fast gleichzeitige 
Ausmündung dreier Flüsse, namentlich im südlichen Bosnien die der 
Tara, Piva und Sutschesa, südwestlich von Fotscha. Letzterer Fall 
entstand erstlich durch die Kreuzung von zweierlei Spalten, die 
eine von Nordwest nach Südost und die andere fast von Ost nach 
West, und dann durch eine kleine Nebenspalte zu der ersten. 

Umgeben war das nordalbanesische, tertiäre und alluviale 
Becken vorzüglich durch FIö tzkal k-Ketten, welche mehr oder 
weniger steilere Wände rund um ihn herum bildeten. Letztere Kalkfor- 
mationen scheinen eher der unteren Kreide und Neocomien als der der 
älteren Flötzkalke anzugehören und dieses ebensowohl nach unserer 
flüchtigen Untersuchung, als in Folge der Thatsache, welche in 
Montenegro und dem österreichischen Albanien erkannt wurde, 
namentlich dass das Alter der Gehirgsformation vom Meere nach dem 
Innern von Trias an abnimmt, indem ihre absolute Höhe in dersel- 
ben Richtung nur gewinnt. Die älteren Flötzgebilde würden kaum 
mehr südlich am östlichen Ufer des adriatischen Meeres, vielleicht 
selbst nicht in den acroceraunischen Gebirgen, zu finden sein. 

Obgleich ein tiefes, altes Alluvium, ohne erratische Blöcke, die 
Oberfläche dieses Beckens bildet, so zweifle ich kaum, nach den 
anstehenden Gesteinen in der südlichen Ausdehnung dieser grossen 
Bucht zu urtheilen, dass die miocene Bildung theilweise noch jetzt 
unter den Alluvionen durch Bohrung zu treffen wäre. Zum eocenen 
Gebilde gehören wahrscheinlich die ziemlich geneigten Schiefer 
und Sandsteine, welche theilweise das hügelige Land zwischen der 
Bojana und Zadrima bilden und nur in dem Engpasse von Baldrin vor 
Alessio oder Lesch an beiden Ufern des Drin durch Flötzkalk ver- 
drängt werden. 

Ob dieses nämliche Gebilde auch einen grossen Theil des Myr- 
ditenlandes zusammensetzt oder ob letzteres der Kreide angehört, 
müssen geschickte Geologen an Ort und Stelle entscheiden. 
Schwarze Diorite, Euphotide, reines Diallagegesteine und einige Ser- 
pentine durchschneiden es oft und helfen den Einwohnern die Wege 



182 B o u e. Der albanesische Drin 

noch unwegsamer machen , damit ihr Land so unbekannt als möglich 
bleibe. Merkwürdig ist die Bemerkung des Herrn v. Hahn, dass 
die Stellung der Schichten keineswegs dieselbe auf beiden Ufern 
des vereinigten Drin in der Myrdita sei. 

Nördlich stehen die Flötzkalkschichten senkrecht oder fast auf 
dem Kopfe, während sie südlich viel weniger geneigt, fast hori- 
zontal erscheinen. Aus diesem letzteren Umstände könnte man 
vielleicht auf die Anwesenheit der Sandstein -Eocene schliessen, 
obgleich Herr v. Hahn ausdrücklich meint, dass dasselbe Material 
von einem Ufer zum andern übersetzte. Doch könnte diese Ver- 
schiedenheit der Neigung auch in Verbindung mit der Spaltcnbildung 
durch theilweise Versenkung oder Verrückung seine Erklärung 
finden. Ist aber v. Hahn's mineralogisches Auge nicht betro- 
gen worden, so hätten wir da wieder einen auffallenden Beweis 
von einer Spaltenbildung an der Grenze zweier Formationen und 
von dem Laufe des Hauptwassers einer Gegend nicht auf, sondern 
neben derselben, kurz ein Fall, wie wir ihn an der Donau zwischen 
Passau und Linz, zwischen Molk und Krems, bei Pressburg u. s. w. 
wohl kennen. 

Andererseits wenn man die Lage gewisser Euphotide und 
Serpentine in Italien berücksichtigt und als Thatsache annimmt, 
dass es in Siebenbürgen selbst eocene Quarzporphyre und gold- 
führende Sandsteine wie zu Vöröspatak gibt, so könnte man schon 
eocene Bildung in den Myrdita- und Mailändern vermuthen. 

Wie im gegenüberliegenden Italien bildet südlich von der 
Driner Bucht bis nach Griechenland das Tertiäre einen breiten Land- 
strich, welchen Flötzkalk-Felsen oder Kuppen überall östlich über- 
ragen, indem nur selten letztere Gebilde noch als ehemalige Inseln 
hie und da aus dem Tertiären ersichtlich sind. So findet man von 
Lesch oder Alessio an fast bis zum Graba-Balkan grösstenteils nur 
eine hohe, sehr steile, weissgraue Kalkwand über 800 a-oja. 
bis 1000 Fuss Höhe (ungefähr wie unsere Wand im j 

südlichen Wiener Becken) , welche nur hie und da X\ 
durch Spalten oder durch enge Thäler der Mat, der 
Benda und der oberen Quellengebiete des Ischm zer- 
rissen wird. Die Stadt Croja liegt auf dieser Wand, CS///s<t — 
von hohen Kalkbergen überragt. Aber zwischen den südöstlichen 
Quellen des Scumbi und dem Ergent steigen nur einzelne Kalkkegel 



und die Geologie Albaniens, besonders seines tertiären Beckens. 183 

aus dem Tertiär und Alluvium empor. Diese letztere plastische 
Configuration erhält dann weiter ihren stärksten Ausdruck in der 
Toskana in dem ungeheuren Kolosse des -5000 Fuss hohen Tomor 
mit seiner westlichen Wand, mittelst welchen niedrigeren Ausläu- 
fern die Flötzkalk-Gebilde sich dann in den Höhen des Pindus 
verlaufen. 

Südlich von dem Scutarisee und der Bojana hat einmal das 
hohe montenegrinische Kalkgebirge sein Ende und dieses bis am 
Meerbusen von Atta und bis nach Morea. Eine bedeutende Landes- 
senkung muss da vor der tertiären Zeit geschehen sein, nur hie 
und da blieben Stücke der niedergegangenen Gebirge zurück. So 
z. B. herrscht natürlicher Weise westlich vom oberen Theile des 
Vojutzathales , in Arkananien und längs der jetzigen östlich beste- 
henden Kalkwand eine bedeutende Kluft, längs welcher diese Abrut- 
schung stattfand. Im Hügel der Ruine Stelusia und unter einem 
Kloster trägt das Terrain längs der Croja-Mauer noch Spuren solcher 
dynamischer Bewegungen. 

Die Breite des auf diesem untergegangenen Continente durch 
das Tertiäre eingenommenen Raumes, so wie die relativ absolute 
Höhe des ersteren nimmt auffallend von Nord nach Süd zu. So z. B. 
beträgt diese Breite nur ein paar Stunden im unteren Ischmthale. 
Zwischen Croja und dem Meere ist die Breite schon über 5 Stunden, 
am Graba- Balkan mehr als doppelt so viel, während in Mittel- 
Albanien diese Ausdehnung von West nach Ost zu wenigstens 
20 Stunden anwächst. Südlich von Ergent erstreckt sich dieses 
Gebilde noch weiter, aber in jenem grossen eocenen Nummuliten- 
und Sandstein-Gebilde erscheinen manche Kreidekuppen und selbst 
bedeutende Gebirgszüge, welche ihnen als Gerippe dienen. 

Wenn man in Süd-Albanien oder Epirus die eocene Bildung., 
wie sie in Italien bekannt ist, in noch grösserem Massstabe als auf 
jener Halbinsel studiren kann, so werden doch oft daselbst wie in 
Istrien, wenigstens die Thäler bildenden Kreide-Sandstein-Schiefer 
durch horizontal geschichtete engere Kalknagelfluh- oder durch 
Süsswasserkalk-Ablagerungen theilweise bedeckt. 

Wie in Istrien und Dalmatien ist in ganz Albanien die 
eocene Bildung stark gehoben und zerspalten worden , indem 
der über sie gelagerte Miocen aus sehr wenig geneigten Schichten 
besteht. 



lö*t B o u e. Der iilbanesische Drin 

Wenn letztere Formation im Epirus selten zu sein scheint, so 
ist dieses weder in Mittel- noch in Nord-Albanien der Fall, wo 
hingegen das Eocene viel weniger hervortritt. Es bestätigt sich 
wieder theilweise, da für das Tertiäre die sonderbare geographi- 
sche Verbreitung der Flützformationen in Nord-Albanien, namentlich 
dass das ältere näher gegen Westen ansteht als das jüngere. 

Eines der schönsten Beispiele des Miocen findet man im Ischm- 
(Hismo-) Thale, wo nördlich von Tyrana die deutlichsten Wiener 
Tegel mit Melanopsides Dufourii und Congerien anstehen. Sie (6) 
bilden die Basis der Hügel nördlich, südlich und westlich, und wenn 
man denG'raba-Balkan von Elbassan nach Tyrana besteigt, so bemerkt 
man, dass sie abwechselnd mit Nummulitenkalk (7/,) die eocene Bildung 
endlich gänzlich bedecken. Der Durchschnitt jener blauen Tegel 
und thonigen Mergelschichten, eine sehr Giaba-Baika,,. 
geneigte Fläche von mehr als 800 Fuss - — 
Höhe, erinnerte mich nicht nur an Wien, 
sondern auch an den Volterrakegel in 
Toscana.Wie in beiden Localitätenstösst 
man dann unter den obersten sandigen 
Schichten auf jenen um Wien wohlbe- 
kannten Horizont YOüCerithium pictum, 
mit Cardium simidans und plicatum, die Neritina Montalamberti 
u. s. w. (siehe Turquie d'Europe, 1840, Bd. I, S. 298) und höher 
hinauf liegt ein mächtiger Leithakalk quarzigen Conglomerats (7/), 
welcher sich weit westlich, nordwestlich und nördlich gegen die 
Spitzen der Berge erstreckt und scheinbar auch in der kleinen, 
längs des adriatiscben Meeres laufenden Kette von Petrella nach der 
Mündung des Ischm vorhanden ist. 

Von diesem letzteren Gebirgszuge stammen die durch die Gefäl- 
ligkeit des österr. General-Consuls v. Hahn zu Syra und desConsuls 
Ballarini zu Durazzo geschickten Petrefacten, welche Herr Director 
Dr. Hörn es, corresp. Mitglied d.k.Akad. d.W., zu bestimmen die Güte 
hatte und deren Liste am Schlüsse folgt. Herr Ballarini liess auf 
dem Berge Gradetz zwischen Durazzo und Tyrana sammeln und Herr 
v. Hahn fand seine Petrefacten, meistens grosse Austern und Pecten, 
auf dem Berge Sörel oder Zurel zwischen Tyrana und der Matgegehd. 

Es läge im Interesse der Wissenschaft und schiene der Akademie 
würdig, dass sie den Wunsch desHerrn ConsulsBallarini erfülle und 




und die Geologie Albaniens, besonders seines tertiären Beckens. löö 

einem Fachmanne die Aufnahme dieses Terrains, so wie das gehörige 
Sammeln seiner Petrefacten bald anvertraue. Wie gesagt kann man 
erwarten, daselbst gegenüber Croja vielleicht ein zweites eben so 
reichhaltiges Petrefactenlager als bei Sinigaglia zu finden. 

Eine andere merkwürdige Zusammenstimmung mit Wiener 
tertiären Zuständen konnte ich bei den Quellen in jenen Gebilden 
Nord-Albaniens bemerken, namentlich floss eine sehr reiche kalte 
Quelle an der Sohle des Leitha-Conglomerates heraus, welche höchst 
wahrscheinlich von dem sehr weit davon (1 — 2 Stunden?) gelege- 
nen Kalkflötz-Gebirge herstammt. Die Wässer werden in einen 
eigenen Brunnen künstlich geleitet zum Labsale der Reisenden und 
Thiere, welche nur mit Mühe, vorzüglich von Süden, den steilen mio- 
cenen Thonabhang des Graba-Balkans durch geschlängelte Wege 
erreichen können. Die Verflächung des Conglomerates, so wie des 
miocenenThones war entschieden nördlich, so dass natürlicherweise 
das Heruntergehen gegen jene Seite nur allmählig stattfinden konnte, 
besonders da spätere Erosionen daselbst viel weniger als südlich den 
Bergkörper angegriffen haben. An seinem südlichen Fusse aber, bei 
der Abwechslung der Nummulitenkalke und blauen Mergelthone, 
kommen noch ziemlich gute Quellen in mehr als einem Niveau zum 
Vorschein. Auf diese Weise bildet sich weiter unten etwas süd- 
westlich das kleine Wässerchen und Thälcben Namens Kutscha, wo 
griechische Klostergeistliche ebensowohl einen frischen Trunk 
Wassers als eine schöne Natur und Einsamkeit nach ihrem Wunsche 
seit uralten Zeilen finden konnten. 

In dem Scutarisee und Drinbecken kommen auch in gewissen 
Localitäten grosse Conglomeratmassen vor, welche aber in der 
Myrdita (zwischen Skela, Dukinhan und Spass oder Keuprihan) 
ebenso wie Nummulitenkalk fehlen. Der Punkt , wo wir die 
grössten Anhäufungen bemerken, liegt südlich von Hotti neben 
jenem ausgedehnten morastigen Theile des Landes (Umsko-blato), 
welcher das beste Zeugniss für die ehemalige viel grössere Ausdeh- 
nung des Sees ablegt. Da aber diese Massen einen bedeutenden 
Hügel krönen und ihre Höhe über dem Thale einige hundert 
Fuss beträgt, so glaube ich, dass diese Conglomerate zu jenen 
der Leithagebilde gehören dürften. Sie würden am Fusse des 
Gebirges, am Ausgange seiner Thäler denselben localen Platz ein- 
nehmen wie unsere längs des Flötzkalk-Gebirges am südwestlichen 



186 B o u e. Der albanesische Drin 

Theile des Wiener tertiären Beckens. Jedenfalls zeigen sie durch 
ihre Höhe einen bedeutenden Unterschied mit anderen Gerollen und 
Conglomeratanhäufungen, welche hie und da die Sohle des Thaies 
bilden. Als alte Moräne können sie nicht gelten, da ihnen das wirre 
Durcheinander der Gesteine jener fehlt und auch keine erratischen 
Blöcke zu sehen sind. 

Ehe ich von dem eigentlichen geognostischen Theile ablenke, 
muss ich noch ein Wort über die schwach thermalen, sehr stark 
mit Schwefelwasserstoffgas geschwängerten Wässer 
sagen, welche aus dem Fusse der erwähnten grossen Flötzkalk-Wand 
oder sogenannten uralten Flötzspalte und unteren Croja von einer 
Höhle herausfliessen. Dieser Fall hat viele Ähnlichkeit mit unseren 
Quellen von Mödling, Baden und Vöslau, so wie auch mit einigen 
trinkbaren Quellen am südlichsten Ende des Wiener Beckens. 

Wenn nach der heutigen Meinung manches Theoretikers die 
Gypslager bei Heiligenkreuz in Verbindung wenigstens mit den 
Badener Schwefelquellen gebracht werden wollen, so würde man 
dasselbe auch in Nord-Albanien thun können , weil bedeutende Gyps- 
brüchenlager, wenigstens südlich von der Stadt Dibra, vorhanden 
sind. Wir aber glauben diese Erklärung nicht gelten lassen zu 
können, weil wir die Annahme wahrscheinlicher finden, dass erstens 
der kalkige Absatz in einem sehr alten Kraterbecken stattfand, dann 
dass schwefelige Ausdünstung sich wieder darin Luft machte und 
einigen Kalk in Gyps verwandelte, indem später solche Schwefel- 
wasserstoffgase nur die Mittel fanden, einige unterirdische Wasser- 
ströme stark zu schwängern. 

Wahrscheinlich möchten auch Geographen meine jetzige Mei- 
nung über das Alter jener Kalkformationen vernehmen, 
welche einen so grossen Platz im östlichen Albanien, westlichen 
Macedonien, selbst am Schar und in Ober-Mösien einnehmen und 
vor 24 Jahren theilweise in der unteren Kreide eingeschlossen 
wurden. 

Ein Theil dieser grossen Kalkablagerung nimmt neben dem 
krystallinischen Schiefergebirge einen dem Schweizer Alpen-Kalk 
analogen Platz ein. So z. ß. erinnert der nördliche Abhang des 
Schar an die ungleichförmige Lagerung des Flötzkalkes im Kanton 
Uri auf dem unter ihm liegenden krystallinischen Schiefer. Über- 
haupt führen sowohl die geognostischen Erscheinungen als die 



und die Geologie Albaniens, besonders seines tertiären fieckens. 



187 



Prisren. 




Kettenbildungen im Innern der europäischen Türkei zu dem Schlüsse, 
dass eine östliche Verlängerung der Alpen-Centralkette daselbst vor 
banden ist. Selbe wäre schar. 

nur etwas mehr gegen 
Süden verschoben und 
oft überdeckt worden, 
indem die grosse Lücke 
zwischen beiden von 
West nach Ost laufen- 
den Ketten meistenteils durch secundäre Kalkformationen und Ter- 
tiäres auszufüllen wäre. Die ersten Spuren dieser Centralalpen- 
Verlängerung treten in Slavonien auf, dann erkennt man solche 
deutlich an der Grenze Bosniens und der nördlichen Herzegowina 
in den Gebirgen von Setz und im Voinitzathale, so wie im süd- 
lichen Serbien, von Uschitze einerseits bis Kragujevatz und Jagodin 
und andererseits über Karanovatz im Jastrebatzer Gebirge; ferner 
in der Central-Türkei von Schar und oberhalb des Moravathales an 
bis zum grossen Balkan; endlich in ganz Macedonien vom Vardar bis 
nach Bhodope, von wo dieser krystallinische Zug sich weit nach 
Klein- und Central-Asien erstreckt. 

Seitdem man dem Systeme des mächtigen Dachsteinkalkes 
sammt seinen Dolomiten einen ziemlich bestimmten Platz über dem 
alpinischen Keuper im Lias angewiesen hat, scheint es mir sehr 
wahrscheinlich, dass dieses System auch in der westlichen Türkei, 
aber immer neben krystallinischen Schiefergebirgen und in einer 
gewissen Entfernung vom adriatischen Meere, eine bedeutende Bolle 
spielt. So z. B. möchte ich dazu den dichten grauen Kalk nebst dem 
Dolomite rechnen, welcher von Sua-Bieka bis an den schwarzen 
Drin den nördlichen Fuss der Talk- und Chloritschiefer-Kette sammt 
Protogine des hohen Schar (Schara Planina) bedeckt. Dieses Ge- 
bilde stösst ungleichförmig gegen die ältere Formation an und bildet 
noch besonders einen grossen Theil des Jalesch und den Schale- 
Schossberg. Wenn aber diese Bestimmung die richtige wäre, so 
könnte man durch die augenscheinliche Verlängerung jener Kalke 
von Norden und Süden bis zum Pindus und wenigstens bis zu 
Bilischta, wenn nicht bis zu Castoria ein ähnliches Dachsteinkalk- 
System auch daselbst annehmen. — Wie weit sich dasselbe im süd- 
lichen und nördlichen Bosnien, besonders in der westlichen Region 



188 ßoue. Der alhanesische Drin 

von Scharon findet, bleibt aber ein durch Geognosten zu lösendes 
Problem; denn daselbst, wie auch im Epirus, im Pindus und Bure- 
nos gibt es entschieden ältere Kreide oder Hippuritenkalke, welche 
die Verhältnisse sehr compliciren. Obwohl zwischen Travnik und 
dem sogenannten Skander Vakup im Ugrathale das Kössener System 
vorhanden wäre? Vielleicht könnte man es im Epirus im oberen 
Konitzathale zwischen Turanikhan und Seran auch entdecken, wo 
so viele geneigte schwarze Mergel- und Kalkschichten abwechseln. 
Viel ältere Formationen wären gewiss im Voinitzathale, südöstlich 
von Travnik, in Bosnien u. s. w. 

Die genaue geognostische Aufnahme des westlichen serbischen 
Gebirges, eine verhältnissmässig mit Arbeiten im offenen Felde in 
der Türkei sehr leichte Sache, würde die Kenntniss der bosnischen 
Formationen sehr befördern. Darum wünsche ich sehr, dass die- 
jenigen jetzt oder bald in Bosnien beschäftigten Österreicher 
meinem wohlgemeinten Bathe folgen und mit Serbien anfangen, 
damit sie das Schwierigere in Bosnien viel geschwinder enträthseln 
können. 

Eine ganz andere Beihe von älterem dichten Kalk scheinen mir 
noch wie ehemals einige im südwestlichen Theile Ober-Mösiens zu 
sein, so wie jene sehr gestürzten Kalkstöcke, welche, mit Schiefer- 
thon abwechselnd, im westlichen Macedonien, immer unfern der 
Glimmerschiefer und krystallinischen Kette, grosse, von Nord nach 
Süd streichende Züge vom oberen Vardar über die Trojakgegend 
nach der von Vodena und Moglena bilden. Im Centrum der Türkei 
wäre es das nordöstliche Macedonien, wo ich am wahrscheinlichsten 
neben dem grossen krystallinischen Schiefer des Bhodopus mit 
seinen Graniten, schwache Spuren des Trias unter Dachsteinkalk an 
der westlichen Seite des grossen krystallinischen Vitosch vermuthen 
könnte. Im Etropol-Balkan sehe ich immer noch ältere Kalk- und 
Schiefermassen neben Talk- und Glimmerschiefer. 

Was die Entdeckung des Herrn General-Consuls v. Hahn über 
die Uferbildung des Drin betrifft, so bestätigt sie nur, was ich 
im Allgemeinen schon wusste und selbst sah. Der Drin läuft mei- 
stens in einer förmlichen grossen, vorzüglich von Ost nach West 
laufenden Gebirgsspalte, ohne Wasserfälle zu bilden, aber mit vielen 
Felsenverengungen , wo die Strömung dann sehr stark ist. Daruni 
war ich mit Herrn v. Habn's Chaluppefabrt, vorzüglich im Herbste, 



und die Geologie Albaniens, besonders seines tertiären Beckens. 189 

wo die Wasser niedrig sind, nie einverstanden und wies immer 
auf kleine, flach gebaute Dampfboote hin. Die grössten Felsen- 
mauern sind natürlicher Weise an solchen Stellen, wo der innere 
Felsenkörper der Gebirge gespalten ist, wie zwischen dem Jalesch 
und Ibalea am schwarzen Drin, bei Komani, wo der vereinigte Drin 
den Gebirgsrücken westlich vom Schaliathale bespült und dann 
besonders bei der .Ausmündung dieses letzteren Thaies u. s. w. 
Letzteres wurde mir von einein hohen Punkte östlich von Latin Hau 
ziemlich deutlich. Da man aber den Ufern des Drin wegen der Fel- 
senmauern nicht folgen kann, so hätte Herr General-Consul v. Hahn 
von Scutari aus über Schkrell und Boga das Schaliathal erreichen 
können und dann diese grosse, tiefe Spalte mit Wänden von mehr als 
1000 Fuss Höhe bis an den Drin heruntergehen müssen. Daselbst 
angekommen, hätte man gewiss eine Aussicht auf eine bedeutende 
Strecke dieses Felsencanales des Drin gewonnen. Leider ist meine 
Hoffnung, dass Herr General-Consul v. Hahn bis dahin zu Schiffe 
kommen werde, nicht in Erfüllung gegangen. 

Was den schwarzen Drin betrifft, so möchte ich künftige 
Reisende auf drei ganz kahle Gebirgsspitzen aufmerksam machen, 
welche alle drei zu besteigen wären, da sie ein wahres Pano- 
rama jener fast unbekannten Gegenden gewähren müssten. Ich 
meine erstlich den Schaller Schossberg im Hassgebiete 
oberhalb des Thaies dieses Namens, welches westlich von ihm 
liegt, indem an seinem südlichen Fusse der weisse Drin in 
einem tiefen und engen Spaltencanal von Ost nach West fliesst. 
Von Prisren wäre es leicht, diesen wahrscheinlich sehr felsigen, 
kahlen Kalkberg, unter gehörigem Schutze der Obrigkeit, zu erstei- 
gen; man würde aber dazu zwei Tage gebrauchen und müsste nahe 
am südlichen Fusse desselben und unfern der Brücke über dem weis- 
sen Drin in einem Dorfe übernachten. 

Die Aussicht würde vierfach sein, erstens in nördlicher und 
nordwestlicher Richtung, obgleich nicht ausgedehnt, so doch gross- 
arlig durch das nahe Bild des ganzen, rauhen, beschneiten und 
gefurchten Rückens des Prokletias und der Gebirge gegen Gusinie 
und Ipek; dann gegen Ost und Nordost die Aussicht auf das ganze 
doppelte Becken der Metoja und von Prisren ; südwestlich müsste 
man in die waldigen Gegenden des nordöstlichen Quellengebietes 
der Mat hinübersehen, während man südlich den Schar, so wie 



190 B o u e. Der allianesische Drin 

Theile des schmalen und tiefen waldigen Thaies des schwarzen Drin 
vor sich hätte. 

Letzterer Theil der Aussicht würde aber vollständiger werden, 
wenn man sich nach der westlichen Spitze des Jalesch begeben 
würde. Ein solches Vorhaben ist aber im Verhältnisse mit der Bestei- 
gung des vorhergehenden Berges ein Leichtes. Man müsste am 
nöi dlichen Fusse im DorfeLum übernachten und von da hinaufsteigen, 
oder da diese kahle Seite des Berges kürzer und steiler als die süd- 
liche ist, von Prisren nach Kalkandel über den Schar auf dem 
gewöhnlichen Postwege gehen und dann zu Kostovo, im westlichen 
Hintergrunde von der Tettovo-Gau und am südlichen Fusse des 
Jalesch Quartier nehmen, wo man dann alle Hilfsmittel zu einer 
solchen Gebirgsexcursion finden würde. An jener Seite gibt es 
Waldungen, aber der hohe lange Rücken ist nur mit alpinem Gras 
bedeckt. Von Jalesch aus muss man den grössten Theil des schwarzen 
Drinthales übersehen und auch in das katholische obere Matiabecken 
etwas hineinsehen können. 

Die dritte lohnende Excursion wäre die Besteigung des Ibalea, 
welche grosse, kahle Kalkkuppe aus der Mitte der tiefen Eichen- 
waldungen am westlichen Ufer des schwarzen Drin hervorragt. 
Der spitzige weisse Ibalea ist gegen den östlich gelegenen massi- 
ven und länglich ausgestreckten Jalesch nur ein Brocken Kalkfels- 
gebiet, zwischen beiden befindet sich die tiefe Spalte des schwarzen 
Drin, indem der Fluss selbst im Thalwege noch in einem mauer- 
ähnlichen tiefen Felsencanale liegt, neben welchem eine flache und 
sehr schmale Thalsohle herrscht. Von der kahlen Spitze des Ibalea 
muss man den grössten Theil der Matia bis zum Crojagebirge über- 
blicken, so wie auch das Thal des schwarzen Drin durchmustern und 
seine östlichen Gebirge fast alle sehen , welches von Jalesch aus nur 
theilweise der Fall sein kann. Die Aussicht gegen Norden auf Prö- 
kletia und seinen Nebenbuhler verspricht auch Grossartiges. 

Die Mittel aber, den Ibalea zu besuchen, bin ich nicht in der 
Lage anzugeben, denn von Keuprihan am vereinigten Drin ist er 
zu weit entfernt und ich weiss nicht, ob man im Thurme bei der 
Scheitanbrücke am schwarzen Drin übernachten könnte. Selbst von 
da aus wäre diese Excursion hinreichend, um einen ganzen Tag 
auszufüllen. Hinzufügen kann man noch, dass die locale Geographie 
noch viel zu gewinnen hätte, wenn Beisende die Gebirgskänune 



und die Geologie Albaniens, besonders seines tertiären Beckens. lyl 

sowohl zwischen den Quellen der Mat und dem schwarzen Drin, als 
zwischen letzterem und den obersten Quellen des Vardar zu über- 
schreiten die Mittel finden könnten. 

Aber die Einwohner dieser Gegend sind in sehr schlechtem 
Rufe, ob ohne Ursache und nur für Türken oder ob wirklich ein Ge- 
sindel, wird uns der HerrGeneral-Consul v. Hahn jetzt sagen können. 

Wegen solcher niedrigen Stufe der Civilisation in dem ganzen 
Bereiche der Myrdita, der Matia und des Thaies des schwarzen Drin 
im Dibredistricte werden leider gegen die Ausbeutung der schönen 
Eichen-, Fichten- und Tannenwaldungen jener Gegend ungeheure 
nicht vorhergesehene Hindernisse sich erheben. 

Herr General-Consul v. Hahn übersieht in seinem sehr gut 
berechneten Plane, dass die Entdeckung eines solchen Holzreichthu- 
mes nicht ihm gehört und dasDrinholz wahrscheinlich schon lange auf 
Recli nung der Kaufleute von Scutari oder ihrer Correspondenten im 
Auslände geflösst geworden wäre, wenn die Einwohner, obgleich in der 
grössten Armuth, selbst ohne Hemd am Körper, nicht das Stationiren 
von Fremden in ihrer Mitte mit den schelsten Augen ansehen wür- 
den. Diese Gegenden sind einmal der Pforte nicht unterworfen oder 
tributpflichtig, oder wenn in einem Theile doch etwas dergleichen 
besteht, so gemessen sie ganz besondere Immunitäten, wie z. B. 
dass kein Türke bei ihnen wohnen darf u. s. w. Nur eine besser 
erzogene Geistlichkeit als die dieser Albanesen und eine kräftige 
und vernünftige Regierung könnten allein dieses Land aus seiner 
jetzigen Barbarei befreien. 

In der Zeit, als ich jene Gegenden besuchte und mich wun- 
derte, wie selbst eine so geringe Bevölkerung in einem solchen wil- 
den Lande ihr Leben fristen könne, dachte ich oft an die Cultur 
der süssen Kastanien, welche bei Kloster Detschani im oberen 
weissen Drinbecken so üppig die Hügel bedecken. Wenn der Boden 
jener wilden Myrdita und Matia den Wuchs dieses Baumes erlauben 
würde, so möchte es eine grosse Wohlthat für die Einwohner der- 
selben sein, denn jetzt sind sie fast einzig und allein auf Kukurutz 
angewiesen und der grösste Verdienst dürfte wohl im Aufsammeln 
der Knoppern, wenigen Brennholzlieferungen, einigen Ziegen und 
Schafen und möglicherweise in einigen Bienenkörben bestehen. Für 
eine Holzindustrie gleich der zu Berchtesgaden wäre diese Gegend 
wie jfeschaffen. 



19/4 Boue. Der albanesische Drin 



Verzeichnis* nordalbanesischer tertiärer Petrefacten, 

bestimmt von Herrn Direktor Dr. Hörnes. 

1. Turritella turris Bast. Die Bruchstücke mit wohlerhallener Schale ent- 
sp rechen vollkommen den im Wiener Becken hei Gainfahren, Enzesfeld u. s. w. 
vorkommenden Exemplaren. 

2. Teredo Norvegica Spengler. 7 Millim. dicke Röhren im fussgrossen 
Aggregaten. (Der in der Subapenninen-Formation vorkommende und lebende 
Teredo navalis ist etwas dünner.) 

3. Lulraria oblong a Ch emn. Ein Steinkern, dessen Umrisse den im Wie- 
ner Becken bei Gainfahren vorkommenden Exemplaren entspricht. 

4. Venus Ditjardiui Hörn. Ein stark abgerollter Steinkern, dessen äussere 
Form auf diese in Engelfeld häufige Art hindeutet; 

5. Venus Aglaurae Bro cchi. Ein Steinkern, welcher noch die für diese Art 
bezeichnenden concentrischen Streifen erkennen lässt. Weiteres Vorkommen 
im Tegel des Leithakalkes hei Steinahrunn. 

6. Venus multilamella L am. Zwei Exemplare mit zum Theile wohlerhalte- 
ner Schale, die einige Ähnlichkeit mit denen von (irinzing zeigen. 

7. Venus casina Linn. Ein Steinkern mit einem Theile der Schale. Es ist 
dies eine subapennine Form, die im Wiener Becken nicht vorkömmt. 

8. Cythera erydna Lam. Ein Steinkern, dessen Umrisse und zum Theile 
erhaltenen charakteristischen concentrischen Streifen diese Art erkennen 
lassen. 

9. Cythera rudis Poli. Fünf Stücke mit zum Theile erhaltenen, meist 
abgeriebenen Schalen, eine subapennine Foi'm , die im Wiener Becken nicht 
vorkömmt. 

10. Cardium hians B r o c c h i. Drei Steinkerne, die durch die entferntstehen- 
den scharfen Bippen leicht kenntlich sind; kömmt sowohl in der Subapenninen- 
Formation als in dem Sande von Enzesfeld ziemlich häufig vor. 

11. Area di/uvii Lam. Drei grosse Steinkerne mit Schalenfragmenten 
und ein vollkommen wohlerhaltenes geschlossenes Exemplar von geringerer 
Grösse mit Farbenspuren, das mit denen hei Gainfahren und Enzesfeld vorkom- 
menden übereinstimmt. 

12. Pinna nobilis L\r\n. Ein Biucnstück eines Steinkernes, den jedoch die 
Bestimmung zulässt. 

13. Mytilus Haidingeri Hörn. Fünf Steinkerne von verschiedener Grösse, 
deren Form ganz den bei Mayen, Küsering, Niederkreuzstätten u. s. w. vor- 
kommenden Exemplaren dieser Art entspricht. Es ist dies eine von allen leben- 
den und subäpenninen Mytilusarten ganz verschiedene Form. 

14. Vecten solarium Lam. Eine grosse Anzahl Fragmente mit zum Theile 
erhaltener Schale. 

13. Pecten pusio Lam. Ein Exemplar mit erhaltener Sehale. 
16. Pecten seabrellus Lam. Ein Fragment mit erhaltener Schale, das mit 
den Exemplaren von Steinahrunn übereinstimmt. 



iiihI die lieolog-ie Alhnniens. besonders seines tertiären Beckens. 1 }',> 

17. Pecten Burdigalensis Lam. Zwei Exemplare mit erhaltener Schale. 
Eine im Decken von Bordeaux ziemlich häufige Art. 

i 8. Pecten latissimus B r o e c h i. Ein abgerolltes, aber deutlich erkenn- 
bares Exemplar, mit jenen aus dem Leithagebirgc vollkommen übereinstimmend. 

19. Östren angustata Lam. Schlossfragmente, die denen von Kühnring 
u. s. w. entsprechen. 

20. Östren lamellosa ßrocchi. Ein ziemlich erhaltenes Exemplar. 

2i. Coiioch/pus semiglobosus Lam. Ein etwas beschädigtes abgerolltes 
Exemplar. 



Aus diesen wenigen Andeutungen über die meist schlecht 
erhaltenen Exemplare lässt sich nur der Sehluss ziehen, dass die 
fossile Fauna der Umgehung von Croja nicht der Suhapenninen- 
Formation, sondern der Leithakalk-Gruppe angehört. 



Sitzb. d. mathem.-naturw. CI.XLIX. Bd. I.Abth 



13 



SITZUNGSBERICHTE 



DEK 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 

MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 

XLIX. BAND. 

ERSTE ABTHEILÜNG. 

2. 

Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik, 
Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie. 



14 



195 



IV. SITZUNG VOM 4. FEBRUAR 1864. 



Herr Dr. Edm. R eitlinger, Privatdocent der Physik an der 
Wiener Universität, übermittelt ein versiegeltes Schreiben mit dem 
Ersuchen um dessen Aufbewahrung zur Sicherung seiner Priorität. 

Herr Hofrath W. Haidinger übersendet eine Abhandlung: 
„Der Meteoritenfall von Tourinnes-la-Grosse" Nr. 2. 

Vom Herrn K. Mo s harn m er, Lehrer an der Ober-Realschule zu 
Görz, ist eine Abhandlung eingelangt, betitelt: „Centralprojection 
der Linien zweiter Ordnung". 

Herr Dr. A. Boue zeigt eine von dem Afrika-Reisenden, 
Dr. Barth, herausgegebene Carte routiere durch die ganze euro- 
päische Türkei, und knüpft daran einige Bemerkungen über die von 
Herrn Major v. Sehe da herausgegebenen zwei Blätter der Karte 
Serbiens. 

Herr Dr. S. Subic, Lehrer an der Communal-Realschule in 
derRossau, legt eine Abhandlung „über die innere Arbeit und spe- 
eifische Wärme" vor. 

Herr Prof. Dr. J. Seegen überreicht eine Abhandlung, be- 
titeil: „Physiologisch-chemische Untersuchungen über den Einfluss 
des Glaubersalzes auf einige Factoren des Stoffwechsels". 

An Druckschriften wurden vorgelegt : 

Academia Real das Sciencias de Lisboa: Classe de Sciencias 
moraes, politicas e Bellas-Lettras. Nova Serie. Tomo III, Parte 
1. Lisboa, 1863; 4°- — Classe de Sciencias mathematicis, phy- 
sicas e naturaes. N. S. Tomo III, Parte 1. Madrid, 1863; 4«- 

Accademia delle Scienze dell'Istituto di Bologna: Memorie. 
Serie II. Tomo II, Fase. 3 &4; Tomo III, Fase. 1. Bologna, 
1863; 4°- — Rendiconto. Anno accademico 1862 — 1863. Bo- 
logno, 1863; 8<>- 

Annales des mines. VI e Serie. Tome IV e . 5 e Livraison de 1863. 
Paris, 1863; 8«- 

14" 



196 

Astronomische Nachrichten. Nr. 1459—1460. Altana, 1864; 4«- 

Bauzeitung, Allgemeine. XXVIII. Jahrgang. XI. & XII. Heft. Nebst 
Atlas. Wien, 1863; 4" & Folio. 

Olausius, R., Über einen Grundsatz der mechanischen Wärme- 
Theorie. (Vorgetragen am 15. August 1863, in der zu Samadeu 
abgehaltenen Versammlung der schweizerisch, naturforschenden 
Gesellschaft.) — Über die Concentration von Wärme- und 
Lichtstrahlen und die Grenzen ihrer Wirkung. (Vorgetragen 
in der Züricher naturf. Gesellsch. am 22. Juni 1863.) 8°- 

Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences. 
Tome LVIII, No. 1. Paris, 1864; 4'- 

Cosmos. XIII Annee, 24 e Vol., 4 e — 5" Livraisons. Paris, 1864; 8°- 

Encke, J. F., Berliner astronomisches Jahrbuch für 1866. Berlin, 
1863; 8"- — EphemeTiden der seit 1845 entdeckten Planeten 
für das Jahr 1864. Supplement zu dem Berl. Jahrb. für 1866. 
Berlin, 1864; 8«- 

Gewerbe- Verein, nieder-österr. : Verhandlungen und Mitthei- 
lungen. Jahrg. 1863, 12. Heft. Wien, 1864; 8«- 

Istituto, R. , Lumbardo di Scienze, Lettere ed Arti: Atti. Vol. III. 
Fase. XV -XVIII. Milano, 1863 ; 4«-— -Memoria. Vol. IX. (III. della 
Serie II.) Fase. IV. Milano, 1863; 4«- — Atti della distribuzione 
dei premj seguita 7. Agosto 1863. 8°' — Temi sni quali e aperto 
concorso. 
— I. B., Veneto di Scienze, Lettere ed Arti: Atfi. Tomo VIII. 
Serie 3 a - Disp. 10 a - Venezia, 1862—63; Tomo IX. Serie 3 a 
Disp. l ma - Venezia, 1863—64; 8«- — Memorie. Vol. XI, Parte 11. 
Venezia, 1863; 4<" 

Land- und forstwirthschaftl. Zeitung. XIV. Jahrg. Nr. 4. Wien, 
1864; 4o- 

Mondes. 2""' Annee. Tome III. 3° — 4 e Livraisons. Paris, Tournai, 
Leipzig, 1864; 8«- 

Moniteur scientifique. 170» Livraison. Tome Vl e , Annee 1864. 
Paris; 4«- 

Personalstand des königl. böhmischen Polytechnischen Landes- 
institutes in Prag und Ordnung der Vorlesungen im Studienjahre 
1863/64. Prag, 1863; 4°- 

Reader, The, a Review of Literature, Science and Art. No. 57, 
Vol. III. January 30, 1864. London; Folio. 



197 

Societe Imperiale de Medecine de (Jonstantinople: Gazette medicale 
d' Orient. VII e Armee, No. 9. Constantinople, 1863; 4°- 

Society, The Royal Astronomical: Monthly Notices. Vol. XXIV. 
No. 1. London, 1863; 8»' 
— the Royal Geographica!: The Journal. Vol. XXXII. 1862. Lon- 
don; 8°- 

Wiener medizinische Wochenschrift. XIV. Jahrgang. Nr. 4 — i>. 
Wien, 1864; 4<> 

Wochen -Blatt der k. k. steierm. Landvvirthschafts-Gesellschaft. 
XIII. Jahrg. Nr. 6. Gratz, 1864; 4°- 

Zantedeschi, Francesco, Discussioni intorno alla camera lucida 
applicata alla Fotografia dei prototipi del mondo esterno ; 
all'influenza della elettricitä nei fenomeni della rugiada e della 
brina e ad un provvedimento di acque potabili per la cittä 
marittime e terre fluviali. Padova e Venezia, 1863 — 64; 8°- 



198 



V. SITZUNG VOM 18. FEBRUAR 1864. 



Herr Prof. H. Hlasiwetz zu Innsbruck übersendet eine von 
ihm in Gemeinschaft mit Herrn L. Barth verfasste Abhandlung: 
„Über einen neuen, dem Orcin homologen Körper". 

Herr Prof. Aug. Em. Reuss legt eine Abhandlung „über 
fossile Lepadiden" vor. 

Herr Prof. C. Ludwig macht eine Mittheilung „über den 
Einfluss des Halsmarkes auf den Blutstrom". Die betreffenden Unter- 
suchungen wurden von ihm gemeinschaftlich mit Herrn Dr. L. Thiry 
ausgeführt. 

Herr «J. Popper bespricht seine Untersuchungen über die 
„geometrische Darstellung der unendlichen Operationen". 

Herr Dr. Fr. Stein da ebner übergibt eine Abhandlung unter 
dem Titel: „Ichthyologische Notizen". 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 
Akademie gemeinnütziger Wissenschaften, Königl., zu Erfurt. 

Jahrbücher. N. F. Heft III. Erfurt, 1863; 8°- — Jenzsch, Zur 

Theorie des Quarzes mit besonderer Berücksichtigung der 

Circularpolarisation. Erfurt, 1861; 8<>- 
Anuario del Real Observatorio de Madrid. — V. Aiio. 1864. 

Madrid, 1863; 8<" 
Astronomische Nachrichten. Nr. 1461— 1462. Alton», 1864; 4<>- 
Canestrini, Giov. , Note ittiologiche. (Estr. dall' Archivio per la 

Zoologia. Vol. III. Fase. I.) Modena, 1864; 8"- 
Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences. 

Tome LVIII. No. 3 — 4. Paris, 1864; 4<>- 
Cosmos. XIIP Annee, 24 c Volume, 6 e — V Livraisons. Paris, 

1864; 8o- 
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XIV. Jahrgang, Nr. 5. 

Wien, 1864; 4«- 
Mondes. 2 C Annee, Tome III. 5 — 6 Livraisons. Paris, Tournai, 

Leipzig, 1864; So- 
Mo niteur scientifique. 171" Livraison. Tome VI e . Armee 1864. 

Paris; 4°- 



199 

Reader, The. No. 59, Vol. III. London, 1864; Folio. 

Societe Batave de Philosophie experimentale de Rotterdam. 

Programme. 1863; 8°* 
Wien, Universität: Übersicht der akademischen Behörden etc. für 

das Studienjahr 1863/64. Wien, 1863; 4<> 
Wiener medizinische Wochenschrift. XIV. Jahrgang, Nr. 6 — 7. 

Wien, 1864; 4«' 
Wochen -Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft. 
XIII. Jahrgang, Nr. 7. Gratz, 1864; 4<>- 



<£ S t e i n d h v b ii e r. 



Iclithyologische Notizen. 
Von Dr. Franz Steindachner, 

Assistenten am k. k. zoologischen Museum. 
(Mit 2 Tafeln.) 



Centropotnus affinis nov. spec. 

Tat I, Kig. 1. 

Spina analis secunda altitudinem corporis longitndine superans 
et multo longior et f'ortior quam Spina tertia pinnae 
analis; squamae in linea laterali (absque Ulis in pina 
caudali) che. 47 — 50; squamae int er lineam medium 
ventris et spinam primam pinnae dorsalis primae 17 — 18. 

Diese Art unterscheidet sich von Centropotnus undecimalis 
C. V. schon auf den ersten Blick durch die ausserordentliche Länge 
des zweiten Analstachels, welche die Körperhöhe bedeutend über 
trifft, feiner durch die Grösse und geringe Zahl von Schuppen 
zwischen der Kiemenspalte und der Basis der Schwanzflosse. Ausser- 
dem ist bei Centrop. affinis die Afterflosse der Schwanzflosse bedeu- 
tend näher gerückt als bei C. undecimalis C. V., endlich der Vor- 
decket, die Suprascapula und der untere Rand des grossen Präor- 
bitalknochens stärker gezähnt als bei letztere]" Art. 

Beschreib u ng. 

Die Körpergestalt ist gestreckt und an den Seiten massig zu- 
sammengedrückt. Die grösste Körperhöhe unterhalb des eisten 
Dorsalstachels verhält sich zur Totallänge wie 1 :5, zur Körper- 
lange (ohne Caudale) wie 1 : 4; die geringste Körperhöhe am 
Schwanzstiele ist 2 1 / 4 mal in der grössten enthalten. 

Die Länge des Kopfes, in den nachfolgenden Zeilen stets nur 
bis zur hinteren Spitze des knöchernen Theiles des Kiemendeckels 
gerechnet, beträgt nicht ganz '/ 4 der Totallänge des Fisches; die 



Iclitliyolugisclie Notizen. 40 1 

Kopfbreite ist 2'/ 3 — 2 a / 5 mäl, die Kopfhöhe circa l 3 / 4 — 2mal in der 
Kopflänge enthalten. Die Schnauze ist plattgedrückt wie hei C. un- 
decimalis, und heiläufig l 2 / 3 mal so lang als der Augendiaineter, 
welcher 4 , /4inal (bei jüngeren) — i> 2 / 5 mal (bei älteren Individuen) 
in der Kopflänge enthalten ist. 

Der Unterkiefer überragt nach vorne den Zwischenkiefer und 
trägt wie dieser eine massig breite Binde sehr feiner und kurzer 
Sammtzähne; die Zahuhinden am Vomer und insbesondere an den 
Gaumenbeinen sind schmäler als die bei C. undecimalis C. V. 

Der grosse Präorbitalknochen trägt an der hintern Hälfte 
seines unteren Randes 3 — 5 grosse, nach hinten gekrümmte Zähne. 
Der Vordeckel, so wie die Suprascapula sind bedeutend stärker 
gezähnt, als bei C. undecimalis ; eine ganz besondere Grösse errei- 
chen die Zähne am Winkel des freien Vordeckelrandes und der 
Parallelleiste desselben. Der breite, häutige Anhang am hintern 
Rande des kleinen, dreieckigen Deckels und des Unterdeckels ist 
nach hinten in eine lange Spitze ausgezogen und daselbst stachel- 
ähnlich ausgezackt. 

Die erste Dorsale enthält acht Stacheln; der erste derselben 
ist sehr kurz, kaum halb so lang als der zweite, dieser kommt an 
Höhe l / 3 des dritten Stachels gleich, der dritte und vierte Stachel 
sind sich zuweilen an Länge ganz gleich, nicht selten aber ist der 
vierte länger als der dritte und stets circa l 3 / 4 — l 2 / 5 mal in der 
grössten Leibeshöhe enthalten. Die vier übrigen Dorsalstacheln 
nehmen stufenweise bis zum letzten an Länge ab, der letzte Stachel 
der ersten Dorsale ist 2'/ 2 — 3mal in der Länge des vierten ent- 
halten. 

Der erste Stachelstrahl der zweiten Dorsale ist 2 — 2 1 / 4 mal in 
der Höhe des zweiten, längsten Gliederstrahles derselben Flosse 
enthalten, welche letztere die erste Rückenflosse au Höhe über- 
trifft und am oberen Rande etwas eingebuchtet ist. 

DieLänge der Brustflosse erreicht nicht ganz '/ 5 der Totallänge; 
die Ventrale entspringt etwas hinter der Brustflosse und ist kürzer 
als diese. 

Der zweite Analstachel liegt der Basis des letzten Stiahles der 
zweiten Rückenflosse gegenüber und ist durch seine ausserordent- 
liche Länge und Stärke ausgezeichnet, zurückgelegt reicht er noch 
über die Basis der Schwanzflosse hinaus ; seine Länge gleicht 



202 Steindach ii er. 

j/ 4 — 3 / 13 der Totallänge des Fisches. Der dritte Analstachel ist 
bedeutend kürzer und nahezu viermal schwächer als der zweite 
Stachel und eben so hing oder eiwas länger als der erste Glieder- 
strahl der Afterflosse. 

Beide Rückenflossen, so wie die Anale, bewegen sich frei 
innerhalb einer Schuppendecke; ausserdem liegen auf der Mem- 
brane sämmtlicher Flossen, mit Ausnahme der ersten Dorsale, eine 
kürzere oder längere Strecke hindurch kleine Schuppen. 

Die Schwanzflosse ist gabelig getheilt und bezüglich ihrer 
Länge 4 3 / 4 mal in der Totallänge des Fisches enthalten. 

Wangen und sämmtliche Deckelstücke, mit Ausnahme des 
Randtheiles des Vordeckels (zwischen dem freien Rande und der 
Vordeckelleiste), so wie die Seitentheile des Hinterhauptes sind be- 
schuppt; die Schuppen an den Wangen, am Vorderrücken und an 
der Brust sind kleiner als die übrigen Schuppen des Körpers. Der 
hintere Rand der Schuppen ist stärker abgerundet, als jeder der 
übrigen und ausnahmslos deutlich, aber fein bezahnt. 

Die Seitenlinie erstreckt sich bis zum hinteren Ende der 
Kaudale und läuft mit der Profillinie des Rückens parallel; sie durch- 
bohrt zwischen dem oberen Ende der Kiemenspalte und der Basis 
der Kaudale circa 47 — 50 Schuppen; auf der Schwanzflosse selbst 
liegen deren circa IS — 17. 

Zwischen dem ersten Stachel der ersten Rückenflosse und der 
Mittellinie des Bauches zähle ich 18 — 19 Schuppen in einer Vertical- 
reihe; von diesen liegen 6 — 7 über und 11 unter der Schuppen- 
reihe der Seitenlinie. 

1. D. 8, 2. D. i/ 10 , P. •/„-, V. t/ 5 , A. •/,_,; C. JT 

6—7. 

Die Profillinie des Kopfes fällt bei jungen Individuen in gera- 
der Linie bis zur Schnauze ziemlich steil ab, ist aber bei älteren 
Exemplaren an der Stirne etwas eingedrückt. Die Profillinie des 
Rückens ist vom Hinterhauptende bis zum Beginne der ersten Dor- 
sale massig gebogen, hierauf geradlinig, zwischen dem ersten 
Stachel der zweiten Dorsale und der Basis der Kaudale schwach 
concav. Die Profillinie des Bauches läuft in gerader Linie oder 
äusserst schwacher Bogenkrümmung bis zur Basis des eisten Anal- 
stachels, steigt längs der Basis der Anale aufwärts und beschreibt 



Ichthyologische Notizen. 203 

hierauf bis zur Basis der Schwanzflosse einen massig gekrümmten 
concaven Bogen. 

In der Körperfärbung unterscheidet sich C. affinis nicht von 
C. undecimalis, nur scheint der schmale dunkle Streifen längs der 
Seitenlinie in der Begel gänzlich zu fehlen. Die obere Körperhälfte 
ist bräunlich goldgelb, die untere hellgelb mit Silberschimmer. Die 
Oberseite des Kopfes und die ganze Schnauze ist dunkelbraun fein 
punktirt, eben so die Flossenhaut der beiden Dorsalen, so wie end- 
lich der Anale zwischen dem zweiten und dritten Stachelstrahle. 

Johann Natterer fand die hier beschriebene Art bei Rio 
Janeiro, dann zu Cajutuba; erst kürzlich erhielt das kais. Museum 
fünf Exemplare derselben Art von Demerara in Guiana. 

In Cuv. und Val. Hist. Nat. des Poissons so wie in Dr. Gün- 
ther's Katalog der Stachelflosser des britischen Museums ist nur 
C. undecimalis- angeführt und beschrieben, es ist somit diesen 
Ichthyologen die hier beschriebene zweite Centropömus- Art unbe- 
kannt geblieben; Theodor Gi II bemerkt zwar in seiner Synopsis 
of the Subfamily of Percinae (Proceed. of theAcad. of Natur. Scienc. 
of Philadelphia, Februar 1861): Several species are found in the 
Carribbean Sea, Gulf of Mexico and along the neighboring coa^fs, 
doch kann ich nirgends eine Beschreibung oder Namensanführung 
dieser Arten finden. 

Heteroynathodon Pelersii nov. spec. 

Taf. f, Fig. 2. 

Longitudo totalis ad illam capitis = 4'/ 3 : 1, altitudo corporis 
'/ 6 c. longitudinis totalis, oculi diameter */ 3 capitis longi- 
tudinis partem adaequans; lobus superior pinnae caudalis 
profunde excisae in filum productus; fascia fusca obsoleta 
longitudinalis inter oculi marginem posteriorem et basin 
pinae caudalis 

Die Länge des Kopfes ist 4i/ 3 mal in der Totallänge oder 
3y3 m al in der Körperlänge (ohne Kaudale) enthalten. Die grösste 
Leibeshöhe beträgt kaum >/ 6 der Totallänge oder a/ 9 der Körper- 
länge, die geringste Leibeshöhe ist 23/ 5 mal in der grössten enthal- 
ten. Das grosse, länglich runde Auge ist um etwas mehr als seinen 
grösseren Längendurchmesser vom hinteren und um etwas weniger 



4, 04 S t e i ii d » c li ii e r. 

als einen Diameter voin vorderen Kopfende entfernt. Die Entfernung 
der Augen von einander gleicht circa 8 / s des Augendiameters, 
welcher letztere selbst l / 3 der Kopflänge beträgt. 

Zunächst dem vorderen Ende des Zwischenkiefers stehen 
jederseits 3 — 4 lange Hundszähne; die äussere kurze Zahnreihe 
(im vorderen Längendrittel) des Unterkiefers enthält grössere 
Zähne als die unmittelbar hinter derselben stehende schmale Zahn- 
hinde, welche sich weiter nach hinten in eine einzige Reihe etwas 
stärkerer Zähne auflöst. Der Vordeckel ist am hinteren Rande 
gleichrnässig fein gezähnt, der Kiemendeckel mit einem sehr kurzen 
Stachel versehen. 

Der gliederslrahlige Theil der Rückenflosse übertrifft den sta- 
cheligen etwas au Höhe. 

Die zehn Dorsalstacheln nehmen vom ersten angefangen bis 
zum letzten fast gleichrnässig an Höhe zu, der letzte Dorsalstachel 
ist beiläufig l 4 / 5 mal so hoch als der erste, oder nahezu der halben 
Kopflänge gleich. Von den neun Gliederstrahlen derselben Flosse 
ist der drittletzte am höchsten, die vorangehenden nur unbedeu- 
tend kürzer als dieser; der letzte 1 '/ainal in der Höhe des drittletz- 
ten enthalten. Die Rasislänge der Anale beginnt übrigens gegen- 
über dem zweiten Gliederstrahl der Dorsale und endet gegenüber 
der Basis des vorletzten. 

Von den drei Analstacheln ist der zweite am stärksten , der 
dritte am längsten, aber kürzer als der darauffolgende Gliederstrahl. 

Dorsale und Anale liegen mit ihrer Basis in eine tiefe Furche 
eingesenkt, in welche sich die Flossenstacheln vollkommen zurück- 
ziehen können. 

Die Brustflosse ist unbedeutend länger als die Ventrale und 
kommt bezüglich ihrer Länge der Entfernung des vorderen Kopf- 
endes vom hinteren Rande des Vordeckels gleich. 

Die Kaudale ist am hinteren Rande tief eingeschnitten, die 
beiden Loben zugespitzt, der obere fadenförmig verlängert. 

Die Deckelstücke, mit Ausnahme des Vordeckelrandes, Hinter- 
haupt und Wangen (nicht aber die Suborbitalknochen) sind be- 
schuppt. Sämmtliche Schuppen sind am hintern Rande fein gezähnt. 

Zwischen der Kiemenspalte und der Basis der zum grössten 
Theile überschuppten Kaudale durchbohrt die Seitenlinie circa 47, 
auf der Kaudale selbst 4 Schuppen. 



lehthyolo<*isehe Notizen. 205 

Zwischen der Seitenlinie und der Dorsale liegen drei, zwischen 
ersterer und der Mittellinie des Bauches 11 Schuppen in einer ver- 
ticalen Reihe. 

i). to/ 9s a. Vt. P- 1(i > v. i/ B , c. Ts; 

9 c. 

Das Kopfprofil fällt vom Hinterhaupfe in einem schön ge- 
rundeten Bogen zur Schnauzenspitze ab; das Rückenprofil ist sehr 
schwach zngekriimmt, das Bauchprofil bis zur Basis der Anale 
geradlinig. 

Die obere Körperhälfte ist blass-violet; eine äusserst schwach 
ausgeprägte violete Längsbinde zieht sich in gerader Richtung vom 
hinteren Augenrande zur Schwanzflossenbasis; unterhalb dieser 
Binde ist die Färbung des Körpers hellgelb, zunächst dem Bauch- 
rande silberfarben. Die Ventrale ist an der Basis schwefelgelb, eine 
äusserst schmale Binde derselben Farbe säumt den oberen Rand 
des stacheligen Theiles der Rückenflosse. 

Fundort: Zanzebar. 



Vornhin microps Steind. 

Taf. II, Fig. I. 

•Syn. Corvina stellifera Giillth. nee Bloch. 

Die von Dr. Günther im zweiten Bande seines „Catalogue 
of the Acanth. Fish, in the Collect, of the Brit. Mus." pag. 299 
als Corvina stellifera beschriebene Art ist nicht identisch mit 
Bloch's Bodianus stellifer = Corvina trispinosa Cuv. Val., son- 
dern eine eigene Art, welche meines Kracht ens Cuvier und 
Valen ciennes unbekannt geblieben war und wegen der gerin- 
gen Grösse der Augen den Namen Corvina microps verdient. 

Das kais. Museum besitzt zum Theile schon seit sehr langer 
Zeit zahlreiche Exemplare dieser Art aus Guiana, die ganz genau 
mit der früher citirten Gü nther'schen Beschreibung übereinstim- 
men und von Heckel als Corvina mirrophthalma etiquettirt 
wurden. 

Zur leichteren Evidenzhaltung meiner Ansicht gebe ich eine 
genaue Abbildung von Corvina microps mihi = Corvina stellifera 



it U b Steindachner. 

Günther, nee Bloch, nee Corvina trisphiosa C. V. (s. Taf. II, 
Fig. 1). 

Corvina microps m. unterscheidet sich von Corv. trisphiosa 
C. V. = Bod. stellifer Bl. in ganz auffallender Weise durch die 
bedeutend geringere Grösse der Augen, deren Durchmesser 
ß'/i — 7mal, bei Corv. trisp. 3— 3 1 /omal in der Kopflänge enthalten 
ist; die Kopflänge seihst steht der grössten Körporhöhe nur wenig 
nach; ferner ist der Vordecke! abgerundet, am freien Rande ge- 
zähnt. Die Zähne nehmen zwar gegen den Vordeckel etwas an 
Grösse zu, erreichen aber nicht jene bedeutende Länge und Stärke, 
wie dieses bei Bod. stellifer B I. der Fall ist. 

Die äussere Zahnreihe des Zwischenkiefers enthält übrigens, 
wie bei der Bloch'schen Art, etwas grössere und entfernter yon 
einander stehende Zähne, als die inneren. Die Breite der Stirne 
beträgt bei C. microps m. 2 — 2 3 / 4 (bei Corv. stellifera 1 i / 5 — lVs) 
Augendiameter, der dritte längste Stachel der ersten Dorsale ist 
6mal (hei C. stellifera Gth. nur 5mal •) in der Körperlänge ohne 
Kaudale enthalten, der zweite Analstachel gleicht nahezu der halben 
Kopflänge. 

Die Pseudobranchien fehlen übrigens bei Corv. microps m. 
nicht, sind aber nur sehr schwach entwickelt und wurden desshalb 
von Dr. Günther an den von ihm untersuchten Exemplaren höchst 
wahrscheinlich nur übersehen. Die Formel für die Flossenstrahlen 
und Schuppen ist : 

■, L. lat. 46 — 48, L. transv. y,.,. 



D. 10—11 



10-21 



Paehypops biloba Steinet. 

Syn. Corvina biloba Cuv. Val. 

Cuvier und Valenciennes übersahen die drei zarten 
Kinnbarteln an dem von ihnen beschriebenen kleinen Exemplare 
(s. C. V. Hist. nat. des Poissons, tom. V, pag. 112—113). Das 
kaiserliche Museum zu Wien besitzt zwei wohleihaltene Exemplare 
derselben Art, von welchen das grössere 6"/ 4 Zoll lang ist. 



*) Nicht zweimal, wie es in meinen Beiträgen zur Kenntniss der Sciaenoiden Brasiliens 
und «1er Cyprinodonten Mejico's (Sitzungsb. d, k. Akad. d. Wissensch., Bd. 48) 
irriger Weise zu lesen ist. 



Ichtliyolog-Jache Notizen. '40 i 

Das Maul ist unterständig, klein und schmal, der Unterkiefer 
unter dem Zwisehenkiefer ganz zurückziehbar. Die Bezahnung der 
Kiefer ist sehr schwach; sämmtliche Zähne sind wie bei den übri- 
gen Pachypops-Arten äusserst fein und von ganz gleicher Grösse. 
Die vorspringende Schnauze gleicht dem Augendiameter an Länge 
und bildet durch einen schwachen Eindruck in der Mitte ihres Vor- 
derarmes zwei seitliche Protuberanzen. 

Die Kopflänge ist etwas mehr als 4mal in der Totallänge ent- 
halten und übertrifft ein wenig die grösste Leibeshöhe. Der grössere 
Längendurchmesser des ovalen Auges gleicht </ 3 der Kopflänge, 
die Breite der Stirne zwischen den Augen nicht ganz 3 / s der Augen- 
länge. Die hinteren grösseren Narinen liegen unmittelbar am Vor- 
denande der Augen, die vorderen kleineren sind 3 / 5 Augendiameter 
vom vorderen Schnauzenrande entfernt. 

Der zweite Analstachel ist durch seine Stärke, welche bei- 
läufig '/ 5 der Augenlänge beträgt, ausgezeichnet; seine Länge ver- 
hält sich zu der des Kopfes wie 2 : 3, doch ist er etwas kürzer als 
der erste Gliederstrahl der Anale. Die Länge des dritten höchsten 
Dorsalstachels ist 1 '/atrial in der grössten Leibeshöhe enthalten, der 
erste Dorsalstachel ist sehr kurz und scheint desshalb von C. V al. 
übersehen worden zu sein. 

Der erste Gliederstrahl der Ventrale ist fadenförmig verlän- 
gert, seine Länge gleicht »/ 4 , die Länge der Pectorale &/ 9 , die der 
rhombenförmigen, stark zugespitzten Schwanzflosse -/ 7 der Körper- 
länge ohne Schwanzflosse. Der gliederslrahlige Theil der Dorsale, 
so wie die Kaudale sind ganz mit Schuppen bedeckt. Die Leibes- 
scbuppen sind in schief gestellte Reihen geordnet und nehmen gegen 
den Bauchrand zu bedeutend weniger an Grösse ab, als gegen die 
Rückenflosse. 

Die Seitenlinie erstreckt sich bis zur hinteren Spitze der 
Kaudale und durchbohrt zwischen der Kiemenspalte und der 
Sehwanzflossenbasis circa 50 — 53 Schuppen. Zwischen dem ersten 
Dorsalstachel und der Mittellinie des Bauches liegen in der grössten 
Leibeshöhe 19 — 20 Schuppen in einer Verticalreihe. 

I i Hz! 

D ' 1 ° j 26=^ » A " '/•. P 17,L. trans. J_ 
Fundort: Surinam. 



/2Ö8 S t e i n d a r h n e 



Pempheris Schomburgkii Müll. Trosch., an nov. spec. ? 

Longitudo totalis ad illam capites = 4:1; altitudo corporis ad 
longitudinem totalem = 3 : 1 ; squamae in linea laterali 
absque Ulis in pinna caudali c. 57 , postice valde den - 
ticulatae. 

Wie ich aus dem Nachfrage zum zweiten Bande von Dr. Gün- 
thers Catal. of the Acanth. Fish, in fhe Coli, ofthe Brit. Mus. 
pag. 527 entnehme, ist in Schomhurgk's History of ßarbadoes 
pag. 669 eine amerikanische Pempheris-Avt, Pempheris Schom- 
bitrgkii J. Müll. et. Trosch. (vielleicht nur dem Namen nach?) 
erwähnt, welche Dr. Günther 1. c. nur dem Namen nach anführt 
und als eine fragliche Art hinstellt. Leider ist in keiner der zahl- 
reichen Bibliotheken Wiens Schomhurgk's Hist. of Barhadoes zu 
finden und ich kann daher nicht mit Sicherheit angeben, oh die im 
kaiserlichen Museum befindliehe Pempheris- Art aus Cuba mit 
P. Schomburgkii identisch sei oder nicht; im ersteren Falle ist 
P. Schomburgkii eine ganz gute Art. 

Die äusseren Leibessehuppen sind bei sämmtlichen Pempheris - 
Arten sehr gross, fallen, mit Ausnahme der ziemlich fest sitzenden 
Schuppen der Seitenlinie, sehr leicht ab und sind am freien hinteren 
Bande stets fein gezahnt, doch gehen die Schuppenzähnchen wegen 
ihrer Zartheit sammt dem dünnen Bandstücke der Schuppen selbst 
sehr leicht verloren und mau hält desshalb die Pempheris- Arten, 
die sich in der Begel im beschädigten Zustande in den Museen vor- 
finden, für Cycloidschupper. Zwischen je zwei aufeinander folgen- 
den Verticalreihen der grossen Schuppen und von diesen über- 
deckt, liegt eine Reihe viel kleinerer ganzrandiger Schuppen dicht 
neben einander, so dass nach Hinwegnahme der leicht abfallenden 
grossen (äusseren) Schuppen der Körper mehr oder minder voll- 
ständig noch mit einer Decke kleinererCycloidschuppen versehen ist. 

Beschreibung. 

Die grösste Höhe des Körpers über d^n Bauchflossen ist etwas 
weniger als 3mal, die Kopflänge etwas mehr als 4mal in der Total- 
länge des Fisches enthalten. 



Ichthyologische Notizen. 209 

Die Breite des Kopfes zwischen den Kiemendeckeln gleicht der 
halben Kopflänge. Der Durchmesser des kreisrunden Auges kommt 
nicht ganz 3 / 7 der Kopflänge gleich; die Breite der Stirne , welche 
etwas eingedrückt ist, beträgt zwischen der Mitte der oberen 
Augenränder 2 / 3 des Augendiameters. Das hintere Ende des Ober- 
kiefers reicht bis unter die Längenmitte des unteren Augenrandes 
zurück, der etwas vorstreckbare schmale Zwischenkiefer, so wie der 
flache Unterkiefer tragen zwei Reihen kleiner spitzer, einwärts 
gekrümmter Zähnchen. Vomer und Gaumenhein sind gleichfalls mit 
einer schmalen Binde feiner Hakenzähnchen besetzt. Der hintere 
Operkelrand ist halb bogenförmig eingebuchtet, der obere feine 
dagegen convex und zahnförmig ausgezackt. 

Die zarten Spitzen der Flossenstrahlen sind leider zum grossen 
Theile stark beschädigt, jedenfalls aber übertrifft die Höhe der 
Rückenflosse die Länge der Basis (= i/ 3 Kopflänge) mindestens 
um */ 3 der letzteren. Die Länge der Analflossenbasis ist nicht ganz 
2i/ 4 mal in der Totallänge, die Höhe des ersten Gliederstrahles der 
Anale 3 V^mal in der grössten Körperhöhe enthalten. 

Die beiden ersten Analstacheln sind sehr kurz, der dritte fast 
3mal so lang als der zweite und kaum halb so lang als der erste 
Gliederstrahl derselben Flosse. 

Die Kaudale ist am hinteren Rande massig concav, der obere 
Lappen länger als der untere. Die Länge der sichelförmigen Pec- 
torale kommt der Kopflänge nahezu gleich. Der zarte Venfral- 
stachel gleicht 4 / 5 der Länge des Auges. 

Die Seitenlinie steigt vom oberen Ende der Kiemenspalte bis 
unter die Mitte derRückenflossenbasis an und erstreckt sich über 70 
deutlich gezähnte Schuppen, von denen circa 13 auf der Schwanz- 
flosse liegen. 

Die obere Hälfte des Körpers ist violet, die untere goldgelb 
mit Silberreflex; die Schuppenscheide der Anale ist an der Basis 
dunkel violet gesäumt. 

7 — 8 indiv. 

D. Vo, A. 3/ 33 , p. 17, V. </ 5 , B. ITdlT- 

5 — 6 indiv. 

Das Profil fällt vom Anfange der Rückenflosse in einem 
schwach gekrümmten Bogen ziemlich steil gegen die Schnauze ab, 
ist über dem Auge etwas eingedrückt und bildet längs der Basis 

Sitzb. d. mathem.-naturw. CI. XLIX. ßd. [. Abth. IS 



210 Stein dachner. 

der Rückenflosse bis zu der der Kaudale eine gerade, nur wenig 
geneigte Linie. Das untere Profil des Körpers ist bis zur Basis der 
kurzen Ventrale sehr stark bogenförmig gekrü nmf, zwischen der 
Basis der Ventrale und dem ersten Analstachel geradlinig, horizon- 
tal; längs der Analflossenbasis erhebt es sich wieder so, dass die 
Basis des letzten Analstrahles in gleicher Höhe mit der Mitte des 
Auges zu liegen kommt. 

Grösse: 143". 

Fundort: Cuba. Im kaiserlichen Museum zu Wien durch Prof. 
Pöppig. 



JPIatf/fßlossua (Mjeplojiilifi) tlnbius n. sp. 

Taf. II, FiV. 2. 

Ich würde nicht den geringsten Anstand nehmen, den auf 
Taf. II, Fig. 2 abgebildeten Juliden aus Zanzebar für identisch soft 
Platyglossus (HalichoevesJ nigrescens Bleek. zuhalten, wären 
nicht die Dorsalstach ein und selbst die zwei letzten 
Analstachel n mit ziemlich langen Hautfähnchen ver- 
sehen. In der Körperfärbimg, in den Längen Verhältnissen der 
einzelnen Körpertheile, selbst in der Länge der einzelnen Dorsa!- 
stachelu stimmt unser Exemplar im Wesentlichen mit der ausge- 
zeichnet schönen und guten Abbildung von Bleeker's IlaUchoe- 
res nigrescens (s. Atlas Icbthyologique des Indes Orient, Neerland. 
Tome I, tab. 37, Fig. 4) = Platyglossus Dussumieri spec. C. V. 
Günther überein, nur ist das Auge etwas kleiner (Smal in der 
Kopflänge enthalten), die letzte Schuppe der Seitenlinie 
bedeutend grösser als die vorangehenden und die 
äusseren vorderen Hundszähne im Zwischen- und Un- 
terkiefer stark nach hinten gekrümmt, aber etwas 
kürzer und schwächer, als die beiden mittleren. Die beiden ersten 
Gliederstiahlen der Ventrale sind fadenförmig verlängert; ihre 
Länge beträgt nahezu '/ 5 der Totallänge. Wangen und 
Kiemendeckel sind schuppenlos, der Vordeckel ungezähnt; am 
Mundwinkel steht ein nach vorne gekehrter starker Hundszahn ; 



Ichthyologische Notizen. i 1 1 

die Schuppen am Thorax sind kleiner als an den Seiten des 
Körpers. 

3 

D. 9/ 18 , A. 3/ 13 , L. I. 29, L. transv. 

n. 

Länge: 100"'. 
Fundort: Zanzebar. 

Nfugil Güntheri nov. spec. 

Altitudo corporis capitis longitudinem adaequans ; oculi diameter 
Vi s capitis longitudinis, squamae in linea laterali. absque 
Ulis caudalis basin teyentibus 46 — 47. 

Die grösste Höhe des Körpers gleicht nahezu der Kopflänge 
und ist 5'/ 4 mal in der Totallänge des Fisches enthalten. Die ge- 
ringste Körperhöhe unmittelbar vor der Sehwanzflosse gleicht 5 /, , 
der grössten. 

Die Kopfhöhe beträgt etwas mehr, die Kopfbreite etwas weni- 
ger als */ 3 der Kopflänge. Die Oberseite des Kopfes ist schwach 
gewölbt , der Kopf selbst zugespitzt. Die Schnauze fällt etwas 
steiler zum Mundrande ab, als der übrige Theil des Kopfes. 

Das Auge ist zum grössten Theile von einer dicken Ketthant 
überzogen, welche sich nach vorne über den Präorbitalknochen 
zieht. Der Augendiameter beträgt 4 / 15 der Kopflänge, die Breite der 
Stirne zwischen den Augen nicht ganz 1 1 / 2 Augendiameter. 

Die Entfernung der Nasenöffnungen von einander ist 2 '/ 3 mal 
in der Länge des Auges enthalten. Die hintere Nasenöffnung liegt 
in einer tiefen Grube. Der Präorbitalknochen ist am ganzen unteren 
und hinteren Rande gleichmässig fein gezähnt und reicht nicht so 
weit zurück als der Oberkiefer. 

Ober- und Unterlippen sind mit feinen, haarförmigen, ge- 
krümmten Zähnchen besetzt. Die Zähne der äusserst dünnen Un- 
terlippe liegen fast horizontal, mit Ausnahme ihrer aufwärts ge- 
krümmten Spitze und sind bedeutend kürzer, aber viel dichter an 
einander gereiht als die Zähne der massig verdickten Oberlippe. 
Die Mundspalte ist von herzförmiger Gestalt, eben so breit als 
lang und nur unbedeutend kürzer, als der Augendiameter. Der 
Knoten an der Symphyse der Unterkiefer springt stark nach 
oben vor. 



212 Steindachner. 

Die erste Dorsale ist etwas höher als die zweite, ihre Höhe 
gleicht 3 / 5 der Kopflänge. Die zweite Dorsale ist höher als lang, 
aber nicht so hoch als die Afterflosse und ist gleich dieser so wie 
der Unterseite der Ventrale ganz überschuppt. Die Basislänge der 
Afterflosse übertrifft die der zweiten Dorsale, welche 2 1 / 4 mal in 
der Kopflänge enthalten ist, um 2 / 3 der Augen länge. Die Länge der 
zugespitzten Brustflosse steht der des Kopfes nahezu um einen 
Augendiameter nach. Die Länge der gabelig getheilten Kaudale ist 
nicht ganz 5mal, die der Ventrale 7 3 / 4 mal in der Totalläuge ent- 
halten. Zwischen der Schnauzenspitze und dem ersten Dorsalstachel 
liegen circa 26 Schuppen in einer Beihe, von denen die vier vor- 
dersten Schnauzenschlippen sehr klein sind; zwischen dein hintern 
Augenrande und dem Vordeckelrande liegen 3'/ a Schuppen, zwi- 
schen dem obern Ende der Kiemenspalte und der Basis der Kaudale 
46 — 47, auf der Schwanzflosse selbst vier von dem Seitencanale 
durchbohrte Schuppen. Eine sehr lange, aber schmale, an der 
Basis selbst wieder mit kleineren Schuppen bedeckte Schuppe liegt 
an der Basis der ersten Rückenflosse, eine etwas breitere zwischen 
den beiden Ventralen, eine kürzere am Aussenrande jeder Ventrale 
und am obern Ende der Brustflossenbasis. 

Mit Ausnahme des Präorbifalknochens und der Lippe ist der 
ganze Kopf mit Schuppen bedeckt. Die Kopfcanäle münden mit 
ziemlich zahlreichen Poren an der Oberseite des Kopfes; am Vor- 
deckelrande liegen deren 7. 

Die Oberseite des Kopfes und der Rücken ist bräunlich mit 
stahlblauen und stahlgrünen Reflexen, der übrige Theil des Körpers 
silberfarben, mit Goldschimmer überflogen. Die Ventrale und 
Anale zeigen eine blass orangerothe Färbung, eben so die Kaudale, 
nur sind die Ränder schwärzlichbraun gesäumt. 

Die beiden Dorsalen sind schmutzig gelbbraun, eben so die 
Brustflossen, an deren Basis ein schwach ausgeprägter schwärz- 
licher Fleck sitzt. Die einzelnen Schuppen der grösseren oberen 
Körperhälfte sind, besonders an älteren Individuen, zunächst dem 
hinteren Rande dicht braun punktirt. 

B. 5, D. 4 | i/ 8 , A. ■/„ L. lat. 46—47, L. transv. 14'/,. 

Länge der zur Beschreibung benutzten Exemplare: 150 bis 
182'". 

Fu ndort: Britisch-Guiana. 



Ichthyologische Notizen. Z\ o 

Pimelodus altipinnis nov. spec. 

Taf. II, Fig. 3 und 4. 

Die grösste Leibeshöhe gleicht 2 / z der Kopflänge, die ge- 
ringste 3 / 5 der grössten Körperhöhe. 

Der stark deprimirte Kopf ist S'/oinal in der Kopflänge ohne 
Kaudale enthalten, und 1 ^mal so lang als breit. 

Das runde Auge berührt mit seinem oberen Rande das Stirn- 
profil und ist bezüglich seiner Länge 4y 5 mal in der des Kopfes 
enthalten. Die Entfernung des Auges vom vorderen Kopfende be- 
trägt 2, vom hinteren Kopfende 2*/ a seiner Durchmesser. Die Stirn- 
breite gleicht zwei Augendiametern. Die vordere Nasenöffnung liegt 
nahe am Schnauzenrande am Ende einer langen Tube, und ist von 
der hinteren nahezu um einen Augendurchmesser entfernt. Die Kiefer 
sind gleich lang und mit einer schmalen Binde äusserst feiner Zähn- 
chen besetzt. Die Breite des Maules gleicht der halben Kopflänge. 

Die Maxillarbartfäden reichen bis zur Längenmitte der Kaudale, 
die unteren äusseren etwas über die Basis der Ventrale hinaus, die 
unteren inneren nahezu bis zur Spitze der zurückgelegten Pectorale. 
Kiemendeckel und Schulterknochen sind durch erhabene Linien 
gestreift. Die Oberseite des Kopfes überzieht eine äusserst zarte 
Haut, welche sich hinter dem Auge auf das Innigste mit der Ober- 
fläche der fein gekörnten Stirn und Scheitelbeine verbindet, unter 
welchen das Gehirn durchschimmert. Der Hinterbauptfortsatz ist 
fein zugespitzt, mehr als zweimal so lang als an der Basis breit. 
Das Schild vor der Rückenflosse ist von der Körperhaut so bedeckt, 
dass es nicht von aussen sichtbar ist. Die vordere Fontanelle be- 
ginnt zwischen den hinteren Narinen und reicht nur eben so weit 
als das Auge zurück; die hintere viel kleinere Fontanelle liegt vor 
der Basis des Hinterhauptfortsatzes. 

Sämmtliche Flossen sind durch ihre bedeutende Höhe ausge- 
zeichnet. Die erste Dorsale enthält einen zarten Stachel, der sich 
in einen gegliederten Faden verlängert und sechs Gliederstrahlen, 
von denen der zweite bis vierte sich nahezu an Höhe gleichen. Diese 
beträgt 7 / 6 der Kopflänge; der vorletzte Gliederstrahl gleicht an 
Höhe dem Dorsalstachel sammt dessen Anhang oder 2 / 3 der Kopf- 
länge. Die Fettflosse beginnt sogleich hinter der ersten Rücken- 
flosse und ei reicht zunächst ihrem hinteren, senkrecht abgestutzten 



214 Steindachner. Ichtliyologisehe Notizen. 

Ende die grösste Höhe, welche etwas mehr als i / i der Kopflänge 
beträgt. Die Länge der Fettflosse ist 2 i/ 4 mal in der Körperlänge 
ohne Kaudale enthalten. 

Die Brustflossen kommen der Ventrale oder 5 / 7 der Kopflänge 
gleich; der Pectoralstachel ist von massiger Stärke, sein Ende 
weich verlängert und nur in der hinteren Längenhälfte seines 
Aussenrandes gezähnt, dagegen ist der Innenrand bis zur Basis hinab 
mit Zähnen besetzt. Ein Porus pectoralis ist vorhanden. 

Das hintere Ende der zurückgelegten Bauch- 
flosse erreicht die Basis der Anale. Letztere ist höher als 
lang und endet zurückgelegt etwas vor dem Ende der Fettflosse. 
Die Kaudale ist tief eingebuchtet, ihre Länge beträgt nahezu J / 8 
der Körperlänge (ohne Kaudale); die beiden Loben der Schwanz- 
flosse sind fadenförmig verlängert. 

Die Oberseite des Kopfes ist dunkelbraun, die Unterseite des- 
selben gelblich-weiss, der übrige Körper goldbraun, Pectorale, 
Ventrale und Anale sind blassgelb, Dorsale und Kaudale schmutzig- 
hellbraun. 

B. 7, D. '/ 6 , P. i/„ A. 12, V. 6, C. 20 et pl. hiev. 

Das kaiserliche Museum besitzt von dieser, wie ich glaube, 
neuen Art nur ein einziges auf Taf. II in natürlicher Grösse abge- 
bildetes Exemplar von Demerara in Guiana. 



Sic iiuliii'luu'r. [rkllivolosisrkc Notizen 



Fi 9 . /. 



Taf.I. 



Fiy.Z. 



■'■< 



/" \ 









^ 






. 








m. 







SitBunssk.d.k.Akad.AW. malk natuw. ClILIXBAlAbtk. I8li+. 



Sir in <hcli iht. Iclltlivoloßisrhe Xnli/.ni 



*8-< 



Fig. ♦. 




I 
SilauiHisb d k ..Akad.d.W. mnf li. iinlurw CLXLlXBdXÄbtk.1864. 



I'. e u s s. Über fossile Lepadiden. 21!) 



Über fossile Lepadiden. 
Von dem w. M. Prof. Dr. A. Reuss. 

(Mit 3 Tafeln.) 

In der trefflichen Monographie der Lepadiden von Darwin 1 ) 
werden die lebenden Lepadiden in 11 Gattungen vertheilt (Anatifa 
B r u g., Poecilasma Dar w ., Dichelaspis Dar w., Oxynaspis Dar w., 
Conchoderma 1 f., Alepas R a n g., Anelasma D a r w., Heia L e a c h, 
Scalpellum L e a c h , Pollicipes L e a c h und Lithotrya Sow.), 
welche nicht sehr artenreich sind und zusammen nur 48 mit Sicher- 
heit bekannte Species umfassen. Nicht viel zahlreicher sind die 
fossilen Arten, deren man bisher etwa 52 kannte. Mit Ausnahme 
einer Art, welche eine bis jetzt nicht lebend aufgefundene Gattung 
Loricula Sow. repräsentirt, gehören sie sämmtlich den Gattungen 
Scalpellum und Pollicipes an, deren erste 25, die zweite 26 Species 
zählt. Die ältesten 2 ) reichen in die Juraperiode, treten also in der 
Entwickelungsreihe der organischen Wesen früherauf, alsdieBalani- 
den, deren erste Spuren (Verruca und Chthamalus) nach den Ent- 
deckungen Bosquet's 3 ) in den obersten Schichten der weissen 
Kreide zum Vorschein kommen. Zum Höhenpunkt der Entwickelung 
gelangen sie schon in der Kreideperiode, welcher 44 von den üben 



!) Ch. Darwin, A munograph of the subclass Cirripedia. The Lepadidae in den 
Schriften der Ray Society. 1851. 

ä ) Die gestielten Cirripedier dürften selbst noch in eine weit frühere Erdperiode 
zurückreichen, denn die bisher räthselliaftc Gattung Plumulites Barr, aus den 
Silurschichten Böhmens wird ohne Zweifel denselben beizuzählen sein. Nach 
einem Exemplare, das ich in der trefflichen Sammlung Barrande's sah und in 
welchem die sonst immer isolirt vorkommenden Klappen sich noch theilweise in 
ihrer ursprünglichen Verbindung befinden, reiht sich dieselbe zunächst an die 
ebenfalls ausgestorbene Gattung Loricula an. 

3 ) J. Bosquet, Monographie des crustaces fossiles du terrain cretace du duche 
de Limbourg. llaarlem, 1854 und Notice sur quelques Cirripedes recemiuent 
decouverts dans le terrain cretace du duche' de Limbourg. Haarlem, 1857. 



216 Reuss. 

angegebenen Arten (also 84-6 Pct.) angehören. Nur drei Polli- 
cipes-Xrlen stammen aus der Juraformation und Jrei Arten von 
Scalpellum und zwei von Pollicipes lagern in den verschiedenen 
Etagen der Tertiärformation. 

Aber auch von den beschriebenen Arten besitzen wir nur 
eine unvollständige Kenutniss, da dieselbe sich beinahe durch- 
gehends auf einzelne aus dem Zusammenhange gerissene Klappen 
beschränkt, so dass fast bei allen weder die Zahl der das Gerüste 
zusammensetzenden Schalentheile angegeben werden kann. Überdies 
treten die meisten Arten nur sehr selten und an vereinzelten Fund- 
stätten auf. Nur wenige erfreuen sich einer weiteren Verbieitung und 
scheinen nach Art mancher lebenden Species an weit ausgedehnten 
Küstenstrecken heimisch gewesen zu sein. 

Bei den grossen Lücken, an welchen unsere Kenntniss der 
fossilen Cirripedier noch leidet, muss jeder weitere Schritt zur 
Ausfüllung derselben erwünscht sein. Einen kleinen Beitiag zu 
diesem Zwecke sollen auch nachstehende Bemerkungen liefern. 
Das Materiale zu meinen Untersuchungen verdanke ich der Güte 
theils meines verehrten Freundes Herrn Directors Dr. Hörn es, 
der mir mit grösster Liberalität die einschlägigen Fossilreste des 
k. k. Hof-Mineialien-Cabinetes zur Disposition stellte, theils des 
Herrn Kammerrathes Grotrian aus Braunschweig, welcher ein 
reiches Material aus den Oligocänschichten von Söllingen auf die 
zuvorkommendste Weise mir zur Untersuchung mittheilte. Beiden 
Herren sei hiermit mein aufrichtigster Dank ausgesprochen. 

1. Lepadidenreste aus den Oligocänschichten von Söllingen. 

Schon seit längerer Zeit haben die mitteloligocänen Tertiär- 
schichten durch ihren Beichthum an Petrefacten die Aufmerksamkeit 
der Paläontologen auf sich gezogen. Auch ich habe mich eingehend 
mit der Untersuchung der Foramini feren , Anthozoen und Bryozoen 
beschäftigt. Erstere liefern wohl grossentheils nur bekannte Arten, 
und zwar solche, die sich in den typischen Septarienthonen anderer 
Gegenden wiederfinden , und bestätigen das aus der genauem 
Prüfung der Molluskenreste sich ergebende ßesultat, dass das Söl- 
liuger Lager dem Seplarienthone beizuzählen sei, in vollem Masse. 
Die Anthozoen und Bryozoen aber erregen dadurch ein besonderes 



Über fossile Lepadiden. 21 T 

Interesse, dass sie uns eine grossentheils ganz neue Fauna vorführen, 
indem sie in anderen bisher untersuchten Septarienthonen ver- 
geblich gesuclit worden sind. 

In dem Materiale, das mir Herr Kammerrath Grotrian zu 
dem genannten Zwecke mittheilte, entdeckte ich auch einige Cirri- 
pedier-Reste, die als bisher unbekannte Formen sogleich meine Auf- 
merksamkeit erweckten und zur näheren Untersuchung anregten. 
Sie gehören drei verschiedenen Arten und Gattungen an und sollen 
im Folgenden beschrieben werden. 

1. Scalpelliini robustum m. (T. I, F. 1 — 10). 

Schon vor nahezu drei Jahren habe ich eine neue Scalpellum- Ar\, 
Sc. Ncmckanum, aus dem Septarienthone von Crefeld beschrieben *). 
Jetzt benütze ich die Gelegenheit, eine zweite, der vorgenannten 
verwandte Species aus Schichten, die demselben geologischen 
Niveau angehören, bekannt zu machen. 

Bisher sind 25 fossile Species von Scalpellum beschrieben 
worden, von denen je eine pliocän, oligoeän und eocän ist; 20 Arten 
stammen aus der obern Kreide, die zwei ältesten aus dem Gault. 
Ältere Gesteinschichten haben bisher noch keine Spur davon geliefert. 
Sondert man die Scalpellum- Arten nach dem Baue ihrer Carinalklappe, 
so zerfallen sie in zwei Abtheilungen, deren eiste die Arten mit 
endständigem Carinalwirbel umfasst, während der zweiten jene 
Arten angehören, bei denen der Wirbel der Carinalklappe mehr 
weniger von dem obern Ende derselben entfernt steht. Die erste 
ist bei weitem reicher an Arten, besonders an fossilen ; von den 
lebenden gehören ihr dagegen nur ein Drittheil, nämlich zwei an, 
Die hieher zu zählenden Arten sind: 

aj Lebend. 

1 . Sc. rutilum Dar w. 

2. Sc. villosum Leach sp. 
b) Fossil. 

3. Sc. quadratum Darw. Eocän. 

4. Sc. fbssula Darw. Obere Kreide. 

5. Sc. maximum Sow. sp. Obere Kreide. 

6. Sc. lineatum Darw. Obere Kreide. 



i) Sitzungsberichte der kais. Akademie d. Wissenschaften in Wien. Bd. 44, S. 301 ff. 
Taf. I, Fig. 1—3. 



i 1 o R e u s s. 

7. Sc. hastatum Darw. Obere Kreide. 

8. Sc. angustum Dix. Obere Kreide. 

9. Sc. trilineatum Darw. Obere Kreide. 

10. Sc. solidulum Steenstr. sp. Obere Kreide. 

11. Sc. tubercitlatum Darw. Obere Kreide. 

12. Sc. cretae Darw. Obere Kreide. 

13. Sc. gracile Bosq. Obere Kreide. 

14. Sc. quadricarinatum Reuss sp. Planer. 

15. Sc. pygmaeum Bosq.; vielleicht mit dem vorgenannten 
identisch! Obere Kreide. 

16. Sc. elongatum Bosq. Obere Kreide. 

17. Sc. pulchellum Bosq. Obere Kreide. 

18. Sc. angustatum Gein. sp. Pläner. 

19. Sc. simplex Darw. Gault. 

20. Sc. arcuatum D a r w . Gault. 

Die zweite Abtheilung umfasst dagegen nur 9 Arten, un>l zwar: 

a) Lebend. 

1. Sc. vulgare Leach. 

2. Sc. ornatum Gray. 

3. Sc. rostrat um Darw. 

4. Sc. Peronii Gray. 

b) Fossil. 

5. Sc. magnum Wood. Pliocän. 

6. Sc. Nauckanum Reuss. Oligocän. 

7. Sc. Darwinianum Bosq. Obere Kreide. 

8. Sc. Hagenowianum Bosq. Obere Kreide. 

9. Sc. Beisseli Bosq. Obere Kreide. 

Von zwei fossilen Arten aus der weissen Kreide — Sc. semi- 
porcatum Darw. und Sc. radiatum Bosq. ist die Carinalklappe 
bisher nicht gefunden worden, daher nicht sicher gestellt, welcher 
der beiden Gruppen dieselben beigezählt werden sollen. 

Die von mir nun zu beschreibende Species gehört der zweiten 
Gruppe an und ist im Baue der Carina und des Senium dem ebenfalls 
mitteloligocänen Scalpellum Nauckauum Reuss am nächsten ver- 
wandt. Ich habe nur isolirte Klappen gefunden; da aber bei Söllingen 
keine andere Sca/pellum-Species nachgewiesen werden kann, so 
unterliegt ihre Zusammengehörigkeit kaum einem Zweifel. Mir 
liegt die Carina, das Tergurn, das Scutum und die Carinalseiten- 



Über fossile Lepadiden. 2 1 9 

klappe vor; die übrigen Klappen sind bisher leider noch nicht auf- 
gefunden worden. 

Von der Kielklappe (Carina) habe ich sieben Exe nplare 
von ungemein verschiedener Grösse vor mir liegen. Von diesen 
ist jedoch nur eine in ihrer gesatnmten Länge erhalten; bei drei 
anderen fehlt nur ein sehr kleines Stück, das sich leicht ergänzen 
lässt; die übrigen drei sind sehr fragmentär, nur im oberen Theile 
erhalten. Die vier vollständigeren Exemplare zeigen folgende Längen- 
masse. 

Das kleinste misst 3-75 Par. Lin. 
„ zweite „ 8-0 
„ dritte „10-5 „ „ 
„ grösste „11-0 

In den meisten De!ails stimmt die Carina mit jener von Scal- 
pellum Nauckanum überein. Auch hier setzt sich die im Ganzen 
schmale, stark seitlich zusammengedrückte Klappe oberhalb des zuge- 
rundetenWirbels durch nach aufwärts gerichtetes Wachstlium in einen 
oberen Lappen von bedeutender Grösse fort. Statt dass derselbe 
sich aber mit der Längsaxe des Haupttheiles der Carina in einem 
sehr stumpfen Winkel vereinigt, wie es bei allen bisher bekannten 
Scalpellum-Arten mit nicht terminalem Wirbel der Fall zu sein pfleg i, 
bildet er damit einen viel kleineren Winkel. Bei einem der vor- 
liegenden Exemplare von 105 Lin. Höhe ist es ein Winkel von beiläufig 
80 , bei anderen von 60 , ja bei dem grösslen von nur 45°. Dadurch 
nimmt der obere Theil der Kielklappe eine höchst auffallende kapu- 
zenförmige Gestalt an. Dabei erreicht dieser Lappen ein Drittheil, 
ja selbst die Hälfte der Länge des übrigen Theiles der Carina. 

Ein anderes sehr in die Augen fallendes Merkmal ist die unge- 
meine Dicke der Schale in der Wirbelgegend. Sie schwillt bei dem 
grössten Exemplare zu 3*25- — 3-75 Lin. an, so dass die innere Fläche 
in Folge der Ausfüllung durch zahlreiche, übereinander gelagerte 
Schalenschichten nur eine seichte Längsrinne darbietet. 

In den übrigen Verhältnissen findet grosse Übereinstimmung 
mit Sc. Nauckanum Statt. Ja ohne die oben angedeuteten auffal- 
lenden Abweichungen und ohne die Differenzen im Baue des Ter- 
gums könnte man sich versucht fühlen, beide Species zu vereinigen. 
Während die Carina am Wirbel so stark seitlich zusammengedrückt 
ist, dass sie eine winkelige Rückenkante bildet, nimmt sie nach unten 



220 Reu ss. 

allmählich an Breite zu und endet daselbst in einem ziemlich breiten 
Bogen. Das Tectum ist schmal lanzettlich, oben sehr lang zuge- 
spitzt, schwach gewölbt und von den Parietalgegenden, mit denen 
es in stumpfem Winkel zusammenstösst, schwach geschieden, indem 
die Trennung nur durch eine zarte rippenartige Kante angedeutet 
wird. Über das Tectum verlaufen überdies 2 — 3 sehr schwache 
Radialstreifen, die aber an den meisten etwas abgeriebenen Exem- 
plaren nicht sichtbar sind. Die stark ausgesprochenen ungleichen 
Wachsthumsstreifen bilden einen dem untern Rande der Carina 
parallel laufenden Bogen. 

Die Parietalgegenden stellen eine spitz- und sehr schief-drei- 
eckige, fast ebene Fläche dar, auf welcher nebst den sehr schräg 
darüber hinwegsetzenden Anwachsstreifen noch einige entfernte und 
schwache Radiallinien sichtbar sind. In Folge von Abreibung ver- 
schwinden diese, während die Anwachsstreifung stärker hervortritt. 

Von den Parietalgegenden sind die viel ausgedehnteren Inter- 
parietalregionen, welche die Seitenflächen des oberen Carinallappens 
darstellen, durch eine Depression gesondert, die an den kleineren 
Exemplaren als schmälere, aber tiefere Furche, an den grösseren als 
breiterer seichterer Eindruck erscheint. Sie entsteht dadurch, dass 
die an der Grenze der Parietalregionen stärker zusammengedrückte 
Carina gegen das obere Ende hin wieder etwas dicker wird. Übrigens 
stellen die Interparietes sehr schiefe Dreiecke dar, deren lange untere 
Spitze bis beinahe zur Hälfte der Gesammtlänge der Carina herab- 
reicht. Die obere, kürzeste Seite des Trigons bildet der obere 
Rand der Carina selbst. Der innere Rand stösst mit dem inneren 
Rande des Körpers der Carina entweder in einem deutlichen sehr 
stumpfen einspringenden Winkel zusammen oder geht durch eine 
sanfte Einbiegung in denselben allmählich über. Die Anwachs- 
streifen setzen über die Interparietalflächen in schräg aufsteigender 
Richtung fort und werden bisweilen auch von einigen feinen Radial- 
linien durchkreuzt. 

Die innere Fläche der Carina erscheint als gebogene Längs- 
rinne, die im untern Theile breiter und tiefer, im obern in Folge 
der Schalenverdickung weit seichter wird. 

Das Tergum liegt in zwei rechtsseitigen Exemplaren vor, 
deren eines eine Höhe von 10'", das andere von nur 6'5" besitzt. 
Es zeigt eine von dem Tergum der meisten übrigen Scalpel/um-Avten 



Über fossile Lepadiden. «41 

abweichende Gestalt und nähert sich am meisten dem lebenden 
Sc. villosum Leach sp. (Darwin, 1. c. p. 274, T. 6, F. 8), so wie 
dem fossilen Sc. Hagenowianum Bosq. (Monogr. des crust. foss. 
du terr. eret. du duche de Limbourg, p. 39, T. 4, F. 14) und dem 
Sc. magnum Wood (Darwin, Foss. Lepad. p. 18, T. 1, F. 1 d). 
So wie bei diesen Arten, besitzt es einen schief-dreieckigen Umriss. 
Es fehlt nämlich der gewöhnlich am Carinalrande vorspringende 
Winkel; derselbe bildet vielmehr eine beinahe gerade, nur im 
obern Theile wenig concave Linie, weil der zugespitzte Wirbel 
etwas gegen die Carina hin gebogen ist. Dadurch nimmt auch der 
Schliessrand (occludent margin) eine nicht bedeutende Biegung an. 
Seine Länge beträgt nur zwei Drittheile des Scutalrandes , mit dem 
er in stumpfem, bisweilen sehr abgerundetem Winkel zusammen- 
stösst und der ebenfalls eine schwache Convexität zeigt. An dem 
grossen Exemplare ist er beinahe gerade. Mit dem Carinalrande 
vereinigt er sich in einem vorgezogenen, ziemlich spitzigen Winkel. 

Die Aussenfläche des Tergums, welches im oberen Theile und 
zunächst dem Carinalrande ziemlich dick ist, nach unten und gegen 
den Scutalrand hin sich allmählich verdünnt, ist mit ungleichen, 
etwas blätterigen Anwachsstreifen bedeckt, die zuerst dem Scutal- 
rande parallel laufen, dann aber in einem vom Wirbel zum untern 
Winkel sich hinabziehenden stumpfen Kiele sich aufwärts gegen 
den Carinalrand biegen. 

Die Innenfläche ist beinahe eben, ohne alleConcavität und dacht 
sich gegen das zugeschärfte obere Ende etwas ab. 

Vom Scutum habe ich zwei Exemplare vor mir, ein links- 
seitiges, 93'" hoch bei einer grössten Breite von 4'", und ein rechts- 
seitiges, nur 6"' hoch und 3-25"' breit. Letzteres ist zugleich sehr 
dünnschalig. Im Umrisse kömmt es sehr mit Sc. Nauckanum und 
Sc. magnum überein. Es ist trapezoidal, unten fast gerade abgestutzt, 
oben schräge abgeschnitten, so dass es sich an der von der Carina 
abgewendeten Seite in einen spitzigen Lappen verlängert, der bei 
dem grössern Exemplare viel stärker ausgesprochen ist. Es hat 
dies offenbar seinen Grund darin, weil das Wachsthum der Klappe 
in der Jugend vorwiegend nach unten stattfindet und sich erst in 
vorgerückterem Alter etwas mehr nach oben richtet. 

Der Schliessrand, der längste der vier Bänder, ist beinahe 
gerade, nur oben schwach gebogen. Er stösst mit dem Basalrande 



222 K e u s s. 

fast rechtwinkelig zusammen. Zunächst kömmt in Betreff der Länge 
der entgegengesetzte Lateralrand , der nur im obern Theile etwas 
ausgeschweift ist und mit dem kürzern schrägen Tergalrande einen 
sehr stumpfen Winkel bildet. Von diesem, der ein in verschiedenem 
Grade vorspringendes Eck bildet, läuft ein mehr weniger hervor- 
tretender schwacher Kiel etwas schräge vorwärts gogen den Wirbel, 
welcher am Schliessrande am untern Ende des zweiten Neuntheiles 
der Gesammtlänge liegt. Es ergibt sich daraus die geringe Grösse 
des den Wirbel überragenden spitzwinkeligen Lappens. 

Die Oberfläche des Scutum ist wenig gewölbt und zwar nur 
in dem Räume zwischen dem Schliessrande und einer vom Wirbel 
gegen den Lateralwinkel gezogenen Linie, die im höhern Alter als 
ein deutlicher, wenngleich sehr schwacher Kiel vortritt. Zwischen 
demselben, dem Lateralrande und dem vorerwähnten stumpfen 
Tergolateral winkel befindet sich eine seichte Depression. Eben so 
ist der obere Lappen niedergedrückt. Die Anwachsstreifen laufen 
dem untern und dem Laleralrande parallel und stossen in der oben 
bezeichneten schrägen Kante fast rechtwinkelig zusammen. Auf dem 
obern Lappen ziehen sie in dem oberen Rande paralleler Richtung 
zur Spitze. 

Die Innenseite lässt die grosse und ziemlich tiefe Depression 
zur Anheftung des Musculus adductor deutlich erkennen, so wie 
eine am Schliessrande vom Wirbel herablaufende und von einer 
schmalen Lippe überragte Furche, wie sie an lebenden Arten zum 
Sitze der complementären Männchen dient. 

Unter dem von mir untersuchten Materiale befanden sich end- 
lich noch zwei Carinalseitenklappen , eine rechts- und eine links- 
seitige, beide von verschiedener Grösse. Die linke misst b''' in 
der Breite, 2'ä'" in der Höhe, während bei der rechten diese 
Dimensionen 3-78 " und 2'" betragen. In der Gestalt kommen sie 
vollständig mit jenen von Sc. magnum Wood. (Darwin. I. c. T. 1, 
Fig. 1 / — )i) überein. Sie sind schmal-dreieckig , sichelförmig 
gebogen, an dem frei vorstehenden Wirbelende zugespitzt, an dem 
entgegengesetzten schräg abgestutzt und schwach gerundet. Der 
obere Rand ist concav, der untere stärker convex. Auf der äusseren 
wenig gewölbten Fläche laufen die Anwachsstreifen dem Basalrande 
parallel, an welchem die Klappe zugleich dünn, zugeschärft ist. 
Das spitzige Umbonalende dagegen ist sehr verdickt und auf der 



Über fossile F^epadiilen. i-to 

Innenseite ebenfalls mit queren Anwachsstreifen bedeckt. Seine 
Ränder sind fast senkrecht abgestutzt und der Länge nach furchen- 
artig ausgehöhlt. 

Die iibrgen Klappen sind bisher noch nicht aufgefunden 
worden. 

2. Poecilasma! dubia m. (T. 1, F. 11 ; T. 2, F. 1). 
Unter den Klappen des eben beschriebenen Seal pel lum befand 
sich auch eine einzelne Klappe, die offenbar ebenfalls einem gestielten 
Cirripeden angehört und in Folge ihrer vollkommenen Symmetrie eine 
Mittelklappe (Carina) sein muss. Da alle übrigen Klappen bisher fehlen, 
so ist eine nähere Bestimmung sehr schwierig, ja mit Sicherheit unmög- 
lich. Doch fehlt es nicht an Anhaltspunkten, die uns über die Verwandt- 
schaft und zoologische Stellung des Thieres, von welchem der Fos- 
silrest abstammt, einigen Aufschluss gehen können. Eines der zuerst 
und am leichtesten in die Augen fallenden Merkmale ist es, dass in der 
ganzen Ausdehnung der Klappe die Anwachsstreifung nach oben ge- 
richtet ist, das Wach^lbum also ausschliesslich in dieser Richtung 
stattgefunden bat; mithin in einer Richtung, die jenerbeiSea Ipel 1 um 
und dem zunächst verwandten Pol li cip es gerade entgegengesetzt 
ist. Diese beiden Gattungen werden also bei der Bestimmung unseres 
Fossiles schon von vorne bereit» ausgeschlossen. Zu Anatifa(LepasJ 
kann derselbe aber auch nicht gezählt werden, weil bei dieser die 
Carina stärker gebogen und oben zugespitzt isl in Folge des llinein- 
tretens zwischen beide Tergalklap;ien, und weil sie nach unten in eine 
Gabel oder Scheibe auswächst, durch welche ihre festere Inser- 
tion bewerkstelligt wird. Die fossile Klappe ist dagegen oben am 
breitesten und wird dort gleichsam von zwei kurzen schrägen 
bogenförmigen Rändern begrenzt , die in der Mitte unter sehr 
stumpfem Winkel zusammenstossen. Es deutet dies darauf hin, dass 
die Carina sich nicht zwischen beide Terga hineinschiebt, sondern 
dass sie nur bis zu ihrem Basalwinkel reicht, deren je einem einer 
der vorhin erwähnten kurzen schrägen Ränder am obern Ende 
entspricht. Gerade diesen Bau finden wir aber bei Poecilasma 
Darw. (I. c. p. 99, T. 2, F. 1-5), einer Gattung, die freilich 
bisher nicht im fossilen Zustande bekannt gewesen ist. Auch die 
Beschaffenheit des untern Endes, das beinahe einfach abgestutzt 
ist, ohne Gabel und ohne Scheibe , würde damit übereinstimmen. 
Dagegen besitzt die Carina der lebenden Poecilasma- Ar I en , beson- 



2M 



l> e u s s. 



ders im untern Theile, eine stärkere Krümmung, breitet sich nach 
oben nicht löffeiförmig aus und zeigt eine andere Beschaffenheit 
der Aussenfläche. In wieferne diese Abweichungen nur eine speci- 
fische Differenz bedingen oder selbst auf eine neue Gattung hinwei- 
sen, ist nicht zu entscheiden, bevor die Entdeckung der noch feh- 
lenden Klappen helleres Licht über den Bau des fossilen Thieres 
verbreitet haben wird. Desshalb konnte ich mich auch nicht ent- 
schliessen, auf einen so vereinzelten, wenngleich interessanten Fossil- 
rest ein neues Genus zu gründen, sondern habe es vorgezogen, den- 
selben vorläufig zu jener Gattung zu stellen, mit welcher er in seinen 
Hauptmerkmalen übereinstimmt. 

Die vorliegende Carina ist 9"' hoch, spateiförmig, am untern 
Ende abgestutzt, am obern schwach zugerundet, mit sehr wenig 
vorstehender centraler Spitze, in der sich die zwei Hälften des flachen 
Bogens vereinigen. Nicht weit unter dem oberen Ende erreicht die 
Klappe ihre grösste Breite von 3'" und verschmälert sich nach ab- 
wärts sehr allmählich, so dass sie etwa 2-5'" über dem untern Ende 
am schmälsten (etwa V" breit) wird. Von dort aus verbreitert sie 
sich wieder etwas, indem sie sich jederseits in einen kurzen drei- 
eckigen Zahn ausdehnt und an dem abgestutzten untern Ende wie- 
der die Breite von 3'" annimmt. 

In den unteren zwei Drittheilen steigt sie beinahe senkrecht 
empor, und erst in dem obern spateiförmigen Drittheile biegt sie sich 
schwach vorwärts. Dort ist sie auch am dünnsten , am Oberrande 
selbst schneidig; ihre grösste, aber immer wenig bedeutende Dicke 
besitzt sie nicht weit über dem untern Ende. 

Die Aussenfläche erscheint nicht nur nicht convex, sondern 
vielmehr der Länge nach seicht rinnenförmig ausgehöhlt. In der Mit- 
tellinie verläuft ein erhabener Streifen, im obern Theile sehr niedrig, 
nach unten allmählich etwas höher und breiter werdend. Nach aussen 
von demselben in der Nähe des Seitenrandes beobachtet man jeder- 
seits noch eine sehr schwache Längskante. Über die ganze Aussen- 
fläche verlaufen endlich, nach oben einen schwachen Bogen bildend, 
feine quere Anwachslinien. 

Die Innenseite der Klappe ist beinahe eben; nur in der Mittel- 
linie des obern Theiles bemerkt man eine schwache Rinne, die jeder- 
seits von einer undeutlichen erhöhten Linie eingefasst wird. Sie ist. 
aber zugleich schmäler als die Aussenfläche , indem die inneren 



Über fossile Lepadiden. «40 

Schalen -schichten nicht so weit nach aussen reichen, als die äusseren, 
und der Klappenrand sich schräg von aussen nach innen abdacht. 
Dadurch entsteht eine ziemlich scharfe innere Randkante, die sich 
aber nach oben und unten hin verwischt. Am untern Ende sind es 
dagegen die inneren Schalensehichten, die sich beiderseits in den 
vorerwähnten triangulären Seitenzahn ausbreiten. Es zeigt über- 
dies nach innen einige kurze Kanten und Längsfurchen, mittelst 
derer ohne Zweifel die festere Verbindung mit der Mantelmembran 
des Thieres bewerkstelligt wurde. 

3. Pollicipes interstriatus in. (T. 2, F. 2). 

Es liegen nur zwei Sputa vor, jenen von P. decussatus und 
undulatus m. nahe verwandt, aber doch davon verschieden. Sie sind 
hoch- und schief-dreieckig mit vorgezogenem Rostrobasalwinkel und 
etwas auswärts gebogenem Scheitel, so dass dieAussentläche dadurch 
schwach concav wird. Der Schliessrand ist am längsten und gerade 
oder sehr wenig ausgeschweift und stösst mit dem flach bogen- 
förmigen Basalrande in einem Winkel von beiläufig 50° zusammen, 
während letzter mit dem ebenfalls geraden Tergolateralrande einen 
Winkel bildet, der 90° nur wenig übersteigt. Der letztgenannte Rand 
ist beinahe in seiner ganzen Ausdehnung durch eine schmale aber 
tiefe Längsfurclie in zwei Blätter getheilt, deren inneres das äussere 
in der obern Hälfte etwas überragt. Die Länge des Schliessrandes, 
Tergolateralrandes und Basalrandes verhalten sich bei dem einen 
Exemplare wie 5"' : 3-4" : 3-2'" , bei dem andern wie 4-7"',; 
3-5": 315''. 

Die Aussenfläche zeigt keine Radialkante ; das hintere Feld, 
das bei P. undulatus und decussatus schon sehr schmal ist, fehlt daher 
hier ganz. Die ganze Oberfläche bedecken etwas ungleiche starke 
rippenartige Querstreifen, deren bald breitere, bald schmälere Zwi- 
schenfurchen in derselben Richtung fein linirt sind. Sie verlaufen 
dem Basalrande parallel und biegen sich erst hart vor dem Tergo- 
lateralrande schwach nach aufwärts und setzen bis auf die Aussen- 
fläche des innern Blattes dieses Randes fort, auf welcher sie gerade 
nach oben gerichtet sind. 

Die ziemlich grosse rundliche Anheftungsstelle des Musculus 
adductor liegt heiläufig in der halben Höhe der seicht concaven In- 
nenseite der Klappe. Der Schliessrand ist nur sehr wenig verdickt. 
An beiden Basal winkeln sieht man innen eine schmale tiefe Grube. 

Sitzb. d. mathein. -naturw. Cl. XLIX. Bd. I. Abth. 16 



226 R e u s s. 



2. Über einige miocäne Lepadidenreste . 

2. Pollicipes undulatus m. (T. 2, F. 4). 

Im k. k. Hof-Miueralien-Cabinete befindet sich nur ein aber sehr 
wohl enthaltenes Scutuin dieser Species, das die Gestalt eines hohen 
schiefen Dreieckes besitzt, dessen innerer Basalwinkel (Tergolateral- 
winkel) scliwach schräge abgestutzt ist. Im Baue weicht es von sämmt- 
licheri beschriebenen Pollicipes- und Scalpellum-kvten wesentlich ab. 
Vor Allem ist es nicht, wie gewöhnlich, mit seinem wenig scharfen 
Scheitel gegen dasTergum hin, sondern auswärts gekrümmt. Dadurch 
wird seine Aussenfläche von oben nach unten etwas concav. Auch sein 
übrigens gerader Schliessrand, der längste seiner Ränder, ist in Folge 
dessen nicht convex bogenförmig, sondern schwach eingebogen. Das 
llostraleck ist stark vorgezogen und spitzwinklig; der kurze Basalrand 
bildet einen flachen Bogen. DerTergalrand wird durch die Abstumpfung 
des der Carina zugewendeten Basalwinkels sehr kurz und es entsteht 
dadurch ein vierter kürzester Rand — der Lateralrand — , ^\cr mit 
dem untern Rande in einem etwas gerundeten, 90 nur wenig über- 
steigenden Winkel zusammenslösst. Mit dein Tergalrande vereinigt 
sich derselbe in keinem deutlichen Winkel, sondern gebt in ununter- 
brochenem Bogen in denselben über. Der Schliessrand, Basalrand 
und Tergalrand verhallen sich in der Länge wie 3'2"':2 , 5'":2'". Der 
letztgenannte Rand wird durch eine tiefe Längsfurche, die offenbar 
zar Aufnahme des Scutalrandes des Tergums bestimmt war, in 
zwei Blätter getbeilt, ein äusseres und ein dasselbe etwas über- 
ragendes, aber kürzeres inneres. 

Die die Aussenflächen bedeckenden Anwachsstreifen sind stark 
hervorragend, etwas blättrig und wellenförmig auf- und abgebogen, 
wodurch sie ein gekräuseltes Ansehen annehmen. Sie verlaufen dem 
Basalrande parallel und biegen sich, ihre Faltung verlierend, kurz 
vor dein Tergalrande unter einem gerundeten , 90 wenig über- 
steigenden Winkel nach oben. Dadurch entsteht eine sehr schmale 
abschüssige Fläche, die aber von der Rückenflache des Scutums 
durch keine deutliche Kante gesondert wird. Endlich setzen die An- 
wachsstreifen noch durch die erwähnte Furche des Tergalrandes 
bis auf die Aussenseite seines innen) Blattes fort. In allen diesen 
Details findet eine grosse Annäherung an P. interstriatus Statt, 



Über fossile Lepadiden. 22 • 

Sehr eigenthümlich ist auch die Innenfläche des massig dicken 
Scutums gebildet. Die nicht sehr tiefe Anheftungsstelle des Musculus 
adductor, die oben abgestutzt, unten gerundet ist, liegt an der Grenze 
der obern und untern Hälfte, mehr in die erstere hinaufreichend. 
Oberhalb derselben setzt sich bis zum Scheitel ein schwach vertief- 
tes dreieckiges Feld fort, das mit sehr zarten länglichen Körnern 
bedeckt ist, wie es Bosquet von dem Scutum seiner Mitella Danvi- 
niana (I. c. p. 12, T. 1, F. 8 b) angibt. Eine tiefe längliche 
Grube ist am innern Basalwinkel unterhalb des innern Blattes des 
Tergalrandes eingesenkt. Der Schliessrand ist massig verdickt und 
bildet bis zur Höhe des obern Randes des Muskeleindruckes eine 
schmale Wulst. 

Die beschriebene Klappe stammt aus den Miocänschichten von 
Niederleis in Österreich. Sie befindet sich im k. k. Hof-Mineralien- 
Cabinete. 

2. Pollicipes decnssatus m. (T. 2, F. 3). 

In Gesellschaft der vorigen Speeies findet sich noch eine zweite, 
von der ebenfalls nur ein vollständiges Scutum im k. k.Hof-Mineralien- 
Cabinet befindlich ist. Sie ist der vorigen Speeies im Allgemeinen sehr 
ähnlich, aber doch durch einzelne Kennzeichen hinreichend davon ver- 
schieden. Die Klappe ist ebenfalls schief- und hochdreieckig und mit 
dem ziemlich scharfen Scheitel etwas auswärts gebogen, daher ihre 
Aussenfläche schwach coneav. Dies wird übrigens zum Theile auch 
dadurch hervorgebracht, dass die beiden Seitenränder etwas über den 
schwach eingedrückten Mitteltheil der Fläche erhaben sind, wie wir 
dies auch an dem überhaupt ähnlich gestalteten Scutum der Mitella 
Guascoi B o s q. sehen (Bosquet notice sur quelques cirripedes etc. 
p. 11, T. 1, F. 8 «). Das vordere Basaleck ist vorgezogen und der 
wenig bogenförmige Basalrand verbindet sich mit dem geraden 
Schliessrande in einem Winkel, der kleiner ist als 90 . Die Abstutzung 
des hintern Basalwinkels ist viel weniger deutlich als bei P. undulatus, 
mehr abgerundet, so dass der Basalrand im ununterbrochenen Bogen 
in den geraden Tergalrand übergeht. 

Vom Wirbel läuft zum hinlern Basalwinkel eine sehr stumpfe, 
aber doch deutlich erkennbare Kante herab, die von der Rücken- 
fläche des Scutum ein sehr schmales, schwach nach hinten abschüs- 
siges Feld abtrennt. Der Schliess-, Tergal- und Basalrand ver- 
halten sich in ihrer Länge wie 3" : 2-25'" : 19". Der Tergalrand 

\r 



228 Reuss. 

ist auch hier durch eine tiefe Läugsfurche in ein äusseres und ein 
kürzeres, das erstere etwas überragendes inneres Blatl getheilt. 

Die gedrängten Anwachsstreifen ragen als fast senkrecht abfal- 
lende, am oberen Rande gerundete Rippchen hervor, die durch 
engere Zwische.ifurchen geschieden und von gedrängten feinen 
vertieften Längslinien durchkreuzt werden. Diese verleihen unserem 
Fossilreste eine dem P. elegans Darw. (I.e. p. 76, T. 4) F. 9) 
ähnliche Sculptur und sind selbst an unserem oberflächlich etwas 
abgeriebenen Exemplare deutlich zu erkennen. Die Wachsthums- 
streifen laufen erst dem Basalrande parallel , biegen sich dann 
auf der vorerwähnten Kante in einem flachen Bogen etwas nach 
oben und verfolgen diese schräge Richtung über das schmale Hin- 
terfeld durch die Furche des Tergalrandes bis auf den obern Theil 
des innern Blattes dieses Randes. Dasselbe ragt auf der Innen- 
seite der Klappe stark hervor. Unterhalb desselben vertieft sich die 
innere Fläche zu einer tiefen spaltförmigen Grube. Auch der wulst- 
förmig verdickte Schliessrand löst sich im untersten Theile von der 
Innenfläche los und bildet eine kurze Spalte. Die Ansatzstelle des 
musculus adduetor wird durch eine ziemlich hohe Leiste, die sich 
nach innen neben dem Tergalrande gegen den Scheitel emporzieht, 
zur schmalen aber tiefen Grube eingeengt. Die Oberfläche dieser 
Leiste ist wie die Innenseite des Tergalrandes mit sehr feinen 
körnigen Rauhigkeiten bedeckt. 

3. Scalpellum magnuni Wood (T. 2, F. 5-12). 

Darwin, 1. c. p. 1 8 , T. 1 , F. 1 — b, f Carina; c Scutum; 
d Tergum; e Upper latus; h — k rostral latus; l — n Carina] latus. 

Diese Species ist aus dem englischen Coralline Crag von Dar w i n 
ausführlich beschrieben und abgebildet worden. Das k. k. Hof- 
Mineralien-Cabinet bewahrt zahlreiche Klappen aus den Miocänschich- 
ten vonSalles bei Bordeaux, die mit den englischen vollkommen über- 
einstimmen. Sie stammen von Individuen verschiedener Grösse ab. 

Von den vorhandenen Cariualklappen sind die meisten abge- 
rieben und zerbrochen. Unter den vollständigeren inisst die eine 
6-8'", die andere 4-8'" in der Höhe. Der Wirbel liegt beiläufig im 
Anfange des zweiten Viertheiles. Das obere Ende ist stumpf zuge- 
spitzt, das untere winkelig-bogenförmig mit beinahe rechtwinkeligem, 
mehr weniger abgerundetem Mitteleck. Der den Wirbel überragende 
Lappen stösst mit dem Körper der Carina in sehr stumpfem Winkel 



Über fossile Lepadiden. 229 

zusammen. Zwei feine, aber deutliche, massig gebogene Kielleisten, 
die vom Scheitel zu jedem Eck des Basalrandes herablaufen, trennen 
das besonders nach unten hin der Quere nach gewölbte Tectum von 
den sehr schmal dreieckigen, oben lang zugespitzten flachen Parie- 
talgegenden, die sich in steilem nur wenig stumpfem Winkel 
anlegen. Ein stärker gebogener Kiel, der si-ch ebei falls vom Wirbel 
j euerseits gegen das obere Ende des untersten Viertheiles desSeiten- 
randes herabzieht, bildet die Grenze gegen die ebenfalls nieder- 
gedrückte Interparietalregion, die drei Viertheile der Höhe der 
Carina einnimmt. 

Die feinen ungleichen Anwachsstreifen bilden auf dem Tectum 
einen dem Basalrande entsprechenden Bogen, biegen sieh dann an 
dem Parietalkiele unter fast rechtem Winkel nach oben um und 
erstrecken sich in dem Seitenrande der Carina paralleler Richtung 
bis zum oberen Rande des Carinallappens. Sie werden von einzel- 
nen feinen Radiallinien durchsetzt, die selbst, wenngleich noch 
feiner, auch auf den Interparietalflächen sichtbar sind. 

Auch »las Scutum liegt in Mehrzahl vor, doch nur rechtsseitig 
und in der Höhe zwischen 3-3'" und 4'", in der grössten Breite 
zwischen 1*5"' und 2"' schwankend. Es stimmt beinahe vollkommen 
mit der Darwinschen Abbildung überein. Es ist von trapezoi- 
dalem Umriss, zweimal so hoch als breit, massig in die Quere ge- 
wölbt, unten abgestutzt, oben zugespitzt. Der sehr wenig vortre- 
tende Wirbel liegt beiläufig am untern Ende des obersten Viertheiles 
der Höhe. Der fast gerade Schliessrand stösst mit dem ebenfalls 
geraden Basalrand in einem Winkel von beinahe 90° zusammen. 
Vom Wirbel zieht sich ein schmaler, wenig gebogener Kiel quer 
nach rückwärts zu dem etwas vorgezogenen Eck zwischen dem 
Tergal- und Lateralrand und schneidet einen niedergedrückten Lap- 
pen vom Körper des Scutums ab. Eben so befindet sich gleich unter- 
halb des Kieles eine Depression, durch welche der obere Theil des 
Lateralrandes etwas eingebogen wird. Der untere gerade Theil des- 
selben bildet mit dem Basalrande einen sehr wenig stumpfen Winkel. 

Vom Wirbel erstreckt sich feiner eine fast gerade schwache 
Kante zum hinteren Basalwinkel, so wie eine andere schwächere, bis- 
weilen undeutliche zum Tergalrande am untern Ende der Einbiegung 
desselben. Die schwachen ungleichen Anwachslinien verlaufen zu- 
erst dem Basalrande parallel, biegen sich dann unter stumpfem 



äoO R e u s s. 

Winkel in eine dem Tergalrande folgende Richtung um, die sie auch 
im ohern Lappen beibehalten. Auf dem vordem Tergalfelde werden 
sie von feinen Radiallinien durchkreuzt. 

Von dem sehr dünnen, flachen, gebogenen und schief drei- 
eckigen Tergum liegt nur ein fragmentäres Exemplar vor , welchem 
das obere Drittheil fehlt. Trotzdem lässt es die völlige Über- 
einstimmung mit der Darwinschen Abbildung (I. c. T. 1, F. 1 d) 
erkennen. 

Dagegen habe ich ein vollständiges 6-5'" langes Tergum aus den 
Miocänschichteii von Turin vor mir, welches auch dem Sc. magnum 
angehören dürfte. Der etwas concave Carinalrand der lang- und 
schief-dreieckigen Klappe ist 6i>"' lang und vereinigt sich mit dem 5'" 
langen, flach bogenförmigen Scutalrande in dein spitzigen vorgezoge- 
nen Rasalwinkel. Am kürzesten — 3'b' " — ist der gerade Sehliess- 
rand, der mit dem Scutalrande einen stumpfen Winkel bildet. Vom 
ßasaleck verläuft eine .schmale Linie bis zum Scheitel, in welcher 
sich die Anwachsstreifen spitzwinkelig gegen den Carinalrand um- 
biegen. Dieselben treten als entfernte feine Streifen hervor, deren 
flache Zwischenräume in derselben Richtung zart linirt sind. Von 
der vom vordem Theile des Scutalrandes gegen den Scheitel auf- 
steigenden flachen Rinne ist kaum eine Spur vorhanden. 

Von der oberen Lateralklappe (Darwin, 1. c. T. 1, F. 1 e) 
konnte ich drei vollständige und ein sehr abgeriebenes Exemplar 
untersuchen, von 2-8 — 35" Höhe und 2 — 2-45'" ßreite. Sie 
sind länglich-fünfseitig, fl.tch und dünn, mit fast centralem Wirbel, 
von welchem zu den fünf stumpfwinkeligen Ecken eben so viele Kan- 
ten, von denen einzelne gekielt sind, verlaufen. Die zwei aufwärts 
gerichteten Seitenränder sind schwach convex; von den drei nach 
abwärts sehenden is* einer eingebogen. Den Rändern parallel laufen 
dieAnwachslinien, sie bilden daherimmer kleinere Pentagone, je näher 
sie dem Scheitel liegen. Sie weiden besonders auf den drei unteren 
Feldern von feinen, vom Wirbel ausstrahlenden Linien durchsetzt. 
Die Innenseite der Klappen ist äusserst seicht concav. 

4.! Poecilasma miocaenica m. (T. 2, F. 12). 

Wenn auch die bisher namhaft gemachten fossilen Anatifa- Arten 
mehr weniger zweifelhaft sind und wahrscheinlich sämtlich anderen 
Gattungen angehören, so kann ein solcher Zweifel in ßetretf der jetzt 
zu besprechenden, leider vereinzelten Klappe (des Scutums) aus dem 



Über fossile Lepadiden. 231 

miocäneti Leitliakalke von Podjaikow in Galizien nicht erhoben wer- 
den. Sie gehört offenbar der Gattung Anatifa in weiterem Sinne 
an, da sie mit den entsprechenden Klappen lebender Arten in 
allen Kennzeichen übereinstimmt. Zu welcher der Gattungen aber, 
welche von Anatifa abgezweigt worden sind , sie zu zählen sei, 
lässt sich mit Bestimmtheit nicht entscheiden, da weder die Zahl 
der das Capitulum bildenden Klappen überhaupt, noch der Bau der 
übrigen Klappen ausser dem Scutum bekannt ist. 

Die vorliegende Klappe misst vom Seheitel bis zur obern Spitze 
34'", wahrend die grösste Breite beiläufig 2*5'" beträgt. Der Um- 
riss ist dreiseitig, der Schliessrand wenig gebogen und stösst mit 
dem Basalrande in einem spitzigen Winkel zusammen. Der kleine 
Wirbel ist etwa; übergebogen, der ßasalrand sehr kurz, nicht voll- 
kommen gerade und geht, ohne einen Winkel zu bilden, bogenförmig 
in den untern Theil des Tergo-Carinalrandes über. Vom Wirbel ver- 
läuft bis zur obern Spitze eine deutlich ausgesprochene Kante, wo- 
durch dem Scbliessrande zunächst ein hier sehr schmales, ziemlich 
stark abschüssiges Feld vom Bücken der Klappe abgegrenzt wird. 

Eine andere schwache Andeutung eines Kieles bemerkt man 
weiter rückwärts, ebenfalls vom Wirbel zum gegenüberstehenden 
Bande ausstrahlend, der dadurch an der Grenze zwischen dem 
geraden Tergaltbeile und dem bogenförmigen Carinaltheile etwas 
winkelig wird. 

Die gewölbte Aussenfläche der Schale ist mit feinen unglei- 
chen Anwachslinien bedeckt, die dem Tergolateralrande parallel 
verlaufen und sich an der erwähnten Kante in stumpfem Winkel 
gegen den Schliessrand umbiegen. Sehr zarte radiale Linien 
durchkreuzen dieselben. 

Die Innenseite ist concav, der Wirbel zahnlos, der ßasalrand 
ohne vorstehende Kante, der Schliessrand einfach. 

Fasst man sämmtliche beschriebene Charaktere zusammen, 
so gelangt mau zu der Überzeugung, dass die fossile Species sich 
in mancher Beziehung mehr der Gattung Poecilasma Darw., als der 
Gattung Anatifa (Lepas) in engerem Sinne nähert. Besonders mit 
dem Scutum der an den Küsten von Madeira lebenden Poecilasma 
aurantia Darw. (I. c. p. 105, T. 2, F. 2) findet eine sehr grosse 
Analogie Statt. Als unterscheidendes Merkmal von Anatifa tritt be- 
sonders der sehr kurze, nicht gerade, in ununterbrochenem Bogen 



CöZ Reuss. 

in den Carinalrand übergehende Basalrand hervor. Auch lässt der 
im Verhältniss zum Carinalrand kürzere Tergalrand auf ein kleines, 
weniger entwickeltes Tergum schliessen, wie es die überhaupt mit 
einem Tergum versehenen Poecilasma- Arten besitzen. Eine be- 
stimmte Entscheidung muss freilich bis zur Entdeckung zahlreicherer 
Reste, besonders der Carina, aufgeschoben werden. 

3. Die Lepadiden der böhmischen Kreideformation. 
Unter den böhmischen Kreidegebihlen sind es nur der Planer 
und die Baculitenthone, welche Lepadidenreste geliefert haben; 
den tieferen cenomanen Schichten scheinen sie ganz zu fehlen. 
Aber auch in den ersten sind sie sparsam, immer nur auf vereinzelte 
Klappen beschränkt. Ich habe zwar schon Gelegenheit gehabt, die- 
selben früher zu besprechen *) und die Zahl der gefundenen Species 
hat sich seither nicht vermeint; aber zahlreichere, besser erhal- 
tene Individuen haben theilweise zu einer richtigem Deutung geführt. 
Auch bin ich in den Stand gesetzt, die früheren, zum Theile unrich- 
tigen Abbildungen durch entsprechendere zu ersetzen. 

Sämmtliche mit einiger Sicherheit bestimmbare Reste können 
auf drei Species zurückgeführt werden, zwei Pollicipes und ein 
Scalpelliim. Einem der ersteren — dem weil verbreiteten P.glaber — 
gehört die bei weitem vorwiegende Anzahl an. 
1. Pollicipes glaberRöm. (T. 3. F. 7 — 19). 

Römer, Versteinerungen des norddeutschen Kreidegebirges, 

pag. 104, T. 16, F. 11. 
Reuss, Verstein. der böhmischen Kreideform. I, pag. 17, 
T. 5, F. 45-49; T. 13, F. 86 — 91; II, pag. 105, 
T. 42, F. 17. 
Pollicipes Bronni Reuss, 1. c. I, pag. 16, T. 5, F. 40, 41 ; 

T. 12, F. 4. 
Xiphidium maxhnum Dixon, Geology and fossils of the 
tert. and cret. form, of Sussex. p. 353, T. 28, Fig. 6—8. 
Darwin a monograph of the foss. Lepadidae, pag. 61, T. 3, 
F. 10. 



i) Reuss, Die Versteinerungen der böhmischen Kreideformation. I. S. 17, Taf. ä, 
Fi g. 40—48; Taf. 12, Fig. 4; Taf. 13, Fig. 86—91; II. S. 105, Taf. 24, Fig. 11 ; 
Taf. 42, Fig. 17, 18. 



Über fossile Lepadiden. -i)>3 

Mitella glabra Bosquet, Monographie des crust. foss. 
du terr. cret. du duche de Limbourg. pag. 27, T. 2, 
F. 4 — 12. 

Es ist dies einer der am weitesten verbreiteten und zugleich 
der häufigste der in der böhmischen Kreide vorkommenden 
Cirripedier. Aber auch er hat nur isolirte Klappen geliefert. Es 
liegen nur mehr weniger zahlreiche Exemplare der Carina, des 
Terguni, Scutum, Rostrum und der Carinalseitenk läppe vor. 

Die Carina (T. 3, F. 7) stimmt vollkommen mit der von 
Dar win und Bosquet gegebenen Beschreibung und Abbildung 
überein. Das grösste Exemplar misst 7" in der Hohe und an der 
Basis 2-75" in der grössten Breite. Die Klappe ist schmal- und 
hochdreieckig, indem sie sich nach oben allmählich zur Spitze ver- 
schmälert. Unten zieht sie sich von beiden Seiten rasch zur kurzen 
stumpfen Spitze zusammen. Überdies ist sie nur sehr wenig nach 
vorne gekrümmt, bisweilen beinahe gerade. In der M tte ist sie der 
Länge nach stumpfwinkelig gebrochen, dabei aber besonders in den 
oberen zwei Drittheilen mit einem feinen Kiel besetzt, der sich nach 
abwärts verflächt. Von diesem Mittelkiele dachen die Seitenflächen 
mit geringer Wölbung gegen die Seitenränder ab, die etwas nach 
innen und unten gebogen sind, so dass die Seitenwinkel der Basis 
leicht nach unten vorragen. Der mittlere stumpfe Basiswinkel 
springt in wechselndem Grade vor. Die Oberfläche ist nur mit feinen 
ungleichen Anwachslinien bedeckt, die dem Basalrande parallel in 
der mittleren Kante unter stumpfem Winkel zusammenstossen, an 
den Seitenrändern sich aber im Bogen plötzlich nach unten wenden. 
Nur an einem Exemplare, und zwar nur im obersten Drittheile 
beobachtete ich die von Bosquet erwähnten feinen Längslinien. 
Die Innenseite der Klappe ist stark rinneuarlig ausgehöhlt. — Die 
untersuchten C*rinalklappen stammen aus dem Pläner der Schillinge 
bei Bilin, von Weisskirchlitz, Kostenblatt und Kosstitz. 

Vom Scutum (T. 3, F. 9) standen mir nur zwei Exemplare 
zu Gebote, deren grösseres, aus dem Scaphitenpläner von Hundorf, 
4-33'" hoch und an der Basis 3'" breit ist. Es ist im Hauptumrisse 
dreiseitig, oben schaif zugespitzt, an der Basis abgestutzt, stark in 
der Quere gewölbt, so dass im obersten Theile der Querschnitt halb- 
konisch wird. Der nicht ganz gerade Basalrand bildet mit dem sehr 
schwach gebogenen Yentralrande (occladent margin} einen beinahe 



~»»4 Reust. 

rechten, mit dem uuteru Theile des Tergolateralrandes einen nur 
wenig kleineren Winkel. Die Aussenfläche der Klappe wird durch 
zwei sehr schwache Läugskiele in drei Felder getheilt, die in sehr 
stumpfem Winkel zusammenstossen. Ein Kiel erstreckt sich vom 
wenig gebogenen Scheitel zum ßasolateralwinkel, der zweite dagegen 
zu einem nur äusserst wenig bemerkbaren Winkel des Basalrandes, 
der dem Rostralwinkel näher liegt als dem Basolateralwinkel. Der 
erstgenannte, nicht vollkommen gerade Winkel gibt sich haupt- 
sächlich dadurch zu erkennen, dass die feinen Anwachslinien, die 
zuerst dem Basalrande parallel verlaufen, sich dort fast rechtwinkelig 
gegen die obere Hallte des Tergolateralrandes umbiegen. Dieser 
wird beiläufig in der Mitte durch ein sehr stumpfes gerundetes Eck 
in zwei wenig ungleiche Hälften getheilt, deren unterer die umgebo- 
genen Anwachslinien parallel in die Höhe laui'eu. Bei stärkerer Ver- 
grösserung lassen sich auch noch sehr feine Radiallinien wahrnehmen. 

Das zweite Exemplar des Scutums aus dem Pläner der Schil- 
linge bei Bilin, dessen Spitze abgebrochen ist, misst ergänzt 4'4'" 
in der Höhe und beinahe 3'" in der Breite. Die Kiele der Aussen- 
fläche sind sehr undeutlich. 

Zahlreich, aber leider ineist zerbrochen, sind die Terga (T. 3, 
F. 8, 18, 19), die ich einer nähern Untersuchung unterzog. Sie 
gehören sehr verschiedenen Altersstufen an und wechseln in Folge 
dessen sehr in Grösse und zum Theil auch in Gestalt. Da ich aber 
zahlreiche Mittelglieder beobachtete, so habe ich sie sämmtlich zu 
P. glaber gezogen; um so mehr, da sie von demselben Fundorte 
stammen. Die grössten sind 10' hoch und an der breitesten Stelle 
halb so breit. Eine sehr dünne, ollenbar jugendliche Klappe bot 
eine Höhe von nur 4* 75'" dar bei 3 - 7'" Breite, woraus sich schlies- 
sen lässt, dass mit dem Alter die Höhe in viel rascherem Verhält- 
niss zunimmt, als die Breite. 

Der Umriss ist stets schiefrhomboidal, wobei der Schliessrand 
und der untere Carinalrand am längsten sind. Der Scutalrand 
kömmt dem ersteren an Länge beinahe gleich, der obere Carinal- 
rand ist immer der kürzeste. Bei jungen Klappen treten diese 
Längendillerenzen weniger scharf hervor ; dagegen pflegen dieselben 
an beiden Enden schärfer zugespitzt zu sein, während an älteren 
besonders das untere stumpfer wird. Der dem fast geraden Schliess- 
rande zunächst liegende Theil ist stärker gewölbt, so dass dort in 



Über fossile Lepndiden. 2oO 

seiner ganzen Länge ein erhöhter Wulst hervortritt, der an älteren 
Klappen höher und breiter ist. Nach innen neben demselben ist die 
Schale zu einer ziemlich liefen rinnenförmigen Furche eingedrückt. 
Ihr entspricht im vorderen Theile des Scutalrandes eine seichte Ein- 
biegung. Etwas weiter nach innen liegt an ausgewachsenen Klappen 
eine zweite viel seichtere Furche, die in der Jugend ganz zu fehlen 
scheint. Über den Rücken verläuft vom Wirbel zum Basalwinkel 
in beinahe gerader Richtung ein schwacher Kiel, von welchem die 
Klappe nach beiden Seiten hin sich sanft abdacht. Der stets stumpfe 
Carinalwinkel tritt in sehr wechselndem Grade hervor, bei jüngeren 
Khippen am schärfsten ; bei älteren rundet er sich bisweilen ganz 
ab. In diesem Falle ist auch gewöhnlich der Schliessrand am läng- 
sten. Es findet hier dasselbe Verhältniss dar, wie bei der von 
Darwin, 1. c. T. 4, F. 1 d abgebildeten Klappe von Polt, unguis. 

Die äussere Schalenfläche ist mit feinen ungleichen Wachs- 
thumslinien bedeckt, die dem Tergal- und unteren Carinalrande 
parallel laufen, sich daher in dem Mittelkiele unter einem Winkel 
von 60— 70 umbiegen. Auf dem zwischen dem Mittelkiel und der 
Rostralseite gelegenen Theile beobachtet man bisweilen einige 
Radiallinien. 

Die Innenseite der Klappe ist grbsstentheils seicht concav, nur 
der oberste Theil, besonders gegen die Caiinalseite hin, ist eben 
und mit Wachsthumstreifen bedeckt. 

Die beschriebenen Exemplare stammen theils aus dem au Spon- 
gien reichen Pläner der Schillinge bei Bilin, theils aus jenem von 
Weisskirchlitz hei Teplitz. Zum Theile ähneln sie ausnehmend 
der Tergalklappe von P. unguis Sow. (Darwin, 1. c. p. 64, T. 4, 
F. 1 b, c, d) aus dem englischen Gault. Ich ziehe sie aber 
säuimtlich zu P. glaber, weil sie in Gesellschaft des unzweifelhaften 
P. glaber in einem viel höheren geologischen Niveau liegen. 

Der Pläner von Weisskirchlitz hat mir auch zwei Rostra (T. 3, 
F. 10) zur Untersuchung geliefert. Das eine nicht ganz vollstän- 
dige ist 3*3"' hoch bei 2"7ö'" unterer Breite, das andere sehr jugend- 
liche nur 2" hoch und 18'" breit. Sie sind beinahe trigonal, unten 
abgestutzt mit sehr schwachem bogenförmigem Basalrande. Über 
die Mitte läuft ein feiner Längskiel herab, von dem die Schale 
massig gewölbt nach beiden Seiten abfällt. Die schwachen Anwachs- 
linien laufen der Basis parallel. Die Innenseite ist unten flach, oben 



236 R e u s s. 

schwächer concav und dort zugleich mit einem schwachen Längs- 
kiel versehen. 

In grösserer Anzahl werden bei Weisskirchlitz kleine Klappen 
gefunden, ganz übereinstimmend mit der von Darwin, 1. c. T. 3, 
F. 10 l abgebildeten, welche derselbe für eine untere Lateral- 
klappe der Rostralseite anspricht (T. 3, F. 16, 17). Auch sie sind 
von sehr verschiedener Grösse, die grössten 4'" hoch und 4 # 4'" 
breit, so wie 3o" hoch, 4" breit, die kleinste 1-75" hoch, 2-1'" 
breit. Sie sind wenig convex und haben eine schief trapezoidyle 
Form odt-r die Gestalt eines schiefen queren Dreieckes, dessen 
spitzer Basalwinkel schräg abgestutzt ist. Dadurch entsteht an der 
Basis ein sehr stumpfes Eck, das beiläufig am Anfang des zweiten 
Drittheils derselben liegt. Von den beiden anderen Seiten ist eine 
länger, gerade oder schwach eingebogen, die andere kürzer, 
schwach convex. Das stumpfe Scheitelende bildet einen Winkel, 
wenig kleiner als 90°. Von demselben erstreckt sich zum mittleren 
Basalwinkel eine schräge, bisweilen selbst gekielte Kante, welche 
die Aussentläche der Klappe in zwei dreieckige Felder theilt, von 
denen das schmälere ein spitziges beinahe gleichschenkeliges 
Dreieck bildet. Die feinen Anwachslinien verlaufen den beiden 
Basalrändern parallel und werden an älteren Schalen von, feinen 
Radiallinien durchschnitten. Der Wirbel scheint in nicht unbedeu- 
tender Ausdehnung frei gewesen zu sein, denn seine Innenfläche 
zeigt an beiden Seitenrändern ein mit Anwachsstreifen versehenes 
Feld, welche in der Mittellinie winkelig zusammenstossen. 

Von Weisskirchlitz liegt noch eine dünne obere Lateralklappe 
(T. 3, F. 11) vor, die ein vollkommen gleichschenkeliges Dreieck 
von 2-4" Höhe und %'" Basalbreite darstellt. Die gleichen Seiten 
verhalten sich zur Basalkante wie 2*8 : 2. Die ganz ebene Aus- 
sentläche ist der Basis parallel fein gestreift. Auf der Innenseite 
erscheinen die Seitenränder in ihrer ganzen Länge meisselartig 
zugeschärft. 

Ob diese Klappe w irklich zu P. glaber gehört, Iässt sich nicht 
mit Sicherheit behaupten, da sie sich ganz vereinzelt gefunden 
hat, ihr etwaiger Formenwechsel daher unbekannt bleibt. Von der 
von Darwin (I. c. T. 3, Fig. 10 k) abgebildeten Lateralklappe , so 
wie von der vonBosquet (1. c. T. 2, Fig. 8, 9) als von P. glaber dar- 
gestellten Klappe unterscheidet sie sich durch ihre Gleichschenkelig- 



Über fossile Lepadiden. £>& ( 

keit. In dieser Beziehung nähert sie sich mehr der oberen Lateral- 
klappe von P. unguis Sow. (Darwin, 1. e. T. 4, F. 1 g). Dieselbe 
aber dieser Species gerade zuzuzählen, gestatten die schon früher 
angeführten Gründe nicht. Überdies ist es sehr wahrscheinlich, 
dass auch die oberen Lateralklappen von P. glaber einer ähnlichen 
Wandelbarkeit der Form unterworfen sein mögen, gleichwie die 
Terga derselben Species. 

2. Pollicipes conicns Reuss (T. 2, F. 13). 

Reu ss, Verstein. d. böhm. Kreideform. I. p. 17, T. 5, F. 43. 
icon. mala. 

Diese Species habe ich schon im Jahre 1845 aufgestellt; die bei- 
gegebene Abbildung war jedoch missrathen und nicht erkennbar. Sie 
gründet sich leider nur auf eine Carina von 4'2"' Höhe und 1-7"' 
grösster Breite aus dem Pläner des Sauerbrunnberges bei Bilin in 
Böhmen. Da sie aber in ihrem Baue mit keiner der bekannten Pollici- 
pes-Arten übereinkömmt , so dürfte die Aufstellung einer besonde- 
ren Species gerechtfertigt erscheinen. 

Die Klappe stellt einen der Länge nach halbirten schlanken, 
ziemlich stark gekrümmten Kegel dar, der sich oben langsam zur 
Spitze auszieht , unten aber gerade abgestutzt ist. Der hoch ge- 
wölbte Hucken ist gerundet, ohne alle Spur von Kante oder Kiel. Die 
Seiten fallen in ununterbrochenem Bogen ab bis zu dem Rande, 
der sich schwach nach innen umbiegt, ohne sich aber herabzu- 
biegen, wie bei P. glaber. Der Basalrand stellt daher auch einen 
zusammenhängenden Bogen dar ohne Vorsprung eines Medianwin- 
kels und der Seitenecken. Die Oberfläche ist glatt bis auf zarte 
halhiingförmige Anwachsstreifen, die an nicht abgeriebenen Stellen 
als sehr feine erhabene Linien hervortreten und an den Seiten- 
rändern sich etwas umbiegen. 

Diese Merkmale genügen vollkommen, um unsere Species von 
dem in mancher Beziehung ähnlichen, aber stets mit einer gekielten 
Carina versehenen P. glaber zu unterscheiden. In der Rundung des 
Rückens der Carina kömmt P. conicus mit P. oolithicus Buckm., P. 
validus Steenst. und anderen Arten überein, weicht jedoch in den 
übrigen Kennzeichen wesentlich davon ab. Der vollkommene Beweis 
der Selbstständigkeit unserer Species wird freilich erst in der Folge 
durch die Entdeckung der übrigen bisher noch unbekannten Klappen 
des Capitulum hergestellt werden. 



238 R e ii s s. 

3. Scalpellum quadricarinatam Reuss (T.2, F. 14). 

Pollicipes quadricarinatus Reuss, die Verstein. d. böhm. 
Kreideform. II. p. 105, T. 42, F. 18 ie. mala. 

Scalpellum quadricarinatum Darwin, 1. c. p. 38. Note. 

Seit der Entdeckung des der Species zu Grunde liegenden 
Fragmentes hat sich leider keine weitere Spur derselben gefunden. 
Der beschriebene Theil ist das nur 1-65'" lange Rruchstück einer 
sehr kleinen und schmalen Carina, welchem Spitze und Basis fehlen. 
Ihr Bau ist sehr eigenthümlich. Sie ist oben zugespitzt, massig ge- 
bogen, im Querschnitt rechtwinkelig vierseitig, ziemlich dick. 

Die beinahe ebene, nur gegen die Ränder hin schwach depri- 
mirte Rückenfläche stösst mit den oben zugespitzten, seicht rinnen- 
förmig ausgehöhlten Parietalgegenden rechtwinkelig zusammen. 
An der Grenze verläuft ein schmaler Kiel vom Scheitel herab. Die 
beinahe ebenen Interparietalregionen dagegen, in ihrem oberen 
Theile ziemlich breit, verschmälern sich nach abwärts und werden 
von den Parietalfliichen ebenfalls durch einen, aber noch schwä- 
chern Kiel abgegrenzt. Der innere Seitenrand erscheint etwas ver- 
dickt. Die sehr zarten Anwachsstreifeu sind auf den Seiten sehr 
schräge von hinten und oben nach vorne und unten gerichtet; 
auf dem Tectum können sie nicht unterschieden werden. Die Innen- 
fläche der Carina ist tief rinnenförmig. 

Die beschriebene Carina stimmt in allen Kennzeichen mit jener 
des von Bosquet (Monogr. des crust. foss. du terr. cret. du 
duche de Limbourg, p. 39, T. 3, F. 10—17) beschriebenen Sc. 
pygmaeum aus den MaastrichterSchichten überein, und es ist wahr- 
scheinlich, dass beide Species identisch sind. Da aber an dem höh- 
mischen Fossilreste das Basalende nicht erhalten ist. so liegt keine 
vollständige Gewissheit vor. — 

Nebst den beschriebenen drei Arten liegen noch vereinzelte 
Klappen vor, die damit nicht vereinigt werden können, deren nähere 
Bestimmung aber unentschieden bleiben muss, weil die am meisten 
charakteristischen Klappen (Carina und Scutuni) fehlen. So hat 
z. B. der Scaphitenpläner von Hundorf ein einzelnes Tergum ge- 
liefert, dem zwar das Basalende fehlt, welches sich aber leicht er- 
gänzen lässt. Ich gebe davon T. 2, F. 16 eine etwas vergrösserte 
Abbildung. Es ist vollkommen gerade, massig dick und auffallend 
schmal, denn bei 7-75'" Länge besitzt es nur eine grösste Breite 



Über fossile Lepadiden. Co" 

von 3"', die ziemlich weit über der Mitte liegt. Das obere Ende und, 
nach der Anwaehsstreifung zu urtlteilen, auch das untere sind scharf 
zugespitzt. Der FJmriss ist sehmal rhomboidal mit sehr stumpfen 
abgerundeten Seitenecken. Der gerade Schliessrand und der etwas 
längere , im obern Theile kaum merkbar eingebogene Scutalrand 
stossen in einem schwach markirten sehr stumpfen Winkel zusammen. 
Die beinahe gleichlangen Carinalränder gehen sogar in einem un- 
unterbrochenen Boden in einander über. Auf der schwach gewölbten 
Aussenfläche läuft hinter dem Schliessrande eine sehr seichte fur- 
chenartige Depression zum oberen Theile des Scutalrandes herab. 
Über die Mitte dagegen erstreckt sich vom Scheitel bis zur Basal- 
spitze statt der gewohnten Kante eine lineare Furche herab. Übri- 
gens ist die Oberfläche mit sehr ungleichen vertieften Anwachslinien 
bedeckt, die sich in der erwähnten Medianfurche in sehr spitzigem 
Winkel vereinigen. Fn grösseren Abständen kehrt eine tiefere 
Wachsthiimsfurche wieder, zwischen deren zweien die Schale in 
Gestalt einer sehr Dachen Wulst vortritt, über welche noch eine 
weehselnde Anzahl sehr feiner Linien in gleicher Richtung verläuft. 
Das beschriebene Tergum unterscheidet, sich von jenem aller 
bekannten Pollicipes- Arten wesentlich. Eine ähnliche Beschaffenheit 
der Aussenfläche beschreibt Bosquet an einem Tergum, welches 
er zu Scalpellum gräcile rechne' (1. c. p. 37, T. 3, F. 3), das aber 
in den übrigen Verhältnissen abweicht. Unsere Klappe dürfte daher 
wohl einer neuen Species angehören , deren nähere Bestimmung 
aber aufgescbohen werden muss. 

4. Lepadidenreste aus der Mucronatenkreide von Nagorzani. 
Dieselben scheinen bei Nagorzani in Galizien häufiger vorzu- 
kommen, als in der böhmischen Kreide. Wenigstens enthält eine 
Suite von Versteinerungen von diesem Fundorte, die das k. k. Hof- 
Mineralien-Cabinet dem hochwürdigen Abte am Strahow in Prag, 
Freiherrn v. Zei dler verdankt, eine nicht unbedeutende Anzahl. 
Bisher waren sie nur einer geringen Aufmerksamkeit gewürdigt 
worden. Feh finde nur zweier solcher Reste vorübergehende Er- 
wähnung gethan. Im Jahre 1848 erwähnte Kner in seiner Abhand- 
lung über die Versteinerungen des Kreidemergels von Lemberg *) 

*) H a i d i n g e r's gesammelte naturwissenschaftliche Abhandlungen". III, 'l. S. 35. 
Taf. 3, Fig. 12. 



240 Rein s. 

dreiCirripedenkhppen, von denen er eine abbildet und vermuthungs- 
weise dem Scalpellum (Pollicipes) maxhnum Sow. zuschreibt. 
Nach der Abbildung des Fragmentes zu urtheilen, ist es ein Scutum 
von Pollicipes fallax Darw. Ein Jahr später gab Dr. Alth in der 
geognostisch - paläontologischen Beschreibung der nächsten Um- 
gebung von Lemberg 1 ) die Schilderung und Abbildung einer Ter- 
galklappe aus dem Kreidemergel von Navaria bei Lemberg, welche 
er von P. glaber Rom. ableitet, die aber ohne Zweifel ebenfalls von 
P. fallax Darw. herstammt. 

Die mir zur Untersuchung vorliegenden Schalen gehören drei 
verschiedenen Arten von Pollicipes an. 

1. Pollicipes fallax Darwin (T. 3, F. 1—6). 

Darwin a monograph of the fossil Lepadidae. 1851. pag. 15, 
T. 4, F. 8 a (Scutum), b (Tergum). 

B o s q u e t notice sur quelqies cirripedes recemment decouverts 
dans le terr. cret. du duche de Limbourg. 1857. pag. 17, T. 2, 
F. i — 12; T. 3, F. 1, 2. 

Diese Species scheint in den oberen Kreidegebilden weit ver- 
breitet zu sein. Sie ist bisher bekannt aus der weissen Kreide von 
Galoppe, Pesaken zwischen Benzenrathof und Keverbeghof und 
von Stenaken im Limburgischen, von Ciply bei Mons , von Norwich 
in England, von Baisberg und Köpinge in Schweden, so wie im 
obern Kreidemergel von Gehrden bei Hannover. Bei Nagorzani 
liegt sie ebenfalls in der Mucronatenkreide und, nach dem mir 
vorliegenden Materiale zu urtheilen, ist sie die häufigste der da- 
selbst vorkommenden Species. Ich lasse hier eine Beschreibung 
der einzelnen Klappen folgen. 

Nebst mehreren Bruchstücken habe ich drei vollständige Carinal- 
klappen vor mir liegen (T. 3, F. 1,2). Ihre Dimensionen sind: 

Nr. 1. Höhe 7-75'", grosste Breite 3-1'" 
* 2. „ 90 „ , 38 

„ 3. „ 9'7 „ ,, 4*0. 

Ihre Breite verhält sich also zur Länge im Mittel wie 1 : 2-431, 

während die von Bosquet abgebildeten Exemplare breiter und 

bauchiger sind (1 : 1-9). 



t) H a i d i n g e r's gesammelte naturwissenschaftliche Abhandlungen. III, 2. S. 30, 
Taf. 10, Fig. 20. 



Über fossile Lepadiden, 241 

Sie sind beinahe gerade oder nur sehr wenig nach vorne 
gebogen, verschmälern sich nach oben langsam zur stumpfen Spitze 
und haben einen gerundeten Rücken ohne Spur von Längskante oder 
Kiel, so dass sie halbkegelförmig erscheinen. Der Basalrand ist in 
verschiedenem Grade, manchmal nicht unbedeutend ausgeschnitten; 
die Seitenränder biegen sich schwach nach einwärts. Über die 
Oberfläche laufen mehr weniger nach oben gebogene sehr ungleiche 
Anwachsstreifen, deren einzelne in wechselnden Abständen als 
schwachkantige Ringe vorragen. 

Zwei andere der vorliegenden Klappen (T. 3, Fig. 3) stimmen 
mit der von Bosquet (I. c. T. 2, F. 5) abgebildeten und für das 
Rostrum erklärten Klappe überein. Bei übrigens vollkommener 
Ähnlichkeit weichen sie in der Höhe von einander sehr ab, denn die 
erste ist 53" hoch, d'l'" breit, die zweite 80" hoch, 36" breit. 

Gleich der Carina besitzen sie die Gestalt eines halben Kegels, 
krümmen sich aber mit der Spitze stark rückwärts und sind beson- 
ders im untern Theile in der Medianlinie etwas winkelig. Der 
Basalrand ist nicht ausgeschweift; daher laufen die Wachsthums- 
streifen gerade über den Rücken der Klappe. 

Andere in Gesellschaft der vorigen gefundene Klappen (T. 3, 
F. 4) sind kürzer, an der Basis breiter (Höhe: Breite = 6*2" : 
3-6") und an der Spitze ziemlich stark gebogen oder beinahe 
gerade (Höhe: Breite = 6"': 4'"). Der Basalrand ist beinahe gerade 
und über die Anwachsstreifen von der früher geschilderten Beschaf- 
fenheit laufen einzelne schwache Radialfurchen. Sie kommen mit 
Ausnahme der viel bedeutenderen Grösse mit den von Bosquet 
als subrostra (I. c. T. 2, F. 6) und subcarinae (1. c. T. 2, F. 4) be- 
schriebenen Klappen überein, könnten aber auch wohl Rostralklappen 
sein, da Verschiedenheiten im Höhen- und Breitenverhältnisse auch 
bei den Kielklappen in bedeutendem Grade sich geltend machen. 

Am zahlreichsten sind die von mir untersuchten Scuta (Darwin, 
I. c. F. 8 a. — Bosquet, I. c. T. 2, F. 1 a, b) (T. 3, F. 5, 6). 
Drei vollständige Exemplare zeigen eine Höhe von 6*9" — 7*4'", an 
der Basis aber ziemlich übereinstimmend eine Breite von 5'". Sie 
sind dreiseitig mit etwas rückwärts gegen das Tergum gekrümmter 
Spitze. Der massig bogenförmige Schliessrand stösst mit dem fast 
geraden, nur vorne etwas eingebogenen Basalrande in einem Winkel 
zusammen, der wenig kleiner ist als 90 . Etwas spitziger ist das 

Sitzt», d. mathem.-naturw. Cl. XLIX. Bd. I. Abth. 17 



242 R e ii s s. 

Eck, welches der im obern Theile eingebogene, nur im untersten 
Drittheile gerade Tergolateralrand mit dem Basalrande bildet. Von 
dem nur wenig vorgezogenen Basolateralwinkel läuft bis zum Scheitel 
ein starker, etwas gebogener Kiel, neben welchem die Schale beider- 
seits eine schwache Wehenartige Depression zu zeigen pfleg». Durch 
diesen Kiel wird die Aussenfläche in zwei, unter wenig stumpfem 
Winkel zusammenstossende Felder getheilt, das breitere eigentliche 
Rückenfeld und das stets viel schmälere, steil zum Tergolateralrande 
abfallende Seitenfeld, dessen Breite aber selbst manchem Wechsel 
unterworfen ist. An Schalen, wo es sich breiter ausdehnt, zeigt es 
in der Nähe des Tergalrandes eine deutliche, vom Scheitel aus- 
gehende rinnenartige Einsenkung. 

Über die Oberfläche des Scutum laufen in regelmässigen 
Abständen schmale, ziemlich scharfe Querrippen, deren breitere flache 
Zwischenrinnen von zarten, denselben parallelen Linien bedeckt 
sind. Nachdem sie dem Schliessrande zunächst eine sehr schwache 
Biegung nach oben erlitten haben , setzen sie ihren dem Basalrande 
parallelen Lauf quer bis zu dem Dorsalkiele fort. Auf demselben 
biegen sie sich nun in einem etwas stumpfen Winkel um und wenden 
sich, näher an einander tretend und an Höhe abnehmend, schräge 
nach oben gegen den Tergalrand. 

Unter den zahlreichen Klappen, deren Untersuchung ich vor- 
nahm, befand sich zwar kein Tergum; die Abbildung bei A Ith (I. c. 
T. 10, F. 20) beweist aber, dass auch solche Klappen bereits in der 
Lemherger Kreide aufgefunden worden sind. 

Die von Bosquet (I. c. T. 2, F. 7) dargestellten oberen 
Lateralklappen hat Nagorzani bisher noch nicht geliefert; dagegen 
sind daselbst, gleichwie in den Maastrichter Schichten, zahlreiche 
kleine Schalen angetroffen worden, die offenbar dem untern Lateral- 
wirtel angehören und mit den von Bosquet beschriebenen Formen 
gut übereinstimmen (T. 3, F. 12). Sie stellen mehrere differente 
Typen dar. Einzelne (2-1" hoch und an der Basis eben so breit) 
kommen mit Bosquet's T. 3, F. 3 überein, sind mehr weniger 
gerundet, dreiseitig, gewölbt, mit bogenförmigem Basalrande, eben 
solchen Anwachsstreifen und mit stumpfem, nach innen gebogenem 
Scheitel. 

Aridere entsprechen der Abbildung Bosquet's, T. 2, F. 10 
(T. 3, F. 13). Sie sind im Mittel 1-5"' hoch, bei einer Breite von 



Über fossile Lepadiden. *i+o 

1-6'", etwas schief-triangulär, gewölbt oder selbst etwas winkelig, 
mit bogenförmigem Unterrande und davon abhängiger Anwachs- 
streifung und mit stumpfer, nur wenig gebogener Spitze. 

Noch andere (T. 3, F. 14, 15) erinnern an Bosquet's T. 2, 
F. 8. Bei 2-5—3" Höhe besitzen sie eine Breite von 19— 2-0'", 
sind mehr weniger eiförmig oder oval-dreiseitig mit abgerundeten 
Winkeln und sehr stumpfem Scheitel und nur wenig gewölbt.. Der 
untere Band, so wie die Anwachsstreifung bilden einen mehr weniger 
starken, nach abwärts gerichteten Bogen. Endlich bemerkt man 
noch einzelne schmälere oder breitere Furchen, die vom Scheitel 
ausstrahlen und Einbiegungen des Basalrandes bewirken. 

2. Pollicipes Zeidleri m. (T. 2, F. 15). 

Ich gründe diese Species auf ein vollständig erhaltenes Scutnm 
der linken Seite, das jenem von Mitella Darwiniana Bosq. (Monogr. 
des crust. foss. du terr. cret. du duche de Limhourg, pag. 12, 
T. 1, F. 8 «, 6) sehr ähnlich ist, aber doch in mancher Bezie- 
hung abweicht, so dass ich mich nicht entschliessen kann, es damit 
zu vereinigen, um so weniger, als die übrigen Klappen, welche eine 
rechtsgiltige Entscheidung begründen könnten, bisher fehlen. 

Das vorliegende Senium ist 10'" hoch und an der Basis 6-2'" 
breit, verlängert schiefdreiseitig , an der Basis schief abgestutzt, an 
der Spitze massig nach hinten gegen das Tergum gebogen. Der 
Schliessrand ist schwach bogenförmig; der viel kürzere (nur 65'" 
lange) Tergolateralrand im untern Theile fast gerade, im obern 
ziemlich stark coneav. Der kurze vordere Theil des Basalrandes 
stösst in einem 90 nur wenig übersteigenden Winkel mit dem 
Schliessrande zusammen. In geringer Entfernung von demselben 
bildet er eine starke Einbiegung nach oben und verläuft dann in fast 
gerader, nur gegen das Ende hin etwas geschwungener Linie nach 
hinten und oben , um sich unter einem ebenfalls wenig stumpfen 
Winkel an den Tergolateralrand anzuschliessen. 

Die Aiissentläche erhebt sich am Schliessrande in eine diesem 
folgende ziemlich breite, flache, nach hinten abschüssige Wulst, 
die durch eine vum Wirbel in beinahe paralleler Bichtung herablau- 
fende tiefe Binne begrenzt wird, aus welcher die Schale in schräger 
Bichtung emporsteigt, um beinahe in gleichem Niveau mit der vor- 
erwähnten Wulst eine deutliche Kante zu bilden, von welcher die 
Oberfläche der Klappe sich sodann in geringer Wölbung bis zum 

17 9 



244 Reu ss. 

Tergolateralrande senkt. Der beschriebenen Rinne enlspricht die 
vorerwähnte starke Einbiegung des ßasalrandes. 

Über die Oberfläche der Schale verlaufen, den Unebenheiten 
derselben folgend, schmale, aber scharfe Querfalten, deren viel 
breitere Zwischenrinnen in gleicher Richtung fein linirt sind. Beide 
senken sich von dem Randwulst zuerst schräg hinab in die dahinter 
befindliche Rinne, um auf der Hinterwand derselben wieder schräg 
aufzusteigen und dann von der Randkante dem Basalrande parallel 
sich dem Tergolateralrande zuzuwenden. 

Die Beschaffenheit der Innenseite der Klappe kann nicht ange- 
geben werden, da sie auf dem Gesteine aufliegt und ohne Zerstö- 
rung der calcinirten Schale nicht losgelöst werden kann. Mau kann 
jedoch schon von aussen wahrnehmen, dass der innere glatte Theil 
des Schliessrandes sich am untern Ende in einen die äusseren 
Schalenschichten überragenden vierseitigen Zahn verlängert, wie 
ihn Bosqu et auch bei Mitelia Darwiniana beschreibt und abbildet. 

Ich habe die in Rede stehende Species zu Ehren des Herrn 
Abtes am Strahow in Prag, Freiherrn v. Zeidler, dem das 
k. k. Hof-Mineralien-Cabinet die beschriebenen Fossilreste verdankt, 
benannt. 

3. Pollicipes glaber Rom. Diese Species, wohl die verbreitetste 
und häufigste aller Pollicipes-Arten, ist bisher schon aus der Senon- 
kreide des Herzogthums Limburg und Belgiens, Englands, Schwe- 
dens, Westphalens, Hannovers, so wie aus dem Pläner Böhmens und 
Sachsens bekannt. Sie findet sich auch in denMucronatenmergeln der 
Umgebung von Lemberg in Galizien , obwohl sie dort seltener zu 
sein scheint, als P. fallax Darw. Von Nagorzani befinden sich im 
k. k. Hof-Mineralien-Cabinete mehrere Scula und Terga. 

Ein Tergum, das vollkommen mit der Abbildung bei Darwin 
(T. 2, F. 10 e) übereinstimmt, zeichnet sich durch seine Grösse 
aus, indem es bei einer grösslen Breite von 9", die es heiläufig in 
der Mitte seiner Höhe darbietet, eine Höhe von 12" erreicht 
(T. 3 , F. 19). Ein anderes nicht ganz vollständiges Exemplar 
mag kaum 8"' in der Höhe messen. Auch ein Tergum von 7-2 " 
Höhe kömmt in seinen Merkmalen mit den englischen und böhmi- 
schen Exemplaren vollkommen überein. Eine andere fragmentäre 
Schale dürfte bedeutend grösser gewesen sein. 



Über fossile Lepadiden. 245 

Die Carina und die übrigen Klappen habe ich bisher von Na- 
gorzani nicht zu sehen Gelegenheit gehabt. 



Erklärung der Abbildungen. 

Tafel I. 

Fig. 1. Sealpellum robusfum Rss. Carinalklappe aus dem Mitteloligocän von 
Söllingen. a seitliche, b Rückenansicht, c innere Ansicht; d Querschnitt. 
Vergrössert. 

» 2 — 4. Dasselbe, ebendaher. Vergrösserte Seitenansichten von Carinal- 
klappen. 

„ 5. Dasselbe, ebendaher. Tergalklappe, in natürlicher Grösse, a äussere, 
b innere Ansicht. 

„ 6. Dasselbe, ebendaher. Äussere Ansicht einer Tergalklappe. a in natür- 
licher Grösse; b vergrössert. 

„ 7. Dasselbe, ebendaher. Äussere Ansicht einer Scutalklappe, in natürlicher 
Grösse. 

„ 8. Dasselbe, ebendaher. Scutalklappe. a äussere vergrösserte Ansicht, 
b äussere, c innere Ansicht, in natürlicher Grösse. 

„ 9. Carinalseitenklappe derselben Species von demselben Fundorte. 
a äussere Ansicht, in natürlicher Grösse; b vergrössert; c innere 
vergrösserte Ansicht; d seitliche vergrösserte Ansicht. 

„ 10. Carinalseitenklappe derselben Species, ebendaher, in natürlicher 
Grösse, a von aussen, b von innen gesehen. 

„ it. Poecilasma? dubia Rss. Carinalklappe von Söllingen. Äussere 
Ansicht, a in natürlicher Grösse; b vergrössert. 

Tafel II. 

Fig. 1. Poecilasma? dubia Rss. Carinalklappe von Söllingen. a vergrösserte 
innere Ansicht; b Seitenansicht, in natürlicher Grösse. 

„ 2. Poliicipes interstriatus Rss. Scutum von Söllingen. a äussere Ansicht, 
in natürlicher Grösse; b dieselbe vergrössert; c innere vergrösserte 
Ansicht. 

„ 3. Poliicipes decussatus Rss. aus den Miocänschichten von Niederleis. 
Scutum. a äussere Ansicht, in natürlicher Grösse; b dieselbe vergrös- 
sert; c innere vergrösserte Ansicht. 

„ 4. Poliicipes undulatus Rss. Scutum von Niederleis. a äussere Ansicht, 
in natürlicher Grösse; b dieselbe vergrössert ; c ein Theil der äusseren 
Oberfläche stärker vergrössert; d vergrösserte innere Ansicht. 

„ 5. Sealpellum magna m Wood von Salles bei Bordeaux. Fragmentäre 
Carina vergrössert. a seitliche, b Rückenansicht; c ein Theil der 
letzteren stärker vergrössert; d Querschnitt. 



24:6 R e u s s, Über fossile Lepadiden. 

Fig. 6. Dasselbe , ebendaher. Vergrösserte Seitenansicht einer Carinalklappe. 
„ 7. Dasselbe. Vergrösserte Ansicht eines Scutums. «von aussen, b von 

innen. 
„ 8. Dasselbe. Äussere Ansicht einer Tergalklappe, in natürlicher Grösse. 
„ 9 — 11. Obere Lateralklappen derselben Species. Äussere vergrösserte 

Ansichten. 
„ 12. Poecilasma? miocaenica Rss. Scutum von Podjarkow in Galizien. 

Äussere Ansicht, a in natürlicher Grösse, b vergrössert. 
„ 13. Pollicipes eonicus Rss. aus dem böhmischen Pläner, Carina. a Rücken-, 

b Seitenansicht; c Querschnitt, sämmtlich vergrössert. 
„ 14. Scalpellum quadricarinatum Rss. Rruchstück der Carina aus dem 

Pläner von Weisskirchlitz in Böhmen. Vergrösserte Seitenansicht. 
„ 15. Pollicipes Zeidlevi Rss. Äussere vergrösserte Ansicht eines Scutum 

von Nagorzani. 
„ 16. Äussere vergrösserte Ansicht des Scutum eines Pollicipes (? Bronni) 

aus dem Pläner von Hundorf in Böhmen. 

Tafel III. 

Fig. 1. Pollicipes fallax Darw. Carina von Nagorzani, vergrössert. « Rücken-, 

b Seitenansicht. 
„ 2. Carina derselben Species, ebendaher.« Rücken-, b Seitenansicht, 

beide in natürlicher Grösse; c ein Stück des Rückens vergrössert. 
„ 3. Rostralklappe derselben Species , ebendaher, in natürlicher Grösse. 

a Rücken-, b Seitenansicht. 
„ 4. Subrostralklappe? derselben Species, ebendaher, in natürlicher Grösse. 

« Rücken-, b Seitenansicht. 
„ 5, 6. Scutalklappen derselben Species, ebendaher, a vergrösserte äussere 

Ansichten; b ein Stück der Oberfläche stärker, vergrössert. 
„ 7. Pollicipes glaber Rom. Aus dem Pläner von Bilin. Vergrösserte Ansich- 
ten der Carinalklappe. « Rücken-, b seitliche Ansicht. 
„ 8. Tergalklappe derselben Species aus dem Pläner von Weisskirchlitz. 

Äussere Ansicht, in natürlicher Grösse. 
„ 9. Scutalklappe derselben Species aus dem Pläner von Bilin. Vergrösserte 

äussere Ansicht. 
„ 10. Rostralklappen derselben Species aus dem Pläner von Weisskirchlitz. 

Vergrösserte äussere Ansicht. 
„ 11. Obere Lateralklappe derselben Species, ebendaher. Vergrösserte 

äussere Ansicht. 
„ 12— 15. Pollicipes fallax D a r w. von Nagorzani. Untere Lateralklappen. 

Vergrösserte äussere Ansichten. 
„ 16, 17. Pollicipes glaber Rom. aus dem Pläner von Weisskirchlitz. Untere 

Rostrolateralklappen. Vergrösserte äussere Ansichten. 
„ 18. Tergum derselben Species aus dem Pläner von Weisskirchlitz. Äussere 

Ansicht, in natürlicher Grösse. 
„ 19. Tergum derselben Species aus den Mucronatenmergeln von Nagorzani. 

Äussere Ansicht, in natürlicher Grösse. 



Reiil's. Fossile Lepadiden. 



Tafl. 




I mayer gez,.Ti.litk.al¥at. 



ff 

• - .: - t,atelri£cferei. 



/_ •♦. Sh&lpellutn rof>n.vftini7?/.r.(fhri'ntt). -j , o\ Fdem (Tergum) 

/, ^. If/f///. (A'r//fr///t J. &/ T0. /r/r/// (Väloa - fr/r/r/o _ /// fr/-/i / /.\) . 
//. Poecilasrnct //////i'/i /' /.'v. 



Sitrangsb. (I. k.Akad.d/W. matli. aatunr. CL XLIX. BcLi:Abth..l86*. 



Ficul'.s' Fossile Lepadiden 



TafJH 




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/ Poecilasm-a dubia /?A: ?. Pollicipes ////iy.i//w//Ai7//i: . >'. /' eleciiwa ///.;■////: 

^. P i///r//'//rff/.r ///■!■. .y_ //. ScalpeZlicm ///*//■//////// Wood. 

72. Poecilcurma / miocaeni&a ///■): /■';'. Pollici&ej: conicu^ /'/■>: 

/- / /. A'rr/ ///!■/ ////// ////t//-//-ir///-///r/////// /f/,i: /.}. Polllct/oe& ,', r/W/r//' ///.'f. 

/6'. Pü///' er/ /<•.!■ i//. 

S'ity.imuvlul k.Akad ..l.W.iiii.tli.ii.-itiinv.Cl. XLIXBd.l.ÄbthA864:. 



Iumi In Fossile Lepadiien 



Taf. 




/ 6, l.'i />, l'vllui/tts lallu.r Danw 
/ //, (6 19, /' glaber Hörn . 

Sil'/,iHi:-sli ,1 k Akad d W. malli. n « :w CI XLIX.Bd.J AMli. IXIi i 



247 



VI. SITZUNG VOM 25. FEBRUAR 1804- 



Herr Prof. Dr. A. v. Wal ten ho fen in Innsbruck, übersendet 
eine Abhandlung: „Beobachtungen über die Polarisation constanter 
Ketten und deren Einfluss bei Spannungsbestimmungen nach der 
Compensationsmethode". 

Herr Prof. Dr. A. Weiss in Leinberg, übermittelt eine Abhand- 
lung, betitelt: „Untersuchungen über die Entwicklungsgeschichte 
des Farbstoffes in Pflanzenzellen". 

Herr Dr. A. Boiie liest: „über die Geogenie der Mandel-, 
Blatter- und Puddingsteine". 

Herr Hofiath Prof. J. Hyrtl legt eine Abhandlung „über 
Wirbelassimilation bei Amphibien" vor. 

Herr Dr. L. Thiry spricht „über eine neue Methode, den 
Dünndarm zu isoliren". 

Herr F. Unferdinger überreicht eine Abhandlung, betitelt: 
„Vergleichung der Pendellormel mit den Beobachtungen". 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Astronomische Nachrichten. Nr. 1463 — 1464. Altona, 
1864; 4o- 

Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences. Tome 
LVIII. No. 5 — 6. Paris, 1864; 4° 

Cosmos. XIII 9 Annee, 24 e Volume, 8 e Livraison. Paris, 1864; 8°- 

Dana, James D. 1. The Classification of Animals on the Principle 
of Cephalization. 2. On fossil Insects from the carboniferous 
Formation in Illinois. (From the American Journal of Sc. 
& Arts. Vol. XXXVII.) 8°- 

Gewerbe-Verein, nieder-österr. : Verhandlungen und Mitthei- 
lungen. Jahrgang 1864, 1. Heft. Wien; 8°- 

Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XIV. Jahrgang, Nr. 6. 
Wien, 1864; 4«- 

Mittheilungen des k. k. Genie-Comite. Jahrg. 1863. VIII. Band, 
4. Heft; Jahrg. 1864. IX. Bd. 1. Heft. Wien, 1863 & 1864; 8«- 



248 

Mondes. 2 e Annee, Tome III., T Livraison. Paris, Tournai, Leip- 
zig, 1864; 8o- 

Moniteur scientifique. 172e Livraison. Tome VI% Annee 1864. 
Paris; 4<>- 

Reader, The. Nr. 60, Vol. III. London, 1864; Fol. 

Reichsanstalt, k. k. geologische: Jahrbuch. 1863. XIII. Bd. 
Nr. 4. October, November, December. Wien; kl. 4°- 

Wiener medizinische Wochenschrift. XIV. Jahrgang, Nr. 8. 
Wien, 1864; 4<>- 

Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft'. 
XIII. Jahrg. Nr. 8. Grafz, 1864; 4<>- 

Zeitschrift für Chemie und Pharmacie von E. Erlenmeyer. 
VII. Jahrg. Heft 3. Heidelberg, 1864; 8°- 
— des österr. Ingenieur-Vereines. XV. Jahrg. 12. Heft, Wien, 
1863; 4o- 



249 



Über die Geogenie der Mandel-, Blatter- oder Sehaalsteine, der 

Variolithen, der Serpentine und der kieseligen Puddingsteine. 

Von dem w. M. Dr. A. Boiie. 

Voriges Jahr hat die Ciasse eine Abhandlung über einige dieser 
Fragen gedruckt, in welcher ich leider Behauptungen bemerkte, 
welche mir nicht in der Natur gegründet erscheinen. 

Die Akademie überlässt wohl den einzelnen Gelehrten die 
Verantwortlichkeit ihrer Meinung, demungeachtet könnten gewich- 
tige Fachmänner sich wundern, dass Niemand in Wien sich getraut 
hätte, gegen solche aphoristisch hingeworfene Meinungen Ein- 
sprache zu erheben. 

„Die Hohlräume der alten Laven sollen nur selten etwas 
regelmässig gestaltet und selten besonders vollständig rund sein 
(siehe Sitzber. Bd. 17, S. 104). Nie kommen kugelrunde Bäume 
neben solchen vor, welche bei gleicher Grösse nach verschiedenen 
Richtungen verästelt sind. Zwei Blasen eines porösen Mandelsteines 
sind nie durch eine Wand von der Dicke eines Menschenhaares 
getrennt (S. 111), und was noch wichtiger dem Verfasser scheint, 
nie kommt eine Vereinigung von zwei neben einander liegenden 
Blasen vor (S. 111). Möglich, dass dieses der Fall in der durch 
den Herrn Verfasser fleissig durchmusterten schönen Sammlung 
des k. k. Mineralien-Cabinets ist, aber die Geologie und Geogenie 
lernen sich nicht wie die krystallographische und chemische Mine- 
ralogie im Studirzimmer, sondern in der freien Natur und da 
würde man bald, denke ich, die zu straffe Begrenzung der Mög- 
lichkeiten und Zufälligkeiten erkennen müssen. Wir brauchen nur 
auf den Vesuv, die Auvergne und Island u. s. w. zu verweisen. 
Die Form der Lavalöcher hängt ebensowohl von der Art der 
Bildung und leichten oder schweren Entweichung der Gasarten, als 
von der Ablagerungsweise jener feurigen Massen ab. Wenn der 
Druck gering und viel Gas vorhanden war, so sind die Hohlräume 
grösser und von verschiedenartiger Structur; stellen sich die 
entgegengesetzten Umstände ein, wie z.B. ziemlich oft in Lavagängen, 
so gibt es eher viele rundliche als eckige Räume. Wenn die Gase 



250 Rone. 

der Feuerproducte nur dem Luftdrucke ausgesetzt sind, ihre Hülle 
feldspathisch und letztere in der Luft sehr zerstückelt geschleudert 
werden, so entstehen die länglichen Räume und das Faserige der 
Bimssteine, aber Schlacken schwerer Gattung mit Augit, Eisen u. s. w. 
zeigen ebensowohl runde als eckige Löcher. Für die geringste 
Dicke der Wände der Lava mögen manche oft so leichte, mit so 
vielen kugelrunden Räumen versehene vulcanische Schlacken bür- 
gen, welche mit Bimssteinen selbst von Island bis nach Schott- 
land über's Meer wandern und über die als unmöglich gehal- 
tene Vereinigung zweier Lava oder Basaltblasem finden wir in 
den schönen Basaltdrüsen des Riesendammes Irlands die unstreit- 
barsten Widerlegungsbeweise. 

Die Verwitterung der Kiystalle und besonders der Zwillinge 
oder des Zusammengesetzten aus der Reihe der Feldspathe, Augite, 
Hornblende u. s. w. gibt unter gewissen Umständen Anlass zur 
Bildung von rundeckigen und selbst ganz sphäroidischen Concre- 
tionen, wie der Herr Verfasser es sehr gut darstellt (S. 106) und 
wie es z. B. gewisse Kaolin-, Steatit- oder Speckstein-Concretionen 
im Thonstein und in Thonerzlagen darthun. Aber diese Gattung 
Felsarten galten nie als wahre Mandelsteine, sondern nur als Por- 
phyre mit mandelsteinartigenTh eilen, und darum glaube 
ich es nicht erlaubt, wenigstens diese Bildungsart als charakte- 
ristisch für die meisten dunkelgrauen, braunröthlichen oder rothen 
Mandelsteine (Toadstone der Englander) anzunehmen. Nach den 
Deductionsregeln ist es höchst wahrscheinlich, dass selbst diese 
mandelsteinartigen Abteilungen der Porphyre oder Felsenmassen 
nur solche vorstellen, welche in der ersten Zeit ihrer Bildung durch 
Gasentwickelungen etwas poröser als die übrigen waren. 

Die wahrenMandelsteine sollen nach V olger (Stud. z. Ent- 
wicklungsgesetz der Mineral. 1854, S. 533) und dem Herrn Verfasser 
wahre umgestaltete Conglomera te sein, wieder Hereforter kiese- 
lige Puddingstein (S. 112), eine sonderbare, aber gerade für unsere 
plutonische Meinung ziemlich wichtige Annahme. 

Die Mandelsteine sind ja. nach dem Ausspruche aller compe- 
tentesten Männer in der Kenntniss der Vulcane und der plutonischen 
Gebiete, nichts anderes als Schlacken oder sehr poröse Massen- 
anhäiifungen, welche meistens oben auf den alten Lavaausbrüchen, 
aber auch unter diesen zu liegen kommen und welche dann durch 



Über die Geogenie der Mandel-, Blatter- oder Schaalsteine, der Variolithen etc. 451 

verschiedene chemische Verwitterungen und später Ausfüllungen 
in Mandelsteine umgewandelt wurden. 

Die meisten Theoretiker sahen in der Ausfüllung der vollen oder 
nur theilweise gefüllten Mandel ein Werk wässeriger Infiltrationen, 
mittelst Thermal- und Tagewässer (siehe Soret überWasser in Basalten 
N. Bull. Soc. philom. P. 1825, S. 124), welche besonders Kiesel und 
noch andere chemische Elemente mit sich führten, so wie aus den 
verwitterten Felsen aufnahmen, so dass ebensowohl die verschieden- 
artigsten Agathen als Kalkspath und Zeolithenbildung daraus entstan- 
den. Man hat sich Mühe gegeben, die gewöhnlichste Folge der Bildung 
dieser sehr verschiedenartigen Mineralien zu erkennen. In den Drusen 
der Mandel zeigen sie mehrere Formen, welche an die Stalak- 
titen- und Tropfsteinhildung überhaupt erinnern (siehe Del esse, 
Ann. d. Miner. 1850, Bd. 16, S. 527). Doch gibt es auch einige 
Geologen, wie Fourne t, welche keineswegs eine Infiltration zugehen 
wollen, sondern sich die Bildung der Mandel durch kieselhaltige 
warme Wasserdämpfe vorstellen (Bull. Soc. geol. Fr. 1849, N. F. 
Bd. 6, S. 510—513 und auch Coquand, Mem. Soc. geol. Fr. 1850, 
Bd. 3, S. 360 — 361). Wir möchten glauben, dass, obgleich die 
erstere Meinung die Bildung sehr vieler, vielleicht selbst der 
meisten Mandel erklärt, die Möglichkeit der letzteren Theorie nicht 
ganz ausgeschlossen bleibt, was selbst für einzelne Fälle die allein 
richtige sein könnte. Das seltenere Vorkommen von gediegenem und 
rothein Kupfererz (besonders am oberen See in Nordamerika) und 
von gediegenem Blei zwischen Wikerode und Gross-Almerode (Moll's 
Jahrb. d. Berg- und Hültenk. 1801, Bd. 5, S. 434) geben keinen 
Anhalt weder für die eine noch für die andere Hypothese, obgleich 
man die metallischen Sublimationen (Eisenglimmer, gediegenes Kupfer 
u. s. w.) in Laven in Erinnerung bringen könnte. 

Wenn andererseits Fournet's Theorie meistentheils die rich- 
tige wäre, so müsste man sich wundern, so selten Mandelstein- 
und besonders Achatenbildung in jüngeren plutonischen Gebilden 
zu finden. So z. B. bemerkt man in der Auvergne Mandelsteine 
mit kohlensauren Kalk-Infiltrationen und Mandel-Ausfüllungen nur 
in der Limagne oder in dem tiefer gelegenen Lande, welches 
noch unter Wasser stand, als jene Vulcane in Thätigkeit waren. 
Hingegen in höher gelegenen Gegenden, wie z. B. zwischen 
Clermont und Montdore und anderswo, beobachtete ich nur selten 



252 



B o u e. 



einige kleine Ablagerungen des kohlensauren Kalkes in den sehr 
porösen älteren Basaltlaven; in jüngeren noch starr und wild, wie 
aus dem Krater geflossen (Volvic), aber nie etwas Ähnliches. 

Dass man die Gänge der Infiltration nie sieht, ist 
auch ein Irrthum , besonders wenn man mit den dichten , gewöhn- 
lich ziemlich zeulitharmen Mandelsteinen die Zeolith- Basalte des 
irischen Riesendammes vermengt (S. 111). Für letztere kann 
ich gutstehen, dass jeder Mensch diesen Umstand daselbst aufs 
Deutlichste bemerken kann. Diese Zeolithen-Infiltration erstreckt 
sich selbst bis in die Spalten des unten liegenden Kreidekalkes. 
Für jede Mandel und selbst für jeden Mandelsteinfels dielnfiltrations- 
canäle als sichtbare Gegenstände zu fordern, scheint mir überflüssig, 
da es viele Nebenumstände gibt, welche die Zustopfung jener 
Leitungswege später oder sogleich bedingen mussten. Daher 
stammen auch die mikroskopischen Structuren jener verwitterten und 
später bedeutend modificirten Gesteine her, wie sie durch Herrn 
Zirkel's Zeichnungen und Beschreibungen uns vorgeführt wurden. 
Ich habe selbst Zeolith- (Stilbit?) Drusen, obwohl selten, 
im Trachyte der Bergspitzen des Cautal gefunden und zweifle 
kaum an der grössern Wahrscheinlichkeit dieser winzigen Mineral- 
bildung durch die kohlensäurehaltigen Tagewässer- Infiltration als an 
ihrem Erstehen auf feurigem oder gasartigem Wege. Doch die 
Infiltrationscauäle blieben mir nicht wahrnehmbar. Dasselbe würde 
man wahrscheinlich auch für den selten im Granite befindlichen 
Stilbit (Essai l'Ecosse, S. 19) vermuthen können. 

Die sogenannten grünen, grauen und röthlichen Wacken 
haben eigentlich die grösste Ähnlichkeit mit der Grundmasse der 
Mandelsteine, namentlich eine thonartige Verwitterung und Zer- 
setzung, besonders des Feldspaths, der Augite und manchmal des Olivin, 
hie und da mit einigen Kalkspath-Trümmern. Da aber die Mandel 
oder gefüllten Räume fehlen und die Wacken ebensowohl in Gängen 
(Joachimsthal, Werner Ciell's Chem. Ann. 1789, S. 134) als in 
den deutlichsten Lagern in älteren Steinkohlen — Sandsteinen (Calton 
hill, Edinburgh) oder hie und da unter jüngeren Basalten (Schei- 
beuberg in Sachsen. Werner, Bergmann. J. 1788, Bd. 2, Nr. 9, 
S. 845 — 907, Puy Marmant, Auvergne) bekannt sind, so würde 
man in dem Lagerartigen wenigstens vielleicht nur vulcanische 
Aschenausbrüche oder selbst Schlammausbrüche im Wasser sehen 



Ober die Geopenie der Mandel-, ßlntter- oder Sehaalsteine, der Variolithen etc. £ 5 3 

sollen. Herr Schafhäutl hat uns eine neptunische Wacke mit 
Quarz, Turmalin, Dichroit, Rothkupfererz u. s. w. in den Berner 
Alpen beschrieben (München, gel. Anzeige 1849, Nr. 1822, S. 417, 
N. Jahrb. f. Miner. 1850, S. 67), welche hierher nicht gehören kann. 

Die Blatter- oder Schaalsteine scheinen ein Mittelding 
zwischen den Mandelsteinen und gewissen, durch Metamorphismus 
veränderten Schiefern und Kalkgesteinen zu sein. Unter letzteren 
erstlich gesagt, rechne ich die halb krystallinischen dichten Kalke 
mit Albit-Krystallen (Joch des Bonhommeberges, Savoyen); die 
mit Serpentin, Steatit, Glimmer, Talk, Granat, Idokras, Augit, 
Tyrit, Eisenoxydulen, Kupferkies u. s. w. geschwängerten Kalk- 
felsen; dann die sogenannten Fleckenschiefer, einige Frucht- 
schiefer; die Schörl, Chiastolith, Dipyr, Couzeranit und seltener 
Diallagon? (Othre) führenden Schiefer; die mit krystallisirlem FeM- 
spath, Hornblende oder Actinot, Grenatit , Magnet-Eisenstein, 
Eisen- und Kupferkies versehenen Schiefer oder selbst nur Sand- 
steine (Taviglianer Sandsleine); gewisse unreine Glimmerschiefer, 
mit oder ohne Granat oder Schörl, die Hornfelsarlen sammt gewissen 
dichten feldspathreichen Gneissen. Letztere Gesteine unterschieden 
sich ganz gut ebensowohl vom rothen als vom grauen Gneiss (siehe 
Scheerer, Abh. in berg- und hüttenmänn. etc. 1861, S. 181). Für 
uns beruht noch immer dieser letztere wichtige Unterschied auf einem 
mehr oder minder fortgeschrittenen allgemeinen Metamorphismus. 

Wenn die Mandelsteine ganze Lager oder Stöcke oder selbst 
Gänge und Theile von letzteren ausmachen, so haben die Schaal- 
steine keine so einfache Lagerung und selbst keine so gleichartige 
Zusammensetzung. Es gibt einige Schaalsteine, namentlich bei wel- 
chen die Brecciennatur die herrschende ist und die Gänge und 
Theile von diesen meistens bilden. Andere sind nur die oberen oder 
unteren Theile von Trappgängen. 

Wenn die Mandelsteine augitisch veränderte schlackenartige 
Massen im altern Paläozoischen, in den älteren Steinkohlen, in dem 
unteren oder oberen Flötzgebiete, sowie selbst im Tertiären sind, so 
scheinen die bekanntesten Schaalsteine (Harz, Dillenburg, Fichtel- 
gebirge) meistens nur horublendeführende metamorphische Contact- 
bildungen in schiefrigen älteren Gebilden zu sein. Wegen diesem 
letzteren Umstände haben die meisten eine blättrige Slructur, 
gehen hie und da in Thonschiefer oder gewöhnliche Schiefer 



254 ßone. 

über (S. 114) und sind in innigster Verbindung mit Eisensteinlagern 
und Nestern. Unter dem Namen eines Mandelsteines hat uns Dufrenoy 
in der Nachbarschaft von Paimpol in der Bretagne einen silurischen 
Schiefer beschrieben, welcher nach ihm durch Porphyre in jenes 
Gestein umgewandelt worden wäre (Ann. des Mines. 1838, 3. R., 
Bd. 14, S. 362—364, 376 u. 392; Explicat. de la Carte geol. de Fr. 
1841, Bd. 1, S. 95). Wenn hier kein Schaalstein gemeint ist, so 
wäre es ein Beispiel von Mandelsteinbildung durch Metamorphis- 
mus (siehe also Bozet für Localitäten im Beaugolais Bull. Soc. 
geol. Fr. 1840, Bd. 12, S. 154). 

In den Schaalsteinen sind die Verwitterung, die Infiltration 
und der Spielraum der chemischen Affinitäten wieder die Haupt- 
factoren, welche das Gestein ebensowohl umwandelten, als ihre 
hohlen, mit Gas gefüllten Bäume in Mandeln verwandelten. Doch 
sind letztere weder so zahlreich und vorzüglich, noch so rund wie die 
der Mandelsteine, sondern sie sind länglich, meistens sehr wenig 
bauschig und die Ausfüllungsmaterien sind besonders Kalkspath und 
ein grauliches chloritisches Mineral als Zersetzungsproduct. Zeolithe, 
Epidote, selbst Quarz scheinen da gewöhnlich nicht vorhanden zu sein. 
Man sieht es dem Gesteine an, dass den Gasbildungen daselbst der 
Raum sehr eng bemessen wurde und sie immer einen grossen Druck 
zu überwältigen hatten. Roth- und Brauneisensteinnester sind bei 
denselben in besonderer Verbindung mit grossen mandelförmigen 
Absonderungen der Blattersteine. 

Der sogenannte Eisenthon, Ironclay der Engländer, im 
plutonischen Gebiete, ist nur ein sehr verwitterter, veränderter, 
sichtlich sehr wenig poröser Felsit, welcher sehr reich an Eisen ist 
und auch manchmal etwas Augite enthalten kann. 

Wie der gefleckte lichtgraue, ziemlich weicher Honest one 
der Engländer in dem alten Steinkohlengebiete (siehe Essai sur 
l'Ecosse, S. 171) nur ein veränderter, verwitterter Phonolith ist, 
wie der Thonstein und der Dolomit nur modificirte Abänderungen des 
Feisites für den ersteren und der Trachyte für den andern sind, so 
steht es mit den Eisentbongesteinen, welche von dem Engländer 
manchmal basaltische Klingsteine genannt wurden. Die 
festen Varietäten bilden einen sehr schweren und zähen, eisen- 
reichen, schwarzgrauen oder röthlichen (Dunbar) dichten Felsit, 
indem die weicheren fast in eine immer röthliche Bole übergehen, 



Über die Geogenie der Mandel-, Blatter- oder Schaalsleine, der Variolithen etc. /COO 

so dass man selbst letztere manchmal nur mit einiger Mühe von den 
eigentlichen Bolen unterscheiden kann. 

Unter der plutoni sehen ßole sind namentlich mehrere 
minder specksteinartig, besonders wenn sie meistens von feldspathi- 
schen Aschmausbrüchen herstammen, gröbere Gattungen sind melir 
eisenhaltig. Ihre Farbe ist die weissliche, blauliche und rothe und 
hängt innig mit dem Oxydirungsgrade ihres Eisengehaltes zusammen. 
Wenn man sich mich einem Lavaausbruche eine Ejection von unzähligen 
kleinen Schlacken und Asche denkt und diese in's Wasser fallen, um 
wieder von Laven bedeckt zu werden, so müssen durch den Druck, die 
Verwitterung und chemische allmähliche Veränderung ziemlich ähn- 
liche Gesteinlager als jene feinere Bolearten und Abänderungen des 
Ironclay erstehen. Dieses scheint mir nun der Fall in Island, in 
den Hebriden und am irischen Riesendamme der Fall gewesen zu 
sein, wo zwischen ausgedehnten mächtigen lagerartigen Basalt- 
strömen solche röthliche Eisenthone sich weit ausbreiten und auch 
Spuren von Späth-, Kalk- und Zeolith-Infiltration darbieten. Ob 
aber andere rothe Bole, wie z. B. der unter dem Basalt von Apchon 
im Cantal (siehe Jour. de Geologie 1830, Bd. 2, S. 408) denselben 
Ursprung haben, möchte man wegen der Feinheit bezweifeln; 
besonders weil, wenigstens in jenem centralen Frankreich, solche 
Gesteine aller Farben vorkommen und der feldspathische Charakter 
über dem augitischen daselbst die Oberhand hat. 

Überhaupt ist da noch ein weites Feld für die mikroskopische 
Mineralogie, welches auch gleichzeitig uns die besten Aufschlüsse 
über die ganze Bimsstein-Reihe-Gebilde geben könnte, 
namentlich vom gewöhnlichen fragmentarischen Auswürfling bis 
zu jenem Bimsstein , welcher durch bewegte Wässer fort- 
geführt und abgesetzt, endlich nur als weisslicher Schlamm, rein 
oder mit anderen Mineralien gemischt, als abnorme kreideartige 
Felsart abgesetzt wird, wie in Ungarn, Siebenbürgen, Klein- 
Asien u. s. w. 

Eine ganz andere Classe von plutonischem Gebilde, die der 
Variolithen, wurde oft unlogischmit den Mandelsteinen zusammen- 
geworfen. Ich meine darunter diejenigen feldspathreichen dichten 
Gesteine, worin Concretionsbildungen sich befinden, denn 
ihr mandelartiges Aussehen ist nur eine falsche Ähnlichkeit, da die 
fremdartigen Nester meistens rund und nicht wie in den Mandel- 



256 ß o u e. 

steinen besonders elliptisch oder im regelmässig sind. Ausserdem ist 
die Bildungsart d< utlich eine andere, in den Mandelsteinen wurden 
Räume später ausgefüllt, indem andererseits die Concretionen uns 
die Centralpunkte der chemischen Affinitätsthätigkeiten während 
der Bildungs- und Abkühlungsperioden jener Felsarten andeuten. In 
dieser Hinsicht stehen die Variolithen genetisch ganz in der Nähe 
der wohl bekannten kugeligen oder Orbicularibrmen der Perlsteine, 
Pechsteine (Serope , Insel Ponza), Diorite (Domfront, Orne und 
Corsica), der metallführenden Hornblende-Porphyre Ungarns und 
Macedoniens, der Felsit-Porphyre oder Pyroineriden Corsica's, 
der sogenannten drüsigen Hornstein -Porphyre zu Planitz (Cotta's 
Geologie 1840, S. 282—284) und manche Granite. Diese Formen 
scheinen mit der Art der Erkältung und Erstarrung der Felsarten 
im Zusammenhange zu stehen (siehe für den Pyromerid Bourjot. 
Bull. Soc. geol. Fr. 1855, Bd. 12, S. 369). Ähnliche sphäroid.sch 
strahlförmige Bildungen wurden in folgenden M-ineralien beobachtet, 
wie: Schwerspath, Kalkspath, Quarz, Glimmer, Actinot, Lievrit, 
Eisen- und Kupferkies u. s. w. Mit der Anwendung der Infiltrations- 
Theorie für die Bildung der Sphäroidal-Concretionen der Variolithen 
können wir uns keineswegs einverstanden erklären, obgleich Herr 
Delesse in solchen Concretionen Verwerfungen und Sprünge gesehen 
haben will (Ann. d. Mines. 1850, Bd. 16, S. 125). 

In den kugeligen Concretionen der Variolithen bemerkt mau den 
dichten Feldspat!), den Albit, das dichte Diallagon, einen grünen 
Talk, seltener den Epidot u. s. w. Diese Felsarten kommen selten 
einzeln als Eruptivstöcke im Flötzgebiete, wie längs der Durance 
im Dauphine *), vor, meistens sind sie in Verbindung mit mächtigen 
Euphotid- oder Gabbro- und Serpentin-Gängen und Pils- oder hut- 
förmigen Massen 3 ), wie in Ligurien, Toscana, Graubündten u. s. w., 
aber auch weniger charakterisirt mit den jüngeren Dioriten oder 

l ) Man hat die Variolithen jener Gegend mit den Spiliten oder Mandelsteinen des 
Flusses Drac in derselben Provinz oft unlogisch zusammengeworfen. Letztere 
Gesteine enthalten Kalkspathmandeln und sind in der Mitte von theilweise in Gyps 
verwandelte Liaskalke bei Vizille und Champs, so wie im Estrellegebirge (Hier und 
Coquand, Bull. Soc. ge'ol. de Fr. 1840, Bd. 11, S. 385 u. 428, 1844, N. R. Bd. 1, 
S. 414 — 417). Herr Gras möchte in jenen Mandelsteinen nur metamorphosirte 
Kalke sehen (dito 1840, S. 423 — 429), eine Meinung, der die chemischen Gründe 
fehlen. 

*) Dieser Ausdruck wird mir erlaubt sein, da man von einem eisernen Hut 
der oberen Teufen von Gängen schon lange spricht. 



Über die Geogenie der Mandel-, Blatter- oder Schaalsteine, der Variolithen etc. 2ö7 

Ophiten, wie in den Pyrenäen u. s. w. Herr Fournet hat sich 
bemüht, die chemische separate Bildung der Variolithen von der 
der Serpentine auf die Wirkung der Kohlensäure zurückzuführen 
(Ann. Sc. phys. nat. Soc. d'agric. de Lyon 1841 , Bd. 4, S. 151), 
indem G. Rose in der Bildung eines eben sowohl in grünen Schiefer 
als in Serpentin übergehenden Gabbro zu Zobten in Schlesien, eine 
metamorphische magnesiareiche Wirkung einer Graniteruption siehf, 
weil der Gabbro zwischen Serpentin und Granit eingezwickt er- 
scheint (Bull Soc.ge'ol.Fr. 1847, N.R. Bd. 4, S. 1061). Später sprach 
sich derselbe Gelehrte noch deutlicher in seiner Geogenie des Ser- 
pentiis aus (Poggendoiff's Ann. Phys. 1851, Bd. 2, S. 525—530). 
Die geogenetische Auffassungsart der Bildung der eben erwähnten 
verschiedenen Felsarten, gegen welche ich meine Bemerkungen 
machte, scheint innigst verwebt mit der Frage über den Ursprung 
des Materials jener Gesteine. Denn in manchen möchten 
gewisse Geologen nur feurige oder wässerige Umwandlungen von 
gesebichteten Gebirgsarten sehen und ihre Stütze suchen sie beson- 
ders eben sowohl in chemischen Zerlegungen als in den fremden 
Fragmenten der sogenannten plutonischen Massen. Auf diese Weise 
würden wir durch letztere fast gar nichts über die Natur der Erd- 
bestandtheile unter der von dem Plutonisten als erstarrt gehaltenen 
Erdrinde erfahren. 

Da dieser Theil der Petrologie und mineralogischen Chemie 
nur im Beginne der Erkenntniss sich befindet, so hält es schwer, 
darüber Vieles zu jagen. Unstreitig werden alle plutonischen Eruptiv- 
gesteine Yon mehr oder weniger fremdartigen Breccien begleitet, 
ob diese letzteren neben den eigentlichen feurigen Felsarten oder 
einzeln nicht unfern jenen erscheinen, ist hier ziemlich gleich- 
giltig. Andererseits ist wohl zu bemerken , dass alle Geognosten 
diesen wichtigen Umstand nicht ganz berücksichtigen oder selbst 
manchmal ganz übersehen. Wenn ich schon behauptete, dass 
tuan manchmal Trachytbreccien mit dein Trachytconglomerate 
unwissenschaftlich zusammenwirft, so stellen sich ganz ähnliche Fälle 
für Porphyr- und Pechsteinbreccien der paläozoischen und älteren 
Flötzperioden ein, wie z. B. in Norwegen, in Glencoe in Schottland, 
in Cumberland, im Königreiche Sachsen (siehe Guide du Geologue 
Voyageur, Bd. 1, S. 435), in den Pentlandbergen bei Edinburgh 
u. s. w. Feldspathische Conglomerate des Rothtodtliegen wurden 

Sitib, d, mathem.-naturw. Cl. XLIX. Bd. I. Abth, 18 



258 B o u e. 

besonders oft von Porphyrbreccien nicht getrennt. Aber selbst bei allen 
anderen plutonischen und metamorpbisch-krystallinischen Gebirgs« 
massen fehlen die Breccien mehr oder weniger nicht. Ohne an die 
häufigen Tufas der Trappe und die Breccien der Augitporphyre erinnern 
zu brauchen, übersah man manchmal und ich selbst einst die schönsten 
Breccien der Diorite und Syenite, indem man die Fragmente nicht 
als Bruchstücke, sondern als chemische Concretionen behandelte, 
wie z. B. auf der Insel Arran an der Bucht von Brodick am Ausgange 
des Cloythales (siehe Essai sur TEcosse, S. 20). Durchbricht der 
Syenit, der Gabbro, der Serpentin, der Augitfels oder Porphyr 
Kalksteine, wenn auch von verschiedenem Alter, so bilden sich 
eigene Trümmersteine, wie man es zu Glentilt in Schottland, 
zu Cravignola bei Borghetto in Ligurien, bei Willendorf in Nieder- 
österreich, in den Pyrenäen bei Lherz, im Fassathale (Kalktiümmer 
in Augitporphyr des Monzoniberges u.s. w.); zuSerravezza(Toscana, 
Kalkfragmente in Wackite Savi und Brongniart. J. de Geologie, 1830, 
Bd. 2, S. 264—265), und zu Vizille (Dauphine, Gyps- und Man- 
delstein-Breccie) beobachten kann. Die Granite mit Fragmenten von 
Gneiss und Schiefer sind in mehreren Gebirgsgegenden eine wohlbe- 
kannte Thatsache, weniger die wahren Breccienpartien der Gneiss-, 
Glimmer- (Schwarzwald) und Talkschiefer (Tanneberg, Agordo). 

Dieser kurze Überblick über die plutonischen, oder besser 
gesagt Contact-Breccien zeigt aber, wie wenig wir noch 
berechtigt sind, die Urmaterie des Eruptiven unter den Schiefern 
oder neptunischen Gebilden der Erdoberfläche zu suchen. Denn 
wenn die Temperatur jener plutonischen Gesteine so gering war, 
um wahrscheinlich unter einem gewissen Druck eine solche Masse 
fremder Fragmente so wenig verändern zu können , und wohl 
gemerkt, in den Trapp- und Porphyrbreccien gibt es selbst noch 
, unverzehrte Versteinerungen i), so bleibt bis jetzt die bestrittene 
Hypothese nur eine noch nicht bewiesene Muthmassung und das 
selbst für den besonderen Fall des Trachytes oder Dolomites, der 
einst in Frankreich aus Granit erstanden sein sollte. 



•) Von Althaus, Helix hortensis iu Phonolithtuö' zu Magberg (Württemberg. Jahrb. 
f. Min. 1832, S. 228) Leop. von Buch, Basaltgänge in Württemberg mit petrefacten- 
reichen Jurakalk-Fragmenten (Jahrb. f. Min. 1832, S. 224), Boue', Breccienartige 
untere Theile eines Mandelstein mit Cariophyllien enthaltenden Kohlenkalkstiickes 
zu Berkeley in der Grafschaft Gloucester (Essai sur l'Ecosse 1820, S. 366), Griffith. 



Über die Geogenie der Mandel-, Blatter- oder Schaalsteiae, der Varlolithen etc, i59 

Demungeacbtet muss man nicht vergessen, wie viele sehr 
veränderte Fragmente fremder Gebirgsarten die jüngeren 
Laven enthalten, sowie auch die seltene Zusammenschmelzung 
jener Massen mit der Lava, wie es uns der Vesuv insbesondere beweist. 
Auch kommen mir wieder jene so zahlreichen rundlichen Massen 
von Olivin und Granit in den Basalten des Vivarais (Thäler der 
oberen Ardeche und des Fontaulier) in den Sinn, welche neben ein- 
ander sich so sonderbar ausnehmen, weil sie nicht nur dieselbe Form 
haben, sondern auch der Olivin unter den Bestandtheilen des Gra- 
nites wie vermengt erschien. Es drängt Einem unwillkürlich die Frage 
auf über den möglichen Übergang des Olivin in Granit. Dr. Hibbert 
beschrieb einen Übergang des Basaltes in Granit. (Edinb. Jof. Se. 
1824, Bd. 1, S. 105.) 

Dass aber in den bis jetzt als plutonisch angenommenen 
Felsarten der Hitzegrad ehemals als überschätzt war, ändert ganz 
und gar nicht die Theorie und findet sich gerade mehr in Ein- 
klang mit dem Bekannten über die geringen Veränderungen an den 
Berührungsflächen vieler neptunischen Massen mit dem Eruptiven. 
Im Gegentheil, wässerige chemische Veränderungen haben daselbst 
viel öfters stattgefunden, während andererseits die Erfahrung hin- 
länglich gezeigt hat, was für eine bildende und umändernde Wir- 
kung eine nur verhältnissmässig geringe Temperatur haben kann, 
wenn sie lange fortdauert und unter einem gewissen Drucke, so wie 
mit Hilfe der Wasserdämpf'e stattfindet. 

Es gibt ein Gestein, der Serpentin, welcher der Umwand- 
lungstheorie sehr das Wort zu sprechen scheint, obgleich sein6 
Lagerung nicht immer alle geognostisehen Kennzeichen der eruptiven 
Massen entbehren. So z. B. für jene ungeheuren Gänge oder Pro- 



Terebrateln im Grünstein des Kohlenkalkes Irlands (Conybeare's Outlines of the 
Geolog, of England 1822, S. 440), Naumann, Grünsteintuff mit Versteinerungen bei 
Planzschitz am Fusse des Kirchberg (Fichtelgebirge), zu Magwitz, Kosenthai und 
Plauen (N. Jahrb. f. Min. 1841, S. 194), J. Phillips' Muschel und Korallen in eiuem 
Trappkalk-Aggregat des Malvernberges (Phil. Mag. 1842, Bd. 21, S. 388—293), Eug. 
Robert, Melaphyr mit petrefactenreichen paläozoischen Kalkstein-Fragmenten zu 
Tyre-Holmen unfern Christiania (Bull. Soc- geol. de Fr. 1841, Bd. 13, S. 23 ad 
notat.), Dechen, Porphyr mit Trilobiten in der Grauwacke von Lenue (Karsten's 
Archiv f. Min. 1845, Bd. 19, S. 419— 420, Berg- und Hüttenmann-Zeit. 1860, S.255), 
Guido Sandberger, Schaalstein mit Muscheln im devonischen Kalke «bei Weilburg 
Nassau (N. Jahrb. f. Min. 1842, S. 227). Alex. Brougniart, eine Spillite zootlque 
mit Encriniten (Dict. d. Sc. nat). 

18* 



260 Boae 

trusionen, welche man im Monte Rosa, so wie in Central- Graubündten, 
nordwestlich des Julier, so wie im Davos kennt, dann für jene 
angedeuteten italienischen Gängemassen, welche in ihren obersten 
Theilen die Form eines Keils angenommen und über die neptunischen 
Gebilde sich etwas ausgebreitet haben. Wenn schon F erb er den 
Serpentin des Berges Traverso inToscana als alte Lava bezeichnete, 
so wird Niemand es verargen können, wenn Alex. Brongniart und 
ich die eruptive Natur des Serpentins nicht allein auf Borghetto, 
Prato u. s. w. (siehe mein geognost. Gemälde Deutschlands 1829, 
S. 272 — 273) beschränken wollten. Möglich, dass wir im Unrecht 
waren, die unterliegenden rothen und gelben Jaspise einzig als 
feurige Contactwirkung anzusehen, indem zu dieser Silicilirung 
wohl auch eher Kiesel-, Eisen- und Kohlensäure enthaltende Thermal- 
wässer und Dämpfe mitgewirkt haben mögen. 

Überhaupt ist die Lagerung des Serpentins in dem 
charakteristischen paläozoischen Schiefer, so wie vorzüglich in dem 
mehr oder weniger krystallinischen Schiefer und dem körnigen 
Kalk der Art, dass man ehemals solche Gesteine nur als gleich- 
zeitige chemische Bildungen betrachtete. Jetzt sehen aber mehrere 
gewichtige Geologen nur metamorphische niagnesiareiche Wirkun- 
gen in solchen Lagern und Stöcken, So z. ß. Böbert für die durch 
Veränderung des krystallinischen Schiefers hervorgebrachte Ser- 
pentine Norwegens (Gaea Nor wegica Keilhaus, 1838, Edinb. u. phil. J. 
1838, Bd. 24, S. 206), Fallou und Müller für die durch chlori- 
tische Sublimationen im sächsischen Weissstein gebildeten Serpen- 
tine bei Bohringen unfern Rosswein (Mittheil, aus d. Osterland. 
Naturforsch. Ges. zu Altenburg 1842, Bd. 5, S. 219), J. Fournet 
für die Serpentine als Metamorphumus in gewissen Kalksteinen der 
Vogesen in der Nachbarschaft des Granites (Bull. Soc. geol. Fr. 
1846, N. B., Bd. 4, S. 231— 232), Alph. Favre für die Serpenline 
des Berges Iseran (Bull. Soc. gCol. Fr. 1851, Bd. 8, S. 624), Bernh. 
S tu der für diejenigen, welche mit körnigem Kalke und Dolomite 
im Walliser Lande, in Piernont, bei Predazzo in Tirol und in Glen 
Tilt in Schottland verbunden sind (Edinb. u. phil. J. 1849, Bd. 46, 
S. 168). In Graubündten neben der grossen Serpentinablagerung 
von der Ober-Halbsteingau südlich von dem Albulath.ile schienen 
mir auch rieben mancher Felsverkieselung ähnliche metamorphische 
Contactbildungen vorhanden zu sein. 



Über die Geogenie der Mandel-, Blatter- oderSchaalsteine, der Variolithen etc. 261 

Schon im Jahre 1820 sprach ich mich üher die theilweise wahr- 
scheinliche feurige Bildung der Serpentine aus (Essai sur TEcosse, 
S. 442), indem ich auf die so wichtige Verbindung des Diallagon 
und Olivin mit jenen Gesteinen aufmerksam machte. Chrysolithe 
will Fournet darin in den Vogesen gesehen haben (Bull. Soc. 
geol. Fr. 1846, Bd. 4, S. 227). Im Jahre 1820 und beson- 
ders später wurden die Übergänge des Serpentins im Doleriten 
(Insel Inchcolm bei Edinburgh in Schottland), im augitreichen 
Trapp oder Basalt, im Euphotid, Diorit oder Ophit von mir aufge- 
zeichnet (siehe Denkschriften d. k. Akad. d. Wiss. 1851, Bd. 3, 
S. 54). Im Jahre 1842 beschrieb Fallou neben dem Serpentin des 
Weissstein eine Gebirgsart mit der Structur des Eclogit und 
kleinen Trümmern von Chlorit. In neuerer Zeit erklären aber Blum, 
B. Cotta, H. Müller und Naumann den Serpentin nur für eine 
Pseudomorphose des Eclogit, gewisser Hornblendefelsarten, der 
Diorite und der Euphotide. Th. Sehe er er brachte die Bildung der 
Serpentine auch in Verbindung mit dem Olivin (Liebig's Hand- 
wörterbuch d. Chemie 1835 u. N. Jahrb. f. Min. 1854, S. 451—453) 
und James Dana sieht auch im Serpentin nur eine durch warme 
Magnesia enthaltender Wässer gänzlich veränderte Felsart (Americ. 
J. of Sc. 1843, Bd. 45, S. 120). Th. Sterry Hunt ging noch weiter, 
indem er dieselbe Bildungstheorie nicht nur für Serpentine, son- 
dern auch für Euphotide , Talk und Hornblendegesteine Canadas 
vorschlug (Bull. Soc. g6ol. Fr. 1855, Bd. 12, S. 1031, C. R. Ac. 
d. Sc. P. 1837, Bd 44, S. 996). 

Über die Urmaterie gewisser Trappgesteine haben nur sehr 
wenige Geologen sich Muthmassungen erlaubt, so z. B. Samuel Solly, 
welcher in der Londoner geologischen Gesellschaft im Jahre 1816 
den 7. Juni und in der Royal Society den 6. März 1828 sie als 
veränderte ältere Steinkohlen-Gesteine erklärte (Ann. of phil. 
1818, Bd. 8, S. 143, Phil. Mag. a. Ann. 1828, Bd. 3, S. 458—460, 
Zeitsch. f. Min. 1829, S. 383—386). Mögen auch die Trapp-, sowie 
gewisse sogenannte schieferige ältere Grünsteine zum Metamor- 
phismus gehören, so sind doch diese Fragen bis jetzt nicht gründlich 
genug erörtert worden und der Trapp bleibt einstweilen wie die 
Lava ein eigentliches Product, dessen Urmaterie bis jetzt unbekannt 
geblieben ist. Die Zeit ist vorüber, wo man es als wahrscheinlich 
fand, dass Granit als theoretisch angenommenes unterstes Gestein. 



262 bou^. 

die Materie alles Vulcanischen wäre, denn die chemischen Beweise 
wurden nie davon geliefert und sehr granitähnliche Gesteine bilden 
noch jetzt jüngere Laven. 

Was die kieseligen tertiären Puddingsteine betrifft, 
welche in jener erwähnten, der Akademie vorgelegten Abhandlung 
mit in dasMandelstein-Tableau hineingezogen wurden, so glaube ich 
bei der Meinung der bisherigen Mineralogen und Geologen bleiben 
zu müssen, namentlich dass ebensowohl in den englischen aus der 
Grafschaft Hertford, als in den französischen bei Nemours die soge- 
nannten Mandel nur grösstentheils abgerundete Hornstein- und Feuer- 
steinstücke aus der Kreide seien. Manche dieser ovalen oder runden 
Fragmente zeigen verschiedenartig gefärbte concentrische Zonen 
der Verwitterung, so wie alle Kiesel- und Kalksteine. Doch da das 
Cement dieser Agglomerate Kiesel oder selbst Achat ist, — wahr- 
scheinlich eine Thermalwasser-Ablagerung, — so müsste es eher 
auffallen als erstaunen, dass diese Kieselsolution keine Absonderung 
in einigen Löchern veranstaltet oder selbst einige Kalkgerölle ver- 
kieselt oder gänzlich ersetzt hätte. Einfachere Drüsenausfüllungen 
können auch dadurch erstanden sein, und ganz dasselbe geschah 
m sogenannten kieseligen Pariser Süsswasserkalk zu Champigny. 

Möge man auch überhaupt ein so geschickter Mineralog oder 
Chemiker als nur möglich sein, jede geognostische Erklärung muss, 
wie schon bemerkt, die verschiedene geognostische Lage der 
besprochenen Mineralien oder Felsarten gründlich berücksichtigen. 
Sonst bleibt Alles nur einseitig, wie es z. B. den höchst interessanten 
mineralogischen (S. 247) und chemischen Erörterungen (Bischofs 
chemische Geologie und Delesse Ann. d. Mines. 1848, 4. Ser., Bd. 13, 
S. 695— 697, Bull. Soc. geol. Fr. 1859, Bd. 16, S. 419) zum 
Trotze noch jetzt immer mit dem sogenannten wässerigen Nieder- 
schlage aller Granite und Porphyre steht. Zu allen Zeiten gab es in 
der theoretischen Wissenschaft abnorme Meinungen, wie z. B. für 
die Feuergebilde ein Nose, für den Basalt ein Schmitz u. s. w., 
welche die deutlichsten Feuerspuren in einer unbekannten Feuer- 
quelle in jenen Gesteinen suchten; kein Wunder, dass heutzutage 
der Ilfelder Melaphyr nur ein eisenschüssiger Thon des rothen 
Sandsteines sein soll (N. Jahrb. f. Min. 1848, S. 53), oder dass selbst 
über die Steinkohlenbildung Sonderbares uns dargeboten wurde (siehe 
Berg- und Hüttenmann-Zeitung, 1861 u. 1862). 



Ober die Geogenie der Mandel-, Blatter- oder Schaalsteine, der Variolithen etc. 363 

Wenn die Bildung des Quarzes wahrscheinlich oft mittelst warmer 
Wässer stattfand und dieses sowohl für die tertiären quarzigen 
Mühlsteine und quarzigen Trachytporphyre, als für die Feuersteine 
und Hornsteine der Kreide, des Flötz und paläozoische Zeit gewesen 
sein mag, so bemerkt man, dass die Menge letzterer, besonders 
als knollige Mineralien von der ältesten Zeit bis zur neuesten immer 
zahlreicher werden, indem in den allerältesten Perioden der weisse 
Quarz und Quarzit jene ersetzt und nur selten in späteren Zeiten 
sich wieder zeigte, um doch solche Massen nie wieder zu bilden. 

Vergleicht man beide Kieselreihen, so sieht man leicht ein, 
dass in beiden Zeiträumen die Kieselablagerungen immer mehr oder 
weniger localisirt waren. So z. B. mangeln in gewissen Kreide- 
gebilden mancher Länder der Reichthum der Feuersteine, anderswo 
stellen sich Hornsteine oder andere kieselige Ablagerungen in anderen 
tertiären Flötz- und paläozoischen Kalken ein, welche in gewissen 
Ländern nicht wieder gefunden werden. Selbst in den ältesten Gebilden 
ist die Ausbreitung der Quarze nicht gleichförmig. Dieser Umstand 
ist sehr erklärbar, wenn man diese Kieselbildung mitThermalwasser 
verbindet, da Mineralwasser immer nur locale Erscheinungen sein 
können. Die Frage, ob Quarz ganz gebildet und feuerflüssig aus 
der Eide hat kommen können, möchte ich nicht beantworten, aber 
ungeachtet dieser theoretisch offen gelassenen Frage können wir 
wenigstens schliessen, dass die Ablagerung der weissen Quarzstein- 
gänge und Lagen unter ganz besonderen Umständen erzeugt wurde. 
Da aber die Wasserbildung nicht nur für Quarzkrystalle und Feuer- 
steine u. s. w., sondern selbst für Quarzgänge im Tertiären und 
Flötzen erwiesen ist, so versteht man sehr wohl, wie man diesen 
geogenetischen Gedanken verallgemeinern möchte. Doch kann die 
Natur zwei Wege zur Erzeugung desselben Minerals gebrauchen und 
in Wirklichkeit, wie neben vielen von unten oder von der Seite ge- 
füllten Basaltgängen es einige gibt, welche es von oben wurden, wie bei 
Murat im Cantal (siehe Essai sur l'Ecosse, Fig. 33), so haben wir 
im Gegentheil die Kenntniss von einer Unzahl von kleineren und 
grösseren Quarzgängen erlangt, welche von oben nach unten gebildet 
wurden, indem andere, wie die zu Plomhieres, sowie gewisse stra- 
tificirte Achate- und Honisteingänge, auf das Deutlichste von unten 
durch kieselhaltige Thermalquellen allmählich gefüllt würden (siehe 
Daubree, Ann. d. Mine.. 5. Ser., Bd. 13, S. 227—256). 



264 Hyrtl. 



Über Wirbelassimilation bei Amphibien. 
Von dem w. M. Prof. Jos. Hyrtl. 

(Mit 1 Tafel.) 

Dass der letzte Lendenwirbel einseitig, oder auf beiden Seiten, 
sich zu einem Kreuzwirbel umgestalte, wurde am Menschenskelete 
weit öfter beobachtet, als dass der erste Kreuzwkbel, ganz oder 
nur halbseitig, den Charakter eines Lendenwirbels annehme. Schon 
Albin und Sandifort kannten erstere Transfiguration, und die 
neueste Zeit, welche ähnlichen Mefamorphosirungen des Atlas und 
des siebenten Halswirbels besondere Aufmerksamkeit zuwendete, 
hat sie auch mit einem besonderen Namen, als „Assimilation", be- 
zeichnet. 

Über das Vorkommen dieser Anomalie bei Thieren war nichts 
bekannt *)• Ich erwähne nun ihrer hier bei den Reptilien, wo ich 
sie, insbesonders in der Ordnung der Saurier, wiederholt ange- 
troffen habe. Sie betrifft aber nicht, wie beim Menschen, den Körper 
und sämmtliche Fortsätze des umgestalteten Wirbels, sondern nur die 
Querfortsätze, da nur in der Form der letzteren der Unterschied 
zwischen Lenden- und Kreuzwirbeln liegt, alle übrigen Fortsätze 
dagegen, so wie die Körper der Wirbel am Lenden- und Becken- 
segment der Columna vertebralis, nur sehr wenig differiren. 

In meinem Museum für vergleichende Anatomie befinden sich 
unter 71 Saurierskeleten drei Fälle dieser Art, und in meiner Privat- 
sammlung von Skeleten (welche meistens aus Fischen besteht, und 
nur 32 Saurier zählt) habe ich drei weitere, hieher gehörige 
Specimina aufgestellt. 

Unter den Batrachiern kenne ich die Assimilation des letzten 
Lendenwirbels mit den Kreuzwirbeln nur bei Menobranchus lateralis, 



t) Dns erste Skelet meiner osteologischen Sammlung — ein vollkommen ausge- 
wachsener Chimpanse — ist mit rechtseitiger Assimilation des letzten Lendenwirbels 
an das Kreuzbein behaftet. 



Hl. Leber vVirbelassimilation bei Ampliibiei 

Fig. 1. 




Mg.2. 



Bg.3 





%• f 




Sifzunesb.d.Ji .Hcad.A.W.matli iw.fmw ''! XI.1X.H.! I..\hih.!M+. 



Über Wirbelassiinilation bei Amphibien. ^1)5 

(Harl.) und in der Ordnung der Chelonier, von welcher ieh 49 Ske- 
lete besitze, sind die Arten Testudo graeca (Linn.), Chersina 
angulata (Gray) und Clemmys Cumberlandensis (Ho Ihr.), gleich- 
falls hieher zu beziehen. Unter den Ophidiern beobachtete ich sie 
bisher nur bei Giftschlangen (Aspis, Trigonocephalas, Lachesis 
und Crotalus), indem der letzte rippentragende Wirbel rechter- oder 
linkerseits eine Gabelrippe trägt, welche das vordere Ende des 
Lymphherzens aufnimmt. 

1. Saurier 

Bei der Ausarbeitung des Skeletes eines grossen Exemplares 
von Ctenodon nigropanctatus Wagl. fem. ') beobachtete ich die 
Sache zuerst. 

Das Thier besitzt 25 Rumpfwirbel, 65 Schwanzwirbel, dagegen 
nur einen wahren Kreuzwirbel, während allen Sauriern zwei solche 
zukommen. 

Dieser wahre Kreuzwirbel, dessen mächtige Querfortsätze den 
Beckengürtel tragen, ist schief verzogen, so dass der rechte Pro- 
cessus transversus nicht unerheblich nach hinten abweicht, während 
der linke etwas nach vorne inclinirt. Zugleich ist der rechte Quer- 
fortsatz etwas kürzer als der linke. Die Beckenstellung wird da- 
durch eine schiefe. Der Ersatz für den fehlenden zweiten wahren 
Kreuzwirbel wird nun durch den letzten Lenden- und ersten Schwanz- 
wirbel geliefert. Der letzte Lendenwirbel zeigt seinen rechten 
Querfortsatz, und der erste Schwanzwirbel seinen linken Querfort- 
satz so entwickelt, dass beide die Form und Grösse von Kreuzwirbel- 
querfortsätzen erhalten. Der rechte (assimilirte) Querfortsatz des 
letzten Lendenwirbels weicht so stark nach hinten, dass er den- 
selben Fortsatz des wahren Kreuzwirbels erreicht, und mit ihm sich 
an das rechte Os ilei begibt, während der linke (assimilirte) Quer- 
fortsatz des ersten Schwanzwirbels sich nach vorne neigt 2 ), um 
denselben Fortsatz des wahren Kreuzwirbels zu erreichen, und mit 
ihm das linke Os ilei zu tragen. 



i) Fig. 3. 

2 ) Es kommt bei den Sauriern sehr oft vor, dass auch bei normaler Configuration 
des Beckens der zweite Kreuzwirbel seine massiven Querfortsätze in schiefer 
Richtung jenen des ersten Kreuzwirbels (welche quer stehen) entgegen schickt. Am 
Ausgesprochensten zu sehen hei Hypsilophus tuberculatus Wagl. Bei den Krokodilen 
stehen die Querfortsätze des ersten und zweiten Kreuzwirbels parallel, bei CrocodU 
lus amazonicus Spix convergiren sie beide gegen das Darmbein hin. 



2t>6 Hyrtl. 

Der linke Processus transversus des letzten Lendenwirbels ist 
auf ein unbedeutendes Höckerchen reducirt, welches keine Rippe 
trägt, während der vorletzte Lendenwirbel ein gut entwickeltes 
Rippenpaar zeigt. Der rechte Querfortsatz des ersten Schwanzwirbels 
steht an Länge und Stärke demselben Fortsatze des zweiten Schwanz- 
wirbels auffallend nach. Die schiefe Stellung des wahren Kreuz- 
wirbels, und die Abweichung der assimilirten Querfortsätze seines 
Vor- uiid Hintermannes, welche ihm Succurs bringen, ist so aus- 
gesprochen, dass sie auf den ersten Blick in die Augen fällt; die 
Compensation aber zugleich eine so ausreichende, dass die Arthro- 
Symphysis sacro-iliaca auf beiden Seiten ganz gleiche Festigkeit 
besitzt. 

Bei Opiums torquatus Cuv. kommt auf 24 Stammwirbel und 
46 Schwanzwirbel ebenfalls nur ein wahrer Kreuzwirbel. Die schiefe 
Richtung seiner robusten Querfortsätze ist jener bei Ctenodon ent- 
gegengesetzt, d. h. der rechte weicht nach vorn, der linke nach hinten 
ab, mit entsprechender schiefer Stellung des Beckens. Darum leisten 
nur der linke Querfortsatz des letzten Lendenwirbels, und der 
rechte des ersten Schwanzwirhels durch ihre Umwandlung in mäch- 
tige Kreuzwirbel-Querfortsätze genügende Aushilfe, und lenken zu- 
gleich von der Querrichtung dergestalt ab, dass sie die Enden der 
schiefgestellten Querfortsätze des echten Kveuzwirbels erreichen, 
und mit ihnen zu Stützen des Beckens werden. 

Auf der rechten Seite des letzten Lendenwirbels sitzt eine Rippe 
auf, und der rechte (assimilirte) Querfortsatz des ersten Schwanz- 
wirbels zeigt eine ausgezeichnet S-förmige Krümmung nach vorn, 
während der linke Querfortsatz jenem des zweiten Schwanzwirbels 
an Länge, Slärke und Richtung vollkommen gleicht. 

An einem riesigen Exemplar von Lophura amboinensis Wagl. J ) 
sehe ich die schiefe Stellung des Beckens, und die halbseitige Assi- 
milation des letzten Lenden- und ersten Schwanzwirbels, am auf- 
fallendsten entwickelt. 

Die Assimilation betrifft, wie bei Ophtrus, den linken Querfort- 
satz des letzten Lendenwirbels, und den rechten des ersten Schwanz- 
wirbels. Das Becken erscheint riemgemüss nach rechts und vorn 
verzogen. Von den beiden Querfortsätzen des ersten Kreuzwirbels 

1) Fig. l. 



Über Wirbelassimilation bei Amphibien. £Ö i 

übertrifft zugleich der rechte den linken an Stärke und Länge, 
steht etwas höher als der letztere, und nimmt an seinem Darm- 
beinende so an Breite zu, dass eine ihn daselbst der Länge nach 
zeichnende Furche eine Tendenz zum Zerfallen in zwei Endhöcker 
andeutet. 

Der rechte, nicht assimilirte Querfortsatz des letzten Lenden- 
wirbels strebt zwar auch dem Darmhein zu, ist aber zu kurz, um es 
zu erreichen, und schwächer als der gleiche Querfortsatz des nächst 
vorhergehenden Wirbels. Er neigt sich desshalb dem rechten 
massigen Querfortsatz des eigentlichen Beckenwirbels so zu, dass er 
nicht mit dem Darmbein, sondern mit dem genannten Querfortsatz 
mittelst einer, an dessen vorderem Rande befindlichen Gelenkfläche, 
articulirt. Der linke Querfortsatz des ersten Schwanzwirbels zeigt 
eine fast hakenförmige Krümmung nach hinten. 

Bei Grammatophora barbata Dum. Bibr. J ) betrifft die Assi- 
milation dieselben Fortsätze wie bei Ctenodon, und die dadurch 
bedingte Schiefheit des Beckens erfolgt in der Richtung nach links 
und vorn. Bei diesem Exemplare nimmt auch noch der vorletzte und 
zweitletzte Lendenwirbel an der Asymmetrie Antheil, indem ihre 
rechten Querfortsätze kürzer sind als die linken, und der vorletzte 
Lendenwirbel insbesondere durch eine geringe Discordanz der 
rechten und linken Hälfte seines Bogens die Inegularität der Becken- 
bildung auch auf die Lendenwirbelsäule übertragen hilft. Der rechte, 
nicht assimilirte Querfortsatz des ersten Schwanzwirbels ist ver- 
kümmert, und inclinirt bedeutend nach hinten. 

Bei Chrysolamprus ocellatus Fitz, inseriren sich beide Pro- 
cessus transoersi des letzten Lendenwirbels an das Darmbein, aber 
der rechte ist durch seine Masse, nicht durch seine Länge, um das 
Sechsfache überlegen. Der linke Querfortsatz repräsentirt zugleich 
eine wahre, durch Gelenke mit dem Wirbel articulirende Bippe, 
deren nach hinten gerichtete Bogenkrümmung sie eben das Darm- 
bein erreichen macht. Die Asymmetrie des eigentlichen Kreuzwir- 
bels fällt nicht besonders auf, da seine beiden Querfortsätze an 
Stärke ziemlich gleich sind, und nur der rechte ein klein wenig 
tiefer steht als der linke. Dagegen erscheint der erste Schwanz- 
wirbel schief nach rechts und vorn verzogen, indem sein linker 

l ) Fig. 2. 



26S Hyrtl. 

breiter Querfortsatz sich an das Darmbein als Träger desselben 
anschliesst; der rechte dagegen diesem Knochen ferne bleibt. 

Der letzte Fall unter den Sauriern betrifft Bipes Pallasii Opp. 
Das ßeckenrudiment wird nämlich links vom Querfortsatz des 55. 
Wirbels, rechts von jenem des 56. getragen. Der linke Querfort- 
satz des 55. Wirbels ist breiter und stärker als der rechte, und 
lenkt in seiner Richtung nach hinten ab, während der rechte, dünn 
und kurz, der rechten Rippe des 54. Wirbels entgegenwächst. 
Sonst lässt sich an der Kreuzgegend der Wirbelsäule keine Asym- 
metrie gewahren. Die Form des linken assimilirten Querfortsatzes 
lässt zugleich vermuthen, dass auch er zur ßildung der Nische für 
das linke Lymphherz verwendet wurde. 

Wenn ich nun die Skelete, an welchen die Assimilation der 
Querfortsätze am letzten Lenden- und ersten Schwanzwirbel beob- 
achtet wurde, mit gleichnamigen Skeleten ohne Assimilation ver- 
gleiche, so ergibt sich, dass die Fälle eigentlich nicht als halbseitige 
Assimilation des letzten Lendenwirbels mit dem Kreuzwirbel, sondern 
umgekehrt, als partielle Umwandlung des ersten Kreuzwirbels in 
einen Lendenwirbel anzusehen sind. Denn erstens haben alle Sau- 
rier zwei reguläre Kreuzwirbel, während bei Vorhandensein der 
Assimilation nur einer vorkommt. Zweitens aber lehrt die Zählung 
der Wirbel an gleichnamigen Exemplaren ohne und mit Assimilation, 
dass bei Lophura und Grammatophora ohne Assimilation 24 Rumpf- 
wirbel und 2 Kreuzwirbel vorkommen, und an den Skeleten mit Assi- 
milation ebenfalls 24 Rumpfwirbel gezählt werden, somit, was ich 
der Deutlichkeit der Beschreibung wegen, einen letzten (assimi- 
lirten) Lendenwirbel nannte, eigentlich ein Kreuzwirbel zu nennen 
gewesen wäre. Die Assimilation des ersten Schwanzwirbels mit den 
Kreuzwirbeln muss als solche verbleiben, da die Skelete mit Assimi- 
lirung einen Schwanzwirbel weniger haben. 

2. Batrachier. 

Unter den geschwän/.ten Batrachiern besitze ich nur einen Fall 
von exquisiter Wirbelassimilatiou bei Menopoma alleghaneme 
Harl. «). 

Der linke Querfortsatz des 20. Wirbels trägt das linke Daun- 
bein, der rechte des 21. Wirbels das rechte. Das Becken steht, 

i) Fig. 4. 



Über Wii'belassimilation bei Amphibien. 209 

wegen Länge der beiden Wirbel sehr auffällig schief, die betreffen- 
den Querfortsätze aber zeigen im Vergleich zu den gegenständigen 
desselben Wirbels keine Abweichung an Stärke, Länge oder Rich- 
tung. Der rechte Querfortsatz des 20. Wirbels trägt ein Rippenrudi- 
ment, wie seine Vormänner, und der linke Querfortsatz des 21. Wir- 
bels merkwürdiger Weise ein gleiches. 

Da an einem zweiten Exemplare derselben Art der 20. Wirbel 
es ist, welcher mit seinen beiden Querfortsätzen das Becken trägt, 
so muss natürlich auch dieser Fall nicht als einseitige Metamorphose 
eines Rumpfwirbels in einen Kreuzwirbel, sondern als Umwandlung 
des Kreuzwirbels in einen Rumpfwirbel, und des ersten Schwanz- 
wirbels in einen Kreuzwirbel aufgefasst werden. 

Dass das Becken bei einem geschwänzten Batrachier nicht an 
den beiderseitigen rippenähnlichen Knochen eines und desselben 
Wirbels, sondern an den einander entgegengesetzten Pleurapo- 
physen zweier hinter einander Hegender Wirbel befestiget sein 
könne, wurde bisher nur einmal, von A. S. Schnitze bei Triton 
cristatus beobachtet. Das Becken war links am sechszehnten, rechts 
am siebenzehnten Wirbel Gxirt J ). 

In der, mir soeben durch meinen Freund Herrn Prof. Suess, 
zugeschickten Abhandlung der Herren J. J. Schmidt, J. Goddart 
und Dr. J. van der Hoeven über den Japan'schen Riesensalaman- 
der 2 ) ist auf Taf. I das Becken dieses Thieres abgebildet, dessen 
Darmbeine gleichfalls von den Pleurapopbysen zweier , hinter ein- 
ander folgender Wirbel getragen werden. Der vordere derselben 
trägt das rechte, der hintere, welcher vom Kopfe an gezählt, der 
22. ist, das linke Darmbein. So sagt die Erklärung der Tafel. Im 
Texte dagegen heisst es s ), dass die Verbindung zwischen Rippen 
und Beckenknochen rechts an dem 20., links an dem 21. Wirbel 
Platz greift. An dem von Herrn Schlegel in der Fauna Japonica 
abgebildeten Skelet von Cryptobranchus , und an jenem, welches 
ich soeben ausgearbeitet habe, ist das Becken nur am 22. Wirbel 
suspendirt. Wäre also die erste Zahlung die richtige, so ist der 



i) Meckel's Archiv für Physiologie, 4. Band, 1818, pag. 379. 

2 ) Aanteekeningen over de anatoraie van den Cryptobranchus Japonicus , in den 
Natuurkundige Verhandelingen van de Holl. Matschappij der Wetenschappen 
te Haarlein. 19. deel, eerste stuck. Haarlem, 1862. 

3 ) Lib. cit. pag. 11. 



270 Hyrtl. 

letzte (21 ) Bumpfwirbel halbseitig einem Beckenwirbel assimilirt. 
Hätte aber die 2. Zählung zu gelten, welche ich für die unrichtige 
halte, so wäre der Fall gegeben, dass zwei halbseitig assimilirte 
Rumpfwirbel für einen Beckenwirbel einstehen können. Weder die 
genannten Herren, noch A. S. Schultze haben dieses Vorkommen 
als Wirbelassimilation gedeutet 

3. Chelonier. 

Bei einem männlichen Exemplar von Testudo graeca Linn. 
erleiden die Querfortsätze der das Darmbein stützenden Wirbel in 
sofern eine auf die Symmetrie des Beckens Einfluss nehmende Ver- 
schiebung, als der Querfortsatz des dritten Wirbels, welcher das 
Os ilei erreicht, so gestellt erscheint, dass er nicht allein vom 
Körper des ihm zugehörigen Wirbels, sondern zugleich von jenem 
des nächst folgenden Wirbels ausgeht, worin Jene, welche ihn lie- 
ber als Rippenhals aufzufassen geneigt sind, eine Stütze mehr für 
hre Ansicht finden können. Dass eine Abweichung von so unter- 
geordneter Art auf die Stellung des Beckengürtels keinen Einfluss 
äussern kann, brauche ich nicht erst zu sagen. 

Viel markirter wird das Missverhältniss der rechts- und links- 
seitigen Querfortsätze der Beckenwirbel bei einer männlichen Cher- 
sina angulata Gray. Vier Wirbel gehen eine Verbindung mit den 
Darmbeinen ein. Ihre Körper bilden zusammen eine merkliche 
S-förmige Curvatur. Die Querfortsätze werden demnach nach jener 
Seite, auf welcher die Convexität des S liegt, kürzer als auf der 
entgegengesetzten sein, und umgekehrt. Da zugleich das linke 
Os ilei mehr nach vorn gerückt ist als das rechte, werden auch 
die linken Processus transversi dieselbe Richtung zeigen, während 
die rechten in ihrer transversalen Stellung verharren. Der erste 
und zweite Schwanzwirbel tragen rechterseifs Querforlsätze, linker- 
seits nicht. 

Der Fall ist eigentlich keine Assimilation, sondern Scoliose, und 
als solcher gewiss nicht minder interessant. Das betreffende Prä- 
parat befindet sich in meiner Privatsammlung. Im zootomischen 
Museum diente ein weibliches junges Skelet desselben Thieres zum 
Vergleiche. Es findet sich nun seltsamer Weise an letzterem die- 
selbe Seitenverkrümmung der Beckenwirbelsäule , wenn auch in 



Über Wirbelassimilation bei Amphibien. Ci\ 

minder erheblichem Gad' 1 , ebenso die Asymmetrie und der partielle 
Mangel der Querfoi'tsätze. 

Bei Clemmys Cumberlandensis Holbr. reducirt sich die 
Asymmetrie des Beckens blos auf Schiefheit des zweiten Becken- 
wirbels, dessen linker Querfortsatz an der Fuge zwischen den bei- 
den betreffenden Wirbelkörpern aufsitzt, während der rechte nur 
seinem zuständigen Körper angehört, 

An einer weiblichen Pyxis arachnoides Bell, geht nur der 
linke Processus trtmsversus des ersten Kreuzwirbels eine Verbin- 
dung mit dem Os ilei ein. Der rechte erscheint viel kürzer und 
dünner, und biegt sich gegen denselben Fortsatz des ersten Kreuz- 
wirbels zurück, um sich mit diesem durch Bandmasse zu vereinigen. 
Es findet keine Compensation von Seite des ersten Schwanzwirbels 
Statt. Das Becken ist schief nach rechts verzogen; das rechte Darm- 
bein zugleich dem linken an Grösse etwas überlegen. 

Ophidier. Bekanntlich bilden gegabelte Rippen der letzten 
Rumpfwirbel und ebenso gespaltene Querfortsätze der ersten Schwanz- 
wirbel bei den Schlangen eine Nische zur Aufnahme des Lymph- 
herzens. Ich finde nun an vier *) Exemplaren von Giftschlangen 
(unter 31 Arten), dass der letzte Rumpfwirbel auf der einen Seite 
eine einfache, und auf der andern eine gabelförmig getheilte Rippe 
trägt, während der letzte von dem zur Bildung der Lymphherz- 
nische beitragenden Schwanzwirbel sich umgekehrt wie der letzte 
Rumpfwirbel verhält. Die Asymmetrie kommt zweimal rechterseits 
und zweimal linkerseits vor. Das eine Lymphherz muss somit um 
eine Wirbellänge weiter nach vorne zu liegen kommen. Sonderbar 
erscheint es, obwohl es blos Zufall sein kann, dass von 74 Arten harm- 
loser Schlangen, keine einzige mit asymmetrischer Assimilation des 
letzten Rumpfwirbels behaftet ist. Dagegen besitzeich das Skelet eines 
Zacholus austriacus, an welchem zwischen dem vorletzten und 
letzten Rumpfwirbel rechterseits ein halber Wirbeikörper einge- 
schaltet liegt, und zwischen letztem Rumpf- und erstem Schwanz- 
wirbel linkerseits eine zweite, compensirende Wirbelhälfte einge- 
schoben ist. Keiner der beiden halben Schaltwirbel trägt eine Rippe. 



*) Sie sind: Luchesis rhombeata, Aspis Haje, Crntatus Durissus und Trigonocephalus 
Jararacca. 



272 Hyrtl. Über Wirbelassimilation bei Amphibien. 



Erklärung der Abbildungen. 



Fig. t. Beckengürtel von Lophura amboinensis. Der erste Beckenwirbel ist mit 
seinem rechten Querfortsatz von der Bildung des Beckenringes ausge- 
schlossen, wogegen der rechte Querfortsatz des ersten Schwanzwirbels 
zur Fixirung des Darmbeines dieser Seite verwendet wird. Auffallende 
Schiefheit des Beckens, indem das rechte Darmhein weiter nach hinten 
gerückt erscheint, als das linke. 
a, a Ossa pubis, 
b } b Oberschenkel, 
c zweiter Schwanzwirbel, 
d letzter Rumpfwirbel. 

Fig. 2. Dieselbe halbseitige Assimilation des ersten Beckenwirbels an die 
Rumpfwirbel, und des ersten Schwanzwirbels an die Beckenwirbel, aber 
die entgegengesetzte flinke) Seite betreffend, von Grammatophora 
barbata. 

Fig. 3. Derselbe Fall von Ctenodon nigropunctatus. 

Fig. 4. Beckengürtel von Menopoma alleghanense , dessen rechtes Darmbein a 
nicht von dem Querfortsatz desselben Wirbels getragen wird, welcher 
das linke, b , trügt, sondern an den Querfortsatz des nächsten hinteren 
Wirbels durch Bandmasse adhärirt. Der rechte Querfortsatz des ersten 
und der linke des zweiten (assimilirten) Beckenwirbels tragen Rippen- 
rudimente, c, c. 



SITZUNGSBERICHTE 



DER 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 

MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 

XLIX. BAND. 

ERSTE ABTHEILUNG. 

3. 

Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik, 
Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie. 



19 



273 



VII. SITZUNG VOM 10. MÄRZ 1864. 



Herr Hofrath Au er Ritter v. Welsbach, Director der k. k. 
Hof- und Staatsdruckerei, übermittelt eine Anzahl gedruckter Auf- 
sätze über die Maisfaser- Production, und ladet zu der in den 
Localitäten der k. k. Hof- und Staatsdruckerei veranstalteten Aus- 
stellung der aus der Maispflanze gewonnenen Producte ein. 

Der Verwaltungsrath der „ Dampfschifffahrt - Gesellschaft des 
Österr. Lloyd" erklärt sich mit Zuschrift vom 3. März 1. J. , in Folge 
der Verwendung der kais. Akademie der Wissenschaften , gerne 
bereit, Herrn Prof. Dr. Karl Peters, in Berücksichtigung der hohen 
Wichtigkeit seiner in der Türkei zu unternehmenden wissenschaft- 
lichen Reise, die freie Passage auf den Dampfern der Gesellschaft 
zu gewähren. 

Herr Dr. J. Wiesner dankt mit Schreiben vom 10. März für 
die ihm zu seinen Untersuchungen über die Zerstörung der Höher 
an der Atmosphäre, bewilligten Subvention von 200 fl. ö. W. 

' Herr Hofrath Prof. J. HyrtI übermittelt eine für die Denk- 
schriften bestimmte Abhandlung: „Über normale und abnorme 
Verhältnisse der Schlagadern des Unterschenkels". 

Ferner wurden folgende Abhandlungen eingesendet: „Analyse 
der Constautins- und der Klausenquelle zu Gleichenberg in Steier- 
mark", von dem w. M. Herrn Prof. J. Gottlieb in Gratz. 

„Das Pendel Abnahmegesetz" , von dem Herrn C. S chilbach , 
Uhrmacher in Triest. 

„Über einige Zwillinge des Kupferkieses", von Herrn 
•T. Gut zeit in Riga. 

Herr Director K. v. Littrow übergibt eine Abhandlung: 
„Entwicklung von Differentialformeln zur Verbesserung einer 
Planeten- oder Cometenbahn nach geocentrischen Orten", von 
Herrn Th. Oppolzer. 

Herr Dr. H. Leitgeb legt eine Abhandlung: „Über kugel- 
förmige Zellverdickungen in der Wurzelhülle einiger Orchideen" vor. 

19* 



274 

Herr Dr. L. Ditscheiner überreicht eine Notiz: „Über die 
Brechungsquotienten einer Lösung von salpetersaurem Wismuth- 
oxyd". 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 
Akademie der Naturforscher, kais. Leopoldino - Carolinisch- 
deutsche: Verhandlungen. XXX. Band. Dresden, 1864; 4°- 
Astronomische Nachrichten. Nr. 1465. Altona, 1864; 4°- 
Comptes rendus des seances de TAcademie des Sciences. 

Tome L VIII. No. 7. Paris, 1864; 4<> 
Cos mos. XIIP Annee, 24 e Volume, 9 e — 10 e Livraisons. Paris, 

1864; 8o- 
Jena, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem 

ersten Halbjahre 1863/64. Jena & Leipzig, 1863 & 1864; 

8o. & 4°- 
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XIV. Jahrgang, Nr. 7. 

Wien, 1864; 4<>- 
Lotos. Zeitschrift für Naturwissenschaften. XIV. Jahrgang. 1864. 

Januar & Februar. Prag; 8°* 
Mittheilungen aus J. Perth es' geographischer Anstalt. Jahrg. 

1864. I. Heft. Gotha; 4<>- 
Mondes. 2" Annee, Tome IV, 8 — 9 e Livraisons. Paris, Tournai, 

Leipzig, 1864; 8<>- 
Moniteur scientifique. 173* Livraison. Tome VI% Annee 1864. 

Paris; 4°* 
Reader, The. No. 61 — 62. Vol. III. London, 1864; Folio. 
Wiener medizinische Wochenschrift. XIV. Jahrg. Nr. 9 — 10. 

Wien, 1864; 4<>- 
Zeitschrift des Österreich. Ingenieur- Vereines. XVI. Jahrgang. 

1. Heft. Wien, 1864; 4»- 



275 



Über kugelförmige Zeilverdickungen m der Wurzelhülle 
einiger Orchideen. 

Von Dr. H. L e i t g e b. 

(Mit 1 Tafel.) 

Locale Verdickungen der Zellwand sind im Pflanzenreiche nichts 
seltenes, und die verschiedenartigsten Formen derselben sind theils 
in oberflächlich gelegenen Geweben des Pflanzenkörpers , theils im 
Innern desselben schon gefunden worden. 

Die auffallendsten und interessantesten Formen bilden bis jetzt 
unstreitig die spiess- und traubenförmigen Körper in gewissen Blatt- 
zellen mehrerer Acanthaceen und Urticeen, deren Bau und Entwicke- 
lungsgeschichte von Schacht *) genau beobachtet und beschrieben 
wurde. 

Ahnliche partielle Verdickungen der Zellwand, die sich aber 
allerdings in Bau und Entwickelung von den letztgenannten Bildungen, 
wie überhaupt von allen wenigstens mir bekannt gewordenen Ver- 
dickungsweisen wesentlich unterscheiden, beobachtete ich in gewissen 
Zellen der Wurzelhülle mehrerer, besonders der Gattung Sobralia 
angehöriger Orchideen. 

Die an den Luftwurzeln der Orchideen befindliche Wurzelhülle 
besteht, wie bekannt, aus einem ganz eigentümlichen, aus einer oder 
mehreren Zellschichten bestehenden Gewebe, dessen Zellen in der 
verschiedensten Weise verdickt und im Alter mit Luft gefüllt sind, 
wodurch viele Luftwurzeln ein silberglänzendes Aussehen erhalten. 
Bei allen mit einer solchen Wurzelhülle versehenen Luftwurzeln 
liegt unter derselben eine immer nur aus einer Lage von Zellen 
gebildete Zellschicht, die nach dem Vorgange Schieiden 's von 
fast allen Anatomen als Epidermis bezeichnet wurde, bis Schacht 
sie auf ihre wahre Bedeutung zurückführte, indem er sie als eine 
innerhalb der primären Binde gelegene Zellschichte erkannte; was 

l ) Über die Traubenkörper etc. Verhandl. d. Senckenbergischen Gesellschaft 1854 



276 Leitgeb. 

später von Oudemans 1 ) durch die Entwickelungsgeschichte nach- 
gewiesen wurde, der sie auch zum Unterschiede der als äusserste 
Schicht der Wurzelhülle auftretenden Epidermis als Endodermes 
bezeichnete, welche Benennung ich demnach auch in dieser Abhand- 
lung gebrauchen will. 

Diese Endodermis besteht wenigstens bei allen mit einer Wur- 
zelhülle versehenen Luftwurzeln der Orchideen aus zweierlei Arten 
von Zellen, die sich durch mehrere Merkmale von einander unter- 
scheiden. Die Zellen der einen Art nämlich sind langgestreckt, 
wenigstens an ihren äusseren Wänden verdickt und erscheinen 
schon kurz unter der Wurzelspitze ohne sichtbaren Inhalt; die der 
andern Art sind viel kürzer und zeigen an tangentialen Schnitten 
meist eine kreisförmige oder in seltenen Fällen, wo sie länger als 
breit sind, eine elliptische Begrenzung, sind dabei immer dünn- 
wandig und besitzen selbst an älteren Wurzeln immer einen ziemlich 
grossen Zellkern. Sie werden von Meyen als die basilären Theile 
seiner „Hantdrüsen", von Sehleiden wenigstens bei einigen 
Orchideen (Aerides) für Spaltöffnungen gehalten. Da sie gegen 
die Peripherie der Wurzel an Breite zunehmen, werde ich sie nach 
dem Vorgänge anderer Forscher die „kegelförmigen", die ersteren 
aber die „langgestreckten" Zellen der Endodermis nennen. 

Wie diese beiden Arten von Zellen schon durch ihre verschie- 
dene Längenausdehnung am Badial- wie Tangentialschnitt auf den 
ersten Blick von einander unterschieden werden können, sind die 
kegelförmigen Zellen am Querschnitte meistentheils nur dann leicht 
zu erkennen, wenn die langgestreckten Zellen wie bei mehreren 
Arten von Angraecum , Epidendron , Brassia etc. dickwandig sind 
und sich so deutlich von den dünnwandigen kegelförmigen Zellen 
abheben. 

Die Verschiedenheit dieser beiden Zellarten, die sich, wie aus 
Vorhergehendem erhellt, in Form und Inhalt kundgibt, äussert sich 
aber auch in Bezug auf den Einfluss, den sie auf die Bildung jener 
Verdickungsschichten nehmen, die an den ihnen anliegenden Wänden 
der der Wurzelhülle angehörigen Zellen auftreten. 

Bei allen mit einer Wurzelliülle versehenen Luftwurzeln, mag 
diese nun aus spiralig- oder netzfaserig verdickten oder einfach 

») Über den Sitz der Oberhaut bei den Luftwurzeln der Orchideen. Aus den Abhand- 
lungen der kön. Akademie der Wissenschaften zu Amsterdam 1861. 



Über kugelförmige Zellverdickuugen iu der Wurzelhülie etc. 277 

porösen Zellen zusammengesetzt sein, sind die der Endodermes an- 
liegenden Wände in anderer Weise verdickt als die übrigen Wände 
dieser und der allenfalls noch darüber liegenden Zellschichteu. In 
der Regel sind in dem Falle, als die Zellen der Wurzelhülle spiralige 
Verdickungen zeigen, die Verdickungsfasern an diesen Wänden 
viel enger an einander gerückt, so dass sie sich oft sogar berühren, 
während wieder dort, wo die Zellen der Wurzelhülle einfach porös 
erscheinen, die Verdickungsschichten an diesen Wänden ununter- 
brochen abgelagert sind , oder aber körnige Erhabenheiten wahr- 
nehmen lassen, wodurch diese Wände dann von oben betrachtet, ein 
gekörntes Aussehen erhalten. In vielen Fällen beobachtet man auch, 
dass die Verdickungsschichten an diesen Wänden ein ungemein 
enges, oft aus mehreren über einander liegenden Lagen bestehendes 
Netzwerk bilden, dessen einzelne Fasern erst nach Behandlung mit 
Schwefelsäure oder Kali deutlicher sichtbar werden. 

Während nun diese Verdickungsschichten an den über den 
langgestreckten Zellen der Endodermis gelegenen Wandungen 
ganz gleichmässig verlaufen, zeigen sie an den den kegelförmigen 
Zellen anliegenden Wänden meist eine mehr oder weniger verschie- 
dene Ausbildung, obwohl auch nicht selten Fälle vorkommen, wo 
ein solcher Unterschied nicht wahrzunehmen ist, wie man es zum 
Beispiele bei Zygopetalum crinitiim, Oncidium pulvinatum, Brassia 
verrucosa etc. beobachten kann. In allen auch den zuletzt angeführ- 
ten Fällen erscheinen ferner die Verdickungsschichten, die über 
den kegelförmigen Zellen gelegen sind, mehr oder weniger gebräunt, 
so dass man auf Tangentialschnitten die Lage der letzteren auch 
durch mehrere Zelllagen der Wurzelhülle hindurch genau wahr- 
nehmen kann. 

Bei Eria stellata sind die der Endodermis anliegenden Wände 
ganz gleichmässig verdickt , zeigen aber über den kegelförmigen 
Zellen zahlreiche Poren, die aber an den den langgestreckten Zellen 
anliegenden Wänden nur äusserst spärlich vertheilt sind. 

Bei Cattlega crispa sehen wir die über den langgestreckten 
Zellen gelegenen Verdickungsschichten aus sehr eng an einander- 
Iiegenden, meist schief über die Zellwand verlaufenden Fasern 
gebildet, während über den kegelförmigen Zellen nur sehr wenige 
vereinzelt stehende Fasern, zwischen denen hie und da Poren auf- 
treten, beobachtet werden können (Fig. 7). 



278 L e i t g e b. 

Schon viel complicirter erscheint die Ausbildung dieser Ver- 
dickungsschichten bei Camaridium ochroleucum, Chysis bractescens, 
Xylobium pallidiflorum etc. Bei Camaridium ochroleucum zum Bei- 
spiele laufen die Verdickungsschichten an den über den langge- 
streckten Zellen gelegenen Wänden ganz so, wie oben für Cattlega 
crispa erwähnt wurde. Man kann die Fortsetzung der Fasern aller- 
dings auch über die kegelförmigen Zellen verfolgen; doch wird dort 
ihr Verlauf ein ganz unregelmässiger, indem sie sich vielfach ver- 
ästeln und verschlingen. Bei genügender Vergrösserung (2S0) und 
schiefer Spiegelstellung erkennt man aber ausserdem noch eine 
zweite ungemein feine quer über die früher erwähnten Fasern ver- 
laufende Streifung, die man noch dadurch deutlicher machen kann, 
dassman das Präparat einige Zeit in etwas verdünnter Schwefelsäure 
liegen lässt, wodurch die Verdickungsfasern etwas aufquellen. 

Diese Beispiele, denen ich noch mehrere nicht minder interes- 
sante beifügen könnte, zeigen an sich schon, wie ganz eigenthümlich 
und von den übrigen Zellwandverdickungen abweichend der Bau der 
Verdickungsschichten an jenen Wänden ist, die über den kegel- 
förmigen Zellen gelegen sind , aus welchem Umstände allein man 
schon auf einen von den in den benachbarten Zellen statthabenden 
verschiedenen Lebensprocess der kegelförmigen Zellen zu schliessen 
berechtigt wäre. 

Ich gehe nun zur Besprechung des eigentlichen Gegenstandes 
dieser Abhandlung über: 

Wenn man durch die Luftwurzeln einer Sobralia-Art J ) zarte 
Querschnitte macht , und selbe bei genügender Vergrösserung 
betrachtet, so bemerkt man in einigen Zellen der an die Endodermis 
anliegenden, der Wurzelhülle angehörigen Zellschicht schwarzbraune 
kugelförmige Massen, die mit einer etwas breiteren Basis den Zellen 
der Endodermis enge aufsitzen (Fig. 1). Immer befindet sich nur 
eine einzige Kugel in einer Zelle und man beobachtet solche Zellen 
entweder ganz vereinzelt stehend, oder aber zu zwei oder drei an 
einander liegend. In einigen Fällen bemerkt man, dass die darunter 
liegenden Zellen der Endodermis kleiner und etwas tiefer liegend 
sind , als die zunächst gelegenen , und man kann sie in solchen 
Fällen schon für die kegelförmigen Zellen halten. Deutlicher wird 

i) Ich untersuchte Sobralia decora und S. macrantha. Oudemans erwähnt S. 
Liliaatrum, sagt aber, dass er auch bei anderen Arten Ähnliches beobachtet habe- 



Über kugelförmige Zellyerdickungen in der Wurzelhülle etc. ä79 

die Ansicht auf einen Radialschnitt (Fig. 2), wo man die kugelför- 
migen Körper immer nur über den kegelförmigen Zellen bemerkt. 
Ein Tangentialschnitt zeigt, dass die Anzahl der über einer kegel- 
förmigen Zelle gelegenen Kugeln von der Anzahl der Zellen abhängig 
ist, die über ihr zusammentreffen. Man findet eine, zwei, drei auch 
vier solcher Kugeln beisammen liegend, je nachdem eben nur eine 
einzige Zelle eine kegelförmige Zelle bedeckt, oder zwei, drei oder 
vier solcher „Deckzellen" vorhanden sind. 

Ich finde dieser kugelförmigen Massen nur bei Oudemans 1 ) 
Erwähnung gethan, der sie auch abbildet, aber nur erwähnt, dass 
„bei mehreren Sobralia-Arten die kürzeren Zellen der Endodermis 
von zwei oder mehreren fremdartigen bräunlichen, mit einer körnigen 
Oberfläche versehenen Körpern bedeckt werden. 

Im ersten Augenblicke ist man allerdings versucht, diese Massen 
für fremdartige Körper zuhalten, etwa für Reste des Zellinhaltes, 
wie man sie öfters in den Zellen der Wurzelhülle findet, oder für Aus- 
scheidungsproducte der kegelförmigen Zellen. Aber schon die Con- 
stanz und Regelmässigkeit ihres Auftretens, wie andererseits die 
bestimmte Form und scharfe Regrenzung lassen vermuthen, dass 
wir es hier nicht mit fremdartigen Körpern zu thun haben. Die 
schwarzbraune Färbung dieser Körper hindert bei etwas dickeren 
Schnitten allerdings irgend eine Structur an ihnen wahrzunehmen; 
wenn man aber hinreichend feine Schnitte in was immer für Rich- 
tungen anfertigt, so bemerkt man eine deutliche Schichtenbildung, 
die gegen die Rasis des Körpers oft ganz undeutlich, gegen den 
Rand hin aber immer deutlicher wird (Fig. 3 und 4). Dabei beob- 
achtet man an sehr feinen Durchschnitten , dass die Contouren der 
einzelnen Schichten auch der äussersten, welche besonders nach 
Kochen in Kali sehr scharf begrenzt hervortreten , durchaus nicht 
als zusammenhängende Linien, sondern sehr oft unterbrochen er- 
scheinen; welcher Umstand verbunden mit der Ansicht der Ober- 
fläche uns lehrt, dass die einzelnen Schichten, aus welchen diese 
kugelförmigen Körper bestehen, nicht als homogene Flächen, sondern 
als ein von vielen sich verästelnden und durchkreuzenden Fasern 
gebildetes Netzwerk zu betrachten sind. 



*) Oudemans, 1. c. pag. 31 und Taf. II, Fig. 22 b. 



280 Leitgeb. 

Ein ganz älinlich gebildetes, aber meist nur aus einer Lage von 
Fasern bestehendes Verdickungsnetz beobachtet man auch an den 
über den langgestreckten Zellen der Endodermis gelegenen Wänden 
und man sieht, besonders an solchen Präparaten, die durch schief 
gegen diese Wände geführte Schnitte dargestellt wurden, wie die 
an den Seitenwandungen vereinzelt laufenden Verdickungsfasern 
sich allmählich in dieses Netzwerk auflösen, im selben aber öfters 
zu körnigen Hervorragungen anschwellen. 

Die über den kegelförmigen Zellen der Endodermis gelegenen 
Zellen der Wurzelhülle (Deckzellen) passen jedoch nicht genau auf 
jene, sondern bedecken meistentheils auch die zunächst gelegenen 
Partien der langgestreckten Zellen (Fig. 3) , zeigen jedoch an 
diesen Stellen ein viel weniger entwickeltes, hie und da ganz feh- 
lendes Verdickungsnetz ; wo dieses aber vorhanden ist, da beob- 
achtet man an sehr feinen Schichten und bei starker Vergrösserung, 
wie einzelne Fasern an den kugelförmigen Körpern emporsteigen, 
und in diese einzelnen Schichten derselben allmählich übergehen, 
wodurch also eine Verbindung dieser Körper mit den an den anderen 
Wänden der Zelle, wiewohl sehr spärlich verlaufenden Verdickungs- 
schichten hergestellt wird. Die innersten Schichten liegen einmal 
an einer mittleren Stelle der über der kegelförmigen Zelle gelegenen 
Wand, wie in Fig. 4 bei a ersichtlich ist, oder aber sie entsprin- 
gen an den Stellen, wo die über den kegelförmigen Zellen mehr 
oder weniger senkrecht stehenden Seitenwände mit den unteren 
jenen anliegenden Wänden zusammentreffen. Die äussersten Schich- 
ten endigen einerseits über den langgestreckten Zellen, andererseits 
an den Berührungswänden zweier solcher Deckzellen (wenn nicht 
blos eine einzige vorhanden ist) , oder gehen allmählich in die im 
Umkreise der kugelförmigen Körper abgelagerten Verdickungs- 
schichten über. 

Da die kegelförmigen Zellen etwas tiefer als die langgestreckten, 
in diese eingesenkt, gelegen sind, so werden auf diese Art in der 
Endodermis Grübchen gebildet, in denen dann auch die kugel- 
förmigen Körper gelegen sind, die aber doch bei ihrer immerhin 
ansehnlichen Grösse mit ihren oberen Theilen über die Endodermis 
sich erheben und in die Wurzelhülle hineinragen. Die letzteren 
Verhältnisse lassen sich besonders gut an einem etwas dickereu 
Tangentialsehnitt schon unter dem Präparirmikroskope bei etwa 



Über kugelförmige Zellrerdickungen in der Wurzelhülle etc. 281 

dreissigfaeher Vergrösserung wahrnehmen und man kann dann mit 
den Präparirnadeln diese Kugeln mit der von ihnen bedeckten Wand 
der Endodermis losreissen, in welchem Falle dann die darunter 
liegenden viel kleineren kegelförmigen Zellen zum Vorschein 
kommen. 

Schon aus den oben angeführten anatomischen Untersuchungen 
ist man berechtigt, diese kugelförmigen Massen, als durch locale 
Zellverdickung entstanden, zu erklären. 

Aber nicht allein die anatomische Untersuchung belehrt uns 
über die Natur dieser Körper, auch nach ihrem chemischen Ver- 
hallen erweisen sie sich als gehäufte Verdickungsschichten, indem 
sie sich gegen Reagentien gerade so verhalten, wie die benach- 
barten über den langgestreckten Zellen gelegenen und die spiral- 
oder netzfaserig auftretenden Verdickungsschichten der übrigen 
Zellen der Wurzelhülle. Voreist sei erwähnt, dass die braune 
Färbung, die diese Körper zeigen und die gegen ihre Basis hin 
an Intensität zunimmt, nicht etwa durch andere zwischen die ein- 
zelnen Schichten abgelagerte Stoffe bedingt ist, sondern in der 
Färbung der Schichten selbst ihren Grund hat, sich aber durch kein 
mir bekanntes Mittel vollkommen entfernen lässt; nur durch die 
Maeeration mit chlorsaurem Kali und Salpetersäure werden die 
äussersten Schichten aber erst dann entfärbt, wenn der Macerations- 
process schon so weit vorgeschritten ist, dass auch schon ein theil- 
weises Aufgelöstwerden dieser Schichten eintritt. 

Wenn man auf sehr feine Schnitte, welche man sich sehr leicht 
verschafft, wenn man das Wurzelstück früher etwas austrocknen 
lässt, Jod und Schwefelsäure einwirken lässt, so färben sich die 
Verdickungsfasern der Zellen der Wurzelhülle wie auch die netz- 
förmigen Verdickungsschichten über den langgestreckten Zellen und 
die diesen Kugeln angehörigen gelbbraun, letztere nicht selten roth, 
wobei sich an diesen öfters ein, wenn auch sehr schwaches Aufquellen 
der äussersten Schichten beobachten lässt. Alkohol, Äther, Kali 
verändern auch nach erfolgtem Kochen diese Körper nicht, mit Aus- 
nahme eines geringen Aufquellens der äussersten Schichten. Auch 
durch Behandlung mit Salpetersäure und Salzsäure zeigt sich kein 
anderer Einfluss als der, wie er sich auch auf andere Verdickungs- 
schichten kundgibt. Eine Kalkablagerung also, wie an den Trauben- 
körpern, ist hier nicht vorhanden. Durch die Maeeration mit chlor- 



282 Leitgeb. 

saurem Kali und Salpetersäure werden die äussersten Schichten 
dieser Körper eher angegriffen, als die Verdickungsschichten anderer 
Zellen der Wurzelhülle, wobei sie auch, wie schon oben erwähnt, 
ihre braune Färbung verlieren. Behandelt man nach erfolgter Mace- 
ration die Präparate, aus denen man jetzt ohne viele Mühe unter 
dem Präparirmikroskope die Kugeln herauslesen kann, mit Jod und 
Schwefelsäure, wobei man jedoch die Vorsicht anwenden muss, 
das Präparat nach Behandlung mit Jod etwas eintrocknen zu lassen 
und dann erst Schwefelsäure hinzuzufügen, so färben sich die ein- 
zelnen Schichten der Kugeln so wie die über den langgestreckten Zellen 
liegenden netzförmigen Verdickungen und die Verdickungsfasern 
der übrigen Zellen der Wurzelhülle öfters bläulichgrün , was noch 
ein theilweises Vorhandensein von Cellulose voraussetzt, an Präpa- 
raten , die aus der Luftwurzel nahe an ihrer Spitze geschnitten 
wurden, erhielt das Grün eine immer entschiedenere Beimengung von 
Blau, eine vollkommene Bläuung konnte ich jedoch nie erhalten, wie 
es mir überhaupt auch nie gelang, das Innenhäutchen blau zu färben. 
Wenn man bei der Maceration nach dem Schulz'schen Ver- 
fahren das Kochen durch einige Zeit fortsetzt, so dass schon ein 
theilweises Zerfallen des Objectes eintritt und solche Präparate 
nun unter dem Mikroskope betrachtet, so sieht man, dass die kugel- 
förmigen Körper wie auch die benachbarten netzförmigen Ver- 
dickungsschichten über den langgestreckten Zellen fast ganz ver- 
schwunden sind, während jedoch die Verdickungsfasern der übrigen 
Zellen der Wurzelhülle noch ziemlich gut erhalten bleiben, was 
allerdings auf eine wenigstens theilweise Verschiedenheit der chemi- 
schen Constitution dieser beiden Arten von Verdickungen schliessen 
lässt. Hat man jedoch das Kochen in einem Momente unterbrochen, 
wo diese Verdickungsschichten noch nicht angegriffen wurden, die 
Maceration aber doch soweit vorgeschritten ist, dass sich die Zellen 
unter den» Präparirmikroskope leicht isoliren lassen , so gelingt es 
sehr leicht, die ganze Deckzelle mit dem darin befindlichen Körper 
frei zu präpariren, und nun kann man sich auf das Genaueste über 
den Verlauf der Verdickungsschichien unterrichten, die nun durch 
den ganzen Körper bis zu seiner Basis wahrzunehmen sind. Auch 
gelingt es jetzt, die früher sehr spröden und brüchigen Körper zu 
zerfasern und so ihre Zusammensetzung aus einzelnen Verdickungs- 
fasern auf das Schönste nachzuweisen. 



Über kugelförmige Zeilverdickungen m der Wurzelhülle etc. COo 

Die Entwicklungsgeschichte dieser eigentümlichen Zeilver- 
dickungen bietet weiter wenig Bemerkenswerthes dar: Die Endo- 
dermis erscheint auf einem Längenschnitte durch die Wurzel- 
spitze schon vom Vegetationskegel aus als eine sowohl gegen die 
darüberliegende Wurzelhülle als auch gegen das innerhalb gelegene 
Rindenparenchym scharf begrenzte Zellreihe, in der auch sehr bald der 
Unterschied zwischen beiden Zellarten auftritt. Die erste Anlage der 
über den kegelförmigen Zellen gelegenen Verdickungsschichten fällt 
mit dem Auftreten der Spiralfasern in den übrigen Zellen der Wurzel- 
hülle zusammen. Sie beginnt an Theilen, die noch unter der Wurzel- 
haube gelegen sind und die Ablagerung dieser Verdickungsschichten 
schreitet so rasch vorwärts, dass die kugelförmigen Körper (wie auch 
die Spiralfasern in den übrigen Zellen) schon vollkommen ausgebildet 
sind, wenn die Wurzelhülle unter der Wuizelhaube hervortritt. Von 
einer früheren Bildung eines Stielchens, wie Schacht es für die Ent- 
wickelung der Traubenkörper bei den Urticeen angibt, konnteich nichts 
bemerken. Die Schichten legen sich unmittelbar an die Wände der 
Zellen an und erscheinen auch sogleich braun gefärbt, wie es mir 
auch nie gelingen konnte, selbe durch unmittelbare Anwendung von 
Jod und Schwefelsäure blau zu färben. Es mag dies wohl darin 
seinen Grund haben, dass in der Jahreszeit, in welcher ich meine 
Untersuchung anstellte (Jänner und Februar), das Wachsthum der 
Wurzeln, wenigstens an den mir zur Verfügung stehenden Exem- 
plaren fast ganz stille stand. Ich glaube auch nicht, dass die Beob- 
achtung an jungen lebhaft vegetirenden Wurzeln in Bezug auf die 
Entwickelungsgeschichte dieser Kugelkörper andereResultate ergeben 
dürfte, da ich Gelegenheit hatte, auch bei anderen Orchideen ähn- 
liche Bildungen in ihren ersten Entwickelungsstadien zu beobachten 
und dabei ganz gleiche Resultate erhielt. 

Ich habe nämlich schon oben erwähnt, dass bei einigen Orchi- 
deen wie Zygopetalum crinitum, Oncidium pnlvinatum etc. , die 
über den kegelförmigen Zellen gelegenen Verdickungsschichten 
öfters zwei Lagen wahrnehmen lassen, die man aber erst bei wech- 
selnder Spiegelstellung genau unterscheiden kann. Es haben wohl 
schon diese Bildungen wenigstens ihrer Entstehung nach eine gewisse 
Ähnlichkeit mit den hier gedachten kugelförmigen Verdickungs- 
körpern, obwohl diese beiden Schichten nicht so mächtig werden, 
um eine bedeutende Verdickung der Zellwand hervorzubringen. Nun 



284 Leitgel.. 

finden wir aber Orchideen, deren Luftwurzeln in dieser Beziehung 
gerade die Mitte zwischen den beiden gedachten Bildungen halten. 
Wenn man nämlich durch die Luftwurzeln von Trigonidhim 
Egertonianum Quer - oder Längenschnitte macht , so bemerkt 
man, dass über den kegelförmigen Zellen der Endodermis ebenfalls 
in ziemlicher Mächtigkeit Verdickungsschichten abgelagert sind, 
die den Deckzellen angehören (Fig. 8 und 9). Sie sind unmittel- 
bar über den kegelförmigen Zellen am mächtigsten und verlaufen 
dann allmählich, indem sie in die über den langgestreckten Zellen 
gelegenen Verdickungsfasern übergehen. Es ist jedoch diese Er- 
scheinung nicht etwa eine Täuschung, veranlasst durch die starke 
Convexität der kegelförmigen Zellen, der zufolge es in der That 
manchmal nicht möglich ist, so feine Schnitte darzustellen, um 
nicht blos die Durchschnittslinie, sondern auch einen Theil der 
gekrümmten Fläche sehen zu müssen, so dass man also das über- 
einander zu sehen meint, was eigentlich hinter einander gelegen 
ist , welche Täuschung bei einer flüchtigen Betrachtung bei 
anderen Orchideen allerdings sehr leicht eintreten kann; dass es 
in der That gehäufte Verdickungsschichten sind , beweist über- 
zeugend Fig. 9, wo zwei Deckzellen vorhanden sind, die Ver- 
dickungsschichten in der einen aber stärker entwickelt sind als in 
der andern. Auch die Entwickelungsgeschichte dieser Verdickungs- 
schichten stimmt ganz mit der oben für die Kugelkörper in Sobralia 
angegebenen überein; es ist eben nur eine locale stärkere Ablage- 
rung von Verdickungsschichten. 

Bevor ich schliesse, muss ich noch einer Erscheinung Erwäh- 
nung thun, die an den kegelförmigen Zellen beobachtet wird. An 
jedem Radialschnitt, den man durch eine Luftwurzel von Sobralia 
(decora oder macrantha) führt, beobachtet man die Seitenwand der 
kegelförmigen Zellen mit einigen Porencanälen besetzt (Fig. 4 b). 
Ein tangentialer Schnitt (Fig. 6) zeigt uns, dass sie den seeundären 
Schichten der langgestreckten und dickwandigen Zellen der Endo- 
dermis angehören und an den kleineren dünnwandigen Zellen enden. 
Man findet sie fast ausschliesslich an den der Länge nach verlaufen- 
den Wandungen und immer nur an den Berührungswänden der lang- 
gestreckten und kegelförmigen Zellen. Sie stehen wahrscheinlich 
mit der Ablagerung der kugelförmigen Verdickungsschichten in einer 
gewissen Beziehung. 



Über kugelförmige Zellverdickungen in der Wurzelhülle etc. äöO 

Über die physiologische Bedeutung dieser Verdickuugsschichten 
wage ich vorderhand noch keine bestimmte Meinung auszusprechen. 
Sind, wie ich schon bei einer andern Gelegenheit *) erwähnt habe, 
die immer dünnwandigen kegelförmigen Zellen die Wege zur Auf- 
nahme der durch das Geflecht der Wurzelhaare oder die Wurzel- 
hülle condensirten Wasserdünste der Atmosphäre, so lässt sich 
die Bedeutung dieser Verdickungsschichten, welche so die Verbin- 
dungswege verlegen, nicht recht einsehen. Wenn man aber bedenkt, 
dass diese kugelförmigen Körper keine homogene Masse, sondern ein 
mehrfach über einander liegendes, aus einzelnen Fasern gebildetes 
Netz von Verdickungsschichten darstellen, so können sie als poröse 
Körper wohl ganz gut die Fähigkeit haben, sich des condensirten 
Wassers zu bemächtigen, selbes durch längere Zeit festzuhalten und 
allmählich an die darunter liegenden kegelförmigen und dünnwandigen 
Zellen abzugeben, die es dann sowohl unmittelbar nach innen, als 
auch durch die oben erwähnten Porencanäle seitlich zu leiten im 
Stande wären. 

Ich werde bei einer andern Gelegenheit nochmals auf diese 
interessanten Bildungen zurückkommen. 



Erklärung der Tafel. 

Sämmtliche Figuren sind mit dem So mmering'schen Spiegel gezeichnet. 
Die Vergrösserung ist als Bruchzahl jeder Figur beigefügt. 

Fig. 1. Querschnitt durch eine Luftwurzel von Sobralia decora. Über den 
kegelförmigen Zellen der Endodermis liegen bei a zwei, bei b drei 
kugelförmige Körper. 

„ 2. Radialschnitt aus derselben Partie der Wurzel. 

„ 3. Tangentialschnitt. Man sieht die die Endodermis bedeckenden Wände 
mit den eigenthümlichen Verdickungsschichten und den durchschnit- 
tenen Spiralfasern der Seitenwände. In den Deckzellen die beiläufig in 
der Mitte durchschnittenen Kugelkörper. Die von diesen freibleibenden 
Wände der Deckzellen liegen, wie aus Fig. 2 und 4 erhellt, etwas tiefer, 
sind auch fast gar nicht verdickt und erscheinen daher licht. 

„ 4. Radialschnitt wie in Fig. 2, aber stärker vergrössert. Man sieht die 
aus Schichten bestehenden kugelförmigen Körper und über den lang- 



!) Zur Kenntniss von Hartweyia comosa. Jännerheft der Sitzungsber. d. kais, 
Akad. d. Wiss. 1864. 



28b Leitgeb. Über kugelförmige Zellverdickungen in der Wurzelhülle etc. 

gestreckten Zellen hie und da zackenartige Hervorragungen der netz- 
förmigen Verdickungsschichten. a Anfangsstelle der Schichtenbildung; 
b Poren. 
Fig. 5. Tangentiale Ansicht zweier langgestreckter Zellen und der die kegel- 
förmigen Zellen bedeckenden Kugelkörper. 

„ 6. Tangentialer Schnitt, geführt durch die kugelförmigen und die benach- 
barten langgestreckten Zellen der Endodermis. a Porencanäle; b Ver- 
dickungsschichten der langgestreckten Zellen; c Wand der kegel- 
förmigen Zelle. 

,, 7. Tangentialschnitt durch eine Luftwurzel von Cattleya crispa. Man sieht 
die die Endodermis bedeckenden, mit eng an einander liegenden Ver- 
dickungsschichten besetzten Wände der darüberliegenden der Wurzel- 
hülle angehörigen Zellschicht: a kegelförmige Zelle. Die Wände der 
darüberliegenden (3) Deckzellen sind mit einzelnen Verdickungsfasern 
und Poren besetzt; b durchscheinende Wand der tiefer liegenden lang- 
gestreckten Zelle der Endodermis. 

„ 8. Radialschnitt durch eine Luftwurzel von Trigonidium Egertonianum. 
a obere Wand der verdickten langgestreckten Zellen der Endodermis; 
b die über den kegelförmigen Zellen gehäuften Verdickungsschichten 
der Deckzellen; c durchschnittene Seitenwände; d spaltenförmige Poren 
der langgestreckten Zellen. 

,, 9. Ansicht und Bezeichnung wie in Fig. 8. Über der kegelförmigen Zelle 
liegen zwei Deckzellen. 



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Sitzungsb. il k Ak.nl. ,1 W.maöi.natuw.OJ.XLIIBd..I.Abtk L864. 



% 5 



287 



VIII. SITZUNG VOM 17. MÄRZ 1864. 



Die Direction der „Ersten k. k. priv. Donau -Dampfschifffahrt- 
Gesellschaft" erklärt sich, mit Zuschrift vom 12. März, mit Ver- 
gnügen bereit, dem c. M. Herrn Prof. Peters, zu seiner wissen- 
schaftlichen Reise nach der europäischen Türkei die freie Fahrt 
auf den Schiffen der Gesellschaft von Wien nach Galaz und zurück 
zu bewilligen. 

Die „Societe des Sciences Naturelles du Grand -Duche de 
Luxembourg" dankt, mit Schreiben vom 9. März, für die Betheilung 
mit dem akademischen „Anzeiger". 

Herr Director E. Fenzl überreicht im Namen des Herrn 
Prof. F. Unger eine Abhandlung: „Über einen in der Tertiär- 
Formation sehr verbreiteten Farn". 

Herr Prof. Seligmann macht eine Mittheilung über einige 
ethnographische Gegenstände, welche neuerlich vom Herrn Dr. 
Ried aus Valparaiso für die Novara- Sammlung eingelangt sind. 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Rizio, Giovanni, Sopra una concrezione rinvenuta negrintestini 

di un cavallo. Analisi chimica. (Dagli Atti del Istituto Veneto 

1863—64.) Venezia; 8«- 
Comptes rendus des sSances de PAcademie des Sciences. 

Tome LVIII. Nr. 8. Paris, 1864; 4«- 
Cos mos. XIIPAnnee, 24" Volume, ll e Livraison. Paris, 1864; 8«»- 
Hoffmann, Robert, Bericht über die Wirksamkeit der agricultur- 

chemischen Untersuchungsstation der k. k. patriot. -Ökonom. 

Gesellschaft. Im Jahre 1862. Prag; 4°- 
Jahresbericht der Lesehalle der deutschen Studenten in Prag. 

1. Juli 1862 — Ende December 1863. Prag, 1864; 8<>- 
Koller, Marian, Über das Passage -Instrument. (Separatabdruck 

aus dem 1. Jahreshefte des naturf. Vereins in Brunn.) Brunn, 

1863; 8°- — Zur Theorie des August'schen Heliostaten. (Aus 

dem II. Bande der Verhandlungen desselben Vereins.) Brunn, 

1864; 8°- 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLIX. Bd. I.Abth. 20 



288 

Land- und forstvvirthschaftliche Zeitung. XIV. Jahrg. Nr. 8. 

Wien, 1864; 4o- 
Mitt Heilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Jahrg. 

1864. II. Heft. Nebst Ergänzungsheft Nr. 12. Gotha; 4<" 
Mondes. 2 e Annee, Tome IV, 10 e Livraison. Paris, Tournai, 

Leipzig, 1864; 8«- 
Reader, The. No. 63, Vol. III. London, 1864; Folio. 
Simpson, J. Y. , On the anatomical Type ofstructure ofthe human 

umbilical Cord and Placenta. (From the Transactions of the 

R. Society of Edinburgh. Vol. XXIII. Part 2.) Edinburgh, 

1863; 4o- 
Socie*te Imperiale de Medecine de Constantinople: Gazette medi- 

cale d'Orient. VII. Annee. Nr. 10 — 11. Constantinople, 

1864; 4«- 
— des Naturalistes de Moscou: Bulletin. Annee 1863, Nr. IV e . 

Moscou, 1863; 8«- 
Solaro, J. M. Sanna, Nouvelle theorie de la grele. (Extr. de 

TAnnuaire de la Sociele meteorologique de France, Tome XI.) 

Versailles, 1863; 8«>- 
Sternwarte, k. k. in Wien: Anualen. III. Folge. XII. Band. Jahrg. 

1862. Wien, 1863; 8°- — Meteorologische Beobachtungen 

von 1778 — 1855. IV. Band. 1823 — 1838. Wien, 1863; 8<>- 
Wiener medizinische Wochenschrift. XIV. Jahrg. Nr. 11. Wien, 

1864; 4o- 
Zantedeschi, Francesco, Intomo alla spettrometria e chimica astro- 

atmosferica; airOzono studiato ne'suoi rapporti colla elettri- 

citä atmosferica e la fotografia; e con un Cenno degli avan- 

zamenti della Meteorologia in Italia. Padova, 1864; 8°- 



289 



Über einen in der Tertiärformation sehr verbreiteten Farn. 
Von ilem w. M. Prof. F. Unger. 

(Mit 2 Tafeln.) 

Indem englischeuBiaunkohlrnlager zu Bovey kommt in grosser 
Menge ein Farnkraut vor» welches obwohl schon früher an mehreren 
Punkten in Deutschland aufgefunden, doch erst durch die Unter- 
suchungen von Herrn 0. Heer (On the lignite formation of Bovey 
Tracey, Devonshire — Philos. transact. P. II. 1862, p. 29) genauer 
bekanntwurde. Sowohl in der 17. als inder26. Schichte jenes Lignit- 
lagers findet man sowohl Stiele (Stipites) als einzelne Fragmente 
des einfach gefiederten Wedels, meist nur durch dünne Thonlagen 
von einander getrennt, in der Regel so gut erhalten, dass die Ner- 
vatur daran völlig deutlich erkennbar ist, jedoch immer ohne Spuren 
von Fructification , obgleich sich der genannte in Untersuchungen 
solcher Gegenstände äusserst versirte Naturforscher vielfach bemühte, 
unter hunderten an Ort und Stelle in die Hand genommenen Exem- 
plaren auch nur einen einzigen Fruchtwedel zu entdecken. Eben so 
gelang es nicht Wedel zu finden, bei welchen die Fieder noch an 
der Rhachis angeheftet waren. In der 25. Schichte zu Bovey, seltener 
in der 17. Schichte kamen überdies breite Rhizome bedeckt und 
umgeben von Wedelstielen zum Vorschein , die wohl ebenfalls zu 
diesem Farne gehören müssen , da die Stiele des genannten Farnes 
rücksichtlich der Grösse, der Form und Zeichnung mit den am Rhizome 
vorhandenen Stielen übereinstimmen , ausserdem kamen aber auch 
Theile der Fieder desselben hier vor, die, wenngleich nicht in 
unmittelbarer Verbindung, doch sicherlich nur von diesen getrennt 
sich hier vorfinden können. 

0. Heer, der dieses Farnkraut, wie er selbst angibt, früher 
der Gattung Aspidium unterstellte, glaubt jedoch mit Berücksichtigung 
der bisher allein bekannten Nervation es nunmehr besser zur Gattung 
Hemitelia zu bringen, indem namentlich Hemitelia Karsteniana 
(cf. Mettenius leones filicum pl. 29 f. 2) in dieser Beziehung die 
grössten Analogien darbietet, da aber die Sache noch immer 
zweifelhaft bleibt, diesem Farnkraut \on Bovey einstweilen no^h den 

20* 



290 ünger. 

ganz unverfänglichen Namen Pecopteris lignitum zu belassen, 
welchen Giebel dem gleichen Farne gegeben (Paläont. Unter- 
suchungen. Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften 1857, 
p. 305, pl. 2, F. 2). 

Herr 0. Heer setzt seiner genauen, mit Abbildungen begleiteten 
Beschreibung noch bei, dass leider sowohl Rhizome als Wedelstiele 
dieser Farnart von Bovey in Kohle verwandelt und daher für eine 
mikroskopische Untersuchung nicht zugänglich seien. 

Ein Zufall, der mir eine grosse Suite von Petrefacten aus dem 
bekannten Braunkohlenlager von Salzhausen, wie ich glaube, ein 
Eigenthum des Herrn Professor Klip pst ein, schon vor Jahren in 
die Hände führte, und die ich damals untersuchte, Hessen mich in 
den zu jener Zeit angefertigten Zeichnungen mehrerer mit der 
Nummer 319 und 320 bezeichneter Farnrhizome nunmehr auf den 
ersten Blick die grosse Übereinstimmung mit Fig. 1 auf Taf. VII der 
genannten Abhandlung Heer's erkennen, und die Vermuthung 
liegen, dass das Rhizom von Salzhausen wohl nichts anderes 
als das Rhizom von Pecopteris lignitum sei. Die Sache erhielt 
darin noch die Bestätigung, dass Herr Ludwig in der That ein 
Fiederstück aus Münzenberg in den Palaeontographicis (VIII. 2. 
p. 63, t. 12, f. 3) abbildet, die er zwar als Aspidium Meyeri Heer 
bezeichnet, das aber nach der Angabe He er 's nicht zu dieser Art, 
sondern zu eben jener Pecopteris lignitum gehört, auch gibt schon 
Herr Ludwig Kunde, dass in Salzhausen Rhizome von diesem Farne 
gefunden werden. Ein auf Taf. X, Fig. 3 abgebildetes Rhizom war in 
der Nähe mehrerer Wedelbruchstücke des erwähnten Aspidium 
Meyeri gefunden worden , ohne dass dieselben jedoch auch hier in 
unmittelbarer Verbindung mit demselben gewesen waren, was jedoch 
Herrn Ludwig zu der allerdings berechtigten Vermuthung ver- 
anlasste, dasselbe für das Rhizom der genannten Farnart zu halten. 
Diese Rhizome nun sind nach der Beschreibung Ludwigs „gross 
und stark, über 1 / 4 Meter lang und Ins zu 1 Decimeter dick, gerade 
gestreckt, bestehen aus federspuldicken festen, holzigen, um die 
Axe spitz konisch und radial gestellten , zopfartig in einander 
gefügten, am äussersten Ende zerfaserten Wurzeln. (Irrig werden 
hier die Wedelstiele mit Wurzeln verwechselt.) Immer liegen 
mehrere Rhizome beisammen und treten deutlich hervor, sobald die 
Kohle (Lignit) auszutrocknen beginnt". 



Über einen in der Tertiärformation sehr verbreiteten Farn. ZQ 1 

Die mir zugekommenen Specimina , sechs an der Zahl und auf 
Taf. I und II mit 1 — 6 bezeichnet, sind im Ganzen sowohl mit den 
Abbildungen Ludwig 's als mit jenen von 0. Heer aus der eng- 
lischen Braunkohle übereinstimmend, mit der Beschränkung etwa, 
dass bei Ludwig die Blattstiele ziemlich unkenntlich erscheinen, 
während sie in dem Exemplare aus England etwas breiter und mehr 
gehäuft dargestellt sind, welches erstere wohl einem grösseren 
Drucke und der dadurch erfolgten Quetschung, letzteres der bessern 
Conservirung beizumessen ist. 

Die meisten Rhizome, so wie die an denselben befestigten 
Wedelstiele sind etwas gekrümmt, so wie man dergleichen an 
lebenden Farnen, deren Rhizome sich mehr oder weniger horizontal 
in der Erde ausstrecken, zu beobachten im Stande ist. Die Wedel- 
stiele umgeben in dichten Reiiien die Axe, die nicht mehr als 
7 Millim. im Durchmesser beträgt (Fig. 7 *). An den Abbildungen 
Fig. 1, 2 und 3 ist die Axe, obgleich vielfältig verletzt, eine grös- 
sere oder geringere Strecke lang durch zufällige Spaltung des 
Rhizoms blossgelegt, während sie in den Fig. 4, £> und 6 von allen 
Seiten mit meist kurz abgebrochenen Wedelstieleu bekleidet erscheint . 

Während Ludwig der Länge des Rhizoms auf */ 4 Meter 
angibt, übersteigt das Fig. 4 abgebildete Stück dieses Mass noch 
(um U'28 Meter), und das grösste von mir gemessene betrug sogar 
0-342 Meter; allein 0. Heer bezeichnet die längsten englischen 
Rhizome dieses Farns mehr als noch einmal so lang (0*75 Meter) 
mit einer Breitenausdehnung der daran befestigten Wedelstiele von 
0-2 Meter, was jedenfalls auf einen ansehnlichen, wenngleich nicht 
baumartigen Farn schliessen lässt, wofür auch die Grösse und Aus- 
dehnung der Wedel sprechen. 

Schon 0. Heer bemerkt, dass Wurzeln an diesem Farn selten 
zu bemerken seien, obgleich dennoch hie und da einige fadenförmige 
Körperchen vorkommen. Auch die deutschen Specimina zeigen 
solche Wurzelfasern nicht; sie können also jedenfalls nur sparsam 
und in nicht sehr ausgezeichneter Form an dem lebenden Farne vor- 
handen gewesen sein. 

Allein ein anderes Organ scheint sowohl an der Bildung der 
Rhizome als der Basaltheile der Wedelstiele Theil genommen zu 
haben, nämlich starke, vielleicht sogar ziemlich verlängerte Spreu- 
schuppen. Ganz besonders deutlich ist, dass an der vorerwähnten 



292 Unger- 

AbbildungLud wi'gs (I.e. Täf. 3, Fig. 3), wo eben die für aufgelöste 
und zerfaserte Wurzelenden angesehenen Wedelstiele nichts anders 
als Massen von Spreuschuppen sein können, womit das Rhizom und 
die Grundtheile der Wedelstiele dicht bedeckt waren. 

Wenngleich, wie es scheint, das Rhizom dieses Farnes einfach 
ohne Verzweigung in der Mehrzahl der Fälle vorkommt, so fand ich 
doch auch ein verzweigtes Exemplar (Fig. 4), und es mögen solche 
gabelförmige Spaltungen der Hauptaxe wohl öfters statthaben, 
ohne dass man sie zu bemerken im Stande war. — 

Gehen wir zur anatomischen Untersuchung der Axe über. An 
der guten Erhaltung derselben, wie sie mir an dem Exemplare Fig. 2 
vorlag, lässt sich nichts aussetzen. Nicht nur, dass die Elementar- 
theile, die einzelnen Partien der Gewebe scharf unterschieden und 
deutlich erkennbar sind, es ist auch der sonst selten bei Lignit- 
bildungen vorkommende Fall vorhanden, dass der Stamm durchaus 
keine Quetschung erfuhr. 

Ein auf die Axe desselben senkrecht geführter Querschnitt 
in viermaliger Vergrösserung (Fig. 7) zeigt sehr deutlich sowohl 
den Gefässkörper als das von ihm eingeschlossene Mark, so wie die 
ihn umgebende Rinde schon durch die Farbe und durch die Textur 
unterschieden. Während letztere dunkelbraun , ja fast schwärzlich 
erscheinen, hat erstere eine hellere, rostbraune Farbe erhalten. Die 
unregelmässigen Einkerbungen des Randes, welche die Fläche des 
Durchschnittes in sechs grössere und kleinere Lappen bis zu l / 6 der 
Breite einschneiden , entsprechen den wahrscheinlich sehr gedrängt 
um die Axe stehenden Wedelstielen. Ungefähr vom ersten bis zum 
zweiten Drittel des Stammes bildet der Gefässkörper einen beinahe 
vollständig geschlossenen Ring, an welchem man nur die ihn zusam- 
mensetzenden Gelasshündel durch ihre nach aussen und nach innen 
vorspringenden Abriindungen zu erkennen vermag, auch ist es mög- 
lich die Anzahl derselben zu bestimmen, die er im gegebenen 
Durchschnitte in der Zahl von 8 erreicht. 

Die Mächtigkeit derselben wechselt nicht sehr, doch kann 
man nicht undeutlich entnehmen, dass die kleineren Bündel sich eben 
durch Abgabe von Zweigsträngen nach aussen verschmälerten; 
Stränge, welche durch den Ritdenkörper eine Strecke verlaufend, 
sicher die Bestimmung haben, die Wedel zu versorgen. Im Ganzen 
erscheinen auf dem dargestellten Durchschnitte 6 — 7 solcher aus 



Über einen in der Tertiärformation sehr verbreiteten Farn. 293 

dem Gefässcylinder stammender kleiner halbmondförmig oder anders 
gestalteter Zweigbündel. 

Von Bündeln, die zu den Wurzeln treten, sah ich hier keine 
Spur. 

Was die Zusammensetzung des Gefässkörpers anlangt, so geben 
Querschnitte und Längenschnitte (Fig. 8 und 9) hinlängliche Aus- 
kunft. Man ersieht daraus, dass derselbe unvermischt von dünn- 
wandigen Prosenchymzellen nur aus Treppengefässen mit weiterem 
oder engerem Lumen zusammengesetzt ist, auch zeigen sich diesel- 
ben im Baue durchaus nicht abweichend von den Treppengefässen 
der lebenden Farne überhaupt. Ob dieser Gefässkörper von einer 
besondern Schicht dünnwandiger Prosenchymzellen umgeben wird, 
oder ob wenigstens die in der Rinde zerstreuten Gefässbündel von 
einer solchen Schicht zarter Elementartheile umgeben ist, konnte 
nicht mit Sicherheit eruirt werden, obgleich dies nicht der Fall zu sein 
schien. Eben so wenig war es möglich, eine genaue Einsicht in die 
elementare Zusammensetzung des Markkörpers sowohl als des Rinden- 
körpers zu erlangen. Indess ist das gewonnene Resultat der mikro- 
skopischen Untersuchung dennoch hinreichend, um die wesentlich- 
sten Vergleichungspunkte unter den Farn der Leben welt auszusuchen 
und zu constatiren. 

Sehen wir uns demnach um Analogien dieses fossilen Farnes in 
der Flora der Gegenwart um, so hat, wenn man zuerst auf die 
Gestalt des Wedels und auf die Nervenvertheilung Rücksicht nimmt, 
der Vergleich mit Arten von Aspidium, namentlich aber mit Plena- 
sium (cf. C. Presl, Tentam. Pteridographiae p. 109, t. III, f. 13) viel 
für sich. 

0. Heer führt, wie bereits angegeben, an, dass Hemitelia 
integrifolia und Hemitelia speciosa, vor allen aber Hemitelia Kar- 
steniana (cf. Mettenius Icones filic. t. 29, f. 2) in Bezug auf Ner- 
vatur mit dem in Rede stehenden Fossile grosse Übereinstimmung 
zeigt. 

Allein wenn wir tiebst dem Wedel auch den Caudex berück- 
sichtigen , so kann wohl weder von der einen , noch von der andern 
Gattung bei einer vergleichenden Zusammenstellung die Rede sein. 
Aspidium hat zwar häufig ein kriechendes Rhizom, und dasselbe 
gleicht unserem Fossile zwar in vielen Stücken, doch ist der ana- 
tomische Bau desselben ein zu verschiedener, als dass eine Ver- 



294 Unger. 

gleichung mit demselben gerechtfertiget werden könnte. Noch ent- 
fernter ist die Ähnlichkeit mit Hemitelia, das meistens nur arbores- 
cirende Formen hat mit dem Baue von Alsophila, Cyathea u. s. w., 
denen es auch in Bezug auf Fructificationsorgane am nächsten steht. 
Nimmt man indess blos auf die anatomische Beschaffenheit des 
Rhizoms Rücksicht, so ist nicht zu übersehen , dass es nur wenige 
Farngattungen gibt, bei welchen die Gefässbündel des Stammes 
einen geschlossenen Kreis, also einen wahren, vielleicht nur durch 
schmale Spalten durchbrochenen Cylinder bilden. 

Hier sind vor allen zu nennen Diksonia, Denstaedtia und Chry- 
sodium ')• Während aber die erstere Gattung grösstentheils nur 
aufrecht stehende und baumartige Stämme bildet und diese schon 
darum unserem Fossile ferne steht, sind bei letzteren beiden mark- 
ständige Gefässbündel von dem Gefässcylinder eingeschlossen 
vorhanden, die unserem fossilen Rhizoine durchaus fehlen. 

Auch Cheilanthes hat zwar einen geschlossenen Gefässkreis, 
aber ohne Gefässbündel im Rindenkörper, in die sich theilweise 
der Gefässcylinder selbst auflöset. 

Wir haben ausser diesen in Vergleiehung gezogenen Farnen nur 
noch jene in Betrachtung zu ziehen, bei welchen der Gefässcylinder 
aus Bündeln besteht, die im Kreise gestellt sehr enge an einander 
schliessen und ausser dem noch peripherische kleinere Gefässstränge 
in dem Rindenkörper enthalten. 

Acrostichurn-Arten und insbesouders Polybotrya können uns 
hier als Anhaltspunkte dienen. Denken wir uns. z. B. Polybotrya, 
Meyeriana Mett., von der uns Metten ius eine vollständige Ana- 
tomie gibt 2 ). Die centralen Gefässbündel, die zwar nahe aneinander 
gerückt sind, aber doch immer noch ansehnliche Spalten ihres netz- 
förmigen Zusammenhanges zwischen sich lassen, sind immer in 
geringerer Anzahl vorhanden als die sehr zahlreichen viel kleineren 
peripherischen Bündel, die stellenweise sogar zwei Schichten bilden. 
— Von Allem dem ist bei dem Vergleiche mit Fig. 7 keine Rede, 



*) Vergl. hierüber Ch. Mettenius: „Über den Bau von Anyioptcris". Abhnndl. der k. 
sächs. Ges. d. Wissenschaften. Bd. VI, p. 502, 1863; und H. W. Reichardt: 
„Über die (jefässbündelvertheilung im Stamme und Khizome der Farne". Denksch. 
d. k. Akad. d. Wiss. Bd. VI. 

») L. c. Taf. VII, Fig. 2. 



('her einen in der Tertiärformation sehr verbreiteten Farn. <c9ö 

wo die äusseren vom centralen Gefässcylinder entspringenden 
Bündel immer nur in kleinerer Anzahl vorhanden sind. 

Es ist somit eine Vergleichung mit Polybotrya durchaus nicht 
stichhaltig, obgleich z. B. Polybotrya pubensMavt. (cf. Martius, 
Icones selec. plant, crypt. Brass. F. XXV, p. 87) in Bezug auf Form, 
Grösse und Beschaffenheit des Rhizoms grosse Ähnlichkeit mit 
unserer Pecopteris lignitum zeigt. 

Ausser den genannten ist mir kein Farnkraut bekannt, das zum 
Vergleiche hieher zu ziehen wäre, als die Gattung Osmunda. Aber 
auch bei Osmunda regalis, welche ich zu untersuchen Gelegenheit 
hatte *), sind die im Kreise gestellten Gefassbündel nicht vollkom- 
men zu einer Röhre vereinigt, sondern lassen dort und da kleine 
Zwischenräume übrig, dagegen sind die einzelnen Bündel so wie 
bei Pecopteris lignitum rundlich und der Zahl nach 1 — 8. Noch 
auffallender ist jedoch die gleiche lappige Form des Rindenkörpers 
in beiden, welcher hier wie dort von zerstreuten, in die Blätter 
abgehenden, auf dein Querschnitte rundlichen oder oblongen Gefäss- 
bündelu durchsetzt wird. Leider war ich nicht im Stande, in 
denselben die nähere elementare Zusammensetzung mehr zu 
erkennen. 

Was jedoch die Gefassbündel der Axe betrifft, so sind auch 
diese in beiden Fällen nur aus Treppengefässen ohne Holz und Bast- 
scheide zu erkennen, was natürlich noch mehr als alles übrige ihre 
nahe Verwandtschaft erkennen lässt. 

Berücksichtigt man endlich noch die Grössenverhältnisse beider 
Farnstämme, so wie ihre Form, so stimmen sie auch hierin vollkom- 
men überein, so dass man daher wohl mit einigem Grund behaupten 
kann, es herrsche, wenn auch die Form des Wedels der fossilen 
Pflanze mit der Form des Wedels von Osmunda nicht übereinstimmt, 
dennoch in Bezug auf das Rhizom die meiste Übereinstimmung und es 
könne daher die fossile Pecopteris lignitum unbedingt eher mit 
Osmunda als mit Hemitelia verglichen werden. 

Ich muss es übrigens sehr bedauern, dass ich, während ich 
dies schreibe, nicht mehr im Besitze der fossilen Pflanze bin und 
auch vor mehreren Jahren , als ich jene oben angegebenen anatomi- 



J ) Ein fossiles Farnkraut aus der Ordnung- der Osmundaceen. Üenkschr. d. k. Akad. 
d. Wissenschaften. Bd. VI, 1853. 



296 Unger. 

sehen Untersuchungen machte, all' zu schonend mit dem kleinen 
Stücke umgegangen bin, bei dessen vollkommener Aufopferung es 
mir vielleicht gelungen sein würde, doch etwas Näheres über den 
Gefässkörper, so wie über die Beschaffenheit der Gefässbündel der 
Stipites gefunden zu haben. 

Schliesslich mache ich darauf aufmerksam, dass bereits ein 
fossiles Farnkraut mit dem deutlich ausgesprochenen Bau von 
Osmunda in dem tertiären Süsswasserquarze von Ufa in Ungarn, 
das ich in der oben citirten Abhandlung unter dem Namen Osmun- 
dites schemnizensis beschrieb, vorkommt. Vergleicht man den vier- 
fach vergrösserten Querschnitt des Bhizoms unserer Pecopteris 
Ugnitum mit dem auf Taf. 1, Fig. 1 in doppelter Vergrößerung 
gegebenen gleichen Schnitte von Osmundites schemnizensis, so 
springt, sobald man beide Querschnitte auf gleiches Mass reducirt, 
die Übereinstimmung beider, ich möchte sagen, bis zur Evidenz in 
die Augen. Sowohl die gleiche Grösse des Bhizoms als der schein- 
bar undurchbrochene Ring des Gefässkorpers sprechen dafür. Wir 
hätten demnach in unserer Pecopteris Ugnitum eine bereits bekannte 
fossile Pflanze, und hätten bei unseren Forschungen hierüber nur 
so viel gewonnen, dass wir nun wissen, wie zugleich der Wedel der- 
selben beschaffen war, ohne jedoch noch eine vollständige Sicher- 
heit darüber zu haben, ob diese Fossilien der Gattung Osmunda oder 
den Osmundaceen überhaupt oder einen andern jenem verwandten 
Genus angehöre. 

Ohne weiters wird es auch gelingen, mit der Zeit fruetificirende 
Wedel aufzufinden, welche den fraglichen Gegenstand dann zur end- 
giltigen Entscheidung bringen werden. Vor der Hand möge also die 
alte Bezeichnung der in Deutschland und England so verbreiteten 
Pflanze bleiben, für welche nun nur die Diagnose verändert werden 
muss. Dieselbe würde nun in folgender Weise lauten müssen: 

Pecopteris lignitnin (Gieb.) Heer. 

P. Caudice repente simplici mit ramoso grosse paleaceo, cor- 
ticato, cylindro fasciculorum lignosorum integro e f'ascicuUs 7 — 8 
conflato, fasciculis in medulla nullis in cortice paucis; frondibus 
pinnatis coriaeeis vernatione circinatis , f'ertilibits saepissime con- 
tr actis? pinnis linearibus longis apice valde attenuatis et acumi- 



Über einen in der Tertiärformation sehr verbreiteten Farn. 279 

natis, basi plerumqtte breviter petiolatis , profunde incisoserratis 
nervis tertiariis furcatis inf'erioribus valde curvatis in sinnm laci- 
niarum eoccurentibus. 

Pecopteris (Hemitelia) ignitum Heer. On the lignite for- 
mation of Bovey Tracey (Philos. Transact. II. 1862. Plate IV, 
f. 4_6; V. f. 1—11; VI, f. 1—7). 

Pecopteris lignitum, P. crassinervis, P. leucopetrae, P. angusta 
Giebel, Paläontolog. Untersuchungen (Zeitschrift für die gesammten 
Naturw. 1857, p. 305, pl. 2, f. 2). Aspidium lignitum Heer. Beiträge 
zur näheren Kenntniss der sächsisch-thüringischen Braunkohlen- 
flora p. 424, pl. 9, f. 2, 3. Aspidium Meyeri Ludwi g, Paläontogr. 
VIII, p. 63, pl. 12, f. 3. Osmunda schemnizensis F. Unger. Ein 
fossiles Farnkraut etc. Denksch. d. k. Akad. d. Wissensch. Bd. VI. 



Erklärung der Abbildungen. 

Fig. i — 6. Rliizonie von Pecopteris lignitum in natürlicher Grösse. Fig. 4 an der 
Spitze verzweigt, die übrigen einfach, alle an der Basis abgebrochen 
aber mit den noch anhängenden Wedelstielen versehen. — Fig. 2 ent- 
hielt am Grunde noch ein Stück wohl erhaltener Axe oder Stamm. 

„ 7. Dieser Stamm im Querdurchschnitte viermal im Durchmesser vergrössert. 
Man erkennt den lappig ausgeschweiften, dunkel braunschwarzen 
Rindenkörper und einen eben so gefärbten Markkörper, zwischen 
welchen die acht zu einem geschlossenen Cylinder zusammengetretenen 
lichten Gefässbündel des Holzkörpers sich befinden. — Acht geson- 
derte, bei weitem kleinere Gefässbündel von verschiedener Form 
sind um den Holzkörper in verschiedenen Abständen gelagert. — 
7* Querdurchmesser des Stammes. 

„ 8. Ein Stück aus dem querdurchschnittenen Holzkörper in lOÜmaliger 
Vergrösserung. Man erkennt nur Treppengefässe, aus denen er 
zusammengesetzt ist. 

„ 9. Eben diese Treppengefässe auf dem Längenschnitt des Holzkörpers, 
in gleicher Vergrösserung. 

„ 10. Oberer Theil eines restaurirten Wedels von Pecopteris lignitum, in 
natürl. Grösse. — Nur an einigen unteren Fiedertheilen ist die Zeich- 
nung der Nervatur ausgeführt. 



298 



IX. SITZUNG VOM 31. MÄRZ 1864. 



Herr Prof. H. Hlasiwetz übersendet eine vorläufige Notiz 
„über einige Harze". 

Herr Prof. Dr. C. Jelinek, Director der k. k. Centralanstalt für 
Meteorologie und Erdmagnetismus, übermittelt ein Schreiben des 
Reichsrathsabgeordneten und Custos am krainischeu Landesmuseum, 
Herrn Karl Deschmann in Laibacb, an die kais. Akademie, über 
einen im Reifnizer Bezirke und den angrenzenden Gebieten am 
21. Februar I. J. stattgehabten merkwürdigen Staubfall, und über- 
sendet gleichzeitig Proben eines andern, in der Nacht vom 21. auf 
den 22. Jänner I. J. in Österreichisch- und Preussisch-Schlesien 
gefallenen Meteorstaubes. 

Herr Dr. A. Boue berichtet über die neuen Karten der zwei 
serbischen Kreise Uschitze und Knjesevatz, von den Herren Steph. 
Obradovitsch und K. Kiko. 

Herr Prof. R. Kner spricht über das Vorkommen der sogenann- 
ten Thymusdrüse bei Fischen und über die Schwimmblase der 
Stachelflosser. 

Herr Director K. v. Littrow überreicht eine Abhandlung über 
„Physische Zusammenkünfte von Asteroiden im Jahre 1864". Der- 
selbe übergibt ferner die „Bahnbestimmung des Kometen 1863 IL", 
von Herrn Dr. Frischauf, Assistenten der k. k. Sternwarte. 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 

Akademie der Wissenschaften, k. bayer. , zu München: Sitzungs- 
berichte. 1863. IL Heft 3—4. München, 1863; 8°- 

Annalen der Chemie und Pharmacie von Wöhler, Liebig 
und Kopp. N. R. Bd. LIII. Heft i und 2. Leipzig & Heidel- 
berg, 1864; 8o- 
— der königl. Sternwarte bei München. IV. Supplementhand. Mit 
9 lithogr. Tafeln. München, 1863; 8«" 



299 

Astronomische Nachrichten. Nr. 1446 — 1467. Altona, 1864; 4°- 
Bibliotheque Universelle et Revue Suisse: Archives des sciences 

physiques et naturelles. N. P. Tome XIX% No. 73 — 74. Ge- 

neve, Lausanne, Neuchatel, 1864; So- 
Bond, G. P. , On the new form of the achromatic object-glass 

introduced by St ein heil. (From the Proceedings of the Amer. 

Acad. of A. & Sc; Vol. VI.) Cambridge, 1863; So- 
Bonn, Universität: Akademische Gelegenheitsschrit'ten aus dem 

Jahre 1863. 4" und 8°- 
Comptes rendus des seances de TAeademie des Sciences. Tome 

LVIII. No. 9—11. Paris, 1864; 4«- 
Cos mos. XIII 6 Annee, 24 e Volume, 12 e — 13 e Livraisons. Paris, 

1864; 8o- 
Gesellschaft, physikalische, zu Berlin: Die Fortschritte der 

Physik im Jahre 1861. I. und II. Abtheilung. Berlin, 1863; 8*- 

— physikalisch-medicinische zu Würzburg: Würzburger medi- 
cinische Zeitschrift. IV. Bd., 5. und 6. Heft. Würzburg, 1863 ; 8"- 

— Senckenbergische, naturforschende: Abhandlungen. V. Bd., 
1. Heft. Frankfurt a/M., 1864; 4«- 

— physikalisch-ökonomische zu Königsberg: Schriften. IV. Jahr- 
gang 1863. I. Abtheilung. Königsberg, 1863; 4o- 

Grüne rt, Joh. Aug., Archiv der Mathematik und Physik. XLI. Theil, 

3. Heft. Greifswald, 1864; So- 
ll a gen, G., Über die Wärme der Sonnenstrahlen. (Aus den Abhand- 
lungen der Königl. Preuss. Akademie der Wissenschaften in 

Berlin, 1863.) Berlin, 1864; 4o- 
Halle, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus dem 

Jahre 1863. 4« und 8o- 
Institution, The Royal, of Great Britain: Proceedings. Vol. IV. 

Parts 1 und 2. (No. 37 und 38.) London, 1863; 8o- — A List 

of the Members, Officers, and Professors, 1863. London, 

1863; 8°- 
Jahrbuch, Neues, für Phannacie und verwandte Fächer, von 

F. Vorwerk. Band XXI. Heft 1 & 2. Speyer, 1864; 8o- 
Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie etc., von Kopp 

und Will, für 1862. II. Heft. Giessen, 1864; 8o- 
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XIV. Jahrgang Nr. 9. 

Wien, 1864; 4o- 



300 

List of new nebulae and star-clusters seen at the observatory of 

Harvard College, 1847 — 1863. (From the Proceedings of the 

Amer. Aead. of A. & Sc, Vol. VI.) Cambridge, 1863; 8<>- 
Marburg, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften für 

1862/3. 4o- & So- 
Mondes^ Annee, Tome IV, ll e — 12 e Livraisons. Paris, Tournai, 

Leipzig, 1864; 8»- 
Moniteur scientifique. 174 e Livraisun. Tome VI e . Annee 1864. 

Paris; 4°* 
Schlagintweit, Hermann, Adolphe and Robert de, Results of 

a scientific mission to India and High Asia. Vol. III. Leipzig 

& London, 1863; 4<" 
Reader, The, No. 64— 65. Vol. III. London, 1864; Folio, 
Societä Reale di Napoli: Rendiconto dell' Accademia delle Scienze 

fisiche e matematiche Annoll. Fase. 4. — 10, Aprile — Ottobre 

1863. Napoli, 1863; 4»- 
Societe Royal de Sciences de Liege: Memoire«. Tome XV1IP. 

Liege, Bruxelles, Paris, 1863; So- 
Society, The Anthropological of London: The Anthropological 

Review. No. 3 & 4. November 1863 & February 1864. 

London; 8°- 

— The Chemical: Journal. Ser. 2. Vol. I. Oct. — Dec. 1863. 
(N. S. No. X— XII.) London, 1863; 8<- 

— The Royal Asiatic, of Great Britain «Sc Ireland: Vol. XX, 
Parts 3 &4. London, 1863; 8«- 

— The Royal, of Edinburgh: Transactions. Vol. XXIII. Part 2. 
For the Session 1862—63. 4»- -Proceedings. Vol. V. No. 59. 
For the Session 1862 — 63; So- 
Wiener mediziu. Wochenschrift. XIV. Jahrg. Nr. 12 — 13. Wien, 

1864; 4o- 
Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft. 

XIII. Jahrg. Nr. 10. Gratz, 1864; 4o- 
Zeitschrift für Chemie und Pharmacie von E. Erlenmeyer. 

VI. Jahrg. 21. — 24. Heft; VII. Jahrg. 4 & 5. Heft. Heidelberg, 

1863 & 1864; 8o- 



301 



Über die neuen Karten der zwei serbischen Kreise von 

Uschitze (Ujitze) von Steph. Obraclovitsch und von Knje- 

sevatz (ehemals Gorguschovalz) von K. Kiko. 

Von dem w. M. Dr. A. Boue. 

(Mit 1 Tafel.) 

Da ich schon über die vorhandenen serbischen kartographi- 
schen Arbeiten berichtete, so erlaube ich mir, der Ciasse Einiges 
über diese neuen Karten mitzutheilen, weil sie in Europa sehr wenig 
bekannt sind, die erstere wenigstens in dem wenig gelesenen Glas- 
nik der literarischen Belgrader Gesellschaft (1860) sich befindet. 
Ausserdem geben sie uns von höchst interessanten Gegenden Ser- 
biens ein treueres Bild als die bisherigen Karten. 

Der Uschitzer Kreis begreift einen Theil des gebirgigen, 
ganz südwestlichen Theiles Serbiens, welcher gegen Westen durch 
die bosnische Drina, gegen Südwest durch den unteren Lauf des 
in Serbien entspringenden Tzrni-Rzav, gegen Süden durch die Ivatz 
und TisoYitza, Zuflüsse des Lim, und gegen Osten durch die ser- 
bische Morava und das Gebirge seiner Quellen ziemlich gut be- 
grenzt wird, indem gegen Norden die zwei Kreise von Podrinsko 
und Valievo liegen. 

Der Uschitzer Kreis umfasst eigentlich den Becken von vier 
Flüssen, namentlich die serbische Morava, den Rzav, die Dietinia 
und den Skrapege, dessen Vereinigung östlich in ungefähr mittlerem 
Theile dieses Troges liegt. Östlich stösst der Kreis an den serbi- 
schen Rudniker, besonders nördlich der Morava, indem südlich der 
Tschatschaker liegt. 

Südwestlich wird der untere Lauf des Tzrni-Rzav an der ser- 
bischen Grenze durch die bosnische Gegend von Zemlitze undVele- 
tovo getrennt, südlich von Ivatz zwischen letzterer und dem Lim 
befinden sich diejenigen fremden Gegenden von Schtrbtzi, Bania- 
Brezovatschka und nördlich von Tisovitia diejenigen von Tisovitza 



30<£ Boue. Über die neuen Karlen der zwei serbischen 

und Bukovik. Weiter südöstlich kommen am Ursprung der Tisovitza 
Kladnitza, weiter jenseits des Gebir^skammes an den oberen Quellen 
der serbischen Morava die bosnischen Gegenden von Livüa Rieka, 
Vrnitza, Muoyo und endlich Radovitza. 

Der Uschitzer Kreis ist in fünf Districte getheilt, namentlich 
nördlich der von Trznagora, in der Mitte der von Zlatibor, westlich 
der von Ratschan und dann östlich der von Arilie und der Morava. 

Der Zlati borer District liegt schon über die bedeutenden, 
grösstenteils Kalkrücken von Jelova-Gora, Ponikve und Tschargan, 
welche der Drina besonders ihre Wässer mittelst vier grossen und 
zwei kleinen Bachen zuführen. 

Von dem am nördlichsten liegenden Jelova-Gora fliessen erst- 
lich in südwestlicher Richtung der Treschnievitza und in west- 
licher der Zaglavatsc hka herunter, zwischen beiden erhebt sich 
das kleine Mittelgebirge von Svoidrug. Der erste Bach mündet 
oberhalb Vatschevtzi und auf ihm liegt Oklstatz, an seinen Quellen 
ist der durch Grenzgefechte wohl bekannte hohe Ort Gvozdatz. 

Östlich von dem Hügel Svoidrug ist Ovtschina mit der Zaroge- 
Gebirgsgegend nördlich und die von .lakal und Jelovik südlich. 

Der Zaglavatsc hka hat zwei Quellen, eine von NO. ober- 
halb Tzer und südlich von Jelovik, und die Hauptquelle kommt von 
den Gebirgsweiden Zlodoi, welche auch wie diejenigen von Zagla- 
vak nördlich von jenem Bache als Eingang zum Morava-Becken der 
Schauplatz von Gefechten war. 

Der nächste Znfluss der Drina ist der Bach Pilitza. Er 
kommt in westlicher Bichtung von den vor dem Ponikve liegenden 
hohen Gebirgsgegenden , welche die Namen von Pilitza, Pepel, und 
Obaigore tragen. Zwischen dem Pilitza und der Zaglavatschka lie- 
gen vorzüglich zwei kleine Bergrücken, nördlich der Kostojevitch 
mit dem Dorfe Pogatschitza an seinem westlichen Ende und südlich 
der von der Tzrvitza und Sieratscher Gegend mit dem Dorfe Gub. 
Am Pilitza am Ort Vischesava wurde einst gefochten. 

Südlich von Pilitza begegnet man in einer geringen Entfernung 
den Batscha als ein Vierte r-Zufluss der Drina, welcher aber von 
Süd nach Nord und nur später von dem Dorfe Ratscha an gegen 
Westen Hiesst, weil vor dem Ponikve der parallel laufende Rücken 
der Ivitza steht und zwischen dem obersten Theil der Ratscha und 
der Drina der Berg Jervescha sich befindet. 



Kreise von Usehitze und von Knjesevatz. «{03 

An der unteren Ratscha ist die Gegend Besarovina und höher 
die von Perutchan. Zwischen der Ratscha und der Pilitza liegt 
das Dorf Baniabaschta auf dem Wege von Uschitze nach Bosnien. 

Südlich von dem Berge Jervenscha fliesst uu» einem kleinen 
See ein kurzer Bach westlich Paslischte vorüber in die Drina und 
westlich befindet sich ein noch kürzerer. 

Der übrige südlichste Theil des Districtes Zlalibor wird durch 
fünf Kalkkämme ohne bewohnte Ortschaften, ausser südlich Zuovina, 
eingenommen, die drei östlichen und grössten streichen von NW. 
nach SO. und heissen Planina Milaschevitz, Zborischte und Tara. 
Westlich von letzterem liegt südlich von Rastischte die niedrigere 
Gebirgsgegend Jagoschtifza und weiter gegen der Drina die fünfte 
Erhöhung. 

Der District von Tzernagora umfasst das Gebiet des 
Skrapege und des Kamenitza. Letzterer, ein kleiner Bach, 
kommt nordwestlich vom Maliengebirge des Valievoer Kreises und 
erreicht dieMorava nur ausserhalb dem Uschitzer Kreise. Auf seinem 
unteren Laufe liegen die drei Dörfer von Unter-, Mittel- und Ober- 
Dobrinia und von Goina-Gora, so wie die Gegenden von Mrschel, 
Maovi. Tometinopol und etwas östlich diejenige von Bogdanitza und 
das Dorf Drujetitch. wo Töpferthon angegeben steht. 

Der Skrapege hat zwei Hauptzuflüsse, namentlich in seinem 
Mittellauf der Lujnitza und Tschestobroditza und in seinem 
obersten Theil die drei Quellen des Klodoruba vom N., der 
Godlievska von NW. und der Sietscha Rieka von SW. Letz- 
tere drei durchfurchten die Abhänge eines Gebirgsvierecks, wel- 
ches auf seiner Nordseite durch die Planina-Bukovi, gegen Westen 
durch den Povlen, gegen SW. durch das nordwestliche Ende des 
Jelova-Gora und gegen Süd durch die Planina-Tzrnokosa begrenzt 
wird. 

In dem Dreieck zwischen der Sietscha Rieka und Goslievska 
Rieka liegen die Dörfer Makovischte, Gogetschevo und Sietschareka 
am Zusammenflüsse der beiden Wässer, dann die Gebirgsgegenden 
Ruda-Bukva am oberen Sietscha Taor gegen Westen und Krusch- 
tschitza gegen der Quelle der Godlievska Rieka. — Zwischen den 
letzteren Bächen und der Kladoruba sind vor der Bukovi-Planin^ die 
Gegenden von Drenovtzi, Paramun, Mrtschitch , Dubnilza, Rada- 
novtzi, Schevrlioge. Zwischen dem Kladoruba und Tschestobroditza 

Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLIX. Bd. 1. Abth. 2t 



304 Boue. Über die neuen Karten der zwei serbischen 

liegen fünf Bergrücken, namentlich gegen Norden der Tschistschi- 
vare und Mafien, in der Mitte der Tzrni Vr mit der Ortschaft Subiel 
und endlich der Kozomor. Bei Subiel soll ein wahrscheinlich ter- 
tiäres Steinkohlenlager und östlich des Tzrni-Yar ein salinisches 
Mineralwasser vorhanden sein. 

Zwischen dem von NO. nach SW. laufenden Tschestobroditza 
und dem NS. laufenden Kamenitza liegt besonders der Berg Smischal 
mit den Ortschaften Tschestobroditza und Jejevitza westlich und 
südlich der Marktflecken Poschega. 

Endlich der südliche Theil des Tzrnagora-Districtes ist von 
W. nach 0. durch den Lujnitza durchflössen, indem nördlich zwi- 
schen diesem Bache und dem Skrapege der lange Bergrücken von 
Trznokosa liegt und südlich die Gebirgsgegenden von Gostinitza 
und Duboko. In dem engen dreieckigen Winkel zwischen dem 
Skrapege und der Üietinia kommen bei Gorobilie salzige Mineral- 
wässer vor. 

Der Mitteidist riet von Zlatibor wird durch die Dietinia 
bewässert, liegt zwischen dem Bzav und dem Gebirge Ponikve und 
erstreckt südlich über den Zlatibor bis zum Ivatz. Der von S. nach 
N. laufende Fluss Dietinia, an welchem die Kreishauptstadt Uschitze 
liegt, hat drei Hauptquellen und drei Zuflüsse. Einer der letzteren 
auf der linken Seite ist ein kleiner Bach, welcher, von W. nach 0. 
fliessend, von Stapari kommt, wo Marmorfelsen sind und der etwas 
oberhalb dem Schlossfelsen von Uschitze mündet. 

Der andere Zufluss ist dieKonska, welche fast parallel mit der 
Dietinia läuft und mit seinen Quellen am Kreide ähnlichen Kalk ent- 
haltenden Vs-PIanina liegt, auf der westlichen Seite bis zu Kremna 
und östlich fast bis Semegnievo sich heraufzieht. Die Mündung im 
Dietinia ist bei Tripkova. Am östlichen Ufer ist ein kleiner Bach 
bei Priianovitchi. 

Die Quellen der Dietinia bilden am Zlatibor zwei Bäche bei 
Vranejtzi und der grössere Bach Grabovitza, welcher von SO. 
nach NW. fliesst und gegenüber von Schlirovitza endigt. 

In dem Vierecke zwischen letzterem Bache, dem Bzav und der 
Dietinia herrscht eine gebirgige Gegend mit dem Berge Koschuscha. 
zwischen Kriva-Rieka und Böge und nördlicher der Berg Blagaia mit 
einem altem Schloss zwischen Rzav und Dietinia. Das ist die Gegend 



Kreise von Uschitze und von Knjesevatz. «3 05 

von Nikoievitchi , wo Silber, wahrscheinlich silberhaltige Bleierze 
und Steinkohlen vorkommen. 

Der südlichste Theil des Districtes Uschitze liegt jenseits dem 
NW. nach SO. streichenden Zlatibor und Tschigota. Um jenen 
Bergrücken entspringt der Trzni - Rzav, welcher Nord -Süd 
fliesst, ehe er in ostwestlicher Richtung in die Drina eilt. Bei seiner 
Richtungsveränderung unterhalb Mokra-Gora empfängt er von NO. 
den Bach Jablanitza und von NW. die später vereinigten von 
Kamischnitza und Beli-Rzav. Der Trzni-Rzav durchschnei- 
det das Gebirge, namentlich westlich die Rücken derVs und den Aus- 
läufer des Tschargan und östlich den mit dem Zlatibor parallel 
streichenden Tornik. Zwischen beiden letzten Gebirgen kommt Eisen 
und Blei vor und im Süden von Tschargan ein zweites Eisenlager. 

Wenn die Hauptverkehrs-Strasse von Valievo nach Uschitze 
den Tzernogora-District durchschneidet und die Strasse von Tschat- 
schak nach Uschitze über Poschega mit zweimaligem Wasserüber- 
gang der Morava bei Prianovitschi und des Skrapege ohne Brücke 
östlich von Poschega sich befindet; so ist der Zlatibor-District 
wichtig, weil durch ihn der Hauptweg von Uschitze !nach der bos- 
nischen Stadt und Veste Vischegrad auf der westlichen Seite der 
Dietinia über dem Vs- Gebirge und längs der Trzni-RzaY sich zieht 
An der Drina ist eine Brücke. 

Der wegen seinen Gebirgen wenig bevölkerte D ist riet von 
Arilje ist zwischen dem geschlängelten SN.-Lauf des Rzay und dem 
Grabovitza, ein Zufluss der Morava, sowie zwischen Gebirgsge- 
genden eingezwängt. Seinen Namen erhielt er vom alten Kloster 
Arilje beim Dorfe gleichen Namens, das an der Ausmündung des 
Rzav in der Morava liegt. 

Die zwei Hauptquellen des Rzav entspringen in südöstlicher 
Richtung bei Motschiotzi auf den Gebirgen Tschemernitza, Kukut- 
nitza und Okruglitza, welche alle drei ostwestlich aufgezeichnet 
sind. Unterhalb der Gegend Jasenovo empfängt er auf seiner linken 
Seite von Süden die Bela-Rieka, ungefähr bei dem Dorfe des- 
selben Namens; oberhalb tliesst wieder mit demselben Ufer fast 
parallel die L io bis ch nitza vonLiobischl und dernTschigota-Berg 
herunter; endlich unterhalb Sirogoine kommt noch dazu der 
Prischtevitza vom selben letzteren Gebirgsrücken. Zu Liobischt 
ist eine Thermalquelle. 

21* 



*>()b Boue. Über die neuen Karten der zwei serbischen 

Auf dem rechten oder östlichen Ufer ist der einzige bedeutende 
Bach der Rzav-Malii, welcher von SO. nach NW. kommend von 
einem Ausläufer des Okruglitza-Berges bis nach Padobudje in Rsav 
fliesst und durch den SO. nach NW. streichenden langen Malitseh 
von dem Ponitza. einem Zuflüsse der Morava, getrennt ist. 

DerM or ava-District nimmt den ganzen übrigen dreieckigen 
östlichen Theil des Kreises ein, ist auch sehr gebirgig und wohnungs- 
arm. Die Quellen der Morava liegen südöstlich am Fusse der Gebirge 
Goliiaund Preko-Brdo. Zwischen beiden Quellen befindet sich in dieser 
hohen Gegend ein kleiner See, der sogenannte Jezeio. Die mehr öst- 
lich liegende Quelle reicht durch ihren ganz östlichen Lauf bis zum 
Odvratehenitza, dessen westliche Seite noch durch den Kopf des 
St udenitza- Baches bewässert wird. Westlich von diesen Quellen 
kommt der mehr S. nach N. laufende grosse Zufluss des Medgu- 
retscha. dessen Quelle bei Ertscheg ist und zwischen dem Berg- 
rücken Trzvena-Gora links und der Gebirgsgegend Rovine-Medovine 
rechts fliesst. 

Der weitere Lauf der Morava findet zwischen der grossen 
Planina-Brezova westlich und der von Velike-Livade östlich Statt, 
doch bleibt im Thale Platz genug für die Dörfer Opalienik, Roktzi 
und Viedina-Varosch, so wie für den Marktflecken Ivanitza. Unter- 
halb letzterem empfängt die Morava von Süden oder Schume den 
Bukovitza und etwas weiter unten den Grabovitza, auf wel- 
chem westlichen Ufer bei Prilike Säuerlinge sich befinden. 

Die Karte des Knjesevatzer, ehemals Gorguscho- 
vatzer Kreises, bietet nur das Bild eines sehr wichtigen Theiles 
der Türkei, namentlich das obere Becken des Timok. Diese be- 
deutende tertiäre Furche ist eigentlich der Verbindungsweg zwischen 
den zwei türkischen Vesten Widdin und Nisch, welche als wahre 
Wächter an diesem Theile der serbischen Grenze stehen. Nur nach 
schweren Kämpfen und durch die Terrainzufälligkeit, namentlich 
die Engpässe von Grumada und besonders von Vratarnitza, so wie 
durch einen kleinen Theil eines bewaldeten südlichen Grenzgebirges 
ist es den Serben gelungen, dieses Stück Land zu behalten. Jetzt 
geht der Militärweg von Widdin nach Nisch über Belgradschik, Isnebol 
und Mustapha-Pascha-Palanka oder bequemer über Arzer-Palanka, 
Tschiprovatz und Pirot. Die Timoker Gegend war aber entvölkert 
und wurde ganz besonders durch bulgarische Einwanderungen 



Kreise von üschitze und von Knjesevatz. 307 

colonisirt, zu welchem Zwecke sie sehr gut gelegen ist, da ihre 
südlichen, in Gebirgsschluchten reichen Theile den armen gedrückten 
Christen der Türkei den Grenzübergang erleichterte. Auf der ande- 
ren Seite verbindet das Timok-Thal das linke ganz serbische Ufer- 
gebiet mit dem Innern Serbiens, indem der Weg von Negotin nach 
Pojarevatz besonders durch den Übergang von zwei ziemlich hohen 
Gebirgskämmen, namentlich die des Poretzka Rieka und des Maidan- 
Peker Berges sehr erschwert wird. Darum bekommt das Innere 
Serbiens sein walachisches Steinsalz theilweise auf diesem Wege, 
und nur das übrige geht auf der Donau nach Belgrad. 

Das Timoker Thal hat fast nur Wälder in seinem östlichen 
Theile und selbst seine Berge nordwestlich sind meistens ganz kahl, 
was wohl grösstenteils daher stammt, dass diese Furche von den 
Römern schon als Militärstrasse benutzt wurde. Darum findet man 
auch noch ihr befestigtes Lager, die Ruine Gamsigrad nördlich von 
Zaitschar, welches die wahre Wache der trojanischen Brücke bei 
Kladova war. 

Seit der Menadovitschen Karte sind einige wenige Verände- 
rungen in dem Grenz-Karaul oder Wachposten eingetreten; die 
Grenzfigur gab Herr Kiko wenigstens wieder gut an. 

Der Fluss Timok entspringt nach unserem europäischen geo- 
graphischen Begriffe in Bulgarien noch oberhalb des serbischen 
Karaul Pandiralo. Diesen Theil des Flusses heissen die Serben 
Svrlitschkii - Timok oder Timok von Svrlik, weil eine alte 
Schlossruine dieses Namens unfern dieses Wassers unter der Mün- 
dung des kleinen Baches von Prekonoga und nördlich des Hau auf 
der Strasse von Grumada nach Knjesevatz steht. 

Südlich empfängt der Timok von Westen bis dahin noch drei 
andere Bäche bei Tuliane, Zrnolevitza und den» Mineralwasser-Bad 
Belvinie. Östlich fällt in ihn nur ein grosser Zufluss, welcher in 
nordöstlicher Richtung bis auf das kleine Jura -Kalkplateau gegen 
Ponor heraufreicht, welches die Strasse von Nisch nach Knjesevatz 
überschreitet. Von Osten fliessen in letzteren noch Wässer von 
Krenta und Lukovo herab. 

Vom Svrliker Thermal-ßad bis nach Knjesevatz empfängt der 
Timok drei Zuflüsse, namentlich von Süden oder Schlivovik und 
Drainui einen kleinen und dann ungefähr eine Stunde weiter zwei 
grosse von Norden, namentlich die Topla von Topla und von Beli- 



308 Boue. Über die neuen Karten der zwei serbischen 

potoku herunter. Am rechten Ufer des Timok unterhalb Sverlik 
liegt zwischen dem Fluss und seinem Zufluss der Zaglavskii-Timok 
ein ziemlich bedeutendes Kalkplateau, indem zwischen dem Timok 
und der Topla eine gebirgige Landschaft auch herrscht, welche die 
türkische Grenze ausmacht und um welche ein Dutzend Dörfer lie- 
gen, namentlich gegen Westen Trbavtzi und Kopai-Kaschar, gegen 
Süden Nischestzi, Varosch und etwas höher Metschidol, gegen Osten 
Palilula und Talibabinatz und gegen Norden Radmirovatz, das Kloster 
S. Arendjel und das Baddorf Potschitza (ein Thermal-Wasserort). 
Wegen diesen zwei Gebirgsgegenden musste die Landstrasse von 
Nisch oder dem serbischen Grumada über dem rechten Plateau 
tracirt werden, wo sie nur zwischen Ponor und Ilna herun- 
ter geht. 

Von Knjesevatz geht eine Strasse in nordwestlicher Richtung 
nach Banja in einem ziemlich offenen kahlen Thale, wo nur Wasser 
besonders in Regenzeiten fliesst; das bildet die nördliche Grenze 
der Svrliker Districts-Abtheilung, indem südlich der Zaglaver liegt 
und östlich der Timoker. Nördlich des Thaies sind nur die Dörfer 
Bulinovatz und Vina, und zwischen jenem Thale und Topla liegen 
die Dörfer von Glogovatz, Trezna, Balanovatz, Bojnovatz, Oreschatz 
und nördlich der Badeort Riegoschte am Tiinokfluss. 

Unterhalb Knjesevatz mündet von Norden ein ziemlich grosser 
Zufluss, welchen Kiko Mali- oder kleinen Timok nennt, indem 
H. Kanitz diesen Namen auf den Zufluss unterhalb Zaitschar an- 
wendet. Dieser Bach hat oberhalb Valjevtzi zwei Hauptquellen, 
namentlich die westlichste von Stogarovatz und Dretschinovatz und 
die östliche vonBoutschie, Sokolontza und Lepena herunterfliessend. 

Vom Mali -Timok bis zum Engpass Vratarnitza (die kleine 
Thüre) und bis zu Zaitschar liegt die Hügelreihe Magien mit 12 
Dörfern, namentlich Schtapina , Potrkanie , Dranovatz , Borovatz, 
Zagradje, alle nicht weit zum Flusse, welcher sich etwas nach 
OSO. dreht; höher an dem Hügel liegen Ravna, Debelitza, 
Manimatz, Kojel, Marinovatz und Belareka. Nur weiter östlich 
unterhalb Zaitschar fliesst der Mali-Timok von Zvesdan und Gamsi- 
grad mit SW. nach NO. Richtung im Timok und empfängt von Nor- 
den die Tzerna-Rieka, welche nach Vuk Stephanovitsch aus 
einer Kalkhöhle entspringt und einem der Districte des Negotiner 
Kreisen seinen Namen gibt. 



Kreise von Uscliitze und von Knjesevats- 300 

Auf seiner südlichen oder rechten Seite empfängt der Timok 
von Knjesevatz bis Vratarnitza oder eigentlich bis Izvor fünf grosse 
Bäche. Der grösste ist der Zaglavski i -Timok, welcher gleich 
unterhalb Knjesevatz und fast gegenüber dem Mali-Timok des Herrn 
Kiko mündet. Sein Lauf ist fast von S. nach N. und am Ende von 
SW. nach NO. Er entspringt uie der Svrlitschkii-Timok in den 
bulgarischen Gebirgen nördlich von Isnebol und tritt bei Korenatatz 
in Serbien ein. (Vergl. Sitzungsbericht 1856, Bd. 20, S. 556.) 
Er empfängt von SO. drei Zuflüsse; der erste bei Kloster S. Mrude, 
an welchem die drei Dörfer von Reuschnitza, Pritschevatz und 
Gora-Kamenitza liegen ; der zweite weiter unten bei Jukovatz; an 
diesem liegen Kandulitza und Gradischte. Im letzteren Orte bilden 
die zwei Bäche von Brevnik und Aldinatz den Kopf dieser Wässer. 
Endlich kommt der dritte bei Trgovischte, ungefähr eine Stunde 
oberhalb Knjesevatz. Die Dörfer Tchtiraratz und Bidevatz liegen 
an demselben und etwas östlicher das obere Zunitch, Lokva und das 
Kloster des heiligen Petrus. 

Östlich vom untern Zunitsch wirft sich die Elaschnitza in 
den Timok. Dieser Bach fliesst auch von Süden herunter, aber 
seine Hauptquelle ist noch in Serbien unter Aldinatz und Rasobiti- 
Kamen. Auf seinem oberen Theile liegen Raditschevatz, Scherba- 
novatz und unterhalb einem kleinen östlichen Zuflüsse Jankovatz. 

Weiter unten empfängt der Timok von Süden an auf einer 
kurzen Strecke noch drei Bäche, namentlich bei Han und Novi-Han 
einen Bach, welcher drei Urquellen bei Novo-Korito und Oschlake 
hat und auf diese Art fast bis zu den Grenzwachposten von Kutka und 
Tresak reicht. Das Dorf Petruscha liegt an dem mittleren Laufe dieses 
Baches. Der zweite Bach kommt von Savi-Kladenatz-Karaul oder 
dem westlichen Theile des Bergrückens Babin-Nos herunter und an 
ihm steht das Kloster Sr. Bogoroditze und unterhalb das Dorf 
Selatschka. Endlich der dritte Bach fliesst vom Babin-Nos herab, 
hat aber einen kurzen Lauf und endigt unterhalb Isvor im Timok, 
Suvodol liegt zwischen beiden letztgenannten Bächen und von 
Isvor nach Vratarnitza Han oder die türkische Grenze ist kaum eine 
Stunde. 



310 Boue. Geologie der europäischen Türkei 

Geologie der europäischen Türkei, besonders des slawischen Theiles. 

In den Jahren 1836 — 1840 befand ich mich gegenüber der 
Geologie des südlichen und südöstlichen Europa ungefähr wie alle 
Geologen in den Jahren 1812 — 1819 für die Kenntniss der Jura - 
kette und Gebilde; denn obgleich die Engländer, besonders Will. 
Smith schon den Lias und mehrere Abtheilungen der Jura in ihrem 
Lande unterschieden, so wurde dieses in Continental-Europa nur 
nach dem Jahre 1819 ausgeführt. Charbaut's Abhandlung über 
Lons-Ie Saunier warf das erste Licht auf die Zusammensetzung der 
französischen Jura (Ann. des mines 1819, Bd. 4, S. 579 — 622). 
Früher wusste man nur, dass der Jura zum Flötzgebiete gehörte; 
ob er jünger oder älter als der Muschelkalk sei, war unermittelt. Sollte 
ich beschämt über meine ehemalige Unwissenheit nach dem damali- 
gen Stande der Wissenschaft meine jetzigen Classificirungs- Ver- 
suche bei Seite lassen , wo endlich Post Tenebras lux. Solches 
Verfahren wäre aber nicht das eines die Wahrheit suchenden Natur- 
forschers, sondern nur eine alberne systematische Irrthumsbeförde- 
rung. Dann kommt noch der Umstand dazu, dass neben meinen 
Lagerungs-Beobachtungen die Entdeckung von charakteristischen 
Petrefacten manchmal sich gesellen, so dass jetzt oft alle Classi- 
ficationszweifel verschwinden. 

In der Zeit meiner türkischen Reisen lag die Alpen-Geologie 
noch im Dunkel, besonders waren sehr wenige Petrefacten der 
Species nach bestimmt und selbst die Nummuliten-Formation war 
nur von wenigen Geologen, wie Buckland, Brongniart, 
Keferstein u. s.w., als theilweise wenigstens unteres Tertiär 
anerkannt. Bake well 's allgemeine Ansichten über den Lias Sa- 
voyens (1823) und Buckland 's theilweise sehr wahre Ansichten 
über den Trias der Alpen (1821) hatten noch nicht gehörigen Fuss 
gefasst. Als Beispiel diene meine jetzige nächste Nachbarschaft zu 
Vösl.ui; ich wusste wohl, wie der selige Partsch, dass in Hirten- 
berg Ähnliches mit dem Aptychen-Voironskalk, bei Hornstein kar- 
pathischer Klippenkalk und bei Vöslau Kalkstein wie bei Hallstatt 
waren, aber die ordentliche paläontologische Einreihung fehlte uns. 
Da man das nummulitische Gebiet noch nicht allgemein zum Eocen 
rechnete, oder besser gesagt, es zwischen letzteren und der Kreide 
theilte, so begang ich im Jahre 1824 in meiner Classificirung der 



besonders des slavischen Theiles. Oll 

Kalksteine der deutschen Alpen den Fehler, im Nummulitenfels der 
Alpen nur die untere Kreide (Ann. d. mines 1824, Bd. 9, S. 477 — 
520) zu sehen, indem ich ziemlich richtig neben Hippuriten-Kreide 
Jura und Muschelkalkstein , so wie salzführende bunte Sandsteine 
wie Buckland annahm. Doch meine Bemühung, Alpen-Zechstein 
zu finden, war wieder eine Utopie. Als ich im Jahre 1836 Serbien 
betrat, hatte ich aber schon so weit mit der Alpen- und Karpathen- 
Geologie im Allgemeinen Bekanntschaft gemacht, um zu wissen, 
dass die Geologie des Erdballes nicht so gleichförmig war, wie 
Werner und seine Schüler sich gedacht hatten, indem im Gegen- 
theile, wie die Erde ihre Zonengürtel besitzt, so gestalten sich in 
der geologischen Geographie mehrere besondere Typen nach den 
verschiedenen Klimaten und vorzüglich nach der Vertheilung der 
Länder- und Wasserstrecken, so wie die sehr ungleiche Tiefe der 
Meere während den verschiedenen geologischen Perioden. 

Den alpinisch-karpathischen, grössteutheils pelagischen Typus 
charakterisirte ich und erstreckte ihn damals schon nicht nur auf 
die meisten Ränder des mittelländischen Beckens, sondern ich 
delinte ihn durch Kleiu-Asien weit hin nach Indien aus (Guide du 
Geologue-Voyageui 1836, Bd. 2, S. 358-360). Diese Thatsache 
ist jetzt endlich allgemein anerkannt (siehe Dr. Peters, Sitzungs- 
ber. 1863, Bd. 13) und bildet eigentlich ein mineralogisch-geo- 
gnostisch-paläontologisches Feld, welches uns vorzüglich die wissen- 
schaftliche Gründlichkeit und der Fleiss der Gelehrten der kais. 
geologischen Reichsanstalt erschlossen haben. 

Mit diesen Kenntnissen ausgestattet, kann ich mich heutzu- 
tage nicht recht erklären, wie ich der Autorität eines Berghaupt- 
mannes Herder so weit huldigen zu müssen glaubte, um Anfangs an 
seiner ausgedehnten Grauwacke Serbiens Geschmack finden zu kön- 
nen (Bull. Soc. geol. de Fr. 1837, Bd. 22, S. 47), wo ich doch nur 
Alpen-Sandstein sah, eine Welt, welche den Sachsen natürlicher- 
weise unbekannt geblieben war. — Doch zu meiner Entschuldigung 
muss ich hervorheben, dass die besten Charaktere des Alpen- und 
Karpathen-Flötzcomplexes in der Türkei fehlten oder wenigstens 
theilweise anders sich gestalteten. So z. B. den auffallenden hell- 
gefärbten Klippenkalk vermisste ich, wenn nicht gewisse graue 
Encrinit- Kalkstöcke wie bei Kosnik in Serbien und im östlichen 
Ober-Mösien zwischen Pirot, Grlo und Trn ihn ersetzen. Dann von 



312 Boue. Geologie der europäischen Türkei 

den verhärteten Mergel- und Ruinen-Marmorschichten sah ich höchst 
wenig , von den steinkohlenhaltigen Grestener Schichten aber 
nichts, in dem grossen, grauen, mergeligen Sandstein Anhäu- 
fungen. Nur die Fucoiden-Schiefer, so wie hie und da kleine unbe- 
deutende Pflanzenreste in dem Sandstein, aber keine Keuper-Pflan- 
zen, waren überall zu sehen, indem in einigen Gegenden, wie z. B. 
längs des kleinen Kamtschik im östlichen Bulgarien diese Aggregate 
mir ähnliche vom oberen Jablunka-Thale in's Gedächt niss brachten. 

Sah ich mich in den Flötz-Kalkgebirgen um, so war mir nicht 
das Glück zu Theil, daselbst weder die damals schon beschriebenen 
Monotis-Schichten um den alpinischen Trias-Salzstöcken, oder die 
vicentinischen oder St. Cassianer Muschelkalke, noch die oft rothen 
ammoniten- oder cephalopodenreichen Adnether und Hallstätter 
Lager zu entdecken. Alles dieses war mir im Allgemeinen bekannt, 
obgleich die richtige geognostische Stellung nur fast 10 Jahre 
später festgestellt wurde. Was die Werfener Schichten oder den 
unteren rothen Flötz-Sandstein betrifft, bemerkte ich wohl Ähn- 
liches in mehreren Localitäten, aber die Annahme zu ausgedehnter 
Kreidegebilde trübte damals mein Schluss-Urtheil. 

Die schon im Jahre 1836 gemachte Entdeckung von korallen- 
reichen Orbitolithen- und Cyklolithen-Kalken in der Mitte Serbiens bei 
Dratscha, w estlich von Kragujevatz, führte mich bald aus der idea- 
len Welt des Herrn Herder; doch hatte ich sogleich meine Kreide- 
Petrefacten erkannt, so konnte ich im Jahre 1837 in jenen einen unge- 
heuren Raum einnehmenden grauen Sandsteinen noch dazu in ge- 
neigten und selbst sehr gestürzten oder gekrümmten Lagern nichts 
anderes als den Karpathen- und Wiener Sandstein sehen , in wel- 
chem sowohl gewisse Kalksteine als Serpentine (Berg Avata) und 
metallführende Hornblende-Porphyre (Visoka, Maidan etc.) einge- 
schlossen sind. Da ich aber in den Karpathen die Überzeugung 
gewonnen hatte, dass wenigstens ein Theil jener Sandsteine zum 
unteren Kreide- System gehörten (J. d<> Geologie 1830, Bd. I, 
S. 118), unl da manche Geologen diese Meinung theilten und selbst 
auf den Apenninen-Sandstein ausdehnten, so kam ich dazu, den 
serbischen Karpathen-Sandstein, als zur unteren Kreide gehörig, 
anzunehmen, indem ich, durch meine italienische Reise belehrt, 
nicht umhin konnte, fast dieselben Gebilde mit vielen Serpentin- 
und Dialhg-Gesteinen und rothen verkieselten jaspisartigen Lagern 



besonders des slavisehen Theiles. 313 

eben sowohl im Myrtiden-Land wie am Pindus bei Metzovo und in 
der Kette von Kratschovo NO. von Malakassi bis NW. von Stagus- 
Kalabak zwischen den Becken des Milias und des Cachia im west- 
lichen Thessalien zum Kreide-System auch zu rechnen. 

Seitdem aber hat es sich herausgestellt, dass die Eocen- 
Bildung 1 in den Alpen, Pyrenäen, Apenninen und Karpathen nicht 
nur eine grosse Nummuliten-Kalkbildung, sondern auch eine mäch- 
tige Masse von besonders grauem Mergel und Sandstein mit Fucoi- 
den (F. intricatus und furcatus) umfasse. Doch scheinen die Fu- 
coiden in jenen Karpathen-Sandsteinen u. s. w. auch nicht fremd zu 
sein, welche Geognosten jetzt zur Kreide noch rechnen. 

Nach dieser gut bestätigten und durch lange Controverse fest- 
stehenden Classificirungs-Methode nimmt jetzt die Geologie eines 
bedeutenden Theiles der Türkei eine ganz andere Form an. 

Als positive Resultate meiner Erforschungen bleibt immer die 
Entdeckung der Hauptdistricte für Granite, für Protogine, Syenite, 
Serpentine, Trachyte, Augitporphyre, Felsitporphyre, dann diejenige 
der Hauptgebirge, wo die älteren rothen Gneiss- (Rhodopus) oder 
die jüngeren krystallinischen Schiefer (der Schar, Ober-Mösien und 
der grosse Balkan) dominiien, so wie jene des unteren Kreide-Systems 
und die Plätze der tertiären und Alluvial-Becken. 

Wenn man nun von richtig erkannten Orbitolithen-Kalkbergen 
bis zum krystallinischen auf einer Seite die beobachteten Fels- 
schichten durch ihre Beschreibung in den Reise-Tagebüchern sich 
wieder vergegenwärtigt, so bleibt wenig Zweifel, dass die Haupt- 
formation vom rothen oder bunten Sandstein an bis zum jungen 
Jurakalk, zum Neocomien daselbst zugegen sind, wenn auch einige 
nur, wie in den Alpen, durch andere etwas zurückgedrängt werden. 

Das östliche Serbien ist nur eine Verlängerung des 
Banates. Das Timoker Becken ist ein tertiärer, theilweise eocener 
(besonders Sandstein-Conglom^rateJ, theilweise miocener (in der 
Thalsohle) Becken ; welcher vom Jura-Kalkberge umgeben ist. Un- 
fern Gamsi - Grad steht der Timosit B r e i t h a u p t's an, welches Gestein 
zu dem metallführenden grünlichen Hornblende-Porphyre Ungarns 
gehört (s. Berg- u. Hüttenm. Zeit. 1860, S. 124, und 1861, S. 51), 
und wohl auch in die Eocen-Periode fallen wird. Wenn das Eocene 
die jüngeren tertiären (mergel-und petrefactenreiehen) Kalke Nego- 
tins unteitHifi, so herrscht gegen Widdin dasselbe Terrain, so 



314 Boue. Geologie der europäischen Türkei 

dass ich selbst noch die rothen feinen Conglomerate der sonder- 
baren Felsen der Belgradschiker Festung fast dazu rechnen möchte, 
über welches Herr Kanitz so phantastische Bilder gezeichnet hat. 
Wäre ich im Irrthum, so könnte es nur unterer Trias sein; doch 
schon ihr ziemlich hohes Lager scheint dagegen zu sprechen. 

Die bekannte, aus Flötzkalk, Jura, Neocomien und Kreide 
sammt Steinkohlen führende Lias (Dobra) bestehende Gebirgskette 
des Banates mit ihren Kupfer- und Eisenlagerstätten neben meta- 
morphischem körnigem Kalke endigt schon in Serbien südlich von 
Budaglava. Weiter imGorniaker Gebirge, im Stol-, Omolie-, Rtagn- 
Gebirge und bei der Eishöhle (siehe Bibliographie darüber am Ende 
der Abhandlung) gibt es nur Jurakalkn ohne Metalle. Im Süden 
des Timoker Thaies fand ich bei Ponor zwischen Knjesevatz und 
dem Svrlitskii-Timok unterhalb Giumada auf den Anhöhen Jura- 
Felsarten und Petrefacten des Coralrag (siehe Turquie d'Europe, 
Bd. I, S. 263 und 265). Jenes Juragebiet mag sich durch den 
Tzrni-Vrch und die Stara-Planina bis gegen Wikrar eistrecken, 
indem vor ihr das untere durch Orbitolithen charakterisirte Kreide- 
System höchst wahrscheinlich mit dem Neocomien südlich von 
Belgradschik, Drinovatz, Milkovatz und Kamenopol nach Lovatz 
(T. Lovdscha) zieht. Dann im Östlichen Theil Bulgariens kommt 
über den Orbitolithen-Kalk noch eine Art grüner Sand, Hippuriten- 
Kalk und endlich eine schmutzigweisse belemnithaltige obere Kreide 
wie in Podolien. (Siehe Taf. I, Fig. 2.) 

In jenem westlichen bulgarischen Lande gibt es auch Locali- 
täten, wie z. B. südlich von Bania bei Nisch, östlich von Topolnitza 
Rieka, östlich von Malina und bei Strigl im südwestlichen Bulgarien 
(siehe Turquie d'Europe, Bd. I, S. 261 und 262), wo röthliche 
Sandstein-Agglomerate sammt gewissen dichten Kalksteinen, Rauch- 
wacken und Dolomiten sehr wahrscheinlich dem Trias anzurechnen 
sein werden. Ähnliche Bildungen kennt man eben sowohl nördlich 
in Serbien bei Slalova, südlich der Mutnitzka Rieka und beiKrivi-Vr 
nördlich vonSerbisch-Bania als im südöstlichen Ober-Mösien, südlich 
zwischen Dubnitza und Radomir (S. 269) und besonders am süd- 
lichen Abhänge der Schiroka-Planina (S. 251). Die benachbarten 
Kalksteine und Bauchwacken von Selenigrad und Trn, so wie die bei 
Krivi-Vr würden auch dem Trias gehören. Über und neben ihr 
würden Jura-, Klippenkalk- (S. 260- 264) und möglichst Neo- 



besonders des slaviselien Tlieiles. «i I 5 

comien-Gebilde (S. 260 und 263) nicht nur östlich bis zum unter- 
sten Kreideberg, sondern auch westlich (S. 259) bis zu dem 
Glimmerschiefer-Gebirge der Baditsehka, Shiroka und Shirena Pla- 
nina reichen. Zwischen diesem älteren Gebilde und dem Flötz- 
gebirge liegen keine älteren Kreidefelsen, sondern die Flötzgebirge 
würden sich an erslere nur anlegen. Die Stara und Suva Planina 
südöstlich von Nisch und westlich von Topolnitza würden eben so- 
wohl wie die westliche Seite des Vitoscher Gebirges möglich theil- 
weise aus Dachstein-Kalk, wenn nicht auch aus Trias-Kalk bestehen 
und in allen Fallen über diesen rothen Sandsteinen liegen (S. 261). 
(Siehe Tat. I, Fig. 3.) 

Die Muthmassung des Dr. Peters, dass der dichte dunkle 
Kalkstein in der mittleren Höhe des nördlichen Abhanges des aus 
Thon-Talk- und Glimmerschiefer bestehenden Tschipka-Balkan Lias 
sein könnte, muss ich leider unbeantwortet lassen, da ich die Petre- 
facten ganz unbestimmt Hess. Aber die kleine, schön in abgegrenz- 
ten Lagern getheilte graue und röthliche Kalkkette nordöstlich von 
Eski-Sagra in Thracien unfern des Kezanliker Granit- und krystal- 
linischen Schiefers möchte ich jetzt eher zum Flötzgebirge, viel- 
leicht zum mittleren, als zum paläozoischen (S. 232) angehörend, 
annehmen. Die Folge möchte zeigen, dass sie jünger sind als alle jene 
mit Schiefern abwechselnden , sehr gestürzten Kalkstöcke eben so- 
wohl zwischen Sua-Rieka und der Pristina-Ebene als westlich von 
Vardar längs und westlich der Tscherna. (Siehe Taf. I, Fig. 1.) 

Diese meine jetzigen Muthmassungen stützen sich eben sowohl 
auf die erlangten Kenntnisse über die Alpengeologie als über die 
Banater Flötz-Kalklagerung (siehe Kudernatsch, Sitzungsber. 
von 1837, Bd. 23, S. 39—148, und meine Beobacht. Bull. Soc. 
geol. Fr. 1838, Bd. 8, S. 136 — 148). Die geologischen Verhält- 
nisse letzterer Gebilde, so wie die des Capellengebirges ähneln sehr 
denjenigen im östlichen Serbien und westlichen Bulgarien, wo ich 
jetzt den Trias vermuthe. Dieses würde wieder eine Stütze für die 
Behauptung Breit haupt's sein, dass die Möglichkeit, im SO. Ser- 
biens, Steinsalz oder Salzquellen zu finden, vorhanden ist. Auf der 
andern Seite lassen die Details über den Neocomien und die Kreide 
des Banates mir fast keinen Zweifel, dass ausser dem Jurakalk viel 
Neocomien wenigstens im westlichen Bulgarien, in den Sukava- und 
Lukanitschka- Gebirgen und selbst im Balkan (siehe Turquis 



31 G Boue. Geologie der europäischen Türkei 

d'Europe Bd. I, S. 239, 243, 251) steckt, indem die wahren 
geognostischen Knöpflöcher von den Tuchsen- und Panorthälern, 
sowie von dem derDobra oder die rotlien Sandstein-Hervorragungen 
im Banat ihr Ebenbild in der Lagerung der eben erwähnten in der Türkei 
finden werden. Ob das Detail der Durchschnitte des Islivne- und 
Tschipka-Balkans die Muthmassung des Vorhandenseins nicht nur 
des Lias, sondern auch des rotlien Flötz-Sandsteins erlaubt, über- 
lasse ich der Beurtheilung der Leser (S. 244 und 247). Im öst- 
lichen Bulgarien ist es auch möglich, dass eocene Fucoiden-Sand- 
steine sich längs dem grossen, sowie längs dem Akali- und Deli- 
Kamtsehik bis gegen Vetschera von Osten aus in einer Kreidemulde 
gelagert haben. Die sehr geneigten, schwarzgrauen Schiefer bei 
letzterer Ortschaft sind voll Fucoiden (F. intricatus u. s. w.). Auch 
wäre die Möglichkeit des Eocen-AIters des fucoidenführenden, 
sehr schiefrigen Sandsteines am Lepen nördlich von Etropol nicht 
ausgeschlossen (S. 241), er würde auch an den Neocomien (?) 
Wikrar, sowie an dem sehr geneigten dunklen Schiefer und Kalk 
von Etropol und Etropol- Balkan anstossen. 

Solche eocene Sandsteine unterscheiden sich sehr gut von den 
ähnlichen quarzreichen Kreidefelsen, welche uns einige Formen der 
sächsischen Schweiz, z. B. NNW. von Kasan auf der Strasse nach 
Tschatak darstellen (S. 238). Auch fehlen dann in einiger Entfer- 
nung fast nie das miocene Tegel- und Sandgebiet, wie wir es nörd- 
lich von Lovatz, um Selvi, bei Eski-Djumaa, Schumla in Bulgarien 
u. s. w. sahen. 

Im westlichen Serbien fehlen uns die Anhaltspunkte des 
östlichen Theiles. Die Kalkgebirge gehören daselbst nur theilweise 
zum Kreide-System nach den spärlichen Petrefacten, welche wir da 
fanden. Wenn wir aber im Balkan keine Gosau-Gebilde zu bemerken 
Gelegenheit hatten, so kann es solche eben sowohl hier als im 
benachbarten Bosnien geben. Charakteristische Petrefacte wie Tor- 
natella gigantea und Nerineen fanden wir daselbst bei Bela-Tzrka, 
so wie auf der östlichen Seile des Ufers des Scutari-Sees in Alba- 
nien (S. 268 und 274). Auf der andern Seite bleibt die Möglich- 
keit des Vorhandenseins der Werfener Schichten nicht ausge- 
schlossen und ich zweifle nun sehr, dass die galenaführenden Kalk- 
steine südwestlich von Krupain im Gebirge Jagode-Planina, so wie 
die zwischen dein Schargan- und Vs- Gebirge im Uschitzer Kreise 



hesonders des slavischen Theiles. 317 

zur Kreide gehören. Sie erinnern uns viel mehr an jene Blei- und 
Galmei-Berge in Nord-Tirol (wie bei Nassereit), welche vom Jura- 
oder selbst vom Muschelkalk nicht getrennt werden. Diese west- 
liche serbische Kalkkette wäre in allen Fällen vom unteren Kreide- 
Sandstein und Kalk gegen Osten flankirt. Oh sie auch Dachstein- 
Kalk beherbergt, muss sich später zeigen. 

Das Schwierigste bleibt das Sandstein - Eocengebiet ohne 
Nummuliten-Kalk (?) von dem unteren Sandstein- Kreidegebiete in 
der Mitte Serbiens zu trennen; denn bis jetzt bietet uns die Analogie 
mit Ungarn daselbst nur einige Anhaltspunkte, wie z. B. das wahr- 
scheinliche Vorhandensein der eocenen Karpathen-Sandsteine und 
nicht Kreide-Sandsteine um den Trachylbergen des Giuja-Thales 
im Kotlenik und zwischen jenem Thale und demjenigen von Kragu- 
jevatz, wo dann der wahre Wiener Tegel mit einigen der gewöhn- 
lichen Petrefacten darauf liegt (S. 288). Bei Dratscha und in 
Topschidere 1 ) stehen aber Partien von Orbitolithen-Kalk in kleinen 
Felsenthälern an (S. 258) und dein möglichen Vorhandensein des 
Neocomien steht nichts im Wege. Fucoiden gibt es eben sowohl in 
Masse in Kreide als im Eoccn-Sandstein und jene erkannte ich auf 
das Deutlichste eben sowohl in manchen Ottern Central-Serbiens 
als am Balkan, im Pindus, in Epirus (S. 257), z. B. südlich von 
Mitschikeliberg östlich von Janina u. s. w. 

Die Frage entsteht dann, ob man nicht die ganze mittlere 
niedrige Kette Serbiens oder eigentlich der Schumadia zwischen 
den Thälern der Morava und Kolubara und von der serbischen 
Morava zwischen Stalatch und Tschatschak bis nach den Avala zum 
Eocenschlagen soll, weil daselbst Diorite, grüne Porphyre (Rud- 
niker Berge) und Serpentine durchgebrochen sind (s.Viquesnel's 
geol. Charte). An der Donau würde das Eocen durch Tegel und 
das Wiener Leitha-System wieder bedeckt sein. 

In diesem Falle wäre wahrscheinlich auch die Tzer-Kette zwi- 
schen Jadar und Kolubara eocen und dasselbe durch Tegel, obere ter- 
tiäre Sandstein-Schichten und älteres, sowie jüngeres Alluvium be- 
deckte Gebilde würde die Becken des Kolubara sowie der grossen 
Morava umringen, sowie die ehemalige Meeresenge zwischen dem 
Glimmerschiefer des Berges Jastrebatz und dem Flötz-Kalkgebirge 
von Bania als niedrige Hügel ausfüllen. Sehr schöne Tegel- und 

*) Seite 258 lese Orbitolithen anstatt irrthumlich Nummulilen. 



OIO B o ii e. Geologie der europäischen Türkei 

Wiener Bildungen wären wieder in den Resava-, Ravanitza- und 
unteren Mlava-Thälern, sowie auch im Nischer und unteren Timoker 
Becken (Negotin u. s. w.) vorhanden. Doch muss ich bemerken, 
dass wenn diese Sandsteine an der bulgarischen Morava und im 
Timoker Becken eocen und nicht miocen sind, sie schon mehr 
molasse- und nagelfluhartig aussehen. 

Südlich von der serbischen Morava haben wir bedeu- 
tende mitteltertiäre Ablagerungen in den Thälern des Botuna und 
Raschina, aber zu gleicher Zeit bei Botnnie wahrscheinlich gestürzte 
eocene Sandsteine mit Fucoiden wie im Kahlenberg. In den obersten 
Theilen dieser Thäler steht aber eine Kalkstein-Kette mit Enerinilen 
(Berge Kosnik u. Jelin), welche, wenn nicht Neocomien, doch dem 
Klippenkalk eher als älteren Kalksteinen angehören würden und an 
den krystallinischen Glimmerschiefer anstossen. Die Möglichkeit ist 
gegeben, dass diese Kette auch die ähnlich liegenden Berge Ovt- 
schar und Kablar an der Morava zwischen Tschatschak und Pojega 
umfasse und die pyramidalische Form letzterer erinnerte mich leb- 
haft an jenen des Klippenkalkes zu Arva wie zu Hörnstein in Nieder- 
österreich. Im oberen Rasehina-Thale ziehen sich die Serpentin- 
Ausbrüche bis zum letzteren ältesten Schiefergebirge herauf und 
stellen sich auch wieder an der Ratscha und Ibar an. wo einiges 
trachylisches und jüngeres Gebilde, so wie Flötzkalke vorhan- 
den sind. (Siehe Taf. I, Fig. 5.) 

Wenn die Classificiiung hier eine sehr ungenügende einst- 
weilen bleiben muss, so treten wenigstens noch südlicher im alten 
Serbien bedeutende Dachstein - Kalke, besonders auf der nörd- 
lichen, westlichen und südlichen Seite des Metoja- und Prisren- 
Beckenvor. Die am Fusse des Schar schon erwähnten Kalksteine der 
Art fanden wir auch hinter dem Kloster Detschani und am Berge 
Peklen bei Ipek mit dem charakteristischen Megalodon (siehe Turquie 
d'Europe, Bd. I, S. 272), so dass er auch im Glieb anstehen sollte, 
dessen oberste Gipfel Hippuriten-Kalk sind und dessen unterster 
schieferiger Theil vielleicht die Werfener Schichten repräsentiren 
könnte (S. 275). 

In dem Meto ja -Becken südlich dieser Gebirgskette finden 
wir im nordöstlichen Theile die Nummuliten-Kalke von Wiener 
petrefactenreichen Congerien miocen überlagert (S. 296). Die- 
ser Punkt blieb uns der nördlichste für die Nummuliten in der 



besonders des slavischen Theiles. 319 

Central-Türkei, da wir letztere in Serbien nicht sahen. In jenen 
Ländern enthält das eocene Nummuliten - Gebilde Asphalt und 
Steinkohle, wie in Istrien und dein östlichen Mesopotanien nur bei 
Aulona in Epirus (S. 279). 

Da die bestimmte Geogenie des oft so mächtigen Dachstein- 
Kalkes noch Manches zu wünschen übrig lässt, so möchte ich 
Geognosten auf den von mir im südlichen Coburgischen beschrie- 
benen Hornstein und Jaspis führenden Dolomit aufmerksam machen 
(Geognost. Gemälde Deutschlands, 1829, S. 231-233), weil da- 
selbst der Lias fehlt und dieses ziemlich mächtig petrefactenlose 
Gestein, wenn nicht zum oberen Keuper gehörend, als zwischen 
Keuper und Jura-Kalk liegend , vielleicht zum Dachstein-Kalk in 
einigem geogenetischen Zusammenhang sein könnte. 

Auch in Bosnien hätten wir Andeutungen von jenen älteren 
Gebilden, welche man im Capellengebirge auf der Höhe der croati- 
schen Strasse zwischen Mersla-Voditza und Moravitza kennt (siehe 
Foetterle's Beschreibungen). So z. B, bei Batsche (Turquie 
S. 275), zwischen Senitza und Hissar, bei Minareti-Han und Tschai - 
nitza (S. 273), nordwestlich von Pratza bei Koleschitz (S. 269), 
zwischen Travnik und Serajevo, im Voinitza-Thale (S. 274), im 
Lepenitza-Thale bei Rivest, nordwestlich von Serajevo, im Iva- 
goschtscha-Thale, oberhalb Podgorehan, 7 Stunden südwestlich von 
Zvornik. Vielleicht selbst bei den Salzquellen zuTuzla u.s. w., könnte 
man jetzt Werfen er Schichten sammt etwas Trias-Kalk vermuthen. 
Denn für eocene Karpathen-Sandsteine sind jene Gesteine zu dicht, 
zu krystallinisch, Mergelschichten und Fucoiden führen sie nicht, 
und ihre verbreitete röthliche Farbe erinnert noch dazu eher au 
Werfen. 

Wenn Herr Dr. Peters die Anwesenheit des Dachstein- 
Kalkes in Bosnien bezweifelt (Sitzungsber. 29. Nov. 1863, Bd. 18, 
S. 5), so glaube ich, dass er sich irrt, und dass in jenem Lande 
nicht nur Trias, sondern auch viel Dachstein, selbst die Avicula 
contorta Schichten, die Kössener Schichten (Mileschave- und oberes 
Ugrathal) sammt manchen jurassischen Abtheilungen ausser der 
Gosau- und Hippuriten- Kreideformation vorhanden sein werden. 
In dieser theoretischen Voraussetzung stelle ich mir jetzt den Dach- 
steinkalk in dem grossen Kalkgebirge südlich, östlich und westlich 
von Serajevo, bei Mokro, auf beiden Seiten des mittleren Laufes 

Sitzb. d. mathera.-naturw. Cl. XL1X. Bd. I. Abth. 22 



320 Boue. Geologie der europäischen Türkei, 

des Krivaja-Thales, südlich von Jadar an der Drina, nordwestlich von 
Travnik, selbst in den hohen Porim undVranatz in der Herzegowina, 
so wie am Fusse des Prokletia, in den Bergen westlich von Novibazar 
u. s. w. vor. Überall stehen da sehr petrefaetenleere graue und weiss- 
liche Kalke an. Auf der Höhe des Porim habe ich Gelegenheit gehabt, 
dichte weissliche Kalksteine mit flachem muschligen Bruche zu sehen, 
welche an gewissen, ammonitenführenden Bianconi oder Majolica 
der italienischen Alpen erinnern. Auch bemerkte ich beim Herunter- 
steigen vom selben zum nördlich gelegenen Jezero eine dolomitische 
Breccie wie die tertiäre Vöslauer als Reibsand in Wien gebräuchliche. 
Südlich von Mileschevedo und zwischen diesem tiefen Einschnitt 
und Hissardgi stehen lichte Kalkfelsen voll mit Brachiopoden und 
anderen Jura-Petrefacten, so dass es vielleicht Hirlatz-Schichten 
wären. Dann auf der Grenze von Bosnien und Herzegowina erstrecken 
sich in NW. — SO. Richtung von Raduscha und Vranatz bis zum 
Sutschesa-Thal, dem Dormitor, Kom und Prokletia am albanesischen 
Drin eine Reihe von Dolomit-Kegeln, welche ganz den Süd-Tirolern 
gleichen und welche ich dem unteren Jura jetzt unterordnen möchte. 

Ausserdem aber bliebe noch viel Hippuriten-Kalk vorzüglich auf 
den Höhen und dem Plateau der Gebirge übrig, wie z. B. bei Glugovik, 
Vratsche, Mekinie (S. 268 — 269), im Tissovatzer Gebirge, bei Podro- 
monium und selbst einige Dolomite können dazu gehören. Inder Her- 
zegowina bilden solche Kalksteine auch gänzliche Berge, wie zwischen 
Nevesign und Blagay, und im Gatzkoer Gebirge lehnen sich die eocenen 
Nummuliten-Schichten an den Juragebirgen. (Siehe Taf. I, Fig. 4.) 

Erratische Blöcke haben wir in keinem Theile der euro- 
päischen Türkei beobachtet, doch müssen wir die ungeheuren Kalk- 
und dolomiteckigen Blöcke nicht vergessen, welche um den kleinen 
See (Rikavetz?) im oberen Gruja-Thale, nordöstlich von Prokletia 
liegen. Besonders wird der steile Aufgang von da zum eigentlichen 
Pass des Prokletia fast nur durch solche in grösster Unordnung 
liegende gebildet. Wenn sie nichts mit dem erratischen Phänomen 
zu thun haben, so müssten sie von einem Bergstürze in diesem engen 
Thal herrühren, was auch möglich ist. Einige Schramme hat 
Viquesnel auf dem Felsen im unteren Gruja-Thale sehen wollen; 
aber dieselbe Ungewissheit herrscht über ihre wahre Natur. Zu 
berücksichtigen wäre doch der Umsland, dass auf der östlichen 
Seite des Prokletia-Passes leicht ein kleiner Gletscher entstehen 



besonders des slavischen Thpiles. o21 

könnte, wenn es eine Reihe von kalten Sommern und sclineereiehen 
Wintern gäbe; denn der Schnee schmilzt daselbst schon nie 
gänzlich. (Vergl. Collomb's Beschreib, d. kleinen Maladetta- 
Glätscher,Bull. Soc. geol. Fr. 1862, Bd. 19, S. 1144.) 

Über die wohl bekannten Blöcke von krystallinischen älteren 
Gebirgsarten aus der Molasse bei dem Kloster von Meteor in Thes- 
salien habe ich mich in meiner Beschreibung schon ausgesprochen 
(S. 302). Die eigentliche Ursache dieser ungeheuren Conglomerat- 
Bildung bleibt denn doch ein ungelöstes Räthsel. Sollte da viel- 
leicht eine eigene locale Ejaculation im Spiele gewesen sein? 

Was die Vertheilung der Thermal- Wässer der Türkei 
betrifft, so bestätigen die neueren weiteren Entdeckungen immer 
mehr, was ich über diese schon im Jahre 1840 mittheilte. So z. B. 
wurde die am südlichen Fusse des Balkans laufende 0. — W.-Linie 
dieser Wässer durch die durch Dr. Barth besuchten Ilidja, 3 Stun- 
den westlich von Kezanlik am Fusse des krystallinischen Schiefer- 
gebirges Karadja-Dagh, sowie die zu llidja-Koei unfern Mentesche, 
westlich von Ober-Tundja-Engpass bei Kalifer, bereichert. 

Auf jener langen, manchmal etwas gegen Norden oder Süden 
verschobenen Ost- West-Spalte kennt man nur mit Schwefelwasser- 
stoff ganz geschwängerte Wasserquellen und keine Kohlensäure- 
Wässer, indem die kohlensauren reichen Thermalquellen den NW. 
— SO. laufenden Spalten eigen zu sein scheinen. Auf der anderen 
Seite gibt es auch einige ähnliche Schwefel wässer, wie in der 
Central-Türkei, in dem NNW. — SSO. laufenden Gebirgssystem des 
Banates und des östlichen Serbiens. Merkwürdig bleibt es, dass der 
aus krystallinischen Schiefern bestehende hohe Schar, so wie über- 
haupt die höchsten Gebirge der westlichen slavischen Türkei keine 
Thermalwässer aufzuweisen haben. Dasselbe würde selbst für die 
grössten Serpentin-Eruptionen Nord-Albaniens auch gelten, wenn 
man nicht in einer ziemlichen Entfernung unterhalb Croja und in der 
schwarzen Drin -Spalte auch geschwefelte warme Wässer kennen 
würde. 



Bibliographie der bekanntesten Eishöhlen. 

Eishöhle zu Herrngrund bei Schemnitz (Ungarn), kein Eis im Winter. 

B i 1 1 e r e z Baume, 5 Stunden von Besancon im Jura-Kalk (Mein. Acad. 

roy. P. 1, 1712). 



22 * 



*>4<C Boue. Bibliographie 

Bei (Math.), bei Scelicze, Comit. v. Thorna (Siebenb.) (Lond. phil. 

Trans. 1739, B. 41, Nr. 452, Art. 3). 
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S. 264). 
La Franche Comte Anc. et moderne ad Lettres a Madell. d'Udressier 
P. 1779, S. 32 (Beckmann, Physik. Biblioth. 1781, B. 11, 
S. 387). Giorn. di fisica Pavia 1816,1 Dec. B. 9 (Bibl.ital. 1816, 
B. 13, S. 157). 
Patrin, bei den Chilia-Bergwerken (Daurien) weniger im Winter 

(J. de Physiq. 1791, B. 38, S. 252). 
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B. 3, §. 1404-1415). 
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Chem. Ann. 1798, B. 1, S. 44—46). 
Moll (von), Unterberg (Sein Ann. d. Berg- u. Hütt. 1803, B. 2, 
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1806, S. 168—173). 
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Grace de Dieu (Mem. Acad. Sc. P. Satans etrangers 1811, 
B. 1, S. 195, Taf. Bibl. univ. Geneve 1822, B. 20, S. 263). 
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Hericart de Thury, Höhle Fondeurle Dep. des Droine (Dauphine) 
(I. d. mines, Nr. 194, B. 33, S. 157, Gilberts Ann. Phys. 
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S. 558—564, Edinb. phil. J. 1820, B. 2, S. 80—82). 
Silliman, im Trapp Menden (Cüimecticut) (Americ. J. of.se. 1821, 
B. 4, S. 174-177, Edinb. phil. J. 1822. B. 6. S. 353—356). 
Deine (J. Andre). Ann. d. Ch. et Phys. 1822, B. 21. S. 113—126. 
Dearborn (H. A. S.) u. Ives (Th.), Snow Hole bei Williamstown 
(Mass.) (Americ. J. of sc. 1822. B. 4. S- 33, add. v. Dewey 
1823, B. 5, S. 398—399). 



der bekanntesten Eishöhlen. 323 

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1822, B. 20, S. 261—284. und Edinb. phil. J. 1823, B. 8, 
S. 1-7). 
Pictet, unter Lava bei Niedermendig (Mem. Soc. de pbys. Geneve. 

Edinb. phil. J. 1822, B. 7. S. 190). 
Pictet, Höhle Montargues an der Spitze des Berges Vergy (Fau- 

cigny) (Bibl. univ. Geneve 1824, B. 25, S. 243—245). 
Im Glimmerschiefer zu Salisbury (Ver. Staat. N. Amer.) (Americ. 
J. of sc. 1824, B. 8, S. 254. Edinb. J. of sc. 1825. B. 2, 
S. 187). 
Dufour, Schafloch am Bothorn (Bibl. univ. Geneve 1822, B. 21. 
S. 113—118, Edinb. phil. J. 1823. B. 8, S. 290—294, Gior- 
nal di agricol. arti e Comm. di Milano 1823. S. 311). 
Erdmann, im Gyps einige Werst, v. Kungur am Iren (Beiträge 
z. Kenntn. v. Bussl. 1822, ß. 2, Th.2, S. 147, Zeitschr. f. Min. 
1826, B. 2, S. 425). 
Eishöhle an der Quelle der Jumna. Indien (Phil. mag. Nov. 1823, 

S. 558. Bull. univ. Ferussac 1824, B. 3, S. 8). 
Bei Beaune auf den Doubs (Annal. franc. d. Arts. sc. 1823, B. 11). 
Berzelius (Jahresher. 1824. B. 3. S. 221, Zeitschr. f. Min. 1825, 

B. 1, S. 552). 
Lee (C. A.). in einer Spalte des Glimmerschiefers, Salisbury (Conn.) 

(Americ. J. of sc. 1824, B. 8. S. 254). 
Bei Clinton (Zeitschr. f. Min. 1826, B. 1. S. 559). 
Homer (Gehler's Physikal-Wörterb. 1826. art. Eis). 
Muncke (detto 1822. art. Höhle). 
D'Omalius, bei der Kill (Mem. pr. la desc. geol. desPays Bas, France 

1828, S. 157). 
Auf felsigem Grund bei Uzkhinval, Dislrict Gori, am Fusse der 
ossetischen Berge (Rev. encyclopediq. Ausland 1829, S. 428). 
Cueva de la nieve, Lava-Höhle zu Teneriffa (Duinont d' Urville's Welt- 
umsegelung 1829, Hertha 1829, B. 14, H. 3, S. 367). 
Vir I et. Grace Dieu oder deChaux Höhle, Freigrafschaft (Bull. Soc. 

geol. Fr. 1834. B. 6, S. 159, Annuaire du Doubs). 
Tyson, T. T., bei North Niver, Grafsch. Hampshire, Virginien (Bull, 
univ. Ferussac 1829, B. 19, S. 194, Bibl. univ. Geneve 1843, 
B. 48. S. 200. N. Jahrb. f. Min. 1833, S. 630, Americ. J. of 
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!$24 B oiie. Bibliographie 

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Winter und mit Eis im Sommer (Bergbaus, Ann. 1836, B. 14, 

3 R., B. 2, S. 155). 
PI eise hl (A.), in Basalt-Blöcken des Steinberg bei Kamenik, Leit- 

meritz und zu Zinkenstein (Abh. k. böhm. Ges. d. Wiss. 1838 ; 

Ann. Phys. Pogg. 1841, B. 54, S. 292—299. — N. Jahrb. 

f. Min. 1844, S. 240. — L' Institut 1842, Nr. 439). 
Merian (P.), zu Kalkofen zwischen Oltingen und Zeylingen, Cant. 

Basel (N. Jahrb. f. Min. 1836, S. 222-223). 
Zu Tschinwali in Georgien (Ausland 1836. S. 652). 
Man dl (Aug.). Brandstein, Wildalpen zu 800 Kl. absolute Höhe 

(Steyerm. Zeitschr. 1838. n. F. Jahrg. 5, H. 2, S. 151—159). 
Bei Frickhofen am Fusse der Dornburg in Westerwald, 500 Kl. üb. 

Meer (Ann. d. Phys. Pogg. 1842, Ergänz. B. 1, od. B. 51, 

S. 517—519). 
Keller (F.), Bemerkungen üb. d. Wetterlöcher u. natürl. Eisgrotten 

in d. Schweizer Alpen, Zürich 1839, 1 Taf. 
Dubois de Montpe yreux, Khotevithal (Voy. au Caucase 1839, 

S. 380, atlas T. 19). 
Jackson (Charl T.), Berg Abraham (Maine) zu 3387 Fuss abs. 

Höhe im Juni (3 arm. Report of the geol. of Maine 1839, 

Americ. J. of sc. 1839, B. 37, S. 378). 
Macombes (D. 0.), gefrorene Brünne während 4 — 5 Monate im 

Jahre, 77 Fuss tief, 40 F. über die Susquehanna bei Owego 

(Americ. J. of sc. 1839, B. 36, S. 184 u. 185). 
Boue (A.), Ledenitza am Fusse des Btagn im SO. Serbien (Bull. 

Soc.geol.Fr.l838,B. 8.S.22, Turquie d'Europe, B.1,S.180). 
Boue (A.), bei Mitrovitza (Süd-Bosnien), 2460 F. abs. Höhe, 

(Turquie d'Europe 1840, B. S. 521, Recueil d'Itineraires en 

Turquie 1854, B. 2, S. 180). 
T h o m ä, das unterirdische Eisfeld bei der Dornburg. Wiesbaden 1841, 

8. Karte (Berg- und Hüttenm. Zeit. 1842, S. 437). 
Carrell, Herzogth. Aosta (flnslitut 1841, B. 9, S. 319). 
Herrengrund, Neusohl, Ungarn (Berg- u. Hüttenm. Zeitung 1842, 

S. 514). 



der bekannteste!! Eishöhlen. 3^5 

Herschel (Sir J. J. W.), Erklärung derjenigen bei Illetzkaja- 

Zatchita, Orenburg (Russl.) (Proceed. geol. Soc. L. 1842, B.3, 

Th. 2, S. 697—702; phil. Mag. 1842, B. 21, S. 359 — 364, 

und Edinb. n. phil. J. 1834, B. 34, S. 14—21 ; N. Jahrb. f. Min. 

1843, S. 362; Amme. J. of Sc. 1843, B. 44, S. 206; Bibl. 

univ. Geneve 1843, ß. 43, S. 169; L'Institut 1842, S. 268; 

Ausland 1842, S. 421; Ann. Sc. geol. Riviere 1842, 

S. 389). 
Murchison (R. J.), dito (Proceed. geol. Soc. L. 1842. B. 3, S. 696; 

phil. Mag. 1842, B. 22, S. 62; L'Institut 1842, S. 128, unter 

Herschel's Name). 
Virginien (L'Institut 1843, S. 352). 
Hope, Erklärung der Oienburger Eishöhle (Edinb. n. phil. J. 1843, 

B. 35, S. 191—194). 
Hayden (C. B.), Hampshire Virginien, in den Cacassonbergen oder 

bei North River (Americ. J. of Sc. 1843, B. 45, S. 28—83; 

Ausland 1843, S. 1101). 
Koch (Karl), an der Quelle der Sabazwinda (Caucasus) (Reise in 

Russland und im Kaukasus 1843, B. 2). 
Lathrop (S. Pearl), im Wallingford, im d. Grafsch. Rutland (Vir- 
ginien) (Americ. J. of Sc. 1844, B. 46, S. 331). 
Thomae (C), Eis- und warme Luftzüge bei Dornburg am südl. 

Fusse des Westerwaldes (Jahrb. d. Ver. f. Naturk. im Herzogth. 

Nassau 1849, B. 4, S. 164—202). 
Rossite -Schlucht am Untersberg bei Salzburg (Leonhard's 

Taschenb. d. Fr. d. Geologie 1846, S. 84—86). 
Vogel (Dr. Jos.), Taberloch in der Wand. S. von Wien (Sachse's 

allg. deutsch, naturhist. Zeitung 1846, H. 3, S. 224). 
Schtschukin, zu ßalagansk 180 Werst von Irkutsk gegen die Angara 

(I. Ministerst. vnutren Djel oder I. d. Minister, d. Innern, 1848, 

Nov., Ausland 1849, S. 5—6). 
Kittara, mehrere bei Kangur (Gouv. Perm.) auf der Sylva (dito 

1848, Juni; Ausland, 1848, S. 669—620; Erman's Arch. f. 

wissensch. Kund. Russl. 1849, B. 8, S. 75—86, 1 Taf.). 
Simon y, rother Kogel bei Aussee zu 3620 F. abs. Höhe (Mitth. d. 

Fr. d. Naturwiss. in Wien 1849, B. 5, S. 265). 
Petruzzi, 6 Höhlen in Krain (Mitth. d. Fr. u. s. w., Wien 1850, 

B. 7, S. 56-59, 63—68). 



326 ßoue. Bibliographie der bekanntesten Eishöhlen. 

Bey Kurmanajeva, Kreis Sterlitamak (Orenburger Gouv.) (I. Mi- 
nislerst. vnutren Djel, Erma n's Archiv f. wissensch. Kunde 
Russl. 1849. B. 7, S. 386—390, 1 Taf.). 

Losievskj-Höhlen mit unterird. Seen (Orenburger Gouv.) (Erma n's 
Arch. f. wiss. K. Russl., 1849, B. 7, S. 386; N. Jahrb. f. Min. 

1852, S. 353). 

Leo (A), Eisenberg, Bergwerke bei Rudolstadt, Thüringer Wald 

(Berg- und Hüttenm. Zeit. 1850, S. 503). 
In Saalberger Bergen auf der Eichert (Pogg. Ann. Phys. 1850, B. 81, 

S. 579; N. Jahrb. f. Min. 1852, S. 350). 
Hauer (Franz v.), bei Sonkolyas, Körösthal (Jahrb. d. k. geol. 

Reichsanst. 1852, B. 3, S. 30). 
Gibbs (G.), in den Felsenbergen (Americ. J. of Sc. 1853, N. R. 

B. 15, S. 146). 
1) i t m a r, im östl. Sibirien (Bull. Acad. d. sc. phys. et math. St. Petersb. 

1853, B. 11, S. 305—312; addenda v. Middendorf S. 312 
u. 315). 

Guyotu. Agassiz (Canad. J. 1855, Oct. S. 355). 

Schmidl, Lednitza bei Szilitze (Gömörer Comitat) (Sitzungsber. 

d. k. Ak. Wiss. W. 1856, B. 22, S. 614—616). 
Vass, Skerisora Siebenb. (Verh. u. Mittb. d. siebenb. Ver. f. Natur- 

wiss. zu Hermannstadt 1852. S. 162 — 170). 
Thury (Bibl. univ. Geneve. Archiv Sc. nat. 1861. 5 R.. B. 20, S. 97 

bis 153, Taf. 2). 
Peters (Dr.). Skerisora-Höhle im Trias bei Diszqyital (Sitzungsber. 

k. Ak. Wiss. W. 1861, B. 43, S. 236— 241, 394, 418, 435 bis 

437; Hauers Geologie Siebenbürgens 1863, S. 503). 
Soret, Schafloch (Soc. Physiq. et Sc. nat. Genev. 1862. Bibl. univ. 

de Geneve). 



I$»u< ; . Tebt-r die Geologie der europäischen Türkey. 



Tsckinka Balkan 




Jüngerer 

Miltrl mi\ AtMst. 



Thon^ Talk - ßUmmenfefueßr Tscfupka 



%■ 2. 



JK Jdeeäer Durchschnitt von der Donau zum östlichen Balkan 

Orbitnlilsuh'nlk 
hdfiiuiiini Hiftfiuritea tirünerSand 
TcrUwr Kreuk ; '"-"''' „ x. „ 




Uveen 
Mcoceniiai 



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Fig. 



q Jdeulcr lhinhsihiiilt durch das östliche Ober Moesien 

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Herweg oviniz 



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■Idealer Durclisclniilt durch Bosnien 



Mittleres Bosnien 

S'ieiiitza, itnd> 
Tfchainitx-a. 



Süd .-Boxmen 
^^Sus-srvaj-serSiläunij 




/7// .;. 



WesiUch* (jehirye Idealer Üiirfhsi limtl durch Serbien 

MUk Serbien . 

- ÄBoccri . 




0. 

OeJftiiehe Gebirge. 




JaraXalh feVr^gS Jura 

%3- 



9° 



ld ^ Erxfiihrenib- 

Porphyre 



I ■■•■.' 

Sifoningsb .d.k.Akad.rt.W.inath. ualurw. 01.XLEL3fl.l. Abth 1864 . 



SITZUNGSBERICHTE 



DER 



KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. 

MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. 

XLIX. BAND. 

ERSTE ABTHEILUNG. 

4. 



Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik, 
Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie. 



23 



327 



X. SITZUNG VOM 14. APRIL 1864. 

Herr Dr. Jos. R. Lorenz dankt, mit Schreiben von» 12. April. 
fiir die ihm, zum Zwecke seiner Brakwasser - Studien , bewilligte 
Unterstützung von 350 f). , und Herr Dr. Fr. Stein dachn er, 
mit Schreiben vom 13. April, für die ihm zur wissenschaft- 
lichen Erforschung der Fauna Spaniens gewährte Subvention von 
300 fl. ö. W. 

Herr B. Günsberg. Adjunet der Chemie an der k. k. tech- 
nischen Akademie zu Lemberg. übersendet eine Abhandlung „über 
das Verhalten von Dextringummi gegen Hühnerei weiss ". 

Das c. M. . Herr Prof. Dr. C. Wedl. übergibt eine vorläufige 
Mittheilung, betitelt: „Experimente über die Durchschneidung des 
Sehnerven", von Herrn Dr. Bas. Rosow aus St. Petersburg. 

Herr Prosector Dr. A. Fried lowsky überreicht eine Ab- 
handlung: „Beitrag zur Kenntniss der Hemmungsbildungen des 
Harn- und Geschlechtsapparates bei Wiederkäuern". 

Herr Dr. G. Tschermak legt eine Abhandlung „über einige 
Pseudomorphosen" vor. 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 
Aceademia delle scienze dell' Istituto di Bologna: Memorie. 

Serie II. Toma III., Fase. 2. Hologna. 1864; 4«- 
Alpen - Verein, österreichischer: Verhandlungen. 1. Heft. 

Wien, 1864; 12«- 
Astronomische Nachrichten Nr. 1468 — 1470. Altona, 1864; 4<>- 
Canestrini, Giov. . Studi sui Lepadogaster del Mediterraneo. 

(Estr. dall'Archivio per la Zool. etc. Vol. III. Fase. 1.) Modena, 

1864; 8«- 
Comptes renilus des seances de l'Academie des Sciences. Tome 

LVIII. No. 2 u. 12. Paris, 1864; 4»- 
Cosmos. XIII e Annee, 24' Volume, 14* — 15* Livraisons. Paris, 

1864; 8"- 
Christ i ani a, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus 

den Jahren 1861—1863. 8 n - & 4<- 

23* 



328 

Dana, James D. , I. The Classification of animals based on the 
principle of Cephalization Nr. III. — Classification of Herbivores. 
— II. Note on the position of Amphibians among the classes of 
Vertebrates. (From the Journal of Sciences & Arts. Vol. 37. 
March 1864.) 8«' 

Gelehrt en-Gesel 1 schalt, k. k. , zu Krakau : Deutsch-polnisches 
Wörterbuch Yon Ausdrücken der Rechts- und Staatswissen- 
schaft. Krakau, 1862; 8°- — Beschreibung der Medicinal- und 
technischen Pflanzen. Von J. R. C zerwiakowsk i. Krakau, 
1863; 8<" 

Gesellschaft, k. k. mähr.-schles. , zur Beförderung des Acker- 
baues, der Natur- und Landeskunde in Brunn : Mittheilungen. 
1863. Brunn; 4<>- 

Gewerbe-Verein, nieder -österr.: Verhandlungen und Mitthei- 
lungen. Jahrg. 1864. 2. Heft. Wien; 8»- 

Istituto, I. R., Veneto di scienze, lettere ed arti: Atti. Tomo IX«, 
Serie 3 a , Disp. 2 a e 4% Venezia, 1863 — 64; 8«- 
— R., Lombardo di Scienze, lettere ed arti: Atti. Vol. III. Fase. 
XIX — XX. Milauo. 1864; 4«*- — Rendiconti. Classe di scienze 
matematiche e naturali. Vol. I. Fase. 1 & 2. Milano, 1864; So- 
Karte, geologische, der Niederlande. Blatt Nr. 12, 15, 16, 18. 
Folio. 

Land- und forstwirtschaftliche Zeitung. XIV. Jahrg. Nr. 10 — 11. 
Wien, 1864; 4»- 

Löwen, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften für das 
Jahr 1863. 8«- & 12«- 

Lotos. Zeitschrift für Naturwissenschaften. XIV. Jahrg. März 1864. 
Prag; 8»- 

Mondes. 2 e Annee, Tome IV. 13" — 14* Livraisons. Paris, Tournai, 

Leipzig, 1864; So- 
Mo niteur scientifique. 175 e Livraison. Tome VI 6 , Armee 1864. 
Paris; 4° 

Reader, The Nr. 67. Vol. III. London, 1864; Folio. 

Reichsforstverein, österr.: Österreichische Vierteljahresschrift 
für Forstwesen. XIV. Bd. Jahrg. 18G4. 2. Heft. Wien, 
1864; 8o- 

Sc hin er, Rud. J. , Fauna austriaca. Die Fliegen. (Diptera.J 
II. Theil. Wien, 1864; 8°- 



329 

Schlicke y seil, C. , Mitteilungen über die Fabrication von 
Press - Torf durch die Patent -Universal -Ziegel- und Torf- 
Presse. Berlin, 1864; 8<>- 

Society, The Natural History, of Dublin: Proceedings. Vol. IV. 
Part. 1. Dublin, 1864; 8<" 

Troschel, F. H., das Gebiss der Schnecken zur Begründung 
einer natürlichen Classification. 5. Lieferung. Berlin, 1863 ; 4° 

Wiener medizinische Wochenschrift. XIV. Jahrgang. Nr. 14 — 15. 
Wien, 1864; 4°- 

Wochen -Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts - Gesell- 
schaft. XIII. Jahrg., Nr. 11. Gratz, 1864; 4<" 

Zeitschrift für Chemie und Pharmacie von E. Erlenmeyer. 
VII. Jahrgang, Heft 6. Heidelberg, 1864; 8<>' 
— für Fotografie und Stereoskopie. Jänner 1864. Wien; 8°- 



OOU Tschertn sk. 



Einige Psendomorphosen. 
Von Dp. Gustav Tscher mak. 

III. Abhandlung. 
(Mit 1 Tafel.) 
(Vorgelegt in der Sitzung am 14. April 1864.) 

Nachdem ich meine früheren Beobachtungen an Pseudomor- 
phosen veröffentlicht hatte »)> blieben mir nocb einige Fälle übrig, 
die einer genauen Untersuchung unterworfen werden mussten. In 
der Zwischenzeit kam noch einiges Neue hinzu, das ich bei der 
Durchmusterung der Sammlungen des k. k. Hof-Mineralien-Cabinetes 
aufTand. Bevor indess die Bearbeitung der vorliegenden Pseudomor- 
phosen mit Erfolg durchgeführt werden konnte, war eine chemische 
Untersuchung mehrerer derselben unumgänglich nothwendir. 

Diese wurde mir durch die Unterstützung, welche die hoch- 
verehrte kais. Akademie meinen chemisch-mineralogischen Arbeiten 
angedeihen liess, ebenso durch die Güte des Herrn Prof.Schrötter, 
welcher mir die Benützung des Laboratoriums am polytechnischen 
Institute gestattete, und besonders durch die freundliche Gewogen- 
heit des Herrn Directors Hörn es, der meine Arbeiten auf jede 
Weise unterstützt, ermöglicht. 

So wurde ich in den Stand gesetzt, eine neue Beihe von inter- 
essanten Fällen der chemischen Umwandlung im Mineralreiche zu 
studiren, meine früheren Angaben zu ergänzen und zu berichtigen. 
Die Besultate lasse ich folgen als besten Ausdruck meines Dankes 
für die allseitige freundliche Unterstützung meiner Bemühungen. 

Zinnerz nach Quarz. 

Die Entstehungsgeschichte des Zinnerzes bietet der For- 
schung noch manche Schwierigkeiten, besonders weil man es so 
selten als Umwandlungsproduct anderer Mineralien findet. Wir 
kennen blos die Pseudomorphosc nach Orthoklas, und diese 
leigt uns das Endresultat eines Processes, den wir nicht vollkommen 



») Sil*ung»lHT. der Wiener kai>. Ak*ci.. Bd. XI. VI. S. 48:i IT. und Bd. XLVII, S. 443 ff. 



Einige Pseudoinorphosen. 331 

übersehen. Durch die Seltenheit des Vorkommens der Zinnerze 
wird zwar dieser Stand unserer Erfahrung erklärt, doch lässt sich 
erwarten, dass noch manche alte Stufe, mancher neue Anbruch uns 
nähere Aufschlüsse bringen werden. Ein Beleg für diese Behauptung 
ist die Stufe 3813 der ersten Handsammlung des k. k. Hof-Minera- 
lien-Cabinetes, ein „weisses Zinnerz" mit der Jahreszahl 1834 und 
dem Fundorte St. Agnes in Cornwall, Grube Huel-Philmone. Es ist 
ein vorwaltend aus Quarz bestehendes Gangstück. Das Neben- 
gestein, welches von einem Thonschiefer oder Chloritschiefer her- 
rührt, ist so vollständig von Quarz durchdrungen, dass es nur an 
wenigen Punkten von der Stahlspitze geritzt wird. Die Gangmasse 
ist zum Theil weiss, zum Theil graulichgelb gefärbt und scheidet 
sich scharf vom Nebengestein; hie und da sieht man etwas Eisen- 
kies und Kupferkies darin; an einigen Punkten zeigen sich Höhlun- 
gen, deren Ansehen beweist, dass sie durch einen Auflösungspro- 
cess gebildet wurden. 

Die weisse Gangmasse ist grobkrystallinischer Quarz, in einer 
Höhlung finden sich auch deutliche, angegriffen aussehende Quarz- 
krystalle. Der graugelbe Theil der Gangmasse zeigt flachmuschligen 
Bruch, schwachen Fettglanz auf den Bruchflächen, er bildet auf der 
einen Seite der Stufe einer» unregelmässigen Hohlraum, der von 
wirr durcheinanderliegenden Krystalleu theilweise erfüllt wird. Die 
letzteren stellen sechsseitige, an der Oberfläche schwach glänzende 
Säulen von graulichgelber Farbe dar. Die wenigen Säulen, die ein 
freies und unbeschädigtes Ende haben, erscheinen dort wie zerfa- 
sert, in eine Druse von kleinen, parallel gestellten Pyramidenspitzen 
auslaufend (Fig. 1). Die Form ist vollständig die des Quarzes; so- 
gar die Querstreifung der Säulenflächen zeigt sich noch erhalten. 
An zwei Punkten finden sich auch Krystallc . die zum Theil noch 
hellglänzend und wasserklar, zum Theil zu einer undurchsichtigen 
graugelben Substanz umgewandelt erscheinen. Die pseudomorphe 
Masse ist nicht homogen. Bei genauer Betrachtung überzeugt man 
sich, dass jene veränderten Krystalle sowohl als auch die derbe grau- 
gelbe Masse aus unzähligen kleinen durchsichtigen Quarztheilchen 
bestehen, welche von einer gelblichen, undurchsichtigen Substanz zu 
einem vollkommen dichten Aggregat verbunden werden, so dass 
letzteres durch die Loupe wie Mörtel aussieht. Das Eigengewicht 
ist merklich höher als das des Quarzes; ich fand an einer Probe die 



<> f ) <£ T s c h e r m a k. 

Zahl 3-67. Die Härte ist etwas geringer als 7. Die chemische Unter- 
suchung wies die Gegenwart von Kieselsäure, Zinnsäure, Eisenoxyd, 
Tlionerde nach. Obgleich an eine constante Zusammensetzung bei 
einem mechanischen Gemenge, wie das eben beschriebene, nicht zu 
denken ist, so erscheint es doch von Wichtigkeit, zu wissen, wie 
weit der Umwandlungsprocess vorgeschritten sei. Ich bestimmte 
daher an einer kleinen Menge die Zusammensetzung. Die Probe, an 
welcher ich das Eigengewicht ermittelt hatte, ergab: 

Kieselsäure . .54*4 
Zinnsäure . .44*1 
Eisenoxyd . . l - 2 
Thonerde . . . Spur 

99-7 i) 

Es lässt sich zwar nicht durch den chemischen Versuch ent- 
scheiden, ob alle Kieselsäure als Quarz vorhanden sei, oder ob 
nebst Quarz noch ein Zinnoxydsilicat auftrete; doch ein Blick durch 
die Loupe auf das Gemenge zeigt die Richtigkeit des ersten Satzes. 
Der durchsichtige Quarz überwiegt nämlich bedeutend über das 
undurchsichtige Bindemittel. Darnach folgt aus der Analyse, dass 
ein Gemenge von 544 Gewichtstheilen Quarz gegen 45-3 Gewichts- 
theilen Zinnerz untersucht worden. Auf das Volumen berechnet, gibt 
dies 76 Raumtheile Quarz gegen 24 Zinnerz. Die Untersuchung 
mit der Loupe überzeugte mich von der Wahrscheinlichkeit dieses 
Resultates. 

In dem vorliegenden Falle erscheint also der Quarz theilweise 
durch Zinnerz verdrängt. Eine merkliche Volumänderung ist dabei 
nicht eingetreten 2 ). 

Die veränderte graugelbe Masse ist gegen den weissen Quarz 
überall scharf abgegrenzt, dort hingegen, wo sie an das Neben- 
gestein anstösst, zeigen sich auf dem Durchschnitte concentrische 
Bögen, die von einem blaulichgrauen fettglänzenden Mineral gebil- 
det werden. Es mag dies vielleicht eine Zinnverbindung sein, in 
welcher die Thonerde eine Rolle spielt. Zur Untersuchung ist die 
Menge zu gering. 



i ) 540 Mg. Subst. lieferl«»n 294 Zinnsäure, 238 Kieselsäure, 6 Eisenoxyd. 

2 ) Dies erklärt sich dadurch, dass ein Austausch, Atom für Atom, stattfand. Die speci- 

(ischen Volumen des Quarzes und Zinnerzes sind nämlich wenig verschieden, sie 

verhalten sich wie 11; 10*iJ- 



Einige Pseudoinorplioseii. 3 O 3 

Das vorhin beschriebene pseudornorplie Gemenge ist wohl 
nicht zum ersten Male untersucht worden. Vor 16 Jahren beschrieb 
Breithaupt unter dem Namen Stannit ein „weisses Zinnerz" 
aus Cornwall , von gelblichweisser bis isabellgelber Farbe, 
schwachem Fettglanz und flachmuscheligem Bruche. Die Härte fand 
er nahezu der des Quarzes gleich, das specifische Gewicht 3*533 
bis 3*558 und gab an. dass das Mineral gemengt sei mit weissem 
krystallinischen Quarz, wenig dunkelbraunem Zinnerz und Eisen- 
kies, welche Mineralien gleichsam porphyrartig in der Hauptmasse 
schwimmen *)• Plattner bestimmte den Gehalt an Zinnoxyd, 
Bischof lieferte eine vollständige Analyse 2 ). Des Vergleiches 
wegen führe ich beide Resultate hier an und stelle meine Zahlen 

daneben. 

Plattner Bischof Tsehermak 

Kieselsäure 51*57 . . .54*4 

Zinnsäure . . . .36*5. . .38*91. . .44-1 

Thonerde 4*53 . . . Spur 

Eisenoxyd 3-55 ... 1-2 

Kalkerde 0*t6 

Glühverlust 0-43 

Spec. Gewicht . . . 3-533 bis 3*558 . . 3*67 
Demnach scheint es, dass diese Untersuchungen sich auf das 
gleiche Gemenge beziehen, von dem Bischof vermuthet hatte, es 
sei eine Pseudomorphose nach Orthoklas, und das man sonst als ein 
Zinnoxydsilicat betrachtete. Die letztere Ansicht kann ich, was das 
von mir untersuchte Stück betrifft, nicht theilen, und muss darauf 
beharren, dass die pseudomorphe Substanz ein Gemenge von Quarz 
und Zinnerz sei. 

Nachdem die Verdrängung von Quarz durch Zinnerz nachge- 
wiesen ist, erscheint es von Interesse, auf die Orthoklas-Pseudo- 
morphosen zurückzukommen. Es war allen Beobachtern aufgefallen, 
dass dem pseudomorphen Zinnerz in diesem Falle stets kleine 
Quarzkörnchen beigemengt seien 3 ). Das Resultat der Umwandlung 
ist also ähnlich der von mir beschriebenen Pseudomorphose. Die 
mir vorliegenden Stücke (Handsammlung II. 1461) lassen noch einen 
Umstand erkennen. Die Pseudomorphosen haben die Form der 



i) Poggend. Annalen, Bd. LXIX, S. 435. 

2 ) Chem.-phys. Geologie. 1. Auflage. Bd. II, S. 2027. 

3 ) Vgl. Blum, Die Pseudomorphosen. S. 274. 



334 Tsd. er in ak. 

Karlsbader Zwillinge und bestehen zum grössten Theil aus dunkel- 
braunem Zinnerz. Die Quarzkörnchen sind allenthalben durch das 
letztere zerstreut; manche davon werden indess bei genauerer Be- 
trachtung als scharfbegrenzte Krystalle erkannt. An dem einen 
Stücke tritt aus einer Säulenfläche ein grösseres Quarz-Dodekaeder 
zur Hälfte hervor. Es ist gegen das Zinnerz scharf abgegrenzt, sieht 
jedoch an der Oberfläche wie zernagt aus. Daraus entnimmt man, 
dass die Quarzkrystalle älter seien als das Zinnerz. Es ist also auch 
hier die Quarzbildung dem Absätze des Zinnerzes vorausgegangen. 
Die Abrundung der Quarzkryställchen, das zernagte Aussehen der 
Oberfläche entspricht der an manchen Zinnerzstufen vorkommenden 
Erscheinung, dass die Quarzkrystalle, auf denen dasselbe sich ab- 
setzte, mehr oder weniger angegriffen erscheinen. Eine Gruppe von 
Quarzkrystallen aus Coruuall, die mit Nadelzinnerz bekleidet ist 
(I. 3812), zeigt dies sehr auffallend. 

Die Quarzkrystalle sind au vielen Punkten mit Büscheln von 
Nadelzinnerz bedeckt. Die letzteren haften hie und da nur ober- 
flächlich, meistens dringen sie jedoch in das Innere der Quarzkry- 
stalle ein. An manchen Stellen sind die beiden Mineralien so innig 
mit einander verwachsen, wie zuweilen der Adular, Bergkrystall, 
Sphen mit dem Hehninth, so dass man unsicher bleibt, ob man 
beiden gleichzeitige Entstehung zuschreiben solle oder nicht. Alle 
Quarzkrystalle sind mit einer trüben weisslicheu Rinde bedeckt, 
ausser an jenen Stellen, wo dicht haftendes Zinnerz schützend 
wirkte. 

Faseriger Eisenocher nach braunem ülaskopf , nach OöthÜ. 

An vielen Stufen von braunem Glaskopf bemerkt man auf der 
Bruchfläche lichtbraune bis braungelbe conceutrische Bögen, die 
mit dunkelbraunen abwechseln. Jede Faser des Aggregates ist in 
derselben Entfernung vom Centrum gelb gefärbt und es wechseln 
also braune und gelbe Kugelschalen mit einander. Zuweilen sind 
jene Bögen sehr schmal und das Ganze sieht aus wie ein pracht- 
volles Seidengewebe aus gelben und braunen Fäden. Das gelbe 
Mineral wird gewöhnlich Gelbeisenstein genannt und Hausmann 
selbst schreibt hierüber '): „Unter den Varietäten des Gelbeisen- 



•) Handbuch Her Mineralogie «847. 2. Ablh., S. »76. 



Einige Psoudomorpliosen. OtSö 

steines findet sieh der faserige am seltensten. Gewöhnlich kommt er 
in Begleitung von Brauneisenstein vor , mit welchem er zuweilen 
lagenweise wechselt, in den er aber auch wohl innig verwebt 
erscheint." 

An manchen Stufen ist die Vertheilung minder regelmässig; 
es häuft sich die gelbe Färbung au einzelnen Stellen. Solche gelbe 
Partien sind sehr locker, weich, abfärbend. Das Cabinet besitzt 
mehrere Stufen, an denen sich die erwähnten Erscheinungen zei- 
gen, namentlich einige von Katharinenburg in Sibirien. Durch diese 
wird man bald überzeugt, dass das gelbe Mineral ohne Zweifel aus 
dem Brauneisenstein hervorgegangen sei. Unwiderstehlich be- 
weist dies aber eine Slufe aus Cornwall (I. 4040). Sie zeigt 
tropfsteinartige Formen, auf dem frischen Bruche gleichförmig nel- 
kenbraune Farbe. An drei Seiten erscheint sie oberflächlich zer- 
setzt. Die ursprünglichen Enden der Stalaktiten fehlen. Von jedem 
Zapfen ist gleichsam ein Stück abgenagt. Wegen der ungleichen 
Zersetzung der verschiedenen Schichten treten auf dem Quer- 
schnitte erhabene Ringe hervor, den Jahresringen von Baumzweigen 
vergleichbar. Eine dem entsprechende Zeichnung zeigt sich auf 
dem zersetzten Längsdurchschnitte der Zapfen. 

Überall nun, wo die Zersetzung wahrzunehmen ist, wird die 
Stufe von jenem weichen, gelben Mineral bedeckt, das die Structur 
des Brauneisensteines vollkommen erhalten hat. 

Um Einsicht in den Vorgang zu erhalten, untersuchte ich eine 
Stufe aus Sibirien genauer. Auf dichtem Brauneisenstein von erdi- 
gem Bruche, der zum Theil schon gelh geworden, ruht zersetzter 
Glaskopf. Die mittleren Schichten des letzteren zeigen den voll- 
ständigen Übergang des faserigen Brauneisensteines in das gelbe 
Mineral. Wo dieses vorherrscht, ist in Folge der lockeren Beschaf- 
fenheit alles ausgebröckelt. Die oberste Schichte des Glaskopfes 
ist in verschiedene, doch immer geringe Tiefe in Häinatit umgewan- 
delt. Dies erinnert an Volger's Ansicht von der Entstehung der 
Eisenerze, nach welcher aus dem Gelbeisenstein der braune Glas- 
kopf hervorgeht, und aus dem letzteren, wie bekannt, der Häinatit. 
Doch mit unserem gelben Mineral verhält es sich umgekehrt, es ist 
ein Zersetzungsproduct des Brauneisensteines. Der Farbeuton des- 
selben liegt zwischen isabellgelb und ochergelb; beim Pulvern wird 
die Farbe dunkler: das feingepulverte Mineral hat dieselbe gelb- 



336 Tschermak. 

braune Farbe wie das Pulver des Brauneisensteines. Dieses aus- 
nahmsweise Verhalten zeigt, dass die lichte Farbe des Minerales 
blos durch die Structur bedingt wird, während seine eigentliche 
Farbe gelbbraun ist. Das wahre Eigengewicht der porösen Substanz 
bestimmte ich zu 3*97. Für die Zusammensetzung erhielt ich bei 
der Untersuchung des lufttrockenen Minerales die folgenden Zahlen: 

Kieselsäure . . 0*4 

Eisenoxyd . . . 84*2 

Wasser .... 15 - 2 

99-8 i) 
Diese stimmen sehr nahe mit den für den Limonit berechneten 
überein, für welchen die Formel 8556 Eisenoxyd und 14*44 Was- 
ser ergibt. Ich hatte erwartet, dass das gelbe Mineral viel mehr 
Wasser liefern werde, die Untersuchung aber zeigt, dass in dem 
vorliegenden Falle das Veränderungsproduct des braunen Glas- 
kopfes wiederum Brauneisenstein, doch von sehr lockerer Textur 
sei. Um zu erfahren, wie viel Substanz bei diesem Processe weg- 
geführt worden, bestimmte ich das scheinbare Eigengewicht des 
gelben Minerales, indem ich das Volum einer gewogenen Menge mit 
Zuhilfenahme von Quecksilber ermittelte 3 ). Ich erhielt die Zahl 
2*29. Wird nun angenommen, dass der ursprüngliche Brauneisen- 
stein dasselbe Eigengewicht besass , wie der Rest desselben , so 
ergibt sich die Gewichtsabnahme pr. Kubik-Centimeter bei der Ver- 
änderung zu 3*97 — 2-29 = l-68Grm. oder 423 Pct. des ursprüng- 
lichen Gewichtes. Die Menge des weggeführten Brauneisensteines 
verhält sich also zu der des übriggebliebenen wie 3 : 4. 

Der Göthit scheint zuweilen einem ähnlichen Processe zu unter- 
liegen. Das Cabinet besitzt eine Stufe von Nadeleisenerz, welches 
aus einer Achatmandel von Oberstein herrührt (Hs. II. 3020). Alle 
Nadeln sind vom Centrum aus bis zur Hälfte in eine sehr lockere 
gelbe Masse verwandelt. Die Farbe ist etwas dunkler als bei dem 
vorhin beschriebenen gelben Mineral. 



i) Aus 660 Mg. Substanz 2-6 Kieselsäure, .'iö6 Eisenoxyd. Aus 068 Mg. der Substanz 
56 Wasser. Überdies wurde eine Spur von Eisenoxydul und von Mangan nach- 
gewiesen. 

*) Bei der Anwendung des Quecksilbers für pyknometrische Bestimmungen erhält man 
für das Volum eine etwas zu grosse Zahl. Ich bestimmte die Correction, welche 
daraus für das Eigengewicht folgt, zu + 0*006. Im obigen Falle gab das Experiment 
das Eigengewicht zu 2284, mit der Correction also die oben angeführte Zahl. 



Einige Pseudomorphosen. o»> i 

Ich halte die ohige Untersuchung des gelben Minerales schon 
desshalh nicht für vverlhlos, weil dadurch die Frage nach der Exi- 
stenz des Gelbeisensteines oder Xanthosiderites wieder angeregt 
wird. Nach dem Vorgange von Hausmann haben bekanntlich 
einige Mineralogen den Gelbeisenstein als etwas vom Limonit Ver- 
schiedenes betrachtet, da er eine andere chemische Zusammen- 
setzung besitze, ein anderes Hydrat sei als dieser. Gleichwohl haben 
die bisherigen Analysen dies noch nicht sicherzustellen vermocht *). 
Die gewöhnlich citirte Untersuchung von E. E. Schmid weist so 
viel fremde Beimengung nach, dass es vollständig unsicher bleibt, 
wie viel von dem gefundenen Wassergehalte dem Eisenhydrat, wie 
viel den Beimengungen zuzuschreiben und wie viel Eisensilicat 
darin anzunehmen sei. Es bleibt also die Möglichkeit offen, dass der 
Gelbeisenstein mit der vorhin beschriebenen Pseudomorphose im 
Zusammenhang stehe, umsomehr da Hausmann selbst die letztere 
als Gelbeisenstein bestimmte. Um hierüber in's Klare zu kommen, 
verglich ich unseren Xanthosiderit aus den Pyrolusitlagern bei 
Ilmenau und eine Stufe v»n Gelbeisenstein (Hs. 4043) von Klein- 
Schmalkalden bei Gotha mit jener Pseudomorphose. Das erstere 
Stück besteht aus einem gelblichbraunen faserigen Mineral von 
zerstörtem Aussehen , das mit jener Pseudomorphose im Ver- 
halten übereinstimmt , doch eine etwas festere Textur besitzt 
und mehr ungleichförmig zernagt erscheint. I)ie zweite Stufe ist 
ausgezeichnet. Auf dichtem Botheisenerz sitzt ein lichtröthlich- 
brauner Glaskopf, im Bruche von prachtvollem Seidenglanz. Die 
nierenförmige Oberfläche ist bedeckt von einer Lage dichten Roth- 
eisenerzes von derselben Beschaffenheit wie die Unterlage. Der 
Glaskopf zeigt sich ganz compact. Die Fasern aber haben geringe 
Härte (2 und etwas darüber), ihr Pulver ist ochergelb mit einem 
Stich in's Rothe. Schon mit blossem Auge erkennt man auf dem 
Bruche des Glaskopfes graue Bögen, die dem Rotheisenerz ange- 
hören. Mit Hilfe der Loupe sieht man, dass ausserdem das Roth- 
eisenerz in wechselnder Menge zwischen den Fasern liege, woher 
denn der rothe Thon der Farbe kommen mag. Darnach ist auch zu 
schliessen, dass die Härte der braunen Fasern bedeutend geringer 
sein müsse als 2, da die Beimengung von Botheisenerz die Härte 



i) Vgl. Rarameisbergs Hdb. der Mineralchemie, S. 130. 



«» » » ö Tscher mak. 

erhöht. Die Zusammensetzung der braunen Fasern zu ermitteln, ist 
demnach nicht möglich, da sie von der Beimengung nicht vollstän- 
dig getrennt werden können. An einer Partie, welche, so gut es 
ging, gereinigt worden, bestimmte ich den Glühverlust zu 10-2 Pct. 
Wird nun angenommen, das faserige Mineral habe die Zusammen- 
setzung des Limonites, so ergibt sich hieraus , dass die Beimengung 
von Botheisenerz 29*3 Pct. betrage. Dies scheint mir, der ich die 
untersuchte Partie genau angesehen, fast zu viel. Wollte man hin- 
gegen die supponirte Zusammensetzung des Xanthosiderites anneh- 
men, so würde eine Beimengung von sogar 44 5 Pct. Botheisenerz 
sich berechnen, was ich um so weniger richtig finden kann. Ich glaube 
daher, dass dieser Gelbeisenstein, ohne Beimengungen gedacht, 
wohl dieselbe Zusammensetzung haben möge, wie die von mir 
untersuchte Pseudomorphose. 

Während des Druckes der vorliegenden Abhandlung erhielt 
ich noch durch die Güte des Herrn Dr. Madelung eine ausge- 
zeichnete Probe von Xanthosiderit zur Untersuchung. Das Resultat 
schliesse ich hier an. 

Die Stufe stammt vom selben Fundorte wie die von Schmid t 
untersuchten Stücke; sie besteht zum grössten Theil aus einem 
derben Mineral von verworren faseriger Structur und geringer 
Härte (2), auf frischem Bruche zeigt sie licht gelblichbraune Farbe. 
An einigen Stellen finden sich Höhlungen, in denen feine vierseitige 
Nadeln mit stumpfem Ende sichtbar sind. Es gelang an einer der 
letzteren den Säulenwinkel mit Sicherheit zu 95° zu bestimmen. 
Es herrscht Spaltbarkeit nach der Längenrichtung der Nadeln, 
genauer konnte ich dieselbe nicht orientiren. Die Nadeln und das 
derbe Mineral besitzen gleiche Eigenschaften. Das morsche und 
lockere Wesen lässt sogleich erkennen, dass man es mit einein 
Zersetzungsreste zu thun habe. Das ursprüngliche Mineral mag wohl 
Nadeleisenerz gewesen sein, dessen Säulenwinkel 94° 53' beträgt. 
Es ist also auch dieser Xanthosiderit eine Pseudomorphose, wahr- 
scheinlich nach Göthit. Bei der chemischen Untersuchung erhielt 
ich ähnliche Besulfate wie Schmidt, auch den Gehalt an Wismuth 
und Antimon in sehr geringen Mengen fand ich bestätigt. Das 
specifische Gewicht ergab sich zu 345. In Salzsäure löst sich 
das Mineral bis auf einen geringen Bückstand. 



Einige Paeiidomorphosen. ooH 

Schmidt Tschennak 

Kieselsäure 251 1-4 

Thonerde 132 04 

Eisenoxyd 74-96 780 

Manganoxyd 182 13 

Kalkerde — 0-2 

Magnesia — 0-2 

Wasser 15-67 14-8 

Unlöslich - 31 



96-28 99-4 *) 

Es erscheint nicht statthaft . ein Hydrat von der Zusammen- 
setzung Fe 2 3 (H 2 0) a anzunehmen, denn wofern von den Beimen- 
gungen gänzlich abgesehen wird, d. h. dieselben als wasserfrei ange- 
sehen weiden, erfordern die gefundenen Mengen Eisen- nnd Mangan- 
oxyd nach obiger Formel 17-2 und 178 Pct. Wasser. So viel weist 
keine der beiden Analysen nach. Und doch ist jene Annahme für 
obige Formel die günstigste. 

So lange demnach die Existenz jenes Eisenhydrates, das man im 
Gelbeisenstein zu sehen glaubte, nicht sicher nachgewiesen ist, möchte 
ich die Gelbeisensteine für Limonite von lockerer Textur halten. 

Eisenkies nach Eisenglanz, nach Kalkspath. 

Auf einem Gestein von Felsöbanya, das wie ein zersetzter Quarz- 
trachyt aussieht (Kl. Hs. 4655), sitzen in einem unregelmässigen 
Hohlraum kleine Quarzkrystalle. Die Säulenflächen sind matt, die 
Rhomboederflächen glänzend. Die grösseren zeigen jene Ausbildung, 
die uns bei den Scepterquarzen aus Ungarn entgegentritt. Neben 
dem Quarz sind kleine Krystalle von Adular als Auskleidung des 
Hohlraumes verbreitet. Sie zeigen das aufrechte Prisma, die schiefe 
Endfläche und die Fläche x (Naum.). Auf den beiden genannten 
Mineralien sitzen metallglänzende gelbe, stellenweise grau angelau- 
fene Blättchen mit feingekörnter Oberfläche; einige davon lassen 
den regelmässig sechsseitigen Umriss ganz deutlich erkennen, die 
Messung ergibt den Winkel von 120°. Die Blättchen sind kaum 



i) 789 Mg. lufttrockener Substanz gaben 24 Mg. Rückstand, 11 Kieselsäure, 3 Thon- 
erde, 10 Manganoxyd, 3 Kalkcarbonat, 4-5 Magnesiasalz. Das Gesammtgewicht der 
Kieselsäure, Thonerde, des Eisen- und Manganoxydes betrug 639 Mg. An 387 Mg. 
bestimmte sich der Glühverlust zu 87 Mg. Herr Adjunct P. Wesels kr hatte die 
Güte, den Gehalt an Eisen- und MangaBoxyd durch einen Titrirversuch zu prüfen. 
Er erhielt für die Summe beider 797 Pct, 



340 Tscher mak. 

papierdünn, überall nahe aneinander gedrängt, bald parallel gestellt, 
bald fächerförmig verwachsen; die Druse hat ein zellenähnliches 
Aussehen. An manchen Stellen erkennt man leicht, dass diese Blätt- 
chen aus kleinen Eisenkieskrystallen zusammengesetzt seien. Die 
chemische Untersuchung weist auch sonst keinen andern Bestand- 
teil nach. Man pflegt in Fällen, wie der vorliegende, eine Pseudo- 
morphose nach Magnetkies oder Kalkspath anzunehmen; ich glaube 
indessen, dass das ursprüngliche Mineral Eisenglanz gewesen sei, 
weil das Vorkommen der Pseudomorphose und das Ansehen der 
Druse am meisten an manchen Eisenglanz, wie z. B. der von Alten- 
berg in Sachsen, erinnert. Mit Sicherheit lässt sich jedoch hier 
nichts entscheiden und ich habe diese Pseudomorphose nur ange- 
führt, um wiederum darauf hinzuweisen, wie wenig sicher die Deu- 
tung in ähnlichen Fällen ist, daher die Umwandlungen des Magnet- 
kieses in Eisenkes, Arsenikkies, noch nicht als bewiesen zu be- 
trachten sind. 

Ein anderer mir vorliegender Fall gestattet hingegen eine 
sichere Entscheidung. Eine Stufe von Schemnitz , die ich aus der 
Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt durch den Herrn 
Bergrath Fo ett er le zur Untersuchung erhielt, zeigt auf einer Druse 
kleiner Quarzkrystalle grössere regelmässig sechsseitige Tafeln mit 
feingekörnter Oberfläche, die aus Eisenkies bestehen. Manche von 
den Tafeln, die zerbrochen sind, erscheinen im Innern hohl; alle 
zeigen an den Kanten einen Besatz von etwas grösseren Eisenkies- 
krystallen. Da alle Einzelnheiten der Ausbildung der früheren Kry- 
stalle vollkommen erhalten, die Pseudomorphosen genügend gross 
sind, um dies zu erkennen, so überzeugt man sich trotz der viel- 
deutigen Form sehr bald, dass das ursprüngliche Mineral nichts an- 
deres als Kalkspath gewesen sein könne. Die alte Etiquette spricht 
freilich von Afterkrystallen nach Baryt. Doch die Seitenkanten messen 
eben 120°, während beim Baryt, der allerdings zu Schemnitz auch in 
sechsseitigen Tafeln vorkömmt, diese Kanten 129 und 102° haben. 

Eine linwandluiigsphasc des Vivianites. 

Vor Kurzem überbrachte mir Herr Professor Hieser in Wien 
ein eigentümlich aussehendes Stück aus seiner Sammlung zur Unter- 
suchung. Die 6Millim. langen, metallähnlich glänzenden, scharf aus- 
gebildeten Krystalle, die auf einem gelblichbraunen eisenschüssigen 



Einige Pseudomorphosen. o41 

Gestein aufsitz en, sind sehr auffallend und nach dem Ansehen und 
ihren Eigenschaften mit keinem bekannten Mineral übereinstimmend. 
Die Form ist monoklinisch (Fig. 2, 3) nach der Längsfläche b 
herrscht sehr vollkommene Spaltbarkeit, daher auf dieser Fläche 
der metallähnliche Perlmutterglanz , während die übrigen Flächen 
Glasglanz zeigen. Die 6-Flächen erscheinen licht-tombackfarben, 
die anderen schwärzlichbraun, der Strich hat ochergelbe Farbe. 
Die Härte ist sehr gering, an den Kanten höchstens 1*5 , die Kry- 
stalle sind sehr leicht zerbrechlich und zerreiblich. Der sehr auffal- 
lende Perlmutterglanz, die eben erwähnten Textlirverhältnisse und 
die sebr zerstört aussehende Umgebung lassen bald errathen , dass 
eine Pseudomorphose vorliege. 

Die Form ist die des Vivianites (aq = 125° 30, ab = 90<>, 
bq = 90°; ap = 146°; oq = 149° als annähernde Bestimmungen). 
Das Verhalten vor dem Löthrohre ist fast dasselbe, wie bei diesem, 
doch schmilzt die pseudomorphe Substanz noch leichter zur magne- 
tischen, halb metallisch glänzenden Kugel. Das specilische Ge- 
wicht bestimmte ich zu 2-95, also höher als das des Vivianites. 
Die chemische Zusammensetzung weist ausser den gewöhnlichen 
Bestandteilen des Vivianites noch etwas Natron auf. Die Substanz 
löst sich leicht in Säuren auf; nach dem Glühen und dem Entweichen 
des Wassers bleibt ein schwarzbrauner Rückstand, der in Säuren 
sich schwer auflöst. 

Um die Stufe, die vorläufig ein Unicom ist, nicht stark zu be- 
schädigen, nahm ich nur eine geringe Quantität der Pseudomorphose 
zur Untersuchung. Einige der umgewandelten Krystalle zeigen im 
Innern einen blauen Punkt als Rest des früheren Stadiums. Daher 
mag zum Tbcil der geringe Eisenoxydulgehalt kommen, der sich 
nachweisen liess, den ich indess nicht zahlenmässig bestimmte. 
Mangan ist in unbestimmbar kleiner Menge zugegen. Das Resultat 
der mit aller Sorgfalt ausgeführten Bestimmung ist: 

Phosphorsäure 30*5 

Eisenoxyd 55 

Natron 1*5 

Wasser 14 

101 i) 



i) 279 Mg-, der Substanz gaben mir beim Glühen 39 Mg. Wasser, ebensoviel Gewichts- 
verlust. 229 Mg. der geglühten Substanz lieferten 122 Eisenoxyd and 123 Magne- 
siasalz. 240 Mg. der ursprünglichen Substanz gaben 7"5 Mg. Cblornstrium. 
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLIX. Bd. I. Abth. 24 



342 Tschermak. 

Den Natrongehalt werde ich weiterhin besprechen. Um den 
Gang der stattgehabten Veränderung verfolgen zu können, ver- 
gleiche ich unter C meine Beobachtungen mit der Zusammensetzung 
des unveränderten farblosen Vivianites aus Delaware nach Fischer 
(J) und mit den von Rammeisberg für den blauen Vivianit von 
Mullica Hill erhaltenen Resultaten (ß), indem ich annehme, dass das 
Natron erst während der Veränderung aufgenommen worden, und 
dass der Gehalt an Eisen dabei constant geblieben sei. Dazu ist 
man, wie ich glaube, vollkommen berechtigt, da das Äquivalenten- 
verhältniss der Phosphorsäure und des Eisens dasselbe ist, wie 
beim unveränderten Mineral. So ergeben sich die folgenden Ver- 
hältnisse : 

ABC 
Phosphorsäure. . .27-2. . .27-8. . .27 
Eisenoxydul. . . . 44i. . .33-6. . . ? 

Eisenoxyd 0-0 . . . li-6 . . .49 

Wasser 279. . .25-4. . .12-5 

Natron 1*5 

n dem ersten Stadium der Veränderung, beim Übergang des 
farblosen Vivianites in den blauen, erfolgt eine theilweise Oxydation 
und Abnahme des Wassers; in dem von mir untersuchten Stadium 
schreitet die Abnahme des Wassers und die Oxydation weiter , so 
dass ein Verlust von 10 Pct. entsteht, daher die lockere Textur der 
Pseudomorphose. Die letztere Umwandlung mag wohl durch Tage- 
wässer herbeigeführt worden sein, die unterwegs alkalische Carbo- 
nate aufgelöst hatten. Die letzteren bewirkten die Fortführung einer 
geringen Menge Phosphorsänre; wogegen eine kleine Menge Natron 
in die pseudomorphe Verbindung überging. In Folge der Oxyda- 
tion verminderte sich der Wassergehalt, weil das Phosphat des 
Eisenoxydes weniger Wasser bindet. 

Die Pseudomorpliosen sind stellenweise von einer geringen 
Menge Grüneisemrzes umgeben, das einen schwärzlichen Überzug 
bildet. Vielleicht hat die ausgeschiedene Phosphorsäure und der 
Eisengehalt der Unterlage dessen Entstehung bewirkt. An einzelnen 
Punkten der Stufe kamen bei der Abtrennung des Untersuchungs- 
materiales theilweise umgewandelte Krystalle zum Vorschein, die 
noch mehr oder weniger blau sind. 



Einige Pseudomorpliosen. o i'.l 

Das pseudomorphe Mineral steht dem Beraunit Breithaupt's 
nahe, der gleichfalls ein veränderter Vivianit ist, wie Breithaupt 
selbst angibt •), doch soll der Beraunit ein etwas geringeres Eigen- 
gewicht (2 "878), grössere Härte (2- 5) haben. Eine Analyse liegt 
nicht vor. Bevor ich selbst eine solche ausführen mochte, verglich 
ich die beschriebene Pseudomorphose mit einigen Beraunitstufen. 
Herr Prof. Hieser stellte mir eine solche von St. Benigna zur Ver- 
fügung, die ich beliebig zerstören konnte. So war ich in den Stand 
gesetzt, den Zusammenhang des Beraunites mit jener Pseudomor- 
phose kennen zu lernen. 

An allen Handstücken bemerkte ich als Begleiter des Beraunites 
ein amorphes schwarzbraunes, dem Stilpnosiderit ähnliches Mineral. 
Überzüge bildend, nirgends in grösserer Menge angehäuft. Es über- 
zieht die Beraunitnadeln an vielen Stellen mit einer dickeren oder 
dünneren stark fettglänzenden Haut, oder imprägnirt dieselben blos. 
Beim Zerbröckeln kam ich auf Nadeln, die innen hohl waren; der 
Beraunit war verschwunden und nur der pechglänzende Überzug 
geblieben. In Folge des genannten Überzuges oder der Impräg- 
nation haben die Beraunitnadeln alle Nuancen von schwarzbraun 
durch rothbraun bis licht bräunlichroth. 

Die letzteren lichten Beraunite, die am wenigsten durch die 
amorphe Suhstanz verunreinigt sind, stimmen in Bezug auf Farbe, 
Glanz. Strichpulver. Härte vollkommen mit den oben beschriebenen 
Psendomorphosen überein. Eine Analyse auszuführen, gestaltete die 
Seltenheit solcher Partien nicht, doch blieb mir kein Zweifel, duss 
beide Pseudomorpliosen, der lichte Beraunit und die von mir unter- 
suchte, demselben Stadium der Umwandlung angehören. 

Da die veränderten Vivianile von St. Benigna sich meistens 
in jenem Zustande befinden, indem sie durch die amorphe Substanz 
ein wenig imprägnirt, etwas dunkler und härter erscheinen, als die 
reineren Pseudomorpliosen, so mag wohl Breit haupt bei der 
Aufstellung der neuen Mineralart nur diese Partien berücksichtigt 
haben, daher die Abweichungen zwischen seiner und meiner Be- 
schreibung. 



i) Berg- und Hütlenmänn. Zeitg. f. 1853, S. 402. 

24 



344 Tschermak. 

Das stilpnosideritähnliche Mineral verdankt seine Entstehung 
ohne Zweifel dem früheren Vivianit. Es erinnert dieses Vorkommen 
an ßl unTs Pseudomorphose : Stilpuosiderit nach Vivianit. 



Die Pseudomorphosen im antiken grünen Porphyr. 

In der ersten Abhandlung über Pseudomorphosen ') erwähnte 
ich bereits, dass die im antiken grünen Porphyr eingesprengt vor- 
kommenden Feldspathstücke zum Theile Pseudomorphosen seien. 
Um sich davon zu überzeugen, darf man sich jedoch nicht mit einem 
Stück jenes Porphyrs begnügen ; unter einer grösseren Anzahl wird 
man hingegen bald eines finden, das die feinkörnige Structur der 
Einsprengunge deutlich zeigt, während die Oberfläche der letzteren 
die Feldspathform noch mit grosser Schärfe wieder gibt, so dass 
kein Zweifel über die pseudomorphe Natur der Einsprengunge übrig 
bleibt. Leider lässt sich das Vorkommen solcher umgewandelter 
Feldspathkrysialle nicht auf einen bestimmten Fundort beziehen, da 
die Angaben über die Herkunft der einzelnen Handstücke nicht zu- 
verlässig sind. 

Ein Handstück, welches die Erscheinung in ausgezeichneter 
Weise darbietet, führt die Bezeichnung: „Val Camonica". Ich habe 
desselben schon früher erwähnt. Die Grundmasse ist blänlichgrün, 
die Einsprengunge sind blass gelblichgrüu gefärbt. Die letzteren 
zeigen die Formen von Feldspathkrystallen genau so wie die 
im grünen Porphyr aus dein südlichen Morea. Eben so lässt sich 
an dem Wechsel der Farbentöne die frühere lamellare Verwach- 
sung noch gut erkennen. Ich habe diese Pseudomorphose genauer 
untersucht. 

Die blass gelbgrüne fetlglänzende Masse ist völlig dicht von 
splittrigem Bruche, daher die äussere Ähnlichkeit mit Serpentin, die 
bei den Pseudomorphosen noch mehr als bei der Grundmasse her- 
vortritt. Die Härte ist ein wenig geringer als 6. Das Eigengewicht 
wurde zu 2-89 bestimmt, während für die Grundmasse 2-92 gefun- 
den wurde. Beim Erhitzen wird die pseudomorphe Substanz röth- 
lich und schmilzt dann zu schwarzem Glase. 



i) Berichte der Wiener k. Akademie, Bd. XLVI, S. 486. 



Einige Pseudomorphosen. 345 

Für die Zusammensetzung erhielt ich bei der Untersuchung der 
Pseudomorphose Grundmasse 

Kieselsäure .... 47-3 56-0 

Thonerde 222 13-5 

Eisenoxyd 9-8 15-5 

Kalkerde 8-6 7-0 

Magnesia 0-7 0-3 

Kali 3-3 11 

Natron 4-6 Sl 

Wasser 2-7 2-3 

99-2 1) 100-8 2) 

Die Prüfung auf Eisenoxydul gab bei der Pseudomorphose ein 
negatives Resultat; bei der Grundmasse wurde eine kleine Menge 
desselben nachgewiesen. 

Der Hauptunterschied dieser Zusammensetzung und der eines 
Kalkfeldspathes liegt offenbar im Wassergehalt und der verhältniss- 
mässig bedeutenden Menge Eisenoxyd; daher m«n wohl annehmen 
darf, dass bei der Umwandlung die durchdringenden Wässer auf 
einen Ausgleich der Zusammensetzung hinarbeitend, den Feldspath- 
krystallen Eisenhydrat zugeführt haben; denn die Grundmasse besitzt 
einen höheren Eisengehall als die Einsprengunge. Die übrigen 
Veränderungen lassen sich nicht so leicht errathen, so lange die 
Zusammensetzung des unveränderten Minerales nicht bekannt ist. 

Nach der bisher gepflogenen Sitte wären die eben beschriebe- 
nen Einsprengunge als eine neue Mineralart zu betrachten, während 
sie nur ein bisher unbekanntes Stadium der Umwandlung von Feld- 
spathkrystallen darstellen. Ich halte es indess nicht für unnöthig, 
diese Veränderungsphase durch einen Namen zu bezeichnen und 
möchte dieselbe Chlorolithin nennen. Sie ist nicht mit dem 
Vosgit Delesse's zusammenzustellen, wie ich früher meinte, 
denn die Zusammensetzung beider ist sehr verschieden. 

D eless e hat vor einiger Zeit die grünen Feldspath-Einspreng- 
linge in einem grünen Porphyr aus Lakonien untersucht 3 ), deren 

!) 982 Mg. Substanz gaben 464 Kieselsäure, 218 Thonerde , 93 Eisenoxyd, 150 Kalk- 
carbonat, 19 Magnesiasalz ; 1210 Mg. Substanz lieferten 207 Platinsalz und 104 
Chlornatrium; 850 Substanz gaben 23 Wasser. 

2 ) Aus 932 Mg. der Grundmasse erhielt ich 522 Kieselsäure, 126 Thonerde, 145 Eisen- 
oxyd, 116 Kalkcarbonat, 8 Magnesiasalz ; aus 828 Mg. 19 Wasser. Herr Prot. Ro the , 
der die Alkalien bestimmte, erhielt bei Anwendung von 1303 Mg. Substanz 29 Platin 
und 125 Chlornatrium. 

3) Journal f. prakt. Chemie. Bd. 43, S. 440. 



Kieselsäure . 


. . 53-20 


Thonerde . . 


. . 27-31 


Eisenoxyd . . 


. . 103 


Kalkerde . . 


. . 8-02 


Magnesia . . 


. . 101 


Kali .... 


. . 3-40 




. . 3-52 




. . 2-51 



346 Tschermak. 

Zusammensetzung sich der gewisser Labradorite nähert. Da nun die 
von mir untersuchten Pseudomorphosen vielleicht aus derselben Ge- 
gend herstammen, so mögen beide Resultate hier verglichen werden. 
Delesse's veriind. Labradorit: Chlorolithin: 

53-20 47-3 

22-2 

9-8 

8-6 

0-8 

3-3 

4-6 

.... . 2-7 
100-00 99-2 

Obne Zweifel verfolgt derVeränderungsprocess in beiden Fällen 
dieselbe Richtung, im Chlorolithin ist derselbe jedoch bedeutender 
vorgeschritten. Bei Aufnahme von Wasser und Eisenoxyd vermindert 
sich die Menge der Kieselsäure und der Thonerde. Wahrscheinlich 
erfolgt eine Epidotbildung, dafür spricht Delesse's Beobachtung, 
der in dem Gestein Adern von Epidot und Quarz bemerkte. 

Calcit nach Feldspath (Labradorit). 
Bei den eingewachsenen Pseudomorphosen, welche durch die 
Verdrängung des Feldspathes durch Calcit entstehen, lässt sich die 
Form nur schwierig bestimmen *)• Es gelang mir indess, an kleinen 
Stücken des Grünsteines von Dillenburg in Nassau durch vorsichtiges 
Ätzen den Calcit wegzubringen , ohne dass die Grundmasse allzu 
morsch wurde. Es blieb an der Stelle der Pseudomorphosen ein 
lockerer weisser Zersetzungsrest des Feldspathes zurück, der sich 
leicht entfernen Hess. Die entstandene Höhlung wurde mit Wachs 
abgeformt und so die tafelförmige Gestalt eines klinoklastischen 
Feldspathes erhalten, woran M oder P vorwiegend ausgebildet sind, 
und ausserdem T, l, zuweilen auch x als begrenzende Flächen auf- 
treten. Das ursprüngliche Mineral mag wohl die Zusammensetzung 
eines Labradorites gehabt haben. 

Biotit nach Hornblende. 

Die Pseudomorphosen vom Radhausberg bei Gastein, welche 
durch Magnesiaglimmer (Biotit) gebildet werden 2 ), habe ich einer 



1 ) Sitzungsber. der Wiener kais. Akademie, Bd. XLVI, S. 48«. 

2) Ebendas. S. 490. 



Einige Pseudomorphosen. 34? 

nochmaligen Untersuchung unterworfen. Da dieselben in einer 
locker feinkörnigen Orthoklas-Grundmasse eingewachsen sind, so 
gelingt es nicht, dieselben zu isoliren, dagegen vermochte ich in 
einzelnen Fällen auf die Weise zur Kenntniss der Form zu gelangen, 
dass ich die Glimmerschüppchen allmählich mit einer Nadel entfernte 
und die Höhlung mit Wachs abzuformen versuchte. So erhielt ich 
Prismen, deren scharfe Kanten abgestumpft waren, begrenzt durch 
die schiefe Endfläche. Der stumpfe Winkel des Prisma wurde zu 
124° bestimmt, in Übereinstimmung mit dem Winkel der Hornblende. 
Bei der Ähnlichkeit in der Zusammensetzung der Biotite und 
der thonerdehaltigen Hornblenden mag, abgesehen von der Wasser- 
aufnahme, kein sehr bedeutender Stoffwechsel bei dieser Umwand- 
lung stattgefunden haben. 

Voigtit nach Biotit. 

Der Biotit erleidet in gewissen Fällen eine eigenthümliche Zer- 
setzung, in Folge deren die Blättchen ihre Elasticität verlieren und 
biegsam werden wie Chloritblättchen. Es erfolgt eine Aufnahme von 
Wasser, die Farbe wird grünlich grau, dann graubraun bis holzbraun; 
bei grösseren Glimmerkrystallen werden die Blättchen gekrümmt und 
es tritt ein Wachsglanz auf, der stellenweise perlmutterartig ist. Ein 
solches Umwandlungsproduct beschrieb E. E. Schmidt unter dem 
Namen Voigtit. Kenngott und ich 1 ) fanden im Granit von San 
Domingo in Brasilien ein Derivat des Biotites, das nach seinen physi- 
kalischen Eigenschaften der Beschreibung des Voigtites vollkommen 
entspricht und das von C. von Hauer analysirt wurde. 

Bevor ich dieses Vorkommen kannte, beschrieb ich ein Zer- 
setzungsproduct aus dem Trachytporphyr von Offenbanya und nannte 
die pseudomorphe Substanz provisorisch Chlorit. 

Diesmal habe ich nicht blos jene Benennung zu berichtigen, 
sondern kann noch ein anderes Vorkommen angeben, das ganz aus- 
gezeichnet ist. 

In einer Platte von Kaliglimmer (Mustovit) von Southacworth 
in Newhampshire, Nordamerika, die etwa 8 Zoll Länge, 7 Zoll Breite 
hat, sind zwei sechsseitige Biotitsäulen, jede von 1 '/ 3 Zoll Durch- 
messer, eingeschlossen , so dass die Spaltflächen der letzteren mit 



*) Sitzuugsber. der Wiener k. Akademie, Rd. XLV1I, S. 408 und 414, wo auch die 
übrigen Nachweise zu linden sind. 



348 Tschermali. 

denen des Mnscovites in derselben Ebene liegen, während im Übri- 
gen keine bestimmte Orientimhg der Biotitkrystalle gegen einander 
oder gegen die seeundären Spaltrichtungen des Muscovites zn beob- 
achten ist. Der mehr gegen die Mitte der Platte zu liegende Biotit- 
krystall sieht fast ganz unverändert aus, nur an der Kante, die gegen 
den andern Krystall gewendet ist, ist eine anlängende Voigtit- 
bildung bemerkbar. Der andere Krystall, der näher dem Rande der 
Platte liegt, also früher dem umgebenden Gestein näher war, ist 
beinahe vollständig in Vuigtit umgewandelt; nur hie und da ist ein 
Restchen von dem ursprünglichen Mineral zu linden. Der die Pseu- 
domorphose umgebende Muscovit sieht unverändert aus, doch findet 
sich hie und da etwas Eisenocher zwischen seinen Blättchen. 

Der Voigtit ist, wie man leicht einsieht, keine selbststäudige 
Mineralart, sondern nur ein Umwandlungs-Stadium des Biotites. 

Klinochlor, Diopsid und Granat, nach Vesuvian. 

Eine Stufe von Slatoust (Hands. I. 3673) zeigt eine Reihe von 
merkwürdigen Erscheinungen aus dem Gebiete der chemischen Um- 
wandlung des Vesuvians. Sie ist in dieser Beziehung ein Pracht- 
stück. In einem Hohlräume in Chloritschiefer sitzen halbzerstörte 
pistaziengrüne Vesuviankrystalle neben gelblichweissem Titanit und 
Blättchen von dunkel lauchgrünem Klinochlor, welche in dem 
bunten Gewirre der Krystalle nirgends fehlen. An einem Punkte 
findet sich neben grossen Klinochlor-Blättchen eine Anhäufung von 
lauchgrünen Diopsid-Säulen, aber auch sonst ist der Diopsid in 
Gesellschaft mit dem Klinochlor auf der Stufe verbreitet, doch in 
geringerer Menge als der letztere. Dunkelgrüne, kleine Granatkry- 
stalle linden sich ebenfalls an vielen Punkten. Die ganze Druse mag 
früher von Calcit bedeckt gewesen sein, der künstlich weggeätzt 
wurde; denn es findet sich an dem tiefsten Punkte ein Calcitrest, 
dessen Aussehen keine andere Deutung zulässt. 

Die sämmtlichen Vesuvian-Krystalle sind im Innern zerstört, 
während die äussere Haut sich erhalten hat und die Combination des 
Prisma, der Pyramide, des verwendeten Prisma, der Endfläche zeigt. 
Es sind von den Krystallen gleichsam nur die Bälge übrig geblieben, 
aus papierdünnen Häutchen gebildet, Kartenhäusern vergleichbar, 
die beim leisesten Anstoss zerfallen. Manche sind daher stellenweise 



Einige Pseudomorphosen. o4t) 

eingebrochen , viele aber werden durch die im Innern wuchernde 
Nachkommenschaft gestützt. Auffallend ist dabei, dass die End- 
flächen (oP) stets durchgefressen sind, so dass jeder Balg wenig- 
stens von dieser Seite her den Einblick in's Innere gestattet. 

In dem einen Stadium der Umwandlung zeigt sich innen ein 
morscher Rest von Vesuvian-Substanz , in den Zwischenräumen 
haben sich Blättchen von Klinochlor angesiedelt, hie und da erblickt 
man lichtgriine Diopsid-Säulchen mit undeutlicher Endigung und 
G ran at-Kry stalle, letztere Dodekaeder- und Leucitoeder-Flächen 
zeigend. Da die papierdünnen Bälge durchsichtig sind, so bemerkt 
man schon von aussen, wo sich Anhäufungen von Klinochlor oder 
Diopsid finden. Fig. 4 ist das Bild einer Pseudomorphose, welche 
im Innern einen morschen Vesuviankern enthält, während der übrige 
Raum durch Klinochlor ausgefüllt wird. 

In vielen Fällen ist die Umwandlung so weit vorgeschritten, 
dass im Innern die ursprüngliche Substanz ganz verschwunden ist 
und die drei Nachkömmlinge den Raum mehr oder minder vollstän- 
dig einnehmen. Die dünnen Wände der hohlen Krystalle werden 
durch den Klinochlor und die Diopsid-Säulen gestützt. Fig. 5 zeigt 
einen solchen Fall. Zuweilen hängen an den Klinochlor-Aggregaten 
nur noch einige Fetzen von dem Vesuvian-Kleide , wie dies Fig. 6 
andeutet. Die Granaten begleiten überall ihre beiden Genossen, 
doch werden sie nicht so leicht bemerkt, da ihre Farbe von der des 
Vesuvian wenig verschieden ist. 

Die wenigen aber verhältnissmässig grossen Titanit-Krystalle 
zeigen sich fast durchwegs unabhängig von den anderen Mineralien, 
nur in einem Falle erscheint ein solcher Krystal! neben Klinochlor 
im Innern eines hohlen Vesuvian-Krystalles, auf der einen Seite an 
die Hülle angewachsen. Ich möchte es für diesmal noch unentschie- 
den lassen, ob auch der Titanit aus der Substanz des Vesuvians her- 
vorgegangen sei; da indess die Menge des Titanites im Vergleiche 
zu den drei pseudomorphen Mineralien gering ist, so wird die Deu- 
tung des vorliegenden Umwandlungsvorganges durch diese Unsicher- 
heit wohl nicht beirrt. 

An dem einen Ende der Stufe ist fast jeder Rest des Vesuvians 
verschwunden, und man hat jenes Zusammenvorkommen von Klino- 
chlor, Diopsid, Granat, welches man auf manchen sibirischen, nor- 
wegischen, piemuntesischen Stufen sieht. Wenn nun auch nicht 



350 Tschermak. 

behauptet werden kann, dass in allen diesen Fällen die drei Mine- 
ralien aus Vesuvian hervorgegangen seien, to geben doch die Beob- 
achtungen an der oben beschriebenen Stufe einen bedeutsamen Wink, 
wie man die constante Paragenesis gewisser Mineralien aufzufassen 
habe. Der chemische Vorgang, welcher durch die beschriebene 
Pseudomorphose angedeutet wird, bestand darin, dass die Kalkerde 
des Vesuvians grossentheils durch Magnesia ersetzt *) und Wasser 
aufgenommen wurde, während zugleich ein Zerfallen in mehrere 
Verbindungen stattfand 3 ). 

Vor Kurzem hat Prof. Blum Einiges über eine Pseudomorphose 
von „Chlorit nach Idokras" mitgetheilt 3 ). Es wäre von Interesse zu 
sehen, ob nicht etwas Diopsid mit vorkömmt , wie es auch in dem 
folgenden Falle beobachtet worden. 

Eine Stufe mit der Angabe Achmatowsk (Hs. 3446) zeigt ein 
früheres Stadium des eben erwähnten Umwandlungsprocesses. In 
einer Höhlung des Chloritschiefers bemerkt man pistazgrüne Vesu- 
viau-Krystalle neben Klinochlor-Blättchen. Der Kalkspath, welcher 
früher Alles einhüllte, ist unvollständig weggeätzt. Die Vesuvian- 
Krystalle sind stellenweise fleckig, zeigen Sprünge und Krümmungen 
der glatten Flächen. Die blass lauchgrünen und die dunkelgrünen 
Flecken rühren von den Diopsid- und Klinochlor-Krystallen her, die 
sich im Innern angesiedelt, und die Krümmungen der Flächen ver- 
anlasst haben. Alle Vesuvian-Säulen sind theilweise ausgehöhlt, die 
äussere dünne Hülle ist von dem morschen Kern getrennt, oder durch 
die epigenetischen Minerale damit theilweise verkittet. Jene Säulen, 



i) Vergl. Bischofs Geologie. 2. Aufl. 1. Bd. , S. 75. 

-) Nach den besten Analysen hat man, unter AliO s und Mg 0, die geringe Menge der ent- 
sprechenden Eisenoxyde mitverstanden, für den obigen Vesuvian die Formel (Si O s )i 
(Al z 3 ) (CaO) 5 , für den Klinochlor (Si O z ) 3 (AI-, 3 ) (Mg 0) a (If, 0) % u. s. w. Ver- 
doppelt mau des Vergleiches wegen die Vesuvianformel, so ergibt sich aus dem Schema : 
Vesuvian .... (Al s 3 ) 2 (Si S ) 8 (Ca O) i0 
Klinochlor . . . (Al z 3 ) (Si ; ) 3 (Mg 0) 5 (H* 0), 
Orauat (Ah 3 ) (Si 2 ) 3 (Ca 0) s 



Diopsid (Si 0»), | C 



Mg O 

dass der Vesuvian bei dem partiellen Austausche der Kalkerde gegen Magnesia und 
der Aufnahme des Wassers nach einlacher Weise in die drei Verbindungen zer- 
fallen könne, ohne dass weiter von der Substanz etwas hinweggeführt wird. Die 
ausgeschiedene Kalkerdu tritt jedenfalls als Carbonat auf. 
s ) Dritter Nnchtr. r. d. Pspudomorphoscu. S. lf>6. 



Einige Pseudomorphosen. OOl 

die gegen Aussen besser abgeschlossen waren, widerstanden der 
Säure des Mineralienhändlers mehr und behielten zum Theil die 
Calcitausfüllung. Sie zeigen , wie vordem die dünne Krystallhülle 
durch den körnigen Calcit gestützt worden. Eine an der Endfläche 
eingebrochene Säule zeigt die ersten Anfänge der Üiopsid- und 
Klinochlor-Bildung in dem morschen Innern sehr schön (Fig. 7). 
Granat ist nirgends zu sehen *)• An einem Punkte findet sich ausser 
Zusammenhang mit den Vesuvian-Säulen ein gelblicher Titanit- 
Krystall. 

Die beiden Vesuvian-Stufen sind ausgezeichnete Beispiele von 
Perimorphosen. Denkt man sich nämlich den Calcit, der früher 
die Vesuvian-Säulen umgab und erfüllte, restituirt, so hat man jene 
oft bewunderte Erscheinung, die zuweilen an Vesuvian-und Granat- 
Stufen beobachtet wird. Eine papierdünne, glattflächige Krystall- 
hülle umgibt ein Gemenge von körnigem Calcit und Vesuvian- oder 
Granatkörnchen. Im vorliegenden Falle war im Innern der Vesuvian- 
Säulen ein Gemenge vorhanden, das bei den mehr veränderten Kry- 
stallen vorherrschend aus Calcit und Klinochlor, bei den minder ver- 
änderten aus Calcit und Vesuvian-Resten bestand. 

Es ist nicht zu verwundern, dass Manche, die solche Erschei- 
nungen sahen ohne die Zwischenstufen beobachtet zu haben, sich 
nicht entsehliessen konnten, an eine Pseudomorphose zu glauben; 
denn eine so zarte und absichtsvoll aussehende Arbeit mochten sie 
der Natur nicht zutrauen, obgleich sie auf der andern Seite über- 
sahen, dass gar viele Pseudomorphosen denselben Grad der Sub- 
tilität in anderer Weise darbieten. Während Sillem, Reuss, 
Bischof, Volger kein Bedenken trugen, diesen Fall als Pseudo- 
morphose anzuerkennen, sprachen sich Sc he er er, Knop, Blum 
dagegen aus. Sc heerer erfand den Ausdruck „Perimorphose, 
Krystallbildung von aussen nach innen", damit sollte die Schwierig- 



') Wenn aus dem Vesuvian blos Klinochlor und Üiopsid hervorgeht, so erfolgt nebst 
dem Austausch von Magnesia gegen Kalk noch eine Mehraufnahme von Magnesia, 
wie das Schema : 

Vesuvia n . . ■ ■ (Ah O a ) 2 (Si Q 3 ) 8 (Ca Q) 1U 
Klinochlor . . . (Ah 3 ) t (Si 0,) 6 (Mg 0) w (H z 0), 

Diopsid (Si 0,) 3 (Mg Ca 0) 

zeigt. Die beiden Schemate geben natürlicher Weise das Mengenverhältniss nicht 
richtig an , weil sie auf die Wandlungen des Eisens keine Rücksicht nehmen. 



352 Tsc her mak. 

keit gehoben werden; was jedoch mit diesen Worten gemeint sei, 
ist nicht zu errathen. Knop denkt sich den Granat und Calcit 
gleichzeitig entstanden, den letzteren also als Einschluss. Blum 
stimmt dieser Ansicht für gewisse Fälle bei. Wer sich indess an 
die bisher gewonnenen Beobachtungen über Krystallbildung hält, 
muss sagen, dass auch Knop's Vorstellung unhaltbar sei. Die Kry- 
stalle wachsen nie anders als von einem Centrum, von einem Kern- 
punkte aus, und wenn sie auch beim Fortwachsen dies und jenes 
einschliessen, so geht doch die ununterbrochene Verbindung der 
äusseren und inneren Theile nie verloren. Wie soll sich eine Scluile 
von Granat , wie ein Balg eines Vesuvian-Krystalles durch directe 
Krystallisation bilden und sich dabei mit Calcit ausfüttern? 

Warum müssen die Schwierigkeiten, auf die wir stossen, durch 
naturwidrige Annahmen noch vermehrt werden? Und ist vielleicht 
die pseuilomorphe Bildung unerklärlich und gibt es keine analogen 
Erscheinungen? Ich glaube nicht. Volger hat bereits darauf hin- 
gewiesen, dass das Sonderbare darin liege , dass bei der Verdrän- 
gung des Granates durch Calcit in dem vorliegenden Falle „der 
chemische Process augenscheinlich tausendmal von zweien benach- 
barten Granatatomen dem einen vollständig den Garaus gemacht und 
Calcit für dasselbe substituirt hat, während das andere unmittelbar 
daneben unverändert geblieben ist". Diese Erscheinung kömmt 
indess nicht blos beim Granat und Vesuvian vor, sondern bei sehr 
vielen Mineralien. Da nun das Wunderbare diesen Charakter ver- 
liert, sobald es alltäglich geworden, so möchten wohl Manche nichts 
mehr Sonderbares an der Sache linden, wenn sie anderen ähnlichen 
Vorkommnissen ebenfalls einige Aufmerksamkeit zuwenden. Dabei 
findet sich aber auch leichter die Erklärung, welche hingegen bei 
einer beschränkten Zahl von Beobachtungen oft irre geht. 

Ich möchte hier auf einige bekannte Erscheinungen hinweisen, 
die mir geeignet zu sein scheinen, über den Vorgang Aufschluss 
zu geben. 

Bei der Zersetzung der Krystalle widerstehen öfters krystallo- 
graphisch gleiche Theile gleichartig der Zerstörung, während die 
übrigen Theile der Krystalle unterliegen. Ein schönes Beispiel 
geben die von Blum beschriebenen Pseudomoiphosen von Braun- 
eisenstein nach Eisenkieswürfeln von Motbo, welche ich bei mei- 
ner Anwesenheit zu Heidelberg zu sehen Gelegenheit hatte: 



Kinige Pseudomorphosen. Duo 

Von den Flächen gegen den Mittelpunkt hin ist alles Brauneisen- 
stein geworden, von den Kanten zum Centrum hin sind Wände von 
Eisenkies stehen geblieben. Denkt man sieh den Eisenkieswürfe] 
durch einen gleichförmigen Ausatz von Schichten au einen kleinen 
Würfel gebildet, so lautet die Sache so, dass alle bei der Krystalli- 
sation gebildeten Kanten der chemischen Einwirkung widerstanden, 
während die Flächen unterlagen. 

Etwas Ähnliches bieten halbzerstörte Granatkrystalle aus der 
Gegend von Donegal, Irland (Hs. 3552). Von den Kaulen des Rhom- 
bemiodekaeders gegen das Centrumzusind Wände stehen geblieben, 
während die übrige Substanz weggeführt worden, so dass an der 
Stelle der früheren Fläcben sich jetzt Gruben von rhombischem Um- 
riss befinden. Auch hier sind es aho die Kanten, welche der Zer- 
störung trotzten. 

Sollten es nicht vielleicht Diehtigkeitsunterschiede sein, welche 
diese Erscheinung hervorrufen? Dem Wesen nach hat man im vor- 
liegenden Falle denselben sonderbaren Vorgang, wie bei der Bil- 
dung der Perimorphosen. Doch ich will dem Gegenstande näher 
kommen. 

Man findet nicht selten, dass bei angegriffenen Krystalleu eine 
Anwacbsungsschicht um den ganzen Krystall herum /.erstört ist, 
während die nächste unversehrt blieb, dass eine der darauf folgen- 
den wiederum zerstört ist, die nächste wiederum stehen blieb und 
so fort. An einem Barytkrystall von Pfibram (Hs. II. 686), der die 
gewöhnliche Combination P und M (Naum.) zeigt, sind viele An- 
wachsschiebten., welche den Säulenflächen M parallel liegen, aufge- 
löst, während die zwischenliegenden unzerstört blieben. Eine Fluss- 
spathstufe aus Derbyshire (Hs. 219) bietet einen ausgezeichneten 
Fall. An all den oktaedrischen Krystallen sind die gleichalterigen 
Anwacbsungsschichten aufgelöst worden. Eine verhältnissmässig 
dicke Schicht leistete Widerstand. So blieben vollständige Oktaeder 
als Kerne in einer mehrfachen gleichgestalteten Hülle (Fig. 8). Aber 
auch diese Kernoktaeder sind innen hohl (Fig. 9). Soll ich weitere 
Beispiele an Calci t, Quarz und anderen Mineralien anführen? Sie 
sind bekannt. 

Wenn nun bei solchem Vorgange anstatt der zerstörten Sub- 
stanz eine andere Mineralsubstanz substituirt wird, so entsteht jene 
schalige Bildung, wie sie bei gewissen Granat-Pseudomorphosen, die 



354 Tschermak. 

aus abwechselnden Schalen von Granat und Calcit bestehen, vor- 
kömmt. Volger erwähnt eines solchen Vorkommens vom Lolen im 
Magisthai »). mir liegt eine Stufe aus dem Aostathal vor, welche 
dasselbe zeigt. Ebenso habe ich eine Stufe von Rezbanya (Hs. 3610) 
die bereits Mobs beschrieb 2 ), vor mir, welche schalig zusammen- 
gesetzte veränderte Grossularkrystalle führt. Die letzteren sind von 
Tremolith-Pseudomorphosen umgeben, die aus einer steatitähnlichen 
Substanz bestehen. Die Granatschalen wechseln mit Schalen der 
steatitähnlichen Substanz 3 ). Die Umstände sind übrigens dieselben 
wie im vorigen Falle. Dort ist es Calcit, hier Steatit, welche als 
pseudomorphe Substanz auftreten. Bei keiner solchen Schalenbil- 
dung fehlen übrigens Sprünge, welche die unveränderten Schalen 
durchsetzen und die Communication der verändernden Wässer 
vermitteln. 

Die Ursache der wechselnden Zersetzbarkeit der verschiede- 
nen Anwachsungsschichten liegt wohl nicht fern. Die verschiedenen 
Schichten haben oft ungleiche chemische Zusammensetzung, wie 
man dies schon oft an der verschiedenen Farbe wahrnimmt 
(Beryll, Epidot, Vesuvian etc.). Nicht nur dass die isomorphen 
Bestandtheile in ihrem Verhältnisse wechseln, auch die Menge der 
nicht zur Substanz gehörigen Beimengungen wechselt in den ver- 
schiedenen Schichten oft bedeutend, wie beim Quarz, Flussspath, 
Calcit u. s. w. So kommt es, dass die eine Schicht viel leichter 
auflöslich, oder vermöge dev Natur ihrer fremdartigen Einschlüsse 
viel leichter zerstörbar ist als die vorhergehende und die folgende. 

Zuweilen bleibt blos die äusserste, letzte Schichte unzerstört, 
während die übrige Substanz verändert oder aufgelöst wird. 

Sehr merkwürdig sind in der eben angedeuteten Beziehung 
sehr viele der Pseudomorphosen von Malachit nach Kupferlasur. 
Viele Krystalle von Chessy sind aussen noch schön blau , im Innern 
bestehen sie aus Malachit, die blaue Rinde ist nur sehr dünn. An 
einer Stufe aus Sibirien (Hs. II. 976) lässt sich die blaue Rinde 
absprengen, es bleibt ein ebenflächiger Malachitkern von der frü- 
heren Form zurück. Zuweilen liegen auf den Malachit-Pseudomor- 



1 ) Entwicklungsgeschichte der Talkglimmer-Familie, p. 96 und 581. 

2) V. d. NuU's Min.-Cabinet. Bd. I, S. 548, Nr. 1256. 

s ) Vergl. die Beschreibung derselben von K. Peters. Sitzungsber. der Wiener kais. 
Akademie, Bd. XLIV, 8. 126. 



Einige Pseiidomorphosen. !>.)> 

phosen einzelne blaue Schuppen ohne gegenseitigen Zusammenhang 
aber parallel der ursprünglichen Form der Kupferlasur ausgebildet 
und es erinnert dies an die Erscheinung bei den zersetzten Ortho- 
klaskrystallen von Hirschberg, an denen frischer Albit in paralleler 
Stellung haftet, oder an die zersetzten Sahlitkrystalle von Monroe, 
Orange Cty. Nordamerika, in unserer Sammlung (Hs. II. 1551), an 
denen aussen kleine schwarze Hornblendeprismen in paralleler Stel- 
lung angewachsen sind. 

Ich komme nun wieder zu dem Gegenstande, von dem ich aus- 
gegangen, zum Vesuvian. Wer noch an der pseudomorphen Bildung 
der sogenannten Perimorphosen zweifelt, dem möchte ich eine Stufe 
von Eger in Norwegen (Hs. 3451) zeigen. Die ziemlich grossen 
Vesuvian-Krystalle haben eine vollkommen glatte, spiegelnde Ober- 
fläche und zeigen eine verwickelte Flächencombination. Doch nur 
die Oberfläche ist frisch, hart, durchsichtig, nur diese ist Vesuvian. 
Wo die Krystalle zerbrochen sind, erblickt man im Innern überall 
nur zerstörte poröse Zersetzungsreste. Die Oberfläche allein wider- 
stand also den zerstörenden Einflüssen. 

Die Stufen von Achmatowsk, die ich zum Theil schon be- 
schrieben, zeigen mit den noch übrigen (Hs. 3464 e. 3467) in die 
Reihe gestellt alle Stadien der fortlaufenden Umwandlung des In- 
nern, während die Oberfläche unversehrt bleibt. Der Vorgang ist 
immer der , dass zuerst unmittelbar unter der Oberfläche sich 
Klinocblor und Calcit ansetzen. Allmählich trennt sich so die äussere 
Kinde von dem Innern, welches von dem Umwandlungsprocesse 
immer mehr absorbirt wird, die Rinde bleibt. 

Wie ist diese Widerstandsfähigkeit der äusseren Rinde zu 
erklären? Damit reicht man offenbar nicht aus, dass man die 
Dichte, welche im Allgemeinen an der Oberfläche grösser ist als 
im Innern, oder eine etwas verschiedene chemische Zusammen- 
setzung für sie in Anspruch nimmt, denn es bleiben auch im In- 
nern Wände stehen, die der Zerstörung lange Zeil trotzen, offen- 
bar in Folge ihrer chemischen Zusammensetzung. Aber zuletzt 
müssen auch sie weichen, während die Rinde spiegelglatt und zu- 
sammenhängend bleibt! 

Offenbar spielt bei der Erhaltung der Oberfläche der umge- 
bende Calcit oder im Allgemeinen die umgebende Substanz die 
Hauptrolle, denn die ausgezeichneten Perimorphosen finden sich, 



)),')() Tscher mak. Einige Psendomorphosen. 

nach Allem, was ich bisher gesehen, nur eingewachsen; im entge- 
gengesetzten Falle habe ich mich stets überzeugt, d;iss sie durch 
Ätzen freigelegt wurden. Der umgebende Calcit schützt beim ersten 
Angriff die Oberflache vor der zerstörenden Flüssigkeit und gestattet 
derselben nur durch feine Sprünge gegen das Innere vorzudringen. 
Sobald die Punkte unter der Oberfläche weggeführt und durch Calcit 
ersetzt sind, wird die vom Innern getrennte Oberfläche durch den 
Calcit auch auf der Innenseite gegen weitere Angriffe geschützt. 
Dass aber die Hülle doch nicht sogleich anfangs von Innen her zer- 
stört wird, mag wohl durch den Contaet mit dem umgehenden Calcit 
herbeigeführt werden, vielleicht in der Weise, wie bei einem elektro- 
chemischen Vorgänge. 



Tschermäk. Psendoraorpliosen 




Sil'Aiiii».sh (I k .\k,id d W mafli lul.im. CkXJil.V 3ii L.Abtk. s « «-. - 



Revision der Cephalocotyleen. Abtheilung: Cyclocotyleen. o57 



Revision der Cephalocotyleen. Abtheilung: Cyclocotyleen. 

Von dem w. M. Dr. K. M. Die sing. 

(Vorgelegt in der Sitzung vom 5. November 1863.) 

SECTIO II. CYCLOCOTYLEA. 

Entozoa cystica et Cestoidea Rudolphi partim. 

Animalia solitaria libera, alba, transparentia vei opaca, longi- 
tudine aliquot linearum, pollicum vel pedum, imo praelonga, interdum 
ad 40 — 100 pedes increscentia. Corpus elongatum inolle paren- 
chymatosum, planum vel depressum, rarius teretiusculum, articula- 
tum s. polysomum, articulis successive evolutis, ultimis maturis facile 
deciduis. Caput corpore continuum vel collo inarticulato discretum, 
acetabulis circularibus4 v.8 oppositis. Bothria nulla, rarissime 4 auxi- 
liaria ad Collum sita. Os terminale sessile vel in apice proboscidis sueto- 
riae s. myzorhynchi retractilis, inermis velarmati. — Tractus cibarias 
proprius nullus, ejusque loco vasa longitudinaliaplerumque4, similibus 
transversalibus passim inter se juncta, vascula capillaria vibrantia re- 
ticulato-ramosa emittentia; vasa longitudinalia in articulo primitive 
ultimo ad marginemposticum in vesiculam pulsatoriam poro excretorio 
praeditaminserta. Systemanervorumudhuc iub'mm. Androgyna. Penes 
protractiles filiformes et apeiturae genitalium femineae numerosae 
postpositae, marginales, rarius laterales. Organa genitalia interna, 
mascula : testiculus, vas deferens et burseola penis; feminea: Or- 
ganum germinativum et Organum vitelligenum, uterus ramosus, 
ramulis coecis, cum vagina. Ovipara, ovulis maturis plerumque 
simul cum articulis corporis posticis facile deciduis et cum faecibus 
extus delatis. Embryo subglobosus, uncinulis locomotoriis sessilibus 
6 instructus. Evolutio directa (?) aut per larvas metageneticas i. e. 
per gemmificationem ad blastocystidem, e transformatione embryonis 
prodientem, ortas. In Hominis et animalium vertebratorum praepri- 
mis Mammalium et Avium, rarius Amphibiorum et Piscium tractu 
cibario. 

De metagenesi, hucusque solummodo in genere Taenia observata, confer 
expositionem ad calcem hujus generis. 

Sitzb. d. mathein. -naturvv. Cl. XLIX. Bd. I. Abth. 25 



358 Bitsin 



Conspectas dispositionis iamüiarnm et genemm adnexis 
laryarnm formis. (Contiouatio.) 

SECTIO II. CYCLOCOTYLEA. 

Caput acetabulis circularibus 4 aut 8 oppositis (aut quatuor 
in latere infero sitis?) instructum. — Tractus cibarius proprius 
nullus (aut simplex ano stipatus?) — Androgyna (aut sexu 
discreta). 

TRIBUS I. CYCLOCOTYLEA APROCTA. 

Acetabula 4 aut 8 opposita. — Nee tractus cibarius pro- 
prius, nee anus. — Androgyna. — Evolutio direeta? vel per meta- 
genesin. 

I amilia XI. Tetracotylea. Corpus articulatum. Caput 
corpore eontinunm vel collo discretum, acetabulis quatuor oppositis. 
Bothria nulla, rarissime 4 auxiliaria ad collum sita. Aperturae geni- 
talem marginales, rarius laterales. In Hominis et animalium vertebra- 
torum praeprimis Mammalium et Avium intestinis. Evolutio direcla (?) 
vel p<r metagenesin. 

32. Taenia. Corpus articulatum. Caput corpore eontinunm vel collo 

discretum, subglobosum vel tetragonum, acetabulis 4 oppositis. 
Os terminale in fundo cupulae capiti immersae, vel in apice 
prominentiae conicae, aut in apice myzorhynchi protractilis; 
tarn cupula, quam prominentia et myzorbynchus inermes 
vel armati. Aperturae genitalium marginales, rarius laterales. 
In Hominis et animalium vertebratorum praeprimis Mam- 
malium et Avium intestinis. Evolutio direeta (?) aut per meta- 
genesin. 

33. Sciadocephalus. Corpus articulatum. Caput horizontaliter dis- 

eiforme, acetabulis quatuor disci centro immersis, in quadran- 
gulum dispositis. Os in fundo cupulae inter acetabula pro- 
minulae. Collum nullum. Aperturae genitalium marginales 
alternae. In Piscium fluviatilium intestinis. Evolutio ignota. 



Revision der Cephalocotyleen. Autlieilung 1 : Cyclocotyleen. 359 

34. Ephedrocephalns. Corpus articulatum. Caput collo crasso 

sellaeformi insidens, parvum, tetragomim, acetabulis 4 angu- 
laribus. Os terminale. Aperturae genitalium femineae latera- 
les. Penes marginales alterni. In Piseium fluviatiliurn inte- 
stinis. Evolutio ignota. 

35. Ampboteromorphas. Corpus articulatum. Caput coIId subqua- 

drato, foveis s. bothriis auxiliariis quatuor instructo, insidens, 
parvum, tetragonum, acetabulis quatuor angularibus. Os 
terminale. Aperturae genitalium femineae... Penes mar- 
ginales vaginati. In Piseium fluviatiliurn intestinis. Evolutio 
ignota. 

Familia XII. Octocotylea. 

36. Peltidocotyle. Corpus articulatum. Caput globoso-inflatum, 

acetabulis octo, scutellis quatuor cruciatim capiti adnatis per 
paria immersis. Os terminale; Aperturae genitalium. ... In 
Piseium fluviatiliurn intestinis. Evolutio ignota. 

Larvae Cyclocotyleorum aproctorum. 

Familia Tetracotylea. 

I. Larva metagenetica solitaria antice in blastocystidis pagina externa. 
1. Caput tetragonum v. subglobosum , prominentia terminali 

inerrai vel armata, aut cupula terminali, acetabulis quatuor angula- 
ribus vel lateralibus oppositis. Collum subeylindricum vel depres- 
siuseulum; caput cum collo in blastocystidem retractile. Blastocystis 
turgida vel depressa. In Hominis et Mammalium, rarissime Avium 
visceribus variis. 

Status perfectus: Taenia mediocanell ata sp. 1; T. Sol ium sp. 41; 
T. crassicollis sp. 42; T. crassieeps sp. 44; T. serrata sp. 46; 
T. marginata sp. 47 ; T. t e n u i e o 1 1 i s sp. 5 1 . 

II. Larvae nietageneticae numerosae ad paginam blastocystidis exter- 

nam aut internam irregulariter dispositae. 
«. Larvae numerosae ad paginam externam blastocystidis. 
2. Capat tetragonum, prominentia terminali armata, acetabulis 
quatuor angularibus. Collum depressiusculum; caput cum collo 
in blastocystidem retractile. Blastocystis subglobosa. In Mammalium 
cerebro, rarius in organis aliis. 

Status perfectus: Taenia Coenurus sp. 48. 

25* 



360 D i esi ng. 

ß. Larvae numerosae ad paginam internam blastocystidis. 
3. Caput variabile, prominentia armata, acetabulis quatuor cru- 
ciatim oppositis. Collum obovatum variabile. Blastocystis subglobosa. 
In Hominis et Mammalium visceribns variis. 

Status perfectus : Taenia Echinococcus sp. 49. 
De larvis metageneticis, quarum Status perfectus hactenus ignotus est, 
confer expositioneru ad finem Taeniarum. 

TRIBUS II. CYCLOCOTYLEA PROCTUCHA. 

Acetabula quatuor in capitis latere infero sita. Tiactus cibarius 
simplex hinc ore illinc ano terminatus. Sexus discretus. 

Familia XIII. Hypoeotylea* Forma typica hucusque 
ignota. 

TRIBUS I. CYCLOCOTYLEA APROCTA. 

Acetabula 4 aut 8 opposita. — Nee tractus cibarius proprius, 
nee anus. — Androgyna. 

Familia XI. Tetracotylea. Dies. Corpus articulatum. 
Caput corpore continuum vel collo discretum, acetabulis quatuor 
per paria vel singillatim oppositis. Bothria nulla, rarissime 4 auxi- 
liaria ad collum sita. Aperturae genitalium marginales, rarius late- 
rales. In Hominis et animalium vertebratorum, praeprimis Mammalium 
et Avium intestinis. Evolutio directa(?) vel per metagenosin. 

XXXII. TAENIA i) LINNE. 

Vesicaria Pallas. — Alyselminthus et Halysis Zeder. — Fimbriaria Frölieh. — 

Rhytelminthus Olfers. — Anoplocephaia Blanchard. — Hymenolepis, Proteo- 

cephalus, Taeniarhynchus, Echinococcifer Weinland. 

Corpus plano-depressum, taeniaeforme, rarissime teretius- 
culum, transverse plicatum vel articulatum. Caput corpore conti- 
nuum vel collo discretum, subglobosum vel tetragonum, acetabulis 
quatuor per paria vel singillatim oppositis. Os terminale in fundo 



i) Dispositio specierum generis Taeniae hujus loci non ab illarum similitudiae reci- 
proca sed ab affinitate animalium in quibus oecurrunt petita est; hoc modo conspec- 
tus praesentiae Taeniarum in diversis Vertebratorum classibus et simul varii modi 
evolutionis horum vermiuin obtinetur. 

Species, in quibus myzorhynchus est retraetus, vel quarum eoronula uncinulis 
fugaeibus jam denudata est, vel quae articulis carent perfecte evolutis, exti icatu 
difficillima. 



Revision der Cephalocotyleen. Abtheilung: Cyclocotyleen. » j O 1 

cupulae vel in apice prominentiae conicae inermis vel armatae aut 
in apice proboscidis suctoriae s. myzorhynchi protractilis inermis 
vel armati »)• Aperturae genitalium marginales secundae, alternae 
aut oppositae, rarissime laterales. — In Hominis et animalium verte- 
bratorum praeprimis Mammalium et Avium tractu intestinalis rarissime 
in vesica (ellea. — Evohäio diieeta(?) aul per metagenesin 2 ). 

Status larvae metageneticae: Blastocystis utricularis vel subglobosa, 
liquore limpido turgida, rarius compressa, vel larvam unicam vel plures in 
pagina sua externa vel larvas numerosas in pagina sua interna producit. 
Caput larvarum subglobosum vel tetragonum, acetabulis quatuor oppositis et 
cupula vel prominentia conica terminali instructum simulque uncinulorum 
coronula duplici, rarius simplici vel triplici cincta vel nulla est exornatum. 
Collum breve in larvis, ad paginam externam blastocystidis exortis, cum capite in 
eam retraetile. — In Hominis 3 ), Mammalium et quidem praeprimis Ruminan- 
tium, Pacbydermatum (Suum), rarius Simiarum, Carnivororum, Insectivororum 
vel Rodentium organis variis, excepto tractu cibario; rarissime in Avium cavo 
abdominis. 

Conspectus formarum principalium larvarum per metagenesin ortarum. 

Blastocystis, ex (ransformatione embryonis orta, extus aut intus gemmi- 
para. 

I. Blastocystis extus gemniipara (ectoblastocystis) in superficie sua lar- 
vam solummodo unam vel numerosas producit. 

a. Blastocystis larvam solummodo unam producit (ectoblastocystis 
monocampa. Cysticercus, Acantbothrias et Piestocystis Aue- 
tor u m). 



*) Proboscis suetoria s. myzorbynebus Cephaloeotyleorum Organum identicum est cum 
proboseide Acauthocephalorum. 

2 J De ovulorum testa dura Taeniarum metagenesi subjeetarum confer Weinland: in 
Nov. Act. Nat. Cur. XXVill. 1861. 

s ) Larvae Cyclocotyleorum, metagenesi ortae, in corpore humano nonnisi casu in- 
opinato oecurrunt, nee ulteriorem nietamorphosim subeunt. Nam quodsi Taeniae 
Solium ovula vel eoruin einbryoues prorepti quodain casu in intestina hominis 
delati fuerint, eorum parietes raox aggrediuntur ac his perforatis, in alia Organa 
ejusdem individui inimigrant. Larvae ex his embryonibus enatae tune solmn per- 
feetam evoliitionem atüngerent, quodsi earo humam larvis iufestata ventriculum 
et intestina hominis ingrediretur , quod apud anthropophagos solum contiugere 
facile iutelliges. Idem |>artim valet de Taeniae Echinococci larvis, haud 
raro ac magno saepe numero in corpore humano oecurrentibus , quum larvae 
suminum evolutionis suae fastigium tunc solum nansiseerentur , dummodo caais 
cadavere hominis Echinococcis exeruciati paseeretur : quo in casu et quidei 
rarissimo, ulterior earum evolutio in animal perfectuiu in intestinis canis pro 
grediretur. 



ein 



362 Diesing. 

1. Blastocystis e transformatione embryonis orta, liquore repleta, trans- 
parens, subglobosa, ovalis, transverse elliptica vel subcylindrica. Caput larvae 
terminale quadrangulare , acetabulis quatuor angularibus, antice in conulum 
brevem, (rostellum A uctor.) elevatum, uneinulorum eorona duplici, rarissime 
triplici einetum. Os in apice conuli capitis; eaput cum collo in blastoeystidem 
retraetile. 

Evolutio larvae: Blasfocystidis pars antiea intussuscipitur et ad fun- 
dum intussusceptionis ex gemma oritur larva, demum eversa. 

Alius modus propagationis interdum occurrens est: per cystides seeun- 
darias (deuterocystides, paidoeystides, Tochterblasen) prolificatione ad pstginam 
externam vel inlernam partis posterioris vesieae matricis (protocystldis, metro- 
cystidis, Mutterblase) ortas cum vel sine larvis. 

In Hominis, animalium ruminantium et Pachydermatum, rarius Simiaruin , 
Carnivororum, Insectivororum vel Rodentium organis variis, praesertim hepate, 
peritoneo, pleura, mesenterio, in cerebro, in corde, inter musculos, erratice in 
camera anteriore oculi, sub conjunctiva, nee non in vesica urinaria, libere vel 
folliculo inclusa. (Cysticercus et Acanthotrias). 

2. Blastocystis e transformatione embryonis orta, liquore repleta, trans- 
parens, primum subglobosa dein oblonga. Caput larvae terminale subglobosum 
acetabulis quatuor et cupula aeetabuliformi terminali, echinorum deeiduorum 
coronula simplici cineta; caput cum collo in blastoeystidem retraetile. — 
Vasa longitudinalia quatuor antice in annulum vascularem cupulam cingentem 
inserta. 

Evolutio larvae simili modo quam in praecedentibus. 

Inter musculos praesertim thoracis et colli Vitulorum , cum artieulis 
Taeniae medioeanellatae , ovula matura includentibus, pastorum. (Cysticercus 
Taeniae medioeanellatae.) 

3. Blastocystis depressa oblonga, utplurimum transverse rugosa, trans- 
parens, marginibus integris, crenulatis vel crispatis. Caput larvae terminale 
subtetragonum, acetabulis quatuor angularibus vel lateralibus oppositis, conulo 
uneinulorum Corona simplici cineto vel, nee conulo, nee uneinulorum eorona 
instruetum; caput cum collo brevi in blastoeystidem retraetile. 

Evolutionis larvae modus ignotus. 

Multiplieatio interdum fit per prolificalionem in pagina externa partis 
posticae blastocystidis obtinentem. 

In Quadrumanum, Bodentium et Carnivororum cavo pectoris et abdomi- 
nis, rarius in Avium cavo abdominis et ad pulmone«, libere v. folliculo inclusae. 
(Piestocystis.) 

,3. Blastocystis larvas numerosas producit (ectoblastocystis pol y- 
campa. Coenurus Auctorum). 

4. Blastocystis e transformatione embryonis orla, liquore repleta, 
Iransparens, subglobosa, pagina sua externa larvas numerosas per gemmifica- 
tionem producens. Caput larvarum tetragonum acetabulis qua/uor angularibus, 



Revision der Cephalocotyleen. AKtheiluiig: Cyclocotyleen. 363 

antice in conulum brevem (rostellum Auetor.) elevatum, uncinulorum Corona 
duplici oinclum. Os in apice conuli capitis; capita cum collis in blastocystidem 
retractilia. 

Evolutio larvae: ßlastocystidis pagina externa plurimis locis intussus- 
cipitur et ad fundum cujuslibet intussusceptionis ex gemma oritur larva, demum 
eversa. 

Multiplicatio blastocystidis interdum fit per partitionem spontaneam 
ope stricturae. 

Num larvae interdum sponte deciduae in blastocystidem secundariam, 
num in locum opportunum delatae , in animalcula perfecta excrescant, obser- 
vationibus directis bucusque deficientibus, adhuc incertum. 

Blastocystis plerumque solitaria occurit in Mammalium, praesertim Rumi- 
nantium, ventriculis cerebri, rarissime et tunc solummodo erratice in spina dorsali, 
folliculo membranaceo inclusa, serius quandoque libera. 

II. Blastocystis intus gemmipara ad paginam suam internam larvas 
numerosas producit (endoblastocystis polycampa). (Echinococcus Auetor.) 

5. Vesica liquore limpido repleta, intus gemmipara. Vesica duplicis 
originis; vesica primaria (jprotoeystis, s. metroeystis, Mutterblase Bremser), 
ex transformatione embryonis direeta, vesica secundaria {deuteroeystis s. 
paidoeystis, Tochterblase Bremser), minime ex transformatione embryonis 
sed alio modo oritur. 

Caput larvarum subglobosum acetabulis quatuor instruetum, antice 
in conulum brevem (rostellum Aucto r.) elevatum uncinulorum Corona duplici 
est cincium. Os in apice conuli capitis. 

Evolutio ex protoeystide duobus stadiis absolvilur. 

In stadio primo s. Mio ante evolutionem larvarum (Acephalocystidibus 
Laennec) vesica, diametri VW" usque ad magnitudinem cerasi aueta, 
cuticulam stratis eoncentricis contextam offert, cujus pagina interna mem- 
brana germinativa granulosa ac reticulo denso massae homogeneae instrueta 
vestitur, liquorem limpidum in cavo suo centrali recludit. Versus finem 
hujus stadii pagina interna membranae germinativae ciliis vibrantibus acute 
conicis basique inflatis est obsessa et in cystidibus, magnitudinem cerasi 
attingentibus, corpüscula calcarea in pagina interna membranae germinativae 
oceurrunt. 

In stadio seeundo s. evolutionis larvarum (Echinococcis scolieiparienti- 
bus Küchenmeister) vesica magnitudinem nueis avellanae majoris vel nucis 
juglandis minoris utplurimum est naeta. Granula membranae germinativae 
variis locis accumulata prominentias sensim elongatas subclavatas breve pedicel- 
latas, extus ciliis vibrantibus obsessas, produeunt. Haec prominentiae ulterius 
memhrana interna indutae ac liquore repletae capsulas germinativas, (Brutkapseln 
Leuckart, Nestblasen E schriebt) formant. Ad paginam internam (teste 
Naunyn), externam (fideHuxley et Leuckart), sensim evolvitur gemma 
clavaeformis vel pyriibrmis breve post in larvam transformata, quae tunc 
extremitate sua libera collaii annuliformi cineta et, retro collare, echinis de- 
eiduis in series plures transversales dispositis armata cernitur. Echini serierum 



364 D i e s i n ff. 

duarum anteriorum demum in uncinulos coronae duplicis trän s forma ntur. Unci- 
nuli capitis 32—50. Acetabula primum plana demum concava, limbo callosö. 
Larva dein non immediate, sed ope styli brevis, capsulae germinativae insidet. 
Viisa duo styl um cavum pereurrentia , extremitate anteriore in larvam con- 
tinuantur, ubi singula in Fantos duos divisa, vasis capillaribus intus ciliis 
vibrantibus instructis juncta, pone coronam uncinulorum annulum vascu- 
larem efl'ormant, extremitate vero sua postica paginam externam capsulae 
germinativae , imo mediante stylo paginam internam vesicae matricis 
petunt. Corpuscula calcarea magis magisque copiosiora adparent. Larvae 
juveniles intus cavae interdum evertuntur, quo fit quod pagina interna 
nunc exterior redditur, et tunc extremitate libera in cavum vesicae matricis 
prominent. In larvis magis provectis nonnunquam intussuscipitur pars an- 
terior in partem posteriorem inflatam, tunc supra anteriorem retractam 
clausam. 

In Capsula germinativa primum gemma unica, bac provectiore, tunc 
secunda, demum tertia et sensim plures in vario evolutionis gradu versantes 
prostant. 

Alius modus propagalionis est deuterocystidibus s. bydatidibus illis, 
quae magno saepe numero haud raro in liquore protocystidum, pomi magni- 
tudinem attingentium, occurunt ac protocystidibus juvenilibus simillimae sunt. 
Deuterocystidum ortus triplex: 

Evolutio ex larvis: In protocystidibus larvae vel libere in liquore vesicae 
natantes vel in Capsula germinativa inclusae interdum forma mutantur ac per 
metamorphosin retrogradam in hydatides secundarias transformantur. 

Evolutio deuterocystidem e capsulis germinativis: Membrana hyalina 
cavuin centrale capsulae germinativae vestiens in cuticulam, stratis concentricis 
contextam, transformatur et larvae intra capsulam jam formatae resolvuntur. 
Hydatis secundaria ita formata a membrana germinativa mox separatur. — 
Interdum cavum centrale capsulae germinativae strictura in cava duo sepa- 
ratur et nunc in cavo uno , nunc in ambobus hydatis secundaria formatur; 
non raro in hydatidibus secundariis, Capsula germinativa adliuc inclusis, 
larvae cuticula munitae occurrunt , ex quibus probabiliter hydatides tertiariae 
prodire videntur. 

Evolutio deuterocystidum directa e protocystidis membranae germina- 
tivae pagina externa: Hydatides secundariae inter cuticulae strata occu<runt, 
(secundum cl. Naunyn) nee in cuticula ipsa (quod cel. viri Kühn, 
Lövinson et Leuckart opinati sunt), sed in diverticulis membranae ger- 
minativae protocystidis in cuticulam protractis, vel inter plicas conglutinalas 
protoeystidum collapsarum enaseuntur. Hydatides illae, demum magnitudinem 
pisi haetae, strata relaxata cuticulae protocystidis rumpunt ac hac via nunc 
in ejus superficiem externam (fide Leuckart) perveniunt vel ejus cavum 
intrant. 

Ortum hydatidum tertiariarum ex intussuseeptione et constrictione pa- 
rietis hydatidum seeundariarum obsei'vasse cl. Eschricht affirmat. 



Revision der Cephaloootyleen. Abtheilung ': Cyclocotyleen. 365 

Denegat el. Naunyn, larvas e deuteroeystidibus orlas forma ac un- 
cinuloi'um numero differe ab Ulis, e protoeystidibus orlis, quod cl. Küchen- 
me ister contendebat. 

Endoblastocystides polycampae in Hominis , Siniiarum , Ruminantium, 
rarius Pachydormatum visceribus variis , praesertim hepate ef pulmonibus, 
vel erratice in cerebri ventriculo, inter retinam et choroideam , obviae, 
plerumque numero plure-s in folliculis membranaceis inclusae occurrunt, 
rarius liberae. 



Taeniarum larvae cum blastocystide in aliorum auimalium praesertim 
carnivororum tractum cibarium cum alimentis translatae, dissoluta blastocystide 
in animalia perfecta evolvuntur. 

Larvae generis memorati praesertim animalia herbivora domestica, nee 
non raro animalia tarn berbivora quam Carnivora theriotrophiis inclusa infe- 
stant. Constat ex observationibus cl. Joh. Natterer, indefessi Helminthum 
collectoris ac peregrinatoris in Brasilia, qui spatio 18 lere annorum, quo 
degebat, animalium sane millena in hanc finem examinavit, numerum Taenia- 
rum jam perfecte evolutarum ibidem longe multo esse majorem quam lar- 
varum, quas nonnisi sub Cysticercorum forma, attamen rarissimas, oecurrentes 
vidit. 

Conspectus dispositionis specierum huc speetantium. 

SUBGENUS I. ARHYNCHOTAENIA. Myzorhynchus nullus. Os nunc 
in fuiido cupulae capiti immersae vel proininulae, inermis vel 
annatae, nunc in apice proininenliae capitis inermis vel armatae 
eollocatum. 

a. Osin fundo cupulae inermis vel armatae. 
* Cupula inermis sp. 1 — 37. 
** Cupula armata sp. 38 — 39. 
ß. Os in apice prominentiae capitis inermis vel armatae. 
* Prominentia capitis inermis sp. 40. 
** Prominentia capitis armata sp. 41 — 57. 

Sl'BGENUS II. RHYNCHOTAENIA. Os in apice myzorhynohi pro- 
traclilis inermis vel armati. 

a. Os in apice myzorbynchi inermis sp. 58 — 71. 

ß. Os in apice myzorbynchi armati sp. 72 — 124. 

Species inquirendae 1 — 9. 



366 D i e s in £. 

SUBGENUS I. ARHYNCHOTAENiA. Os nunc in fuiido cupulae 
capiti antice immersae vel prominulae, inermis vel armatae, 
nunc in apice prominenliae capitis conicae inermis vel 
armatae. 

a. Os in fundo cupulae capiti antice immersae vel prominulae, inermis vel 
armatae — Hominis, Mammalium , rarius Avium et Piscium, rarissime 
Amphibiorum endoparasita. — Evolutio metagenetica solummodo in Homine 

cognita. 

* Cupula inermis. 

1. Taenia mediocaoellata KÜCHENMEISTER. 

Caput magnum cupula terminali >), acetabulis anticis magnis 
plerumque nigrescenfibus. Collum subnullum. Articuli anteriores 
exquisite emarginati, triplo latiores quam longi, posteriores usque 
ad triplum vel quadruplum longiores quam lat». Aperturae genita- 
lium magnae, tumidulae, marginales, irregulariter alternantes, in 
posteriore articuli parte. Penes laeves, falciformes. Longit. ad 12', 
longit. articul. primorum l / 2 '", subsequentium4i/ 3 — 7'", posteriorum 
1 — li/V'; latit. articul. prim. i 1 /^", subsequentium 5 — S 1 /^", 
poster. 3— 4"'. 

Uterus: canalis rectus crassus in medio articulorum, ramis lateralibus 
20 — 35, indivisis vel diehotomis. Nomen a forma uteri a cl. auctore depromptum. 
— Ovula ovalia, lesta dura. 

Bruce: Voyage enNubie, enAbyssinie pendant les annees 1768 — 1773 trad. 
d. l'angl. Paris 1791 IX. 117 (Taeniarum ortus copiosus e carne 
cruda vulgo consumta). 

Taenia dentata Nicolai? in Amnions N. Zeilschr. f. Natur- u. Heilk. I. 464. 

Taenia solium Bremser: Lebende Würmer 97 — 198 partim Tab. III. 
(solummodo Fig. 13 et 14). — Knox: in Froriep's Notizen 1822, 
122. (De Taeniarum apparitione frequentissima in Cafraria e carne 
bovium exhaustorum comesla.) — Aubert: Menioires sur les substances 
anthelminthiques usilees enAbyssinie in Mein, de l'Acad. Roy. de Med. 
IX., (1841) 698 (de frequentia Taeniarum ex abusu carnis crudae 
comestae). — Wawruch : in Jahrb. d. österr. Staates 1841, 142 exe. 
inWiegm. Arch. 363 (generalia) — et ej. Prakt. Monogr. d. Bandwurm- 
krankh. 1844, 34 (Taenias solummodo inermes observavit). — Bocket 



i) De cupula terminali Taeiiiae mediocanellatae adurtae confer Lcuckatt: Meuschl. 
Parasit. I. 411. 



Revision der Cephalocof yleen. Abtheilnng; Cyclocotyleen. OO T 

d'Hericourt: Second voyage sur les deux rives de la mcr rouge 1846. 

— Ferret et Galinier : Voyage en Abyssinie 1847. il, 109. — Weisse: 
in Journ. f. Kinderkrankh. XVI. 1851, 384 (de praesentia Taeniarum 
in infantibus cum earne bovina cruda nutriti«, Petropoli; observationes 
similes et*am in Germania el. Harnier, Schmidt et Leuckart fecerunt. 
Leuck. Menschl. Parasit I. 293). — Seeger : Die ßandw. des Menschen 
1852. 15. Tab. I. (solummodo (ig. 5 et 7). — Anderson et Gordon, 
inMedic. Times and Gaz. 1857, N. 357; Mat. et Pharmaceutical Journ. 
andTransact.1858.XVH.409. — Leuckart in TroscheTs Arch. 1858. 
II. 127 (Praesentia Taeniae in militibus Indiae orientalis ex observa- 
tionibus cl. virorum Anderson et Gordon a victu animali dependet). 

— Barclay: in Medic. Times 1859. March. 26; extr. Leuckart: in 
Trosch. Arch. 1860, II. 139 (de nexu inter Taeniae praesentiam et 
nutritionem cum earne cruda vel semieruda versante). — Karschin : 
in Petersb. med. Ztg. 1861. 366 (de praesentia frequentissima Tae- 
Diarum apud Buraetos earne cruda Boum, Ovium, Camelorum et Equo- 
rum nutritos. — Daeaine Traife des Entozoaires XXX et 9t — 92 
(notitiae de origine Taeniarum in infantibus cum earne bovina cruda 
nutritis). 

Ndak-- Tutschek: Medic. Zustände in Tumale 15. 

n 

Dothriocephalus fropicus Schmidimüller : in Hannoversche Annal. Jahrg. 
VII. 1847. Heft 5 et 6, 602. 

Taenia lata Pruner: Krankheiten des Orientes 1847, 245. — Tutschek: 
in Ausland 1853. N. 2. 

Taenia humana inermis Brera(?J Lezioni 12. Tab. I, 4, 5, 7, 9, 12 — 15 
(ic. Bonn); ej. Mem. 81. Tab. I, 15 et 16. — Knock: in Mem. Acad. 
St. Petersb. 7 ser. V. 1862, 131. 

Taenia mediocanellata Küchenmeister: in Deutsche Klinik 1852. 9. — Idem 
in Prager Vierleljahrschr. et ej. Cestoden 1853 107 — 120 et 126. 
Tab. I. 5, 12, 13; Tab. II, 3- 6; Tab. III, 1—3, 5-6. (Vermis et ejus 
partes). — Idem Parasit. I, 88-93. — Beneden in Bullet. Acad. Bel- 
gique 1856; Institut 1856. 229. — Leuckart: Blasenbandw. 1856, 
65—66. — Bilharz: in Zeitschr. Gesellsch. Ärzte Wien 1858, I, 28 
(de Taenia inermi Aelhiopum et Abyssiniorum). — Weinland: Essay 
on theTapeworms 40 c. fig. — Idem in Correspondenzbl. d. wüiitemb. 
ärztl. Vereines XXIX. 1859, 31 et in Trosch. Arch. 1859 II. 177 et 
1860. II. 140. — Gervais et Beneden: Zool. medic. II, 242 - 243. — 
Davaine : Traite des Entoz. 1860. XXX. c. fig. — Beneden: Iconogr. 
des Helminthes 1860. Tab. II. 1 — 6. — Mosler: Helminthologische 
Studien und Beobachtungen 1864, 1 — 22 (de differentiis speeificis 
inter T. mediocanellatam et T. solium). 

Taenia Laverlachere : in Annal. de la propagat. de la foi 1852, Jan. 



368 D i e s i n g. 

Taenia (Cystotaenia) mediocanellata M. Leuckart: in Nachrichten v. d. 
G. A. Univers. u. k. Gesellsch. d. Wissensch. zu Göttingen 1862. 15. 
— Idem: Mensehl. Parasit. I. 224 et 285—306 c. fig. xylogr. et 748 
(de Taeniis apud Buraetos) 749. 

Taenia solium var. mediocanellata Diesingi in Sitzungsb. d. k. Akad. XIII. 
1854. 614. 

?Taenia vom Cap der guten Hoffnung Küchenmeister: Parasiten I. 93. — 
Weinland: in Trosch. Arch. 1859, I. 278 (num varietas vel mon- 
strositas Taeniae solium vel T. mediocanellatae?). 

Taeniarhynchus mediocanellatus Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. XXVIII. 
1861. 18 (de ovulorum testa dura et de differentia a Taenia 
solium. 

Statu larvae: Caput subglobosum, acetabulis quatuor et 
cupula acetabuliformi terminali (rostello Leuck.), limbo coro- 
nula echinorum deciduorum simplici cincta. Collum transverse 
nigosum. Blastocystis primum subglobosa, dein oblonga. Longit. 
capitis cum collo ultra 1 i/ a — 2"', longit. blastocyst. l'/ 3 — 4'"; 
latit. i/ 3 '". 

Vasa longitudinalia quatuor larvae antice in annulum vascularem 
inserta. 

Cysticercus Taeniae mediocanellatae Üavaine: in Compt. rend. L. (1860), 
367 (Cl. Küchenmeister conjectura de larva in sue). — Huber: in 
Bericht des naturhist. Vereines in Augsburg 1860. 27 (opinio de 
praesentia Cysticerci. Taeniae mediocanellatae in Bove Tauro). — 
Leuckart: in Trosch. Arch. 1861. II. 279 (de Cysticerco Taeniae 
mediocanellatae e musculis et visceribus vitulorum). — R. Leuckart: 
Mensehl. Parasiten I. 291 — 297, 406 — 414 (de evolutione), 747 
(novum experimentum), et 748 (de opinione circa larvam a. cl. 
Küchenmeister exposita. — Mosler I. s. c. 1 — 22, Tab. I, II (de larvis 
Iranslatione ovulorum cum articulis Taeniae mediocanellatae Hominis 
in vitulo ortis). 

H a b i t a c u I u m. Statu perf'ecto : Homo : in A ustria (B r e m s e r 
et Wawruch), in Hollandia, Saxonia, Würtembergia et ad littora 
maris baltici et gennanici (Kücb en meist er), in Dania (Krabbe), 
Francoforti ad Moenum (Schmidt), Petropoli: in infantibus cum 
carne bovina cruda nutritis (Weisse), in Belgia (Beneden), in 
Francogallia et Syria (Davaine), in Buraetis ad laeiun Baikal 
habitantibus, Irkutzkiae (Karscbin), in India orientali (Ander- 
son et Gor don), in Batavia in Aethiopis (Scbmidtmüller), 



Revision der Cephalocotyleen. Abtheilung-: Cycloeotyleen. 369 

per totam Abyssiniam« abunde sed solummodo in Hominibus carne 
cruda nutritis, nun quam in illis carnem crudam respuentibus(B ruc e, 
Ro eher d'Hericourt, Ferret et Galin ier et pl. alii), in Africa 
centrali apud Tu malus, quibus Ndak-f, audit teste Djalo 
Djodan Are apud Tutschek, in montibus Syriae prope Aleppo, 
in montibus Assir in Arabia, in Ahyssinia et in regionibus a stirpe 
Aethiopica inhabitatis. frequens, numquam in Egypto (Pruuer), 
in Cafraria (Knox), ad Promontorium bonae spei in Hottentotto 
(Rose), in Africa australi (teste Leuckart), in America boreali 
ad littoria lacus Abbi apud aborigines frequentissime (Laver- 
löchere) etiam in mulatto (Weinland). 

Statu larvae: Bos Taurus: inter musculos, in corde, cerebro, 
capsulis renalibus et ad vasa Iymphatica vitulorum cum articulis 
Taeniae mediocanellatae, ovula rnatura includentibus, pastorum 
(Leuckart), inter vituli musculos corporis, diaphragmatis, cordis, 
linguae et peritonei (Mosler). 

Metatnorphosis embryonis in blastoeystidem larvigeram intra spatium 
trium mensium absolvitur (teste Leuckart: Parasit. I. 410); tempus evolutionis 
larvae in animal perfectum bueusque ignotum. 

Var. abietina WEINLAND. 

Taenia solium var. abietina Weinland'. Essay on tapeworms of man 43. — 
Idem: in Trosch. Arch. 1859. I. 28 (sine descript.) — Idem in Nov. 
Act. Nat. Cur. XXV11I. 1861. 5 et 12—14. Tab. V. 18—20. 

Taenia inediocanellata Leuckart: Menscht. Parasit. 1. 289 c. Rg. xylogr. 

Habitaculum. Homo: in Indico (Chippeive) lacus supe- 
rioris (Agassiz). 

Fragmentum aeephaium aliquot pedum. 
Num varietas, num species propria? 

Taenia tenella PRUNER nee PALLAS. 

Apertur ae genitalium seeundae. Longit. 6'; latit. articul. ulti- 
morum 3 — 3y a "'. 

Taenia tenella Pruner: Krankh. des Orients 1847, 24S (in nota). 
Habitaculum. Simul cum Taenia lata (T. inediocanellata). 



370 Di e s i n g. 

2. (15) Taenia megastoma *) DIESING: Syst. Helm. I. 503 adde: 
Idem: in Denkschr. d. k. Ak. XII. 33. Tab. V. 16—20. 

Habi taculum. In Simiarum Brasiliensium intestinis. 

3. Taenia melanocephala BENEDEN. 

Caput cum acetabulis nigrescens. Articuli primi collo multo 
latiores. Longit. 4y 3 ". 

Taenia melanocephala Beneden: Mem. Vers intest. 162. 

Habitaculum. Simia Maimon : in intestinis, speeimen unum 
(Beneden). 

4. (11) Taenia litterata BATSCH — DIESING. Syst. Helm. I. 501 
adde: 

Molin: in Sitzb. k. Ak. XXX. (1858), 138 et in Denkschr. XIX. 250. — 
Leuekart: Blasenbandw. 66 Anmkg. (de absentia prominentiae conicae 
capitis). — Idem: in Trosch. Arch. 1859. II. 177. 

Habitaculo adde: Canis Vulpes : in intestino tenui, Martio, 
Patavii (Mol in). 

5. Taenia ©ligarthra DIESING. 

Caput tetragonum, cupula terminali limbo circulari, acetabulis 
lateralibus in dimidia postica capitis parte. Collum capite brevius. 
Articuli corporis 3 — 4, ultimus ellipticus, tota longitudine ovulis 
farctus. Apertura nna genitalis marginalis in anteriore articuli 
ultimi parte, altera .... Longit. total. 3 / 4 — i 1 /»'" Iatit. artic. 
Ultimi i/ 3 '". 

Taeniae crassicollis juvencula Diesing: Syst. Helm. I. 519 (in nota ad 
calcem habitaculi). 

Taeniolae Felis concoloris Leuekart: Blasenbandw. 56. 

Habitaculum. Felis concolor: in initio intestini tenuis, simul 
cum Taenia crassicolli copiose, Junio in Brasilia (Natterer). 

Species haec numero exiguo articulorum (3 — 4) quam maxime ad 
Taeniam Echinococcum Canis familiaris et T. proylottinam Phasiani Galli 
accedit. 



1) Id quod pridem os limbo amplo calloso nominavi, est oris vestibulum, seu cupula 
nonnullorum auetorum, capiti antice immersa ; cesticillus Molin. 



Revision der Cephalocotyleen. Abtheilung: Cyclocotyleen. 371 

6. (16) Taenia angostata RUDOLPH! — DIES1NG. Syst. Helm. I. 
503 adde: 

Apertur ae genitalium laterales. 

Taenia angustata R. — Wedl: in Sitzb. d. kais. Akad. XVIII. (1855), 23. 
Tab. III. 42, 43. 

Habitaculum. Meles Taxus: in intestinis, autumno 
(Bremser). 

7. (8) Taenia omphalodes HERMANN— DIES1NG: Syst. Helm. I. 
500 adde: 

Aperturae genitalium vage alternae (S t i e d a). 

Taenia omphalodes Stieda: in Troseh. Arch. 1862. I. 200. Tab. VIII. 
1 — 4 (de org. genital, et illorum evolut. 

Habitaculum. In Lemmorum intestinis — Lemmus arvalis: 
in intestino tenui Dorpati (Stieda). 

8. Taenia nmbonata MOLIN. 

Caput subglobosum, cupula obsoleta, acetabulis circularibus 
cruciatim oppositis. Collum longuin angustatum. Corpus retrorsum 
dilatatum, articulis supremis quadratis, posterioribus oblongis, im- 
bricato-perfoliatis, ultimis bacillaribus. Aperturae genitalium mar- 
ginales vage alternae. Longit. fere 3y 8 " latit. '/V". 

Taenia umbonata Molin: in Sitzb. d. k. Ak. XXX. (1858), 138. — Idem: 
in Denkschr. XIX. 250. Tab. VI. 8, 9. 

Habitaculum. Mus Musculus : in intestino tenui, Novembri 
Patavii (Mol in). 

9. (13) Taenia pnsilla GOEZE - DIESJNG: Syst. Helm. I. 502 
adde: 

Leidy. in Proceed. Acad. Philad. VII. (1853), 443 et VIII. (1856), 46. — 

Spencer Cobbold: in Proceed. Zool. Soc. London 1861, 119. 
Taenia pusilla Goeze? Stieda: in Troseh. Arch. 1862. I. 205. 

Habitaculum. Mus decumanus: haud infrequenter in Penn- 
sylvania (Leidy). — M.Rattus: speeimen ultra 20" longum, Janua- 
rio, Londini (Cobbold). — Lemmus arvalis: in intestino t^nui, 
Dorpati (Stieda). 



372 Diesing. 

10. (3) Taenia pectinata GOEZE— DIES.: Syst. Helm. I. 498 adde: 

Bellingham: in Ann. nat. hist. XIV. 318. — Diesing: in Sitzb. d. k. Akad. 
XIII. 18S4, 602. — Leidy: in Proceed. Acad. Philad. VII. (1855), 443 
et VIII. (1856) 46. 

Anoploeephala peetinata Rlanchard: in Annales des sc. nat. 3. ser. X. 346. 
Tab. XI. 6 (juv.) de pull. 

Habitaculo adde: Lepus Cuniculus ferus : in intestinis 
tenuibus, in Hibernia (Bei lingham) , Parisiis (Blanchard). — 
Lepus sylvaticus: in intestino tenui, fragmenta octo in America 
septentrionali (Schafhirt). 

11. Taenia laticephala LEIDY. 

Caput magnum antice vix prominulum, acetabulis oppositis, 
prominentibus magnis hemisphaericis. Collum breve. Articuli ante- 
riores breves parallelepipedi , posteriores subquadrati. Apertur ae 
genitalium marginales alternae. Penes elongato-conici. Longit. 7", 
latit. max. s/ 4 '", latit. capit. »/,'", colli */ 4 "\ 

Taenia laticephala Leidy: in Praceed. Acad. Philad. VII. (1855), 443 et 
VIII. 1856. 46. 

Habitaculum. Hystrix dorsata: in intestinis tenuibus, in 
America seplentrionali (Leidy). 

12. Taenia tetragonocephala BREMSER. 
Diesing: in Denkschr. d. k. Ak. XII. 34. Tab. VI. 1—5. 

Habitaculum. Myrmecophaga bivittata : Junio et August o. — 
M' jubata: Februario, Martio, Aprili et Octobri: in intestinis tenui- 
bus, in Brasilia (Natter er). 

13. Taenia globiceps DIESING : 

In Denkschr. d. k. Akad. d. Wissensch. XII. 35. Tab. VI. 10—14. 

Habitaculum. Tapirus americanus : in intestinis tenuibus, 
Aprili et Augusto: in Brasilia (Natter er). 

14. Taenia decrescens DIESING : 

In Denkschr. d. k. Akad. XII. 34. Tab. 6—9. 

Habitaculum. Dicotyles albirostris: Julio. — D. torquatus: 
Augu9to : in intestinis tenuibus, in Brasilia (Natter er). 



Revision der Cephaloeotyleen. Abtheimng-: Cycloeotyleen. 373 

15. (6) Taenia perfoliata GOEZE. — DIES. Syst. Helm. I, 499 
adde: 

Cl. Blatichard individua juvenilia organis genitalibus nondum evolutis 
observavit. — Embryo antrorsura uncinulis sex armatus, retrorsum angustatus. 
postice furcatus Wedl. 

Anoplocophiila porfoliata Blanchard: in Regne anim. nouv. edit. Zoopb. 
Tab. XXXIX. 2 et: in Annal. des sc. nat. 3. ser. X. 345 (de syst. nerv. 
et de pullis). 

Taenia perfoliata Goeze — Dies. : in Sitzb. d. k. Ak. XIII. 602. — Wedl: 
ibid. XVI. (18515), 398. et 407. Tab. l b 5 (de ovulis et de embryone). 

Habitaculum: Equi Caballi intestina. 

Capite suo quadrilobo cum Taenia gigantea Peters (sp. 40, e Rhino- 
ceronte) typum forfasse generis proprii, jam a cl. BI anch ard nomine Ano- 
plocephali salutati, format. 

16. (10) Taenia fiuibriata DIESING: Syst. Helm. I. 501 adde: 
Idem: in Denkschr. d. k. Ak. XII. 32. Tab. V. 9—15. 

Habitaculum: Cervorum brasiliensium intestina. 

17. (1) Taenia expansa RUDOLPHI. — Dies. Syst. Helm. I. 497 
adde: 

Bellingham: in Ann. nat. hist. XIV. 318. — Dies.: in Sitzb. XIII. 602. — 
Dressier: in Gurlt et Hertwig Magaz. f. d. ges. Thierheilk. XXI. 
1855. 238—241 (de epizootia). — Leidy: in Proeeed. Acad. Philad. 
VII. 1855. 443. 

Habitaculo adde: Capra Aries: in intestinis, in Hibernia 
(Bellingham). — Bos Taurus: in intestino tenui, fragmentum 
bipedale, in Pennsylvania (Leidy). 

18. (21) Taenia perlata GOEZE. — Dies. Syst. Helm. I. 505 

adde: 

Taenia margaritifera Creplin: in Trosch. Arch. 1851. I. 282. 

Taenia perlata Goeze — Dies.: in Sitzb. XIII. 602. 

Habitaculo adde: Falco Milvus : in intestinis, Junio. 
Gi-yphiae (Crepli n). 

19. (24) Taenia globifera BATSCH. — Dies. Syst. Helm. I, 506 
adde: 

Molin: in Sitzb. d. k. Ak. XXX. 1858. 136. — Idem: in Denkschr. XII. 
251. (characf. reform, et de identitate cum T. Flagello Goeze). 
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLIX. Bd. I. Abth- 26 



374 D i e s i ii g. 

Habitaculo adde: Falco rufus: in intestino tenui, Januario, 
Patavii (Moli n). 

Cel. Rudolphi in nonnullis individuis hujus speciei ex variis animalibus 
lectis, caput sine, in aliis cum prominentia (rostello brevi) observavit. 

20. Taenia pestifera LEIDY. 

Caput parvum collo coutinuum, acetabulis terminalibus , obli- 

quis, parurn promiuentibus , beinispbaericis, ore haud prominulo. 

Collum longum. Articuli cuneati, anteriores breves, lati, posteriores 

longiores. Longit. specim. ex Molothro l'/ 3 — 2", latif. max. 2 / 5 '"; 

longit. specim. ex Dolichonyce 4 1 / 8 ", latit. max. 3 / 3 '". 

Taenia pestifera Leidy-. in Proceed. Acad. Philad. VII. (1855) 443 et 
VIII. (1856) 46. 

Habitacul um. Molothrus pecoris: in intestino tenui, speci- 
mina tria (ßaird). — Dolichonycv oryzivora: in intestino tenui, 
specimen nnum (Schafhirt), in America septentrionali. 

21. Taenia Cantaniana POLONIO. 

Caput globosum, cupuia terminali uinbunata, acetabulis eru- 
ciatim oppositis ob majorem capitis molem. Collum nulluni. Corpus 
retrorsum dilatatum, articulis supremis campanaefnrmibus, scquen- 
tibus campanaeforniibus imbrieatis trapezoidalibu*. Aperturae (jeni- 
talium marginales. Longit. ad. T". 

Taenia Cantaniana Polonio: in Lotos 1860. 22. 

Habitacul um. Meleagris Gallopavo: in intestino, O.tubri, 
Patavii (Polonio). 

Haec Taenia in speciminibus Gallopavonis 13, et quod excurrit, in Museo 
Caesareo Vindobonensi zoologico dissectis, numquam reperta fuit. 

22. (36) Taenia microps DIESING: Syst. Helm. J, 510 add^ : 

Taenia tumens Melius? — Creplin: in Erichs. Aren. 1846. I. 133 et 

1851. I. 285. 
Taenia microps Diesing: in Sitzb. d. k. Ak. XIII. 1854. 603. 

H a h i t a c u I u in : In intestinis Tetraonis Urogalli. 

23. Taenia calva BAIRD. 

Caput parvum rotundatnrn laeve, acetabulis .. . Collum con- 
strictum. Articuli supreiui angustissimi, subsequentes s^nsim latio- 



Revision der Cephalocotyleen. Abtheilung 1 : Cyclocotyleen. 3 Tu 

res, medii septies latiores quam longi, demum longitudine in- 
creseente et subquadrati, ultini dnplo fere longiores quam lati, 
omnes transverse s'riati. Longit. ö 1 ^", latit. capit. x / ta ,'" t latit. 
max. artic. 3 1 /,'", latit. postiee l / z '". 

Taenia calva Baird: Catal. Enloz. Brit. Mus. 83. — Idem in Proceed. 
Zool. Soc. London 1853. 24. Tab. XXX. 1 l a et in Ann. nat. bist. 
2. ser. XV. (1855) 75. 

Habitacnlum. Tetrao scoticus : in intestinis (Mus. Brit.). 

24 (35). Taenia megalops NITZSCH. — Dies. Syst. Helm. I. 510 
adde: 

Molin: in Sitzb. d. k. Ak. XXX. (1858) 138. — Idem: in Denkscbr. d. 
k. Ak. XIX. 252. 

H abitarui u m: In Anatidarum Europae et Brasiliae inte- 
stinis. — Anas Crecca: in cavo abdominis, Novembri,Patavii(Molin). 

25. Taenia sulciceps BAIRD. 

Caput tetragonum magnum, aeetabulis anticis angularibus hemi- 
sphaericis binis, sulco iuterposito segregatis. Collum longum laeve. 
Articuli supremi breves, subsequentes longiores, infundibulifonnes, 
angusfi, marginibus undulatis, crenatis. Aperturae genitalium mar- 
ginales seeundae. Longit. fragmentorum ad 13". 

Taenia sulciceps Baird: in Proceed. Zool. Soc. London 1859. 111. t. 56. 
f, i\ l b et in Ann. nat. hist. 3. ser. IV. (1859) 240. 

Ha bita cul um. Diomedea exulans: in intestinis (Edw. 
Gerrar d) Mus. Brit. 

26. Taenia rotnndata MOLIN. 

Cum observatione circa evolutionem organorum genitalium ante corporis 
segmentationem. 

Taenia rotundata Molin : in Sitzb. d. k. Ak. XXXVIII. (1859) 12. Tab. I. 1. 

Habitacnlum. Podarcis muralis : in intestina tenui , Majo, 
Patavii (Mol in). 

27 Taenia lactea LEIDY. 

Caput parvum collo ßontinuum, aeetabulis anticis angularibus 
bpmispbaericis. Collum medioeris longitudinis. Articuli anteriores 
transverse oblongi. posteriores longiores quam lati, quadrangulares, 

26' 



376 Di es in ff . 

angnlis rotundatis. Aperturae genitalium marginales indistinctae. 
Longit. 16", latit. »/ 3 '". 

Taenia lactea Leidy: in Proceed. Aead. Philad. VII. (1855), 444, VIII. 
1856. 46. 

H a b i t a c u 1 » m : Tropidonotus sipedon : in inteslinis; in Penn- 
sylvania (Leidy). 

28. Taenia dispar GOEZE — Dies. Syst. Helm. I. 511 adde: 

Beneden: in Compt. rend. 1852, 2. semestre 78H et in Annal. des sc. nal. 
3. ser. XX. 318. — Idem: in Bullet. Aead. Belgique XX. et lnstit. 1854. 
N. 1059 (de evolut.).— Diesing: in Silzungsber. d. k. Ak. XIII. 1854, 
603 — 0. Schmidt: in Halle Abhandl. V. 1 — 13; et in Zeitsehr. für die 
ges. rWiirV. Halle 1850, 430 — Idem ibid. 1855, 1 — 13. Tab. I, II, 
(cum anatom. et de evolut.). — Leidy : in Proceed. Aead. Philad. VII. 
(1855), 444 et VIII. (1856) 46 (de identifateTaeniae pulehellae cum 
T. dispaie). — Diesing: in Denkschr. d. k. Ak. XII, 24. — Beneden: 
Mein. Vers intest. 163. Tab. XXII. 4 — 15 (de evolutione jteculiari 
hujus spcciei, de intmitu emhryonis in corporis pareuchyma, de 
forma emhryonis et ovulorum,nPc non de vesicula pulsatoria in ultimo 
articulo). — Molin: in Sitzungsber. d. k.Ak. XXXIII. 293. — /dem: in 
Denkschr. d. k. Ak. XIX. 252 (de segmentalione corporis non per 
gemmationem sed per constrictionem). 
Taenia pulchella Leidy: in Proeeed. Aead. Philad. V. 241. 
Proteocephalus dispar Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. XXVIII. (1861) 
21. (de ovulortim testa duplici, exferiore mucilaginosa). 

Hiiiiitaculo adde: Rana temporaria: in inteslinis, in Bel- 
gi;i (Ben e den); in inteslinis prope Mngdeburguin copiose, Augusto 
et Septembri (0. Schmidt). — Bufo americanus: in inteslinis, 
specimina duo 6" longa. — Rana pipiens: speciinina qnatuor, in 
Pennsylvania (Leidy). — Menobranchus maculatus: in inteslinis, 
fragmenta acephala (Agassi/.). — Phryne (Bufo) vulgaris: in 
intestino crasso, Marlio, Patavii (Polonio). 

In speciminibus e Menobraneho maculato apeiturae genitalium laterales 
et marginales alternae, penes filiformes (Leidy). 

29 (43). Taenia ocellata RUD0LPH1 — Dies. Syst. Helm. I. 513 
adde: 

Apertur ae genitalium fVmineae laterales. Penes marginales. 

Taenia ocellata Rud. — Siebold: Lehrb. d. vergl. Anat. 147 (de apertur. 
genital.). — Idem: Band- u. Blasenwürmer 43 (de individuis erra- 
tice in liepate occurentibus cystide inclusis, corpore articulato, sed 



Revision der Cephaloeotyleen. AbUieilung: Cyclocotyleen. »>77 

organis genitalibus haud evolutis. — Uiesing : in Sitzungsber. der 
kais. Akad. XIII. 603. — M. Schnitze: in V. Carus Icones zootoin. 
Tab. VII, 13 (anatom. juv.). — Beneden: Mein. Vers intest. 165 (de 
corpore inarticulato individuorum in intestinis Pörcae fluvialilis 
et de eoruin vesicula pulsatoria). 

Habitiiculo adde: Perca fluviatilis : in intestinis, in Bel- 
gia (Beneden). 

30 (41). Taenia ambigua DUJARDIN — Dies. Syst. Helm. I. 512 
adde: 

f'roteocephalus ambiguus Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. XXVIII. (1861) 
21 (de ovulorum testa duplici, exteriore mucilaginosa). 

Habitaeulum. Gasterosteus laevis: in intestinis, Rhedoni 
(Dujard in). 

31 (40). Taenia filicollis BUDOLPHI. — Dies. Syst. Helm. I. 512 
adde: 

Bettingham : in Ann. nat. hist. XIV, 319. — Üiesing : in Sitzungsber. d. k. 
Ak. XIII, 1854, 603. — Cobbold'. in Transact. Linn. Soc. XXII, 156. 
et 169. Tab. XXXI, 1 (scdm.cl. Cobbold animal imperfecte evolutum). 

Proteocephalus filicollis Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. XXVIII. (1861) 
21 (de ovulorum testa duplici, exteriore mucilaginosa). 

Habitaculo adde: Gasterosteus aculeatus: in intestinis, 
Julie, in Hibernia (Bell ing li am); in Ai.glia (Cobbold). 

32 (46). Taenia niacrophalla UIESING: Syst. Helm. I. 514 adde: 
Idem: in Denkschr. d. k. Akad. XII. 35. Tab. VI, 15—21. 

Habitaeulum Cichla Monoculus: .lulio et Octobri, in Bra- 
silia (Natte rer). 

33 (45). Taenia torulosa BATSCH — Dies. Syst. Helm. I. 514 

adde: 

Taenia porulosa (spbalinate loco torulosa) Beneden: Mein. Vers intest. 
162. et 371. Tab. XXII, 1 — 3 (de vesicula pulsatoria et de vasibus 
in illam excurrentibus). 

Habitaeulum. In Cyprinideorum speciebus varii.% in Belgia 
(Beneden). 



378 D i e si n g. 

34 (42). Taenia longicollis RUDOLPHL — Dies. Syst. Helm. I. 

512 adde: 

Siebold: Band- und Blasenwürmer 43 (de individuis erratiee in hepate 
occurrentibus cy-tide inclusis, corpore aiticulato s; d ovganis geni a- 
libus haud evolutis). 

Habitaculum: In Salmonidum specierum variarum intestinis, 
rarius in hepate. 

35 (44). Taenia macrocephala CREPLIN. — Dies. Syst. Helm. I. 

513 adde: 

Molin: in Sitzungsber. d. k. Akad. XXX. (1858) 138 et XXXVIII. (1859) 
13. - Idem: in Denkschr. XIX. 252. 

Habitaculo adde: Angnilla vulgaris: in intestino tenui, 
Decembii, in ventriculo, Martin, Patavii (Mol in). 

36. Taenia hemisphaerica MOLIN: 

In Sitzungsber. d. k. Ak. XXXVIII. (1859) 14. 

Habitaculum: Anguilla vulgaris, in intestino tenui, No- 
vembri, Patavii (Molin). 

37. Taenia gibbosa LEIDY. 

Caput exiguum horizontaliter discoideum, acetabulis circulari- 
bus in disco dispositis, contiguis, ore haud prominulo. Collum lon- 
gum latum et crassum, Corporis pars articulala l»revis, articulis 
transverse oblongis, ultimo discif'ormi. Aperturae genitalium . . . 
Longit. li/ 3 ", latit. i */,'". 

Taenia gibbosa Leidy: in Proceed. Acad. Philad. VII. (1855) 444 et VIII. 
(1856) 46. 

Habitaculum. Lamnae species: ad liltus occidentale Ame- 
ricae septentrionalis : in intestinis, specimina duo (Le Conte). 
Num fortasse generi Sciadocephalo affinis? 

* * Cupula armata. 

38. Taenia proglottina DAVAINE. 

Caput ovatum, cupula terminal! ampla, limbo spinularum ultra 
80 Corona duplici cincta, acetabulis uncinulis miuimis armatis. 



Revision der Ceplialocotyleen. AbUieilung: Cyclocotyleen. 379 

Collum breve capite minus. Corpus bi- vel triarticulatum, articulo 
primo capile majore, secundo et tertio sensim multo majoribus. 
Aperturae genitalium marginales alternae in articulis duobus ultimis. 
Longit. vix «/■"*• 

Penis in vagina echinata. Ovula magna embryone vivacissimo. Artieuli 
soluti cito increscunt et longitudinem statu expanso ultra s/4'" attingunt, viva- 
ces, Hirudinum more incedunt. 

Taenia du Coq Dujardin in Annal. des sc. nat. 2. ser. XX. (1843) 342 (solum 
artieuli). 

Taenia proglottina Davaine: Traite des Entoz. X., XXIV. et XXXIX. Fig. 5 
et 13. 

H a b i t a c u I u m. Phasianus Gallus: in inlestinis (D u j a r d i n), 
in duodeno copiose, Octobri, St. Amand in Franeogallia (Davaine). 

39. Taenia oscolata GOEZE. 

Caput subglobosum, cupula terminali prominente uncinulorum 
deeiduorum Corona quadruplici cinr-ta, acetabulis hemisphaericis 
anticis. Collum subuullum. Artieuli supremi brevissimi, reliqui 
subquadrati. Aperturae genitalium vage alternae. Longit. 1 — 12'", 
latit. 1—1 i/ a "\ 

Taenia osculata Goeze. — Dies. Syst. Helm. I. 523. — Wagener: in Nov. 
Act. Nat. Cur. XXIV. Suppl. 32-34 et 69. Tab. II, 25 (caput 
an. adulti. Tab. III, 26—29. — Idem: in Natuurk. Verh. Haarlem XIII. 
94. Tab. 111,16 (de vesicula pulsatoria). — Idem: inV.Carus: Icones 
zootom. Tab. VII, 14 (reddita). — Beneden: Mem. Vers intest. 165. 

Statu larvae. Caput illi animalis perf'ecti conforme sed inerme 
Collum retrorsum attenuatum, vesica pulsatoria postica. 
Taenia osculata juvenis Wagener I. c. Tab. II, 23, 24. 

Habitaculum. Statu perfecto ac simul larvae: Silurus 
Glanis: Julio (Goeze), Majo et Octobri, Grypliiae (Rti dol ph i), 
hyenie et vere (Bremser), Junio, Berolini (Wagen er), in Belgia 
(Beneden): in intestinis. 

ß. Os in apiee prominentiae conicae inermis vel armatae. — Hominis 
et Mammalium, rarius Avium, rarissime Amphibiorum endoparasita. 
Evolutio metagenetica in Homine et in Mammalibus nonnullis carni- 
voris cognita. 

* Prominentia capitis inermis. 

40. Taenia gigantea PETERS. 

Caput magnum globosum quadrilobum, prominenlia (rostello 
auetorum) inermi brevi rotundata conica, acetabulis crassis, mar- 



380 D i e s i ii g. 

gine poslico libero. Collum subnullinu. Corpus crassum ianceola- 
tum, articulis brevissimis et latissimis, marginibus posticis excisis, 
angulis obtusis. Apertur ae genitalium marginales seeundae. Peties 
filiformes limbo gioboso cincti. Longit. 4 1 / 2 ", artic. max. i 1 /*"; 
latit. max. ad 14'", <liam. ci.pit. 3"', latit. colli 2*/ a "'; 

Taenia gigantea Peters, in Monatsber. der Berliner Akad. 1856, 469. 

tlabitacu I um. Rhinoceros af'ricanus: in intestino tenui, 
Mossambique (Peters). 

Capite quadrilobo ad Taeniam perfoliatam (sp. 15) accedere videtur 
confer notain ad calcem hujus speciei. 

** Prominentia capitis armata. 

41 (47). Taenia Solium LINNE. 

Caput subglobosum vertice haud raro nigrescens, antice in 
t'OiiuiUm brevem elevatum, uncinulis crass's 26 in coronam duplicem 
dispositis, acetabulis anticis. Collum fibforme. Articuli .mte- 
riores brevissimi, sehsim longiores et tum quadrali, ultimi ovula 
ntatura includentes multo longiores quam lati, angulis obtusiusculis. 
Aperturae genitalium marginales, irregulariter altemantes in poste- 
rioie articuli parte. Longit. 4—24' utplurim. 6 — 9'; latit. 3 — 4'". 

Uterus: ranalis tortuosus in medio artieulorum, ramis lateralibus 7 — 10 
dendrilice ramosis. — Ovula subglul>osa, lesta dura. 

Taenia Solium Linne — Dies.: Syst. Helm. 1. 514 • ). — Platner: in Mül ler's 
Arch. 1838. Tab. 1. 17 (analom.). — Bellinghani: in Ann. nat. bist. XIV. 
321. — Blaiichard: in Regne anint. nouv. tdit.Zooph. Tab. XXXIX. 1 et in 
Annal. des sc. nat. 3 ser. X. 329. — 337. Tab. XI. 1, XII. 3, 4 (cum 
anatum.). — Dubini: Ento7notfi\ umana 174 — 190. Tab. X. XI. — 
Seeger: Die Bandwürmer d^s Menseben 1852, 11—38. Tab. I. 1 — 8. 
10—25; Tab. II. 18—23. — Küchenmeister: Cestoden 1853, 85- 
107 et 126. Tab. I. 1—4, 9% 9\ 11. 15. Tab. II. 1, 2. — Williams: in 
Ann. nat. bist. 2. ser. XII. 348. Tab.XlU.6 (de nutrit. et respirat.). — 
Dies.: in Sifzungsber. d. k. Ak. XIII. 1854, 603. — Küchenmeister : 
Parasiten I. 62—88. — Leuckarl: Blasenbandw. 62-65. Stein: in 
V. Carus Icon. zoot. Tab. VII, 16, 17 «, b (ovulum). — Beneden .-Mein. 
Vers intest. 144—146 (de organ. genital.). — Molin: in Silzlt. d. k. 
Ak. XXXVIII. (1859) 12. — Platner: in Müller's Arcb. 1859, 275 bis 
284. Tab. VI— VIII; extr. Leuckmt : inTroseh. Arcb. 1860,11, 136.— 



i) Cnnspectum orilicum litteraturae circa Taeniam Solium et T. mediocanellntaiu, in 
Systeiiintp Helminthum adhuc promisoue traetatas, postoris recommendo. 



Revision der Cephalocotyleen. Ablheilung: Cyclocotyleen. 08 I 

Weinland : Essay on tapewormsof man 43. — Idem: inTrosch. Arch. 
1859,1, 277. — Gervais et Beneden: Zool. medic. II, 247—260, 
fig 165, 167,168, 170— 172. — Davaine: Traite desEnlozoaires 1860, 
XXVI — XXX, fig-. 15, lt\ — Van Beneden: Iconogr. des Helmint. Tab.I, 
1—10. — Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. XXVIII. (1861) 5 et 12— 
14, Tab. V, 18 — 20 (de ovulorum testadura). — Leuckart: inTrosch. 
Arch. 1861, II, 278 (de opinionibus cl. Davaine). — Mosler: Helmin- 
thol. Studien u. Beobacht. 1864, 3 (de dift'erentiis specitieis a Taenia 
mediocanellata). 
Taenia (Cysto(aenia) Solium Leuckart: in Nachrichten v. d. G. A Univer- 
sität und d. k. Gesellsch. d. Wissensch. zu Göttingen 1862, 15 — 21. 
Idem: Menschi. Parasiten, I, 224 et 22a — 285 c. fig. (et de evolutionc) 
Statu larvae: Caput Uli animalis perlecti eoiil'orme. Collum 
hieve aotice inerescens cum capite in blastocystidem transverse 
ellipticam retractile. Longif. Va — 6'', crassit. blastucystidis </» - -1'". 
Cysticercus cellulosae Rudolph!. — Dies.: Syst. Helm. I, 486. — Sendler: 
Cystic. cellul. monogr. Diss. inaug. Hai. 1843 cum Tab. (piaecipue 
de syst. \as. ). — Bellingham: in Ann. nat. hist. XIV, 398. — Dubini: 
Entozoogr. umana 198 206. Tab. XIV. —Küchenmeister: Cestoden. 
1853, La. c. -Dies.: in Sitzungsber. d. k.Ak. XIII. 1854, 600. - Stich: 
in Annalen des Charite -Krankenhauses 1854, 17(1 (de Cysticercis 
Hominis). — Beneden: (lettre a \1. Edwards) in Annai. des sc. nat. 
4 ser. I. (1854) 104 (experimentum primum de evolut. Cysticer- 
corum e Taeniae solium ovulis in Porcis). — Siebold: iland- u. 
Blasenw. 1854, 66 et 68, fig. 24, 25,27, 28 et 86 — 89 (de evolulione 
Cyslieerci cellulosae in intestino Canis in Taeniam, Taeniae Solium elT. 
serratae similem). — Haubner: in Zeitschr. landwirthsch. Central- 
vereins 1854, 52; 1855, 131 et Extr. Halle, Zeitschr. 1856, ^06 (de 
ortu Cysticercoruin ex articulis maturis Taeniae paslu in Sues trans- 
latis). — Idem: in Gurlt et Hertwig Mag. f. d. ges. I hierheilk. 
XXI. (1855) 100 — 111 (experimenta de orlu t ysticercorum inSuibus, 
et de evolutionis tempore duos menses superante). — May ibid. 322 
(de Cysticercorum translatione per pastum ex Suibus in Canes). — 
Graefe: in ejus Arch. I. 453 et in litteris ad Küchenmeister. — 
Küchenmeister: Parasiten I, 62 — 88 (scolex Taeniae solium). — 
Leidy: in Proceed. Acad. Philad. VIII. (1856) 45. — Leuckart: 
Blasenband w. 1856, 48, 65 et 142 (de evolut.) cum fig. — 
Rainey : in Tt ansäet. Roy. Soc. 1857, I, 111 — 127 c. fig. (de evolut.). 
— Leuckart: in Trosch. Arch. 1858, II, 127. — Hirschler: in 
Gesellsch. d. Ärzte zu Pesth. Versaniml. 31. Oct. 1857. Mitgeth. Wie- 
ner Zeit. 6. Nov. 1857, N. 255. S. 31, 33. — Graefe: in Zeitschr. f. 
Ophthalmologie 1857, 308. — Berthold: de Cysticercis cellul. in 
oculo hom. Dissert. Berol. 1857. — Nagel: in Med. Zeitg. des Vereins 
f. Heilk. in Preussen 1858, N. 29. -■ Beneden: Mem. Vers inlest. 
146 (de evolutione Cysticerci cellulosae in Sue ex ovulis Taeniae 



382 Uiesiug. 

Solium). — Haubner: in Bericht über das Veteriniirwescn Sachsens 
1858 — 1859, 99 (in ceicbro emollito et medulla elongala plus quam 
100 individua); cxtr. Leuekart: in Trosch. Arch. 1860, II, 139. — 
Sangalli: Del modo con il quäle nel corpo umano presentansi i cisti- 
cerchi e della loro genesi in Annali universali di Medicina fond. da 
Omodei, contin. del dott. Romolo Griffini Milano 1858. CLXIII. 
259. — Gervais et Beneden: Zool. medic. I, 218 et 253 c. fig. — 
Beneden: Iconogr. des Helminthes 1860. Tab. I, 11 — 13. — Davaine: 
Traite des Entoz. XXI — XXIII c. fig. xylogr. — Leuekart: Mensch'. 
Parasi*. I, 228—250 c. fig. xylogr. (de evolutione) 745 (de blasto- 
cystide capite nondum evoluto) et 746 (de symptomatibus morbosis). 
— Kniebusch; in allg. land- und forstw. Zeitung. Wien, 1. März 1864 
(de absentia Cysticet corum in carne Suum Serbiae et Valachiae cum 
seminibus Zcae Mais, et Suum Megalopolitanorum cum sero lactis et 
pisis paslorum; saepissime vero Cysticerci in Sue polor.o-pomerano, 
cum eluvie acidula, \ariis ciborum residuis vel Solano luberoso nutrito 
occurrunt). 

H <i l> i t a c u I u m. Statu perf'ecto : Homo : in Germania , Ang'.ia, 
Holhnda, in Gallia, ibidem rarissime simul cum Dibothrio lato, in 
Rossia rarior (Peter Krank), in Hibernia (Bellingham), in 
Lusitania et Brasilia (Gomez). In Anglo-Americanis et Aethiopis in 
America degentibus, in Pennsylvania (Lei dy). 

Statu larvue: Homo: erratice in cerebro, inter musculos, iarius 
in curde (Rudolphi et plures alii ante et post illuin), in camera 
anteriore oculi (Soemmering, Schott, Larrey, Makenzie, 
Berthold, Graefe); Pestini (Hirse hl er), in corpor<> vitreo 
et in retina (Graefe) sub conjunetiva (Cu nie r et Sichler). — 
Simia Inuus et S. rubra (Treutier) — S. Cephus (Bremser et 
G u r 1 1), — Canis familiaris : in peritoneo (C h a b e r t et Hartwig) 
C. fam. fricator: ad arachnoideam et in variis musculis (Gurlt). 
— Ursus Arctos: inter musculos (Retzius). — Mus Rattus: ad 
Peritoneum (Hartwig). — Sus Scrof'a domestica rarius fera: 
in ceiebio et inter musculos (Goeze, Rudolphi et pl. alii), in 
Brasilia (Natterer) inter musculos in America septentrionali 
(Leidy) erratice in oculo (Hoeven et Nord mann). — Cervus 
Capreolus: in musculis femoris (Dnby). 

Transfoimatio embryonis in blastocystidem larvigeram infra4V 3 menses 
{Beneden: in Annal. des sc. nat. 1854. I. 104); evolutio larvae in animal per- 
fectum -ntra 2 — 3 menses absolvitu' - . Küchenmeister: Deutsche Klinik 1860 
N. 20, Humbert et Hollenbach: experimenta in corpore proprio, Leuekart: 
Menscbl. Parasit. 1, 233—234. 



Revision der Cephalocotyleen. Abtheilung: Cyclocotyleen. 383 

Nota i. Nuni larvae omnos ab Auetoribus sub nomine Cysticerci cellu- 
losae memoratae revera ad Taeniam Soliuni pertineant, dubium videtur. 

Nota 2. Taenia Soliuni pratsertim hie l'requenfius oecurrit, ubi caro suilla 
Horainibus nutrimentum consuetissimum suppedidat. 

Nota 3. Corpus humanuni Taeniis tum facillime infestari, quam primum 
comesta carne non bene coeta v. male assata v. imperfecte fumicata Taeniarum 
larvae, vita tenacissitra praeditae, ventriculo ingerunlur, res est notissima ae 
multis observationibus eonfirmata. — Confer circa hanc rem experimenta a 
el. viris Küchenmeister 1 ), Leuckart 2 ), Humbert 3 ) et Hollen- 
bach 4 ) instituta cum Cysticereo cellulosae vivo Suum in tractum intesti- 
nalem Hominis cum cihis translato. Nee silentio praeteream Observationen! cl. 
Goesken, 1853 in Deutsche Klinik publicatam, de expulsione 41 Taeniarum ex 
uno homine, qui quotidie carnem suillam crudani, non raro cum Cysticercis 
cellulosae infeetam, comedere solebat. 

Nota 4. Oecurrit quandoque, corpus humanuni non solum individuis Tae- 
niae Solium perfecte evolutis, tractum ejus intestinalem inhabitantibus, infes- 
tari, sed simul etiam ab ejusdem speciei larvis (variis animalibus vulgo fami- 
liaribus) exerueiari in aliis suis, quo degunt, organis. Casus sane rarissimus, ac 
unicus, qui mihi innotuif, quo comprobaretur, embryonum immigrationem erra- 
licam, ast hac de causa frustraneam, huic vermiuni speciei simul esse conces- 
sam. Confer etiam notani hujus loci pag. 5. 

42 (53). Taenia crassicollis RUDOLPH1. 

Caput subquadrangulare antice cylindraceum, acetabulis angu- 
larihus anticis prominentibus. Collum subnullum. Articuli supremi 
brevissimi , subsequentes euneati, tiltimi longioies quain lati. Aper- 
turae genitalium marginales vage alternae. Longit. ad 1' et ultra; 
latit. med. ad 4'". ultim. artic. 2'". 

Taenia crassicollis Rudolphi — Dies.: Syst. Helm. I, 519. — Bellingham: 
in Ann. nat. hist. XIV. 321. — Siebold: in Zeitschr. f. Wissenschaft). 



i) Küchenmeister: in Wiener medic. Wochenschrift 1855, Nr. i. — tdem Parasit. 
71 et in: Annal des sc. nat. 4 ser. III. (1855), 377. — Idem: in Deutsche Klinik 1860, 
N. 20 (experimenta in Hominihus duobus capite damuatis). 

2 ) Leuckart, Blasenbandw. 53 (experimentum ab Homine quodam proprio motu 
institutum). 

3 ) Bertolus: Diss. sur les metamorphoses des cestoid«. These de Montpellier, N. 106. 
Decemb.1856. (Experim. a studioso genevensi Humbert proprio marte institutum.) 

4 ) In Wochenschr. der Thierheilkunde und Viehzucht von Adam und Niklas II. 301 
et 353 (experimentum in se ipso factum). — De experimenlis his confer etiam Ger- 
vais et Beneden: Zool. medic. II. 255 — 259. — Üavaine: Tratte", d. Entoz. 
XXVII. et Leuckart: Menschl. Parasit. I. 233—235. 



384 Dies in-. 

Zool. II. 221 (de transforni. e Cysticerco fasoiolari). — Diesing : 
in Sitzb. XIII. 1854. 604. — Leidy: in Proceed. Acad. Philad. VII; 

(1855) 443 et VIII. (1856) 46. — Leuchart: Blasenbandw. 55—57.. 
Baillet: in Annal. des sc. nat. 4 ser. X. (1858) 230—232. — Spencer 
Cobbold: in Transact. Linn. Soc. XXII. 1859. 165. — Davaine: Tr. 
d. Entoz. XXXVII— XXXVIII. — Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. 
XXVIII. (1861) 18 (de ovuloium testa dura). 

Taenia ciassicollis? Bellingham: I. s. c. 322. 

Taenia (Cystotaenia) crassicollis Leuckart: Mensch]. Parasit. I. 224. 

Statu larvae: Caput illi änimalis perfecti conforme. Collum 
siibnullum. Blastocystis fasciolaris Qon raro Iransverse plicata, po- 
stice in globuluin tuniens. Longit. tot. 1 — 4'" usque ad 7"; lalit. i / z — 
t", diameter globuh blastocystidis postici 1 — 2'" et ultra. — Blasto- 
cystidis pars postica pagina interna interduin gemmipara (Goeze). 

Cysticercus fasciolaris Rudolphe — Utes.: Syst. Helm. 1. 491. — Siebold: in 
B.Wagner's Handwörterbuch d. Physiologie II. 1845, 650 et 676 
(prima opinio de identilate Cysticerci fasciolaris cum Taenia cras- 
sicolli J ). — Bellingham: in Ann. nat. hist. XIV. 397. — Blanchard: 
in Begn. anim. nouv. edit. Zooph. Tab. XL1. 2. et in Annal. des sc. 
nat 3. ser. X. 351 (cum anatom.). — Siebold: in Zeitscbr. f. wissen- 
schaftliche Zoologie II. 221 (de transformatione Cysticerci in Tae- 
niam crassi' ollem). — Uiesing: in Sitzb. XIII. (1854) 601. — G. 
Wagener: in Nov. Act. Nat. Cur. XXIV. Suppl. 43 et 68. Tab. VI. 71— 
— 72 (stalu primae evolutionis). — Leuckart: in Zeitschrift für 
wissenseb. Zool. VI. (1854) 139 (de ortu C. fasciolaris ex ovulis 
Taeniae crassicollis Muris Musculi var. albae). — Siebold: Band- 
u. Blasen w. 70— 72 2 ). — Leidy: in Proceed. Acad. Philad. VIII. 

(1856) 45. — Leuckart: Blasenbandwürmer 1856, 39—41 (de evo- 
lutione larvae), 56 et 143. (de evolut.) Tab. II. 1 a, b (uncinuli). — 
Baillet: in Annal. des sc. nat. 4 ser. X. (1858) 230-232. — Spencer 
Cobbold: in Transact. Linn. Soc. XXII. 1859, 165. — Davaine: 
Tr. d. Entoz. XXXVII— XXXVIH. 

rlabitaculum. Statu perfecto : Felis Catus fer. ( K e d i, 
Coines de Borke) , vario anni tempore, (Bremser et Uiesing) 
Marlro in Hibernia (Bellingham). — F. Catus dorn, omni anni 
tempore vulgaris — speciinina numerosa in uno individuo in Penn- 
sylvania (Leidy). — F. maniculata: in Hibernia (Bellingham). 

i) Siinililudo capitis Cysticerci fasciolaris cum illo T. crassicollis jain a cel. I'allusi <• 

in ejus Nord. Beitr. inemorata. 
*) Cd. Siebold opinatur, pari ein hujus larvae fasciolarein transverse plicatam (articu- 

latam Siebold) corpus animalculi peifeeti fiituri esse ut in Triaenophoro nodu- 

luso, Taenia lougicolli et T. ocellata. 



Revision Her Ceplialocotyleen. Abtheilung: Cyclocotyleen. OÖO 

— F. concolor, Aprili, Majo et Novemhri. — F. mellivora, Martio 
et Aprili. — F. Onga, Novembri. — F. PurdaUs. Aprili. — 
F. macroura Aprili. — F. tigrina , .Junio, Septembri et Oetobri, 
in Brasil a (Na I terer): in intestinis tenuibus copiose. 

Statu larvae: Mus Rattus (Palla«) in Brasilia (Ol fers). — 
Mus decumanus (Budolphi et pl. alji), in folliculo membranaceo, 
in Hibernia (Bei lingliarn), frequens in Pennsylvania (Leidy). — 
M Musculus (Budolphi et pl. alii) in folliculo membranaceo, in 
Hibernia ( Bei I i ngham), ii follicnlis, Septembri, Nicaeae (G. B. 
Wagen er), in Anglia (Spencer Co b hold). — M. tectorum 
(M. C. V.). ■ — Lemmas arvalis (Pallas). — L. amphibius 
(Goeze). — L. terrestris (iMehlis). — Vespert Monis spec. 
dub. (Bloch). — V. auritus (Bremser): in hep;ite. 

Transformatio embryonis in blastoeystidem larvigcram intra qnatuor 
menses (Leuckart Rlasenbundw. 39 et 40); evolutio larvae in ani/nal 
perfectum intra 6— 7 bebdomade.s absolvitur (Leuckart ibid. 57). 

Ct. Natlerer ex intestinis Felium Brasiliensium Taenias perfeclas hujus 
speciei abunde legil, illarum larvas vero riullibi offendit. 

Potius monstra Taeniae erassicollis quam species genuin ae: 
Caput parvuni suhquadrangulare. niarginibus tiibercnlis exiguis 
sparsis obsessum, acetabnlis angularibns medioeribns. Os terminal ■ 
circn are, uncinuloium Corona simplici. Collum cr«tssitie fere capitis. 
Corpus rigidum in spiras dnas plaiias involutum, sensim increscens 
articulis obsoletis nunierosis, dein subaequale, drinum iteruui decres- 
cens, articiilis distiuclis plattis, pagina centrali excavatum. Longit. . . . 
Organa genitalia nulla observata. — Specialen solummndo unicum, 
incertum num ex ventiiculo vel ex intestinis lectum cum characleribus 
normal ibus Taeniae male quadrans; Individuum forsan degeneratum Taeniae 
erassicollis. 

Taenia ammonitiformis Baird: in Proceed. Zool. Soc. London 1 S4J2. 20. 
Tab. II. 1—7. 

H abitaculu in. Felis concolor : incertum an in ventriculo vel 
in intestinis individui in Iheriothrophio Londinensi exstineti (Baird) 
Mus. Rrit 

Caput hemisphaericum, corpore continuum. Os terminale cir- 
culare, uncinulorum Corona simplici, uncinulis apieibus suis conni- 
ventibus. Corpus rigidum subvylihdricüni, ultimo solum triente 
depressum et magis dilatatum, aiticulis sripremis anyustissimis rotun- 
datis, subsequentibus sensim latinribus. Aperturae genitalium (in 



Oofo D i e s i n g. 

»rtieulis ultimis 10 — 11) irregulariter alternantes. Longit. circa 
4 1 / 2 ' / » latit. antrors. «/ a "', retrors. 1'". 

Haec forma, in uno solummodo specimine reperta, nil nisi Taeniae 
erassicollis monstrum esse videtur. — De uncinulorum corona simplici in 
hoc individuo et in praecedente obvia confer etiam notitiam apud Taeniam 
serratam Canis h. . 

Taenia semiteres Baird: in Proceed. Zool. Soc. London 1862, 21. Tab. II. 
8-12. 

Habifaculum. Felis Catus var. persica : in ventriculo 
(Baker). Mus Brit. 

43 (52). Taenia laticollis RUDOLPHI. — Dies. Syst. Helm. I. 518 
adde: 

Leuckart: Blasenbandw. 57. — Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. XXVIII. 
(1861) 18 (de ovulorum testa dura). 

H a b i t a c u 1 u m. Felis Lynx : in intestinis. 

44 (51). Taenia crassiceps RUDOLPHI. 

Diesing : Syst. Helm. I. 518. — Leuckart: Blasenbandw. 67. — Weinland: 
in Nov. Act. Nat. Cur. XXVIII. (1861) 18 (de ovulorum testa dura). — 
Leuckart: Menschl. Parasit. I. 224. 

Statu larvae. Ciiput tetragonum prominentia brevi crassa, un- 
cinulorum validorum corona duplici, acetabulis quatuor angularibus. 
Collum depressum. Blastocystis antrorsum utricularis, depressa, 
transverse rugosa, postice subglobosa vel ovalis. Longit. capit. cum 
collo Y", blastocystidis ultra 1'", crassit. i/ 8 — 1'". — Blastocystidis 
pars postica pagina sua externa interdum gemmipara (Bremser 
et Rudolphi). 

Cystirercus longicollis. Rud. — Dies.: Syst. Helm. 1.490. — Leuckart: 
Blasenbandw. 67. — Idem : Menschl. Parasit. I. 224. 

H a b i t a e u 1 u m. Statu perfecto : Canis Vulpes : in intestinis 
t( j nuibus. 

Statu larvae. In Lemmorum cavo thoraeis et sacculo axillari. 

Tempus transformationis embryonis in blastocystidem larvigerani ignotum; 
evolutio larvae in Taeniam perfeclam 5— 6 hebdomadibus absolvitur (Leuekar t). 

45. Taenia polyacantha LEUCKART. 

Caput laturn prominentia brevi, uncinulorum magnorum 62 
corona duplici cincta, acetabulis prominulis. Collum brevissi-num. 



Revision der Cephwlocotyleen. Abtheilung': Cyelocotyleen. »jöT 

Corpus arliculis latis brevibus. FiOngit. ad '/ 2 ', latit. capit. ultra 
i/o'". Longit. artic. maturor. 2 — 2*/ 8 "', latit. i"\ 

Praesertim numero et forma uncinulorum a specie praecedente differt. 
Taenia polyacantha Leuchart: Blasenbandw. 68 Tab. II, f. 9 (uncinuli). 
— Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. XXVIII. 1861. 18 (de ovulurum 
testa dura). 
Taenia (Cystotaenia) polyacantha Leuckart: Menschl. Parasit. I. 224. 

Habitaculum. Cards Vulpes : in intestinis (Leuckart). 

46 (50). Taenia »errat« GOEZE. Char. reformato. 

Caput globuloso-tetragouum , prominentia anfica brevi, unci- 
nulorum Viilidorum 38 — 42 Corona duplici cineta, acetabulis circula- 
ribus v. subellipficis anticis, cruciatim dispositis. Collum l / 3 — 3 /V" 
longnm, Articuli corporis quadrilaterales, supremi par.im distincti 
brevissimi, subsequentes longiores, dislantia 9 1 / 2 — ll'/a" a capite 
fere tarn longi quam lati. demum longiores quam lati, margine arti- 
culorum postico integerrimo, angulis posticis prominentibus. Aper- 
tur ae genitalium marginales, vage alternae, tuberculis insidentes. 
Longit. fere 3'; latit. capit. V»— 8 A'"j longit. et latit. articuloi um 
subquadratorum 2 l / ä — 3'"; longit. artic. ultimi 5 — 6"', latit. 1 '/ 8 "'. 
Uterus ramulis lateralibus utrinque 6 — 8, irregulariter ramosissimis. 
Taenia serrata Goeze-Diesing : Syst. Helm. I. 517 (partim). — Bellingham : 
in Ann. nat. bist. XIV. 321. — Blanchard: inAnnal. des sc. nat. 3.ser. 
X. 337. Tab. XI. 2, XII. 5—6 (cum ai.alom.). - Seeger: Die Band- 
würmer des Menschen 1852. Tab. I. 9 (Syst. nervortim) fig. Blanchar- 
dü. — Siebold: in Zeitscbr. f. wissensch. Zool. IV. 1852. 408 (dis- 
tinctio a T. crassicipite). — Küchenmeister: Cestoden 1853. 54. — Die- 
sing: in Sitzb. d. k. Ak. XIII. (1854) 604. — Haubner: in Gurlt et 
Hertwig : Magaz. f. d. ges. Thierheilk. XX. 1854. 286 (de opinione 
cl. Küchenmeister de speciebus tribus sub normine Taeniae ser- 
ratae commutatis). — Küchenmeister: Parasit n I. 131 (Taenia 
serrata vera). — Leuckart: Blasenbandw. 58— 59 et 74— 97 (anatonvco- 
physiologica). — Baillet : in Annal. des sc. nat. 4. ser. X. (1858) 
190—227 (de cbaractere T. serratae emendato). — Van Beneden: 
Mem. Vers intest. 148—157 et 369. Tab. XX. 9—19. — Spencer 
Cobbold: in Transact. Linn. Soc. XXII. 165 et 172. Tab. XXXIII. 73— 
74. — Gervais et Beneden: Zool. med. II. 260—264. — Davaine: 
Tr. d. Entoz. XXXIII. — Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. XXVIII. 
(1861) 18 (de ovulorum testa dura). 
Taenia (Cystotaenia) serrata Leuckart: Menschl. Parasit. I. 224 et 314 (de 
cbaracteribus speciei). 



388 Diesing-. 

Statu larvae: Caput illi animalis perfecti ronforme. Collum 
lenue. Blastocystis antrorsum altenuata, transverse rugosa, postice 
globosa Longit. 4 — 6'" crassit. blastocyst. 2 — 3'". — Blastocystidis 
pars postiea pagina sua interna interdum gemmipara (Tschndi). 

Cysticercus pisiformis Zeder. — Dies.: Syst. Helm. I. 489. — Bellingham: 
in Ann. nat. hist XIV. 398. — Blanchard: in Regne anim. nouv. 
edit. Zooph. Tab. XLI. 1 et V; et in Annal. des sc. nat. 3. ser. X. 352. 

— Küchenmeister: in Günsburg's Zeitschr. 1851,240 (prima ex- 
perimenta de translatione Cysticerci pisiformis in tractum inte- 
stinalem Canis et de evolutione in Taeniam). — Siebold: in Verb, d. 
schles. Gesellsch. v. 7. Juli 1852. — Lewald: Do Cysticereorum in 
Taenias metamorphosi pascendi experimentis in instituto physiolo- 
gioo Vratislaviensi administratis illustrata, Berolini 1852 (experimenta 
sub auspicis celeb. de Siebold facta). — Van Hemden: in Bullet. Acad. 
Belgique XX. 1. 239 (de transformatione). — Siebold: Band- u. Blasenw. 
1854. 72 (de evolut. ) et 75 — 80 (experimenta de transformatione). — 
Diesing: in Silzb. XIII. 1854, 601. — Wagener: in Nov. Act. Nat. 
Cur. XXIV. Suppl. 40 — 43 et 67 (de evolutione et de formatione 
uncinulorum). Tab. V. 58, 59. Tab. VI. 60-70. — Roll: in Zeitschr. 
d. Gesllsch. d. Ärzte zu Wien 1854, 459 (de ortu Cysticerci pisiformis 
in Cuniculis cum Taenia serrata Cnnispastis. praeterlapsis 14 diebus). 

— Haubner: in Gurlt etHertwig: Magaz. f. d. ges. Thierheilk. XX. 

(1854) 367 372 (de experimentis a cl. Küchenmeister et Haubner de 
evolutione Taeniae serratae verae e Cysticerco pisiformi institutis). 

— M. Edwards et Valenciennes : in Compt. rend. 1855 I. 997. — 
May: in Gurlt et Her tw ig Magaz. f. d. ges. Thierheilk. XXI. 

(1855) 322 (translatio Cysticerci e Lepore in Canem) et 331 (de 
translationeTaeniae serratae verae in Cuniculos). — Leuchart: Lettre 
a M. Edwards: in Annal. des sc. nat. 4 ser. III. (1855) 351—355. 
Tab. X. 11 — 14 (de evolutione). — Wagener: in Natuurk. Verb. 
XIII. 8 (de praesentia blastocyslidtim in hepate Cuniculorum hieme 
et Mastocystidum cum larvisin peritoneo Cuniculorum demum vere). — 
Leuckatt: Blasenbandw. 41 —46 (de evolutione larvae), et 59, 97 — 
142 (anatomico-physiologica) c. fig. — VanBeneden: Mem. Vers intest. 
148—157 et 369. Tab. XX. 1—9. — Spencer Cobbold: in Transact. 
Linn. Soe. XXII. 1859,165 — 167. — Gervais et Beneden: Zool. medic. 
II. 260 — 264 c. fig. (historia evolutionis). 

Taenia pisiformis Gmelin: Syst. nat. 3061. N. 16. 

Taenia cordata Gmelin: Syst. nat. 3061. N. 15. 

Habitaculum. Statu perfecta: Canis familiaris: in intestinis 
tenuibus. 

Statu larvae: Lepus timidus: in visc^ribus variis, nee non in 
vo ica nrinar a (Redi, Goeze et pl. alii) — L. variabUis: in mc- 



Revision der Cephalocotyleen. Alitheilung: Cyclocotyleen. 389 

sen terio (Brems er).— L.Cuniculus: (Goeze et pl. alii)in t'olii- 
culis. — Mus Musculus: rarius (Goeze et L euckart): in visce- 
ribus variis. 

Transformatio embryonis in blastoeystidem larvigeram intra hebdoma- 
des 6 (L euckart Blasenbandw. 4S); evolutio larvae in animal perfectum intra 
2— 2*4 menses absolvitur (Siebold et Leuckart). 

Tar. a monostephana. 

Caput eollo liaud latius antiee eonvexum, prominentia antica 
brevi, uncinulorum validorum Corona simplici cincta. Collum lon- 
gum. Articuli anteriores tranverse oblongi vel cuneati, posteriores 
subquadrati. Longit. 9 — 12", latit. max. \^j%"', latit. capit. 1 / 3 '". 

Taenia serrata Leidy: in Proceed. Acad. Philad. VII. 1855. 443 et VIII. 
(1856) 46. 

Habita etil um. Canis familiaris borealis (Eskimotum) in 
intestino tenui individui a cel. peregrinatore Kaue allati, speeimina 
tria, Philadelphiae legit (Leidy). 

Var. ß astephana. 

Caput uncinulorum Corona nulla instruetum. 
Taenia serrata capite inermi Bremser: Lebende Würmer 101. — Dies.: 
Syst. Helm. I. 518 in nota. 

H a b i ta c 11 1 u m. Canis familiäres : in intestinis semel repertum, 
speeimen praeloogum, Vindobonae. M. C. V. 

47 (48). Taeuia margiaata BATSCH. Char. reformato. 

Caput subquadratum, prominentia antica uncinulorum gracilio- 
riim 32 — 40 Corona duplici, acetabulis angularibus anticis. Collum 
breve. Articuli crassi, anteriores brevissimi, sensim longitudine incre- 
scentes, distantia fere 18" a capite quadrati, margine postico pro- 
minulo undulato. Apertur ae genitalium marginales , vage alternae. 
Longit. 4y a — T, latit. ad 3'". 

Uteri truneus medianus brevis, ramis lateralibus paucis ramulosi9 
(Leuckart). 

Taenia marginata Batsc/i. — Dies.: Syst. Helm. I. 516. 

Taenia (Cystotaenia) marginata Leuckart: Menschl. Parasit. I. 224 et 

312— 328 (et de evolut.). 
Taenia e Cysticerco tenuicolli Küchenmeister-Haicbner : in Guri t et Hert- 
wig Mag. f. d. «es. Tbierlieilk. XX. (1854) 367 et 372—375. — 
Küchenmeister: Parasiten I. 129. Tab. II. 10 (uterus). — Idem: in 
Molesch tt's Untersuchungen zur Naturlehre I. (1856)256 — 378. 
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLIX. Bd. I. Abth. 27 



390 niesing. 

Leuckart: Blasenbandw. 59 — 61 (T. marginata?). — Bautet', in 
Journ. des veter. du midi 1858. 604; extr. in Ann;»], des sc. nat. 4 ser. 
X. (1858) 223. — Weinland: in Trosch. Arch. 1859.1. 278. — 
Davaine: Tratte d. Entoz. XXXV. — Weinland', in Nov. Act. Nat. 
Cur. XXVIII. (1861) 18 (de ovulorum testa dura.) - Baillet: inAnnal. 
des sc. nat. 4 ser. XVI. (1861) 99 — Idem : in Mem. Soc. de Medic. 
Chir. et Pharmacie de Toulouse ; extr. in Compt. rend. LV. (1862) 630, 
643 et 646 cum observ. cl. Flourens. 

Taenia tenuicollis Günther (nee Rud.): Handb. d. mediz. Zool. Stuttgart 

1858. 218. 
Taenia serrata Siebold: Band- u. blasen w. 85. 

Statu larvae: Caput illi animalis perfecti conforme. Collum 
bieve filiforme; blastocystis antrorsum elongata transverse rugosa, 
postice ovalis amplissima. Longit. larvae .... blastocystis J / a — 2" 
longa, imo pedalis et ultra et tunc postice 4" et ultra lata. — Blasto- 
cystidis pars postica intus iuterdum gemmipara (Rudolphi). 

Cysticercus tenuicollis Dies.: Syst. Helm. 1. 488. — Bellingham: in Ann. 
nat. hist. XIV. 397. - Creplin: in Trosch. Arch. 1851. I. 278. — 
G. Wagener: in Miiller's Arch. 1851. 217 (de vascul. capillar). — 
Siebold: Band- u. Blasenw. 80—86 (experimenta de translatione 
Cysticerci tenuicollis in Canes). — Diesing: in Sitzb. d. k. Akad. 
XIII. 1854.600. - Haubner : in Gurlt et Hertwig Magaz. I. s. (de 
tempore evolut.). — Wagener: in Nov. Act. Nat. Cur. XXIV. Suppl. 
38 — 39 (de ligamento interno blastocystidis). — Küchenmeister: Para- 
siten I. 129 et 170. Tab. II. 6. — Idem: in Moleschott's Unters. I. s. c. 

— Leidy. in Proceed. Acad. Philad. VIII. (1856) 45. — Leuckart: 
Blasenbandw. 46 (de evolut. larvae c. fig.). — Wagener: in Natuurk. 
Verhandl. Haarlem XIII. 94. Tab. III. 8 et 12 (evolutio capitis) et 95. 
Tab. V. 2—4 (de fibris muscular. et de blastocystidis systemate va 
sorum). - Leisering: in Bericht über das Veterinärwesen im Königr. 
Sachsen 1857 — 58. 22 (de cysticercis juvenilibus). — Küchenmeister 
ibid. 338. — Fürstenberg: in Mittheilungen aus der thierärztl. Praxis 
in den preuss. Staaten. V. 193; Leuckart: in Trosch. Arch. 1859.11. 
172, 1860. II. 138. — Gervais et Beneden: Zool. med. II. 218 c. fig. 

— Davaine: Tr. d. Entoz. XXIII. — Leuckart: Bau- u. Entwicklungs- 
geschichte der Pentastomen 121 (nota de promotione embryonum 
Cysticerci tenuicollis circulationis ope). — Cobbold: in Proceed. 
Zool. Soc. London 1861. 121. — Baillet: in Annal. des sc. nat. 4 ser. 
XVI. (1861) 99. — Idem: in Mem. Soc. d. med. et in Compt. rend. 
LV. 1. s. c. — Leuckart: Menschl. Paras. I. 313 et 316—328 c. fig. 
et 750 (novum experimentum). 

Cysticercus Potamochoeri penicillati Cobbold: in Proceed. Zool. Soc. 
Lond. 1861.63, 93 et 121. Tab. XVII. 3—5 — teste Leuckart: 
Menschl. Parasit. I. 313 nota = Cystic. tenuicollis. 



Revision der Cephalocotylee». Abtheilung: Cyclocotyleen. »)iM 

Cysticercus tenuicollis Hominis. 
Platerus apud Bonet Sepulchret. 1679. Observ. Libr. III. 63>. — Koelpin: 
in Schrift, d. Berliner Gesellseh. naturf. Fr. I. 348— 355. — Bloch: 
ibid. 335—447. 
Taenia visceralis Treutier: Observ. pathol. anat. 14 — 16. Tab. III. 1 — 4. 
— Jördens: Helminthol. 56. Tab. V. 5— 11. — Gmelin: Syst. nat. 
3059. N. 5. 
Cysticercus visceralis Zeder. Naturg. 418. N. 11. 

Cysticercus visceralis Hominis Rudolphi: Entoz. bist. III. 233; ej. Synops. 
181. — Diesing: Syst. Helm. I. 492 (teste Küchenmeister = Cyst. 
tenuic. Hom.). 
Cysticercus Schleisner: Forsög til en Nosograpbie of Island Kjöbenhavn 
1849; extr.: inJanus Central Mag. f. Gesch. u. Lit. Gesch. der 
Medic. I. 300. — Siebold: Band- u. Blasenw. 1854. 112. 
Cysticercus tenuicollis Hominis Esch rieht : Undersögelder over den i 
Island endemiske Hydatidesygdon; in Danske vidensk. selsk. forhandl. 

1853. 211 Beneden: in Acad. ßelgique seance. 1 Juillet 1854. — 

Institut N. 1083 (1854) 347 (de litteris el. Eschrichtii). — Küchen- 
meister: Parasiten I. c. Tab. II. 7 — 9. (lc. Eschrichtii). — Leuckart: 
Menschl. Parasit. I. 326 et 751 (dubia contra praesentiam in 
Homine). 
Cysticercus Hominis dubius Diesing: in Sitzgb. XIII. (1854) 601. 
Habit :i cu I u m. Statu perf'ecto: Canis Lupus: Febniario 
(Comes de Borke), Januario, Berolini (Rudolphi), vario anni 
tempore (Bremser) — C. familiaris: (Siebold, Haubner, 
Küchenmeister, B a i 1 1 et, Leuckart), praeseitim in individuis 
cum Cyslicerco tenuicolli pastis: in ititestinis tenuibus. 

Statu larvae. Homo: in omento individuorum hydropicorum 
et chachecticorum (Plater); in visceribus abdominis, nee non in 
vesica urinaria (Koelpin); in visceribus (Treutier et Zeder) 
rarissime — in Islandia semel (Schleisner). — In Mammalium 
praeprimis herbivororum pleura, peritoneo, hepate et mesenterio: 
Simiae spec. incerta (Bloch). — S. Maimon : (R u d o I p h i et R u d. 
Leuckart). — S. Sabaea (Bremser). — S. Faunus (Die- 
sing). — S. Cynomolgus (Leuckart). — S. Inuus (Creplin). 
— Sciurus vulgaris (Klug). — S. einer eus M. C. V. — Cervus 
Elaphus M. C. V. — C. Capreolus (Zeder). — C. Tarandus 
(Stennon). — C. Axis (V iborg). — C. simplicicornis : in Bra- 
silia (Na tte rer). — Antilope Dorcas: (Tyson) Octobri (Die- 
sing). — A Saiga (Pallas). — A. Rupicapra (Bremser). — 

27' 



392 [) i e s i n g . 

A. Leucoryx, Jiinio(l>i esing). — A. Euchore, Aprili, Londini, spe- 
cimina duo (Cobbold). — Capra Musmon: (Gervais). — C. Am- 
man. — Capra Aries: (a plurib. rep.) in peritoneo in folliculo, in 
Hibernia (Bellingham), in mesenferio Philadelphiae (Leidy). — 
C. Hircus (a plur.) var. reversa: ad intestina (Creplin). — Bos 
Taurus dornest. : a plurib. rep. — SusScrofa dorn, et fera (a plurib.), 
in hepate, Philadelphiae (Leidy). — Potamochoerus penicillatus : 
in hepate et mesenterio, Londini (Cobbold). 

Transformatio embryonis in blastocystidem larvigeram intra 7 — 8 heb- 
domades; evolutio larvae in animal perfectum intra 10—12 hebdomades absol- 
vitur (Leuckart, Parasit. 322 et 326). 

Nota 1. Species haec, pridem cum Taenia s^rrata et T. Solium commn- 
tata, praecipue in canibus macellariorum et paätorum quaerenda erit. 

Nota 2. Blastocystides larvigerae longitudine pedis et ultra ex Site, Bove 
et Potamochaero cognitae. 

48. Taenia Coenuros KÜCHENMEISTER. 

Caput subtetragoiuim, prominentia antica uncinulorum 24 — 3'i, 
plenimqu«» 28 Corona duplici cincta. acetabnlis angularibus anticis- 
Collum depressiusculum Articuli anteriores brevissimi, versus 
medium quadrati , Ultimi multo longiores quam lati, margine arfi- 
culorum postico integerrimo. Aperturäe genitalium marginales vage 
alternae. Longit. auim. evoluti 1', latit. max. l 1 /*'"; hmgit. colli 
1-1 %'"; latit. capit. »/.'". 

Uteri rami laterales ad 25 et ultra, parum ramosi ramulis brevihus 
(Leuckart). — 

Specimina duo acetabulis capitis sex et corpore triquetro offendit 
(Küch en meist er). 

Taenia Coenurus Küchenmeister et Haubner: in Gurlt et Her twig 
Mag. f.d. ges. Thierheilk. 1854. II. 243—260. - Quatrefages : in 
Compt. rend. 1854. II. 47. — Roll: in Zeitscbr. d. Gesellsch. der 
Ärzte Wien 1854. 549 (experimenta cum ovulis Taeniae Coenurus). 
Diesing: in Sitzb. XIII. (1854) 611. — Küchenmeister : Parasiten 1. 21 — 
26 (de evolul.), 94 (de speciminibus duobus, acetabulis capitis sex et 
corpore triquetro). — Beneden: in Bullet. Acad. Belgique XXI. 
Nr. 5 et 7. — Idem: Mem. Vers intest. 146 — 148. —Leuckart: Bla- 
senbandw. 61 — 62. — Baillet: in Annal. des sc. nat. 4 ser. X. (1858) 
224 et XI. (1859) 303—315. — Gervais et Beneden: Zool. med. II. 
264—270. — Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. XXVIII. (1861) 18 
(de ovulorum testa dura). 



Revision der Cepbalocotyleen. Abtbeilung ; Cycloc-otyleen. OeM 

Taenia (Cystotaenia) Coenurus Leuckart: Menschl. Parasit. I. 224 et 314 — 

316 '), 744 (de forma uncinulorum in adultis). 
Taenia serrata Siebold: Band- u. Blasenw. 91—95 fig. 34 et 35. — 

Davaine: Tr. d. Entoz. XXXIV. 
Taenia Coenuri Cuniculi Baillet: in Mem. Acad. sc. Toulouse et in Annal. 

des sc. nal. 4 ser. X. (1858) 227—230. 

Statu larvae: Larvae numerosae ad paginam externam blasto- 
cystidis irregulariter dispositae, in blastocystidem relractiles. Caput 
earum illi animalis adulti conforme. Collum depressiusculum trans- 
verse rugosuni. Blastocystis subglobosa magnitudine gram* milii 
ad ovi gallinacei magnitiidinem et ultra, vasibus inter se anastomos- 
ai.tibus et poro excrctorio j>ostico instructa (Beneden). Longit. 
capitis cum collo »/ g '" — %'" crassit. i/ 4 "'. -— Multiplicatio blastocystidis 
per partitionem spontaneam ope stricturae, raro (Baillet). 

Coenurus cerebralis Rudolphi. — Dies. : Syst. Helm. I. 485. — Bel- 
lingham; in Ann. nat. hist. XIV. 401. — Blanchard: in Regne 
anim. nouv. edit. Zooph. Tab. XL. 4 et in Annal. des sc. nat. 3 ser. 
X. 361. — Siebold: in Zeitschr. f. wissenscli. Zool. II. 226. — 
Küchenmeister et Haubner : in Gurlt et Hertwig Magai. 
I. s. c. XX. (1854) 504 — 511 (de evolutione et de experimentis 
cl. viror. Esc bricht, van Beneden, Leuckart et Roll). 

— Haubner: ibid. 367 et 375 — 388. — Siebold: Band- u. Blasenw. 
1854. 89 et 103, fig. 29 (ovis) 30 (vitul.) 31, 32. — Van Beneden: 
in Bullet. Acad. Belgique XX. (1854) N. 5, 306et 7; Institut 1082. 336 
et 1083. 346. — Roll: in Zeitschr. d. Gesellsch. d. Ärzte Wien 1854, 
549 (experimenta cum translatione). — Quatrefages (Extr. de deux 
lettres de Van Beneden) in Compt. rend. XL. 1854. 46 (de 
evolut. et transform.). - Diesing: in Silzb. XIII. (1854) 600. - 
Haubner I. s. c. XXI. 1855. 114—118. — May: ibid. 319-322 (expe- 
rimenta de translatione). — Küchenmeister : Parasit. 1. s. c. — 
Roll: in Vierteljabrschr. f. wissenscli. Veterinärkunde Wien. VII. Bd. 
1. Heft (1856) (de origine Coenuri in cerebro). — Leidy : 
in Proceed. Acad. Pliilad. VIII. (1856) 46. — Leuckart: Blasen- 
baudw. 47 — 48 (de evolut. larvae) et 132 (de evolut.) cum fig. 

— Delafond : in Compt. rend. XLV. (1857) 452. — Davaine: in 



*) /Vdversaria de evolutione Taeniae Coenurus (T. serratae Pouchet et Davaine) 
Coenuro vide : 

Pouchet et Verriet- aine'; Experiences sur les migrationes des Eutozoaireg 
Compt. rend. LIV (1862) 938—963. 

Beneden: Sur la transformation des Enlozoaires ibid. 1157 — 1160. 

Davaine: Sur la question de la transformation du Coeinu e eu Taenia serrata ibid. 
LV. 1862. 209. 



394 Diesiup. 

Compt. rend.Soc. biol. IV. et ibid. 1857. 117. — Leuchart: in Trosch. 
Areh. 1854. 11.173 et 1861. II. 278. — Kreuder: in Zeitschr. f.d.land- 
wirthschaftl. Vereine des Grossherzogth. Hessen 1857. N. 35 (de 
evolut.). — Leuckart: in Trosch. Arch. 1858. II. 128. — Wagener: 
in Natuurk. Verhandl. Haarlem XIII. 94. Tab. III. 9 et 13 (evolut. 
lurvarum) 17 (separatio larvae a blastocystide). — Fürstenberg : in 
Mittheilungen aus d. thierärztl. Praxis in den preuss. Staaten V. 193; 
Leuckart: in Trosch. Arch. 1859. II. 172. — Eichler: Bericht über 
das Veterinärwesen im Königr. Sachsen 1858 — 1859. 47; Leuckart: in 
Trosch. Arch. 1860. II. 138. — Van Beneden Mein. I. s. c. — 
Bautet in Ann. des sc. nut. 4 ser. X. 1858. 264—270, XI. 1859. 303— 
314 (expeiimenta). — Gervais et Beneden I. s. c. 164 — 170, fig. 174 
—177. — Davaine: Tr. d. Entoz. XVII.— XIX. fig. 8—9. - Crisp : 
in Proceed. Zool. Soc. London. 1860. 18'. — Leuckart: Menschl. 
Parasit. I. 208. Fig. 48. 

Polycephalus cerebialis Numan: Over den Veelkop Blaasworm der 
Hersenen : in Verhandelingen der Eerste Klasse van liet koningliyk. 
Nederlandsche Instituut van Wetenschappen Amsterdam 3. Reihe 
3. Theil 225—301 c . tab. 9; Excerpt in Froriep's Tagesberichte 
II. 1852 (Ablh. Zoolog.) 74—77. Tab. II. 

Coenuius cerebralis? Leporis Cuniculi Baillet: in Mem. Acad. sc. Tou- 
louse et in Annal. des so. nat. 4 ser. X. (1858) 227—230 (et de parti- 
tione blastocystidis). 

Habitaculum. Statu perfecto : Canis familiaris: in intesti- 
nis (Haubner, Küchen meist er, Roll, Siebold, Baillet, 
Leuckart). 

Statu larvae: Capra Aries: in vertiginosarum cerebro — in 
Hibernia (Bellingham), Philadelphia? (Leidy), in cerebro et in 
spina dorsali (D e lafond), in tela cellulosa subcutanea (Eichler). 
■ — Capra Musmon (Gervais). — Antilopes spec. incerta (Ru- 
dolph i, Gurlt): in cerebro. — Bos Taurus dorn. (Gurlt) in 
vitulorum cerebro, in Germania meridionali satis frequens; in Germania 
septentrionali rarissime (S i e b o I d). — Cervas Capreolus (B a r t h e- 
lemi). — C. Tarandus (Retzius). — Camelus Dromedarius 
(Blain ville). — Equus Caballus (Gurlt): omnes in cerebro. — 
Lepus Cuniculus fcr. : in spina dorsali (Lebion d). — ■ L. Cuniculus 
dorn., in tumore colli ad parotidem (Prince). 

Transformatio embryonis in blastocystidem, larvas numerosas gerentem. 
intra 4 hebdomades (Beneden: in Bull. Acad. Belg. XXI. N. 7) ; evolutio larvae 
singulae in animal perfectum intra 3 — 7 hebdomades irbsolvitur (Siebold 
et Leuckart). 



Revision der Cephalocotylecn. Abtheilung: Cyelocolyleen. 395 

Species haec pridem cum Taenia serratacommutata. Larvarum Taeniae 
Coenuri proventus in cane oviario eo facilior explieandus, quum hi, aliis 
frequentius, capitibus ovium, mactatorum v. peritorum, Taeniae larvis haud 
raro infestatis vescuntur. 

49. Taenia Echinococcus SIEBOLD. 

Caput parvum subglobosum, prominentia antica rotundata, un- 
cinulorum brevium circa 28 — 50 Corona duplici cincta, acetabulis 
anticis in quadiangulum dispositis. Collum longiusciilum. Corpus 
triarticulatum, arliculo primo collo vix latiore subquadrato, secundo 
primo duplo latiore et quadtuplo longiore, ultimo maximo ovulis 
farcto. Aperturae genitalium marginales alternae. Longit. 1 l /%". 
Specimen unum acetabulis capitis sex instructum (Siebold). 

Taenia cucumerina juven. Rudolphi: Entoz. hist. I. 411 (solum de pullo 
Taeniae in Cane fricatore reperto). — Diesing: Syst. Helm. I. 532. 

Taenia serrata Roll, nee Goexe: in Verhandl. der phys. medic. Gesellsch. 
in Würzburg HI. (1852) 55 und in k. Gesellsch. d. Ärzte zu Wien 
1852 (de pull, cum fig. xylogr.). 

Taenia Echinococcus Siebold: in Zeitschr. f. wissensch. Zool. IV. 409. 
(experimenta cum translatione Echinococci) Tab. XVI. 1—8, 9 (caput 
abnorme acetabulis 6). — Giebel: in Zeitschr. f. d. ges. Naturwissen- 
schaften, Halle 1853. 452. — Siebold, Band- und Blasenw. 1854. 95— 
100. — Diesing: in Sitzb. der k. Akad. XIII. 1854. 608. — Haubner: 
in Gurlt u. Hertwig's Magaz. f. d. ges. Thierheilk. XXI. (1855) 
112. (de evolutione Taeniae ex Echinococco). — Küchenmeister: 
Parasit. I. 140 et 473. — Leuckart: Blasenbandw. 70—72 c. fig. — 
Beneden: in Bullet. Acad. Belgique XXIV. 1857. N. 4. et 2. ser. IL 
1857. 340; Instit. 1857. 287. — Gervais et Beneden: Zool. med. II. 
270 — 274 c. fig. — Beneden: Iconogr. Helminth. Tab. III. 11 — 
16. - Davaine: Tr. d. Entoz. XXXV — XXXVII. — Naunyn : in 
Reichert's Arch. 1863. 412— 416. Tab. X. (De Taenia, T. Echi- 
nococco simili in intestinis canis cum Echinococcis ex hepate Ho- 
minis pasti.) 

Taenia serrata Böllii Küchenmeister: Cestoden 54. 

Taenia Wagener: in Nov. Act. Nat. Cur. XXIV. Suppl. 37. 

Taenia nana Beneden, nee Bilharz et Sieb.: Mem. Vers Intest. 158 et 370. 
Tab. XXI. 15—20. 

Echinococcus Girafae Gervais et Beneden: Zool. Med. II. 276. 278. 

Echinococcifer Echinococcus Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. XXVIII. 
(1861) 19 (de ovulorum lesta dura). 



396 Diesing. 

Taenia (Echinococcifer) Echinococcus Leuckart: Menschl. Parasit. I. 
96, 224, 335, 336—342 c. fig., 744 (de forma uncinulorum in 
adultis). 

Statu larvae: Larvae numerosae ad paginam internam blasto- 
cystidis inegulariter dispositae. Caput earum Uli animalis perfecti 
conforme. Collum obovatum. Blast ocystis maxime variabilis, mox 
pisi, mox ovi gallinacei, imo pugni mole, nunc subrotunda, nunc in 
Processus irreguläres hinc inde producta. Larvae minimae, arenae 
granula mentientes. — Modus propagationis alius, haud raro occur- 
rens, Echinococco proprius, est per blastocystides secundarias seu 
paidocystides. 

Larvae duae concretae bis observatae (Naunyn 1. s. c. 626). 

Echinococcus polymorphus Diesing'. Syst. Helm. I. 482. — Idem: in 
Sitzb. d. k. Akad. XIII. 1854 600. 

Echinococcus Hominis Wilson: in Medico-chirurg. Transact. XXVIII. 21 
cum Tab. — Creplin: in Troschel's Arch. 1849. 1. 53 (de evolut.). — 
Sc/äeisner: Forsög til en Nosograpbie of Island. Kjöbenhavn 1849. 
(de epidemia hydatidum apud Islandos); extr. in Janus Central Mag. 
f. Gesch. u. Liter. Gesch. Medic. I. 300. — Guerault: Gazette des 
hopit. XXX. 184. — Dubini: Entozoogr. umana 214—223. Tab. XIV. 
— Gaillet: in Bullet. Soc. anatom. de Paris 1852. 519. — Virchow: 
in Verb. d. physik. medic. Gesellsch. Würzburg 1850 (de motu cilia- 
rum in pedicello, quo larvae blastocystidi adhaerent). - Idem ibid. VI. 
(de hydat. secund.). — Eschricht: Undersögelrler over den i Island 
endemiske Hydatidesygdan in Danske vidensk. selsk. forbandl. 1853. 
211. — Idem : in Öfvers. Kg. dansk. vid. selsk. forhandl. 1853. et 
1856. 127—131. — Versio Creplinii: in Zeitschr. f. d. ges. Naturw. 
Halle 1857. Sept. 231—235. — Küchenmeister: Cestoden 54. — 
Szyman: Dissertat. de cyst. Echinoc. Culmae 1853. — Beneden: 
in Acad. Belgique seance 1 Juillet 1851. Institut N. 1083 (1854) 347 
(de Iitteris cl. Eschricht). — Wagener; in Natuurk. Verhandl. 
Haarlem XIII. 94. Tab. III. 10 et 14 (evolutio larvae) 18 (supposita 
evolutio larvae ulterior). — hebert: Traite d'anatomie pathologique 
gener. 1857. I. 395 (de phaenomenis morb.). — Levison: Disquisit. 
nonnullae de Echinococci«. Dissert. inaug. Gryph. 1857; cf. Leuckart: 
in Trosch. Arch. 1858. II. 128. — Gervais et Beneden: Zool. medic. 
II. 270-278. — Beneden: tconogr. Helminth. Tab. III. 2—10. — 
Davaine : Traite des Entoz. XIII. — XVII. fig. 6. 7 (et de hydatid. secund.). 
— Legrand: in Compt. rend. L. (1860) 29 (tumores Echinococcuui 
includentes cauterisatione lineari remoti. — Lücke: in Viicbow's 
Arch. XIX. 1860. 277 (de natura chemica culiculae). — Frerichs: 
Klinik d. Leberkrankh. II. Braunschweig 1861 (cum literafura). — 



Revision der Ceplialooulyleen. Abtlieilung : Cyclocotyleen. o97 

Weinland : in Nov. Act. Nat. Cur. XXVIII. (1 861 ) 1 9 (de ovulorum testa 
dura et de diff'erentia inter Polycephalos). — Krabbe: in Ugeskrift for 
Laeger 1862. XXXVIF. (de identitate Echinoc. Hominis et veterin.). — 
Leuckart: in Nachricht, v. d. G. A. Univ. u. d. k. Ges. d. Wissensch. 
zu Göttingen 1862. 13 — 15 (de evolut.). — Idem: Menschl. Parasit. 
I. 208. 328—393 (de evolutione) c. fig. 754—756 (de epidemia ver- 
minosa apud Islandos) 748 et 756 (de occurentia Echinococcorum 
apud Buraetos, secundum observ. cl. Koschin). 

Echinococcus altricipariens (Hominis) Küchenmeister : Parasit. I. 133 — 
166. Tab. III. 18" — 19. Tab. IV. 10 a — • et 167 (acephalocystis) 
169—177 (de causa cpidemiae apud Islandos) 471 — 483. — Cobbold: 
in Proceed. Zool. Soc. London 1861. 120. 

Cysticercus vesicae Hominis (Creplin). — Üiesing : Syst. Helm. I. 492. 
— Küchenmeister : 1. c. 168. 

Echinococcus granulosus Rud. — Leidy: in Proceed. Acad. Philad. VIII. 
(1856) 45. 

Echinococcus veterinorum Blanchard: in Regn. anim. nouv. edit. Zooph. 
Tab. XLI. 4 et in Annal. des sc. nat. 3 ser. X. 357. — Huxley: in 
Proceed. Zool. Soc. London 1852. HO. Tab. XXVIII, XXIX et in Ann. 
nat. hist. 2. ser. XIV. 379—393 (de anat. et evolut.) Tab. XI. — 
Wagener: in Nov. Act. Nat. Cur. XXIV. Suppl. 34—38, 64—66 (de 
evolut.). Tab. III. 35, 36. Tab. IV. 37—48, Tab. V. 49—57. — Haub- 
ner: in Gurlt u.Her twig's Magaz. f. d. ges. Thierheilk. XXI. (1855) 
111 — 114 (experimenta cum Echinococco in Ovibus.} — Spencer 
Cobbold: inTransact.Linn. Soc. XXII. 366. - Naunyn: in Reichert's 
Arch. 1862. 612—638. Tab. XV. et XVI. — Leuckart: Menschl. 
Parasit. 1. c. 342—377 c. fig. et 751— 754. — (Observationes circa 
varias opiniones cl. Naunyn.) 

Echinococcus Arietis Blanchard : in Regn. Anim. nouv. edit. Zooph. Tab. 
XLI. 4 et in Annal. des sc. nat. 3. ser. X. 360 (de evolut.) — Siebold: 
in Zeitschr. f. wissensch. Zool. II. 229. 

Echinococcus scolecipariens (veterinorum) Küchenmeister: Parasit. 1. 
139 — 152 et 167. Tab. 111. 17 a — d . Tab. IV. 1-9. — Leuckart: 
Blasenbandw. 51—54. 144—148 (de evolutione larvae) c. fig. 

Habi taculum. Statu per fecto: Canis familiaris: in inte- 
stinis tenuibus copiose, Gryphiae (Rudolph i) (in C. fricatore); 
raro in Canibus circumvagantibus Vindobonae (Roll); in Saxonia, 
(H a u b n e r et Küchen m ei st e r); in Silesia (S i e b o I d) ; in Belgia 
(Beneden); in individuis cum Echinococcis veterinorum pastis 
(Siebold, Küchenmeister, Beneden, Naunyn et pl. alii); 
in Cane cum Echinococcis ex hepate Hominis pasto (Naunyn). 



398 



e s i 11 g. 



Statu lurvae: Homo: in visceribus variis, praesertim hepate, 
rarius in liene (Levison et nonnulli alii); erratice in cerebri ven- 
triculo (Rendtorff, Keber, Aron); inter retinam et choroi- 
deam (Gescheidt); inter folia aponeurotica musculi obliqui mi- 
noris, inter fibras hypertrophicas prope museulum trapezoideum, sub 
musculo temporali in folliculis (Legrand); inter musculos abdo- 
minis viri Anglici et in hepate viri Francogalli, infolliculo, Phila- 
delphiae, numquam in Anglo-Americano (Leidy); in lotio misso 
eas vidit ( Weiten k a in pf). Epidemice apud Islandos (Schleisner 
et Esch rieht). 

Simia Cynomolgus: inter viseera thoracis et abdominis 
(Blumen b ach et Gervais). — S. Inuus (Mus. Vind.). — 
S. Silenns (Gervais). — Capra Aries: inter viseera (Cat. Entoz. 
Vind ob., Blancha rd) in hepate et pulmonibus, Novembri, Decembri, 
Berolini (Wagen er). — C. Ammon: inter viseera (Cat. Entoz. 
Vind ob.). — (7. Hircus : in pulmonibus (Gurlt). — Antilope qua- 
dricornis: in pulmonibus, Londini (Cobbold). — Bos Taurus: 
in hepate et corde (Alessandr ini). — Camelus Bactrianus et 
C. Dromedarius : inter viseera (Bremser). — Camelopardalis 
Giraffa: in pulinonibiKs Berolini (G u r 1 1), in liene Parisiis (Gervais). 
— Sus scrofa dorn: inter viseera (Gurlt), in hepate Novembri et 
Decembri, Berolini, in individuis cum articulis Taeniae Echinococci 
pastis (Leuckart). — Equus Zebra: in hepate copiose, Novembri, 
Londini (Huxley). 

Tempus transformationis embryonis in blastocystidem, larvas numerosas 
foventem, hueusque ignotum; evolutio larvae fcingulae in aniinal perfectum 
nlra 7 — 8 hebtlomades absolvitur. {Leuckart: Blasenband w. 72. ) 

Nota 1. Blastocystidis speeimen insigne subglobo.sum diametri 4 pol- 
licum et aliquot linearum, ex cavo abdominis viri leetum, in collectione M.C.V. 
servatur. 

Nota 2. Experimenta, Ecbinococcum polymorpbum Hominis in Taeniam 
Echinococcum Canis transformandum , huc usque instituta, frustranea fuisse, 
constat. Nuperrime tarnen contigit cl. Naunyn, Berolini, observare Taeniam, 
T. Echinococco simillimam, in eane, cum Echinoeoccis Hominis pasto, corpore 
quadriaiticulalo gaudentem, articulo tertio pene cum burseola et apertura 
genitali feminea distineta praedito, articulo denique quarto organis geni- 
talibus perfecte evolutis et utero ovulis fareto instrueto. Lorgit. total. Tae- 
niae 1 -1%'". 



Revision der Gephalocofyleen. Abllieilimg: Cyelocotyleeu. 09*7 

50 (49). Taenia intermedia RUDOLPH!. — Dies. Syst. Helm. I. 
517 adde: 

Leuckart: Blasenbandw. 69 c. fig. — Weinland: I. s. c. 18 (de ovu- 
loruin testa dura). 

Taenia (Cystotaenia) intermedia Leuckart: Mensch). Parasit. I. 224. 
Habitaculum. Mustela Martes: in intestinis tenuibus. 

51 (18). Taenia tenuicollis RUDOLPH!. 

Diesing: Syst. Helm. I. 504. — Creplin: in Trosch. Arch. 1851. I. 
289 (de capite armato). — Diesing : in Sitzb. d. k. Akad. XIII. 1854. 
602. — Weinland: I. s. c. 18 (de ovulorum testa dura?). 

Taenia (Cystotaenia) tenuicollis Leuckart: Menschl. Parasit. I. 223. 

Statu larvae: Caput tetragonum armatum, acetabulis angula- 
ribus. Collum teres tenue. Blastocystis subglobosa collo longior. 
Longit. larvae cum blastocystide 1 — 3'", latit. 3 /V". — Blasto- 
cystidis pars postica pagina sua externa interdum gemmipara 
(Benz.). 

Cysticercus Talpae Rudolphi — Diesing: Syst. Helm. I. 493. — Küchen- 
meister: in Amtl. Ber. Versamml. Naturf. u. Ärzte. Wien 1856. 254. 
— Leuckart: in Trosch. Arch. 1859. II. (XXV) 173 (de capite 
armato). — Idem: Menschl. Parasit. 1.224. 

Cysticercus innominatus Hypudaei Leuckart: in Trosch. Arch. 1857. 
II. 208. 

Habitaculum. Statu perfecto : In Mustelarum intestinis. 

Statu larvae: In Talpae europeae hepate et subcute. — 
Ibidem. (Leuckart et Küchenmeister.) — Lemmus arualis: 
in hepate (Leuckart). 

52 (53*). Taenia conocephala DIESING. 

Taenia Foinae Blanchard: in Anna), des sc. nat. 3. ser. X. 343. Tab. XI. 5 
(cum anatom.). 

Taenia conocephala Diesing : in Sitzungsber. XIII. 1854. 604 (cum 
charact. spec). 

Habitaculum. Mustela Foina: in intestinis, Parisiis (Bl an- 
chard). 



400 D i e s i n g. 

53 (55). Taenla compacta RUUOLPHI. — Dies. Syst. Helm. I. 
520 i.dde: 

Creplin: in Troschel's Arch. 1849. I. 55 (de spec. dubiis). — 
Diesing: in Sitzb. XIII. 1854. 605. 

Habit aculum. Erinaceus europaeus: in intestinis. 

54. Taenia oncinata STIEDA. 

Caput prominentia antica brevi, uncinulorum 14 — 18 Co- 
rona simplici. Collum capite parum angustius. Corpus articulis 
longitudine et latitudine aequaliter increscentibus. Aperturae geni- 
talium marginales secundae in medio articuli. Longit. 5 — l x l%". 

Articulorum numerus circa 120. Uncinuli capitis valde curvati, apiculo 
gracili. 

Taenia uncinata Stieda: in Trosch. Arch. 1862.1. 205—208 et 209 (et de 
organ. genital, structura) Tab. VIII. 5 (articulus) 6 a (uncinuli). 

Habitaculum. Sorex araneus: in intestinis tenuibus fre- 
quentissime, Dorpati (Stieda). 

55. Taeoia fnrcata STIEüa. 

Caput a corpore collo discretuin globosurn, prominentia antica 
brevi, uncinuiorum 22 — 28 corona simplici. Articuli corporis tarn 
longitudine quam latitudine increscentes, uitimi iterum minores. 
Aperturae genitalium marginales secundae. Longit. 4—5". 

Articulorum numerus ultra 100. Uncinuli capitis hypomochliis longis gra- 
cillimis instructi. 

Taenia furcata Stieda I. s. c. 208 et 209. Tab. VIII. 6 b (uncinuli) 7 
(ovula). 

Habitaculum. Sorex araneus: in intestino tenui , rarissime 
Dorpati (Stieda). 

56 (30). Taenia nasata RUUOLPHI. — Dies. Syst. Helm. I. 508 
adde: 

Bellinghatn: in Ann. nat. hist. XIV. 319. — Creplin: in Trosch. Arch. 

1851. 1. 289 (de capite armato). — Diesing: in Sitzb. XIII. 1854. 6i>3. 

— Polonio: in Lotos 1860. 22. 
Hymenolepis (Lepidotrias) nasuta Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. 

XXVIII. (1861) 20 (de ovulorum testa triplici, extima molli.) 

Habitaculum. In Parorum intestinis. — Parus major: in 
mtestinis, Novembri, Patavii; specimina 8 (Polonio). 



Revision der Cephalocotyleen Ahfheilung: Cyclocotyleen. 401 

57. Taenia Bremser! ') BAIRD. 

Caput mediocre. uncinulorum ultra 20 Corona duplici. Collum 
brevissimum. Articuli numernsi, anteriores angusti fere oblong!, 
dein sensim campanulati, transverse et longituiinaliter rugosi, an- 
gulis posticis prominentibus acutis, margine poslico undulato vel 
laciniato. Apertur ae genitalium irregulariter alternae. Longit. ad 
7", Iatit. max. circa 2*/ 8 '". 

Taenia Bremseri Baird: Cat. Entoz. Brit. Mus. 73. Tab. II. 5. — Idem : in 
Proeeed. Zool. Soc. London 1853. 23 et in Ann. nat. hist. 2. ser. XV. 
(1855) 74. 

Ha bi t a c u 1 u m. Crocodilus palustris e Bengalia Brit. Mus. 

SUBGENUS II. RHYNCHOTAENIA. Os in apice myzorhynchi pro- 
tractilis inermis vel armati. 

a. Os in apice myzorhynchi inermis. — Avium, rarius Mammalium endoparasita. 
— Evolutio metagenetica ignota. 

58 (90). Taenia leptocephala CREPLIN. — Dies. Syst. Helm. I. 
533 adde: 

Creplin: in Trosch. Arch. 1849. I. 57. — Diesing : in Sitzb. d. k. Ak. 
XIII. 1854. 607. — Molin: ibid. XXXVIII. (1859) 12. 

Hahitaculum. Mus Musculus: in intestinis, Aprili, Gryphiae 
(Creplin), Patavii (Collect. Malacarne) (Mol in). 

59 (90*). Taenia imbricata DIESING. 

Taenia pusilla? BeUingham: in Ann. nat. hist. XIV. 320. 
Taenia imbricata Diesing: in Sitzb. d. k. Akad. XIII. 1854. 607 (cum 
charact. spec). 

Habitaculum. Mus Musculus: in intestinis tenuibus, in 
Hibernia (Bell inghain). 

60 (90**). Taenia brachydera DIESING. 

Taenia Muris decumani BeUingham: in Ann. nat. hist. XIV. 322. 
Taenia brachydera Diesing : in Sitzb. d. k. Akad. XIII. 1854. 607 (cum 
charact. spec). 



») De inconprua nomenclatura cum Hominuiu nomiuibu* propriis apud Eatozoa coufer 
S. Leuck a rt in Isis 1838. 353 in nota. 



402 Diesing. 

Habitaculum. Mus decumanus: in intestinis, tenuibus in 
Hibernia (Bellingham). 

61 (74). Taenia platycephala RUDOLPHI. — Dies. Syst. Helm. I. 
527 adde: 

Bellingham: in Ann. nat. hist. XIV. 320. — Creplin : in Trosch. Arch. 
1849. I. 65. — Diesing: in Sitzb. d. k. Ak. XIII. 1854. 606. 

Habitaculum. In Luscinidarum, Emberharum et Alandarum 
intestinis. — Sylvia fluviatilis (Schilling). — S. rubecula in 
Hibernia (Bellingham): in intestinis. 

62. Taenia constricta MOHN-. 

In Sitzb. d. k. Akad. XXX. (1858) 139. — Idem: in Denkschr. d. k. Akad. 
XIX. 254. Tab. VII. 3, 4. 

Habitaculum. Corvus Corni.v: in intestino tenui, Decembri, 
Patavii (Molin). 

63 (92). Taenia farciminalis BATSCH. — Dies. Syst. Helm. I. 534 
adde: 

Bellingham: in Ann. nat. hist. XIV. 320. — Diesing: in Sitzb. d. k. 
Ak. XIII. 1854. 608. — Spencer Cobbold: in Transact. Linn. Soc. 
XXIII, II. 356 et 358. Tab. XXXIII. 17 (embryo armatus). 

Habitaculum. St urnus vulgaris (Goeze et Braun) vaiio 
anni tempore (Bremser), in Hibernia (Bellingham), Londini 
(Cobbold): in intestinis. 

64. Taenia tetragona MOLIN: 

In Sitzb. d. k. Akad. XXX. (1858) 139. — Idem: in Denkschr. d. k. Akad. 
XIX. 254. Tab. VII. 5, 6, 7, 8. 

Habitaculum. Phasianus Gallus: in intestino tenui, De- 
cembri, Pütavii (Mol in). 

65. Taenia Cesticillus MOLIN: 

In Sitzb. d. k. Akad. XXX. 139. — Idem: in Denkschr. XIX. 252. Tab. 
VII. 10, 11. 

Habitaculum. Phasianus Gallus: in intestino tenui, De- 
cembri, Pat.vii (Mol in). 



Revision der Cephaloeotylee». ÄlttlieHiing : Oyclocotyleen. 40ö 

66 (64*). Taenia brachyrhyncha CREPLIN: 

In Abhandl. d. naturf. Gesellscli. Hnlle 1853. I. 64—67. — Dies.: in 
Sitzb. XIII. 1854. 605 (cum descript.). 

Ha h i t a cu I ii m. Dicholophus Marcgravi: in intestinis tenui- 
bus, Julio, copiose, Terra dos Campos in Brasilia (Burmeis ! er). 

67 (66). Taenia laevigata RUDOLPH!. — Dies. Syst. Helm. I. 
524 adde: 

Bellingham: in Annal. nat. hisf. XIV. 319. — Dies.: in Sitzber. XIII. 
1854. 606. 

Habitaculum. In Charadrioriim intestinis. — Charadrius 
Hiaticula: in Hibernia (B elli ngbam). 

68 (63). Taenia sphaerophora RUDOLPHI. — Dies. Syst Hein. I. 
523 adde: 

Bellingham: in Annal. nat. bist. XIV. 319. — Dies.: in Sitzber. XIII. 
1854. 605. — Spencer Cobbold: in Transact. Linn. Soe. XXII. (1859) 
164 (cum descript.) Tab. XXXIII. 63—67. 

Habitaculum. Numenins arquutas : Januario. Gryphiae 
(Kudolphi) vere (Bremser) in Hibernia (Bellingham), 
Januario copiose in Anglia (Cobbold): in intestinis. 

69 (75). Taenia aequabilis RUDOLPHI. — Dies. Syst. Helm I 
527 adde: 

Bellingham: I. s. c. 320. — Dies.: in Sifzb. XIII. 1854, 606. 

Habitaculum. In Cygnorum intestinis. — Anas Cygnus 
ferus. — A. Marita: in intestinis tenuibus, in Hibernia (Bel- 
li ngha m). 

70. Taenia conica MOLIN: 

In Sitzber. d. k. Akad. XXX. 139. — Idem: in Denkschr. XIX. 253. Tab. 
VII. 1, 2. 

Habitaculum. Anas Boschas: in intestinis, Decembri, 
Patavii (Mol in). 

71 (59*). Taenia transverse elliptica DIESING. 

Taenia Fuligulae ferinae Bellingham: in Ann. nat. hist. XIV. 323. — 
Dies-: in Sitzb. XIII. 1854. 605 (cum descript.). 

Habitaculum. Anas ferina: in intestinis tenuibus, Januarin, 
copiose in Hibernia (Bellingham). 



404 D i e s i n g. 

ß. Os in apice myzorhynchi armati. — Frequentissime Avium, raro Mammalium. 
rarissime Hominis endoparasita. — Evolutio metagenetica ignota. 

72 (95*) Taenia nana. BTLHARZ et SIEBOLD. 

Caput subglobosum, versus Collum sensim attenuatum aceta- 
bulis subglobosis. Myzorhynchus pyriformis, uncinulorum 22 — 24 
Corona simplici armatus. Collum longum angustum. Corpus filiforme 
depressum, articulis transversis brevissimis, ultimis quadruplo latio- 
ribus quam longis. Apertur ae genitalium femineae. . . Penes secundi. 
Longit. 6 — 10'", latit. circa y 4 '". 

Ovula globosa testa duplici firma instructa (Leuckart). 

Taenia nana Siebold: in Zeifschr. f. wissensch. Zool. IV. 64. Tab. V. 18. — 
Küchenmeister : Cestoden 1853, 85. — Diesing: in Sitzb. d. k. Ak. 
XIII. 1854. 608. — Küchenmeister: Parasit. I. 95. — Leuckart: 
Blasenbandw. 72. — Van Beneden: Iconogr. d. Helm. Tab. III. 17. 
— Davaine: Tr. d. Entoz. XXXII. 

Taenia (Hymenolepis) nana Leuckart: Menschl. Parasit. I. 393—397. 
fig. 112— 115 (fig. originariae). 

Habitacul um. Homo aegyptiftcus : semel in pueri intestino 
tenui copiosissime reperta, Kaliirae (Bilharz). 

73 (109). Taenia acuta RUDOLPH/. — Dies. Syst. Helm. I. 539 
adde: 

Creplin: in Trosch. Arch. 1851. I. 272. — Diesing: in Sitzungsb. XIII. 
1854. 609. 

Habitacul um. Vespertilio Noctula: aestate (Bremser). 
• — V. serotinus (Creplin): iu intestinis. 

74 (88). Taenia elliptlca BATSCH. — Dies. Syst. Helm. I. 532 
adde: 

Bellingham: in Anna], nat. liist. XIV. 320. — Creplin: in Trosch. 
Ann. 1851. I. 289 (de myzorhyncho armato). — Diesing: in Sitzb. 
XIII. 1854. 607. — Wagener: in Nov. Act. Nal. Cur XXIV. Suppl. 
46. Tab. III. 30, 31 (prohoseis uncinulorum corona qnadruplici) 
32, 33. — Leidy: in Proceed. Acad. Philad. VII. (1855) 443 et VIII. 
(1856) 46. — Gervais et Beneden: Zool. med. II. 280. — Datmine: 
Tr. d. Entoz. XXXIX. 

Taenia (Dipylidium) elliptica. — Leuckart: Menschl. Parasit. I. 400 — 406« 
c. fig. et 756. 



Revision der Cephaloeotyleen. Ahtheilung.- Cycloeotyleen. 405 

Habit acutum. Felis Catus doin.: in intestinis, in Pennsylvania 
frequens (Leidy). ■ — F. maniculata dorn.: in intestinis tenuibus, 
in Hibernia (Bellingham). 

De Taeniis, T. ellipticae similibus, e Hominibus expulsis cfr. Leuchart 
I. s. c. 402 et 756. 

75 (87). Taenia cacomerina BLOCH. — Dies. Syst. Helm. I. 531 
adde: 

Bellingham: in Annal. nat. hist. XIV. 319. — Creplin: in Trosch. 
Arch. 1831. 1. 289 (de myznrhyncho armato). — Soll: in Zeitschr. d. 
k. Gesellsch. d. Ärzte zuWien 1852. März. — Küchenmeister: Cesto- 
den 54. — Siebold: Band- u. Blasenw. 110 fig. 36. — Dlesing: in 
Sitzb. d. k. Ak. XIH. 1854. 607.— Wagener: in Nov. Act. Nat. Cur. 
XXIV. Suppl. 65. Tab. III. 34 (et de aperturis genitalibus). — 
Leidy: in Proceed. Acad. Pbilad. VII. (1855) 443 et VIII. (1856) 
46. — Molin: in Sitzb. d. k. Akad. XXX. (1858) 140 (charact. 
reform.) et XXXVIII. (1859) 14. - Idem: in Denkschr. d. k. Akad. 
XIX. 257. Tab. VII. 11, 12. — Spencer Cobbold: in Transact. Linn. 
Soc. XXII. 166. Tab. XXXIII. 75 78 (experimenta de transforma- 
tione). — Leuckart: in Trosch. Arch. 1860. II. 139 (dubia contra 
experim. cl. Cobbold prolata. — Küchenmeister: Parasit. I. 404. — 
Davaine: Tr. Entoz. XXXV. — Salzmann: in württemb. naturw. 
Jahresh. XVII. 1861, 102-105 et 105—107. 

Taenia (Dipylidium) cucumerina Leuckart: Menschl. Parasit. I. 224. 
Taenia canina Blanchard: in Annal. des sc. nat. 3. Ser. X. 339. Tab. XI. 

3, 4. Tab. XII. 7 (cum anatom.). — Beneden: in Mem. Vers intest. 

157—158. Tab. XXI. 1—14. 

Alysehninthus cucumerinus Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. XXVIII. 
(1861) 21 (de ovuloium testa simplici molli; ovula plura glomerulo 
niucilaginoso oviformi communi involuta). 

Habi tacul um. Canis familiaris: in intestinis tenuibus omni 
anni tempore vulgaris, in Hibernia (Bellingham),- in Canibus 
omnium varietatum frequens, in Pennsylvania (Leidy). 

Nota 1. Uncinulorum myzorbynchi, in quincuncem dispositorum, Corona 
duplex, triplex v. quadruplex. — Foecundatio per copulam articulorum duorum 
ejusdem individui. — De embryone monstroso adhuc ovulo incluso, permagno, 
uneinulis 12 instructo confer Salzmann 1. c. 105 — 107. 

Articuli maturi Taeniae, in excrementis infantis 16 mensium a cl. 
Salz mann Ksslingae repertae, ad Taeniam cucumerinam ab auctore referun- 
tur. Confer quoque de Taeniae parte, ex ano infantis 13 septimanarum piopen- 
dente, Schmidt apud Leuckart: Menschl. Parasit. I. 403. 

Nota 2. Teste cl. Spencer Cobbo ld status larvae hujus Taeniae est 
Cysticercus Leporis Cuniculi feri ex hepate; confer simul paginam 67. N. 22, 
Sitzb. d. inntliein. -naturw. Cl. XL IX. Bd. I. Abth. 28 



406 D,i e s i n « 

76. Taeiiia ovata MOLIN: 
In Sitzb. d. k. Ak. XXX. 140. — Idem : in Üenkschr. XIX. 255. 
Habitacu tum. Canis Vulpes: in intestino tenui, Decemhri, 
Patavii (Molin). 

77 (97). Taenia pistillum Dü.TARDIN. — Dies. Syst. Helm. I. 535 
adde: 

Hymenolepis (Lepidotrias) pistillum Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. 
XXVIII. 1861. 20 (de ovnlorum testa triplici, extima molli). 

Habitaculum. Sorex nraneus: in inteslinis, Bhedoni (Du- 
j a r d i n). 

78 (98). Taenia tiara DVJARDIN. — Dies. Syst. Helm. I. 535 

adde: 

Hymenolepis (Lepidotrias) tiara Weinland I. c. 20 (de ovulorum testa 
triplici, extima molli). 

Habitaculum. Sorex araneus: in intestini-, Khedoni (Du- 

j ardin). 

79 (99). Taenia scalaris D1ESING. — Syst. Helm. I. 536 adde: 
Hymenolepis (Lepidotrias) scalaris Weinland I. c. 20 (de ovulorum tesia 

triplici, extima molli). 

Habi taculum. Sorex araneus: in inteslinis , Rbedoni (l)u- 
jardin). 

80 (96). Taenia scutigera DVJARDIN. — Dies. Syst. II. Im. I. 535 

adde: 

Hymenolepis (Lepidotrias) scutigera Weinland: I. c. 20 (de ovulorum 
testa triplici, extima molli). 

Habitaculum. Sorex tetragonurus : in intes'inis, Rhedoni 
(Dujardi n). 

81 (73). Taenia bacillaris GOEZE. — Dies. Syst. Helm. 1. 526 
adde: 

Creplin: in Trosch. Arch. 1851. I. 289 (de myzorhyncho armato). — 

Dies.: in Sitzb. XIII. 1884, 606. 
Taenia bacillaris Goeze? Leidy: in Proceed. Acad. Philad. VII. (1855) 

443. et VIII. (1856) 46. 

Habitaculum. Talpa europaea Septembri (Goeze), Majo, 
Julio et Septembri, Grypbiae (Hudolphi) aestate. (Bremser): in 



Revision der Cephalocotyleen. Abtheilung; Oyclocotyleen. 407 

intestinis tonuibiis. — Scalops aquaticas: in intestinis fragmenta 
nonnulla: in America septentrionali (Baird). 

82 (101). Taenia microstoma DU.) ARDIN. — Dies. Syst. Helm. I. 
536 adde: 

Wagener: in Nov. Act, Nat. Cur. XXIV. Suppl. 31. et 64. 
Hyinenolopis (Lepidotrias) microstoma Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. 
XXVIII. (1861) 20 (de ovulorum testa triplici, extima molli). 

Statu larvae: Caput illi animalis perfecti conforme sed my- 
zorhynchi loco cupula terminalis inermis. Collum lineare, postice 
rotiindatuin, vesicula pulsatoria(?) et apertura terminali. — Caput 
in Collum non refractile. 

Taenia microstoma juvenis Wagener I. s. c. Tab. II. 22. 

Ha bitacu I um. Statu perf'ecto et simul larvae: Mus Mus- 
culus: in intestinis, solum status perfectus, Rhedoni (Duj ardin). 
— M. Musculus et 31. Rattus: in intestinis tenuibus, tarn statu per- 
fecto, quam larvae in omni evolutionis stadio, Octobri, Berolini 
(Wagen er). 

83 (100). Taenia muriiia DUJARDIN. — Dies. Syst. Helm. I. 536 
adde: 

Hymenolepis (Lepidotrias) murina Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. 
XXVIII (1861) 20 (de ovulorum testa triplici, extima molli). 

Habi t aculum. In Maris decumani, M. pumili et Myoxi 
Nitelae intestinis. 

84 (91). Taenia candelabraria GOEZE. — Dies. Syst. Helm. I. 533 
adde: 

Creplin: in Trosch. Arch. 1851. I. 289 (de proboscide armata). — 
Dies. : in Sitzb. XIII. 1854, 608. 

Habitaculum. In Strigum Europae et Brasiliae intestinis. 

85 (68). Taenia cyathilormis FRÖLICH. — Dies. Syst. Helm. I. 525 
adde : 

BeUingham: in Anna), nat. bist. XIV. 319. — Creplin: in Trosch. 
Arch. 1851, I. 289 (de proboscide armata). — Dies.: in Sitzb. XIII. 
1854, 606. - Molin: ibid. XXX. 140 (charact. einend.). — Idein: 
in Denkschr. XIX. 256. 

28* 



408 I) i e s i n g. 

Habitaculum. In Hirundinum et Cypselorum intestinis. — 
Cypsehis Apus : in Hibernia (Bei I in g harn). — Hirundo urbica 
Majo, Patavii (Mol in). 

86 (102). Taenia parpnrata DUJARDIN. — Dies. Syst. Helm. I. 
S37 adde: 

Hymenolepis (Dilepis) purpurata Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. XXVIII. 
21 (de ovulorum testa duplici, exteriore molli). 

Habitaculum. Sylvia cinerea: in inteslinis, Rhedoni (Du- 
jardin). 

87 (105). Taenia angulata RUDOLPHL — Dies. Syst. Helm. I. 538 
adde: 

Bellingham: in Ann. nat. hist. XIV. 320. — Dies.: in Sitzb. XIII. 1854, 
008. — Molin: ibid. XXX. 140 (charact. emend.). — Idem: in 
Denkschr. d. k. Ak. XIX. 256. Tab. VII. 9, 10. 

Hymenolepis (Dilepis) angulata Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur XXVIII. 
21 (de ovulorum testa duplici, exteriore molli). 

Habitaculum. In Turdorum intestinis. — Tardus Musicus. 
— T. Merula. — T. pilaris: in intestinis tenuibus. in Hibernia 
(Bellingham). — T. Merula: in intestinis, Februario, P..tavii 
(Molin). 

88 (1*4). Taenia Serpentulus SCHRANK. — Dies. Syst. Helm. I. 
545 adde : 

Hymenolepis (Lepidotrias) serpentulus Weinland: in Nov. Acl. Nat. Cur. 
XXVIII. 20 (de ovulorum testa triplici, extima molli). 

Habitaculum. In Corvorum et Orioli Galbulae intestinis. 

89 (125). Taenia stylosa RUDOLPH!. — Dies. Syst. Helm. I. 546 
adde: 

Bellingham: in Ann. nat. hist. XIV. 320. — Creplin: in Trosch. Aren. 
1851, I. 284. — Dies.: in Sitzb. XIII. 1854, 610. 

Habitaculum. Corvus glandarius Februario, Gryphiae ( H i I- 
denbran dt), Regiomontii (Siebold): in intestinis. — C. Pica 
in Hibernia (Bellingham). — C. Monedula Majo, Grypliiae 
(Creplin): in intestinis tenuibus. 



Revision der Cephalocotyleen. Abtueilung: Cyelocotyleen. 409 

90 (123). Taenia ondalata RUDOLPHI. — Dies. Syst. Helm. I. 
544 adde: 

Molin: in Sitrb. d. kais. Akad. XXX. 141 (charat. emend.). — Idem: in 

Denkschr. XIX. 259. Tab. VII. 13. 
Hymenolepis (Lepidotrias) undulata Wcinland: in Nov. Act. Nat. Cur. 

XXVIII. 20 (de ovulorum testa tripliei, exteriore molli). 

Habitaculum. In Corvorum intestinis. — C. frugileglis: in 
intestino tenui, Decernbri, Patavii (Mol in). 

91 (129). Taenia crateriforrais GOEZE. — Dies. Syst. Helm. I. 547 
adde: 

Molin: in Sitzb. XXX. 141. — Idem: in Denksehr. XIX. 259. 
Hymenolepis (Lepidotrias) craterifonnis Weinland: I.s. c. 20 (de ovulorum 
testa tripliei, extima molli). 

Habitaculum. In Picorum Europae et Brasiliae, in Upupae 
Epopis et Meropis Apiastri intestinis. — Picus viridis: in intestinis 
Decernbri, Patavii (Mol in). 

92 (121). Taenia infundibuliformis GOEZE. — Dies. Syst. Helm. 
I. 543 adde: 

Bellingham: in Ann. nat. hist. XIV. 319. — Dies.: in Sitzb. XIII. 1854, 
610. — Spencer Cobbold: in Transact. Linn. Soe. XXII. 365. Tab. 
LXIII. 25. — Idem: in Proceed. Zool. Soc. London 1861, 119. 

Taenia infundibuliformis? Spencer Cobbold 1. c. XXIII, I. 356. et 358. 
Tab. XXXIII. 

Habitaculum. In Phasianorum et Otidum intestinis. — 
Ph. Gallus. — Fringilla domestica (?) Anas Boschas fera et dorn. (?) 
in intestinis tenuibus, in Hibernia (Bellingham). — Phasiani spec. 
(Horned Pheasant) Januario. — Ph. Gallas: in intestinis, Londini 
(Cobbold). 

93 (135). Taenia multiformis CREPLIN. — Dies. Syst. Helm. I. 
549 adde : 

Creplin: in Troseh. Areh. 1851, I. 287 (de identitate cum T. Ungui- 
cula). — Dies.: in Sitzb. XIII. 1854, 610. - Molin: in Sitzb. d. k. 
Ak. XXXIII. 293. — Spencer Cobbold: in Proceed. Zool. Soc. London 
1861, 119. 

Habitaculum. In Ardearum et Ciconiae albae intestinis. — 
A. Nycticorax : in intestinis tenuibus, Januario, Londini (Cobbold) 
Aprili, Patavii (Mol in). 



410 U i e s i n g. 

94. Taenia campylancristrota WEDL: 

In Sitzb. d. k. Akad. XVIII. (1855) 12. Tab. II, 14. 

Habitaculum. Ardea cinerea: in duodeno; prope Roff ad 
Tibiscum, Augusto et Septembri (Wedl). 

95. Taenia brevirostris. 

Taen a cheilancristrota brevirostris Wedl: 1. c. 11. Tab. I. 12 — 13. 

Habitaculum. Ardea stellaris: in duodeno,- prope Roff, 
Augusto et Septembri (Wedl). 

96. Taenia cheilancristrota WEDL. 

Taenia cbeiiancristrota longirostris Wedl: I. c. 17. Tab. II. 27—30. 

Habitaculum. Ardea purpurea: in muco duodeni; prope 
Roff, Augusto et Septembri (Wedl). 

97. Taenia Papilla WEDL: 
L. c. 21. Tab. III. 37-39. 

Habitaculum. Ardea purpurea : in intestinis tenuibus; prope 
Roff, Augusto et Septembri (Wedl). 

98. Taenia macropeos WEDL: 
L. c. 22. Tab. III. 40—41. 

Habitaculum. Ardea Nycticorax : in duodeno; prope Roff, 
Augusto et Septembri (Wedl). 

99. Taenia Irceus WEDL: 
L. c. 13. Tab. II. 13—18. 

Habitaculum. Ibis Falcinellus: in duodeno; prope Roff, 
Augusto et Septembri (Wedl). 

100. Taenia filirostris WEDL: 
L. c. 15. T»b. II. 23—26. 

Habitaculum. Platalea leucorodia: in duodeno; prope Roff, 
Augusto et Septembri (Wedl). 

101. Taenia oinalancristrota WEDL: 
L. c. 8. Tab. I. 5—7. 

Habitaculum. Platalea leucorodia: in intestinis tenuibus; 
prope Roff, Augusto et Septembri (Wedl). 



Revision der Cephalocotyleen. Abtheilung: Cycloeotyleen. 411 

102 (84). Taenia paradoxa RUDOLPHI. — Dies. Syst. Helm. I- 

530 adde: 

Beneden: Mein. Vers intest. 159 — 160 (de pioboscide armata et de 
difterentia a T. variabili). — Spencer Cobbold: in Transact. Linn. 
Soe. XXII. 365. et 366. Tab. LXIII. 16—19. 

Habitacul um. In Scolopaeidum , Charadrii pluvialis et 
Gallinulae Crecis intestinis. — Haematopus Ostralegus : in Anglia 
(Cobbold). 

103 (67). Taenia amphitricha RUDOLPH!. — Dies. Syst. Helm. I. 
524 adde: 

Creplin: in Trosch. Arch. 1851, I. 67 (de proboseide armata). — Dies.: 
in Sitzb, XIII. 1854, 606. 

Habitacul um. Tringa variabilis: in intestinis, frequentis- 
sime autumno (Bremser). 

104 (83). Taenia Filum GOEZE. — Dies. Syst. Helm. I. 530 adde: 

Bellinghum: in Ann. nat. bist. XIV. 320. — Creplin: in Trosch. Arch. 

1849, I. 67. et 1851, I. 289 (de proboseide armata). — Diesing: 

in Sitzb. XIII. 1854, 607. 
Taenia Filum? Creplin: I. c. 1849, I. 67. 

Habitacul um. In Scolopacium , Limosarum et Totanorum, 
nee non in Strepsilae interpretis brasiliensis intestinis. — Tringa 
pugnax: in Hibernia (Belli ngham). — T. minuta. — Scolopax 
major (Schilling): in intestinis. 

105. Taenia Globnlns WEDL: 

In Sitzungsb. der kais. Akad. XVIII. 9. Tab. I. 89. 

Habitacul n in. Scolopax Gallinula: in intestinis tenuibus; 
prope Roh 1 ' ad Tibiscum, Augusto et Septembri (Wedl). 

106 (64). Taenia Yariabilis RUDOLPHI. — Dies. Syst. Helm. I. 
523 adde: 

Creplin: in Trosch. Arch. 1851, I. 289 (de proboseide armata). — 
Diesing: in Sitzb. XIII. 1854, 605. — Beneden: Mem. Vers intest. 
159 (de difterentia a T. paradoxa). — Spencer Cobbold: in Transact. 
Linn. Soc. XXII. 164. 

Taenia variabilis Rnd. ? Leidy: in Proceed. Aead. Philad. VII. (1855) 444 
et VIII. (1856)46. 



412 D i e s i n g. 

Habitaculum. In Vanellorum, Totanorum, Numenii sub- 
arquati, et Scolopacium intestinis. — Scolopax minor: in inte- 
stinis, fragmentum unum, in America septentrionali (ßaird) — To- 
tanus Calidris: in intestino tenui, Januario, in Anglia (Cobbold). 

107. Taenia pyriformis WEDL: 

In Sitzb. d. k. Akad. XVIII. 7. Tab. I. 4. 

Habitaculum. Gallinula Crex: in intestinis tenuibus; prope 
Roff ad Tibiscum, Augusto et Septembii (Wedl). 

108. Taenia Gallinulae VAN BENEDEN. 

Caput acetabulis. . . Myzorhynchus Corona duplici uncinulorum 
20 longitudine diversorum cinctus. Corpus articulis parum nume- 
rosis, subquadratis vel ovalihu.s facile deciduis. Aperturae genita- 
littm. . . Longit. 1—1 »/ a '". 

Ovula exigua. 
Taenia Gallinulae Beneden: Mem. Vers intest. 160. 

Habitaculum. Gallinula chloropus: in intestinis tenuibus, 
copiose (Beneden). 

109 (112). Taenia inflata RUDOLPH!. — Dies. Syst. Helm. I. 540 
adde: 

Bellingham: in Ann. nat. hist. XIV. 321. — Diesing : in Sitzb. XIII. 1854, 
609. — Wedl: ibid. XVIII. 20. Tab. III. 34—36. — Molin: ibid. 
XXX. 141. — Idem in Denkschr. XIX. 2S8. 

Habitaculo adde: Fulica atra: in intestinis tenuibus, Aprili, 
in Hibernia (Bei lingha in) Decembri, Patavii (Mol in) prope Roff 
ad Tibiscum, Augusto et Septembri (Wedl): in*intestinis. 

110. Taenia micrancristrota WEDL: 
In Sitzb. d. k. Akad. XVIII. 6. Tab. I. 1—3. 

Habitaculum. Cygnus atratus: in intestinis individui in 
tberiotrophio Scboenbrunnensi exstincti, Vindobonae (Pillwax). 

111 (59). Taenia lanceolata BLOCH. — Dies Syst. Helm. I. 521 
adde: 

Bellingham: 1. c. 319. — Creplin: inTrosch. Areh. 1851, I. 289 (de 

proboscide armata). — Diesing: in Sitzb. XIII. 1854, 605. 
Taenia lanceolata? Spencer Cobbold: in Transaet. Linn. Soc. XXII. 365. 
Tab. LXI1I. 20. — Idem in Procced. Zool. Soc. London 1861, 120. 



Revision der Cephaloeotyleen. Abtheilung: Cyclocotyleen. 413 

Hymenolepis('Dilepis) lanceolata Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. XXVIII. 
21. (de ovulorum testa duplici, exteriore molli). 

Ha bitacu lutn. In Anatum intestinis. — Anas ferina: in in- 
testinis tenuibus in Hibernia (Be Ilingli a in). — A. obscura: in 
intestinis, Londini (Cobbold). 

112 (60). Taenia Malleus GOEZE. — Dies. Syst. Helm. I. 522 
adde: 

Creplin: inTrosch. Arch. 1851, I. 289 (de proboscide armata). — Dies.: 
in Sitzb. XIII. 1854, 605. — Schlotthauber: in Amt!. Bericht der 
Göttinger Naturf. Versamml. 13 (deformitas in vario gradu in spe- 
ciebus pluribus Taeniarum, in T. trilineata, T. undulata et T. sphaeroce- 
phala observata). — Molin: in Sitzb. XXXIII. 293. — Idem inDenkschr. 
XIX. 254. 

Habitaculum. In Anatum Europae et Brasiliae, Mergorum, 
Pici medii et Phasiani Galli intestinis. — Phasianus Gallus: in 
intestinis, Julio, Patavii (Mol in). 

113 (116). Taenia sinnosa RUDOLPH1. — Dies. Syst. Helm. I. 542 
adde: 

Bellingham: in Ann. nat. hist. XIV. 321. — Diesing : in Sitzb. XIII. 
1854, 609. 

Hymenolepis (Lepidotrias) sinuosa Weinland: in Nov. Acl. Nat. Cur. 
XXVIII. 20. (de ovulorum testa triplici, extima molli). 

Habitaculum. In Anatum Europae et Brasiliae intestinis. — 
Anas Boschas dorn.: in intestinis, in Hibernia (Bellingham). 

114 (113). Taenia setigera FRÖLICH. — Dies. Syst. Helm. I. 540 
adde: 

Bellingham I. c. 321. — Diesing: in Sitzb. XIII. 1854, 609. 

Habitaculum. In Anatum intestinis. — Anas Anser. — 
Cygnus Ohr: in intestinis tenuibus, in Hibernia (Bellingham). 

115 (114). Taenia laevis BLOCH. — Dies. Syst. Helm. I. 541. adde: 
Bellingham I. c. 320. — Diesing: in Sitzb. XIII. 1854, 609. 

Taenia laevis? Spencer Cobbold: in Proceed. Zool.Soc. London 1861, 120. 

Habitaculum. In Anatum intestinis. — Anas ferina. — 
A. Marita. — A. Fuligula: in intestinis tenuibus, in Hibernia (Bel- 
lingham), — Anas obscura: in intestinis, Londini (Cobbold). 



414 Diesing. 

116 (115). Taenia gracilis RUÜ0LPH1. — Dies. Syst. Helm. I. 541 
adde: 

BeUingham.: in Ann. nat. bist. XIV. 320. — Roll: in Zeitschr. der k. 
Gesellsch. d. Ärzte zu Wien 1852. (März) (de pullis). — Diesing: 
in Sitzungsb. XIII. 1854, 609. 

Habitaculuni. In Anatum intestina. — Anas Boschas fera: 
in intestino crasso, in Hiberuia (BeUingham). 

117. Taenia Anatis Boschadis ferae PAGENSTECHER. 

Corpus pauce artieulatum, articülis 21, ab articulo 14. organis 
genitalibus plus minusve evolutis instructis. Caput acelabulis magnis 
praeditum. Myzorhynchus gracilis longus, uncinulorum 10 corouula 
simplici cinctus. Collum subnullum. Aperturae genitalium marginales 
secundae. Penes echinati. Longit. aliquot linearum. 

Taenia Anatis Boschadis ferae (T. microsoma Creplin?} Pagenstecher : 
in Zeitschr, f. wissensch. Zool. IX. 523—528. Tab. XXI. 1—6. 

Habi tacul urn. Anas Boschas fera : in intestinis, hieme, spe- 
cimina plura, Heidelbergae (Pa gens t echer). 

Organa genitalia mascula, femineis longe praecocius explicata, citius 
quoque disparent, ac periodo quo haec nondum sunt penitus evoluta. Eva- 
nescunt pariter Organa genitalia feminea in articulo corporis ultimo, ovulis 
farcto. Hoc, adhuc intra animalis, Taeniae habitaculuni praebentis, tractum 
cibariuin rupto, ovula albuminis ope in filuin, taeniaeforme concatenafa, in quo 
evolutio embryonum primum inennium, demüm unclnulis 6 arniatorum procedit. 
— Foecundalio probabiliter fit per copulam in singulo articulo. 

118 (80). Taenia capillaris RUDOLPHI. — Dies. Syst. Helm. I. 
529 adde: 

Creplin: in Trosch. Arch. 1851, I. 289 (de proboscide armata). — 
Diesing: in Sitzb. XIII. 1854, 606. 

H a b i t a c u I u m. In Podicipedum intestinis. 

119 (111). Taenia multistrlata RUDOLPH!. — Dies. Syst. Helm. I. 
540 adde: 

Wedl: in Sitzb. d. k. Akad. XVIII. 10. Tab. I. 10—11. 

Habitaculuni. In Podicipedis minoris et Mergi Mergau- 
seris intestinis. — Podiceps nigricollis: in intestinis; pföpe ftöli 
ad ribiscum, Augusto et Septembri (Wedl). 



Revision der Cephaloootyleen. Abtheilung: Cyelocotyleen. 415 

120. Taenia aspera MEHLIS. 

Taenia lanceolata Rudolphi nee Goeze: Synops. 488 — 489 (soluni Podi- 
cipedis suberistati). 

Taenia aspera Mehlis: in Isis 1831, 196 (in nota). — Creplin: in Trosch. 
Arch. 1846. I. 139. et 1851. I. 288. — Diesing : in Sitzungsb. XIII. 
1854, 609. 

H abitaculum. Podiceps subscristatus: in iutestinis, Aprili, 
Berolini (Rudolphi), Klausthaliae (Mehlis). 

121. Taenia acanthorhyncha WEDL: 

In Sitzb. d. k. Ak. XVIII. 14. Tab. II. 19-22. 

H a b i t a c u I u m. Podiceps nigricollis : in intestinis tenuibus ; 
piope RoflF ad Tibiscum, Augusto et Septembri (Wedl). 

122 (108). Taenia macrorhyncha RUDOLPHI. — Dies. Syst. Helm. I. 
539 adde: 

Wedl 1. c. 18. Tab. III. 31—33. 

Habitaculum. Podiceps minor: in intestinis, Octobri, Gry- 
phiae (Rudolphi), in intestinis tenuibus; prope Roff, ad Tibiscum, 
Augusto et Septembri (Wedl). 

123 (137). Taenia Scolopendra DIESING: Syst. Helm. I. 550 
adde: 

Idem : in Denkschr. d. k. Akad. XII. 35. Tab. VI. 22-27. 

Habitaculum. Podiceps dominicensis : in intestinis , Sep- 
tembri et Octobri, in Brasilia (Natterer). 

124 (126). Taenia porosa RUDOLPHI. — Dies. Syst. Helm. I. 546 
adde: 

Bellingham: in Ann. nat. hist. XIV. 322 (in copula). — Dies.: in Sitzb. 
XIII. 1854, 610. - Beneden: Mem. Vers intest. 161. 

Hymenolepis (Dilepis) porosa Weinland: in Nov. Act. Nat. Cur. XXVIII. 
21 (de ovulorum testa duplici, exteriore molli). 

Habitaculum. In Larorum intestinis. — Larus argentatus: 
in intestinis tenuibus, in Hibernia (Bellingham). — L. tridactylus 
Februariü, in Belgia (Beneden). 



416 Dies in-. 

Speeiebus inquirpndis, in Systemate llelminthum et in Sitzungsb. XIII. 
enumeratis, adde: 

1. Taenia flavopunctata WEINLAND. 

Caput Articuli brevissimi retrorsum increscentes. Aper- 

turae genitalium marginales secnndae. Fragmenta acephala 2—4, 
pollicaria; latit. i/ 6 — 1"'. 

Testieuius flavus in articulo singulo transparens. Penis longissimus fili- 
formis (receptaculum seminis Leuckart). Ovula matura numerosa accumu- 
lata, grisea magna globosa, testa triplici (dupliei Leuckart). 

Taenia flavo-punctata Weinland: Essay on tapeworms of Man 49. et in Med. 
Correspondenzbl. des Würtemb. ärztl. Vereins 1859, XXIX. N. 31. — 
Idem: in Trosch. Arch.1859, 1. 279. — Leuckart: in Trosch. Arch. 
1859, II. 178. et 1860, II. 140. 

Hymenolepis (Lepidotrias) flavopunctata Weinland: in Not. Act. Nat. 

Cur. XXV11J. 8 — 12. Tab. IV. (de ovulorum testa triplici, extima 

molli). 
Taenia (Hymenolepis) flavopunctata Leuckart: Menscbl. Parasit. I. 397 — 

400. c. fig. 

Habitaculum. Homo: ex infaute 19 mensum expulsa; Mas- 
sachusetts (Palm er). 

2. Taenia megaloon WEINLAND: 

In Zoolog. Garten Frankf. II Jahrg. 1861, 118 — 120. c. fig. xylogr. 
ovul. 

Habitaculum. Homo: iu intestinis, fragmentum acephalum, 
Francoforti ad Moenum (Ripps). 

3. Taenia Strigis Acadicae LEIDY. 

Caput et collum . . . Corpus subcylindricnm compressum, arti- 
culis anterioribus augustis conicis, posterioribus moniliformibus. 
Longit. fragmentorum l^a", latit. antr. l / s '", retrors. i/,"\ 

Taenia Slrigis Acadicae Leid;/: in Procced. Acad. Pliilad. VII. (1855) 
444. et VIII. (1856) 46. 

Habitaculum. Strix (Nyctale) acadica: in intestina tenui, 
fragmenta acephala duo, in America septentrionali (Baird). 

4 (160). Taenia Fringillarum RUDOLPHI. - Dies. Syst. Helm. I 
5JJ4 adde: 

Siebold: in V. Carus Icones Zootom. Tab. VII. 18, 19 (de ovulo et de 
embryone). 



Revision der Cephalocotyleeu. Abtlieilung: Cyclocotyleen. 4r 1 T 

5. Taenia Amadioae SPENCER COBBOLD. 

Cestoideum (Taenia) Amadinae Spencer Cobbold: Proceed. Zool. Soc. 
London i86i. 120. — Idem in Transact. Linn. Soc. XXIII. II. 357. 

Habitaculum. Fringilla (Amadina) cucullata : ex Africa 
occidentali, fragmenta acephala, in intestinis, Londini (Spencer 
Cobbold). 

6. Taenia imbutiformis POLONIO. 

Caput minimum, acetabulis circularibus anticis. Collum nulluni. 
Corpus retrorsum incrassatum, articulis supremis linearibus, poste- 
rioribus campanulato-imbutiformibus, ultimis campannlatis. Aper- 
turae genitalium laterales ellipticae. Longit. vix 4'". 

Taenia imbutiformis Polonio: in Lotos 1860, 22. 

Habitaculum. Anas Anser fer. in intestinis, Octobri et No- 
veinbri, Patavii (Polonio). 

Species, praesentia vel nbsentia myzorhynchi dubia, quoad situm aper- 
turarum genitalium memorabilis, speciebus inquirendis adnumeranda. 

7. Taenia Zederi BAIRD. 

Caput . . . Articuli mediocres campanulati, marginibus posticis 
incrassatis crenatis, supremi breves, demum longiores, angustiores. 
Aperturae genitalium irregulariter alternantes. Latit. fragment. ad 
2'"; longit 

Taenia Zederi Baird: Catal. Entoz. Brit. Mus. 85. — Idem: in Proceed. 
Zool. Soc. London 1853, 24= Tab. XXXI. 2 - et: in Ann. nat. hist. 
2. ser. XV. 7. (1855) 75. 

Habitaculum. Aptenodytis spec. maris antarctici: in ven- 
triculo. Mus. Brit. 

8. Taenia Goezii BAIRD. 

Caput . . . Articuli brevissiini numerosissimi, marginibus posti- 
cis integris. Aperturae genitalium oppositae, versus angulum sitae. 
Penes inflexi. Latit. 6'", longit. artic. circa i /z". 

Taenia Goezii Baird: Cat. Entoz. Brit. Mus. 75. — Idem: in Proceed. Zool. 
Soc. London I. c. 24 et: in Ann. nat. hist. 1. c. 75. 

Habitaculum iguotum. 



418 ß i e s i n g. 

9. Taenia falclformls BAIRD. 

Caput conicum, proboscide inermi(?), acetabulis magnis ovali- 
bus. Collum nullmn. Corpus falciforme, articulis numerosis angustis, 
supremis angustissimis sublinearibus, subsequentibus sensim latiori- 
bus. Aperturae genitalium. . . Longit. 2 1 / 4 ", Iatit. ad 1 ". 

Taenia falciformis Baird: Cat. Entoz. Brit. Mus. 116. — Idem: inProceed. 
1. c. 24. Tab. XXXI. 3. et in Ann. nat. hist. 1. c. 76. 

Habitaculum ignotum; in expeditione ad Euphratem lecta 
(Mus. Brit). 

Taeniae solummodo statu larvae metageneticae cognitae : 
I. Blastoeystis, extus gemmipara, superficie sua larvam unam vel numerosas 
produoit. — Caput inerme vel armatum. 

«.Blastoeystis larvam solummodo unam producens. —Caput larvae inerme 
vel armatum. 

* Caput inerme. 

1. Caput subtetragqnum inerme, acetabulis quatuor angularibus. 
Collum brevissimum, antrorsum attenuatum, transverse rugosum, cum 
capite in blastocystidem retractile. Blastoeystis depressa elongata 
collo 2 — 3 plo latior transverse irregulariter crispato-limbata, trans- 
paren s. Longit. larvae cum blastocystide 3"' — 1", Iatit. blastocy- 
stidis 2 — 3 '/ 3 '"- — Blastocystidis pars postica pagina sua externa 
'nterdum gemmipara (Rudolphi). 

Piestocystis crispa Diesing: Syst. Helm. I. 494. et in Sitzungsb. XIII. 
1854, 602. 

Cysticercus crispus Rud. — Siebold: inZeitschr. f. wissensch. Zool. 11.223. 

Habitaculum. In Lemuris Mongoz et Simiae Sabaeae cavo 
pectoris et abdominis. 

2. Caput subtetragonum inerme, acetabulis quatuor lateralibus 
oppositis. Collum brevissimum cum capite in blastocystidem retrac- 
tile. Blastoeystis depressa elongata subaequalis, transverse rugosa, 
marginibus crenata, transparens. Longit. larvae cum blastocystide 2"', 
Iatit. blastocystidis */ 8 "'. 

Piestocystis rugosa Dies.: Syst. Helm. I. 494. 

Habitaculum. In Lemmi arvalis cavo thoracis et abdominis 
libere. 



Revision der CephaloeolyU." n. ththeilnng: Cyclocotyleen. 41 H 

3. Caput iaerme, acetabulis quatuor distinetis. Collum. . . . 
B/astocystis globosa, magnitudine pisi. 

Cysticercus Fritsch: in Weinland: Zool. Garten 1863, 64. 
H ab ita c ul u in. Camelopardalis Giraffa : in pulmunibus et in 
hepate, numerose, Januario, Pragae (Fritscii). 

4. Caput inerme, enpula terminali exigua, acetabulis quatuor 
circularibus protraetilibus. Collum brevissiraum , crassum cylindri- 
cum. Blastocystis subovata. Longit. ad iy a '"; latit. blastoeyst. 
ad 2"'. 

Cysticercus Delphini Rudolph). — Dies.: Syst. Helm. I. 493. 

H a b i t a c u 1 » m. h\ Delphini Delphidis adipe. 

5. Caput subtetragonum inerme, acetabulis quatuor lateral ibus 
oppositis. Collum brevissiinum cum capite in blastocystidem relrac- 
tile. Blastocyshs depressa lanceolata. postice rotundata v. utrinque 
attenuata, transverse rugosa, transpareus, apice interdum bifida. 
Longit. 2 — 4"', latit. blastoeyst. 1— i */»'". 

Piestocystis variabilis Diesing: Syst. Helm. I. 495. 

Habitacu lum. In Penticis sa.vatilis cavo abdoininis et ad 
Corvi frugilegi pulmones, in follieulo. 

6. Caput sphaericum. prominentia cylindi ica inermi retractili, 
acetabulis quatuor. Collum brevissimum transverse rugosum. Bla- 
stocystis subglobosa diaphana, diametro suo capitis et colli longitu- 
dinem duplo superans. Longit.. . . 

Cysticercus Cobitidis barbatulae Bellingham: in Ann. nat. hist. XIV. 398. 
Cysticercus? Cobitidis Bellingham. — Dies. : Syst. Helm. I. 493. 

Ha 1) i t a c ii I u in. Ad Cobitidis barbatulae hepar et inte- 
stina, in folliculis breve pedicellatis magnitudinis grani sinapis 
(Bei lingham). 

** Caput armatum. 

7. Cysticercus turbinatus KOEBERLE: 

In Instit. 1859, 194. — Idem : des Cysticerques des Taenias cbez l'homme 
Paris 1861. — Leuckart: in Trosch. Arch. 1861. XXVI. II. 139. — 
Idem : Menschl. Parasit. I. 250. et 746. 

Habitaculum. Homo: in cerebro, Parisiis (Koeberle). 



420 D i e s i n g. 

8. Cysticercus melanocephalas KOEBERLE: 
In Instit. 1. c. — Idem: des Cysticerques I. c. — Leuckart I. c. 

Habitaculum. Homo: in cerebro, Parisiis (Koeberle). 

9. Caput tetragonum , prominentia antica, uncinulorum Corona 
triplici cincta, singula uncinulis 14 composita. Collum antrorsum 
irregulariter rugosum, retrorsum multo latius, regulariter transverse 
rugosum ante blastocystidem angustatnm. Longit. sine blastocystide 
5'"; blastocystidis 

Cysticercus cellulosae Mus. patholog. Boston, (species 5 a 6). 

Cysticercus acanthotrias Weinland: Tapeworms of Man 64 — 67. — Idem: 
inProceed. Bost. Soc.VI.i857. 300. -Idem: in Trosch. Arch. 1859, 
I. 279. — Idem: in Correspondzbl. des württemb. ärztl. Vereins XXIX. 
N. 31. — Leuckart: in Trosch. Arch. 1859, II. 18. — Weinland: 
in Nov; Act. Nat. Cur. XXVIII. (1861) 5—7. Tab. I — III. 

Acanthotrias n. gen. Weinland ibid. 18. 

Taenia (Cysticercus) acanthotrias Leuckart: Menschl Parasit. I. 310 
— 312. 

Habitaculum. Homo: inter fibras musculares, sub cute, nee 
non speeimen ad superficiem durae matris cerebri feniinae 50 an- 
noruin originis europaeae phthisi mortuae, cystidibus inclusa indi- 
vidua 12 — 15, Richmond in Virginia (Wyman). 

10. Caput subglobosum, uncinulorum Corona duplici, acetabulis 
circularibus. Collum rugosum , capife parum longius. Blastocystis 
oblonga maxima. Longit. 2 — 4", diam. blastocyst. 6 — 10'". 

Cysticercus sphaeroeephalus Rudolphi. — Dies.: Syst. Helm. I. 492. 
Habitaculum. In Lemuris Mongoz peritoneo. 

11. Caput tetragonum, prominentia brevi rotundata, uncinulo- 
rum Corona duplici, singula uncinulis 19 — 20 composita, acetabulis 
circularibus prominentibus. Collum depressum. Blastocystis an- 
trorsum teretiuscula, transverse rugosa, postice cordiformis. stylo 
brevi cum parte anteriore juneta. Longit. larvae cum blastocystide 
5—7"'. 

Cysticercus cordatus Tschudi. — Diesing: Syst. Helm. I. 490. 

Habitaculum. In Mustelae Putorii hepate et omento. 



Revision der Cephalocotjleeii. Alitlieilting : Cyclocotyleeii. -iwl 

12. Caput subtetragonum, prominentia brevi truncata, uncinu- 
lorum 30 — 36 Corona dupliei, acetabulis lateralibus oppositis. Collum 
subnullum. Blastocystis antrorsum elongata- depressa, rugosa, re- 
trorsum teretiuscula, parte anteriore vix latior, postice acuniinata. 
Longit. capit. »/,"', blastocyst. 4i/ 2 — 8'". 

Cysticercus elongatus Leuckart — Diesing : Syst. Helm. I. 490 et in Sitzb. 
XIII. 1854, 601 (ubi synonymia in mentem cl. Creplin emendata est). 
— Leidy : in Proceed. Acad. Philad. VIII. (1856) 45. 

Habita cul um. In Leporis Cuniculi peritoneo, mesenterio 
et omento et ad uterum Leporis timidi. — L. Cuniculus: in peri- 
toneo, in folliculo, Philadelphiae (Leidy). 

13. Cysticercus macrocystis DIESING. 

Caput subglobosum, prominentia antica subcylindrica brevi 
uneinulorum coronula dupliei cineta, acetabulis binis oppositis. 
Collum longissimum subaequale transverse rugosum. Blastocystis 
longissima utriculiformis , antrorsum depressiuscula, postice utpluri- 
rnum elliptica. Longit. capitis cum prominentia in adultis 2 / 3 '", colli 
8"', blastocyst. ad 3"; latit. colli 2 / 3 '"; diameter maximus blasto- 
cystidis 2 — 3'". 

Cysticercus macrocystis Diesing: Syst. Helm. I. 491. 

Habitaculum. In Leporis brasiliensis visceribus. 

In speeiminibus crebro lectis caput cum coilo in blastocystidem retrac- 
tum, in uno solummodo protractum; in individuis junioribus blastocystis non 
raro subglobosa. 

14. Caput subtetragonum, prominentia uneinulorum corona 
dupliei (?) cineta, acetabulis angularibus. Collum cornueopiaeforme, 
transverse rugosum. Blastocystis transverse rugosa, constrieta parte 
anteriore clavata, retrorsum attenuata, posteriore amplissima globosa. 
Longit. blastocystidis 7", partis anterioris fere 3*4", part. posterioris 
lere 3 1 /»"; crassit. partis ant. max. 1". 

Blastocystidis pars anterior et posterior liquore pallide flavo repletae, 
pars intermedia solida. 

Cysticercus Phacochoeri aethiopici Spencer Cobbold: in Proceed. Zool. 
Soc. London 1861, 92. et 121. Tab. XVII. 1, 2. 

Habitaculum. Phacochoerus aethiopicus: in abdomine prope 
intestinum coecum, in folliculo, Decembri, Londini (Cobbold). 

Specimen unicum lectum, capite calcificato. — Fortasse nil aliud quam 
larva Taeniae marginatae, a forma normali blastocystidis strictura recedens. 
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLIX. Bd. I. Abth. 29 



422 D i e s i n g. 

15. Caput exiguum tetragonum antice obtusum, uncinulorum 
Corona duplici, acetabulis angularibus anticis. Collum breve, terelius- 
culum, retrorsum iiicrescens, rugosum. Blastocystis teres, autrorsum 
aequalis, retrorsum parum iiicrescens, apice postico rotundata. Longit. 
colli fere 6", blastocystidis 4 — S"; diameter capitis »/ B "'j blastocy- 
stidis postice 3 — 4"'. 

Cysticercus fistularis Rudolphi — Diesing : Syst. Helm. I. 491. 

H a b i t a c u 1 u m. In Equi Caballi peritoneo. 

16. Caput tetragonum, prominentia elongata uncinulorum Co- 
rona simplici armata, acetabulis quatuor. Collum longissimum. Bla- 
stocystis subovalis, teretiuscula vel depressiuscula, postice in globu- 
lum parvum tumens. 

Cysticercus? Sepiolae Delle Chiaje — Dies. Syst. Helm. I. 620. 
Pseudoscicus longicollis Polonio: in Lotos 1860, 21. 

Habitaculum. Sepiola Roudeletii: ad branchias, Neapoli 
(Delle Chiaje). 

Larvae hujus sectionis insufficienter cognitae sunt: 

17. Caput globosuim, pileo galeatum. Collum breve. Blasto- 
cystis antrorsum transverse rugosa subaequalis, retrorsum pyri- 
formis. Longit. ad 8'" (scd. icon.). 

Cysticercus pileatus Bojanus — Dies. Syst. Helm. I. 493. 

Habitaculum. Sub cute Simiae lnui. 

18. Cysticercus Miniopteri KOLENATh 
Parasiten der Chiropteren. Wien 1857. 

Habitaculum. Miniopteri spec. (K o 1 e n a t i). 

19. Caput relractum. Blastocystis depressa lanceolata. retror- 
sum attenuata. Longit. 4 — 6'", latit. 1 1 / 3 '". 

Piestocystis Martis Diesing: Syst. Helm. 1. 496. 

Habitaculum. In Mustelae Martis cavo tboracis et abdominis. 

20. Caput retractum. Blastocystis depressa elongata sub- 
aequalis. Longit. 3—8", latit. 1'". 

Piestocystis Taxi Diesing : Syst. Helm. 1. 495. 

Habitaculu m. In Melis Taxi cavo tboracis. 



Revision der Cephalocotyleen. Abtheilung: Cyclocotyleen. 423 

21. Caput retr actum. Blastocystis depressa oblooga, trans- 
verse rugosa. Longit. 1 — 3''', latit. '/ 3 — l / a '". 
Piestocystis Leporis Diesing: Syst. Helm. I. 495. 

Habitacul um. In Leporis variabilis et L. timidi meseiiterio. 

22. Cysticercus cucouicrinus SPENCER COBBOLD: 
In Transact. Linn. Soc. XXII. 166. 

Habitacul um. Lepus Cuniculus ferus: in hepate, in folliculis 
globosis, 1"' diametri. 

Statu perfecto Taenia cueumerina, teste cl. Spencer Cobbold. 

23. Cysticercus dubius OTTO. 

Creplin: in Trosch. Arch. 1849. I. 58 (solum nomen). — Dies.: in Sitzb. 
XIII. 1854, 601. 

Habita c ulum. Pedetes caffer (capensis). . . (Otto). 

24. Cysticercus Physeteris DEDELL BENNETT: 
In Proceed. Zool. Soc. London. 1837, 39. April. 

Cysticercus Balaenae Mysticeti (erronee) Dies. Syst. Helm. I. 493. 

H a b i t a c u 1 u m. Physeter macroeephalus (D e b e 1 1 B o n n e 1 1) , 

ß. Blastocystis larvas numerosas producens. — Caput larvae armatum. 

25. Caput prominentia brevi, uncinulis 32 in coronain duplicem 
dispositis armata, acetabulis quatuor circularibus. Collum capite 
longius. Blastocystis illorum in cavo tlioracis lectorum saltem irre- 
gulariter multiloba. Longit. . . 

Coenurus Spencer Cobbold: in Transact. Linn. Soc. XXII. 365. Tab. LXIH 

12—15. 
Coenurus Lemuris Spencer Cobbold: in Proceed. Zool. Soc. London. 

1861, 120. 

Habitacul um. Lemur Muco: in individui, solummodo 4 
inenses in Europa viventis, hepate et cavo thoracis, ad pleuram, 
blastocystidis lobis passim stylis brevibus pleurae adnatis, copiose, 
Januario, Londini (Cobbold). 

26. Caput tetragonum, prominentia uncinulorum coronula sim- 
plici cineta, acetabulis quatuor angularibus circularibus. Collum 
longitudine fere capitis, retrorsum attenuatum. Blastocystis sub- 

29* 



424 Diesing. 

globosa depresshiscula. Longit. capitis cum collo ad i / 5 '" ; diam. 
blastocyst. 2'/ 3 — 3"'. 

Coenurus Diesing: Syst. Helm. I. 485 (nota). 

Habitaculum. Spalax capetisis: ... ad Port Natal lectus 
(Gueinzius). 

Specimina duo benevole communicavit cl. Popp ig. 

II. Blastocystis, intus gemmipara, ad paginam suam internam larvas numerosas 
producens. — Caput larvae armatum. 

27. Echinococcus (Acephalocystis) Macaci SPENCER COBBOLI). 
Longit. 3", crassit. 1'". 

Acephalocystis Macaci? Spencer Cubbold: in Proceed. Zool. Soc. London. 
1861, 119. 

Habitaculum. Macaci? spec. : in cavo thoracis parte sinistra 
specimen unum, in liquore seroso tluctuans (Cobbold). 

28. Echinococcus Pardi HUXLEY: 

In Proceed. Zool. Soc. London. 1852, 114. 

Habitaculum. Felis Pardus (H y d e S a 1 1 e r ?). 

29. Echinococcus Gallopavonis SIEB LI). — Dies. Syst. Helm. I. 484. 
H a b i t a c u 1 u m. In Meleagridis Gallopavonis pulmonibus. 

30. Echinococcus? Meleagridis ocellatae CRISP: 
In Proceed. Zool. Soc. London. 1860, 192. 

Habitaculum. Meleagris ocellata: in specimine senili, in 
(heiiotrophio Londinensi exstincto (Crisp.). 

31. Echinococcus! Gourae coronatae CRISP: 
Ibid. 192. 

Habitaculum. Goura coronata: in hepate speciminis, in 
theriotrophio Londinensi exstincti (Crisp.). 

XXXIII. SCIADOCEPHALUS DIESING. 

Corpus depressum taeniaeforme articulatum. Collum nulluni. 
Caput horizoutaliter dilatatum discitbrme, corpore latius, acetabulis 
«juatuor disci centro immersis, in quadraugulum dispositis. Os in 



Revision der Cephalocotyleen. Ablheilung: Cyclocofyleen. 425 

fundo cupulae inter acetabula prominulae. Apertur ae genitalium 
marginales alternae. — In intestinis Piscium fluyiatilium Americae 
tropicae. - — Evolutio ignota. 

1. Sciadocephalus megalodiscus DIESING: Syst. Helm. I. 559 

adde: 

Idem: in Sitzb. d. k. Ak. XIII. 1854, 612. — Idem: in Denkschr. d. k. Ak. 
IX. 178. et 184. Tab. III. 14—19. 

Habitaculum. Cichla Monoculus: in intestinis, Julio et Oc- 
tobri, in Brasilia (Natter er). 

XXXIV. EPHEDROCEPHALUS DIESING. 

Corpus depressum, taeniaeforme, articulatum. Collum crassum 
cuneiforme, breve, deplanato-dilatatum, dendritice rugosum, mar- 
ginibus reflexis callosis, quadrisinuatum (sellam simulans). Caput 
tetragonum pyramidale, parvum, acetabulis quatuor angularibus, cir- 
cularibus. Os terminale. Aperturae genitalium femineae laterales in 
linea longitudinali mediana. Penes filiformes marginales alterni. — 
In intestinis Piscium fluviatilium Americae tropicae. Evolutio ignota. 

1. Ephedrocephalns microcephalus DIESING: Syst. Helm. I. 559 
adde: 

Idem: in Sitzb. XIII. 18S4, 612 et: in Denkschr. d. k. Ak. IX. 168. et 184. 
Tab. III. 1—7. 

Habitaculum. Phractocephalus hemiliopterus: in intestinis, 
Junio et Augusto, in Brasilia (Natter er). 

XXXV. AMPHOTEROMORPHUS DIESING. 

Corpus depressum, taeniaeforme, articulatum. Collum breve 
crassum subquadratum, bothriis s. foveis auxiliaribus quatuor termi- 
nalibus ovalibus immersis, crüciatim dispositis, margine elevato 
cinctis, cum angulis colli externis convergentibus, extus longitudina- 
liter plicatum, limbo crenulato inflexo. Caput centrale inter foveas 
collocatum. tetragonum, pyramidale, parvum, acetabulis quatuor an- 
gularibus, basilaribus, pyriformibus, singulo tertiam foveae partem 
explcnte. Os terminale. Aperturae genitalium femineae . . . Penes 
marginales e basi incrassata filiformes, vaginati. — In intestinis 
Piscium fluviatilium Americae tropicae. — Evolutio ignota. 



426 Diesing. 

1. Amphoteromorplius Penicalns DIESING: Syst. Helm. I. 560 

adde: 

Idem: in Sitzb. XIII. 1854, 612. et in Denkschr. d. k. Ak. IX. 179. et 185. 
Tab. IV. 8-17. 

Habitaculum. Bagrus Goliath: in inteslinis, Januario, in 
Brasilia (Natterer). 

Familia XII. Oetocotylea. Dies. Character generis 
uiiici simul farniliae. 

XXXVI. PELTIDOCOTYLE DIESING. 

Corpus depressum taeniaeforme, articulatum. Collum nulluni. 
Caput globoso-inflatum, longitudine gyrose rugosum, scutellis qua- 
tuor ellipficis terminalibus, cruciatim capiti adnatis, singulis aeeta- 
bula duo cireularia immersa postposita gerentibus. Os terminale. 
Aperturae genitalium. ... — In intestinis Piscium fliiviatilium Ame- 
ricae tropicae. — Evolutio ignota. 

I. Pcltidocotyle rugosa DIESING: Syst. Helm. I. 560 adde: 
Idem: in Sitzb. XIII. 1854, 612. et in Denkschr. d. k. Ak. IX. 179. et 185. 
Tab. IV. 18—26. 

Habitaculum. Platystoma tigrinwn : in intestinis, Deeembri, 
in Brasilia (Natter er). 

TBIBUS II. CYCLOCOTYLEA PROCTUCHA. 

Acetabula quatuor in capitis latere infero sita. Tractus cibarius 
simplex. binc ore, illinc ano terminatus. Sexus discretus. 

Familia XIII. Hypoeot^lea. Forma typica hujus 
sectionis bucusque ignota. 

Hujus loci fortasse vermis a. cl. Flllppi in Sternae Hirundinis cavi 
thoracis sacculo acreo repertus ac nomine Pentastomi Sternae insuffi- 
cienter descriptus. — Confer etiam Sitzb. d. k. Akad. d. Wissenscli. XIII. 
1854, 568. et XLVIII. 1863, 339. 



Revision der Cephalocotyleen. Abtheilung: Cyclocotyleen. 427 

De Cephalocotyleis, quoad genus et subordinem penitus dubiis., 
confer exclusis excludendis: 

Trachelocampylus F r e d a u 1 1. 

Cephalocotyleum Delphini Delphidis Rud. 

C. Colymbi septentrionalis Rud. 

C. Cypseli affinis Sundevall. 

C. Torpedinis Rud. 

C. Rajarum Aquilae et Pastinacae Rud. 

C. Squali Squatinae Rud. 

C. Squali Musteli Rud. 

C. Squali Rud. 

C. Muraenae Congri Rudolplii (Anthocephalus Anguillae. Rel- 

lingham: in Ann. nat. bist. XIV. 400). 
C. Pleuronectis Soleae Rud. 
C. Triglae N. 19. Rud. 
C. Esocis Lucii Rud. 

Syst. Helm. I. 617—620. 



428 Di e s i n g- 



Index geiiermn et speeiernm, adjeetis simul nomiiiilms 

larvarnm. 

Acanthotrias: 362 et 420. 

Acephalocystis : Mncaci 424. 

Alyselminthus Zeder: cucumerinus 405. 

Amphoteromorplms Diesing: Peniculus 426. 

Anoplocephala : Blanchard: pectinata 372, perf'oliata 373. 

Anthocephalus: Anguillae 427. 

Bothriocephalus : tropicus 367. 

Cephalocotyleum : Colymbi septentrionalis 427, Cypseli affinis 427, 
Delphini Delphidis 427, Esocis Lucii 427, Muraenae Congri 
427, Pleuronectis Soleae 427, Rajae Aquilae 427, Rajac 
Pastinacae 427, Squali 427, Squali Musteli 437, Squali 
Sqnatinae 427, Torpedinis 427, Trigla N. 19,427. 

Cestoideum : Amadinae 417. 

Coenurus: 362, cerebrales 362, Lemuris 432, Spalacis 424. 

Cysticercus: 362, acanthotrias 420, Balaenae Mysticeti 423, 
Camelopardalis 419, cellulosae 381, Cobitidis 419, Cobitidis 
barbatulae 419, cordatus 420, cispus 418, cucnmerinas 423, 
Delphini 419, dubius 423, elongatus 421, fasciolaris 384. 
fistularis 422, Hominis dubius 386, innominatus 399, /ow- 
gicollis 391, macrocystis 421 , melanocephalus 420, Minio- 
pteri 422, Phacochoeri aethiopici 421, Physeteris 423, pilea- 
tns 422, pisiformis 388, Potamochoeri penicillati 390, Sepio- 
lae 422, sphaerocephalus 420, Talpae 399, Taeniae medio- 
canellatae 362 et 368, tenuicollis 390, turbinatus 419, »<?st- 
c«e Hominis 397, viscerales 391. 

Echinococcif'er Wein I and: echinococcus 395. 

Echinococcus: 362, altricipariens 397, Arietis 397. Galloporonis 
422, Girafae 395, Gourae coronatae 422, granulosus 397, 
Hominis 396, Macaci 424, Meleagridis ocellatae 424, Pardi 
424, polymorphns 396, scoleciparicns 397, veterinorum 425, 



Revision der Cephalocotyleen. Abtheilung': Cyclocotyleen. 420 

Ephedrocephalus Diesing: microcepbalus 428. 

Hymenolepis W e i n 1 a n d : angulata 408, crateriformis 409, flavo- 
punctata 416, lanceolata 413, microstoma 407 , murina 407 ', 
«<m«404, w«swta400, pistillum 406 , porosa 415, purpu- 
rata 408, scalaris 406, scutigera 406, Serpentulus 408, 
sinuosa 413, £/«ra 406, undulata 409. 

Peltidocotyle Diesing: rugosa 426. 

Pentastomum: Sternae 426. 

Piestocystis : 362, crispa 418, LeporisföZ, Martis 372, rugosa 
418, Tte" 122, variabilis 419. 

Polycephalus : cerebralis 394. 

Protocephalus W e i n 1 a n d : ambiguus 377, dispar 376, filicollis&ll. 

Pseudoscicus : longicollis 422. 

Sciadocephalus Diesing: megalodiscus 425. 

Taenia Linne: abietina 360, acanthorhyncha 415, acanthotrias 
420, acuta 404. aequabilis 403. Amadinae 417, ambigiia 377, 
ammonitiformis 385, amphitrieha 811 , Anatis Boschadis ferae 
414, angulata 408, angustata 371, aspera 415, astephana 389. 
bacillaris 406, bracbydera 401, brachyrbyncha 403, Bremsen 
401, brevirostris 410, calva 375, campylancristrota 410, can- 
delabraria 407, canina 405, Cantaniana 374, capillaris 414, 
Cesticillus 402, cheilancristrota 410, cheilancristrota breviro- 
stris 410. cheilancristrota longirostris 410, Coenuri Cuni- 
cali 393. Coenurus 392, compacta 400. conica 403, cono- 
cephala 399, constricta 402, cor data 388, crassiceps 386. 
crassicollis 383, crateriformis 409, cucumerina 405, cucume- 
rina juv. 395, cyathiformis 407, decrescens 372. dentata 366, 
dispar 376, Echinococcus 395, £ Cysticerco tenuicolli 389, 
elliptica 404, expansa 373, faleiformis 4l8 , farciminalis 402, 
filicollis 377. filirostris 410, Filum 411, flavopunctata 416, 
fimbriata 373, Foinae 399, Fringillarum 416, Fuligulae ferinae 
403, furcata 400, Gallinulae 412, gibbosa 378, gigantea 379, 
globiceps 372, globifera 373, Globulins 411. Goezii417, gra- 
cilis 414, bemispbaerica 378. Immana inermis 367, imbri- 
cata 401, imbutiformis 417, inflata 412, infundihuliformis 409, 
intermedia 399. lactea 375, laevigata 403. laevis 413, lan- 
ceolata 412, lanceolata 419 , lata 367, laticepbala 372, lati- 
collis 386, leptocepbala 401, litterata 370, longicollis 378, 



430 Diesing. Revision der Cephalocotyleen. Abtheilun» : Cyclocotyleen. 

macrocephala 378, macropeos 410, macrophalla 377, macro- 
rhyncha415, Malleus 413, margaritifera 373, marginata 389. 
mediocanellata 366, megaloon 416, megalops 375, megastoma 
370, melanocephala 370, micrancristrota 412, microps 374, 
microsoma? 414, microstoma 407, monostephana 389, multi- 
formis 409. multistriata414. murina 407, Maris decumani 401, 
nana 395, nana 404, nasuta 400, ocellata 376, oligarthra 370, 
omalancristrota 410, omphalodes 371, osculata 379, ovata 406, 
Papilla 410, paradoxa 411, pectinata 372, perfüliata 373, 
perlata 373, pestifera 374. pisiformis 388, pistillum 406, 
platycephala 402. polyacantha 386, porosa 415, porulosa 377, 
proglottina 378, pulchella 376, purpurata 408, pusilla 371, 
pusilla? 401, pyriformis 412, rotundata 375, scalaris 406. 
Scolopendra 415, scutigera 406, semiteres 385, Serpentulus 

408, serrata 387, serrata 390, 393 et 395, serrata Rbllii 395. 
setigera 413, sinuosa 413, solium 366. Solium 380, sphaero- 
phora 403, Strigis Acadieae 416, stylosa 408, sulciceps 272, 
tenella 369, tenuicollis 390, tenuicollis 399, tetragona 402, 
tetragonocephala373, tiara 406, torulosa 377, transverse ellip- 
tica 403. tumens 374, umbonata 371, uncinata 400, undulata 

409, Urceus 410, variabilis 411, visceralis 3§l, Zederi 417. 
Taeniarhynchus W e i n 1 a n d : mediocanellatus 368. 

Taeniola: Felis concoloris 370. 
Track elocampyhis : 427 . 



Rosow Experimente über die Durchschneidung des Sehnerven. 4«i 1 



Experimente über die Durchschneidung des Seimerven. 
Von Dr. Basilius Rosow aus St. Petersburg. 

In den vorliegenden Zeilen erlaube ich mir vorläufige Mitthei- 
lungen über die Durchschneidung des Sehnerven an Kaninchen zu 
geben, eine Arbeit, welche ich in dein histologischen Laboratorium 
des Herrn Professors Wedl ausgeführt habe. 

Die biebei gepflogene Operationsmethode war folgende: Unge- 
fähr '/ 2 Linie vom oberen Piande der Hornhaut machte ich einen dem 
Rande derselben parallel laufenden, 3 — 5 Linien langen Einschnitt 
in die Conjunctiva. Vermöge des Gräfe'schen stumpfen Hakens, 
der bei der Operation des Strabismus gebraucht wird , fasste ich 
den Musculus rectus superior und mittelst einer krummen Schere 
durchschnitt ich dessen Sehne in einer geringen Entfernung von 
der Insertionsstelle derselben an der Sclera. Das zurückgebliebene 
Insertionsende der Sehne wurde mit einer schliessenden Fixirpin- 
cette gefasst und dann das Auge etwas nach vorne und unten ge- 
rollt, während der obere Wundrand nach oben gezogen wurde. 
Sodann führte ich in die Wunde zwei Gräfe'sche Haken ein, 
vermöge welcher ich die Bündel des Retractor bidbi abtrennte und 
den Sehnerven ganz isolirt auf den Haken zu bekommen suchte. 
Nachdem ich sicher war, den Opticus allein gefasst zu haben, durch- 
schnitt ich ihn mittelst einer krummen Schere. 

In meinen ersten Experimenten war die Durchschneidung des 
Opticus immer von einer abundanten Blutung begleitet, die sich 
aber schon nach einigen Secunden stillte. Bei den letzten Experi- 
menten aber, als ich schon eine gewisse technische Gewandtheit 
erlangt hatte, verlor ich kaum einige Bluttropfen; der Durch- 
schneidung des Nerven selbst folgte keine visible Blutung. 

Einige Minuten nach der Operation bot das operirte Auge 
folgende Erscheinungen dar: Die Pupille war in der Mehrzahl der 
Fälle sehr verengt und oft von unregelmässig runder Form, nur in 
sehr wenigen Fällen blieben Grösse und Form unverändert. Die 



432 Rosow 

ophthalmoskopische Untersuchung zeigte in einigen Fällen die 
Papilla nervi optici nur etwas blasser als die normale, in anderen 
bemerkte man in ihrer Mitte einen dunkelbraunen runden oder ova- 
len Fleck, dessen Grösse ungefähr die Hälfte des Durchmessers 
der Papilla betrug, und der in jenen Fällen zum Vorschein kam, wo 
die Durchschneidung des Sehnerven knapp an dem Eintritte in die 
Sclera geschah; die Retinalgefässe waren einmal insgesammt sehr 
eng, ein anderes Mal waren blos die Arterien verengert, und in 
manchen Fällen zeigten weder die Arterien noch die Venen irgend 
eine Abweichung von ihrem normalen Kaliber. Die Gefäss- und 
Regenbogenhaut erwiesen sich fast stets blutarm. 

24 Stunden nach der Operation zerfallen die Erscheinungen 
in zwei Gruppen : 

A. In einigen Fällen entwickelte sich eine Panophthalmitis, die 
sich durch starkes Ödem der Lider, Röthung und Schwellung der 
Conjunctiva und eine charakteristische diffuse bläulichgraue Trübung 
der Cornea kennzeichnete. Diese Trübung war überall so intensiv, 
dass man weder die Pupille noch die Regenbogenhaut zu sehen ver- 
mochte; nur durch den oberen Theil der Cornea konnte man, wie- 
wohl nicht ganz deutlich, den peripheren Rand der Iris durchblicken. 
Der intraoculäre Druck war unbedeutend vermindert. 

48 Stunden nach der Operation blieb die Trübung der Cornea 
fast in statu quo, die Verminderung des intraoculären Druckes nahm 
bedeutend zu. Die Epitlielialschichte der Cornea behielt in allen 
diesen Fällen ihre normalen Eigenschaften. In der Conjunctival- 
Wunde trat oberflächliche Eiterung ein. 

Ein Kaninchen wurde drei Tage nach der Operation getödtet, 
das zweite nach fünf und das dritte nach 52 Tagen; letzteres mit 
den Erscheinungen einer sehr intensiven Atrophie des Auges. Die 
exstirpinen Augen wurden in die Müller'sche Conservationsflüssig- 
keit gelegt und nach einiger Zeit untersucht. Die merkwürdigen 
pathologischen Veränderungen , die ich constatiren kann , sind 
folgende : 

1. Sehr starke Verdickung der Hornhaut, die in den ersten 
zwei Fällen 5 Millim. betrug, wobei die vordere Krümmung der 
Cornea keine bedeutende Veränderung darbot, die hintere Fläche 
dagegen eine Convexität nach hinten zeigte, die so enorm war, 
dass sie nicht nur die ganze vordere Kammer ausfüllte, sondern 



Experimente über die Durclisclineidung des Sehnerven. 433 

auch die Ebene der Regenbogenhaut und selbst die Linse etwas 
nach hinten drängte. Im dritten Falle (atrophischer Bulbus) war 
die Membrana Descemeti mit der vordem Fläche der Iris dicht ver- 
wachsen. 

2. In den zwei letzten Fällen beobachtete ich vollkommene 
Absorption des Glaskörpers, so dass die hintere Linsenkapsel an 
die innere Fläche der Retina grenzte. 

B. Die zweite Gruppe bilden jene Fälle, wo die Durchschnei- 
dung des Sehnerven keine destruirende Entzündungsreaction hervor- 
rief; es waren sieben Fälle. Die in denselben nach 24 Stunden 
beobachteten Erscheinungen gaben folgendes Bild: Leichtes Ödem 
des oberen Lides, die Pupille bedeutend weiter als am nicht ope- 
rirten Auge (was besonders bei weissen Kaninchen bemerkbar ist), 
undeutliche Contouren der zuweilen gerötheten Papilla, die Retinal- 
gefässe im Allgemeinen entweder normal oder die Venen erweitert. 
In jenen Fällen (2), wo sich an der Papilla ein dunkelbrauner 
Fleck zeigte, blieb derselbe nach 24 Stunden unverändert. Die 
normale Blutcirculation in der Gefäss- und Regenbogenhaut war in 
dieser Zeit wieder hergestellt. Nach 3 — 5 Tagen schwand die 
äussere Reaction gänzlich, und bei oberflächlicher Betrachtung 
unterschied sich das operirte Auge vom gesunden nur durch die 
weitere Pupille. 

In sechs dieser Fälle (deren längster Beobachtungstermin 
öl Tage dauerte) habe ich blos folgende ophthalmoskopische Ver- 
änderungen wahrgenommen : Eine grössere oder kleinere Undeut- 
lichkeit der Contouren der zuweilen gerötheten Papilla, in manchen 
Fällen eine merkliche Erweiterung der Venen , oder geringe Ver- 
engerung der Arterien und Venen der Retina, in zwei Fällen 
(39 und 51 Tage nach der Operation) die Sehnerven-Ausstrahlung 
der Netzhaut weniger markirt, als am gesunden Auge. 

Eines dieser sechs Kaninchen wurde 18 Tage, ein anderes 
25 und ein drittes 39 Tage nach der Operation getödtet. In zwei 
dieser Fälle war das mit der Sclera verwachsene centrale Ende 
des Opticus derartig gegen das periphere verschoben, dass sich 
ihre Ränder tangirten, im dritten Falle war das gleichfalls mit der 
Sclera verwachsene ceatrale Ende des Nerven von dem peripheren 
in eine Entfernung von iy a Millim. verrückt. Die mikroskopische 
Untersuchung der Retina der kranken Augen der beiden ersten 



434 Rosüw, 

Fälle zeigte überraschender Weise ein normales Verhalten der Ele- 
mente; nur fielen mir sowohl an der Papilla nervi optici, als auch 
in dem peripheren Stücke des Sehnerven braungelbe Körnerhaufen 
auf in der Grösse von 0-012—0-024 Millim. In dem dritten Falle 
konnte man mittelst der Loupe wohl keine Veränderungen der Seh- 
nervenausstrahlung an dem kranken in Vergleich mit dem normalen 
Auge unterscheiden, auch die Transparenz der Retina beider Augen 
bot keine Differenz dar. Die genauere Untersuchung jedoch ergab, 
dass manche Gruppen von Nervenfasern fettkörnig metamorphosirt, 
andere nur blasser erschienen; man begegnete aber auch normalen 
Nervenfasern. 

Der siebente Fall der mit günstigem Erfolge operirten Kanin- 
chen verdient eine besondere Besprechung. 24 Stunden nach der 
Operation merkte man ausser einer Undeutlichkeit der Contouren der 
Papilla und eines dunklen Fleckes in der Mitte derselben keine 
anderweitigen ophthalmoskopischen Veränderungen. Nach 48 Stunden 
gesellten sich die Erscheinungen der Entzündung der Retina hinzu, 
die Contouren der Papilla wurden noch undeutlicher, die Retinal- 
gefässe waren hie und da durch eine weisse trübe Masse völlig 
verdeckt. 

Fünfter Tag. Der Fleck an der Papilla etwas lichter, die 
Gefässe der Retina auf einer grösseren Strecke verdeckt. 

Sechster Tag. Die nach vorne verlaufenden Gefässe gänz- 
lich verdeckt und in dem vorderen Theile der Retina apoplectische 
Flecke wahrzunehmen. 

Achter Tag. Die hinteren Retinalgefässe völlig verdeckt, 
in diesem Bezirke der Retina sind apoplectische Flecke zum Vor- 
schein gekommen; von den nach vorne verlaufenden Gefässen ist 
nur eine sehr starke Vene zu bemerken. 

Neunter Tag. Die vorderen, wie auch die hinteren Gefässe 
erscheinen deutlicher. 

Zehnter Tag. Die Gefässe hie und da wieder mehr verdeckt 
als gestern; der Fleck an der Papilla hellroth. 

Eilfter Tag. Die Retinalgefässe etwas enger als gestern. 

Zwölfter Tag. Dieselben ophthalmoskopischen Erscheinun- 
gen. Die mikroskopische Untersuchung des an diesem Tage getöd- 
teten Kaninchens zeigte, dass alle Retinalelemente völlig normal 
waren ; die einzige wahrzunehmende pathologische Veränderung 



Experimente über die Durchschneidung des Sehnerven. 4o«) 

bestand in einer an der inneren Fläche der Retina gelagerten mole- 
culären trüben Masse, die die Gefässe verdeckt hatte; hie und da 
sind in der letzteren Spuren von stattgehabten Blutergüssen zu 
beobachten. 

In zwei Fällen, von denen in einem die Pupille 38 Tage nach der 
Operation 8 J / 3 Millim. und in dein andern 31 Tage nach derselben 
9 Millim. weit war, bediente ich mich der Calabar-Bohne, um mich 
von der Vitalität des Schliessmuskels der Iris zu überzeugen, wor- 
aus man auf die Unverletztheit der Ciliarnerven schliessen konnte. 
IS— 20 Minuten nach Einlegung des Calabarpapieres in den Con- 
junctivalsack beobachtete ich eine sehr starke Pupillenverengerung, 
welche bis zu einem Durchmesser von 3 Millim. anwuchs. 

Schliesslich erlaube ich mir die Hauptpunkte aus der zweiten 
Reihe der Experimente anzufügen : 

1. Die Durchschneidung des N. opticus ist an Kaninchen ohne 
Verletzung der hinteren Ciliarnerven und Gefässe ausführbar und 
hat keinen weiteren schädlichen Einfluss auf die übrigen Gebilde 
des Auges. 

2. Die Circulation des Blutes in den Retinalgefässen wird 
nach der vollständigen Durchschneidung des Sehnerven nicht unter- 
brochen; es stellt sich wohl anfangs eine Hyperämie ein, welche 
aber im Verlaufe der Zeit verschwindet. 

3. Die Retinalelemente zeigen selbst 39 Tage nach der Durch- 
schneidung des N. opticus durchaus keine wahrnehmbare Abnor- 
mität mit Ausnahme einer beginnenden Atrophie der Sehnerven- 
ausstrahlung. In dem zwölf Tage nach der Operation untersuch- 
ten Falle, wo die ophthalmoskopischen Erscheinungen von Retinitis 
vorhanden waren, behielten die Retinalelemente gleichfalls ihre 
normalen Eigenschaften. 

4. Die ophthalmoskopischen Veränderungen beschränken sich 
in einem Falle (51 Tage nach der Operation) auf eine geringe Un- 
deutlichkeit der Contouren der Papilla, auf eine unbedeutende Ver- 
engerung der Retinalgefässe und eine weniger markirte Ausstrah- 
lung des Sehnerven. 

5. Die nach Durchschneidung des N. opticus constant erwei- 
tert bleibende Pupille (insbesondere auffällig bei weissen Kaninchen) 
verengert sich nach Anwendung von der Calabar-Bohne gerade so 
wie im normalen Auge. 



436 R o s o vv. Experimente über die Durchschneidung des Sehnerven. 

Die noch nicht abgeschlossenen Untersuchungen hoffe ich mit 
nächstem in Bezug des in der Netzhaut nach Durchschneidung des 
Sehnerven hergestellten collateralen Kreislaufes und der etwaigen 
ferneren Veränderungen der Retina zu ergänzen , so wie auch eine 
ausführliche Erörterung der ausgeführten Experimente zu ver- 
öffentlichen. 



437 



XL SITZUNG VOM 21. APRIL 1864. 



Die königl. bayer. Akademie der Wissenschaften übersendet, 
mit Schreiben vom 1. April, die auf den Akademiker, geheimen 
ftath Dr. C. Fr. Ph. von Marti us, zur Feier seines SOjährigen 
Doctor- Jubiläums geschlagene Medaille. 

Herr Prof. E. Brücke überreicht eine unter seiner Leitung 
ausgeführte Arbeit: „Zur Hystologie der Lymphdrüsen", von Herrn 
Dr. N. Kowalewsky aus Kasan. 

Herr Dr. A. Boue spricht über eine besondere Gattung von 
Thälern, ferner über die Porphyre und Trappe Schottlands und 
über die Basalte der drei Gruppen im nördlichen Irland, um 
Staffa, um die Inseln Egg und Muke und auf der Insel Skye. 

An Druckschriften wurden vorgelegt: 
Akademie der Wissenschaften, Ungarische: Evkönyvei XI. Kötet. 
1. Darab. Pesten, 1864; 4<>- — Jegyzökönyvei. 1863. 1. Kötet. 
1. Fiizet. Pest. 1864; 12«- — Almanach 1864. 12»- — Erte- 
sitö. Nyelv-es szeptudomänyi osztäly Közlönye. II. K. 4. F.; 
pbilos. törveny-es törtenettud. oszt. Közl. III. K. 3. F. , IV. K. 
1. F.; mathein. — es termeszettud. oszt. Közl. IV. K. 1. F. Pest ; 
1863 — 1864; 8<>- — Közlemenyek, Nyelvtud. II. K. 2 & 3. 
F. III. K. 1. F. Pest, 1863 — 1864; 8<>- — Archaeol. III. K.. 
1., 2., 3. & 4. F. Pest, 1862 — 1863; 4«« — Statist. IV. K. 
1. & 2. F.; V. K. 1. F. Pesten, 1863; 8»- — Petenyi munkäi. 
1. Füzet. Pest, 1864; 8°* — Monumenta Hungariae historica. 
(DiplomataX. Kötet.) Pest, 1864; 8°- — A Magyar nyelv szötara. 
I. Kötet, 1 — 5 Füzet; IL K., 1 — 4. F. Pest 1862 & 1863; 
gr. 8°- 
— — königl. bayer. , zu München : Abhandlungen der philos.- 
philologischen Classe. X. Bd. I. Abth. nebst den Separat- 
Abdrücken von den diese Abtheilung bildenden A bhandlungen. 
München, 1863 — 1864; 4«- Buhl. L., Über die Stellung 
und Bedeutung der pathologischen Anatomie. Festrede. München, 
1863; 4o- 

Sitzb. d. mathem.-uaturvv. Cl. XLIX. Bd. I. Abth. 30 



438 

Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences. Tome 

LVIII.No. 13. Paris, 1864; 4"- 
Cosmos. XIH e Annee, 24 e Vol., 16 e Livraison. Paris, 1864; 8<>- 
Gesellschaft, k.k. geographische: Mittheilungen. VI. Jahrg. 1862. 

Wien, 1862; 4o- 
Land- und forstwirthschaftliche Zeitung. XIV. Jahrg. Nr. 12. Wien, 

1864; 4o- 
Mondes. 2 e Annee, Tome IV. 15 e Livraison. Paris, Tournai, 

Leipzig, 1864; 8°- 
Reader, The. No. 68, Vol. III. London, 1864; Fol. 
Wiener medizinische Wochenschrift. XIV. Jahrg. Nr. 16. Wien, 

1864; 4°- 
Wochen -Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts- Gesellschaft. 

XIII. Jahrg. Nr. 12. Gratz, 1864; 4«- 



B o u e. Über die säulenförmigen Gesteine etc. 4o*f 



Über die säulenförmigen Gesteine , einige Porphyrdistricte 
Schottlands, so wie über die vier Basaltgruppen des nörd- 
lichen Irlands und der Hebriden. 

Von dem vv. M. Dr. A. Boue. 

Die säulenförmige Abt h eilung der Gesteine ist nur 
gewissen, sehr wenig zahlreichen Felsarten eigen, und nicht alle 
Säulen zerfallen durch Verwitterung in wahre über einander lie- 
gende Reihen von Kugeln. Letzteres bemerkt mau besonders oft 
bei den Basalten , viel seltener bei eisenhaltigen Felsiten wie im 
Hafen zu Dunbar in Schottland (siehe für die wahrscheinliche 
Ursache Geologist. 1864, Bd. 6, S. 382), indem doch manche 
andere plutonische und neptunische Gesteine, wie der Granit, der Diorit 
und selbst der Porphyr, der tertiäre Sandstein (Thorda, Sieben- 
bürgen), seltener Grauwacke (Ehrenbreitstein, Rheinland - West- 
phalen. Bd. 4, S. 362) kugelig verwittern, ohne prismatische Ablö- 
sungen wahrnehmen zu lassen. 

Im neptunischen Gebilde findet man die deutlichste Säulen- 
Absonderung in einigen tertiären Gypsen, wie zu Paris, so wie un- 
deutliche in einigen Thonarten und Sandsteinen, besonders aber in 
solchen, welche unter pseudovulcanischen Wirkungen gewesen sind. 

Im plutonischen Gebiete haben gewisse der schönsten Säulen- 
reihen schon lange die Bewunderung erregt, wie z.B. für viele Basalte 
(Irland, Island, Vivarais, Vicentin, Insel von Bourbon.Tschabankali in 
Klein-Asien, Tchihatcheff's Atlas, Taf. 25), für manche Trappe 
(Staffordshire, Ann. of phil. 1818, Bd. 12, Taf. 83, Catskill, New- 
York, Grönland) für mehrere Phonolithe (Teufelstein im Rho-en, Zeit- 
schrift für Miner. 1827, Taf. 1), für mehrere Trachyte (Siebenberge, 
nördlicher Theil der Höhen des Mont d'or zu CroixMorand, Mittel- 
Italien), für einzelne Porphyrberge (westlich von Irkutsk an der 
Lena in Sibirien), aber viel seltener für Syenite (Fels-Insel Ailsa in 
Schottland) und Granite (Insel Mull). 

30* 



440 Boue. 

Diese letzte Felsart bildet z. B. namentlich eine schöne Reihe 
von Säulen auf dem nördlichen Ufer des südwestlichen Theiles jener 
Insel der Hebriden, gerade der Staffa-Insel gegenüber. Sollte die 
Nähe eines vulcanischen Herdes die Ursache dieser Seltenheit sein, 
wie man noch jetzt gewisse Sandsteine prismatische Abtheilungen in 
den Höhen Ofens annehmen sieht, oder sollte die prismatische Form 
andeuten, dass dieser Granit wirklich geflossen ist oder nur einen 
grossen Gang ausfüllt und vielleicht selbst zu den jüngeren Graniten 
gehört, da jetzt einige Geologen in Grossbritannien anfangen, an 
Flötzgranite daselbst zu glauben. (Siehe Scott, Sam. Haughton 
et Griffith, Brit. Assoc. 1863. Geologist. 1863, Bd. 6, S. 381.) 

Die säulenförmige Felsenstructur kann oft im Pluto- 
nischen als ein Fingerzeig zur genetischen Bildung dienen, in- 
dem dadurch auch die Art des La va-Fliessen und der Ort 
ihres Ursprunges angedeutet werden. 

Dieser besonders wichtige Umstand so wie auch andere sind in 
den meisten Fällen oder Beschreibungen nicht hinlänglich beleuchtet. 
So z.B. kennt man wohl in dem schottischen westlichen Highland 
die ungeheure Porphyr- und porphy ritische Breccien-Anhäufung des 
Ben Nevis, so wie die des schauderhaften wilden Thal-Glencoe, aber 
Niemand hat daselbst die Überlagerung verschieden gefärbter Massen 
oder nur ihr Nebeneinanderstellen gehörig studirt und, den Hammer 
in der Hand, ihre Lagerungsverhältnisse gegen den Syenit verfolgt. 
Dieses fordert nicht nur eine höchst genaue geognostische Aufnahme 
aller Kuppen und Gebirgsabhänge, sondern auch sorgfältige che- 
mische Analysen , so wie die Kenntniss der verschiedenen äussern 
und innern Natur der Felsarten, welche gewisse gleiche chemische 
Bestandtheile ursprünglich oder durch Verwitterung jetzt darbieten 
können. Dasselbe gilt für die ähnlichen Gebilde des südlichen Nor- 
wegens, so wie seihst für die grossen Flötzporphyr-Districte des 
mittleren Schottland und Cumberland. 

Neben diesen grossen Porphyrausbrüchen zu Glencoe in Ben 
Nevis liegt ein Dachschiefergebilde, welches scheinbar durch 
unterirdische Hitze gelitten hat, denn in den grossen Schiefer- 
brüchen zu Balahulish zeigt das Gestein eine falsche Schieferung. 
Ähnliches beobachtete ich auch unfern der Porphyr- und porphyriti- 
schen Breccien- Anhäufungen Cumberlands und Westmorelands bei 
Kirkdale in letzterer Grafschaft. (Siehe Bibliographie über die 



Über die säulenförmigen Gesteine u. s. w. 44:1 

falsche Schieferung am Ende der Abhandlung.) Diese Absonderung 
ist doch viel regelmässiger als die schieferige Zerklüftung gewisser 
Phonolithe, Porphyre (Dr. Aug. Streng, N. Jahrb. f. Min. 1860, 
S. 145), Syenite (Priestlaw in Haddington, Schottland, .1. Phillips 
Hep. Brit.Assoc.185G, S. 369) und Granite (Thal Rosa auf der Insel 
Ar ran *). 

Überhaupt in diesem nordwestlichen Tb eile der euro- 
päischen Gewässer wäre noch Vieles über die ehemals bedeutenden 
vulcanischen Herde zu berichtigen, dessen Sitze jetzt theilweise im 
Ocean verschwunden sind. Doch selbst die Überbleibsel ihrer Thä- 
tigkeit wurden merkwürdigerweise bis jetzt noch nie hinlänglich 
wissenschaftlich beschrieben, so dass ich hier ein kleines Scherflein 
dazu zu geben mich berechtigt fühle. Obgleich plutonisch gewor- 
den, war die Edinburgher Schule zu sehr durch die Werner'schen 
Ansichten noch lange verblendet und die Huttonianer wie ihre 
Gönner hatten doch keinen rechten Begriff von dem ganzen Detail 
des Vulcanismus und besonders waren sie mit den trachytischen 
Gebilden sehr wenig bekannt, dessen Wichtigkeit nur seit dem 
Jahre 1822 oder seit Beudant begriffen wurde. 

Maclaren's Beschreibung der Nachbarschaft Edin- 
burghs von dem Jahre 1839 war wohl ein schöner Beitrag, 
weil er den nicht sehr alten Vulcan des Berges Arthurs Seat 
sammt seinem Basalt oder ehemaligen Schlund in der Mitte von 
Trapptuff gut beschrieben hat. — Die schwanzförmige Figur des 
basaltischen Klingsteines des Dalmahoy- Hügels ist ganz richtig als 
eine eruptive längliche, ausgebreitete Masse erklärt. Der Basalt des 
Edinburgher Schlosses wird als ein vulcanisch runder Stock von dem 
Kohlensandsteine der alten und neuen Stadt getrennt, indem einige 
Geologen ehemals diesen Basalt unter dem anstossenden von West 
nach Süd geneigten länglichen Hügel der Highstreet Edinburghs 
etwas verlängern wollten. 

Wenn Maclaren aber über die Porphyrgebilde der Pent- 
land berge zu sprechen kommt, so vermisst man bei ihm eine 
Detailkenntniss der ziemlich ähnlichen Trachytgebilde. Jene Hügel 
müssten nicht nur in Verbindung mit den Braidhills und den Trapp- 



') Siehe Du n in- Bork ovski, .1. des Mines. 1809, Bd. 26, S. 173. — Cotta, Berg- u. 
Hüttenm. Zeit. 1862, S. 88. — Enys, Phil. Mag. 1833, 3. Ser., Bd. 2, S. 321. 



442 Boue. 

gebilden gebracht werden, sondern es sollten die Lagen der Feld- 
spathbreccien so wie die Zusammensetzung der einzelnen Berge 
gründlicher studirt sein. Man musste immer an alle Möglichkeiten der 
trachytischen Formationen denken, namentlich an Erhebungen von 
domartigen Kuppen oder Ausfüllung von Spalten, Überfliessungen von 
feldspathischen Lavas, Bildungen von Porphyrbreccien, so wie auch 
vonConglomeraten undEruptions-Centralpunkten. In letzterer Hinsicht 
kann vielleicht die Biegung des unteren Theiles des Logan-Thales 
(etwa ein Ebenbild des Dordogne-Thales im Mont d'or) bei Kirklon 
als der ehemalige vulcanische Sitz gelten, indem die Breccien mit 
Scbwerspathgängen gegen Süd liegen und Conglomerat, Klingsteine 
und Basalte in noch weiterer Entfernung wie in den Trachyt- 
gegenden vorkommen. 

Wenn aber der Centralkiater oder die Centralkrater so ver- 
wischt wurden, um jetzt nur mehr durch ein mit Alluvium gefülltes 
und fast unter einem viereckigen Winkel gebogenes Thal ersetzt 
zu werden, so kann auch wohl der Fall eingetreten sein, dass 
Porphyrströme als einzelne Kuppen nur mehr hervorragen. 

Ähnliche Studien wären besonders wünschenswerth in den 
viel grösseren Porphyrdistricten der Cheviots an der Grenze Eng- 
lands, des Cumberlands-Gebirges und ganz besonders in den be- 
deutenden Ochillsbergen Schottlands zwischen Forth und Tay, wo 
sich wieder dieselbe Vertheilung der vulcanischen Materien wie in 
den Trachyten darstellt, namentlich Porphyr und Breccien im Mittel- 
punkte, Trappe und Mandelsteine in Kuppen oder Gängen an der 
Peripherie. 

In neuester Zeit hat HerrGeikie wieder die Kenntniss der 
schottischen plutonischen jüngeren Gebilde durch mehrere Abhand- 
lungen erweitert. Er hat namentlich erstlich sich bemüht, eine 
Chronologie der Trappe zu eruiren (Edinb. n. phil. J. 1860, Bd. 11, 
S. 117; 1861, Bd. 14, S. 143). Nach diesem leider noch theilweise 
unvollständigen Versuche hat er im folgenden Jahre angefangen die 
vulcanischen Gebilde der älteren kohlenführenden Schichten durch 
die für erloschene Vulcane fest stehenden Thatsachen zu erleich- 
tern (Glasgow, geological Soc). Seine Zurückführung gewisser mit 
Kohlensandsteinen oder Kalkmergeln abwechselnden Wacken oder 
Tuffe zu ehemaligen Aschenausbrüchen sind naturgetreu entziffert, 
aber zugleich bleibt es bewiesen, dass in jener Urzeit schon Vulcane 



Über die säulenförmigen Gesteine 11. s. w. 443 

ihre Krater ober der Wasserfläche hatten, indem letztere Mündun- 
gen grösstenteils versehwunden sind, wenn sie wenigstens nicht 
anstatt aus lockeren Schlacken zu bestehen, mit Basalt oder Trapp 
später innerlich ausgefüllt wurden. 

Eine höchst interessante Entdeckung war auch die, dass, wie 
bei den jetzigen Vulcanen, Bitumen oder Asphalt chemisch gebil- 
det und hie und da in Menge ehemals abgelagert erscheint. In allen 
Steinkohlengegenden wird die Kohle durch bituminösen Schiefer 
oder Sandstein begleitet, dessen Ursprung man in der vegetabili- 
schen oder thierischen Verwesung gesucht hat. Doch nur in ganz 
neuerer Zeit hat T. Sterry Hunt die Beweise in Nordamerika 
finden wollen, dass nicht nur Fische und Reptilien Überreste, son- 
dern auch in paläozoischen Zeiten Crustaceen (Trilobiten) und 
selbst Zoophylen , Bitumen geliefert haben. Ein grosser Riff von 
solchen ölenthaltenden niedrigen Thierchen erstreckte sich einst nach 
ihm, von Canada bis zum mexikanischen Meerbusen (Canad. natural, 
a. Geologist. 1862, Dec oder Srnithson. Contribut. 1862). Nun in der 
Nähe von Bathgate in Lüilithgowshire hat man in Torbanehill in 
Kohlensandsteinen mehrere Lager von Bitumen gefunden , welche 
so reichhaltig ausgefallen sind, dass der Pächter daraus einen Ge- 
winn von 70.000 L. St. jährlich zieht (J. S. Ben nett, Trans, roy. 
Soc. Edinb. 1854, Bd. 21, Tb. I, S. 173). Jetzt käme die Frage 
des Ursprunges dieses Bitumens, welche ich leider aus Mangel an 
hinlänglichen persönlichen Beobachtungen unbeantwortet lassen 
rnuss, obgleich manche neuere Geologen und selbst der selige 
Humboldt Naphtha-Ausbrüche chemisch mit den Nebenwirkungen 
der Vulcane verbinden wollen. Doch die Hitze der Pseudovulcane 
war hinlänglich, um Petroleum aus Steinkohlen zu destilliren und 
warum wären denn viele naphthareiche Gegenden nur tertiärer Bo- 
den (Baku, Walachei, Galizien), reich an Ligniten und Salz, weit 
entfernt von Vulcanen und nur manchmal in der Nähe von kalten 
Schlammvulcanen? Diese die Einwendungen der Antagonisten, in- 
dem letztere, wenn sie nicht das Ganze dem vulcanischen Gas- 
chemismus übertragen , sie wenigstens plutonische Herde und 
Wirkungen in der Mitte von steinkohlenreichen Ländern für diese 
Bildung nothwendig finden und auf diese Art die Abwesenheit von 
grossen Bitumenablagerungen oder Bildungen in vielen Vulcanen 
sich zu erklären glauben. 



Rone. 

Ein anderes höchst interessantes Feld hat Herr Geikie in 
Schottland angetreten, namentlich die vollständige Illustration der 
sehr bedeutenden Trapp- und Mandelsteinablagerung der Campsie- 
hills, welche von Nordost nach Südwest fast von Hinter-Firth of 
Forth oder von dem Stirlinger Castel Trappfelsen bis nach der Clyde 
sich erstreckt und im Zusammenhange mit den Ayrshiretrappen steht. 

Unter diesen älteren Laven sind wahrscheinlich einige als 
Ströme geflossen, obgleich Säulenreihenbildung keine absolute 
Gewähr dazu liefern, denn z. B. der prismatische Trapp des Corsto- 
phine-Berges bei Edinburgh gilt nur wie der DoleritSalisbury Crags 
bei selber Stadt als grosse Gangausfüllung im Kohlensandsteine. Doch 
ähneln die sehr zersetzten und mit den schönsten Zeolithen ange- 
füllten Trappe von Glasgow bis Dumbarton den noch viel jüngeren 
Vorgängen am Riesendamme, wo die Zerstörung weniger vorschrei- 
ten konnte. 

Wenn eine Lava als Strom geflossen ist oder ein Trappstock 
sich etwas über den Rand eines Schlundes ausge- 
streckt hat, so kann es durch späteje Zerstörung leicht vor- 
kommen, dass anstatt einer zusammenhängenden Masse man nur 
Bruchstücke davon mehr zu beobachten Gelegenheit hat. 

So kommt es in der Limagne, so wie südlich vom Mittelgebirge 
vor, dass von älteren Lavaströmen nur mehrere viereckige isolirte 
Massen, manchmal selbst nur auf der Spitze von fremdartigen 
Bergen (aus Granit, Gneiss, Flötzsandstein, Kreide, Süsswasserkalk 
u. s. w. bestehend) übrig bleiben. Die Grösse dieser Bruchstücke 
nimmt gewöhnlich immer mehr ab, je weiter man sich vom Urschlund 
der Lava entfernt. Für die Trappe kann man wahrscheinlich in 
Schottland ähnliche Fälle finden, so z. B. hatte vielleicht der steile 
Trapptuff-Klotz von Craig-Lockart oder selbst der basaltische Kling- 
stein von Blackfordhill bei Edinburgh einen solchen Ursprung, wenn 
sie nicht zu den jetzt noch zu erwähnenden plutonischen Hügeln 
gehören. 

Neben diesen Strömen so wie jenen Gängen, welche in neptuni- 
schen Gebilden durchschnitten oder selbst nur in diesen als quasi 
geschichtet erscheinen , gibt es noch andere Trappe und Basalt- 
massen, welche alle überlagernden Formationen durchbrechen und 
darin wenigstens an der Oberfläche oder nahe von ihr nur runde 
cylindrische Löcher ausfüllen. Welche Kraft zu solch' einer 



Über die säulenförmigen Gesteine u. s. w. 



441 



der Champagner- Flaschen ähnlichen Entkorkung nothwendig ist, 
wäre ein zu lösendes mathematisches Problem, besonders wenn man, 
wie in der Nähe von Eisenach in Thüringen oder wie auf der Gais- 
alpe in der Allgau, keine Spaltungen im bunten Sandstein undMuschel- 
kalk oder Jurakalk in der nächsten Umgehung mehr gewahr wird. 
Man kann diese unterirdische Gewaltlhat nur dadurch leichter sich 
erklären, indem man unter den Formationen der Oberfläche plötzliche 
Spalten oder Schichtenverrückungen annimmt. Die Lava, einmal da, 
hätte sich angehäuft und durch einen ungeheuren Druck sowohl von 
unten als von den Seiten hätte sie sich einen oder mehrere verticale 
cylindrische Auswege mit oder ohne Spalten erzweckt. Ich muss auf 
mehrere deuten, weil man manchmal eine Reihe von solchen Basalt- 
kuppen findet, welche mit Basaltgängen begleitet sind und eigent- 
lich wie eine grosse Spalte aussehen, aus welcher nur hie und da 
Lava zum Vorschein kam; ein geologisches Verhältniss, welches 
ganz an die Vertheilung der Erze in gewissen Spalten erinnert. 
Die zerborsteten Steinfragmente wurden an der Oberfläche ange- 
häuft und grösstenteils später verschwanden sie durch mecha- 
nische Wasserkraft oder Verwitterung. Nur längs dem vulcanischen 
Cylinderrauchfang sitzen noch einzelne Partien von Breecien, ein 
Gemenge von Sand- und Kalksteinbruchstücken im basaltischen 
Teige. Wenn im Gegentheile diese Lava von viel tieferen Gegenden 
gekommen wäre, so müsste man in jenen Breecien eine Menge 
älterer Gesteine bemerken oder solche als ganz verschmolzen an- 
nehmen. Wirklich bürgt die verschiedenartige Zusammensetzung 
(Kalkstein, Granit, rother Sandstein) einiger ähnlicher Basalt- 
Breccienstöcke in der württembergischen Jura-Alpe so wie im baie- 
rischen Riess-Becken für die Realität solcher Voraussetzung. 

Zur Beurtheilung der Tiefe eines solchen vulcani- 
schen Cylinders haben wir nur das Mass der tiefsten, in jenen 
Basaltstöcken Thüringens und Hessens, angelegten Steinbrüche. In 
der Pflasterkante mag selbe wohl jetzt über 80 Fuss betragen. 
Doch wahrscheinlicher bleibt es, dass der basaltische Cylinder nicht 
dieselbe Mächtigkeit durch die ganze Dicke der Trias behält, son- 
dern dass er trichterförmig nach unten endigt. 

Wenn wir mit solchen Basalthügeln in Form einer Halbkugel 
oder besser eines Pilzes in Central-Europa so gut bekannt gewor- 
den sind und sie wissenschaftlich gründlich von den Lavaströmen als 



440 B o u e. 

Bruchstücke vollkommen zu trennen gelernt haben, so werden solche 
Gebilde im nordwestlichen Europa auch gewiss vorhanden sein, 
obgleich bis jetzt wir durch den Bergbau oder die Beobachtung 
keine absolute Gewissheit darüber haben. Solche werden meistens 
nur als Dyke von den Engländern angesehen. 

Jetzt gehe ich zu den grossen Basaltgebilden über, die 
in jener selben Region des Erdballes vorhanden sind. 

Drei oder vier Hauptcentralpunkte sind daselbst, namentlich 
der nördlichste Theil der Grafschaft Antrim in Irland, 
der südöstliche und östliche Theil der Insel Mull, 
sammt einigen Punkten des benachbarten Festlandes und mehreren 
kleinen Inseln, unter welchen die von Staffa die bekannteste ist, 
dann die Gruppe der Insel Egg, Rum, Canna und Muck, so 
wie der nördlichste und nordwestliche Theil der Insel 
Sky sammt den Inseln Scalpa und Rasay. Weiter gegen Nor- 
den sind ganz ähnliche Verhältnisse in den Faroe-Inseln, in Island 
und im westlichen Grönland bekannt. 

Im nordöstlichen Irland zählte man bis jetzt ausser vielen 
Basaltgängen nur wenigstens acht grosse lagerförmige Basaltströme, 
unter welchen besonders der fünfte und siebente Strom sehr regel- 
mässig säulenförmig gespalten sind, indem zwischen dem untersten 
und fünften der Basalt viermal mit röthlicher Bole oder verwitterten 
Lavaschlacken und Asche abwechselt. Wie in der Auvergne so nehme 
ich hier an, dass die Säulenbildung gewissen Coulee oder Theilen 
derselben eigen ist und nicht dass ein solcher Strom am selben Orte 
nur theilweise säulenförmig und doch grösstenteils amorph sein 
kann; kommt von letzterem noch etwas zu den Säulen, so ist es nur 
ein kleiner meistens unterer Theil. 

Nach dem neuesten Berichte des Herrn V. Dunoyer sind die 
Basaltlager keineswegs parallel, sie haben eine ziemlich 
wellenförmige Oberfläche und sie bilden im Ganzen grosse linsen- 
förmige Massen, welche 6 — 8 Grad gegen Ost oder West geneigt sind 
(Geologist 1860, Bd. 3, S. 3 — 14). Er setzt hinzu, dass einige rothe 
Bolenlager sich auskeilen, überhaupt die wellige Form dieser Basalt- 
lager ähnelt gänzlich derjenigen der Laven, wie Lyell sie uns vor- 
gezeichnet hat (Geologist 1859, Bd. 2, S. 320). 

Die Mächtigkeit der Basalt lag er erhebt sich von 60 
bis 80 Fuss , die der Bole von 9 — 22 Fuss, so dass das ganze 



Über die säulenförmigen Gesteine u. s. w. 447 

Gebilde an der Nordküste wenigstens eine Mächtigkeit von ungefähr 
380 — 500 Foss hat. Wenn aber Herr ß erger Recht hätte, sie. 
zu Divis, Knocklead und Benyavenagh auf 900Fuss zu steigern (Lond. 
geol. Soc. Trans. 1816, Bd. 3, S. 179 u. Taf. 10), so möchte dieser 
Umstand vielleicht auf noch mehrere Basaltströme hinweisen oder 
nur gewisse grössere örtliche Anhäufungen der Laven wie fast in 
alten Ausbrüchen andeuten. 

Auf der andern Seite erstaunt der Beobachter über die ausser- 
ordentliche Breite und Länge dieser Basaltströme im Verhält- 
nisse mit ihrer Höhe. Sie flössen in weiten Thälern, wo Kreide, Lias 
und bunter Sandstein eine etwas unebene Unterlage bildeten, Sie 
bewegten sich von Norden nach Süden, wenigstens nach ihrer jetzi- 
gen geneigten Lage zu urtheilen und haben am Riesendamm eine 
Breite von wenigstens 3 »/ a — 4 Stunden. Nach Dunoyer misst aber 
ihre grösste Breite nur 2600 Fuss und er wird Recht haben, da 
man diese Ströme nie nach dem vulcanischen Standpunkte beschrieb. 
Man hat namentlich unlogisch die verschiedenen Ströme vereinigt, 
indem man doch mehrere oder wenigstens Abzweigungen derselben 
Ströme finden sollte. Wenn z. B. die Basaltlaven von Dunluce-Castle 
bis Port Bradin zu denselben Strömen gehören, obgleich ihre Ober- 
fläche hie und da in der Höhe dift'erirt, so bilden die verschiedenen, 
durch Kreidefelse getrennten Basaltmassen vom Port Camply bis zu 
Murloch -Bay mehrere separate Ströme oder Stromzweige. Von 
Carrick-a-rode bis Port More findet man wieder Basaltlager mit 
rother Bole abwechseln, von da bis Ballycastle nur Basalte, dann 
wieder zwischen diesem Punkte und Murloch-Bay nicht nur unförm- 
lichen Basalt wie bei Port Camply u. s. w. . sondern auch säuligen 
auf einem erhöhten Niveau. Daraus kann man die deutlichsten Be- 
weise unserer Meinung schöpfen. 

Ausser den auffallenden rothen Bolen bemerkt man, dass die 
Säulenbildung besonders den reinsten Basalten eigen ist, indem un- 
geheure Infiltration vonZeolithen, Kalkspath, Quarz und etwas Chalce- 
don vorzüglich aus den gröberen Varietäten und blasigen oberen oder 
unteren Theilen der Basaltströme einen Schatzkasten von schönen 
Mineralien gemacht haben. So entstanden jene noch sehr porösen basal- 
tischen Mandelsteine, welche durch ihre mineralogischen Reize die 
meisten Geologen von der gründlichen Untersuchung der Basalt- 
ströme abhielt. 



448 Boue. 

Unter dem siebenten säulenförmigen ßasaltstrom, oberhalb des 
eigentlichen Riesendammes, liegt ein kurzes Lager von bituminösem 
Holze, welches theil weise zufällig durch Eisenkieszersetzung oder 
durch menschliche Hand einst in Brand gerieth und die in Pseudo- 
vulcane wohl bekannten rothen Erdschlacken erzeugt hat. Andere 
ähnliche Lager mit Überresten von Mono- und Dikotyledonenpflanzen 
gibt Dr. Berger bei Portmore und am östlichen Ufer des Lough- 
Neagh, so wie auch in allen basaltischen Hebriden an. 

Die Frage entsteht nun, woher kamen diese Basalte, 
welche Umstände gaben ihnen eine solche im Grossen genommen 
lagerartige Form und ist ihre Neigung noch die ursprüngliche. 
Nach letzterem zu urtheilen, wären die Ströme von Norden ge- 
kommen und man müsste nach dem ungefähren Winkel von 8 Gra- 
den der Lager die Stelle der Krater einige Stunden von der Küste 
im Meere suchen. Auf der andern Seite geht man nach der steilen 
Küste, wo man wie in der Krim nicht herunter, sondern hinaufsteigen 
muss; da auf letzterer Halbinsel eine Erhebung der Flötzschichten 
von Süden gegen Norden angenommen ist, so könnte man dieselbe 
Hypothese für den Riesendamm aufstellen. Doch ist es Thatsache, 
dass meistens die Breite der Lavaströme, wenn letztere ungetheilt 
bleiben, grösser an ihrem Ende als gegen ihrem Schlünde sind; 
dieser Umstand scheint aber gerade in Irland einzutreffen, da die 
breitesten Basaltlager am nördlichen Meeresufer sind. 

Ausserdem gibt es im Innern des Landes eine ganz merk- 
würdige Versenkung mit dem grossen See Lough-Neagh, und fast im 
Ceutrum der Basalteruptionen nördlich vom Antrim ist ein trachy- 
tischer District von ungefähr vier englischen Meilen im Umfang mit 
niedrigen Beigen von einer Höhe von S37 Fuss über dem Meer. 
Daselbst im Berg Sandy-Brae stehen nicht nur trachytartige Por- 
phyre, sondern auch Pechsteine und eine Abart des Perlsteines an. 
(Trans, geol. Soc. L. 1816, Bd. 3, S. 190; Essai sur TEcosse, 
S.834.) Dann deuten verkieselte Hölzer im und um den Lough-Neagh 
auf das ehemalige Vorhandensein von Thermalwasserbildungen. 
Endlich gibt es nicht nur wenige Basallgänge im Riesendamme 
selbst, sondern sie sind mehr im Innern des Landes. 

Nach diesen Thatsaehen gerathet man in Zweifel, ob nicht die 
Luftlöcher der ehemaligen irischenVulcane alle oder doch der grösste 
Theil südlich anstatt nördlich vom Riesendamme waren. Die Annahme 



Über die säulenförmigen Gesteine u. s. w. 449 

wird noch dadurch verstärkt, dass die ßasaltgänge sicli weit im 
Innern um diesen sogenannten Centralpunkt erstrecken. Auf der 
andern Seite führt aber diese Hypothese zu dem notwendigen 
Schluss, dass die südliche Landversenkung die nördliche Küsten- 
erhebung bedungen hätte. Doch ist besonders zu berücksichtigen, 
dass alle Küsten der britischen Länder und ganz besonders Schott- 
lands die deutlichsten Merkmale einer allgemeinen Landeserhöhung 
oder einer universalen Meeressenkung in einem Verhältniss von 
über 150 Fuss und noch mehr in der Höhe (180 — 200 Fuss) an 
sich tragen. Dazu kommen noch die Spuren des Wellenschlages 
oder selbst kleine Reihen Höhlen in den Uferfelsen, welche auf 
verschiedenen Niveaus vertheilt und durch 30 — 35 oder selbst 
70 Fuss unberührte Felswände getrennt erscheinen, was eher auf 
eine allmähliche oder stufenweise als auf eine plötzliche grosse 
Veränderung hinweist (siehe Chamber's Ancient Sea margins 
1848). 

Zwischen dem jetzigen Meeresniveau und dem Fusse des Felsens 
besteht noch oft wie z. B. fast um der ganzen Insel Arran ein mehr 
oder weniger breiter flacher, grossentheils felsiger Uferrand, eine 
Bodenconfiguration, welche an der Küste des südöstlichen Afrika's, 
in der sogenannten Tschama der Araber so wie längs vieler Inseln 
im Ocean sich wieder findet. 

Nach dem Zuschnitt der Bergspitzen und selbst der höchsten, 
so wie nach allen Alluvial-Thatsachen scheint es auf der andern 
Seite bewiesen, dass einst Meeresströmungen über das ganze Land 
von Nordost in südwestlicher Richtung gingen. Daraus entstanden 
die nordöstlichen Einschnitte aller Bergspitzen und die grossen 
von Nordost nach Südwest laufenden Landfurchen. Dieses Alles muss 
in dem geogenetischen Bilde der vulcanischen Massen des nord- 
westlichen Europa wohl erwogen werden. Wäre aber Bryson's 
Theorie über das allmähliche Zurückziehen des Meeres im Innern 
der Erde gegründet (Edinb. n. phil. J. 1861 , N.R. Bd. 14, S. 144), 
so würde sich Manches in der Lage der letzteren auf andere Weise 
deuten lassen. 

Um aber die regelmässige Lagerung und Infiltration der Basalte 
zu erklären, muss man einen gewissen Druck, möglichst das Flies- 
sen der Lava unter einem ziemlich tiefen Wasserstande, anneh- 
men, so dass letztere breiartig gleichmässiger als gewöhnlich an 



450 B o u e. 

der Luft sich ausbreiten und die entwickelten Gasarten nicht so 
leicht entwischen konnten. Später wären dann die Wasserinfiltra- 
tionen und chemischen Zersetzungen und Wirkungen gefolgt. In 
gewöhnlichen Vulcanen fehlen letztere oder man bemerkt in den 
Laven nur gewisse metallische oder salzige Sublimationen und durch 
die Erstarrung ihrer oberen Kruste werden die Laven mehr zur 
Bildung von hohen, wenig breiten unregelmässigen Haufen als zu 
der von Lagern gezwungen. 

Was die Braunkohlen betrifft, so kann man kaum darin 
angeschwemmtes Holz sehen, obgleich eine solche Erklärung für 
ähnliche Lager in Island wohl möglich wäre. Wenn dieses der Fall 
nicht gewesen wäre, so mussten gewisse Lavaströme von den aus 
dem Meere oder über den Erdboden hervorragenden Kratern herab- 
geflossen und kleine Waldungen verschüttet haben. 

Wenn wir unsere Muthmassungen weiter nach Schottland er- 
strecken, so linden wir in der Bucht, an deren Eingang Staffa liegt, 
einige Andeutungen, dass man es da wohl mit einem älteren vulca- 
nischen Schlund zu thun hat, dessen Lavaströme Staffa und einige 
kleine Inselchen uns nur Bruchstücke erhalten hätten. Doch in der 
Insel Mull sind die Trappe und Basaltberge bis jetzt in keine 
gehörige Verbindung gebracht worden. Man weiss nur, dass sie 
auf einer Unterlage von krystallinischem Schiefer und Granit, so 
wie auf Syeniten sammt einigen Lias- und selbst unteren Oolith-Lagern 
ruhen, dass sie auch selten Braunkohle in unbedeutender Menge 
enthalten und dass besonders der nordöstliche Theil sehr basal- 
tisch ist. Gänge fehlen daselbst auch nicht. Man müsste da die 
durch Eruption oder durch Gangbildung entstandenen Berge 
mineralogisch, chemisch und geognostisch sortiren, was wegen 
der Unwirthbarkeit und der bedeutenden Torf- und Moosbede- 
ckung, so wie der Felsenverwitterung jener Insel sehr erschwert 
wird. 

Für die Gruppe der Insel Egg, Canna und Muck kann 
man noch weniger Muthmassungen anstellen. Bunter Sandstein, 
Lias und etwas Oolith ist daselbst der überdeckte Boden und neben 
den Augitgesteinen und Basalten kommen wie zu Staffa ziemlich 
viele Basaltbreccien vor. Auch etwas bituminöses Holz ist vorhan- 
den. Die Zerstörung und Zerstückelung ist da am meisten vorge- 
schritten. Doch deuten die Tuffe und Breccien, so wie die Braun- 



Über die säulenförmigen Gesteine u. s. w. 4ol 

kohle auf die Nähe des ehemaligen, selbst ziemlich hohen vulcani- 
schen Schlundes. 

Im westlichen und nordwestlichen Theile der Insel Skye, 
im Trotternish besonders findet man aber wieder fast alle geogno- 
stischen und mineralogischen Eigenthümlichkeiten der irischen 
Basalte, namentlich wenigstens 12 Basaltlager, manchmal selbst von 
200 — 300 Fuss Mächtigkeit und theilweise säulenartig, dann die 
Abwechslung mit rothen Schlacken oder Aschenanhäufungen, kleine 
kurze Braunkohlenlager, die zeolithischen, Kalkspath- und Chalcedon- 
Infiltrationen und wie unter dem Dunluce-Schloss in Irland, die ver- 
änderten oder verkieselten ammonitfiihrenden Liasmergel (Duntulm). 
Die Unterlage dieser vulcanischen Ausbrüche wären wieder bunter 
Sandstein, Lias und jurassische Oolithe, aber in ihrer Nähe wären auch 
östlich ältere Syenite und krystallinische Schiefer. Alle diese Flötzfor- 
mationen füllen zusammen deutlich von Irland bis hoch in denHebriden 
einen langen, von Norden nach Süden sich erstreckenden, mehrere 
Meilen breiten Trog von krystallinischem Schiefer, deren Überbleibsel 
man im nordwestlichen und mittleren Irland, aber besonders in Schott- 
land sehr deutlich in den sogenannten äusseren Hebriden, in der 
Insel Jona so wie östlich in einer Menge Inseln vor dem schottischen 
Continent so wie im letzteren selbst erkennt. 

Die Basaltlager der Insel Skye sind wie in Irland in einer 
sanften, gegen Süden und Westen geneigten Stellung, aber von denen 
in jener Insel durch ihre Menge von vertical oder geneigte, manch- 
mal verzweigte und selbst horizontale Basaltgänge im Seeundären 
ganz besonders ausgezeichnet. Nach dem Platze dieser so wie der 
Analogie mit der gangreichen Somma neben dem Vesuv sollte man 
die Centralpunkte der Ausbrüche eher nordöstlich und südlich der 
Basaltgegend vor und in der Insel Skye selbst namentlich besonders 
in dem Cuchullin-Berge, zwischen der Strather Gegend und den 
Buchten von Loch Brittle und Loch Sligachan suchen, wenn wenig- 
stens die verschiedene Breite in dem Laufe der Basaltlava nichts 
dagegen an's Licht bringt. Der kleinste Theil der Lava hätte sich 
östlich jener Berge und kraterartigen Vertiefungen (Loch Creich, 
Coruisk u. s. w.) im Strathaird und auf der Insel Scalpa ergossen; 
fast alle noch vorhandenen Basalte flössen aber westlich und viel- 
leicht deuten die drei Buchten zwischen den Halbinseln von Trotter- 
nish, Vaternish und Minginish nicht nur auf ein Werk der Wellen- 



452 B o u e. 

Zerstörung, sondern auch wirklieh auf eine ehemalige Theilung der 
Lavaströme. Möglich, dass ein jetzt zerstörter Urdamm selbst die 
Basaltgegenden Skyes von jener der mehr südlich gelegenen basal- 
tischen Insel einst trennte; dann wären jene Eruptionen aus einem 
mit einigen Flötzgebilden überdeckten jüngeren krystallinischen 
Schieferkessel (Rasay, Scalpa, Sleat) herausgekommen, indem in 
gewissen älteren eruptiven isolirten Massen oder Bergen daselbst 
eine neue vulcanische Thätigkeit erwacht worden wäre. 

Überhaupt unfern dieser grossen Basalt- und Trappanhäufungen 
der Hebriden und Irlands befinden sich manche ältere plutonische 
Gebilde, so z. B, bei den Basalten Skyes die Syenite nördlich und 
westlich von Kilbride; um dem Coriusker See die sogenannten 
Hyperstensyenite M a c c u 1 1 o c h's, welche Descloizeaux als Augit- 
führende in neuester Zeit bestimmte; unfern der Insel Mull Granite, 
so wie die grossen Porpliyrmassen des Ben-Nevis; bei den irlän- 
dischen Basalten, der Syenitfels von dem Ailsa -Inselchen, die 
Granite in Donegal und Down. Die Veränderung oder Verrückung 
der vulcanisch-plutonisehen Erdschlünde wird dadurch deutlich an- 
gezeigt und diese Eigentümlichkeit wird im wahrscheinlichen rhyt- 
mischen Zusammenhange sowohl mit der verschiedenen Temperatur 
und denAbkühlungs-Perioden der Erdkruste als mit ihrem langsamen 
Zusammenschränken in Verbindung sein. 

Als ähnliche Gebilde kennt man noch nördlich die Insel Faroe 
mit ihren hohen Klippenplateaus, ihren kreisförmigen so wie ellip- 
tischen Thälchen , ihren Doleriten , ihren dunklen Mandelsteinen, 
ihren rotheu harten, in Mandelsteine übergehenden Bolen und Trapp- 
Porphyren samint einigen Braunkohlen und Zeolithen -Infiltrationen 
wie in Irland. Obgleich Forchhammer in seiner Beschreibung von 
keiner Kraterspur berichtet, so lassen die Details solche fast er- 
ratheu. Die sogenannten Botnir oder halbkreisförmigen Löcher 
oder Thäler und die Überlagerung von geneigten, vielleicht später 
etwas gehobenen Lavaströmen charakterisiren diese Insel hinlänglich 
als vulcanischen Boden (siehe Abb. d. Kopenh. Ges. 1826, Bd. 2, 
S. 161). 



Über die säulenförmigen Gesteine u. s. w. 40o 

Bibliographie der schieferigen abnormen Zerspanung der Thon- 
schiefer, Grauwacken -Sandsteine und Gneisse. 

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Sitzb. d. mathem.-naturw. CI. XLIX. Bd. I. Abth. 31 



454 B o u e. Über die säulenförmigen Gesteine u. s. w. 

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(Bull. Soc. Vaud. Sc. nat. 1856, Bd. 4, S. 379—401). — Arran- 
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1857. — H. Schlagintweit (Rep. Brit. Assoc. f. 1857, 1858, 
Edinb. n. phil. J. 1857, N. R. Bd. 6, S. 318). — W. King (Rep. 
Brit. Assoc. f. 1857, Edinb. n. phil. J. 1851, N. R. Bd. 6, S. 316). 

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the roy. geol. Sc. of Cornwall). — J. S. Enys, Om the jointed 
structure of rocks as seen from a quarry man's point of view a. its 
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London 1859. — Sir R. J. Murchison u. A. Geikie, Zu- 
sammenfallen von Schichtung und Blätterung in krystallinischen 
Schiefergesteinen Hoch-Schottlands (Quart. J. Geol. Soc. L. 1861, 
Bd. 17, S. 232—240). 



Kner. Einiges über die Thymusdrüse bei Fischen etc 4t)ö 



Einiges über die Thymusdrüse bei Fischen und die 
Schwimmblase der Stachelflosser. 

Von dem w. M. Dr. Rudolf Rner. 

Das Vorkommen einer Thymus oder ihr wenigstens entspre- 
chender drüsiger Gebilde bei gewissen Fischen gilt seit geraumer 
Zeit als eine bekannte Thatsache. Schon im Jahre 1827 beschreibt 
sie Fohmann von den Rajaceen, später J. Müller von den Myxi- 
noiden, bald hierauf fanden sie Robin, Ecker u. A. noch bei zahl- 
reichen Plagiostomen und endlich wurde sie zuerst von Stannius 
auch bei mehreren Knochenfischen, insbesondere aber nur weich- 
strahligen beobachtet und in J. Mülle r\s Archiv 1850 beschrieben. 

In der zweiten Autlage seiner Zootomie der Fische äussert 
sich S. 256 Stannius folgender Weise: „Eine paarige Thymus 
ist bisher bei den Myxinoiden, allen untersuchten Plagiostomen 
und bei einigen Teleostiern beobachtet worden. Sie liegt bei 
ersteren jederseits hinter den Kiemen neben der Cardia, bei Pla- 
giostomen ebenfalls hinter dem oberen Ende der Kiemenbogen und 
erscheint "daselbst als vorne breitere und hinten schmäler wer- 
dende gelappte Drüsenmasse. Ein entsprechendes Gebilde 
kommt bei einigen Teleostiern an der hinteren Grenze der Kiemen- 
höhle längs dem oberen Tbeile des Schultergtirtels vor; es ist von 
grauröthlicher Farbe und hat eine durch vorragende Acini oder 
rundliche Ausstülpungen bewirkte höckerige Oberfläche". — Als 
ihm diesfalls bekannte Gattungen von Knochenfischen werden blos 
solche angeführt, die der Ordnung der Weichflosser angehören, 
nämlich Gadus, Lota, Pleuronectes und Rhombus und nur Lophius 
würde eine Ausnahme machen, wenn diese Gattung wirklich ein 
wahrer Stachelflosser wäre, was sie jedoch keineswegs ist. 

Was aber nun das der Thymus entsprechende Gebilde bei den 
genannten Knochenfischen anbelangt, so wird ein solches von 
Stannius auch bei Knorpelfischen erwähnt, indem er sagt: „An 
der Stelle der Thymus liegen bei Accipenser zahlreiche , weite 

31* 



456 Kner. Einiges über die Thymusdrüse bei Fischen 

Ostia besitzende Folliculi branchialis, aus denen eine klebrige 
Masse hervorkommt". Auch Leydig scheint die Thymus der 
Plagiostomen und die Folliculi branchiales für gleichbedeutende 
oder doch entsprechende Gebilde zu halten, indem er in seinem 
Lehrbuche der Histologie sich äussert: „Bei Plagiostomen ist die 
Thymus, die zwischen den Seitenmuskeln und der Kiemenhöhle 
vor dem Schultergürtel liegende Drüse, beim Stör sind es die 
Folliculi branchiales , bei den Knochenfischen ebenfalls, und wenn 
diese fehlen, ist es die Drüse, welche bei Gadus, Lota u. s. w. in 
der Hautcommissur liegt, die den Kiemendeckel mit dem Schulter- 
gürtel verbindet". 

Ich bin weder in der Lage, noch auch willens, mich darüber 
auszusprechen, ob die Deutung dieser Drüsen als Thymus oder doch 
entsprechender Gebilde vom morphologischen oder physiologischen 
Standpunkte aus die richtige sei, sondern beschränke mich nur auf 
die Feststellung der Thatsache, dass den beschriebenen ganz ähnliche 
drüsige Gebilde bei Fischen ungleich häufiger vorkommen, als man 
bisher angegeben findet. Bei der speciellen Bearbeitung der von 
den „Novara-Beisenden" gesammelten Fische, mit der ich so eben 
beschäftigt bin, fand ich unter den bis nun untersuchten Stachel- 
flossern nicht nur eine grosse Anzahl von Gattungen, welchen 
solche Drüsen gleichfalls zukommen, sondern dass sie bei vielen 
sogar noch stärker, als bei Accipenser und den oben genannten 
Weichflossern entwickelt ist. Als Beispiele hochgradiger Ausbildung 
erlaube ich mir anzuführen: Priacanthus, Therapon, Dentex, 
Caesio, Cantharus, Sargus, Chrysophrys und Chilodactylus. — 
Dass junge Individuen diese Drüsen häufig nicht stärker entwickelt 
zeigen, als ältere oft ansehnlich grosse, scheint nicht zu Gunsten 
der von Stannius geäusserten Vermuthung zu sprechen, dass sie 
wohl nach dem Alter ihre vor- und rückschreitenden Phasen 
durchmachen mögen. 

Bei dieser Gelegenheit kann ich dagegen nicht umhin, meiner- 
seits eine Vermuthung auszusprechen, ohne ihr jedoch vorerst ein 
grösseres Gewicht beizulegen. Stannius hebt nämlich eigens 
hervor, dass bei Batrachus tau diese Drüse fehle, während sie doch 
bei Lophius ansehnlich gross sei. Hiebei kam mir sogleich in Erin- 
nerung, dass die genannte Art einen eben sogrossen Porus pec- 
toralis über der Basis der Brustflossen und zunächst hinter dem 



und die Schwimmblase der Stachelflosser. 45 T 

Humerus besitze, wie dies bei so vielen Siluroiden bekanntlich 
der Fall ist. Auch entsann ich mich, dass bei letzteren statt eines 
einfachen Loches jederseits eine ausgedehntere, siebähnlich durch- 
löcherte Hautstelle sich öfters vorfinde, und ingleichen überzeugte 
ich mich bald, dass bei den obenerwähnten Stachelflossern die soge- 
nannte Thymus oft bis hinter den Schultergürtel reiche. Der Ge- 
danke lag somit nahe, ob nicht etwa die Port pectorales den Mün- 
dungen der Folliculi branchiales gleichzusetzen seien, und demnach 
die der Thymus entsprechenden drüsigen Gebilde nur bald vor, 
bald hinter dem Schultergürtel und in beiden Fällen bald je mit 
einfachen, bald mit mehreren Poren sich öffnen. Ich sah daher zu 
diesem Behufe vorläufig bei mehreren Siluroiden die Pori pecto- 
rales besitzen, nach und fand bisher in der That noch bei keinem 
derselben Folliculi branchiales oder eine Thymus ähnliche Drüse, 
die an ihrer Stelle mündete. Die Folge wird lehren, ob dagegen 
bei Siluroiden ohne Porus pectoralis sich etwa Foll. branchiales 
vorfinden , worüber ich einstweilen noch keine Erfahrungen 
sammelte. 

Eine zweite Beobachtung, die ich bei mehreren der bis jetzt 
zu erwähntem Behufe untersuchten Stachelflosser machte, betrifft 
die Schwimmblase. Es galt schon vor J. Müller als ein für 
die Acanthopteri bezeichnendes Merkmal, dass ihre Schwimm- 
blase, wenn überhaupt eine solche vorhanden, des Luft- oder Aus- 
führungsganges ermangle. Nun ist aber aus der Entwicklungs- 
geschichte der Fische bekannt, dass sich die Schwimmblase, und 
zwar schon sehr frühzeitig als Ausstülpung der Wandung des 
Darmrohres zu bilden beginne, rasch an Umfang zunehme, sich 
jedoch dabei vom Darme immer mehr abschnüre. Bathke sagt in 
seiner von Kölliker veröffentlichten Entwicklungsgeschichte der 
Wirbelthiere, Leipzig 1861 auf S. £0: „die Schwimmblase bildet 
sich mehr oder minder weit vom Munde entfernt, schon sehr früh 
aber später als Herz und Schlundspalten, aus der obern (nur sehr 
selten wie bei Polypterus aus der untern) Wandung des Darm- 
canales, indem er sich an einer kleinen Stelle aussackt, der aus- 
gesackte Theil an Umfang bedeutend zunimmt, und zwar in der Art, 
dass er sich gegen den Darm immer mehr abschnürt und also nach 
einiger Zeit mit einer im Verhältniss zu seiner Höhle nur engen 
Öffnung in den Darm ausmündet". So wenigstens bei Physostomen. 



458 K n e r. Einiges über die Thymusdrüse bei Fischen 

Da demnach die Sehwimmblase morphologisch den Lungen gleich- 
zusetzen ist und auch jede wesentlich aus den gleichen Häuten und 
Geweben besteht, so liegt die Vermuthung im Voraus nahe, dass 
auch jene Schwimmblasen, die später keinen Luffgang zeigen, sich 
doch auf gleiche Weise, wie jene entwickeln, welche bleibend durch 
einen wegsamen Ductus mit dem Darmrohre in Verbindung stehen, 
und dass folglich die Überreste des einstmaligen Verbindungs- 
ganges auch bei Stachelflossern öfters, wenn auch nicht immer 
nachzuweisen sein dürften. — Diese Vermuthung fand ich auch in 
der That bisher bereits bei mehreren Gattungen von Acanthop- 
teren bestätigt und ich hebe als Beispiele hier nur die beiden Gat- 
tungen Holocentrum, Priacanthus und Caesio hervor. Bei ihnen obli- 
terirt der ehemalige Ductus nicht völlig, sondern bleibt als feiner 
Canal wegsam, welcher deutlich aus einer äussern fibrösen und einer 
innern Epithelial-Schichte besteht; letztere sieht man sogar durch 
ein Loch an der Ventralseite der Schwimmblase in sie eindringen 
und sich als deren innere Auskleidung fortsetzen. In vielen anderen 
Fällen wird aber allerdings der anfängliche Ductus völlig unweg- 
sam und verwandelt sich in ein Ligamentum, durch welches dann 
die Schwimmblase an den Darm befestigt erscheint. 

Da höchst wahrscheinlich für alle Fische, bei denen es über- 
haupt zur Bildung einer Schwimmblase kommt, das gleiche Gesetz 
ihrer Entwickelung gilt, und es sich nur darum handelt, ob der 
ursprüngliche Verbindungsgang derselben mit dem Darme fortan 
offen bleibt, oder sich später schliesst, so erscheint es dann um so 
weniger befremdend, wenn man in beiden Fällen, sowohl bei 
Schwimmblasen mit, wie ohne Ductus, dieselben Formenverschie- 
deuheiten derselben sich wiederholen sieht; denn bei Stachelflos- 
sern, wie bei Physostomen kommen einfache Schwimmblasen vor, 
abgetheilte, mit mehr oder minder zahlreichen Appendices ver- 
sehen, solche, die sich nach rückwärts in weit über die Bauchhöhle 
zurückziehende Hörner fortsetzen, wie endlich auch solche, die nach 
vorne unmittelbar bis an das innere Gehörorgan reichen, wie dies 
z. B. bei Myripristis der Fall ist. 

Zusatz. Durch freundliche Zuschrift des Geheimen Rathes 
von Baer wurde ich erst nachträglich aufmerksam gemacht, dass 
dieser grosse Forscher schon im Jahre 1836 in den Bullet, scientif. 
de l'Acad, imp. de St. Petersbourg, T. 1. p. 15 — 16 eine „Beobach- 



und die Schwimmblase der Stachelflosser. 



459 



tung" über den Ausführungsgang der Schwimmblase beim Embryo 
des Barsches mittheilte. Dankbarst für diesen gütigen Hinweis 
beeilte ich mich , jene kurze aber für mich belangreiche Mittheilung, 
die mir allerdings entgangen war, nachzusehen und fand, dass von 
Baer an Barsch-Embryonen von 2y 3 Lin. Länge den Ausführungs- 
gang der Schwimmblase, dessen Existenz er auf Grund der schon 
früher von ihm beobachteten Entwickelung von Cyprinus bis dahin 
blos vermuthet hatte, wirklich offen sah. Binnen wenigen Tagen 
jedoch war derselbe nicht blos bereits unwegsam, sondern gänzlich 
verschwunden. 

Diese Beobachtung erscheint mir um so wichtiger, als sie 
gerade die Lücke ausfüllt, welche bezüglich der auch von mir ver- 
mutheten gleichen Bildungsweise aller Schwimmblasen meiner- 
seits gelassen wurde. Denn von Baer lieferte hier den ungleich 
schwierigeren Beweis für die embryonale Zeit; aus meinen Beob- 
achtungen ergibt sich hingegen, dass auch weit über diese hinaus 
sich das gleiche Gesetz der Entwickelung noch nachweisen lasse, 
und ich zweifle nicht, dass es mir gelingen werde im Verlaufe 
weiterer Untersuchungen noch mehrere Stachelflosser aufzufinden, 
bei welchen der frühe Verbindungsgang mehr oder minder deutlich, 
wenigstens in Ligamentform sichtbar bleibt. 



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XII. SITZUNG VOM 28. APRIL 1864. 



Das hohe Curatorium der kais. Akademie übermittelt, mit 
Zuschrift vom 26. April, den, in Folge des von derselben 
gestellten Ansuchens, für das c. M. Herrn Prof. Dr. K. Peters, 
zu seiner bevorstehenden wissenschaftlichen Bereisung der Dobrud- 
scha und der östlichen Balkangegenden, erwirkten grossherrlichen 
Ferman nebst vier Veziral- Schreiben an die Statthalter von 
Rustschuk, Tultscha, Varna und Widdin, so wie ein offenes Vor- 
schreiben des h. k. k. Ministeriums des Äussern an die k. k. Con- 
sular-Ämter in Bulgarien. 

Herr Hofrath W. Haidinger übersendet einen Bericht über 
den „Meteorfall bei Trapezunt am 10. December 1863". nebst 
einer „Notiz über ein Meteoreisen in der Universitäts- Sammlung 
in Zürich", von Herrn Prof. Dr. A. Kenngott. 

Herr Dr. G. Wertheim, Docent der Dermatologie ander 
Wiener Universität, legt eine Abhandlung „über den Bau des 
menschlichen und thierischen Haarbalges" vor. 

Herr Dr. S. Stricker, Assistent am physiologische